Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundfünfzehnten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Zahl der zivilen Todesopfer hat im Sommer neuen Höchststand erreicht.
Das Land versinkt immer mehr im Chaos. Zehn Terror-Verurteilte im Irak
hingerichtet
Fr.22.09.06 - Die Zahl der zivilen Todesopfer im Irak hat im Sommer einen neuen
Höchststand erreicht. Im Juli und August wurden 6.599 Menschen
getötet, wie die UN-Mission für den Irak in New York
mitteilte. Mehr als drei Viertel der Gewaltakte wurden in der Hauptstadt
Bagdad registriert. Allein im Juli starben 3.590 Menschen einen
gewaltsamen Tod, durchschnittlich mehr als 100 an einem Tag. Im August
kamen 3.009 Menschen bei Anschlägen ums Leben.
Am Donnerstag wurden in Bagdad sechs Polizisten getötet, als ihre
Station mit Mörsern und Feuerwaffen beschossen wurde. Im Süden
der irakischen Hauptstadt kamen vier Zivilpersonen bei einem Angriff
ums Leben, zwei weitere Menschen wurden bei der Explosion einer
Autobombe im Nordosten Bagdads getötet, wie die Polizei mitteilte.
Die US-Streitkräfte meldeten den Tod eines Soldaten am Mittwoch.
Bei Gefechten irakischer und amerikanischer Truppen mit Milizen des
radikalen Schiiten-Führers Muktada al Sadr in Diwanadija seien
sechs irakische Soldaten verwundet worden, berichtete die Polizei.
Die Regierung sieht sich nach einem Bericht der UN-Mission für den
Irak mit einem allgemeinen Zusammenbruch von Recht und Ordnung
konfrontiert. Und nach Einschätzung des amerikanischen Generals
George Casey wandelt sich der Konflikt von einem Kampf gegen die von
den USA angeführten internationalen Truppen zu einem inneren Kampf
um die politische und wirtschaftliche Macht.
Die Sicherheitslage sei in den vergangenen Monaten schlimmer geworden,
räumte Casey, der Oberbefehlshaber der US-Truppen im Irak, am
Donnerstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP ein. Um
Fortschritte zu erzielen, müssten die irakischen Führer eine
gemeinsame Grundlage in wichtigen Fragen finden, die das Land spalteten.
Derzeit wird im Irak nach Einschätzung eines UN-Experten
möglicherweise noch schlimmer gefoltert als unter Saddam Hussein.
Der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Folter,
Manfred Nowak, sagte am Donnerstag in Genf, die meisten Menschen dort
berichteten, «dass die Situation, was die Folter im Irak
betrifft, völlig außer Kontrolle ist». Viele meinten,
es sei schlimmer als zu Zeiten Saddam Husseins. Milizen,
Terrororganisationen, Regierungstruppen und andere missachteten die
Grundsätze einer menschlichen Behandlung von Gefangenen.
Das irakische Verteidigungsministerium berichtete am Donnerstag von
einer neuen Variante der Aufständischen bei
Autobombenanschlägen. Demnach entführen Rebellen
Zivilpersonen mit ihren Autos, präparieren die Fahrzeuge ohne
deren Wissen mit Sprengstoff und lassen sie danach wieder frei. Unter
Drohungen zwingen die Entführer ihre Opfer aber, nach der
Freilassung eine bestimmte Route zu nehmen und sprengen dann das
Fahrzeug etwa an einem Kontrollpunkt ferngesteuert mitsamt dem
ahnungslosen Fahrer in die Luft. In jüngster Vergangenheit habe es
nach Geheimdienstinformationen Anschläge dieser Art gegeben,
erklärte das Verteidigungsministerium.
Im Irak sind am Donnerstag zehn wegen Terrorismus Verurteilte
hingerichtet worden. Nach Angaben aus kurdischen Sicherheitskreisen
gehörten sie einem Terrornetzwerk an, das zwischen 2003 und 2004
Anschläge und Morde im Norden des Landes verübt habe. Sie
hätten die Zugehörigkeit zur Organisation Ansar el Islam
gestanden. Ansar el Islam steht dem El-Kaida-Netzwerk nahe. Neben den
zehn Todesurteilen hatte ein Gericht gegen ein weiteres Mitglied der
Gruppe lebenslange Haft verhängt. Die Hinrichtung fand in Erbil in
der autonomen Region Kurdistan statt. Unter den Hingerichteten war
demnach auch der Chef des Terrornetzwerks.
Die scheidenden italienischen Streitkräfte übertrugen den
Irakern unterdessen die Verantwortung für die Sicherheit für
einer zweite Provinz im Süden des Landes, Dhi Kar.
Ministerpräsident Nuri al-Maliki dankte dem italienischen
Verteidigungsminister Arturo Parisi für die Unterstützung
seines Landes. Italien hat noch 1.600 Soldaten im Irak stationiert, die
meisten in der Hauptstadt der Provinz, Nasirija. Bis Ende des Jahres
sollen sie den Irak verlassen.
Italien hat noch 1.600 Soldaten im Irak stationiert, die meisten in der
Hauptstadt der Provinz, Nasirija. Bis Ende des Jahres sollen sie den
Irak verlassen. «Das italienische Kontingent kehrt zurück.
Der Auftrag ist ausgeführt, die Sicherheit für die Provinz
liegt in Ihren Händen», sagte Parisi. 32 italienische
Soldaten kamen im Irak ums Leben, allein 19 bei einem Bombenangriff auf
eine Kaserne im November 2003. Die Iraker hatten bereits im Juli die
Sicherung der Provinz Muthana im Juli in die eigenen Hände genommen.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 22.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhunderteinundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.22.09.05 - Bei Briten wird Ruf nach Abzug aus Irak lauter +++ Irakische
Sicherheitskräfte angeblich von Aufständischen unterwandert +++
Zwei irakische Journalisten in Mossul erschossen +++ Gefoltert in Abu Ghraib:
Das Bild des gemarterten Haj Ali Al-Qaisi ging im April 2004 um die
Welt. Erstmalig schildert er seine Leidensgeschichte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509220.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Irans Präsident Ahmadinedschad sieht Atomverhandlungen auf
'richtigem Weg'
Fr.22.09.06 - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sieht nach eigenem
Bekunden die Verhandlungen über das Teheraner Atomprogramm
«auf dem richtigen Weg». Die iranische Haltung zu der
geforderten Aussetzung der Urananreicherung sei sehr klar, sagte er am
Donnerstag auf einer Pressekonferenz am Rande der UN-Vollversammlung in
New York. «Unter fairen und gerechten Bedingungen werden wir
darüber verhandeln», erklärte er.
Der Weltsicherheitsrat hatte dem Iran eine Frist bis zum 31. August zum
Stopp der Urananreicherung gesetzt. Die Regierung ignorierte diese
Aufforderung und sieht sich nun mit möglichen Sanktionen
konfrontiert. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac
will die zentrale Bedingung für neue Verhandlungen mit dem Iran
inzwischen fallen lassen: Teheran müsse seine Urananreicherung
nicht vor neuen Gesprächen beenden, sondern erst nach der Aufnahme
neuer Kontakte, sagte Chirac am Montag in einem Radio-Interview. Zudem
sprach sich Chirac dafür aus, den Weltsicherheitsrat zunächst
aus dem Konflikt herauszulassen.
Ahmadinedschad beteuerte auf der Pressekonferenz erneut, dass das
iranische Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken diene
und sein Land nicht nach Atomwaffen strebe. Der Westen vermutet
hingegen, dass der Iran unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung
der Kernenergie an der Herstellung von Atomwaffen arbeitet.
(Quelle: ap)
Bush spricht von möglicher Militäraktion in Pakistan
Fr.22.09.06 - US-Präsident George W. Bush will bei Hinweisen auf Osama bin Laden
oder andere Terrorführer auch eine Militäraktion in Pakistan
anordnen. «Wir würden die erforderlichen Maßnahmen
ergreifen, um sie der Gerechtigkeit zuzuführen», sagte Bush
am Mittwoch dem Fernsehsender CNN. In der vergangenen Woche hatte der
Staats- und Regierungschef noch erklärt, er könne nicht ohne
Zustimmung der pakistanischen Regierung tausende von Soldaten nach
Pakistan schicken, um nach Osama bin Laden zu fahnden. Jetzt sagte er
vor einem Treffen mit dem pakistanischen Präsidenten Pervez
Musharraf: «Ich betrachte Präsident Musharraf als jemand, der
die Al-Kaida gern der Gerechtigkeit überstellen würde. Es
gibt keine Frage, dass es in abgelegenen Regionen Pakistans eine Art
feindliches Territorium gibt, die es jemandem einfach macht, sich zu
verstecken.»
(Quelle: ap)
UN-Experten beklagen erneut Zustände in Guantanamo
Fr.22.09.06 - Eine Expertenkommission der Vereinten Nationen hat erneut die
Zustände im amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba
beklagt. Die fünf Menschenrechtsermittler warfen am Donnerstag den
USA vor, nichts getan zu haben, um das umstrittene Lager für
Terrorverdächtige zu schließen. Die Zustände dort
begünstigten Folter und seien eine Verletzung internationalen
Rechts, hieß es in dem der Menschenrechtskommission in Genf
vorgelegten Bericht. Die USA wiesen die Vorwürfe zurück.
Bei dem Bericht handelt es sich um die Zusammenfassung eines schon im
Februar veröffentlichten Reports, in dem die US-Regierung
aufgefordert wurde, das Lager sofort zu schließen. Die Behandlung
der Gefangenen in Guantanamo laufe auf Folter hinaus, hieß es
damals.
«Wir weisen mit größter Sorge darauf hin, dass die
Regierung keinerlei Schritte unternommen hat, um Guantanamo zu
schließen», erklärten die Autoren.
«Tatsächlich ist ein neuer Lagerblock gebaut worden, der
seit diesem Monat genutzt wird», heißt es in dem Report
weiter, der von der algerischen Mitautorin Leila Zerrougui vorgetragen
wurde. Sie sprach von ernsten Menschenrechtsverletzungen in Guantanamo.
Die USA hätten nichts getan, um diese Dinge abzustellen.
Zerrougui wies auch auf das kürzliche Eingeständnis von
US-Präsident George W. Bush hin, wonach der Geheimdienst CIA in
Übersee Geheimgefängnisse unterhalte. Dies deute auf sehr
ernste Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Jagd nach
mutmaßlichen Terroristen hin und erforderte die dringende
Aufmerksamkeit des Menschenrechtsrats, sagte Zerrougui. Sie kritisierte
auch ein von Bush geplantes neues Gesetz über den Umgang mit
Terrorverdächtigen. Bushs Gesetzentwurf lasse ein Bekenntnis zum
absoluten Folterverbot vermissen. Das Gesetz werde den Gefangenen auch
künftig die minimalsten Standards eines fairen Prozesses verwehren.
Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen in Genf, Warren Tichenor,
warf den Autoren vor, Informationen aus zweiter und dritter Hand in
Presseberichten sowie Angaben von Anwälten der Gefangenen als
Wahrheit hingestellt zu haben. Das Lager Guantanamo werde in Einklang
mit den für bewaffnete Konflikte geltenden Gesetzen oder dem
Völkerrecht betrieben, sagte Tichenor. Die USA seien
außerdem daran interessiert, das Gefangenenlager eines Tages zu
schließen. Erst müssten jedoch Alternativen gefunden werden,
wie sich die USA vor Terroristen schützen könnten. Die USA
haben im Menschenrechtsrat nur Beobachterstatus, weil sie dem
Nachfolgegremium der UN-Menschenrechtskommission nicht angehören.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Palästinenserpräsident Abbas kündigt Anerkennung Israels
durch neue Regierung an. Arabische Staaten sprechen sich für
Erneuerung des Friedensprozesses im Nahen Osten aus. Hamas bewertet
Erklärung des Nahost-Quartetts als Zeichen für Fortschritt
Fr.22.09.06 - Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat der
internationalen Gemeinschaft zugesichert, dass die geplante neue
Regierung das Existenzrecht Israels anerkennen wird. Jede künftige
palästinensische Regierung werde alle Abkommen befolgen, die die
PLO unterzeichnet habe, sagte Abbas am Donnerstag vor der
Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. Dazu gehöre
auch ein Briefwechsel zur gegenseitigen Anerkennung im September 1993.
Die bisherige Alleinregierung der islamisch-fundamentalistischen Hamas
weigert sich, Israel anzuerkennen. Nach monatelanger internationaler
Isolierung hat sich die Hamas in der vergangenen Woche aber bereit
erklärt, eine Koalitionsregierung mit der gemäßigten
Fatah-Bewegung einzugehen, die unter der Führung von Abbas steht.
Die Gespräche zur Bildung einer solchen Regierung der nationalen
Einheit sind zuletzt aber ins Stocken geraten.
Die arabischen Staaten sprachen sich am Rande der UN-Vollversammlung
für die Erneuerung eines breit angelegten Friedensprozesses im
Nahen Osten aus. «Wir haben wahrscheinlich zum ersten Mal einen
Konsens gefunden, der sehr bedeutsam hinsichtlich der Notwendigkeit
ist, den Friedensprozess neu zu starten», sagte der
saudi-arabische Außenminister Prinz Saud al Faisal am Donnerstag
der Nachrichtenagentur AP. Es sei ermutigend, dass US-Präsident
George W. Bush sich wieder verstärkt dem Nahostkonflikt zuwende,
sagte der saudische Außenminister. Die US-Regierung gelange
zunehmend zu der Einsicht, dass eine Friedenslösung zwischen
Israel und den Palästinensern auch ihren anderen Interessen in der
Region diene. Allerdings habe Washington Probleme, in der arabischen
Welt als ehrlicher Vermittler betrachtet zu werden.
Vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte der bahrainische
Außenminister Scheich Chalid Bin Ahmed al Chalifa am Donnerstag
die Aufnahme von Verhandlungen mit einem konkreten Zeitrahmen. Mit
Blick auf den Libanon-Krieg sagte der Minister: «Wir haben in der
Vergangenheit die Schrecken des Krieges gesehen. Unsere Völker
sind aber heute entschlossen, nicht weitere solche Schrecken zu
erleben.» Das Ministertreffen der Sicherheitsratsmitglieder zum
Nahostkonflikt ging ohne gemeinsame Erklärung zu Ende.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte in einem
AP-Interview, die Lösung für den Nahen Osten liege in einem
umfassenden Abkommen, das die Konflikte Israels mit den
Palästinensern ebenso abdecke wie mit Syrien und dem Libanon. Wenn
den Jugendlichen in der arabischen Welt nicht bald neue Hoffnung
geschenkt werde, bestehe die Gefahr, dass eine ganze Generation an den
Extremismus verloren gehe.
Die radikal-muslimische Hamas hat die jüngste Erklärung des
Nahost-Quartetts zur geplanten Einheitsregierung in den
Palästinenser-Gebieten als Fortschritt bewertet.
Die Reaktion des Quartetts sei ein positives Zeichen, das zu einer
Lockerung des Boykotts der Quartett-Staaten führen könne,
sagte ein Sprecher der Bewegung am Donnerstag. "Wir hoffen, dass diese
Haltung zu einem Ende aller Formen der politischen und wirtschaftlichen
Belagerung beiträgt", sagte er. Ein hochrangiger Berater von
Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija sagte, die Erklärung des
Quartetts zeige neue "politische Flexibilität und
Verständnis".
Das Quartett aus USA, Europäischer Union (EU), Vereinten Nationen
(UN) und Russland hatte bei einem Treffen am Rande der
UN-Vollversammlung in New York erklärt, es unterstütze die
Bemühungen von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas um
eine Koalition seiner moderaten Fatah-Bewegung mit der Hamas. Die
Staaten hofften, dass die Koalitionsvereinbarung der Einheitsregierung
die drei Bedingungen widerspiegle, die das Quartett für ein Ende
seines Boykotts gesetzt hat. Die Erklärung galt als deutliche
Lockerung des bisherigen US-Standpunktes in der Frage.
Das Quartett hat von der Hamas die Anerkennung Israels, die Anerkennung
bisheriger Vereinbarungen zwischen den Palästinensern und Israel
sowie einen Gewaltverzicht verlangt, bevor seine Sanktionen aufgehoben
werden. Die Hamas kämpft aber für eine Zerstörung Israels
und hat wiederholt erklärt, das Land nicht anerkennen zu wollen.
(Quellen: rtr, ap)
Spenden für Bevölkerung im Libanon fließen nur
äußerst spärlich
Fr.22.09.06 - Das Wasser ist vielerorts knapp, die Schulen sind seit Wochen
geschlossen, Kinder und Erwachsene müssen dringend über die
Gefahren von Landminen und Streubomben aufgeklärt werden: Für
die Hilfsorganisationen gibt es im Libanon nach wie vor alle Hände
voll zu tun. Der nun beschlossene Einsatz deutscher Soldaten im Rahmen
der UN-Interimstruppe (UNIFIL) wird nach Hoffnung der Organisationen zur
Stabilisierung der krisengeschüttelten Region beitragen und so die
Arbeit der Helfer erleichtern. Bei Spenden für die Not leidende
Bevölkerung halten sich die Deutschen allerdings noch immer
vornehm zurück.
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, ist derzeit unter
anderem damit beschäftigt, bis Mitte Oktober die Schulen im Land
auf Vordermann zu bringen. Vor allem im Süden müssen viele
zerstörte Gebäude wiederaufgebaut werden, wie der Sprecher von
UNICEF Deutschland, Rudi Tarneden, berichtet. Die Organisation will zu
Schulbeginn zudem 350.000 Kindern Rucksäcke mit Schulsachen wie
Stiften und Blöcken zur Verfügung stellen. Daneben
kümmert sich UNICEF laut Tarneden um die Wiedereröffnung von
Krankenhäusern, um die vor allem im umkämpften Südlibanon
zerstörte Wasserversorgung und klärt die Menschen über
die Gefahren von Minen und Blindgängern auf, unter anderem mittels
Aufklebern auf Mineralwasserflaschen.
Den Militäreinsatz will der UNICEF-Sprecher nicht kommentieren. Zu
hoffen sei, dass die Soldaten nicht zu einer erneuten Eskalation
beitragen, sondern die Unsicherheit im Land vertreiben, die wegen der
fehlenden politischen Strukturen über dem Land liege. Dann
würde auch die Arbeit der Helfer leichter, weil Sicherheitsprobleme
und logistische Schwierigkeiten verschwänden, sagt Tarneden.
Doch nicht nur die instabile Lage im Libanon macht den Organisationen
zu schaffen; auch die Zurückhaltung der Spender erschwert ihre
Arbeit. Tarneden sagt, bislang seien bei UNICEF Deutschland 100.000 Euro
eingegangen. Alleine das Schulprogramm aber habe einen geschätzten
Finanzbedarf von zehn Millionen Dollar (7,9 Millionen Euro). Über
äußerst geringe Spendeneingänge berichten auf
AP-Anfrage auch zahlreiche weitere, im Bündnis Aktion Deutschland
Hilft (ADH) zusammengeschlossene Organisationen. Demnach ist bislang
nur ein Bruchteil der benötigten Gelder gespendet worden.
ADH-Sprecherin Janina Niemietz sagt, eigentlich sei dies angesichts der
Art des Nahost-Konflikts nicht verwunderlich. Zum einen schwele er schon
seit Jahrzehnten, zum anderen gebe es keinen eindeutig Schuldigen.
«Da wird dann beim Abendessen über mögliche Spenden
diskutiert, ohne zu einem Ergebnis zu kommen», meint Niemietz.
Außer Informationskampagnen gebe es allerdings nicht viel, was
die Hilfsorganisationen tun könnten, von denen die ADH zehn
vertritt.
Vom niedrigsten Spendeneingang der vergangenen Jahre berichtet die
Sprecherin des ADH-Mitglieds Malteser Hilfsdienst, Claudia Kaminski. Zur
Erklärung verweist sie auf die langjährige Erfahrung, dass
Naturkatastrophen mehr Hilfsbereitschaft auslösten als Kriege.
Allerdings seien beim Einmarsch in den Irak und nach Afghanistan mehr
Gelder geflossen als jetzt beim Krieg im Nahen Osten.
Zur ADH gehört auch die Organisation Care, deren Sprecher Thomas
Schwarz die deutschen Nichtregierungsorganisationen vor allem von der
deutschen Regierung vernachlässigt sieht, die Gelder lieber in
andere Hilfstöpfe stecke.
World-Vision-Sprecherin Iris Manner macht politische Gründe
für die geringe Spendenbereitschaft verantwortlich: «Viele
Menschen denken, da ist viel bewusst kaputt geschossen worden, und
wollen deshalb nicht für den Wiederaufbau zahlen.» Zudem sei
der Libanon im Gegensatz zu zahlreichen anderen Staaten ein relativ gut
entwickeltes Land. Eine Tatsache, die offenbar vielen Menschen
völlig zu Unrecht suggeriert, Spenden seien nicht nötig.
(Quelle: ap)
Gambias Präsident: Wahlausgang egal, ich bleibe an der Macht
Fr.22.09.06 - Kurz vor der Wahl im westafrikanischen Kleinstaat Gambia hat
Präsident Yahya Jammeh angekündigt, dass er unabhängig
vom Wahlergebnis weitere 40 Jahre regieren werde. Damit strafe er all
jene mit Missachtung, die nicht für ihn stimmten, ließ er die
Besucher einer Wahlkundgebung in Serekunda wissen. "Weder Wahlen noch
ein Putsch können mich um die Macht bringen. Der Koran hat
bestimmt, dass Jammeh das Land kontrollieren soll."
Er werde Gambia "noch 40 Jahre lang weiterentwickeln", sagte Jammeh.
Die Entwicklung werde allerdings selektiv vorgenommen: "Ich werde jene
Gebiete entwickeln, die für mich stimmen, aber all jene, die mich
nicht gewählt haben, dürfen nichts erwarten."
An diesem Freitag finden in Gambia Präsidentschaftswahlen statt.
Jammeh hatte sich im Jahr 1994 im Alter von nur 29 Jahren an die Macht
geputscht und das Präsidentenamt seitdem nicht mehr verlassen. Bei
Wahlen 1996 und 2001 gewann er laut offiziellem Ergebnis mit 56 und 53
Prozent. Bei der Wahl am Freitag werden den beiden Gegenkandidaten keine
Chancen eingeräumt.
(Quelle: afp)
China löst laut Amnesty Menschenrechtszusagen nicht ein
Fr.22.09.06 - China hat seine vor der Vergabe der Olympischen Spiele 2008 gemachten
Zusagen über eine Verbesserung der Menschenrechtslage nicht
eingehalten, wie es in einem Bericht von Amnesty International
heißt. Der am Donnerstag veröffentlichte Bericht zählt
eine ganze Reihe von Verstößen auf, darunter die häufige
Anwendung der Todesstrafe, die Entnahme von Organen Hingerichteter
für Transplantationen, die Verfolgung von Menschenrechtsaktivisten
und die Verschärfung der staatlichen Kontrolle über Medien
und Internet.
Darüber hinaus würden Menschen aus ihren Häusern
vertrieben, um Platz für olympische Bauprojekte zu schaffen.
«Schwere Menschenrechtsverstöße werden weiterhin aus
dem ganzen Land gemeldet, was Instabilität und Unzufriedenheit
schürt», heißt es in dem Amnesty-Bericht. Die
Organisation rief die chinesische Regierung zu Reformen auf, um den
Verstößen zu begegnen. Ferner forderte sie das Internationale
Olympische Komitee (IOC) und die olympische Bewegung auf, Druck auf die
chinesischen Behörden auszuüben, politische Gefangene
freizulassen, die Todesstrafe abzuschaffen und Beschränkungen
für die Pressefreiheit zurückzunehmen.
Die Übertragung des US-Fernsehsenders CNN in China wurde am
Donnerstag vorübergehend unterbrochen, wenige Sekunden, nachdem die
Ausstrahlung eines Interviews mit dem Autor des Berichts, Mark Allison,
begonnen hatte. Das IOC erklärte, fast zwei Jahre vor den
Olympischen Spielen sei es zu früh, ein Urteil abzugeben.
Darüber hinaus arbeite das Komitee nicht mit politischem Druck.
In seiner Bewerbung um die Spiele versprach die chinesische
Führung 2001, dass eine Vergabe nach Peking zu einer Verbesserung
der Menschenrechtslage und der Pressefreiheit führen würde.
«Indem Sie Peking gestatten, die Spiele auszutragen, helfen Sie
der Entwicklung der Menschenrechte», zitierte Amnesty Liu Jingmin,
einen Vizepräsidenten des damaligen Bewerbungskomitees.
(Quelle: ap)
Thailändische Armee verbietet jegliche poltische Aktivität
Fr.22.09.06 - Das thailändische Militär hat zwei Tage nach seinem Putsch
alle Parteitreffen und "jegliche politische Aktivität" im Land
verboten.
"Um sicherzustellen, dass die konstitutionelle Monarchie nach Umsetzung
der Reformen funktioniert, hat der Politische Revolutionsrat die
Parteien angewiesen, alle Treffen und jegliche politische Aktivität
einzustellen", hieß es in einer Erklärung, die am Donnerstag
im Fernsehen verlesen wurde. Zudem sei auch die Neubildung politischer
Parteien untersagt. Eine Geltungsfrist des Verbots wurde nicht genannt.
Die Opposition forderte unterdessen von den Putschisten, innerhalb von
sechs Monaten Neuwahlen auszurufen. Diese hatten am Mittwoch
angekündigt, innerhalb der kommenden zwei Wochen einen neuen
Ministerpräsident auszuwählen. Allerdings könne die
Ausarbeitung einer neuen Verfassung noch bis zu einem Jahr dauern, erst
dann solle es Wahlen geben, hatte es geheißen.
(Quelle: rtr)
Türkische Autorin Shafak freigesprochen
Fr.22.09.06 - Die türkische Autorin Elif Shafak ist vom Vorwurf der "Beleidigung
des Türkentums" freigesprochen worden. Kurz nach Eröffnung des
Verfahrens gegen Shafak entschied der Richter in Istanbul, es gebe
keine Beweise für eine Straftat. Nach der Urteilsverkündung
lieferten sich Nationalisten und Anhänger der Schriftstellerin eine
kurze Schlägerei, die von der Polizei beendet wurde. Es gab
mindestens eine Festnahme.
Elif Shafak selbst, die nicht an der Verhandlung teilgenommen hatte,
zeigte sich in einer ersten Reaktion erfreut über das Urteil.
Allerdings mache ihr die "Lynch-Kultur" in der Türkei Sorgen, sagte
sie im türkischen Nachrichtensender NTV in Anspielung auf die
Schlägerei.
Auch der EU-Parlamentsabgeordnete Joost Lagendijk, der zur Beobachtung
des Prozesses nach Istanbul gekommen war, begrüßte die
Gerichtsentscheidung. Allerdings hoffe er, dass die türkische
Regierung den Strafrechtsparagraphen 301, der bei Shafak und auch bei
anderen Intellektuellen zur Anklage geführt hat, bald geändert
werde.
Shafak war wegen "Beleidigung des Türkentums" angeklagt; Grund war
eine Passage in ihrem jüngsten Buch, in der eine fiktive Romanfigur
über den Völkermord der Türken an den Armeniern im
Ersten Weltkrieg spricht. Bei einer Verurteilung hätten der
Autorin drei Jahre Haft gedroht.
(Quelle: afp)
Ungarische Opposition lehnt Gespräche mit der Regierung ab
Fr.22.09.06 - Die größte ungarische Oppositionspartei hat ein
Gesprächsangebot der Regierung über die anhaltenden Unruhen
ausgeschlagen.
Seine Partei sei nur zu einem Treffen mit dem Präsidenten des
Landes und dem Parlamentspräsidenten ohne Beteiligung der Regierung
bereit, erklärte ein Sprecher der rechten Fidesz am Donnerstag.
Auch ihr kleinerer Verbündeter, die Christdemokratische
Volkspartei teilte mit, sie werde nicht an Gesprächen mit der
Regierung teilnehmen.
Ungarns sozialistische Regierung hatte zuvor alle Oppositionsparteien
zu Gesprächen am frühen Nachmittag eingeladen. Dabei solle
über die Lage im Land beraten werden, sagte Regierungssprecherin
Emese Danks bei einer Pressekonferenz.
Der Fidesz fordert eine Ablösung von Ministerpräsident Ferenc
Gyurcsany. Ihre Anhänger bilden den harten Kern der Demonstrationen
gegen den Regierungschef, an die sich am Mittwoch die dritte Nacht in
Folge Krawalle anschlossen. Ungarn erlebt damit zur Zeit die
schlimmsten Unruhen seit dem Aufstand gegen die damalige kommunistische
Führung 1956. Die Proteste haben sich an einem Tonbandmitschnitt
von Aussagen des Regierungschefs entzündet, das am Wochenende
bekannt geworden war. Gyurcsany stellte dabei fest, er habe die Ungarn
im Wahlkampf zu den Parlamentswahlen im April von morgens bis abends
belogen.
(Quelle: rtr)
160 afrikanische Flüchtlinge vor italienischer Küste gerettet
Fr.22.09.06 - Ein Flüchtlingsboot mit 160 afrikanischen Flüchtlingen an
Bord ist am frühen Donnerstagmorgen vor der italienischen
Mittelmeerinsel Lampedusa aufgegriffen worden. Die italienische
Küstenwache habe die Flüchtlinge in ein Auffanglager auf der
Insel geleitet, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa.
Dort sollten sie nach Möglichkeit identifiziert werden. Die 200
Kilometer vor der libyschen Küste gelegene Insel Lampedusa ist seit
Monaten Ziel von Afrikanern, die die gefährliche Überfahrt
auf sich nehmen, um nach Europa zu gelangen.
(Quelle: afp)
Keine neuen EU-Gelder zur Bewältigung des Flüchtlingsproblems
Fr.22.09.06 - Angesichts des Flüchtlingsansturms auf ihre Küsten haben
Italien, Spanien und Malta am Donnerstag einen dringenden Appell an
ihre europäischen Partner gerichtet. «Europa trägt hier
eine Mitverantwortung», sagte der spanische Innenminister Alfredo
Perez Rubalcalba bei einem Treffen mit seinen EU-Kollegen in Finnland.
Sein maltesischer Kollege Tonio Borg sagte, seine Landsleute
fühlten sich im Stich gelassen. Der deutsche Innenminister
Wolfgang Schäuble forderte eine konsequente Abschiebung illegal
eingereister Ausländer.
Man müsse Einwanderer ohne Anspruch auf Asyl nach Hause schicken,
«weil dann ihre Freunde und Bekannten sehen, dass es keinen
Erfolg und auch keinen Sinn hat» die gefährliche Reise
über das Meer anzutreten, sagte Schäuble bei den Beratungen
am Nachmittag. Die Duldung illegaler Einwanderung führe dazu,
«dass wenn 1.000 erfolgreich sind, die nächsten 5.000 schon
vor der Tür stehen», sagte der Bundesinnenminister in einem
Seitenhieb auf Spanien. Madrid hatte im vergangenen Jahr 700.000
illegal eingereisten Ausländern ein Bleiberecht erteilt, was auch
die niederländische Einwanderungsministerin Rita Verdonk scharf
kritisierte.
Dem von der finnischen Ratspräsidentschaft vorgebrachten
Vorschlag, die Kosten der Aufnahme aufzuteilen, erteilte Schäuble
vorerst eine Absage. Er sei zwar nicht grundsätzlich dagegen,
«Ausgleichssysteme zu schaffen». Zunächst einmal
müssten die Aufnahmeländer aber wirklich Verantwortung
für die von ihnen aufgenommenen Zuwanderer übernehmen. Das
bereits existierende System Eurodac für die Registrierung von
Asylbewerbern und illegal eingereisten Ausländern müsse
konsequenter angewandt werden.
Weiter sprach sich der Bundesinnenminister für eine Stärkung
der europäischen Grenzschutzagentur Frontex aus. Deren Direktor
Ilkka Laitinen hatte bei den Beratungen beklagt, seine Behörde
erhalte von den Mitgliedstaaten zu wenig Unterstützung. Er verwies
darauf, dass Frontex zur Koordinierung von gemeinsamen
Grenzschutz-Operationen zuständig sei und keineswegs über
eine eigene Flotte oder Truppen verfüge. «Diese Tatsache
wird häufig vergessen.» Schäuble schloss sich in seiner
Abschlusskonferenz diesem Appell an die Mitgliedstaaten an, betonte
aber, Deutschland habe Frontex bereits 100 Grenzschutzpolizisten zur
Verfügung gestellt.
EU-Innenkommissar Franco Frattini kritisierte die bisherigen
Beiträge zu den von Frontex organisierten Patrouillen vor der
westafrikanischen Küste als unzureichend. Es sei «klar, dass
man mit zwei Hubschraubern und zwei Patrouillenbooten nicht viel
bewirken kann», sagte der EU-Kommissar. Er schlug vor, zur
Unterstützung der Mittelmeerländer auf den
EU-Solidaritätsfonds zurückzugreifen, der eigentlich für
Soforthilfe nach Naturkatastrophen eingerichtet wurde. «Diese
Leute, die ertrinken, das ist auch eine Katastrophe», sagte
Frattini. Schäuble erklärte dazu, er habe nichts gegen ein
Anzapfen des Fonds, «wenn da Mittel da sind».
(Quelle: ap)
Deutschland will Druck aus EU zur Innenpolitik standhalten
Fr.22.09.06 - Die deutsche Regierun will im Streit über eine Reform der
EU-Innen- und Justizpolitik dem zunehmenden Druck aus der
Europäischen Union standhalten.
Deutschlands Bundesjustizministerin Brigitte Zypries wies am Donnerstag
im finnischen Tampere vor einer Tagung mit ihren EU-Kollegen Forderungen
nach einer schnellen Abschaffung nationaler Vetos zurück. Dabei
geht es um einen Vorschlag der EU-Kommission, auch ohne EU-Verfassung
bei der Zusammenarbeit von Polizei und Strafverfolgung zu
Mehrheitsentscheidungen überzugehen. Bislang kann in diesen
Bereichen jede der 25 EU-Regierungen Entscheidungen verhindern. Zypries
bekräftigte, Deutschland wolle während seiner
Ratspräsidentschaft in der ersten Hälfte 2007 die auf Eis
liegende EU-Verfassung wieder in Gang bringen. In der Verfassung seien
der Übergang zu Mehrheitsentscheidungen und eine Beteiligung des
EU-Parlaments bereits geregelt.
Die EU-Kommission und die finnische EU-Ratspräsidentschaft hatten
vor dem Treffen der Innen- und Justizminister den Druck auf Deutschland
und die ebenfalls skeptischen EU-Staaten Irland und Niederlande
erhöht, sich nicht länger gegen einen Beschluss zur Aufgabe
nationaler Vetos zu sträuben. Innenkommissar Franco Frattini sagte
der französischen Zeitung "Le Figaro", die Vetos müssten
fallen. "Die Einstimmigkeitsregel behindert uns beim Kampf gegen
Terrorismus."
Finnlands Justizministerin Leena Luhtanen sagte, wenn nur ein einziger
EU-Staat Entscheidungen verhindern könne, dann sei dies
undemokratisch. Auch das EU-Parlament und der Europäische
Gerichtshof müssten beteiligt werden, wenn es um Bürgerrechte
gehe. Finnland wolle dazu auf dem Dezember-Gipfel der Staats- und
Regierungschefs eine Entscheidung erreichen.
Zypries sagte, wenn sich ihre finnische Kollegin wirklich ein
Demokratiedefizit beklagt habe, "dann wäre das Wort Demokratie hier
wahrscheinlich am falschen Platz". Es sei eine Illusion, dass die
EU-Zusammenarbeit mit dem Vorschlag für Mehrheitsentscheidungen
ohne Verfassung beschleunigt werden könne. Denn das neue
Entscheidungsverfahren müsse wie die Verfassung in allen 25
EU-Staaten ratifiziert werden.
Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso will mit schnelleren
Entscheidungen in der Innenpolitik die EU-Skepsis in der
Bevölkerung bekämpfen. In von der Kommission in Auftrag
gegebenen Umfragen haben Bürger die Innenpolitik immer wieder als
Bereich genannt, in dem sie sich mehr von der EU erwarten.
Frattini und Finnland können in Tampere mit Unterstützung
anderer Innenminister rechnen, wo das Thema Freitag beraten werden soll.
Denn im Kreis der EU-Staaten halten einige die Gründe für das
deutsche Zaudern Diplomaten zufolge für eine Schutzbehauptung. Ihr
Verdacht: Deutschland wolle sein Veto in Polizeifragen nicht
unnötig früh aus der Hand geben.
Am ersten Tag des Treffens wollten die Minister am Donnerstag nach Wegen
suchen, sich besser beim Ansturm von Flüchtlingen wie zuletzt auf
den Kanaren zu unterstützen. Dabei soll auch über eine bessere
Ausstattung der EU-Grenzbehörde Frontex und eine Kostenteilung
für die Unterbringung gesprochen werden.
(Quelle: rtr)
WWF findet europaweit Chemikalien in Nahrungsmitteln
Fr.22.09.06 - Zahlreiche Nahrungsmittel in Europa sind nach einem Bericht des WWF mit
Spuren potenziell schädlicher Chemikalien versetzt. Bei Tests seien
solche Chemikalien in allen Proben entdeckt worden, darunter Phthalate
in Olivenöl, Käse und Fleisch, verbotene Pestizide in Fisch
und Rentierfleisch, künstliche Moschus- und Organozinnverbindungen
in Fisch sowie Flammschutzmittel in Fleisch und Käse,
erklärte der World Wide Fund for Nature am Donnerstag in
Brüssel.
Der Bericht stütze sich auf die Untersuchung von Proben aus
Supermärkten in Großbritannien, Italien, Spanien,
Griechenland, Schweden, Finnland und Polen. Die Verbraucher würden
vom Verzehr dieser Produkte «nicht notwendigerweise» krank.
Der WWF sei jedoch besorgt über die potenziellen langfristigen
Folgen selbst geringer Mengen von Chemikalien in der Nahrung,
insbesondere für Schwangere und Kinder. «Es ist schockierend
zu sehen, dass sogar eine gesunde Ernährung zur täglichen
Aufnahme so vieler Schadstoffe führt», sagte Sandra Jen,
Direktorin der WWF-Kampagne DetoX. Die globale Kette der Verseuchung zu
durchbrechen erfordere ein starkes Engagement der EU-Politiker, sagte
sie.
Das Europäische Parlament soll noch in diesem Jahr über die
geplante Verordnung zur Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von
Chemikalien (REACH) abstimmen. Die ursprüngliche Vorlage wurde auf
Druck der Industrie abgeschwächt, was bei Umwelt- und
Verbraucherschützern auf Kritik stieß. Der WWF erklärte,
potenziell besonders schädliche Chemikalien, die beispielsweise
das Hormonsystem beeinflussen können, müssten wo immer
möglich durch sicherere Alternativen ersetzt werden.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://detox.panda.org/contamination
Kalifornien verklagt Autokonzerne wegen Umweltschäden durch
Auspuffabgase
Sa.23.09.06 - Als erster Staat der als autobesessen geltenden USA will Kalifornien
die Fahrzeughersteller für Umweltschäden durch Auspuffabgase
zur Verantwortung ziehen. Am Mittwoch (Ortszeit) reichte Justizminister
Bill Lockyer bei einem Bundesgericht in Oakland Klage gegen sechs der
größten Automobilkonzerne der Welt ein.
Sein Ziel: Eine finanzielle Entschädigung in Höhe von
Millionen, wenn nicht sogar Milliarden Dollar für den
«Beitrag» der Autoindustrie zum Treibhauseffekt und die
damit verbundenen Auswirkungen auf Kaliforniens Natur. Nach
Medienberichten werden in der Klageschrift DaimlerChrysler, General
Motors, Ford, Toyota, Honda und Nissan genannt. Die Höhe der
Schadensersatzsumme wurde offen gelassen.
Kalifornien argumentiert, dass die Abgase sowohl nach kalifornischem
als auch nach Bundesrecht ein «öffentliches
Ärgernis» darstellten. Autos seien die größte
einzelne Quelle für den Ausstoß von Treibhausgasen im
Westküstenstaat. Bereits jetzt habe es Kalifornien mit diversen
Auswirkungen der globalen Erwärmung zu tun. Als Beispiel nannte
der Justizminister Eisschmelze in den Bergen der Sierra Nevada, die
Erosion von Stränden, Luftverschmutzung, Fischsterben und das
Aussterben von Tierarten. Schon jetzt müsse der Staat Millionen
Dollar zur Begrenzung der Schäden ausgeben. «Im Prinzip geht
es darum, dass wir die Steuergelder zurückbekommen»,
zitierte «Los Angeles Times» Lockyer am Donnerstag.
Erst Ende August hatte Kalifornien dem Ausstoß schädlicher
Treibhausgase durch Industriebetriebe wie Kraftwerke und Raffinerien
den Kampf angesagt und die in den Vereinigten Staaten schärfsten
Kontrollmaßnahmen beschlossen. Gouverneur Arnold Schwarzenegger
einigte sich mit den Abgeordneten des staatlichen Kongresses darauf,
die Reduzierung gesetzlich festzulegen und den Ausstoß der
Schadstoffe bis 2020 um 25 Prozent auf das Niveau von 1990 zu senken.
Damit grenzte sich Schwarzenegger deutlich von seinem Parteifreund
US-Präsident George W. Bush ab, der sich geweigert hat, das
internationale Protokoll von Kyoto zum Klimaschutz zu unterzeichnen. Im
Kyoto-Protokoll haben die Industrieländer zugesagt, ihre
Treibhausgasemissionen bis 2010 um mindestens fünf Prozent unter
das Niveau von 1990 zu senken.
Schon 2002 hatte Kalifornien als erster US-Staat ein Gesetz
verabschiedet, das den Autoherstellern eine Schadstoff-Begrenzung
vorschreibt. Eine Umsetzung ist jedoch bisher durch Klagen der
Industrie blockiert worden.
Während Umweltschutz-Organisationen den jüngsten Schritt vom
Mittwoch lobten, erklärte der Autohersteller-Verband
«Alliance of Automobile Manufacturers», dass die Industrie
bereits sauberere und sparsamere Fahrzeuge baue. «Die heutigen
Autos sind 99 Prozent sauberer als die vorige Generation und jedes
Modell ist nun auch mit einer kraftstoffsparenden Technologie
ausgerüstet», hieß es in einer Erklärung.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Bundesumweltminister droht Autoindustrie mit gesetzlichen Auflagen
Fr.22.09.06 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat Autoherstellern mit
«harten Standards» für den Klimaschutz gedroht. Wenn
die Selbstverpflichtung der Autobauer zur Senkung des
Kohlendioxidausstoßes eingehalten werden, sei zwar keine
gesetzliche Verpflichtung nötig, sagte Gabriel am Donnerstag im
«Deutschlandradio Kultur». «Wir haben nur inzwischen
Zweifel daran», fügte der Minister hinzu.
Fast zwei Jahre nach Inkrafttreten der EU-Luftreinhalterichtlinie sei
der Großteil der Lkw und Busse weiterhin «auf unseren
Straßen rußend unterwegs», sagte der
Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland
(Nabu), Leif Miller, am selben Tag in Berlin. Rußfilter
gehörten bei Lkw, Bussen und Baumaschinen immer noch nicht zur
Standardausstattung, obwohl rund die Hälfte aller verkehrsbedingten
Partikelemissionen von leichten und schweren Nutzfahrzeugen stammten.
Deswegen müsse die Bundesregierung bei der EU-Kommission auf die
schnelle Festlegung einer Abgasnorm für Lkw drängen, die die
Einhaltung festgelegter Grenzwerte für Luftschadstoffe wie
Stickoxide oder Partikel vorschreibt. «Wir brauchen so rasch wie
möglich strengere Auflagen für Luftverschmutzer»,
forderte Miller.
Umweltverbände kritisieren seit längerem, dass sich die
Autoindustrie nicht an ihre Selbstverpflichtung hält, den
Ausstoß von Kohlendioxid bei Neufahrzeugen bis 2008 auf
durchschnittlich 140 Gramm pro Kilometer zu senken. Gut 15 Monate vor
Ablauf der Frist ist das anvisierte Ziel dem Auto Club Europa zufolge
nur zu etwa der Hälfte erreicht. Mehrere neu auf den Markt
gekommene Pkw hätten einen Ausstoß von mehr als 300 Gramm
Kohlendioxid pro Kilometer.
(Quelle: ddp)
BUND kritisiert unzureichende Maßnahmen gegen Feinstaub
Fr.22.09.06 - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die
Maßnahmen vieler Städte gegen Feinstaub kritisiert. In einem
Ranking bewertete die Organisation die 26 am stärksten belasteten
Städte Deutschlands. Keine dieser Städte, die bis Ende August
die zulässigen Tagesmittelwerte bereits mindestens 40 Mal
überschritten hatten, erhielt demnach für ihre
Maßnahmen ein «Sehr gut». Mit «Gut»
benotet wurden immerhin acht Städte. Den übrigen 18
Städten attestierte der Umweltverband «mehr oder minder
Versagen bei der Bekämpfung des Feinstaubs».
«Kommunen, die sich anstrengen, können Feinstaub erfolgreich
bekämpfen», erklärte die Organisation am Donnerstag in
Berlin. Damit werde nicht nur die Gesundheit der Menschen
geschützt, sondern auch insgesamt die Lebensqualität vor Ort
verbessert. Ab 2007 würden die vorbildlichen Städte -
Düsseldorf, Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main,
Stuttgart, Duisburg und Essen - die Grenzwerte einhalten können.
Am Montag (25. September) wird das Europäische Parlament über
die Neufassung der Luftqualitätsrichtlinie beraten und am Tag
darauf die künftigen Grenzwerte für Feinstaub festlegen. Die
Organisation warnte vor einer Verwässerung der Feinstaubrichtlinie
durch einige EU-Parlamentarier vor allem aus Deutschland. In Europa
sterben laut dem Verband durch Feinstaub jährlich 370.000 Menschen
vorzeitig. Diese Zahl ließe sich um ein Viertel senken, wenn
endlich gehandelt würde.
Das vollständige Ranking deutscher Städte bei der
Feinstaubbekämpfung im Internet als PDF-Datei unter:
http://www.bund.net/lab/reddot2/pdf/feinstaubranking.pdf
(Quelle: ap)
Ausgaben für Arbeitslosengeld steuern weiter auf Rekordwert zu
Fr.22.09.06 - Die Ausgaben des Bundes für das Arbeitslosengeld II sind im August
auf einen neuen Spitzenwert gestiegen.
Nach dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht des
Finanzministeriums betrugen die Ausgaben in den ersten acht Monaten des
Jahres etwa 18,12 Milliarden Euro. Das sind 8,4 Prozent mehr als im
vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Der im Haushalt 2006 eingeplante Wert
von 24,4 Milliarden Euro dürfte damit deutlich überschritten
werden. Nach Einschätzung des Haushaltsexperten Steffen Kampeter
wird voraussichtlich ein Rekordwert von 27 Milliarden Euro erreicht. Das
wären etwa zwei Milliarden Euro mehr als 2005, dem ersten Jahr
nach In-Kraft-Treten der Arbeitsmarktreform Hartz IV.
(Quelle: rtr)
Forschungsministerin Schavan: Bis zu 1,8 Millionen neue Stellen durch
High-Tech
Fr.22.09.06 - Die neue High-Tech-Strategie könnte nach Darstellung der
Bundesregierung erheblich mehr neue Arbeitsplätze schaffen als
bislang erhofft.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan sagte am Donnerstag in einer
Regierungserklärung in Berlin: "Wenn ich von 1,5 Millionen
gesprochen habe, dann ist das keine übertriebene sondern eine
untertriebene Zahl." Es könnten leicht 1,8 Millionen neue Stellen
in den nächsten Jahren werden. "Aber wir sind bescheiden und sagen
1,5 Millionen", ergänzte die CDU-Politikerin. Der Schwerpunkt der
Förderung von Spitzentechnologie liege auf einer stärkeren
Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft. Die Wege von der Idee zur
Marktumsetzung in Produkte, eine Schwäche Deutschlands in der
Vergangenheit, müssten verkürzt werden. Der Bund will nach
Schavans Worten bis 2009 knapp 15 Milliarden Euro für Forschung und
Innovation ausgeben und damit sechs Milliarden Euro mehr als bislang
geplant.
Schavan forderte die Bundesländer und die Wirtschaft auf, ihren
Teil zur Stärkung der Innovationskraft zu leisten. Dann werde das
Ziel, den Anteil der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung von
derzeit 2,5 Prozent am Bruttoinlandsprodukt bis Ende des Jahrzehnts auf
drei Prozent zu erhöhen, erreicht werden können. Die neue
Strategie werde für einen besseren Technologietransfer sorgen und
Deutschland international kräftig voranbringen. "Wir stellen die
Weichen so, dass Deutschland ein starker Wachstumsmotor für den
europäischen Forschungsstandort sein kann", sagte Schavan. Die
Bundesregierung setze konkrete Schwerpunkte, um die kleinen und
mittleren Unternehmen stärker mit der Wissenschaft
zusammenzuführen. Instrument dafür sei die
Forschungsprämie.
Die High-Tech-Strategie setzt sich zusammen aus fünf
Querschnittsbereichen. Dazu gehört eine stärkere Verzahnung
von Wirtschaft und Wissenschaft, die gezielte Verbreitung von
Spitzentechnologie und die Talentförderung. Darüber hinaus
werden 17 Schwerpunkte für ein forciertes Innovationsengagement
definiert.
(Quelle: rtr)
Shell-Studie: Jugend sieht Bildung als Schlüssel für ihre
Zukunft
Fr.22.09.06 - Immer mehr Jugendliche in Deutschland sehen in einer guten Bildung und
Ausbildung den Schlüssel für ein erfülltes Leben. Das
ist ein Ergebnis der jüngsten Shell-Jugendstudie. Dabei haben
Mädchen nach Einschätzung der Sozialforscher im Streben nach
guten Abschlüssen und ideellen Werten die Nase vorn.
Laut Studie haben jedoch mehr Jugendliche als früher Angst vor
Arbeitslosigkeit und Armut. Als Reaktion darauf wünschen sie sich
emotionalen Rückhalt. 72 Prozent der jungen Leute sind heute der
Meinung, dass sie zum Glücklichsein eine Familie brauchen.
Im Vergleich zur Shell-Studie 2002 hat sich die Zukunftssicht der
Jugendlichen insgesamt leicht verdüstert. Auf den gewachsenen
Druck reagiert die junge Generation nach Analyse der Forscher sehr
pragmatisch: Die Jugendlichen seien leistungsbereiter und
zielorientierter als früher. Ihre Devise laute: Aufstieg statt
Ausstieg. Als Reaktion auf den Druck suchten sie mehr Halt in der
Familie, pflegten ein harmonisches Verhältnis zu Eltern und
Großeltern und seien zu sozialem Engagement bereit.
Für die Studie wurden 2500 Jugendliche zwischen 12 und 25 Jahren
zu ihrer Lebenssituation, ihren Glaubens- und Wertvorstellungen sowie
ihrer Einstellung zur Politik befragt. Sozialforscher Klaus Hurrelmann
sieht in den heutigen Jugendlichen eine «bemerkenswerte
Generation mit einem fantastischen Leistungspotenzial». Dieses
Potenzial könne unter den gegenwärtigen Bedingungen nur nicht
zur vollen Entfaltung kommen. «Unter der Oberfläche entsteht
bei jungen Leuten deshalb Unruhe und Irritation», ergänzte
er.
Die junge Generation bietet kein einheitliches Bild: Jugendliche in
Ostdeutschland sehen sich eher sozial benachteiligt als ihre
Altersgenossen im Westen des Landes. Fast jedes 3. Kind aus einer
ausländischen Familie fühlt sich im Alltag diskriminiert.
Sehr viel mehr Mädchen als Jungen fürchten, Ausbildung, Beruf
und Kinderwunsch nicht rechtzeitig unter einen Hut zu bekommen. Die
jungen Männer verweigern sich laut Hurrelmann dagegen zunehmend
den gewachsenen Anforderungen in Bildung, Beruf und Familie und
klammern sich an ein traditionelles Männerbild. «Vielleicht
bekommen wir eher einen Krieg der Geschlechter als der
Generationen», mutmaßte er.
Politisch schlägt das Herz der Jugend eher links als rechts. Die
Mehrheit erteile politischem Extremismus eine klare Absage, heißt
es in der Studie. Das NPD-Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern
erklärt sich Hurrelmann deshalb eher mit dem niedrigeren
Bildungsgrad der Jung-Wähler und ihrer Herkunft aus unteren
sozialen Schichten als mit einem Rechtsruck. Insgesamt gaben 39 Prozent
der befragtem Jugendlichen an, sich für Politik zu interessieren -
das waren 5 Prozent mehr als vor 4 Jahren.
Die Religion hat nach der Analyse der Forscher kaum Auswirkungen auf
die Werteordnung der Jugendlichen. «Es gibt die ungläubigen
Ostdeutschen, die glaubensunsicheren Westdeutschen und die
tiefgläubigen Migranten», sagte Hurrelmann. Die Kirchen
würden zwar als moralische Instanz anerkannt. Einfluss aufs
alltägliche Leben der Jugendlichen hätten sie aber kaum.
In der Studie sehen die Forscher auch einen erneuten Beleg für den
engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft, Bildungs- und
Zukunftschancen. «Die schlecht Positionierten trifft es am
härtesten», erläuterte Hurrelmann. «Ein
benachteiligtes Elternhaus produziert benachteiligte Kinder.» Die
Jugendlichen bei der Befragung sehen das wohl ähnlich.
Während 57 Prozent der Gymnasiasten eher zuversichtlich in die
Zukunft blickten, waren es bei den Hauptschülern lediglich 38
Prozent.
(Quelle: dpa)
Bundespräsident Köhler fordert Kraftakt für
Bildungsreform
Fr.22.09.06 - Bundespräsident Horst Köhler hat die schlechte
Finanzausstattung des deutschen Bildungssystems kritisiert und
eindringlich eine große Bildungsreform verlangt. Während
andere Nationen sich «mit Begeisterung zu
Wissensgesellschaften» wandelten, tue sich Deutschland schwer.
«Wer an der Bildung spart, spart an der falschen Stelle»,
warnte Köhler am Donnerstag in seiner «Berliner Rede»
zur Bildungspolitik an einer Hauptschule im Stadtteil Neukölln.
Köhler hatte seine Rede, die überwiegend positiv aufgenommen
wurde, unter den Leitsatz «Bildung für alle» gestellt.
Damit nahm er die Tradition der «Berliner Reden» seiner
Amtsvorgänger Roman Herzog und Johannes Rau auf. Köhler
beklagte eine zu geringe Zahl von Abiturienten und
Hochschulabsolventen. Kurzsichtig wäre es, angesichts sinkender
Schülerzahlen bei der Bildung zu sparen. «Unsere
Bildungsausgaben sind insgesamt zu niedrig.» Köhler hob auch
die gesellschaftliche Bedeutung von Bildung hervor. Die deutsche
Demokratie brauche mehr Bildung, damit junge Menschen
«Populisten, Extremisten und religiösen Fanatikern»
besser widerstehen können.
Die fehlende Chancengleichheit in der Bildung nannte der
Bundespräsident «beschämend». Er forderte ein
verpflichtendes und möglichst kostenfreies Kindergartenjahr vor
der Einschulung sowie einen verbindlichen Sprachtest für alle.
Positiv äußerte sich Köhler zu einem sozialen
Pflichtjahres für alle jungen Menschen.
Köhler sprach sich für einen gemeinsamen Unterricht von
behinderten und nicht behinderten Kindern aus. Religionsunterricht
bezeichnete er als unverzichtbar. Überfällig sei auch die
Einführung von Islamunterricht in deutscher Sprache. Zugleich
dürften auch Musik, Kunst und Sport nicht zu kurz kommen.
«Bildung ist auch Herzensbildung.»
Der Bundespräsident rügte, dass seit Jahren nahezu zehn
Prozent eines Jahrgangs die Schule ohne Abschluss verlassen. Unter den
jungen Migranten sei dies sogar jeder Fünfte. Für die
Hauptschulen verlangte Köhler mehr Unterstützung. Dort
bündelten sich viele Schwierigkeiten. Die Reform des deutschen
Bildungssystems bezeichnete Köhler als «einen zentralen
Prüfstein für die Zukunftsfähigkeit unserer
bundesstaatlichen Ordnung» - und damit der
Föderalismusreform.
Von den jungen Menschen forderte Köhler beim Lernen
«Anstrengung und Beharrlichkeit», auch «Respekt,
Rücksichtnahme, Manieren». Auch die Eltern nahm Köhler
in die Pflicht. Manche «scheitern an dieser Aufgabe. Manche nehme
ihre Verantwortung auch nicht ernst genug. Die Leidtragenden sind immer
die Kinder.» Für die Lehrer forderte er mehr Anerkennung. In
manchen Schulen könnten sie kaum die Aufgaben erfüllen, weil
in den Elternhäusern und im sozialen Umfeld schon zu viel
versäumt worden sei. Engagierte Lehrer nannte Köhler
«Helden des Alltags».
(Quelle: dpa)
Internet
Tipps für sicheres Online-Banking
Fr.22.09.06 - Wer seine Bankgeschäfte online erledigt, sollte ein paar
Sicherheitsregeln beachten. Anwender sollten sich beispielweise
versichern, dass die Verbindung über das Schloss-Symbol im Browser
und das HTTPS-Protokoll in der Adresszeile gesichert ist, rät die
Computerzeitschrift «PC Professionell» (Heft 10/2006). Falls
während des Online-Bankings Fenster aufklappen oder sich die
Internet-Verbindung spürbar verlangsamt, sollte der Vorgang
abgebrochen und das Konto gegebenenfalls gesperrt werden, bis die
Ursachen klar sind.
Alternative Browser wie Mozilla und Opera seien sicherer als der viel
benutzte Internet-Explorer, weil sie seltener von Hackern angegriffen
würden, berichtet das Magazin weiter. Um den Kriminellen die Arbeit
zu erschweren, sollten Nutzer außerdem komplizierte
Passwörter wählen, diese häufig wechseln und beim Beenden
der Sitzung immer die vorgegebene Logout-Prozedur aufrufen, und niemals
einfach den Browser schließen. Ratsam ist es auch,
anschließend den Cache des Browsers zu löschen.
Generell sollten Anwender niemals auf dubiose E-Mails von Banken
antworten oder Zugangsdaten in Links aus diesen Mails eingeben. Weiteren
Schutz bieten eine Firewall, Virenscanner und die
regelmäßige Aktualisierung des Betriebssystems. Zudem sollte
die Adresse der Bank immer selbst von Hand eingegeben werden, auch die
Funktion «Autovervollständigen» ist nicht sicher. Falls
es dennoch zum Betrugsfall kommt, sollte der verseuchte PC mittels
Image gesichert werden, um für den Streit um Schadensersatz
gewappnet zu sein.
(Quelle: ddp)