Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundachtzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Ministerpräsident Al Maliki ruft Iraker anlässlich des
Ramadans zur Einigkeit auf. Saddam Husseins Anwälte wollen Prozess
boykottieren. Laut US-Bericht hat der Irakkrieg den internationalen
Terrorismus angeheizt
Mo.25.09.06 - Zum Beginn des Fastenmonats Ramadan hat der irakische
Ministerpräsident Nuri al-Maliki Schiiten und Sunniten am Sonntag
zu einem Ende der Gewalt aufgerufen. Alle seien aufgefordert, die
Fastentage zu einer Stärkung der brüderlichen Bindungen zu
nutzen, sagte er. Der Ramadan begann für die Sunniten am Samstag,
bei den Schiiten legte Großayatollah Ali al Sistani den Beginn
für Montag fest. Bei einem Bombenanschlag kamen am Samstag in
Bagdad 38 Menschen ums Leben, 42 wurden verletzt.
Die Bombe detonierte nahe einem Treibstofflaster im schiitischen
Armenviertel Sadr City, wo wegen des Ramadan-Beginns mehr Menschen als
sonst anstanden, um Kerosin zu kaufen. Zu der Tat bekannte sich die
sunnitische Gruppierung Dschamaat Dschund al Sahaba. Es handele sich um
einen Racheakt für den einer schiitischen Todesschwadron
zugeschriebenen Anschlag auf Sunniten mit vier Toten vom Vortag.
Landesweit hielt die Gewalt auch am Wochenende an. Allein am Sonntag
wurden mindestens 20 Menschen getötet und 37 verletzt,
außerdem entdeckte die Polizei 13 Leichen, vermutlich Opfer von
Todesschwadronen. In Beidschi wurden am Samstag die abgetrennten
Köpfe von zehn irakischen Soldaten auf einen Markt geworfen.
Die im Parlament vertretenen Parteien einigten sich am Sonntag darauf,
die Debatte über eine umstrittene Gesetzesvorlage der Schiiten zu
eröffnen. Sie sieht ein föderales System mit einer autonomen
Region im schiitischen Süden des Iraks vor. Sunnitische Gruppen
sehen darin einen Versuch, den Staat zu zerschlagen. Als Kompromiss
wurde vereinbart, wie von den Sunniten gefordert einen
Verfassungsausschuss einzuberufen.
Ein im Internet veröffentlichtes Video soll den neuen
Anführer der Al Kaida im Irak, Abu Ajjub al Masri, bei der
Tötung einer türkischen Geisel zeigen. In der Aufnahme sind
drei vermummte Männer um einem am Boden sitzenden Gefangenen zu
sehen. Der mittlere der Maskierten schießt der Geisel
schließlich drei Mal in den Kopf. Laut einer am Freitagabend mit
dem Video veröffentlichten Erklärung handelt es sich bei dem
Täter um Al Masri. Die Aufnahme stamme bereits von August 2004. Al
Masri gilt als neuer Chef der Extremistengruppe Al Kaida im Irak,
nachdem ihr Anführer Abu Mussab al Sarkawi im Juni bei einem
US-Angriff getötet wurde.
Die Sicherheitskräfte im Irak nahmen unterdessen nach eigenen
Angaben einen mutmaßlichen Terrorführer fest. Wie die
Regierung in Bagdad am Samstag bekannt gab, wurde ein
Führungsmitglied der Gruppe Ansar al Sunna gefasst, die sich zu
zahlreichen Selbstmordanschlägen und Geiseltötungen bekannt
hat. Die sunnitische Gruppe wies die Berichte über eine Festnahme
ihres Anführers indes in einer am Sonntag auf einer islamistischen
Webseite veröffentlichten Erklärung zurück.
Am Sonntag gab das Büro des irakischen Ministerpräsidenten
die Festnahme eines Anführers der sunnitischen Al-Aschrin-Brigaden
bekannt, die für Anschläge und Entführungen
verantwortlich gemacht werden. Der Mann sei am Samstag mit sieben
Beratern in Charnabat gefasst worden.
Die Anwälte von Saddam Hussein wollen den Völkermordprozess
gegen den gestürzten irakischen Staatschef bis auf weiteres
boykottieren. Der Grund seien Gesetzesverstöße des Gerichts,
erklärte Anwalt Chalil al Dulaimi im Namen der insgesamt neun
Verteidiger am Sonntag. In dem Verfahren müssen sich Saddam
Hussein und frühere Mitarbeiter wegen einer Offensive im Nordirak
verantworten, die in den 80er Jahren rund 100.000 Kurden das Leben
kostete. Der Prozess soll heute fortgesetzt werden.
Al Dulaimi erklärte, nicht-irakische Anwälte müssten das
Gericht um Erlaubnis zum Betreten des Gerichtssaals bitten. «Das
sind unsere Berater», betonte der Jurist. Außerdem
kritisierte das Verteidigerteam die überraschende Auswechslung des
Vorsitzenden Richters, nachdem dessen Prozessführung
bemängelt worden war. Ministerpräsident Nuri al-Maliki war am
Dienstag einer entsprechenden Forderung des Obersten Gerichts im Irak
nachgekommen.
Der Irakkrieg hat nach Auffassung der US-Geheimdienste eine neue
Generation extremistischer Muslime heranwachsen lassen. Die 16
US-Geheimdienste seien bei einer gemeinsamen Analyse zu dem Schluss
gekommen, dass seit dem 11. September 2001 weltweit die Terrorgefahr
zugenommen habe, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf den
vertraulichen Bericht der Geheimdienste (National Intelligence
Estimate).
Laut "Washington Post " entstanden viele neue und unabhängige
Zellen ohne direkte Anbindung an das El-Kaida-Netzwerk von Osama bin
Laden. Sie ließen sich von den mehr als 5000 radikalislamischen
Internetseiten und deren Botschaft inspirieren, der Westen habe den
Irakkrieg als Beginn seines Kreuzzugs gegen den Islam benutzt.
Der Bericht "Trends im weltweiten Terrorismus: Auswirkungen für
die USA" gibt erstmals seit dem Einmarsch der US-geführten
Streitkräfte im März 2003 in den Irak eine umfassende
Einschätzung der Geheimdienste zur weltweiten Terrorentwicklung ab.
Nach Informationen der "New York Times" begann die Arbeit an der
Analyse bereits vor zwei Jahren. Doch wurden die Entwürfe immer
wieder geändert - unter anderem, weil einige Regierungsvertreter
mit der Ausrichtung unzufrieden gewesen seien.
Unter anderem seien in den ersten Entwürfen konkrete Aktionen
aufgelistet worden, die der extremistischen Bewegung Auftrieb gegeben
hätten: Darunter die Folterungen im Gefängnis von Abu Ghraib
bei Bagdad oder das US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 25.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertvierundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Deutsche Soldaten sehen sich in Afghanistan in der Defensive
Mo.25.09.06 - Angesichts zunehmender Anschläge auf deutsche Soldaten in
Afghanistan sieht sich die Bundeswehrführung offenbar in der
Defensive. "Es kommt darauf an, die Initiative zurückzugewinnen",
zitiert das Nachrichtenmagazin "Focus" aus einem Papier des
militärischen Führungsstabes. NATO-Generalsekretär Jaap
de Hoop Scheffer kündigte eine weitere Ausdehnung des Einsatzes in
Afghanistan an. Die NATO-geführte Afghanistantruppe ISAF und
afghanische Soldaten töteten im Süden des Landes 40
mutmaßliche Taliban-Kämpfer.
Die deutschen Truppenführer dürfen den Angaben zufolge
"militärische Gewalt bereits dann einsetzen, wenn ein Angriff
unmittelbar bevorsteht". Von den Verbündeten in der
NATO-geführten ISAF erhofft die Bundeswehr dem Bericht zufolge mehr
geheime Lageinformationen als bisher. Darum sollten "andere Nationen
mit Nachdruck" gebeten werden. Der Bundestag entscheidet Ende des
Monats über eine Verlängerung des Einsatzes von bis zu 3000
Bundeswehrsoldaten in Afghanistan um ein weiteres Jahr.
Der NATO-Generalsekretär forderte Deutschland zum weiteren
Engagement am Hindukusch auf. "Mehr als 2700 Soldaten der Bundeswehr
sind im Einsatz, und Deutschland hat die Verantwortung für die
Sicherheit im gesamten Norden Afghanistans übernommen", schrieb De
Hoop Scheffer in einem Gastbeitrag in der "Bild am Sonntag". Deutschland
habe "auch großen Anteil am Erfolg der regionalen
Wiederaufbauteams". Die NATO erwarte von Deutschland und allen anderen
Bündnismitgliedern, dass sie dieses Engagement "auch unter
schwierigen Bedingungen" aufrecht erhielten.
"Wir dürfen nicht zulassen, dass Afghanistan wieder zu einem
Trainingslager für die gefährlichsten Terroristen der Welt
wird", schrieb De Hoop Scheffer. Die NATO müsse Afghanistan "dabei
helfen, auf eigenen Beinen zu stehen, ohne dabei auf die
Drogenproduktion angewiesen zu sein". Dies sei der Grund für die
Präsenz der NATO in Afghanistan. "Und deshalb werden wir unsere
Präsenz weiter ausbauen."
Bei dem Einsatz der ISAF und der afghanischen Soldaten kamen auch
Flugzeuge zum Einsatz. Wie das afghanische Verteidigungsministerium in
Kabul mitteilte, ereignete sich das Gefecht im Bezirk Greschk in der
Provinz Helmand. Kurz zuvor hatte die ISAF bereits bekannt gegeben, sie
habe am Donnerstag und Freitag in Helmand 23 Rebellen getötet.
(Quelle: afp)
US-Soldaten folterten angeblich Gefangene in Afghanistan
Mo.25.09.06 - Soldaten einer Spezialeinheit der US-Armee in Afghanistan sollen nach
Informationen der "Los Angeles Times" im Jahr 2003 wehrlose Gefangene
getötet und misshandelt haben. Ein unbewaffneter Bauer sei nach
einem schweren Gefecht auf dem Stützpunkt der Spezialeinheit
verhört und dann erschossen worden. Ein 18-jähriger Rekrut der
afghanischen Armee sei ebenfalls gestorben, nachdem er auf dem
Stützpunkt verhört wurde. Die Beschreibungen seiner
Verletzungen hätten auf schwere Schläge und andere
Misshandlungen hingedeutet. Auch mehrere andere Gefangene seien
Im Mittelpunkt der Untersuchung stünden zehn Mitglieder einer
Einheit der Nationalgarde des US-Bundesstaates Alabama, heißt es
in dem Bericht. Die genannten Vorfälle unterschieden sich deshalb
von anderen Tötungsfällen in US-Gefangenschaft, weil sie sogar
vor der Militärführung verheimlicht werden konnten.
Ein damals auf dem Stützpunkt eingesetzter Soldat berichtete der
"Los Angeles Times", seine Einheit habe sich nach dem Tod des
Jugendlichen versammelt, um für den Fall von Ermittlungen die
Aussagen abzustimmen. "Jeder im Team wusste davon", sagte der Soldat,
dessen Name nicht genannt wurde. Es werde jedoch nicht über
derartige Vorfälle gesprochen. Was auf der unteren Kommandoebene
geschehe, werde nicht an die Vorgesetzten weitergegeben. "Keiner will
jemanden in Schwierigkeiten bringen. Man lehnt sich zurück und
hofft, dass es vorbeigeht."
Die "Los Angeles Times" untersuchte die Zwischenfälle gemeinsam
mit der Organisation Crimes of War Project. Die Armee leitete inzwischen
Ermittlungen ein. Die Los Angeles Times" erhielt seitdem nach eigenen
Angaben Einblick in tausende Seiten interner Militärdokumente,
denen zufolge Gefangenenmisshandlungen in Afghanistan häufiger
vorkommen als bislang zugegeben wurde.
2002 sprach ein hochrangiger Vertreter der Spezialkräfte in einem
Briefwechsel von einem "extrem hohen Niveau körperlicher Gewalt".
Ein Kommandeur der US-Armee sagte, die Gefangenen würden zum Teil
so lange ohne Anklage festgehalten, dass bereits von "Kidnapping" die
Rede sein könne.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Hamas bekräftigt Verhandlungsbereitschaft mit Abbas. Libanon:
Christlicher Politiker Geagea bezieht Stellung gegen Hisbollah.
Deutsche Bundeswehr und deutsche Politiker in Sorge um Libanon-Soldaten
Mo.25.09.06 - Die regierende palästinensische Hamas-Partei hat am Sonntag ihren
Wunsch zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit
bekräftigt, im strittigen Punkt der Anerkennung des Existenzrechts
Israels aber kein Einlenken erkennen lassen. Ministerpräsident
Ismail Hanija sagte, die Hamas wolle den Erfolg in den Verhandlungen
mit Präsident Mahmud Abbas. Der hatte am Samstag von einem
schweren Rückschlag gesprochen: Hanijas Weigerung, einer Regierung
vorzustehen, die das Existenzrecht Israels anerkennt, habe die
Gespräche «zurück auf Null» gebracht.
Die Weigerung der Hamas, Israels Existenzrecht anzuerkennen, hat die
palästinensische Autonomiebehörde in die internationale
Isolation geführt; wegen ausbleibender internationaler
Finanzhilfen kann die Regierung die Staatsbediensteten nicht mehr
bezahlen. Am Samstag demonstrierten rund tausend Staatsangestellte vor
Abbas Amtssitz in Gaza und verlangten die Auszahlung seit Monaten
ausstehender Gehälter.
Es wird erwartet, dass sich Abbas und Hanija heute und am Dienstag
treffen. Die Hamas hatte in den Verhandlungen mit der Fatah-Bewegung
von Abbas einer Formulierung zugestimmt, die das Existenzrecht Israels
stillschweigend andeutet. Der Rückschlag kam, als Abbas in der
Vollversammlung der Vereinten Nationen ankündigte, die neue
Regierung werde Israel anerkennen. Hanija erklärte daraufhin, er
würde einer solchen Regierung nicht vorstehen.
In einer Moschee Gazas kündigten zwei Dutzend militante
Kämpfer einer Splittergruppe am Sonntag an, sie würden jede
palästinensische Regierung bekämpfen, die Israel anerkenne.
«Wir betrachten eine Regierung, die Israel anerkennt, als
legitimes Ziel», sagte einer der Männer, der nur seinen
Kriegsnamen Abu Abir nennen wollte. «Wir werden sie mit allen
Mitteln bekämpfen, und wir werden sie als ein Gebilde betrachten,
dass mit der Besatzung verbunden ist.» Es war die erste
öffentliche Drohung mit Angriffen auf eine palästinensische
Regierung.
Der christliche und antisyrische libanesische Politiker Samir Geagea
hat am Sonntag vor zehntausenden Anhängern klar Stellung gegen die
Siegesfeiern der schiitischen Hisbollah-Miliz bezogen. Geagea wandte
sich vor allem gegen die Behauptung von Hisbollah-Führer Scheich
Hassan Nasrallah, der den 34-tägigen Krieg Israels gegen die
Hisbollah als «göttlichen Sieg» bezeichnet hatte.
«Ich merke nichts von einem Sieg», sagte Geagea,
«weil die Mehrheit der Libanesen nichts von einem Sieg merkt. Sie
haben vielmehr das Gefühl, dass sie eine große Katastrophe
ereilt hat, die ihr Leben und ihre Zukunft unsicher macht.» Der
Krieg hatte hunderte Libanesen das Leben gekostet, weite Teile der
Infrastruktur wurden zerstört, die Schäden gehen in die
Milliarden. Israel hatte die Hisbollah angegriffen, nachdem die
Organisation bei einem Angriff zwei israelische Soldaten entführt
hatte. Die erklärten Ziele des Kriegs, die Befreiung der Soldaten
und die Zerschlagung der Hisbollah wurden aber nicht erreicht, was auch
in Israel eine heftige Debatte ausgelöst hat. Eine
Untersuchungskommission wurde eingesetzt.
Die Kundgebung folgte einer jährlichen Messe in Harissa, das rund
30 Kilometer nördlich von Beirut liegt, bei der die im
Bürgerkrieg getöteten christlichen Milizionäre geehrt
werden. Sie zeigte auch die tiefe Spaltung des Landes. Erst am Freitag
waren rund 800.000 Menschen zu einer Kundgebung der Hisbollah in Beirut
gekommen, auf der Nasrallah verkündete, dass sich seine
Organisation von keiner Armee der Welt entwaffnen lassen werde.
Nasrallah wurde von der Menge im von Bomben zerstörten Süden
Beiruts begeistert begrüßt. Die Popularität der
Hisbollah unter den Schiiten ist durch den Krieg enorm gestiegen, in
der übrigen libanesischen Bevölkerung wächst die
Ablehnung.
Die deutscheBundeswehr und deutsche Verteidigungsexperten haben sich
derweil besorgt über die Sicherheit der am Libanon-Einsatz
beteiligten Soldaten geäußert.
Sie seien bei ihrem Einsatz vor der libanesichen Küste durch
Sprengstoffanschläge zur See gefährdet, sagte Marineinspekteur
Wolfgang Nolting am Wochenende dem "Focus". "Rechnen müssen die
Soldaten mit einem Fischerboot, dessen Besatzung freundlich winkt, das
aber ein schwimmender Sprengsatz ist." Einen Raketenangriff von der
Küste aus halte er dagegen für unwahrscheinlich. Protest und
Sorge lösten die jüngsten Attacken von Hisbollah-Führer
Hassan Nasrallah gegen Kanzlerin Angela Merkel und den
Bundeswehr-Einsatz aus.
Die Gefährdung ist nach Ansicht Noltings für alle Soldaten
der Mission gleich - egal, ob sie verdächtige Frachter durchsuchten
oder an Bord der Kriegsschiffe ihren Dienst täten. "Bei diesem
Einsatz ist alles mit einem Risiko behaftet, da würde ich keine
Abstufungen vornehmen." Die Bundesmarine führt als Teil der
internationalen Libanon-Friedenstruppe Unifil die Seestreitkräfte
mehrerer Staaten an. Sie sollen Waffenschmuggel der radikalen Hisbollah
verhindern.
Nach den scharfen Attacken von Hisbollah-Führer Nasrallah forderte
Unions-Fraktionsvize Andreas Schockenhoff die libanesische Regierung zu
einem klaren Signal auf, "dass sie gewillt ist, die UN-Resolution 1701
umzusetzen". Die Äußerungen belegten, "dass wir uns in der
Region längerfristig engagieren und dem Libanon beim Aufbau
staatlicher Strukturen helfen", sagte er der "Welt am Sonntag".
CDU-Außenpolitiker Eckart von Klaeden erklärte, erneut werde
deutlich, dass der Kern der Schwierigkeiten einer dauerhaften
Friedenslösung die Hisbollah selbst sei, die das Gewaltmonopol der
libanesischen Regierung nicht anerkenne. Es sei daher richtig gewesen,
dass Merkel auf einem robusten Mandat bestanden habe. Der
SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold mahnte die Hisbollah, den
Waffenstillstand und die Überwachung durch die internationale
Gemeinschaft zu akzeptieren. Die Gefahr terroristischer Anschläge
sei real.
Nasrallah hatte bei seinem esten Auftritt seit dem Libanon-Krieg mit
Blick auf Äußerungen Merkels zum Schutz Israels gesagt,
selbst wenn die Soldaten die See, den Luftraum und das Land
überwachten, werde seine Bewegung nicht geschwächt.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland zeigte sich skeptisch über
die Erfolgsaussichten der Nahost-Mission der Vereinten Nationen. "Die
Waffenarsenale sind längst aufgefüllt, bis die Schiffe vor Ort
sind", sagte Generalsekretär Stephan Kramer der Chemnitzer "Freien
Presse".
(Quellen: ap, rtr)
Ägypten plant Bau von Atomkraftwerken
Mo.25.09.06 - Ägypten will nach Aussage eines Kabinettsministers bald mit dem
Bau von Atomkraftwerken beginnen. Zehn Jahre nach dem Projektstart
werde das Land eine betriebsfähige Anlage haben, zitierte die
staatliche Zeitung «Al Ahram» den Minister für
Elektrizität und Energie, Hassan Junes, am Sonntag. Ägypten
plane den Bau eines 1.000-Megawatt-Atomkraftwerks in El Dabaa an der
Mittelmeerküste. Die Baukosten würden auf 1,5 Milliarden
Dollar (1,17 Milliarden Euro) geschätzt. Die Regierung werde sich
um ausländische Investitionen für das Projekt bemühen,
zitierte die Zeitung den Minister.
Die unabhängige Zeitung «Al Masri Al Jum» schrieb am
Sonntag, die Regierung plane den Bau von drei Atomkraftwerken mit einer
Gesamtkapazität von 1.800 Megawatt. Der Bau der drei Anlagen werde
bis 2020 abgeschlossen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf
Regierungsbeamte.
Präsident Husni Mubarak hatte am Donnerstag dazu aufgerufen, die
nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 zu den Akten gelegten
Pläne für ein Atomprogramm in Ägypten wieder aufleben zu
lassen.
(Quelle: ap)
Islamisten in Somalia nehmen Hafenstadt Kismayo kampflos ein
Mo.25.09.06 - Islamische Milizen in Somalia haben die Hafenstadt Kismayo kampflos
eingenommen. Die Kämpfer sind laut Augenzeugen mit etwa hundert
Kleinlastern mit Geschützen in die Stadt gekommen. Der Chef der
islamischen Miliz will nach eigener Aussage die Grenze zu Kenia
kontrollieren, um einen Einsatz ausländischer Truppen zu
verhindern. Die somalische Übergangsregierung warf den Islamisten
ein Eindringen in ihr Gebiet vor und drohte mit Widerstand. Viele
Somalis begrüßen den wachsenden Einfluss der Union der
Islamischen Gerichte.
(Quelle: dpa)
Rund 70 Tote bei Seegefecht vor der Küste Sri Lankas
Mo.25.09.06 - Bei einem Seegefecht vor der Küste Sri Lankas haben die
Regierungstruppen nach eigenen Angaben acht Schiffe der Befreiungstiger
von Tamil Eelam (LTTE) versenkt und dabei rund 70 Separatisten
getötet. Der Kampf habe etwa fünf Stunden gedauert, sagte ein
Marineoffizier. Insgesamt seien 25 Schiffe der Rebellen unter Beschuss
genommen worden. Ein Schiff der Marine sei beschädigt und
fünf Seeleute verletzt worden, sagte er.
Ein Waffenstillstand zwischen Regierung und Rebellen von 2002 ist in
diesem Jahr faktisch zusammengebrochen, beide Seiten haben ihn bislang
aber noch nicht offiziell aufgekündigt. Der Bürgerkrieg, den
die Rebellen 1983 im Kampf um Autonomie für die tamilischen
Gebiete im Osten und Norden der Insel Ceylon begannen, kostete schon
mindestens 65.000 Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Schweiz erhält eine der schärfsten Asylregelungen in Europa
Mo.25.09.06 - Die Schweiz schottet sich stärker als bisher gegen Zuwanderer und
Asylbewerber ab. Bei einer Volksabstimmung sprachen sich rund 68
Prozent der Wähler für eine Verschärfung der geltenden
Gesetze aus. Die Regelungen gehören nun zu den strengsten in ganz
Europa. Besonders umstritten ist die Bestimmung, Asylanträge von
Flüchtlingen ohne Ausweispapiere nicht zu bearbeiten und die
Einwanderer in die Heimat zurückzuschicken. Vom
UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR kam scharfe Kritik.
Die neuen Asylbestimmungen sehen außerdem vor, dass Bewerber
keinen Anspruch mehr auf Sozialhilfe haben. Sie haben nur noch Anrecht
auf eine Nothilfe von umgerechnet etwa 600 Euro. Kritiker sehen Teile
der neuen Regelungen als nicht vereinbar mit der Internationalen
Flüchtlingskonvention an. Ebenfalls angenommen wurde das neue
Ausländergesetz. Nicht-Europäer dürfen nun nur noch in
die Schweiz kommen, wenn sie bereits eine feste Arbeitsstelle in dem
Land haben. Bewerber müssen nachweisen, dass sie die
erforderlichen Qualifikationen besitzen und kein Schweizer oder
Europäer für die Stelle in Frage kommt.
Das Gesetz wurde schon vom Parlament beschlossen, seine Gegner hatten
aber genügend Unterschriften gesammelt, damit es zur
Volksabstimmung vorgelegt werden musste. Mehr als 21 Prozent der 7,3
Millionen Einwohner der Schweiz sind Ausländer. Im Jahr 2005
wurden in dem Land rund 19.000 Asylanträge gestellt, die
niedrigste Zahl seit 20 Jahren. In den vergangenen zehn Jahren waren
nur etwa ein Drittel aller Asylanträge in der Schweiz positiv
beschieden worden.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) zeigte sich enttäuscht
von dem Votum. "Die Schweiz hat eines der restriktivsten Gesetzgebungen
in Europa eingeführt, und andere Länder könnten folgen",
sagte UNHCR-Sprecher William Spindler. Die Regel, wonach ein
Antragsteller ohne Ausweispapiere kein Asylverfahren bekommt,
widerspreche der seit 1951 geltenden Internationalen
Flüchtlingskonvention. Ein Sprecher der Internationalen
Organisation für Migration (OIM) sagte, die Unterscheidung im
neuen Gesetz zwischen europäischen und nicht-europäischen
Zuwanderern sei "künstlich in einer globalisierten
Wirtschaftswelt". Auch mehrere Schweizer Kirchen- und
Religionsverbände bedauerten das Votum.
(Quelle: afp)
Deutschland
Fiskus und Sozialkassen profitieren laut Studie von Ausländern
Mo.25.09.06 - Die rund sieben Millionen Ausländer in Deutschland stützen
laut einer Studie den Sozialstaat: Im Durchschnitt zahlen sie pro Kopf
1.840 Euro mehr Steuern und Beiträge an die öffentlichen
Kassen, als sie an Transferleistungen erhalten. Dies ergab eine
Erhebung des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) für das
Wirtschaftsmagazin «Capital». Für die Untersuchung
haben die Bonner Wissenschaftler die neuesten verfügbaren Daten
des sozio-ökonomischen Panels herangezogen.
Laut «Capital» zahlte jeder Ausländer im Jahr 2004
durchschnittlich 7.390 Euro an den Staat und erhielt öffentliche
Leistungen in Höhe von 5.550 Euro. «Das Stammtisch-Gerede,
dass Ausländer auf Kosten der Bundesbürger die Sozialsysteme
ausplündern, ist blanker Unsinn», resümiert
IZA-Forscher Holger Bonin.
Die Studie zeigt allerdings auch, dass die Deutschen mit 2.750 Euro pro
Kopf und Jahr unter dem Strich noch mehr in die staatlichen Kassen
zahlen als die Migranten. Die Differenz von gut 900 Euro kommt
überwiegend dadurch zu Stande, dass Ausländer weniger
verdienen und häufiger arbeitslos sind. Bei Rentnern und
Jugendlichen ergeben sich hingegen nur sehr geringe Unterschiede in der
Bilanz.
Auch auf lange Sicht betrachtet, profitiert der Sozialstaat laut
«Capital» von den Migranten. Nach den IZA-Berechnungen wird
jeder heute in Deutschland wohnende Ausländer im Laufe des Lebens
durchschnittlich 11.000 Euro mehr an den Staat zahlen, als er bekommt.
Zusammengerechnet ergibt sich daraus ein Betrag von 82 Milliarden Euro
- unter der Annahme, dass die Wirtschaft langsam, aber stetig
wächst und sich an den politischen Rahmenbedingungen nichts
ändert. «In der Realität dürfte das Resultat noch
besser ausfallen», sagte Bonin. «Denn angesichts der
miserablen Staatsfinanzen wird die Politik in Zukunft mehr Steuern
kassieren und weniger Transfers bezahlen.»
(Quelle: ap)
Streit über Gesundheitsreform weitet sich zur Unionskrise
Mo.25.09.06 - Der Koalitionsstreit über die Gesundheitsreform hat trotz
demonstrativer Gelassenheit von Kanzlerin Angela Merkel nun auch
innerhalb der Union für Krach gesorgt. Während einige
CDU-Ministerpräsidenten am Wochenende der SPD Rückendeckung
gaben und sie am Festhalten der umstrittenen Sozialklausel
bestätigten, kündigten andere Länderchefs Widerstand an.
Merkel hielt dennoch eine große Gesundheitsreform nach wie vor
für möglich. SPD-Chef Kurt Beck räumte ein, die
Koalition sei in einer «angespannten Situation» gewesen.
In dem Streit geht es in erster Linie um das Für und Wider der so
genannten Ein-Prozent-Regel. Sie soll die künftige
Zusatzprämie nach Einführung des Gesundheitsfonds 2008 auf
ein Prozent des Haushaltseinkommens begrenzen.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU)
zeigte sich erstaunt, dass von Unionsseite «jetzt Dinge in Frage
gestellt werden, denen man selber zugestimmt hat». Sollte die
SPD-Seite auf der vereinbarten Ein-Prozent-Grenze bestehen,
«müssen wir das akzeptieren - und gemeinsam klären, an
welchen Stellschrauben gedreht werden kann, um das Problem zu
lösen, etwa in Form von Zuschüssen aus Steuermitteln»,
sagte er der «Super Illu».
Ähnlich äußerte sich Thüringens Landeschef Dieter
Althaus. Er sagte der «Thüringer Allgemeinen», er
halte an der «Überforderungsklausel» fest. Dagegen
erneuerte Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt in der
Chemnitzer «Freien Presse» seine Kritik an der
Ein-Prozent-Deckelung. Der saarländische Ministerpräsident
Peter Müller sagte der «Bild am Sonntag», er glaube
nicht mehr an «die große Gesundheitsreform». Die
Ein-Prozent-Regelung müsse weg.
Merkel hielt dagegen am Ziel einer großen Reform fest. «Wir
wollen gemeinsam eine Reform, die allen Bürgern hohe Qualität
bei der medizinischen Versorgung sichert, mehr Wettbewerb schafft und
für einen zielgenauen Einsatz des Geldes sorgt», sagte sie
der «Bild am Sonntag».
SPD-Chef Kurt Beck räumte ein, dass das schwarz-rote Bündnis
in «einer angespannten Situation» gewesen sei.
«Deshalb war es richtig und notwendig, dass sich Frau Merkel und
ich zusammengesetzt haben und die Dinge wieder geordnet haben»,
sagte Beck in der ZDF-Sendung «Berlin direkt». Er
kritisierte die Unionsministerpräsidenten, die Änderungen an
den Eckpunkten der Reform vorgeschlagen haben und betonte, er habe auch
nach dem Gespräch mit Merkel am vergangenen Freitag gesagt, dass
es mit der SPD keine Änderungen an der so genannten
Überforderungsklausel geben werde. Gesundheitsministerin Ulla
Schmidt erklärte in der «Welt am Sonntag»:
«Für meine Partei ist die Ein-Prozent-Regel wichtig.»
Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) bekräftigte im
Deutschlandfunk, die Ein-Prozent-Grenze bei den künftigen
Zusatzbeiträgen gesetzlich Versicherter sei für die SPD eine
feste Größe, die vereinbart und auch angemessen sei.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil begrüßte den
Vorschlag Böhmers für eine stärkere Steuerfinanzierung
der Krankenkassen. Auch er betonte, ein Aufweichen der
Überforderungsklausel von einem Prozent werde es mit der SPD nicht
geben.
(Quelle: ap)
CDU-Ministerpräsident Althaus: Grundsicherung statt Hartz IV
Mo.25.09.06 - Der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) hat
einen radikalen Kurswechsel bei der sozialen Sicherung und die
Abschaffung der Hartz-IV-Gesetze gefordert. Jeder Bundesbürger -
ob arbeitslos oder nicht - solle 800 Euro im Monat vom Staat erhalten,
schlug Althaus in der "tageszeitung" vor. Dieses "solidarische
Bürgergeld sei "ein Zukunftsmodell der pluralistischen
Gesellschaft". Die bestehende "Betreuungsbürokratie" dagegen biete
"keine wirkliche Lösung". Politiker von FDP und den Grünen
befürworteten eine Grundsicherung.
Bei der Einführung eines Bürgergeldes sollten gute
Anreizsysteme über das Steuerrecht dazu führen, dass jeder
einzelne Bürger eigenverantwortlich durch Arbeit hinzuverdiene und
seinen Lebensstandard verbessere, sagte Althaus am Samstag im
Deutschlandradio Kultur. Die kommenden Jahre würden zeigen, "dass
das jetzige Bemühen, die Menschen aus staatlicher Verantwortung
heraus zu ihrem Glück zu zwingen, keinen wirklichen Erfolg"
bringen werde. Das System des solidarischen Bürgergeldes werde
hingegen den Arbeitsmarkt in Schwung bringen und Arbeitsplätze
schaffen, ohne dass der Staat ständig eine Fürsorge- und
Vorsorgebürokratie einbringen müsse.
Der FDP-Bundestagsabgeordnete Michael Kauch sagte der "taz", jeder
solle eine Basissicherung haben. Um einen Anreiz zur Arbeit zu setzen,
sollten die Zuverdienstmöglichkeiten großzügig
gestaltet sein. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick
sagte der Zeitung, die Idee des Grundeinkommens besteche durch
Einfachheit und Transparenz.
(Quelle: afp)
800 Euro für jeden
Statt ALG I, ALG II, Kombilohn, Kindergeld, 1-Euro-Jobs, Wohngeld,
Sozialrente, Bafög, Heizkostenübernahme …
Ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden Bundesbürger soll überbordende Bürokratie, Schnüffelei bei Arbeitslosen und dutzende Einzelregelungen überflüssig machen. Das 800-Euro-Bürgergeld ist keine Erfindung spinnender Fantasten. CDU, FDP und die Grünen prüfen den Vorschlag ernsthaft. Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) spricht von einem 'Zukunftsmodell der pluralistischen Gesellschaft'... Mehr in der taz vom 25.09.06:
http://www.taz.de/pt/2006/09/25/a0130.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/09/25/a0136.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/09/25/a0128.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/09/25/a0133.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/09/25/a0131.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/09/25/a0137.1/text
SPD schult Mitglieder für Auseinandersetzung mit Rechtsextremisten
Mo.25.09.06 - Die Berliner SPD will ihre Mitglieder für die Auseinandersetzung
mit rechtsextremen Parteien schulen. Die Lehrgänge sollten
Parteimitgliedern angeboten werden, die in den Berliner
Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) mit Vertretern von NPD und
Republikanern zu tun haben, berichtet die «Berliner
Morgenpost» (Montagausgabe). «Wir haben die
Befürchtung, dass die Rechtsextremisten die Bezirksparlamente als
Bühne nutzen wollen. Dem wollen wir etwas entgegensetzen»,
sagte der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende, Marc Schulte, der
Zeitung.
In den Schulungen sollten die SPD-Bezirkspolitiker auch erfahren, wann
sie bei bestimmten Äußerungen von NPD-Politikern die
Staatsanwaltschaft einschalten können. Denn in den
Bezirksversammlungen genießen Politiker keine Immunität. Die
Fortbildungen beginnen laut Bericht bereits in den Herbstferien.
Bei den BVV-Wahlen am 17. September hatte die NPD die notwendige
Drei-Prozent-Hürde in Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf,
Treptow-Köpenick und in Neukölln übersprungen. Die
Republikaner kamen in das Pankower Bezirksparlament.
(Quelle: ddp)
Verkehrsminister Tiefensee will Klarheit über Sicherheit des
Transrapid
Mo.25.09.06 - Nach dem Transrapid-Unglück im Emsland mit 23 Toten will
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) schnellstmöglich
Klarheit über die Sicherheit der Magnetschwebebahn. Tiefensee und
der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) einigten sich bei
einem dreistündigen Spitzentreffen mit Industrievertretern in
Berlin darauf, einen unabhängigen Gutachter zu berufen, der in
sechs bis acht Wochen erste Ergebnisse vorlegen soll. Tiefensee warnte
erneut vor einer "Vorverurteilung" der Technologie. Ursache des
Unglücks ist nach ersten Ermittlungen menschliches Versagen.
"Eins steht fest: Ein solcher Unfall, ein solches Unglück darf
sich nie wieder ereignen", sagte Tiefensee nach dem Treffen in seinem
Ministerium. Der Gutachter müsse insbesondere klären, ob die
Sicherheitsvorkehrungen der Technologie ausreichen und inwiefern sie im
Emsland angewandt worden seien. Bayern will sich an der Expertise auch
finanziell beteiligen.
Neben Tiefensee und Huber nahmen an dem Spitzengespräch auch
Vertreter der Transrapid-Betreibergesellschaft IABG sowie der Konzerne
ThyssenKrupp und Siemens teil. Zu der Frage, wie sich das Unglück
auf die Exportchancen etwa nach China auswirken könne, wollte sich
Tiefensee nicht äußern.
Tiefensee und Huber wehrten sich zudem gegen den Eindruck, die
Katastrophe im Emsland bedeute das vorläufige Aus für die
erste kommerzielle deutsche Transrapid-Strecke zwischen der
Münchener Innenstadt und dem Flughafen. "Die Industrievertreter
haben mir versichert, dass ein solches Unglück in München
nicht hätte stattfinden können", sagte Tiefensee. Huber
betonte, das Sicherheitskonzept in München sei "auf einem anderen
technischen Niveau als das auf der Teststrecke".
Inwiefern sich die Strecke München dadurch verzögert, wollte
Tiefensee nicht sagen. Es sei zu früh, einen Zeitplan zu nennen.
Die Gespräche über die Planung würden im Oktober
fortgesetzt. Ursprünglich waren für diese Woche Verhandlungen
angesetzt.
Die Ermittlungen konzentrierten sich unterdessen auf menschliches
Versagen. Der Werkstattwagen, auf den der Transrapid mit 170
Stundenkilometern aufprallte, habe unter menschlicher Kontrolle
gestanden, sagte Staatsanwalt Alexander Retemeyer. "Dort hat es Fehler
gegeben."
Klären wollen die Ermittler auch, warum die Zugführer im
vorderen Teil des Transrapids die Notbremsung erst relativ spät -
nämlich 50 bis 100 Meter vor dem Hindernis - auslösten.
(Quelle: afp)
Philologenverband warnt vor dramatischem Lehrermangel
Mo.25.09.06 - Der Deutsche Philologenverband hat vor den Folgen einer "weiteren
drastischen Verschärfung" des Lehrermangels gewarnt. Wie die
"Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet, ist nach Berechnung
des Verbandes die Zahl der fehlenden Lehrer von 10.000 im Vorjahr auf
14.000 bis 16.000 gestiegen. In diesem Schuljahr werden demnach jede
Woche etwa eine Million Unterrichtsstunden ersatzlos ausfallen.
Zwar sei die Lage in den Bundesländern sehr unterschiedlich,
teilte der Verband weiter mit. Gleichwohl befänden sich
Deutschlands Schulen insgesamt in "der größten
Lehrerversorgungskrise" seit mehr als 30 Jahren. Zum einen rolle eine
Pensionierungswelle, zum anderen gebe es wegen der Unattraktivität
des Berufes zuwenig Lehramtsabsolventen, sagte der Verbandsvorsitzende,
Heinz-Peter Meidinger, dem Blatt. Daran werde sich auch in den
nächsten fünf bis zehn Jahren nichts ändern: "Der
Lehrermangel wird dramatisch."
(Quelle: afp)
Wissenschaft / Klimaforschung / Erderwärmung
Studie für die UNO erhöht Warnstufe beim Klimawandel
Mo.25.09.06 - Der Klimawandel ist nicht mehr zu verhindern, allenfalls ist das
Ausmaß der Erwärmung noch beeinflussbar. Zu diesem Ergebnis
kommen Wissenschaftler in einem neuen Bericht für die Vereinten
Nationen, der der "Welt am Sonntag" vorliegt. Das Umweltministerium
erwartet demnach auf der Basis dieser Daten bis zum Jahr 2100 weltweit
eine mittlere Erwärmung um drei Grad Celsius. Deutschland werde
unter bisher unbekannten Hitzewellen und Dürreperioden leiden. Im
Sommer würden die Temperaturen deutlich über 40 Grad steigen.
Die Arktis werde im Sommer eisfrei sein.
Die Studie, die Grundlage für den vierten UN-Klimabericht ist, der
im kommenden Jahr verabschiedet werden soll, liegt den Regierungen laut
"WamS" als streng vertraulich eingestufter Entwurf vor. Die darin
enthaltenen Warnungen gingen zum Teil weit über die des
UN-Klimaberichts von 2001 hinaus, berichtet die "WamS" unter Berufung
auf eine interne Stellungnahme des deutschen Umweltministeriums.
Der parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Michael
Müller (SPD), nannte den Bericht "alarmierend". Die derzeit
spürbaren Klimaveränderungen seien keine Reaktionen auf den
heutigen Schadstoffausstoß, sondern "das Ergebnis der 1960er und
1970er Jahre", sagte Müller der "WamS". Der Klimawandel vollziehe
sich mit einer zeitlichen Verzögerung von 40 bis 50 Jahren. "Das
alte Klimasystem ist aus den Fugen geraten, ein neues baut sich auf."
Für Europa sagen die Wissenschaftler laut "Welt am Sonntag" vor
allem der Landwirtschaft schwerwiegende Folgen durch den Klimawandel
voraus. Die größten Verluste in der Landwirtschaft werde es
im Mittelmeerraum, im südwestlichen Balkan und im Süden
Russlands geben. Rund die Hälfte der europäischen Pflanzenwelt
sei durch den Klimawandel "gefährdet, vom Aussterben bedroht oder
akut vom Aussterben bedroht".
Dramatisch seien die Auswirkungen auch auf die Alpen. Bis zum Jahr 2050
rechnen die Autoren des UN-Berichts damit, dass kleine Gletscher
verschwinden und größere Gletscher um bis zu 70 Prozent
abschmelzen.
(Quelle: rtr)