Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundzwölften Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Annan redet der Welt wegen Irak ins Gewissen. UN-Hochkommissarin
für Menschenrechte beklagt alarmierende Lage im Irak.
Blutvergießen im Irak nimmt kein Ende - Mindestens 62 Menschen
bei Anschlägen getötet. Irakische Demonstranten verbrennen
Papst-Bild und deutsche Fahne. Zeuge berichtet im Saddam-Prozess von
Giftgasangriff auf den Nordirak
Di.19.09.06 - Die Entwicklung des Iraks ist ohne umfassende internationale
Unterstützung nach den Worten von UN-Generalsekretär Kofi
Annan zum Scheitern verurteilt.
«Die Weltgemeinschaft ist möglicherweise nicht in der Lage,
dem Irak zum Erfolg zu verhelfen. Aber sie garantiert sein Scheitern,
wenn sie dem Irak nicht rechtzeitig und ausreichend hilft», sagte
Annan am Montag (Ortszeit) zum Auftakt einer Irak-Konferenz in New York.
Der UN-Generalsekretär appellierte an Iraks Nachbarn, die USA und
andere UN-Mitgliedstaaten, bis Ende 2006 ein Programm zum Wiederaufbau
des vom Krieg zerstörten Landes zu entwerfen. Dieser Plan
müsse «gut ausgearbeitet, substanziell und nachhaltig»
sein, forderte Annan bei der ersten Zusammenkunft zum so genannten
«Irak-Vertrag». An der Konferenz nahmen auch der irakische
Präsident Dschalal Talabani sowie Abgeordnete der EU und der
Arabischen Liga teil.
Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Louise Arbour, beklagte
unterdessen in Genf die alarmierende Lage im Irak. Obwohl die Regierung
dort sich bemühe, die Menschenrechte zu stärken, verzeichneten
die UN-Beobachter weiterhin einen Zusammenbruch von Recht und Ordnung.
Gewaltverbrechen würden oftmals unzureichend untersucht, die
Täter könnten häufig ihrer Strafe entkommen, sagte sie
vor dem UN-Menschenrechtsrat. Arbour gab als Gründe die schlechte
Sicherheitslage und mangelnde Finanzen an.
Das Blutvergießen im Irak nimmt kein Ende: Bei Anschlägen im
ganzen Land sind mindestens 62 Menschen getötet worden. Der
schwerste Anschlag ereignete sich in der Stadt Tall Afar im Nordwesten,
wo ein Selbstmordattentäter 21 Menschen mit in den Tod riss und 17
weitere verletzte. In Ramadi sprengte sich ein Attentäter neben
einer Warteschlange vor einem Büro zur Anwerbung von Rekruten in
die Luft und tötete 13 Anwärter. Bei weiteren Attentaten und
Überfällen kamen landesweit 28 Menschen ums Leben.
Der Attentäter in Tall Afar zündete seinen
Sprengstoffgürtel nach Polizeiangaben inmitten einer Menge, die um
Berechtigungskarten zur Ausgabe von Gasflaschen anstand. Unter den
Toten waren demnach auch zwei Polizisten. Der Anschlag ereignete sich
im Zentrum der nahe der syrischen Grenze gelegenen Stadt, in der sowohl
Schiiten als auch Sunniten einträchtig nebeneinander leben.
Bei dem Selbstmordanschlag in Ramadi wurden zehn weitere Menschen
verletzt, als der Attentäter sich inmitten der Rekruten in die
Luft sprengte. Ramadi, die Hauptstadt der Provinz El Anbar, liegt rund
110 Kilometer westlich von Bagdad. Bei einem ähnlichen Anschlag
vor einem Rekrutierungszentrum der Stadt waren Anfang Januar 67
Freiwillige und zwei US-Soldaten getötet worden.
Weitere 28 Menschen starben bei Anschlägen und
Überfällen im ganzen Land, allein 14 Menschen in der Provinz
Dijala, wie Sicherheitskräfte mitteilten. In der Stadt Hebheb bei
Baakuba wurden zwei Schiiten ermordet. Acht weitere Menschen wurden in
verschiedenen Orten der Provinz bei gewaltätigen
Auseinandersetzungen und Explosionen getötet, unter ihnen drei
Soldaten.
In der Region um Mossul wurden vier Polizisten und vier Frauen von
bewaffneten Männern niedergeschossen. In der Ortschaft
Chasardscha, rund 50 Kilometer südlich von Bagdad, wurden drei
Menschen erschossen, drei weitere wurden verletzt. Die Bewohner waren
zuvor aufgefordert worden, den Ort zu verlassen. In Basra wurde ein
Offizier einer Anti-Terror-Einheit der irakischen Polizei tot
aufgefunden. Darüber hinaus wurden nach Angaben von
Sicherheitskräfte im ganzen Land 24 Leichen gefunden, allein 14 in
Bagdad.
Irakische Demonstranten haben am Montag aus Protest gegen die
Islam-Rede von Papst Benedikt XVI. ein Abbild des
römisch-katholischen Oberhaupts verbrannt.
Zudem ließen sie eine deutsche, eine US-amerikanische und eine
israelische Flagge in Flammen aufgehen.
"Wir haben den Papst zum Schweigen gebracht", riefen sie und "Nein zur
Gewalt". Zu der Demonstration in der südirakischen Stadt Basra
hatten Anhänger des radikal-schiitischen Geistlichen Mahmud
al-Hassani aufgerufen. Dieser fordere ein Gerichtsverfahren gegen den
Papst und den Vatikan "unter Resolutionen des UN-Sicherheitsrats", sagte
Scheich Ahmed Saadi. Die Miliz Hassanis hat sich im vergangenen Monat
in der Stadt Kerbela südlich von Bagdad heftige Gefechte mit
irakischen Soldaten geliefert.
Der in Deutschland geborene Papst hat in der vergangenen Woche eine
Rede über den Islam gehalten, die in der moslemischen Welt scharf
kritisiert worden war. Am Sonntag drückte das Kirchenoberhaupt sein
tiefes Bedauern darüber aus, dass seine Aussagen verletzend
gewirkt haben. Die von Schiiten geführte irakische Regierung hat
die Menschen im Land aufgefordert, Ruhe zu bewahren, und ihren Zorn
über die Aussagen des Papstes nicht an der christlichen Minderheit
auszulassen.
Ein unabhängige Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Korruption
empfahl am Montag strafrechtliche Ermittlungen gegen zehn Mitarbeiter
des Innenministeriums. Ein Sprecher sagte, die Arbeitsgruppe habe einen
Vertrag über 950.000 Dollar (750.000 Euro) zwischen dem Ministerium
und einer ägyptischen Firma, die Jacken liefern wollte, gestoppt.
Fünf Ministeriumsmitarbeiter seien in diesem Zusammenhang
festgenommen worden. In einem weiteren Fall sei es um einen Vertrag im
Umfang von 130.000 Dollar (102.000 Euro) für den Einkauf von Waffen
gegangen. Fünf Verdächtige seien festgenommen worden.
Nach viertägiger Pause ist am Montag der Prozess gegen den
irakischen Exdiktator Saddam Hussein mit der Vernehmung eines
früheren Guerilla-Kämpfers fortgesetzt worden. Der heute in
den Niederlanden lebende Karawan Abdellah sagte aus, er sei nach einem
Angriff der irakischen Truppen auf sein Dorf für sechs Monate
erblindet. Er spüre noch heute die Auswirkungen des Giftgases und
habe immer wieder starke Schmerzen. Drei Freunde hätten den Angriff
nicht überlebt.
Abdellah sagte, er habe seine Augenverletzungen im März 1988
erlitten, als irakische Kampfflugzeuge die Stellungen der kurdischen
Peschmerga-Kämpfer im Norden des Landes bombardierten. Nach dem
ersten Angriff hätten die irakischen Truppen Giftgas eingesetzt. Er
habe viele tote Frauen, Kinder und Alte gesehen. Abdellah wurde nach
eigenen Angaben in den Niederlanden behandelt, wo er Asyl beantragte und
1994 einen niederländischen Pass erhielt. Tests in den
Niederlanden hätten gezeigt, dass er Opfer eines Giftgasangriffs
sei, erklärte er und legte dem Gericht die Behandlungsdokumente
vor. Saddam Hussein und sechs seiner früheren Mitarbeiter stehen
wegen der «Operation Anfal» vor Gericht, die rund 180.000
Menschen das Leben kostete.
(Quellen: afp, rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 19.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertachtundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.19.09.05 - Zahlreiche blutige Anschläge kosteten in den vergangenen Tagen
mehr als 250 Menschen das Leben +++ Aufständische setzen
Anschläge fort +++ Parlamentsabgeordneter ermordet +++ 16 Grenzsoldaten
entführt +++ Musterprozeß gegen Kriegsgegner in den USA...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509190.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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18 Tote bei Selbstmordanschlägen in Afghanistan - Vier
NATO-Soldaten unter den Opfern
Di.19.09.06 - Bei mehreren Selbstmordanschlägen sind in Afghanistan mindestens
18 Menschen getötet worden, darunter vier kanadische
NATO-Soldaten. Bei dem Anschlag auf die NATO-Soldaten nahe Kandahar im
Süden des Landes wurden nach Angaben des Kommandeurs der
kanadischen Truppen, General David Fraser, zudem mehrere kanadische
Soldaten und zwei Kinder verletzt. Die afghanische Polizei gab die Zahl
der verletzten Kinder, die gerade um Kugelschreiber und Hefte
anstanden, dagegen mit 24 an. Bei einem Selbstmordanschlag in der
westafghanischen Stadt Herat kamen elf Menschen ums Leben.
Der Attentäter sei auf einem Fahrrad in die Menge gefahren und
habe sich in die Luft gesprengt, sagte General Fraser. Er machte
Taliban-Kämpfer für den Anschlag verantwortlich. Ein
Augenzeuge berichtete: "Die Kinder liefen zu dem kanadischen Konvoi,
weil dort Stifte und Schreibhefte verteilt wurden". Dann sei der
Attentäter herangefahren und habe den Sprengsatz gezündet.
Der Täter sei ein Einwohner Kandahars, der seinen
Sprengstoffgürtel gezielt gegen die Kanadier eingesetzt habe,
sagte ein Talibansprecher.
Erst am Sonntag hatte die Nato erklärt, die Taliban-Kämpfer
seien in einer zweiwöchigen Offensive von der Allianz und
afghanischen Regierungstruppen aus der Region vertrieben worden. Die
Taliban und ihre Verbündeten haben in diesem Jahr eine Serie von
Anschlägen auf Nato-Einheiten und afghanische Regierungstruppen
gestartet. Die Truppen antworteten mit mehreren Offensiven im Süden
und Osten des Landes.
In der Provinz Kandahar sind rund 2300 kanadische Soldaten stationiert.
Die Taliban hatten vom Süden Afghanistans aus 1996 den
Großteil des Landes erobert und in Kabul die Macht
übernommen. 2001 wurden sie von einer internationalen Koalition
unter Führung der USA von der Macht verdrängt. Seit
Jahresbeginn hat die Zahl der Anschläge jedoch wieder stark
zugenommen. In diesem Jahr wurden in Afghanistan bereits etwa 130
ausländische Soldaten getötet, die meisten davon aus den USA,
Großbritannien und Kanada.
(Quellen: afp, rtr)
Nahost-Konflikt
UNIFIL-Soldaten patrouillieren an libanesisch-syrischer Grenze.
Französischer Kommandeur der UNIFIL lehnt Entwaffnung der
Hisbollah-Miliz ab. China verdoppelt finanzielle
Unterstützung für den Libanon. Rice mit Abbas in New York
zusammengetroffen. Palästinenser-Mehrheit gegen Anerkennung Israels
Di.19.09.06 - Soldaten der UN-Friedenstruppe im Libanon haben am Montag erstmals mit
Kontrollen an der Grenze zu Syrien begonnen. Dies sei auf Bitten der
Regierung in Beirut und gemeinsam mit libanesischen Truppen geschehen,
sagte UN-Sprecher Alexander Ivanko der Nachrichtenagentur AP. Der
französische Kommandeur der UNIFIL lehnte unterdessen eine
Entwaffnung der Hisbollah-Miliz ab.
Hauptaufgabe der UN-Truppe sei es sicherzustellen, dass der
Südlibanon nicht wieder als Ausgangspunkt für Angriffe auf
Israel benutzt werden könne, sagte Generalmajor Alain Pelligrini.
Eine Entwaffnung der Kämpfer sei eine rein libanesische
Angelegenheit.
Der französische Staatspräsident Jacques Chirac erklärte
dagegen, die Hisbollah dürfe keinen militärischen Flügel
unterhalten. «Kein Land kann leben, wenn ein Teil seines
Territoriums sich der Autorität der Regierung entzieht»,
sagte Chirac in einem Interview mit Radio Europe-1. Er wolle, dass die
UN-Resolution, die nach 34 Tagen den Krieg zwischen Israel und der
Hisbollah beendete, ohne Vorbehalte umgesetzt werde. In der Praxis
wollen jedoch weder die libanesischen Streitkräfte noch die
UN-Truppen eine Konfrontation mit den gut ausgebildeten Kämpfern
der Miliz provozieren.
Unterdessen besuchte die französische Verteidigungsministerin
Michèle Alliot-Marie die französischen Soldaten, die bisher
noch in Beirut stationiert sind. Sie sei sich der Schwierigkeiten und
Risiken der Mission bewusst, erklärte die Ministerin.
China will die Zahl seiner Soldaten bei der UN-Friedenstruppe im
Libanon auf 1.000 erhöhen. Darüber hinaus verdoppelt Peking
seine finanzielle Unterstützung für den Libanon auf 40
Millionen Yuan (vier Millionen Euro), wie der chinesische
Ministerpräsident Wen Jiabao auf einer gemeinsamen Pressekonferenz
mit seinem italienischen Kollegen Romano Prodi in Peking erklärte.
China sei sehr besorgt über die Lage in der Region und hoffe, dass
die Probleme grundlegend gelöst werden könnten, sagte Wen.
«Dies zeigt, dass China mehr und mehr internationale
Verantwortung übernimmt», sagte Prodi. «Mit Chinas
Hilfe kann schneller Frieden in den Libanon kommen.»
Die ersten türkischen Soldaten werden Ende Oktober die
Friedenstruppe im Libanon verstärken. Die amtliche türkische
Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf diplomatische
Kreise, das Verantwortungsgebiet der türkischen Truppen sei noch
nicht festgelegt, sie würden jedoch wohl hauptsächlich die
Küste überwachen, um Waffenlieferungen an die Hisbollah zu
unterbinden.
Ein ranghoher Vertreter der israelischen Streitkräfte
erklärte am Montag, alte Karten und fehlerhafte
Geheimdienstinformationen hätten den Krieg gegen die Hisbollah
erschwert. Der nicht genannte Militärexperte sagte vor
Journalisten, mit präziseren Informationen über die
Stellungen der Hisbollah im Südlibanon hätten die
Luftangriffe besser ausgeführt werden können. Außerdem
hätten sich Bodentruppen und Luftwaffe nicht ausreichend
koordiniert. Die Streitkräfte untersagten die
Veröffentlichung seines Namens.
Vor Beginn der UN-Vollversammlung in New York sind
US-Außenministerin Condoleezza Rice und der palästinensische
Präsident Mahmud Abbas zu einem informellen Gespräch
zusammengetroffen. Einzelheiten zu Inhalt oder Verlauf der Begegnung
vom Montag wurden nicht bekannt. Auch die israelische
Außenministerin Zipi Livni wollte in New York mit Abbas
zusammenkommen. Für Mittwoch ist eine Unterredung zwischen Abbas
und US-Präsident George W. Bush geplant.
Rice und Livni haben erklärt, dass sie zur Zusammenarbeit mit
Abbas bereit sind. «Wir unterstützen die Stimmen der
Mäßigung», sagte am Montag der Nationale
Sicherheitsberater der USA, Stephen Hadley. «Offensichtlich
gehört da auch Präsident Abbas dazu.» Mit
Zurückhaltung haben die Regierungen in Washington und Jerusalem
aber die Bestrebungen zur Bildung einer neuen palästinensischen
Einheitsregierung aus Hamas und gemäßigten Kräften
aufgenommen.
Eine Mehrheit der Palästinenser ist gegen die von
ausländischen Regierungen geforderte Anerkennung des Staates Israel.
In einer in Ramallah veröffentlichten Umfrage des
Meinungsforschungsinstituts PCPSR erklärten 66 Prozent der
Befragten, die regierende, radikal-islamische Hamas solle eine
Anerkennung Israels nicht als Preis für ein Ende des Finanzboykotts
gegen die palästinensische Regierung akzeptieren. Für eine
Anerkennung Israels sprachen sich 30 Prozent der 1268 im Westjordanland
und im Gazastreifen Befragten aus.
Unzufrieden mit der Arbeit der Hamas-Regierung äußerten sich
54 Prozent der Befragten. Trotzdem blieben die Sympathiewerte der Hamas
mit einer Zustimmung von 38 Prozent der Palästinenser etwa gleich.
Die Kritik an der Hamas macht sich der Umfrage zufolge vor allem an den
wirtschaftlichen Folgen der Finanzsperre und der sich weiter
ausbreitenden Armut fest. Die bei der palästinensischen
Parlamentswahl im Januar unterlegene Fatah-Organisation von
Präsident Mahmud Abbas konnte etwas zulegen und ist mit derzeit 41
Prozent etwas populärer.
Das palästinensische Parlament sagte am Montag nach
Zusammenstößen von Anhängern der oppositionellen Fatah
mit Sicherheitsleuten von Ministerpräsident Israel Hanija (Hamas)
eine Sitzung ab. Augenzeugen in Gaza berichteten, vor dem
Parlamentsgebäude sei es zu Handgreiflichkeiten zwischen
Hamas-Kämpfern und demonstrierenden Fatah-Anhängern gekommen.
Die Fatah-Abgeordnete Naimi al Scheich sei geschlagen und verletzt
worden. Die Wachleute Hanijas feuerten zudem Warnschüsse ab,
nachdem der Konvoi des Regierungschefs blockiert worden war. Die
Fatah-Abgeordneten blieben der Sitzung danach aus Protest fern.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte die Verhandlungen
über die Bildung einer großen Koalition mit der Hamas am
Vortag ausgesetzt. Der Sprecher der Fatah von Präsident Abbas,
Ahmed Abdel Rahman, begründete dies mit «negativen
Äußerungen» der Hamas-Führung, die eine
Anerkennung Israels weiter ablehnt. Vor einer Woche hatte Abbas sich mit
Ministerpräsident Hanija auf ein gemeinsames Regierungsprogramm
geeinigt.
(Quellen: dpa, ap)
Parteisitz von kongolesischem Präsidentschaftskandidaten in Flammen
Di.19.09.06 - In der Parteizentrale des kongolesischen
Präsidentschaftskandidaten Jean-Pierre Bemba ist am Montag ein
Brand ausgebrochen. Die Ursache war nach Angaben der Regierung noch
unklar. Bemba, der Ende Oktober zur Stichwahl gegen Amtsinhaber Joseph
Kabila antritt, hielt sich nicht in dem Gebäude auf.
UN-Truppen sicherten die Umgebung des Parteisitzes in Kinshasa, in dem
auch Radio und Fernsehen von Bembas Kongolesischer Befreiungsbewegung
(MLC) untergebracht sind. Alle Personen in dem Gebäude hätten
evakuiert werden können, berichtete der Vizedirektor einer der
beiden Fernsehsender der Partei.
In der Nähe des Gebäudes versammelten sich demonstrierende
Anhänger Bembas. Bereits vor der ersten Runde der
Präsidentschaftswahl hatte es mehrere Brände gegeben, deren
Ursache nicht geklärt wurde.
(Quelle: ap)
10 Millionen Kinder erleben 5. Geburtstag nicht
Di.19.09.06 - Weltweit sterben jährlich mehr als zehn Millionen Kinder vor dem
fünften Geburtstag, obwohl sie durch einfache Hilfen wie sauberes
Wasser, Impfungen oder Moskitonetze zu retten wären.
Das geht aus mehreren Untersuchungen im Medizinjournal «The
Lancet» (online vorab veröffentlicht) hervor, die vom UN-
Kinderhilfswerk UNICEF und der norwegischen Regierung in Auftrag gegeben
wurden.
Laut den Analysen, die am Montag auch auf dem «Child Survival
Symposium» in New York vorgestellt wurden, sind etwa 5,5
Milliarden Euro notwendig, um die weltweite Kindersterblichkeitsrate bis
2015 um zwei Drittel zu senken. Derzeit würden die 60 Länder
mit der höchsten Rate aber nur etwa 1,1 Milliarden Euro erhalten -
rund 2,40 Euro pro Kind.
Das im Jahr 2000 festgeschriebene Millenniumsziel der Vereinten
Nationen, die Sterblichkeitsrate um zwei Drittel zu reduzieren, liegt
den Untersuchungen zufolge in weiter Ferne. Obwohl in den vergangenen 30
Jahren die Rate halbiert worden sei, erlebten heute im weltweiten
Durchschnitt immer noch etwa acht Prozent aller Kinder ihren
fünften Geburtstag nicht, sagte Unicef-Sprecher Rudi Tarneden der
dpa. Die meisten Kinder, vor allem in Afrika, würden an
Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen sterben, obwohl dies mit
einfachsten Mittel zu vermeiden sei.
(Quelle: dpa)
Auch nach Bedauern des Papstes Aufruhr in islamischer Welt
Di.19.09.06 - Auch nach dem Ausdruck persönlichen Bedauerns über seine
Regensburger Islam-Äußerungen dauern die muslimischen
Proteste gegen Papst Benedikt XVI. in vielen Ländern an. Der
Vorsitzende des türkischen Direktorats für Religiöse
Angelegenheiten, Ali Bardakoglu, bezeichnete am Montag die
päpstliche Entschuldigung als indirekt und unzureichend.
Bardakoglu wies darauf hin, dass der Papst am Sonntag nur die
Reaktionen in der muslimischen Welt bedauert habe, nicht aber, das Zitat
des byzantinischen Kaisers überhaupt verwendet zu haben. Darin
hieß es, der Prophet Mohammed habe mit seinen Lehren nur
Schlechtes und Inhumanes bewirkt. Benedikt verwendete es bei einer
Analyse über Gewalt und Religion, in der er sich dagegen wandte,
Glauben mit Waffengewalt durchzusetzen.
«Er hat sich nicht dafür entschuldigt, weil seine Worte
übertrieben waren, sondern weil sie missverstanden wurden»,
sagte Bardakoglu. «Dieses 'Es tut mir leid' muss entweder voll
oder gar nicht gesagt werden.» Benedikt wird zu einem Besuch vom
28. November bis 1. Dezember in der Türkei erwartet. Der Besuch
soll nach Angaben der türkischen Regierung vom Sonntag weiterhin
stattfinden. Am Montag berieten katholische Bischöfe in Istanbul.
Die nicht öffentliche Sitzung war lange vor der Regensburger
Papstrede angesetzt worden.
In der irakischen Stadt Basra verbrannten Demonstranten deutsche Fahnen
und ein Abbild des Papstes. Die irakische El-Kaida-Gruppe drohte dem
Vatikan und dem Westen mit Gewalt.
Die rund 500 Teilnehmer der Demonstration im südirakischen Basra
verbrannten neben der deutschen Flagge auch US-Fahnen. Sie forderten
eine Entschuldigung des Papstes.
In einer Internet-Botschaft von El Kaida hieß es: "Wir sagen dem
Diener des Kreuzes: Warte auf die Niederlage (...) Wir werden das Kreuz
zertrümmern". Auch die El-Kaida-nahe irakische Gruppe Ansar el
Sunna rief im Internet zur Gewalt gegen den Westen auf, vor allem gegen
Italien.
Das geistliche Oberhaupt des Irans, Ayatollah Ali Chamenei, sagte in
einer Rede, die Papst-Rede sei das "letzte Glied eines Komplotts
für einen Kreuzzug". Der Papst-Rede seien die "beleidigenden"
Karikaturen des Propheten Mohammed und Äußerungen westlicher
Politiker vorausgegangen.
In Pakistan verbrannten rund 150 Demonstranten in der Stadt
Muzaffarabad eine Puppe Benedikts und riefen «Tod dem
Papst!» Sie forderten eine volle Entschuldigung. Auch im indischen
Unionsland Jammu-Kaschmir riefen Demonstranten «Nieder mit dem
Papst!» Ein Aufruf zum Generalstreik aus Protest gegen Benedikts
Äußerungen wurde weitgehend befolgt. Auch in der
indonesischen Hauptstadt Jakarta demonstrierten mehrere hundert Menschen
gegen den Papst. Der Präsident der Islamischen Vereinigung Chinas,
Chen Guangyuan, bezeichnete Benedikts Rede als Beleidigung des
Propheten Mohammed und des Islams, wie die amtliche Pekinger
Nachrichtenagentur Xinhua meldete.
Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono zeigte sich
nach dem Papst-Auftritt vom Sonntag dagegen optimistisch, dass die
Krise ein "glückliches Ende" finden werde. Auch die jordanische
Regierung begrüßte die "Klarstellung".
Der französische Staatspräsident Jacques Chirac mahnte, man
solle «alles vermeiden, was Spannungen auslöst». Direkt
wollte er sich in einem Interview des Rundfunksenders Europe-1 nicht
äußern.
Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone sagte,
die Vatikan-Botschafter in den moslemischen Ländern seien
angewiesen worden, den Text der Papst-Rede bekanntzumachen und "bisher
nicht beachtete Elemente hervorzuheben". Der Papst hatte bei einem
Vortrag in Regensburg unter anderem die Äußerung eines
byzantinischen Kaisers zitiert, der Begründer des Islams,
Mohammed, habe "nur Schlechtes und Inhumanes" in die Welt gebracht. Am
Sonntag bekundete Benedikt XVI. Bedauern über die
Missverständnisse nach seinen Äußerungen,
unterließ aber die von vielen Moslems geforderte Entschuldigung.
(Quellen: ap, afp)
Abtrünniges Transnistrien stimmt für Unabhängigkeit von
Moldawien
Di.19.09.06 - Die abtrünnige moldawische Region Transnistrien hat in einem
Referendum mit überwältigender Mehrheit für ihre
Unabhängigkeit gestimmt. 97,1 Prozent der Wähler hätten
sich bei dem Votum am Sonntag für eine Fortsetzung des
Unabhängigkeitskurses mit dem Ziel eines Anschlusses an Russland
ausgesprochen, erklärte der Leiter der Zentralen Wahlkommission am
Montag.
Die überwiegend von Ukrainern und Russen bewohnte Region von der
doppelten Größe Luxemburgs spaltete sich bereits 1992 nach
blutigen Kämpfen als Dnjestr-Republik von Moldawien ab.
International ist die Republik nicht anerkannt. Alle Parteien
Transnistriens standen hinter dem Referendum. Moldawien hat
erklärt, das Referendum nicht anzuerkennen. Auch die EU und die USA
haben sich gegen die Abstimmung ausgesprochen und dazu aufgerufen, die
blockierten Autonomiegespräche mit Moldawien wieder aufzunehmen.
Kritiker fürchten, dass das Referendum prorussische Separatisten
in anderen früheren Sowjetrepubliken zu ähnlichen Schritten
anspornen könnte. Moskau, das rund 1.500 Soldaten in dem Gebiet
stationiert hat, hat die Abstimmung hingegen als demokratischen Ausdruck
des Volkswillens bezeichnet und das Vorhaben unterstützt.
(Quelle: ap)
Mindestens 50 Verletzte bei Zusammstößen in Budapest -
Regierungsgegner stürmen Ungarisches Fernsehen
Di.19.09.06 - Bei schweren Zusammenstößen mit Gegnern der sozialistischen
Regierung in Ungarn sind in der Nacht zum Dienstag mindestens 50
Menschen verletzt worden. Im Anschluss an eine Demonstration von mehr
als 10.000 Menschen vor dem Parlament in Budapest stürmten mehrere
hundert Menschen die Zentrale des staatlichen Fernsehens. Die Menge
warf mit Steinen und Flaschen, die Polizei setzte Tränengas und
Wasserwerfer ein.
Auslöser der Krawalle ist die Veröffentlichung eines
Tonbandprotokolls aus einer Fraktionssitzung der regierenden
Sozialisten (MZSP). Demnach sagte Ministerpräsident Ferenc
Gyurcsany kurz nach der Parlamentswahl vom 23. April, er habe die
Öffentlichkeit über den Zustand der Wirtschaft belogen, um
seine Wiederwahl zu sichern.
Die Demonstranten besetzten einen Teil des Erdgeschosses der
Sendezentrale. Sie forderten die Übertragung einer politischen
Botschaft im Fernsehen. In der Nähe des Gebäudes gingen
mehrere Autos in Flammen auf. Die Polizei teilte mit, es seien
Vorbereitungen im Gange, die Besetzer aus dem Gebäude zu
vertreiben. Mehrere tausend Polizisten seien zur Verstärkung in
die Hauptstadt beordert worden. Die Regierung berief für
Dienstagvormittag eine Krisensitzung des Sicherheitskabinetts ein.
Gyurcsany lehnte am Dienstagmorgen einen Rücktritt ab. «Die
Straße ist keine Lösung», sagte der
Ministerpräsident der staatlichen Nachrichtenagentur MTI.
«Unsere Aufgabe ist es, den Konflikt zu lösen und eine Krise
zu verhindern.»
Gyurcsany hatte am Sonntag die Authentizität des
Tonbandprotokolls. Darin wird festgehalten, wie er sagt: «Wir
haben am Morgen, am Abend und in der Nacht gelogen.» Die
Oppositionsparteien forderten daraufhin am Montag den Rücktritt
des Regierungschefs. Staatspräsident Laszlo Solyom rügte,
dass Gyurcsany das Vertrauen der Menschen in die Demokratie
enttäuscht habe. Am 1. Oktober finden in Ungarn landesweit
Kommunalwahlen statt.
Zu den Hauptproblemen der Volkswirtschaft gehört die
Staatsverschuldung. Im Wahlkampf sagte Gyurcsany, das Haushaltsdefizit
könne auf 4,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts begrenzt werden.
Bei Beginn seiner zweiten Amtszeit im Juni kündigte er jedoch an,
das Defizit werde auf über zehn Prozent steigen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Demokratie-Netzwerke fordern kontinuierliche Arbeit gegen Rechts
Di.19.09.06 - Nach dem Erfolg der rechtsextremen NPD bei den Landtagswahlen in
Mecklenburg-Vorpommern fordern Demokratie-Netzwerke einen effizienteren
Kampf gegen den Rechtsextremismus in Deutschland. Was jetzt gebraucht
werde, sei «Kontinuität in der Arbeit und kein neues Programm
mit neuen Modellprojekten», sagte Stephan Meister vom Netzwerk
für Demokratische Kultur am Montag in Wurzen auf Anfrage der
Nachrichtenagentur ddp. Der Verein war im November 2004 Ziel eines
Bombenanschlags vermutlich aus der rechten Szene. Die Täter wurden
nie gefunden, die Ermittlungen mittlerweile eingestellt.
Meister sagte weiter, eines der wichtigsten Ziele sei es, für mehr
Transparenz in Politik zu sorgen. Wenn Menschen Entscheidungen nicht
mehr nachvollziehen könnten, dann wendeten sie sich vermehrt den
Rechten mit ihren vermeintlich einfachen Lösungen zu. Kritik
äußerte er vor allem am geplanten neuen Bundesprogramm gegen
Rechts. Dieses Programm mit einem Volumen von 19 Millionen Euro
gefährde die bisherige Arbeit, da beispielsweise bewusst eine
mehrmonatige Förderlücke in Kauf genommen werde. Auch
hätten Opferberatungsstellen und mobile Beratungsteams in dem neuen
Konzept keinen Platz mehr.
Problematisch sei auch, dass in dem neuen Programm auch Kommunen
Fördermittel beantragen könnten. Diese hätten aber zum
einen nicht den nötigen Sachverstand im Kampf gegen Rechts und zum
anderen meist auch kein Interesse daran, ein eigenes Problem mit
Rechtsextremen einzugestehen. Hinzu komme, so Meister, dass in vielen
Kommunalparlamenten mittlerweile auch NPD-Politiker säßen.
Und die würden alles tun, um Einfluss auf die Ausgestaltung dieser
Programme zu gewinnen.
(Quelle: ddp)
Betteln gegen rechts
Alle Beratungsstellen gegen Nazis, die seit 2001 im Osten entstanden,
stehen auf der Kippe - der Bund will nicht zahlen... Mehr in der taz
vom 21.09.06:
http://www.taz.de/pt/2006/09/21/a0148.1/text
Bundesregierung will Programm gegen Rechts lückenlos weiter
fördern
Di.19.09.06 - Das Bundesfamilienministerium hat eine lückenlose Fortführung
von Projekten gegen Rechtsextremismus zugesichert. Sprecherin Iris
Bethge sagte am Montag in Berlin, zwar würden die
gegenwärtigen Programme «Civitas» und
«Entimon» zum Jahresende auslaufen, aber zum 1. Juli 2007
würde mit derselben Fördersumme von 19 Millionen Euro im Jahr
ein Programm namens «Jugend für Vielfalt, Toleranz und
Demokratie» anlaufen. Auch für das erste Halbjahr 2007 sei
die Übergangsfinanzierung gesichert.
Unter anderem soll das neue Programm eine Task Force beinhalten, die
immer dann in Aktion trete, «wenn es brennt». Details nannte
die Sprecherin nicht. Darüber hinaus sollten ab Jahresbeginn die
Kommunen vor Ort «maßgeschneiderte Aktionsprogramme
entwickeln, gemeinsam mit den Beratungsstellen» und in Absprache
mit dem jeweiligen Bundesland. «Frau von der Leyen ist es
wichtig, dass wir mit viel Kraft vorgehen», versicherte Bethge.
Es sei sicher gestellt, dass die Strukturen der Projekte zur
Bekämpfung des Rechtsextremismus vor Ort erhalten blieben. Als
Grund für das Auslaufen der bisherigen Programme nannte die
Sprecherin das Haushaltsrecht. Der Bund könne nur befristet
fördern, und deshalb müssten die seit sechs Jahren laufenden
Förderprogramme jetzt beendet werden.
(Quelle: ap)
NPD gibt sich 'bürgerlichen Anstrich'
Udo Pastörs gab am Wahlabend die Marschrichtung vor. Seine
Fraktion werde eine "harte Oppositionspolitik" fahren, verkündete
der NPD-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern nach dem Einzug der
rechtsextremen Partei in den Schweriner Landtag. In ganz Deutschland
werde die NPD-Politik "auf großes Interesse" stoßen,
tönte der 54-jährige Schmuckhändler.
Was die Rechtsextremen unter Oppositionsarbeit verstehen, hat Sachsen
schon leidlich erfahren müssen. Seit zwei Jahren sitzen
NPD-Abgeordnete im Landtag und geben nach außen hin den
Biedermann. Doch immer wieder lassen die Rechten die Maske fallen und
provozieren einen Eklat.
"Die Rechtsextremen treten als Wölfe im Schafspelz auf", warnte
Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Gottfried Timm (SPD) schon vor
der Wahl. Tatsächlich arbeiten NPD-Kader längst in
Bürgerinitiativen mit sozialem Touch, geben Nachhilfeunterricht,
veranstalten Fußballturniere und Stadtteilfeste.
"Die NPD gibt sich einen bürgerlichen und braven Anstrich", sagt
der Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer von der FU Berlin. Auf
kommunaler Ebene sei die NPD schon länger verankert in Stadt- und
Gemeinderäten. Von einem Teil der Bürger werde sie deshalb
als "normale demokratische Partei wahrgenommen", sagt der Experte.
So agierte der im August tödlich verunglückte NPD-Abgeordnete
Uwe Leichsenring lange vor dem Einzug in den sächsischen Landtag
als Kommunalpolitiker in der Sächsischen Schweiz, einer Hochburg
der Rechten. Sachsens NPD-Fraktionschef Holger Apfel sitzt im Dresdner
Stadtrat. Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist die Partei schon seit der
Kommunalwahl 2004 in vier Kreistagen und drei Gemeindeparlamenten
präsent.
Rund 60.000 Wählerstimmen brachten der NPD in
Mecklenburg-Vorpommern, die von Mitgliedern so genannter freier
Kameradschaften und der sächsischen NPD unterstützt wurde,
sechs Landtagssitze ein. Besonders erschreckend ist die Zahl der jungen
NPD-Wähler. Nach Analysen von Infratest Dimap wählten 17
Prozent der Erstwähler die rechtsextreme Partei. "Die NPD versucht
über Freitzeitangebote und Musik den Einstieg bei jungen Leuten zu
finden", betont Niedermayer. Es gebe eine starke Abkehr von etablierten
Parteien bei Teilen der Jugend, vor allem bei männlichen
Jugendlichen.
Quer durch die politische Lager ist das Entsetzen nun wieder
groß, und Politikverdrossenheit und Jugendarbeitslosigkeit werden
schnell als Ursache für den NPD-Erfolg ausgemacht. Doch
Perspektivlosigkeit und mangelndes Demokratieverständnis sind nur
einige Faktoren. Die NPD habe diesmal auch beweisen müssen, dass
das Wahlergebnis in Sachsen "keine Eintagsfliege war", meint
Niedermayer.
Das politische Klima im Schweriner Landtag wird sich in jedem Fall
verändern. In Dresden missbrauchte die NPD mehr als ein Mal den
Landtag als Bühne zur Selbstdarstellung und für
Provokationen. So sorgten die NPD-Abgeordneten im Januar vergangenen
Jahres für einen internationalen Skandal, als sie die
Bombardierung Dresdens im Februar 1945 als "Bombenholocaust"
bezeichneten und damit die NS-Verbrechen relativierten.
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD)
will sich mit den "braunen Brüdern" auf demokratische Weise
auseinandersetzen, damit sie in fünf Jahren wieder aus dem Landtag
verschwinden. "Ignorieren oder diskriminieren hilft nicht", betont auch
Niedermayer. Der Chemnitzer Politikwissenschaftler Eckhard Jesse
rechnet allerdings "mit großen internen Problemen" in der neuen
NPD-Fraktion. Es gebe "zwei Strömungen: Antidemokraten, die sich
tarnen wollen, und Antidemokraten, die es zeigen wollen", sagte er.
Pastörs jedenfalls ließ am späteren Sonntagabend
durchaus seine wahren Ambitionen durchblicken. Nachdem der
NPD-Spitzenmann zunächst kritischen Fragen zum ideologischen
Hintergrund der "Nationalisten" auswich, deutete er auf der
NPD-Wahlparty am Sonntagabend an, wo das eigentliche Ziel liegt. Die
NPD werde kämpfen für ein "deutsches Deutschland in den
Grenzen, die wir uns seit Jahrzehnten nicht haben ausreden lassen".
Quelle: afp, 18.09.2006
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Zypries und Hoppe lehnen Strafrechts-Reform zu Sterbehilfe ab
Di.19.09.06 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) und
Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe lehnen eine Reform
des Strafrechts für Fälle von Sterbehilfe strikt ab.
«Ich sehe hier keinen Klarstellungsbedarf. Dem
Selbstbestimmungsrecht des Patienten wird schon heute im Strafrecht
besonders Rechnung getragen. Hat er klar zu erkennen gegeben, dass er
eine Heilbehandlung nicht will, muss der Arzt sie unterlassen»,
sagte Zypries der «Neuen Osnabrücker Zeitung» zufolge.
Anderenfalls drohe dem Mediziner, sich wegen Körperverletzung
strafbar zu machen.
Die SPD-Politikerin wandte sich damit gegen den Vorstoß von
Strafrechtlern, die passive Sterbehilfe künftig ausdrücklich
von Strafe freistellen wollen. Das Thema wird bei dem Juristentag zur
Sprache kommen, der am (heutigen) Dienstag in Stuttgart beginnt.
«Eine Reform hilft nicht weiter», wird Hoppe in der Zeitung
zitiert. Stattdessen sollte die Verbreitung der schmerzlindernden
Palliativmedizin und der Hospize noch stärker unterstützt
werden, forderte der Präsident der Bundesärztekammer.
Rechtsunsicherheiten für Ärzte ließen sich durch die
vorgeschlagenen Änderungen nicht beseitigen, erklärte er den
Angaben zufolge. Nach wie vor müsse im Einzelfall entschieden
werden.
(Quelle: ap)