Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Präsident Bush sieht keine verstärkte Terrorgefahr wegen
Irak-Kriegs. Mindestens 21 Tote bei Anschlägen im Großraum
Bagdad. Pentagon verlängert Irak-Einsatz von 4000 Soldaten
Mi.27.09.06 - US-Präsident George W. Bush hat sich gegen den Vorwurf verwahrt,
der Krieg im Irak habe die weltweite Terrorgefahr verschärft.
Zugleich kündigte er am Dienstag die Veröffentlichung von
Teilen eines Geheimdienstberichts an, aus dem am Wochenende bereits
einige Zeitungen zitierten. Demnach sollen die US-Geheimdienste zu der
Einschätzung gelangt sein, der Irak-Krieg habe zu einer
Verschärfung der Terrorgefahr in der Welt beigetragen.
«Einige haben gemutmaßt, was in dem Bericht steht, und
daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass der Irak-Krieg ein Fehler
war. Dem widerspreche ich
entschieden», sagte Bush während einer Pressekonferenz mit
dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai im Weißen Haus. Er
warf seinen Kritikern vor, die Auszüge aus dem geheimen Bericht
mit Blick auf die bevorstehende Kongresswahl in den USA am 7. November
an die Öffentlichkeit gebracht zu haben. Er habe jetzt den
Nationalen Geheimdienstchef John Negroponte angewiesen, jene Teile des
Berichts freizugeben, deren Veröffentlichung keine Gefährdung
der nationalen Sicherheit darstellten.
Die oppositionellen Demokraten nutzten die am Wochenende
veröffentlichten Passagen des Bericht um ihre Kritik an der
Irak-Politik des Präsidenten zu verschärfen. Die
Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy
Pelosi, forderte am Dienstag eine Sitzung der Parlamentskammer hinter
verschlossenen Türen, um über die Analyse der Geheimdienste
zum weltweiten Terrorismus zu beraten. Eine Tagung des
Abgeordnetenhauses unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist
äußerst selten. Sie gab es zuletzt 1983. Damals beriet die
Kammer über die heimliche Unterstützung rechtsgerichteter
Rebellen in Nicaragua durch die Regierung von Präsident Ronald
Reagan.
Bei einer Serie von Bombenexplosionen im Großraum Bagdad sind am
Dienstag mindestens 21 Menschen getötet worden. Der blutigste
Anschlag kostete laut Polizeiangaben in Machmudijah, 30 Kilometer
südlich der irakischen Hauptstadt, mindestens sieben Zivilpersonen
das Leben. Elf weitere wurden bei dem Anschlag auf ein überwiegend
von Schiiten bewohnten Mehrfamilienhaus verletzt. Im Zentrum von Bagdad
wurden sechs Menschen getötet, als ein Sprengsatz in der Nähe
eines Restaurants detonierte.
Das Pentagon hat derweil den Irak-Einsatz von 4000 Soldaten um etwa 46
Tage verlängert. Statt, wie ursprünglich geplant, Mitte
Januar kehren sie nun Ende Februar auf ihren Stützpunkt im
deutschen Friedberg zurück, wie das Pentagon am Montag (Ortszeit)
mitteilte. Es handelt sich um die 1. Brigade der 1. Panzerdivision, die
durch die 1. Brigade der 3. Infanteriedivision ersetzt werden soll.
Letztere sei bereits zweimal im Irak eingesetzt worden und
benötige mehr Zeit zum Ausruhen, hieß es in der
Erklärung des Pentagon.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 27.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertsechsundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.27.09.05 - Zehn Tote bei neuem Selbstmordanschlag in Bagdad +++ Aufständische
erschießen fünf Lehrer +++ Drei US-Soldaten im Irak
getötet +++ USA lässt tausend Gefangene aus Abu Ghraib frei +++
US-Soldatin England schuldig gesprochen +++ Kriegsgegner demonstrieren in
Washington...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509270.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Bush lässt Geheimdienstbericht zu Terrorismus veröffentlichen
Mi.27.09.06 - US-Präsident George W. Bush hat nach dem öffentlichen Wirbel
um eine Geheimdienstanalyse zur aktuellen Terrorgefahr den Bericht in
Teilen veröffentlichen lassen. Zugleich wies der den Vorwurf
zurück, der Krieg im Irak habe die weltweite Terrorgefahr
verschärft. Einige Zeitungen hatten am Wochenende Passagen des
Berichts veröffentlicht.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass der Krieg im Irak für
islamische Extremisten zu einer «berühmten Sache»
geworden ist und die Ressentiments in arabischen Länder gegen die
USA vertiefe. Dies werde eher schlimmer als besser. Wenn dieser Trend
anhalte, werde dies zu mehr Terroranschlägen weltweit führen.
Weiter heißt es, die Ausbreitung des muslimischen Extremismus
habe vor allem drei Gründe: Missstände und langsames
Reformtempo in islamischen Ländern, wachsender Antiamerikanismus
und der Irakkrieg. Syrien und Iran seien die aktivsten Förderer
des Terrorismus. Viele andere Staaten seien nicht in der Lage zu
verhindern, dass ihre Ressourcen von Terroristen benützt
würden. Außerdem geht der Bericht davon aus, dass der
wachsende Widerstand gegen die Terrorgruppe Al Kaida innerhalb des
Iraks dazu führen werde, dass sich altgedienter Kämpfer der
Organisation wieder stärker dem Ausland zuwendeten.
Bush erklärte, wer behaupte, der Irakkrieg habe den Terrorismus
verschlimmert, sei naiv und liege falsch. «Wer andeuten will, dass
wir ein rosigeres Szenario mit weniger Extremisten in radikalen
Organisationen hätten, wenn wir nicht im Irak wären, der will
von uns, dass wir die Erfahrung von 20 Jahren ignorieren.» Er
warf seinen Kritikern vor, die Auszüge aus dem geheimen Bericht
mit Blick auf die bevorstehende Kongresswahl in den USA am 7. November
an die Öffentlichkeit gebracht zu haben. Er habe deshalb den
Nationalen Geheimdienstchef John Negroponte angewiesen, jene Teile des
Berichts freizugeben, deren Veröffentlichung keine Gefährdung
der nationalen Sicherheit darstellten.
Bushs Sicherheitsberaterin Frances Fragos Townsend äußerte
nach der Veröffentlichung des Berichts Zweifel, dass die Zahl
islamischer Extremisten tatsächlich zugenommen habe. Zwar gebe es
fraglos eine Zunahme extremistischer Rhetorik. «Es ist aber
schwierig, die Zahl echter Dschihadisten festzustellen, die willens
sind, Morde zu begehen oder sich umzubringen.»
Ebenso wie Bush wies auch der australische Ministerpräsident John
Howard wies die Einschätzung zurück, dass der Irakkrieg die
Gefahr von Terroranschlägen erhöht habe. Die gleichen
US-Geheimdienste hätten vor ein paar Jahren auch berichtet, dass
der damalige irakische Staatschef Saddam Hussein über
Massenvernichtungswaffen verfüge, sagte er. Er räumt in einem
Rundfunkinterview aber ein, den Bericht noch nicht gelesen zu haben.
Australien hat rund 1.300 Soldaten im Irak und benachbarten Regionen.
Howard gilt als einer der engsten Verbündeten Bushs. Er hat die
Forderungen der Opposition nach einem Truppenabzug bislang stets
zurückgewiesen.
Die oppositionellen Demokraten in Washington hatten die am Wochenende
veröffentlichten Passagen des Bericht benutzt, um ihre Kritik an
der Irak-Politik des Präsidenten zu verschärfen.
(Quelle: ap)
Etwa 20 Tote bei Anschlägen in Afghanistan
Mi.27.09.06 - Der anhaltenden Gewalt in Afghanistan sind am Dienstag wieder rund 20
Menschen zum Opfer gefallen, darunter ein italienischer Soldat der
internationalen Schutztruppe ISAF. Der schwerste Anschlag ereignete sich
in Laschkar Gah in der südlichen Provinz Helmand. Ein
Selbstmordattentäter, der sich vor dem Sitz des regionalen
Gouverneurs in die Luft sprengte, riss 18 Menschen mit sich in den Tod.
Zu dem Anschlag bekannte sich ein selbst ernannter Sprecher der Taliban.
Soldaten hielten den Attentäter vor einem Sicherheitstor auf,
woraufhin der Mann seinen Sprengstoffgürtel zündete. Bei den
Toten handelte es sich nach Krankenhausangaben um neun Soldaten und neun
Zivilpersonen, darunter mehrere Pilger, die Reisedokumente für
eine Fahrt nach Mekka beantragen wollten. 17 Menschen wurden verletzt.
Gouverneur Mohammed Daud Safi blieb unversehrt, doch war er nach
Angaben seines Sprechers ohnehin nicht das Hauptziel des
Attentäters.
Bei einem Bombenanschlag auf eine NATO-Patrouille im Süden der
afghanischen Hauptstadt Kabul wurden ein italienischer NATO-Soldat
getötet, wie das Verteidigungsministerium in Rom bestätigte.
Ein Kind, das in einem Fahrzeug hinter dem Militärkonvoi saß,
kam ebenfalls ums Leben. Vier weitere Zivilpersonen sowie fünf
italienische Soldaten wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Nach
Polizeiangaben wurde der unter einer Brücke deponierte Sprengsatz
ferngezündet, als die Militärpatrouille vorbeifuhr.
(Quelle: ap)
Pakistans riskanter Frieden mit den Taliban
Zwiespältige Folgen eines Abkommens mit Führern der
Islamistenhochburg Nordwasiristan an Afghanistans Grenze... Mehr in der
taz vom 26.09.06:
http://www.taz.de/pt/2006/09/26/a0098.1/text
Nahpst-Konflikt
Israels Ministerpräsident Olmert äußert sich zu
Golanhöhen. Bis zu einer Millionen Streubomben-Blindgänger im
Libanon vermutet . Israelischer Abzug fast abgeschlossen.
Palästinenser schießen zwei Raketen auf Südisrael.
14-Jährige Palästinenserin bei israelischem Luftangriff
getötet
Mi.27.09.06 - Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat die von Syrien
eroberten Golanhöhen als «untrennbaren Teil» Israels
eingestuft. «Solange ich Regierungschef bin werden die
Golanhöhen in unserer Hand bleiben», zitierte die israelische
Zeitung «Jediot Achronot» Olmert am Dienstag.
Es ist das erste Mal, dass Olmert seit seinem Amtsantritt vor fast
fünf Monaten seine offizielle Position zu der Frage der
Golanhöhen bekannt gibt. Olmerts Vorgänger Ariel Scharon war
auch ausdrücklich gegen eine Rückgabe des strategisch
wichtigen Bergplateaus, das Israel während des Sechstageskriegs
1967 erobert hatte.
Während der Amtszeit des Ministerpräsidenten Ehud Barak, der
bis 2001 regierte, erschien eine Friedenslösung mit Syrien noch in
greifbarer Nähe. Barak hatte Syrien fast die gesamten
Golanhöhen bis auf einen schmalen Streifen am Ufer des Sees
Genezareth angeboten. Syrien beanspruchte jedoch das gesamte Gebiet,
seitdem sind keine neuen Verhandlungen aufgenommen worden.
Olmert zeigte sich skeptisch hinsichtlich Äußerungen des
syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, der sich während eines
Interviews mit dem Nachrichtenmagazin «Spiegel» für
eine Friedenslösung mit Israels ausgesprochen, das Nachbarland
jedoch gleichzeitig als «Feind» bezeichnet hatte. Assad
könne nicht erwarten, dass Israel angesichts friedlicher
Äußerungen «sofort strammsteht», während er
weiter den Terror unterstütze und Waffen an die libanesische
Hisbollah-Miliz liefere, erklärte Olmert.
Im Südlibanon liegen nach neuen UN-Schätzungen womöglich
bis zu einer Million nicht explodierter Streubomben, die von Israel
während des Kriegs gegen die Hisbollah-Miliz abgeworfen wurden.
Dies wären weit mehr, als bisher angenommen. Die Blindgänger
seien überall, in Wohnhäusern, Gärten, auf Äckern
oder Straßen, sagte Chris Clark, der Leiter des UN-Zentrums zur
Kontrolle von Minen im südlichen Libanon am Dienstag während
einer Pressekonferenz in Beirut.
Die nicht explodierten Sprengsätze stellen eine große Gefahr
für die Bevölkerung dar. Seit In-Kraft-Treten des
Waffenstillstands am 14. August wurden den UN-Angaben zufolge bereits
14 Menschen bei der Detonation solcher Bomben getötet, darunter
zwei Kinder. 90 Menschen seien verletzt worden. Die Beseitigung der
Blindgänger könne bis Ende 2007 dauern, sagte Clark.
In einer früheren Schätzung hatten die Vereinten Nationen
noch von etwa 350.000 nicht explodierten Streubomben gesprochen. Die
neuen Schätzungen basieren auf israelischen Medienberichten. Die
Räumung der Blindgänger wird nach UN-Angaben dadurch
erschwert, dass Israel noch nicht der Forderung nachgekommen ist,
detaillierte Informationen über die Streubombenabwürfe
über dem Südlibanon zu liefern. Die UN-Experten hätten
bisher 590 Abwurfstellen lokalisiert und 30.000 Blindgänger
aufgespürt. Nach Expertenschätzungen funktionierten bis zu 70
Prozent der abgeworfenen Streubomben nicht auf Anhieb.
Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, warf
Israel kürzlich wegen des Einsatzes der Streubomben im
Südlibanon unmoralisches Verhalten vor.
Israel hat unterdessen seinen Abzug aus dem Libanon nach eigenen
Angaben zu 90 Prozent abgeschlossen. Die Regierung hoffe, bis Freitag
alle Stellungen im Süden des Nachbarlandes räumen zu
können, sagte die Sprecherin von Ministerpräsident Ehud
Olmert, Miri Eisin, am Dienstag. Israel wolle sicherstellen, dass die
libanesischen Soldaten und die der Vereinten Nationen vor einem
endgültigen Rückzug schlagkräftig seien, unterstrich die
Regierungssprecherin. Bislang sind im Südlibanon etwa 5.000
Blauhelme und 10.000 Soldaten der libanesischen Streitkräfte
stationiert, um den Waffenstillstand zwischen Israel und der
Hisbollah-Miliz zu überwachen.
Das russische Oberhaus, der Föderationsrat, stimmte am Dienstag
der Entsendung einer Pioniereinheit in den Libanon zu. Die Soldaten
sollen beim Wiederaufbau helfen. Wann sie in den Libanon geschickt
werden ist noch offen. Zuvor müssten alle politischen Kräfte
im Libanon ihre Zustimmung signalisieren, sagte Präsident Wladimir
Putin am Montag.
Palästinensische Extremisten haben am Dienstagmorgen mindestens
zwei Raketen vom Gazastreifen aus in den Süden Israels abgefeuert.
In der Stadt Sderot sei ein Mensch leicht verletzt worden, teilten die
Streitkräfte mit. Nach einem Bericht des israelischen Rundfunks
brach Panik unter den Einwohnern aus, zudem verursachte das Geschoss
einen Stromausfall. Die zweite Rakete traf einen landwirtschaftlichen
Betrieb, ohne Schäden anzurichten.
Bei einem israelischem Luftangriff auf ein Haus im Süden des
Gazastreifens ist in der Nacht zum Mittwoch eine 14 Jahre alte
Palästinenserin getötet worden, wie Krankenhausmitarbeiter
berichteten. Sieben weitere Kinder wurden verletzt. Der Angriff
richtete sich nach Angaben von Zeugen gegen das Haus eines
Waffenhändlers. Dieser sei von der Armee 15 Minuten vor dem
Angriff gewarnt worden.
Beim ersten Angriff sei das Haus zerstört worden, hieß es
weiter. Dann hätten sich Kinder versammelt, um die Trümmer
anzuschauen. Bei einem zweiten Angriff auf das Haus seien die
Vierzehnjährige getötet und sieben weitere Kinder verletzt
worden.
Nach israelischen Angaben wurde ein Haus angegriffen, das als Versteck
für Schmuggler diente, die durch Tunnel Waffen aus Ägypten in
den Gazastreifen hineinschmuggelten.
(Quellen: dpa, ap)
Abe neuer japanischer Regierungschef
Mi.27.09.06 - Der Rechtskonservative Shinzo Abe ist neuer japanischer Regierungschef.
Der 52-Jährige wurde am Dienstag wie erwartet vom
maßgeblichen Unterhaus des Parlaments gewählt. Abe tritt die
Nachfolge seines Mentors Junichiro Koizumi an. Im späteren
Tagesverlauf wollte er sein Kabinett vorstellen.
Als jüngster Ministerpräsident der Nachkriegszeit und erster
Regierungschef, der nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde, will Abe
die pazifistische Nachkriegsverfassung ändern und eine
selbstbewusstere Außenpolitik durchsetzen.
Zudem will Abe eine Erziehungsreform erreichen, um in den Schulen
Patriotismus zu vermitteln. Medienberichten zufolge dürfte der
bisherige Außenminister Taro Aso auch in der neuen Regierung eine
Schlüsselposition erhalten, möglicherweise auch
Außenminister bleiben. Vize-Außenminister Yasuhisa Shiozaki,
ein enger Gefolgsmann Abes, dürfte demnach das wichtige Amt des
Regierungssprechers erhalten. Abe wolle, dass der neue
Regierungssprecher zugleich als Staatsminister zuständig für
die Fälle von Entführungen japanischer Landsleute durch
Nordkorea in den 70er und 80er Jahren fungiert.
Mit seinem Einsatz für die Entführungsopfer und seiner harten
Haltung gegenüber Nordkorea hatte sich Abe im Land Respekt und
Ansehen verschafft. Neben Shiozaki will der künftige Regierungschef
laut Medien noch weitere enge Gefolgsleute ins Kabinett holen, darunter
möglicherweise Akira Amari für das Amt des
Wirtschaftsministers. Des weiteren soll der Koalitionspartner Komeito
auch im neuen Kabinett wie bisher einen Posten erhalten.
(Quelle: dpa)
Japan und Indien schließen Wirtschafts-Bündnis gegen China
Mi.27.09.06 - Indien und Japan haben ein symbolisches Wirtschafts-Bündnis gegen
China geschlossen. Geschäftsleute beider Länder
unterzeichneten am Montag im Beisein des indischen Handelsministers
Kamal Nath in Neu Delhi einen Kooperationsvertrag. Dieser sieht vor, die
japanischen Investitionen in Indien deutlich aufzustocken. Derzeit
beläuft sich das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern auf
rund 6,5 Milliarden Dollar (rund fünf Milliarden Euro) im Jahr.
(Quelle: afp)
Journalist erneut wegen Herabwürdigung des Türkentums
angeklagt
Mi.27.09.06 - Wenige Tage nach dem Freispruch der türkischen Schriftstellerin
Elif Shafak vom Vorwurf der Herabwürdigung des Türkentums ist
ein armenischer Journalist angeklagt worden. Hrant Dink, Chefredakteur
einer türkisch-armenischen Zeitung, wird nach Medienberichten
vorgehalten, die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg als
«Völkermord» bezeichnet zu haben. Grundlage der Anklage
ist der von der EU kritisierte Paragraf 301, der für Beleidigung
des Türkentums Haftstrafen von bis zu drei Jahren vorsieht.<
(Quelle: dpa)
EU-Parlament entschärft Feinstaub-Richtlinie
Mi.27.09.06 - Nach zahlreichen Verstößen unter anderem deutscher
Großstädte gegen die so genannte Feinstaub-Richtlinie hat das
EU-Parlament die Regelung in mehreren Punkten entschärft. Die
Europa-Abgeordneten votierten am Dienstag mit 494 zu 126 Stimmen
für einen Kompromiss, der neue Grenzwerte für die
Schadstoffbelastung vorschreibt, für deren Einhaltung aber
Übergangsfristen und Ausnahmen zulässt. Die EU-Regierungen
müssen dem Vorschlag noch zustimmen.
Bislang durfte die Tagesobergrenze von 50 Mikrogramm Feinstaub pro
Kubikmeter höchstens an 35 Tagen im Jahr überschritten werden
- allein in Deutschland verstießen 2006 mehr als 20 Städte
gegen diese Regelung. Künftig soll eine Überschreitung in
Städten mit geographischen oder meteorologischen Besonderheiten wie
etwa Kessellagen an 55 Tagen im Jahr erlaubt sein, wenn es nach dem
Parlament geht.
Im Gegenzug wurde der zulässige Jahresmittelwert gesenkt, von
bislang 40 Mikrogramm pro Kubikmeter auf 33 Mikrogramm pro Kubikmeter.
Gemeinden, die diese Grenzwerte trotz nachweislicher Anstrengungen nicht
einhalten können, will das Parlament allerdings eine Gnadenfrist
von maximal sechs Jahren zur Lösung des Problems einzuräumen.
Im Jahr 2015 soll nach dem Willen des Parlaments außerdem ein
ganz neuer Grenzwert eingeführt werden: Die Feinstaub-Richtlinie
soll dann neben gröberen Staubpartikeln mit einem Durchmesser von
zehn Mikrometern (PM10) auch Kleinstpartikel mit einem Durchmesser von
nur 2,5 Mikrometern (PM 2,5) erfassen. Die Kommission wollte einen
verbindlichen Grenzwert für diese Kleinstpartikel schon 2010
einführen, das Parlament erklärte dies jedoch für nicht
realistisch, weil es bislang keine verlässliche Datenbasis gebe.
(Quelle: ap)
Deutschland
Rat für Nachhaltigkeit für mehr zukunftsorientierte Politik
Mi.27.09.06 - Der Vorsitzende des Nachhaltigkeitsrats, Volker Hauff, hat die
Bundesregierung zu mehr zukunftsorientierter Politik aufgefordert. Bei
den großen Reformen von Staatsfinanzen, Gesundheit, Energie,
Renten und Verkehr müsse das Prinzip der Nachhaltigkeit als
Orientierung im Mittelpunkt stehen, sagte Hauff im Deutschlandradio
Kultur kurz vor der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige
Entwicklung in Berlin.
"Wir empfinden große Aufgeschlossenheit bei der Regierung, aber
wir erwarten, dass das Thema sehr viel ernster genommen wird", sagte
Hauff. Dass beispielsweise noch immer über einen Energiepass
für Gebäude gestritten werde, sei ein Ärgernis. Auch das
Thema Energieeffizienz müsse ernsthafter behandelt werden.
Hauff mahnte, Reformen dürften sich nicht nur auf die lebende
Generation beziehen. "Wir wollen der Politik mehr Mut machen, die
Zukunftsgestaltung und -schicherung ernster zu nehmen." Zugleich lobte
Hauff, dass die Bundesregierung das Thema nachhaltige Energiepolitik bei
ihrer EU-Ratspräsidentschaft in den Mittelpunkt stellen wolle.
(Quelle: afp)
Merkel will Klimaschutz wieder auf die internationale Agenda setzen
Mi.27.09.06 - Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Zeit der deutschen
Präsidentschaft in der EU und bei den G8-Staaten im nächsten
Jahr dazu nutzen, den Kampf gegen die Erwärmung des Weltklimas
wieder auf die internationale Tagesordnung zu setzen. Auf der
Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung wies Merkel
am Dienstag in Berlin darauf hin, dass es beim Klimaschutz ohne die
Mitwirkung der USA keine Erfolge geben könne. «Das
heißt: Hier müssen wir noch dicke Bretter bohren»,
sagte die Kanzlerin.
Der Europäische Rat habe zwar gute Beschlüsse zur
Erfüllung der Reduktionsziele des Kyoto-Protokolls gefasst, sagte
Merkel. Aber um die reale Erwärmung des Klimas zu verringern,
müssten weltweit auch die großen Emittenten von
Klimaschadgasen mitmachen. «Wir brauchen dringend Vereinbarungen
für die Zeit nach 2012, wenn das Kyoto-Protokoll
ausläuft.» Der Boden, auf dem Aktionen folgen könnten,
sei jetzt besser bereitet als noch vor einigen Jahren. China, Indien und
andere Länder seien sich des Risikos jetzt besser bewusst.
Mit Nachdruck bekannte sich Merkel zu einer Politik der Nachhaltigkeit,
bei der die heute Lebenden nicht die Ressourcen der folgenden
Generationen verbrauchen. Nachhaltigkeit betreffe alle Bereiche der
Politik und sei in der Bundesregierung daher Chefsache.
Als Beispiel nannte die Kanzlerin die Haushaltspolitik. Wenn 38
Milliarden Euro im Jahr allein für Schuldzinsen ausgegeben werden
müssten und nur neun Prozent (23,5 Milliarden) des Etats für
Investitionen blieben, bedeute das, dass viel zu wenig für die
Zukunft getan werde. Daher sei die Haushaltssanierung sehr hoch auf die
Prioritätenliste gesetzt worden.
Es sei zudem kein nachhaltiges Denken, wenn bei jeder günstiger
ausfallenden Steuerschätzung zuerst darüber diskutiert werde,
wie das Geld am besten ausgegeben werde. Sie wisse, dass Sparen wehtue,
sagte Merkel und verwies auf die Kürzungen von Pendlerpauschale,
Eigenheimzulage und Beamten-Weihnachtsgeld. Das lasse sich nur
rechtfertigen mit Blick auf künftige Generationen.
(Quelle: ap)
Klimawandel kommt: Neue Profit-Ideen und vertane Chancen
In Großbritannien hat die Wirtschaft die Herausforderung der
Erderwärmung angenommen und entdeckt neue Geschäftsfelder. In
Deutschland hingegen stöhnen zahlreiche Unternehmen unter der
steigenden Belastung von Klimaschutzmaßnahmen von Bundesregierung
und EU... Mehr in der taz vpm 26.09.06:
http://www.taz.de/pt/2006/09/26/a0131.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/09/26/a0132.1/text
Klimawandel kommt: Der Finanzmarkt entdeckt den Umweltschutz
Die Wissenschaft ist sich einig: Die Erde wird wärmer, die
Auswirkungen auf Mensch und Natur werden dramatisch sein. Längst
hat das Thema auch die Wirtschaft erreicht. Banken wittern neue
Geschäftsfelder. Eine Win-win-Situation, meint Risikmanager
Steinmetz von der Dresdner Bank... Mehr in der taz vom 26.09.06:
http://www.taz.de/pt/2006/09/26/a0139.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/09/26/a0135.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/09/26/a0137.1/text
Deutschlands Energieversorger stellen Atomausstieg in Frage - RWE
beantragt Laufzeitverlängerung für Biblis A
Mi.27.09.06 - Deutschlands große Stromversorger stellen den im Jahr 2000
vereinbarten Atomausstieg in Frage: Der Energiekonzern RWE beantragte
am Dienstag in einem Pilotverfahren beim Bundesumweltministerium eine
längere Nutzung von Biblis A, Deutschlands ältestem
Atomkraftwerk. Der Stromversorger EnBW will für sein Kernkraftwerk
Neckarwestheim I ebenfalls längere Laufzeiten beantragen. Der
Energiekonzern Vattenfall prüft einen ähnlichen Schritt
für seine Atomanlage in Brunsbüttel. Während
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sich zurückhaltend
äußerte, forderte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU)
eine vorbehaltlose Prüfung längerer Laufzeiten.
Der Vorstoß der Energieversorger könnte damit neuen
Zündstoff in die Große Koalition hineintragen. RWE wolle
einen Rahmen dafür schaffen, dass nach dem Bundestagswahljahr 2009
«eine langfristige Entscheidung für Kernenergie möglich
ist», räumte der Chef von RWE Power, Jan Zilius, ein.
Gefahren sieht der Manager in dem Weiterbetrieb der Altanlagen nicht.
«Ein Weiterbetrieb ist aus Sicht des Unternehmens technisch
uneingeschränkt möglich, sicherheitstechnisch voll
verantwortbar und wirtschaftlich geboten.» Statt 2008, wie im
Atomkonsens vorgesehen, soll der wegen zahlreicher Pannen umstrittene
Reaktorblock Biblis A nach dem Willen des Betreibers nun
frühestens 2011 vom Netz gehen.
Gabriel kündigte an, sein Haus werde den Antrag des RWE nach Recht
und Gesetz prüfen. Allerdings sei im Atomgesetz die von RWE
beantragte Übertragung von Strommengen des bereits im Rückbau
befindlichen Reaktors in Mülheim-Kärlich auf Biblis A so
nicht vorgesehen. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte, er gehe davon
aus, dass der Antrag des RWE abgelehnt werde.
Dagegen forderte Glos, die Frage einer Laufzeitverlängerung
müsse in der Großen Koalition gemeinsam diskutiert werden:
«Ich erwarte, dass wir uns zusammensetzen und vorbehaltlos
über den Antrag beraten.» Wer die nationalen
Klimaschutzziele ernst nehme und gleichzeitig einen Strompreisanstieg
verhindern wolle, müsse sich mit dem Thema
Strommengenübertragung und Laufzeitverlängerungen positiv
auseinandersetzen.
Bei Atomkraftgegnern sorgte das Vorgehen des Essener Stromgiganten
für Empörung. Vor einer Sitzung der
Grünen-Bundestagsfraktion sprach deren Vorsitzende Renate
Künast am Dienstag von einem Bruch des Atomkonsenses und einem
gezielten Affront durch das RWE. Die Grünen kündigten
Widerstand im Bundestag und auf der Straße gegen eine
Laufzeitverlängerung an.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace verwies auf ein
Rechtsgutachten, nach dem die Übertragung von Strommengen auf
Biblis A schon aus Sicherheitsgründen rechtlich nicht möglich
sei. «Biblis darf nicht länger laufen, das würde die
nukleare Gefahr in Deutschland erheblich erhöhen», sagte der
Greenpeace-Atom-Experte Thomas Breuer. NABU-Präsident Olaf
Tschimpke rügte: «Mit diesem Vorstoß reißt RWE
aus reiner Profitgier gesellschaftliche Gräben wieder auf, die
gerade mal im Ansatz zugeschüttet waren.»
RWE-Power-Chef Zilius betonte dagegen: Eine längere Laufzeit der
Kernkraftwerke könne sich auch preisdämpfend auf die hohen
Stromkosten auswirken. Der Konzern beantragte, insgesamt 30
Terawattstunden aus dem Stromkontingent des stillgelegten
Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich auf Biblis A übertragen
zu dürfen. Sicherheitsbedenken wegen eines mangelhaften Schutzes
des Reaktors vor Flugzeugabstürzen und des Fehlens einer externen
Notstandswarte wies Zilius zurück.
(Quelle: ap)
Zweifel an Islam-Konferenz wachsen
Mi.27.09.06 - Kurz vor der Islam-Konferenz am (heutigen) Mittwoch kritisierte der
Zentralrat der Muslime den Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(CDU) wegen der Zusammensetzung der Teilnehmer und stellte sogar die
Teilnahme der Verbände in Frage. Der Islamrat beklagte, dass die
Verbände nur unzureichend über die Inhalte der Konferenz
informiert worden seien.
«Wenn sich an der Konzeption der Islam-Konferenz nichts
ändert, stellt sich ernsthaft die Frage, ob die Verbände so
einfach mitmachen werden. Ich kann mir das so nicht vorstellen»,
sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Aiman Mazyek. Er
kritisiert vor allem die Einladungspraxis und die Vorbereitung des
Treffens.
«Die Zusammensetzung der Islam-Konferenz stellt nicht den
richtigen Proporz dar», sagte Mazyek. Er forderte, dass die vier
großen muslimischen Dachverbände, zu denen auch der
Zentralrat zählt, die Hauptansprechpartner sein müssten. Dem
laufe zuwider, dass zehn Einzelpersönlichkeiten eingeladen seien,
die einen eher weltlichen Islam repräsentierten. Momentan habe er
den Eindruck, die Regierung wolle einen staatlich sanktionierten
Debattierclub aufmachen.
Schäuble wies die Kritik an der Wahl seiner Gesprächspartner
zurück. «Ich habe mich bei der Einladung nicht zum
Islam-Zensor gemacht», sagte er. Allerdings seien die Muslime in
Deutschland wenig repräsentativ organisiert. Keiner der
Verbände könne beanspruchen, für die drei Millionen
Muslime in Deutschland zu sprechen.
Der Vorsitzende des Islamrates in Deutschland, Ali Kizilkaya,
kritisierte, dass die muslimischen Verbände vor allem aus den
Medien über Inhalte der Konferenz erfahren hätten. Man
begrüße jedoch, «dass so etwas endlich stattfindet,
wenn auch spät». Vom Gipfel erwarte er endlich eine
Gleichstellung des Islam mit anderen Religionsgemeinschaften. Bisher
seien den Verbänden viele öffentliche Möglichkeiten nicht
zugänglich, etwa die Vertretung in Rundfunkräten.
Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet
erklärte, dass für eine Gleichstellung eine Körperschaft
des öffentlichen Rechtes nötig sei. Dafür müssten
die Muslime selbst ihre Organisationsform als Religionsgemeinschaft
finden, sagte der CDU-Politiker. Das sei aber in drei Jahren nicht zu
erreichen. Laschet befürwortete aber die rechtliche Anerkennung des
Islams in Deutschland.
Die SPD-Bundestagsfraktion warf unterdessen Schäuble
Konzeptlosigkeit vor. «Wir hatten den Integrationsgipfel, jetzt
einen Islamgipfel. Wir springen von Gipfel zu Gipfel, ohne dass sich mir
Sinn und Zweck erschließt», sagte die Islam-Beauftragte
Lale Akgün. Themen wie Islam-Unterricht, das Schächten von
Tieren oder Beerdigungen seien Ländersache. Zudem habe die
Konferenz bei interessanten Themen nichts zu bieten. Akgün nannte
als Beispiel die rechtliche Gleichstellung des Islams mit den Kirchen.
Die Konferenz beginnt am (heutigen) Mittwoch in Berlin unter
Federführung des Bundesinnenministeriums. Der Diskussionsprozess
soll zwei bis drei Jahre dauern. 15 Vertreter des deutschen Staates und
muslimischer Organisationen sollen in dieser Zeit über
«Grundregeln, Normen und Werte» diskutieren.
(Quelle: ap)
Hintergrund: Organisationen der Muslime in Deutschland
In Deutschland leben rund 3,2 Millionen Muslime. Nur etwa 15 Prozent
von ihnen sind organisiert. Zudem gibt es eine Vielzahl konkurrierender
Dachorganisationen:
ISLAMRAT FÜR DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND: Der 1986 in Berlin
gegründete Islamrat vereint über 30 Organisationen, die Zahl
der Mitglieder wird auf bis zu 60 000 Personen geschätzt.
Angeblich dominiert die islamistische «Milli
Görüs» den Islamrat, der sich als «Brücke
zwischen Deutschland und der islamischen Welt» sieht. Als
wichtigstes Ziel wird die religiöse, soziale und kulturelle
Betreuung der in Deutschland
Anzeige
lebenden Muslime genannt.
ZENTRALRAT DER MUSLIME: Der 1994 als Nachfolge-Organisation des
«Islamischen Arbeitskreises» gegründete Verband hat
sich als wichtiger Ansprechpartner der Politik etabliert. Zum
Zentralrat, der auch Muslime aus den Ländern Nordafrikas sowie des
Nahen und Mittleren Ostens vertritt, gehören 19 Vereine mit
geschätzt 15 000 bis 20 000 Mitgliedern. Nach eigenen Angaben
erreicht der multi- ethnische Verband 800 000 Muslime in 500
angeschlossenen Moscheen.
TÜRKISCH-ISLAMISCHE UNION DER ANSTALT FÜR RELIGION (DITIB):
Die Organisation versteht sich als Dachverband der
türkisch-islamischen Vereine in Deutschland. In der DITIB sind
rund 870 Moscheevereine und etwa 130 000 Mitglieder organisiert. Der
1984 gegründete Verband wird stark von der staatlichen
Religionsbehörde der Türkei beeinflusst. Die Imame (Vorbeter)
der DITIB werden aus der Türkei nach Deutschland entsandt. Der
Verband lehnt bislang eine Zusammenarbeit mit dem Islamrat und dem
Zentralrat der Muslime ab.
ALEVITISCHE GEMEINDE DEUTSCHLAND (AABF): Die seit 1992 bestehende
Organisation vertritt die Interessen der zumeist
türkischstämmigen Aleviten, viele von ihnen Kurden. Für
die liberale Glaubensgemeinschaft gilt das islamische Rechtssystem
Scharia nicht. Der AABF gehören mehr als 90 Vereine mit insgesamt
über 20 000 Mitgliedern an. Insgesamt leben in Deutschland rund
700 000 Aleviten. Der Verband, der sich der Trennung von Staat und
Religion verpflichtet fühlt, unterhält enge Kontakte zu
Aleviten- Organisationen in der Türkei.
ISLAMISCHE GEMEINSCHAFT MILLI GÖRÜS (IGMG): Die IGMG entstand
1985 in Köln unter dem Namen «Vereinigung der neuen
Weltsicht in Europa». Den heutigen Namen - «Milli
Görüs» bedeutet «Nationale Sicht» - nahm
sie 1995 an. Die IGMG soll rund 26 500 Mitglieder haben,
größtenteils türkische Muslime. Die Gemeinschaft gilt
als größte islamistische Organisation in Deutschland,
angestrebt wird eine islamisch geprägte Gesellschaftsordnung. Auf
Grund ihres kompromisslosen Islamverständnisses wird die IGMG vom
Verfassungsschutz beobachtet.
VERBAND DER ISLAMISCHEN KULTURZENTREN (VIKZ): Der VIKZ geht auf das
1973 gegründete «Islamische Kulturzentrum Köln»
zurück. Nach eigenen Angaben besteht der VIKZ aus etwa 300
Gemeinden und rund 20 000 Mitgliedern. Im Jahr 2003 begann der VIKZ mit
der Errichtung eigener Schülerwohnheime. Zwei dieser Heime wurden
2005 in Hessen geschlossen, weil sie angeblich
«Abschottungstendenzen» bei Zuwanderern förderten.
Zudem wurden im letzten Jahr VIKZ-Zentren wegen des Verdachts von
Steuervergehen durchsucht.
Quelle: dpa, 26.09.2006
|
Mehrheit sieht Umgang von Christen und Muslimen negativ
Mi.27.09.06 - Mehr als die Hälfte der Bundesbürger sind nach einer Umfrage
der Meinung, dass das Zusammenleben von Christen und Muslimen in
Deutschland nur unzureichend funktioniert. Ihr Anteil liegt bei 56
Prozent, wie die am Dienstag veröffentlichte Forsa-Umfrage im
Auftrag des Senders RTL ergab. Demnach gaben 40 Prozent an, das
Zusammenleben gelinge weniger gut. 16 Prozent sind sogar der Auffassung,
es klappe schlecht. Nur zwei Prozent bezeichneten das Zusammenleben als
sehr gut, 37 Prozent als gut. Während in Westdeutschland 42
Prozent der Befragten das Zusammenleben als alles in allem positiv
bewerten, sind es bei den in Ostdeutschland Befragten nur 27 Prozent.
An der Umfrage beteiligten sich 1.005 Personen.
(Quelle: ap)
Absetzung von Mozart-Oper löst heftige Reaktionen aus
Mi.27.09.06 - Die Absetzung einer Mozart-Oper in Berlin aus Angst vor islamistischen
Anschlägen hat am Dienstag heftige Reaktionen ausgelöst.
Während Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und weitere
Politiker aus Union, SPD sowie von den Grünen die Streichung vom
Spielplan der Deutschen Oper am Dienstag als inakzeptabel bezeichneten,
lobte der Islamrat in Deutschland die Entscheidung. Die erste
Islam-Konferenz beginnt am (heutigen) Mittwoch in Berlin unter
Federführung des Bundesinnenministeriums.
Die Oper hatte am Montag bekannt gegeben, die für den 5. November
geplante
Wiederaufnahme von «Idomeneo» in der Inszenierung von Hans
Neuenfels aus dem Spielplan zu nehmen. Zur Begründung führte
Intendantin Kirsten Harms an, bei den Berliner Sicherheitsbehörden
seien «nach deren Einschätzung durchaus ernst zu nehmende
Hinweise» eingegangen, dass Szenen der Inszenierung, die sich
auch mit dem Islam auseinander setzten, derzeit ein unkalkulierbares
Risiko für das Haus darstellten. Neuenfels lässt in der
Inszenierung König Idomeneo die abgeschlagenen Köpfe von
Poseidon, Jesus, Buddha und Mohammed präsentieren.
Schäuble kritisierte die Absetzung in Washington mit den Worten:
«Das ist verrückt.» Ein solcher Schritt sei
lächerlich und inakzeptabel. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer
nannte die Absetzung «ungeheuerlich». Der Berliner
Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte, aus seiner
Sicht sei eine konkrete Gefährdung, die die Absetzung der Oper
rechtfertige, nicht zu erkennen. SPD-Fraktionschef Peter Struck sprach
von einer Kapitulation vor einer möglichen Gefahr,
Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne)
von einer Kapitulation in vorauseilendem Gehorsam.
Muslimische Spitzenvertreter bewerteten die Entscheidung
unterschiedlich. Der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, sagte
der «Netzeitung» am Dienstag, die Absetzung sei richtig, da
in einer Szene die religiösen Gefühle von Muslimen verletzt
würden. Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan
Kolat, plädierte dagegen für weitere Aufführungen der
Oper.
Kizilkaya sagte der «Netzeitung»: «Eine Oper oder
eine Karikatur - das macht keinen großen Unterschied.»
Seitens des Opernhauses «wäre es wünschenswert, wenn man
da mehr Sensibilität walten ließe». Es gehe nicht um
die Freiheit der Kunst, sondern um «Respekt vor dem
Anderen». Freiheit sei wichtig, dürfe aber keine
willkürliche Beleidigung des Anderen sein.
Kolat erklärte dagegen, er könne zwar nachvollziehen, dass
ein abgeschlagener Kopf des Propheten die Gefühle frommer Muslime
verletzen könnte. «Ich empfehle aber allen Muslimen,
bestimmte Sachen zu akzeptieren.» Es handele sich um Kunst und
nicht um die Stellungnahme eines Politikers. «Kunst muss frei
sein.»
Allerdings halte er es für denkbar, dass der aktuelle Fall
ähnliche internationale Auswirkungen wie der Streit um die
Karikaturen haben könnte. «Wenn die Oper gezeigt worden
wäre, hätte das durchaus passieren können. Aber man darf
diesen Druck nicht nachgeben.» Er wolle mit Intendantin Kirsten
Harms sprechen und sie zur Aufführung ermutigen. Sollte sich der
Anlass bieten, werde er den Fall am (heutigen) Mittwoch bei der
Islam-Konferenz bei Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU)
thematisieren.
Unterdessen rief die CDU die Teilnehmer der Islam-Konferenz dazu auf,
jeder Form von Gewalt eine Absage zu erteilen. Grundlage für das
Miteinander in Deutschland könne nur das Grundgesetz sein,
erklärte Generalsekretär Ronald Pofalla. Dagegen kritisierte
der Zentralrat der Muslime in Deutschland vor allem die
Einladungspraxis und die Vorbereitung des Treffens in Berlin.
Schäuble wies die Kritik an der Wahl seiner Gesprächspartner
zurück. «Ich habe mich bei der Einladung nicht zum
Islam-Zensor gemacht», sagte er der «Süddeutschen
Zeitung». Er forderte die Muslime in Deutschland auf,
«deutsche Muslime» zu werden. In einem Gastbeitrag für
die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Mittwochausgabe)
betonte der CDU-Politiker besonders die Bedeutung der Freiheit.
(Quelle: ap)
Geheimdienst überwacht Internet
Mi.27.09.06 - Verdächtige Aktivitäten im Internet sollen verstärkt
überwacht werden. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU)
reagiert auf die gescheiterten Kofferbomben-Anschläge mit der
Einrichtung einer neuen Arbeitsgruppe.
Rund 50 Beamte sollen im Berliner Anti-Terror-Zentrum als "Internet
Monitoring und Analysestelle" unter der Federführung des
Verfassungsschutzes die Aktivitäten aus Bund und Ländern
bündeln und sich dabei besonders auf den islamistischen Extremismus
konzentrieren. Wie der "Spiegel" berichtet, wird außer dem
Bundeskriminalamt auch der Bundesnachrichtendienst beteiligt sein. Von
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) möchte das
Innenministerium bis zu 86 Millionen Euro für die neuen Aufgaben
im kommenden Jahr.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)
Gesundheit
Für Asthmatikern immer häufiger Sport
Mi.27.09.06 - Vorbei sind die Zeiten, dass Asthmatiker vor sportlicher "Belastung"
befreit werden. Diese Erkenntnis ist jedoch unter Medizinern noch
unterschiedlich weit verbreitet. Schon seit einigen Jahren gilt in
Fachkreisen als unstrittig, dass auch Asthmatiker - abhängig vom
Schweregrad ihrer Erkrankung mit unterschiedlichen Belastungsgraden -
Sport treiben sollten. Wie eine vom Arzneimittelhersteller AstraZeneca
in Auftrag gegebene Umfrage unter Allgemeinmedizinern und Pneumologen
ergab, unterscheiden sich die Aussagen zur sportlichen Betätigung
von Asthmatikern jedoch. Die Studie bestätigte aber die Bedeutung
der Lungenfunktion für die Behandlung von Asthmatikern.
Nach der Studie sprechen sich sowohl Allgemeinmediziner als auch
Lungenfachärzte dafür aus, dass Asthmatikern sportlich aktiv
sind. Leichtgradigen Asthmatikern empfehlen sie dies
uneingeschränkt. Bei Patienten mit mittelschweren Asthmasymptomen
liegt der Anteil der Pneumologen, die eine sportliche Betätigung
empfehlen, mit 96 Prozent zwar höher als bei Allgemeinmedizinern.
Doch auch bei ihnen ist die Zahl jener, die Sport für diese
Patientengruppe empfehlen, mit 90 Prozent sehr hoch. Ein anderes Bild
ergibt sich bei schwergradigem Asthma. Hier scheut mit 46 Prozent der
Großteil der Allgemeinmediziner davor zurück, seinen
Patienten Sport zu empfehlen, während unter den Fachärzten die
Befürworter des Sports auch bei schweren Asthmatikern immer noch
78 Prozent ausmachen.
Die Umfrage zeige, so Dr. Hartmut Timmermann, niedergelassener
Pneumologe aus Hamburg, dass mittlerweile auch Allgemeinmediziner ihre
Patienten verstärkt zur sportlichen Betätigung ermutigen. "Das
ist eine gute Entwicklung, denn es ist inzwischen unstrittig, dass
körperliches Training zur Vermeidung von Asthmasymptomen beitragen
kann." Sport müsse deshalb in einer Asthmatherapie eine ebenso
wichtige Rolle spielen, wie die Versorgung mit modernen Medikamente und
der regelmäßige Arztbesuch.
Nach Auskunft der befragten Ärzte treiben mit 48,9 Prozent rund
die Hälfte ihrer Patienten mit leichtem Asthma Sport. Bei
mittelgradiger Erkrankung sinkt die Zahl auf rund 30 Prozent ab. Und nur
knapp zehn Prozent aller schweren Asthmatiker betätigen sich nach
Angaben ihrer Ärzte sportlich. Als besonders geeignete Sportarten
empfehlen die Ärzte lange Spaziergänge, Radfahren, Schwimmen
und Joggen.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)