Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertzweiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
40 gefesselte Leichen in Bagdad entdeckt. UN: El-Kaida-Kämpfer
wollen nicht in den Irak. El-Kaida-Chef im Irak ruft zu Entführung
von Ausländern auf. Irak entgehen jährlich Milliarden beim
Ölexport
Fr.29.09.06 - In Bagdad sind erneut Dutzende gefesselte Leichen gefunden worden.
Innerhalb von 24 Stunden wurden 40 erschossene Menschen entdeckt, die
allesamt Spuren von Misshandlungen aufwiesen, wie die Polizei am
Donnerstag mitteilte. Die Opfer seien in verschiedenen Stadtteilen
sowohl im Osten als auch im Westen der irakischen Hauptstadt gefunden
woden.
Osama bin Ladens Terrororganisation El Kaida verliert nach einem
UN-Bericht im Irak an Boden. Dem Report zufolge findet der Top-Terrorist
keine neuen Rebellen, die bereit sind in das Land zu gehen, in dem ein
Bürgerkrieg droht.
«Während der Irak immer weiter in einen Bürgerkrieg
schlittert, macht El Kaida paradoxerweise mehr Verluste als
Gewinne», heißt es in dem Bericht, der am Mittwoch in New
York veröffentlicht wurde.
Verschiedenen Geheimdienstinformationen zufolge würden immer
«weniger ausländische Kämpfer» getötet. Das
bedeute, dass weniger Rebellen in den Irak geschickt würden.
«Manche Kämpfer klagen nach der Rückkehr in ihre
Heimatländer, sie seien im Irak dazu aufgefordert worden, auf ihre
muslimischen Brüder statt auf die fremden Soldaten zu
schießen.» Manchen wurde gesagt, man habe nur die Rolle von
Selbstmordattentätern für sie», heißt es in dem
Bericht weiter.
Die Bedeutung von El Kaida im Irak werde weiter zurückgehen, wenn
die Gewalt zwischen den Gruppen eskaliere. «Die Grenzen zwischen
sektiererischen Anschlägen auf Märkte und Moscheen (...) auf
der einen Seite und dem Kampf gegen irakische und nicht-irakische
Soldaten auf der anderen Seite verschwimmen immer weiter»,
heißt es weiter.
Das Ende des Top-Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi, der im Juni von
US-Soldaten getötet worden war, sei «zwar ein großer
Schlag, aber in der El-Kaida-Führung nicht ganz unwillkommen»
gewesen, heißt es weiter. Zu Lebzeiten habe Al-Sarkawi zu sehr
von El-Kaida-Chef Bin Laden abgelenkt.
Der Chef des irakischen Ablegers der Terrororganisation El Kaida, Abu
Hamsa el Muhadscher, hat unterdessen seine Anhänger zur
Entführung westlicher Ausländer aufgerufen. Diese sollten
gegen einen in den USA gefangen gehaltenen ägyptischen Geistlichen
ausgetauscht werden, sagte Muhadscher auf einem im Internet
veröffentlichten Tonband. "Möge uns Allah erlauben, einige
dieser christlichen Hunde zu fangen, damit unser Scheich befreit wird",
sagte Muhadscher in Bezug auf Omar Abdel-Rahman, der wegen des
versuchten Anschlags auf das World Trade Center 1993 verurteilt wurde.
Nach Angaben Muhadschers wurden bislang mehr als 4000 ausländische
Kämpfer der Terrorgruppe im Irak getötet. "Wir haben enorm
viel Blut im Irak verloren. Mehr als 4000 Einwanderer", sagte
Muhadscher.
Anschläge und schlechte Infrastruktur kosten die irakische
Ölindustrie jährlich Milliarden. Ein US-Bericht zum
Wiederaufbau des Iraks bezifferte am Donnerstag die Höhe der
entgangenen Exporte von Januar 2004 bis März dieses Jahres auf
rund 16 Milliarden Dollar (12,6 Milliarden Euro). Das Land könne
aber ohne kontinuierliche Ölausfuhren und zuverlässige
Stromversorgung nicht vorankommen, erklärte der Generalinspekteur
für den Wiederaufbau, Stuart Bowen. Auch bei einem Abflauen der
Anschläge würden kriminelle Aktivitäten und die
veralteten und schlecht gewarteten Anlagen die Exporte weiter behindern.
Die Regierung von US-Präsident George W. Bush hatte vor drei
Jahren erklärt, der Irak könne seinen Wiederaufbau mit dem
Geld aus den Ölexporten selbst finanzieren. Im Mai wurden dort
täglich 1,9 Millionen Barrel produziert, vor dem Krieg waren es
zwischen 2,5 und 3,0 Millionen Barrel.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 29.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertachtundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.29.09.05 - US-Präsident Bush bereitet Amerikaner auf weitere Opfer im Irak vor +++
Selbstmordattentäterin reißt sechs Menschen mit sich in den
Tod +++ ai kritisiert Urteil gegen US-Soldatin England als zu milde...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509290.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Deutscher Botschafter in Afghanistan warnt vor Katastrophe
Fr.29.09.06 - Die Lage in Afghanistan ist offenbar so bedrohlich wie nie zuvor: Nach
Informationen der "Bild"-Zeitung klärte der deutsche Botschafter in
Kabul, Hans-Ulrich Seidt, den Auswärtigen Ausschuss des
Bundestages am Mittwoch unter strengster Geheimhaltung über die
wahre Gefährdungslage auf.
Nach Aussage des Diplomaten könnte es passieren, dass die
afghanische Regierung in den kommenden zwölf bis achtzehn Monaten
die Kontrolle über das Land verliert. Es könne zur Katastrophe
kommen, sollten die Sicherheitskonzepte nicht entsprechend angepasst
werden, soll er laut Teilnehmern der Sitzung gewarnt haben.
Außerdem sei der Süden Afghanistans von den NATO-Soldaten
militärisch nicht zu gewinnen, habe Seidt gesagt.
Verteidigungsminister Jung widersprach im ZDF der Einschätzung des
deutschen Botschafters in Kabul, der Süden Afghanistans sei nicht
zu gewinnen. «Das beurteile ich anders. Tatsache ist, dass ein
Angriff von den Taliban erfolgt ist, um Kandahar einzunehmen. Dies ist
zurückgeschlagen worden», sagte Jung. Er forderte allerdings
eine Änderung der NATO-Strategie in Afghanistan. «Die
Menschen müssen sehen, dass wir nicht Besatzer sind, sondern da
sind, um ihnen zu helfen zum Wiederaufbau dieses Landes», betonte
er.
Angesichts der unruhigen Lage gerade in den afghanischen Grenzgebieten
zu Pakistan rief US-Präsident George W. Bush die beiden Staaten zu
einer verstärkten Zusammenarbeit auf. Der afghanische
Präsident Hamid Karsai und sein pakistanischer Kollege Pervez
Musharraf müssten im Interesse des gemeinsamen Kampfes gegen den
Terrorismus ihre Streitigkeiten beilegen, forderte Bush am Mittwoch nach
einem Abendessen mit den beiden Präsidenten im Weißen Haus.
Die afghanische Regierung beschuldigt Pakistan, Taliban-Kämpfern
Unterschlupf zu gewähren und deren Vordringen nach Afghanistan zu
ermöglichen.
Laut einem am Mittwoch in New York veröffentlichten UN-Bericht
profitieren die Taliban weiterhin von engen Beziehungen zu Al Kaida und
anderen ausländischen Terrorgruppen. Der Bericht beklagt, dass es
den Taliban gelungen sei, mit der Ermordung ihnen nicht
angehörender Imame, Lehrer und moderater Stammesführer
frühere Fortschritte zu untergraben. Auch die
UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour sprach am Donnerstag von
zunehmenden Berichten über Verstöße gegen die Meinungs-
und Religionsfreiheit in Afghanistan.
(Quellen: afp, ap)
UN-Menschenrechtskommissarin beklagt Gewalt in Afghanistan
Fr.29.09.06 - UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour hat die zunehmende Gewalt in
Afghanistan scharf verurteilt und die vielen Opfer in der
Zivilbevölkerung beklagt. «Zivilisten sind indirekt Opfer von
Angriffen Aufständischer wie auch von Regierungs- und
internationalen Truppen geworden», sagte Arbour am Donnerstag bei
einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf. Hinzu kämen
offenbar gezielte Tötungen, wie am Montag die Ermordung einer
Frauenrechtlerin. Safia Ana Jan hatte während der
Taliban-Herrschaft heimlich Unterricht für Mädchen
organisiert. Arbour erklärte weiter, die Berichte über
Verstöße gegen Meinungs- und Religionsfreiheit in Afghanistan
nähmen zu.
(Quelle: ap)
NATO weitet ISAF-Einsatz auf ganz Afghanistan aus - Deutscher Bundestag
verlängert Afghanistan-Mandat der Bundeswehr
Fr.29.09.06 - Die NATO hat am Donnerstag die Ausweitung des ISAF-Einsatzes auf den
Osten Afghanistans beschlossen. Die internationale
Afghanistan-Schutztruppe werde schon in wenigen Wochen im gesamten Land
präsent sein, sagte NATO-Sprecher James Appathurai nach Beratungen
der Verteidigungsminister des Bündnisses in Slowenien. Nach dem
Beschluss sollen 12.000 bereits in Afghanistan stationierte US-Soldaten
dem ISAF-Kommando unterstellt werden. Der deutsche Bundestag
verlängerte unterdessen das Afghanistan-Mandat der Bundeswehr bis
Oktober 2007.
Deutschland Verteidigungsminister Franz Josef Jung bekräftigte vor
der Abstimmung, ein Einsatz deutscher Soldaten im gefährlichen
Süden Afghanistans komme für ihn nicht in Frage. Die
NATO-Führung drang bei dem Verteidigungsministertreffen im
slowenischen Badeort Portoroz indes erneut auf die Entsendung
zusätzlicher Soldaten nach Südafghanistan.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer wünscht nach
Angaben von Sprecher Appathurai außerdem mehr Flexibilität
beim Einsatz der vorhandenen Truppen.
De Hoop Scheffer wolle mehr «Freiheit für den Befehlshaber,
Truppen dort einzusetzen, wo er sie braucht», sagte Appathurai.
Auf die Frage, ob De Hoop Scheffer auch eine Verlegung von Teilen des
in Nordafghanistan stationierten Bundeswehrkontingents in den
Süden fordern werde, entgegnete der Sprecher: «Der
Generalsekretär will, dass alle Länder geographische
Beschränkungen auf ein Minimum reduzieren.»
Das vom Bundestag verlängerte Afghanistan-Mandat sieht bereits die
Möglichkeit vor, dass deutsche Soldaten außerhalb des
Nordens eingesetzt werden können, wenn dies für den
Gesamtauftrag der ISAF unabdingbar sein sollte. Die Verlegung muss
allerdings nach Zeit und Umfang begrenzt sein.
Bundesverteidigungsminister Jung lehnte eine solche Verlegung ab:
«Tatsache ist, wir haben die Verantwortung für den Norden
übernommen, wir haben uns verständigt innerhalb der
internationalen Gemeinschaft, wir sind dort erfolgreich
unterwegs», sagte Jung im ZDF-Morgenmagazin. In diesem Punkt sei
er sich mit Nato-Generalsekretär De Hoop Scheffer einig. Auch
NATO-Oberbefehlshaber James Jones halte es für falsch, die
Bundeswehr zu Gunsten des Südens aus dem Norden abzuziehen, sagte
Jung.
Bleibt die Lage in Südafghanistan kritisch, so könnte
theoretisch ein Teil der 12.000 für die ISAF-Ausweitung auf
Ostafghanistan abgestellten US-Soldaten verlegt werden. NATO-Sprecher
Appathurai erklärte auf Anfrage, der Einsatz der US-Soldaten
unterliege keinen geographischen Beschränkungen. Dies mindere aber
nicht den Druck auf die anderen NATO-Staaten, mehr Soldaten für
den Süden bereitzustellen, betonte Appathurai: Die US-Truppen
hätten «eine Aufgabe im Osten».
Angesichts der unruhigen Lage gerade in den afghanischen Grenzgebieten
zu Pakistan rief US-Präsident George W. Bush die beiden Staaten zu
einer verstärkten Zusammenarbeit auf. Der afghanische
Präsident Hamid Karsai und sein pakistanischer Kollege Pervez
Musharraf müssten im Interesse des gemeinsamen Kampfes gegen den
Terrorismus ihre Streitigkeiten beilegen, forderte Bush am Mittwoch nach
einem Abendessen mit den beiden Präsidenten im Weißen Haus.
Die afghanische Regierung beschuldigt Pakistan, Taliban-Kämpfern
Unterschlupf zu gewähren und deren Vordringen nach Afghanistan zu
ermöglichen.
Laut einem am Mittwoch in New York veröffentlichten UN-Bericht
profitieren die Taliban weiterhin von engen Beziehungen zu Al Kaida und
anderen ausländischen Terrorgruppen. Der Bericht beklagt, dass es
den Taliban gelungen sei, mit der Ermordung ihnen nicht
angehörender Imame, Lehrer und moderater Stammesführer
frühere Fortschritte zu untergraben.
(Quelle: ap)
Afghanistan-Truppen: Fatale Folgen eines gemeinsamen Kommandos
Wie die Bundeswehr in den Krieg gerät... Mehr in der taz vom 29.09.06:
http://www.taz.de/pt/2006/09/29/a0186.1/text
Auch US-Senat billigt neues Terrorgesetz
Fr.29.09.06 - Nach dem Repräsentantenhaus hat am Donnerstag in den USA auch der
Senat einem umstrittenen Gesetzentwurf zum Umgang mit
Terrorverdächtigen zugestimmt. Die Vorlage wurde mit 65 zu 34
Stimmen verabschiedet. Das Repräsentantenhaus hatte am Vortag
einen nahezu identischen eigenen Entwurf mit 253 zu 168 Stimmen
gebilligt. Es wird erwartet, dass die Abgeordnetenkammer am (heutigen)
Freitag die Vorlage des Senats übernehmen wird. Damit könnte
das Gesetz schon am Wochenende mit der Unterschrift von
US-Präsident George W. Bush rechtskräftig werden.
Die Reform wurde erforderlich, nachdem der Oberste Gerichtshof im Juni
den Umgang mit den Häftlingen im Lager Guantanamo wegen mangelnder
Rechtsgrundlage als illegal bezeichnet hatte. Das neue Gesetz erlaubt
es der Regierung nun ausdrücklich, mutmaßliche Terroristen
vor Militärtribunale anstatt vor ordentliche Gerichte zu stellen.
Zugleich werden brutale oder entwürdigende Verhörmethoden
verboten. Die Rechte der Angeklagten werden zwar gegenüber der
bisherigen Situation in Guantanamo auf Kuba gestärkt, doch
entspricht dies nicht dem Standard vor ordentlichen zivilen oder
militärischen Gerichten.
Die ursprüngliche Vorlage war auch bei den regierenden
Republikanern heftig umstritten, so dass sie in der vergangenen Woche
leicht abgeschwächt wurde. Die oppositionellen Demokraten und
einige wenige Republikaner forderten jedoch weitere Änderungen.
Mit Blick auf die Teilwahlen zum Kongress am 7. November wurde
allgemein damit gerechnet, dass dieses Thema nunmehr den Wahlkampf
bestimmen dürfte.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Mehr als 4.800 Tote seit Beginn der Intifada gegen israelische
Besatzung
Fr.29.09.06 - Seit Beginn des Palästinenseraufstands vor sechs Jahren gegen die
israelische Besatzung sind auf beiden Seiten mehr als 4.800 Menschen
getötet worden, wie aus einer Erhebung der israelischen
Menschenrechtsorganisation B'Tselem hervorgeht. Demnach töteten
die israelischen Streitkräfte im Westjordanland und dem
Gazastreifen 3.733 Palästinenser, darunter 767 Minderjährige.
208 der Getöteten fielen gezielten israelischen Angriffen zum
Opfer, die sich gegen militante Palästinenser richteten. 60
Palästinenser wurden laut B'Tselem von israelischen
Sicherheitskräften in Israel selbst getötet.
Weitere 41 Palästinenser seien von israelischen Zivilisten im
Westjordanland und im Gazastreifen getötet worden. 1.011 Israelis
fielen B'Tselem zufolge im Westjordanland, dem Gazastreifen und Israel
der Gewalt militanter Palästinenser zum Opfer. B'Tselem, das
Israelische Informationszentrum für Menschenrechte in den
besetzten Gebieten, veröffentlichte die Zahlen am Donnerstag
anlässlich des sechsten Jahrestages des Beginns der so genannten
zweiten Intifada.
(Quelle: ap)
EU-Außenbeauftragter Solana: Gespräch mit Iranvertreter ohne
Einigung in Atomstreit
Fr.29.09.06 - Im Streit um das iranische Atomprogramm haben die Unterhändler von
EU und Iran keinen Durchbruch erreicht.
Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sagte nach seinem Treffen
mit dem iranischen Chefunterhändler Ali Laridschani am Donnerstag
in Berlin, es sei keine Einigung erzielt worden. Die Gespräche
sollten aber in der Zukunft fortgesetzt werden. Die beiden
Unterhändler hatten am Mittwoch und Donnerstag sondiert, ob neue
Verhandlungen in dem festgefahrenen Streit möglich sind, der sonst
erneut vor den UN-Sicherheitsrat kommen soll. Dieser könnte dann
Sanktionen gegen Iran beschließen.
(Quelle: rtr)
Europäische Beobachter beklagen 200 getötete Zivilisten in
Sri Lanka
Fr.29.09.06 - Die jüngsten Kämpfe zwischen Regierungstruppen und
tamilischen Rebellen in Sri Lanka haben nach Angaben von EU-Beobachtern
mindestens 200 Zivilpersonen das Leben gekostet. Die Opfer seien im
Norden und Osten des Inselstaats seit der Eskalation der Gewalt Ende
Juli zu beklagen, hieß es in einem am Donnerstag
veröffentlichten Bericht der Beobachtermission, die den
Waffenstillstand in Sri Lanka überwachen soll. Der Bericht machte
beide Seiten für die Verletzung der im Jahr 2002 vereinbarten
Waffenruhe verantwortlich.
Der Waffenstillstand zwischen Regierung und den Befreiungstigern von
Tamil Eelam (LTTE) ist in den vergangenen Monaten faktisch
zusammengebrochen, beide Seiten haben ihn bislang aber noch nicht
offiziell aufgekündigt. Der Bürgerkrieg, den die Rebellen 1983
im Kampf um Autonomie für die tamilischen Gebiete im Osten und
Norden der Insel Ceylon begannen, kostete schon mindestens 65.000
Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
USA verhängen Sanktionen gegen Militärregierung in Thailand
Fr.29.09.06 - Die USA haben als Reaktion auf den Putsch in Thailand Sanktionen gegen
die neuen Militärmachthaber verhängt. Die bisherigen
Hilfszahlungen für die thailändische Regierung in Höhe
von 24 Millionen Dollar seien nahezu vollständig gestoppt worden,
sagte Außenamtssprecher Sean McCormack in Washington. Betroffen
seien unter anderem die Militärhilfe für die
thailändische Armee, Ausbildungs- und Trainingsmaßnahmen,
Frieden erhaltende Missionen und das Programm des Pentagons zur
Finanzierung von Anti-Terror-Maßnahmen im Ausland.
(Quelle: dpa)
Russland droht Georgien
Fr.29.09.06 - Russland hat dem südlichen Nachbarn Georgien nach der Verhaftung
mehrerer russischer Offiziere wegen angeblicher Spionage mit Vergeltung
gedroht. Das Vorgehen der von den USA unterstützten georgischen
Führung sei «totale Willkür», sagte
Verteidigungsminister Sergej Iwanow am Donnerstag bei Moskau.
In der sich zuspitzenden Krise berief Russland seinen Botschafter aus
Georgien zurück und bereitete für den heutigen Freitag die
Evakuierung der Familien von Botschaftsangehörigen aus Tiflis vor.
Am Mittwoch waren in Georgien insgesamt sechs Offiziere des russischen
Militärgeheimdienstes GRU verhaftet worden. Man werde
«entsprechende Gegenmaßnahmen» einleiten, sagte
Iwanow. Russische Nationalisten forderten einen Einsatz der
Streitkräfte zur Befreiung der Offiziere. Moskau beantragte noch
für Donnerstag (Ortszeit) in New York Beratungen des
Weltsicherheitsrates über den Konflikt.
Georgische Sicherheitskräfte hielten das Hauptquartier der
russischen Armee in Tiflis umstellt. Es werde nach einem weiteren
verdächtigen russischen Offizier gefahndet, teilten die
Behörden mit. Der georgische Verteidigungsminister Irakli
Okruaschwili sagte vor Journalisten, es gebe Filmmaterial, auf dem
dokumentiert sei, wie russische Militäragenten georgische
Bürger anzuwerben versuchten. Die russischen Militäragenten
hätten die Kooperation zwischen NATO und Georgien ausspioniert und
«gezielte Provokationen» vorbereitet.
In Moskau verglich Iwanow die Verhaftungen mit stalinistischen
Terrormethoden vor 70 Jahren. Die jüngsten Ereignisse in Tiflis
erinnerten an «das Jahr 1937», sagte der
Verteidigungsminister nach Angaben der Nachrichtenagentur Itar-Tass.
Georgische Medien berichteten, die russische Botschaft in Tiflis habe
am Donnerstag die Vergabe von Visa an Georgier vorübergehend
eingestellt. Der georgische Außenminister Gela Beschuaschwili
brach einen Besuch in Kiew ab und kehrte nach Tiflis zurück.
Anfang September hatte der georgische Präsident Michail
Saakaschwili etwa 30 Anhänger einer Oppositionspartei unter dem
Vorwurf eines versuchten Staatsstreiches festnehmen lassen. Die Aktion
richtete sich gegen die Partei des außer Landes geflohenen
Ex-Geheimdienstchefs Igor Georgadse, der als Verbündeter Russlands
gilt.
Seit dem Amtsantritt Saakaschwilis im Januar 2004 hat sich das ohnehin
zerbrechliche Verhältnis zwischen Tiflis und Moskau deutlich
verschlechtert. Saakaschwili hat die Rückkehr der abtrünnigen
Gebiete Südossetien und Abchasien in den georgischen Staatsverbund
zum Ziel seiner Politik erklärt. Die Teilgebiete hatten sich am
Ende der Sowjetunion in blutigen Konflikten von Georgien losgesagt und
gelten praktisch als russische Protektorate. Auf georgischem
Staatsgebiet sind bis heute noch etwa 3000 russische Soldaten
stationiert. Die meisten dienen in der so genannten Friedenstruppe in
Abchasien und Südossetien.
(Quelle: dpa)
Alternativer Nobelpreis geht in die USA und nach Indien
Fr.29.09.06 - Der Alternative Nobelpreis geht dieses Jahr an den Wissenschaftler und
Kriegsgegner Daniel Ellsberg aus den USA, an die indische
Frauenrechtlerin Ruth Manorama und an das kolumbianische Dichterfestival
von Medellin. Ellsberg habe unter beträchtlicher Gefahr "auf
Frieden und Wahrheit" gesetzt und sein Leben dafür verwandt,
andere zu inspirieren, erklärte die in Schweden ansässige
Stiftung Right Livelihood. Der Wissenschaftler hatte als Mitarbeiter
der US-Regierung darauf hingewirkt, dass der Vietnam-Krieg ein Ende
findet.
Ellsberg teilt sich den Preis mit der indischen Frauenrechtlerin
Manorama, die sich für Frauen aus der Kaste der
"Unberührbaren" einsetzt und "sich seit Jahrzehnten bemüht,
Gleichheit für Dalit-Frauen zu erreichen", wie es in der
Erklärung der Stiftung hieß. Das Internationale
Poesiefestival von Medellin wurde geehrt, weil es dazu beigetragen habe,
in einer der gewaltsamsten Städte der Welt Frieden zu schaffen.
Der Brasilianer Chico Whitaker Ferreira bekam für sein Lebenswerk
den Ehrenpreis der Stiftung verliehen.
Der ursprüngliche Stifter des Alternativen Nobelpreises, der
Deutsch-Schwede Jakob von Uexküll, erklärte zu den
Auszeichnungen, sie würden alle dazu mahnen, "unsere Stimme zu
erheben und uns für Wahrheit, Gewaltlosigkeit und Gerechtigkeit
einzusetzen". Ellsberg, Manorama und das Dichterfestival teilen sich ein
Preisgeld von zwei Millionen schwedischen Kronen (etwa 220.000 Euro).
Mit dem Alternativen Nobelpreis werden jährlich Projekte und
Persönlichkeiten ausgezeichnet, die "praktische und beispielgebende
Antworten" auf drängende gesellschaftliche Fragen liefern.
(Quelle: afp)
Mehr unter:
http://www.rightlivelihood.se/
Deutschland
Zahl der Arbeitslosen im September erneut deutlich gesunken - BA sieht
Arbeitsmarkt im Schlepptau der Konjunktur
Fr.29.09.06 - Die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt hat in diesem Jahr stärker
eingesetzt als üblich.
Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in
Nürnberg mitteilte, waren im September 4,238 Millionen Arbeitslose
registriert. Dies waren 134.000 weniger als im August und 409.000
weniger als im September vorigen Jahres. "Im Fahrwasser der
konjunkturellen Aufwärtsentwicklung ist die Arbeitslosigkeit im
September deutlich gesunken", sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen
Weise. Die Arbeitslosenquote sank auf 10,1 Prozent. Auf Grund der guten
Entwicklung erwartet die BA im Gesamtjahr 2006 nun weniger Arbeitslose
als zuvor angenommen. BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt warnte aber,
dass es 2007 bereits wieder zu einem Stillstand beim Aufbau
sozialversicherungspflichtiger Jobs kommen könnte. Der
Milliardenüberschuss der BA stieg nochmals kräftig an.
Auch unter Herausrechnung der für die Jahreszeit üblichen
Effekte ging die Arbeitslosigkeit mit einer saisonbereinigten Abnahme um
17.000 weiter zurück. Banken-Volkswirte schrieben das auch der
anziehenden Konjunktur zu. Neue Beschäftigung entstehe vor allem
bei unternehmensnahen Dienstleistern. Arbeitsminister Franz
Müntefering wertete die Arbeitslosenzahlen als Hinweis, dass es
eine Chance zur Wende am Arbeitsmarkt gebe.
"Die Konjunkturbelebung macht sich am Arbeitsmarkt positiv bemerkbar
und führt in Teilen der Wirtschaft endlich wieder zu
Beschäftigungsaufbau", sagte der Hauptgeschäftsführer des
Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben,
der Nachrichtenagentur Reuters. Die Politik forderte er auf, den
"konjunkturellen Schwung" für umfassende Strukturreformen zu
nutzen und so dafür zu sorgen, dass die Entspannung am Arbeitsmarkt
auch im nächsten Jahr anhalte.
Ein Rückgang der Arbeitslosigkeit ist im September üblich.
Dann setzt in der Regel die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt ein.
Nach Ende der Sommerferien stellen Unternehmen wieder mehr
Beschäftigte ein. Der Rückgang fiel in diesem Jahr aber
stärker aus als im Durchschnitt der Vorjahre. "Damit verlief die
Entwicklung bei der Arbeitslosigkeit weiter positiv", sagte Weise, der
bereits vorigen Monat von einer Trendwende gesprochen hatte. Die
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nehme seit sechs
Monaten zu, das Stellenangebot wachse.
Nach BA-Hochrechnungen gab es im Juli mit 26,28 Millionen voll
versicherungspflichtigen Jobs 194.000 mehr als ein Jahr zuvor. Das
Stellenangebot legte im September saisonbereinigt um 25.000 zu, wovon
14.000 auf ungeförderte Stellen entfielen. Die Zahl der
Erwerbstätigen, die auch Ein-Euro-Jobber erfasst, stieg
saisonbereinigt im August nach dem Inlandskonzept um 29.000.
Die BA senkte ihre Prognose für die Arbeitslosenzahl. Bisher habe
man im Jahresdurchschnitt mit 4,6 Millionen Arbeitslosen gerechnet,
sagte Alt. "Wir werden nach der guten Entwicklung nun etwas besser
herauskommen." Nunmehr würden 4,5 bis 4,6 Millionen Arbeitslose
erwartet. Alt zeigte sich skeptisch, dass sich der Arbeitsplatzaufbau
2007 fortsetzt. Die Wachstumsprognosen für 2007 hätten bei der
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach seinen Worten
wahrscheinlich einen Stillstand zur Folge. "Das wäre für den
Arbeitsmarkt nicht schön." Experten erwarten überwiegend,
dass sich die Wachstumsrate 2007 im Vergleich zum laufenden Jahr auf
etwa ein Prozent halbieren wird.
Die Kassen der BA sind weiter gut gefüllt. Ende des Monats betrug
das Plus 6,53 Milliarden Euro - rund 1,15 Milliarden Euro mehr als vor
einem Monat. Die BA blieb bei der Schätzung, dass zum Jahresende
ein Überschuss von bis zu 9,6 Milliarden Euro möglich sei.
BA-Chef Weise hatte jüngst auch ein Plus von mehr als zehn
Milliarden Euro nicht ausgeschlossen.
In der Regierungskoalition wird darüber gestritten, ob der
unerwartet hohe Überschuss genutzt werden soll, den Beitragssatz
zur Arbeitslosenversicherung 2007 über die geplanten 2,0
Prozentpunkte hinaus zu senken. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla
bekräftigte die Forderung nach einer Senkung um 2,5 Punkte: "Die
Union steht weiterhin für eine zusätzliche Absenkung (...) auf
vier Prozent."
DIHK-Hauptgeschäftsführer Wansleben verwies darauf, dass
über ein Viertel der registrierten Arbeitslosen älter als 50
Jahre sei. Er äußerte sich skeptisch über
Münteferings Initiative "50plus" für mehr Beschäftigung
Älterer. Stattdessen müsse die Politik zunächst
"sämtliche noch vorhandenen Frühruhestandsanreize
vollständig abbauen", forderte Wansleben. So dürfe die von der
großen Koalition verlängerte Regelung, wonach sich
Ältere nicht mehr für den Arbeitsmarkt verfügbar halten
müssen, nicht erst Ende 2007 auslaufen.
Dies würde allerdings die Arbeitslosenstatistik belasten: Derzeit
fallen etwa 260.000 Arbeitslose über 58 Jahren aus der Statistik
raus, weil sie von dieser Regelung Gebrauch machen.
(Quelle: rtr)
BenQ Mobile steht vor der Insolvenz - 3000 Mitarbeitern der ehemaligen
Siemens-Handysparte droht Entlassung
Fr.29.09.06 - Rund ein Jahr nach der Übernahme der Mobilfunksparte von Siemens
steht der Handyhersteller BenQ Mobile mit 3000 Mitarbeitern in
Deutschland vor dem Ende. Das Unternehmen werde in den kommenden Tagen
Insolvenz anmelden, nachdem der taiwanische Mutterkonzern den Geldhahn
zugedreht habe, teilte BenQ Mobile am Donnerstag in München mit.
Der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer sprach von einer
«Folge des eklatanten Versagens des Managements».
Auch am Firmensitz von BenQ Mobile in München war man
überrascht über die Entscheidung aus Taipeh nach einer
dortigen Sitzung des Aufsichtsrats. Damit habe niemand gerechnet, sagte
BenQ-Mobile-Sprecher Stefan Müller. «Wir haben damals ein
schweres Erbe angetreten, aber wir haben gekämpft«,
fügte er hinzu. Seit der Übernahme summierten sich die
Verluste den Angaben zufolge auf 840 Millionen Euro.
«Trotz erreichter Fortschritte beim Einsparen von Kosten und
Aufwendungen hat sich der Verlust ausgeweitet und diese sehr
schmerzliche Entscheidung unvermeidbar gemacht», sagte
BenQ-Präsident K.Y. Lee in Taipeh. Man sehe eine «sehr
geringe Chance», dass sich das Geschäft noch erholen werde.
Erst Ende August hatte BenQ das Erreichen der Gewinnzone der Ende 2005
von Siemens übernommenen defizitären Handysparte verschoben.
Statt noch in diesem Jahr würden wohl erst Mitte 2007 schwarze
Zahlen geschrieben, hieß es damals. Wesentlicher Grund seien
verspätete Produkteinführungen und Belastungen aufgrund der
Bereinigung des Portfolios von Produkten mit geringen
Ergebnisbeiträgen.
Wie es mit den Beschäftigten weiter geht, ist derzeit noch unklar.
»Die Insolvenz, die wir in den nächsten Tagen beantragen
werden, gilt vor allem für die deutschen Standorte, das
heißt für die Zentrale in München mit etwa 1400
Mitarbeitern und 1600 Mitarbeiter in Nordrhein-Westfalen«, sagte
Müller. Im Moment sei man im Dialog mit Betriebsräten und
Gewerkschaftsvertretern, um die «besten Möglichkeiten
auszuloten».
Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) hofft noch auf eine
Rettung der Handyproduktion in Bayern und betonte: «Es gibt gute
Beispiele von Unternehmen, die nach einer Insolvenz weiter
fortgeführt werden konnten und Boden gutgemacht haben. Darauf
hoffe ich auch in diesem Fall.» Die Hilfsmöglichkeiten
für die öffentliche Hand seien jedoch «relativ
begrenzt». «Ich kann nicht mit Geldscheinen winken»,
sagte der Minister.
Der bayerische IG-Metall-Chef Neugebauer betonte, beim Verkauf sei die
Führungsebene nahezu vollständig übernommen worden.
Vertreter der Beschäftigten hätten schon damals gewarnt, dass
mit unverändertem Management die alten Strukturen nicht verbessert
werden könnten. Er betonte: «Siemens ist und bleibt jetzt in
der moralischen Verantwortung!»
In Nordrhein-Westfalen, wo die Standorte Bocholt und Kamp-Lintfort
betroffen sind, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums, man
suche nun das Gespräch mit BenQ, um die Hintergründe für
die Entscheidung besser einschätzen zu können. Die SPD im
Düsseldorfer Landtag forderte die Landesregierung auf,
Möglichkeiten zu prüfen, um möglichst vielen
Beschäftigten an den Standorten eine Perspektive zu geben.
Die von einer Insolvenz bedrohten Mitarbeiter des Handyherstellers BenQ
Mobile erwägen unterdessen, mit Hilfe des Betriebsrates gegen
Siemens Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Ein Betriebsrat
von BenQ Mobile sagte der «Hannoverschen Allgemeinen
Zeitung» (Freitagausgabe) laut Vorabbericht, jeder der rund 3000
Beschäftigten bekomme am Freitag ein an die Siemens-Zentrale
adressiertes Schreiben in die Hand, mit dem er seine
individualrechtlichen Ansprüche geltend machen könne.
Die Mitarbeiter seien beim Verkauf der Handysparte an BenQ von der
Siemens AG arglistig getäuscht worden, sagte der Betriebsrat.
«Von vornherein waren beide Verhandlungspartner auf die
Entsorgung der deutschen Mitarbeiter aus, anstatt sich um die Sanierung
des Unternehmens zu kümmern», zitierte das Blatt aus dem
Schreiben des Betriebsrates an Siemens. Das belege die Aufsplittung der
Siemens-Handysparte in eine Management GmbH, in der die Abfindungen der
BenQ-Mobile-Chefmanager gesichert seien, in eine Asset GmbH, in der man
die Vermögenswerte der Siemens Handysparte wie Know how
gebündelt habe und in die von der Insolvenz bedrohte BenQ Mobile
GmbH & Co OHG, in der ausschließlich die zirka 3400 deutschen
Mitarbeiter zusammengefasst worden seien.
Das Kapital der BenQ Mobile habe 25 000 Euro betragen - zu wenig,
um die Gehälter der deutschen Angestellten für einen Tag zu
sichern, kritisierte der Betriebsrat. Beim Insolvenzverwalter sei
nichts zu holen. Dagegen habe BenQ Know-how im Wert von knapp einer
Milliarde Euro aus Deutschland abgezogen. Nach Ansicht des Betriebsrats
liege ein «vorsätzlicher gesellschaftsrechtlicher
Gestaltungsmissbrauch» vor: Die Arbeitnehmer seien vom Kapital
getrennt worden, damit sich die Arbeitgeber der arbeitsrechtlichen
Verpflichtungen und Insolvenzforderungen entledigen könnten. Der
Betriebsrat hoffe, dass sich Siemens zu einer Gesamtlösung, etwa
der Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft, bereitfinde,
statt sich mit 3000 Einzelforderungen auseinanderzusetzen.
(Quelle: ddp)
Nach Pleite der verkauften Handy-Sparte harte Kritik der
Betriebsräte:
'Siemens hat uns arglistig getäuscht'
Auch Politiker werfen Münchner Konzern vor, Insolvenz von BenQ in
Kauf genommen zu haben
Düsseldorf - Die Pleite der früheren Siemens-Handy-Sparte ist
offenbar nach Übernahme durch den taiwanesischen Konzern BenQ vor
einem Jahr systematisch vorbereitet worden. Gewerkschaftvertreter werfen
der Unternehmensführung vor, Know-how, Lizenzrechte und
Entwicklungspläne nach Asien verlagert zu haben.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers
sprach von einer "bodenlosen Sauerei". Auch Siemens wurde heftig
kritisiert. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte, es
dränge sich der Eindruck auf, "dass Siemens sich billig
arbeitsrechtlicher Verpflichtungen entledigen wollte".
Aus der Süddeutschen Zeitung vom 30.10.2006
Blick ins Archiv:
30.07.2003
Siemens ICM streicht 2.300 Stellen
Wegen anhaltender Marktschwäche sollen bis Ende des nächsten
Geschäftsjahres (zum 30. September) rund 2.300 Stellen
entfallen, davon 500 in Deutschland. (Quelle: futurezone)
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=175070&tmp=31419
09.08.2003
Siemens-ICM-Mitarbeiter wehren sich gegen Stellenabbau
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0308090.htm#030809_b
17.09.2003
Siemens-Chef für Samstagsarbeit ohne Zuschlag
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309170.htm#03091709
13.12.2003
Siemens zieht im Zuge der EU-Osterweiterung im großen Stil
Jobs nach Osteuropa ab
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312130.htm#03121317
22.12.2004
Siemens übertrifft dank Telekom-Sparten Gewinnprognosen
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401220.htm#04012218
17.02.2004
Siemens lagert Software-Entwicklung in Billiglohnländer aus
15.000 Programmier-Jobs in Westeuropa und den USA betroffen.
(Quelle: futurezone)
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=215492&tmp=53100
12.03.2004
An den Siemens-Standorten in Bocholt und Kamp-Lintfort sind Tausende
von Arbeitsplätzen bedroht
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403120.htm#04031210
23.03.2004
IG Metall befürchtet die Verlagerung von mehr als 10.000
Stellen bei Siemens ins Ausland
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403230.htm#04032320
04.04.2004
Siemens-Vorstandschef Pierer: Arbeitszeitverlängerung reicht nicht
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404040.htm#04040409
11.06.2004
Siemens strebt für weitere Mitarbeiter längere Arbeitszeiten
an
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/k0406110.htm#04061117
19.06.2004
Tausende demonstrierten gegen Stellenabbau bei Siemens
http://www.boa-muenchen.org/k0406190.htm#04061915
25.06.2004
Verlagerung von Arbeitsplätzen vom Tisch: IG Metall gesteht
Siemens Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich zu
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/k0406250.htm#04062517
28.06.2004
Wirtschaftsrechtler Heinz-J. Bontrup: Siemens
macht enorme Gewinne und nutzt Angst vor Arbeitslosigkeit aus
Bontrup: Wir haben Millionen Arbeitslose; sehr viel Arbeitszeit liegt brach - und
dann wird die Arbeitszeit ausgerechnet bei Siemens unbezahlt
verlängert. Das erinnert an Sklavenordnungen, wenn die Leute auf
etwa 30 Prozent ihres Gehalts verzichten. Nur damit die Gewinnquote des
Konzerns steigt...Es wurde nicht einmal eine langfristige
Beschäftigungsgarantie herausgehandelt. Offensichtlich sind die
Gewerkschaften sogar dazu zu schwach... (Quelle: taz)
http://www.taz.de/pt/2004/06/28/a0181.nf/text
02.07.2004
Siemens-Gesamtbetriebsratschef kritisiert Tarifeinigung:
Vereinbarung zur Arbeitszeitverlängerung bedeute
im Schnitt 12,5 Prozent Lohnsenkung...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/k0407020.htm#04070218
07.10.2004
Siemens ringt Belegschaft in Bruchsal Zugeständnisse ab
Rund 1100 Mitarbeiter am badischen Siemens-Standort Bruchsal haben
Gehaltseinschnitten zugestimmt und so zunächst eine Verlagerung
ihrer Arbeitsplätze ins Ausland verhindert...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0410070.htm#04100712
28.10.2004
Bei Siemens sollen angeblich weitere 1.000 Stellen gekappt werden
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0410280.htm#04102816
24.12.2004
Siemens-Chef: 2005 schmerzhafte Einschnitte nötig
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0412240.htm#04122411
09.01.2005
Siemens baut in München offenbar 1000 Stellen ab
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501090.htm#05010918
29.01.2005
Siemens macht weiter Gewinne und streicht rund 1.250 Stellen
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501290.htm#05012918
20.01.2005
Der neue Siemens-Chef Klaus Kleinfeld
Kompromissloser, schneller, globaler. Auf Rücksicht werden die
Siemens-Beschäftigten nicht hoffen können...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501290.htm#050129_
22.02.2005
Siemens SBS will in Deutschland 945 Stellen abbauen
IG Metall: Offenbar stehen besonders ältere, gut qualifizierte und
damit teure Mitarbeiter im Fokus des Arbeitgebers...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0502220.htm#05022217
08.06.2005
Dem Raum Nürnberg droht der Verlust von mehr als 2.500
Arbeitsplätzen
Nürnberger AEG-Werk droht Schließung. Siemens trennt sich
von Handysparte
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0506080.htm#05060822
12.09.2005
'Spiegel': Abbau von bis zu 10.000 Jobs bei Siemens befürchtet
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509120.htm#05091211
20.09.2005
Siemens baut in Deutschland Tausende Stellen ab
Der Münchener Technologiekonzern Siemens baut seine Problemsparten
um und streicht alleine bei seinem defizitären IT-Dienstleister SBS
im Inland 2400 Stellen...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509200.htm#05092012
30.04.2006:
Siemens streicht weitere tausend Stellen bei Kommunikationssparte
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0604300.htm#0604301
21.06.2006:
Siemens trennt sich von Netzwerksparte - Bis zu 15 Prozent der
Arbeitsplätze gefährdet
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0606210.htm#06062112
25.06.2006:
Siemens-Chef schließt weiteren Stellenabbau nicht aus
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0606250.htm#06062509
17.09.2006:
Siemens erhöht Vorstandsgehälter um 30
Prozent
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0609170.htm#06091715
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0609210.htm#06092113
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Kritik an den Plänen zur Gesundheitsreform hält an
Fr.29.09.06 - Die Spitzenverbände der Krankenkassen laufen Sturm gegen den von
der Koalition geplanten einheitlichen Dachverband der Kassen. Die sieben
Spitzenverbände erklärten am Donnerstag in Berlin in einer
gemeinsamen Mitteilung, dies sei ein «Versuch, über kurz
oder lang ein staatliches Gesundheitssystem aufzubauen».
Zwar hätten die Kassen in dem Dachverband formal ein
Mitspracherecht. Faktisch deute aber alles darauf hin, dass ein
dreiköpfiger Vorstand «an der kurzen Leine des
Gesundheitsministeriums entscheide, welche Leistungen der Ärzte und
Krankenhäuser wie bezahlt werden». Die Kassen hätten
damit auf rund 70 Prozent der ihnen zugewiesenen Mittel keinen Einfluss
mehr. Eine Zerschlagung der heutigen Strukturen brächte zudem
keinerlei Effizienzgewinn, sondern komme vielmehr den Versicherten und
Arbeitgebern «teuer zu stehen», warnen die sieben
Verbände.
(Quelle: ddp)
Gesundheitsreform-Verhandlungen ergebnislos vertagt
Fr.29.09.06 - Kein Durchbruch bei der Gesundheitsreform: Die Verhandlungen der
Experten von Union und SPD sind am späten Donnerstagabend nach
zwölf Stunden ohne greifbares Ergebnis vertagt worden. Die
Gespräche würden am Montag fortgesetzt, sagte der
CSU-Gesundheitsexperte Wolfgang Zöller. Bundeskanzlerin Angela
Merkel stellte unterdessen überraschend zusätzliche
Steuergelder für das Gesundheitswesen in Aussicht.
Wenn die staatlichen Einnahmen bis zum Jahresende weiter stiegen,
könnten die geplanten Kürzungen beim Bundeszuschuss
zurückgenommen und der befürchtete Beitragsanstieg vermieden
werden, sagte die CDU-Chefin im ZDF. Merkel zeigte sich sicher, dass
der Streit kommende Woche beigelegt werden kann. Für Mittwoch ist
eine Koalitionsrunde geplant. «Wir schaffen das», sagte die
Kanzlerin. Kommende Woche seien «noch einige Punkte zu
besprechen».
Zöller sagte nach den Verhandlungen am Donnerstag, man habe die
offenen Streitpunkte - die Reform des Finanzausgleichs der Kassen und
der privaten Krankenversicherung - durchgesprochen. Von jeder Seite,
Union und SPD, gebe es Vorschläge wie man zu einem Ergebnis kommen
könne. «Ich bin eigentlich sehr zuversichtlich, dass man am
Montag eine Lösung finden kann.»
Die SPD-Seite zeigte sich nicht ganz so zuversichtlich. Es wäre
ihr lieber gewesen, schon am Donnerstag eine Einigung zu erzielen,
sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Elke Ferner.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt wollte sich nicht
äußern.
Merkel und SPD-Chef Kurt Beck baten inzwischen offiziell den
Wirtschaftsweisen Bert Rürup und den früheren Kassenmanager
Eckart Fiedler um Rat zur umstrittenen Ein-Prozent-Regelung. Dabei geht
es darum, ob die künftige Zusatzprämie nach Gründung des
Gesundheitsfonds 2008 wie geplant auf ein Prozent des
Haushaltseinkommens begrenzt werden soll.
Merkel hatte vergangene Woche angekündigt, dass diese Frage auf
der Spitzenebene der Koalition geklärt werden solle. Die beiden
anderen wichtigen Knackpunkte - der Finanzausgleich und PKV-Reform -
sollten hingegen von der Fachgruppe unter Schmidts Leitung geklärt
werden.
Aus Unionskreisen hieß es während des Verhandlungstags
überraschend, man wolle auch in der Fachrunde über die
Ein-Prozent-Regelung debattieren und alle drei verbliebenen Probleme im
Paket lösen. Das lehne die SPD ab. Beim Finanzausgleich der Kassen
und bei der privaten Krankenversicherung sei man der SPD sehr weit
entgegen gekommen. Dann müsse man aber auch Kompromissbereitschaft
bei der Frage der Ein-Prozent-Regelung erwarten, die für die Union
ein «big point» sei.
Als Ausweg wurde genannt, dass man alle strittigen Fragen der
Koalitionsrunde am kommenden Mittwoch überlasse. Zöller sagte
zu Verhandlungsende, es sei denkbar dass man den Koalitionsspitzen zwei
alternative Einigungsvorschläge vorlege. Schmidt und er
würden an der Spitzenrunde am Mittwoch teilnehmen, sagte der
CSU-Politiker.
Zum Umbau der privaten Krankenversicherung hatte die Union am
Donnerstag neue Vorschläge vorgelegt. Die SPD bewertete sie
allerdings kritisch.
(Quelle: ap)
Deutsche zahlen europaweit mit am meisten für Energie und
Kraftstoff
Fr.29.09.06 - Die Deutschen haben im vergangenen Jahr europaweit mit am meisten
für Erdgas und Strom ausgegeben. Auch bei den Bruttopreisen
für Superbenzin und Diesel liegt Deutschland mit an der Spitze, wie
aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Statistischen Jahrbuch
2006 hervorgeht. Insgesamt haben die deutschen Privathaushalte 2005
mehr als 98 Milliarden Euro für Energie und Kraftstoffe
ausgegeben. Das entspricht 7,4 Prozent der Gesamtausgaben privater
Haushalte.
Auch auf Grund der hohen Steuersätze belegt Deutschland im
EU-Vergleich bei den Preisen für Strom, Erdgas und
Mineralölprodukten jeweils einen Platz unter den ersten Fünf.
«Energie hat sich seit Beginn dieses Jahrtausends drastisch
verteuert», sagte der Präsident des Statistischen
Bundesamtes, Johann Hahlen. Besonders für leichtes Heizöl
mussten Verbraucher in Deutschland erheblich mehr zahlen: Die Preise
stiegen zwischen Januar 2004 und August 2006 um 77 Prozent.
An den Tankstellen erhöhten sich im gleichen Zeitraum dem
Statistischen Bundesamt zufolge die Preise für Normal- und
Superbenzin um jeweils etwa 27 Prozent und für Dieselkraftstoff um
knapp 33 Prozent. Die seit Anfang 2004 stark steigenden Ölpreise
führten etwa ab Mitte des Jahres laut Statistik auch zu einem
massiven Anstieg der Erdgaspreise in Deutschland. Seitdem verteuerte
sich Erdgas für private Verbraucher um mehr als 31 Prozent.
Im Zeitraum 1991 bis 2005 sind die Energieausgaben der Privathaushalte
um 59 Prozent angewachsen. Das verfügbare Einkommen stieg aber nur
um 46 Prozent. «Die Ausgaben für Energie sind stärker,
sind überproportional gestiegen», fasste Hahlen die
Erkenntnisse zusammen. Für den privaten Konsum wurden im
vergangenen Jahr 18,1 Milliarden Euro mehr ausgegeben als im Vorjahr.
Mit 6,3 Milliarden Euro entfiel etwa ein Drittel dieser Mehrausgaben auf
Energie und Kraftstoffe.
Bedeutendster Energieträger in Deutschland ist die Kernenergie.
Sie hat einen Anteil von 26 Prozent an der Stromerzeugung. Allerdings
wurde 2005 im Vergleich zum Vorjahr wegen der Abschaltung des Kraftwerks
Obrigheim weniger Strom erzeugt. Stark im Kommen sind erneuerbare
Energien. Sie lieferten im vergangenen Jahr 10,2 Prozent des
Bruttostromverbrauchs. 1991 waren es erst 3,2 Prozent. Auch bei
sonstigen erneuerbaren und nicht-erneuerbaren Energien wie etwa Biomasse
oder Photovoltaik hat sich laut Hahlen eine ganze Menge getan. Sie
machten im Jahr 2005 insgesamt 5,2 Prozent der gesamten Stromerzeugung
aus.
Mit 28,8 Prozent sind die privaten Haushalte der größte
Energieverbraucher in Deutschland. Verkehr und Industrie folgten mit
28,7 Prozent beziehungsweise 26,8 Prozent auf dem zweiten und dritten
Platz. Den Grund dafür sieht das Statistische Bundesamt darin, dass
Privathaushalte vermehrt elektrische Geräte besitzen. Mit 24,4
Millionen Computern standen beispielsweise im vergangenen Jahr 8,1
Million mehr Geräte in deutschen Wohnungen als noch im Jahr 2000.
Auch besaß 2005 die Hälfte der Deutschen einen DVD-Player
oder -Rekorder. Im Jahr 2000 wurden für diese Geräte noch
keine Zahlen erhoben.
(Quelle: ap)
Schwierige Wegstrecke zum 'Deutschen Islam'
Fr.29.09.06 - Nach dem gelungenen Auftakt der ersten Islamkonferenz in Deutschland
lautet jetzt die Frage: Kommt es zu einem «Deutschen Islam»?
Alle Teilnehmer des Treffens am Mittwoch in Berlin und auch die
Debattenredner am Donnerstag im Bundestag waren sich einig: «Es
liegt noch eine schwierige Wegstrecke bis zu diesem Ziel vor
uns». Sowohl aus islamischen als auch aus deutschen
Expertenkreisen wurde am Donnerstag Kritik am Ergebnis der
Islamkonferenz geäußert: «Zu wenig Konkretes» sei
in den Diskussionen angestoßen worden, hieß es. Es zeichne
sich ab, «dass so weiter geredet wird wie bisher». Das
führe «zu keinem erfolgversprechenden Durchbruch im Dialog
der islamischen Mitbürger mit dem deutschen Staat», meinte
ein Parlamentarier.
Die Autorin Necla Kelek brachte es auf den Punkt: Die Bundesrepublik
habe es jahrelang den islamischen Organisationen überlassen, wie
der Islam in Deutschland gelebt werde. Dabei sei zu viel toleriert
worden, was der Integration der Muslime geschadet habe. Es habe sich in
Deutschland eine «Subkultur» entwickelt, die außerhalb
demokratischer Kontrolle liege.
Ein Unionspolitiker meinte, es sei auf der Konferenz den Muslimen nicht
klar gemacht worden, «dass sie im Grunde genommen eine Bringschuld
für die Deutschen haben». Den Muslimen hätte gesagt
werden müssen, dass sie «mit der jahrzehntelang geübten
Ausgrenzung Schluss machen und sich in unserem Staat einbringen
müssen, wenn sie mit allen Rechten und Pflichten bei uns leben
wollen».
Als ein «erhebliches Manko» wird von deutscher Seite
angesehen, dass die bei der Berliner Konferenz vertretenen muslimischen
Dachverbände nur zehn bis 15 Prozent der mehr als 3 Millionen in
Deutschland lebenden Muslime repräsentieren. Das «beinhaltet
ein beachtliches Risiko, weil die Muslime, besonders die Türken,
ein enges abgeschottetes Familienleben führen»,
erläuterte ein deutscher Islamforscher. Es bestehe die Gefahr, dass
Vereinbarungen, die zwischen deutschen Stellen und den islamischen
Verbänden getroffen würden, den überwiegenden, nicht
organisierten Teil der Muslime gar nicht erreichten.
Ob das von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ausgegebene
«Integrationsziel» unter diesen Vorzeichen erreicht werden
kann, wird von Beobachtern bezweifelt. Der Minister hatte erklärt:
«Wir wollen aufgeklärte Muslime in unserem aufgeklärten
Land». Am Ende der zweijährigen Beratungen solle eine
«Übereinkunft zwischen der Bundesrepublik und der
muslimischen Bevölkerung in Deutschland angestrebt werden, in der
sich beide Seiten zur Einhaltung gesellschafts- und religionspolitischer
Grundsätze verpflichten». Muslimische und deutsche Vertreter
äußerten gleichermaßen die Einschätzung, dass
auch eine «mentale Integration» angestrebt werden
müsse.
Die Geheimdienste messen dem Gesprächskreis «Sicherheit und
Islamismus», der in den nächsten zwei Jahren
regelmäßig tagen soll, «große Bedeutung»
bei. Hier müsse sich herausstellen, ob die «muslimischen
Mitbürger» sich wirklich gegen die drohende Gewalt durch
Islamisten stellen würden, betonte ein Verfassungsschützer. In
dem Gremium sollen Fragen der inneren Sicherheit, islamistische
Bestrebungen gegen die freiheitliche Grundordnung sowie die
Prävention und Aufdeckung islamistischer Gewalttaten erörtert
werden. Mit dieser Einrichtung könnten die Muslime «viel
Vertrauen für unsere Sicherheitsbehörden aufbauen»,
sagte der Geheimdienstler.
«Über allen unseren Bemühungen zum guten
Verhältnis mit den Muslimen zu kommen, schwebt ein großes
Fragezeichen», erklärte ein Mitglied der Bundesregierung.
(Quelle: ddp)