Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundfünften Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
13 Tote bei Selbstmordanschlag in Bagdad. Zweiter Prozess gegen Saddam
Hussein fortgesetzt
Di.12.09.06 - Ein Selbstmordattentäter hat sich am Montag in Bagdad in die Luft
gesprengt und dabei nach Polizeiangaben mindestens 13 Rekruten der
irakischen Armee mit in den Tod gerissen.
Sieben Menschen seien verletzt worden. Den Angaben zufolge löste
der Täter seinen Sprengsatz in einem vollbesetzten Kleinbus vor
einem Rekrutierungszentrum im Westen der irakischen Hauptstadt aus.
Polizeikreisen zufolge handelte es sich bei den Opfern um Rekruten des
Militärstützpunkts Muthanna, der in der Vergangenheit
wiederholt Ziel von Selbstmordattentätern war. Die Ausbildung von
irakischem Militär ist ein Kernelement für einen Abzug der
US-Truppen aus dem Land.
Nach rund dreiwöchiger Unterbrechung ist am Montag der zweite
Prozess gegen Saddam Hussein fortgesetzt worden. Der ehemalige
irakische Präsident steht wegen einer Militäroffensive im
Nordirak Ende der 80er Jahre vor Gericht, die zwischen 50.000 bis
180.000 Kurden das Leben kostete. International bekannt wurde die
«Operation Anfal» vor allem durch einen Giftgasangriff auf
die Stadt Halabdscha 1988. Saddam Hussein und seinen sechs
Mitangeklagten droht die Todesstrafe.
Am 16. Oktober soll das Urteil in seinem ersten Prozess verkündet
werden, in dem ein Massaker in der Stadt Dudschail nördlich von
Bagdad verhandelt wurde. Dort wurden 1982 fast 150 Schiiten
getötet. Auch in diesem Verfahren könnte der Exmachthaber zum
Tode verurteilt werden. Saddam Hussein erschien am Montag vor Gericht,
der Prozess dürfte einige Monate dauern.
Die Fortsetzung des Prozesses am fünften Jahrestag der
Terroranschläge von New York und Washington entbehrte nicht einer
gewissen Ironie, da ein neuer Bericht des US-Senats feststellte, dass
es keine Hinweise auf eine Verbindung zwischen Saddam Hussein und dem
Terrornetzwerk Al Kaida gab. Die Regierung von US-Präsident George
W. Bush hatte vor Beginn des Irakkriegs erklärt, dass der
Aufenthalt Abu Mussab al Sarkawi im Irak eine Verbindung zwischen dem
Regime Saddam Husseins und der Al Kaida belege. Noch im August dieses
Jahres hatte Bush von Verbindungen zwischen Saddam Hussein und Al
Sarkawi gesprochen.
Am Sonntagabend verlangten rund 300 Demonstranten im Nordirak einen
raschen Prozess gegen Saddam Hussein. Zudem forderten sie, kurdische
Militärkommandeure vor Gericht zu stellen, die damals mit dem
Regime in Bagdad zusammenarbeiteten.
(Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 12.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhunderteinundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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9/11: Al-Kaida droht zum Anschlag-Jahrestag mit neuer Gewalt
Di.12.09.06 - Die Extremisten-Organisation Al-Kaida hat zum Jahrestag der
Anschläge in den USA mit neuer Gewalt gedroht.
Ziele seien die USA, die Staaten am Golf und Israel, erklärte
Al-Kaida-Vizechef Aiman al-Sawahri in zwei am Montag in Auszügen
ausgestrahlten Videobotschaften. Zunächst werde der Westen zum
Rückzug aus der Golfregion gezwungen, dann sei Israel an der Reihe,
hieß es in dem vom Fernsehsender Al-Dschasira gezeigten Film.
Viele Golfstaaten arbeiten mit den USA zusammen.
In einem auszugsweise vom Sender CNN ausgestrahlten Video rief die
rechte Hand von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden die Moslems auf, ihre
Angriffe gegen die USA und den Westen zu verstärken. "Neue
Ereignisse" würden vorbereitet. Die Botschaft sei auf
islamistischen Websites im Internet zu finden.
In der von Al-Dschasira gezeigten Botschaft machte al-Sawahri die mit
den USA verbündeten Regierungen Ägyptens, Jordaniens und
Saui-Arabiens für den Tod von Moslems verantwortlich. "Israel kann
nur deshalb den Libanon und den Gazastreifen dominieren, weil
Ägypten sich aus dem Konflikt mit Israel völlig
zurückgezogen hat."
Bereits am Sonntagabend hatte die Al-Kaida im Internet ein Video
gezeigt, in dem Bin Laden den Attentätern vom 11. September
Anweisungen erteilt und sie auffordert, sich auf ihr Martyrium
vorzubereiten. Einige der Attentäter lesen ihr Testament vor, ein
anderer posiert in der Nähe eines Miniatur-Flugzeugs. Teile des
Videos waren bereits am Donnerstag vom arabischen Sender Al-Dschasira
ausgestrahlt worden.
Am Montag war der fünfte Jahrestag der Anschläge auf das
World Trade Center in New York und das Verteidigungsministerium bei
Washington. Bei den Anschlägen, die mit entführten
Verkehrsflugzeugen verübt wurden, kamen fast 3000 Menschen ums
Leben.
(Quelle: rtr)
USA trauerten am fünften Jahrestag um Opfer des 11. September
Di.12.09.06 - Fünf Jahre nach dem Schock der Terroranschläge vom 11.
September 2001 haben die USA der fast 3000 Opfer gedacht. Am Montag um
08.46 Uhr hielten die Menschen bei einer Schweigeminute inne. Zu diesem
Zeitpunkt war am 11. September 2001 das erste Flugzeug ins World Trade
Center gerast. Am Ground Zero in New York, wo das World Trade Center
einst stand, verlasen Hinterbliebene die Namen der Opfer. Aus aller
Welt trafen Solidaritätsadressen ein.
Die Familien der Opfer verlasen begleitet von Cello-Musik die Namen der
2749 Menschen, die in den Trümmern der Zwillingstürme starben.
Die Zeremonie wurde nur von der Schweigeminute um 08.46 Uhr
unterbrochen und drei weiteren Schweigeminuten, die den Einschlag des
zweiten Flugzeugs und das Einstürzen der beiden Türme
markierten. Viele Hinterbliebene hielten Blumen und Fotos von den
Opfern in Händen. In Erinnerung an das schlimmste Attentat auf dem
Boden der USA wehten die Flaggen im ganzen Land auf Halbmast.
US-Präsident George W. Bush und seine Frau Laura verbrachten die
Schweigeminute in einer Feuerwehrwache an der Lower East Side gemeinsam
mit Feuerwehrleuten und Rettungshelfern, die vor fünf Jahren 343
Kollegen verloren hatten. Nach den Trauerfeiern in New York wollte Bush
nach Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania weiterreisen, wo vor
fünf Jahren eine entführte United-Airlines-Maschine über
einem Feld abgestürzt war. Später wollte er sich zum Pentagon
in Washington begeben, in das die Attentäter das vierte
gekidnappte Flugzeug gesteuert hatten.
Politiker aus aller Welt bekundeten ihre Solidarität mit den USA,
zeigten sich häufig jedoch auch kritisch gegenüber der
aktuellen Politik aus Washington. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) rief zum gemeinsamen Kampf gegen den internationalen
Terrorismus auf, mahnte aber auch die Achtung des Völkerrechts
sowie Toleranz und Respekt vor anderen Kulturen an.
UN-Generalsekretär Kofi Annan rief zum Kampf gegen den Terrorismus
auf, mahnte aber, dabei müssten die Menschenrechte gewahrt werden.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, der
Kampf gegen den Terror sei "noch lange nicht gewonnen".
(Quelle: afp)
Bush beschreibt Anti-Terror-Krieg als Kampf um die Zivilisation
Di.12.09.06 - Fünf Jahre nach den schlimmsten Terroranschlägen in der
Geschichte der USA hat Präsident George W. Bush die Amerikaner zur
Einigkeit im Kampf gegen den Terrorismus aufgerufen. «Amerika hat
um diesen Krieg nicht gebeten und jeder Amerikaner wünscht sich,
dass er vorbei wäre», sagte Bush am Montagabend in einer
Fernsehansprache. «Das tue ich auch. Aber der Krieg ist noch
nicht vorbei und wird nicht vorbei sind, bis entweder wir oder die
Extremisten siegreich sind.»
Der US-Präsident verteidigte in seiner Rede aus dem Weißen
Haus den Krieg im Irak, räumte jedoch ein, dass der gestürzte
Staatschef Saddam Hussein nicht für die Terroranschläge vom
11. September 2001 verantwortlich sei. Das irakische Regime habe aber
eine «klare Bedrohung» dargestellt und ein Risiko bedeutet,
das die Welt nicht habe eingehen können. «Egal, welche
Fehler im Irak gemacht wurden, der größte Fehler wäre
es zu glauben, dass die Terroristen uns in Ruhe lassen, wenn wir
abziehen», sagte Bush. «Sie werden uns nicht in Ruhe
lassen. Sie werden uns folgen.»
Der Planer der Anschläge, Osama bin Laden, und andere Terroristen
versteckten sich noch immer, erklärte der Präsident weiter.
«Unsere Botschaft an sie ist klar: Egal, wie lange es dauert,
Amerika wird Euch finden und wir werden Euch zur Rechenschaft
ziehen.» Im Kampf gegen den Terror gehe es um das Recht freier
Nationen, ihre Lebensart weiterführen zu können wie bisher.
«Dieser Kampf wurde als ein Kampf der Zivilisationen
beschrieben», sagte Bush. «In Wahrheit ist es ein Kampf um
die Zivilisation.» Diesen Krieg zu gewinnen, erfordere die
entschlossenen Bemühungen eines geeinten Landes. Daher
müssten die Amerikaner ihre Differenzen hinter sich lassen und
gemeinsam den Test bestehen, den die Geschichte ihnen auferlegt habe.
Wenn der Feind jetzt nicht besiegt werde, «werden wir unseren
Kindern einen Nahen Osten hinterlassen, der von terroristischen Staaten
und radikalen Diktatoren bewaffnet mit Atomwaffen beherrscht
wird». Der Krieg gegen den Terrorismus entscheide das Schicksal
von Millionen Menschen auf der ganzen Welt. «Wir werden unsere
Feinde besiegen.»
(Quelle: ap)
Europaparlament forscht in vier Ländern nach CIA-Gefängnissen
Di.12.09.06 - Der Untersuchungsausschuss des Europaparlaments will in Deutschland,
Großbritannien, Polen und Rumänien nach möglichen
CIA-Gefängnissen forschen. Die Sprecherin des Europaparlaments
Maria Andres teilte am Montag in Brüssel mit, Mitglieder des
Ausschusses würden am 19. September nach Berlin reisen. Im Oktober
seien Besuche in London und Warschau sowie im November in Rumänien
geplant. Dabei gehe es auch um eine mögliche Mitwirkung der
jeweiligen Regierungen bei dem Transfer von Terror-Verdächtigen
durch den US-Geheimdienst CIA.
Der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos wird vor dem
Untersuchungsausschuss am Donnerstag über die Rolle Madrids bei dem
geheimen Transport von Terror-Verdächtigen aussagen, hieß es
weiter. Moratinos tritt als erstes EU-Regierungsmitglied vor den
Untersuchungsausschuss.
Die Termine wurden wenige Tage nach dem Eingeständnis von
US-Präsident George W. Bush bekannt gegeben, dass die CIA
Terrorverdächtige in ausländischen Gefängnissen
festgehalten habe. Bush sagte aber nicht, wo dies geschehen sei. Die
Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch vermutet die so genannten
Geheimgefängnisse der CIA in Polen und Rumänien. Beide
Länder haben das dementiert.
Der Sonderermittler des Europarats, Dick Marty, sagte der
Nachrichtenagentur AP, es sei unwahrscheinlich, dass es in Polen und
Rumänien große geheime Gefangenenlager gegeben habe. Es sei
aber möglich, dass Zellen für eine kurze Zeit während des
Transfers von Gefangenen in ein anderes CIA-Gefängnis in einem
anderen Kontinent zur Verfügung gestellt wurden. Der Europarat
ermittelt parallel zum Europaparlament.
In einem Zwischenbericht hat der Europarat festgestellt, dass die CIA
oder andere US-Geheimdienste nach den Anschlägen vom 11. September
2001 in Europa für die Entführung und Verbringung von
Terrorverdächtigen in amerikanischen Gewahrsam verantwortlich seien.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte am Wochenende mit
Kritik auf Bushs Mitteilung über amerikanische
Geheimdienst-Gefängnisse im Ausland. Dies sei nicht vereinbar mit
ihrem Verständnis von Rechtsstaatlichkeit.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Blair schlagen in Beirut Wut und Ablehnung entgegen. Anfrage aus
Libanon bei der deutschen Regierung eingegangen. Libanon will Israel
wegen Ölpest verklagen. Palästinenser wollen Regierung der
nationalen Einheit bilden
Di.12.09.06 - Dem britischen Premierminister Tony Blair ist bei einem Besuch in
Beirut Wut und Ablehnung entgegengeschlagen. Rund 5.000 Menschen
demonstrierten am Montag in der libanesischen Hauptstadt gegen die
Nahost-Politik Blairs, der im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah
nach Meinung vieler zu lange an der Seite von US-Präsident George
W. Bush die Forderung nach einem Waffenstillstand blockiert hat.
Parlamentspräsident Nabih Berri, der der Hisbollah nahe steht,
ließ einen Termin mit dem britischen Regierungschef platzen und
auch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ministerpräsident
Fuad Siniora kam es zu einem Zwischenfall. «Dieser Besuch ist eine
Beleidigung», rief eine Frau vor laufenden Kameras:
«Schäm' Dich, Tony Blair.» Sie wurde von
Sicherheitskräften aus dem Raum getragen. Siniora sagte: «Wir
sind in einer Demokratie, wir respektieren jede Art von Meinung.»
Blair äußerte Verständnis über die hochgehenden
Emotionen. Unschuldige Menschen hätten ihr Leben verloren und das
Land sei um Jahre zurückgeworfen worden, sagte er beim ersten
Besuch eines britischen Regierungschefs im Libanon. Er sagte die Hilfe
Großbritanniens beim Wiederaufbau des Landes zu.
Parlamentspräsident Berri sorgte für einen Affront: Trotz
eines vereinbarten Treffens mit Blair hielt sich der schiitische
Politiker nicht in der Hauptstadt auf. Die Demonstranten in der
Innenstadt wurden von 2.000 Soldaten und Polizisten vom Regierungssitz
fern gehalten. «Blair, du bist hier nicht willkommen»,
hieß es auf einem Spruchband und auf einem anderen: «Im
Namen des libanesischen Volkes: Danke für die Zerstörung
unserer Häuser, Siedlungen und Erinnerungen.»
Auch in den Medien wurde Blair ein unfreundlicher Empfang bereitet. Die
Zeitung «As-Safir» bezeichnete ihn als den
«hässlichen Briten». Eine weitere, «Al
Balad», schrieb am Sonntag, dass es zu Unruhen kommen könnte.
Blair kam von Nahost-Gesprächen in Jerusalem und Ramallah und
hielt sich nur wenige Stunden in der libanesischen Hauptstadt auf. Er
war der zweite westliche Regierungschef in Beirut seit der israelischen
Militäroffensive, die der schiitischen Hisbollah-Miliz galt, aber
viele Opfer in der Zivilbevölkerung forderte. Dass er wie
US-Präsident George W. Bush Forderungen nach einen sofortigen
Waffenstillstand nicht unterstützte, wurde als stillschweigendes
Billigen der Angriffe aufgefasst. In seiner eigenen Labour-Partei
führte diese Haltung zu einer Revolte gegen Blair und Forderungen,
baldmöglichst sein Amt an einen Nachfolger zu übergeben.
Widerstrebend sagte er das am vergangenen Donnerstag für das
kommende Jahr zu.
Blair verteidigte sich mit den Worten, ein sorgfältiger und
dauerhafter Waffenstillstand sei wichtiger gewesen als eine schnelle
Waffenruhe, die nicht eingehalten wird.
Die libanesische Regierung hat unterdessen in aller Form deutsche
Soldaten zur Friedenssicherung angefordert. Der Sprecher der deutschen
Regierung, Ulrich Wilhelm, und der Sprecher des deutschen
Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, erklärten am Montag in
Berlin, die Anforderung sei am Wochenende in Berlin eingegangen.
Einzelheiten nannten sie nicht. Bei den Vereinten Nationen würden
zur Zeit die Einsatzanforderungen ausgearbeitet, mit denen ebenfalls
«zeitnah» in Berlin gerechnet werde.
Wenn diese «Rules of Engagement» in Berlin eintreffen,
sollen zunächst die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen
unterrichtet werden. Anschließend werde das Bundeskabinett
entscheiden, sagte Wilhelm. Dies könne entweder am Mittwoch
während der planmäßigen Kabinettssitzung oder auf einer
Sondersitzung in der zweiten Wochenhälfte geschehen. Alle weiteren
Entscheidungen seien dann «der Verfahrensherrschaft des Deutschen
Bundestages anheim gegeben», sagte Wilhelm.
Offen ist unter anderem, in welcher Entfernung von der Küste
deutsche Marineeinheiten operieren dürfen. Unter
Verteidigungsexperten wird ein weiter Abstand, etwa sechs oder sieben
Seemeilen, für zu groß gehalten, um den Waffenschmuggel auf
dem Seeweg effektiv bekämpfen zu können.
Raabe erklärte, das Schreiben lege fest, wie die libanesische
Regierung sich die Operationen der deutschen Streitkräfte
«vorstellen könnte». In New York würden zurzeit
der Operationsplan und die «Rules of Engagement»
(Einsatzbedingungen) geprüft, also die Frage, ob die Anforderung im
Einklang mit dem stehe, was die Bundesregierung angeboten habe.
Raabe sagte, die förmliche Anforderung sei erst am Montagmorgen in
Berlin eingegangen. Es habe aber am Wochenende bereits Signale gegeben,
dass sie unterwegs sei, sagte Wilhelm.
SPD-Fraktionschef Peter Struck rechnete mit einem Einsatz, der
länger als ein Jahr dauert. Der frühere Verteidigungsminister
sagte der «Bild»-Zeitung: «Wir schicken die Soldaten
in einen heiklen Einsatz, der lange dauern kann. In einem Jahr ist das
wahrscheinlich nicht getan.» Er gehe davon aus, dass es in den
Koalitionsfraktionen eine überwältigende Mehrheit für den
Einsatz geben werde - von wenigen Gegenstimmen abgesehen, sagte Struck.
Es sei richtig und notwendig, die Bundeswehr mit der
größtmöglichen Rückdeckung des Parlaments
auszustatten.
Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Bernd Siebert,
sprach sich für den Fall unzureichender Bedingungen gegen einen
Libanon-Einsatz der Deutschen Marine aus. Im Südwestrundfunk sagte
Siebert, sollte der Marine die Kontrolle verdächtiger Schiffe
untersagt werden, lehne er die Entsendung ab.
Ein Operationsgebiet außerhalb der Sieben-Meilen-Zone, wie es in
Beirut diskutiert werde, sei ebenfalls militärisch nicht sinnvoll
und müsse für die deutsche Seite Anlass sein, «über
den Einsatz insgesamt» noch einmal nachzudenken, sagte der
Unionspolitiker. Zugleich plädierte er dafür, mit den Kosten
eines solchen Einsatzes nicht den Verteidigungsetat zu belasten. Das
Geld müsse, wie in der Koalitionsvereinbarung festgelegt, dem
allgemeinen Haushalt entnommen werden.
Der Libanon will Israel wegen der Folgen der Bombardierung des
Kraftwerks Dschijeh vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH)
verklagen. Das Land wolle damit Schadenersatz für die durch die
Bombardierung ausgelöste Ölpest erreichen, sagte der
libanesische Umweltminister, Jakub Sarraf, am Montag der
Nachrichtenagentur AFP in Beirut. Er berufe sich dabei auf Artikel 8 des
IStGH-Statuts. Dieser sieht vor, dass ein vorsätzlicher Angriff in
der Kenntnis, dass dieser "weit reichende und langfristige Schäden
an der natürlichen Umwelt verursachen wird", als Kriegsverbrechen
gewertet werden kann.
Angesichts der internationalen Isolierung der Hamas-Regierung wollen
die Palästinenser ein Kabinett der nationalen Einheit bilden. Er
habe sich mit Ministerpräsident Ismail Hanija von der
radikalislamischen Hamas-Bewegung auf eine Koalition geeinigt,
erklärte Präsident Mahmud Abbas, der die
gemäßigtere Fatah leitet, am Montag im
palästinensischen Fernsehen. Israel sowie europäische
Politiker begrüßten die Ankündigung.
«Das nationale Interesse erfordert es, dass unser Volk geeint in
stabilen Schritten voranschreitet, damit wir mit der Errichtung eines
unabhängigen palästinensischen Staats mit Jerusalem als
Hauptstadt einen Sieg erringen können», sagte Abbas laut
einer Meldung palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA.
Präsidentenberater Nabil Abu Rdeneh erklärte, Abbas werde
Hanijas Kabinett binnen 48 Stunden auflösen, um einer neuen
Koalitionsregierung den Weg zu bereiten. Dem Abgeordneten Sajeb Erakat
zufolge müssen bis dahin allerdings noch ein paar Details
geklärt werden.
Hanija bestätigte die Einigung mit der Fatah. «Ich bringe
dem palästinensischen Volk eine gute Nachricht, und ich bin stolz
und zufrieden darüber, dass wir zu diesem wichtigen Zeitpunkt eine
Regierung der nationalen Einheit bilden können», sagte er.
Bereits vor der Erklärung des Präsidenten hatte Hanija
betont, er werde das Amt des Ministerpräsidenten auch in der
nächsten Regierung behalten.
Die wegen ihrer militanten Haltung im westlichen Ausland gemiedene
Hamas hat seit Monaten mit der Fatah verhandelt. Deren
Regierungsbeteiligung könnte ein erster Schritt aus der Isolation
sein. Der Westen hat für weitere Finanzhilfen zur Bedingung
gemacht, dass die Hamas der Gewalt abschwört und das Existenzrecht
Israels sowie frühere Abkommen anerkennt.
Der israelische Regierungssprecher Mark Regev verlieh seiner Hoffnung
Ausdruck, dass die künftige palästinensische Regierung eben
diese drei Bedingungen erfüllen möge. Ferner müsse sie
für die sofortige Befreiung des im Gazastreifen entführten
israelischen Soldaten Gilad Schalit sorgen. «Wenn dies geschehen
sollte, hätten wir neue Energien für den Friedensprozess und
neuen Schwung für den israelisch-palästinensischen
Dialog», sagte Regev.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte,
die Bildung einer palästinensischen Regierung der nationalen
Einheit, deute auf eine Öffnung, aus der sich vieles Weitere
ergeben könnte. «Wir müssen darauf hoffen, dass das
gelingt», sagte der SPD-Politiker in Berlin. Verlässlichkeit
auch auf palästinensischer Seite sei für den
Nahost-Friedensprozess äußerst wichtig.
Auch der französische Staatspräsident Jacques Chirac
begrüßte die Einigung der bislang zerstrittenen
palästinensischen Parteien. «Ich freue mich darüber und
ich glaube, dass es sehr wichtig für die Palästinenser ist,
mit einer Stimme unter der Autorität von Präsident Abu Masen
(Abbas) zu sprechen», sagte er am Rande des EU-Asien-Gipfels in
Helsinki.
(Quellen: ap, afp, dpa)
EU-Asien-Gipfel endet mit Bekenntnis zu Klimaschutz und Dialog
Di.12.09.06 - Mit einem Bekenntnis zum Klimaschutz und zu einem gemeinsamen Vorgehen
gegen Terror und Armut ist am Montag das zweitägige
Asien-Europa-Treffen (ASEM) in Helsinki zu Ende gegangen. Am
fünften Jahrestag der Anschläge vom 11. September betonten
die 38 Teilnehmerstaaten die internationale Geschlossenheit im Kampf
gegen den Terrorismus, hoben zugleich aber auch ihre
Eigenständigkeit gegenüber den USA hervor.
So erklärte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die
internationale Gemeinschaft könne den Terrorismus nur besiegen,
«wenn wir gemeinsam agieren.» Zugleich kritisierte sie aber
indirekt das Vorgehen der USA: «Sicherlich heiligt der Zweck
nicht die Mittel.» Merkel hob zudem hervor, neben
verschärften Sicherheitsmaßnahmen sei ein Dialog der
Kulturen notwendig. Dieser könne helfen, «Fundamentalisten
und Terroristen auch das Wasser abzugraben.»
Auch der malaysische Ministerpräsident Abdullah Ahmad Badawi
erklärte, eine bessere Verständigung zwischen Muslimen und
der westlichen Welt sei dringend notwendig. In der islamischen Welt
entstehe gelegentlich der Eindruck, «dass konzertierte
Anstrengungen zur Demütigung von Muslimen unternommen
werden», sagte Abdullah.
Der französische Staatspräsident Jacques Chirac betonte in
seiner Abschlusspressekonferenz, bei den Beratungen hätten
Europäer wie Asiaten «den multilateralen Ansatz
bekräftigt, der uns vollkommen gemein ist, und die
Solidarität mit den UN». Ähnlich hatte sich zuvor der
amtierende EU-Ratspräsident und finnische Regierungschef Matti
Vanhanen geäußert.
Auch mit Blick auf das iranische Atomprogramm setzen die EU und ihre
asiatischen Partner andere Akzente als die USA. Chirac erklärte,
man sei sich einig gewesen, dass der Atomstreit auf dem Weg des Dialogs
gelöst werden sollte. Zugleich brachte der französische
Staatspräsident aber auch seine Solidarität mit Washington
zum Ausdruck und bezeichnete die Schweigeminute, mit der die
Gipfelteilnehmer der Terroropfer in den USA gedachten, als
«emotional und stark».
Sehr zufrieden zeigte sich Bundeskanzlerin Merkel mit der Diskussion
über den Klimawandel, die in eine gemeinsame Erklärung
mündete. Unter den 38 Teilnehmerstaaten habe Einigkeit
darüber bestanden, dass es «möglich ist,
Energieeffizienz zu verbessern und gleichzeitiges wirtschaftliches
Wachstum zu ermöglichen», sagte Merkel. Dies sei ein
großer Fortschritt, denn «früher gab es die Sorge,
Entwicklungsländer können sich gar nicht entwickeln, weil das
Energiesparen dem entgegensteht. Heute ist klar: Das ist nicht
so.»
In der Erklärung werden die Bedeutung umweltfreundlicher
Technologien und marktwirtschaftlicher Instrumente zur Reduzierung von
Treibhausgasen hervorgehoben, wie etwa der Handel mit Emissionsrechten.
Der «Zugang der sich entwickelnden ASEM-Staaten zu saubereren und
klimafreundlichen Technologien» soll verbessert werden. In dem
Papier wird aber auch anerkannt, dass für Entwicklungsländer
das Wirtschaftswachstum Priorität habe.
Auf dem Gipfel wurde zudem eine Erweiterung des ASEM-Forums
beschlossen. Bei dem nächsten Treffen in China in zwei Jahren
sollen Indien, Pakistan, die Mongolei, das Sekretariat des Verbands
Südostasiatischer Staaten (ASEAN) sowie auf europäischer
Seite Bulgarien und Rumänien dabei sein. Bulgarien und
Rumänien werden dann auch der EU angehören.
(Quelle: ap)
Asem: Nur Luftblasen fürs Klima
Das asiatisch-europäische Gipfeltreffen in Helsinki leidet unter
Unverbindlichkeit. Zehn Jahre nach dem ersten Gipfel ist die Bilanz von
Asem enttäuschend... Mehr in der taz vom 12.09.06:
http://www.taz.de/pt/2006/09/12/a0086.1/text
Gipfel der Blockfreien in Havanna: Zum Kampf gegen Dominanz der
Supermächte ermahnt
Di.12.09.06 - Mit Appellen zum geschlossenen Kampf gegen die Dominanz der
Supermächte ist am Montag in Havanna der Gipfel der Blockfreien
eröffnet worden. «Unsere Bewegung ist heute wichtiger denn
je», erklärte der kubanische Außenminister Felipe
Perez Roque vor den Delegierten aus fast 120 Ländern. Im
Mittelpunkt der Beratungen bis zum kommenden Wochenende stehen laut
Tagesordnung die «Armut in einer ungerechten Welt»,
Gesundheitsfragen sowie der Konflikt im Nahen Osten.
Gastgeber Kuba hat mit dem Gipfel die Präsidentschaft der
Blockfreien von Malaysia übernommen, wo vor drei Jahren die letzte
Zusammenkunft auf ranghöchster Ebene stattfand. Die Beratungen
beginnen auf Ministerebene. Für kommenden Freitag haben sich dann
rund 50 Staats- und Regierungschefs angesagt, darunter der iranische
Präsident Mahmud Ahmadinedschad und der venezolanische
Staatspräsident Hugo Chavez. Beide sind Wortführer in der
Kritik an den Vereinigten Staaten.
Bereits am Sonntag verlautete in Havanna, der kubanische Staats- und
Parteichef Fidel Castro werde anlässlich des Gipfels auf die
politische Bühne zurückkehren - mehr als einen Monat nach
seiner Darmoperation. Der 80-Jährige wolle am Freitag ein
Abendessen für Teilnehmer geben. Castro hat wegen seiner
Notoperation Ende Juli die Regierungsgeschäfte an seinen
75-jährigen Bruder Raul abgegeben.
(Quelle: ap)
Zwei Reformzeitungen im Iran geschlossen
Di.12.09.06 - In einem neuen Angriff auf die Pressefreiheit sind im Iran zwei
reformorientierte Publikationen verboten worden. Die Tageszeitung
«Schargh» sei wegen Dutzender Ordnungswidrigkeiten
geschlossen worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur IRNA am
Montag. Journalisten machten für die Entscheidung der
Presseaufsicht eine in der vergangenen Woche veröffentlichte
Karikatur zum iranischen Atomprogramm verantwortlich. Auch die
Monatszeitung «Nameh» darf nicht mehr erscheinen, wie IRNA
am späteren Abend berichtete.
Die Karikatur in «Schargh» zeigte einen Esel und ein Pferd
auf einem Schachbrett. Der Esel hatte den Mund geöffnet und war
von einem Licht umgeben, während das Pferd völlig emotionslos
wirkte. Offensichtlich konnte die Karikatur so verstanden werden, dass
der Esel den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad bei den
Verhandlungen über das Teheraner Atomprogramm darstellen sollte.
Ahmadinedschad soll einmal gesagt haben, dass er sich von einem
göttlichen Licht umgeben fühle und dass der Westen seine Rede
bei der UN-Vollversammlung im vergangenen Jahr völlig teilnahmslos
verfolgt habe.
Bei IRNA wurde bestätigt, dass die Veröffentlichung dieser
Karikatur einer der Gründe für die Schließung des
Blattes sei. Im staatlichen Fernsehen hieß es weiter,
«Schargh» habe es versäumt, einen neuen
Geschäftsführer zu benennen, damit das veröffentlichte
Material «aggressiver überwacht» werden könne.
Die politische Monatszeitung «Nameh» darf nach Ansicht von
Chefredakteur Madschid Tawallaei nicht mehr erscheinen, weil sie ein
Gedicht einer Dissidentin abgedruckt hat. Das Werk der Dichterin Simin
Behbahani sei zweifelsohne der Grund für den Entzug der Lizenz.
Offensichtlich hätten die Behörden sich beleidigt
gefühlt, meinte Tawallaei.
(Quelle: ap)
Muslime in Deutschland sprechen sich gegen Terror aus
Di.12.09.06 - Zum fünften Jahrestag der Anschläge auf das World Trade
Center am 11. September 2001 haben sich Muslime und Zuwanderer in
Deutschland gegen Terrorismus ausgesprochen. In einer gemeinsamen
Erklärung riefen 14 muslimische Verbände und
Migrantenorganisationen am Montag in Köln zu Friedensgebeten auf.
Die Verbände verurteilten die Anschläge von New York:
«Terror findet im Islam keine Rechtfertigung», heißt
es in der Erklärung. «Der Islam ist die Religion des
Friedenmachens.» Muslime sollten über die Friedfertigkeit des
Islam aufklären.
Gleichzeitig riefen die Unterzeichner die Gesellschaft auf, «der
insbesondere nach dem 11. September entstandenen Islamfeindlichkeit
entschiedener entgegenzuwirken». Die Ursachen für Terror,
Gewalt und Extremismus müssten an ihrer Wurzel bekämpft
werden: «Nur wenn es uns gelingt Gerechtigkeit, Respekt und
Solidarität in den Mittelpunkt unseres tagtäglichen Handelns
zu rücken, werden sich unsere Hoffnungen auf einen dauerhaften
Frieden und ein Leben in Eintracht und Harmonie erfüllen.» Zu
den unterzeichnenden Organisationen zählen unter anderen der
Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland, der Zentralrat der
Muslime in Deutschland und die Islamische Gemeinschaft Milli
Görüs.
(Quelle: ap)
Innenminister Schäuble: Grundrechte im Anti-Terror-Kampf wahren
Di.12.09.06 - Zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA
haben Politiker in Deutschland dazu aufgerufen, im Anti-Terror-Kampf
rechtsstaatliche Grundsätze einzuhalten. Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble (CDU) warnte vor einer Aushebelung der
Grundrechte: "Wenn man die fundamentalen Rechtsprinzipien außer
Kraft setzt, dann wird nichts besser, sondern es wird alles nur
schwierig", sagte er im Deutschlandradio Kultur. Spitzenvertreter von
SPD, Grünen und FDP forderten ebenfalls die Einhaltung der
Bürger- und Menschenrechte.
Schäuble sagte, es müsse zwar mit aller Entschiedenheit gegen
dasTerror-Netzwerk El Kaida vorgegangen werden. Aber die Prinzipien des
Rechtsstaates und des Völkerrechts könnten nicht verteidigt
werden, indem sie aufgegeben oder teilweise außer Kraft gesetzt
werden. "Es ist auch nicht im Interesse der Amerikaner, dass sie das
tun."
Die Innenexpertin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, hielt Schäuble
"Doppelmoral" vor. Er wolle in Deutschland ein Grundrecht nach dem
anderen außer Kraft setzen, kritisierte sie. Dabei verwies Jelpke
auf Überlegungen zum Bundeswehr-Einsatz im Inneren.
Das SPD-Präsidium verurteilte die Anschläge als
"barbarischen,menschenverachtenden Gewaltakt", der sich nicht nur gegen
die USA gerichtet habe. Militärische Mittel allein reichten im
Anti-Terror-Kampf nicht aus. Deutschland leiste daher auch im
humanitären und politischen Bereich seinen Beitrag.
FDP-Chef Guido Westerwelle hob hervor: "Wir verteidigen unsere Freiheit
am besten, indem wir unsere Werte wahren." Für die Grünen
betonten deren Fraktionschefs Renate Künast und Fritz Kuhn, der
Anti-Terror-Kampf müsse mit "Augenmaß" geführt werden
und dürfe die Rechtstaatlichkeit nicht einschränken. "Es
wäre ein Sieg für die Terroristen, wenn die Demokratie aus
Angst ihre Bürgerrechte abbaut."
Schäuble äußerte sich auch kritisch zum Irakkrieg. "Wir
wissen ja jetzt, was die meisten schon vermutet haben, dass es einen
unmittelbaren Zusammenhang mit dem Irak nicht gegeben hat." Die
Beseitung Saddam Husseins sei zwar "in sich auch eher richtig". Aber
was mit dem Irakkrieg daraus geworden sei, "das war von vornherein
zweifelhaft". Seinerzeit hatte Schäuble das Nein der Regierung von
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zum Irakkrieg kritisiert. Der
Chef des Bundesnachrichtendienstes, Ernst Uhrlau, bezeichnete den
Irak-Krieg unter dem Gesichtspunkt Terrorbekämpfung als "Fehler".
"Denn Terroristen hat es vor dem Krieg im Irak nicht gegeben", sagte er
im ZDF.
(Quelle: afp)
Saarländischer Ministerpräsident Müller verlangt Änderungen
am Gesundheitsfonds
Di.12.09.06 - Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU)
hat gravierende Änderungen am geplanten Gesundheitsfonds gefordert
und hierüber neue Verhandlungen mit der SPD verlangt. In der
«Süddeutschen Zeitung» (Dienstagausgabe) setzte er
sich insbesondere für eine Korrektur der Regelungen für
künftige Zuzahlungen gesetzlich Versicherter ein, die die
Krankenkassen im Rahmen des Gesundheitsfonds ihren Kunden
zusätzlich zum Beitrag auferlegen könne. Mit der SPD war
diese Grenze auf ein Prozent des Haushaltseinkommens vereinbart worden.
Müller forderte in dem Zeitungsgespräch, diese Grenze
aufzuheben, weil sie unpraktikabel sei und den Wettbewerb
einschränke. «Mit der Ein-Prozent-Grenze macht die
Veranstaltung herzlich wenig Sinn», sagte der CDU-Politiker. Wenn
dies nicht gelinge, sei es «sinnvoller, auf die ganze
Unternehmung zu verzichten und sich darauf zu beschränken, den
Arbeitgeberanteil an den Gesundheitskosten festzuschreiben, um die
Lohnzusatzkosten zu beschränken».
(Quelle: ap)
Neues Niedriglohn-Modell sorgt weiter für politischen Wirbel
Di.12.09.06 - Das Niedriglohn-Modell des Sachverständigenrates mit einer
30-prozentigen Senkung des Arbeitslosengeldes II sorgt weiter für
politischen Wirbel. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sprach von
einer «weiteren Demütigung von Erwerbslosen» und einem
«eklatanten Verstoß gegen die Menschenwürde».
Schon heute arbeiteten in Deutschland sieben Millionen Menschen
für Niedriglöhne. Das sei ein höherer Anteil als in
vergleichbaren Ländern. «Statt noch mehr Niedriglöhne
wollen wir den gesetzlichen Mindestlohn», erklärte die
Gewerkschaft.
Scharfe Kritik kam auch von der Linksfraktion im Bundestag. Ihr
stellvertretender Vorsitzender Klaus Ernst sagte der «Leipziger
Volkszeitung»: «Hochbezahlte Professoren, offenbar frei von
Sachverstand und Realitätsbezug, fordern weitere Kürzungen bei
den Ärmsten.» Viele Hartz-IV-Empfänger lebten heute
schon unter der Armutsgrenze, doch der Sachverständigenrat wolle
ihnen weitere 30 Prozent nehmen.
Der Rat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hatte
eine Kombination aus ALG-II-Absenkung und verbesserten
Zuverdienstmöglichkeiten vorgeschlagen. Dies soll den Anreiz zur
Annahme einer Arbeitsstelle erhöhen. Dabei ist der volle ALG-II-
Regelsatz von 345 Euro an die Annahme eines Jobs geknüpft. Die
Experten erwarten davon neue Beschäftigung für rund 350 000
Langzeitarbeitslose. Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD)
will im Herbst Vorschläge für den Niedriglohnsektor machen.
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger distanzierte sich erneut von dem
Vorschlag. «Das ist nicht zielführend. Im internationalen
Vergleich sind die Leistungen nicht besonders hoch», sagte er der
«Financial Times Deutschland» (Montag). Bofinger hatte im
Sachverständigenrat ein Minderheitsvotum abgegeben. Er will mit
einem Alternativ-Vorschlag 500 000 Arbeitsplätze im
Niedriglohnbereich schaffen. In der «FTD» plädierte er
dafür, dazu Mittel aus der geplanten Erhöhung der
Mehrwertsteuer zu verwenden.
Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus
Brandner, sieht keine Notwendigkeit, Arbeitsanreize für
Langzeitarbeitslose zu erhöhen. «Die bestehenden
Ein-Euro-Jobs erfreuen sich großer Resonanz, ich sehe keinen
Mangel an Arbeitsbereitschaft», sagte er der in Erfurt
erscheinenden «Thüringer Allgemeinen».
Der CDU-Arbeits- und Sozialexperte Ralf Brauksiepe bezeichnete dagegen
in der «Frankfurter Rundschau» die vorgeschlagene Lockerung
der Zuverdienstregelungen als «sehr erwägenswert». Er
meinte: «Die Richtung stimmt: Bei geringem Hinzuverdienst soll
weniger anrechnungsfrei gelassen werden, bei höherem Hinzuverdienst
soll dagegen großzügiger verfahren werden.»
Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU)
kritisierte, die Einkommen, die sich über Hartz IV, Zuschläge
und Wohnungsgeld erzielen lassen, seien oft zu hoch. Der Anreiz, Arbeit
aufzunehmen, müsse erhöht werden, sagte er der
«Berliner Zeitung».
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Fisch ändert Geschlecht abhängig vom sozialen Umfeld<
Di.12.09.06 - Bestimmte Lippfische können ihr Geschlecht abhängig von ihrem
sozialen Umfeld ändern. Der Blaukopf-Junker reagiere bei der Frage,
ob er als Jungtier Männchen oder Weibchen wird, stark auf die Zahl
der Fische derselben Art in seiner Umgebung, berichteten Forscher der
James Cook Universität im australischen Bundesstaat Queensland und
der Universität von Kalifornien in einer Studie im Fachblatt
"Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences". Demnach bildet
sich bei diesen Lippfischen das Geschlecht erst relativ spät aus,
um die Chancen für die Fortpflanzung zu erhöhen.
Blaukopf-Junker (Thalassoma bifasciatum) haben laut der Untersuchung zu
Beginn ihres Daseins kein Geschlecht; erst im Laufe ihrer Entwicklung
werden sie zu Männchen oder Weibchen. Allerdings könnten sie
als Erwachsene ihr Geschlecht noch ändern, heißt es in dem
Bericht. Generell hänge das Geschlecht davon ab, wie viele andere
Tiere der Art im selben Gebiet lebten.
Bei einer geringen Zahl ist demnach die Wahrscheinlichkeit, dass
Männchen zu Weibchen werden, deutlich höher. Gibt es viele
Fische, werden dagegen aus Weibchen Männchen. "Das zeigt, dass das
Geschlecht anders als bei Säugetieren oder Vögeln nicht
genetisch vorherbestimmt ist", erklärte Philip Munday vom
australischen Zentrum für Korallenriff-Studien der
James-Cook-Universität.
(Quelle: afp)