Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertdreiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Ende des Aufstands im Irak vor Abzug der USA unwahrscheinlich.
Regierung verhängt totale Ausgangssperre in Bagdad. Wieder sieben
gefesselte Leichen in Bagdad entdeckt. Angehörige von Richter in
Saddam-Hussein-Prozess erschossen. Britischer Exaußenminister
Straw: Lage im Irak ist schlimm
Sa.30.09.06 - Ein Ende des Aufstands im Irak vor einem Abzug der USA ist nach Ansicht
eines Kommandeurs eher unwahrscheinlich. Ein Aufstand sei etwas, was in
einer vorgegebenen Zeit nur sehr schwer niederzuschlagen sei,
erklärte Oberst Sean MacFarland am Freitag in einer Videokonferenz
mit Journalisten im Pentagon. Er befehligt die 1. Brigade der 1.
Panzerdivision, die in der Provinz Anbar kämpft, der Hochburg der
Aufständischen. «Wer weiß, wie lange das noch geht?
Aber, wenn es uns gelingt, die Gewalt bis zu einem Punkt
herunterzubringen, an dem die irakischen Sicherheitskräfte mehr
als in der Lage sind, um damit umzugehen, dann sind die Tage des
Aufstands vermutlich gezählt», sagte MacFarland. Der
Aufstand könne nur von den Irakern selbst beendet werden,
fügte er hinzu, diese würden als legitimer angesehen als die
amerikanischen Streitkräfte. MacFarland verwies darauf, dass die
Zahl der Angriffe auf die amerikanischen und irakischen
Streitkräfte von 20 am Tag auf 15 am Tag zurückgegangen sei.
Die irakische Regierung hat unterdessen eine totale Ausgangssperre
über Bagdad verhängt. Wie der britische Fernsehsender BBC
berichtete, gelte die Sicherheitsmaßnahme bis Sonntagmorgen
für Fußgänger und den Autoverkehr. Eine Begründung
wurde nicht genannt. In Bagdad kommt es ständig zu
Anschlägen.
Die Polizei in Bagdad hat erneut sieben gefesselte Leichen gefunden.
Die sechs Männer und eine Frau seien offenbar vor ihrem Tod
misshandelt worden, erklärten die Sicherheitskräfte am
Freitag. Erst am Donnerstag hatte die Polizei in der irakischen
Hauptstadt den Fund von 40 Leichen gemeldet, die Spuren von
Misshandlungen aufwiesen. Die Ermordungen werden Todesschwadronen
zugeschrieben. Die Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten hat nach
US-Militärangaben seit dem Beginn des Fastenmonats Ramadan in
dieser Woche zugenommen.
Der Schwager und Neffe des Vorsitzenden Richters im
Saddam-Hussein-Prozess sind nach Polizeiangaben am Freitag in Bagdad
erschossen worden. Die beiden seien in ihrem Wagen im Westen der
irakischen Hauptstadt angegriffen worden. Ob ein Zusammenhang der
Bluttat mit der Verwandtschaftsbeziehung zu Mohammed Oreibi al Chalifa
bestand, der kürzlich den Vorsitz im Prozess gegen Expräsident
Saddam Hussein übernommen hat, war unklar.
Der frühere britische Außenminister Jack Straw hat die Lage
im Irak als "schlimm" bezeichnet. Die US-Regierung habe nach dem
Einmarsch in das Land im März 2003 "viele Fehler" gemacht, sagte
Straw dem BBC-Fernsehen am Donnerstag. Das Versagen liege vor allem
darin, dass die Regierung in Washington nicht ihrem ehemaligen
Außenminister Colin Powell gefolgt sei. Das US-Außenamt habe
damals große Anstrengungen unternommen, um eine funktionierende
Zivilverwaltung im Irak aufzubauen.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 30.09.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertneunundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.30.09.05 - Mehr als 60 Tote bei Anschlagserie +++ Nachrichtenagentur Reuters und
Journalistenverband werfen US-Soldaten Behinderung von
Journalisten im Irak vor +++ Amerikanische Soldaten tauschen Leichen-Fotos
gegen Porno-Zugang...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0509300.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Deutscher Außenminister Steinmeier: Sicherheitslage in
Afghanistan schlechter
Sa.30.09.06 - Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat
eingeräumt, dass die Sicherheitslage in Afghanistan in den
vergangenen Monaten schlechter geworden ist. Es gebe "keinen Anlass, die
Lage schönzureden", sagte Steinmeier der "Welt". Am Donnerstag
hatte der Bundestag einer Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes
der Bundeswehr zugestimmt. Steinmeier sprach sich dafür aus, die
Bundeswehr im Norden des Landes zu belassen. Im deutschen Einsatzgebiet
hätten sich "die Lebensverhältnisse zum Besseren entwickelt".
Weiter sagte der Minister: "Diese Fortschritte weiter zu konsolidieren
bleibt eine große Herausforderung - deswegen wäre eine
regionale Verlagerung unseres Engagements kurzsichtig und falsch." Die
humanitäre Wiederaufbauleistung und militärisches Engagement
der Bundeswehr in Afghanistan hätten "international durchaus
Modellcharakter".
(Quelle: afp)
Amnesty wirft Pakistan Verletzung von Menschenrechten vor
Sa.30.09.06 - Amnesty International hat Pakistan am Freitag weitreichende
Menschenrechtsverletzungen im Kampf gegen den Terror vorgeworfen. In
einem Bericht kritisiert die in London ansässige
Menschenrechtsorganisation unter anderem willkürliche Festnahmen,
Isolationshaft und einen illegalen Transfer von Häftlingen in
andere Länder. Hunderte Terrorverdächtige seien an die USA
überstellt und dann auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram in
Afghanistan oder auf Guantanamo festgehalten worden. Betroffen seien
pakistanische und ausländische Verdächtige sowie Journalisten
und medizinisches Personal, das mutmaßliche Terrorverdächtige
behandelt habe, erklärte Amnesty. Die pakistanische Regierung
äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://web.amnesty.org/library/index/engasa330352006
Nahost-Konflikt
Israel behindert laut UN Ermittlungen zum Tod von UNIFIL-Soldaten.
Olmert hofft auf baldiges Treffen mit Abbas. Zwei Tote bei israelischem
Luftangriff im Gazastreifen. US-Außenministerin Rice startet neue
Nahost-Mission
Sa.30.09.06 - Israel hat nach UN-Angaben ein Aufklärung des tödlichen
Angriffs auf Soldaten der Friedenstruppe im Libanon (UNIFIL) bislang
verhindert. Es sei den UN-Ermittlern nicht gestattet worden, die
Offiziere zu befragen, die für diesen Einsatz während des
jüngsten Libanon-Feldzugs verantwortlich sein könnten,
erklärte UN-Sprecher Stephane Dujarric am Freitag in New York.
Dadurch sei es unmöglich, einen klärenden Abschlussbericht
vorzulegen.
Die vier unbewaffneten UNIFIL-Soldaten aus Österreich, Finnland,
Kanada und China kamen bei einem israelischen Luftangriff auf ihren
Beobachterposten in der Nacht vom 25. zum 26. Juli ums Leben. Nach
UN-Angaben wurden die israelischen Streitkräfte mehrfach darauf
hingewiesen, dass der rund 30 Jahre alte Posten unter Feuer stehe.
Israel erklärte später, es habe sich um einen «Fehler
auf der operativen Ebene» gehandelt.
Die UN-Ermittler wollten die Kommandeure auf dieser Ebene befragen, was
ihnen laut Dujarric jedoch nicht gestattet wurde. Deshalb bleibe
unklar, warum der Angriff trotz mehrfacher Hinweise seitens der UN
nicht eingestellt worden sei.
Der Meinungsaustausch zwischen Israelis und Palästinensern tritt
weiter auf der Stelle: Der israelische Ministerpräsident Ehud
Olmert will nach Möglichkeit schon in den kommenden Tagen mit dem
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas zusammentreffen,
diesem aber keine Friedensangebote unterbreiten. Er habe Abbas eine
persönliche Begegnung vorgeschlagen, sagte Olmert in am Donnerstag
ausgestrahlten Rundfunkinterviews. Von palästinensischer Seite
hieß es jedoch, es gebe noch keine Planungen für einen Gipfel.
Olmert erklärte, Gesten des guten Willens wie die Freilassung
palästinensischer Häftlinge seien erst möglich, wenn der
im Gazastreifen verschleppte israelische Soldat Gilad Schalit
freigelassen werde. Aus dem Umkreis von Abbas hieß es allerdings,
der Präsident sei nur dann an einem kurzfristigen Gipfel
interessiert, wenn auch noch andere Themen als dieser
Entführungsfall zur Sprache kämen. Der palästinensische
Abgeordnete Sajeb Erakat erklärte, eine Begegnung von Abbas und
Olmert müsse gut vorbereitet werden.
Olmert verteidigte in den Rundfunkinterviews abermals den fast
fünfwöchigen Feldzug im Libanon, mit dem die Regierung in
Jerusalem auf die Entführung zweier israelischer Soldaten durch die
schiitische Hisbollah-Miliz reagierte. Dieser Krieg, dem gut 150
Israelis und mehr als 850 Libanesen zum Opfer fielen, hat die
Beliebtheit Olmerts auf einen Tiefpunkt gebracht. Umfragen zufolge ist
nur noch ein Viertel der Israelis mit seiner Amtsführung zufrieden.
Unterdessen verzögerte sich der endgültige Abzug israelischer
Soldaten aus dem südlichen Libanon weiter, wie israelische
Militärbeamte mitteilten. Als Grund wurden Unstimmigkeiten
über die Stationierung von libanesischen und UN-Soldaten genannt,
unter anderem in einem bestimmten libanesischen Grenzdorf. Den Angaben
zufolge wird jedoch bis kommende Woche mit einer Lösung gerechnet.
In Beirut trafen am Donnerstag rund 170 spanische Soldaten ein. Sie
stellten eine weitere Verstärkung der UN-Friedenstruppe für
den Libanon (UNIFIL) dar. Etwa 600 Spanier sind bereits im
südlibanesischen Grenzgebiet stationiert, insgesamt hat die
Regierung in Madrid 1.100 Soldaten zugesagt.
Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen sind am Freitag zwei
Palästinenser getötet worden. Wie die Streitkräfte und
palästinensische Sicherheitskräfte erklärten, wurden die
beiden auf einem Feld in der Nähe von Beit Hanun getroffen, von dem
häufig Raketen auf Israel abgeschossen werden. Um internationale
Empörung zu vermeiden, will Israel laut einem Zeitungsbericht
vorerst auf die Tötung von Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah
verzichten. Die Pläne seien jedoch nicht vollständig
aufgegeben worden, schrieb die Zeitung «Maariv».
Während des letzten Kriegs gegen die Hisbollah hätten sich
die Streitkräfte um die Tötung Nasrallahs bemüht,
zitierte «Maariv» am Freitag israelische Sicherheitskreise.
Der Chef der schiitischen Miliz flüchtete in den Untergrund und
ließ lediglich über das libanesische Fernsehen
Erklärungen verbreiten. Erst am vergangenen Freitag wandte er sich
während einer Massendemonstration im Libanon wieder direkt an seine
Anhänger. Während der Veranstaltung am 22. September sei
über einen Angriff auf den Scheich nachgedacht worden, schrieb die
Zeitung. Dabei wären jedoch auch Dutzende unbeteiligte Zuschauer
getroffen worden.
Nach Kriegsende sprachen sich die Streitkräfte laut
«Maariv» dafür aus, die Versuche, Nasrallah zu
töten, auf Eis zu legen. Der Tod des Scheichs würde zu
internationaler Kritik an Israel führen und einen noch brutaleren
Krieg heraufbeschwören, hieß es demnach zur Begründung.
Die Regierung habe entschieden, dass ein Luftangriff gegen den
Hisbollah-Chef dieses Risiko nicht wert sei. Sie habe ihr Vorhaben
jedoch nicht gänzlich aufgegeben, schrieb das Blatt weiter.
US-Außenministerin Condoleezza Rice will Anfang kommender Woche
erneut in den Nahen Osten reisen, um die Chancen für neue
Friedensinitiativen auszuloten. Stationen der Reise sind Saudi-Arabien,
Ägypten, Israel und das Westjordanland, wie ihr Sprecher Sean
McCormack am Donnerstag in Washington mitteilte. Rice wird auch mit dem
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas zusammentreffen,
den US-Präsident George W. Bush in der vorigen Woche bei einer
Unterredung am Rande der UN-Vollversammlung in New York als einen Mann
des Friedens gewürdigt hatte.
(Quelle: ap)
Hisbollah sucht neue Strategie
Nach Kriegsende brechen die innenpolitischen Spannungen im
Libanon wieder auf... Mehr in der taz vom 29.09.06:
http://www.taz.de/pt/2006/09/29/a0130.1/text
Deutscher Bundestag verlängert Sudan-Mandat für Bundeswehr
Sa.30.09.06 - Mit überwältigender Mehrheit hat der Bundestag am Donnerstag
einer Verlängerung des Bundeswehr-Mandats für Sudan
zugestimmt. Das Mandat für eine deutsche Beteiligung an der
UN-Friedensmission (UNMIS) im Süden des Landes wurde allerdings im
Einklang mit den Vereinten Nationen lediglich um zwei Wochen
verlängert. Damit soll laut Verteidigungsminister Franz Josef Jung
Druck auf die sudanesische Regierung ausgeübt worden, eine
friedliche Entwicklung einzuleiten.
Für die Verlängerung des Mandats bis zum 8. Oktober stimmten
504 Abgeordnete, 48 votierten dagegen, und zwölf enthielten sich
der Stimme. Lediglich die Linksfraktion sprach sich gegen die Mission
aus. Ihr Abgeordneter Wolfgang Gehrcke kritisierte im Zusammenhang mit
Sudan eine Militarisierung der deutschen Außenpolitik.
Die SPD-Abgeordnete Brunhilde Irber mahnte: «Der Friedensprozess
muss fortgesetzt werden. Alles andere wäre eine Katastrophe.»
UNMIS sei ein wichtiges Element auf dem Weg zu einer politischen
Lösung. So lange damit das Leiden von Hunderttausenden gelindert
werde, so lange sei der Einsatz deutscher Soldaten im Süden
wertvoll. Die FDP-Abgeordnete Marina Schuster warnte, ein Abzug der
UNMIS zum jetzigen Zeitpunkt wäre fatal. Die
Grünen-Politikerin Kerstin Müller sagte, eine reine
Mandatsverlängerung reiche nicht aus. Ein massiver Ausbau ziviler
Hilfsprogramme im Südsudan sei unabdingbar.
Die Bundeswehr hat derzeit laut Jung 36 Militärbeobachter im Sudan
stationiert. Das Mandat setzt eine Obergrenze von 75. Ursprünglich
war eine Verlängerung um sechs Monate vorgesehen. Das Kabinett
hatte allerdings die Frist auf zwei Wochen verkürzt, nachdem auch
der Weltsicherheitsrat dies getan hatte. Die UN will damit die
sudanesische Regierung dazu drängen, einer Zusammenlegung der
UNMIS-Mission mit der bisherigen Mission der Afrikanischen Union in
West-Sudan zuzustimmen. Jung sagte, er wolle das Parlament künftig
nicht im Zwei-Wochen-Rhythmus mit dem Problem beschäftigen. Er gehe
in Zukunft von einer längerfristigen Regelung aus. Am Inhalt des
Mandats habe sich nichts geändert.
Danach kann die Bundeswehr bis zu 75 Soldaten, vornehmlich
Militärbeobachter und Personal für die Stäbe der Mission,
entsenden. Insgesamt besteht die UNMIS-Mission aus einer
militärischen Komponente von bis zu 10.000 Soldaten, davon maximal
750 Militärbeobachter. Zusätzlich gibt es eine zivile
Komponente, die etwa 700 Polizisten einschließt.
(Quelle: ap)
Kongo: Parteien um Staatspräsident Kabila mit Mehrheit im Parlament
Sa.30.09.06 - Eine Koalition von Parteien, die dem amtierenden kongolesischen
Staatspräsidenten Joseph Kabila nahe stehen, hat nach eigenen
Angaben eine Mehrheit im Parlament. Wie die Koalition am Donnerstag
mitteilte, hat sie nun 257 der 500 Sitze im Parlament. Das Parlament war
in der vergangenen Woche vereidigt worden, ohne dass sich zunächst
eine Mehrheit anzeichnete. Kabilas Partei stellt mit 111 Sitzen aber
die stärkste Fraktion. Die Koalitionsbildung zeigt auch, wie stark
die Unterstützung für Kabila ist. Dieser tritt Ende Oktober
in einer Stichwahl gegen Jean-Pierre Bemba an, dessen Partei im
Parlament 64 Sitze bekam.
(Quelle: ap)
Alle 15 Sekunden stirbt ein Kind an verschmutztem Wasser
Sa.30.09.06 - Trotz deutlicher Fortschritte bei der Trinkwasserversorgung in vielen
Ländern sterben jeden Tag noch immer tausende Kinder, weil sie
wegen verschmutzten Wassers Durchfall bekommen. Solche Krankheiten seien
der Grund für den Tod von jährlich 1,5 Millionen Kindern
unter fünf Jahren, heißt es in einem in Genf vorgestellten
Bericht des UN-Kinderhilfswerks UNICEF. Schätzungsweise die
Hälfte der jährlich rund 120 Millionen Neugeborenen in den
Entwicklungsländern kommen in Haushalten auf die Welt, in denen es
nicht einmal einfache sanitäre Anlagen gibt.
"Kinder zahlen einen hohen Preis für schmutziges Wasser", sagte
Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.
"Alle 15 Sekunden stirbt ein Kind, weil sauberes Wasser und einfachste
sanitäre Anlagen fehlen."
Zugleich stellte UNICEF deutliche Fortschritte für viele Menschen
fest. Seit 1990 hätten 1,2 Milliarden Menschen weltweit
verbesserten Zugang zu sauberem Wasser und einfachen sanitären
Anlagen erhalten. Doch vor allem in ländlichen Gebieten des
südlichen Afrika und Südasiens seien die Fortschritte gering,
heißt es in dem Bericht. Allein im ländlichen Indien leben
demnach 600 Millionen Menschen ohne jede Versorgung mit sanitären
Anlagen.
Am schlimmsten ist der Wasser- und Hygienenotstand laut UNICEF in
Afrika südlich der Sahara: Dort müssten 45 Prozent der
Bevölkerung ohne sauberes Trinkwasser auskommen. Gleichzeitig sei
hier die Kindersterblichkeit weltweit am höchsten. 20 Prozent der
Kinder in der Region stürben, bevor sie fünf Jahre alt werden
- viele von ihnen an Krankheiten, die sich durch bessere Hygiene und
sauberes Wasser vermeiden ließen.
In West- und Zentralafrika stieg die Zahl der Menschen, denen nicht
genügend sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht, seit 1990
sogar weiter an. Der Grund: Die Fortschritte bei der Wasserversorgung
seien so gering, dass sie nicht mit dem schnellen
Bevölkerungswachstum Schritt halten können.
(Quelle: afp)
Neuer japanischer Ministerpräsident fordert mehr Patriotismus - Abe kündigt Ende des Pazifismus an
Sa.30.09.06 - Der neue japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hat am Freitag in
der ersten Rede vor dem Parlament seit seiner Wahl die
angekündigten Ziele bekräftigt: So will er die
pazifististische Verfassung des Landes ändern, ein kollektives
Verteidigungsbündnis mit den USA aufbauen und in der
Außenpolitik eine deutlichere Rolle für Japan beanspruchen.
Dafür will Abe im Inneren «vornehme Tugenden» wie harte
Arbeit und Patriotismus neu beleben.
Der Nachfolger von Junichiro Koizumi forderte in seiner Rede eine weit
reichende Erneuerung der japanischen Gesellschaft, wobei er in seiner
Rhetorik an den Wahlkampf anknüpfte. Schon da trat Abe für ein
selbstbewusstes Japan an, dass die Schuld, die das Land mit dem Zweiten
Weltkrieg auf sich geladen hat, hinter sich lässt. So will er auch
das Schulsystem reformieren, damit dort wieder Patriotismus gelehrt
wird. Sorge bereitet den Nationalisten, dass immer mehr junge Japaner
nichts von der bisherigen Arbeitsethik halten und sich statt für
endlose Arbeitstunden in einer Firma für Teilzeitjobs entscheiden.
Zu den Nachbarn China und Südkorea will Abe eine vertrauensvolle
Basis der Zusammenarbeit aufbauen. Die beiden Staaten seien wichtige
Nachbarn für Japan, und gute Beziehungen zu ihnen seien von
großer Bedeutung für Asien und die internationale
Gemeinschaft. Das Verhältnis Südkoreas und Chinas zu Japan ist
vor allem wegen des japanischen Umgangs mit der Kriegsgeschichte
gespannt. Im Oktober will Abe zu einem Gipfeltreffen mit dem
südkoreanischen Präsidenten Roh Moo Hyun nach Seoul reisen.
(Quelle: ap)
Ex-General als Chef von Übergangsregierung in Thailand genannt
Sa.30.09.06 - Neuer Chef der Übergangsregierung in Thailand soll offenbar ein
früherer Heereskommandeur und enger Berater von König
Bhumibol werden. Die Militärmachthaber hätten sich für
den pensionierten General Surayud Chulanont entschieden, zitierte eine
Web-Site der Regierung am Freitag eine Mitarbeiterin der
Militärführung. Diese wies die Angaben auf Anfragen der
Nachrichtenagentur AP allerdings zurück.
«General Surayud ist der neue Ministerpräsident. Er ist die
geeignete Person», wurde Jaruvan Maintaka von der Web-Site des
Ministeriums für Öffentlichkeitsarbeit zitiert. Der AP sagte
Maintaka allerdings am Freitag, sie habe diese Aussagen nicht gemacht.
Etliche Zeitungen in Bangkok machten am Freitag mit der Meldung auf,
dass der 62 Jahre alte Surayud vermutlich neuer Regierungschef werde.
Seine offizielle Berufung wird für das Wochenende oder Montag
erwartet.
Bereits am Donnerstag hatten die Militärmachthaber die Einsetzung
einer Übergangsregierung binnen weniger Tage in Aussicht gestellt.
Der neue Regierungschef soll bis Oktober 2007 im Amt bleiben, wenn
Neuwahlen stattfinden sollen. Das Militär hatte am 19. September
in Bangkok die Macht übernommen, während sich
Ministerpräsident Thaksin Shinawatra bei der UN-Vollversammlung in
New York aufhielt. Gegen ihn wird wegen Korruption ermittelt.
Im Rahmen einer jährlichen Umstrukturierung auf Führungsebene
wurden unterdessen mehrere Offiziere, die Thaksin loyal
gegenüberstehen, von ihren Positionen entfernt. König
Bhumibol unterstütze diese Entscheidung, hieß es. Einer der
führenden Putschisten, General Winai Phattiyakul, werde zum
ständigen Sekretär im Verteidigungsministerium ernannt.
Winai verteidigte die Zensur ausländischer Medien und
erklärte, die Restriktionen würden in Kürze aufgehoben.
Ausländische Journalisten hätten nicht ausgewogen über
den Putsch in der vergangenen Woche berichtet und ausländische
Regierungen bei ihrer Bewertung der Ereignisse die komplexe Situation
in Thailand nicht berücksichtigt, kritisierte er weiter. Die
Militärführung habe mit einem auf Demokratie ausgerichteten
Putsch einen undemokratischen, korrupten Ministerpräsidenten
gestürzt.
(Quelle: ap)
Kolumbien: Präsident Uribe will FARC-Bedingung für
Geiselfreilassung erfüllen
Sa.30.09.06 - Beim Ringen um die Freilassung von Geiseln der FARC hat sich der
kolumbianische Präsident Alvaro Uribe zur Erfüllung einer
zentralen Forderung der linksgerichteten Rebellenorganisation bereit
erklärt. Die Regierung sei bereit, das Militär aus einer
strategisch wichtigen Gegend im Südwesten des Landes abzuziehen,
sagte Alvaro Leyva, Beauftragter des Präsidenten für die
Kontakte mit der FARC. Seit Jahren scheitern Verhandlungen über ein
Abkommen zur Geiselfreilassung vor allem an neuen Forderungen der
Rebellen. Unter den Geiseln der FARC ist auch die
französisch-kolumbianische Grünen-Politikerin Ingrid
Betancourt.
Die Region um die Gemeinden Florida und Pradera solle 45 Tage lang eine
"Zone der Begegnung" werden, sagte Leyva. Die Guerilla fordert seit
langem die Räumung der in einer Bergkette liegenden Gegend um die
Dörfer. Die rund 850 Quadratkilometer große Region stellt
einen wichtigen Nachschubweg für die FARC dar. Ende vergangenen
Jahres hatten bereits Frankreich, die Schweiz und Spanien die
Einrichtung einer entmilitarisierten Zone unter internationaler
Kontrolle vorgeschlagen. Die FARC hatte dies aber abgelehnt mit dem
Hinweis, die vorgeschlagene Region sei mit 180 Quadratkilometern zu
klein.
Kolumbiens Verteidigungsminister Juan Manual Santos sprach von einem
Zeichen des guten Willens der Regierung, um ein "humanitäres
Abkommen" mit der FARC zu erreichen. Bei einem Abkommen ginge es um die
von der FARC verlangte Freilassung von 500 ihrer Kämpfer aus
kolumbianischen Gefängnissen. Im Gegenzug sollen 58 Geiseln der
FARC freikommen. Betancourt war im Februar 2002 entführt worden,
als sie Kandidatin im kolumbianischen Präsidentschaftswahlkampf war.
(Quelle: afp)
NATO ruft Russland und Georgien zu Mäßigung auf
Sa.30.09.06 - Die NATO hat Russland und das prowestlich orientierte Georgien nach der
Verhaftung mehrerer russischer Offiziere in Tiflis vor einer Eskalation
der Krise gewarnt. NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer rief
bei einem Treffen mit Russlands Verteidigungsminister Sergej Iwanow in
Portoroz (Slowenien) am Freitag beide Seiten zu Mäßigung auf.
Iwanow beschuldigte die Kaukasusrepublik, ihre Konflikte in den von
Moskau unterstützten abtrünnigen Gebieten Abchasien und
Südossetien militärisch lösen zu wollen, um dann der
NATO beizutreten. In Tiflis begann das Gerichtsverfahren gegen die
unter Spionageverdacht stehenden Russen.
Iwanow sagte in Slowenien, «eine Gruppe jüngerer
NATO-Staaten» habe illegal Waffen aus früheren
Sowjetbeständen an Georgien geliefert. Dabei ließ er offen,
welche NATO-Länder gemeint seien. Die Gebiete Abchasien und
Südossetien äußern sich seit längerem beunruhigt
über eine Modernisierung der georgischen Streitkräfte. Zum
Missfallen Moskaus zeigt vor allem Polen eine demonstrative
Unterstützung für die ehemalige Sowjetrepublik Georgien.
In Tiflis hielt die georgische Polizei den Stab der russischen Truppen
weiter abgeriegelt, von dem aus die zwei Militärstützpunkte
Russlands in Georgien mit insgesamt 3000 Soldaten geführt werden.
In dem Gebäude hält sich ein weiterer unter Spionageverdacht
stehender russischer Offizier des Militärgeheimdienstes GRU auf.
Russland werde den Offizier nicht an die georgische Justiz ausliefern,
teilten Diplomaten mit. Aus Protest gegen die Verhaftungen vom Mittwoch
rief das russische Außenministerium seinen Botschafter in
Georgien zu Konsultationen nach Moskau. Auch mehr als 80 russische
Militärs, Diplomaten und Familienangehörige verließen
mit Sonderflügen Georgien.
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit begann am Freitag in Tiflis
das Strafverfahren gegen vier angeklagte russische Offiziere. Vor
Gericht stehen auch elf georgische Staatsbürger, die angeblich
für Spionagedienste angeworben worden waren. Die georgische
Regierung wirft den russischen Streitkräften im Land vor, die
Zusammenarbeit mit der NATO auszuspionieren und «gezielte
Provokationen» vorzubereiten. In Tiflis reagierte man gelassen
auf Sanktionsandrohungen aus Moskau. «Alle möglichen
Sanktionen gegen uns hat man längst erlassen», sagte
Verteidigungsminister Irakli Okruaschwili.
Bei dem NATO-Russland-Treffen in Slowenien rief De Hoop Scheffer
Russland und Georgien zu «Mäßigung und
Deeskalation» des Konflikts auf. Er sagte vor Journalisten:
«Aber das ist natürlich eine bilaterale Frage zwischen
Russland und Georgien, in der die NATO keine Rolle spielt.»
Deutschlands Verteidigungsminister Franz Josef Jung ergänzte,
«dass wir die aktuelle Situation mit Sorgen sehen und dass es
unser Ziel ist, zu einer friedlichen Entwicklung im Kaukasus
beizutragen». Die Gefahr eines militärischen Konfliktes sehe
er jedoch nicht: «Auch weil sowohl Russland als auch andere
Beteiligte deutlich gemacht haben, dass sie an einer friedlichen
Entwicklung interessiert sind.» Es sei aber gut, dass Moskau bis
2008 seine Soldaten aus Abchasien und Südossetien
zurückziehen werde, wo sie in Friedensmissionen eingesetzt sind.
Die NATO hatte erst am 21. September entschieden, Georgien einen
«intensivierten Dialog» anzubieten. Diese besondere Form
der Zusammenarbeit ist eine Vorstufe für einen späteren
Mitgliedsantrag. NATO-Diplomaten sagten aber, wegen der internen
Konflikte Georgiens und der Spannungen mit Russland stehe die von der
Regierung in Tiflis gewünschte NATO-Mitgliedschaft «derzeit
nicht zur Diskussion».
Der Weltsicherheitsrat wollte sich am Freitag von UN-Experten über
die Lage in Georgien unterrichten lassen. Russland hatte dem Rat am
Donnerstagabend (Orstzeit) bei kurzfristig einberufenen Beratungen
einen Entwurf für eine formale Stellungnahme des höchsten
UN-Gremiums zu dem Konflikt vorgelegt. In diesem Entwurf hieß es,
dass die Festnahme der fünf russischen Offiziere eine «nicht
akzeptable und gefährliche Provokation» darstellt und sich
Georgien aller Aktionen enthalten möge, die den Frieden in der
Region gefährden könnten.
Ob die russische Vorlage von den anderen 14 Ratsmitgliedern angenommen
und vom amtierenden Ratspräsidenten Adamantios Vassilakis verlesen
wird, war zunächst nicht abzusehen. Der russische UN- Botschafter
Witali Tschurkin sagte nach einer ersten Zusammenkunft des
höchsten UN-Gremiums am Abend, dass die Botschafter noch Weisung
aus ihren Hauptstädten erwarteten. Tschurkin hatte den Rat
zunächst aus russischer Sicht über den Konflikt informiert.
Er sprach von einem Höhepunkt «jüngster schwerwiegender
Provokationen durch georgische Behörden».
(Quelle: dpa)
Türkei deutet erstmals Kompromissbereitschaft im Zypern-Streit an
Sa.30.09.06 - Kurz vor dem Türkei-Besuchder deutschen Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) hat die Regierung in Ankara erstmals Kompromissbereitschaft
im Zypern-Streit mit der EU erkennen lassen. Bis zum Ende des Jahres
seien "einige Schritte" möglich, zitierten türkische
Zeitungen am Freitag den türkischen Verhandlungsführer bei
den EU-Beitrittsgesprächen, Wirtschaftsminister Ali Babacan. Die
Türkei sei offen "für neue Gedanken", sagte Babacan den
Meldungen zufolge bei einem Besuch in Italien. Einzelheiten nannte er
nicht. Einseitige Zugeständnisse der Türkei werde es
allerdings nicht geben. Am Freitag wollte Babacan in Helsinki
Gespräche mit der finnischen EU-Ratspräsidentschaft
führen.
(Quelle: afp)
Spanien sieht illegale Einwanderung als gemeinsames Problem der EU
Sa.30.09.06 - Die illegale Einwanderung von Afrikanern nach Spanien ist nach Ansicht
der Madrider Regierung ein Problem für die gesamte
Europäische Union. Es gehe hier nicht darum, die spanischen
Grenzen zu verteidigen, sondern die Außengrenzen der EU, betonte
Außenminister Miguel Angel Moratinos am Freitag bei einer
EU-Konferenz zu Einwanderungsfragen in Madrid. Der französische
Innenminister Nicolas Sarkozy warf Spanien vor, mit seiner Amnestie
für Flüchtlinge der gemeinsamen Sache geschadet zu haben.
Auf der Konferenz berieten die Außen- und Innenminister der acht
im Mittelmeerraum gelegenen EU-Staaten über Möglichkeiten,
dem Flüchtlingsstrom aus Afrika Einhalt zu gebieten. Allein vor
den Kanarischen Inseln sind in diesem Jahr bereits mehr als 24.000
Einwanderungswillige aufgegriffen worden - fast fünf Mal so viele
wie im gesamten Jahr 2005. Italien hat vor Sizilien die Ankunft von gut
12.000 Flüchtlingen registriert.
Sarkozy erklärte, es sei ein großer Fehler gewesen, dass
Spanien im vergangenen Jahr rund 600.000 illegal Eingereisten eine
Amnestie erteilt habe. Dies habe Nachahmer ermutigt. Der konservative
französischen Politiker wollte den Konferenzteilnehmern einen
Vorschlag für eine gemeinsame europäische Richtlinien zur
Aufnahme von Einwanderern vorlegen. Sie soll dafür sorgen, dass
Neuankömmlinge in allen Ländern der EU nach den gleichen
Regeln behandelt würden.
(Quelle: ap)
87 Flüchtlinge in Lagerhaus in der Nähe von Athen entdeckt
Sa.30.09.06 - Die griechische Polizei hat am Donnerstag 87 Flüchtlinge aus
Bangladesch und Pakistan in einem Lagerhaus 30 Kilometer westlich von
Athen entdeckt, die von Schleusern gefangengehalten wurden. Die
Flüchtlinge, die vor einer Woche über die türkische
Grenze gebracht worden waren, hatten nur wenig Brot und Wasser, wie die
Polizei mitteilte. Die Polizei nahm sechs verdächtige Schleuser
fest, nach dem siebten werde noch gefahndet. Das Lagerhaus gehörte
einem der Festgenommenen. Die Flüchtlinge wurden demnach erpresst,
die Kosten für die Überfahrt zwischen 3000 Euro und 10.500
Euro zu bezahlen.
(Quelle: afp)
Deutsche Bischöfe mahnen Vertreter des Islam zu Zurückhaltung
Sa.30.09.06 - In einem eindringlichen Appell hat die Deutsche Bischofskonferenz die
Repräsentanten des Islams aufgefordert, einer weiteren
Verschärfung der Situation nach den Papst-Äußerungen von
Regensburg entgegenzuwirken. In einer am Freitag in Fulda einstimmig
beschlossenen Erklärung verlangten die 71 deutschen Oberhirten
nicht nur eine Befriedung der Situation, sondern auch ein klares
Engagement der maßgebenden Muslime gegen religiös motivierte
Gewaltakte und für Religionsfreiheit auch in islamischen
Ländern.
In ihrer Erklärung zeigten sich die Bischöfe dankbar, dass
Benedikt XVI. ohne Zögern den Sinn seiner Rede klargestellt und
allen Missverständnissen den Boden entzogen habe. Zu den
papstkritischen Äußerungen aus der islamischen Welt
heißt es jedoch auch, dass sich die Katholische Kirche nicht
einschüchtern lasse. Von den Repräsentanten des Islam
müsse erwartet werden, dass sie «jeder religiösen
Legitimation von Gewalt und jeder Instrumentalisierung der Religion
für politische Zwecke unmissverständlich
entgegentreten». In diesem Zusammenhang wiesen die Bischöfe
auf die grundgesetzlich gesicherte Religionsfreiheit der Muslime in
Deutschland hin und äußerten ihre Erwartung, dass dieses
unveräußerliche Menschenrecht auch in den islamischen
Ländern ohne Abstriche geachtet werde.
Zum Aspekt Meinungsfreiheit und Religion erklärte die
Bischofskonferenz, zwischen dem Recht auf Kunst und Meinungsfreiheit
sowie dem Recht auf Achtung religiöser Überzeugungen bestehe
eine zerbrechliche Balance. Mit Sorge sehe man, dass sich, nicht nur in
Deutschland, die Angst vor religiös motivierter Gewalt ausweite und
zur Einschränkung der Meinungsfreiheit führe. «Solchen
Tendenzen treten wir entschieden entgegen», heißt es in der
Erklärung.
(Quelle: ap)
Bundestag beschließt Elterngeld
Sa.30.09.06 - Mit dem Ja zum Elterngeld hat der Bundestag den Weg zu einem
grundlegenden Wechsel in der Familienförderung freigemacht. Die
große Koalition stimmte am Freitag für das neue Elterngeld
als Lohnersatzleistung nach der Geburt eines Kindes.
Die Regierung hofft, damit die Geburtenrate zu verbessern. FDP,
Linksfraktion und Grüne votierten vor allem wegen fehlender
Anschlussangebote zur Betreuung von Kleinkindern dagegen.
Das Gesetz muss noch den Bundesrat passieren. Die Länder haben
bereits Zustimmung signalisiert. Bundesfamilienministerin Ursula von der
Leyen (CDU) sprach von einer «historischen» Entscheidung:
«Das Elterngeld schafft Zeit für die Eltern mit ihren
Kindern und Zeit für die Kinder mit ihren Eltern.»
Das Elterngeld löst das bisherige Erziehungsgeld ab.
Berufstätige Mütter oder Väter erhalten vom 1. Januar
2007 an 67 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens - maximal 1800 Euro -,
wenn sie für ein Jahr ihr Kleinkind zu Hause betreuen. Ein
zusätzlicher Bonus von zwei Monaten soll vor allem Väter
locken, für die Kinderbetreuung auch eine Zeit lang im Beruf zu
pausieren. Diese «Vätermonate» waren in der Koalition
zunächst heftig umstritten.
Wer kein oder nur ein geringes Einkommen hat, erhält nach den
neuen Bestimmungen mindestens 300 Euro, die nicht mit anderen
Sozialleistungen verrechnet werden. Die Koalition hatte sich zuletzt
noch auf einen Geschwisterbonus verständigt, der bei mehreren
Kleinkindern in der Familie das Elterngeld um 10 Prozent erhöht.
Von der Leyen sagte: «Das Elterngeld ist der erste wichtige
Baustein einer Familienpolitik, die sich am Lebenslauf
orientiert.» Sie verwies darauf, dass zwei von drei jungen Frauen
Kinder und Beruf verbinden wollten. Zwei von drei jungen Männern
«wollen mehr Erzieher als nur Ernährer ihre Kinder
sein». Das Elterngeld trage dem Rechnung.
Vehement verteidigte von der Leyen die so genannten
«Vätermonate», die vor allem in der Union umstritten
waren. Mit den «Partnermonaten» bekämen Väter das
erste Mal «eine ehrliche Chance», sich für ihre
«unersetzliche Rolle» Zeit zu nehmen. Die Väter
bekämen jetzt den Spielraum, «diese Grenzerfahrung zu machen,
sich Tag und Nacht um ihr Kind zu kümmern».
Die FDP lehnte das Elterngeld-Gesetz «wegen vieler
Konstruktionsfehler» ab. «Was nützt ein Jahr
Elterngeld, wenn anschließend Krippenplätze und
Tagesmütter fehlen», sagte Ina Lenke. Der
Linksfraktion-Vertreter Jörn Wunderlich rechnet damit, dass das
Elterngeld die Kinderarmut in Deutschland verschärfen wird. Es
benachteilige Eltern mit geringem oder gar keinem Einkommen. Krista
Sager von den Grünen forderte einen Rechtsanspruch auf
Kinderbetreuung vom ersten Lebensjahr an. Das Elterngeld werde wegen
fehlender Betreuungsmöglichkeiten «ein Riesenflop»
werden.
(Quelle: dpa)
Hintergrund: Die Regelungen für das Elterngeld
Ein Überblick über das Modell des Elterngeldes:
ELTERNGELD: Elterngeld gibt es für Kinder, die ab dem 1. Januar
2007 geboren werden. Es wird im Kernzeitraum zwölf Monate gezahlt.
Zwei zusätzliche Partnermonate kommen hinzu, wenn sich auch der
jeweils andere Partner Zeit für das Kind nimmt und seine
Erwerbstätigkeit reduziert oder aussetzt. 67 Prozent des
früheren monatlichen Netteinkommens werden ersetzt. Für das
Elterngeld gilt aber eine Obergrenze von 1800 Euro monatlich, mindestens
300 Euro werden gezahlt. Das Elterngeld ist bei gleichem Budget dehnbar
auf die doppelte Anzahl der Monate. Es löst das Erziehungsgeld ab.
Maßgeblich für die Berechnung ist das durchschnittliche
Nettoeinkommen in den letzten zwölf Monaten vor der Geburt.
Mutterschutzfristen und Zeiten mit Elterngeldbezug bleiben ausgespart.
Väter und Mütter, die zwar zur Kinderbetreuung ihre
Berufstätigkeit reduzieren, aber mehr als 30 Stunden pro Woche
arbeiten, haben keinen Anspruch. Das Elterngeld ist für die
Einkommenssteuer progressionsrelevant, das heißt, dass es zum
Einkommen hinzugerechnet wird und die Höhe des Steuersatzes
bestimmt. Selbst wird es nicht versteuert.
PARTNERMONATE: Ein Elternteil kann maximal für zwölf Monate
Elterngeld erhalten. Zwei Partnermonate kommen hinzu, wenn der andere
Elternteil - in der Regel der Vater - in dieser Zeit die Kinderbetreuung
übernimmt und dazu seine Erwerbstätigkeit einschränkt
oder unterbricht. Die 14 Monate können zwischen Vater und Mutter
frei aufgeteilt werden. Ob sieben Monate von den Eltern gemeinsam oder
hintereinander genommen werden oder die Zeit anders aufgeteilt wird,
bleibt den Eltern überlassen.
MINDESTBETRAG: Wer kein Erwerbseinkommen hat wie Arbeitslose oder
Hausfrauen, erhält einen Mindestbetrag von 300 Euro im Monat.
Dieser Betrag wird nicht als Einkommen auf andere Sozialleistungen oder
Wohngeld angerechnet.
GERINGVERDIENERZUSCHLAG: Für Geringverdiener gibt es ein
erhöhtes Elterngeld. Liegt das zugrunde liegende Nettoeinkommen
unter 1000 Euro monatlich, kann der übliche Einkommensersatz von 67
Prozent auf bis 100 Prozent des Nettoeinkommens wachsen.
ALLEINERZIEHENDE: Weil allein Erziehende die Erziehung des Kindes ohne
Partner bewältigen, können Sie die zwei Partnermonate
zusätzlich zu ihren zwölf Monaten in Anspruch nehmen, wenn sie
in dieser Zeit ihre Erwerbstätigkeit reduzieren und das alleinige
Sorgerecht oder das Aufenthaltsbestimmungsrecht für das Kind haben.
GESCHWISTERBONUS: Wird ein zweites Kind innerhalb von 36 Monaten nach
der Geburt des ersten Kindes geboren, werden zusätzlich zum
Elterngeld zehn Prozent des Betrages, mindestens aber 75 Euro, mehr
gezahlt. Der Aufschlag wird gezahlt, bis das ältere Kind 36 Monate
alt ist oder, bei zwei älteren Geschwistern, bis das älteste
Kind sechs Jahre alt ist.
Quelle: afp, 29.09.2006
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Bundesverfassungsgericht stärkt Rechte ausländischer Eltern
Sa.30.09.06 - Das Bundesverfassungsgericht hat die Rechte ausländischer Eltern
gestärkt, die ihr Kind in Deutschland medizinisch behandeln lassen.
Mit dem am Freitag veröffentlichten Beschluss hatte die
Verfassungsbeschwerde eines afghanischen Vaters Erfolg, der seine 1999
in Deutschland operierte Tochter wieder zurückholen will.
Die Richter beanstandeten unter anderem, dass die Lebenssituation der
leiblichen Eltern nicht aufgeklärt worden sei. Es sei auch nicht
berücksichtigt worden, dass das zwischenzeitlich 14-jährige
Mädchen mit Erreichen der Volljährigkeit in Deutschland kein
gesichertes Bleiberecht mehr habe.
Der Fall muss vom Oberlandesgericht Hamm neu geprüft werden. Das
1992 geborene Mädchen war 1999 von einer ärztlichen
Vereinigung mit Einverständnis der Eltern nach Deutschland gebracht
worden. Es wurde am Bein operiert. Danach lebte das Kind bei deutschen
Gasteltern. Auf ihren Antrag ordnete das Oberlandesgericht Hamm im
Dezember 2003 an, dass das Mädchen bis Ende 2006 in der
Gastfamilie verbleibt. Nach Sachverständigen-Gutachten würde
die Rückführung zu den leiblichen Eltern das Kind in eine
gefährliche Belastungssituation bringen.
Der etwa eine Tagesreise von Kabul lebende Vater hatte sich immer
wieder nach dem Verbleib des Kindes erkundigt. Die Eltern waren auch
nach Deutschland gereist, in dem Gerichtsverfahren aber nicht anwaltlich
vertreten.
Das Verfahren um den Verbleib des Mädchens ist rechtlich noch
nicht abgeschlossen. Dennoch hatte die Verfassungsbeschwerde des
afghanischen Vaters Erfolg. Die Kammer des Ersten Senates führte
aus, im Ausland lebende Eltern würden möglicherweise ihre
Kinder seltener zur Behandlung nach Deutschland einreisen lassen, wenn
sie befürchten müssten, dass ihnen trotz verantwortungsvollen
Verhaltens das Kind entzogen werde.
Das Gericht habe die Bedeutung des Elternrechts verkannt, hieß es
zur Begründung. Die Gastfamilie habe nicht den rechtlichen Status
von Pflegeeltern. Außerdem sei im Gutachten die
Eltern-Kind-Bindung nicht verlässlich festgestellt worden. Das sei
bei der neuen Entscheidung zu beachten. (Aktenzeichen:
Bundesverfassungsgericht 1 BvR 476/04)
(Quelle: ap)
Wowereit setzt in Berlin weiter auf Koalition mit der Linkspartei - SPD
in Mecklenburg will Koalitionsverhandlungen mit CDU
Sa.30.09.06 - Bei der Regierungsbildung in Berlin will der Regierende
Bürgermeister Klaus Wowereit seine Koalition mit der Linkspartei
fortsetzen. Den Grünen erteilte er eine Absage. Wowereit nannte
als Begründung für die Entscheidung inhaltliche Fragen, aber
auch die bisherige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Linkspartei.
Die Koalitionsverhandlungen beginnen am Mittwoch. Die SPD in
Mecklenburg-Vorpommern wird die rot-rote Koalition dagegen nicht
fortsetzen und mit der CDU über eine Koalition verhandeln.
(Quelle: dpa)
Durchbruch bei VW-Sanierungsgesprächen - Tarifparteien
präsentieren Lösungspaket mit breitem Stundenkorridor
Sa.30.09.06 - Der Autokonzern Volkswagen sieht sich nach dem Durchbruch in den
Sanierungsgesprächen auf gutem Weg zu mehr
Wettbewerbsfähigkeit. Die Übereinkunft mit der IG Metall
garantiere eine sehr gute Flexibilität und habe zugleich das
Potenzial für eine hohe Kosteneinsparung, sagte VW-Personalvorstand
Horst Neumann am Freitag in Hannover nach Abschluss der Verhandlungen.
Dabei hatten sich die Tarifpartner auf Eckpunkte eines
Lösungspakets verständigt.
Diese sehen im Kern verbindliche Produktionszusagen zur
Beschäftigungssicherung für die sechs westdeutschen
VW-Standorte vor. Zudem werde es einen Arbeitnehmerbeitrag geben. Dabei
handle es sich um einen flexiblen Arbeitszeitkorridor von 25 bis 33
Stunden, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine.
Für die Arbeitszeiten in diesem Korridor werde das bisherige
Monatseinkommen gezahlt. Bei Bedarf werde die 34. und 35. Stunde wie
bisher als Mehrarbeit vergütet. Für die Möglichkeit, im
Rahmen des Korridors bis zu 33 Stunden zu arbeiten, würden zwei
Regelungen vereinbart, die eine Teillohnausgleich darstellten, sagte
Meine. Dazu gehöre ein Rentenbaustein in Höhe von rund 6300
Euro pro Beschäftigten sowie eine zusätzliche
Erfolgsbeteiligung. Grundlage dafür sei das Ergebnis der Marke
Volkswagen.
Meine betonte, die Übereinkunft sichere die Beschäftigung bis
über 2011 hinaus. Er sprach von einem Kompromiss, der «sicher
kein Anlass zum Jubeln» sei, aber von den VW-Beschäftigten
im Interesse ihrer Arbeitsplätze sicher akzeptiert werde.
Die Übereinkunft könnte ab 1. November greifen, wenn zuvor
die Eckpunke in ein ausformuliertes Verhandlungsergebnis umgesetzt
werden. Das solle in der nächsten Woche geschehen.
Meine betonte, für jedes der Werke sei eine separate
Übereinkunft getroffen worden. So würden der neue Golf und ein
zusätzliches Modell im Wolfsburger Stammwerk gefertigt. Die
Kapazitäten für 460 000 Fahrzeuge würde voll ausgelastet.
Die Gießerei in Hannover werde zu einem Kompetenzzentrum
umgebaut. Damit würden 700 Arbeitsplätze für
qualifizierte Beschäftigte langfristig abgesichert.
Personalvorstand Neumann erinnerte an den «großen
Nachholbedarf» bei den Arbeitskosten. Mit dem Verhandlungsergebnis
habe man hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit einen «guten
Schritt nach vorn» gemacht, ohne dass die Mitarbeiter bei ihrem
Einkommen Geld verlören. Mit dem breiten Stundenkorridor
könne auf Marktschwankungen besser reagiert werden und das ohne
wesentliche Änderungen bei den Arbeitskosten.
Meine verwies zudem darauf, dass in der Vereinbarung die Zahl der
Ausbildungsplätze von 1250 pro Jahr erstmals tarifvertraglich
festgeschrieben worden sei. Die geltende Übernahmeregelung bleibe
unverändert bestehen. Neumann fügte hinzu: «Auch in
schwierigen Zeiten investieren wir weiterhin in die Zukunft.»
Verhandlungsziel des Unternehmens war es ursprünglich, mit einer
Anhebung der Wochenarbeitszeit von derzeit 28,8 auf 35 Stunden ohne
Lohnausgleich die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die
Arbeitnehmerseite hatte eine Arbeitszeitverlängerung ohne
Lohnausgleich strikt abgelehnt.
(Quelle: ddp)
Anwalt - Hinweise auf Terrorzelle hinter Bahn-Kofferbombern
Sa.30.09.06 - Der Anwalt des mutmaßlichen Kofferbombers Dschihad Hamad, Fawaz
Zakaria, sieht seinen Mandanten allenfalls als "letzes Glied" in einer
"Kette des Terrors". Er habe "detaillierte Informationen über eine
Terrorzelle, die größer ist, viel größer", als
bisher angenommen, sagte Zakaria dem Kölner Stadt-Anzeiger". Seine
"brisanten Informationen" seien "vor allem für die deutschen
Ermittler von Nutzen", fügte Zakaria mit Blick auf die
fehlgeschlagenen Anschläge auf Züge der Deutschen Bahn am 31.
Juli hinzu. Nähere Angaben zu seinen Informationen machte der
Anwalt nicht.
Der 20 Jahre alte Libanese Hamad wurde im August von den libanesischen
Behörden in seiner Heimat festgenmommen. Er wohnte zuletzt in
Köln, hatte sich aber im Zuge der Fahnung nach den Attentätern
vom 31. Juli abgesetzt.
(Quelle: afp)
Geldstrafe wegen Verkaufs von Anti-Nazi-Symbolen
Sa.30.09.06 - Wegen des Vertriebs von Anti-Nazi-Symbolen ist am Freitag ein
Versandhändler zu einer Geldstrafe in Höhe von 3.600 Euro
verurteilt worden. Das Landgericht Stuttgart legte dem 32-Jährigen
die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zur
Last. Richter Wolfgang Küllmer sagte, das Urteil sei eine Etappe
zur höchstrichterlichen Entscheidung des Sachverhalts. Die
Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe in Höhe von 6.000 Euro
beantragt. Die Verteidigung hatte keinen konkreten Strafantrag gestellt.
In dem Prozess ging es um die Frage, inwieweit das öffentliche
Verwenden und Verbreiten eines etwa nach Art eines Halteverbotschildes
durchgestrichenen Hakenkreuzes strafbar ist. Der
Geschäftsführer des Versandhandels Nix Gut, Jürgen Kamm,
hatte erklärt, jeder sollte gegen die Rechtsextremisten Stellung
beziehen können. Die Anklage legte Kamm zur Last, in großem
Umfang Aufnäher, Anstecker, Aufkleber, T-Shirts und andere
Gegenstände, auf denen Hakenkreuze und andere
nationalsozialistische Symbole in verschiedenen Anti-Darstellungen zu
sehen sind, im In- und Ausland vertrieben zu haben.
Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Es herrscht eine
unklare Rechtslage. Deshalb hatten beide Seiten angekündigt, durch
die Instanzen gehen zu wollen. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth
und der SPD-Politiker Nils Annen hatten sich bei der Stuttgarter
Staatsanwaltschaft selbst angezeigt, weil sie entsprechende Symbole auf
T-Shirts und Buttons getragen hatten. Gegen sie wird nach Angaben der
Staatsanwaltschaft noch ermittelt. Ein Abschluss des Verfahrens sei noch
nicht in Sicht, sagte Behördensprecherin Tomke Beddies.
(Quelle: ap)
Grüne fordern Änderung des Strafgesetzbuches wegen
Hakenkreuz-Urteil
Sa.30.09.06 - Nach dem umstrittenen Stuttgarter Hakenkreuz-Urteil haben die
Grünen eine Änderung des Strafgesetzbuches gefordert.
Parteichefin Claudia Roth sagte der «Netzeitung», der
Gesetzgeber solle überlegen, ob er eine Klarstellung ins
Strafgesetzbuch aufnehme. Die Verwendung eines durchgestrichenen
Hakenkreuzes stelle keine Unterstützung der Nazi-Ideologie dar und
müsse erlaubt sein. Wenn klar sei, wie die nächste
gerichtliche Instanz entschieden habe, sollte der Gesetzgeber
schleunigst für Klarheit sorgen, fügte sie hinzu.
Das Stuttgarter Landgericht hatte am Freitag einen Versandhändler
zu einer Geldstrafe verurteilt, der Anti-Nazi-Symbole, etwa
durchgestrichene Hakenkreuze, vertrieben hatte.
(Quelle: ap)
Kultusminister planen Identitäts-Nummer für jeden Schüler
Sa.30.09.06 - Jeder Schüler in Deutschland soll künftig nach Planungen der
Kultusministerkonferenz eine eigene Identitäts- Nummer erhalten,
die er auch bei Schul- und Wohnortwechsel behält. Damit wolle die
KMK bessere Daten über Schullaufbahnen der jungen Menschen erhalten
und ein «nationales Bildungsregister» aufbauen, berichtet
die Mitteldeutsche Zeitung. Entsprechende Überlegungen wurden der
Nachrichtenagentur dpa aus KMK-Kreisen bestätigt. In einigen
Ländern haben allerdings die Datenschutzbeauftragten bereits
erhebliche Einwände erhoben.
Das Vorhaben trifft auch bei bei den Lehrerverbänden und
Politikern auf scharfe Kritik. «Das ist der Einstieg in die
Orwellsche Big-Brother-Schule», erklärte am Freitag der
Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, Die GEW
erklärte: «Schüler brauchen keine Hundemarken.»
Kritik kam zudem von der FDP und Linkspartei.PDS.
Die KMK will zu Planungszwecken und zum internationalen Vergleich ein
Bildungsregister mit Individualdaten aller Schüler aufbauen. Jeder
Schüler soll nach diesen Plänen, die 2008 umgesetzt sein
sollen, eine ID bekommen. Gespeichert werden sollen unter anderem
Angaben zum Herkunftsland der Schüler, zur zuhause gesprochen
Sprache und zu Schulproblemen. Die KMK gibt bisher keine Auskunft zu dem
schon vor Jahren beschlossenen Vorhaben, dessen Umsetzung in den
Bundesländern teilweise schon weit fortgeschritten ist. Lediglich
Sachsen sperrt sich wegen datenschutzrechtlicher Bedenken und Zweifeln
am Sinn der Datensammlung gegen die Pläne, die auch bei den
Datenschutzbeauftragten der Länder auf Widerstand treffen.
Kraus kritisierte, dem Missbrauch eines solchen Bildungsregisters,
«auch dem ideologisch motivierten Missbrauch», seien
Tür und Tor geöffnet. Daneben seien aber auch die
Vorstellungen vom praktischen Nutzen solcher Daten «höchst
illusionär». Das Problem des Lehrermangels zeige, «dass
die Kultusminister trotz verlässlichster vorliegender Zahlen nicht
in der Lage sind, Sicherheit in die Planung des Bildungsangebots und
der Personalversorgung hineinzubringen».
Der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne erklärte, Schüler
hätten in einer Demokratie das verbriefte Recht auf informationelle
Selbstbestimmung. «Eltern und Schüler müssen
entscheiden können, wer was wann wo über sie
weiß.» Die KMK zeige mit ihrem Vorstoß, dass es ihr an
Sensibilität und Problembewusstsein fehle. «Gerade in dem
auf Frühauslese getrimmten deutschen Schulsystem können die
geplanten Datensätze wie ein Steckbrief wirken - beispielsweise
wenn gespeichert wird, welche Sprache im Elternhaus gesprochen
wird», kritisierte Thöne.
Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick
Meinhardt, kritisierte, abgesehen von datenschutzrechtlichen Fragen
fehle jeder Euro, den die KMK für die geplante Datei ausgebe, den
Schulen vor Ort für eine Verbesserung des Unterrichts.
«Deutschland braucht keine aufwendigere Verwaltung der
Bildungsmisere, sondern mehr Lehrer.»
Die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Petra Pau,
bezeichnete das Vorhaben als rechtlich zweifelhaft, da es keine
Grundlage gebe. Auch pädagogisch verdiene es die Note sechs, das
Schüler eigentlich für den Datenschutz geworben werden
sollten. «Statistisch tendiert das Vorhaben zur Bürgerdatei,
denn früher oder später waren alle mal Schülerinnen und
Schüler. Politisch ist das Vorhaben Unsinn, denn es macht
PISA-schlechte Schulen nicht besser.»
(Quellen: dpa, ap)
Moderne Technik: Anlass für Frusterlebnisse
Sa.30.09.06 - Ratlos, hilflos und oft ahnungslos: Für ungewöhnlich viele
Konsumenten ist die moderne Technik des digitalen Zeitalters weiterhin
ein Buch mit sieben Siegeln und Anlass für Frusterlebnisse. Fast
die Hälfte der Käufer wünscht sich von den Herstellern
von Digitalkameras, MP3-Playern, PCs, Spielkonsolen, Set-Top-Boxen oder
Multimedia-Handys einen besseren Service bei der Einrichtung sowie mehr
Unterstützung bei auftretenden Problemen.
Einer Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS-Infratest zufolge
haben 43 Prozent der Nutzer digitaler Hardware "keine Lust auf Produkte
mit einer Vielzahl komplexer Funktionen oder geringer
Bedienerfreundlichkeit". Elf Prozent bemängeln "den schlechten
Service vieler Hersteller", für 15 Prozent ist es ein
Ärgernis, dass viele digitale Geräte nicht mit anderen
Geräten zusammen harmonieren. Und nur 35 Prozent glauben, dass die
Hersteller bei der Produktion eine Art Nutzungsverständnis für
die Kunden entwickelt haben. Dennoch bevorzugen fast drei Viertel der
Deutschen (73 Prozent) bei der Kaufentscheidung lieber
preisgünstige Produkte, die möglicherweise anfälliger
sind als qualitativ hochwertige Geräte. Ebenso viele erklären
sich indes loyal zu einem Hersteller, wenn dessen Service stimmen
würde: 73 Prozent würden in diesem Fall wieder bei dem
Anbieter einkaufen.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)
Anonym im Netz unterwegs
Sa.30.09.06 - Nicht jeder, der Missstände in einem Unternehmen aufdeckt,
möchte namentlich bekannt werden. Zu groß ist bei manchen die
Angst vor Repressalien. Eine Möglichkeit, unerkannt an Wissen zu
kommen und dieses publik zu machen, ist das Internet. Doch die
Sicherheit im Netz ist trügerisch, denn Surfer hinterlassen
virtuelle Spuren - und niemand weiß genau, wer diese
überwacht. Einen Ausweg bieten Anonymisierungsdienste. Sie werden
zum Beispiel von Unternehmen genutzt, die unerkannt Informationen
einsehen wollen. Auch bieten sie Internetsurfern die Möglichkeit,
Inhalte aufzurufen, die eigentlich für Nutzer aus bestimmten
Ländern gesperrt sind.
Als einer der weltweit zuverlässigsten Anonymisierungsdienste gilt
AN.ON, bekannt auch unter dem Programmnamen JAP. Das Unabhängige
Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) betreibt
AN.ON gemeinsam mit den Universitäten Dresden, Berlin und
Regensburg und dem Chaos Computer Club. Der Dienst verschlüsselt
über eine Reihe von Servern die Ausgangsdaten der Nutzer so, dass
sie beim Zielserver nicht mehr identifiziert werden können. Die
Spur im Netz wird damit unsichtbar.
Um den Dienst zu nutzen, muss der Internetsurfer eine Software
installieren. Zurzeit nutzen etwa 3500 bis 4000 Menschen den
Anonymisierungsdienst gleichzeitig. Monatlich rufen diese über 250
Millionen Internetadressen anonym ab. Die Software wurde bereits
über eine Million Mal heruntergeladen. Der Dienst gilt als sicher,
weil alle beteiligten Server die Abrufe verschlüsseln, dadurch
werden die Spuren im Internet so sehr vermischt, dass sie nicht mehr
rekonstruierbar sind. Die Datenabrufe könnten nur dann
nachvollzogen werden, wenn alle benutzen Server gleichzeitig die Abrufe
mitprotokollieren.
Das ist technisch möglich - denn die Software soll keine
kriminellen Machenschaften begünstigen. Abhören können
berechtigte Behörden wie Staatsanwaltschaften den Datenverkehr
dann, wenn sie einen richterlichen Beschluss vorlegen und die Betreiber
die Protokollierungsfunktion aktivieren. Dritte wie etwa
ausländische Geheimdienste oder Zensurbehörden haben diese
Möglichkeit nicht.
Schwieriger wird die Überwachung, wenn Nutzer die neue
Forwarder-Funktion verwenden. «Damit dient der Rechner in einer
Art Peer-to-Peer-Netz als alternativer Zugangspunkt zu unserem
Anonymisierungsdienst», erklärt Entwickler Stefan
Köpsell. Statt offizielle Server zu nutzen, leitet dann jeder
Nutzer über seinen Rechner die Daten weiter - ähnlich wie bei
einer Tauschbörse im Internet. «Wir wissen von etwa 50 bis
100 freiwilligen Teilnehmern, die ihren Rechner zur Umgehung von
Sperrmaßnahmen bereitstellen», berichtet Köpsell.
Die Zugangssoftware für AN.ON können Nutzer übrigens
auch für den beliebten Anonymisierungsdienst TOR der Electronic
Frontier Foundation verwenden. TOR leitet den Datenverkehr immer wieder
anders über zahlreiche Rechner - weltweit. Hier bietet jeder Nutzer
seinen Rechner für die Datenübertragung an. TOR wird unter
anderem auch von einem Teil der US-Marine verwandt, um anonym in
offenen Quellen im Internet zu recherchieren.
Alle anderen Anonymisierungsdienste wie Anonymizer, Proxyblind oder The
Cloak hält Andreas Pfitzmann, Informatikprofessor an der TU Dresden
und für AN.ON technisch verantwortlich, nicht für
vertrauenswürdig. Sie handelten allein nach dem Prinzip der
Gutgläubigen: «Wir sind die Guten und vertrau uns.»
«Aus Sicht von Geheimdiensten ist es sogar eine sinnvolle
Strategie, einen Anonymisierungsdienst unter einem Decknamen zu
betreiben», fügt Pfitzmann hinzu, «weil dann eventuell
auch verdächtige Personen den Dienst nutzen werden.»
Bislang kann die Software kostenlos genutzt werden. Ende des Jahres
läuft die Projektförderung durch das
Bundeswirtschaftsministerium aus. Dann soll der Dienst nur noch gegen
Bezahlung verfügbar sein.
(Quelle: ddp)