Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundneunzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Präsident Talabani für langfristige Stationierung von
US-Truppen im Irak. Iraks Kurdenparlament beginnt Arbeit an eigener
Verfassung. Britische Soldaten töten Terroristenführer in Basra
Di.26.09.06 - Der irakische Präsident Dschalal Talabani hat sich für die
langfristige Stationierung von US-Truppen im Irak ausgesprochen. In
einem am Montag veröffentlichten Interview mit der US-Tageszeitung
"Washington Post" sagte Talabani, US-Truppen müssten zumindest in
"symbolischer" Größe im Land bleiben, um jene Länder
"abzuschrecken, die sich in unsere Dinge einmischen wollen". Der
kurdischstämmige Staatschef schlug die Präsenz von 10.000
US-Soldaten vor. Die USA sollten zudem zwei Luftwaffenstützpunkte
behalten.
Das Regionalparlament der Kurden im Irak hat am Sonntag mit der
Ausarbeitung einer Verfassung begonnen, an der sich
Gebietsstreitigkeiten mit den anderen Volksgruppen des Landes
entzünden könnten. Artikel zwei des Verfassungsentwurfs
zählt neben den derzeitigen Kurdenprovinzen Dohuk, Erbil und
Sulaimanijah noch vier weitere Provinzen zum Kurdengebiet, unter anderem
die ölreiche Provinz Kirkuk. In diese Regionen leben aber neben
den Kurden zahlreiche Araber, Turkmenen und Schiiten, die nicht Teil
einer kurdischen Autonomieregion werden wollen.
Britische Soldaten haben bei einer Razzia in Basra einen
«Terroristen von beträchtlicher Bedeutung»
getötet. Das teilte ein britischer Militärsprecher, Major
Charlie Burbridge, am Montag mit. Bei dem getöteten
Verdächtigen handele es sich um Omar Faruk, einen
Al-Kaida-Führer in Südwestasien. Faruk entkam im vergangenen
Jahr aus einem US-Gefängnis in Afghanistan.
Burbridge sagte, Faruk habe auf die britischen Soldaten geschossen, als
diese im Morgengrauen zu seiner Verhaftung vorfuhren.
«Während der versuchten Festnahme wurde Faruk getötet,
was bedauerlich ist, weil wir ihn verhaften wollten», sagte der
Major.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 26.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertfünfundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.26.09.05 - Mehr als 40 Tote am Wochenende +++ Blair: Heftigkeit des irakischen
Aufstands kam unerwartet. Britische Truppenpräsenz im Irak
verteidigt +++ Amerikanische Soldaten töten zehn Sadr-Anhänger
in Bagdad +++ US-Armee räumt Tötung von Politiker im Irak ein...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509260.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Pakistans Präsident Musharraf bekräftigt Darstellung
über Militärdrohung der USA
Di.26.09.06 - Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat seine
umstrittenen Äußerungen bekräftigt, wonach die USA
seinem Land nach den Anschlägen des 11. September 2001
militärisch gedroht haben. Hätte er sich nicht dafür
entschieden, den US-geführten Krieg gegen den Terror zu
unterstützen, hätte Pakistan ein amerikanischer Angriff
gedroht, erklärte Musharraf in seinen am Montag
veröffentlichten Memoiren.
«Es war sicher, dass Amerika mit Gewalt reagiert hätte, wie
ein verwundeter Bär», schreibt Musharraf in dem Buch mit dem
Titel «In The Line of Fire» (»In der
Schusslinie»). Am 12. September 2001 habe der damalige
US-Außenminister Colin Powell ihm in einem Telefonat ein
Ultimatum gestellt: «Entweder ihr seid für uns oder gegen
uns.» Einen Tag darauf habe Powells Stellvertreter Richard
Armitage damit gedroht, Pakistan «in die Steinzeit zurück zu
bomben».
Angesichts der militärischen, wirtschaftlichen und sozialen
Schwäche Pakistans habe er sich entschieden, die
Unterstützung für die Taliban-Miliz aufzugeben, schreibt
Musharraf weiter. «Eigennutz und Selbstschutz waren die Grundlage
dieser Entscheidung.» Zugleich wies er die Einschätzung der
USA zurück, der Irak-Krieg habe die Welt sicherer gemacht. Das
Gegenteil sei der Fall.
Musharraf hatte in einem CBS-Interview in der vergangenen Woche
erstmals öffentlich über eine militärische Drohung der
USA gegen Pakistan gesprochen. Armitage wies dies zurück,
räumte jedoch ein, die Regierung in Islamabad nach dem 11.
September mit scharfen Worten gewarnt zu haben. Musharraf hält
sich derzeit in den USA auf. Am Mittwoch ist ein Treffen mit
Präsident George W. Bush sowie dem afghanischen Präsidenten
Hamid Karsai im Weißen Haus geplant.
(Quelle: ap)
Hohe Funktionärin des afghanischen Frauenministeriums erschossen
Di.26.09.06 - Die höchste Vertreterin des afghanischen Frauenministeriums in der
Provinz Kandahar ist am Montag bei einem Anschlag getötet worden.
Safia Ahmed-Dschan wurde vor ihrem Haus von zwei Männern auf einem
Motorrad erschossen, wie ihre Behörde mitteilte. Sie war für
ihr Eintreten für Frauenrechte bekannt und hatte Kandahar auch in
den schlimmsten Kriegsjahren nicht verlassen. Die UN-Mission in
Afghanistan äußerte sich «entsetzt über diesen
sinnlosen Mord.»
In der benachbarten Provinz Paktika in Süden des Landes drangen am
Sonntagabend etwa 20 Extremisten in das Haus eines regionalen
Behördenvertreters ein und töteten ihn, wie die
Provinzregierung mitteilte. In der Nähe der Stadt Chost kamen am
Montag zwei potenzielle Selbstmordattentäter ums Leben, als die
Sprengladungen in ihrem Fahrzeug vorzeitig explodierten, wie die Polizei
mitteilte.
(Quelle: ap)
Iranischer Außenminister sieht Atomgespräche 'auf dem
richtigen Weg'
Di.26.09.06 - Der iranische Außenminister Manutschehr Mottaki hält eine
Verhandlungslösung im Streit über das umstrittene
Atomprogramm seines Landes für möglich. Die
europäisch-iranischen Verhandlungen insbesondere zum Stopp der
Urananreicherung seien «auf dem richtigen Weg», sagte
Mottaki am Montag in New York der Nachrichtenagentur AP.
EU-Chefdiplomat Javier Solana und der iranische Atom-Unterhändler
Ali Laridschani würden sich sich schon «sehr bald» zu
ihrer dritten Gesprächsrunde treffen. Ort und Zeit stünden
noch nicht fest; das Treffen werde aber vermutlich in Europa
stattfinden.
Allgemein war das dritte Treffen zwischen Solana und Laridschani am
Rande der UN-Vollversammlung vergangene Woche in New York erwartet
worden. Mottaki sagte, es sei nicht zu Stande gekommen, weil ein
Stellvertreter Laridschanis und weitere Delegationsmitglieder kein
US-Einreisevisum bekommen hätten. Die letzten zwei, drei Tage
hätten Solana und Laridschani wieder Kontakt aufgenommen und
koordinierten das weitere Vorgehen.
«Ich denke, dass sie sehr bald ihre dritte Gesprächsrunde
haben werden», sagte er. «Wir glauben, dass dieser Fall
wieder auf dem richtigen Weg ist. Er glaube, dass es für beide
Seiten möglich sei, eine umfassende Lösung zu erreichen. Die
fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder - die USA, Russland,
China, Großbritannien und Frankreich - sowie Deutschland haben
Iran aufgefordert, die Urananreicherung zu stoppen. Teheran ließ
aber ein Ultimatum dazu verstreichen, das am 31. August ablief. Iran
könnten nun UN-Sanktionen drohen.
Am vergangenen Donnerstag erklärte der iranische Präsident
Mahmud Ahmadinedschad erstmals, Iran könnte die Urananreicherung
«unter fairen und gerechten Bedingungen» aussetzen. Auf die
Frage, was Ahmadinedschad unter gerecht verstehe, sagte Mottaki:
«Ja, das werden wir zu einem geeigneten Zeitpunkt
erklären.»
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Syrien zeigt sich bei UN-Untersuchungen zum Attentat an Hariri
kooperativ. Israelische Intellektuelle rufen Olmert zu
Friedensgesprächen auf. Bericht über
israelisch-saudiarabisches Geheimtreffen. Hamas und Fatah sagen
Gespräche über Regierung ab
Di.26.09.06 - Syrien hat sich nach Angaben der UN-Ermittler bei den Untersuchungen
zum Mordattentat an dem früheren libanesischen
Ministerpräsidenten Rafik Hariri kooperativ gezeigt. Das sagte der
belgische Ermittlungsleiter Serge Brammertz am Montag in New York.
Brammertz' deutscher Vorgänger, der Berliner Oberstaatsanwalt
Detlev Mehlis, hingegen hatte Syrien noch vorgeworfen, die Ermittlungen
zu behindern.
Neuere Untersuchungen hätten die Theorie untermauert, dass die
Attentäter in einem Kleinbus eine fast 1.800 Kilogramm schwere
Bombe gezündet hätten, hieß es in einem Bericht
Brammertz'. Bei dem Anschlag waren am 14. Februar 2005 Hariri sowie 22
weitere Menschen getötet worden. Mehlis hatte dem syrischen
Geheimdienst vorgeworfen, in den Mordfall verwickelt gewesen zu sein.
Die Regierung in Damaskus wies dies zurück.
Führende israelische Intellektuelle haben Ministerpräsident
Ehud Olmert zu Friedensgesprächen mit der radikalislamischen Hamas
aufgerufen. Die am Montag in Jerusalem veröffentlichte Petition
wurde von insgesamt 68 namhaften Schriftstellern, Wissenschaftlern und
Generälen unterzeichnet, unter ihnen der Autor Amos Oz und der
Chemie-Nobelpreisträger Aaron Ciechanover. Sie forderten Olmert
auch auf, Verhandlungen mit Syrien und dem Libanon aufzunehmen. Das
Büro des Regierungschefs gab zunächst keine Stellungnahme ab.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert ist einem
israelischen Zeitungsbericht zufolge vor zehn Tage mit einem ranghohen
saudiarabischen Politiker, möglicherweise sogar mit König
Abdullah selbst, zusammengetroffen. Die israelische Regierung wollte zu
dem am Montag erschienenen Bericht der Zeitung «Jediot
Ahronot» keine Stellung nehmen. Wo das Treffen stattgefunden haben
soll, wurde in der Meldung nicht gesagt.
Thema war dem Blatt zufolge das iranische Atomprogramm und der auf Eis
gelegte Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern.
Israel und Saudi-Arabien unterhalten keine diplomatische Beziehungen.
Die Bemühungen zur Bildung einer palästinensischen Regierung
der nationalen Einheit haben derweil einen weiteren Rückschlag
erlitten: Die international isolierte Hamas-Regierung und die
Fatah-Organisation von Präsident Mahmud Abbas sagten am Montag
eine für Dienstag geplante Gesprächsrunde ab. Ein neuer
Termin sei nicht vereinbart worden, teilten beide Seiten mit. Abbas
sagte einen Besuch in Gaza ab, wo er sich mit Ministerpräsident
Ismail Hanija treffen wollte.
Bereits am Wochenende hatte Abbas erklärt, die Weigerung der
Hamas, das Existenzrecht Israels anzuerkennen, habe die Gespräche
auf Null zurückgeworfen. Die Hamas hatte bei der Parlamentswahl im
Januar einen klaren Sieg über die von Abbas geführte Fatah
errungen. Wegen ihrer antiisraelischen Haltung geriet die
Hamas-Regierung aber in eine internationale Isolation. Wegen
ausbleibender ausländischer Finanzhilfen kann die
Autonomiebehörde kaum noch ihren öffentlichen Dienst bezahlen
und lebenswichtige Projekte sind zum Stillstand gekommen.
(Quellen: ap, dpa)
Somalische Islamisten schießen auf Demonstranten
Di.26.09.06 - Bewaffnete Islamisten haben in der somalischen Stadt Kismayo das Feuer
auf Demonstranten eröffnet. Dabei seien mindestens zwei Menschen
getötet und drei weitere verletzt worden, berichteten Augenzeugen.
Äthiopische Truppen rückten in die somalische Stadt Baidoa
vor, um die dortige Übergangsregierung zu schützen. Am
Sonntag hatten die Islamisten-Milizionäre die wichtige Hafenstadt
Kismayo eingenommen und damit ihre Herrschaft weiter ausgebaut.
Den Angaben zufolge schossen die Islamisten auf eine Menschenmenge, die
sich vor dem Sitz der JVA-Miliz versammelt hatte, die bislang die
Kontrolle über Kismayo hatte. Die Demonstranten hätten sich
darüber beschwert, dass die Islamisten die Nationalfahne an dem
Gebäude durch ein islamistisches Banner mit arabischen
Schriftzügen ersetzt hätten, sagte ein Augenzeuge. Auf der
Fahne der Islamisten stehe der Satz "Es gibt nur einen guten Allah, und
Mohammed ist sein Prophet". Einem anderen Augenzeugen zufolge waren
einige der Demonstranten bewaffnet. Die Lage sei sehr gespannt.
300 bis 400 Soldaten seien mit schweren Lastwagen nach Baidoa
eingefahren, sagte einer von vielen Zeugen. Ein anderer sprach von
dutzenden Lastwagen. Auch der für Verteidigung zuständige
Vertreter des Obersten Rats der Islamischen Gerichte sagte in
Mogadischu, es seien mindestens 300 äthiopische Soldaten in Baidoa
rund 250 Kilometer nordwestlich der somalischen Hauptstadt eingetroffen.
Mehrere schwer bewaffnete Islamisten-Milizionäre waren am Sonntag
nach mehrtägiger Belagerung in Kismayo 500 Kilometer südlich
von Mogadischu eingedrungen, wie Anwohner berichteten. Die Miliz von
Barre Shire Hirale, der als Verteidigungsminister in der
Übergangsregierung amtiert, habe die Flucht ergriffen.
Die Kämpfer sind mit dem Obersten Rat der Islamischen Gerichte
verbündet, der seit einigen Wochen in Mogadischu herrscht und
seinen Einfluss in Südsomalia immer weiter ausdehnt. Der Rat hatte
die Belagerung von Kismayo mit der strategischen Bedeutung des dortigen
Hafens begründet. Es solle verhindert werden, dass die geplante
afrikanische Friedenstruppe über Kismayo an Land geht. Die
Islamisten lehnen die Truppe ab.
Erst Anfang des Monats hatten die Islamisten ein Friedensabkommen mit
der Übergangsregierung unterzeichnet. Diese wird international
unterstützt, hat aber kaum Macht. Sie residiert in Baidoa.
Über die Hauptstadt Mogadischu hat sie keine Kontrolle.
(Quelle: afp)
Papst empfängt Vertreter islamischer Staaten
Di.26.09.06 - Nach den Protesten gegen seine Islam-Äußerungen hat Papst
Benedikt XVI. während eines Treffens mit zahlreichen Vertretern
muslimischer Länder versucht, die Wogen weiter zu glätten.
«Wir benötigen dringend einen authentischen Dialog zwischen
den Religionen und Kulturen, einen Dialog, der dazu fähig ist,
alle Spannungen gemeinsam zu überwinden», sagte das
Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am Montag vor 22
Botschaftern sowie Islam-Vertretern und hohen Geistlichen in seiner
Sommerresidenz in Castel Gandolfo bei Rom. Bei der Audienz habe es sich
«um eine Initiative gehandelt, die es in dieser Form noch nicht
gegeben hat», schrieb die italienische Zeitung «La
Stampa» am Montag.
Ziel des Treffens, das auch im arabischen Nachrichtensender
El-Dschasira übertragen wurde, sei es gewesen,
Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse, die nach Joseph
Ratzingers Rede in Regensburg aufgekommen waren, zu schlichten,
hieß es aus der Kurie. «Der Papst näht den Riss wieder
zu», titelte «La Stampa».
Gegenseitiger Respekt sei notwendig, «vor allem was die
religiöse Freiheit betrifft», betonte der Papst, der seine
kurze Ansprache vor den fast 40 anwesenden Muslimen auf
Französisch hielt. «Ich möchte noch einmal meine
Achtung und meinen tiefen Respekt, die ich für die muslimischen
Gläubigen empfinde, wiederholen.» Nach der Rede
begrüßte Benedikt jeden Anwesenden persönlich. Unter
anderem waren die Vatikan-Botschafter Indonesiens, Pakistans, Senegals,
Jordaniens, des Libanons und des Iraks der Einladung gefolgt. Lediglich
der sudanesische Botschafter nahm nicht an der Begegnung teil, meldete
die italienische Nachrichtenagentur Ansa.
Der Papst hatte am 12. September in Regensburg den byzantinischen
Kaiser Manuel II. Palaiologos (1391-1425) mit den Worten zitiert, der
Prophet Mohammed habe nur «Schlechtes und Inhumanes»
gebracht, weil er den Glauben mit dem Schwert habe verbreiten lassen
wollen. Nach Protesten in der islamischen Welt hatte Benedikt XVI.
mehrmals bedauert, dass seine Äußerungen missverstanden
worden seien.
Angesichts des islamischen Terrors hatte der Papst seine Ablehnung
einer Glaubensverbreitung durch Gewalt in den Mittelpunkt der Rede
gestellt. Das Zitat spiegele nicht sein persönliches Denken wider,
betonte Joseph Ratzinger. Er nahm aber keine Aussage zurück.
(Quelle: dpa)
Experte: Dialog mit Islam vor Kurswechsel
Di.26.09.06 - Der Dialog mit dem Islam steht nach Auffassung des Islamexperten der
Deutschen Bischofskonferenz, Peter Hünseler, vor einem
Kurswechsel. Das sagte der Leiter der christlich-islamischen
Begegnungsstelle der Bischofskonferenz am Samstag in einem Interview
des Saarländischen Rundfunks.
«Wir haben eine sehr lange Phase des Antastens gehabt und haben
eigentlich immer die wirklich strittigen Fragen wie Religion und Gewalt
beispielsweise ausgeklammert.», so Hünseler. Dies sei nun
nach den umstrittenen Äußerungen von Papst Benedikt XVI. zum
Thema Islam nicht mehr möglich.
«Wir müssen ganz ehrlich und aufrichtig darüber
sprechen und dürfen nicht nur die Zitate nennen, die sozusagen die
Schokoladenseite des Islam darstellen, sondern es muss alles auf den
Tisch, forderte Hünseler. Es gebe eben auch andere
Äußerungen. Die Muslime in Deutschland müssten
erklären, wie sie es mit solchen Aussagen hielten. Die
Bevölkerung in Deutschland habe nämlich große Sorge,
wenn sie sehe, was für ein Gewaltpotenzial in der islamischen Welt
vorhanden sei, dass das hier zu Lande nicht auch hochkomme.
(Quelle: dpa)
Schatzkanzler Brown bekräftigt Anspruch auf Führung
Großbritanniens
Di.26.09.06 - Nach fast zehn Jahren als britischer Schatzkanzler hat Gordon Brown mit
einer umfassenden Rede seinen Anspruch auf das Amt des Premierministers
so deutlich wie nie zuvor bekräftigt.
Auf dem Jahreskongress der Labour-Partei in Manchester betonte er unter
starkem Beifall zugleich, dass Labour sich auch unter seiner
Führung an den politischen Leitlinien orientieren würde, die
von Regierungschef Tony Blair seit 1997 vorgegeben wurden.
Blair sei der erfolgreichste Labour-Regierungschef und es sei für
ihn stets «ein Privileg» gewesen, mit ihm
zusammenzuarbeiten. Brown erteilte zugleich dem linken
Labour-Flügel eine Absage, der gehofft hatte, dass er sich bei
seiner Bewerbungsrede als Partei- und Regierungschef von Blairs Kurs
der Unterstützung der USA im Irak des Irak-Krieges absetzen
würde.
Die USA und Großbritannien hätten gemeinsame Werte, sagte
er. Auch künftig werde die Labour-Regierung «alle
erforderlichen Ressourcen dafür bereitstellen, dass Terroristen
weder im Irak, noch in Afghanistan oder irgendwo sonst Zuflucht
finden».
Brown entwarf eine Perspektive für Labour als Partei, die auch in
den kommenden zehn Jahren als Regierungspartei die Modernisierung und
die erforderlichen Reformprozesse im Großbritannien des
Globalisierungszeitalters führen werde. Die von Blair als New
Labour geprägte Partei müsse dafür zur Erneuerung bereit
sein. Auf dieser Basis würde er mit größter Freude die
Aufgabe annehmen, Labour gegen die Konservativen und deren neuen
Parteichef David Cameron bei den nächsten Wahlen zum Sieg zu
führen.
(Quelle: dpa)
Deutscher Außenminister Steinmeier schlägt Freihandelszone
EU-Russland vor
Di.26.09.06 - Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat
vorgeschlagen, Russland durch eine vertraglich vereinbarte neue
Partnerschaft mit der EU «unumkehrbar» an Europa zu binden.
Auf einer Konferenz der SPD-Bundestagsfraktion zur am 1. Januar
beginnenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft nannte Steinmeier am
Montag als Perspektiven einer solchen Partnerschaft mittel- und
langfristig eine Art Freihandelszone, eine breite Vernetzung von
Forschung, Bildung und Kultur sowie eine umfassende Energiepartnerschaft.
Als weitere Perspektive könnte laut Steinmeier «irgendwann
einmal visafreier Verkehr» möglich werden. An den
Voraussetzungen dafür müsste aber noch intensiv gearbeitet
werden.
Eine gute Gelegenheit für einen Partnerschaftsvertrag mit diesen
Elementen ergibt sich nach den Worten des SPD-Politikers im
nächsten Jahr. Dann laufe das Partnerschafts- und
Kooperationsabkommen der EU mit Russland aus und müsse neu
verhandelt werden. Diese Chance sollte ergriffen werden.
Zu den ersten Aufgaben der deutschen Ratspräsidentschaft
zählte Steinmeier den Frühjahrsgipfel der Staats- und
Regierungschefs am 8. und 9. März in Brüssel. Dort
stünden die EU-Strategie für Wachstum und Beschäftigung
sowie die europäische Energiepolitik auf der Tagesordnung.
Ziel müsse es bleiben, dass Europa zu einem Zentrum für
Forschung, Bildung und Innovation werde, was eine erhebliche Steigerung
der Investitionen in diese Bereiche erfordere. Zur Energiepolitik werde
ein Aktionsplan vorbereitet, der hoffentlich auf dem Gipfeltreffen
verabschiedet werden könne. Wegen der Endlichkeit der fossilen
Energieträger sei seiner Ansicht nach ein entschlossener Einstieg
in die Wasserstofftechnologie notwendig.
Die für 2007 erwartete EU-Mitgliedschaft Bulgariens und
Rumäniens bedeutet nach Ansicht Steinmeiers noch nicht das Ende der
EU-Erweiterung. Das Thema einer EU mit 30 Mitgliedstaaten sei nicht vom
Tisch. «Es werden mehr werden als die 27 Staaten - aber der Weg
zur Mitgliedschaft wird dann um einiges steiniger und für manche
auch länger werden», sagte der Minister.
Zugleich warnte er davor, die Türkei «als Bollwerk zwischen
Europa und den islamischen Staaten» zu missbrauchen. Die
Türkei sollte vielmehr Brücke zu diesen Ländern seien.
Das Land habe Anspruch auf faire Beitrittsverhandlungen und sollte sie
auch erhalten.
Zum Ende der deutschen Präsidentschaft wird sich der Rat der
Staats- und Regierungschefs nach Angaben des SPD-Politikers im Juni 2007
mit der europäischen Verfassungskrise befassen. Da Deutschland in
der Zeit der Präsidentschaft eine Vermittlerrolle habe, werde man
bis dahin zuhören, diskutieren und am Ende einen Vorschlag
unterbreiten, wie es nach dem Scheitern der Volksabstimmungen in
Frankreich und den Niederlanden weitergehen könne. Deutschland
wolle die politische Substanz der Verfassung erhalten. Der deutsche
Vorschlag werde aber nicht den Text der Verfassung, sondern
Modalitäten des weiteren Verfahren betreffen und einen Zeitplan bis
zum Abschluss beinhalten.
Zuvor hatte der SPD-Vorsitzende Kurt Beck der Bundesregierung die
Unterstützung der Sozialdemokraten für die Arbeit während
der Ratspräsidentschaft zugesichert. Beck nannte es eine
«historische Aufgabe, Europa vollständig zu machen».
Die Beitritte Bulgariens und Rumäniens bedeuteten keine
endgültige Außenabgrenzung der EU. Er hielte es für
einen kapitalen Fehler, die Türen für eine echte
EU-Mitgliedschaft der Türkei zuzuschlagen, sagte Beck.
(Quelle: ap)
Deutsche Sozialdemokraten bekennen sich zu EU-Beitrittsperspektive
für Türkei
Di.26.09.06 - Die deutschen Sozialdemokraten (SPD) bestehen auf einer
EU-Beitrittsperspektive für die Türkei. Parteichef Kurt Beck
bezeichnete es am Montag auf einer Veranstaltung der SPD-Fraktion zur
Europapolitik in Berlin als «kapitalen Fehler», der
Türkei «die Türe zuzuschlagen». Die
Beitrittsverhandlungen müssten «sorgfältig», aber
«offen» gestaltet werden. Die Türkei habe eine
wichtige Brückenfunktion zwischen der «abendländischen
und der muslimischen Welt».
Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) betonte:
«Die Türkei hat einen Anspruch auf faire
Beitrittsverhandlungen.» Es sei eine Schlüsselfrage für
Europa, ob sich das Land dauerhaft zu Europa und seinen Werten bekenne.
Steinmeier kritisierte in diesem Zusammenhang »kontraproduktive
Störmanöver aus dem Süden der Republik«. Die
Äußerungen einiger Unions-Politiker hätten allenfalls im
»Umfeld von großen Volksfesten« Platz. »Ich
würde mir wünschen, dass wir uns da verantwortungsbewusster
verhalten«, sagte der Außenminister.
CSU-Chef Edmund Stoiber hatte vor kurzem erneut betont, dass die
Türkei nicht nach Europa gehöre. Die bisherigen
Beitrittsverhandlungen seien »eine Enttäuschung" gewesen.
(Quelle: ddp)
SPD und Union bekennen sich zu Regierungsbündnis
Di.26.09.06 - Angesichts der Spekulationen über mögliche neue
Konstellationen im Bund haben sich Politiker von SPD und Union zur
gemeinsamen Regierung bekannt. "Wir stehen zur großen Koalition",
sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil in Berlin.
SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler bezeichnete Gerüchte über
eine mögliche Ampelkoalition mit FDP und Grünen als
"Schmarrn". Auch Unionspolitiker beschworen den Zusammenhalt der
Koalition, kritisierten aber zugleich das SPD-Treffen mit
Oppositionsvertretern.
Die SPD wolle, dass die Koalition bis 2009 erfolgreich arbeite, sagte
Heil. "Alles andere ist nichts, mit dem wir uns auseinandersetzen",
fügte er mit Blick auf die Spekulationen über eine Ampel
hinzu. Er riet der Union, sich nicht von schlechten Umfragewerten
irritieren zu lassen. "Am Ende entscheiden Wahlen und nicht Umfragen."
Stiegler sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", ein Zusammengehen mit
der FDP sei für die SPD schon aus inhaltlichen Gründen
undenkbar. Auch Juso-Chef Björn Böhning sieht derzeit ohne
die große Koalition "keine Chance auf eine realistische Mehrheit
im Bundestag".
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach betonte im Bayerischen Rundfunk,
der Wähler habe nun einmal eine große Koalition gewollt,
"und die muss nun auch Erfolg haben". Dazu brauche es aber Vertrauen,
fügte der CDU-Politiker hinzu und die Partner müssten wissen,
dass sie sich aufeinander verlassen können. "Dazu gehört
nicht, dass man tagsüber Treue schwört und abends mit anderen
Parteien anbandelt", kritisierte Bosbach jüngste Treffen von
SPD-Politikern mit Vertretern von FDP und Grünen.
Die Grünen bestätigten unterdessen, dass sich
SPD-Fraktionschef Peter Struck mit seiner Grünen-Kollegin Renate
Künast zu einem Essen verabredet habe. Künast selbst
signalisierte Bereitschaft zu neuen Konstellationen. "Wenn die
große Koalition bricht, haben wir Ideen, wie man Reformen macht",
sagte sie dem WDR. Gespräche mit Struck darüber seien jedoch
nicht geplant, weil die Situation "zu ernst für Planspiele" sei.
Von der FDP forderte Künast inhaltliche Korrekturen als
Voraussetzung für ein mögliches Ampelbündnis.
FDP-Vize Rainer Brüderle, der sich mit SPD-Chef Kurt Beck
getroffen hatte, versuchte, die Debatte über eine mögliche
Ampelkoalition einzudämmen. Er habe mit dem Gesprächsangebot
an die SPD Gemeinsamkeiten ausloten wollen, sagte er im ZDF.
(Quelle: afp)
Linksfraktionsvorsitz: Gysi und Lafontaine klar wiedergewählt
Di.26.09.06 - Mit klaren Wiederwahl-Ergebnissen von mehr als 90 Prozent wollen die
Linksfraktionsvorsitzenden Gregor Gysi und Oskar Lafontaine ihren Kurs
gegen die Politik der Regierung fortsetzen.
In der Debatte über mögliche Koalitionen im Bund
erklärten beide Politiker am Montag in Berlin ein Bündnis mit
der SPD wegen der inhaltlichen Differenzen derzeit für
unmöglich, schlossen es aber langfristig nicht aus. Die
Koalitionsverhandlungen mit der SPD in Mecklenburg-Vorpommern und
Berlin beurteilten sie einerseits als Chance, weiterhin
Regierungsfähigkeit zu beweisen. Andererseits könne der
Schritt in die Opposition die geplante Fusion von Linkspartei und
Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) erleichtern,
weil schmerzhafte Kompromisse durch Regierungsarbeit ausblieben.
Während einer Klausurtagung am Montag am Rande Berlins erhielt
Gysi bei der Vorstandswahl 91,4 Prozent der Stimmen und Lafontaine 91,7
Prozent. Sie hatten keine Gegenkandidaten. Vor einem Jahr hatte Gysi
ein Ergebnis von 92,6 und Lafontaine von 94,4 Prozent. Für Gysi
votierten 43 Abgeordnete, 3 stimmten gegen ihn, einer enthielt sich.
Eine Stimme war ungültig. Lafontaine bekam 44 Ja-Stimmen, 1
Gegenstimme und 3 Enthaltungen. Er sagte zu seinen Stimmenverlusten im
Vergleich zum Vorjahr, wer über 90 Prozent bekomme, könne
sich nicht beschweren. Die Fraktion hat insgesamt 53 Abgeordnete.
Zur Wahl stand der gesamte 13-köpfige Fraktionsvorstand, der das
einzige Mal in dieser Legislaturperiode für zwei Jahre bestimmt
wird. Im vorigen Jahr hatte die Fraktion eine einjährige Amtszeit
beschlossen, um dem Zusammenwachsen der Mitglieder der Linkspartei
(heute 34), der WASG (12) sowie der parteilosen Abgeordneten (7)
Rechnung zu tragen. 2008 soll das Gremium dann wieder nur für ein
Jahr bis zur nächsten Bundestagswahl gewählt werden.
Gysi kündigte an, seine Fraktion werde sich verstärkt um die
Gleichstellung der Menschen im Osten und im Westen Deutschlands
kümmern. Da es keine Vereinigung der beiden Länder, sondern
nur «eine Einheit» gegeben haben, seien Errungenschaften
der DDR, wie etwa die Kinderbetreuung, abgeschafft worden. Von solchen
Werten hätten die Westdeutschen profitieren können und damit
ein anderes «Vereinigungserlebnis» gehabt als den Eindruck,
dass Ostdeutsche «rumnörgeln und auch noch komisch
wählen». Die Arbeitsmarktlage im Osten sei dramatisch
schlecht und müsse dringend verbessert werden.
Lafontaine sagte, die «falsche Politik» der Regierung von
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe den Rechtsradikalismus
gestärkt. Die SPD habe keinen nennenswerten linken Flügel
mehr und sei «entsozialdemokratisiert», sagte Gysi.
(Quelle: dpa)
Bundesrechnungshof rügt Bundesagentur für Arbeit
Di.26.09.06 - Der Bundesrechnungshof hat der Bundesagentur für Arbeit
Mängel bei der Vermittlung von Arbeitslosen vorgeworfen. Es sei
rechtlich zweifelhaft, dass besonders leicht vermittelbare
«Marktkunden keine Vermittlungsleistungen erhalten» und
besonders schwer vermittelbare «Betreuungskunden aus dem
Erwerbsleben 'abgedrängt' werden», zitiert das das
ARD-Magazin «Report Mainz» am Montag aus dem Bericht der
Prüfer.
Die Bundesagentur verteidigte ihr Konzept. Der Bundesrechnungshof habe
das Gesamtkonzept der BA als in sich schlüssig und sachgerecht
gelobt. Strittig sei nur der Umgang mit Markt- und Betreuungskunden.
Marktkunden hätten auf dem Arbeitsmarkt sehr große Chancen
und bräuchten überhaupt keine weitergehende Betreuung,
erklärte BA-Sprecher Ulrich Waschki in Nürnberg.
Betreuungskunden mit mehreren Vermittlungshemmnissen würden oft
zunächst an Sucht- oder Schuldnerberatungsstellen überwiesen.
Erst danach seien Weiterbildungskurse oder andere
arbeitsmarktpolitische Instrumente sinnvoll.
Zugleich wies Waschki einen Bericht des ZDF-Magazins «Wiso»
zurück, Arbeitsagenturen hätten die private Vermittlung von
Langzeitarbeitslosen blockiert. «Der Bundesagentur sind keine
solchen Fälle bekannt», sagte er. Für die Betreuung von
Langzeitarbeitslosen seien ohnehin nicht die Arbeitsagenturen
zuständig, sondern die Arbeitgemeinschaften und Jobcenter von BA
und Kommunen. Dort sei die Ausgabe eines Vermittlungsgutscheins eine
Ermessensleistung des jeweiligen Sachbearbeiters. Wenn
Arbeitsverhältnisse nicht zu Stande kämen, weil Jobcenter
Vermittlungsgutscheine verweigerten, sei das falsch, sagte Waschki. Pro
erfolgreicher Vermittlung müssen die Arbeitsgemeinschaften den
privaten Jobvermittlern zwischen 1.000 und 2.000 Euro Prämie
zahlen.
(Quelle: ap)
Aktiengesellschaften zahlen nur 28,2 Prozent Ertragssteuern
Di.26.09.06 - Deutsche Aktiengesellschaften zahlen im Durchschnitt nur 28,2 Prozent
Ertragssteuern - und damit etwa zehn Prozent weniger als theoretisch
nach der Gesetzgebung fällig wäre. Fast drei Viertel der
Konzerne aus Dax, MDax, SDax und TecDax schaffen es, ihre Steuerquote
unter 38,6 Prozent zu drücken. Das ergab eine Analyse, die das
«Handelsblatt» zusammen mit einem Instituts für
Wirtschaftsprüfung und einer Unternehmensberatung erstellte. Die
Unternehmen nutzten gesetzliche Möglichkeiten wie Abschreibungen.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)
Innenminister Schäuble kritisiert Absetzung von Operninszenierung
Di.26.09.06 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat empört auf die
Absetzung einer Berliner Operninszenierung aus Angst vor islamistischen
Attacken reagiert. «Das ist verrückt», sagte
Schäuble am Montagabend in Washington. Ein solcher Schritt sei
lächerlich und inakzeptabel.
Kurz zuvor war bekannt geworden, dass die Deutsche Oper Berlin die
für den 5. November geplante Wiederaufnahme der Mozart-Oper
«Idomeneo» in der Inszenierung von Hans Neuenfels vom
Spielplan genommen hat. Hintergrund ist eine Gefährdungsanalyse
des Berliner Landeskriminalamts. In der Inszenierung präsentiert
König Idomeneo die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Jesus
Buddha und Mohammed.
Schäuble, der für den kommenden Mittwoch Muslime zur ersten
Islamkonferenz nach Berlin eingeladen hat, wurde von der Nachricht
während seines zweitägigen USA-Besuchs überrascht.
«Das ist inakzeptabel», sagte er bei einem Abendessen der
Konrad Adenauer Stiftung auf die Frage eines Journalisten.
(Quelle: ap)
Zentralrat der Muslime kritisiert Islam-Konferenz
Di.26.09.06 - Der Zentralrat der Muslime hat die Islam-Konferenz von
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Mittwoch
kritisiert. «Wenn sich an der Konzeption der Islam-Konferenz
nichts ändert, stellt sich ernsthaft die Frage, ob die
Verbände so einfach mitmachen werden. Ich kann mir das so nicht
vorstellen», sagte der Generalsekretär des Zentralrats,
Aiman Mazyek, der «Frankfurter Rundschau». Er kritisiert
vor allem die Einladungspraxis und die Vorbereitung des Treffens.
«Die Zusammensetzung der Islam-Konferenz stellt nicht den
richtigen Proporz dar», sagte Mazyek. Er forderte, dass die vier
großen muslimischen Dachverbände, zu denen auch der
Zentralrat zählt, die Hauptansprechpartner sein müssten. Dem
laufe zuwider, dass zehn Einzelpersönlichkeiten eingeladen seien,
die einen eher säkularen Islam repräsentieren. Momentan habe
er den Eindruck, die Regierung wolle «einen staatlich
sanktionierten Debattierclub aufmachen».
Der Vorsitzende des Islamrates in Deutschland, Ali Kizilkaya,
kritisierte in der «Neuen Osnabrücker Zeitung», dass
die muslimischen Verbände nur unzureichend über die Inhalte
der Konferenz informiert worden seien. «Das meiste, was in der
Konferenz angeblich stattfinden soll, haben wir aus den Medien
erfahren», sagte er. Man begrüße jedoch, «dass
so etwas endlich stattfindet, wenn auch spät». Vom Gipfel
erwarte er endlich eine Gleichstellung des Islam mit anderen
Religionsgemeinschaften. Bisher seien den Verbänden viele
öffentliche Möglichkeiten nicht zugänglich, etwa die
Vertretung in Rundfunkräten.
(Quelle: ap)
Streit über Münchner Transrapid-Strecke verschärft
Di.26.09.06 - Der Streit über die geplante Münchner Transrapid-Strecke wird
durch das Unglück im niedersächsischen Emsland angeheizt.
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) lehnte es am Montag
ab, das Projekt nun in Frage zu stellen. Er schloss sogar eine
Aufstockung des bayerischen Finanzierungsanteils nicht aus. Dagegen
forderte SPD-Fraktionschef Franz Maget die CSU auf, sich von ihrem
«unvernünftigen Prestigeobjekt» zu lösen.
Der bayerische Verkehrsminister Erwin Huber (CSU) berichtete dem
CSU-Vorstand von den bisherigen Erkenntnissen über das
Unglück vom vergangenen Freitag, bei dem 23 Menschen ums Leben
gekommen waren. Er betonte anschließend, es gebe keine Hinweise
auf einen Systemmangel. Außerdem sei für München
bereits ein anderes Sicherheitskonzept vorgesehen gewesen, das einen
Unfall wie im Emsland ausschließe.
Huber verwies auf die Vereinbarung mit Bundesverkehrsminister Wolfgang
Tiefensee (SPD), ein Gutachten über das Unglück erstellen zu
lassen. Nach dem jetzigen Stand seien aber keine Verzögerungen
beim Zeitplan für das Münchner Projekt zu erwarten. Bis zum
spätestens im Herbst 2007 erwarteten Beschluss über die
Strecke zum Münchner Flughafen bleibe genügend Zeit, um die
Erfahrungen im Emsland zu berücksichtigen.
Huber äußerte sich zugleich zuversichtlich, dass auch der
Finanzierungsstreit zwischen dem Bund und dem Freistaat gelöst
werden kann. Hierzu werde letztlich wohl ein Spitzengespräch
zwischen Stoiber und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beitragen.
Berlin will sich bislang mit 550 Millionen Euro an dem 1,85 Milliarden
Euro teuren Projekt beteiligen. Bayern selbst will 185 Millionen Euro
beisteuern.
Stoiber betonte, denkbar sei auch eine Erhöhung dieses Betrages um
weitere 10 Millionen Euro. Er kündigte ferner an, die CSU werde
bei der beteiligten Industrie ein Sicherheitskonzept einfordern, damit
sich so ein Unglück wie im Emsland nicht wiederhole. Man
müsse auch klären, ob menschliches Versagen durch eine noch
bessere Technologie hätte ausgeschaltet werden können.
Maget sieht durch das Transrapid-Unglück die Zweifel an der
Realisierbarkeit einer Münchner Magnetschwebebahn-Strecke
«erheblich verstärkt». Zu den «bislang
vollkommen ungelösten Fragen» der Finanzierung kämen
nun erhebliche Sicherheitsbedenken hinzu. Der von der Staatsregierung
vorgesehene Zeitplan sei jetzt «gänzlich
gegenstandslos».
Bei der Suche nach den Ursachen für das Unglück gehen die
Behörden weiter von menschlichem Versagen aus. Man ermittle gegen
alle verantwortlichen Mitarbeiter der Leitstelle wegen
fahrlässiger Tötung, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft
in Lathen mit. Anzeichen für ein technisches Versagen lägen
weiterhin nicht vor.
(Quelle: ddp)
Linke als mutmaßliche Rechtsextremisten festgenommen
Di.26.09.06 - Unter dem Verdacht rechtsextremistischer Umtriebe sind bei Marburg 17
Personen aus dem linken Spektrum festgenommen worden. Wie die Polizei am
Montag berichtete, hatten die überwiegend jungen Leute sich am
Sonntagabend an einer Grillhütte versammelt. Anschließend
sollen nach Aussagen einer Zeugin aus der Versammlung heraus
rechtsradikale Reden gehalten worden sein.
Die Frau habe kurz nach 18.00 Uhr die Polizei alarmiert, die mit
mehreren Streifenwagen zu der Grillhütte fuhren und 14 Männer
sowie drei Frauen im Alter zwischen 16 und 36 Jahren festnahm. Die
Beschuldigten hätten einen rechtsradikalen Hintergrund der Aktion
vehement bestritten, berichtete Polizeisprecher Jürgen Schlick.
Sich selbst hätten sie als Mitglieder der linksgerichteten
Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands bezeichnet. Sie hätten den
politischen Gegner lediglich in Redebeiträgen persiflieren wollen.
Nach Schlicks Worten wurden die Beschuldigten nach vorübergehender
Festnahme ausnahmslos wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Polizei
habe dennoch Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung und
der Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen
aufgenommen.
(Quelle: ap)
Wissenschaft / Klimaforschung / Klimawandel
Erdtemperatur auf höchsten Stand seit tausenden Jahren
Di.26.09.06 - Auf der Erde ist es so warm wie seit tausenden von Jahren nicht mehr
und die von Menschen verursachte Klimaerwärmung beginnt sich auf
die Pflanzen- und Tierwelt auszuwirken. Das geht aus einer Studie
amerikanischer Forscher hervor, die in der Dienstagsausgabe des
Fachblattes «Proceedings of the National Academy of
Sciences» veröffentlicht wurde. Der Leiter des
Forschungsteams, James Hansen vom Goddard-Institut der
US-Weltraumbehörde NASA, hatte vor Jahrzehnten als erster vor den
Gefahren des Klimawandels durch so genannte Treibhausgase gewarnt.
In den vergangenen 30 Jahren ist die Durchschnittstemperatur auf der
Erde jedes Jahr um 0,2 Grad Celsius gestiegen, stellten die Forscher
fest. Die Erdtemperatur sei dabei auf den höchsten Stand in der
derzeitigen zwischeneiszeitlichen Periode gestiegen, die vor 12.000
Jahren begann. Die Forscher wiesen auf einen Bericht in der Zeitschrift
«Nature» hin, wonach als Folge darauf 1.700 Pflanzen-,
Tier- und Insektenarten begonnen haben, polwärts zu wandern - und
zwar in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts jedes Jahr
um durchschnittlich 6,5 Kilometer.
Die Erderwärmung sei in der Nordhälfte stärker, weil
dort abschmelzendes Eis Land und Gestein freigibt, das sich schneller
als die Wassermassen der südlichen Ozeane erwärmt. Aber auch
dort sei ein Temperaturanstieg messbar, was zu einer Häufung von
Stürmen und Unwettern nach dem so genannten «El
Nino»-Phänomen führen kann.
«Diese Beweise legen nahe, dass wir uns gefährlichen Werten
von durch Menschen verursachten Schadstoffemissionen
nähern», sagte Hansen. Der Temperaturanstieg auf der Erde
wird von wenigen Wissenschaftlern bezweifelt, es gibt allerdings
unterschiedliche Theorien über die Ursache.
In Hansens Forschungsprojekt heißt es, dass die Erwärmung
nur noch ein Grad Celsius von der höchsten Temperatur seit einer
Million Jahre entfernt sei. «Wenn die globale Erwärmung noch
zwei bis drei Grad weiter geht, werden wir wahrscheinlich
Veränderungen sehen, die aus der Erde einen anderen Ort macht als
den, den wir kennen», prophezeit Hansen. «Das letzte Mal
war es im mittleren Pliozän so warm, vor rund drei Millionen
Jahren - da lag der Meeresspiegel schätzungsweise 25 Meter
höher als heute.»
(Quelle: ap)
Studie: Internet ruft auch Hass hervor
Di.26.09.06 - Eine zunehmend digital vernetzte Welt kann mehr Fortschritt,
Verständigung und Chancengleichheit bringen, sie birgt aber auch
neue Gefahren und kann sogar regelrechten Hass hervorrufen. Zu diesem
Ergebnis kommt eine Studie des US-Instituts Pew, das 742 Experten und
Interessenvertreter zu ihrer Vision vom Internet im Jahr 2020 befragte.
58 Prozent der Befragten rechnen damit, dass eine neue gesellschaftliche
Gruppe von Technik-Verweigerern in Erscheinung treten wird, die aus
ihrer Ablehnung des Fortschritts heraus terroristische Aktionen gegen
das Internet planen könnte.
Die Autoren der Studie stellten die Frage in den Mittelpunkt, ob das
Internet des Jahres 2020 jeden Winkel der Welt erreichen oder eine
Informationswelt mit zwei Geschwindigkeiten schaffen werde, sowie die
Frage, ob das Internet die Welt besser oder schlechter machen werde.
Eine Mehrheit (56 Prozent) geht davon aus, dass das Internet weltweit
verbreitet sein werde. 49 Prozent sehen die zunehmende Transparenz der
Daten von Bürgern als negativ an; 46 Prozent sehen dabei keine
Probleme.
Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) sehen im Internet
eine Möglichkeit, Chancengleicheit zwischen den Menschen zu
schaffen und allen über die Staatsgrenzen hinweg Zugang zu
Informationen zu bieten. 57 Prozent rechnen mit der zunehmenden Dominanz
des Englischen im digitalen Netz; andere gehen von der wachsenden
Bedeutung der chinesischen Sprache aus.
Für 56 Prozent der Befragten hat die zunehmende Verbreitung des
Internet eine Steigerung der wirtschaftlichen Produktivität zur
Folge. Die Gefahr, dass die Menschen angesichts zunehmender
Automatisierung ihre Macht über die Technologie verlieren, sieht
die Mehrheit der Befragten nicht. Das Institut Pew arbeitete für
die Studie mit der Universität Elon im Bundesstaat North Carolina
zusammen.
(Quelle: afp)