Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertunddreizehnten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Blutiger Raketenangriff auf Wohngebiet in Bagdad - Zehn Tote.
UN-Generalsekretär Annan warnt vor Zusammenbruch des irakischen
Staates. Britischer Soldat bekennt sich zu Kriegsverbrechen im Irak.
Polnische Rüstungsindustrie erhält Großauftrag aus Irak
Mi.20.09.06 - Ein Raketenangriff im Süden Bagdads hat am Dienstag mindestens
zehn Menschen das Leben gekostet. 19 weitere wurden nach Angaben der
Polizei verletzt. Insgesamt fünf Raketen schlugen in
Wohnhäuser in dem schiitischen Viertel Abu Tescher ein. Bei einer
Serie von Angriffen mit Mörsergeschossen wurden im Zentrum und
Süden der irakischen Hauptstadt zwei Personen getötet, wie
die Sicherheitskräfte berichteten. Mindestens zehn Menschen
erlitten Verletzungen, darunter auch drei Jungen.
Im Westen Bagdads detonierte eine Autobombe in der Nähe einer
Tankstelle und tötete zwei Zivilpersonen. 25 weitere Menschen
wurden verletzt, wie die Polizei erklärte. In Bakuba schossen
Aufständische aus einem Auto heraus auf eine Polizeipatrouille.
Ein Beamter kam ums Leben. In Udhajm in der Provinz Dijala wurde der
Bürgermeister von Bewaffneten auf dem Weg zur Arbeit getötet,
wie die Polizei mitteilte. Die US-Streitkräfte meldeten am
Dienstag den Tod von vier Soldaten im Irak.
In Ramadi fiel ein einheimischer Journalist der Gewalt zum Opfer. Ahmed
Rijad al Karbuli arbeitete für den Fernsehsender Bagdad TV. Er
wurde am Samstag getötet, wie der Sender am Dienstag mitteilte.
Das New Yorker Komitee zum Schutz von Journalisten verurteilte die Tat
und erklärte, der 25-Jährige habe in den vergangenen vier
Monaten wiederholt Todesdrohungen erhalten. Die Aufständischen
hätten von ihm verlangt, den Sender zu verlassen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte vor einem drohenden
Bürgerkrieg und einem Zerfall des Iraks. Vor in New York
versammelten Außenministern mahnte Annan, dass eine nachlassende
internationale Unterstützung für den Irak ein Scheitern der
Friedensbemühungen nach sich ziehen würde. Er erklärte,
die irakischen Politiker stünden am Scheideweg. Wenn sie die
Bedürfnisse und gemeinsamen Interessen aller Iraker ansprechen
könnten, dann seien Frieden und Wohlstand noch zu erreichen. Bei
einem Anhalten der Gewalt seien aber ein Zusammenbruch des irakischen
Staates und ein umfassender Bürgerkrieg zu befürchten.
Nach scharfer Kritik an seiner Prozessführung wurde der
Vorsitzende Richter im Verfahren gegen den irakischen
Expräsidenten Saddam Hussein ausgetauscht. Die Ablösung von
Abdullah al Amiri gab die Regierung in Bagdad am Dienstagabend ohne
weitere Einzelheiten oder Begründung bekannt. Aus Gerichtskreisen
verlautete, Al Amiris bisheriger Stellvertreter Mohammed al Uraibij
solle den Vorsitz übernehmen.
Die Staatsanwaltschaft hatte den Rücktritt al Amiris gefordert und
kritisiert, der Richter habe es zugelassen, dass der Angeklagte den
Gerichtssaal zum Forum für seine politischen Ansichten gemacht
habe. Saddam Hussein und sechs seiner früheren Mitarbeiter stehen
wegen einer Offensive im Nordirak vor Gericht, die in den 80er Jahren
rund 100.000 Kurden das Leben kostete.
Erstmals hat sich ein britischer Soldat vor einem Militärgericht
zum Anklagepunkt eines Kriegsverbrechens für schuldig
erklärt. Der 35-jährige Gefreite Donald Payne bekannte am
Dienstag in Bulford, 135 Kilometer südwestlich von London, er habe
irakische Gefangene unmenschlich behandelt. Zwei weitere Anklagepunkte,
Totschlag und Behinderung der Justiz, wies er zurück. Sechs
mitangeklagte Soldaten erklärten sich für unschuldig.
Im Mittelpunkt des Verfahrens steht der Tod eines 26-jährigen
irakischen Hotelangestellten im September 2003 auf dem britischen
Stützpunkt in Basra.
Dieser wurde der Anklage zufolge kurz nach seiner Festnahme in Basra zu
Tode geprügelt. Der Verhaftung gingen Geheimdiensthinweise voraus,
wonach mehrere Hotels in Basra Stützpunkte von Aufständischen
gewesen sein sollen.
In seiner Eingangserklärung sagte Ankläger Julian Bevan, die
Gefangenen seien «wiederholt geschlagen, getreten und
gestoßen worden». Außerdem seien ihnen Kaputzen
übergezogen worden. Die Gefangenen seien am Schlaf gehindert
worden. Außerdem seien sie in einen Raum mit einer Temperatur von
nahezu 60 Grad Celsius gebracht worden. Einem Gefangenen seien die
Brustwarzen gequetscht worden, ein anderer sei gezwungen worden, seinen
eigenen Urin zu trinken. Die gerichtsmedizinische Untersuchung des
Todesopfers habe 93 verschiedene Verletzungen ergeben.
Die sieben Angeklagten verfolgten die Verlesung der Anklage stehend und
in Uniform. Vier werden beschuldigt, die Häftlinge unmenschlich
behandelt und verletzt zu haben. Drei Soldaten müssen sich wegen
Fahrlässigkeit im Dienst verantworten. Die Regierung zahlte der
Familie des getöteten Irakers im Mai 2004 eine Entschädigung
von 1.600 Pfund (2.300 Euro). Das Verfahren ist der erste Prozess vor
einem britischen Militärgericht wegen Kriegsverbrechen.
Polen hat mit dem Irak einen Rüstungsvertrag im Wert von
umgerechnet knapp 280 Millionen Euro abgeschlossen. Der
Rüstungskonzern Bumar wurde nach Angaben einer Sprecherin damit
beauftragt, tausend Panzerfahrzeuge vom Typ Dzik zu liefern sowie im
Irak eine Anlage zur Modernisierung von Panzern aufzubauen. "Es handelt
sich um neue Aufträge, die kürzlich abgeschlossen wurden",
sagte die Sprecherin am Dienstag. Bumar hat bereits Verträge zur
Lieferung von Waffen in den Irak im Wert von mehr als 320 Millionen Euro
abgeschlossen. Polnische Militärs kommandieren im Irak ein
multinationales Kontingent, dem auch 880 Soldaten aus Polen
angehören.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 20.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertneunundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.20.09.05 - Trotz Anschlagdrohung: Hunderttausende schiitische Pilger auf dem Weg
nach Kerbela +++ Zehn Tote bei Anschlägen am Rande der Pilgerfahrt +++ 24
Leichen im Irak gefunden +++ Britische Soldaten befreien zwei in
irakischem Gefängnis festgehaltene Kameraden +++ Milliardenbetrug in
Iraks Verteidigungsministerium...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509200.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Elf Aufständische bei Kämpfen im Süden Afghanistans
getötet
Mi.20.09.06 - Bei Kämpfen im Süden Afghanistans sind elf mutmaßliche
Taliban-Rebellen getötet worden, wie die Polizei am Dienstag
mitteilte. Vier weitere Aufständische seien bei Gefechten am
Montagabend in der Provinz Helmand verletzt worden. Es gab den Angaben
zufolge keine Opfer unter den afghanischen Polizisten. Die NATO hatte am
Sonntag eine zweiwöchige Offensive gegen die radikalislamischen
Taliban im Süden Afghanistans für beendet erklärt.
Der afghanische Präsident Hamid Karsai verurteilte die
jüngsten Anschläge in seinem Land, bei denen am Montag
mindestens 20 Menschen ums Leben kamen, darunter vier kanadische
Soldaten. Karsai sagte am Montag in New York, bei dem schwersten
Anschlag in Herat habe es sich entgegen früherer Angaben nicht um
einen Selbstmordanschlag gehandelt.
(Quelle: ap)
Atomstreit - Bush und Ahmadinedschad bleiben unversöhnlich
Mi.20.09.06 - Die Präsidenten der USA und des Irans haben vor der
UN-Vollversammlung keine Anzeichen für eine Änderung in ihrem
Konfliktkurs erkennen lassen. George W. Bush und Mahmud Ahmadinedschad
zeigten sich am Dienstag in New York unversöhnlich und vermieden
eine persönliche Begegnung.
Die Regierung in Teheran müsse «ihr Streben nach
Atomwaffen» aufgeben, forderte Bush vor den Delegierten aus 192
Staaten. Auch wandte er sich direkt an das iranische Volk und forderte
es auf, den Äußerungen ihrer Führer über Amerika
keinen Glauben zu schenken.
Ahmadinedschad erklärte, sein Land habe das Recht auf die
friedliche Nutzung der Atomkraft. Die iranischen Nuklearprojekte
unterstünden der Kontrolle durch Inspektoren der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA). Den USA und Großbritannien warf
Ahmadinedschad vor, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen als
Instrument für Drohungen zu missbrauchen.
Ahmadinedschad hörte sich Bushs Ansprache nicht an; sein Platz in
der Vollversammlung blieb leer. Er blieb auch einem Empfang auf
Einladung von UN-Generalsekretär Kofi Annan fern, an dem Bush
teilnahm.
Der Weltsicherheitsrat hatte dem Iran eine Frist bis zum 31. August zum
Stopp der Urananreicherung gesetzt. Die Regierung ignorierte diese
Aufforderung und sieht sich nun mit möglichen Sanktionen
konfrontiert.
Am Rande der UN-Vollversammlung traf Bush mit dem französischen
Staatspräsidenten Jacques Chirac zusammen, der sich für
weitere Verhandlungen mit dem Iran ausgesprochen hat.
Anschließend sagte Bush, er teile mit Chirac die gleichen Ziele.
Auch US-Außenministerin Condoleezza Rice traf mit
Regierungsmitgliedern verbündeter Staaten zusammen, um sie
für Sanktionen gegen den Iran zu gewinnen. Die Welt habe ein
Glaubwürdigkeitsproblem, wenn sie untätig bleibe, sagte Rice.
Der mexikanische Präsident Vicente Fox sprach sich vor der
Vollversammlung für eine Ausweitung des Weltsicherheitsrats aus.
Eine größere Zahl von nichtständigen Mitgliedern
würde die Transparenz und Wirksamkeit des Gremiums stärken,
sagte Fox am Dienstag in New York. Die Zahl von fünf
ständigen Mitgliedern solle hingegen unverändert bleiben.
Zehn Staaten gehören dem Sicherheitsrat für jeweils zwei
Jahre als nichtständige Mitglieder an.
Der jordanische König Abdullah II. rief Israel zum Rückzug
von allen besetzten Gebieten auf. Nur so könne der Kreislauf der
Gewalt im Nahen Osten beendet werden, sagte Abdullah. «Nie ist es
für die Weltgemeinschaft wichtiger gewesen als jetzt, entschlossen
auf den Frieden in meiner Region hinzuwirken», rief der Monarch
mit Blick auf den Libanon-Krieg im Juli und August den Delegierten aus
192 Staaten zu.
Zum Konflikt in der sudanesischen Region Darfur sagte Bush, dass die
Friedenstruppe der Afrikanischen Union nicht stark genug sei, um die
Bevölkerung zu beschützen. Deshalb müssten die Vereinten
Nationen die Führung der Friedensmission übernehmen. Der
Sudan will dies jedoch unter keinen Umständen akzeptieren. Die
Situation in Darfur werde von Menschenrechtsgruppen übertrieben
dargestellt, sagte der sudanesische Präsident Omar al Baschir in
New York.
(Quelle: ap)
UN-Vollversammlung - Annan ruft zu weltweiter Einigkeit auf
Mi.20.09.06 - Mit einem Appell zu Einigkeit und verstärktem Kampf gegen die
drängendsten Probleme der Welt hat UN-Generalsekretär Kofi
Annan am Dienstag die 61. Vollversammlung der Vereinten Nationen
eröffnet. Wichtige Konflikte seien im vergangenen Jahrzehnt nicht
angegangen worden, sondern hätten sich vielmehr verschärft,
kritisierte Annan in New York. Die dramatischste Krise sei der
Nahost-Konflikt, sagte der Generalsekretär, dessen zweite
fünfjährige Amtszeit am 31. Dezember endet.
In den letzten zehn Jahren seien zwar Fortschritte bei wirtschaftlicher
Entwicklung, Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit erzielt worden,
erklärte Annan. Diese Themen hatte er bei seiner ersten Rede vor
der UN-Vollversammlung 1997 als bedeutende Herausforderungen genannt.
Noch immer litten aber zahllose Menschen unter grausamen Konflikten,
die Angst vor Terror habe einen Kampf der Kulturen und Religionen
geschürt, und Terrorismus werde als Vorwand für die
Begrenzung oder Aufhebung von Menschenrechten genutzt, kritisierte
Annan. Zudem treibe die Globalisierung die Schere zwischen Arm und
Reich immer weiter auseinander.
Das Programm der bis Mitte kommender Woche dauernden Sitzung wird von
der Reform der UN bestimmt sowie von Debatten über den Einsatz im
Libanon, den Friedensprozess im Nahen Osten, den Atomstreit mit dem
Iran und den Konflikt in der sudanesischen Krisenregion Darfur. Jedes
der 192 UN-Mitgliedsländer erhält im Verlauf der Versammlung
15 Minuten Redezeit, um die aus seiner Sicht wichtigsten Themen
anzusprechen. Die Nachfolge Annans, dessen Amtszeit am 31. Dezember
endet, dürfte Thema von Gesprächen am Rande der Sitzung
werden.
Zur Eröffnung der Vollversammlung waren fast 90 Staats- und
Regierungschefs sowie Dutzende Außenminister erwartet worden.
Für die Bundesregierung flog Außenminister Frank-Walter
Steinmeier am Dienstag nach New York.
Mit einem Protestmarsch zum UN-Gebäude demonstrierten mehrere
tausend Menschen in New York gegen den Irak-Krieg. «Die
Bush-Regierung muss gehen» und «Bush lügt - wer
stirbt?» war auf Plakaten zu lesen. Die 91-jährige Lillian
Pollack erklärte: «Nach Vietnam dachte ich, die USA
hätten ihre Lektion gelernt». Bush habe den Krieg zwei Jahre
lang geplant und versucht, ihn zu legitimieren, «aber das ging
nach hinten los».
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israelische Armee will Abzug aus Libanon Freitag abschließen. In
Deutschland breite Zustimmung für Libanon-Einsatz absehbar
Mi.20.09.06 - Der Abzug der israelischen Einheiten aus dem Libanon soll bis Freitag
abgeschlossen sein. Das kündigte Generalstabschef Dan Halutz am
Dienstag an. Er hoffe, dass die letzten Soldaten den Libanon bis zum
Beginn des jüdischen Neujahrstags am Freitag verlassen hätten,
sagte Halutz laut einem Mitglied des parlamentarischen Außen- und
Verteidigungsausschusses. Die israelische Armee hatte mit dem Abzug
nach der Einigung auf einen Waffenstillstand Mitte August begonnen.
Nach Armeeangaben haben die Soldaten bereits mehr als 75 Prozent des
Gebiets geräumt, das sie ursprünglich besetzt hatten.
In einer fast zweistündigen Debatte im deutschen Bundestag und den
anschließenden Probeabstimmungen in den Fraktionen zeichnete sich
am Dienstag eine breite Mehrheit für den ersten Nahost-Einsatz in
der Geschichte der Bundeswehr ab. Die Linksfraktion will geschlossen,
die FDP mehrheitlich dagegen stimmen, bei Union, SPD und Grünen
wird große Zustimmung erwartet. Bei den Probeabstimmungen
votierten in der CDU/CSU neun Abgeordnete gegen den Einsatz, bei der
SPD waren es 15 und bei den Grünen zehn.
Unmittelbar nach der Plenardebatte berieten die zuständigen
Ausschüsse für Auswärtiges und für Verteidigung
über die Mission. Sie beschlossen, dem Plenum Zustimmung zu
empfehlen. Die endgültige Entscheidung soll am (heutigen) Mittwoch
in namentlicher Abstimmung fallen, die Fraktionen haben die
Entscheidung freigegeben.
Vorgesehen ist die Entsendung von bis zu 2.400 Soldaten. Schwerpunkt
sind 1.500 Marinesoldaten, die mit acht Schiffen und Booten als Teil
eines internationalen Flottenverbandes unter deutschem Kommando vor der
libanesischen Küste den Waffenschmuggel für die Hisbollah
unterbinden sollen und dazu auch verdächtige Schiffe gegen den
Willen der Besatzung kontrollieren dürfen.
Verteidigungsminister Jung wies darauf hin, dass die Kosten für
den Einsatz - 46 Millionen Euro in diesem und 147 Millionen im
nächsten Jahr - im Verteidigungsetat nicht berücksichtigt
seien. «Wir werden uns deshalb verständigen
müssen», betonte er. Man könne nicht immer mehr von der
Bundeswehr verlangen, ohne die finanziellen Grundlagen dafür zur
Verfügung zu stellen.
Finanzminister Steinbrück hatte eine Erhöhung des Wehretats
schon zuvor abgelehnt. Zunächst müsse geprüft werden, ob
die bereits eingeplanten Mittel für Auslandseinsätze
ausreichten, sagte der SPD-Politiker der «Berliner
Zeitung». Sei dies nicht der Fall, müssten im
Verteidigungshaushalt Umschichtungsmöglichkeiten geprüft
werden. Erst danach könne beurteilt werden, was als berechtigte,
tatsächliche Zusatzbelastung übrig bleibe.
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sprach sich dagegen aus, schon
jetzt über eine strukturelle Erhöhung des Wehretats zu
entscheiden. Ob aktuell mehr Geld nötig sei, müsse im
Einzelfall geklärt werden.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier warb in der Debatte um eine
breite Zustimmung zu dem Einsatz. Die deutsche Beteiligung an der
UN-Mission stehe in «der guten Tradition deutscher
Außenpolitik»: Wie bei den bisherigen
Auslandseinsätzen der Bundeswehr gehe es auch hier darum, Frieden
zu schaffen. Der Einsatz sei das Startsignal für die jetzt
beginnende Arbeit am politischen Friedensprozess im Nahen Osten.
Die Ablehnung der FDP-Fraktion begründete ihr
außenpolitischer Sprecher Werner Hoyer mit dem Argument,
Deutschland setze sein auf beiden Seiten vorhandenes Vertrauenskapital
aufs Spiel, «indem wir unnötigerweise einen
militärischen Beitrag leisten». Linksfraktionschef Gregor
Gysi kritisierte, die Bundesregierung sei nicht neutral und wolle es
auch nicht sein - sie solle Waffenlieferungen an die Hisbollah
unterbinden und beliefere zugleich Israel mit U-Booten.
Für die Grünen wies der Fraktionsvorsitzende Fritz Kuhn
darauf hin, dass die dem Einsatz zu Grunde liegende UN-Resolution den
schrecklichen Krieg in einen Waffenstillstand überführt habe.
Jetzt gehe es darum, daraus einen dauerhaften Waffenstillstand zu
machen.
(Quellen: ap, afp)
Sudan will keine UN-Truppen in Darfur akzeptieren
Mi.20.09.06 - Der Sudan will in der Bürgerkriegsregion Darfur unter keinen
Umständen Friedenstruppen der Vereinten Nationen akzeptieren.
Statt dessen solle die bestehende Friedensmission der Afrikanischen
Union unterstützt werden, sagte der sudanesische Präsident
Omar al Baschir am Rande der UN-Vollversammlung in New York.
Die Situation in Darfur werde von Menschenrechtsgruppen
übertrieben dargestellt, sagte al Baschir, dessen Regierung
vorgeworfen wird, das Vorgehen islamischer Milizen gegen die
afrikanische Bevölkerung der Region zu unterstützen. Die
Menschenrechtsgruppen wollten auf diese Weise ihr Spendenaufkommen
erhöhen, kritisierte der Präsident vor Journalisten in New
York. Es sei eine von Israel verbreitete Lüge, dass sudanesische
Araber gegen die sudanesischen Afrikaner vorgingen. Deshalb lehne seine
Regierung eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel ab.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat im August in einer
Resolution die Entsendung von UN-Friedenstruppen nach Darfur
beschlossen, dies aber von der Zustimmung der sudanesischen Regierung
abhängig gemacht. US-Präsident George W. Bush sagte in seiner
Rede vor der UN-Vollversammlung am Dienstag, dass die Friedenstruppe
der Afrikanischen Union in Darfur nicht stark genug sei, um die
Bevölkerung zu beschützen. Deshalb müssten die Vereinten
Nationen die Führung der Friedensmission übernehmen. Bush
bekräftigte die Haltung seiner Regierung, dass es sich bei der
Gewalt in Darfur um Völkermord handle. Seit 2003 sind in Darfur
mindestens 200.000 Menschen getötet und 2,5 Millionen aus ihren
Wohnorten vertrieben worden.
(Quelle: ap)
Amnesty International ehrt Nelson Mandela
Mi.20.09.06 - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International ehrt Nelson
Mandela mit ihrer höchsten Auszeichnung «Ambassador of
Conscience». Der Preis werde am 1. November in Johannesburg von
Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer überreicht, gab
Amnesty am Dienstag bekannt. Damit solle das Engagement des
früheren südafrikanischen Präsidenten für die
Menschenrechte gewürdigt werden. Amnesty zeichnete mit dem Titel
bislang den früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel,
die Rockgruppe U2 und die ehemalige UN-Hochkommissarin für
Menschenrechte Mary Robinson aus.
(Quelle: ap)
Militär übernimmt Macht in Thailand
Mi.20.09.06 - In Thailand hat sich das Militär an die Macht geputscht. "Der Rat
für politische Reform hat es für nötig befunden, von nun
an die Macht zu übernehmen", erklärte der Kommandeur der
Bodenstreitkräfte, Sonthi Boonyaratglin, in Bangkok. Das
Militär verhängte das Kriegsrecht über die Hauptstadt,
setzte die Verfassung von 1997 außer Kraft und löste
Parlament, Regierung und Verfassungsgericht auf. Ministerpräsident
Thaksin Shinawatra ließ in New York erklären, er betrachte
sich noch immer als Regierungschef und verhängte den
Ausnahmezustand über das Land. Unterdessen empfing König
Bhumibol Adulyadej Sonthi sowie die Chefs von Marine und Luftwaffe.
Die Lage in Bangkok war zunächst unübersichtlich. In einer
Fernsehansprache sagte Thaksin, er habe General Ruengroj Mahakalanon
beauftragt, die Lage zu kontrollieren. Der Kommandeur der
Bodenstreitkräfte, Generalleutnant Sonthi, sei abgelöst.
Thaksin machte Sonthi für den Putsch verantwortlich. In Bangkok
drangen laut Augenzeugen Anhänger Sonthis in den Amtssitz des
Regierungschefs ein. In den Straßen fuhren Panzer auf,
Augenzeugen beobachteten schwer bewaffnete Soldaten.
Das Fernsehen in Bangkok berichtete, Militär und Polizei seien
"loyal zum König", dem 78-jährigen Bhumibol, und wollten
"Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten". Der "Rat für politische
Reform" habe die Kontrolle übernommen und die Bürger zur
Kooperation aufgerufen. Nach Angaben eines ranghohen Militärs
waren offenbar alle sechs Fernsehsender und mehrere Radiosender in
Bangkok in der Hand der Aufständischen.
Thailand befinde sich in einer "Notlage", sagte Thaksin. Der
Regierungschef hielt sich bei der UNO in New York auf, wo er nach den
ursprünglichen Planungen am Mittwoch vor der Vollversammlung
sprechen wollte. Die Rede wurde auf Dienstag vorverlegt. Dabei werde
sich der 57-Jährige zur Lage in seinem Land äußern,
sagte ein Vertrauter in New York. Der Ministerpräsident sei
"ziemlich ruhig".
"Wir erwarten, dass die Thailänder ihre politischen Differenzen
friedlich und in Übereinstimmung mit den Prinzipien der Demokratie
und des Rechts lösen", sagte ein Sprecher des
US-Außenministeriums in Washington. Ähnlich
äußerte sich ein Sprecher des Außenministeriums in
London.
(Quelle: ap)
Malaysia und der Iran zeigen sich nach Papst-Äußerungen
versöhnlich
Mi.20.09.06 - Trotz anhaltender Proteste von Muslimen in der ganzen Welt gegen die
Äußerungen des Papstes zum Islam haben sich Malaysia und der
Iran versöhnlich gezeigt. Der malaysische Ministerpräsident
Abdullah Ahmad Badawi akzeptierte die Erklärung des Papstes. In
Zukunft müsse Benedikt jedoch Bemerkungen vermeiden, die Muslime
beleidigen könnten, sagte Abdullah bei einem Treffen mit
US-Präsident George W. Bush in New York.
Bislang hatte Malaysia, das den Vorsitz der Organisation der
Islamischen Konferenz innehat, eine vollständig Entschuldigung und
eine Rücknahme der Äußerungen Benedikts verlangt. Bush
sagte während des Treffens mit Abdullah, das Bedauern des Papstes
sei aufrichtig gemeint. Versöhnlich gab sich auch der iranische
Präsident Mahmud Ahmadinedschad. «Was das Thema der
Papst-Äußerungen angeht, so respektieren wir den Papst und
alle, die interessiert sind an Frieden und Gerechtigkeit», sagte
Ahmadinedschad in einer Pressekonferenz zum Abschluss seines
zweitägigen Besuchs in Venezuela.
In anderen Ländern wollte man die Erklärung des Papstes nicht
hinnehmen. So bezeichnete der Mufti von Jerusalem, Mohammed Hussein, die
bisherige Reaktion des Vatikans auf die Verärgerung der Muslime
als unzureichend. Der Papst müsse sich öffentlich und
persönlich bei den 1,5 Milliarden Muslimen in der Welt
entschuldigen. Der Mufti forderte die Palästinenser auf, die
Angriffe auf Kirchen in den Autonomiegebieten zu stoppen, machte aber
gleichzeitig den Papst für die öffentliche Verärgerung
verantwortlich. Auch das irakische Parlament forderte am Dienstag eine
«klare Entschuldigung» vom Pontifex.
In der Türkei verlangten viele Muslime eine Entschuldigung des
Papstes vor dem für Ende November geplanten Besuch. Mitglieder
einer religiösen Arbeiterbewegung forderten das Justizministerium
auf, den Papst andernfalls bei seiner Ankunft in der Türkei
festzunehmen und wegen Beleidigung des Islams vor Gericht zu stellen.
Der Chefredakteur der englischsprachigen Zeitung «The New
Anatolian», Ilnur Cevik, schrieb in einem Kommentar, der Papst
müsse vor seinem Besuch in der Türkei die Muslime direkt
ansprechen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche müsse die Massen
überzeugen, dass er kein Feind des Islams sei. Wenn das nicht
gelinge, werde es dem türkischen Volk schwer fallen, dem Papst
einen warmen Empfang zu bereiten. Cevik beschrieb den Besuch jedoch auch
als eine Chance, Vorurteilte auf beiden Seiten abzubauen. Der Papst
wurde vom türkischen Präsidenten Ahmet Necdet Sezer
eingeladen und wird am 28. November in der Türkei erwartet.
Der Papst hatte in einer Vorlesung an der Regensburger Universität
einen byzantinischen Kaiser aus dem 14. Jahrhundert mit den Worten
zitiert, der Prophet Mohammed habe nur Schlechtes und Inhumanes
gebracht, indem er für die Verbreitung des Glaubens mit dem Schwert
eingetreten sei. Benedikt bedauerte inzwischen, dass dieses Zitat
Muslimen in aller Welt als Beleidigung aufgefasst worden sei und
stellte klar, dass es in keiner Weise seine eigenen Gedanken wiedergebe.
(Quelle: ap)
Weltbank will Entwicklungsländern bei Anpassung an Klimawandel
helfen
Mi.20.09.06 - Die Weltbank will die Entwicklungsländer stärker bei der
Anpassung an den Klimawandel unterstützen. Der Chefwissenschaftler
der Organisation, Bob Watson, erklärte am Dienstag in Bangkok, die
Klimaveränderungen gefährdeten bis zu 40 Prozent der
Weltbank-Hilfszahlungen in Höhe von insgesamt 20 Milliarden Dollar
(15,7 Milliarden Euro) pro Jahr. Damit sei die Weltbank gezwungen, die
Vergabe der Finanzhilfen neu zu überdenken.
«In den vergangenen zehn Jahren hat jeder anerkannt, dass der
Klimawandel eine großes Risiko für die Entwicklung
bedeutet», sagte Watson. «Aber bisher haben wir uns mehr auf
den Energieteil konzentriert und nicht darauf, wie man sich anpassen
kann.» Jetzt wolle die Weltbank untersuchen, wie empfindlich die
Entwicklungsländer auf extreme Wetterlagen wie
Überschwemmungen reagierten.
Umweltgruppen kritisierten die Weltbank als scheinheilig. Sie
erklärten, die Organisation finanzieren noch immer Kohlekraftwerke
und andere Energieprojekte, die gewaltige Mengen an Treibhausgasen
freisetzten. Außerdem werde ihre Führung von Ländern wie
den USA dominiert, die erheblich zur globalen Erwärmung
beitrügen.
(Quelle: ap)
Ungarn: Etwa 50 Verletzte in zweiter Nacht der Gewalt in Budapest
Mi.20.09.06 - Die ungarische Hauptstadt Budapest hat eine zweite Nacht gewaltsamer
Proteste gegen die sozialistische Regierung erlebt. Dabei wurden etwa 50
Menschen verletzt. Anders als in der Nacht zuvor gingen gewaltbereite
Demonstranten in kleinen Gruppen gegen die Polizei vor. Ein Beamter
wurde nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur MTI schwer
verletzt, 50 Demonstranten wurden festgenommen.
Im Anschluss an eine Kundgebung von etwa 10.000 Regierungsgegnern auf
dem Kossuth-Platz vor dem neogotischen Parlamentsgebäude bewarfen
kleinere Gruppen von Demonstranten die Polizei mit Steinen und Flaschen.
Ein Polizeiauto und mehrere Müllbehälter gingen in Flammen
auf. Die Regierungsgegner blockierten eine Kreuzung im Stadtzentrum mit
Müllcontainern und Parkbänken. Rund 1.000 Polizisten waren
nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur MTI im Einsatz,
auch berittene Polizisten gingen gegen Demonstranten vor.
Mit Wasserwerfern hinderten die Beamten die Menge daran, zur Zentrale
der sozialistischen Partei zu gelangen. In der Nacht zum Dienstag waren
Demonstranten in die Sendezentrale des staatlichen Fernsehens
eingedrungen; bei den Krawallen wurden mehr als 100 Menschen verletzt
worden.
Auslöser der Unruhen war die Veröffentlichung eines
Tonbandprotokolls aus einer Fraktionssitzung der regierenden
Sozialisten (MZSP). Demnach sagte Ministerpräsident Ferenc
Gyurcsany kurz nach der Parlamentswahl vom 23. April, er habe die
Öffentlichkeit über den Zustand der Wirtschaft belogen, um
seine Wiederwahl zu sichern.
Den Forderungen nach einem Rücktritt der Regierung schloss sich
auch Oppositionsführer Viktor Orban vom Ungarischen
Bürgerbund (FIDESZ) an. Er bezeichnete Gyurcsany als
«kranken, lügnerischen Dilettanten». Der
Regierungschef lehnte die Forderungen ab. «Ich bleibe und ich
erledige meinen Job», sagte Gyurcsany der Nachrichtenagentur AP.
(Quelle: ap)
Tonbandprotokoll aus Fraktionssitzung der ungarischen Sozialisten
Die Veröffentlichung eines Tonbandprotokolls aus einer
Fraktionssitzung der regierenden Sozialisten hat in Ungarn schwere
Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei
ausgelöst. Demnach sagte Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany
kurz nach der Parlamentswahl vom 23. April, er habe die
Öffentlichkeit über den Zustand der Wirtschaft belogen, um
seine Wiederwahl zu sichern. Er erklärte: «Wir haben am
Morgen, am Abend und in der Nacht gelogen.» Seine Regierung habe
durch «hunderte Tricks» und «göttliche
Vorsehung» die Wahl gewonnen. Über die Arbeit der Regierung
sagte der Ministerpräsident: «Wir haben es vermasselt. Nicht
nur ein bisschen, sondern richtig.» Zudem sagte er: «Kein
Europäisches Land hat etwas so Dummes getan wie wir.» Weiter
hieß es: «Ich bin fast gestorben, als wir eineinhalb Jahre
vorgeben mussten zu regieren. Stattdessen haben wir am Morgen, am Abend
und in der Nacht gelogen.» Gyurcsany hatte am Sonntag die
Authentizität des Tonbandprotokolls bestätigt. Wie es an die
Öffentlichkeit gelangte, war nicht bekannt.
Quelle: ap, 19.09.2006
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Deutschland
Trotz Merkel-Mahnung - Zweifel an Gesundheits-Einigung
Mi.20.09.06 - Die Gesundheitsreform wird für die große Koalition zur
Zerreißprobe: Erstmals forderte auch ein führender CSU-
Koalitionspolitiker gravierende Änderungen an den gemeinsam
vereinbarten Reform-Eckpunkten.
Die SPD reagierte empört und lehnte ein Aufschnüren des
Paketes ab. Damit scheint der Zeitplan ins Wanken zu geraten. Die
Mahnung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), es auf eine Einigung
im Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag ankommen zu
lassen, stieß in der Union auf Kritik.
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer plädierte am Dienstag
dafür, die für Mitte Oktober vorgesehene Entscheidung im
Bundeskabinett notfalls zu verschieben. Zunächst müsse eine
Einigung mit den Ländern erreicht werden. Er forderte auch die SPD
auf, die Begrenzung bei der Zusatzprämie auf ein Prozent des
Haushaltseinkommens fallen zu lassen und wandte sich auch gegen den
geplanten Kassen-Finanzausgleich. Eine Kompromisssuche im
Vermittlungsverfahren halte er für die schlechteste Lösung.
Er attackierte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erneut heftig.
«Am Donnerstag wird es keine Einigung geben, weil die Lücken
noch zu groß sind», sagte Ramsauer. Dagegen hatte
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Zöller (CSU) noch am Vortag seine
Einschätzung bekräftigt, es gebe eine Chance, dass die
Expertengruppe von CDU, CSU und SPD zur Gesundheitsreform ihre
Beratungen an diesem Donnerstag abschließen kann.
Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD)
lehnte als Mitglied der Expertengruppe ein «Nachverhandeln»
strikt ab. Dies gefährde das gesamte Reformpaket, sagte sie in
Mainz. SPD- Vize Elke Ferner nannte die CSU-Kritik
«unerträglich». Es könne doch nicht sein, dass
jene, die die Eckpunkte mit unterzeichnet hätten, diese nun wieder
in Frage stellen. Ein solches Verhalten sei «an Unberechenbarkeit
kaum zu überbieten», sagte sie dem
«Handelsblatt» (Mittwoch).
Ferner, die auch Mitglied der Expertengruppe ist, hält die Chancen
für gering, dass es an diesem Donnerstag eine Einigung geben wird.
«Ich sehe derzeit nicht, worauf wir uns verständigen
können, nachdem Vertreter der Union wichtige Reformeckpunkte in
Frage gestellt haben.» Für die SPD sei der umstrittene
Gesundheitsfonds nur akzeptabel, wenn er mit einem Finanzausgleich
verknüpft werde, der auch unterschiedliche Krankheitsrisiken
berücksichtige, betonte Ferner.
Nach einem von den Unionsmitgliedern des Gremiums vorgelegten
Kompromissvorschlag soll der Ausgleich der Krankheitsrisiken auf 30
besonders schwere Krankheiten begrenzt werden. Im Berliner
«Tagesspiegel» (Mittwoch) forderte sie wie auch
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil die Union zur Koalitionstreue
und zur Einhaltung der Eckpunkte auf.
Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) sagte der
«Berliner Zeitung», er könne sich nicht vorstellen,
dass es die Ein-Prozent-Grenze nach Verabschiedung des Gesetzes noch
gebe. Er zeigte sich offen dafür, das Inkrafttreten der Reform
weiter zu verschieben. Auch Hessens Sozialministerin Silke
Lautenschläger (CDU) bekräftigte ihren Ruf nach Änderung
der Reformpläne, «zur Not auch im
Bundesratsverfahren», sagte sie im Deutschlandradio Kultur, Sie
wies den Vorwurf zurück, die CDU sei ein unzuverlässiger
Partner.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Montag nach der
Präsidiumssitzung deutlich gemacht, dass sie sich im Streit
über die Reform von den Unionsministerpräsidenten nicht
länger Tempo und Inhalt der Debatte vorschreiben lassen will. Wie
zuvor schon Vize- Kanzler Franz Müntefering (SPD) stellte sie
klar, dass der Konflikt notfalls auch erst im Vermittlungsausschuss von
Bundestag und Bundesrat beigelegt werden könnte. Mit dem
Festhalten an ihrer Kritik lassen es die unionsregierten
Bundesländer ganz offensichtlich auf eine Machtprobe mit der
Kanzlerin ankommen.
(Quelle: dpa)
Wirtschaft protestiert gegen Mindestlohn
Mi.20.09.06 - Die Wirtschaft lehnt die Festlegung von SPD und Gewerkschaften auf
bundesweite Mindestlöhne ab. «Ein Mindestlohn ist
wirtschaftspolitisch total falsch», sagte der
Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen
Industrie (BDI), Ludolf von Wartenberg, der «Frankfurter
Rundschau». Daran ändere auch nichts, dass das mehrstufige
Konzept tariflichen den Vorrang vor gesetzlichen Mindestlöhnen
gebe. Es kommt auf dasselbe heraus», sagte von Wartenberg.
«Die Tür wird damit geöffnet für gesetzliche
Mindestlöhne.»
Der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates Kurt Lauk bezeichnete das
Modell der SPD als «Anschlag auf die Beschäftigungschancen
für Geringqualifizierte». Opfer würden besonders die
Geringqualifizierten, Sozialschwachen und Jugendlichen, erklärte
er. Über 3.000 Kontrollinstanzen seien nötig, um
branchenbezogene Mindestlöhne durchzusetzen. Das laufe auf einen
«schier unglaublichen bürokratischen Aufwand» hinaus.
DGB-Chef Michael Sommer forderte die Union auf, ihren Widerstand
aufzugeben. «Ich setze darauf, dass die Unionsparteien Millionen
Arbeitnehmer nicht länger in Armut hängen lassen
wollen», sagte er. Im Koalitionsvertrag hätten sich CDU und
CSU dazu bekannt, den Niedriglohnsektor neu zu ordnen. Die Menschen
würden «die Regierung daran messen, ob sie dem Lohndumping
Einhalt gebietet». Sommer forderte die Regierung auf, die
tariflichen Mindestlöhne in der Zeitarbeitsbranche für
allgemein verbindlich zu erklären.
(Quelle: ap)
BA-Chef Weise nennt Arbeitsgemeinschaften Konstruktionsfehler
Mi.20.09.06 - Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen
Weise, hält die Arbeitsgemeinschaften in den Kommunen zur Betreuung
Langzeitarbeitsloser für einen Konstruktionsfehler.
«Würden Sie heute zehn Profis in einen Raum sperren und
sagen, ihr kommt erst wieder raus, wenn ihr das ideale Modell gefunden
habt - es wäre sicher nicht die Arbeitsgemeinschaft in der heutigen
Organisationsform auf dem Zettel», sagte der Behördenchef
der Wirtschaftszeitung «Business News».
Er glaube aber dennoch an die Zusammenarbeit zwischen Bundesagentur und
Arbeitsgemeinschaften. «Die BA kann etwas beitragen, was die
Kommunen nicht leisten können: Transparenz etwa oder
Controlling», erklärte er. So könnten sich einzelne
Arbeitsgemeinschaften an den jeweils besser arbeitenden orientieren.
Die hohen Kosten für Hartz IV bezeichnete Weise als
Fehlkalkulation. Er selbst sei an den Berechnungen nicht beteiligt
gewesen. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften sei aber wohl zu gering
eingeschätzt worden. «Das ist nachträglich gesehen ein
Fehler», sagte der Vorstandsvorsitzende der Nürnberger
Bundesagentur.
In dem Interview äußerte er sich auch zu seiner beruflichen
Zukunft. «Die Aufgabe ist noch nicht zu Ende», erklärte
Weise. Er wolle nicht als Manager in die Geschichte eingehen, der etwas
«aufgewirbelt, aber nicht zu Ende gebracht» habe.
(Quelle: ap)
Historiker - Volksparteien für NPD-Erfolge mitverantwortlich
Mi.20.09.06 - CDU und SPD sind nach Ansicht des Historikers Gerhard Besier
mitverantwortlich für die jüngsten Wahlerfolge der
rechtsextremen NPD. Grund sei, dass die beiden Volksparteien derzeit
nicht in der Lage seien, ihre Politik verständlich zu vermitteln,
sagte der Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für
Totalitarismusforschung an der Technischen Universität Dresden am
Dienstag im Interview mit der Nachrichtenagentur ddp.
Die NPD setze hingegen erfolgreich auf radikale, klare Thesen,
«die zwar unsinnig sind, aber den Verzweifelten eine Perspektive
zu eröffnen scheinen». Sowohl der SPD als auch der CDU fehle
dagegen eine solche klare Sprache. Stattdessen verbreiteten die Parteien
in der Wahrnehmung vieler Bürger einen «diffusen
Brei», der von der Bevölkerung nicht verstanden werde,
kritisierte Besier.
Der Extremismusexperte betonte, die Politik der großen Koalition
befördere Unsicherheit und existenzielle Ängste. «Das
ist die politische Atmosphäre, in der radikale Parteien wie die NPD
erfolgreich sein können.» Zugleich kritisierte er den Umgang
der Politik mit der rechtsextremen NPD: «Es gibt keine
inhaltliche Auseinandersetzung mit dieser Partei.« Stattdessen
bemühe man sich um »Tabuisierung und um Symbolpolitik».
(Quelle: ddp)
Staatsrechtler sieht keine Chance für NPD-Verbot
Mi.20.09.06 - Der Staatsrechtler Hans Peter Bull sieht keine Chance mehr für ein
Verbot der NPD. «Nach dieser Rechtsprechung des
Bundesverfassungsgerichts gibt es keine Möglichkeit mehr, ein
Parteienverbot durch zu führen», sagte Bull dem
«Hamburger Abendblatt». Er sei der Meinung, dass das
Gericht 2003 eine falsche Entscheidung getroffen habe, als es das
NPD-Verbotsverfahren scheitern ließ, sagte der damalige
Prozessbevollmächtige der Bundesregierung. Zu Unrecht habe das
Gericht angenommen, dass die NPD durch V-Leute in den
NPD-Führungskadern unter Staatseinfluss gestanden habe. Er
hält künftige Verfahren daher für aussichtslos, weil der
Verfassungsschutz sich dafür von sämtlichen Informanten
trennen müsste.
(Quelle: ap)
Jusos warnen vor einseitigen Strategien gegen Rechts
Mi.20.09.06 - Die Jusos warnen vor einseitigen Strategien im Kampf gegen
Rechtsextremismus. «Man macht es sich leicht, wenn man glaubt,
mit guter Jugendarbeit alleine würde den Nazis das Wasser
abgegraben. Die sozialen Ängste bestehen fort», sagte der
Juso-Vorsitzende Björn Böhning der «Berliner
Zeitung». Wichtig sei es, gleichzeitig mit mehr
Ausbildungsplätzen Jugendlichen Perspektiven zu geben. Für
die Jugendorganisationen der Parteien sei der Aufbau einer Gegenkultur
mit demokratischen Strukturen ein Kampfauftrag, sagte Böhning.
Allerdings sei es ein Problem, dass die Zahl der Parteimitglieder immer
weiter sinke.
(Quelle: ap)
Kinderschutzbund fordert elternunabhängige Grundsicherung für
Kinder
Mi.20.09.06 - Anlässlich des Weltkindertages fordert der Deutsche
Kinderschutzbund in Sachsen eine elternunabhängige Grundsicherung
für Kinder. Sowohl vorschulische als auch schulische Bildung
müssten kostenlos und für jeden zugänglich sein, sagte
der Landesvorsitzende Jobst Schönfelder am Dienstag in Dresden.
Ausreichend Kindergartenplätze und freie Ganztagsschulen wären
erste Schritte in die richtige Richtung, denn Armut beeinträchtige
die Aussicht auf einen guten Schulabschluss und auf eine engmaschige
soziale Vernetzung.
Schönfelder kritisierte die Bundesregierung, der insgesamt noch
klare Zielvorstellungen und Zeitpläne fehlten, um Kinderarmut zu
bekämpfen. In Sachsen sind den Angaben zufolge mehr als 177 000
Kinder von Armut betroffen.
(Quelle: ddp)