Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertfünfundzwanzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Irakisches TV zeigt erstmals Bilder von neuem El-Kaida-Chef im Irak -
Baldige Festnahme oder Tötung Abu Ajjub al Masris
angekündigt. Bei neuen Gewalttaten kommen mindestens 17 Menschen
ums Leben
Mo.02.10.06 - Die Sicherheitskräfte im Irak stehen nach Behördenangaben
kurz vor der Festnahme oder Tötung des Führers von Al Kaida
im Irak, Abu Ajjub al Masri. Entsprechend äußerte sich der
nationale Sicherheitsberater Muwafak al Rubaie am Sonntag bei der
Vorstellung eines Videos, das Al Masri bei der Erläuterung
verschiedener Autobomben zeigt. Dabei handele es sich um eine Lehr-CD,
die Al Kaida im Irak an ihre Anhänger verteilt habe, sagte Al
Rubaie vor Journalisten.
Das Video sei vor wenigen Tagen in Jussifija, 20 Kilometer südlich
von Bagdad entdeckt worden. Darauf ist erstmals auf einem Video das
Gesicht Al Masris zu sehen. Er trägt kurze Haare, eine Brille und
einen Schnauzer, aber keinen Bart. Das Video werde veröffentlicht,
damit die Iraker ihn leicht erkennen könnten und er es schwerer
habe, sich zu verstecken. Worauf er seine Annahme stützt, das Al
Masri bald gefasst werde, sagte der Sicherheitsberater nicht. Seine
Botschaft an Al Masri sei, dass «wir dir dichter auf den Fersen
sind, als du dir vorstellen kannst. Deine Tage sind
gezählt», sagte Al Rubaie.
In Bagdad und den nahe gelegenen Städten Bakuba, Ramadi und
Samarra wurden in der vergangenen Woche mehr als 20
Terrorverdächtige getötet oder festgenommen, wie die
US-Streitkräfte am Sonntag erklärten. Am Morgen ging in
Bagdad eine vollständige Ausgehsperre zu Ende, die am Freitagabend
nach der Festnahme eines mutmaßlichen Mitglieds von Al Kaida im
Irak verhängt worden war. Der Verdächtige habe kurz davor
gestanden, eine Reihe von Bombenanschlägen im Regierungsviertel,
der so genannten Grünen Zone, zu verüben, erklärten die
US-Streitkräfte.
Die Festnahme löste politische Spannungen aus, da der
Festgenommene ein Leibwächter des prominenten sunnitischen
Politikers Adnan al Dulaimi war. Ein schiitischer Abgeordneter warf
sunnitischen Politikern daraufhin Verbindungen zu «Saddamisten,
sunnitischen Radikalen und Terroristen» vor. Al Dulaimi war nach
US-Militärangaben nicht das Ziel der Razzia, bei der sein
Leibwächter festgenommen wurde.
Nach dem Ende der Ausgehsperre kamen bei neuen Gewalttaten in Bagdad
und anderen Orten mindestens 17 Menschen ums Leben. Darüber hinaus
wurden acht Leichen entdeckt, vermutlich Opfer von Todesschwadronen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 02.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhunderteinundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Ex-CIA-Chef Tenet warnte Rice zwei Monate vor 9/11 vor Terrorgefahr
Mo.02.10.06 - Der ehemalige CIA-Chef George Tenet hat laut dem US-Starjournalisten
Bob Woodward bereits zwei Monate vor den Terroranschlägen des 11.
September 2001 die damalige Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice vor
möglichen El-Kaida-Angriffen gewarnt. Tenet habe Rice am 10. Juli
2001 getroffen und vor Anschlägen durch das Terrornetzwerk und
dessen Chef Osama bin Laden gewarnt, schreibt Woodward in seinem neuen
Buch, aus dem die "Washington Post" Auszüge veröffentlichte.
Es habe "keine neuen, heißen Geheimdiensthinweise" gegeben, aber
"eine so große Ansammlung von Daten, dass der Instinkt eines
Geheimdienstchefs sagen müsste, dass etwas passieren werde",
heißt es in dem Buch Woodwards, der durch seine Enthüllung
der Watergate-Affäre um den US-Expräsidenten Richard Nixon
Anfang der 70er Jahre weltberühmt wurde.
Bei dem Treffen, an dem auch der Terrorismus-Beauftragte der CIA, J.
Cofer Black, teilgenommen habe, habe Tenet seine Auffassung verteidigt,
dass El Kaida US-Ziele oder die USA selbst angreifen wolle. Laut
Woodward merkten Tenet und Black während des Treffens, "dass sie
keine Verbindung zu Rice herstellen konnten". Die Sicherheitsberaterin
und heutige Außenministerin sei "höflich" gewesen, aber ihre
Gesprächspartner hätten den Eindruck gehabt, sie gebe ihnen
"den Laufpass". Anschließend habe Rice nicht einmal Bush
rechtzeitig über die Terrorwarnung der CIA in Kenntnis gesetzt.
(Quelle: afp)
Atomstreit - Iran will Urananreicherung ausweiten
Mo.02.10.06 - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat eine Ausweitung
des Atomprogramms zur Anreicherung von Uran angekündigt. Ziel sei
die Produktion von Kernbrennstoff für die Stromgewinnung, sagte
Ahmadinedschad vor Professoren der Universität Teheran.
«Anschuldigungen der Vereinigten Staaten, wonach der Iran nach
Atomwaffen strebt, sind eine große Lüge»,
bekräftigte er am Sonntag in einer vom staatlichen Fernsehen
übertragenen Ansprache.
Er hoffe, dass der Iran bis zu 100.000 Zentrifugen zur
Uran-Anreicherung installieren könne. Er nannte dafür keinen
zeitlichen Rahmen, doch könnte dies einige Jahre in Anspruch
nehmen. Der Präsident bekräftigte seine Haltung, wonach der
Iran nicht auf sein Recht zur friedlichen Nutzung der Kernenergie
verzichten werde.
Die internationale Staatengemeinschaft sucht zurzeit nach einer
gemeinsamen Haltung im Konflikt mit dem Iran, nachdem die Regierung
eine Frist des UN-Sicherheitsrats zur Einstellung der Urananreicherung
hat verstreichen lassen. Gespräche zwischen dem EU-Chefdiplomaten
Javier Solana und Ali Laridschani blieben bislang ohne Ergebnis.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Syriens Präsident kritisiert deutsche Mission in Nahost. Israels
Generalstabschef droht mit neuer Offensive im Gazastreifen. Vier Tote
bei Zusammenstößen zwischen Hamas und Fatah in Gaza -
Palästinenserpräsident Abbas fordert sofortiges Ende der
Kämpfe
Mo.02.10.06 - Syriens Präsident Baschar al-Assad hat den Einsatz der deutschen
Marine im Nahen Osten kritisiert. Die Deutschen hätten
erklärt, dass sie mit ihrer Mission Israel schützen wollen,
sagte der Staatschef der spanischen Zeitung «El
País». Damit disqualifiziere man den Einsatz: Die
UN-Truppen müssten Neutralität wahren. Sie dürften nicht
für eine Seite Partei ergreifen. Assad hatte bereits vor einer
Woche Zweifel daran geäußert, dass der Einsatz der Deutschen
Marine den Waffenschmuggel der Hisbollah stoppt.
Der israelische Generalstabchef Dan Halutz hat mit einer neuen
Bodenoffensive im Gazastreifen gedroht, sollten radikale
Palästinenser ihre Raketenangriffe auf Südisrael fortsetzen.
Es müsse eine Lösung gefunden werden, um den ständigen
Raketenbeschuss auf die israelische Stadt Sderot zu stoppen, sagte der
General am Sonntag im öffentlichen Rundfunk. Derzeit werde
über einen längerfristigen Einmarsch der israelischen Armee in
das Palästinensergebiet beraten. Am Samstag waren erneut zwei
Israelis bei der Explosion einer vom Gazastreifen aus abgeschossenen
Rakete verletzt worden.
Bei bewaffneten Zusammenstößen zwischen Anhängern der
palästinensischen Organisationen Hamas und Fatah sind am Sonntag
mindestens vier Palästinenser getötet worden. Unter den Toten
in Gaza-Stadt waren laut Krankenhausangaben zwei Jugendliche im Alter
von 15 und 16 Jahren.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat die rivalisierenden
Gruppen auf, die Kämpfe im Gazastreifen sofort einzustellen. Die
Sicherheitskräfte sollten die Proteste beenden und die Arbeit
wieder aufnehmen, sagte Abbas in einer Fernsehansprache. Auch
Jordaniens König Abdullah und der ägyptische Präsident
Husni Mubarak riefen alle Seiten zur Zurückhaltung auf.
Die Zusammenstöße fanden in der Nähe des Parlaments
zwischen Mitgliedern der Schutztruppe des Innenministeriums und
Fatah-treuen Sicherheitsleuten statt. Mehr als 80 Menschen wurden laut
Behördenangaben verletzt. Bei ähnlichen
Zusammenstößen in Chan Junis im südlichen Gazastreifen
gab es mindestens 23 Verletzte.
(Quellen: dpa, afp)
Nigeria senkt Ölproduktion um fünf Prozent
Mo.02.10.06 - Inmitten fallender Rohölpreise fährt Nigeria seine
Ölförderung um fünf Prozent zurück. Ein Sprecher der
staatlichen Fördergesellschaft Nigerian National Petroleum sagte
am Samstag, es handele sich um eine normale saisonale Anpassung.
Nigeria werde täglich 115.000 Barrel weniger Öl produzieren,
sagte Sprecher Levi Ajuonuma. Zur Zeit fördert Nigeria täglich
2,3 Millionen Barrel Öl.
Zuvor hatte Venezuela seine Förderung um 50.000 Barrel pro Tag
gesenkt. Ajuonuma betonte, es gebe keine konzertierte Aktion von
OPEC-Mitgliedern, sinkenden Preisen mit einer Verminderung der
Förderung entgegen zu wirken. «Das ist nicht
abgesprochen», sagte er. «Das sind individuelle Nationen,
die machen, was nach ihrer Meinung in ihrem eigenen Interesse
ist.» An der New Yorker Börse wurde der Ölpreis am
Freitag bei 62,91 Dollar für November-Lieferungen notiert. Mitte
Juli war der Preis 20 Prozent höher gewesen. Händler vermuten,
dass die OPEC ihre Förderung senkt, wenn der Preis pro Fass unter
60 Dollar fällt.
(Quelle: ap)
Lula da Silva gewinnt erste Runde der brasilianischen
Präsidentenwahl - Absolute Mehrheit knapp verfehlt
Mo.02.10.06 - Bei der Präsidentenwahl in Brasilien hat Amtsinhaber Luiz
Inácio Lula da Silva am Sonntag die erste Runde klar gewonnen,
die absolute Mehrheit aber offenbar knapp verfehlt. Daher muss er aller
Voraussicht nach am 29. Oktober in eine Stichwahl mit seinem
schärfsten Konkurrenten Geraldo Alckmin.
Nach Auszählung von 94 Prozent der Stimmen entfielen auf Lula da
Silva von der Arbeiterpartei (PT) nach offiziellen Angaben 49,1 Prozent
und auf Alckmin von der oppositionellen Sozialdemokratischen Partei
41,1 Prozent der Stimmen.
Der Wahlkampfleiter des Präsidenten, Marco Aurelio Garcia,
erklärte zwar am Abend, ein Sieg in der ersten Runde sei immer
noch möglich, da viele Stimmen aus dem verarmten Nordosten des
Landes, einer Hochburg des ehemaligen Gewerkschaftsführers, noch
nicht ausgezählt seien. Doch die meisten der sieben Millionen
Stimmen, die um 23.00 Uhr Ortszeit noch nicht ausgezählt waren,
kamen aus dem Staat Sao Paulo, wo Alckmin früher Gouverneur war.
Zur Abstimmung aufgerufen waren 125 Millionen Wahlberechtigte, die auch
die 513 Mandate im Abgeordnetenhaus sowie 27 der insgesamt 81
Senatssitze neu besetzen mussten. Zudem wurden in allen 26 Staaten neue
Gouverneure gewählt.
Lula da Silva hatte bei seiner Stimmabgabe in einem Vorort von Sao
Paulo noch überzeugt davon gezeigt, die Wahl bereits in der ersten
Runde für sich zu entscheiden. Das hatten auch die Umfragen in den
vergangenen Monaten prognostiziert, bevor der Amtsinhaber zuletzt
wieder an Boden verlor.
Der Mitte-rechts-Politiker Alckmin erklärte, bei der Abstimmung
werde sich Moral gegenüber Korruption durchsetzen. Alckmin bezog
sich dabei auf den Korruptionsskandal von Lula da Silvas
Arbeiterpartei. Unter anderem sollen Anhänger des Präsidenten
Abgeordnete der Oppositionsparteien bestochen haben, um
Gesetzesvorlagen klare Mehrheiten zu verschaffen. Zwei Minister mussten
wegen dieser Affäre ihren Hut nehmen.
Vor kurzem entließ Lula da Silva auch seinen Wahlkampfmanager
Ricardo Berzoini. Ihm wird vorgeworfen, er habe auf dubiose Weise
Unterlagen erwerben wollen, um damit einen Oppositionsführer zu
diskreditieren. Der Präsident hat stets betont, nichts von diesen
Machenschaften gewusst zu haben. Zuletzt war er in die Kritik geraten,
weil er nicht an einer Fernsehdebatte mit seinen wichtigsten
Konkurrenten teilnahm.
Unterstützung genießt Lula da Silva vor allem bei der armen
Bevölkerung. Gemäß seinem Slogan «Null
Hunger» hat er 45 Millionen armen Menschen monatlich insgesamt
umgerechnet gut 250 Millionen Euro zukommen lassen.
(Quelle: ap)
Nationale Parteien gewinnen Wahlen in Bosnien-Herzegowina
Mo.02.10.06 - Die nationalen Parteien der Muslime, Serben und Kroaten haben nach
ersten Ergebnissen die Wahlen in Bosnien- Herzegowina gewonnen. Das
berichtete die Zentrale Wahlkommission in Sarajevo. Die muslimische
SBiH, die serbische SNSD und die kroatische HDZ dürften das
dreiköpfige Staatspräsidium besetzen. Neben der Staatsspitze
mussten die Wähler auch über das Bundesparlament, die
Parlamente der beiden Landesteile und die Vertretungen in zehn
Landkreisen entscheiden. Ergebnisse sollen erst heute Abend vorliegen.
(Quelle: dpa)
Opposition in Polen hält an Forderung nach Neuwahlen fest
Mo.02.10.06 - Die Opposition in Polen hält an ihrer Forderung nach Neuwahlen als
Ausweg aus der innenpolitischen Krise fest. Die Entschuldigung von
Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski für das Verhalten seines
Kanzleichefs Adam Lipinski in der so genannten Videoaffäre sei
«zu spät» gekommen, sagte Wojciech Olejniczak,
Parteichef des Bündnis der Demokratischen Linken (SLD), am
Wochenende.
Andrzej Lepper, der Vorsitzende der radikalen Bauernpartei Samoobrona,
bezeichnete zügige Neuwahlen als «einzigen Ausweg».
Lepper war vor zehn Tagen als stellvertretender Ministerpräsident
entlassen worden. Seitdem sucht Kaczynskis nationalkonservative Partei
Recht und Gerechtigkeit (PiS) nach neuen Partnern für eine
mehrheitsfähige Regierung.
«Wenn wir auf der Sitzung des Parlaments (am 10. bis 13. Oktober)
für eine Selbstauflösung stimmen, können diese Wahlen
noch am 26. November stattfinden», sagte Lepper am Samstag im
westpolnischen Koszalin (Köslin). Der SLD-Generalsekretär
Grzegorz Napieralski schloss auch ein konstruktives Misstrauensvotum
gegen die Regierung nicht aus, sollte sich ein ausreichend starkes
Bündnis gegen die PiS im Parlament finden.
Kaczynskis Kanzleichef Lipinski hatte nach dem Bruch der polnischen
Regierungskoalition der Samoobrona Abgeordneten Renata Beger einen
Posten als Staatssekretärin angeboten, sollte sie ihre Partei
verlassen und die PiS unterstützen. Journalisten des Fernsehsenders
TVN hatten das Gespräch mit Einverständnis Begers mit
versteckter Kamera gefilmt.
In seiner Entschuldigung im polnischen Fernsehen räumte Kaczynski
am Freitagabend ein, «die Grenzen des guten Geschmacks» und
gesellschaftliche Normen seien überschritten worden.
Einer Selbstauflösung des Parlaments müssten zwei Drittel der
460 Abgeordneten zustimmen. Derzeit ist diese Mehrheit nicht absehbar.
Die Regierung wiederum hat nach dem Bruch der Koalition keine Mehrheit
mehr im Parlament. Der Haushalt für das kommende Jahr droht daher
am Widerstand der Opposition zu scheitern.
(Quelle: dpa)
Sozialdemokraten gewinnen Wahl in Österreich -
Österreichische Volkspartei verliert mehr als acht Prozent
Mo.02.10.06 - Österreich steht vor einem Regierungswechsel. Die Sozialdemokraten
gewannen die Parlamentswahl am Sonntag knapp vor der
Österreichischen Volkspartei des amtierenden Kanzlers Wolfgang
Schüssel, die mehr als acht Prozentpunkte einbüßte.
SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer dürfte damit neuer Kanzler werden,
möglicherweise an der Spitze einer großen Koalition.
Beobachter rechnen mit schwierigen Verhandlungen zur Bildung einer
neuen Regierung.
Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kam die SPÖ auf
35,7 Prozent der Stimmen und erhält voraussichtlich 68 Mandate im
Parlament. Das sind zwar 0,8 Prozentpunkte weniger als bei der letzten
Wahl vor vier Jahren, doch mehr als die ÖVP, die 8,1 Prozentpunkte
verlor und mit 34,2 Prozent nur noch 66 Abgeordnete stellt.
Schüssel gratulierte Gusenbauer und sagte: «Wir sind ein
demokratisches Land.» Für das Ergebnis trage er
persönlich die Hauptverantwortung.
Gusenbauer sagte im ORF-Fernsehen nach Angaben der Nachrichtenagentur
APA, die ÖVP sei der erste Ansprechpartner. Zugleich betonte er,
dass «die Grünen ein vollwertiger Regierungspartner»
seien. Schüssel schloss nicht aus, Vizekanzler in einer
rot-schwarzen Regierung zu werden. Bei einer solchen Koalition sei
«Vernunft ein absolutes non plus Ultra. Dazu muss noch Herz und
Freude an der gemeinsamen Arbeit kommen.» Gusenbauer unterstrich
seinen Wunsch nach einer stabilen Regierung, die in sechs Wochen
gebildet sein könnte.
Die genaue Sitzverteilung im Parlament steht erst dann fest, wenn
250.000 Stimmen der Briefwähler ausgewertet sind. Dabei
könnten sich vor allem noch die Mandate der drei kleineren im
Parlament vertretenen Parteien ändern.
Den dritten Platz erreichte die rechtsgerichtete FPÖ mit 11,2
Prozent (plus 1,2 Punkte, 21 Abgeordnete) vor den Grünen, die mit
10,5 Prozent (plus 1,0) voraussichtlich 20 Parlamentarier in den
Nationalrat schicken. Auch das erstmals angetretene Bündnis
Zukunft Österreich (BZÖ) von Jörg Haider überwand
mit 4,2 Prozent die Vierprozenthürde und ist im neuen Nationalrat
vertreten. Das BZÖ ist eine FPÖ-Abspaltung, die im
Frühjahr 2005 vom rechtsgerichteten Kärntner
Ministerpräsidenten Jörg Haider auf den Weg gebracht wurde.
Zurzeit sitzt dieses Bündnis noch mit drei Ministern und drei
Staatssekretären in der Regierung.
Hauptthemen im Wahlkampf waren die Einwanderung und der Skandal um die
Gewerkschaftsbank BAWAG. Beobachter erwarteten, dass der Skandal die
Sozialdemokraten Stimmen kosten würde, doch schienen deren
Verluste gegenüber der Wahl 2002 gering.
Bundespräsident Heinz Fischer kündigte an, dass er am
Dienstag mit den Vorsitzenden der Parteien reden werde. Unklar war
aber, ob Fischer dann schon einen Auftrag zur Bildung einer neuen
Regierung erteilen wird.
(Quelle: ap)
Deutschland
Justizministerin Zypries erwägt Gesetzesänderung wegen
Hakenkreuz-Urteil
Mo.02.10.06 - Nach dem umstrittenen Urteil zu Anti-Nazi-Symbolen wie einem
durchgestrichenen Hakenkreuz erwägt Bundesjustizministerin
Brigitte Zypries (SPD) eine Gesetzesänderung. Sie sei gegen eine
Bestrafung von antifaschistischen Symbolen, sagte sie der
"tageszeitung". Notfalls wolle sie das Strafgesetzbuch ändern.
Zypries reagierte damit auf ein Urteil des Landgerichts Stuttgart, das
am Freitag einen Versandhändler aus der Punkszene wegen Verwendung
verfassungsfeindlicher Symbole verurteilt hatte. Der Händler hatte
Aufnäher, Anstecker und T-Shirts vertrieben, auf denen
durchgestrichene, zerstörte oder weggeworfene Hakenkreuze zu sehen
sind. Das Urteil hatte teilweise für Empörung gesorgt. Der
Fall soll nun zunächst vor den Bundesgerichtshof gehen.
"Sollte auch der Bundesgerichtshof zu der Meinung kommen, dass unsere
Gerichte in diesen Fällen eine Bestrafung fordern, dann ist mit
dem Gesetz etwas nicht in Ordnung", sagte Zypries weiter. "Und dann
werden wir das ändern."
(Quelle: afp)
Rürup empfiehlt pauschale Prämien für Krankenkassen
Mo.02.10.06 - Der zur Lösung des Gesundheitskonflikts für die CDU als
Experte benannte Wirtschaftsweise Bert Rürup empfiehlt in seinem
Sondergutachten, die geplante Zusatzprämie als Pauschal- statt als
Prozentualprämie zu erheben. Pauschale Prämien seien besser
als prozentuale Prämien, weil von ihnen "deutlich weniger verzerrte
Preissignale ausgehen als von einem einkommensabhängigen
Zusatzbeitrag", heißt es in dem Gutachten für Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU), das der "Welt am Sonntag" vorliegt.
Die vorgesehene Wahlmöglichkeit behindert laut Rürup den
Wettbewerb. Für die Versicherten werde damit die Vergleichbarkeit
der Kassen eingeschränkt. Rürup ist einer von zwei Experten,
die bis zum Spitzengespräch der Großen Koalition am Mittwoch
Vorschläge für ein zentrales Problem der Gesundheitsreform
vorlegen sollen. Dabei geht es um die so genannte
Überforderungsklausel. Sie soll von den Kassen erhoben werden
dürfen, die mit dem Geld aus dem geplanten Fonds nicht auskommen.
Der andere Experte ist der frühere Chef der Barmer Ersatzkasse,
Eckhart Fiedler, der von der SPD benannt wurde.
(Quelle: afp)
Linkspartei - Gysi kritisiert Tempo der Parteifusion
Mo.02.10.06 - Der Zusammenschluss von Linkspartei.PDS und WASG dauert nach Ansicht
von Gregor Gysi zu lange. «Wir müssen den Prozess der
Neubildung endlich zu Ende bekommen. Ich habe von Anfang an gesagt,
dass wir das schneller machen müssten», sagte der
Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion. Auf dem gemeinsamen
Programmkonvent in Hannover wurden am Wochenende noch große
Unterschiede zwischen den beiden Parteien festgestellt. Für den
Vorsitz der fusionierten Partei steht der Chef der Linkspartei.PDS,
Lothar Bisky, offenbar nicht zur Verfügung.
Am Samstag diskutierten Mitglieder von Linkspartei.PDS und der
Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) kontrovers
über das Programm der gemeinsamen Partei. Nötig sei Klarheit,
wofür die künftige Partei stehen solle, sagte
WASG-Vorstandsmitglied Klaus Ernst. «Wir müssen uns so
aufstellen, dass wir auch im Westen als gesamtdeutsche Partei
wahrgenommen werden.» Eine Fusion dürfe aber auch keine
Übernahme der WASG durch die PDS bedeuten. «Dann wäre
das Projekt tot.»
Bisky sagte, es gebe große Unterschiede zwischen der PDS und der
WASG. Künftig müsse man diese Unterschiede produktiv nutzen.
Ernst und Bisky bedauerten, dass die rot-rote Koalition in
Mecklenburg-Vorpommern wohl vor dem Ende steht.
Der Programmkonvent mit rund 300 angemeldeten Teilnehmern fand im
Vorfeld der ersten gemeinsamen Vorstandssitzung von WASG und
Linkspartei am 22. Oktober in Erfurt statt. Danach soll der Entwurf des
Gründungsprogramms der neuen Linkspartei in sechs
Regionalkonferenzen erörtert werden. Nach der bisherigen Planung
wollen Linkspartei und WASG im Juni 2007 fusionieren.
Gysi sagte der «Leipziger Volkszeitung», der Fusionsprozess
sei auch deshalb so schwierig, «weil vor allem bei den Linken
unendlich viele programmatische Debatten geführt werden».
Die Linkspartei bezeichnete er als große Chance, zwischen
Mecklenburg-Vorpommern und Bayern Fuß zu fassen. «Das darf
aber nicht dazu führen, dass wir die mentale und soziale
Benachteiligung des Ostens weniger artikulieren.» Mit Oskar
Lafontaine habe er sich nach den Wahlergebnissen in Berlin und
Mecklenburg-Vorpommern bereits verständigt, «dass wir das
Thema im Bundestag verschärft ansprechen müssen». Die
Bundespartei müsse stärker das Gefühl und den
Politikstil entwickeln, der auf den Osten eingehe. «Dieses Image
sollten wir uns von niemandem nehmen lassen», forderte Gysi.
Bisky widersetzt sich laut einem Bericht des «Tagesspiegels am
Sonntag» parteiinternen Plänen, nach denen er die vereinigte
Partei gemeinsam mit Lafontaine führen soll. «Wenn jemand
sagt, ich mach's ab morgen, sage ich danke», sagte er.
Gespräche über den Vorsitz der neuen Linkspartei lehne er ab.
Intern wird laut Bericht bereits über mögliche Nachfolger
diskutiert.
Als denkbare Anwärter nennt die Zeitung die stellvertretenden
Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Petra Pau und Bodo Ramelow, die
ehemalige brandenburgische Oppositionsführerin Dagmar Enkelmann
und Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Für die
Doppelspitze der vereinigten Linkspartei mit Lafontaine und Bisky setze
sich unter anderem Gysi ein. Weder Lafontaine noch Bisky haben bisher
offiziell ihre Bereitschaft zur Kandidatur erklärt.
(Quelle: ap)
Grüne rufen zu Atomstrom-Boykott auf
Mo.02.10.06 - Die Grünen haben die Verbraucher zum Boykott von Atomstrom
aufgerufen. «Wir wollen, dass den Atomstromkonzernen die Kunden
in großer Zahl weglaufen», sagte Fraktionschef Fritz Kuhn
am Wochenende. Auslöser der Kampagne «Umschalten, ja
bitte» ist ein Antrag des Energieversorgers RWE, die Restlaufzeit
des Atom-Meilers Biblis A um drei bis vier Jahre zu verlängern.
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) betonte, Umwelt- und
Wirtschaftsministerium sowie Kanzleramt müssten dies gemeinsam
entscheiden.
RWE will die im Atomkonsens festgelegte Betriebsdauer von Biblis A
verlängern,
in dem Restlaufzeit des Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich auf
den Meiler in der Nähe von Darmstadt übertragen wird. Statt
wie geplant bereits 2007 vom Netz zu gehen, könnte Biblis A so
drei bis vier Jahre länger betrieben werden.
Das Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich sei jedoch nie in Betrieb
gewesen, kritisierte Kuhn in der «Rhein-Neckar-Zeitung».
Eine Übertragung von dessen Restlaufzeit sei deshalb grob
rechtswidrig. Zudem dürften Laufzeiten nur übertragen werden,
wenn auch die Sicherheit der Anlagen gewährleistet sei, betonte
er. «Wenn man bedenkt, dass Biblis nicht einmal gegen den Absturz
einer Verkehrsmaschine abgesichert ist, und so nahe am Frankfurter
Flughafen, dann halten wir diese Übertragung für
überhaupt nicht machbar», sagte der Grünen-Politiker.
Glos hingegen sprach sich für einen Weiterbetrieb älterer
Atomkraftwerke aus und warnte vor Preisanstiegen. «Die
Schließung von sicheren und wirtschaftlichen Kernkraftwerken wird
zu höheren Strompreisen führen», sagte er der
«Bild am Sonntag». Die Zeche zahle der Verbraucher.
Wenn Umweltministerium, Wirtschaftsministerium und Kanzleramt
zustimmen, ist die Umschichtung von Restlaufzeiten laut Atomkonsens
unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Allerdings nennt das Gesetz nur
Biblis B als möglichen Empfänger übertragener
Reststrommengen. Der Antrag für Biblis A ist deshalb umstritten.
Der Neustart eines im Juli wegen eines Störfalls
heruntergefahrenen Reaktors im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark hat
sich unterdessen wegen erneuter Pannen verzögert. Wie
Kraftwerkssprecher der schwedischen Nachrichtenagentur TT
erklärten, wurden beim Anfahren der Anlage am Freitagabend Fehler
beim Spaltprozess beobachtet. Der Neustart sei abgebrochen worden; am
Montag soll ein neuer Versuch unternommen werden, hieß es weiter.
Ein zweiter Reaktor war demnach jedoch erfolgreich neugestartet worden.
Beide Reaktoren waren abgeschaltet worden, nachdem während eines
Stromausfalls am 25. Juli auch zwei Notstromaggregate versagt hatten.
(Quelle: ap)
Siemens prüft Zahlungen an BenQ
Mo.02.10.06 - Siemens will nach der Pleite von BenQ Mobile in Deutschland
gekündigte Mitarbeiter seiner früheren Handysparte nicht im
Regen stehen lassen und weitere Zahlungen an den taiwanesischen
BenQ-Konzern genau prüfen.
«Wir sind wirklich betroffen von der Entwicklung und wollen uns
jetzt darauf konzentrieren, wie wir die deutschen
BenQ-Mobile-Beschäftigten unterstützen können»,
sagte Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser der Deutschen Presse-Agentur
(dpa) in München. Der Konzern habe beim Verkauf vor einem Jahr an
BenQ an eine langfristige Perspektive geglaubt. «Dass BenQ bei dem
ersten stärkeren Gegenwind gleich umfällt, ist sehr
bedauerlich.» Die scharfe öffentliche Kritik an Siemens wies
Kaeser zurück.
BenQ hatte vor einem Jahr das Siemens-Handygeschäft weltweit
übernommen und dabei eine Mitgift in dreistelliger
Millionenhöhe bekommen. Am Donnerstag drehte der taiwanesische
Konzern seiner deutschen Tochter den Geldhahn zu. BenQ Mobile mit 3000
Beschäftigten in Deutschland musste daraufhin Insolvenzantrag
stellen. «Wir sind überrascht, dass uns BenQ vorher nicht
rechtzeitig konsultiert hat», sagte Kaeser. Vor einer Woche habe
BenQ darum gebeten, dass Siemens zwei noch anstehende Raten in Höhe
von insgesamt rund 150 Millionen Euro sofort zahlt. Zudem sollte
Siemens das Geld entgegen den Absprachen komplett nach Taiwan
überweisen und nicht teilweise an die deutsche OHG. «Das hat
uns schon etwas verwundert», sagte Kaeser.
Siemens will die Zahlungen, die im Oktober und Dezember ausstehen, zwar
nicht auf Eis legen. «Wir halten uns an die Vereinbarungen»,
sagte Kaeser. Man werde aber genau prüfen, ob das Geld nach Taiwan
überwiesen werden muss oder dem insolventen deutschen
Tochterunternehmen ausgezahlt werden kann. Die BenQ-Beschäftigten
sollten, soweit dies arbeitsrechtlich möglich ist, bei der Vergabe
von offenen Stellen bevorzugt - wie interne Mitarbeiter bei einer
Versetzung - behandelt werden. Derzeit gibt es bei Siemens in
Deutschland mehr als 2000 offene Stellen.
Den Verdacht, die Schließung nach nur einem Jahr sei ein
abgekartetes Spiel zwischen Siemens und BenQ, wies Kaeser entschieden
zurück. «Aus rein wirtschaftlicher Sicht hätte es damals
attraktivere Wege gegeben als den Verkauf an BenQ.» So hätte
Siemens an andere Interessenten verkaufen können, die weniger Geld
mitbekommen, aber im Anschluss zahlreiche Arbeitsplätze abgebaut
hätten. Auch eine Schließung der deutschen Standorte
wäre den Konzern nach Angaben des Finanzvorstands deutlich
billiger gekommen. «Die Schließungskosten
einschließlich Abfindungen hätten grob geschätzt 250
bis 300 Millionen Euro betragen.»
Der Verkauf an BenQ kam wesentlich teurer. Zwar zahlten die Taiwanesen
einen Kaufpreis von 285 Millionen Euro an Siemens für Gebäude
und andere Vermögenswerte. Gleichzeitig sagte Siemens aber die
Zahlung von fast 700 Millionen Euro zu. Damit sollten unter anderem der
Wechsel der Produktplattformen, die notwendige Werbeoffensive für
den neuen Namen Siemens-BenQ, Abfindungen und sowie die Absicherung
gegen Patentstreitigkeiten finanziert werden.
Bei Siemens wundert man sich, dass BenQ trotz der Mitgift die deutsche
Tochter nach nur einem Jahr in die Pleite schickt. Siemens habe neben
dem Geld auch über 1750, zum Teil weltweit bedeutende Patente
gegeben, betonte Kaeser. Auch zeige die Tatsache, dass Siemens für
fünf Jahre seine Marke zur Verfügung stellte, dass man von der
langfristigen Perspektive überzeugt war. Das Vorgehen BenQs sei
nicht absehbar gewesen. «Wenn das vorhersehbar gewesen wäre,
hätte man sich mit anderen Lösungen befassen
können.»
Die öffentliche Kritik an Siemens kann Kaeser nur teilweise
nachvollziehen. «Ich verstehe zwar die Betroffenheit der
Mitarbeiter», sagte er. «Polemik und Trillerpfeifen alleine
lösen aber die Probleme nicht.» Siemens sei der
drittgrößte Steuerzahler unter den DAX-Werten in Deutschland
und fühle sich dem Land verpflichtet. «Es ist absurd zu
sagen, wir seien nicht patriotisch.» Allein im vergangenen Jahr
sei die Zahl der Arbeitsplätze im Inland um 4 000 Stellen
gestiegen, weltweit seien es 37 000 gewesen. 80 Prozent des
Geschäfts von Siemens eilten derzeit «von einem Rekord zum
nächsten». Das Management müsse sich bei der Entwicklung
des Unternehmens auf die Dinge konzentrieren, die am Erfolg
versprechendsten seien. «Nur der nachhaltige Erfolg eines
Unternehmens sichert langfristig die Arbeitsplätze.»
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv: BenQ Mobile steht vor der Insolvenz
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Harte Kritik der
Betriebsräte: 'Siemens hat uns arglistig getäuscht'. Auch
Politiker werfen Münchner Konzern vor, Insolvenz von BenQ in Kauf
genommen zu haben...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0609290.htm#06092912
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0609290.htm#060929_s