Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundsiebten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Todesschwadrone und Autobomben ziehen grausame Spur der Gewalt -
Mindestens 80 Tote an einem Tag. Irak und Iran wollen Ölvorkommen
gemeinsam ausbeuten
Do.14.09.06 - Todesschwadronen und Anschläge mit Autobomben haben am Mittwoch
erneut eine breite Spur der Gewalt durch die irakische Hauptstadt Bagdad
gezogen. Der anhaltende Aufstand gegen die Regierung und die
amerikanische Militärpräsenz sowie Spannungen zwischen
Schiiten und Sunniten forderten an einem Tag mindestens 80 Todesopfer.
Nach einer Aufstellung des irakischen Gesundheitsministeriums fanden im
August Tag für Tag durchschnittlich 51 Bewohner von Bagdad einen
gewaltsamen Tod.
In der Nacht zum Mittwoch bargen Polizisten 65 Leichen. Die Opfer
wurden gefesselt, gefoltert und erschossen, wie Polizeioffizier Thayer
Mahmud mitteilte. Die Toten wurden zumeist in sunnitischen Stadtteilen
von Bagdad gefunden. Fünf Leichen trieben den Tigris hinab. Sowohl
sunnitische als auch schiitische Extremisten unterhalten
Todesschwadronen. Ihre Mitglieder entführen Angehörige der
jeweils anderen Bevölkerungsgruppe, foltern sie mit Elektrobohrern
oder auf andere Weise und erschießen sie dann.
Bei der Explosion einer Autobombe im Osten der irakischen Hauptstadt
Bagdad kamen am Mittwoch mindestens 19 Menschen ums Leben, 62 wurden
verletzt. Ort des Anschlags war nach Angaben der Polizei der Parkplatz
der Verkehrspolizeizentrale. Unter den Toten sind mindestens zwei
Verkehrspolizisten.
Bei einem zweiten Autobombenanschlag auf die Polizei in Bagdad wurden
mindestens acht Menschen getötet und 17 verletzt. Der Sprengsatz
explodierte im Osten der irakischen Hauptstadt in der Nähe einer
vorbeifahrenden Polizeipatrouille. Unter den Toten sind drei Polizisten.
Außerdem wurden zwei Polizeiwachen mit Granaten angegriffen,
dabei kamen drei Beamte ums Leben. Bei Angriffen von
Aufständischen wurden nach Angaben der US-Streitkräfte auch
zwei amerikanische Soldaten getötet.
Im irakischen Parlament brachten Anhänger des radikalen
schiitischen Predigers Muktada al Sadr eine Entschließung ein, in
der der Abzug der amerikanischen Truppen gefordert wird. Für den
Antrag stimmten 104 der 275 Abgeordneten, danach wurde er zur
näheren Prüfung an einen Ausschuss überwiesen.
Im Prozess gegen Saddam Hussein verlangte Staatsanwalt Munkith al Farun
am Mittwoch den Rücktritt des Vorsitzenden Richters Abdullah al
Amiri. Der Richter habe es zugelassen, dass der Angeklagte den
Gerichtssaal zum Forum für seine politischen Ansichten gemacht
habe, kritisierte der Staatsanwalt.
Die ehemals verfeindeten Nachbarstaaten Iran und Irak haben unterdessen
eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit vereinbart. Beide Seiten
schlossen ein Abkommen zur Entwicklung gemeinsamer Ölfelder
entlang der Grenze, erklärte das iranische Ölministerium am
Mittwoch während eines Besuchs des irakischen
Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki in Teheran. Außerdem
werde der Irak Rohöl zur Weiterverarbeitung an iranische
Raffinerien liefern.
Für eine Stabilisierung der Lage im Irak sei ein Rückzug der
US-Truppen nötig, sagte das geistliche Oberhaupt des Irans,
Ayatollah Ali Chamenei, seinem Gast laut einem Bericht des staatlichen
iranischen Fernsehens. Das Leiden des irakischen Volks sei zum Teil auf
das frühere Regime und zum Teil auf die Präsenz von
Besatzungstruppen zurückzuführen. Er hoffe, der Tag werde
kommen, da der Reichtum des Iraks den irakischen Bürgern
zufließen werde, sagte Chamenei.
UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte unterdessen in New
York vor Journalisten, während seiner jüngsten Nahost-Reise
hätten ihm die meisten seiner Gesprächspartner erklärt,
sie betrachteten die Invasion im Irak und deren Folgen als echte
Katastrophe. «Sie glauben, es hat die Region
destabilisiert.» Der Iran habe angeboten, einen Abzug der
US-Truppen zu unterstützen. Nähere Einzelheiten nannte Annan
nicht.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 14.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertdreiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.14.09.05 - US-Truppen fassen bei Tal-Afar-Offensive 400 Rebellen +++ Syrien weist
US-Kritik zu Mitverantwortung für Lage im Irak zurück +++
Irakisches Parlament verabschiedet neues Wahlgesetz +++ Iraks
Präsident Talabani: USA könnten bis Jahresende 50.000
Soldaten abziehen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509140.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Wieder Tote bei Kämpfen in Afghanistan
Do.14.09.06 - Wieder Tote bei Kämpfen im Süden und ein Raketenangriff
wenige Stunden vor einem Besuch von Präsident Hamid Karsai in
Dschalalabad: Afghanistan kam auch am Mittwoch nicht zur Ruhe.
Afghanische Polizisten töteten in einem erbitterten Gefecht in der
Provinz Helmand nach eigenen Angaben 16 Taliban-Kämpfer und
eroberten die Stadt Garmser zurück, die die Aufständischen am
6. September besetzt hatten. Bei dem Raketenangriff in Dschalalabad
wurde laut Polizei niemand verletzt. Karsai wollte in Dschalalabad
gemeinsam mit dem pakistanischen Ministerpräsidenten Shaukat Aziz
eine neue Straße zur Grenzstadt Torcham eröffnen.
Die NATO legte unterdessen erstmals eine Bilanz über
Selbstmordanschläge vor. Seit Januar seien 173 Menschen bei solchen
Angriffen getötet worden. Rund 87 Prozent der Opfer - 151 - seien
afghanische Zivilpersonen gewesen, sagte NATO-Sprecher Luke Knittig in
Kabul. Militante Gruppen in Afghanistan, insbesondere die Taliban,
haben in den vergangenen Monaten vermehrt zu Taktiken gegriffen, wie
sie im Irak von den Aufständischen angewandt werden.
Im Westen Afghanistans wurde nach Angaben der Polizei ein Mitarbeiter
des UN-Habitat-Programms erschossen. Die Angreifer hätten das
UN-Auto beschossen, als es auf dem Weg von einem abgelegenen Dorf in die
Provinzhauptstadt Farah gewesen sei. Über das Motiv der Tat war
zunächst nichts bekannt.
In der südafghanischen Stadt Kandahar sprengte sich ein
Selbstmordattentäter in einer Moschee in die Luft. Nach Angaben der
Polizei kamen sonst keine Menschen zu Schaden.
(Quelle: ap)
Truppenstellerkonferenz für Afghanistan ohne konkrete Ergebnisse
Do.14.09.06 - Trotz dringender Appelle der NATO-Führung hat eine
Truppenstellerkonferenz am Mittwoch keine konkreten Zusagen für
eine Verstärkung der Afghanistan-Schutztruppe ISAF gebracht. Bei
der Konferenz im militärischen Hauptquartier der NATO in Mons habe
es «keine formellen Angebote» für die Entsendung
weiterer Soldaten gegeben, teilte NATO-Sprecher James Appathurai in
Brüssel mit. Die Diskussion gehe aber in eine positive Richtung.
Die NATO-Führung fordert von den Mitgliedstaaten bis zu 2.500
weitere Soldaten für den besonders instabilen Süden
Afghanistans. Dort haben Taliban-Kämpfer und andere
Aufständische ihre Aktivitäten in den vergangenen Monaten
heftig verstärkt. Vor allem die in Südafghanistan
stationierten kanadischen und britischen Truppen haben starke Verluste
erlitten.
(Quelle: ap)
Deutsche Regierung beschließt Verlängerung des
Afghanistan-Einsatzes
Do.14.09.06 - Die deutsche Regierung hat die Verlängerung des
Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr um ein Jahr beschlossen. "Das
bisherige Mandat bleibt unverändert", sagte
Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Auch das
Gesamtkontingent, das sich auf bis zu 3000 Soldaten beläuft, werde
nicht verändert. Das derzeitige Mandat, das den Norden
Afghanistans als Einsatzgebiet für die Deutschen festlegt,
läuft am 13. Oktober aus. Für die Verlängerung des
Afghanistan-Einsatzes ist die Zustimmung des Bundestags erforderlich.
Dieser soll voraussichtlich am 29. September entscheiden.
Steg verwies darauf, dass deutsche Soldaten unter Umständen auch
außerhalb des Nordens eingesetzt werden könnten, wenn dies
erforderlich sei. "Die Sicherheitslage ist schlechter geworden. Das
Land ist instabil." Im Kabinett habe es eine "schonungslose Analyse"
der Situation vor Ort gegeben. Es sei intensiv darüber diskutiert
worden, dass die politischen Erfolge über militärische
Maßnahmen abgesichert werden müssten.
In den vergangenen Wochen hatte es Spekulationen über eine
mögliche Ausweitung des Einsatzgebiets auch auf den Süden
Afghanistans gegeben. Dort war es wiederholt zu heftigen
Kampfhandlungen gekommen. Das geltende Mandat sieht bereits begrenzte
Bundeswehreinsätze in Südafghanistan vor. In dem vor einem
Jahr gefassten Bundestagsbeschluss heißt es zum Einsatzgebiet der
Soldaten: "Deutsche Streitkräfte werden in den ISAF-Regionen Kabul
und Nord eingesetzt. Darüber hinaus können sie in der
ISAF-Region West sowie im Zuge der weiteren ISAF-Ausdehnung in anderen
Regionen für zeitlich und im Umfang begrenzte
Unterstützungsmaßnahmen eingesetzt werden, sofern diese
Unterstützungsmaßnahmen zur Erfüllung des
ISAF-Gesamtauftrages unabweisbar sind."
Die Linksfraktion forderte unterdessen den sofortigen Abzug der
KSK-Truppen aus Afghanistan. Ihr verteidigungspolitischer Sprecher Paul
Schäfer reagierte damit auf einen Bericht der "Bild"-Zeitung,
wonach sich Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) erneut
im Kampfeinsatz in Afghanistan befänden. Gemeinsam mit US-Special
Forces nähmen KSK-Trupps im Osten des Landes nahe der Grenze zu
Pakistan an den Offensiven gegen Taliban-Verbände teil, berichtete
die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Schäfer forderte:
"Der Einsatz von Spezialkräften der Bundeswehr muss einer
stärkeren parlamentarischen Kontrolle unterworfen werden."
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Amnesty International wirft der Hisbollah Kriegsverbrechen vor.
Deutsche Regierung beschließt Bundeswehr-Einsatz im Nahen Osten.
Mehrheit der Deutschen gegen Libanon-Einsatz
Do.14.09.06 - Amnesty International hat der Hisbollah-Miliz Kriegsverbrechen
vorgeworfen. Die Menschenrechtsorganisation erklärte am
Donnerstag, der Abschuss von Raketen auf Orte im Norden Israels
verstoße gegen das Völkerrecht. «Auf Zivilpersonen zu
zielen ist ein Kriegsverbrechen», sagte AI-Direktor Larry Cox.
«Da gibt es keine Grauzone.» Die Hisbollah hatte in dem 34
Tage währenden Konflikt fast 4.000 Raketen abgeschossen und
zahlreiche Israelis getötet. Amnesty rief die Vereinten Nationen
auf, mögliche Kriegsverbrechen von beiden Konfliktparteien zu
untersuchen.
Die deutsche Regierung hat derweil den ersten Einsatz von
Bundeswehrsoldaten im Nahen Osten beschlossen. Die Bundeswehr werde
sich an der Sicherung der libanesischen Seegrenze im Rahmen der
UN-Mission beteiligen, teilte die deutsche Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) in Berlin mit. Der Einsatz der Bundeswehr im Nahen Osten
"hat für uns eine historische Dimension", fügte Merkel mit
Blick auf die deutsche Geschichte hinzu.
Die Entscheidung sei mit Blick auf die besondere Verantwortung
Deutschlands für das Existenzrecht Israels und aus Verantwortung
für eine Friedenslösung in der gesamten Region getroffen
worden, sagte Merkel. Der Marineverband werde unter deutscher
Führung arbeiten.
Deutschland soll sich an der UN-Friedenstruppe UNIFIL mit bis zu 2400
Bundeswehrsoldaten beteiligen. Davon sind laut Deutschlands
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) 1500 zur Sicherung der
Seeseite vorgesehen. Dafür sollen zwei Fregatten, zwei
Truppenversorger und vier Schnellboote entsandt werden. Dem
Marineverband gehören auch niederländische, dänische und
norwegische Soldaten an. Weitere 400 Soldaten seien für die
Führung dieser maritimen "task force" und die logistische
Unterstützung vorgesehen, sagte Jung. Hundert Soldaten seien
für den Lufttransport eingeplant, weitere hundert für die
Beratung und Ausbildung der libanesischen Streitkräfte und 300 als
planerische Reserve. Am Mittwoch abend solle der Einsatz der maritimen
Einsatztruppe sowie die Kooperation mit der libanesischen Armee
präzisiert werden.
"Wir haben eindeutig ein robustes Mandat, aber nicht offensiv", sagte
Jung. Es erlaube auch die Kontrolle eines verdächtigen Schiffes
gegen Widerstand. Das Einsatzgebiet bezieht sich laut Jung auf das
gesamte Küstengebiet und umfasse einen Bereich von rund 50
Seemeilen. Die Kosten bezifferte der Verteidigungsminister für
dieses Jahr auf rund 46 Millionen Euro und für 2007 auf rund 147
Millionen Euro.
Die Bürger in Deutschland stehen dem geplanten Bundeswehreinsatz
im Libanon nach wie vor kritisch gegenüber. Laut einer
Emnid-Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders N24 lehnen 64 Prozent
der Befragten die Mission ab, nur 32 Prozent sprechen sich dafür
aus.
Im Zusammenhang mit der Diskussion über die Ausstattung der
Bundeswehr geben 56 Prozent der Befragten an, die Bundeswehr sei nicht
gut genüg gerüstet für den Auftrag. 34 Prozent halten den
aktuellen Ausrüstungsstand für ausreichend.
67 Prozent der Befragten sehen keinen Anlass zur Aufstockung des
Wehretats, nur 30 Prozent sprechen sich dafür aus. Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU) hatte vor kurzem mehr Geld für die Bundeswehr
gefordert.
Emnid befragte 1000 Bundesbürger.
(Quellen: afp, ddp, ap)
Europäischer Kompromiss für Iran-Erklärung gefunden
Do.14.09.06 - Im Atomstreit zwischen der internationalen Gemeinschaft und dem Iran
gibt es Anzeichen für Bewegung: Wie aus diplomatischen Kreisen
während der Gouverneursratssitzung der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) am Mittwoch in Wien verlautete, legten
Deutschland, Frankreich und Großbritannien einen Entwurf für
eine Erklärung vor, mit der die Kritik am iranischen Atomprogramm
bekräftigt werden soll, ohne die schwierigen Verhandlungen mit
Teheran zu gefährden.
Diese sollen mit einem dritten Treffen zwischen EU-Chefdiplomat Javier
Solana und dem iranischen Atom-Unterhändler Ali Laridschani am
(heutigen) Donnerstag wahrscheinlich in Paris fortgesetzt werden. Solana
und Laridschani haben in ihren ersten beiden Runden Fortschritte bei
der Lösung des Konflikts um Urananreicherung erzielt.
Den diplomatischen Kreisen in Wien zufolge waren Frankreich und
Großbritannien für eine schärfere Erklärung an die
Adresse Teherans, stimmten dann aber einem Kompromiss mit Deutschland
zu, das auf einen weniger hart formulierten Text setzte. Die fünf
Vetomächte des UN-Sicherheitsrats und Deutschland versuchen
gemeinsam, Iran zum Stopp der Urananreicherung für sein
Atomprogramm zu bewegen. Iran schien sich in den Gesprächen mit
Solana etwas zu bewegen, indem er ein zweimonatiges
Anreicherungsmoratorium nach dem Beginn offizieller Verhandlungen in
Aussicht stellten. Die sechs Staaten fordern aber einen völligen
Stopp vor Beginn solcher Gespräche. Allerdings unterstützen
die Veto-Mächte Russland und China nicht den vor allem von den USA
befürworteten Kurs in Richtung UN-Sanktionen, sollte Teheran nicht
von der auch zum Bau von Atomwaffen benötigten Urananreicherung
lassen.
Der französische Staatspräsident Jacques Chirac empfing am
Dienstagabend den iranischen Diplomaten Haschemi Samarah. Chirac habe
dem Sondergesandten von Präsident Mahmud Ahmadinedschad
verdeutlicht, dass Paris hinter Solana stehe, hieß es in einer
Mitteilung des Elysee-Palastes.
(Quelle: ap)
Brasilien, Indien und Südafrika vereinbaren Kooperation bei
Atomkraft
Do.14.09.06 - Brasilien, Südafrika und Indien wollen bei der friedlichen Nutzung
der Atomenergie zusammenarbeiten. Dies solle unter der
Federführung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA
geschehen, hieß es am Mittwoch nach einem Treffen der
Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva und Thabo Mbeki sowie des
indischen Regierungschefs Manomohan Singh in Brasilia. Es war das erste
Gipfeltreffen seit Gründung einer informellen Gruppe zur
politischen Koordination zwischen den drei Staaten. In einer
Erklärung unterstrichen sie ihr Recht, Atomenergie zu friedlichen
Zwecken nutzen zu dürfen. Indien verfügt über
Atomwaffen, die beiden anderen Ländern lediglich über
Nuklearreaktoren. Südafrika hat sein Atomwaffenarsenal
abgerüstet, das das Apartheidregime heimlich angelegt hatte.
(Quelle: ap)
Kuba will Wirtschaft nicht nach dem Vorbild Chinas öffnen
Do.14.09.06 - Der kubanische Wirtschaftsminister Jose Luis Rodriguez hat
Spekulationen über eine mögliche Öffnung der kubanischen
Wirtschaft zurückgewiesen. Dies sei nicht geplant und entspreche
auch nicht dem Wunsch des Volkes, sagte Rodriguez am Dienstag am Rande
des Gipfeltreffens der Blockfreien in Havanna. Ein Vergleich mit China
sei nicht gerechtfertigt. China habe schließlich 1,3 Milliarden
Einwohner und habe nicht unter Wirtschaftssanktionen zu leiden. Weder
der erkrankte kubanische Staatspräsident Fidel Castro noch sein
Bruder Raul Castro, der derzeit die Regierungsgeschäfte führt,
sind bisher bei dem Gipfeltreffen aufgetreten.
(Quelle: ap)
Deutsche verlieren Vertrauen in die Demokratie
Do.14.09.06 - Das Vertrauen in die Demokratie in Deutschland hat in den vergangenen
Jahren deutlich abgenommen. Wie aus dem am Mittwoch in Berlin
vorgestellten Datenreport 2006 des Staatistischen Bundesamts hervorgeht,
glaubten 2005 nur 71 Prozent der Westdeutschen und 38 Prozent der
Ostdeutschen, dass die deutsche Demokratie die beste Staatsform ist. Im
Jahr 2000 war die Zustimmung zum politischen System weit höher:
Damals sprachen sich noch 80 Prozent der Menschen im Westen und 49
Prozent im Osten für die Demokratie aus.
22 Prozent der Westdeutschen und 41 Prozent der Ostdeutschen glauben
laut Datenreport daran, dass es eine bessere Staatsform als die
Demokratie gibt. Im Jahr 2000 waren es nur neun beziehungsweise 27
Prozent.
(Quelle: ap)
SPD und Gewerkschaften bei Mindestlohnkonzept einig
Do.14.09.06 - Im Kampf gegen Dumpinglöhne haben sich SPD und Gewerkschaften
wenige Tage vor dem SPD-Gewerkschaftsrat auf ein Konzept für
Mindestlöhne verständigt. Ein Zwei-Stufen-Plan sieht vor, dass
zunächst die Tarifparteien einer Branche am Zuge sind und
Mindestlöhne vereinbaren.
Gelingt dies nicht oder wird ein bestimmtes Niveau unterschritten, soll
in einem zweiten Schritt «ein einheitlicher gesetzlicher
Mindestlohn eingeführt» werden. Dies sieht der Bericht der
Gewerkschaftsrat-Projektgruppe vor, der der Nachrichtenagentur dpa am
Mittwoch vorlag und über den die «Berliner Zeitung»
berichtet hatte. Der Bericht enthält keine Aussage zur Höhe
eines gesetzlichen Mindestlohnes. Das Konzept soll am Montag beim
Treffen des Gewerkschaftsrates in Frankfurt beschlossen werden.
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) zeigte sich
entschlossen, in allen Branchen der deutschen Wirtschaft
Mindestlöhne durchzusetzen, notfalls auf gesetzlicher Basis.
«Den Weg halte ich mir ausdrücklich offen», sagte der
Minister dem Hamburger Magazin «stern». Er setze jedoch auf
Mindestlöhne, die von Arbeitgebern und Gewerkschaften vereinbart
und dann durch «Verordnungen im Rahmen des Entsendegesetzes
für allgemein verbindlich erklärt» würden.
Auf die Frage, welche Branchen er über die Baubranche und die
Gebäudereiniger hinaus dabei im Auge habe, antwortete der
Vizekanzler: «Am liebsten alle. Das kann man auch so organisieren,
dass es der Wirtschaft nicht schadet.»
Als Maßstab für Mindestlöhne bezeichnete er die
Leistungen für Hartz-IV-Empfänger. «Ein
Vollzeit-Arbeiter sollte mehr verdienen als ein allein stehender
Arbeitsloser ohne Kinder, der Arbeitslosengeld II bekommt.» Er
müsse einen Stundenlohn «von etwa sechs Euro bekommen, um
sein Existenzminimum zu verdienen». Dies sei die untere Grenze. An
einigen Stellen seien die Löhne inzwischen aber
«sittenwidrig». Bis zum Jahresende will Müntefering die
Vorarbeiten für ein umfassendes Niedriglohnkonzept
abschließen.
Ähnlich wie bei der Gesundheitsreform liegen Union und SPD bei
ihren Modellen für den Niedriglohnsektor weit auseinander. Die
Union setzt auf Kombilöhne, die eine staatliche Bezuschussung von
geringen Gehältern vorsehen. Ein entsprechendes Konzept war
kürzlich von den Wirtschaftsweisen vorgelegt worden. Der DGB
fordert einen Mindestlohn von 7,50 Euro in der Stunde.
Für die SPD begrüßte deren arbeitsmarktpolitischer
Sprecher Klaus Brandner das Konzept des Gewerkschaftsrates. Die CSU
signalisierte Widerstand: «Einen gesetzlichen Mindestlohn wird es
mit der CSU nicht geben», sagte CSU-Generalsekretär Markus
Söder. Er koste «tausende von Arbeitsplätzen». Ein
gesetzlicher Mindestlohn garantiere die Lohnhöhe, aber keinen
Arbeitsplatz. Es sei «offenkundig, dass die SPD Angst vor ver.di
und IG Metall hat». Die FDP lehnte das Mindestlohn-Konzept
ebenfalls ab. Es gefährde Arbeitsplätze und verhindere neue im
Niedriglohnbereich, sagte ihr Arbeitsmarktexperte Dirk Niebel.
(Quelle: dpa)
Erste Rabbinerordination nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland
Do.14.09.06 - Erstmals seit dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft
werden in Deutschland wieder Rabbiner geweiht. Mit dem 35-jährigen
Malcolm Matitani aus Südafrika, dem 35-jährigen tschechischen
Staatsbürger Thomas Kucera und dem 47-jährigen Daniel Alter
erhalten die ersten drei Absolventen des Abraham Geiger Kollegs am
(heutigen) Donnerstag um 11.00 Uhr in Dresden die Befähigung, als
religiöse Oberhäupter in ihren Gemeinden tätig zu sein.
Alle drei Rabbiner haben eine fünf Jahre dauernde Ausbildung
gemacht. Matitani kehrt in seine Heimat nach Südafrika
zurück, während die beiden anderen Rabbiner in Deutschland
bleiben.
Zahlreiche Persönlichkeiten aus dem geistlichen und politischen
Leben, unter ihnen Bundespräsident Horst Köhler, haben die
Ordination als ein besonderes Ereignis gewürdigt. Köhler
hatte gesagt, dass es nach dem Holocaust für viele nicht
vorstellbar gewesen sei, dass in Deutschland jemals wieder
jüdisches Leben aufblühen würde. 1942 war die damalige
Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin
zwangsweise geschlossen worden.
(Quelle: ap)
Experten warnen vor Folgen des Klimawandels
Do.14.09.06 - Experten aus Wissenschaft, Politik und Industrie warnen vor den
Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland. «Allein in den
vergangenen zehn Jahren hatten wir in Deutschland sechs so genannte
Jahrhundertfluten», sagte Professor Mojib Latif vom
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Uni Kiel.
Wie viele andere Experten befürchtete auch Latif, dass es hier zu
Lande in Folge des Klimawandels zu mehr Fluten, längeren
Trockenperioden und anderen Wetterextremen kommt.
«Die Hitzeperioden, Stürme und Überschwemmungen der
vergangenen Jahre sind nur zarte Vorboten von dem, was da in der Zukunft
auf uns zukommt», sagte die Staatssekretärin im
Bundesumweltministerium, Astrid Klug, auf dem Kongress «aqua alta
2006» in Hamburg. Klug forderte ein Handeln auf zwei Ebenen:
«Einerseits müssen wir den Ausstoß von Treibhausgasen
vermindern, um die weitere Erwärmung zu begrenzen, andererseits
müssen wir uns an den stattfindenden Klimawandel anpassen, um seine
sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen zu
dämpfen.»
Frank Neuschulz von der Deutschen Umwelthilfe kritisierte, dass die
Anzahl der geplanten Projekte zur Schaffung neuer
Überflutungsflächen schrumpfe, während gleichzeitig die
Pegelstände bei jeder Flut immer höher stiegen. «Wir
dürfen nicht einseitig auf die Erhöhung der Deiche setzen,
sondern müssen den Flüssen mehr Raum geben und die bisherige
Deichlinie verändern», forderte Neuschulz.
Rund 400 Teilnehmer diskutieren bis zum Freitag über Klimafolgen,
Küstenschutz und langfristige Hochwasservorsorge,
einschließlich der Probleme bei der medizinischen Notfallvorsorge.
Knapp 80 Aussteller präsentieren auf einer begleitenden Fachmesse
technische Neuerungen in diesen Bereichen.
(Quelle: dpa)