Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundsechzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Irakischer Präsident sieht noch keinen Zeitplan für
Truppenabzug. Angriff auf sunnitische Wohnhäuser und Moscheen in
Bagdad
Sa.23.09.06 - Der irakische Präsident Dschalal Talabani hat sich zum jetzigen
Zeitpunkt gegen einen Zeitplan für einen Abzug der
ausländischen Truppen gewandt. Vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen sagte Talabani am Freitag in New York, erst
müsse der Aufbau der irakischen Streitkräfte weiter
voranschreiten.
Militärisches Vorgehen allein werde die terroristische Gewalt im
Irak aber nicht stoppen, sagte Talabani. Seine Regierung sei einem Plan
zur nationalen Versöhnung verpflichtet, der die Bedingungen
für Sicherheit schaffen werde. Die extremistischen Kräfte
versuchten, den Irak als Sprungbrett für ihre weiter reichenden
Ziele in der arabischen Welt zu missbrauchen.
Den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen rief Talabani auf, die
Waffenkontrollbehörde UNMOVIC aufzulösen. Es sei erwiesen,
dass es im Irak keine Massenvernichtungswaffen gebe. Die weitere Arbeit
dieser Mission verschwende lediglich finanzielle Ressourcen, die
für den irakischen Wiederaufbau dringend benötigt würden.
Rund 20 bewaffnete Angreifer haben am Freitag in Bagdad auf Häuser
sunnitischer Einwohner und zwei Moscheen geschossen. Drei Menschen
wurden nach Angaben der Polizei getötet, zwei Häuser in Brand
gesteckt. An den beiden sunnitischen Moscheen im Stadtviertel Hurrija im
Norden Bagdads sei Schaden entstanden, verletzt worden sei aber
niemand. Die Angreifer flohen laut Polizeiberichten in ihren Autos, als
irakische und amerikanische Truppen anrückten.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 23.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertzweiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.23.09.05 - Schwere Anschlagswelle aufständischer Gruppen befürchtet:
Irakischer Außenminister bittet Welt um Hilfe +++ Verwaltung von
Basra boykottiert britische Armee +++ US-Soldat bei Anschlag im Süden
Bagdads getötet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509230.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Oxfam: Rüstungsausgaben inzwischen höher als im Kalten Krieg
Sa.23.09.06 - Die weltweiten Rüstungsausgaben liegen nach Berechnung der
britischen Hilfsorganisation Oxfam inzwischen höher als zur Zeit
des Kalten Krieges. In diesem Jahre beliefen sich die Ausgaben auf 1,06
Billionen Dollar (rund 835 Milliarden Euro), erklärte Oxfam am
Freitag in London. Dies entspreche dem Fünfzehnfachen der
Entwicklungshilfezahlungen. Die hundert größten
Rüstungskonzerne verzeichneten allein zwischen 2000 und 2004 laut
Oxfam einen Umsatzanstieg von 157 auf 268 Milliarden Dollar, was einer
Zunahme um 60 Prozent entspreche.
(Quelle: afp)
Bush kann geheime CIA-Programme fortsetzen
Sa.23.09.06 - US-Präsident George W. Bush kann die umstrittenen geheimen
CIA-Programme im Anti-Terror-Kampf mit Änderungen fortsetzen.
Bush einigte sich am Donnerstag (Ortszeit) in Washington mit
«Rebellen» in seiner republikanischen Partei auf
gesetzliche Regeln für Verhöre von mutmaßlichen
Terroristen, die nach Medienberichten einige der bisherigen Methoden
wie «simuliertes Ertränken» ausschließen, aber
in anderen Bereichen wie der Definition einer «erniedrigenden
Behandlung» Spielräume lassen.
Beide Seiten äußerten sich zufrieden über den
Kompromiss, der auch den Streit über wesentliche Verfahrensfragen
bei Prozessen gegen Terrorverdächtige im US-Gefangenenlager
Guantánamo Bay auf Kuba beilegt. Danach setzte sich Bush nicht
mit der Forderung durch, der Verteidigung geheimes Beweismaterial
vorzuenthalten, das aber anderseits den Geschworenen zugänglich
gemacht werden sollte. In Prozessen dürfen auch keine Beweise
zugelassen werden, die durch grausame, inhumane oder erniedrigende
Behandlung erpresst wurden. Aber Bush erreichte Medienberichten
zufolge, dass Terror-Häftlinge ihre Gefangenschaft nicht vor einem
Bundesgericht anfechten können.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen zwischen Bush und eigenen
Parteifreunden mit den Senatoren John McCain, John Warner und Lindsey
Graham an der Spitze standen jedoch die Verhörpraktiken. Bush
wollte durchsetzen, dass der Artikel 3 der Genfer Konventionen zum
Schutz von Kriegsgefangenen per Gesetz in einem Sinn ausgelegt wird,
der Raum für von anderen als Folter verstandene Methoden gelassen
hätte. Eine solche offizielle Interpretation wird es dem
Kompromiss zufolge nicht geben. Nach Medienberichten sollen nun neun
schwere Verstöße gegen den Artikel 3 aufgelistet werden, die
als Kriegsverbrechen geahndet werden können.
Grausame und inhumane Behandlung wird danach unter Strafe gestellt,
aber «erniedrigendes Verhalten» Medienberichten zufolge
nicht als Kriegsverbrechen klassifiziert - eine Konzession der
«Rebellen» an Bush. Umgekehrt setzte sich der
Präsident aber nicht damit durch, nur das Zufügen
«schweren mentalen Schmerzes» unter Strafe zu stellen.
«Ernster Schmerz» lautet die Kompromissformel nun, die auch
besagt, dass der Präsident per Anordnung selbst festlegen kann,
welche Verhörpraktiken unterhalb der Schwelle «schwerer
Verstöße» Prozesse nach sich ziehen können.
Welche Verhörpraktiken erlaubt sind, wird nach Medienberichten in
dem Kompromiss nicht aufgelistet.
Bush und McCain erklärten, die Übereinkunft gebe der
Regierung die notwendigen «Werkzeuge» zur Fortsetzung des
Antiterrorkampfes. McCain fügte hinzu, dass es zugleich keinen
Zweifel daran gebe, «dass der Geist und die Buchstaben der Genfer
Konventionen bewahrt werden». Wie es weiter hieß, sollen
rechtliche Feinheiten noch ausgearbeitet werden. Aber es wurde
erwartet, dass der Kompromiss bis Ende der kommenden Woche vom Kongress
verabschiedet wird.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Hisbollah will sich nicht gewaltsam entwaffnen lassen. Sicherheitsrat
soll sich intensiver für Lösung des Konflikts zwischen
Israel und Palästinensern engagieren. Streit um
palästinensische Einheitsregierung - Hamas dementiert
Abbas-Ankündigung über Anerkennung Israels
Sa.23.09.06 - Die Hisbollah-Miliz wird sich nach den Worten ihres Chefs Scheich
Hassan Nasrallah nicht gewaltsam entwaffnen lassen. «Keine Armee
der Welt wird uns dazu bringen, unsere Waffen aus den Händen zu
geben», sagte Nasrallah am Freitag bei einer Kundgebung in Beirut
vor hunderttausenden Anhängern. Es war der erste öffentliche
Auftritt des Hisbollah-Führers seit Beginn des militärischen
Konflikts mit Israel am 12. Juli.
Israel reagierte scharf auf die Rede Nasrallahs. Die Hisbollah spucke
mit der Weigerung, sich zu entwaffnen, der internationalen Gemeinschaft
ins Gesicht, sagte Regierungssprecher Mark Regev in Jerusalem.
«Nasrallah fordert nicht nur die Regierung im Libanon heraus,
sondern auch die gesamte internationale Gemeinschaft.» Diese
könne es sich nicht leisten, «dass dieser iranisch
finanzierte Extremist in das Gesicht der organisierten Gemeinschaft der
Nationen spuckt», sagte Regev weiter.
Nasrallah wurde von der Menge im von Bomben zerstörten Süden
Beiruts begeistert begrüßt. Der Hisbollah-Führer,
dessen Popularität in dem Krieg enorm gewachsen ist, hatte zu der
Kundgebung aufgerufen, um den «göttlichen und historischen
Sieg» über Israel zu feiern. Seine Miliz werde ihre Waffen
erst niederlegen, wenn die Regierung im Libanon stark genug sei, das
Land zu schützen, sagte Nasrallah. Die Hisbollah besitze immer
noch 20.000 Raketen, erklärte er weiter. Daran könnten auch
die internationalen Truppen der UNIFIL im Südlibanon und die
Marineeinheiten vor der libanesischen Küste nichts ändern.
Auch die deutsche Bundesmarine beteiligt sich an dem internationalen
Einsatz vor der Küste, mit dem der Schmuggel von Waffen für
die Hisbollah unterbunden werden soll.
Nasrallah äußerte sich auch zu den von seiner Organisation
festgehaltenen zwei israelischen Soldaten. Eine Freilassung komme nur
im Austausch gegen libanesische Häftlinge in Frage. Die
Gefangennahme der beiden Soldaten war der Auslöser des
israelischen Angriffs auf den Libanon. Der Krieg wurde nach 34 Tagen
mit einer UN-Waffenstillstandsresolution beendet.
Die arabischen Länder und UN-Generalsekretär Kofi Annan haben
den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) am Donnerstag
aufgefordert, sich intensiver für eine Lösung des Konflikts
zwischen Israel und den Palästinensern zu engagieren.
Der Krieg im Libanon habe gezeigt, welche Gefahren für die gesamte
Region von diesem Konflikt ausgingen, erklärten sie.
US-Außenministerin Condoleezza Rice kündigte eine Reise in
den Nahen Osten an. Sie wolle mit moderaten arabischen Politikern
darüber reden, wie die Umsetzung des als "Road Map" bekannt
gewordenen internationalen Friedensplanes beschleunigt werden
könne. Details nannte sie nicht. Der Plan sieht die Schaffung eines
palästinensischen Staates vor, der friedlich neben Israel
existiert. US-Präsident George W. Bush hatte vor der
UN-Vollversammlung eine neue Nahostinitiative angekündigt.
Das Quartett aus UN, Europäischer Union (EU), USA und Russland hat
zudem eine Lockerung seiner harten Haltung gegenüber der
Palästinenser-Regierung in Aussicht gestellt. Es reagierte damit
auf die Bemühungen von Palästinenser-Präsident Mahmud
Abbas, eine Einheitsregierung zu schaffen, in der moderate Politiker ein
Gegengewicht zu den Vertretern der radikalen Hamas bilden sollen.
Israel hat sich ablehnend zu den arabischen Forderungen
geäußert, den Sicherheitsrat mehr in die Lösung seines
Konflikts mit den Palästinensern einzubeziehen. Es gebe
außerhalb des Rates genügend politische Foren dafür,
lautet das israelische Argument. Griechenland als Präsident des
Sicherheitsrates und den arabischen Vertretern gelang es aber, die
Außenminister des Gremiums parallel zur UN-Vollversammlung zu
einer Debatte zusammenzubringen.
Annan hob dabei die Brisanz des Konflikts für den Weltfrieden
hervor und warnte: "Unsere anhaltende Unfähigkeit, den Konflikt zu
lösen, stellt die Legitimität und die Effizienz des Rates
selbst in Frage." Der Beitrag des Rates für einen Waffenstillstand
im Libanon zeige aber, dass er eine wichtige Rolle bei der Suche nach
Frieden in der Region spielen könne.
Bahrains Außenminister Scheich Chaled bin Ahmed al-Chalifa,
präsentierte im Namen der Arabischen Liga den Vorschlag, Annan
solle einen Bericht und einen Zeitplan für direkte Gespräche
zwischen allen betroffenen Seiten vorlegen und dabei deutliche machen,
welche Rolle der Sicherheitsrat darin spielen müsse. "Wenn wir
diese Chance vergeben, werden wir alle die Verlierer sein", sagte er.
Im Streit über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit
will die Hamas keine Zugeständnisse machen. Der
palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija erklärte
am Freitag in Gaza, er werde keine Regierung anführen, die Israel
anerkenne. Bereits zuvor sagte einer seiner Vertrauten, sollte die
Anerkennung Israels Voraussetzung sein, werde die Koalition nicht zu
Stande kommen. Zuvor hatte der palästinensische Präsident
Mahmud Abbas der internationalen Gemeinschaft in New York zugesichert,
dass die geplante neue Regierung das Existenzrecht Israels anerkennen
werde.
Jede künftige palästinensische Regierung werde alle Abkommen
befolgen, die die PLO unterzeichnet habe, sagte Abbas am Donnerstag vor
der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. Dazu gehöre
auch ein Briefwechsel zur gegenseitigen Anerkennung im September 1993.
Ein Berater des Präsidenten, Nabil Amr, erläuterte, Abbas
werde die Hamas nicht zu einer ausdrücklichen Anerkennung Israels
auffordern. Vielmehr solle die Hamas die bereits bestehenden
Vereinbarungen einhalten, die den Staat Israel anerkennen. «Wir
erwarten, dass die Hamas dem zustimmt», sagte Amr.
Nach monatelanger internationaler Isolierung hatte sich die Hamas in
der vergangenen Woche bereit erklärt, eine Koalitionsregierung mit
der gemäßigten Fatah-Bewegung einzugehen, die unter der
Führung von Abbas steht. In einer vorläufigen Vereinbarung
hieß es, Ziel der neuen Regierung sei die Errichtung eines
palästinensischen Staates an der Seite Israels - eine indirekte
Anerkennung des jüdischen Staates.
Die Gespräche zur Bildung einer solchen Regierung der nationalen
Einheit sind zuletzt aber ins Stocken geraten. Der Westen und Israel
fordern von der Hamas, dass sie sich klar zur Anerkennung Israels
bekennt, der Gewalt abschwört und die bestehenden Abkommen zwischen
beiden Seiten anerkennt. Jussef erklärte jedoch, die Hamas sei
lediglich bereit, einer langfristigen Waffenruhe «über
fünf oder zehn Jahre» zuzustimmen, «bis die Besatzung
sich zurückzieht». Vertreter von Hamas und Fatah
erklärten am Freitag, es sei nicht klar, ob Abbas mit seiner Rede
um internationale Unterstützung für die Einheitsregierung
habe werben wollen oder neue Bedingungen für eine solche Koalition
gestellt habe.
Kurz nach einer Öffnung der Grenze zwischen dem Gazastreifen und
Ägypten detonierte am Freitag ein Sprengsatz in der Nähe
palästinensischer Polizisten. Zwei von ihnen wurden verletzt. Die
europäischen Beobachter, die sie schützen sollen, blieben
unversehrt. Die palästinensische Polizei schoss zunächst in
die Luft und danach auf die Attentäter, die alle flüchten
konnten. Der Grenzübergang war das erste Mal seit einem Monat
wieder geöffnet.
(Quellen: ap, rtr)
Indonesien: Unruhen nach Christen-Hinrichtung
Sa.23.09.06 - Nach der Hinrichtung dreier Christen in Indonesien ist es in dem
bevölkerungsreichsten islamischen Land der Welt zu schweren
Ausschreitungen gekommen. Aufgebrachte Christen zündeten am
Freitag Autos an, warfen Steine und plünderten Läden. Der
Vatikan zeigte sich betrübt über die Hinrichtung.
Die Europäische Union äußerte sich
«enttäuscht». Die wegen religiös motivierter
Gewalt zum Tode verurteilten Männer im Alter von 42, 48 und 60
Jahren wurden nach Angaben der staatlichen indonesischen
Nachrichtenagentur Antara am Freitag kurz nach Mitternacht (Ortszeit)
an einem geheim gehaltenen Ort auf der Insel Sulawesi von einem
Erschießungskommando exekutiert.
Auf Sulawesi setzten hunderte Christen als Reaktion auf die
Hinrichtungen Autos in Brand, es kam zu Plünderungen. Tausende,
vor allem junge Männer, machten Jagd auf Muslime. Über
Verletzte oder Tote wurde zunächst nichts bekannt. In West-Timor
bewarf eine aufgebrachte Menge nach Polizeiangaben das Büro der
Staatsanwaltschaft mit Steinen und blockierte Straßen. Sie
öffnete die Tore eines Gefängnisses, wodurch mehr als 200
Häftlinge entkamen. Nach Behördenangaben konnte die Lage dort
und auf Sulawesi im Laufe des Tages jedoch wieder unter Kontrolle
gebracht werden. Die Sicherheitskräfte blieben aber in
erhöhter Alarmbereitschaft.
Fabianus Tibo, Marianus Riwu und Domingus da Silva waren schuldig
gesprochen worden, vor sechs Jahren Übergriffe gegen Muslime auf
Sulawesi organisiert zu haben. Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen
zwischen Christen und Muslimen waren zwischen 1998 und 2001 mehr als
1000 Menschen ums Leben gekommen. Die jetzt Hingerichteten hatten stets
ihre Unschuld beteuert. Vertreter der Religionsgemeinschaften auf
Sulawesi sind besorgt, die Exekutionen könnten eine neue Welle
blutiger Gewalt auslösen.
«Das ist eine äußerst traurige und schmerzhafte
Nachricht», sagte Vatikansprecher Federico Lombardi in Rom.
«Jedes Mal, wenn die Todesstrafe vollstreckt wird, ist dies eine
Niederlage für die Menschlichkeit.» Zugleich erinnerte er am
Donnerstagabend in Rom daran, dass sich Papst Benedikt XVI. für
die drei Männer eingesetzt hatte.
In einer Erklärung der finnischen EU-Ratspräsidentschaft
heißt es, die EU bedauere die Hinrichtungen. Die EU sei
«enttäuscht» darüber, dass Indonesien
«trotz zahlreicher Bekundungen unserer Besorgnis» die
Todesstrafe vollstreckt habe. «Die EU ist unter allen
Umständen gegen die Todesstrafe und fordert die weltweite
Abschaffung dieser grausamen und unmenschlichen Strafe.» Die
EU-Ratspräsidentschaft forderte die indonesische Regierung auf,
auf weitere Hinrichtungen zu verzichten und auf diese Weise die
Anwendung der Todesstrafe wieder auszusetzen.
Die Exekutionen waren ursprünglich für Mitte August geplant,
wurden aber nach internationalen Protesten verschoben. Noch am
Donnerstag hatten die Anwälte der Männer an den
Präsidenten ein Gnadengesuch gerichtet. Tausende von indonesischen
Christen hatten sich zu Gebeten für die Verurteilten versammelt.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte die
Hinrichtungen als «ernsten Rückschlag» im weltweiten
Kampf für die Ächtung der Todesstrafe bezeichnet. Es gebe
erhebliche Zweifel daran, dass der Prozess gegen die drei indonesischen
Christen fair verlaufen sei. In dem südostasiatischen Land sind
fast 90 Prozent der etwa 215 Millionen Einwohner Muslime, etwa 19
Millionen sind Christen.
(Quelle: dpa)
EU-Kommission will Beitritt von Bulgarien und Rumänien empfehlen
Sa.23.09.06 - Die EU-Kommission will diplomatischen Kreisen in Brüssel zufolge
am kommenden Dienstag die Aufnahme Bulgariens und Rumäniens zum 1.
Januar empfehlen. Das sagten zwei Diplomaten am Freitag der
Nachrichtenagentur AP, die nach eigenen Angaben Einsicht in den
endgültigen Entwurf für den Bericht über den
Aufnahmeantrag der beiden osteuropäischen Länder hatten.
Darin würden ausdrücklich einige Strafmaßnahmen
für den Fall empfohlen, dass die beiden neuen Mitglieder gegen
EU-Regeln in verschiedenen Bereichen der Regierungsarbeit
verstießen, hieß es weiter. Es hatte bisher Spekulationen
gegeben, die Aufnahme könnte verschoben werden.
(Quelle: ap)
Deutsche Kanzlerin Merkel will EU-Erweiterung begrenzen
Sa.23.09.06 - Wenige Monate vor Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft hat
die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein vorläufiges
Ende der Erweiterung der Europäischen Union gefordert. "Auf
absehbare Zeit können wir keine neuen Zusagen machen, was
Mitgliedschaften anbelangt", sagte Merkel in einer Grundsatzrede beim
Forum der Bertelsmann-Stiftung in Berlin. Deutschland will laut Merkel
während der Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 die
Weichen für eine neue EU-Verfassung stellen.
Die Europäische Union müsse darauf achten, dass sie
"arbeitsfähig und wettbewerbsfähig" sei, sagte Merkel zur
Begründung ihres Neins zu neuen Beitrittsversprechen. Merkel nahm
von ihrer Forderung die Länder des Balkans aus. Auch die bereits
geplanten Aufnahmen von Bulgarien und Rumänien sind davon nicht
betroffen. Mit Blick auf die Verhandlungen mit der Türkei forderte
Merkel, dass Ankara alle Kriterien für eine EU-Aufnahme
erfüllen müsse. Dazu gehöre vor allem eine Lösung
der Zypern-Frage. Für andere Länder, wie Russland, die
Mittelmeeranrainer oder die Kaukasus-Staaten, müssten Mechanismen
für engere Allianzen gefunden werden, ohne über Beitritte zu
verhandeln.
Merkel kündigte weiter an, Deutschland werde vor Ende der
Ratspräsidentschaft einen Fahrplan vorlegen, um den
Verfassungsprozess wie geplant bis 2009 zu Ende zu bringen. Inhaltlich
wollte sich Merkel zu der neuen Verfassung nicht äußern.
Eine Festlegung auf eine Position führe sofort auf der anderen
Seite zu "reflexhaften" ablehnenden Reaktionen.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte bei dem
Forum, "eine neue Phase der Erweiterung kann es nicht ohne eine
Erneuerung der Institutionen geben". Barroso zeigte sich
überzeugt, dass das "europäische Projekt" unter der deutschen
Ratspräsidentschaft vorankommen werde. Der Tageszeitung "Die Welt"
sagte Barroso, unter deutschem EU-Vorsitz könnten "die
entscheidenden Weichen gestellt werden, um die institutionellen
Probleme innerhalb der EU zu lösen."
Das Forum der Bertelsmann-Stiftung beschäftigt sich bereits zum
zehnten Mal mit der Zukunft der Europäischen Union. Zur der
zweitägigen Veranstaltung im Auswärtigen Amt in Berlin sind
zahlreiche Staats- und Regierungschefs angereist.
(Quelle: afp)
Gesundheitsreform bleibt Zankapfel der Koalition
Sa.23.09.06 - Die geplante Ein-Prozent-Deckelung für Zusatzprämien der
Krankenkassen bleibt in der Koalition umstritten. Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) sagte nach einem Gespräch mit SPD-Chef Kurt Beck in
Berlin, auch die Union wolle zwar eine Überforderungsklausel. Doch
müsse dies auch "praktikabel" sein und in Übereinstimmung mit
den Zielen der Gesundheitsreform. Die Regelung solle daher noch einmal
überprüft und dazu auch externer Sachverstand eingeholt
werden.
Beck bekräftigte, dass für die SPD "die ein Prozent eine
entscheidende Größe innerhalb des Eckpunktepapiers sind und
bleiben". Auf jeden Fall sei die Überforderungsklausel an sich
"unverzichtbarer Bestandteil dieser Reform".
Merkel sagte, sie habe sich mit Beck darauf verständigt, die
Entscheidung auf die politische Ebene zu heben. Es solle dazu Rat von
Sachverständigen eingeholt werden. "Wir werden das von der
politischen Ebene aus begleiten." Alle anderen Dinge der Reform sollten
aber weiter von den Gesundheitsfachleuten geklärt werden. Merkel
hob zugleich erneut den Willen der Union hervor, die Gesundheitsreform
umzusetzen. Gründlichkeit gehe dabei aber vor Schnelligkeit.
"Wir wollen die Reform umsetzen, zügig aber ohne Hast", sagte auch
Beck. "Die Ein-Prozent-Regel steht", trat der SPD-Chef aber auch dem
Eindruck entgegen, seine Partei sei in dieser Frage zu einem Einlenken
bereit. "Wir werden das so ausgestalten, dass die Praxiseinwände,
die es gegeben hat, dann ausgeräumt werden", signalisierte er
zugleich Bereitschaft zum Kompromiss.
Forderungen nach Korrekturen an der Ein-Prozent-Regelung waren vor
allem von den unionsgeführten Bundesländern erhoben worden.
Die geplante Deckelung ist Teil des umstrittenen Gesundheitsfonds, in
den alle Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern künftig
fließen sollen. Die Kassen erhalten dann für jeden
Versicherten den gleichen Beitrag aus dem Fonds. Kommt eine Kasse mit
dem Geld nicht aus, kann sie einen Zusatzbeitrag von den Versicherten
erheben, der bisher auf ein Prozent des Haushaltseinkommens begrenzt
werden soll.
Vertreter der Union wollen diesen Grenzwert erhöhen oder ganz
aufheben. Der CSU-Gesundheitsexperte Wolfgang Zöller (CSU) hatte
eine Deckelung von zwei bis drei Prozent ins Gespräch gebracht.
(Quelle: afp)
Hintergrund: Die strittigen Reform-Punkte
Seit Wochen ringen Union und SPD um die Details der Gesundheitsreform.
Die Verhandlungen über die Ausfüllung der von den
Koalitionsspitzen Anfang Juli vereinbarten Reform-Eckpunkte gestalten
sich so schwierig, dass darüber der Koalitionsfrieden immer wieder
in Gefahr gerät.
Die strittigen Punkte:
- Gesundheitsfonds: Als neue Geldsammelstelle soll der Gesundheitsfonds
die Beiträge von Beschäftigten, Arbeitgebern und künftig
auch Steuermittel einnehmen und an die gesetzlichen Krankenkassen
weiterleiten. Die Einführung ist für 2008 geplant. Danach
soll es nur noch einen, bundesweit einheitlichen Beitragssatz zur
gesetzlichen Krankenkasse geben. Die Kassen erhalten aus dem Fonds
für jeden Versicherten einen einheitlichen Pauschalbetrag. Kommt
eine Kasse mit dem Geld nicht aus, soll sie eine Zusatzprämie von
maximal einem Prozent des Haushaltseinkommens von ihrem Versicherten
erheben können. Die Union will die Begrenzung auf ein Prozent
streichen. Begründung: Die gedeckelte Prämie würde
Kassen mit vielen Rentnern und Arbeitslosen - wie die AOK - nicht genug
Geld einbringen. Sie müssten dann die Leistungen kürzen. Die
SPD will an der Überforderungsklausel ohne Abstriche festhalten
und das Problem durch einen neuen Finanzausgleich zwischen den Kassen
lösen.
- Finanzausgleich: Zwischen «armen» und
«reichen» Kassen ist ein Finanzausgleich geplant, der -
anders als bisher - auch die Krankheitsrisiken der Versicherten
berücksichtigt. Er hängt eng mit dem Gesundheitsfonds
zusammen. Kassen, die viele alte und arme Krankenversicherte haben,
sollen aus dem Fonds Zuschläge auf die Grundprämie erhalten.
Je höher diese Zuschläge, desto niedriger kann die
Zusatzprämie für die Mitglieder der betroffenen Kassen
ausfallen. Die Union, vor allem die von ihr regierten
Bundesländer, befürchten, dass «reiche» Kassen
damit über Gebühr in Anspruch genommen werden sollen und ihre
Beiträge erhöhen müssten. CSU-Chef Edmund Stoiber
forderte bereits einen «Bayern-Rabatt».
Baden-Württemberg hatte sich ähnlich geäußert.
- Private Krankenkassen: Der Wettbewerb unter privaten Krankenkassen
soll gestärkt werden. Privatversicherte sollen die von ihrer Kasse
aus ihren Beiträgen vorgenommenen Altersrückstellungen bei
einem Kassenwechsel mitnehmen dürfen. Weil dies derzeit nicht
möglich ist, wechselt kaum ein Privatpatient die Versicherung. Die
Versicherer lehnen die «Portabilität» der insgesamt
milliardenschweren Altersrückstellungen ab. Auch soll der Wechsel
aus gesetzlichen zu privaten Kassen erschwert werden. Vor dem Wechsel
müsste ein Beschäftigter mindestens drei Jahre lang ein
Einkommen oberhalb der Pflichtversicherungsgrenze bezogen haben. Auch
sollen Privatkassen einen Basistarif anbieten, der sich an den
Leistungen der GKV orientiert.
Quelle: dpa, 22.09.2006
|
Bundesrat beschließt Verbraucherinformationsgesetz
Sa.23.09.06 - Der Bundesrat hat am Freitag den Weg für das umstrittene
Verbraucherinformationsgesetz freigemacht. Die Länderkammer stimmte
dem Gesetz mit großer Mehrheit zu.
Als Konsequenz aus mehreren Gammelfleischskandalen sollen Behörden
dazu verpflichtet werden, die Namen von Firmen oder Produkten zu
veröffentlichen. Die Verbraucher haben außerdem einen
Anspruch auf Auskunft und Akteneinsicht zum Beispiel bei
Lebensmittelskandalen.
Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) hatte die
Länder vor der Abstimmung aufgerufen, die erneute Chance zu einem
Verbraucherinformationsgesetz zu ergreifen. Über das Thema sei
jetzt bereits fünf Jahre diskutiert worden. Es habe bisher schon
zwei gescheiterte Anläufe gegeben, warnte er.
Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) sprach sich
für öffentliche Rückrufaktionen von Lebensmitteln aus.
Was in anderen Branchen selbstverständlich sei, sollte in der
Lebensmittelbranche auch möglich sein, sagte er. Eine solche
Unternehmenskultur schaffe Vertrauen.
Einige Länder hatten rechtliche Bedenken gegen das Gesetz
vorgebracht. Die Bundestagsopposition und Verbraucherschützer
kritisieren, dass es zu viele Ausnahmen für Unternehmen gibt.
(Quelle: dpa)
Bleiberechtsregelung für geduldete Ausländer rückt
näher
Sa.23.09.06 - Im Ringen um eine Bleiberechtsregelung für die 180.000 nur
geduldeten Ausländer rückt eine Einigung näher. Bei
einem Treffen der maßgeblichen Innenpolitiker von Union und SPD
wurden am Freitagabend nach Teilnehmerangaben deutliche Fortschritte
erzielt. «Wir sind ein gutes Stück voran gekommen»,
sagte der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz der
Nachrichtenagentur AP. Man sei sich weitgehend einig, dass es zu einer
Bleiberechtsregelung kommen soll. «Aber über Einzelheiten
wird noch zu reden sein.»
Er sei zuversichtlich, dass es bei der Innenministerkonferenz im
November zu einer Einigung kommen könne, sagte Wiefelspütz.
«Ich bin da guten Mutes.» Zu dem Treffen im Berliner
Bundesinnenministerium hatte Minister Schäuble sechs
Landesinnenminister sowie die Innenexperten der Koalitionsfraktionen im
Bundestag eingeladen. Jetzt sollen die Gespräche zunächst in
einer Arbeitsgruppe der Innenministerkonferenz fortgesetzt werden, die
einen Lösungsvorschlag für das Treffen im November
vorbereiten soll.
Die Diskussion um eine Bleiberechtsregelung läuft schon seit
Jahren. Dabei geht es um Ausländer, die seit Jahren ohne
Aufenthaltstitel in Deutschland leben, aber auch nicht in ihre
Heimatländer zurückkehren können.
(Quelle: ap)
Moslem-Verbände äußern Vorbehalte gegen Islam-Konferenz
Sa.23.09.06 - Die Spitzenverbände der Moslems in Deutschland haben Vorbehalte
gegen die von der Regierung geplante Islamkonferenz.
Bisher sei das konkrete Ziel der vom Bundesinnenministerium anberaumten
Konferenz nicht erkennbar, kritisierten die Verbände am Freitag in
Köln in einer gemeinsamen Erklärung. "Außerdem
berücksichtigt die jetzige Zusammensetzung der Teilnehmer nicht die
Selbstorganisation der Muslime." So müssten die rund 2500
Moscheengemeinden, die das Leben des Islam in Deutschland prägten,
in der Konferenz angemessen berücksichtigt werden. Die
Verbände erklärten sich aber trotz ihrer Bedenken bereit, an
der Veranstaltung am kommenden Mittwoch in Berlin teilzunehmen.
Die Verbände betonten, ihnen gehe es in erster Linie um die
Integration vom Islam und Moslems in die deutsche Staatsordnung und
Gesellschaft sowie um eine verlässliche Islampolitik.
(Quelle: rtr)
Bundesfinanzhof warnt: Studiengebühren sind verfassungswidrig
Sa.23.09.06 - Ein Richter am Bundesfinanzhof warnt den Freistaat Bayern vor
rechtlichen Problemen im Zusammenhang mit der Einführung von
Studiengebühren. Einem Bericht der «Süddeutschen
Zeitung» (Samstagausgabe) zufolge liege ein Gutachten des
Richters vor, in dem darauf hingewiesen wird, dass Passagen im
Hochschulgesetz als auch in den Satzungen der Hochschulen rechtswidrig
seien.
Verfassungsrechtliche Bedenken hat der Rechtsexperte den Angaben
zufolge vor allem hinsichtlich des Ausfallfonds. Demnach müssten
zehn Prozent der Erlöse per Gesetz als Ausfallbürgschaft
zurückgelegt werden. Banken sollen darauf zurückgreifen
können, wenn Absolventen mit der Rückzahlung der Darlehen
Schwierigkeiten haben. Dass wie vorgesehen aus diesem Gebührentopf
die Ausfallbürgschaft finanziert werden soll, hält der
Richter für verfassungswidrig. Er betonte: «Studenten sollen
selbst dafür sorgen, dass Studienbeiträge
sozialverträglich sind, das ist blanker Hohn.» Für die
sozialverträgliche Ausgestaltung müsse schließlich der
Staat aufkommen.
Rechtswidrig sei darüber hinaus die Erhebung eines
Einheitsbeitrags je Semester, sofern die Einnahmen ausschließlich
zur Verbesserung der Studienbedingungen dienen sollen. Das aber hat
Bayern zur Voraussetzung einer Gebührenpflicht gemacht. Der
Experte warnte: «Die Beitragssatzungen und die darauf beruhenden
Bescheide können von den Verwaltungsgerichten problemlos wieder
aufgehoben werden.»
(Quelle: ddp)
23 Tote bei Transrapid-Unglück auf Teststrecke im Emsland
Sa.23.09.06 - Bei einem schweren Unglück auf der Transrapid-Versuchsstrecke im
Emsland sind 23 Menschen getötet worden. Zehn Menschen wurden nach
Polizeiangaben zum Teil schwer verletzt, sind aber außer
Lebensgefahr. Die Magnetschnellbahn war am Freitagmorgen auf freier
Strecke nahe der Ortschaft Lathen mit einer Geschwindigkeit von
mindestens 200 Stundenkilometern auf einen Arbeitszug geprallt. Die
Staatsanwaltschaft geht von menschlichem Versagen als Unfallursache
aus. Bei den Opfern handelt es sich vor allem Mitarbeiter des
Energiekonzerns RWE auf einem Betriebsausflug.
Die Rettungskräfte rechneten nicht damit, auf weitere Opfer zu
stoßen. Der vordere Teil des Transrapid wurde bei der Kollision
laut der Betreibergesellschaft IABG zerstört und hing teilweise
herunter. Die Aufräum- und Bergungsarbeiten wurden am Abend
zunächst eingestellt und sollen heute fortgesetzt werden. Sie
gestalteten sich schwierig, weil der Transrapid auf einer etwa
fünf Meter hohen Trasse fährt.
Der Transrapid sei mit einem Sonderfahrzeug zum Reinigen der Anlage
zusammengestoßen, das jeden Tag die Strecke abfahre, sagte ein
Sprecher der Staatsanwaltschaft. Normalerweise fahre der Transrapid
aber erst los, wenn das Reinigungsfahrzeug wieder im Bahnhof
eingefahren sei. In diesem Fall habe Fahrzeug noch auf der Trasse
gestanden. Der Fahrer des Transrapid habe versucht zu bremsen. Es sei
aber zu spät gewesen.
Die Strecke sei 23 Jahre unfallfrei betrieben worden, sagte der
Vorstandsvorsitzende des Transrapid-Herstellers Thyssen-Krupp, Ekkehard
Schulz. Es gebe auch nach dem Unfall keine Anhaltspunkte, an der
Sicherheit der Technologie zu zweifeln.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Familien der Opfer ihr Beileid
aus. Sie halte die Transrapid-Technik derzeit weiter für eine
sichere Technologie. Seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren
Familien, erklärte Bundespräsident Köhler.
Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee brach nach der Katastrophe seine
China-Reise ab.
Die Transrapid Versuchsanlage Emsland (TVE) erstreckt sich mit ihrer
Länge von 31,8 Kilometern zwischen den Gemeinden Dörpen und
Lathen im niedersächsischen Emsland nahe der holländischen
Grenze und gilt als derzeit größte Testanlage für
Magnetschwebefahrzeuge in der Welt. Die höchste auf der
Versuchsstrecke erreichte Geschwindigkeit betrug 450 Kilometer pro
Stunde.
Die bisher einzige kommerzielle Strecke verbindet auf 30 Kilometern in
Schanghai den Flughafen mit dem Finanzdistrikt. Im Herbst soll über
den Bau einer Flughafenanbindung in München entschieden werden.
Der Transrapid wird von einem Konsortium aus Siemens und ThyssenKrupp
gebaut.
(Quellen: rtr, afp)