Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundvierzehnten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Gewalt nimmt kein Ende - Erneut Dutzende Tote bei Anschlägen.
Prozess gegen Expräsident Saddam Hussein: Human Rights Watch
stellt Unabhängigkeit des Gerichts in Frage
Do.21.09.06 - Binnen 24 Stunden wurden im Irak abermals mehr als 65 Menschen
getötet, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Innerhalb der
vergangenen Woche seien im Großraum Bagdad zudem rund 200 Leichen
von Menschen entdeckt worden, die vor ihrem Tod gefoltert wurden.
Ein Selbstmordattentäter sprengte sich am Mittwoch in der
mittelirakischen Stadt Samarra mit einem Auto in die Luft und riss zehn
Menschen mit in den Tod, wie die Polizei mitteilte. 38 weitere seien
verletzt worden. Der Anschlag galt einem Stammesführer. Die
Autobombe detonierte den Angaben zufolge vor dem Haus von Chalid Filaih
al Bas. Nach der Bombenexplosion schlugen auch zwei Mörsergranaten
in der Nähe des Hauses ein, wie ein Polizeisprecher mitteilte.
Am Abend zuvor wurden bei einem doppelten Bombenanschlag im Norden des
Landes 21 Menschen getötet und 50 verletzt. Die Täter
brachten zunächst eine Autobombe in der Nähe der Kaserne von
Scharkat, 70 Kilometer südlich von Mossul, zur Explosion. Als sich
am Ort der Explosion eine Menschenmenge sammelte, zündete ein
Selbstmordattentäter einen weiteren Sprengsatz.
Im Bagdader Stadtteil Dora riss ein Selbstmordattentäter am
Mittwoch sieben Menschen in den Tod, als er mit einem mit Sprengstoff
beladenen Lastwagen eine Polizeistation rammte. Im Norden der
Hauptstadt wurde bei der Explosion eines Sprengsatzes ein Polizist
getötet. Im Osten Bagdads wurde ein Konvoi der
US-Streitkräfte das Ziel einer am Straßenrand versteckten
Bombe, dabei wurde eine Zivilperson getötet. Im Bezirk Jarmuk im
Westen Bagdads wurde nach Polizeiangaben ein irakischer Soldat bei
einem Angriff auf einen Militärstützpunkt getötet, zwei
weitere Soldaten starben bei einem Angriff in der Gegend von Balad Rus
nordöstlich von Bagdad. Südöstlich von Bagdad wurden die
verstümmelten Leichen eines Polizisten und einer Zivilperson
entdeckt. Die US-Streitkräfte erklärten, sie rechneten
während des Fastenmonats Ramadan mit einem weiteren Anstieg der
Gewalt.
Nach dem Austausch des Vorsitzenden Richters im Prozess gegen
Expräsident Saddam Hussein stellte die Menschenrechtsorganisation
Human Rights Watch die Unabhängigkeit des Gerichts in Frage.
Der Direktor von Human Rights Watch, Richard Dicker, erklärte, die
Entscheidung der irakischen Regierung, Richter Abdullah al Amiri nach
Kritik an seiner Prozessführung zu ersetzen, gefährde die
Neutralität des Gerichts. Saddam Husseins Anwälte
verließen aus Protest den Sitzungssaal. Das Verfahren gegen
Saddam Hussein entspreche nicht den Kriterien eines fairen Prozesses,
hieß es in einer Erklärung des Verteidigerteams.
Al Amiri war am Dienstagabend von seinen Aufgaben in dem
fünfköpfigen Gremium entbunden worden, sein Amt nimmt nun
sein bisheriger Stellvertreter Mohammed Oreibi al Chalifa wahr. Nach
Angaben aus Regierungskreisen in Bagdad hatte das Oberste Tribunal bei
Ministerpräsident Nuri al-Maliki um den Austausch des Richters
gebeten.
Ein Vertrauter des Regierungschefs erklärte, Al Amiri sei unter
anderem wegen eines Kommentars ersetzt worden, in dem er Saddam Hussein
indirekt in Schutz genommen habe. Die Staatsanwaltschaft hatte den
Rücktritt Al Amiris gefordert und kritisiert, dieser habe es
zugelassen, dass Saddam Hussein den Gerichtssaal zum Forum für
seine politischen Ansichten gemacht habe. Kurden und Schiiten hatten
wiederholt erklärt, Al Amiri gehe zu nachsichtig mit dem
Angeklagten um.
Nach einem Streitgespräch zwischen Saddam Hussein und dem Gericht
wurde das Verfahren mit der Aussage zweier Zeugen fortgesetzt. Saddam
Hussein und sechs seiner früheren Mitarbeiter stehen wegen einer
Offensive im Nordirak vor Gericht, die in den 80er Jahren rund 100.000
Kurden das Leben kostete.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 21.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.21.09.05 - Nach britischer Kommando-Aktion in Basra: Irak sieht Beziehungen zu
London nicht in der Krise +++ Vier US-Bürger kommen bei Anschlag im
nordirakischen Mossulums ums Leben +++ Entführter irakischer
Journalist der 'New York Times' tot aufgefunden. Seit
Kriegsbeginn wurden laut Reporter ohne Grenzen 68 Journalisten im Irak
getötet +++ Söldner im Irak agieren unbehelligt von den Behörden -
Angriffe auf Zivilisten vertuscht +++ London erkennt 'Golfkrieg-Syndrom' als Krankheit an...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509210.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Britischer Verteidigungsminister räumt NATO-Fehler in Afghanistan
ein
Do.21.09.06 - Großbritanniens Verteidigungsminister Des Browne hat
Fehleinschätzungen der NATO beim Einsatz in Afghanistan
eingeräumt. Der massive Widerstand der radikalislamischen Taliban
gegen die NATO-geführte Truppe sei überraschend gekommen und
binde "mehr unserer Anstrengungen, als wir erwartet hatten", sagte
Browne am Dienstag in einer Rede in London. Der Widerstand verlangsame
den Prozess des Wiederaufbaus und der Neugestaltung. Browne ließ
durchblicken, dass er sich eine stärkere Beteiligung anderer
NATO-Staaten am derzeitigen Einsatz in dem besonders gefährlichen
Süden Afghanistans wünscht. "Alle Partner sollten bereit sein,
sich dem gleichen Risiko zu stellen", sagte der Minister.
(Quelle: afp)
Vollversammlung der Vereinten Nationen
Konflikt zwischen Venezuela und
USA weiter vertieft - Chavez bezeichnet Bush als Teufel. Italien
ruft zu Dialog zwischen Europa und dem Nahen Osten auf. Israel ruft zu
Widerstand gegen den Iran auf
Do.21.09.06 - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat seinen Konflikt mit
den USA mit einer emotionalen Rede vor der UN-Vollversammlung weiter
vertieft. Er bezeichnete den US-Präsidenten am Mittwoch in New
York als Teufel und warf ihm vor, die Menschen auf der Welt beherrschen
und auszubeuten zu wollen.
«Der Teufel war gestern hier», sagte Chavez mit Blick auf
Bushs Auftritt vor der UN-Vollversammlung am Vortag. Das Podium der
Versammlung rieche immer noch nach Schwefel, sagte Chavez unter
vereinzeltem Applaus, aber auch Gelächter. «Er kam hierher
und redete, als ob ihm die Welt gehört.» Das System der
Vereinten Nationen bezeichnete Chavez als undemokratisch. Insbesondere
kritisierte er das Vetorecht der USA im Sicherheitsrat.
US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte, die
Äußerungen von Chavez seien unpassend für ein
Staatsoberhaupt. Die US-Delegation bleib der Rede fern. Lediglich ein
Protokollant war anwesend. Dies sei bei Ansprachen «von solchen
Regierungen» üblich, sagte der amerikanische UN-botschafter
John Bolton.
Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi rief vor der
Vollversammlung zu einem Dialog zwischen Europa und dem Nahen Osten
auf. Italien liege in der Störungszone zwischen beiden Regionen
und werde daher auf einen engen Meinungsaustausch hinwirken, sagte
Prodi am Mittwoch in New York. Es gebe nicht nur eine islamische Welt,
sondern «hundert oder mehr islamische Welten».
Zum Widerstand gegen den Iran rief die israelische
Außenministerin Zipi Livni die internationale Gemeinschaft auf.
«Es gibt keine größere Herausforderung für unsere
Werte als die durch die iranischen Führer», sagte Livni am
Mittwoch vor der UN-Vollversammlung. Diese prahlten öffentlich mit
ihrem Wunsch, Israel von der Landkarte zu tilgen. Die iranische
Führung strebe die Entwicklung von Waffen zur Vernichtung Israels
an und bedrohe die gesamte Welt, sagte Livni.
Der zyprische Präsident Tassos Papadopoulos rief die Türkei
zur Anerkennung der Inselrepublik auf. Andernfalls sei ein EU-Beitritt
der Türkei undenkbar, sagte Papadopoulos vor der Vollversammlung
der Vereinten Nationen. Zypern wolle einem türkischen EU-Beitritt
nicht im Wege stehen, erklärte Papadopoulos und fügte hinzu:
«Wir unterstützen entschieden die Europa-Orientierung der
Türkei.» Dabei müsse die Regierung in Ankara aber ihre
Verpflichtungen gegenüber der Europäischen Union und damit
auch gegenüber Zypern erfüllen. Hier geht es vor allem um die
Umsetzung eines Zollabkommens zwischen der EU und der Türkei, das
die Öffnung der türkischen Häfen für Schiffe aus
Zypern verlangt.
Zypern ist seit der Invasion türkischer Truppen im Norden der
Mittelmeerinsel geteilt. Das 1974 in Nordzypern errichtete Staatswesen
wird international nicht anerkannt, die auf die Mitte und den
Süden der Insel zurückgedrängte Republik Zypern steht in
enger Verbindung zu Griechenland.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Bush würdigt Abbas als 'Mann des Friedens'. Zahl der
UNIFIL-Truppen im Libanon auf 5.000 Mann gestiegen. Deutsches Parlament
beschließt Libanon-Einsatz
Do.21.09.06 - US-Präsident George W. Bush hat seinen palästinensischen
Kollegen Mahmud Abbas als «Mann des Friedens»
gewürdigt, der helfen könne, den stockenden
Nahost-Friedensgesprächen neuen Auftrieb zu geben. Nach einem
Treffen mit Abbas am Mittwoch am Rande der UN-Vollversammlung in New
York sagte Bush, für eine Lösung des Nahost-Konflikts brauche
es Führungspersönlichkeiten, «die dazu bereit sind, im
Namen der Menschen zu sprechen und zu handeln, die sich nach Frieden
sehnen». Abbas sei eine solche Führungspersönlichkeit.
Der palästinensische Präsident erklärte, sein Volk sei
auf die Unterstützung durch die USA angewiesen. Auch nach dem
Wahlsieg der radikalislamischen Hamas, die eine Anerkennung Israels und
einen Gewaltverzicht ablehnt, wollten die Palästinenser Frieden,
betonte Abbas. Keine Macht der Welt könne die Palästinenser
davon abhalten, sich um eine friedliche Lösung des Konflikts mit
Israel zu bemühen. Bush hatte am Dienstag erklärt, Frieden im
Nahen Osten sei eines der großen Ziele seiner
Präsidentschaft.
Die Zahl der UN-Truppen im Libanon (UNIFIL) hat sich unterdessen auf
5.000 Mann verdoppelt, wie der französische Kommandeur
Generalmajor Alain Pelligrini am Mittwoch mitteilte. Israel hat einem
Abzug seiner Truppen aus dem Süden des Landes zugestimmt, sobald
diese Zahl erreicht ist. Am Dienstag war von einem Abzug
möglicherweise schon bis zum Freitagabend die Rede gewesen. Aus
Militärkreisen verlautete am Mittwoch jedoch, dieser Zeitplan
werde vermutlich nicht eingehalten. Gründe wurden nicht bekannt.
Israel hat noch mehrere tausend Soldaten im Südlibanon
stationiert. Auf dem Höhepunkt des jüngsten Kriegs gegen die
Hisbollah-Miliz waren es schätzungsweise 30.000 gewesen.
Der Weg für den ersten Einsatz deutscher Soldaten im Nahen Osten
seit dem Zweiten Weltkrieg ist frei. Der deutsche Bundestag stimmte am
Mittwoch mit mehr als Zwei-Drittel-Mehrheit der Entsendung von bis zu
2400 Soldaten in den Raum Libanon zu.
Für die Mission votierten in namentlicher Abstimmung 442 von 599
Abgeordneten. 152 Parlamentarier stimmten dagegen, 5 enthielten sich.
Vor der Bundestags-Abstimmung hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
für breite Zustimmung zum Militäreinsatz geworben. Es sei eine
Entscheidung von «historischer Dimension», bekräftigte
sie. Der deutsche Einsatz sei gerade wegen des besonderen
Verhältnisses Deutschlands zu Israel nötig. Es würden
«Lehren aus der deutschen Vergangenheit gezogen», sagte
Merkel.
Für die FDP lehnte Fraktionschef Guido Westerwelle die Entsendung
ab. Deutschland könne gegenüber Israel nicht neutral sein.
SPD-Abgeordnete und Grüne warfen Westerwelle
«Demagogie» vor. Links-Fraktionschef Oskar Lafontaine
begründete seine Ablehnung unter anderem mit möglichen
Terroranschlägen in Deutschland als Folge eines
Bundeswehr-Einsatzes im Nahen Osten.
(Quellen: ap, dpa)
Afrikanische Union verlängert Friedensmission in Darfur
Do.21.09.06 - Die Afrikanische Union (AU) will ihre Friedensmission in der
sudanesischen Krisenregion Darfur bis zum Jahresende verlängern.
Damit solle sichergestellt werden, dass in Darfur weiterhin
internationale Soldaten präsent seien, sagte der Vorsitzende des
Friedens- und Sicherheitsrats der AU und Präsident von Burkina
Faso, Blaise Compaore, am Mittwoch in New York. Der sudanesische
Präsident Omar al Baschir hatte zuvor bekräftigt, dass seine
Regierung unter keinen Umständen Friedenstruppen der Vereinten
Nationen akzeptieren werde.
Die UN würden den verlängerten AU-Einsatz jedoch logistisch
und mit Material unterstützen, erklärte Compaore. Die
Entscheidung sei am Morgen während einer Sitzung des AU-Gremiums
am Rande der UN-Vollversammlung getroffen worden, an der auch
UN-Generalsekretär Kofi Annan und Al Baschir teilgenommen
hätten.
Al Baschir erklärte, die Situation in Darfur werde von
Menschenrechtsgruppen übertrieben dargestellt. Die Organisationen
wollten auf diese Weise ihr Spendenaufkommen erhöhen, kritisierte
der Staatschef. Es sei eine von Israel verbreitete Lüge, dass
sudanesische Araber gegen die sudanesischen Afrikaner vorgingen.
Deshalb lehne seine Regierung eine Normalisierung der Beziehungen zu
Israel ab. Khartum wird vorgeworfen, das Vorgehen islamischer Milizen
gegen die afrikanische Bevölkerung der Region zu unterstützen.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat im August in einer
Resolution die Entsendung von UN-Friedenstruppen nach Darfur
beschlossen, dies aber von der Zustimmung der sudanesischen Regierung
abhängig gemacht. US-Präsident George W. Bush sagte in seiner
Rede vor der UN-Vollversammlung am Dienstag, dass die Friedenstruppe
der AU in Darfur nicht stark genug sei, um die Bevölkerung zu
beschützen. Deshalb müssten die Vereinten Nationen die
Führung der Friedensmission übernehmen. Bush bekräftigte
die Haltung seiner Regierung, dass es sich bei der Gewalt in Darfur um
Völkermord handle. Seit 2003 sind in Darfur mindestens 200.000
Menschen getötet und 2,5 Millionen aus ihren Wohnorten vertrieben
worden.
(Quelle: ap)
Weltweite Forderung nach Intervention
Der Völkermord in Darfur mobilisiert inzwischen auch immer mehr
Intellektuelle in Afrika und darüber hinaus... Mehr in der taz vom 22.09,06:
http://www.taz.de/pt/2006/09/22/a0078.1/text
Rebellen begrüßen Militärputsch in Thailand
Do.21.09.06 - Die muslimischen Rebellen in Thailand haben den Militärputsch in
Bangkok begrüßt. Es sei zu hoffen, dass der Konflikt im
Süden des Landes jetzt gelöst werde, erklärte der im
schwedischen Exil lebende Rebellenführer Lukman Lima am Donnerstag
auf eine E-Mail-Anfrage der Nachrichtenagentur AP. Der neue Machthaber
Sondhi Boonyaratkalin sei der Einzige, der die Probleme in den
Südprovinzen kenne.
Zugleich kündigte der Vizepräsident der Vereinigten
Befreiungsorganisation Pattani (PULO) die Fortsetzung des bewaffneten
Widerstands an: «Wir werden kämpfen, bis in Pattani die
völlige Unabhängigkeit erreicht ist.» In den Provinzen
Pattani, Narathiwat und Provinzen sind seit Beginn des Aufstands im
Januar 2005 mehr als 800 Menschen ums Leben gekommen. Die muslimischen
Bewohner in Südthailand werfen der Regierung in Bangkok
Diskriminierung vor und fordern Selbstbestimmung.
Die Streitkräfte ernannten den muslimischen General Sondhi zum
neuen Ministerpräsidenten. Zugleich kündigten sie an, dass
die als Rat für Verwaltungsreform bezeichnete Junta nach einer
Übergangszeit einen zivilen Regierungschef berufen und eine
provisorische Verfassung vorbereiten werde.
Der entmachtete Ministerpräsident Thaksin Shinawatra, der sich
während des Umsturzes vom Dienstag zur UN-Vollversammlung in New
York aufhielt, traf unterdessen in London ein. Ein britischer
Regierungssprecher sagte, der Aufenthalt Thaksins sei privat. Ein
Treffen mit Mitgliedern der Regierung sei nicht geplant. Thaksins
Tochter Pinthongta studiert in London, die Familie soll auch
Immobilienbesitz in der Stadt haben.
(Quelle: ap)
EU-Kommission will offenbar Einwanderungskommissar einsetzen
Do.21.09.06 - Die Europäische Union (EU) will einen eigenständigen
Kommissar für Einwanderungsfragen ernennen. Dies berichtet die
Tageszeitung "Die Welt" unter Berufung auf hochrangige Kreise der
EU-Kommission. Bisher ist EU-Justizkommissar Franco Frattini für
das Thema Einwanderung zuständig. Zudem soll nach Informationen des
Blattes das Ressort des für Verbraucherschutz und
Gesundheitsfragen zuständigen Kommissars Markos Kyprianou in zwei
eigenständige Bereiche geteilt werden.
Hintergrund der Neuordnung sei der geplante Beitritt von Bulgarien und
Rumänien zur EU, der voraussichtlich am 1. Januar kommenden Jahres
erfolgen wird. Der Beitritt der beiden Staaten mache eine Aufstockung
der EU-Kommissare um zwei auf dann 27 notwendig.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso werde die
Neuordnung nach dem Gipfeltreffen der 25 EU-Regierungschefs Mitte
Dezember verkünden.
(Quelle: afp)
Deutschland
Streit über Gesundheitsreform bringt erneuten Verzug
Do.21.09.06 - Nach schweren Zerwürfnissen in der Koalition hat die
Bundesregierung den Fahrplan zur Gesundheitsreform erneut korrigiert:
Das Kabinett wird sich entgegen bisheriger Planung erst in der zweiten
Oktoberhälfte mit dem Gesetzentwurf befassen.
Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU),
über Teilaspekte der Eckpunkte noch einmal mit der SPD reden zu
wollen, belasteten das Koalitionsklima weiter. Ein Zeitungsbericht
über eine mögliche Ablösung von Gesundheitsministerin
Ulla Schmidt (SPD) wurde von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am
Mittwoch dementiert. Schmidt sah sich erneut Kritik aus den Reihen der
Union ausgesetzt.
SPD-Chef Kurt Beck bekräftige, für die Sozialdemokraten seien
die Eckpunkte «die feste Grundlage für die weitere
Gesetzgebung». Er erwarte, dass die Arbeit an der Reform
«verlässlich und unverzüglich» fortgesetzt werde.
Wilhelm sagte, auch die Kanzlerin halte auf Basis der Reformeckpunkte
eine «gute und praktikable» Umsetzung für notwendig.
Sie sei sich mit Schmidt einig, dass die Fachleute von Union und SPD
die Arbeiten an der Reform zügig fortsetzen sollten. An diesem
Donnerstag trifft sich dazu erneut die Expertengruppe aus Bund und
Ländern.
Dem Vernehmen nach erklärte die Kanzlerin am Montag in der
CDU-Präsidiumssitzung, über die Teile der Eckpunkte, die
nicht praktikabel seien, müsse mit der SPD noch einmal geredet
werden. Sie habe dies vor allem auf die von den Sozialdemokraten
durchgesetzte Deckelung des geplanten Zusatzbeitrags für
Versicherte gesetzlicher Krankenkassen bezogen, die mit den geplanten
Einheitsbeträgen nicht auskommen. Wilhelm wollte dies nicht
bestätigen.
Gesundheitsministerin Schmidt wies die Kritik von Merkel und
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer zurück, ihr Ministerium habe
Teile des Gesetzentwurfes zur Gesundheitsreform nicht pünktlich
geliefert. Sie habe die Vorwürfe «mit Verwunderung zur
Kenntnis genommen», sagte Schmidt der «Passauer Neuen
Presse» (Mittwoch).
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte beim
Finanzausgleich der Krankenkassen einen Rabatt für den Freistaat.
Den bayerischen Kassen würden bei bundesweiten
Pauschalbeiträgen 1,7 Milliarden Euro fehlen, sagte er. Das
Gesundheitsministerium wies das zurück. Es gehe um einen Betrag im
zweistelligen Millionenbereich, sagte eine Sprecherin. Stoiber warf
Schmidt vor, der Arbeitsentwurf aus ihrem Hause sei «alles andere
als ein Abbild der Eckpunkte».
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Zöller (CSU) wies bei einer
DGB-Tagung den Vorwurf aus den eigenen Reihen zurück, mit der
Reform entstehe ein bürokratisches Monstrum. Es sei «sehr
wahrscheinlich», dass sich die Koalition noch in dieser Woche
darauf einige, dass der Beitragseinzug bei den Kassen bleibe. Kritik
äußerte er an Schmidt: «Wenn das
Gesundheitsministerium sich an die verabredeten Zeitpläne hielte,
könnte sich unsere Zusammenarbeit wesentlich besser
gestalten», sagte er dem «Tagesspiegel» (Donnerstag).
SPD-Vize Elke Ferner wies die Kritik der Union an der Ministerin
zurück. «Das sind doch nur Ablenkungsmanöver von der
eigenen Unfähigkeit, sich auf eine einheitliche Linie zu
einigen», sagte sie der «Netzeitung». Die
Vorwürfe seien «völlig ungerechtfertigt».
Thüringens Regierungschef Dieter Althaus (CDU) rief seine
Ministerpräsidenten-Kollegen zu mehr Geschlossenheit auf.
«Ich hoffe, dass jeder seine Verantwortung als nationale
Verantwortung wahrnimmt und nicht nur an sein Bundesland denkt»,
sagte er der «Bild»-Zeitung (Donnerstag). DGB-Chef Michael
Sommer forderte, die Eckpunkte zu überdenken. Die Reform sei
«nicht der große Wurf, sondern der große
Reformkrüppel». Ver.di-Chef Frank Bsirske plädierte
für einen Neuanfang: «Die Eckpunkte müssen neu
ausgehandelt werden», sagte er der «Netzeitung».
Nach einer Emnid-Umfrage für den Sender N24 kennt die Mehrheit der
Bundesbürger das Reformkonzept nicht. Danach zeigten sich 59
Prozent ahnungslos. 55 Prozent sprachen sich dafür aus, das
Nebeneinander von gesetzlichen und privaten Kassen zu erhalten.
(Quelle: dpa)
US-Ökonom - Deutsche Politiker ohne Strategie für Arbeitsmarkt
Do.21.09.06 - Die Arbeitslosigkeit in Deutschland kann nach Einschätzung des
renommierten US-Ökonomen und Regierungsberaters Jeremy Rifkin in
großem Umfang nur durch die Nutzung neuer Technologien sinken.
"Durch die Koppelung von umweltverträglicher Energie-Gewinnung und
Kommunikation könnten neue Jobs entstehen", sagte Rifkin in einem
am Mittwoch veröffentlichten Reuters-Interview. Die aktuelle
Debatte um die Einführung von Kombilöhnen in Deutschland
zeige, dass Politiker zu kurzfristig dächten: "Als Krücke, um
den Menschen zu helfen, sind Kombilöhne in Ordnung. Solche
kurzfristigen Maßnahmen ersetzen aber niemals eine nachhaltige und
breit angelegte Strategie", sagte der Gründer und Präsident
der Washingtoner Denkfabrik Foundation on Economic Trends (FOET).
Deutschland brauche einen flexibleren Arbeitsmarkt. "Das gilt für
beide Parteien, für Arbeitnehmer und Unternehmer." Das Beispiel
Dänemark zeige, wie erfolgreich dieser Weg sei.
Deutschen Politikern fehlen Rikfin zufolge Zukunftsstrategien zur
Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft: "Deutschland braucht
Politiker, die den Willen haben, in der Öffentlichkeit große
Visionen zu vertreten." Das gelte auch für die Bundesregierung.
"Die Frage ist doch, was die große Koalition zusammen hält",
sagte der an der Wharton School der University of Pennsylvania
promovierte Ökonom. Die Regierung unter Bundeskanzlerin Angela
Merkel habe keine großen Ideen. Rifkin weilte unter anderem im
März auf Merkels Einladung in Berlin und lieferte sich mit dem Chef
des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, einen Schlagabtausch. Der vom
National Journal zu den einflussreichsten Amerikanern gezählte
Wissenschaftler war auch Berater der früheren EU-Kommission von
Romano Prodi.
Eine solche Vision sei die Etablierung eines neuen Energie-Regimes,
sagte Rifkin. Die flächendeckende Einführung der
Brennstoffzelle wäre ein möglicher Weg: "Damit hätte
jeder sein eigenes kleines Kraftwerk. Zu viel erzeugte Energie
könnten alle ins Stromnetz einspeisen und per Internet abrechnen.
"Deutschland muss endlich mit der dritten industriellen Revolution
beginnen", mahnte Rifkin. Die Zeit sei reif nach der ersten
industriellen Revolution, die mit der Erfindung der Dampfmaschine
begann, und der zweiten industriellen Revolution mit der weltweiten
Nutzung von Computer und Internet.
Auch die Europäische Union brauche ein großes gemeinsames
Projekt. "Wenn Europa es schafft, eine integrierte Infrastruktur
aufzubauen, wird es stärker werden als die USA."
Seit Ende der 70er Jahre ist Rifkin als Kritiker gesellschaftlicher
Missstände öffentlich präsent. In Deutschland wurde er
auch durch seine Bücher bekannt, zum Beispiel "Das Ende der Arbeit
und ihre Zukunft", "Access" oder "Der europäische Traum. Die Vision
einer leisen Supermacht". Die FOET ist eine Non-Profit-Organisation,
die aktuelle Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie verfolgt
sowie deren Folgen auf Umwelt, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft.
(Quelle: rtr)
Bundesarbeitsgericht klärt Gewerkschaftsbegriff
Do.21.09.06 - Gewerkschaften sind nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts
Arbeitnehmervereinigungen, die in der Lage sind, Tarifverträge
abzuschließen. Die Rechte, die ihnen das Betriebsverfassungsgesetz
einräume, könnten deshalb nicht von Arbeitnehmervereinigungen
in Anspruch genommen werden, denen es an der zur Tariffähigkeit
erforderlichen sozialen Macht fehle, erklärte der erste Senat des
Bundesarbeitsgerichts am Mittwoch in Erfurt.
Damit wiesen die obersten deutschen Arbeitsrichter - wie auch schon die
Vorinstanzen - eine Klage des nicht tariffähigen Verbandes der
Gewerkschaftsbeschäftigten (VGB) ab. Die Befugnisse der
Gewerkschaften bestünden im Interesse der
betriebsverfassungsrechtlichen und tarifrechtlichen Ordnung. Ihre
effektive Wahrnehmung verlange nicht nur eine leistungsfähige
Organisation, sondern auch die Bereitschaft und die Fähigkeit, den
komplexen Verflechtungen und Wechselwirkungen von Tarif- und
Betriebsverfassungsrecht Rechnung zu tragen, hieß es zur
Begründung.
(Aktenzeichen: Bundesarbeitsgericht Erfurt - 1 ABR 53/05)
(Quelle: ap)
Empörung über Erhöhung von
Siemens-Vorstandsgehältern
Do.21.09.06 - Die geplante satte Erhöhung der Vorstandsgehälter bei Siemens
hat Empörung bei Spitzenpolitikern der großen Koalition
ausgelöst. SPD-Fraktionschef Peter Struck bezeichnete den Schritt
in der "Bild"-Zeitung als "instinktlos" in Zeiten, in denen es vielen
Menschen darum gehe, das Überleben mit einem Mindestlohn zu
sichern. Auch der saarländische Ministerpräsident Peter
Müller (CDU) nannte die Pläne "verwerflich und geschmacklos".
Die Gehälter der Siemens-Vorstände sollen im kommenden
Geschäftsjahr im Schnitt um 30 Prozent erhöht werden.
Der Vorsitzende der Linksfraktion, Oskar Lafontaine, nannte die
Empörung bei CDU und SPD indessen "unglaubwürdig". Die
Bundesregierung habe bisher nichts unternommen, "um einer solchen
Maßlosigkeit in den Führungsetagen deutscher Unternehmen
einen Riegel vorzuschieben", kritisierte er.
Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer hatte den Anstieg der
Vorstandsgehälter damit begründet, dass die Topmanager des
Münchner Konzerns im Vergleich mit den Vorständen anderer
vergleichbarer Unternehmen schlecht abschnitten.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte dazu jedoch der
"Bild"-Zeitung: "Verantwortliche Manager dürfen sich nicht immer
mehr Geld in die eigene Tasche scheffeln." Vielmehr müssten die von
hart arbeitenden Menschen erwirtschafteten Gewinne vor allem in neue
Ausbildungs- und Arbeitsplätze investiert werden.
Auch der saarländische SPD-Chef Heiko Maas nannte die
Gehaltserhöhungen "instinktlos und skandalös", wobei er auf
die schwierige Situation der verlustreichen IT-Tochter von Siemens
verwies. Die Pläne zeigten, wie unsensibel Unternehmensleitungen
agierten, erklärte Maas in Saarbrücken: "Während sie von
den eigenen Beschäftigten verlangen, den Gürtel enger zu
schnallen, greifen sie selbst ungeniert in die Kasse."
Auch Saar-Ministerpräsident Müller kritisierte in "Bild", er
könne nicht nachvollziehen, wenn einerseits den Arbeitnehmern immer
wieder Opfer abverlangt, mit Massenentlassungen gedroht und diese sogar
durchgezogen würden, andererseits aber die Vorstandsgehälter
um zweistellige Prozentsätze stiegen.
(Quelle: afp)
Umweltminister Gabriel droht Stromkonzernen mit Eingriffen
Do.21.09.06 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel dringt auf mehr Wettbewerb im
Strommarkt und hat den Energiekonzernen mit staatlichen Eingriffen zur
Durchsetzung dieses Ziels gedroht. Im ARD-Morgenmagazin übte der
SPD-Politiker am Mittwoch zugleich scharfe Kritik an den hohen
Preissteigerungen der Stromerzeuger in Deutschland.
Gabriel nannte es ein «ziemliches Ding», dass die
Energiekonzerne sagten, wenn sich der Staat nicht so verhalte, wie sie
es gerne möchten, würden sie in Deutschland nicht mehr
investieren. «Das nähert sich dem Begriff von
Erpressung», sagte der Minister in dem Fernsehinterview. Die
Regulierer sollten die Energiemärkte stärker kontrollieren. Es
gehe um mehr Wettbewerb und mehr Anbieter, aber nicht um eine
Verstaatlichung der Netze, erläuterte Gabriel seine Pläne.
Wer Energie erzeuge, solle nicht gleichzeitig Eigentümer der Netze
sein, sondern gegebenenfalls die Netze verkaufen müssen, wie es in
Schweden bereits der Fall gewesen sei. Ziel sei, dass neue Anbieter
nicht gehindert werden könnten, ans Netz zu gehen. «Wir haben
zu wenig Wettbewerber», kritisierte Gabriel weiter. Deshalb
müsse man dafür sorgen, dass neue Anbieter auf den Markt
kommen und neue Kraftwerksbetreiber auch die Chance haben, ihren Strom
ins Netz zu bringen.
Aufgabe des Staates sei es nicht, Preise festzusetzen oder in den Markt
selber einzugreifen, wohl aber dafür zu sorgen, dass der Markt
überhaupt einmal ins Laufen komme. Gabriel kritisierte, dass 80
Prozent der Erzeugungskapazitäten in der Bundesrepublik bei nur
vier Eigentümern und Produzenten lägen. Außerdem habe es
in Deutschland bei Strom seit dem Jahr 2000 für Privatkunden
über 40 Prozent Preissteigerung gegeben, während es im
restlichen Europa nur neun Prozent gewesen seien. «Es gibt
Länder, die haben viel höhere Energiesteuern und geringere
Strompreissteigerungen», sagte der Umweltminister. Deshalb
müsse der Staat neuen Wettbewerbern die Chance geben, in den Markt
zu kommen.
In einem Interview der «Rheinischen Post» warf Gabriel der
Industrie außerdem vor, ihre Zusagen zum Ausbau der
Kraft-Wärme-Kopplung bei weitem nicht einzuhalten. «Selbst
die zurückhaltendsten Berechnungen unterstellen, dass die
Wirtschaft das selbstgesteckte Ziel um bis zu 40 Prozent verfehlen
wird», beklagte der Minister und sagte: «Damit können
wir uns nicht zufrieden geben, weil das die effizienteste Form der
Energieversorgung ist.» Gabriel kündigte an, das Thema auf
dem nächsten Energiegipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel am 9.
Oktober anzusprechen.
In der deutschen Industrie gebe es noch riesige Potenziale zur
Vermeidung von Energieverlusten, betonte der SPD-Politiker weiter. Zwei
Drittel der strombetriebenen Anlagen hätten nicht einmal eine
Energie sparende Drehstrom-Regelung. «Wir müssen klären,
wie dies freiwillig mehr genutzt wird und was der Gesetzgeber tun kann,
bis hin zur Normung», wird Gabriel weiter zitiert.
(Quelle: ap)
Waschmittel und Seife muss künftig komplett biologisch abbaubar
sein
Do.21.09.06 - Alle in Deutschland verkauften Seifen, Wasch- und Reinigungsmittel
müssen künftig komplett biologisch abbaubar sein. Das
Bundeskabinett beschloss am Mittwoch einen Gesetzentwurf, der
entsprechende EU-Vorgaben vom Oktober 2005 umsetzt.
Die EU-Detergenzienverordnung enthält nach Angaben des
Umweltministeriums auch schärfere Vorschriften zur Kennzeichnung
der Produkte. So müssen auf den Verpackungen Informationen zu
potenziell Allergie auslösenden Duftstoffen stehen.
Hersteller müssen Angaben zu den Inhaltsstoffe beim Bundesinstitut
für Risikobewertung hinterlegen. Die Daten sollen auch den
Giftinformationszentren der Länder zur Verfügung gestellt
werden. Dies soll die Notfallbehandlung bei Vergiftungen verbessern.
(Quelle: ap)
Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen kräftig gestiegen
Do.21.09.06 - Die bessere Konjunktur hat den deutschen Gemeinden im ersten Halbjahr
deutlich mehr Steuereinnahmen in die Kassen gespült.
Die Gewerbesteuereinnahmen stiegen zum Vorjahreszeitraum um fast ein
Fünftel auf knapp 15 Milliarden Euro, wie das Statistische
Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Insgesamt verbuchten die
Gemeinden und Gemeindeverbände - ohne die Stadtstaaten - in den
ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Zuwachs aller Einnahmen um gut
sechs Prozent auf 71,5 Milliarden Euro. Die Ausgaben lagen mit 73,2
Milliarden Euro um 2,7 Prozent über dem entsprechenden
Vorjahresbetrag. Damit halbierte sich das Finanzierungsdefizit auf 1,7
Milliarden Euro.
Auch der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer erhöhte sich im
ersten Halbjahr um 5,2 Prozent auf knapp fünf Milliarden Euro. Eine
leichte Zunahme um knapp zwei Prozent auf 4,6 Milliarden Euro ergab
sich auch bei den Grundsteuereinnahmen. Rückläufig
entwickelten sich dagegen die Schlüsselzuweisungen der Länder
an die Kommunen. Sie nahmen in den ersten beiden Quartalen um 2,8
Prozent auf 10,8 Milliarden Euro ab. Die investiven Landeszuweisungen
fielen nach diesen Angaben um 7,3 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro.
(Quelle: rtr)
Regierung beschließt Einrichtung einer Anti-Terror-Datei
Do.21.09.06 - Die Bundesregierung hat die lange umstrittene gemeinsame
Anti-Terror-Datei von Polizei und Geheimdiensten auf den Weg gebracht.
In der Datei sollen Informationen über mutmaßliche
Terroristen und ihre Unterstützer von bundesweit 36
Sicherheitsbehörden zusammengeführt werden, die bisher nicht
untereinander ausgetauscht wurden. Zu diesen Behörden zählen
die Polizeien und Verfassungsschutzämter von Bund und
Ländern, sowie der Bundesnachrichtendienst (BND) und der
Militärische Abschirmdienst (MAD).
Der vom Kabinett verabschiedete Entwurf enthält detaillierte
Regelungen zu den Personen und Objekten, die in der Anti-Terror-Datei
gespeichert werden. Das Gesetz soll noch in diesem Jahr vom Bundestag
verabschiedet werden. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz,
Peter Schaar, kritisierte den Entwurf.
Neben sichtbaren Grunddaten wie Name, Geburtsort, frühere
Staatsangehörigkeiten und Foto werden auch verschlüsselte
Daten gespeichert, die eine Gefährdungseinschätzung zulassen.
Die Grunddaten einer Person, die einer terroristischen Vereinigung
angehört oder diese unterstützt, werden grundsätzlich
immer angezeigt. Sie dienen in erster Linie der Identifizierung einer
bestimmten Person oder eines bestimmten Objekts.
Verschlüsselt gespeichert werden Daten zu Führerschein und
Flugerlaubnissen, Bankverbindungen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen,
die Religionszugehörigkeit, sowie Angaben zur Gefährlichkeit
oder zur Gewaltbereitschaft der Person. Es wird offen angezeigt, welche
Behörde über diese Erkenntnisse verfügt. Sie
übermittelt diese sensiblen Daten dann auf Anfrage.
Schaar kritisierte, dass der Entwurf "schwerwiegende
verfassungsrechtliche Risiken" berge. So würden etwa in der Datei
nicht nur Terrorverdächtige erfasst, sondern auch deren
Kontaktpersonen. Dabei sei die Erfassungsschwelle so niedrig, dass
womöglich auch unbeteiligte Personen erfasst würden. Solch
eine Speicherung müsse aber in jedem Fall verhindert werden.
(Quelle: afp)
Justiz kennt offenbar mutmaßliche Entführer El Masris
Do.21.09.06 - Im Entführungsfall des Deutsch-Libanesen Khaled el Masri sind der
deutschen Justiz offenber die Namen der mutmaßlichen
Entführer bekannt. Die Staatsanwaltschaft München habe aus
Spanien eine Liste mit den Namen erhalten, berichtet die
«Süddeutsche Zeitung» (Donnerstagausgabe). «Wir
haben jetzt ganz konkrete Nachfragen an die spanischen
Behörden», sagte Oberstaatsanwalt August Stern dem Blatt.
Vorerst könne er noch keine Haftbefehle beantragen, das
Ermittlungsverfahren laufe weiter gegen Unbekannt.
Die Männer sollen Masri Anfang 2004 von Mazedonien nach
Afghanistan verschleppt haben.
Wie das Blatt berichtet, waren die CIA-Agenten am Tag vor der
Entführung in Palma de Mallorca gelandet und hatten dort in einem
Luxushotel übernachtet. Die spanische Polizei habe im
Frühjahr 2005 anhand des Gästeregisters die Namen der
Verdächtigen ermittelt, bei denen es sich weitgehend um Tarnnamen
handeln dürfte. Ende April dieses Jahres habe die
Staatsanwaltschaft München schließlich um Rechtshilfe in
Spanien gebeten, die Antwort sei eingetroffen.
(Quelle: ap)
Hospiz Stiftung warnt vor Diskussion um 'gerechtes Töten'
Do.21.09.06 - Die Deutsche Hospiz Stiftung hat vor einer gesetzlichen Verankerung des
Tötens auf Verlangen gewarnt. Anlässlich des Juristentages in
Stuttgart sagte der geschäftsführende Vorstand Eugen Brysch,
er habe große Sorge, dass es eine Diskussion um ein gerechtes
Töten gebe. Eine solche Debatte sei ähnlich der über
gerechte Kriege, sagte Brysch am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur.
Das Risiko, dass ein Mensch getötet werde, der wegen Krankheit
nicht mehr in der Lage sei, selbst bestimmt zu urteilen, sei gesetzlich
nicht zu regeln.
«Deshalb werben wir auf dem Juristentag nicht für eine
gesetzliche Regelung», betonte Brysch. Er verwies auf die
Kompetenz der Gerichte, im Einzelfall ein gerechtes Urteil zu
fällen. «Niemand käme auf die Idee, Tötung auf
Verlangen zu relativieren. Diese Einzelfallgerechtigkeit kann nicht der
Gesetzgeber, sondern ein Richter herstellen.»
(Quelle: ap)
Gesundheitsbericht: Deutsche leben länger
Do.21.09.06 - Die Gesundheit der Deutschen hat sich im letzten Jahrzehnt insgesamt
verbessert. Die Lebenserwartung von Frauen ist seit 1990 um 2,8 Jahre
auf 81,6 Jahre gestiegen, Männer werden heute mit 76 Jahren im
Schnitt 3,8 Jahre älter. Das geht aus dem Gesundheitsbericht des
Bundesgesundheitsministeriums hervor.
Doch die Studie zeigt nicht nur positive Ergebnisse: Psychische
Erkrankungen nehmen immer mehr zu; bis 2050 wird sich die Zahl der
Demenz-Patienten auf rund zwei Millionen verdoppelt haben. Auch die Zahl
der Infektionserkrankungen steigt. Sehr resistente
Tuberkulose-Bakterien tauchen vermehrt auf, ein Anstieg der
HIV-Infektionen droht wegen des zurückgehenden Kondomgebrauchs.
Die Ernährungsgewohnheiten bei Männern und Frauen haben sich
verbessert. Die Deutschen essen mehr Obst und Gemüse, mehr
Ballaststoffe und Kohlenhydrate als noch Ende der 80er Jahre. Allerdings
ist auch der Verbrauch von Fast Food, Fertigprodukten und
Nahrungsergänzungsmitteln gestiegen. Bei einigen
Bevölkerungsgruppen besteht zudem eine Unterversorgung mit den
Vitaminen E und D, mit Folsäure, Kalzium und Jod.
Die Studie sieht auch das Risiko steigender
Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Knapp jeder dritte Erwachsene in
Deutschland raucht, jede sechste Frau und jeder dritte Mann trinkt zu
viel Alkohol. Unter Übergewicht leiden die Hälfte der Frauen
sowie zwei Drittel der Männer.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)
Kardinal Lehmann kritisiert 'absichtliche Fehldeutung' des Papstes
Do.21.09.06 - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann,
nimmt Papst Benedikt XVI. gegen Kritik aus der islamischen Welt in
Schutz. Lehmann betonte am Dienstag in Berlin, bei manchen Reaktionen
auf die umstrittenen Äußerungen des Papstes über den
Islam müsse man «nicht nur mangelnde Information
voraussetzen, sondern auch eine absichtliche Fehldeutung
unterstellen».
Auslöser für die Attacken auf das Oberhaupt der katholischen
Kirche war sein Vortrag in der Regensburger Universität in der
vergangenen Woche. Darin zitierte Benedikt XVI. den byzantinischen
Kaiser Manuel II. Palaeologus unter anderem mit dem Satz: «Zeig
mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat - und da wirst du nur
Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat,
den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.»
Lehmann sagte dazu anlässlich des St.-Michael-Jahresempfangs des
Kommissariats der deutschen Bischöfe in der Katholischen Akademie
in Berlin: «Nach meinem Empfinden besteht die einzige
Schwierigkeit darin, dass Papst Benedikt XVI. die Voraussetzungen und
den Hintergrund dieser Aussagen nur kurz streift. Dadurch konnten
Missverständnisse entstehen.» Der Papst habe sich jedoch in
der Vergangenheit immer wieder dafür eingesetzt, dass sich Christen
und Muslime um ein gegenseitiges Verstehen bemühen.
Lehmann mahnte laut Redetext: «Nur ein interreligiöses
Gespräch, das sich offen den Grundfragen der Religion stellt, wird
auch in der Lage sein, die besonders schwierigen und prekären
Probleme aufzugreifen.» Hier sei zunächst die Frage nach der
Gewalt zu nennen. Der Kardinal fügte hinzu: «Alle
großen Religionen kennen die Versuchung, Gewalt im Namen des
Glaubens zu üben oder zu rechtfertigen. Alle sind in der Geschichte
dieser Versuchung auch erlegen.»
Das Schuldbekenntnis der katholischen Kirche, das Papst Johannes
Paul II. im Jahr 2000 abgegeben habe, spreche hier eine klare und
unmissverständliche Sprache. Lehmann betonte: «Dies
vorausgesetzt und ohne falsche Anklagen, Besserwisserei und Dünkel
müssen wir unsere muslimischen Gesprächspartner dann aber auch
damit konfrontieren, dass in der heutigen Weltsituation vorgeblich
religiös motivierte und religiös legitimierte Gewalt ein
Phänomen darstellt, das sich vorwiegend - wenngleich nicht
ausschließlich - am Islam festmacht.»
(Quelle: ddp)