Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundsechsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Präsident Bush ruft erneut zur Unterstützung des
Irak-Kriegs auf. Mindestens 24 Tote bei Anschlägen. Iran sagt Irak
Hilfe bei Wiederherstellung der Sicherheit zu
Mi.13.09.06 - US-Präsident George W. Bush hat erneut zur Unterstützung des
Irak-Kriegs aufgerufen und damit Kritik der oppositionellen Demokraten
hervorgerufen.
In seiner Fernsehansprache zum fünften Jahrestag der
Anschläge vom 11. September beschwor Bush die Bevölkerung, den
"Krieg gegen den Terror" auch als "Kampf um die Zivilisation" zu
begreifen. Zugleich drohte er Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden Vergeltung
an.
"Was immer auch für Fehler im Irak gemacht worden sind, der
schlimmste Fehler wäre zu denken, dass uns die Terroristen in Ruhe
ließen, wenn wir uns zurückzögen", sagte Bush, dessen
Ansprache am Montag zur besten Sendezeit ausgestrahlt wurde. Die
Sicherheit der USA hänge "vom Ausgang des Kampfes in den
Straßen von Bagdad ab". Die USA hätten noch einen schwierigen
Weg vor sich. "Diesen Krieg zu gewinnen, bedarf den entschlossenen
Anstrengungen eines vereinten Landes. Daher müssen wir unsere
Meinungsverschiedenheiten beiseite schieben und zusammenarbeiten, damit
wir die Aufgabe erfüllen, die uns die Geschichte gestellt hat",
sagte Bush.
Bushs Rede stieß auf scharfen Widerspruch der Demokratischen
Partei, die darauf hofft, bei der Wahl im November die Mehrheit in
beiden Häusern des Kongresses zu erobern. "Der Präsident
sollte sich schämen", sagte Senator Edward Kennedy. Bush habe den
Tag der Trauer dazu benutzt, um mit seiner Rede für den Irak-Krieg
zu werben, statt der Toten zu gedenken. "Dabei hat er selbst gesagt, der
Irak hat mit dem 11. September nichts zu tun", erklärte Kennedy.
Unmittelbar nach den Anschlägen hatte die überwältigende
Mehrheit der US-Bevölkerung die Politik ihres Präsidenten gut
geheißen und auch den Krieg gegen Afghanistan unterstützt,
dessen Taliban-Regierung der Al-Kaida Unterschlupf gewährt hatte.
Die Unterstützung für den Irak-Krieg, den Bush 2003 begonnen
hatte, ist dagegen erheblich niedriger, und der Präsident
kämpft im Wahlkampf für den Erhalt der Mehrheit seiner
Republikanischen Partei in Repräsentantenhaus und Senat.
Bei Anschlägen in mehreren irakischen Städten sind erneut
mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen. Ziele waren unter anderem
eine schiitische Moschee, ein offener Markt und eine Polizeipatrouille.
Neben dem Aufstand gegen die von den USA unterstützte Regierung
fordern die Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten immer mehr
Todesopfer.
Mit Mördern und Sturmgewehren überfielen Extremisten die
schiitische Husseinijat-Moschee in Bani Saad, 60 Kilometer
nordöstlich von Bagdad, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.
Dabei wurden sieben Menschen getötet. Die Angreifer brachten auch
mehrere Sprengsätze an dem Gebäude zur Explosion, so dass die
Moschee erheblich beschädigt wurde.
In Bagdad explodierte am Dienstag eine Autobombe im wohlhabenden
Stadtteil Mansur. Dabei wurden nach Polizeiangaben mindestens sechs
Menschen getötet und 18 verletzt. In Middadijah, das ebenso wie
Bani Saad in der Umgebung von Bakuba liegt, explodierte eine Bombe am
Rand eines Marktes. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben, 24 wurden
verletzt. In der nordirakischen Stadt Mossul erschossen Angreifer vier
Kurden.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat dem irakischen
Ministerpräsidenten Nuri el Maliki zugesichert, bei der
Verbesserung der Sicherheitslage im Irak zu helfen. Der Iran werde sein
Nachbarland dabei unterstützen, die Sicherheit "vollständig"
wiederherzustellen, "denn die Sicherheit des Irak ist die Sicherheit des
Iran", sagte Ahmadinedschad am Dienstag nach einem Teffen mit Maliki in
Teheran. Der irakische Ministerpräsident betonte, es gebe
keinerlei Hindernisse bei einer Kooperation zwischen beiden
Ländern. Der Irak und der Iran hatten von 1980 bis 1988 Krieg
gegeneinander geführt.
In Bagdad wurde am Dienstag der Völkermord-Prozess gegen Saddam
Hussein fortgesetzt. Ein kurdischer Dorfbewohner sagte aus, er sei vor
18 Jahren vor einem Angriff irakischer Truppen geflohen und habe dabei
seine Mutter sowie zwei Schwestern zurücklassen müssen. Jahre
später seien deren Ausweise in einem Massengrab gefunden worden,
sagte der Zeuge. Saddam Hussein hat erklärt, das Vorgehen der
Truppen habe sich gegen einen Aufstand kurdischer Untergrundkämpfer
gerichtet. Bei einem Schuldspruch droht ihm die Todesstrafe.
(Quellen: afp, rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 13.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertzweiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Laut 'Times' kaum Resonanz auf NATO-Appell zur ISAF-Verstärkung
Mi.13.09.06 - Die Anfrage der NATO zur Verstärkung der von der Allianz
geführten Internationale Schutztruppe ISAF ist einem
Zeitungsbericht zufolge weitgehend ungehört verhallt. Wie die
britische Zeitung "The Times" am Dienstag berichtete, will allein
Lettland die Truppe verstärken; allerdings gehe es dabei nur um 20
zusätzliche Soldaten, wie die Zeitung ungenannte Vertreter bei der
NATO und in Kabul zitierte. Deutschland, die Türkei, Spanien und
Italien hätten eine Verstärkung dagegen grundsätzlich
ausgeschlossen. Frankreich werde wegen seiner führenden Rolle im
Rahmen der Friedenstruppe im Libanon wahrscheinlich keine weiter
reichende Zusage machen. Auch Norwegen und Dänemark hätten
keine derartigen Pläne.
(Quelle: afp)
UN-Drogenbeauftragter fordert NATO-Offensive in Afghanistan
Mi.13.09.06 - Der UN-Drogenbeauftragte Antonio Maria Costa hat stärkere
Anstrengungen der NATO im Kampf gegen die Opium-Produktion in
Afghanistan gefordert. Der "Teufelskreis" der wechselseitigen
Unterstützung von "Terroristen und Drogenhändlern" müsse
durchbrochen werden, sagte Costa am Dienstag bei der Vorstellung des
Jahresberichts zur Opium-Produktion in Brüssel. "Ich fordere die
NATO-Einheiten dazu auf, Heroin-Labors zu zerstören und
Opium-Basare aufzulösen", sagte Costa. Die Drogen-Barone
müssten vor Gericht gestellt werden. Der UN-Beauftragte beklagte
einen "heftigen" Anstieg der Opium-Produktion in Afghanistan, allein im
vergangenen Jahr habe sie um mehr als die Hälfte auf 6100 Tonnen
zugenommen. Damit werden Einnahmen von schätzungsweise vier
Milliarden Dollar erzielt.
(Quelle: afp)
Sicherheitsrat verlängert NATO-Mandat in Afghanistan
Mi.13.09.06 - Der Weltsicherheitsrat hat am Dienstag einstimmig das Mandat der
NATO-geführten Schutztruppe für Afghanistan verlängert.
Das derzeitige Mandat der ISAF läuft am 13. Oktober aus. Der
Sicherheitsrat verlängerte es vorzeitig, damit Deutschland und
andere Länder die Zustimmung ihrer Parlamente für die
andauernde Stationierung ihrer Truppen einholen können, wie aus
diplomatischen Kreisen verlautete.
In der Resolution betonte der Sicherheitsrat, die Verantwortung
für die Sicherheit in Afghanistan liege bei den Afghanen. Er
zeigte sich besorgt über die Sicherheitslage im Land, besonders
über terroristische Aktivitäten der Taliban und der Al Kaida,
illegaler bewaffneter Gruppen und Drogenschmugglern. Die Ratsmitglieder
forderten alle Parteien in Afghanistan auf, gemeinsam die Entwicklung
des Landes friedlich voranzubringen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Annan sieht Fortschritte beim israelischen Rückzug aus dem
Libanon. Israel bekräftigt Bedingungen für neue
Palästinenserregierung. Israelisches Gericht ordnet Freilassung von
18 Hamas-Politikern an. Hamas will Staat Israel weiterhin nicht
anerkennen. UNCTAD: Volkswirtschaft in den palästinensischen
Gebieten steht vor dem Zusammenbruch
Mi.13.09.06 - Israel hat nach Einschätzung von UN-Generalsekretär Kofi
Annan wesentliche Fortschritte beim Rückzug seiner Truppen aus dem
Südlibanon gemacht. In einem Bericht an den Weltsicherheitsrat
erklärte Annan am Dienstag, Israel habe sich aus zwei Dritteln der
besetzten Gebiete im Südlibanon bereits zurückgezogen. Der
Prozess werde in den kommenden Wochen abgeschlossen werden. Annan
äußerte sich nicht dazu, wieviele israelische Soldaten sich
noch im Libanon aufhalten. Er erklärte, Israel und die Hisbollah
hätten die vor einem Monat beschlossene Waffenruhe weitgehend
eingehalten.
Israel will nur dann Gespräche mit der neuen
Palästinenserregierung aufnehmen, wenn diese das israelische
Existenzrecht anerkennt. Das Außenministerium teilte mit, die
palästinensische große Koalition müsse die
unterzeichneten Verträge anerkennen und der Gewalt abschwören.
Vor neuen Friedenskontakten müsse zudem der verschleppte
israelische Soldat Gilad Schalit freigelassen werden.
Ein israelisches Militärgericht hat am Dienstag die Freilassung
von 18 Hamas-Politikern angeordnet, unter ihnen drei Minister. Sie
bleiben jedoch bis zur Entscheidung über einen Einspruch der
Staatsanwaltschaft noch mindestens zwei Tage in Haft. Die israelischen
Streitkräfte haben nach der Entführung eines Soldaten Ende
Juni mehr als zwei Dutzend Abgeordnete der palästinensischen
Regierungspartei festgenommen. Das Militärgericht entschied nun,
sie sollten auf Kaution freikommen.
Die radikal-islamische Hamas lehnt derweil eine Anerkennung Israels
ungeachtet der angekündigten Bildung einer großen Koalition
mit der gemäßigten Fatah weiter ab. Hamas-Sprecher Sami Abu
Suhri sagte am Dienstag: «Wenn Hamas Israel anerkennt, würde
es die Legitimität der Besatzung anerkennen und dies lehnt Hamas
völlig ab.»
Die gemäßigte Fatah und die radikalislamische Hamas hatten
sich am Montag auf eine gemeinsame Regierung verständigt. Damit
soll die seit Monaten anhaltende internationale Isolierung der
Palästinenserführung überwunden werden. Ein der
Bedingungen von Palästinenserpräsident Abbas für die
Bildung der großen Koalition war eine Anerkennung der 2002 von
der Arabischen Liga verabschiedeten Arabischen Friedensinitiative, die
bei einer Beendigung der Besatzung Israels Existenzrecht
ausdrücklich klar akzeptiert.
Nach palästinensischen Angaben will Abbas in der neuen Regierung
gemäßigte Politiker, die nicht aus den Reihen der Hamas
stammen, mit den führenden Ämtern beauftragen. Als Kandidatin
für das Amt der Außenministerin wurde die bekannte
christliche Politikerin Hanan Aschrawi genannt, als Finanzminister
Salam Fajad. Das Gesundheitsministerium werde vermutlich an den
Menschenrechtler Mustafa Barguti gehen, hieß es.
Die Volkswirtschaft in den palästinensischen Gebieten steht nach
einer Studie der Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten
Nationen (UNCTAD) vor dem Zusammenbruch. Auch die finanzielle Lage wird
seit dem Ausbleiben ausländischer Hilfe nach dem Hamas-Wahlsieg
als gefährlich bezeichnet. Das geht aus dem Jahresbericht der
UNCTAD über die Hilfe für Palästina hervor, der in Genf
vorgestellt wurde. Das Handelsdefizit der vor allem von Israel
abhängigen Volkswirtschaft sei zwischen 2002 und 2005 auf 60
Prozent oder von 1,7 auf 2,7 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro)
angestiegen. Nach UNCTAD-Einschätzungen dürfte das
Pro-Kopf-Einkommen im nächsten Jahr mit 1200 Dollar (944 Euro) auf
den niedrigsten Stand einer ganzen Generation sinken.
(Quellen: dpa, ap)
Tote bei Angriff auf US-Botschaft in Damaskus
Mi.13.09.06 - Bei einem gescheiterten Anschlag auf die US-Botschaft in Damaskus sind
nach syrischen Angaben alle vier Angreifer getötet worden.
Die Männer hätten vor dem Gebäude eine Autobombe
zünden wollen, berichtete das staatliche syrische Fernsehen am
Dienstag. Ein syrischer Regierungsvertreter sagte, sie hätten
religiöse Parolen skandiert und versucht, das Gelände zu
stürmen. Alle US- Diplomaten befänden sich in Sicherheit.
Augenzeugen zufolge kam auch ein syrischer Wachmann ums Leben.
Der Angriff auf die Botschaft im Stadtviertel Rauda sei ein
"terroristischer Angriff" gewesen, sagte Syriens Innenminister Bassam
Abdel Madschid im staatlichen Fernsehen. Die Untersuchungen seien noch
in Gange. Ein Sprecher des US-Außenministeriums bestätigte in
Washington den Angriff. Einzelheiten gab er zunächst nicht bekannt.
Über Rauda stieg Rauch auf. Dort liegen neben der US-Botschaft
auch andere Vertretungen und die Häuser von hochrangigen syrischen
Regierungsvertretern. Krankenwagen und Feuerwehr rasten zur Botschaft.
Syrische Sicherheitskräfte sperrten die Umgebung ab.
Die Beziehungen zwischen den USA und Syrien sind gespannt. Die USA
werfen Syrien vor, Aufständische im Irak zu unterstützen und
Gruppen wie die radikale Hisbollah im Libanon und der Hamas in den
Palästinenser-Gebieten zu fördern. Nach dem Attentat auf den
libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Al-Hariri hatten die USA im
Februar 2005 ihren Botschafter abgezogen. Die US-Regierung macht Syrien
für die Ermordung verantwortlich. Die syrische Regierung
weißt dies zurück.
(Quelle: rtr)
Annan fordert sudanesische Regierung zum Handeln in Darfur auf
Mi.13.09.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die sudanesische Regierung
erneut aufgefordert, das Leiden der Menschen in der Region Darfur zu
beenden. In New York kamen am Montag Mitglieder des UN-Sicherheitsrats
zusammen, um den Druck auf den Sudan zu erhöhen. Dieser soll
zustimmen, dass die Vereinten Nationen das Kommando über eine
Friedenstruppe der Afrikanischen Union übernehmen.
Ein sudanesischer UN-Vertreter Yasir Abdelsalam erklärte jedoch,
der Sicherheitsrat habe den Weg der Konfrontation gewählt. Die
Regierung sei aber dennoch zum Dialog bereit. Annan forderte den Sudan
auf, seine Ende August begonnene Offensive gegen die Rebellen in Darfur
einzustellen. US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte, sie habe
dem Sudan deutlich gemacht, dass ohne eine Zusammenarbeit mit den UN
keine Verbesserung der Beziehungen zu den USA möglich sei. Rice
hatte zuvor in Washington den sudanesischen Außenminister Lam Akol
getroffen.
(Quelle: ap)
Sechs Tote und 9000 Kranke durch Giftmüll in Elfenbeinküste
Mi.13.09.06 - Durch den in der Elfenbeinküste abgeladenen Giftmüll sind
jüngsten Angaben zufolge sechs Menschen ums Leben gekommen. Knapp
9000 Menschen litten an Vergiftungserscheinungen, teilte das
Gesundheitsministerium mit. "Wir haben bisher 8887 Menschen
gezählt, die unsere Gesundheitszentren aufgesucht haben", sagte der
Generaldirektor für Gesundheit, Jean Denoman, im Fernsehen. "Diese
Zahlen werden noch steigen, denn jeden Tag kommen 1000 bis 1500
Menschen in unsere Geundheitszentren." Die Erkrankten leiden demnach an
Erbrechen, Durchfall, Unwohlsein, Hautausschlägen und Kopfschmerzen.
Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, in Verbindung mit der
Umweltverschmutzung sei am Montag der sechste Tote gemeldet worden. Drei
leitende Angestellte von Firmen, die mit den Giftmülllieferungen
in Zusammenhang stehen sollen, seien festgenommen worden, erklärte
Staatsanwalt Raymond Tchimou. Daneben seien noch vier weitere Menschen
in Haft genommen worden. Dem Staatsanwalt zufolge wurde der
Giftmüll "an anderen Orten als ursprünglich vorgesehen"
abgeladen.
Unterdessen wurden mehrere Dutzend Insassen eines Gefängnisses in
Sicherheit gebracht. Sie sollten vor den Ausdünstungen des in der
Nähe abgeladenen Giftmülls geschützt werden, hieß
aus es übereinstimmenden Quellen. "Wir haben Gefangene weggebracht,
ich kann allerdings nicht sagen, wie viele", sagte ein
Verwaltungsbeamter des Gefängnisses der Nachrichtenagentur AFP.
Örtliche Zeitungen schätzten die Zahl auf mindestens 120.
Insgesamt sollen in dem Gefängnis Ende 2004 rund 5500 Gefangene
gesessen haben. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Sonntag war
eine Gefangene durch die giftigen Ausdünstungen gestorben.
Die Vereinten Nationen und die Schweiz schickten vier
Giftmüll-Experten in die Elfenbeinküste. Sie sollen bei der
Beseitigung der Umweltschäden helfen, teilte die UNO in Genf mit.
Das Präsidentenamt der Elfenbeinküste hat unterdessen
angekündigt, einen Bunker bauen zu wollen, in dem der Giftmüll
gelagert und isoliert werden solle.
Der Giftmüll aus dem Ausland war in der Nacht vom 19. auf den 20.
August auf mindestens neun Deponien um die Hauptstadt Abidjan abgeladen
worden. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace handelt es
sich um 400 Tonnen hochgiftigen Raffineriemüll. Verantwortlich
dafür war eine nationale Firma; der Giftmüll war jedoch an
Bord eines zu einer griechischen Firma gehörenden Schiffes ins Land
gekommen. Wegen des Skandals war die Regierung zurückgetreten.
(Quelle: afp)
Anti-Apartheid-Aktivistin Hilda Bernstein gestorben
Mi.13.09.06 - Die südafrikanische Schriftstellerin und Anti-Apartheid-Aktivistin
Hilda Bernstein ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Sie erlag bereits
am Freitagabend in ihrem Haus in Kapstadt einem Herzversagen, wie ihr
Sohn Keith am Montag mitteilte. Die gebürtige Britin war die Frau
des 2002 verstorbenen Rusty Bernstein, der im Rivona-Prozess 1964
zusammen mit Nelson Mandela vor Gericht stand, im Gegensatz zum
späteren südafrikanischen Präsidenten aber freigesprochen
wurde.
Das Ehepaar Bernstein hat sich ein Leben lang für den Kampf gegen
die Rassentrennung in Südafrika eingesetzt. Beide waren als
Weiße in der Kommunistischen Partei aktiv sowie im später
verbotenen Afrikanischen Nationalkongress (ANC), der heutigen
Regierungspartei. Hilda Bernstein war unter anderem
Gründungsmitglied des Verbands südafrikanischer Frauen, der
ersten Frauenorganisation ohne Rassenschranken.
Nach dem Rivona-Prozess, der Nelson Mandela ins Gefängnis auf
Robben Island brachte, wurde den Eheleuten trotz des Freispruchs von
Rusty das Leben so schwer gemacht, dass sie ins Exil gingen. Sie setzten
sich über Land nach Tansania ab und später nach England, von
wo aus sie ihren Kampf gegen die Apartheid fortsetzten. Nach dem Ende
dieser Politik und den ersten freien Wahlen 1994 kehrten sie
besuchsweise nach Südafrika zurück. Nach dem Tod von Rusty in
Oxford 2002 ließ sich Hilda Bernstein in Kapstadt nieder.
(Quelle: ap)
Blutige Kämpfe im Norden von Sri Lanka
Mi.13.09.06 - Im Norden von Sri Lanka ist der Bürgerkrieg mit tamilischen
Rebellen weiter eskaliert. In den vergangenen sechs Tagen wurden an der
Frontlinie auf der Halbinsel Jaffna nach Regierungsangaben 185 Menschen
getötet, darunter 35 Soldaten. Die Regierungstruppen lieferten sich
bei Muhamalai heftige Kämpfe mit den Befreiungstigern von Tamil
Eelam (LTTE).
Die LTTE wies die Zahlen der Regierung zurück. LTTE-Sprecher
Seevanatnam Puleedevan sagte, in den eigenen Reihen seien zwölf
Kämpfer, auf Seiten des Gegners 66 Soldaten getötet worden.
Die Regierungstruppen sind in das bislang von der LTTE gehaltene Dorf
Sampur eingedrungen, die LTTE will sie von dort wieder vertreiben. Bei
der Explosion einer Bombe auf einer Straße nahe der Hafenstadt
Trincomalee wurden am Dienstag drei Polizisten verletzt. Sie waren nach
Angaben der Behörden in einem Polizeiauto unterwegs, dem der
Anschlag offenbar galt.
Jaffna ist immer wieder ein Brennpunkt des seit 19 Jahren andauernden
Konflikts gewesen; die LTTE betrachtet die Halbinsel als kulturelles
Zentrum der 3,2 Millionen auf Ceylon lebenden Tamilen. Der
Waffenstillstand von 2002 ist in diesem Jahr faktisch zusammengebrochen.
Beide Seiten haben ihn bislang aber noch nicht offiziell
aufgekündigt. In dem Bürgerkrieg kamen mindestens 65.000
Menschen ums Leben. Seit April wurden mehrere hundert Menschen
getötet und 220.000 aus ihren Wohnorten vertrieben.
(Quelle: ap)
43 Millionen Kinder in Kriegsgebieten gehen nicht zur Schule
Mi.13.09.06 - In den Kriegsgebieten der Welt gehen nach Angaben der Hilfsorganisation
Save The Children mehr als 43 Millionen Kinder nicht zur Schule. In
einem am Montag veröffentlichten Bericht der Organisation
hieß es, in vielen Fällen seien Schulgebäude
zerstört oder der Kontrolle der Streitkräfte unterstellt
worden, Lehrer seien geflohen und Kinder würden gezwungen, sich an
den Gefechten zu beteiligen.
«Heute sind die Mehrheit der Kriegsopfer Zivilpersonen, nicht
Soldaten, und meistens sind es Kinder», sagte der Präsident
von Save The Children, Charlie MacCormack. «Die Welt kann nicht
tatenlos zusehen, wie diese Kinder ohne Bildung und ohne Hoffnung oder
Chancen bleiben, in einigen Fällen für Generationen.» In
dem Bericht wurden als Beispiele der Kongo, Afghanistan und Nepal
genannt. Im Kongo gehen den Angaben zufolge mehr als fünf Millionen
Kinder zwischen sechs und elf Jahren nicht zu Schule. Mehr als sechs
Millionen zwischen zwölf und 17 Jahren haben nie eine Schule
besucht.
Der Bericht ist Teil einer fünfjährigen Bildungsinitiative
der Organisation, die gestern von mehr als 40 Ländern gestartet
werden sollte. Damit sollen Millionen Kinder in Kriegsgebieten Zugang zu
Bildung erhalten. Save The Children hat die internationale Gemeinschaft
aufgefordert, 5,8 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) zur
Verfügung zu stellen.
(Quelle: ap)
Proteste gegen neue Regeln für internationale Medien in China
Mi.13.09.06 - Journalistenverbände und Menschenrechtler haben die
Verschärfung der Arbeitsbedingungen für internationale Medien
in China scharf kritisiert. Dieser Schritt sei ein
«autoritärer Versuch, die Nachrichten zu
kontrollieren», protestierte die Organisation Human Rights in
China am Dienstag. Darin manifestiere sich eine Haltung der Regierung,
die auch eine freie Berichterstattung über die Olympischen Spiele
2008 unwahrscheinlich mache.
«Die jüngsten Maßnahmen sind ein Warnzeichen für
die internationale Gemeinschaft, dass sich abgeschottete, staatlich
kontrollierte Olympische Spiele am Horizont zeigen», erklärte
die Direktorin der Organisation, Sharon Hom. Ein Regierungssprecher
wies den Vorwurf zurück. Die neuen Regelungen stünden in
keinem Bezug zu den Olympischen Spielen.
Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) nannte die
verschärften Vorschriften «einen Schritt nach hinten».
Die Reporter ohne Grenzen (RSF) erklärten in Paris, die neuen
Regeln könnten den chinesischen Öffnungszusagen an die
Welthandelsorganisation (WTO) widersprechen. Auch die Europäische
Union hat die am Wochenende in Kraft getretenen Bestimmungen für
die Arbeit internationaler Nachrichtenmedien kritisiert.
Die neue Verordnung verbietet die Verbreitung von Informationen, die
die wirtschaftliche und soziale Ordnung Chinas stören oder die
soziale Stabilität untergraben könnten. Ebenso untersagt sind
Nachrichten, die die «nationale Sicherheit, die Reputation und
Interessen» des Landes gefährden.
Internationale Nachrichtenagenturen wie AP, Reuters und AFP werden
außerdem daran gehindert, chinesische Medien direkt mit ihren
Dienstleistungen zu beliefern. Stattdessen können Meldungen und
Fotos nur über die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua
oder von ihr autorisierte Stellen verbreitet werden. Bislang war es den
internationalen Agenturen möglich, bestimmte Meldungen wie
Finanzinformationen selbst an Kunden in China zu bringen.
(Quelle: ap)
Erstmals Verurteilungen in Uruguay wegen Verbrechen unter Diktatur
Mi.13.09.06 - Erstmals in der Geschichte Uruguays hat ein Gericht acht ehemalige
Militärs und Polizisten wegen Verbrechen während der
Militärdiktatur (1973 bis 1985) verurteilt. Der Richter Luis
Charles befand die Angeklagten am Montag der Freiheitsberaubung für
schuldig sowie des Zusammenschlusses zu einer kriminellen Vereinigung
im Zusammenhang mit der Entführung und dem Verschwinden von
fünf linksgerichteten Gegnern der Militärdiktatur. Bei ihnen
handelt es sich um vier Mitglieder der Partei für den Sieg des
Volkes (PVP) sowie ein Mitglied der Guerillabewegung Tupamaros. Sie
sollen in den 70er Jahren im Zuge der "Operation Condor" - einer
konzertierten Aktion südamerikanischer Diktaturen zur Beseitigung
politischer Gegner - in das geheime Folterzentrum "Automotores Orletti"
in Buenos Aires verschleppt worden sein. Seitdem fehlt von ihnen jede
Spur.
(Quelle: afp)
Türkei: Sieben Tote bei Bombenanschlag in Diyarbakir
Mi.13.09.06 - Bei der Detonation einer Bombe in der südosttürkischen Stadt
Diyarbakir sind nach Behördenangaben sieben Menschen getötet
und 17 verletzt worden. Der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge befanden
sich unter den Toten fünf Kinder, zwei weitere Kinder seien in
kritischem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert worden. Der gewaltige
Sprengsatz wurde am Dienstag von einem Mobiltelefon aus
ferngezündet, wie das Büro des örtliche Gouverneurs
mitteilte.
Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. In der Gegend von
Diyarbakir haben jedoch schon häufig kurdische Separatisten
Anschläge verübt.
Einer kurdischen Nachrichtenagentur zufolge ereignete sich die
Bombenexplosion offenbar in der Nähe einer Grundschule. Nach
Augenzeugenberichten lagen Leichenteile über eine weite
Fläche verstreut in Blutlachen.
Zuvor hatte im Südosten der Türkei bereits zwei weitere
Sprengstoffattentate registriert worden. In der Provinz Bingöl
wurden bei einem Anschlag auf einen Güterzug drei Eisenbahnwaggons
zerstört. In Hatay konnten die Behörden eine gewaltige Bombe
an einer belebten Brücke nach eigenen Angaben rechtzeitig
entschärfen.
(Quelle: ap)
Deutschlandbesuch des Papstes: Benedikt XVI fordert 'wirklichen Dialog
der Kulturen'
Mi.13.09.06 - Papst Benedikt XVI. fordert einen «wirklichen Dialog der Kulturen
und Religionen». Das Oberhaupt der katholischen Kirche warnte am
Dienstag zugleich die westliche Welt vor einer Abkehr von Gott und
kritisierte die Zweifel von Wissenschaftlern.
Der Papst mahnte: «Eine Vernunft, die dem Göttlichen
gegenüber taub ist und Religion in den Bereich der Subkulturen
abdrängt, ist unfähig zum Dialog der Kulturen.» Am
Abend feierte er im Regensburger Dom eine ökumenische Vesper, an
der auch Bayerns evangelischer Landesbischof Johannes Friedrich und der
orthodoxe Metropolit Augoustinos von Deutschland teilnahmen.
Der vierte Besuchstag von Benedikt XVI. in Bayern startete mit einem
großen Gottesdienst auf dem Islinger Feld bei Regensburg.
Begleitet wurde sein Auftritt vor rund 260 000 Menschen erneut von
Begeisterungsstürmen. Bei einer Fahrt mit dem Papamobil durch die
Reihen der Gläubigen waren zahlreiche Jubelrufe und
«Benedetto»-Sprechchöre zu hören.
In seiner Predigt mahnte der Papst, die Menschen dürften ihr Leben
nicht verschleudern oder missbrauchen. Er betonte: «Unrecht darf
uns nicht gleichgültig lassen, wir dürfen nicht seine
Mitläufer oder sogar Mittäter werden.» Notwendig sei
Verantwortung und Sorge um «das Heil der ganzen Welt».
Der Papst beklagte die «Zerstörungen des Gottesbildes durch
Hass und Fanatismus». Er sprach von
«lebensgefährlichen Erkrankungen der Religion und der
Vernunft». Es sei nun wichtig, «klar zu sagen, welchem Gott
wir glauben und zu diesem menschlichen Antlitz Gottes zu stehen».
Er kritisierte zudem: «Seit der Aufklärung arbeitet
wenigstens ein Teil der Wissenschaft emsig daran, eine
Welterklärung zu finden, in der Gott überflüssig
wird.»
Auf dieses Thema ging der Papst am Nachmittag auch bei einer Vorlesung
in der Regensburger Universität ein. Vor Wissenschaftlern und
Studenten stellte er den christlichen Glauben als unverzichtbar
für eine Verständigung des Westens mit dem Islam dar.
Bei der ökumenischen Vesper hob der Papst die Gemeinsamkeiten von
katholischen und evangelischen Christen hervor. Er betonte: «Dies
ist eine Stunde der Dankbarkeit dafür, dass wir so miteinander
beten dürfen und aus der Zuwendung zum Herrn hin zugleich eins
werden miteinander.» In dem Bekenntnis zu Jesus Christus als dem
Sohn Gottes gebe es «keine Trennung zwischen uns». Der
Papst fügte hinzu: «Dass dieser gemeinsame Grund immer
stärker werde, darum wollen wir beten.»
Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich ging auf die Signale
des Papstes vom Wochenende für Fortschritte bei der Ökumene
ein. Er betonte: «Liebe als Lebensgestalt der Kirche wäre
nicht Liebe, wenn wir sie nicht ´mit Herz und Verstand´
für unser Miteinander wirken ließen.»
Der Papst hatte am Samstag gesagt, man könne zwar 500 Jahre
unterschiedlicher Entwicklung «nicht einfach bürokratisch
oder durch gescheite Gespräche beiseite schieben». Er
kündigte aber an: «Wir werden uns mit Herz und Verstand
darum mühen, dass wir zueinander kommen.»
Für Mittwoch sieht das Besuchsprogramm einen «privaten
Tag» vor, an dem der Papst seinen Bruder Georg Ratzinger treffen
und das Grab seiner Eltern und seiner Schwester besuchen will
(Quelle: ddp)
Unions-Länder stellen Gesundheitsreform in Frage
Mi.13.09.06 - Die Unions-geführten Länder stellen die Gesundheitsreform
massiv in Frage. Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und das
Saarland fordern Änderungen an den vereinbarten Eckpunkten, vor
allem zum geplanten Gesundheitsfonds. Sonst mache der Fonds keinen Sinn,
erklärte der saarländische Ministerpräsident Peter
Müller (CDU) am Dienstag. Die SPD reagierte gereizt. «Wenn
das Paket aufgemacht wird, dann wird es komplett wieder
aufgemacht», sagte die Fraktionsvizechefin Elke Ferner.
Die Unions-geführten Länder wollten gestern in einer
Telefonkonferenz eine gemeinsame Linie abstecken und beraten, in wie
weit sie die im Sommer vereinbarten Eckpunkte mittragen. Einen
entsprechenden Bericht der «Financial Times Deutschland»
bestätigte das sächsische Sozialministerium der
Nachrichtenagentur AP.
Die Bedenken der Länder beziehen sich nicht nur auf Details,
sondern auf zentrale Punkte bei der Schaffung des geplanten
Gesundheitsfonds. Ministerpräsident Müller sprach sich in der
«Süddeutschen Zeitung» dafür aus, die in den
Eckpunkten verankerten Regeln für den neuen Zusatzbeitrag mit der
SPD neu auszuhandeln. Die Sozialdemokraten hatten durchgesetzt, dass
dieser Zusatzbeitrag - den die Kassen bei Bedarf neben dem
regulären Beitragssatz erheben dürfen - auf ein Prozent des
Haushaltseinkommens begrenzt wird.
Müller forderte, diese Grenze aufzuheben, weil sie unpraktikabel
sei und den Wettbewerb einschränke. «Mit der
Ein-Prozent-Grenze macht die Veranstaltung herzlich wenig Sinn»,
sagte der CDU-Politiker. Sonst sei es «sinnvoller, auf die ganze
Unternehmung zu verzichten und sich darauf zu beschränken, den
Arbeitgeberanteil an den Gesundheitskosten festzuschreiben, um die
Lohnzusatzkosten zu beschränken».
Gegen die «Ein-Prozent-Regel» erhob auch die bayerische
Sozialministerin Christa Stewens (CSU) in der «FTD»
Einwände. Außerdem stößt sie sich an dem geplanten
Finanzausgleich der Kassen. Weil in Bayern die Einkommen höher
seien, werde von dort mehr Geld in den Fonds fließen,
ergänzte Stewens im rbb. Dennoch hätten die Kassen aber
künftig vor Ort weniger Geld als bisher zur Verfügung, weil
für jeden Versicherten ein einheitlicher Betrag aus dem Fonds
ausgezahlt werden soll.
Dies beklagt auch Baden-Württemberg. Der Bevollmächtigte des
Landes beim Bund, Wolfgang Reinhart (CDU), erklärte in der
«FTD», Geld aus Baden-Württemberg dürfe nicht in
andere Regionen abfließen: «Sonst wäre die Reform
für Baden-Württemberg nicht annehmbar.»
Zweifel hat laut «FTD» auch Niedersachsen. Die dortige
Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) warnte vor einen
neuen «Mammutbehörde», sollte der Fonds und nicht mehr
die Krankenkassen direkt die Beiträge einziehen.
Der Beitragseinzug macht auch der SPD Sorgen. Da der Fonds auch
für die anderen Sozialbeiträge zuständig wäre, seien
Probleme zu befürchten, sagte die Parteilinke Andrea Nahles im
WDR. Auch Beamte des Sozialministeriums haben Bedenken wegen des
Beitragseinzugs. Die Eckpunkte stünden damit aber nicht in Frage,
betonte das Gesundheitsministerium.
SPD-Vizechefin Ferner übte heftige Kritik an den
Unions-Ländern. «Es ist schon sehr merkwürdig, wenn sich
die, die bei den Verhandlungen mit am Tisch gesessen haben, jetzt aus
dem Staub machen», sagte die Gesundheitsexpertin im Bayerischen
Rundfunk. SPD-Chef Kurt Beck ermahnte insbesondere die CSU. Die SPD
stelle den Kompromiss nicht in Frage. «Das sollten andere wie zum
Beispiel Herr Stoiber auch nicht tun.»
(Quelle: ap)
Razzia gegen Neonazis in drei Bundesländern
Mi.13.09.06 - Die Polizei hat am Dienstag in einer bundesweiten Aktion insgesamt 23
Wohnungen von Neonazis durchsucht. Wie ein Polizeisprecher in
Görlitz mitteilte, richtete sich die Aktion gegen die als
rechtsextremistisch eingestuften Organisationen «Kameradschaft
Oberlausitz» und «Jungsturm 41». Der Schwerpunkt der
Aktion lag in der Oberlausitz, wo alleine 20 Objekte überprüft
wurden. Betroffen seien aber auch Dresden sowie Gemeinden in Bayern und
Baden-Württemberg gewesen, sagte der Sprecher.
Ermittelt werde gegen vier Tatverdächtige im Alter zwischen 20 und
30 Jahren aus dem Landkreis Löbau-Zittau wegen Verdachts der
Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger
Organisationen. Die Männer seien jedoch auf freiem Fuß. Bei
den Durchsuchungen wurden Hakenkreuzfahnen, Schreckschusspistolen,
Tonträger, Sturmhauben sowie Computer beschlagnahmt, betonte der
Sprecher. Mitglieder der Organisationen seien über das Internet
bundesweit aktiv gewesen und hätten in der Oberlausitz für
Angst und Schrecken gesorgt. So sei unter anderem ein Fahrzeug aus
Tschechien verfolgt worden.
Erst am Wochenende waren auf einer Skaterbahn in Görlitz
während eines Treffens von BMX-Fahrradfans 22
Hakenkreuzschmierereien und rechtsextremistische Parolen entdeckt
worden, wie der Polizeisprecher sagte.
(Quelle: ap)
Kritik an angeblich laschem Polizeieinsatz gegen Rechtsextreme
Mi.13.09.06 - Die jüngsten rechtsextremistischen Gewalttaten in
Landtagswahlkämpfen haben zu heftiger Kritik an der Polizei
geführt und die Debatte über ein Verbot der NPD neu entfacht.
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) und der
Grünen-Politiker Volker Beck warfen der Berliner Polizei vor,
nicht konsequent genug gegen Rechtsextreme vorgegangen zu sein.
Außerdem müsse man erneut über ein Verbot der immer
aggressiveren NPD nachdenken, sagte Thierse.
In der «Leipziger Volkszeitung» kritisierte der
SPD-Politiker die Hauptstadtpolizei, weil sie zwei rechte Schläger
nach einem Angriff auf ein Juso-Mitglied zunächst wieder entlassen
habe: Erst auf Druck von oben seien die Tatverdächtigen wieder
festgesetzt worden. Dies zeige, dass die Polizei noch immer nicht
eindeutig und entschlossen genug handele, sagte Thierse. Nach den
Worten Becks muss Polizeiarbeit verhindern, dass die NPD den
öffentlichen Raum durch Verbreitung von Schrecken und
Gewaltandrohung erobern könne. Nötig sei deshalb aktives und
konsequentes polizeiliches und staatsanwaltliches Vorgehen.
Angesichts der sich häufenden rechtsextremistischen
Übergriffe sagte Thierse, ein Verbot der NPD dürfe nach dem
2003 gescheiterten Antrag beim Bundesverfassungsgericht nicht ein
für alle Mal passé sein. «Ich habe den Eindruck, dass
das Scheitern des Verbotsantrags heute in seinen Auswirkungen erst
richtig sichtbar wird», wurde er zitiert. Das immer aggressivere
Selbstbewusstsein der Rechten habe etwas damit zu tun, dass sie sich
vom Verfassungsgericht geradezu geschützt fühlten.
Aus der Union, aber auch aus der SPD kam dagegen Widerspruch. Der
SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz bekräftigte sein Nein zu
einem neuen Verfahren. Die vom Bundesverfassungsgericht gesetzten
Maßstäbe könnten nicht eingehalten werden.
Wiefelspütz forderte die demokratischen Parteien auf, sich
politisch mit der NPD auseinander zu setzen. Ähnlich
äußerte sich der Unionsinnenexperte Hans-Peter Uhl.
Parteienverbote seien ohnehin eine deutsche Besonderheit und sollten
nur für extreme Ausnahmefälle vorbereitet werden, sagte der
CSU-Politiker im SWR.
Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag,
Wolfgang Bosbach (CDU), sagte der «Netzeitung», er gebe
einem zweiten Verbotsantrag keine Chance. Er begründete seine
Skepsis damit, dass nach dem damaligen Karlsruher Urteil zunächst
die Beobachtung der NPD durch den Verfassungsschutz eingestellt werden
müsse, bevor ein neuer Verbotsantrag gestellt werden könne.
Wegen der Verfassungsfeindlichkeit und der Gefährlichkeit der NPD
müsse deren Beobachtung aber fortgesetzt werden.
Bosbach trat zudem der Kritik Thierses am Vorgehen der Behörden
gegen den Rechtsextremismus entgegen: «Ich habe keine Zweifel
daran, dass sowohl der Verfassungsschutz als auch die Polizei gegen
rechtsradikale Umtriebe mit der notwendigen Konsequenz vorgehen.»
Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) widersprach Thierse scharf.
GdP-Chef Konrad Frei erklärte: «Polizisten sind oft die
einzigen, die sich mit dem braunen Pack herumschlagen, während die
demokratischen Parteien ganze Landstriche den Rechten
überlassen.» Die Berliner Polizei treffe in dem konkreten
Fall kein Vorwurf, weil sie nach rechtstaatlichen Prinzipien gehandelt
habe.
(Quelle: ap)
OECD-Bericht: Deutschland fällt bei Zahl der Hochschulabsolventen
zurück
Mi.13.09.06 - Deutschland läuft Gefahr, bei der Zahl der Hochschulabsolventen im
internationalen Vergleich den Anschluss zu verlieren. Der Anteil der
Hoch- und Fachhochschulabsolventen pro Jahrgang stieg nach einem Bericht
der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) von 2000 bis 2004 zwar von 19,3 auf 20,6 Prozent. Die
meisten anderen OECD-Länder schafften demnach aber weitaus
größere Fortschritte, weshalb sich der OECD-Durchschnitt von
27,5 auf 34,8 Prozent erhöhte.
Nur noch die Tschechische Republik, Österreich und die Türkei
bildeten pro Jahrgang weniger Akademiker aus als Deutschland.
Deutschland gleicht laut OECD die Rückstände in der
Hochschulausbildung zwar langsam aus. Dies zeige sich auch an den
gestiegenen Zahlen von Studienanfängern. Dieser Prozess vollziehe
sich aber weit langsamer als in den meisten OECD-Staaten. Das Potenzial
an Studenten sei zudem weitgehend ausgeschöpft, da nur ein
vergleichsweise geringer Anteil der Schüler die Hochschulreife
erwerbe.
Als positiv bewertet die OECD die Einführung von Bachelor- und
Masterstudiengängen. OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher warnte
jedoch, wegen der geburtschwachen Jahrgänge, die künftig die
Schule verließen, werde Deutschland "den steigenden Bedarf an gut
ausgebildeten Fachkräften so nicht befriedigen können."
Bei den Basisqualifikationen für den Arbeitsmarkt, zu denen Abitur
oder eine abgeschlossene Lehre gehören, steht Deutschland dagegen
traditionell gut da: Im Jahr 2004 hatten 85 Prozent der 25- bis
34-Jährigen einen so genannten Sekundarstufe-II-Abschluss. Dieser
Wert werde nur von sieben OECD-Ländern signifikant, also um mehr
als fünf Prozentpunkte, übertroffen.
Deutschland gibt im internationalen Vergleich auch weniger Gelder als
andere Länder für Bildung aus. Anders als in vielen anderen
Staaten stagnierten die Ausgaben für diesen Bereich. Laut OECD lag
der Anteil öffentlicher und privater Bildungsausgaben am
Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2003 mit 5,3 Prozent deutlich unter dem
Durchschnitt von 5,9 Prozent.
(Quelle: afp)
GEZ-Gebühren für Internet-PCs
Mi.13.09.06 - Besitzer eines internetfähigen PCs oder UMTS-Handys sollen ab 1.
Januar 2007 GEZ-Gebühren in Höhe von 5,52 Euro pro Monat
zahlen. Das haben die ARD-Intendanten nach Informationen der
«Augsburger Allgemeinen» (Mittwochausgabe) auf ihrer Tagung
in Schwerin beschlossen. Die Entscheidung soll am (heutigen) Mittwoch
auf einer Pressekonferenz verkündet werden. In ARD-Kreisen
hieß es, auch das ZDF habe dieser Regelung zugestimmt.
Die endgültige Entscheidung müssen die Bundesländer
treffen. Zuvor war auch über eine Gebühr in Höhe der
Fernseh-Gebühr (17,03 Euro pro Monat) diskutiert worden. Nicht
betroffen von der Neuregelung sollen Privathaushalte sein, die bereits
für Fernseher oder Radio eine Gebühr bezahlen. Jedoch sollen
Unternehmer, die bislang keine GEZ-Gebühr für ihre Büros
entrichten, oder Selbstständige für ihren gewerblich
genutzten Heim-Computer zahlen.
(Quelle: ap)