Aktuelle Nachrichten
Irak am achthunderteinundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Acht Iraker bei US-Bombenangriff auf Wohnhaus getötet. Zehn Tote
bei Schießerei vor Moschee in Bagdad. Kriegsgegner vor dem
Kapitol in Washington verhaftet
Do.28.09.06 - Bei einem Einsatz von US-Truppen gegen mutmaßliche Terroristen
sind am Mittwoch im irakischen Bakuba acht Menschen ums Leben gekommen,
wie die amerikanischen Streitkräfte mitteilten. Bei vier Opfern
handele es sich um Zivilpersonen.
Die Soldaten gerieten den Angaben zufolge unter Beschuss, als sie sich
einem Gebäude näherten, in dem sich mutmaßliche
Terroristen mit Verbindungen zur Al Kaida im Irak aufhielten. Die
Soldaten töteten zwei Verdächtige und forderten die
Unterstützung der Luftwaffe an, die das Haus beschoss. Bei der
Durchsuchung des Gebäudes wurden dann die Leichen von vier Frauen
und zwei weiteren Terrorverdächtigen gefunden. Zudem seien Waffen
und ein GPS-Navigationssystem sichergestellt worden, hieß es. Drei
Menschen erlitten Verletzungen.
Die US-Streitkräfte erklärten, Terroristen brächten
bewusst Frauen und Kinder in Gefahr. Ein Mitglied der Familie sagte,
alle acht Todesopfer seien mit ihm verwandt gewesen. Sie hätten
keine Verbindungen zu Terroristen gehabt, sagte Saleh Ali.
Bei einer Schießerei vor einer sunnitischen Moschee in Bagdad
sind am Mittwochabend zehn Menschen getötet und elf verletzt
worden. Zu dem Feuergefecht kam es nach Polizeiangaben im Anschluss an
einen Gottesdienst in der Al-Meschahda-Moschee im Norden der irakischen
Hauptstadt.
Bei einer Umfrage des US-Außenministeriums in Bagdad gaben nach
Informationen der «Washington Post» nahezu drei Viertel der
Einwohner an, sie würden sich ohne ausländische Truppen
sicherer fühlen. 65 Prozent der Befragten befürworteten einen
sofortigen Abzug der US-Truppen.
Bei einer Demonstration gegen den Militäreinsatz der USA im Irak
sind am Mittwoch 26 Kriegsgegner vor dem Kapitol in Washington
verhaftet worden. Die rund 100 Teilnehmer der Protestaktion legten
Särge vor einem Gebäude des Repräsentantenhauses nieder.
«Ich musste meinen Körper hierher bringen, um Nein zu
sagen», sagte die 63-jährige Paki Wieland nach ihrer
Festnahme.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 28.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertsiebenundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.28.09.05 - Vize von Al Kaida im Irak getötet +++ Zehn Tote bei
Selbstmordattentat +++ 22 Leichen südlich von Bagdad gefunden +++
NATO-Generalsekretär zu Besuch in Bagdad +++ Blair verteidigt erneut
britischen Einsatz im Irak +++ US-Soldatin England zu drei Jahren Haft
verurteilt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509280.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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70 Milliarden Dollar mehr für US-Militär in Irak und
Afghanistan
Do.28.09.06 - Das US-Repräsentantenhaus hat mit großer Mehrheit die Mittel
für die Militäroperationen im Irak und in Afghanistan um
weitere 70 Milliarden Dollar (55 Milliarden Euro) aufgestockt.
Außerdem stimmten die Abgeordneten einem um fünf Prozent auf
448 Milliarden Dollar (353 Milliarden Euro) gestiegenen
Verteidigungshaushalt zu. 394 Abgeordnete votierten am Dienstagabend
(Ortszeit) für den Haushalt, 22 dagegen.
Mit einer Zustimmung des Senats wird in den nächsten Tagen
gerechnet. Der mit dem Senat ausgehandelte Kompromiss bleibt etwas
hinter den Forderungen von US-Präsident George W. Bush zurück.
Die Kosten für den Irak-Krieg belaufen sich derzeit auf rund acht
Milliarden Dollar pro Monat, im Frühjahr sollen die Ausgaben
erhöht werden. Wenn der Haushalt verabschiedet wird, hat der
US-Kongress seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001
insgesamt 507 Milliarden Dollar (400 Milliarden Euro) für die
Militäroperationen im Irak, in Afghanistan und für
erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in amerikanischen
Militäreinrichtungen im Ausland bewilligt.
Die britische Regierung gab nach eigenen Angaben in den Jahren
2005/2006 für Einsätze im Irak bislang 958 Millionen Pfund
(1,4 Milliarden Euro) aus, das sind 5,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Die Zahl der britischen Soldaten insgesamt ging einem am Mittwoch
veröffentlichten Bericht zufolge seit 2001 um 4,6 Prozent
zurück. Der Grund sei in erster Linie eine Umstrukturierung der
Streitkräfte, hieß es.
(Quelle: ap)
Deutschland - Unionsabgeordnete fordern Abzug der Bundeswehr aus
Afghanistan
Do.28.09.06 - In der Unionsfraktion formiert sich der Widerstand gegen eine
Verlängerung des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan. Vor der
namentlichen Abstimmung am (heutigen) Donnerstag im Parlament forderten
die Unions-Abgeordneten Willy Wimmer (CDU) und Peter Gauweiler (CSU)
laut «Münchner Merkur» (Donnerstagausgabe) den Abzug
der deutschen Streitkräfte aus der Krisenregion. Sie kritisierten
den Einsatz als fehlgeschlagen und zu riskant.
«Es ist überhaupt nicht klar, vor welchen Aufgaben die
Bundeswehr tatsächlich steht», sagte Gauweiler der Zeitung.
Die Situation könne jederzeit eskalieren. «Eine
Exit-Strategie fehlt.» Er verwies darauf, dass die Bundeswehr
indirekt auch den Drogenanbau absichere. «Das einzige, was in
diesem Land blüht, ist der Handel mit dem Mohn. Er hat innerhalb
der letzten zwölf Monate um 40 Prozent zugenommen.» Er
sprach sich für den sofortigen Abzug der alliierten
Streitkräfte aus.
Auch der frühere Staatssekretär im Verteidigungsministerium,
Willy Wimmer, will gegen die Verlängerung des Mandats stimmen.
«Es kann nicht darum gehen, ein Mandat nur deshalb zu
verlängern, weil man es schon ein paar Mal verlängert
hat», sagte er. Vertreter der Bundesregierung vor Ort sagten
selbst, dass der Konflikt nicht militärisch gewonnen werden
könne.
(Quelle: ap)
US-Geheimreport mit düsterer Analyse
Do.28.09.06 - Im Streit um die Aussagen einer Geheimdienstanalyse zum Kampf gegen den
Terrorismus hat US-Präsident George W. Bush mit der
Veröffentlichung von Teilen des Berichts die Flucht nach vorne
angetreten.
Aber die am Dienstagabend (Ortszeit) unter Druck der
Öffentlichkeit von Bush freigegebenen Textauszüge
bestätigen im wesentlichen die bereits zuvor bekannt gewordenen,
düsteren Einschätzungen der amerikanischen Geheimdienste.
Demnach hat der Irakkrieg den islamistischen Terrorismus gestärkt.
Die Islamisten gewinnen nach Ansicht der US-Regierungsexperten weltweit
an Zahl und haben vielerorts ihren Einfluss erweitert. Es gebe
allerdings auch vermehrt politische und religiöse Führer in
der islamischen Welt, die den Terror verurteilten. Zudem würde
eine erfolgreiche Demokratisierung islamischer Länder und eine
Stabilisierung des Iraks die Extremisten deutlich schwächen
können, heißt es. Trotz des sich ausbreitenden
Anti-Amerikanismus lehne zudem eine große Mehrheit der Menschen
in den islamischen Ländern eine von den Extremisten angestrebte
islamisch-fundamentalistische Regierung ab.
Besonders diese Aspekte hatte Bush am Dienstag wohl gemeint, als er die
seiner Ansicht nach irreführende und einseitige Berichterstattung
in den US-Medien über die Geheimdienststudie kritisiert hatte.
Bush verteidigte den Irakkrieg als Teil des «weltweiten Kriegs
gegen den Terrorismus». Indirekt kritisierte er auch den
Geheimdienstreport. Es sei «naiv» zu glauben, «dass
es ein rosigeres Szenario (...) und weniger Extremisten geben
würde, wenn wir nicht im Irak wären», sagte Bush.
In den nun veröffentlichten Teilen des Berichts überwiegt
eine für die USA pessimistische Sichtweise. Der Irak-Konflikt sei
für Terroristen, die in der muslimischen Welt Hass gegen die USA
verbreiten wollen, zu einer «beliebten Sache» geworden,
heißt es. Es wachse dort eine neue Generation von Terroristen
heran. Jeder Erfolg im Kampf gegen den Terror führe auch dazu,
dass sich Gruppen radikalisierten und Terroristen anderenorts ihren
Kampf fortsetzen. Es drohten weltweit mehr Terroranschläge.
Zwar habe man der Führung der El Kaida schweren Schaden
zugefügt, so die US-Analyse. Dennoch sei «El Kaida als
einzelne Terrororganisation nach wie vor die größte
Bedrohung für die USA im Inland und deren Interessen im
Ausland». Der Iran und Syrien seien nach wie vor die
Hauptsponsoren des Terrorismus. Allerdings gebe es die Gefahr, dass
Terroristen auch aus anderen Ländern gefördert werden.
Für die Ausbreitung des islamistischen Terrors nennt der Bericht
mehrere Gründe: Korruption und Ungerechtigkeit sowie die
politische und ökonomische Rückständigkeit in vielen
islamischen Ländern, die Angst vor einer Dominanz des Westens
sowie das Gefühl der Demütigung und Machtlosigkeit
gehörten ebenso dazu wie der weit verbreitete Anti-Amerikanismus.
Die US-Demokraten verschärften gut sechs Wochen vor den Kongress-
Wahlen die Kritik an Bush. Der Führer der Demokraten im US-Senat,
Harry Reid, meinte, der Geheimdienstreport belege, dass «die
verfehlte Irakpolitik von Bush den weltweiten Terrorismus fördert
und Amerika unsicherer macht».
Bushs Vorgänger im Weißen Haus, Bill Clinton, hatte
zunächst in einem Fernsehinterview der Regierung vorgeworfen,
gegen El-Kaida-Chef Osama bin Laden vor den Anschlägen vom 11.
September 2001 untätig geblieben zu sein. Dieser Kritik schloss
sich nun in überraschend scharfer Form seine Ehefrau, die
demokratische US-Senatorin Hillary Clinton an. «Wenn mein Mann
und sein nationales Sicherheitsteam einen Geheimbericht mit dem Titel
"Bin Laden ist entschlossen, innerhalb der USA anzugreifen" bekommen
hätten, hätte er das ernster genommen, als es offenbar von
unserem gegenwärtigen Präsidenten und seinem nationalen
Sicherheitsteam genommen wurde», sagte die mögliche
Präsidentschaftskandidatin der Demokraten für 2008.
Im August 2001 hatte Bush einen entsprechenden Bericht bekommen. Bill
Clinton meinte in dem Interview des Senders Fox News, seine
republikanischen Kritiker hätten sich früher sogar
darüber lustig gemacht, dass er versucht habe, Osama bin Laden zu
töten. Er selbst habe durchaus versucht, Bin Laden
unschädlich zu machen.
(Quelle: dpa)
'Jihad-Bewegung passt sich an'
Die taz vom 28.09.06 dokumentiert die brisante US-Gefahrenanalyse
http://www.taz.de/pt/2006/09/28/a0152.1/text
Nahost-Konflikt
Schiitischer Geistlicher im Libanon kritisiert Bush. Libanesisches Heer
beginnt mit Überwachung der syrischen Grenze. Vorwürfe gegen
Israel wegen Zerstörung eines Kraftwerks in Gaza. Israel
lässt palästinensischen Vize-Regierungschef frei
Do.28.09.06 - Der höchste schiitische Geistliche im Libanon hat
US-Präsident George W. Bush vorgeworfen, den Nahen Osten in eine
Hölle verwandelt zu haben. «Wenn ich die Taten dieses Mannes
und seiner Regierung betrachte, sehe ich, dass seine Politik die Region
in eine Hölle verwandelt hat», sagte Großayatollah
Mohammed Hassan Fadlallah in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.
«Sie sind für alle Probleme der Welt verantwortlich.»
Die USA und Israel seien außerdem dafür verantwortlich, dass
sich die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten in der muslimischen
Welt vertieft habe, sagte Fadlallah weiter. Am Freitag hatte er Bush
einen «Boten des Teufels» genannt.
Zur Zerrissenheit der Bevölkerungsgruppen im Libanon sagte
Fadlallah, alle Gruppen außer seiner eigenen wollten die
Vorherrschaft an sich reißen. Die Hisbollah müsse deshalb
ihre Waffen behalten, um das Land verteidigen zu können.
Hubschrauber des libanesischen Heeres haben mit der Überwachung
der syrischen Grenze begonnen, wie am Mittwoch aus Beiruter
Sicherheitskreisen verlautete. Ein ranghohes Mitglied der
Streitkräfte betonte aber, dass diese Patrouillen - die ersten
libanesischer Soldaten an der syrischen Grenze überhaupt - nicht
in direktem Zusammenhang mit der UN-Resolution stünden, die zum
Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah geführt hat.
«Das hat damit zu tun, dass das libanesische Heer Verantwortung
für die Kontrolle seiner Grenzen übernimmt», sagte der
hohe Offizier, der seinen Namen nicht genannt wissen wollte. «Wir
beabsichtigen, jeglichen Schmuggel mit allen uns zur Verfügung
stehenden Mitteln zu unterbinden.»
Über die syrisch-libanesische Grenze gibt es rund 60
Schmugglerrouten. Über die bislang durchlässige Grenze wurde
auch die Hisbollah mit Waffen versorgt. In der UN-Resolution 1701 wurde
gefordert, dass UN-Friedenstruppen den libanesischen Streitkräften
bei der Überwachung der See- und Landgrenzen helfen. Im Süden
sollen 15.000 UN-Soldaten stationiert werden, die Bundesmarine soll vor
der libanesischen Mittelmeerküste patrouillieren. In Brüssel
reisten am Mittwoch 140 belgische Soldaten zur UN-Mission nach Libanon.
Bis zum 6. Oktober sollen 420 belgische Soldaten in dem Land
stationiert sein.
Bei Explosionen von Streubomben im Südlibanon wurde am Mittwoch
ein neunjähriger Junge getötet. Vier weitere Menschen wurden
verletzt. Der Junge war sofort tot, als die Bombe in der Nähe
seines Wohnhauses im Dorf Sawwaneh 17 Kilometer nördlich der
Grenze zu Israel detonierte, wie aus Sicherheitskreisen verlautete.
Drei Männer erlitten Verletzungen. Eine Frau wurde bei einer
weiteren Explosion verletzt. UN-Experten schätzten die Zahl der
von Israel abgefeuerten, nicht explodierten Streubomben im
Südlibanon am Dienstag auf bis zu eine Million.
Eine israelische Menschenrechtsgruppe hat den Streitkräften
Kriegsverbrechen vorgeworfen, weil sie Ende Juni ein Kraftwerk im
Gazastreifen bombardiert haben. Zwei Monate später gebe es in
weiten Teilen von Gaza-Stadt nur etwa die Hälfte des Tages Strom,
was die Arbeit von Krankenhäusern, die Wasserversorgung und die
Abwasserentsorgung behindere, erklärte die Organisation B'Tselem am
Mittwoch.
Die Bombardierung des Kraftwerks, das sich nur gegen ein zivil
genutztes Objekt gerichtet habe, sei illegal und ein Kriegsverbrechen
gewesen. Es habe keine militärische Begründung für den
Angriff gegeben, der offenbar aus Rache erfolgt sei. Die Luftwaffe
bombardierte das Kraftwerk am 28. Juni zu Beginn der israelischen
Offensive im Gaza-Streifen, die nach der Entführung eines Soldaten
angeordnet wurde.
Nach fünfeinhalb Wochen Haft hat Israel den stellvertretenden
palästinensischen Ministerpräsidenten Nasser Schaer
freigelassen. Schaer sei auf dem Weg ins Westjordanland, teilte sein
Anwalt Osama al Saadi am Mittwoch mit. Ein israelisches
Militärgericht hatte die Freilassung des Hamas-Politikers
angeordnet, der am 19. August im Rahmen einer Razzia gegen die
radikalislamische Organisation festgenommen worden war. Mit dem Einsatz
reagierte Israel auf die Entführung eines israelischen Soldaten
durch militante Palästinenser Ende Juni.
(Quelle: ap)
Islamische Außenminister - Papst muss sich entschuldigen
Do.28.09.06 - Eine Organisation 56 islamisch geprägter Staaten hat Papst
Benedikt XVI. am Dienstag aufgefordert, sich für sein umstrittenes
Islam-Zitat zu entschuldigen. Der Pontifex hatte sich erst am Vortag in
der päpstlichen Sommerresidenz mit Vertretern aus muslimischen
Gesandten aus 22 Nationen getroffen und seiner "Wertschätzung und
tiefem Respekt" vor Angehörigen des islamischen Glaubens
geäußert. Es war das vierte Mal, dass Benedikt XVI.
versuchte, die Wogen in dem seit zwei Wochen andauernden Streit zu
glätten.
In der am Dienstag verabschiedeten Erklärung forderten die
Außenminister der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC),
der Vatikan müsse sich entschuldigen. Es zieme sich für den
Vatikan, die besagte Erklärung zurückzuziehen oder zu
beseitigen, um den richtigen Geist der Christenheit im Umgang mit
islamischen Themen zu demonstrieren. Die Minister, die sich am Rande der
UN-Vollversammlung in New York trafen, bedauerten die
Äußerungen und warnten, diese könnten vielleicht
Spannungen zwischen der muslimischen Welt und dem Vatikan erzeugen, die
den wahren Interessen der zwei Parteien entgegenstünden.
Während seines Deutschland-Besuches Mitte September hatte Benedikt
in einer Vorlesung in Regensburg einen byzantinischen Kaiser und
Gelehrten aus dem Mittelalter mit den Worten zitiert: "Zeig mir doch,
was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und
Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den
er predigte, durch das Schwert zu verbreiten." In der muslimischen Welt
hatten die Äußerungen massive Proteste ausgelöst.
Nach dem Treffen in Castelgandolfo hatte sich die muslimischen
Teilnehmer des Treffen jedoch sehr positiv geäußert. Unter
anderem hatte der irakische Botschafter Albert Edward Ismail Yelda die
Hoffnung geäußert, dass die Krise nun beigelegt sei.
(Quelle: rtr)
Atomstreit: Solana trifft Iran-Unterhändler zu Atomgespräch
in Berlin
Do.28.09.06 - Im Streit um das iranische Atomprogramm treffen sich die
Unterhändler der Europäischen Union und des Iran am Mittwoch
in Berlin zu einem Gespräch.
Ein Vertreter der iranischen Botschaft in Berlin bestätigte, dass
der EU-Außenbeauftragte Javier Solana und der iranische
Chefunterhändler Ali Laridschani bei dem Treffen erneut nach Wegen
aus dem festgefahrenen Streit suchen wollen. Einzelheiten zu Ort und
Zeit des Treffens wurden zunächst nicht bekannt. Solana soll
sondieren, ob es doch noch Chancen für neue Verhandlungen im
Atomstreit gibt oder das Thema wieder an den Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen (UN) geht, der Sanktionen gegen die Regierung in
Teheran verhängen könnte.
Einem US-Zeitungsbericht zufolge ist der Iran zu einem befristeten
Stopp seiner umstrittenen Urananreicherung bereit. Dies solle nach
Angaben von Diplomaten beim Treffen Solanas mit Laridschani besprochen
werden, meldete die "Washington Times" am Dienstag. Durch die Aussetzung
solle Zeit für neue Verhandlungen gewonnen werden.
Ursprünglich war ein Treffen zwischen Solana und Laridschani am
Rande der UN-Vollversammlung in der vergangenen Woche geplant, das aber
nicht stattfand, da Laridschani nicht kam.
Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats und
Deutschland hatten dem Iran eine Frist bis Ende August gesetzt, die
Anreicherung zu stoppen und über ein Verhandlungsangebot zu reden.
Nachdem der Iran die Frist verstreichen ließ, drängen vor
allem die USA auf Sanktionen, die jedoch unter den fünf
Vetomächten im Sicherheitsrat (USA, Russland, China, Frankreich und
Großbritannien) umstritten sind. Durch neue Verhandlungen soll
eine weitere Eskalation des Streits vermieden werden. Der Iran hat den
Vorwurf bestritten, unter dem Deckmantel eines zivilen Programms nach
Atomwaffen zu streben.
(Quelle: rtr)
Frattini kündigt europäisch-afrikanische
Einwanderungskonferenz an
Do.28.09.06 - Die EU will bei einer gemeinsamen Konferenz mit afrikanischen Staaten
nach Lösungen zur Eindämmung der illegalen Einwanderung
suchen. Wie Justizkommissar Franco Frattini am Mittwoch in
Straßburg ankündigte, soll die Konferenz "vermutlich im
November" in der libyschen Hauptstadt Tripolis stattfinden. Dabei solle
über Möglichkeiten zur besseren Bekämpfung der Ursachen
für die illegale Einwanderung diskutiert werden, sagte Frattini vor
dem Europaparlament. Dazu gehörten etwa Maßnahmen zur
wirtschaftlichen Entwicklung der Herkunftsländer. Außerdem
solle über die Rückführung illegaler Einwanderer
gesprochen werden.
(Quelle: afp)
Europaparlament zeigt der Türkei die gelbe Karte
Do.28.09.06 - Das Europaparlament hat der Türkei mangelhaften Reformwillen
vorgeworfen und massive Kritik an den anhaltenden
Menschenrechtsverletzungen in dem Land geübt. In einer
Entschließung forderte die EU-Volksvertretung Ankara zugleich
ultimativ auf, bis Ende des Jahres das Embargo gegen zyprische Schiffe
aufzuheben. Eine Weigerung könne den laufenden Beitrittsprozess
"zum Stillstand bringen". Der türkische Ministerpräsident
Recep Erdogan betonte am gleichen Tag, sein Land werde keine neuen
Beitrittskriterien akzeptieren.
Die Türkei müsse konkrete Schritte zur Normalisierung ihrer
Beziehungen mit der Republik Zypern unternehmen, heißt es in der
Entschließung. Die Anerkennung aller EU-Staaten,
einschließlich der Republik Zypern, sei ein "notwendiger
Bestandteil des Beitrittsprozesses". Der Text wurde mit 429 gegen 71
Stimmen verabschiedet. 125 Abgeordnete enthielten sich der Stimme.
Deutliche Kritik übte das Parlament an den zahlreichen
Verstößen gegen die Meinungs- und Pressefreiheit in der
Türkei. Eine Reihe von Artikeln, die eine Bedrohung dieser
Grundrechte darstellten, müssten rasch abgeschafft werden. Dazu
gehöre vor allem der Artikel 301, der die "Verunglimpfung des
Türkentums" unter Strafe stelle, erläuterte der deutsche
Grüne Cem Özdemir.
Außerdem vermissen die EU-Volksvertreter Fortschritte bei der
Religionsfreiheit. Religiöse Stiftungen und christliche
Gemeinschaften, etwa das Ökumenische Patriarchat, müssten
nach wie vor Enteignungen etwa von Kirchen hinnehmen. Insgesamt habe
sich der Reformprozess in der Türkei seit einiger Zeit deutlich
verlangsamt.
Der Bericht bekräftigt zwar erneut, das Ziel der
Beitrittsgespräche sei die Aufnahme des Mittelmeerlandes in die
EU. Dies setze jedoch auch die Fähigkeit der EU voraus, die
Türkei aufzunehmen und gleichzeitig die "Integrationsdynamik"
aufrechtzuerhalten. An die EU-Kommission richtete das Parlament die
Aufforderung, bis Ende des Jahres eine Untersuchung über die
Auswirkungen eines Beitritts der Türkei vorzulegen. Ein Absatz, in
dem die Anerkennung des "Völkermords an den Armeniern" zur
Vorbedingung für einen Beitritt gemacht werden sollte, fand keine
Mehrheit.
Erdogan hatte die EU am Morgen aufgefordert, den Beitrittskandidaten
Türkei "gerecht und objektiv" zu behandeln. Sein Land werde nicht
hinnehmen, dass ständig neue Aufnahmebedingungen gestellt werden.
"Das Match hat begonnen, nun können die Spielregeln nicht mehr
geändert werden", sagte er in Ankara.
(Quelle: afp)
Bestechungsaffäre verschärft Regierungskrise in Polen
Do.28.09.06 - Ein Skandal um den versuchten Kauf einer Parlamentsabgeordneten durch
die Regierungspartei PiS hat die politische Krise in Polen weiter
verschärft. Ein Privatsender zeigte am Dienstagabend heimlich
gedrehte Filmaufnahmen, auf denen der Kabinettschef von
Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski die Oppositionsabgeordnete
Renata Beger zum Übertritt ins Regierungslager zu bewegen
versucht. Adam Lipinski, der Kabinettschef, bot der Abgeordneten von
der rechtspopulistischen Samoobrona bei dem gefilmten Treffen den
Posten der Vize-Landwirtschaftsministerin an. Die Opposition sprach von
einem handfesten Skandal, der die Regierung Kaczynski diskreditiere.
Das Gespräch zwischen PiS-Vertreter Lipinski und Beger wurde von
einer versteckten Kamera gefilmt, die die Abgeordnete selbst am
Körper trug. "Sie wissen, das ist kein Problem. Wir haben eine
Menge freie Posten", sagt Lipinski zu Beger. Bedingung sei, dass sie
von der Samoobrona (Selbstverteidigung) zur Regierungspartei Recht und
Gerechtigkeit (PiS) übertrete. Nach der Entlassung von
Samoobrona-Chef Andrzej Lepper, der den Posten des Vize-Regierungschefs
und des Landwirtschaftsministers innehatte, ist die Regierungspartei
zurzeit auf der Suche nach einer neuen Parlamentsmehrheit.
Oppositionsparteien und Medien regierten empört auf den
Bestechungsversuch. Die liberale Bürgerplattform verlangte eine
Sondersitzung des Parlaments. Regierungsgegner werteten die Aufnahmen
als Beleg dafür, dass die PiS vor politischer Korruption nicht
zurückschrecke, obwohl sie im vergangenen Jahr im Wahlkampf eine
moralische Erneuerung des öffentlichen Lebens mit einem
erbarmungslosen Kampf gegen die Korruption angekündigt hatte.
Medien wie die linksliberale "Gazeta Wyborcza" forderten den
Rücktritt von Ministerpräsident Kaczynski.
Die PiS war nach Ausstrahlung der Aufnahmen bemüht, sich als Opfer
alter Seilschaften aus sozialistischer Zeit darzustellen. Fraktionschef
Marek Kuchcinski sagte, die Aufnahmen seien mit Ausrüstung der
Geheimdienste gedreht worden; dort vermutet die PiS viele
Parteigänger der früheren Regierung.
Kabinettschef Lipinski, für den die Aufnahmen besonders blamabel
sind, stellte sein Angebot im Gespräch mit Beger als taktischen
Schachzug dar: Er habe den Gesprächsfaden mit Beger nicht
reißen lassen wollen; es habe aber außer Frage gestanden,
die Abgeordnete auf den Posten einer Vizeministerin zu berufen.
Die Bemühungen von Ministerpräsident Kaczynski um eine neue
parlamentarische Mehrheit werden durch den Skandal weiter erschwert.
Politische Beobachter halten es für möglich, dass es zu
Neuwahlen kommt.
(Quelle: afp)
Islam-Konferenz: Deutschland nimmt offiziell Dialog mit Muslimen auf
Do.28.09.06 - Mit dem erfolgreichen Beginn der ersten Deutschen Islamkonferenz ist
der Dialog von Staat und deutschen Muslimen in Bewegung geraten.
Befürchtungen, die muslimischen Verbände könnten die
Konferenz wegen der umstrittenen Einladungspraxis des
Bundesinnenministeriums platzen lassen, bestätigten sich am
Mittwoch nicht. Ressortchef Wolfgang Schäuble (CDU) betonte, alle
Teilnehmer hätten sich dafür ausgesprochen, dieses Projekt
«mit möglichst viel Leben erfüllen» zu wollen.
Vertreter der über drei Millionen deutschen Muslime stimmten
dieser Einschätzung zu.
Die Veranstaltung im Berliner Schloss Charlottenburg mit je 15
Vertretern beider Seiten bildete den Auftakt zu einem mehrjährigen
Dialog. Am 8. und 9. November sollen in Nürnberg erstmals mehrere
Arbeitsgruppen tagen.
Schäuble sprach nach dem ersten Treffen von einer «sehr
intensiven Diskussion», an der sich alle Vertreter der
muslimischen Gemeinschaft in Deutschland beteiligt hätten. Die
«offene Aussprache» sei «nicht immer
harmonisch» verlaufen, aber in einem «sehr toleranten
Ton». «Geknirscht» habe es etwa in der Frage des
Sportunterrichts für islamische Mädchen.
Alle Beteiligten der Konferenz hätten sich auf den Dialogprozess
eingelassen, sagte Schäuble: «Es war ein guter
Auftakt.» Seine Einladungsliste sei nicht
«unbestritten» gewesen, räumte der Minister ein. Am
Schluss hätten aber alle gesagt: «Auf dieser Grundlage
machen wir weiter.»
Nach den Worten Schäubles sprach sich die Konferenz für eine
Wiederaufnahme der Mozart-Oper «Idomeneo» in den Spielplan
der Deutschen Oper Berlin aus. Die Konferenzteilnehmer würden die
Aufführung gern gemeinsam besuchen. Schäuble kritisierte
erneut die Absetzung der Oper: «Mit der Kunstfreiheit ist es wie
mit dem Folterverbot. Man darf gar nicht erst anfangen, mit den Augen
zu zwinkern.»
Der Generalsekretär des Zentralrats der Moslems, Ayman Mazyek,
sprach von einem «guten Tag» für die deutschen Muslime
und für die Integration generell. Ziel der Konferenz müsse es
sein, den Islam in das deutsche Staatswesen zu integrieren und als
rechtlich anerkannte Religionsgemeinschaft zu etablieren. Dies sei aber
ein weiter Weg Der Islamrats-Vorsitzende Ali Kizilkaya werte die
Konferenz als «Schritt in die richtige Richtung und in Richtung
Normalität».
Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt
für Religion sagte, bei dem Treffen habe eine Atmosphäre der
freiheitlich demokratisch geprägten Streitkultur geherrscht. Die
Muslime hätten ihre Bereitschaft zur konstruktiven Mitarbeit
erklärt, die vier beteiligten Dachverbände wollten eng
zusammenarbeiten.
Der Generalsekretär des Europäischen Integrationszentrums
Berlin, Badr Mohammed, sprach von einem «historischen
Durchbruch» bei der interkulturellen Öffnung der deutschen
Gesellschaft. Die deutschen Muslime müssten jetzt
«sichtbar» gemacht werden.
Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) verwies darauf, dass
es auch innerhalb der Muslime heftige Debatten gebe, etwa über die
Rolle der Frau. Berlins Innensenator Innensenator Ehrhart Körting
(SPD) lobte, fast alle muslimischen Teilnehmer der Konferenz
hätten das Bekenntnis abgelegt,« dass dies unser Staat ist
und dass wir diesen Staat leben». Der «Dammstich» sei
gemacht, aber «der Damm noch nicht beseitigt».
In Deutschland leben nach Angaben des Innenministeriums 3,2 bis 3,5
Millionen Muslime. Nur zehn bis 15 Prozent seien in muslimische
Organisationen eingebunden.
(Quelle: ddp)
Islam in Deutschland historisches Feindbild
Das Feindbild Islam bekommt fortwährend neue Nahrung - Muslime in
Aufruhr flößen den Deutschen Angst ein. Erst vor wenigen
Tagen demonstrierten wütende Massen gegen die Zitat-
Äußerungen von Papst Benedikt XVI., wonach der Islam
primär Inhumanes und Gewalt hervorgebracht und mit
aufgeklärter Vernunft nicht in Einklang zu bringen sei.
«Wir müssen sehr aufpassen, dass hier kein Blockdenken
entsteht», warnt Prof. Reinhard Schulze, Islamwissenschaftler von
der Universität Bern. Die Teilung in Fronten wie «der
Westen» und «die islamische Welt» sei heute
angesichts der zahlreichen politischen, wirtschaftlichen und
kulturellen Verflechtungen ohnehin nicht mehr möglich.
«Grundsätzlich ist der Islam auch nur das, was die Muslime
aus ihm machen», erläutert Schulze. Und da seien die
Traditionen und politischen Konstellationen so unterschiedlich wie die
Länder, in denen Muslime leben. Doch diese Vielfalt wird in
Deutschland immer weniger wahrgenommen: Der Islam gelte als
«geschlossenes System» ohne Fähigkeit zur
Veränderung, mahnte die französische Wissenschaftlerin
Jocelyne Cesari in der «Zeitschrift für
Kulturaustausch». Auch wenn das Informationsbedürfnis der
Bevölkerung über den Islam grundsätzlich vorhanden sei,
bleibe doch das Bild «im Großen und Ganzen negativ».
Und gerade in Deutschland stünden die Muslime unter
Generalverdacht, potenzielle Terroristen zu sein.
Das wundert Wolfgang Benz vom Berliner Zentrum zur Antisemitismus-
Forschung nicht. Der Islam ist seiner Ansicht nach seit langem
«historisch festgelegt» auf die Ereignisse um die
Belagerung Wiens 1529 durch Truppen des Osmanischen Reiches. «Die
Türken vor Wien - das ist eine tiefe historische Metapher»,
erklärt er. «Da können die Muslime noch so freundlich
sein, die Angst vor der fremden Religion sitzt tief.»
Diese Beobachtung stützen auch repräsentative Langzeitstudien
des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und
Gewaltforschung. 2005 gaben nur noch gut ein Drittel der Befragten an,
der Islam habe eine bewundernswerte Kultur hervorgebracht - 2003 waren
es noch knapp die Hälfte gewesen. Zwar würden Muslime nicht
generell abgelehnt, der Islam jedoch zunehmend abgewertet und skeptisch
gesehen, erläutert Prof. Wilhelm Heitmeyer. Dies wiederum
verstärke auch die Abgrenzung seitens der Muslime.
Das Essener Zentrum für Türkeistudien (ZfT) fand in einer
Analyse von Bundestagsdebatten und Medien heraus, dass über den
Islam immer mehr in negativen Zusammenhängen berichtet wird - sei
es im Rahmen des Kampfes gegen den Terror, der kriegerischen
Auseinandersetzungen im Nahen Osten oder auch der Debatte über
Integration und Staatsbürgerschaft.
Das Jahr 1979 wird von vielen Wissenschaftlern als Wendepunkt in der
öffentlichen Wahrnehmung des Islams markiert. «Vorher gab es
eigentlich ausschließlich eine politische
Nahost-Berichterstattung. Mit der islamischen Revolution im Iran hat
sich das schlagartig geändert», berichtet der Medien- und
Islamwissenschaftler Kai Hafez von der Universität Erfurt. Seitdem
werde der Islam vor allem als politische Kraft gesehen. Ein weiteres
Problem sei die «starke Fokussierung auf Gewalt und
Konflikte» in der Auslands-Berichterstattung.
«Das ganze Alarmgeschrei nützt nur den Feindbildern»,
warnt Benz. Er erklärt, dass Feindbilder einer Gesellschaft vor
allem dazu dienen, «das Eigene zu schützen». Denn je
stabiler eine Gesellschaft ist, je höher ihr Wertekonsens und ihr
Bildungsniveau, desto weniger hätten solche
«monströsen, weltfremden Vorurteile» eine Chance.
Anfällig sei besonders der «unzufriedene Kleinbürger.
Er fühlt sich am bedrohtesten.» Benz plädiert
dafür, die vielen vernünftigen Muslime zu stärken und
sie «als gleichberechtigte, willkommene Bürger» zu
behandeln.
Schulze betont vor dem Hintergrund der Islamkonferenz, «dass
Muslime an sich nicht als Problem angesehen werden dürfen».
Er meint im Gegenteil, dass die muslimische Theologie ernster genommen
werden sollte. Fragen der Auslegung des Koran und Diskussionen unter
Gelehrten auch unterschiedlicher Religionen haben auch nach Ansicht des
aus Tunesien stammenden Schriftstellers Abdelwahab Meddeb eine
große Tradition. Den Fundamentalismus, der in den Medien und der
öffentlichen Meinung so präsent ist, bezeichnete Schulze als
«Krankheit des Islams». Er sei eine Flucht, vor der
«seit Jahrhunderten währenden historischen Niederlage
gegenüber dem Westen» - aber auch «eine Reaktion
darauf, dass der Westen den Islam als Repräsentanten einer inneren
Andersheit nicht anerkennt».
Quelle: dpa, 27.09.2006
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Muslime verurteilen Oper-Absetzung
Do.28.09.06 - Mehrere muslimische Verbände und Islam-Experten haben die
Absetzung der Mozart-Oper «Idomeneo» in Berlin am Mittwoch
verurteilt. Der Generalsekretär der islamischen Gemeinschaft Milli
Görüs, Oguz Ücüncü, sagte der Zeitung
«Die Welt» (Donnerstagausgabe), Religionskritik auf
Opernbühnen müsse jede Religion aushalten. Er halte zwar
persönlich von der Inszenierung nicht viel, weil die
Originalfassung keinen Bezug zu Buddha, Jesus und Mohammed erkennbar
mache.
«Aber in die künstlerische Freiheit ist nicht
hineinzureden», wurde Ücüncü zitiert. Die als
islamistisch geltende Milli Görüs wird vom Verfassungsschutz
beobachtet.
Der Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland,
Aiman Mazyek, sagte im ARD-»Nachtmagazin», die Absetzung
verhindere die Auseinandersetzung mit dem Stück. Die Entscheidung
sei «weniger ein Kniefall vor religiösen Eiferern als ein
Kniefall vor Sicherheitsbehörden». Er glaube nicht, dass
dies der richtige Weg sei.
Der Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen,
sagte der «Frankfurter Rundschau» (Donnerstagsausgabe), die
Entscheidung der Deutschen Oper schade den Muslimen in Deutschland. Sie
stünden jetzt wieder zu Unrecht als intolerant da, obwohl ohne die
Absetzung kaum einer von ihnen was von der Inszenierung erfahren
hätte.
Sen kritisierte den Vorsitzenden des Islamrats für die
Bundesrepublik Deutschland, Ali Kizilkaya, der die Absetzung
begrüßt hatte, weil sie religiöse Gefühle
verletze. Für derlei Auffassungen sei im 21. Jahrhundert
«kein Platz mehr, denn die Kunst ist frei», sagte er der
Zeitung zufolge. Bei möglichen Gefährdungen durch die
«Idomeneo»-Inszenierung wäre es Aufgabe der Polizei
gewesen, für entsprechenden Schutz zu sorgen.
(Quelle: ap)
Gesundheitsreform bringt nur minimale Einsparung
Do.28.09.06 - Die Gesundheitsreform bringt für die Krankenkassen 2007 deutlich
weniger Entlastung als erhofft. Statt 1,9 Milliarden Euro werden nach
der Verschiebung des Gesetzes um drei Monate nur noch 1,4 Milliarden
Ersparnis erwartet, wie das Gesundheitsministerium am Mittwoch
bestätigte. Im Dauerstreit über die Reform rief Kanzlerin
Angela Merkel die Koalition nachdrücklich zur Ordnung. Die Menschen
wollten, dass die Regierung «ohne Hickhack» ihre Arbeit
mache.
Obwohl die von der Reform erhoffte Sparsumme bei Gesamtausgaben von
rund 145 Milliarden Euro kaum noch ins Gewicht fällt, erwartet die
Regierung offiziell keine zusätzlichen Lasten für die
Versicherten. Die von Merkel im Sommer genannte
Beitragssatzerhöhung um 0,5 Prozentpunkte werde ausreichen, sagte
der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, der AP. Er
widersprach einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen
Zeitung», wonach der Beitragssatz im Durchschnitt um 0,6 Punkte
oder noch mehr steigen muss.
Das politische Ringen um das Reformpaket ist weiter voll im Gange. Am
(heutigen) Donnerstag wollen die Gesundheitsexperten von Union und SPD
aus Bund und Ländern erneut über die Knackpunkte beraten,
darunter der Finanzausgleich der Kassen und die Reform der privaten
Krankenversicherung. Die Koalitionsspitzen haben als Ziel ausgegeben,
kommenden Mittwoch den Streit endgültig beizulegen.
Kanzlerin Merkel kritisierte den öffentlichen Koalitionsstreit
über das Gesetz. «Tägliche Interviews mit gegenseitigen
Vorhaltungen werden nicht belohnt», sagte sie der «Passauer
Neuen Presse». «Union und SPD sind den Wählerinnen und
Wählern verpflichtet, etwas Vernünftiges abzuliefern. In
diesem Geist arbeite ich.» Zur Forderung nach einem Machtwort
sagte Merkel: «Wir sind mitten in der Arbeit. Machtworte oder
Vertrauensfrage haben meinem Vorgänger am Ende nicht
weitergeholfen.»
SPD-Chef Kurt Beck stärkte Merkel den Rücken. Er vertraue
«auf die Durchsetzungskraft der CDU-Vorsitzenden und
Bundeskanzlerin», sagte er der «Frankfurter
Rundschau». Beck verteidigte die Gesundheitsreform. Diesmal werde
nicht den Schwachen genommen und den Starken gegeben: «Deswegen
sind anscheinend ja einige Unionsleute so unzufrieden.»
Bei der zentralen Streitfrage, ob der künftige Zusatzbeitrag auf
ein Prozent des Haushaltseinkommens begrenzt sein soll, ist weiter keine
Kompromisslinie zu erkennen. Der CDU-Politiker und
Arbeitgeberfunktionär Reinhard Göhner ging hier auf
Konfrontationskurs zur SPD. «Der Fonds kommt nur, wenn die
Ein-Prozent-Regelung wegfällt», sagte Göhner dem Sender
n-tv.
Merkel sagte hingegen: «Ein Schutz sozial Schwächerer steht
nicht zur Disposition.» Die Überforderungsklausel müsse
aber praktikabel sein. «Hier gilt es, eine Lösung zu finden.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!» Ihr Parteikollege Jürgen
Rüttgers sagte im ZDF, die Klausel müsse vernünftig
sein. «Man kann nicht bei Normalverdienern draufsatteln.»
Die Expertengruppe hatte am Dienstag zwei kleinere Streitpunkte
ausgeräumt. Sie beschloss, dass auch nach Gründung des
Gesundheitsfonds 2008 die Kassen weiter für den Beitragseinzug
zuständig sein sollen und dass sie sich unter dem Dach eines neuen
Spitzenverbands organisieren sollen. Der Chef der Techniker
Krankenkasse, Norbert Klusen, begrüßte zumindest die
Vereinbarung zum Beitragseinzug. «Hier hat sich in einem kleinen
Teilbereich der Reform die Vernunft durchgesetzt», sagte er im ZDF.
(Quelle: ap)
Bürger empfinden Politiker-Lügen laut Umfrage als 'sehr
schlimm'
Do.28.09.06 - Lügen von Politikern, wie sie kürzlich der ungarische
Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany eingeräumt hat, werden von
der überwältigenden Mehrheit der Bundesbürger als
«sehr schlimm» empfunden. Das Meinungsforschungsinstitut
Forsa hatte im Auftrag des «Stern» 1.005 repräsentativ
ausgewählte Bundesbürger befragt, davon gaben 83 Prozent an,
dass sie Politikerlügen als «sehr schlimm» empfinden.
10 Prozent stufen es als «etwas schlimm» ein, wenn Politiker
ihre Wähler belügen. Nur 5 Prozent finden das «weniger
schlimm». Dass dies «überhaupt nicht schlimm»
sei, meint 1 Prozent der Bürger.
(Quelle: ap)
Mitgliederschwund bei CDU und SPD hält an
Do.28.09.06 - Der seit Ende der 90er Jahre beobachtete Mitgliederschwund bei den
beiden Volksparteien SPD und CDU setzt sich ungebremst fort. Wie aus den
offiziellen Angaben beider Parteien hervorgeht, ging die Zahl der
CDU-Mitglieder von Dezember 2005 bis August 2006 um 1,7 Prozent auf
562.410 zurück. Bei der SPD reduzierte sich die Zahl der Genossen
im selben Zeitraum sogar um 3,5 Prozent auf 569.868.
Seit Dezember 2000 verlor die CDU 51.634 Mitglieder (minus 8,4
Prozent), die SPD büßte seither 160.868 Mitglieder (minus
21,9 Prozent) ein. Wegen der rückläufigen
Mitgliedsbeiträge hatte SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier
vor kurzem höhere staatliche Zuschüsse für die Parteien
gefordert. Sie geht davon aus, dass die SPD erst in zehn Jahren wieder
mit mehr Genossen rechnen kann.
(Quelle: ap)
Drei sächsische NPD-Landtagsabgeordnete sollen Immunität
verlieren
Do.28.09.06 - Drei NPD-Abgeordneten im sächsischen Landtag droht die Aufhebung
ihrer parlamentarischen Immunität. Eine entsprechende Empfehlung
habe der dafür zuständige Ausschuss des Parlaments gegeben,
sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Dresden. Gegen die drei Männer
wird wegen Beleidigung beziehungsweise uneidlicher Falschaussage
ermittelt. Erst wenn der Landtag die Immunität aufgehoben hat,
kann Anklage erhoben werden.
Laut Oberstaatsanwalt Jürgen Schär geht es beim Vorsitzenden
der NPD-Landtagsfraktion, Holger Apfel, und dem Abgeordneten Winfried
Petzold um Beleidigung. In einer Neujahrsbotschaft zu Beginn des Jahres
sollen sie die beiden früheren NPD-Mitglieder Jörg Fischer und
Matthias Adrian als «Vortragsnutten» bezeichnet haben.
Beide hatten in Talk-Shows Einzelheiten über die militante
Neonazi-Szene berichtet.
Dem Abgeordneten Klaus-Jürgen Menzel wird nach Worten Schärs
uneidliche Falschaussage und versuchte Strafvereitelung vorgeworfen.
Menzel soll einem Rechtsextremisten aus Dresden ein falsches Alibi
verschafft haben, nachdem dieser Teilnehmer einer Demonstration
verprügelt hatte. Der Mann sei später vom Amtsgericht Dresden
wegen Körperverletzung verurteilt worden, sagte Schär.
Ein Sprecher der NPD-Landtagsfraktion erklärte, dass die
Äußerungen von Apfel und Petzold durch das Recht auf freie
Meinungsäußerung gedeckt seien. Zudem sei das Urteil des
Amtsgerichts Dresden gegen den Rechtsextremisten noch nicht
rechtskräftig. Dieser habe Berufung eingelegt, hieß es weiter.
(Quelle: ap)
Fischfang verursacht katastrophale Umweltschäden
Do.28.09.06 - Der weltweite Fischfang verursacht nach einer Studie der Umweltstiftung
WWF schwere Umweltschäden. Beim Fang von Scholle und Seezunge
werden nach der in Hamburg veröffentlichten Untersuchung mehr als
80 Prozent des Fangs wie Müll behandelt und wieder ins Meer
geworfen, weil die Tiere zu klein oder wertlos seien.
«Dem schmackhaften Fisch auf dem Teller sieht man die oftmals
katastrophalen ökologischen und sozialen Folgen nicht an, die sein
Fang hinterlässt», sagte WWF-Meeresexpertin Heike Vesper.
Auch der Genuss von Schwertfisch ist nach WWF-Erkenntnissen mit
großen Schäden verbunden. So würden allein bei der
illegalen Treibnetzfischerei vor der Küste Marokkos zwei Haie
für jeden Schwertfisch getötet, der auf dem europäischen
Markt landet. Jedes Jahr gehen so laut WWF 100 000 Haie zu Grunde. Und
bei der Scampi- Fischerei mit Schleppnetzen werde der gesamte
Meeresboden umgepflügt. Dabei sterben unter anderem Seesterne und
Krebse.
Große Probleme bereite nach wie vor auch der Fang von Kabeljau im
Nordostatlantik. Die Fangmengen seien seit 1970 bereits um mehr als 80
Prozent zurückgegangen. Wenn es nicht zu einem Fangstopp komme,
drohe der Zusammenbruch der Bestände, mahnte WWF. «Wer ohne
Reue genießen will, muss nachhaltig gefangenen Fisch essen»,
sagte Vesper. Sie rät, auf das blaue Ökosiegel des MSC
(Marine Stewardship Council) zu achten, das eine schonende Fischerei
garantiere.
Unterdessen stellte die Umweltorganisation Greenpeace eine Untersuchung
von Aalen aus deutschen Flüssen vor, derzufolge die Tiere stark mit
Chemikalien belastet sind. Besonders wegen hoher Werte von
perfluorierten Tensiden (PFT) in Elbe, Main, Rhein und Weser raten die
Umweltschützer vom Verzehr der Aale ab. PFT werden in Materialien
wie Textilien und Verpackungen eingesetzt, die wasser-, fett- und
schmutzabweisend sind, teilte Greenpeace am Mittwoch in Hamburg mit. Die
Chemikalie gilt als schädigend für die Fortpflanzung und
Krebs erregend. Greenpeace fordert, dass sichere Alternativen zu
gefährlichen Chemikalien europaweit vorgeschrieben werden.
(Quelle: dpa)