Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsiebenundzwanzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Volksgruppen streiten über neuen Plan zur Eindämmung der
Gewalt. Neun amerikanische Soldaten im Großraum Bagdad getötet
Mi.04.10.06 - Im Irak streiten Sunniten und Schiiten über einen neuen Plan von
Ministerpräsident Nuri al-Maliki zur Eindämmung der Gewalt.
Danach sollen in jedem Stadtbezirk von Bagdad örtliche
Ausschüsse gebildet werden, die unter anderem die Bemühungen
der Sicherheitskräfte um Ruhe und Ordnung überwachen sollen.
Die Parteispitzen wollten am Dienstag die Einzelheiten des Plans
ausarbeiteten, stritten aber bereits über die Formulierungen.
Die schiitischen Parteien erklärten, der neue Plan solle sich auf
die Bekämpfung des «Terrorismus» konzentrieren, also
auf die Aufständischen. Die Sunniten forderten dagegen, es
müsse um die Bekämpfung der «Gewalt» im
allgemeinen gehen, was auch schiitische Milizen einschließen
würde. Den Ausschüssen sollen nach Angaben Al-Malikis
Repräsentanten aller Parteien, religiösen Gruppen und
Volksgruppen sowie der Sicherheitskräfte angehören.
Neben dem Ausschuss zur Überwachung der Sicherheitskräfte
soll ein zentrales Gremium in ähnlicher Zusammensetzung mit dem
Kommando der Streitkräfte zusammenarbeiten. Ebenso soll es einen
Ausschuss für die Medien geben. Punkt vier des Plans besteht laut
Al-Maliki darin, dass sich sämtliche Parteien einmal im Monat
treffen, um Fortschritte zu überprüfen.
Bei Angriffen von Rebellen im Großraum Bagdad wurden nach
US-Militärangaben vom Dienstag neun amerikanische Soldaten
getötet. Vier seien Angriffen mit Kleinfeuerwaffen zum Opfer
gefallen, vier weitere seien bei einem Bombenanschlag auf ihre
Patrouille nordwestlich von Bagdad ums Leben gekommen, erklärten
die Streitkräfte. Der neunte Soldat sei getötet worden, als
sein Fahrzeug von einem Sprengsatz getroffen worden sei.
Bei einem Selbstmordanschlag auf einem Fischmarkt in Bagdad wurden am
Dienstag nach Polizeiangaben zwei Menschen getötet und 19 verletzt.
Andere Anschläge kosteten mindestens sieben weitere Menschen im
Irak das Leben. Bei neuen Gewalttaten waren am Montag wieder mindestens
20 Menschen ums Leben gekommen.
Außerdem wurden 14 Angestellte von Computerläden
entführt. Laut Polizei fuhren gegen Mittag sieben Fahrzeuge vor der
Technischen Universität vor. Uniformierte Männer hätten
die Läden umstellt und die Mitarbeiter mit vorgehaltener Waffe
gezwungen, in die Geländewagen zu steigen, sagte ein
Polizeisprecher. Erst am Sonntagabend waren 26 Arbeiter einer
Lebensmittelfirma in Bagdad verschleppt worden. Die anhaltende Gewalt
kostete landesweit mindestens 18 Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 04.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertdreiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.04.10.05 - US-Streitkräfte töteten bei Großoffensive am Wochenende
36 Aufständische +++ Attentat auf irakischen Ölminister +++
Über 100 extremistische Saudis im Irak in Haft +++ Offener Streit in
irakischer Regierung +++ Arabische Liga will Konferenz der Versöhnung
im Irak +++ Verteilung des irakischen Verfassungstextes an Wähler
begonnen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510040.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Aufständische töten zwei US-Militärs in Afghanistan
Mi.04.10.06 - Mutmaßliche Taliban-Rebellen haben im Osten Afghanistans zwei
US-Militärs und einen afghanischen Soldaten getötet. Wie die
US-geführten Truppen mitteilten, ereignete sich das Gefecht, bei
dem drei US-Sodaten verletzt wurden, am Montagabend im Unruhedistrikt
Pech in der Provinz Kunar. An der seit Mitte September andauernden
"Operation Mountain Fury" (Operation Wut im Gebirge) in fünf
ostafghanischen Provinzen nehmen mehr als 4000 afghanische Soldaten und
Polizisten sowie 3000 Soldaten der US-geführten Streitkräfte
teil. Kunar gehört allerdings nicht zum Einsatzgebiet.
Insgesamt sind in Afghanistan etwa 20.000 Soldaten aus verschiedenen
Ländern unter US-Kommando sowie weitere 20.000 Soldaten der
NATO-geführten Afghanistantruppe ISAF im Einsatz.
(Quelle: afp)
NATO-Offiziere halten 150 000 Soldaten für Befriedung Afghanistans
für nötig - Ähnlich chaotische Verhältnisse wie im
Irak befürchtet
Mi.04.10.06 - Die Lage am Hindukusch wird von Tag zu Tag prekärer. «Wir
stehen möglicherweise in Afghanistan schon bald vor ähnlichen
chaotischen Verhältnissen wie im Irak», ließen
NATO-Offiziere aus dem Hauptquartier in Mons bei Brüssel wissen.
Für eine «wirkliche Befriedung» Afghanistans
würden nach Einschätzung der Offiziere «mindestens 150
000 Soldaten« gebraucht. Erst dann könnten die Taliban
endgültig besiegt und der Zustand des Landes nachhaltig gesichert
werden.
Die hohe Einsatzzahl sei allerdings eine Illusion, weil sie von den
NATO-Mitgliedstaaten »strikt abgelehnt« werde, sagten die
Offiziere. Gegenwärtig sind 33 000 ausländische Soldaten in
Afghanistan im Einsatz. Fast 500 sind seit dem Beginn des Kampfes gegen
die Taliban Ende 2001 ums Leben gekommen.
«Wir brauchen für den Einsatz in Afghanistan wesentlich mehr
Soldaten», hatten vor wenigen Tagen US-Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld und NATO-Oberbefehlshaber James Jones beim Treffen der
Bündnispartner in Slowenien gefordert. Zwischen den Ministern und
Militärs machte eine entscheidenden Frage die Runde: «Ist der
Süden Afghanistans angesichts des massiven Vorgehens der
Taliban-Kämpfer bereits verloren?» Rumsfeld wird mit den
Worten zitiert: «Wir stehen mit dem Rücken zur Wand».
Bei deutschen und anderen westlichen Politikern wird schon seit
geraumer Zeit immer intensiver gefragt, ob der afghanische
Präsident Hamid Karsai noch der richtige Mann an der Spitze des
Landes ist?. Er schien seinerzeit in der Lage, das zersplitterte Volk am
Hindukusch zu einen und einen Neubeginn für das kriegsgeplagte
Afghanistan herbeizuführen. In den zuständigen politischen
Kreisen in Berlin wird jetzt kein Hehl mehr daraus gemacht, dass Karsai
«seine Chancen nicht genügend genutzt hat».
In der afghanischen Hauptstadt Kabul wurde darauf aufmerksam gemacht,
dass die Imame die Gläubigen in den Moscheen dazu aufrufen, sich
dem Widerstand der Taliban gegen Karsai «schnell
anzuschließen». Der deutsche Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) brachte es bei der Debatte über eine
Verlängerung es Bundeswehreinsatzes auf den Punkt:
«Afghanistan ist dann verloren, wenn wir es aufgeben».
Den westlichen Geheimdiensten liegen «konkrete Hinweise»
vor, dass die wiedererstarkten Taliban »ihre Anschläge auch
zunehmend nach Kabul verlegen wollen». Am vergangenen Samstag
hatte sich ein Selbstmordattentäter vor dem Innenministerium in
Kabul in die Luft gesprengt und zwölf Menschen mit in den Tod
gerissen. Am Montag gab es in Kabul einen Selbstmordanschlag gegen einen
Konvoi der internationalen ISAF-Schutztruppe mit zahlreichen Verletzten.
In NATO-Offizierskreisen wurde auf einen «brisanten
Vorgang» der jüngeren Geschichte hingewiesen. Es ist
zwölf Jahre her, dass eine Friedenstruppe der Vereinten Nationen,
in der auch die Bundeswehr vertreten war, vor dem Chaos im
ostafrikanischen Somalia geflüchtet ist. Als die
aufständischen Islamisten einen toten amerikanischen Soldaten unter
dem Gegröle der Bevölkerung nackt durch die somalische
Hauptstadt Mogadischu schleiften, entschied sich Washington für den
sofortigen Abzug aus dem Land. Die Partner folgten umgehend. Die
NATO-Offiziere fragten besorgt, was geschehen wird, wenn die Taliban in
Afghanistan «jetzt ähnlich vorgehen»?
(Quelle: ddp)
Nahost-Konflikt
EU will Libanon bei Reform der Sicherheitskräfte
unterstützen. US-Außenministerin Rice wünscht andere
Palästinenserregierung. Fatah-nahe Palästinensergruppe droht
Exil-Hamas-Chef mit dem Tod
Mi.04.10.06 - Die EU will den Libanon bei der Reform seiner Sicherheitskräfte
unterstützen. Die Verteidigungsminister der 25 Mitgliedstaaten
vereinbarten am Dienstag bei ihrem Treffen in Finnland, sobald wie
möglich Experten in den Libanon zu entsenden, um Möglichkeiten
der Hilfestellung zu prüfen, wie ein EU-Beamter mitteilte. Die
Minister reagierten damit auf eine Bitte des libanesischen
Ministerpräsidenten Fuad Siniora an den EU-Außenbeauftragten
Javier Solana.
Die angestrebte Reform könnte alle Bereiche der Sicherheit im
Libanon umfassen, vom Grenzschutz über die Polizei bis hin zu den
Gefängnissen, sagte der EU-Beamte. Bedingung für eine
mögliche EU-Mission sei aber eine vollständige Umsetzung der
UN-Resolution 1701. Die EU würde damit ihre Rolle im Libanon
ausbauen, nachdem sie bereits das Rückgrat der UN-Friedenstruppe
UNIFIL stellt. Im Rahmen des UNIFIL-Einsatzes sollen auch bis zu 2.400
Bundeswehrsoldaten in die Region entsandt werden, um die Seegrenze des
Libanons zu überwachen. Die ersten deutschen Fregatten sind bereits
unterwegs zur libanesischen Küste.
US-Außenministerin Condoleezza Rice hat die Palästinenser zu
einem Regierungswechsel aufgerufen. Sie müssten eine Regierung
finden, die die Prinzipien des vom Nahost-Quartett ausgearbeiteten
Friedensplans respektiere, sagte Rice am Dienstag auf einer
Pressekonferenz im saudiarabischen Dschiddah. Zu den Grundsätzen
gehören unter anderem die Anerkennung des israelischen
Existenzrechts, Verzicht auf Gewalt und die Einhaltung der bestehenden
Verträge zwischen Israel und den Palästinensern. Die seit
April regierende Hamas-Bewegung lehnt alle Forderungen bisher ab.
Eine der Fatah nahestehende radikale Palästinensergruppe hat dem
Exil-Chef der Hamas, Chaled Meschaal, mit dem Tod gedroht. In einer am
Dienstag veröffentlichten Erklärung sprachen die
El-Aksa-Brigaden zudem Todesdrohungen gegen Hamas-Innenminister Said
Siam und den Sicherheitschef der Hamas in Gaza, Jussef el Sahar, aus.
Die drei wurden für die jüngsten gewalttätigen
Ausschreitungen zwischen Hamas- und Fatah-Anhängern verantwortlich
gemacht. "Die El-Aksa-Brigaden verkünden laut und stark die
Entscheidung des Volkes und der Revolution, den Kopf des Streites,
Chaled Meschaal, sowie Said Siam und Jussef el Sahar zum Tode zu
verurteilen", hieß es in der Erklärung. Die Gruppe werde
dieses Urteil vollstrecken.
(Quellen: afp, ap)
Nordkorea will Atomsprengsatz testen - Rice und Annan warnen das Regime
in Pjöngjang vor Atomwaffentest
Mi.04.10.06 - Nordkorea hat am Dienstag erstmals seine Absicht
verkündet, einen Atomsprengsatz zu testen. Dies sei im Interesse
der Selbstverteidigung angesichts von Drohungen aus den USA,
erklärte das Außenministerium in Pjöngjang über die
amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Der Atomwaffentest werde so
vorbereitet, dass die erforderliche Sicherheit gewährleistet sei.
Ein Termin wurde nicht genannt.
In der Erklärung des Ministeriums ist von der
«äußersten Bedrohung eines Atomkriegs» die Rede,
die von den US-Streitkräften in Südkorea ausgehe. Nordkorea
werde jedoch nie als erster Staat Atomwaffen einsetzen und trete nach
wie vor für eine atomwaffenfreie Zone auf der koreanischen
Halbinsel ein.
Die USA haben die Ankündigung eines nordkoreanischen
Atomwaffentests verurteilt. Ein solcher Test wäre eine
Provokation, erklärte Außenministerin Condoleezza Rice auf
einer Pressekonferenz in Kairo. Der amerikanische UN-Botschafter John
Bolton rief die Mitglieder des Sicherheitsrats zu
«präventiver Diplomatie» auf. Er müsse eine
«kohärente Strategie entwickeln, um sie (Nordkorea) davon zu
überzeugen, dass es nicht in ihrem Interesse liegt, sich mit
Atomtests zu beschäftigen», sagte der Diplomat.
UN-Generalsekretär Kofi Annan rief die Führung in
Pjöngjang zu «äußerster Zurückhaltung»
auf. Sie müsse das Moratorium für Atomwaffentests einhalten
und wieder an den so genannten Sechs-Parteien-Gesprächen
teilnehmen, erklärte Annans Sprecher Stéphane Dujarric. Ein
Atomtest würde die Spannungen in der Region verschärfen.
Auch der chinesische UN-Botschafter Wang Guangya erklärte, das
Thema sollte bei den Sechs-Parteien-Gesprächen auf den Tisch
kommen, die seit einem Jahr auf Eis liegen. Daran nahmen neben den
beiden koreanischen Staaten China, Japan, Russland und die USA teil.
Der Sicherheitsrat beschloss, sich erst am heutigen Mittwochmorgen
(Ortszeit) mit Nordkorea zu befassen. US-Botschafter Bolton sagte, man
sollte eine Art Brainstorming über die richtige Strategie abhalten
und nicht mit einer vorhersehbaren Erklärung reagieren. Sein
französischer Kollege Jean-Marc de la Sablière unterstrich
dagegen, er halte es für wichtig, dass der Sicherheitsrat schnell
eine eindeutige Stellungnahme abgebe.
Die japanische Regierung verurteilte die Ankündigung Nordkoreas
als Bedrohung für den Frieden in der Region und kündigte eine
ernsthafte Antwort an. Die Atomtestpläne seien unanehmbar, sagte
der neue Ministerpräsident Shinzo Abe nach einer Meldung der
Nachrichtenagentur Kyodo. In Südkorea wurde für Mittwoch eine
Dringlichkeitssitzung der für Sicherheitsfragen zuständigen
Minister angesetzt.
(Quelle: ap)
Iran schlägt Urananreicherung unter französischer Kontrolle
vor - UN-Diplomaten sehen kaum Chancen für Lösung im Atomstreit
Mi.04.10.06 - Im Streit um das iranische Atomprogramm hat Teheran eine
Urananreicherung unter französischer Kontrolle vorgeschlagen. Der
stellvertretende Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Mohammad
Saidi, sagte am Dienstag dem Radiosender France-Info, Frankreich solle
ein «Konsortium für die Produktion von angereichertem Uran im
Iran» gründen. So könne Frankreich über die
Nuklearunternehmen Eurodif und Areva wirksam die iranischen
Aktivitäten zur Anreicherung kontrollieren.
Ein Sprecher des französischen Außenministeriums wollte sich
nicht zu dem Vorschlag äußern. Charles Hufnagel vom
staatlichen Atomunternehmen Areva zeigte sich überrascht. Das
Unternehmen sei nicht an Verhandlungen über die Gründung eines
solchen Konsortiums beteiligt, sagte Hufnagel. Eurodif ist eine Sparte
von Areva, die in den 70er Jahren mit Unterstützung aus Belgien,
Spanien, Italien und dem Iran gegründet wurde. Nach der iranischen
Revolution 1979 wurde die Beteiligung Teherans reduziert. Derzeit halte
der Iran über ein französisch-iranisches Unternehmen einen
Anteil von elf Prozent an Eurodif, sagte Hufnagel.
Allen internationalen Vermittlungsbemühungen zum Trotz
kündigte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad eine
Ausweitung des Programms zur Anreicherung von Uran an. Ziel sei die
Produktion von Kernbrennstoff für die Stromgewinnung, sagte
Ahmadinedschad vor Professoren der Universität Teheran.
«Anschuldigungen der Vereinigten Staaten, wonach der Iran nach
Atomwaffen strebt, sind eine große Lüge»,
bekräftigte er am Sonntagabend in einer vom staatlichen Fernsehen
übertragenen Ansprache. Er hoffe, dass der Iran bis zu 100.000
Zentrifugen zur Uran-Anreicherung installieren könne.
Ahmadinedschad nannte dafür keinen zeitlichen Rahmen, doch
könnte dies einige Jahre in Anspruch nehmen.
Die internationale Staatengemeinschaft sucht zurzeit nach einer
gemeinsamen Haltung im Konflikt mit dem Iran, nachdem die Regierung eine
Frist des UN-Sicherheitsrats zur Einstellung der Urananreicherung hat
verstreichen lassen. Gespräche zwischen dem EU-Chefdiplomaten
Javier Solana und Ali Laridschani blieben bislang ohne Ergebnis. Solana
erklärte am Montag am Rande des EU-Verteidigungsministertreffens im
finnischen Levi, dass er noch nicht die Geduld verloren habe, sich
weiterhin um eine diplomatische Lösung zu bemühen.
Solana hat zurückhaltend auf den Vorschlag des Irans reagiert,
Uran unter französischer Kontrolle anzureichern. Die Gründung
eines Konsortiums für die Anreicherung von Uran für das
iranische Atomprogramm sei ein interessanter Gedanke, müsse aber
auf einer «multinationalen Basis» erfolgen, sagte Solana am
Dienstag nach dem Treffen der EU-Verteidigungsminister in Finnland.
«Wie die Franzosen schon gesagt haben: Es handelt sich nicht um
eine franko-iranische Initiative», betonte Solana. Der Vorschlag
könne nur im Gesamtzusammenhang verhandelt werden, sagte der
EU-Außenbeauftragte, der eine Aufspaltung der internationalen
Gemeinschaft im Atomstreit mit dem Iran offenkundig vermeiden will.
Eine Verhandlungslösung zur Beilegung des Atomstreits mit dem Iran
ist indes nach Ansicht von UN-Diplomaten kaum noch wahrscheinlich. Der
Weltsicherheitsrat stelle sich deshalb für die kommende Woche auf
Beratungen über Sanktionen gegen Teheran ein, erklärten die
Gewährsleute am Dienstag in New York. Es gebe bei den Vereinten
Nationen jedoch die Vereinbarung, die Gespräche zwischen dem
außenpolitischen EU-Beauftragten Javier Solana und dem iranischen
Chefunterhändler Ali Laridschani nicht vorzeitig für tot zu
erklären.
Solana will am (heutigen) Mittwoch abermals mit Laridschani
telefonieren, um nach Möglichkeit doch noch eine
Verhandlungslösung herbeizuführen. Der amerikanische
UN-Botschafter John Bolton sagte allerdings der Nachrichtenagentur AP,
der iranischen Regierung bleibe nur noch wenig Zeit, Sanktionen
abzuwenden. Sie müsse auf jeden Fall ihr Programm zur Anreicherung
von Uran aufgeben, um kein waffenfähiges Material zu erhalten.
(Quelle: ap)
Japan verteidigt geplante Abschaffung von pazifistischer Verfassung
Mi.04.10.06 - Der neue japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hat die von ihm
geplante Abschaffung der pazifistischen Verfassungsnorm verteidigt und
sich gegen Vorwürfe gewandt, die Beteiligung an einem
möglichen Krieg legitimieren zu wollen. Es gehe nicht darum, die
Streitkräfte in einen militärischen Konflikt im Ausland zu
schicken, sagte Abe am Dienstag in Tokio.
Der neue Regierungschef hatte bereits in der vergangenen Woche
erklärt, dass er die Stellung Japans in den internationalen
Beziehungen neu bewerten wolle. Die nach dem Zweiten Weltkrieg
verabschiedete pazifistische Verfassung Japans schränkt
Militäreinsätze bislang deutlich ein. Jede Beteiligung an
Kriegshandlungen wird generell abgelehnt. Der rechtskonservative
Politiker Abe wurde am 26. September zum neuen Ministerpräsidenten
gewählt. Schon im August hatte er angekündigt, im Fall einer
Regierungsübernahme die Verfassung ändern zu wollen.
(Quelle: ap)
Klimaschutzkonferenz in Mexiko berät über Strategie nach Kyoto
Mi.04.10.06 - Vertreter von 20 Staaten haben am Dienstag in Mexiko über
Strategien zum Klimaschutz nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls 2012
beraten. Neben den sieben größten Industrienationen und
Russland (G8) nahmen auch Länder wie China, Indien und Brasilien
an der Konferenz in Monterrey statt. Die britische
Außenministerin Margaret Beckett erklärte, die Entwicklung
«grüner» Technologien schaffe neue wirtschaftliche
Chancen. «Es ist ein Mythos, dass wirksame Klima-Maßnahmen
das Wachstum vernichten», sagte Beckett nach Angaben der
britischen Nachrichtenagentur PA. Der mexikanische Umweltminister
José Luis Luege forderte die Industrienationen auf, die
ärmeren Länder beim Einsatz umweltfreundlicher Techniken zu
unterstützen.
(Quelle: ap)
USA rufen Moskau zu Aufhebung der Sanktionen gegen Georgien auf
Mi.04.10.06 - Die USA haben an Russland appelliert, die Sanktionen gegen Georgien
aufzuheben. Diese trügen nicht zu einer Lösung des
langwierigen Konflikts bei, sagte der Sprecher des
US-Außenministeriums, Tom Casey, am Dienstag. Washington sei
enttäuscht über das Vorgehen Moskaus. Russland blockiert seit
Dienstag alle Verkehrsverbindungen und den Postverkehr mit der
Kaukasus-Republik. Es reagierte damit auf die Festnahme von vier
russischen Offizieren, die der Spionage beschuldigt und am Montag
über die Grenze abgeschoben wurden.
(Quelle: ap)
Nationalistische Parteien in Bosnien-Herzegowina abgewählt
Mi.04.10.06 - Die Volksgruppen in Bosnien-Herzegowina haben nationalistischen
Parteien bei der Wahl eine Absage erteilt. Das Ergebnis spielte jedoch
weit reichende Unstimmigkeiten über die Zukunft des Landes wider:
So werden die Serben im Staatspräsidium künftig von einem
Befürworter der Abspaltung vertreten, von Nebojsa Radmanovic. Die
muslimischen Bosnier und die Kroaten wählten dagegen Politiker in
das dreiköpfige Gremium, die für die Einheit des Staates
eintreten.
Wie die Wahlkommission am Montagabend mitteilte, entfielen auf Nebojsa
Radmanovic die meisten Stimmen. Seine Partei schlug vor kurzem ein
Referendum vor, dessen Annahme eine Abspaltung der serbischen Gebiete
ermöglichen würde. Die bosnischen Muslime werden der
Wahlkommission zufolge von Haris Silajdzic vertreten, die Kroaten
stimmten für Zeljko Komsic. Alle drei Gewählten gehören
politischen Parteien an, die bislang keine Vertreter ins
Staatspräsidium entsandt haben.
Rund 2,7 Millionen Menschen waren am Sonntag in den beiden Teilstaaten,
der Bosnisch-kroatischen Föderation und der Serbischen Republik,
aufgerufen, neue Parlamente sowie eine neue Staatsführung zu
wählen. Nach vorläufigen Ergebnissen der Wahlkommission
erreichte die Partei für Demokratische Aktion (SDA) bei der
Parlamentswahl 22 Prozent vor der Partei für Bosnien-Herzegowina
von Silajdzic mit 18 Prozent. Die SDA gewann auch die meisten Stimmen
für die Parlamente in drei der zehn Kantone. Die Partei für
Bosnien-Herzegowina siegte in zwei Kantonen, die Kroatisch-Demokratische
Union in drei Kantonen.
Der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung sprach sich nach
der Wahl für eine Reduzierung des dort stationierten
Bundeswehrkontingents aus. «Wir haben ja vor, im Rahmen eines
Stufenplans auch über Exit-Strategien zu reden, und ich bin schon
der Auffassung, dass wir die erste Stufe Anfang Dezember konkret ins
Auge fassen sollten», sagte Jung am Montag nach Beratungen mit
seinen EU-Kollegen in Finnland. «Die erste Stufe heißt:
Verringerung der Zahl der Soldaten», präzisierte Jung auf
Anfrage.
Der internationale Verwalter der früheren jugoslawischen Republik,
Christian Schwarz-Schilling, zeigte sich ebenfalls zufrieden mit der
Wahl, die gut und friedlich verlaufen sei. Die sich daraus abzeichnende
politische Konstellation müsse nicht von vornherein bedeuten, dass
die Vertreter der bosnischen Muslime, Kroaten und Serben überhaupt
nicht zusammenarbeiten könnten, sagte Schwarz-Schilling im
Deutschlandfunk.
Schwarz-Schilling hat angekündigt, die internationale Verwaltung
werde sich im kommenden Jahr zurückziehen. Voraussetzung sei
jedoch, dass die neue Führung die notwendigen Reformen durchsetze,
die das Land elf Jahre nach dem Krieg näher an die Europäische
Union heranführten.
Bosnien ist eines der ärmsten Länder Europas, die
Arbeitslosigkeit erreicht fast 40 Prozent. Die größte
ethnische Gruppe der muslimischen Bosnier unterstützt ebenso wie
die Kroaten eine Einheit der beiden Teilstaaten der Bosnisch-kroatischen
Föderation und der Serbischen Republik. Viele Serben wollen
dagegen weiter die Unabhängigkeit erreichen oder zumindest die
bisherige Trennung in muslimisch-kroatische und serbische Teilstaaten
beibehalten.
Der finnische Verteidigungsminister und amtierende
EU-Ratspräsident Seppo Kääriäinen sagte, er hoffe
auf eine baldige Entlastung der europäischen Friedenstruppe in
Bosnien-Herzegowina. Der EUFOR-Truppe in Bosnien gehören 7.000
Soldaten an, darunter rund 1.000 deutsche.
(Quelle: ap)
Deutschland feierte Tag der Deutschen Einheit
Mi.04.10.06 - Zum 16. Tag der Deutschen Einheit hat Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) die Deutschen in Ost und West aufgerufen, mit Mut und Ideen die
Zukunft anzugehen. «Sehen wir die Chance vor dem Risiko»,
sagte sie am Dienstag beim zentralen Festakt zum 3. Oktober in Kiel.
«Ich wünsche mir, dass Deutschland den Willen verspürt,
in Europa wieder an die Spitze zu kommen.» Die Bundesrepublik sei
ein Land, «das die Kraft der Freiheit in sich trägt».
Bundesratspräsident Peter Harry Carstensen (CDU) rief die
Länder zu mehr Solidarität untereinander auf. Der
Föderalismus bleibe ein Erfolgsmodell und Voraussetzung für
fairen innerstaatlichen Wettbewerb. «Aber Föderalismus
lässt sich ohne Solidarität nicht denken», betonte
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident vor 1200 Ehrengästen.
Darunter waren Bundespräsident Horst Köhler,
Bundestagspräsident Norbert Lammert,
Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier und
Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU).
Fast 17 Jahre nach dem Fall der Mauer mahnte Merkel in einer
persönlich angelegten Rede, die Idee der Freiheit auch bei
Bedrohungen nicht aufzugeben. Die Freiheit «ist und bleibt
für mich der entscheidende Schlüssel, damit Gerechtigkeit und
Solidarität eine Zukunft haben». In Deutschland habe sich
aber ein Leben von der Substanz eingeschlichen. «Wir verbrauchen
unsere Zukunft. Schlimmer noch, wir verbrauchen die Zukunft unserer
Kinder», sagte Merkel.
Die öffentlichen Haushalte müssten dauerhaft saniert, die
Arbeitsmarktpolitik auf die Arbeitsplätze des 21. Jahrhunderts
ausgerichtet und das Steuersystem vereinfacht werden. «Und kein
Weg wird daran vorbeiführen, dass das Gesundheitswesen aus der
Abhängigkeit von den Arbeitskosten herausgeführt wird.»
Mit Blick auf die soziale Marktwirtschaft wies Merkel Siemens auf die
Verantwortung für seine früheren Mitarbeiter hin, die von der
Insolvenz der von BenQ übernommenen Siemens-Handysparte betroffen
sind. «Wie aber soll Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft
entstehen, wenn die praktische Erfahrung manchmal eine andere Sprache
spricht? Was sagen wir den Mitarbeitern von BenQ, die so mir nichts dir
nichts auf die Straße gesetzt werden sollen?»
Zum Auftakt der von starken Sicherheitsvorkehrungen begleiteten
Feierlichkeiten hatte es in der Nikolai-Kirche einen Ökumenischen
Gottesdienst gegeben. Danach eröffnete Bundespräsident
Köhler eine große Musikparade mit 800 Teilnehmern aus allen
16 Bundesländern.
Zu einem Kräftemessen der besonderen Art kam es auf dem Wasser: In
einem Drachenbootrennen siegte Saarlands CDU-Regierungschef Peter
Müller mit seinem Team vor seinen Kollegen Carstensen und Kurt
Beck (SPD/Rheinland-Pfalz). Anschließend übergab Carstensen
symbolisch die Bundesratspräsidentschaft an seinen Schweriner
Kollegen Harald Ringstorff (SPD). Mecklenburg-Vorpommern übernimmt
im November turnusgemäß für ein Jahr den Vorsitz der
Länderkammer.
Bei einem Bürgerfest mit mehreren hunderttausend Besuchern seit
Montagnachmittag präsentierten sich in einer weißen
Zeltstadt alle 16 Länder, der Bund, Institutionen, Vereine und
Wissenschaftler. Auch am Brandenburger Tor in Berlin wurden bis zum
Abend Hunderttausende auf einer Festmeile erwartet, die seit dem
Wochenene zum Feiern eingeladen hatte. An der einstigen innerdeutschen
Grenze zwischen Hessen und Thüringen wurden an der Autobahn bei
Herleshausen zur Erinnerung an die deutsche Teilung Hinweisschilder
aufgestellt. Damit gibt es nun an sieben Autobahnen 14 derartige braune
Tafeln.
Nach Schäubles Ansicht hat Deutschland seit der Vereinigung vor 16
Jahren große Fortschritte gemacht. «Vieles geht bergauf.
Das meiste ist geschafft», sagte er im MDR Info.
Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl bezeichnete die Einheit als ein
tägliches Geschenk. «Wir haben die Einheit gewonnen - in
Frieden und Freiheit, ohne Blutvergießen und mit Zustimmung aller
unserer Nachbarn», sagte Kohl dem MDR- Sachsenspiegel am Rande
der Feierlichkeiten zum 16. Jahrestag der Wiedervereinigung in
Washington.
(Quelle: dpa)
Wirtschaftsforscher: Aufbau Ost kann noch 40 Jahre dauern
Mi.04.10.06 - Der Aufbau der ostdeutschen Länder wird nach Ansicht des Instituts
für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) noch bis zu 40 Jahre dauern.
"Es wird noch dreißig bis vierzig Jahre dauern, bis der Osten
insgesamt wirtschaftlich zum Westen aufgeschlossen hat", sagte
IWH-Präsident Ulrich Blum der "Passauer Neuen Presse" vom Dienstag.
In Ostdeutschland fehlten große Firmensitze. Nur kleinere
Unternehmen hätten ihren Sitz im Osten. Es sei ein Kardinalfehler
gewesen, die Enteignungen in der DDR nicht wieder rückgängig
zu machen. So sei die Rückkehr des Mittelstandes erschwert worden.
Mit Blick auf Äußerungen des früheren Bundeskanzlers
Helmut Kohl (CDU), der maßgeblich an der Wiedervereinigung
beteiligt war, erklärte Blum: "Es gibt flächendeckend
natürlich keine blühenden Landschaften."
Der Wirtschaftsforscher sprach sich anlässlich des Tags der
Deutschen Einheit für eine zielgenauere Förderung der
ostdeutschen Länder aus: "Künftig wird es vor allem um die
Entwicklung von wirtschaftlichen Schwerpunkten gehen." Das Geld
müsse vor allem in Infrastruktur investiert werden - und das seien
weniger die Straßen als vielmehr Forschungseinrichtungen. Der
Bundesregierung warf er vor, nach wie vor kein Konzept für den
Aufbau Ost zu haben. Der Aufbau der Ostdeutschlands müsse aber in
den Mittelpunkt gestellt werden, weil er ein Teil der gesamtdeutschen
wirtschaftlichen Schwäche zu werden drohe.
(Quelle: rtr)
Akademiechef: Wirtschaftsschwäche ist Erblast der Vereinigung
Mi.04.10.06 - Der Direktor der Akademie für politische Bildung Tutzing, Heinrich
Oberreuter, hat an den negativen Einfluss der Deutschen Einheit auf die
wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands erinnert. «Gerne wird
übersehen und bewusst verdrängt, wie sehr die ökonomische
Schwäche, die ja Ost und West betrifft, auch eine Erblast der
Vereinigung und vor allem der maroden DDR-Staatswirtschaft
darstellt», sagte der Passauer Politikprofessor am Dienstag
während einer Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit im
sächsischen Landtag. Auch in der Demokratie sei es
«notwendig, in der Wahrheit zu leben».
Oberreuter verwies darauf, dass die EU zwei Drittel der deutschen
Wachstumsschwäche auf die Folgen der Vereinigung
zurückführe. Die Stagnation des Aufholprozesses, seine Dauer
und Kosten sowie die anhaltende Arbeitslosigkeit hätten die
Stimmung im Land umschlagen lassen. Ungeduld, Enttäuschung und
Tendenzen der Verklärung kennzeichneten eine «Stimmungslage,
die dem Zusammenwachsen nicht förderlich ist».
Es bleibe den Deutschen jedoch nichts anderes übrig, als gelassen
und konsequent mit den Problemen des Landes umzugehen, die langfristiger
Natur seien. «Sie lassen sich nur lösen, wenn die Probleme
des Aufbaus Ost gelöst werden, und zwar gemeinsam», forderte
Oberreuter. Es gebe keine Patentlösung, sondern nur «den
einen oder anderen Populisten in der Politik mit seinen
Pseudorezepten».
In Sachsen gibt es am Tag der Deutschen Einheit traditionell eine
Feierstunde im Landtag, der neben Abgeordneten auch
Regierungsmitglieder, Vertreter des öffentlichen Lebens und
Bürger beiwohnen.
(Quelle: ddp)
Gesundheitsministerin Schmidt wirft Bayern falsche Berechnungen vor
Mi.04.10.06 - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat der bayerischen
Landesregierung vorgeworfen, die Auswirkungen des neuen Gesundheitsfonds
auf die reichen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und
Hessen völlig falsch darzustellen. Die Aussage, dass der
hundertprozentige Ausgleich der unterschiedlichen Finanzkraft der
Länder bei jenen zu Mittelabflüssen in Milliardenhöhe
führe, sei nicht aufrecht zu erhalten, kritisierte Schmidt laut
«Handelsblatt» (Mittwochausgabe).
Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber will beim
entscheidenden Treffen der Koalitionsspitzen zur Gesundheitsreform am
(morgigen) Mittwoch darauf bestehen, dass die Interessen der
Bundesländer mit finanzstarker Bevölkerung besser
berücksichtigt werden. Bayern befürchtet, dass der geplante
Gesundheitsfonds dazu führt, dass die Versicherten in diesen
Ländern zwar mehr einzahlen, aber schlechtere Leistungen erhalten.
«Die Berechnungen aus Bayern sind zum einen wegen eines
schwerwiegenden Rechenfehlers als völlig ungeeignet anzusehen und
gehen auch im übrigen von einer Kette von Fehlannahmen aus»,
heißt es in einer Stellungnahme der Ministerin nach einem Zitat
des «Handelsblattes» (Mittwochausgabe).
Bayern hatte am 22. September Berechnungen vorgelegt, denen zufolge dem
Land durch den Fonds Verluste von 1,7 Milliarden Euro entstehen und
zugleich dramatische Umverteilungen von West nach Ost stattfinden. Daran
knüpfte Bayern die Forderung, die Zuweisungen aus dem Fonds
für Bayern und andere betroffene Länder zu erhöhen. Dies
hatte zur harten Auseinandersetzungen in der Arbeitsgruppe der Koalition
zur Gesundheitsreform geführt.
«Tatsächlich belaufen sich die Verluste, die den
Krankenkassen in Bayern aus dem Fonds entstehen, jedoch lediglich auf
eine Größenordnung zwischen 30 und 40 Millionen Euro»,
zitierte das «Handelsblatt» aus Schmidts Stellungnahme.
Dabei berufe sich das Gesundheitsministerium auf Modellrechnungen des
Bundesversicherungsamtes.
Das Amt komme zu dem Ergebnis, dass Baden-Württembergs
Krankenkassen durch den Fonds mit 56 Millionen Euro am meisten
verlieren, gefolgt von Hessen mit 55 Millionen Euro, Hamburg mit 45
Millionen Euro und Bayern mit 36 Millionen Euro. Hauptgewinner der
Reform sei danach Sachsen mit einem Finanzkraftplus von 74 Millionen
Euro. Von den 16 Bundesländern erhielten zehn nach Einführung
des Fonds mehr Geld als heute. Fünf Länder verlören
geringfügig. Die Situation im Saarland bleibe unverändert.
(Quelle: ap)
Zehntausende beim 'Tag der offenen Moschee'
Mi.04.10.06 - Muslime und Nichtmuslime aus ganz Deutschland haben am Dienstag den
«Tag der offenen Moschee» zum gemeinsamen Dialog genutzt.
Bis zum Abend wurde mit rund 90 000 Besuchern gerechnet, wie ein
Sprecher des Zentralrates der Muslime am Nachmittag sagte. Bundesweit
nahmen etwa 800 Moscheen aller islamischen Verbände an der Aktion
teil. Derweil wandte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in
scharfer Form gegen jegliche «Gewalt im Namen einer
Religion». Zugleich stieß CDU-Generalsekretär Ronald
Pofalla mit seiner jüngsten Islam-Kritik auf Ablehnung bei
Muslimen und bei der SPD.
Den «Tag der offenen Moschee» gibt es seit 1997. Die
beteiligten Gotteshäuser verzeichneten dem Zentralrats-Sprecher
zufolge im Tagesverlauf «sehr hohe» Besucherzahlen. Sie
boten Führungen, Diskussionen, Ausstellungen und Folklore bei Tee,
Kaffee und Spezialitäten aus aller Welt an. Ein Hauptthema war
vielerorts der Ramadan. Eine Reihe von Moscheen bot auch ein
gemeinsames Fastenbrechen (Iftar) mit Nichtmuslimen und Muslimen an.
Mit der Aktion wollten die Muslime dem Zentralrat zufolge
«bundesweit für Offenheit und Friedfertigkeit werben».
Merkel betonte auf dem Festakt zum Tag der Deutschen Einheit, der
«Dialog der Religionen» sei «für uns alle von
existenzieller Bedeutung». Wenn dieser Dialog gelingen solle,
müsse klar sein, «dass das nur mit der Anerkennung der
Würde jedes einzelnen Menschen geschehen kann». Dabei habe
Gewalt keinen Platz. «Gewalt im Namen einer Religion pervertiert
und missbraucht diese Religion», unterstrich die Kanzlerin.
Kritisch äußerte sich der Generalsekretär des
Zentralrates, Aiman Mazyek, zu Äußerungen von
CDU-Generalsekretär Pofalla. Dieser hatte am Wochenende
erklärt: «Das Problem religiös motivierter Gewalt ist
heute fast ausschließlich ein Problem des Islam.» Pofalla
verbat es sich zugleich, als Christ von Muslimen als
«Ungläubiger» bezeichnet zu werden. Solche
Beleidigungen erschwerten den Dialog.
Mazyek betonte: «Die Grundlage unserer
freiheitlich-demokratischen Gesellschaft kennt eigentlich nicht solche
Pauschalurteile und solche Verallgemeinerungen. Die Muslime in
Deutschland seien friedlich. »Sie möchten ein Teil der
Gesellschaft sein, und trotzdem werden Muslime immer mit Terroristen in
einen Topf geworfen«, beklagte Mazyek.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil betonte, Pofallas
Äußerungen seien kein guter Beitrag zum Dialog der Kulturen,
der mit der Islam-Konferenz so erfolgreich begonnen wurde. Durch
überspitzte Formulierungen würden gemeinsame Anstrengungen
erschwert. Auch für die SPD sei ein gewaltbereiter Islam nicht
tolerierbar. Er warne aber vor Verallgemeinerungen. Die meisten in
Deutschland lebenden Muslime seien friedliche Menschen.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Physik-Nobelpreis in die USA für Untersuchung des Urknall-Echos
Mi.04.10.06 - Für ihre präzise Untersuchung des Urknall-Echos erhalten die
beiden US-Astrophysiker John C. Mather und George F. Smoot zu gleichen
Teilen den Nobelpreis für Physik 2006.
Ihre Arbeit habe unter anderem Bilder des neu geborenen Universums
geliefert, begründete die Königlich-Schwedische Akademie der
Wissenschaften am Dienstag in Stockholm ihre Entscheidung. Die
höchste Auszeichnung für Physiker ist in diesem Jahr mit
umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedische Kronen) dotiert.
Der 60 Jahre alte Mather arbeitet am NASA Goddart Space Flight Center
in Greenbelt (US-Staat Maryland), sein Kollege Smoot (61) ist Professor
für Physik an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Mit
dem 1989 gestarteten NASA-Satelliten «COBE» hatten sie
bereits kurz nach dem Start feine Temperaturschwankungen im Urknall-Echo
nachgewiesen, die heute als Saat der ersten Galaxien gelten. Bereits
diese frühen Resultate wurden von Kollegen stürmisch
bejubelt. Inzwischen ist dieses Phänomen mit moderneren
Experimenten sehr viel detaillierter vermessen worden. Das Alter des
Alls ließ sich so zum Beispiel mit sehr großer Sicherheit
auf 13,7 Milliarden Jahre beziffern.
Per Carlson, Mitglied des Nobelkomitees und Astrophysiker, sagte in
Stockholm: «Die beiden haben Kosmologie zu einer
Präzisionswissenschaft gemacht. Sie waren die absolut
entscheidenden beim "COBE"-Projekt. Es war nicht schwer, die
Entscheidung für sie zu treffen.» Die Arbeiten seiner
Kollegen seien das Wichtigste, was es in der Kosmologie in den
vergangenen Jahren gegeben habe, sagte auch Jakob Staude vom
Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. «Wir kennen
den Kosmos in seinen wesentlichen Strukturelementen nun so genau wie
nie zuvor», sagte er. «Wir können zum Beispiel
erklären, warum es in unserer Umgebung welche Galaxien gibt und
warum sie häufig Quasare im Zentrum haben.» Als Quasare
werden die stark strahlenden Kerne weit entfernter Galaxien bezeichnet.
Mit ungenauen Messgeräten erscheine die Temperatur des Weltalls
überall gleich, erklärte Staude. Wer aber mit großer
Genauigkeit von einem zehntausendstel oder hunderttausendstel Grad
nachsehe, entdecke feinste Schwankungen. Diese ließen sich mit
«Klumpen in einer Suppe» vergleichen und seien die
Keimzellen der Galaxien gewesen.
Im vergangenen Jahr war der Deutsche Theodor Hänsch gemeinsam mit
seinen US-Kollegen John Hall und Roy Glauber für grundlegende
Beiträge zum Verständnis der Natur des Lichtes ausgezeichnet
worden. Glauber hatte die Fundamente der Quantenoptik gelegt,
Hänsch und Hall entwickelten eine neuartige
Präzisionsmesstechnik, die unter anderem genauere Atomuhren
möglich machen soll
Am Montag hatten bereits die US-Forscher Andrew Z. Fire und Craig C.
Mello für eine Methode zum Stummschalten von Genen den Medizin-
Nobelpreis erhalten. Am Mittwoch werden die Träger des Chemie-
Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung der
Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt,
dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.
(Quelle: dpa)