Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundachten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
23 Tote bei Terroranschlägen und Attentaten.
UN-Generalsekretär Annan: USA stecken im Irak in der Zwickmühle
Fr.15.09.06 - Erneuter Terror im Irak: Bei Anschlägen und Attentaten sind
mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen. Vor dem Gebäude der
Passbehörde in der Bagdader Innenstadt sprengte sich ein
Selbstmordattentäter mit einer Autobombe in die Luft. Nach
Augenzeugenberichten riss er mindestens zwölf Iraker mit in den
Tod. Fast 20 wurden nach Polizeiangaben verletzt. Die Explosion riss
einen großen Krater in die Straße vor dem
Regierungsbüro und zerstörte die Mauern eines Nachbarhauses.
Einer Reihe von Anschlägen im Mittelirak fielen am Donnerstag
mindestens sechs weitere Menschen zum Opfer, Dutzende wurden verletzt.
Die Polizei bestätigte am Donnerstag den Tod zweier Journalisten.
Ein 31-jähriger Fotograf wurde demnach am Dienstag im Westen
Bagdads von zwei Angreifern in einem Fotogeschäft erschossen. Ein
zweiter Journalist wurde auf dem Weg zwischen Bakuba und Chalis
nordöstlich von Bagdad angegriffen. Die Leiche des 56-Jährigen
habe zahlreiche Schusswunden aufgewiesen. Das Komitee zum Schutz von
Journalisten (CPJ) in New York verurteilte die Angriffe als
«sinnlose Morde».
Die anhaltende Gewalt im Irak kostete am Donnerstag auch zwei
US-Soldaten im Raum Bagdad das Leben, wie die amerikanischen
Streitkräfte mitteilten. US-Truppen durchsuchten nach Angaben des
sunnitischen Rats des Nationalen Dialogs am Morgen das Büro der
Partei in Bagdad. Der Abgeordnete Abdel-Nassir al Dschanabi sei zwei
Stunden lang festgehalten und verhört worden, sagte ein Sprecher.
Er warf den Soldaten vor, es handele sich offenbar um «eine
amerikanische Botschaft an die Gruppen und Abgeordneten, die einen
Zeitplan für den Rückzug der ausländischen Truppen aus
dem Irak forderten».
Die USA haben sich nach Einschätzung von UN-Generalsekretär
Kofi Annan durch den Irak-Krieg in ein strategisches Dilemma
manövriert. "Die USA sind derzeit in einer Position, in der sie
nicht abziehen können, aber auch nicht mehr bleiben können",
sagte er in New York. Politiker in der Region schätzten den
Irak-Krieg als Fiasko ein, sagte Annan unter Bezug auf seine
jüngste Nahost-Reise. "Die meisten meiner Gesprächsparter
waren der Ansicht, dass die Invasion im Irak und die Folgen ein
wirkliches Disaster waren."
Zugleich herrsche in der Region die Meinung vor, dass die USA vor einem
Abzug die Angelegenheit wieder in Ordnung bringen müssten. "Nachdem
die USA das Problem geschaffen haben, können sie nun nicht einfach
gehen", sagte Annan unter Verweis auf seine Gespräche mit
arabischen Spitzenpolitikern.
Die US-Regierung reagierte reserviert auf Annans Äußerungen.
"Ich will mich nicht auf weitere Diskussionen mit dem
Generalsekretär einlassen, aber wir stimmen nicht mit seiner
Beurteilung überein", sagte Präsidentensprecher Tony Snow.
Zugleich räumte er ein, dass im Irak Gewalt zwischen den Volks- und
Religionsgruppen herrsche.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 15.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertvierundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.15.09.05 - Blutigster Tag in Bagdad seit Ende der Kriegshandlungen: Mindestens 160
Tote bei Anschlagserie in Bagdad. Al Kaida im Irak bezeichnet die
Anschläge als Vergeltung für die Militäroffensive in Tal
Afar, bei der 200 Terrorverdächtige getötet und mehr als 400
gefangen wurden +++ Bush und Blair wollen an ihrem Kurs in der
Irak-Politik festhalten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509150.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Hamas-Minister erklären geschlossen Rücktritt. USA will mit
Abbas auch nach Bildung einer Koalition aus Fatah und Hamas
zusammenarbeiten. UNIFIL-Chef klagt über Beiruter Mangel an
Kooperation. Nasrallah: Hisbollah weiterhin im Süden Libanons.
Fehlerhafte Landkarten laut Bericht für israelischen UN-Beschuss
verantwortlich
Fr.15.09.06 - Die Minister der von der radikal-islamischen Hamas geführten
Palästinenserregierung haben am Mittwochabend geschlossen ihren
Rücktritt erklärt und so den Weg für die Bildung einer
Regierung der nationalen Einheit freigemacht.
Mit der Koalition aus Hamas und der gemäßigten Fatah von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas soll die internationale
Isolation überwunden werden, unter der die seit März
amtierende Hamas-Regierung wegen ihrer anti-israelischen Haltung und der
Ablehnung eines Gewaltverzichts gestanden hatte.
Wie Regierungssprecher Ghasi Hamad in Gaza mitteilte, werde der
Rücktritt jedoch nicht sofort wirksam. Auch die formelle
Auflösung der Regierung durch Präsident Abbas stand noch aus.
Die Herausgabe eines entsprechenden und bereits für Mittwoch
erwarteten Erlasses war am Nachmittag kurzfristig verschoben worden.
Abbas kündigte aber an, erneut Ministerpräsident Ismail Hanija
von der Hamas mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Die Hamas hatte
bei den Wahlen im Januar 74 der 132 Parlamentssitze gewonnen.
Hanija zeigte sich am Mittwochabend vor Reportern in Gaza bereit
für Gespräche zwischen Ministern seiner neuen Regierung und
israelischen Regierungsvertretern über humanitäre Fragen.
Friedensverhandlungen lägen jedoch in der Verantwortung der
Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, betonte Hanija. Die
PLO wird von Abbas' Fatah dominiert. Die Hamas gehört ihr nicht an,
sie lehnt den international geforderten Gewaltverzicht und die
Anerkennung Israels weiterhin ab.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte
unterdessen die Bereitschaft seiner Regierung, «weit reichende
Schritte» zu unternehmen, um die Friedensgespräche mit den
Palästinensern wiederzubeleben.
Die US-Regierung kündigte an, mit Abbas auch nach der Bildung
einer Koalition aus seiner Fatah und der Hamas zusammenarbeiten zu
wollen. Nach einem Treffen mit ihrer israelischen Amtskollegin Zipi
Liwni machte US-Außenministerin Condoleezza Rice am Mittwoch in
Washington aber zugleich deutlich, dass man auch weiterhin nicht mit der
Hamas kooperieren werde, wenn diese den Forderungen nicht nachkommt.
«Es liegt auf der Hand, dass es schwer ist, einen Partner bei der
Friedenssicherung zu haben, der das Existenzrecht des anderen Partners
nicht akzeptiert», sagte sie.
Auch Liwni erklärte, dass Israel weiter Kontakt zu Abbas halten
werde. «Israel war und ist weiterhin bereit, Mahmud Abbas zu
treffen, weil wir auf jene setzen, die eine Zwei-Staaten-Lösung
wollen, und Abbas ist einer von ihnen», sagte Liwni.
Fehlerhafte Landkarten waren nach einem israelischen
Untersuchungsbericht die Ursache für den Luftangriff auf einen
UN-Posten, bei dem am 25. Juli vier UN-Soldaten getötet wurden.
Der israelische Außenamtssprecher Mark Regev sagte am Donnerstag,
die Streitkräfte hätten in dem Ziel eine Stellung der
Hisbollah-Miliz vermutet. «Das war ein Fehler, denn es wurde auf
den UN-Posten gezielt.»
Dem Bericht zufolge habe es zu der Zeit den eindeutigen Befehl gegeben,
dass Angriffe auf UN-Personal und UN-Posten verboten seien. Die
Entsendung israelischer Truppen in das Gebiet habe es erforderlich
gemacht, Karten zu kopieren. «Dabei wurde der UN-Posten leider
nicht genau verzeichnet», sagte Regev. Die Flugzeugbesatzungen
hätten geglaubt, die Hisbollah anzugreifen. «Das war ein
Fehler, er hätte nicht passieren dürfen.»
Das Ergebnis des Berichts sei Diplomaten aus den betroffenen Staaten
Kanada, China, Finnland und Österreich übergeben worden.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte Israel vorgeworfen, den
Beobachtungsposten in der libanesischen Stadt Chiam «offenbar
vorsätzlich» angegriffen zu haben. Die UN haben zu dem
Zwischenfall eigene Untersuchungen eingeleitet.
Der Chef der Hisbollah-Miliz, Hassan Nasrallah, hat einen Monat nach
der Waffenruhe mit Israel die weitere Präsenz seiner Kämpfer
im Süden Libanons bekräftigt. "Der Wiederstand steht
südlich des Flusses Litani und im gesamten Süden Libanons",
sagte Nasrallah in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview mit dem
arabischen Fernsehsender El Dschasira. Es seien "Lügen" der
israelischen Regierung, wenn behauptet werde, die Hisbollah sei aus dem
Süden Libanons verdrängt, fügte Nasrallah hinzu. "Niemand
wird uns daran hindern können, auf unserem Land zu bleiben, um das
Land, unsere Erde und unser Vaterland zu verteidigen".
Der Kommandeur der UN-Truppen im Südlibanon hat der libanesischen
Regierung mangelnde Kooperation vorgeworfen. General Alain Pellegrini
kritisierte in einer französischen Zeitung, die Ankunft einiger
UNIFIL-Kontingente werde sich verzögern, weil Beirut nicht genug
Terrain und Wohnraum bereitstelle. Auf die Frage, ob die UNIFIL
eingreifen würde, wenn sie einen Waffentransport der Hisbollah
überraschen würde, meinte Pellegrini, wenn die libanesische
Armee nicht handelt, werden man als UN-Truppe die Verantwortung
übernehmen.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Iran sieht Gespräche mit EU als guten Ansatz im Atomstreit
Fr.15.09.06 - Die Gespräche zwischen der EU und Teheran sind nach iranischer
Überzeugung der richtige Ansatz für eine Lösung des
Atomkonflikts. Dies sei «ein Schritt in die richtige
Richtung», erklärte der iranische Gesandte Ali Ashgar
Soltanieh vor einem für gestern geplanten Treffen zwischen
Vertretern der EU und des Irans in Paris.
Nur die Fortsetzung des Dialogs, ohne Druck und Vorbedingungen,
könne den Weg zu einer Verhandlungslösung im Atomstreit ebnen,
sagte Soltanieh laut einer der Nachrichtenagentur AP zugänglichen
Erklärung vor dem Gouverneursrat der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Bislang seien die
Gespräche positiv verlaufen.
Das neue Treffen am Donnerstag zum Ausloten der Möglichkeiten
sollten ursprünglich der EU-Chefdiplomat Javier Solana und der
iranische Atom-Unterhändler Ali Laridschani führen. Das
Treffen der beiden wurde am Mittwoch jedoch abgesagt. Stattdessen
sollten ihre Berater in Paris zusammenkommen. In zwei vorherigen
Gesprächsrunden am Wochenende hatten Solana und Laridschani erste
Fortschritte bei der Lösung des Konflikts um die iranische
Urananreicherung erzielt. Der Iran schien sich in den Gesprächen zu
bewegen, indem er ein zweimonatiges Anreicherungsmoratorium nach dem
Beginn offizieller Verhandlungen in Aussicht stellte.
UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte die Hoffnung,
dass die weiteren Gespräche zu einer Aufnahme von Verhandlungen
zwischen dem Iran und der internationalen Gemeinschaft führen
würden. Er könne bereits kleine Veränderungen in den
Positionen sehen, sagte Annan vor Journalisten am UN-Sitz in New York.
US-Außenministerin Condoleezza Rice äußerte sich
hingegen skeptisch. Der Iran habe das Treffen mit Solana abgesagt und
«das soll uns etwas sagen», erklärte Rice am Mittwoch
nach einem Treffen mit ihrer israelischen Kollegin Tzipi Livni in
Washington. Die UN-Vollversammlung nächste Woche sei der geeignete
Zeitpunkt, um eine Standortbestimmung vorzunehmen. Das chinesische
Außenministerium rief den Iran am Donnerstag auf, die Sorgen der
internationalen Gemeinschaft zu berücksichtigen und mit der IAEA
zusammenzuarbeiten.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad unterstrich erneut
die Bereitschaft seines Landes zu einer Lösung auf dem
Verhandlungsweg. Es gebe keinen Grund für Sanktionen gegen sein
Land, sagte Ahmadinedschad am Donnerstag in der senegalesischen
Hauptstadt Dakar, wo er einen Zwischenstopp auf dem Weg zum Gipfel der
Blockfreien auf Kuba machte. Zugleich erklärte der Präsident,
Teheran sei «für neue Bedingungen bereit», ohne dies
aber auszuführen. Die US-Regierung rief er auf, sich mit ihren
Äußerungen über den Iran zu mäßigen.
(Quelle: ap)
IAEA wirft USA Irreführung über Irans Atomprogramm vor
Fr.15.09.06 - Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat gegen einen
Ausschussbericht des US-Repräsentantenhauses über das
iranische Atomprogramm protestiert. Mehrere Behauptungen seien falsch
oder missverständlich, hieß es in einem Brief an den
Vorsitzenden des Ständigen Ausschusses für Geheimdienste,
Peter Hoekstra, den die Nachrichtenagentur AP am Donnerstag einsehen
konnte.
Falsch sei die Aussage, dass der Iran waffenfähiges Uran in einer
Testanlage anreichere. Inkorrekt sei ferner die Behauptung, IAEA-Chef
Mohammed ElBaradei habe einen ranghohen Inspekteur entlassen, weil
dieser zu dem Schluss gekommen sei, dass der Iran nach Atomwaffen
strebe. Der Bericht enthalte die «ungeheuerliche
Andeutung», dass eine solche Entlassung die Strafe für die
Missachtung einer internen IAEA-Richtline sein könnte, die
Wahrheit über das iranische Atomprogramm zu verschweigen.
Der Brief vom 12. August, über den zunächst die
«Washington Post» berichtet hatte, wurde von Vilmos
Cserveny, einem führenden Mitarbeiter der IAEA unterzeichnet.
Diplomaten fühlen sich an die Zeit vor dem Irak-Krieg erinnert, als
die US-Regierung darauf beharrte, das Land besitze ABC-Waffen.
(Quellen: ap, rtr)
Kongos Verfassungsgericht kippt Stichwahl-Termin
Fr.15.09.06 - Der Oberste Gerichtshof der Demokratischen Republik Kongo hat den
bislang geplanten Termin für die Stichwahl um die
Präsidentschaft für ungültig erklärt. Die Stichwahl
zwischen Präsident Joseph Kabila und Vizepräsident Jean-Pierre
Bemba sollte am 29. Oktober stattfinden. Der Oberste Gerichtshof befand
jedoch, dass diese Entscheidung der Wahlkommission "nicht
verfassungsgemäß" sei. Ein Sprecher des
Bundesverteidigungsministeriums sagte, eine Verlängerung des auf
vier Monate befristeten Mandats der Bundeswehr über Ende November
hinaus sei "zunächst nicht angedacht". Demnach könnten die
Soldaten wie geplant vor Jahresende zurückkehren.
Wie der Präsident des Obersten Gerichtshofs, Makayi Ngueyi, in
Kinshasa ausführte, wurde eine Beschwerde gegen die Entscheidung
der Wahlkommission für begründet erklärt. In der
Verfassung heißt es lediglich, die Stichwahl um das höchste
Staatsamt habe "binnen 14 Tagen" stattzufinden, ohne dass
ausdrücklich festgelegt wäre, wann diese Frist zu laufen
beginnt. Im Wahlgesetz jedoch heißt es, der zweite Wahlgang solle
14 Tage nach der Bekanntgabe des endgültigen Wahlergebnisses
erfolgen.
Der erste Durchgang der Wahlen hatte am 30. Juli stattgefunden. In der
vergangenen Woche hatte der Oberste Gerichtshof die Bekanntgabe der
Ergebnisse des Wahlgangs auf unbestimmte Zeit verschoben.
Kabila traf unterdessen erstmals seit den gewalttätigen
Ausschreitungen im August in Kinshasa mit seinem Herausforderer Bemba
zusammen. Wie ein Kabila-Sprecher mitteilte, traf sich der
Präsident mit dreien seiner Stellvertreter, unter ihnen auch Bemba.
Der vierte Vizepräsident war den Angaben zufolge verhindert.
Mindestens zwei früher geplante Treffen zwischen Kabila und Bemba
waren geplatzt. Nach der Bekanntgabe des vorläufigen Ergebnisses
der Präsidentschaftswahl am 20. August hatten sich Kabilas
Präsidentengarde und Bembas bewaffnete Einheiten drei Tage lang
gewaltsam bekämpft; dabei starben mindestens 23 Menschen. Die
Auseinandersetzungen hatten zur ersten militärischen Intervention
der EU-Truppe (EUFOR) geführt. Die EU hatte ihre Truppen
verstärkt und 180 Soldaten aus Deutschland und Irland von Gabun
nach Kinshasa verlegt. Die Lage ist seither gespannt.
(Quelle: afp)
Brüsseler CIA-Ausschuss beschuldigt Deutschland
Fr.15.09.06 - Im CIA-Sonderausschuss des Europäischen Parlaments sind schwere
Anschuldigungen gegen Deutschland laut geworden. Anwälte warfen der
früheren Bundesregierung und deutschen Behörden in
Brüssel vor, sich ungenügend für aus Deutschland kommende
Gefangene des US-Geheimdienstes CIA eingesetzt oder deren
Entführung sogar unterstützt zu haben.
Das deutsche Ausschussmitglied Wolfgang Kreissl-Dörfler (SPD)
forderte die Bundesregierung nach den Aussagen auf: «Legt die
Karten auf den Tisch!»
Den Türken Murat Kurnaz, der Ende August nach fast fünf
Jahren im US-Gefängnis von Guantanamo in seine Geburtsstadt Bremen
heimkehrte, hätte die Bundesregierung bereits im Jahr 2002
zurückholen können, sagte Rechtsanwalt Bernhard Docke. Die USA
hätten Berlin die Überstellung von Kurnaz damals angeboten,
weil sie ihm keinerlei Beteiligung an Terrorplänen nachweisen
konnten: «Die deutsche Reaktion war: "Den wollen wir
nicht!"», sagte Docke.
Später habe sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei
US-Präsident George W. Bush erfolgreich für die Freilassung
eingesetzt: «Ich habe mich sehr gefreut, dass Frau Merkel das
getan hat.» Docke berichtete weiter, dass deutsche Behörden
den USA während Kurnaz' Haft in Guantanamo Informationen über
den gebürtigen Bremer übermittelt hätten. Dies sei
über den Verbindungsbeamten der US-Bundespolizei FBI beim
Bundeskriminalamt gelaufen.
Die Anwältin von Mohammed Zammar, einem deutschen
Staatsbürger syrischer Abstammung, schilderte Kontakte zwischen
deutschen Behörden und dem syrischen Geheimdienst. Diese seien
durch Antworten der Bundesregierung auf parlamentarische Anfragen
belegt, sagte die Rechtsanwältin Gül Pinar. Die
Bundesanwaltschaft habe sechs Verfahren gegen Syrer in Deutschland
eingestellt, um deutschen Ermittlern eine Vernehmung Zammars in einem
syrischen Gefängnis zu ermöglichen.
«Das war eine alarmierende Darstellung von Frau Pinar»,
meinte das federführende Ausschussmitglied Giovanni Fava. Der
Sozialdemokrat Kreissl-Dörfler sagte, es tue ihm «als
SPD-Mitglied besonders weh» solche Einzelheiten vom Verhalten der
früheren Bundesregierung zu hören. Der heutigen Regierung
empfahl er große Offenheit: «Es kommt alles ans
Tageslicht.» Die Regierung müsse spätestens Stellung
nehmen, wenn der Brüsseler Ausschuss im kommenden Jahr unter
deutscher EU-Ratspräsidentschaft seinen Abschlussbericht vorlege.
(Quelle: dpa)
Chinas Premier in Berlin - Kanzlerin Merkel mahnt Gewährleistung
von Pressefreiheit an
Fr.15.09.06 - Unmittelbar nach einem Zensurerlass der chinesischen Regierung hat die
deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die Gewährleistung von
Pressefreiheit in China angemahnt. Gerade bei den Olympischen Spielen
2008 in Peking werde eine freie Presse «ein ganz wichtiger
Punkt» sein.
Das sagte Merkel nach einem Treffen mit dem chinesischen
Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Berlin. Der Vizeminister
für Presse und Publikationen, Liu Binjie, verteidigte unterdessen
in Peking den Zensurerlass und die alleinige Kontrolle des Vertriebs
von Nachrichten aus dem Ausland durch die staatliche Nachrichtenagentur
Xinhua.
Merkel betonte, sie habe deutlich gemacht, dass die Menschenrechte
«unveräußerlich sind und überall gelten».
Wen erklärte daraufhin, auch die chinesische Regierung lege
großen Wert auf den Schutz der Menschenrechte. In Peking
führte Vizeminister Liu die Kritik an der neuerlichen
Einschränkung der Pressfreiheit auf
«Missverständnisse» zurück. Die Vorschriften
bestätigten nur, «was wir in der Vergangenheit getan
haben», sagte er und verwies auf einen Erlass von 1996. Dieser
enthielt allerdings noch keine Zensurvorschriften und erlaubte den
Direktvertrieb ausländischer Finanznachrichten an chinesische
Kunden.
Bei ihrem Treffen erörterten Merkel und Wen auch den Streit
über das iranische Atomprogramm. Dabei bekräftigte der Gast
aus China seine Bedenken gegen etwaige Sanktionen gegen Teheran. Ziel
sei eine friedliche Lösung der «Iran-Atom-Frage».
Sanktionen führten aber nicht unbedingt zu diesem Ziel, sondern
möglicherweise zu einem gegenteiligen Ergebnis. Mit Blick auf eine
geplante UN-Mission in der sudanesischen Krisenprovinz Darfur sagte
Wen, sein Land unterstütze die Truppenentsendung der Vereinten
Nationen nach Darfur. Allerdings hoffe China auf eine Einwilligung der
Afrikanischen Union und der sudanesischen Regierung.
Beide Politiker lobten das bilaterale Verhältnis. Merkel sprach
von «engen, intensiven und sehr guten» Beziehungen. Nach
Angaben Wens wird das Handelsvolumen von 70 Milliarden US-Dollar (ca.
55 Mrd. Euro) im Jahr 2005 in diesem Jahr voraussichtlich auf 80
Milliarden Dollar steigen. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte
allerdings am Mittwoch das Ungleichgewicht in der deutsch- chinesischen
Handelsbilanz kritisiert und gewarnt: «Ende dieses Jahres
dürfte das deutsche Handelsbilanzdefizit 20 Milliarden Euro
deutlich überschreiten.»
Wen war am Donnerstagvormittag von Bundespräsident Horst
Köhler empfangen worden und hatte dabei eine Einladung von Chinas
Staatspräsident Hu Jintao überbracht. Voraussichtlich wird
Köhler 2007 ins Reich der Mitte reisen. Anlässlich des
Deutschlands-Besuches wurden acht Abkommen unterzeichnet, darunter eine
Vereinbarung für die Kooperation in der Medizinwirtschaft und der
Biotechnologie sowie Abkommen über die Gewährung von
Export-Kundenkrediten und über den deutsch-chinesischen
Jugendaustausch.
(Quelle: dpa)
Papst-Äußerungen zum Islam lösen bei Moslems
Empörung aus
Fr.15.09.06 - Äußerungen des Papstes während seines
Deutschland-Besuches zum Islam und Propheten Mohammed haben in der
moslemischen Welt heftige Reaktionen ausgelöst. Das staatliche
türkische Religionsamt forderte eine Entschuldigung von Benedikt
XVI. Auch moslemische Verbände in Deutschland und Frankreich
zeigten sich irritiert. Der Vatikan versicherte am Abend, dass Benedikt
XVI. die religiösen Gefühle von Moslems nicht verletzen
wollte.
Der Papst hatte am Dienstag bei einer Vorlesung in der Universität
Regensburg unter anderem einen christlichen Kaiser mit der Feststellung
zitiert, Mohammed habe "nur Schlechtes und Inhumanes" in die Welt
gebracht. In seiner Rede am Dienstagabend in der Regensburger
Universität hatte Benedikt XVI. Zitate aus einem mittelalterlichem
Streitgespräch zwischen dem byzantinischen Kaiser Manuel II.
Palaeologos und einem persischen Theologen angeführt. "Zeig mir
doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes
und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben,
den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten", zitierte er den
Kaiser aus dem im 14. Jahrhundert geführten Gespräch. Der
Papst nannte dies eine "erstaunlich schroffe" Art und Weise, die Frage
nach dem "Verhältnis von Religion und Gewalt" zu stellen. Er
zitierte ferner einen Herausgeber der Reflexionen des Kaisers mit den
Worten, der moslemische Gott sei "an keine unserer Kategorien gebunden
und sei es die der Vernünftigkeit".
Der Chef der türkischen Religionsbehörde, Ali Bardakoglu,
sagte, die Papst-Äußerungen seien bedauerlich und
müssten zurückgenommen werden. Benedikt XVI. habe eine
"Kreuzfahrermentalität" und eine "feindselige Haltung" an den Tag
gelegt. Die Christen sollten erst einmal erklären, wie ihre
Religion mit der Vernunft in Einklang gebracht werden könne.
Kritik gab es auch aus Kuwait, Marokko und Pakistan.
Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek,
sagte, es falle ihm "schwer zu glauben", dass der Papst "gerade im
Verhältnis zur Gewalt die Grenze zwischen Islam und Christentum"
sehe. Schließlich sei auch die Geschichte des Christentums blutig
gewesen - "man denke nur an die Kreuzzüge oder die
Zwangsbekehrungen von Juden und Muslimen in Spanien".
Der Papst wolle "eine Haltung des Respekts und des Dialogs
gegenüber den anderen Religionen und Kulturen und
selbstverständlich auch gegenüber dem Islam pflegen", sagte
Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Abend in Vatikanstadt. Dem
katholischen Kirchenoberhaupt liege jedoch daran, "religiöse
Begründungen für Gewalt zurückzuweisen".
(Quelle: afp)
Der Papst zum Islam in der Regensburger Rede
Die Äußerungen zum Islam in dem am Dienstagabend gehaltenen
Vortrag von Papst Benedikt XVI. an der Universität Regensburg sind
in der moslemischen Welt auf Kritik gestoßen. AFP dokumentiert
die kritisierten Passagen, in denen das Oberhaupt der katholischen
Kirche aus einem mittelalterlichem Streitgespräch zwischen dem
christlichen Kaiser Manuel II. Palaeologos und einem persischen
Theologen zitiert:
"Aber der Kaiser kannte natürlich auch die im Koran niedergelegten
- später entstandenen - Bestimmungen über den heiligen Krieg.
Ohne sich auf Einzelheiten wie die unterschiedliche Behandlung von
'Schriftbesitzern' und 'Ungläubigen' einzulassen, wendet er sich
in erstaunlich schroffer, uns überraschend schroffer Form ganz
einfach mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Religion
und Gewalt überhaupt an seinen Gesprächspartner. Er sagt:
'Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur
Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, daß er vorgeschrieben
hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten'.
Der Kaiser begründet (...) dann eingehend, warum
Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im
Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. 'Gott hat kein
Gefallen am Blut', sagt er, 'und nicht vernunftgemäß (...)
zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider'. (...)
Der entscheidende Satz in dieser Argumentation gegen Bekehrung durch
Gewalt lautet: Nicht vernunftgemäß handeln ist dem Wesen
Gottes zuwider. Der Herausgeber, Theodore Khoury, kommentiert dazu:
Für den Kaiser als einen in griechischer Philosophie
aufgewachsenen Byzantiner ist dieser Satz evident. Für die
moslemische Lehre hingegen ist Gott absolut transzendent. Sein Wille
ist an keine unserer Kategorien gebunden und sei es die der
Vernünftigkeit."
Quelle: afp, 14.09.06
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1000 Menschen demonstrieren gegen Moschee in Berlin-Heinersdorf
Fr.15.09.06 - Rund 1000 Menschen haben laut Polizei am Donnerstagabend im Berliner Stadtteil
Heinersdorf gegen den Bau der ersten Moschee in Ost-Berlin
demonstriert. Zu der Kundgebung unter dem Motto «Gegen
politischen Extremismus - für gelebte Demokratie. Keine
Ahmadiyya-Moschee in Pankow-Heinersdorf» in der
Tiniusstraße hatte die Interessengemeinschaft
Pankow-Heinersdorfer Bürger (IPAHB) aufgerufen.
Der Beginn Demonstration verzögerte sich um fast eine Stunde, weil
der Veranstalter etwa 100 augenscheinlich der rechtsextremen Szene
zugehörige Personen aufrief, sich ans Ende des Zuges zu begeben.
Wie schon in der Vergangenheit drohte die IPAHB den geplanten
Protestmarsch über Prenzlauer Promenade und Berliner Straße
bis zum Pankower Rathaus ansonsten abzubrechen. Mehrmals hatten sich
Rechtsextreme an der Veranstaltung beteiligt.
Gegen die Ablehnung der Moschee richtete sich eine weitere Kundgebung
am S- und U-Bahnhof Pankow, zu der sich Polizeiangaben zufolge etwa 100
überwiegend junge Leute versammelten. Zu Auseinandersetzungen kam
es nicht.
Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde will in der Tiniusstraße eine
zweistöckige Moschee mit einem zwölf Meter hohen Minarett
errichten. Dagegen protestiert die IPAHB, die auch von der Pankower CDU
und dem CDU-Spitzenkandidaten bei der Abgeordnetenhauswahl, Friedbert
Pflüger, unterstützt wird. Die Gegner befürchten in dem
muslimischen Gotteshaus Aktivitäten von radikalen Kräften.
(Quelle: ddp)
Jung rechnet mit baldiger Grundgesetzänderung zum Bundeswehreinsatz
Fr.15.09.06 - Nach der Entscheidung der Karlsruher Richter gegen das
Luftsicherheitsgesetz rechnet Verteidigungsminister Franz Josef Jung
(CDU) noch in diesem Jahr mit einer Änderung des Grundgesetzes.
Eine entsprechende «Klarstellung» des Artikel 35 werde
derzeit vorbereitet, sagte Jung am Donnerstag in Berlin. Der Artikel 35
regelt die Rechts-, Amts- und Katastrophenhilfe der Bundeswehr und ist
damit Grundlage für alle Einsätze der Streitkräfte im
Inneren.
Die verfassungsrechtliche Klarstellung ist Jung zufolge nach dem
Karlsruher Urteil nötig, um die besonderen Fähigkeiten der
Bundeswehr zu See und in der Luft auch in Deutschland einsetzen zu
können. Sobald die Verfassungsänderung erfolgt sei, werde das
umstrittene Luftsicherheitsgesetz präzisiert und ein
Seesicherheitsgesetz vorgelegt. Mit dem Seesicherheitsgesetz soll auch
die internationale Handlungsfähigkeit der Seestreitkräfte zur
Krisenprävention abgesichert werden.
(Quelle: ddp)
Rentenkasse wegen guter Konjunktur prall gefüllt
Fr.15.09.06 - Wegen der guten Konjunktur sind auch die Rentenfinanzen deutlich besser
als erwartet. Die Deutsche Rentenversicherung bestätigte einen
entsprechenden Bericht des «Handelsblatts» vom Donnerstag.
So hätten die Rücklagen im August mit 7,4 Milliarden Euro um
1,5 Milliarden Euro über den Schätzungen vom Frühjahr
gelegen. Hintergrund sei vor allem die gute wirtschaftliche Entwicklung.
Deshalb erneuerte der Chef des Sachverständigenrats, Bert
Rürup, seine Forderung, die geplante Erhöhung des
Rentenbeitrags 2007 von 19,5 auf 19,9 Prozent «noch einmal auf
den Prüfstand» zu stellen. Allerdings müssten bei der
Festlegung des Satzes «auch die für 2008 bereits
ausgewiesene Deckungslücke von 600 Millionen Euro und die Risiken
der Gesundheitsreform für die Rentenversicherung
berücksichtigt werden, sagte er dem «Handelsblatt».
Nach Angaben der Rentenversicherung fiel im August erstmals in diesem
Jahr die Neuerung nicht mehr ins Gewicht, dass die Sozialbeiträge
früher überwiesen werden müssen. Die zusätzliche
Monatsrate, die damit einmalig anfiel, musste bis spätestens Ende
Juni abgestottert werden.
Trotzdem stieg die Summe der Pflichtbeiträge im August um ein
Prozent auf rund 11,9 Milliarden Euro. Die Gesamtbeitragseinnahmen
nahmen aber nur um 0,1 Prozent zu, weil wegen der niedrigeren
Arbeitslosigkeit weniger Geld von der Bundesagentur für Arbeit in
die Rentenkassen floss. Insgesamt hat die Rentenversicherung im Lauf
des bisherigen Jahres 10,2 Milliarden Euro oder 9,4 Prozent mehr an
Beiträgen eingenommen als zur gleichen Zeit 2005.
In den Rücklagen waren Ende August 0,47 Monatsangaben angesammelt.
Gesetzlich vorgeschrieben sind zum Jahresende 0,2 Monatsausgaben oder
3,2 Milliarden Euro.
(Quelle: ap)
Breite Front gegen PC-Rundfunkgebühr
Fr.15.09.06 - Die Kritik an der geplanten Einführung einer Rundfunkgebühr
für internetfähige Computer nimmt zu. Politiker und
Verbände forderten am Donnerstag, die Pläne zu stoppen.
Die ARD-Intendanten hatten sich am Dienstag für eine
Rundfunkgebühr für PC von 5,52 Euro im Monat ausgesprochen.
Sie soll von Januar 2007 erhoben werden. Ursprünglich war sogar
von einer Abgabe in Höhe der TV-Gebühr (17,03 Euro) die Rede
gewesen. Die Rundfunkkommission der Länder will am 20. und 21.
September einen Entschluss fällen.
Schleswig-Holsteins Landtag forderte am Donnerstag eine Aussetzung
der Gebührenpflicht. Einstimmig beschlossen die Fraktionen einen
Antrag, wonach die Kieler Regierung sich in der Rundfunkkommission
für ein Moratorium bis mindestens Ende 2008 einsetzen soll.
Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hält eine
PC-Abgabe aber generell für sinnvoll: «Es kann doch nicht
sein, dass Oma für ihren Fernseher immer mehr zahlt, während
ihr Enkel sich mit neuen Techniken der Solidargemeinschaft
entzieht.» In Sachsen-Anhalt wandte sich die FDP gegen die
Gebühr - CDU, SPD und Linkspartei sprachen sich dafür aus.
Der Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Udo Reiter,
verteidigte die Pläne. Die Rundfunkgebühr werde politisch von
den Ländern festgelegt. «Und da ist es so, seit es den
öffentlich- rechtlichen Rundfunk nach dem Zweiten Weltkrieg gibt,
dass man für ein Gerät, dass Radio beziehungsweise Fernsehen
empfangen kann, die Gebühr zu entrichten hat», sagte Reiter
dem Radiosender MDR INFO am Donnerstag. Von der neuen Gebühr sei
ohnehin nur ein kleiner Personenkreis betroffen. In den meisten
Haushalten und gewerblichen Betrieben stehe zumindest ein Fernseh- oder
Radiogerät, und wo ein Gerät bereits angemeldet sei, falle
keine weitere Gebühr an.
Jedoch sollen Unternehmer, die bislang keine GEZ-Gebühr für
ihre Büros entrichten, oder Selbstständige für ihren
gewerblich genutzten Heim-Computer zahlen. «Die PC-Abgabe kann zu
einer übermäßigen Belastung der freien Journalisten
führen und damit ihre wirtschaftlich schwierige Lage weiter
verschlechtern», sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen
Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, am Donnerstag in Berlin.
Zudem schade die seit Wochen geführte hitzige Diskussion um die
PC-Abgabe der Akzeptanz von Rundfunkgebühren insgesamt.
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet
Belastungen für die deutsche Wirtschaft von bis zu 160 Millionen
Euro pro Jahr und warnte vor Arbeitsplatzverlusten. «Sollten ARD
und ZDF in einigen Jahren die volle Fernsehgebühr von 17,03 Euro
auf PC erheben, wächst die Belastung sogar auf rund eine halbe
Milliarde Euro», sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin
Wansleben der «Rheinischen Post» (Freitag).
(Quelle: dpa)