Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsechsundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Ministerpräsident Al-Maliki stellt neuen Plan zur Beendigung der
Gewalt im Irak vor. Dutzende Angestellte in Bagdad entführt. Bei
Überfällen und Anschlägen kommen mindestens 20 Menschen
zu Tode
Di.03.10.06 - Zur Eindämmung der Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak
hat Ministerpräsident Nuri al-Maliki einen einen neuen Plan
vorgestellt. Demnach sollen in jedem Stadtbezirk von Bagdad
örtliche Ausschüsse gebildet werden, die unter anderem die
Bemühungen der Sicherheitskräfte um Ruhe und Ordnung
überwachen sollen. Noch zwei weitere Ausschüsse sollen die
Suche nach Frieden beratend unterstützen, wie Al-Maliki am
Montagabend nach einem Treffen mit führenden sunnitischen und
schiitischen Regierungsmitgliedern bekannt gab.
«Wir haben den Beschluss gefasst, den sektiererischen Hass ein
für alle Mal zu beenden», betonte der Regierungschef, der
selbst zur schiitischen Glaubensgemeinschaft gehört. Den
Ausschüssen sollen nach seinen Worten Repräsentanten aller
Parteien, religiösen Gruppen und Volksgruppen sowie der
Sicherheitskräfte vertreten sein. Neben dem Ausschuss zur
Überwachung der Sicherheitskräfte vor Ort soll ein zentrales
Gremium in ähnlicher Zusammensetzung mit dem Kommando der
Streitkräfte zusammenarbeiten. Ebenso soll es einen Ausschuss
für die Medien geben. Punkt vier des Plans besteht laut Al-Maliki
darin, dass sich sämtliche Parteien einmal im Monat treffen, um
Fortschritte zu überprüfen.
Bewaffnete haben am Montag in Bagdad mehrere Computerläden
überfallen und 14 Angestellte entführt. Laut Polizei fuhren
gegen Mittag sieben Fahrzeuge vor der Technischen Universität vor.
Uniformierte Männer hätten die Läden umstellt und die
Mitarbeiter mit vorgehaltener Waffe gezwungen, in die Geländewagen
zu steigen, sagte ein Polizeisprecher. Erst am Sonntagabend waren 26
Arbeiter einer Lebensmittelfirma in Bagdad verschleppt worden.
Zwei Beschäftigte des fleischverarbeitenden Betriebes weigerten
sich, in einen Kühltransporter einzusteigen, und wurden nach
Polizeiangaben erschossen.
Derartige Massenentführungen gehen normalerweise auf das Konto
sunnitischer oder schiitischer Extremisten, die die Angehörigen
ihrer jeweiligen Glaubensgemeinschaft aussondern und die anderen
töten.
Unter den US-Soldaten in der westirakischen Unruheprovinz El Anbar hat
es drei Tote gegeben. Wie die Armeeführung mitteilte, erlagen zwei
Marineinfanteristen am Sonntag ihren im Kampf erlittenen Verletzungen,
ein dritter starb bei einem Verkehrsunfall.
In der südirakischen Stadt Basra kam am Sonntag ein britischer
Soldat bei einem Mörserangriff auf das Hauptquartier seines
Bataillons ums Leben, ein weiterer wurde verletzt. Ein Geschoss landete
in einem benachbarten Wohnhaus. Dabei wurden ein siebenjähriger
Junge und seine drei Jahre alte Schwester getötet. In Suwairah, 40
Kilometer südlich von Bagdad, wurden sieben geköpfte Leichen
entdeckt. Im Osten der Hauptstadt wurden zwei Tote gefunden. Sie waren
gefesselt und wiesen Schusswunden sowie Folterspuren auf.
Die Explosion einer am Straßenrand gelegten Bombe in der
Innenstadt von Bagdad kostete am Montag vier Menschen das Leben, 13
weitere wurden verletzt. In der Gegend von Al Hai im Südirak
überfielen Bewaffnete eine Polizeipatrouille und töteten zwei
Polizisten. Im Bagdader Stadtteil Jarmuk fiel ein irakischer Soldat
einem Anschlag zum Opfer. Ein weiterer Bombenanschlag in der Hauptstadt
kostete einen Polizisten und eine Zivilperson das Leben. Am
Montagnachmittag wurde ein Wachmann des Bildungsministeriums in seinem
Wagen erschossen. In Basra wurde ein Mordanschlag auf den örtlichen
Leiter des Militärgeheimdienstes verübt. Südlich von
Hillah wurde ein Zivilist aus einem fahrenden Auto heraus erschossen.
Auch in Mossul wurde ein Polizist erschossen.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 03.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertzweiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.03.10.05 - Parlament ändert Abstimmungsregel für Verfassungsreferendum:
Hürden für Ablehnung durch sunnitische Minderheit erhöht.
Streit in der irakischen Führung zwischen Kurden und Schiiten +++
Fünf Richter für Saddam Husseins Prozess bestimmt +++ Leichen
von vier Irakern gefunden +++ Human Rights Watch kritisiert
Aufständische im Irak: Anschläge gegen Zivilisten als
Kriegsverbrechen verurteilt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510030.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Libanesische Armee will israelische 'Aggressionen' erwidern. Hamas
lehnte laut Ägypten Gefangenenaustausch mit Israel ab. Neue
Unruhen zwischen Fatah und Hamas im Gazastreifen
Di.03.10.06 - Die libanesische Armee wird nach den Worten ihres Chefs Michel Sleiman
auf neuerliche israelische "Aggressionen" reagieren. "Ich fordere euch
auf, jeglicher israelischer Aggression entgegenzutreten", sagte Sleiman
am Montag während einer Fahnenzeremonie in Labbuneh nahe der Grenze
zu Israel. Libanesische Soldaten bezogen erstmals seit vier Jahrzehnten
Stellung entlang der so genannten blauen Linie in der Grenzregion im
Süden des Landes, unter anderem in den Dörfern Kfar Kila,
Adaysse, Marun el Ras und Marwahin.
Die palästinensische Hamas hat nach ägyptischen Angaben einen
Gefangenenaustausch mit Israel abgelehnt. Außenminister Ahmed Abul
Gheit sagte dem Sender Al Arabija am Montag, es habe ein von
Ägypten vermittelte Angebot gegeben, bis zu 1.000 inhaftierte
Palästinenser gegen den Ende Juni verschleppten israelischen
Soldaten Gilad Schalit auszutauschen. «Die Antwort war
nein», sagte Gheit. Schalit war am 25. Juni im Gazastreifen von
palästinensischen Extremisten, die der radikalislamischen
Regierungspartei Hamas nahe stehen, entführt worden. Israel hat
mit militärischen Aktionen im Gazastreifen gedroht, wenn der
Soldat nicht bis zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan
freigelassen wird.
Bewaffnete Anhänger der radikalislamischen Hamas-Regierung und der
Fatah des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas haben
sich im Gazastreifen erneut heftige Gefechte geliefert. Dabei wurden am
Montagabend in Rafah mindestens zwei Menschen getötet und 14
weitere verletzt. Den ganzen Tag über war die Lage in dem
Autonomiegebiet gespannt, wo am Wochenende acht Menschen der
innerpalästinensischen Gewalt zum Opfer gefallen waren und rund
100 Verletzungen erlitten.
Auch im Westjordanland kam es zu Auseinandersetzungen. Die Fatah
versuchte dort einen Generalstreik durchzusetzen, was auf den
Widerstand der Hamas-Milizen stieß. Aus Protest gegen
Übergriffe der Fatah auf Regierungsgebäude, ließ die
Hamas-Regierung schließlich sämtliche Ministerien in
Ramallah schließen.
(Quellen: ap, afp)
Russland ordnet Strafmaßnahmen gegen Georgien an - Regierung in
Tiflis übergibt russische Offiziere an OSZE
Di.03.10.06 - Im Streit mit Georgien hat Russland wirtschaftliche
Strafmaßnahmen angeordnet und vor einer Einmischung Dritter
gewarnt. Jedes Eingreifen sei inakzeptabel und gefährlich, sagte
Präsident Wladimir Putin am Montag. Die Regierung in Tiflis
übergab die vier unter dem Vorwurf der Spionage festgenommenen
russischen Offiziere an die Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (OSZE). An Bord einer russischen Maschine
wurden sie nach Moskau geflogen, wie das Notfallministerium mitteilte.
Die Männer wurden von zwei weiteren Offizieren begleitet, die im
Zusammenhang mit dem Spionagevorwurf von georgischen Behörden
gesucht wurden und sich in russischen Militärstützpunkten
versteckt gehalten hatten. Der georgische Außenminister Gela
Beschuaschwili hatte die vier Festgenommenen zuvor an seinen belgischen
Kollegen und OSZE-Vorsitzenden Karel De Gucht übergeben. In einer
im Fernsehen übertragenen Rede bekräftigte die
Staatsanwaltschaft die Spionagevorwürfe gegen die Männer und
untersagte ihnen für die Zukunft die Einreise nach Georgien.
Putin erklärte nach Angaben des Kremls in einem Telefonat mit
US-Präsident George W. Bush, bei einer Einmischung Dritter in den
Konflikt könnte sich die georgische Regierung in ihrer
«destruktiven Politik» unterstützt fühlen.
Das russische Verkehrsministerium teilte mit, alle Verkehrs- und
Postverbindungen nach Georgien würden eingestellt. Die
Fluggesellschaft Aeroflot will das Nachbarland vom (heutigen) Dienstag
an nicht mehr anfliegen. Parlamentspräsident Boris Grislow sagte
laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax, das Parlament wolle
außerdem eine Gesetzesänderung beschließen, wonach die
russische Regierung Bankgeschäfte mit anderen Ländern
verbieten kann. Viele Georgier arbeiten in Russland und überweisen
Geld nach Hause.
Die Nachrichtenagentur ITAR-Tass berichtete darüber hinaus, die
russische Eisenbahngesellschaft werde ein geplantes Geschäft mit
Georgien über Ersatzteile für Lokomotiven im Wert von 100
Millionen Rubel (2,95 Millionen Euro) streichen.
Putin warf den georgischen Behörden im Zusammenhang mit dem
Spionagestreit am Sonntag Staatsterrorismus vor. Moskau versetzte seine
Truppen in Georgien in höchste Alarmbereitschaft und erteilte
Schießbefehl für den Fall einer Gefahrensituation, wie der
Kommandeur der russischen Streitkräfte in Georgien, General Andrej
Popow, in Tiflis mitteilte.
Der georgische Präsident Michail Saakaschwili versuchte
unterdessen, die Spannungen mit Russland herunterzuspielen. Er habe die
Truppen seines Landes nicht in höchste Alarmbereitschaft versetzt,
weil es keine unmittelbare Bedrohung gebe, sagte Saakaschwili in der
Nacht zum Montag in Batumi am Schwarzen Meer vor ausländischen
Journalisten. «Wir nehmen keine der russischen Erklärungen
ernst.» Die Russen ließen nur ihre Muskeln spielen. Er habe
aber mit US-Außenministerin Condoleezza Rice über die Lage
gesprochen, fügte der Regierungschef hinzu.
Hinter dem Spionagefall steht der Konflikt zwischen Georgien und den
beiden abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien, die
aus georgischer Sicht beide von Russland unterstützt werden. Der
georgische Verteidigungsminister Irakli Okruaschwili erklärte, die
ganze Welt könne nun sehen, dass es bei den Konflikten um
Abchasien und Südossetien nicht um ethnische Konflikte gehe,
sondern dass es sich um Konflikte zwischen Georgien und Russland
handele.
(Quelle: ap)
Bush unterstützt EU-Beitritt der Türkei
Di.03.10.06 - US-Präsident George W. Bush hat die Unterstützung der USA
für einen EU-Beitritt der Türkei bekräftigt. Nach einem
Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip
Erdogan am Montag in Washington würdigte Bush die
Wirtschaftsreformen der Regierung in Ankara. Erdogan hatte am Sonntag
bei einem Besuch der Georgetown University erklärt, die
Türkei sei ein Land geworden, das der gesamten Region Sicherheit
und Stabilität bringe. Ein Beitritt der Türkei lasse die EU
von einer regionalen Kraft zu einer globalen Macht wachsen.
Auf der Tagesordnung des Treffens mit Bush stand auch der Kampf gegen
Rebellen der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK). Erdogan
erklärte nach dem knapp zweistündigen Gespräch, der
Schmuggel von in den USA hergestellten Waffen vom Nordirak in die
Türkei seitens der PKK fördere die anti-amerikanische
Stimmung. Bush habe seinen Entschluss betont, die PKK den Irak nicht
länger als Ausgangspunkt für Anschläge in der
Türkei nutzen zu lassen, sagte Erdogan. Bush erklärte, beide
Politiker wollten Terror bekämpfen und dem Nahen Osten Frieden
bringen. Zur PKK direkt äußerte er sich nicht.
(Quelle: ap)
271 Flüchtlinge in Lampedusa angekommen
Di.03.10.06 - Rund 270 Flüchtlinge haben am Montag versucht, von Afrika aus die
italienische Insel Lampedusa zu erreichen. Ein völlig
überfülltes Boot mit 230 Menschen an Bord sei in der Nacht
von einer Patrouille rund 50 Kilometer vor der Küste abgefangen
und nach Lampedusa gebracht worden, teilte die Hafenbehörde in
Palermo am Montag mit. Ein weiteres Boot mit 41 Personen habe wenige
Stunden später ebenfalls Lampedusa angesteuert, sagte ein Sprecher
der Hafenbehörde, Daniele Battaglia. Die Nationalität der
Schiffbrüchigen sei noch nicht bekannt. Battaglia sagte, in den
letzten Tagen sei die Zahl der Flüchtlinge auf Grund guter
Wetterbedingungen stark angestiegen. Am Wochenende hätten bereits
drei weitere Boote mit Dutzenden von Flüchtlingen Sizilien
erreicht.
Beinahe täglich versuchen im Mittelmeerraum Boote voller
Flüchtlinge nach Europa überzusetzen. Lampedusa liegt
näher an Afrika als am italienische Festland und wird daher
besonders häufig angesteuert. Wenn die Einreisenden keine
Aufenthaltsgenehmigung vorweisen können, werden sie jedoch wieder
ausgewiesen.
(Quelle: ap)
EU-Troika gegen Terror und illegale Einwanderung
Di.03.10.06 - Deutschland, Portugal und Slowenien wollen in der EU den Kampf gegen
den Terrorismus gemeinsam voran bringen. Weitere Schwerpunkte der
EU-Präsidentschaften der drei Länder zwischen Anfang 2007 und
Mitte 2008 sollen die Bekämpfung der illegalen Einwanderung, die
Entwicklung einer gemeinsamen Integrationsagenda und der Ausbau der
polizeilichen Zusammenarbeit sein. Zudem soll der interreligiöse
Dialog gefördert werden.
Deutschlands Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble legte am Montag
in Berlin mit seinen Amtskollegen aus Portugal und Slowenien eine
gemeinsame Agenda für die 18 Monate lange
«Teampräsidentschaft» der drei Länder vor.
Deutschland übernimmt am 1. Januar 2007 die
EU-Ratspräsidentschaft, am 1. Juli folgt Portugal und ein halbes
Jahr später Slowenien.
«Wir haben ein großes Maß an
Übereinstimmung», sagte Schäuble. Man habe nicht die
Absicht, alles neu zu beginnen, sondern wolle vor allem bestehende
Initiativen schnell umsetzen.
Im Kampf gegen den Terror soll der Informationsaustausch der
Sicherheitsbehörden ausgebaut und die Kontrolle des Internets
verstärkt werden. Die Verbreitung von Anleitungen zum Bau von
Sprengsätzen soll europaweit strafrechtlich sanktioniert werden.
Die grenzüberschreitende polizeiliche Zusammenarbeit soll weiter
verbessert werden. Unter anderem sollen grenzüberschreitende
Observationen und die Anforderung von Polizeikräften aus anderen
EU-Mitgliedsländern erleichtert werden.
Den Kampf gegen illegale Migration wollen Deutschland, Portugal und
Slowenien über das europäische Visum-Informationssystem, die
Nutzung biometrischer Merkmale in Visa und Ausweisdokumenten und die
Harmonisierung der europäischen Asylpolitik voran bringen. Zudem
soll die Grenzschutzagentur FRONTEX gestärkt werden. «Sie
muss zukünftig die nationalen Grenzpolizeien so anleiten und
koordinieren können, dass an allen unseren gemeinsamen
Außengrenzen illegale Einreisen zur Ausnahme werden»,
hieß es in einer Erklärung der Innenminister.
(Quelle: ap)
Tag der deutschen Einheit - Viele Ostdeutsche fühlen sich
weiter als Bürger zweiter Klasse - Altbundeskanzler Kohl sieht
'blühende Landschaften'
Di.03.10.06 - Die weitaus meisten Ostdeutschen fühlen sich auch 16 Jahre nach
der Wiedervereinigung noch als Bürger zweiter Klasse. Bei einer am
Montag veröffentlichten Umfrage bejahten 74 Prozent diese
Einschätzung, nur 26 Prozent gaben an, sich als vollwertige
Bürger akzeptiert zu fühlen. Einen Tag vor den
diesjährigen Einheitsfeiern in Kiel vertraten Politiker über
Parteigrenzen hinweg die Auffassung, der Osten sei noch jahrelang auf
finanzielle Hilfe angewiesen. Die meisten zogen aber eine positive
Bilanz der Einheit. Altbundeskanzler Helmut Kohl sieht seine Vorhersage
«blühender Landschaften» erfüllt.
Eine positive Nachricht kam derweil aus der Wirtschaft: Der
konjunkturelle Abstand zwischen Ost- und Westdeutschland wird nach
Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages nicht
weiter zunehmen. Dessen Chefvolkswirt Axel Nitschke sagte der
Chemnitzer «Freien Presse», die neuen Länder
hätten sogar erstmals seit drei Jahren wieder die Chance,
wirtschaftlich aufzuholen. Eine Umfrage bei 6.500 ostdeutschen
Unternehmen ergab demnach, dass die Wirtschaft dort 2006 mindestens
genauso stark wachse wie die im Westen. Insbesondere die ostdeutsche
Exportindustrie habe ihre Wettbewerbsfähigkeit gesteigert.
Altbundeskanzler Kohl schrieb in einem Beitrag für die
«Rheinische Post» zum Einheitsfeiertag: «An vielen
Orten zeigen sich die blühenden Landschaften. Und wir begreifen
uns als ein Volk und haben alle Chancen, als eine moderne Gesellschaft
die Zukunft zu gewinnen.» Bei der Umfrage des Emnid-Instituts
für N24 mit 1.000 Befragten vertraten jedoch 68 Prozent der
Ostdeutschen die Ansicht, die Bundesregierung tue zu wenig für die
neuen Länder; nur 31 Prozent bewerteten die Maßnahmen der
Politik als ausreichend.
Sowohl der für den Aufbau Ost zuständige Bundesminister
Wolfgang Tiefensee als auch Bundesratspräsident Peter Harry
Carstensen bekannten sich derweil zur Fortsetzung der Solidarität
mit den neuen Bundesländern. Tiefensee verwies in der ARD auf die
Vereinbarung, den Solidarpakt zwischen Ost und West bis zum Jahre 2019
weiterzuführen. Die Bundesregierung werde dafür 156
Milliarden Euro zur Verfügung stellen. «Aber es fällt
einer Reihe von Bundesländern noch schwer, dieses Geld zielgenau
einzusetzen», kritisierte der SPD-Politiker. Diese Länder
müssten «so schnell wie möglich auf den Pfad der Tugend
kommen».
Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Carstensen betonte,
Unterschiede gebe es nicht nur zwischen West und Ost, sondern auch
zwischen Nord und Süd. Auch künftig müsse es
Solidarität zwischen ärmeren und reicheren Bundesländern
in Form des Länderfinanzausgleichs geben, fügte der
CDU-Politiker im Inforadio des RBB hinzu. Carstensen richtet als
amtierender Bundesratspräsident am Dienstag in Kiel die zentralen
Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit aus, zu denen auch eine
Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört. In dem Interview
würdigte er zugleich die gewaltige Entwicklung, die Ost und West
seit Wiederherstellung der deutschen Einheit vor 16 Jahren gemacht
hätten.
Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, sagte, es
sei noch nicht zu spät, «aus der Einheit eine Vereinigung zu
machen». Dazu gehöre, bestimmte soziale Errungenschaften des
Ostens in ganz Deutschland einzuführen. Die
Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Fritz Kuhn
kritisierten, die große Koalition habe der hohen Arbeitslosigkeit
im Osten und andauernden Abwanderung von dort wenig entgegenzusetzen.
(Quelle: ap)
Gefahrenzone
Im Fußballsommer entbrannte eine Debatte über No-go-Areas
für afrikanische Gäste. Können sich Menschen mit dunkler
Haut in Ostdeutschland tatsächlich nicht mehr frei bewegen? Ist
der Hass auf alles Fremde ein Teil der dortigen Alltagskultur geworden?
Gehört der Osten noch zum Westen? Fünf Mitarbeiter des
SZ-Magazins haben mehrere Monate recherchiert. Herausgekommen ist ein
bestürzender Erfahrungsbericht, zusammengesetzt aus 22 Stimmen.
Und die Erkenntnis, dass 16 Jahre nach der Wiedervereinigung Teile des
Ostens zu einem anderen Land geworden sind... Mehr im
Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 39 | 28.09.2006:
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/index.php?
id=109&user_szmagdata_pi1[showUid]=237
Union plant laut Bericht strengere Regeln für Hartz-IV-Bezieher
Di.03.10.06 - Die Union verlangt laut einem Bericht deutliche Einschnitte bei den
Bezügen von Langzeitarbeitslosen. So sollen Bezieher von
Arbeitslosengeld II teure Autos verkaufen müssen, berichtete
«Focus Online» am Montag unter Berufung auf einen Entwurf
für den Abschlussbericht einer Arbeitsgruppe der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion unter Fraktionschef Volker Kauder. Zudem
wolle die Union die Möglichkeiten für anrechnungsfreie
geringe Nebenverdienste und die Ansprüche auf
Rentenbeitragszahlungen zurückfahren.
Bei den Autos wolle die Arbeitsgruppe eine Höchstwertgrenze
festlegen und verweise dabei auf Sozialgerichtsurteile mit einer
Wertgrenze von 10.000 Euro, schreibt das Magazin. Der pauschale
Grundfreibetrag für Nebenverdienste solle demnach von 100 auf 40
Euro gesenkt werden. Dafür sollen Einkommen ab 401 Euro, also
jenseits der Minijob-Grenze, künftig weniger stark
berücksichtigt werden. Die Ansprüche auf
Rentenmindestbeiträge aus der Staatskasse sollen dem Bericht
zufolge nach dem Willen der Fraktion für frühere
Sozialhilfebezieher, Freiberufler und Selbstständige völlig
verschwinden.
(Quelle: ap)
Einigung im Streit um Gesundheitsreform rückt näher -
Kompromiss in entscheidenden Detailfragen
Di.03.10.06 - Im Streit um die Gesundheitsreform rückt eine Einigung näher.
Vor der entscheidenden Spitzenrunde der Koalition am (morgigen)
Mittwoch kamen sich die Fachleute von Union und SPD am Montagabend in
strittigen Punkten näher. CSU-Chef Edmund Stoiber lehnt es
allerdings ab, bei dem Koalitionstreffen eine abschließende
Entscheidung zu treffen. Ein endgültiger Beschluss sei nicht
möglich, ohne dass ein entscheidungsreifer Text vorliege,
hieß es aus der CSU.
Beim Risikostrukturausgleich der gesetzlichen Krankenkassen und beim
Umbau der Privatversicherungen erzielten die Koalitionspartner nach
Angaben des CSU-Politikers Wolfgang Zöller und seiner SPD-Kollegin
Elke Ferner eine Teileinigung. Zöller sagte, man sei sich
«näher gekommen». Ferner sprach von einem «wohl
austarierten Vorschlag», der jetzt aufgeschrieben werden
müsse, damit am Mittwoch eine tragfähige Entscheidung
getroffen werden könne.
Ferner sagte, die umstrittene Ein-Prozent-Regelung müsse auf
Spitzenebene geklärt werden. Bei allen anderen Punkten sei man
sich einig. Den Reform-Eckpunkten zufolge sollen Kassen, die mit dem
Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen, einen Zusatzbeitrag von
ihren Versicherten erheben können, der aber höchstens ein
Prozent des Haushaltseinkommens betragen soll. Auf dieser Deckelung
beharrt die SPD, während die Union sie anheben will.
Stoiber sagte, ein entscheidungsreifer Entwurf sei auch drei Monate
nach der Vereinbarung der Eckpunkte nicht in Sicht. In der CSU wurde
betont, die Reform müsse handwerklich sauber sein. Diese Lehre
habe man aus der Nacht zum 3. Juli gezogen. Damals hatte der
Koalitionsausschuss in einer Marathonsitzung die Eckpunkte zur
Gesundheitsreform festgelegt, die nun für heftigen Streit sorgen.
Stoiber will beim Spitzentreffen auch darauf bestehen, dass die
Interessen der Bundesländer mit finanzstarker Bevölkerung
besser berücksichtigt werden.
Spitzenpolitiker von CDU und SPD haben dagegen den festen Willen
bekundet, sich bei dem Spitzentreffen endgültig zu
verständigen. Auch der stellvertretende Regierungssprecher Thomas
Steg bekräftigte das Ziel, die Reform in der zweiten
Oktoberhälfte im Kabinett zu beschließen.
(Quelle: ap)
Siemens richtet 35-Millionen-Euro-Fonds für BenQ-Beschäftigte
ein - Siemens-Vorstand verzichtet auf umstrittene Gehaltserhöhung
- Bayern will BenQ Mobile unterstützen - Siemens-Chef Kleinfeld:
Haben bei Geschäft mit BenQ moralisch gehandelt
Di.03.10.06 - Nach der heftigen Kritik an Siemens wegen der Pleite des Handy-Bauers
BenQ richtet der Münchner Konzern einen Hilfsfonds für seine
ehemaligen Beschäftigten ein. Der 35 Millionen Euro schwere Fonds
solle "unmittelbare Härten" abfedern, erklärte Siemens-Chef
Klaus Kleinfeld am Montag. In den Härtefonds werden die
Siemens-Vorstände auch ihre umstrittenen Gehaltserhöhungen
für ein Jahr in einer Gesamthöhe von fünf Millionen Euro
einzahlen, auf die sie nun verzichten. Ein Gewerkschaftssprecher
kritisierte, der Fonds sei "nicht hinreichend". Den 3000 Betroffenen
sei dauerhaft nur "mit einem erhaltenen Arbeitsplatz geholfen". Siemens
hatte seine verlustreiche Handy-Sparte vor einem Jahr an die
taiwanische BenQ verkauft.
Die 35 Millionen Euro im Fonds - rechnerisch 11.666 Euro für jeden
der 3000 Betroffenen - sollen den BenQ-Beschäftigten laut
Kleinfeld "in Form von Finanzhilfen, Qualifizierungsmaßnahmen,
Weiterbildung und Umschulung zu Gute kommen". Fünf Milionen des
Fonds stammen aus dem Verzicht auf die umstrittene Gehaltserhöhung
um durchschnittlich rund 30 Prozent, die seit Wochen von Politikern und
Siemens-Beschäftigten verurteilt worden.
Zudem würden BenQ-Mitarbeiter bei der Besetzung von mehr als 2000
offenen Siemens-Stellen in Deutschland wie interne Bewerber behandelt
und "aktiv" bei der Suche nach einer neuen Stelle unterstützt.
Betroffen von der Insolvenz sind rund 1400 BenQ-Beschäftigte in
München und 1600 in den nordrhein-westfälischen Standorten
Bocholt und Kamp-Lintfort.
Politiker quer durch die Parteien begrüßten den Fonds.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die mit Kleinfeld telefoniert
hatte, sagte der "Bild"-Zeitung, sie begrüße es, wenn
Siemens jetzt alles tue, "um möglichst vielen Beschäftigten
eine Zukunftsperspektive zu geben". Sie habe gegenüber Siemens
deutlich gemacht, "dass dieses Traditionsunternehmen in einer
besonderen Verantwortung steht". SPD-Generalsekretär Hubertus Heil
begrüßte, dass sich Siemens "zu seiner Verantwortung
bekennt", wenn auch "möglicherweise auf öffentlichen Druck
hin".
Der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) kündigte nach
einem Treffen mit Vertretern der BenQ-Belegschaft, des DGB und der IG
Metall an, der Freistaat wolle sich an den Versuchen zur Rettung der
insolventen Firma beteiligen. "Wir wollen, dass es auch in Zukunft in
Deutschland Entwicklung, Produktion und Verkauf von Handys gibt", sagte
Huber. Er appellierte an die Verbraucher, sich im
Weihnachtsgeschäft beim Kauf eines neuen Handys für eines von
BenQ zu entscheiden.
Nach Angaben Hubers ist die bayerische Landesregierung bereit, sich an
einer von den Gewerkschaften vorgeschlagenen so genannten
Clearing-Stelle zu beteiligen. Dabei sollen zusammen mit IG Metall und
DGB sowie Siemens als früherem Besitzer alle rechtlichen
Möglichkeiten zugunsten der 3000 Beschäftigten von BenQ
ausgeschöpft werden. Eine der wichtigsten Fragen für die
Zukunft sei, inwieweit die Patente noch in Deutschland lägen oder
bereits zum BenQ-Mutterkonzern nach Taiwan abgeflossen seien, sagte
Huber.
Der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer forderte Siemens auf,
so schnell wie möglich die Verträge offen zu legen. "Die
Kernfrage ist, wo liegen die Patente." Falls diese unwiderruflich bei
BenQ in Taiwan lägen, sehe er keine Chance, über den 1.
Januar 2007 hinaus in Deutschland Handys zu produzieren. Kleinfeld
erklärte, Siemens habe rund 600 Patentfamilien eingebracht und
BenQ das Markennutzungsrecht für fünf Jahre eingeräumt.
Neugebauer nannte den Siemens-Fonds "noch nicht einmal einen Tropfen
auf den heißen Stein". Siemens müsse zusätzliche
Bilanzmittel zur Verfügung stellen. Auch der Sprecher der IG
Metall Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Nettelstroth, forderte Siemens
auf, zu einer Lösung zur Fortführung der BenQ-Produktion in
Deutschland beizutragen. "Den Menschen ist nicht mit einem verlorenen,
sondern nur mit einem erhaltenen Arbeitsplatz geholfen."
Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat unterdessen den Verkauf der
verlustreichen Handy-Sparte an die taiwanische BenQ verteidigt. Der
Handy-Bauer BenQ habe Siemens damals "sehr glaubhaft versichert", die
Standorte in Deutschland "nicht nur zu übernehmen und
fortzuführen, sondern auch auszubauen", sagte Kleinfeld am
Montagabend im heute-journal des ZDF. Siemens habe damals "moralisch"
gehandelt, weil das Unternehmen "alles daran gesetzt" habe, einen
Partner zu finden, der das Geschäft weiterführe. Dabei sei
die Variante mit BenQ Siemens "signifikant teurer zu stehen gekommen",
aber alle anderen Varianten hätten den Nachteil gehabt, "dass sie
nicht die deutschen Fertigungsstandorte erhalten hätten", sagte
Kleinfeld.
Im Vertrag mit BenQ seien zudem "Arbeitsplatzgarantien vorgesehen",
sagte Kleinfeld weiter. Diese würden derzeit juristisch
überprüft. "Wir haben eine Reihe von Rechtsanwälten
dran", betonte der Siemens-Chef. Entscheidend sei aber, dass BenQ sich
"in keiner Weise an diese Intention gehalten" habe, das Geschäft
weiterzuführen.
Jetzt gehe es vordringlich darum, den von der Pleite Betroffenen
schnell Hilfe zukommen zu lassen, sagte Kleinfeld. Dazu diene der
aufgelegte Fonds.
(Quelle: afp)
Der entzauberte Wunderknabe Klaus Kleinfeld
Dass bei Siemens-Vorstnadschef Kleinfeld der Lack ab ist, hat nicht nur
mit BenQ zu tun... Mehr in der taz vom 02.10.96:
http://www.taz.de/pt/2006/10/02/a0089.1/text
Blick ins Archiv: BenQ Mobile steht vor der Insolvenz
3000 Mitarbeitern der ehemaligen Siemens-Handysparte droht Entlassung.
Harte Kritik der
Betriebsräte: 'Siemens hat uns arglistig getäuscht'. Auch
Politiker werfen Münchner Konzern vor, Insolvenz von BenQ in Kauf
genommen zu haben...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0609290.htm#06092912
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0609290.htm#060929_s
SPD-Präsidium bekräftigt Nein zu Abkehr vom Atomausstieg
Di.03.10.06 - Die SPD beharrt auf ihrem Nein zu einer Abkehr vom Atomausstieg. Es
bleibe «beim geordneten Ausstieg aus der Atomkraft»,
betonte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil am Montag nach einer
Präsidiumssitzung seiner Partei in Berlin.
In einem zuvor von dem Spitzengremium verabschiedeten Beschluss
heißt es dazu: «Der Atomausstieg gilt. Wir sind
vertragstreu. Das erwarten wir auch von der Energieindustrie.»
Wer zu Recht langfristige Investitionssicherheit und
Verlässlichkeit von der Politik fordere, dürfe «mit
geschlossenen Vereinbarungen nicht sprunghaft umgehen».
Sowohl bei der «Behandlung bestehender Atomkraftwerke» als
auch bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven
Müll habe für die SPD «Sicherheit oberste
Priorität», heißt es in dem Papier weiter. Damit der
Atommüll so sicher wie möglich endgelagert wird, müsse
erkundet werden, ob es in Deutschland sicherere Standorte als Gorleben
gebe.
Mit Blick auf den Energiegipfel am 9. Oktober betonte Heil, nach dem
Willen der SPD solle der Vorteil Deutschlands auf dem Weltmarkt in den
Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien weiter ausgebaut
werden, um so auch zum Klimaschutz beizutragen. Auch trete seine Partei
dafür ein, die Treibhausgasemissionen in Europa bis 2020 um 30
Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Dazu sollten auch die
EU-Ratspräsidentschaft und der G8-Vorsitz Deutschlands im
kommenden Jahr genutzt werden.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Nobelpreis für Medizin geht an zwei US-Forscher
Di.03.10.06 - Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die
amerikanischen Genforscher Andrew Fire und Craig Mello. Das Nobelkomitee
ehrte die beiden Forscher am Montag für ihre Entdeckung der so
genannten RNA-Interferenz, einen Mechanismus, der in einem Organismus
für das Ausschalten einzelner Gene verantwortlich ist. Die
RNA-Interferenz kommt bereits jetzt bei Laborversuchen zum Einsatz und
soll in Zukunft auch als Therapie zur Blockade von Gen-Segmenten
eingesetzt werden.
Die RNA-Interferenz (RNAi) ist ein Zellmechanismus, der bei Menschen,
Tieren und Pflanzen die Aktivität von Genen in einer Zelle
beeinflusst. Er wird von doppelsträngigen RNA-Molekülen
ausgelöst. Im Mittelpunkt der RNAi steht die Boten-RNA (mRNA).
Taucht in einer Zelle fremde RNA wird, reagiert die Zelle, indem sie die
gesamte mRNA zerstört, die genauso aufgebaut ist wie der
«Eindringling». Dadurch werden von dieser mRNA keine
Proteine mehr produziert. Forscher bringen inzwischen künstliche
RNA-Moleküle in Zellen ein, um krankmachende Gene stillzulegen.
Eines der größten Probleme bei der Anwendung von RNAi in der
Therapie besteht darin, die RNA genau dorthin zu schleusen, wo sie
gebraucht wird.
Das Nobelkomitee erklärte, die RNA-Interferenz sei von
großer Bedeutung für die Regulierung der Ausbildung von
Erbfaktoren, spiele eine Rolle bei der Abwehr von Virusinfektionen und
halte die so genannten «jumping genes» unter Kontrolle,
DNA-Stücke, die sich im Genom eines Lebewesens frei bewegen
können.
Die Erkenntnisse von Fire und Mello hätten bereits jetzt einen
enormen Effekt auf die biomedizinische Forschung gehabt. Die RNAi wird
in der Grundlagenforschung bereits häufig eingesetzt, um die
Funktionen einzelner Gene zu untersuchen und könnte in der Zukunft
zu neuen Therapien führen, wie das Komitee weiter erklärte.
Erna Möller vom Nobelkomitee sagte, die Forschungsarbeiten der
Preisträger hätten ein neues Licht auf einen komplizierten
Prozess geworfen, der die Wissenschaft schon seit Jahren
beschäftigt habe. «Es war, als würde man am Morgen die
Fensterläden öffnen», erklärte sie.
«Plötzlich sieht man alles klar und deutlich.» Fire von
der Standford-Universität und Mello von der University of
Massachusetts Medical School in Worcester veröffentlichten ihre
Forschungsergebnisse bereits 1998.
Fire erklärte, er fühlte sich geehrt, dass die Arbeit so viel
positive Aufmerksamkeit erhalte. Er verwies jedoch darauf, dass
Forschung immer Team-Arbeit sei. «Bitte verstehen Sie, dass an den
jüngsten Fortschritten auf dem Gebiet der Gene-Unterdrückung
Forschungsarbeiten aus der ganzen Welt beteiligt waren»,
erklärte Fire in einer Stellungnahme.
Der Preis ist mit zehn Millionen Kronen (1,07 Millionen Euro) dotiert.
Die beiden Forscher waren für ihre Entdeckung bereits im März
mit dem wichtigsten deutschen Medizinpreis ausgezeichnet worden. Sie
erhielten den mit 100.000 Euro dotierten Paul-Ehrlich-und
Ludwig-Darmstädter-Preis.
Im vergangenen Jahr bekamen die australischen Wissenschaftler Barry
Marshall und Robin Warren den Medizin-Nobelpreis für ihre
Forschungen zum Helicobacter-Bakterium, das eine wichtige Rolle bei
Gastritis und Magengeschwüren spielt.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.nobel.se/
Parasitäre Pflanzen erschnüffeln ihre Opfer - Zeitdruck macht
Teufelszwirne erfinderisch
Di.03.10.06 - In verschiedenen Experimenten mit dem Teufelszwirn und Tomatenpflanzen,
den Lieblingspflanzen des Parasiten, konnten die Forscher um Justin
Runyon den Mechanismen der Duftsignale auf die Spur kommen. Demnach
reagierten die Parasiten auf die Tomatenpflanze und auf Gummi, das mit
mehreren Duftnoten von Tomaten behandelt wurde. Ein Topf mit grün
und rot gefärbtem Wasser oder visuelle Stimulierung, lockte den
Schädling hingegen nicht an. Für den Parasiten, der selbst
nicht mit Photosynthese Nahrung herstellen kann, ist die Frage nach der
Wirt-Suche ein Zeitproblem, das er schnell lösen muss, da er sonst
stirbt.
Offensichtlich orientieren sich die Parasiten an den Terpenen der
Wirtspflanze, wie die Forscher auch in anderen Versuchen deutlich
feststellen konnten. Demnach ist der Parasit aber auch in der Lage
zwischen guten und schlechten Wirtspflanzen zu unterscheiden. Beim
Getreide stießen die Forscher auf einen Duftstoff, der dem
Teufelszwirn offensichtlich gar nicht behagt. Co-Autor Mark Mescher
verglich das Verhalten der Parasiten mit jener von Läusen.
"Pflanzen duften aus verschiedenen Gründen", meint der Biologe
Joachim Ruther vom Institut für Biologie der Freien
Universität Berlin im Interview mit der Agentur pressetext (pte).
"Diese Terpene locken aber nicht nur Schädlinge herbei, sondern
schützen die Pflanzen auch vor anderen Feinden wie etwa
Herbivoren", erklärt der Experte das Wettrüsten um die
Duftstoffe. "Offensichtlich ist der Vorteil aus den Düften
größer als der Nachteil." Das Wissen um die Duftstoffe bietet
jedenfalls einen Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer
Pflanzenschutzmittel. Allein in den USA belaufen sich die Kosten
für die Bekämpfung des Teufelszwirnes, der auch Karotten und
Zwiebel vernichtet, jährlich vier Mio. Dollar.
(Quelle: pte)