Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundsiebzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Fast 40 Tote bei Bombenanschlag in Bagdad. Web-Video zeigt offenbar
Verbrennen amerikanischer Soldatenleichen
So.24.09.06 - Bei einem Bombenanschlag unmittelbar vor Beginn des Fastenmonats
Ramadan sind am Samstag in Bagdad mindestens 37 Menschen getötet
worden. 40 weitere wurden nach Angaben der Polizei verletzt. Die in
einer Tonne versteckte Bombe detonierte nahe einem Treibstofflaster im
schiitischen Armenviertel Sadr City, wo wegen des Ramadan-Beginns mehr
Menschen als sonst anstanden, um Kerosin zu kaufen. Auch der Lastwagen
explodierte. Unter den Toten waren 17 Frauen.
Auf einer Webseite irakischer Extremisten ist am Samstag ein Video
aufgetaucht, das offenbar die Misshandlung und Verstümmelung der
Leichen von zwei US-Soldaten zeigt. Die Leichen der beiden Männer
werden von vermummten Männer an einen Lastwagen gebunden über
eine lange Straße bis zu einem Feld geschleift. Dort werden die
Leichen angezündet; der abgeschlagene Kopf eines Soldaten wird
über einen Gehsteig gekickt. Dazu wird der Untertitel
eingeblendet: «Die beiden gehören zu derselben Brigade,
deren Soldaten unsere Schwester in Mahmudija vergewaltigt haben.»
Das Video wird auf einer Seite des Mudschahedin-Schura-Rates gezeigt,
einer Dachorganisation irakischer Extremisten, der auch die Al Kaida im
Irak angehört. Bereits im Juni tauchte ein Video auf derselben
Webseite auf, das die beiden toten US-Soldaten zeigt. Die
US-Streitkräfte haben bestätigt, dass zwei Männer der
Einheit seit dem 16. Juni vermisst wurden und ihre Leichen drei Tage
später gefunden worden seien. Wegen der Vergewaltigung und
Ermordung einer 14-jährigen Irakerin sowie der Tötung ihrer
Schwester und Eltern in der Region Jussifija sind fünf Soldaten
angeklagt worden.
Die Sicherheitskräfte im Irak nahmen unterdessen einen
mutmaßlichen Terrorführer fest. Wie die Regierung in Bagdad
am Samstag bekannt gab, wurde ein Führungsmitglied der Gruppe
Ansar al Sunna gefasst, die sich zu zahlreichen
Selbstmordanschlägen und Geiseltötungen bekannt hat. Bei dem
Einsatz irakischer und amerikanischer Truppen bei Mukdadija,
nordöstlich von Bagdad, seien am Freitagabend neben Muntassir
Hamud Ileiwi al Dschuburi auch zwei seiner Helfer festgenommen worden.
Bei den drei Männern seien Unterlagen und Sturmgewehre
sichergestellt worden. Die sunnitische Gruppe Ansar al Sunna soll in
Kontakt zur Al Kaida im Irak stehen.
Bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe wurde am
Samstag in Bagdad ein US-Soldat getötet, wie die Streitkräfte
mitteilten. Im Südirak kam bei einem ebensolchen Anschlag ein
dänischer Soldat ums Leben, ein weiterer erlitt nach
Militärangaben Verletzungen. In Basra starb bei einem
Raketenangriff am Freitag ein US-Bürger, der für das
amerikanische Außenministerium arbeitete, wie die US-Botschaft
mitteilte.
In der Stadt Kut wurden am Samstag fünf Tote in ein
Leichenschauhaus eingeliefert, die offenbar Opfer einer Todesschwadron
geworden waren. Sie wurden in der Nähe von Suwajra im Tigris
entdeckt. Die Leichen wiesen Folterspuren auf, wie ein Mitarbeiter des
Leichenschauhauses sagte.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 24.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertdreiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.24.09.05 - Schiitischer Ayatollah unterstützt irakische Verfassung +++ Bush
rechnet vor Referendum und Wahlen im Irak mit 'mehr Gewalt' +++
Selbstmordattentäter reißt in Bagdad fünf Menschen in
den Tod. Weiterer US-Soldat bei Sprengstoffanschlag getötet. Zahl
der seit Kriegsbeginn im Irak getöteten Amerikaner erhöhte
sich damit auf 1.911 +++ IWF will dem Irak unter bestimmten Bedingungen
Kredit einräumen +++ Neue Ermittlungen zu Misshandlung von Gefangenen
im Irak - Human Rights Watch legt anklagenden Bericht vor...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509240.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Libanons Armee bezieht erstmals Stellung an Grenze zu Israel.
Palästinenserpräsident Abbas räumt Scheitern der
Bemühungen um Bildung einer Regierung der nationalen Einheit ein.
Hunderte Regierungsangestellte demonstrieren im Gazastreifen
Sa.24.09.06 - Die libanesische Armee hat erstmals an der Grenze zu Israel Stellungen
bezogen. Die Truppen rückten unterstützt von
UN-Blauhelmsoldaten zur so genannten Blauen Linie vor, die als Grenze
zwischen beiden Staaten dient. Die rund 200 von Panzern
unterstützten Soldaten einer Infanterieeinheit bezogen ihre
Stellungen an zwei Punkten im westlichen Sektor der Grenze bei Nakura an
der Mittelmeerküste und beim rund drei Kilometer östlich
gelegenen Labbuneh, wie ein Armeesprecher weiter erläuterte.
Die beiden Posten, die von der UN-Friedensmission UNIFIL errichtet
wurden, sind rund einhundert Meter von israelischen Truppen auf der
anderen Seite der Grenze entfernt. Damit wird die libanesische Armee zum
ersten Mal seit Jahrzehnten an der Grenze zu Israel stationiert.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat am Samstag
das Scheitern der bisherigen Bemühungen um die Bildung einer
Regierung der nationalen Einheit eingeräumt. Man müsse noch
einmal ganz von vorn anfangen, sagte Abbas nach einem Treffen mit dem
ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in Kairo.
Ministerpräsident Ismail Hanija von der radikalislamischen Hamas
hatte am Freitag erklärt, er werde keiner Regierung vorstehen, die
Israel anerkenne.
«Wir sind zurück bei Null», sagte Abbas. Vor der
internationalen Gemeinschaft in New York hatte er noch am Donnerstag
zugesichert, dass die geplante neue Regierung das Existenzrecht Israels
anerkennen werde. Seine Fatah-Bewegung und die Hamas hatten sich in der
vergangenen Woche zur Bildung einer Koalitionsregierung bereit
erklärt. In einer vorläufigen Vereinbarung hieß es,
Ziel sei die Errichtung eines palästinensischen Staates an der
Seite Israels, was eine indirekte Anerkennung des jüdischen
Staates bedeutet.
Gerüchte über Geheimgespräche mit Israel wies Abbas
zurück. «Ich wünschte, es gäbe unangekündigte
Verhandlungen»», erklärte der Präsident. Er sei
bereit, «jederzeit und überall ohne Bedingungen» mit
dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert zusammenzutreffen.
Mehr als 1.000 Angestellte der palästinensischen
Autonomiebehörde haben am Samstag vor dem Büro von
Präsident Mahmud Abbas die Auszahlung ihrer seit Monaten
ausstehenden Gehälter gefordert. Abbas habe zugesagt, mit Beginn
des Fastenmonats Ramadan am Samstag wieder Geld zu überweisen,
erklärten die Demonstranten. Die insgesamt 165.000 Angestellten der
Autonomiebehörde, darunter Lehrer, Polizisten und
Beschäftigte im Gesundheitswesen, haben seit dem Amtsantritt der
Hamas-Regierung im März so gut wie kein Gehalt mehr bekommen.
Mehrere hundert von ihnen befinden sich deswegen seit Anfang September
im Streik.
(Quellen: ap, afp)
Fastenmonat Ramadan begann in weiten Teilen der islamischen Welt
Sa.24.09.06 - In weiten Teilen der islamischen Welt hat am Samstag der Fastenmonat
Ramadan begonnen. Der Oberste Justiz-Rat Saudi-Arabiens bestätigte
die Beobachtung der Sichel des Neumonds und verfügte, dass der
Ramadan am folgenden Morgen beginnt. Das berichtet die saudische
Tageszeitung «Arab News» in ihrer Internet-Ausgabe. Im
Ramadan ist es den Moslems zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang
untersagt, zu essen, zu trinken oder zu rauchen. Der Fastenmonat gilt
als Zeit der Besinnung und der Fürsorge für die Armen und
sozial Benachteiligten.
(Quelle: dpa)
Stichwort: Ramadan
Der Fastenmonat Ramadan ist der neunte Monat des islamischen
Mondkalenders und für Muslime die wichtigste Fastenzeit des Jahres.
Nach der Überlieferung wurde dem Propheten Mohammed in diesem
Monat vor rund 1.400 Jahren ein erster Teil des Korans offenbart. Zur
Ehre Gottes soll deshalb zwischen Sonnenaufgang und -untergang auf
körperliche Genüsse wie Essen, Trinken, Rauchen und
Sexualverkehr verzichtet werden. Zudem lesen Strenggläubige
während der rund 30 Tage traditionell den gesamten Koran.
Nach Sonnenuntergang wird zunächst meist eine Dattel mit einem
Schluck Wasser verspeist, bevor sich die Familien zu reichhaltigen
Mahlzeiten treffen. Viele Muslime gehen außerdem zu Koranlesungen
in die Moschee. Höhepunkt des Monats ist die Nacht vom 26. zum 27.
Ramadan, in der Gott dem Propheten das heilige Buch übergeben haben
soll. Sie wird als «Nacht der göttlichen Macht»
besonders gefeiert, bevor der Ramadan wenige Tage später mit einem
dreitägigen Fest endet.
Der genaue Beginn des Fastenmonats ist nicht ohne weiteres
vorhersehbar: Er richtet sich neben wissenschaftlichen Berechnungen auch
nach der ersten Sichtung des Neumondes und kann deshalb in
verschiedenen Regionen der Erde variieren. Wann der Neumond des neunten
Monats als gesichtet gilt, entscheidet hier zu Lande der Deutsche
islamwissenschaftliche Ausschuss der Neumonde (DIWAN) in Köln.
Weil ein
Mondjahr kürzer ist als die Jahre des christlichen
Kalenders, beginnt der Fastenmonat jedes Jahr um zehn bis elf Tage
früher - im kommenden Jahr muss also neu entschieden werden.
Der Begriff Ramadan leitet sich aus den Worten «ramida»
oder «arramad» ab und bezeichnet brennende Hitze und
Trockenheit. Auch das Wort «ramdaa» - sonnengebrannter Sand
- geht auf diese Wurzeln zurück. Sie sollen auf das
Hitzegefühl hinweisen, dass der Gläubige in seinem leeren
Magen verspürt. Eine andere Interpretation besagt, der Ramadan
brenne die Sünden aus wie die Hitze den Boden. Die Fastenzeit wird
deshalb auch als der «heiße Monat» bezeichnet.
Quelle: ap, 23.09.2006
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Gambias Präsident zu dritter Amtszeit gewählt
Sa.24.09.06 - Amtsinhaber Yahya Jammeh hat nach Angaben der Wahlkommission die
Präsidentenwahl im westafrikanischen Staat Gambia gewonnen. Jammeh
habe mit 67 Prozent seine dritte Wahl seit seiner Machtergreifung in
einem Putsch vor zwölf Jahren gewonnen. Ein Sprecher der
Wahlkommission, Joseph Colley, sagte weiter, von den beiden anderen
Kandidaten habe Ousainou Darboe 27 und Halifa Sallah sechs Prozent der
Stimmen erhalten. Die Wahlbeteiligung habe am Freitag bei 59 Prozent
gelegen.
(Quelle: ap)
Elfenbeinküste: Giftmüllschiff soll 'schwimmende Raffinerie'
gewesen sein
Sa.24.09.06 - Das niederländische Schiff, das tödlichen Giftmüll in
der Elfenbeinküste entsorgt hat, soll nach Informationen der
Amsterdamer Zeitung «De Volkskrant» eine schwimmende
Raffinerie gewesen sein. Die «Probo Koala» der Reederei
Trafigura Beheer BV habe einen Profit von 5,5 Millionen Euro
erwirtschaftet, indem sie während der hohen Spritpreise in diesem
Sommer aus Naphtha - auch Chemiebenzin genannt - Benzin hergestellt
habe. Dabei sei auf See eine «primitive Methode» angewandt
worden. Die Reederei wies den Zeitungsbericht am Samstag als falsch
zurück.
Eine Trafigura-Sprecherin sagte, der Bericht sei völlig
unzutreffend und überdies sei solch eine Umwandlung auf See
unmöglich. Ihren Namen wollte sie nicht nennen. Trafigura hat
angegeben, bei dem in der Elfenbeinküste entsorgten Giftmüll
habe es sich um ein Reinigungsmittel für Schiffstanks gehandelt.
Analysen der Vereinten Nationen haben aber von «reinem
petrochemischen Müll» gesprochen; unter anderem sei
Schwefelwasserstoff festgestellt worden. In der Umgebung der Deponie
starben sieben Menschen nach der Ablagerung, 44.000 Menschen wurden mit
Beschwerden in Krankenhäusern behandelt.
Nach Darstellung von Trafigura hat das Unternehmen die Behörden
ordnungsgemäß über den Inhalt der Ladung informiert. Es
habe die Erlaubnis zum Entladen bekommen und sei dann davon
ausgegangen, dass sein örtlicher Partner Tommy Company zur
Entsorgung qualifiziert sei. Trafigura-Direktor Claude Dauphin und ein
weiterer leitender Angestellter wurden in dieser Woche in der
Elfenbeinküste verhaftet, als sie eintrafen, um den Behörden
bei den Aufräumarbeiten zu unterstützen. Auch der Tommy-Chef,
ein Nigerianer namens Salomon Ugborugbo, wurde Medienberichten zufolge
verhaftet.
Bisherigen Ermittlungen zufolge ist die «Probo Koala» um
die halbe Welt gefahren, um ihre giftige Ladung loszuwerden.
Ursprünglich hatte der Amsterdamer Hafen die Entsorgung für
12.000 Euro angeboten, die Ladung wegen ihres Gestanks aber nicht mehr
zu diesem Preis annehmen wollen. Das Schiff sei daraufhin nach Estland
gefahren. Dort habe man die für 200.000 Euro angebotene Entsorgung
abgelehnt. Die niederländische Zeitung «NRC»
berichtete am Samstag, Tommy Company habe am 18. August ein Angebot
über 15.500 Euro unterbreitet.
In Amsterdam sind bei der Staatsanwaltschaft, der Stadt und dem
Verkehrsministerium drei Ermittlungsverfahren gegen Trafigura
anhängig.
(Quelle: ap)
Die 400 reichsten Amerikaner haben 1,25 Billionen Dollar
Sa.24.09.06 - Das Vermögen der 400 reichsten Amerikaner ist innerhalb eines
Jahres um rund 120 Milliarden auf 1,25 Billionen Dollar gestiegen - das
sind umgerechnet 980 Milliarden Euro. Dies geht aus der jüngsten
Liste der reichsten Amerikaner hervor, die das Wirtschaftsmagazin
«Forbes» am Donnerstag veröffentlicht hat. Zum ersten
Mal enthält die Liste ausschließlich Milliardäre.
Auf den ersten beiden Plätzen gab es keine Änderung
gegenüber dem Vorjahr: Der reichste Amerikaner ist erneut wie
schon seit 13 Jahren der Microsoft-Gründer Bill Gates mit
inzwischen 53 Milliarden Dollar. Danach folgt Warren Buffett mit seiner
Holdung Berkshire Hathaway, die unter anderem Anteile an Coca-Cola,
Gillette und der «Washington Post» hält. Sein
Vermögen wird mit 46 Milliarden Dollar angegeben. Einen
großen Sprung vom 15. auf den dritten Platz machte der
Kasino-Besitzer Sheldon Adelson mit einem Vermögen von 20,5
Milliarden Dollar. Ihm gehört die Mehrheit von Las Vegas Sands,
das vor zwei Jahren ein lukratives Kasino in der chinesischen
Wirtschaftsmetropole Macau eröffnet hat.
Weiter auf dem Weg nach oben sind die beiden Google-Gründer Sergey
Brin und Larry Page, die sich vom 16. auf den 12. und 13. Platz
verbesserten. «Forbes» zufolge verdienten die beiden in den
vergangenen zwei Jahren jeden Tag etwa 13 Millionen Dollar. Mit 33
Jahren sind die beiden auch die jüngsten unter den 400 reichsten
Amerikanern. Die Liste enthält lediglich acht Geschäftsleute
unter 40 Jahre.
Ein paar Treppenstufen nach unten stiegen Microsoft-Mitbegründer
Paul Allen (von drei auf fünf) und der PC-Unternehmer Michael Dell
(von vier auf neun). Hingegen konnte Oracle-Chef Larry Ellison mit 19,5
Milliarden Dollar vom fünften auf den vierten Platz
vorstoßen.
Beliebtester Wohnort der Reichen ist Kalifornien - hier finden sich 90
der 400 Milliardäre. An zweiter Stelle folgt die Stadt New York
mit 44 Geschäftsleuten.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.forbes.com/400richest
Polnische Koalition gescheitert
Sa.24.09.06 - Nach dem Scheitern der vor rund fünf Monaten gebildeten
Regierungskoalition in Polen hat sich Ministerpräsident Jaroslaw
Kaczynski zuversichtlich gezeigt, eine neue Mehrheitsregierung zu bilden.
«Sollte das nicht gelingen, gibt es keinen anderen Ausweg als
Neuwahlen», sagte der nationalkonservative Politiker am
Freitagabend in einer Fernsehansprache. Am Vormittag hatte
Staatspräsident Lech Kaczynski, Zwillingsbruder des
Regierungschefs, den stellvertretenden Ministerpräsidenten und
bisherigen Landwirtschaftsminister Andrzej Lepper entlassen.
«Polen braucht Ruhe", betonte Jaroslaw Kaczynski mit Blick auf
die Reformvorhaben seiner Regierung bei der Stabilisierung des Haushalts
und dem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Mit der Entlassung Leppers,
der Vorsitzender der radikalen Bauernpartei Samoobrona ist, droht
Kaczynski allerdings der Verlust der parlamentarischen Mehrheit.
Die endgültige Entscheidung über mögliche Neuwahlen
dürfte auf der nächsten Sitzung des polnischen Parlaments vom
10. bis 13. Oktober fallen. Bis dahin wollen sich Kaczynski und die
Abgeordneten seiner Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) Zeit für
Gespräche über die Bildung einer mehrheitsfähigen
Koalition nehmen.
PiS-Sprecher Adam Bielan sagte, auf der nächsten Parlamentssitzung
werde es eine Vertrauensabstimmung geben. Für den Fall des
Scheiterns will die PiS selbst einen Antrag auf Selbstauflösung des
Parlaments stellen. Hat dieser Antrag Erfolg, müssen innerhalb von
45 Tagen Neuwahlen anberaumt werden.
Zum Bruch der Koalition hatten auch Meinungsverschiedenheiten über
die Aufstockung des polnischen Militärkontingents in Afghanistan
geführt. Lepper kündigte an, auch die zu Samoobrona
gehörende Arbeitsministerin Anna Kalata und Bauminister Antoni
Jaszczak würden ihre Regierungsämter aufgeben.
Bei der Verabschiedung Leppers bedauerte Jaroslaw Kaczynski den Bruch
mit dem Bauernführer. «Ich habe damit gerechnet, dass die
Zusammenarbeit länger dauert», sagte er nach dem knappen
halben Jahr gemeinsamer Regierungsarbeit. Er zeigte sich entschlossen,
im Parlament eine Mehrheit für die Regierung zu finden, schloss
aber auch eine Vertrauensabstimmung und vorgezogene Wahlen nicht aus.
«Wir werden keine Regierung um jeden Preis bilden», betonte
er.
In der von Kaczynski geführten Regierung bleibt die
nationalistische Liga Polnischer Familien (LPR) Koalitionspartner. Mit
154 PiS-Parlamentariern, 29 Abgeordneten der LPR und fünf
fraktionslosen nationalistischen Abgeordneten fehlt der Regierung jedoch
die Mehrheit im Sejm mit insgesamt 460 Abgeordneten, wenn sie die 53
Samoobrona-Stimmen verliert.
Erste Signale über eine mögliche Zusammenarbeit mit der
Regierung gab es am Freitag von der gemäßigten Bauernpartei
PSL. «Wir meinen, dass alle Möglichkeiten überlegt
werden sollten», sagte der PSL- Vorsitzende Waldemar Pawlak. Seine
Partei sei zu «ernsthaften Gesprächen über eine
Regierungskoalition bereit».
Die Samoobrona spaltet sich indessen. Bis Freitagnachmittag hatten
bereits zehn Abgeordnete die Fraktion verlassen, um weiter mit der PiS
zusammenarbeiten zu können. Lepper beschuldigte die PiS, mit
finanziellen und beruflichen Angeboten Samoobrona-Mitglieder zur Abkehr
von ihrer Partei bewegen zu wollen. Politiker der liberalen
Bürgerplattform (PO) widersprachen am Freitag PiS-Informationen,
auch eine Reihe liberaler Abgeordneter überlege, die Seiten zu
wechseln.
Die Aussicht auf Neuwahlen bringt auch den ehemaligen Präsidenten
und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa zurück auf die
politische Bühne. «Alles deutet darauf hin, dass ich zu den
Wahlen antrete», sagte er der polnischen Nachrichtenagentur PAP.
Für welche Partei er sich ins Parlament wählen lassen will,
verriet er aber nicht. Walesa ist seit Jahren mit den
Kaczynski-Brüdern zerstritten und warnte wiederholt, sie
könnten «nicht aufbauen, sondern nur zerstören».
(Quelle: dpa)
Rund 20.000 fordern Rücktritt der ungarischen Regierung
Sa.24.09.06 - Rund 20.000 Demonstranten haben sich am Samstag vor dem Budapester
Parlament zur bislang größten Kundgebung gegen
Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany versammelt. Sie forderten
erneut den Rücktritt der Regierung, nachdem am vergangenen Sonntag
ein Tonbandmitschnitt Äußerungen des
Ministerpräsidenten enthüllt hatte, dass er die
Öffentlichkeit im Wahlkampf bewusst belogen und über das
Ausmaß der Wirtschaftskrise getäuscht habe.
Zu der Kundgebung kamen auch viele Anhänger der größten
Oppositionspartei, dem Ungarischen Bürgerbund (FIDESZ). Sie hatte
wegen der angespannten Lage mit teilweise gewalttätigen
Zusammenstößen während täglicher Proteste seit der
Enthüllung eine eigene Kundgebung abgesagt. Die Organisatoren der
Proteste kündigten an, sie würden die Demonstrationen bis zu
einem Rücktritt der Regierung fortsetzen - gegebenenfalls auch
über die am 1. Oktober stattfindendem Kommunalwahlen hinaus.
Gyurcsany hat alle Rücktrittsforderungen abgelehnt und umfassende
Reformen angekündigt.
Im Münchner Nachrichtenmagazin «Focus» warf er dem
FIDESZ vor, aus Frustration über die verlorene Wahl eine
Diffamierungskampagne gegen seine Regierung gestartet zu haben. Der
FIDESZ habe den Wählern eingebläut, dass die Regierung
illegitim sei, so dass alle Mittel gegen sie erlaubt seien.
«Rechtsextremisten und Fußballhooligans haben dies offenbar
als Wahrheit akzeptiert», sagte er.
(Quelle: ap)
10.000 Menschen protestieren in Großbritannien gegen Blair
Sa.24.09.06 - Einen Tag vor Beginn des Labour-Parteitags haben in
Großbritannien mindestens 10.000 Menschen gegen die Politik ihrer
Regierung in Irak, Afghanistan und Nahost protestiert. Die
Demonstranten forderten in Manchester einen sofortigen Abzug der
britischen Truppen aus Afghanistan und dem Irak sowie mehr
Unterstützung für die palästinensischen Positionen in
Nahost. Unter den Demonstranten befanden sich auch Lauren Booth, die
Schwägerin von Premierminster Tony Blair, und das ehemalige
Labour-Parteimitglied George Galloway.
Viele Demonstranten schwenkten Plakate mit der Aufschrift "Time to go"
(Es ist Zeit zu gehen). Andere forderten unter Trommelschlägen und
Pfeifen den sofortigen Rücktritt von Premierminister Blair und
eine Untersuchung seiner Rolle bei der Rechtfertigung des Irakkrieges.
Booth sagte zur Begründung ihrer Teilnahme an der Demonstration,
sie halte die Außenpolitik ihres Schwagers für
"verhängnisvoll".
Zur gleichen Zeit kamen Blair und mehrere Delegierte in Manchester an.
Es ist für den Premier der letzte Parteitag vor seinem
angekündigten Rücktritt im kommenden Jahr. Die Frage der
Nachfolge Blairs wird aller Voraussicht nach das beherrschende Thema
der fünftägigen Versammlung sein.
(Quelle: afp)
Merkel, Putin und Chirac wollen Partnerschaft für Frieden
Sa.24.09.06 - Deutschland, Russland und Frankreich wollen gemeinsam weltweit für
den Frieden wirken und in strategischen Industriebereichen wie der
Energie und dem Flugzeugbau kooperieren. Das vereinbarte Deutschlands
Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem französischen
Präsidenten Jacques Chirac und dem russischen Staatschef Wladimir
Putin am Samstag in Compiègne (Nordfrankreich).
Die drei Staaten wollten «überall, wo das nötig
ist», für den Frieden eintreten, sagte Gastgeber Chirac. Das
gelte für das Kosovo und den «eingefrorenen» Konflikt
in Moldawien ebenso wie für den Kaukaus und den Nahen Osten.
Detailliert besprachen die drei Staatsführer nach Putins Worten
den - im Westen umstrittenen - Kapitaleinstieg Russlands bei der
Airbus-Mutter EADS. Man werde eine Arbeitsgruppe einrichten, um die
Zusammenarbeit in der Luft- und Raumfahrt auszuloten, sagte Putin. Er
versicherte, der Einstieg einer Moskauer Bank mit 5,02 Prozent bei EADS
sei keine aggressive Einflussnahme, sondern Teil des natürlichen
Spiels der Märkte. EADS hält umgekehrt zehn Prozent am
russischen Kampfflugzeugbauer Irkut, der in einem gesamtrussischen
Flugzeugbaukonzern aufgehen soll. EADS und Airbus sind interessiert,
Entwicklungs- und Bauaufträge an russische Partner zu vergeben.
Im Atomstreit mit dem Iran traten die Gipfelpartner für eine
diplomatische Lösung ein. Merkel wertete die Zusammenarbeit in der
Iranfrage als «außerordentlich positiv» und
«hohes Gut».
Einig zeigten sich die drei auch im Libanonkonflikt. Chirac rief die
Schiitenbewegung Hisbollah auf, sich in eine echte demokratische Partei
zu verwandeln. Der Libanon müsse seine Souveränität
«selbst, in seinem Inneren, erringen». Das könne die
UNIFIL alleine nicht leisten. Putin erklärte Moskaus Bereitschaft,
Beirut bilateral mit einer Pioniereinheit zu unterstützen. Merkel
betonte die «absolute Dringlichkeit» politischer
Lösungen für den Nahen Osten, die dem Libanon die
Souveränität, Israel das Existenzrecht und den
Palästinensern einen Staat sicherten. «Wir wollen dem
Libanon helfen, Waffenschmuggel zu verhindern, wir setzen die
Resolution 1701 um», sagte sie.
In der Energiepolitik versicherte Putin die Einhaltung der russischen
Verpflichtungen zur Gasversorgung. Mit seinen Reserven garantiere
Russland eine «stabile und verlässliche» Versorgung
Europas und insbesondere Deutschlands. Merkel erklärte, wenn es in
der Energiepolitik zuverlässige Partnerschaft und «ein
Interesse auf Gegenseitigkeit» gebe, seien alle in einer
«win-win-Situation».
Das Dreiertreffen sei «außerordentlich wichtig, freundlich
und konstruktiv» gewesen, sagte Merkel. «Diese Treffen, die
es seit 1998 gibt, leisten einen Beitrag, die Beziehungen Russlands zur
gesamten Europäischen Union zu vertiefen.» Dabei müsse
«immer klar sein, dass sie gegen niemanden gerichtet sind».
Putin sprach von einer «sehr nützlichen» Einrichtung.
Chirac wertete das Treffen als Zeichen europäischer
Zusammenarbeit, die sich «gegen niemanden richtet», auch
nicht gegen die USA. Vor allem Polen hegt Befürchtungen wegen
einer möglichen politischen Hegemonie einer Achse
Paris-Berlin-Moskau.
Vor dem Dreiertreffen waren Chirac und Putin am Freitagabend zu einem
Meinungsaustausch zusammengekommen. Dabei vereinbarten sie
Kooperationen im Verkehrstechnikbereich im Wert von zehn Milliarden
Dollar. So soll der französische Konzern Vinci eine Autobahn von
Moskau nach St. Petersburg bauen.
(Quelle: dpa)
Barroso beklagt mangelnde Unterstützung des Papstes durch Politiker
Sa.24.09.06 - Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, wirft
Europas Politiker vor, den Papst im Streit um seine Islam-Rede gegen
islamischen Fundamentalismus im Stich gelassen zu haben. «Ich war
enttäuscht, dass es nicht mehr europäische Führer gab,
die sagten: Natürlich hat der Papst das Recht, seine Ansichten zum
Ausdruck zu bringen», sagte Barroso der «Welt am
Sonntag» laut einem Vorabbericht. «Das Problem sind nicht
die Äußerungen des Papstes, sondern die Reaktionen der
Extremisten", fügte er hinzu.
Den Grund für die Zurückhaltung sieht Barroso in der
«Besorgnis über eine mögliche Konfrontation»,
aber auch in einer «Art politischer Korrektheit», der
zufolge «man nur dann tolerant ist, wenn man die Meinung der
anderen über die eigene stellt». Er könne jedoch nur
raten, Extremisten, die die Zerstörung der westlichen Zivilisation
zum Ziel erklärten, «sehr ernst zu nehmen». Europa
brauche eine gemeinsame Antwort auf diese Gefahr. «Wir
müssen unsere Werte verteidigen», sagte Barroso. «Wir
sollten auch die moderaten Führer in der islamischen Welt, und das
ist die Mehrheit, ermutigen, sich deutlicher von diesem Extremismus
abzugrenzen.»
(Quelle: ddp)
Deutschland
Milbradt will von CDU stärkeres Bekenntnis zur deutschen Nation
Sa.24.09.06 - Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt hat von der
CDU ein deutlicheres Bekenntnis zur deutschen Nation verlangt. Dieses
Thema müsse sie als große Volkspartei in ihrem neuen
Grundsatzprogramm stärker als bisher berücksichtigen, sagte
Milbradt der Nachrichtenagentur AP. Damit könnte man dem
Rechtsradikalismus wirksamer entgegentreten, fügte der Dresdner
Regierungschef hinzu, der auch CDU-Landesvorsitzender in Sachsen ist.
Es sei notwendig, den Missbrauch nationaler Gefühle, wie ihn die
NPD betreibe, zu verhindern. «Wir brauchen ein vernünftiges
Verhältnis zur Nation aus der politischen Mitte heraus»,
betonte Milbradt. Grundlage könne das von der sächsischen CDU
im vergangenen Jahr verabschiedete Positionspapier zum «Deutschen
Patriotismus in einem vereinten Europa» sein, schlug der
CDU-Politiker vor. Die Bundespartei will im nächsten Jahr ihr neues
Grundsatzprogramm verabschieden.
Milbradt verwies darauf, dass es vor der Wiedervereinigung in
Deutschland sehr schwierig gewesen sei, über Patriotismus zu
sprechen. «Die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs und die Tatsache,
dass der Begriff Patriotismus damals missbraucht wurde, hat lange Zeit
das Denken bestimmt.» Mit Blick auf Europa und die zunehmende
Globalisierung sei es aber auch für die Deutschen wichtig, sich auf
die eigene Geschichte, die eigene Tradition und die eigene Kultur zu
stützen. «Die Menschen brauchen einerseits Heimat als Basis
in einer sich wandelnden Welt, andererseits werden sie durch die
Verankerung in Heimat und Nation aber auch in die Lage versetzt, nach
außen die notwendige Flexibilität zu zeigen».
Dass die Deutschen ein positives Verhältnis zu ihrer Nation
hätten, beweise die Unterstützung, die die Westdeutschen seit
der Wiedervereinigung für die Ostdeutschen leisten. Eine Nation sei
immer auch eine Schicksalsgemeinschaft, woraus sich eine besondere
Verantwortung ableiten lasse. Die Unterstützung für
Ostdeutschland aus den alten Bundesländern könne nur
erklärt werden, wenn man sich dieser besonderen Verantwortung klar
werde, sagte Milbradt. «Die Nation ist der Kitt, der unsere
Gesellschaft zusammenhält», fügte der CDU-Politiker
hinzu.
(Quelle: ap)
Rüttgers warnt vor 'kapitalistischerem Kurs'
Sa.24.09.06 - Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen
Rüttgers hat vor Tendenzen gewarnt, an Stelle der sozialen
Marktwirtschaft einen kapitalistischeren Kurs zu fahren. «Das
Soziale darf nicht zu einer Randgröße werden», wird der
stellvertretende CDU-Chef in der Tageszeitung «Die Welt»
zitiert.
«Das Problem besteht doch darin, dass in der Gesellschaft zu
viele Stimmen behaupten, die soziale Marktwirtschaft sei überholt,
und man müsse jetzt einen kapitalistischeren Kurs fahren, weil das
angeblich die internationalen Finanzmärkte und die Globalisierung
erfordern», sagte Rüttgers den Angaben zufolge. Daher
müsse die Partei ihr wirtschaftspolitisches und soziales Profil
schärfen.
«Wir müssen die Frage beantworten, ob wir alle
Lebensbereiche ökonomisieren wollen. Wollen wir uns damit abfinden,
dass weit über zwei Millionen Kinder in einem kinderarmen Land von
Sozialhilfe leben? Ist es richtig, dass jeder Zweite über 55 keine
Chance auf dem Arbeitsmarkt hat? Und ist es akzeptabel, wenn Firmen mit
Milliardengewinnen tausende Leute entlassen?» sagte Rüttgers.
Die Grundwerte der CDU - Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität -
bedingten einander und ergänzten sich. «Es gibt da keine
Hierarchie», betonte der Politiker.
(Quelle: ap)