Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertachtundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Über 20 Tote bei Anschlag auf irakischen Industrieminister
Do.05.10.06 - Bei einem Anschlag auf einen Fahrzeugkonvoi des irakischen
Industrieministers Fausi Hariri in Bagdad sind mindestens 21 Menschen
getötet und fast 90 weitere verletzt worden. Zunächst
explodierten zwei Bomben vor dem heranfahrenden Konvoi und töteten
drei Leibwächter, wie irakische Sicherheitskräfte sagten.
Unmittelbar darauf detonierte eine Autobombe vor einem
Lebensmittelgeschäft und riss weitere 18 Menschen in den Tod. Der
Minister selbst war nicht im Konvoi.
Der Fahrzeugkonvoi sei nach dem Betanken auf der Rückfahrt in das
Ministerium gewesen, sagte Hariri. Er selber sei in diesem Moment bei
Ministerpräsident Nuri el Maliki gewesen. Durch die Wucht der
Sprengsätze stürzte nach Angaben der Sicherheitskräfte
das Geschäftsgebäude zusammen. Durch die Autobombe wurden
demnach elf Leibwächter des Ministers und 78 Zivilisten verletzt.
In anderen Hauptstadtvierteln wurde bei weiteren Anschlägen ein
Mensch getötet, mindestens sechs weitere Menschen erlitten
Verletzungen. Ebenfalls in Bagdad wurden zwei US-Soldaten durch
Schüsse getötet.
In Bakuba wurden bei einem Anschlag auf eine Polizeipatrouille zwei
Beamte getötet. In der Nähe von Bakuba durchsuchten irakische
Sicherheitskräfte am frühen Mittwochmorgen Häuser in
zwei Dörfern. 41 Verdächtige wurden festgenommen, Waffen und
Munition beschlagnahmt. In der Region kam es in den vergangenen Wochen
verstärkt zu Gewalttaten.
Die irakische Regierung suspendierte eine Polizeibrigade, deren
Mitglieder Kontakte zu Todesschwadronen gehabt haben sollen. Die
komplette Brigade mit zwischen 800 und 1200 Mitgliedern werde
beschuldigt, Todesschwadrone unterstützt zu haben, sagte
US-Armeesprecher William Caldwell. Der Abzug der Brigade aus Bagdad
werde die Sicherheitslage verbessern. Die Polizisten hätten in der
Vergangenheit nicht das Maß an Professionalismus gezeigt, das das
irakische Innenministerium anstrebe. Sie sollten nun in einem
US-Armeestützpunkt ein "Anti-Milizen- und
Anti-Konfessionstraining" erhalten.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 05.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertvierundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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USA richten scharfe Warnung an Nordkorea
Do.05.10.06 - Nach der Ankündigung eines Atomwaffentests haben die USA eine
scharfe Warnung an Nordkorea gerichtet. «Wir werden ein atomares
Nordkorea nicht akzeptieren», sagte Staatssekretär
Christopher Hill am Mittwoch.
Falls Pjöngjang den Test wirklich durchführe, hätten die
Vereinigten Staaten keine andere Wahl, als «entschieden zu
handeln, um sicherzustellen, dass (Nordkorea) und jedes andere Land der
Welt versteht, dass dies ein sehr schlimmer Fehler ist»,
erklärte Hill.
Die US-Regierung habe dem kommunistischen Regime auf diplomatischen
Kanälen bei den Vereinten Nationen in New York ihre «tiefe
Sorge» über die Pläne übermittelt. Wenn die
Nordkoreaner dächten, sie könnten durch einen
Nuklearwaffentest Mitglied eines atomaren Clubs werden, sollten sie
besser noch einmal nachdenken, sagte Hill, der auch der US-Gesandte bei
den derzeit eingefrorenen Sechs-Parteien-Gesprächen zu Nordkorea
ist.
Der UN-Sicherheitsrat konnte sich derweil am Mittwoch noch nicht auf
eine gemeinsame Linie einigen können. Diplomaten vertagten sich in
New York auf Donnerstag. Japan legte einen Resolutionsentwurf vor, in
dem Nordkorea zu einem Verzicht auf den angekündigten
Atomwaffentest aufgefordert und eine sofortige Rückkehr
Pjöngjangs an den Verhandlungstisch verlangt wird.
Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton sagte nach einem Treffen
des Sicherheitsrats am Morgen (Ortszeit), das Gremium sei uneins. Die
Vereinigten Staaten dringen nach seinen Worten auf eine «starke
Antwort». China, Russland und Japan wollten jedoch eine
gemäßigtere Reaktion des UN-Gremiums.
Wenn der Sicherheitsrat nicht eine eindeutigen Antwort auf die
Ankündigung Nordkoreas gebe, drohe eine Missdeutung, mahnte
Bolton. Nordkorea könnte das so auslegen, dass das Gremium nicht
wirkungsvoll handeln könne.
Der chinesische UN-Botschafter Wang Guangya widersprach der Darstellung
Boltons, der Sicherheitsrat sei gespalten. Alle Mitgliedsstaaten seien
über die nordkoreanische Ankündigung von Atomwaffentests
besorgt, versicherte der Diplomat.
(Quelle: ap)
Solana sieht keine Bewegung im Atomstreit mit Teheran
Do.05.10.06 - Die anhaltenden Atomgespräche des EU-Chefdiplomaten Javier Solana
mit Teheran haben nach dessen Angaben keinen Durchbruch gebracht. Der
iranische Chefunterhändler Ali Laridschani habe in den vergangenen
vier Monaten keine Signale ausgesendet, die auf eine Bereitschaft zum
Einlenken hindeuten könnten, sagte Solana am Mittwoch vor dem
Europäischen Parlament in Brüssel. In Teheran kündigte
Präsident Mahmud Ahmadinedschad eine Fortsetzung der
Urananreicherung auch im Falle von Sanktionen an.
Solana erklärte, er wolle die Tür zu Verhandlungen dennoch
offen halten und sei auch zu einer neuerlichen Reise nach Teheran
bereit. Er habe mit Laridschani in einigen Teilbereichen Fortschritte
erzielt, nicht aber in der Schlüsselfrage der Urananreicherung.
«Dieser Dialog kann nicht ewig weiter gehen», sagte Solana.
Es liege jetzt am Iran, sein Scheitern zu erklären.
Ahmadinedschad betonte indessen, seine Regierung wolle die
Verhandlungen nicht abbrechen. Sie wolle dem Westen jedoch klar machen,
dass er dem Iran keine Technologien verweigern könne, die er
selbst seit Jahrzehnten benutze. «Dieser Staat ist mächtig
und wird sich ausländischem Druck nicht im geringsten
beugen», rief der Präsident in Haschtgerd westlich von
Teheran vor zahlreichen Anhängern, die daraufhin «Tod den
Amerikanern» riefen.
Des weiteren ordnete Ahmadinedschad die Öffnung iranischer
Atomanlagen für ausländische Touristen an. Auf diese Weise
wolle der Präsident beweisen, dass das iranische Atomprogramm
friedlichen Zwecken und ausschließlich der Energiegewinnung
diene, berichtete das staatliche Fernsehen. Weitere Einzelheiten wurden
nicht genannt.
Die deutsche Regierung äußerte wachsende Besorgnis
darüber, dass es noch immer keine «belastbare Antwort»
des Irans auf das westliche Angebot zur Wiederaufnahme offizieller
Gespräche gebe. Der stellvertretende Außenamtssprecher Jens
Plötner erklärte am Mittwoch in Berlin, die iranische
Regierung müsse wissen: «Es bleibt nicht mehr viel
Zeit.»
Kritik an der anhaltenden Gesprächsdiplomatie äußerte
der stellvertretende israelische Regierungschef Schimon Peres bei einem
Besuch in Berlin. Die Vereinten Nationen hätten dem Iran ultimativ
die Bedingung gestellt, die Urananreicherung auszusetzen. Jetzt
respektierten die Iraner dies nicht, und die Verhandlungen gingen
dennoch weiter. Dies sei eine Entwertung des politischen Willens der
Staatengemeinschaft.
Russland bekräftigte indessen sein ungebrochenes Interesse an
einer Beilegung des Atomstreits in Verhandlungen anstatt mit
Sanktionen. Der Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats, Igor
Iwanow, sagte am Dienstag nach Gesprächen mit Laridschani,
Russland werde alles tun, um bei einer solchen Lösung zu helfen,
wie das iranische Fernsehen berichtete. Laridschani lobte die bisherige
Rolle Russlands bei der Verhinderung von Sanktionen gegen sein Land.
Der Weltsicherheitsrat stellt sich nach Angaben von UN-Diplomaten
für die kommende Woche auf Beratungen über
Strafmaßnahmen gegen Teheran ein. Es gebe bei den Vereinten
Nationen jedoch die Vereinbarung, die Gespräche zwischen Solana
und Laridschani nicht vorzeitig für tot zu erklären,
hieß es.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Palästinenserpräsident Abbas erklärt Gespräche mit
Hamas für gescheitert. Hamas-Anführer von Maskierten
erschossen. Zwei Tote bei israelischem Luftangriff im Gazastreifen.
UN-Bericht wirft Israel und Hisbollah Menschenrechtsverletzungen vor.
Israelischer General wegen Kritik an Libanon-Krieg entlassen
Do.05.10.06 - Die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit in den
palästinensischen Autonomiegebieten ist vorerst gescheitert.
Präsident Mahmud Abbas erklärte den Dialog mit der
Hamas-Bewegung am Mittwoch für beendet. US-Außenministerin
Condoleezza Rice, die sich in Ramallah aufhielt, rief die radikalen
Islamisten dazu auf, mit Abbas zu kooperieren. Zugleich
äußerte sie sich besorgt über die Lebensbedingungen der
Palästinenser und sagte der Bevölkerung mehr Hilfe der
Vereinigten Staaten zu.
Die USA haben wie auch die Europäische Union seit dem Amtsantritt
der Hamas-Regierung offizielle Finanzhilfen zurückgehalten.
Gleichwohl erklärte Rice nach ihren Gesprächen mit Abbas, die
US-Regierung wolle ihre Anstrengungen zur Unterstützung des
palästinensischen Volkes verdoppeln. Einzelheiten wurden nicht
bekannt. Rice erklärte ferner, die Hamas könne nicht allein
regieren, weshalb sie sich mit der Fatah arrangieren sollte. Der
palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija warf den USA
daraufhin vor, sie strebten im Nahen Osten eine Neuordnung an, die den
Interessen Amerikas und Israels entgegen komme.
Abbas erklärte, die vorläufige Koalitionsvereinbarung
zwischen Fatah und Hamas vom 11. September habe keine Gültigkeit
mehr. Jetzt müsse ein neues Kabinett gebildet werden, um die
wachsende Gewalt in den Griff zu bekommen. Ein Vertrauter von Abbas
betonte, dass es auf ein realistisches Regierungsprogramm ankomme. Kein
Kabinett komme umhin, Israel anzuerkennen. Die Hamas lehnt dies aber
weiterhin ab.
Rice wollte am Mittwochabend in Jerusalem mit dem israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert zusammentreffen. Für heute
sind Gespräche mit der israelischen Außenministerin Zipi
Livni und Verteidigungsminister Amir Perez geplant.
Einen Tag nach der Morddrohung gegen drei führende Hamas-Politiker
haben Unbekannte einen örtlichen Chef der islamistischen
Organisation erschossen. Maskierte Männer töteten den
37-Jährigen in der Nähe von Kalkilija im Westjordanland, wie
aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete.
Nach Berichten aus palästinensischen Sicherheitskreisen war der
örtliche Hamas-Chef Mohammed Odah in seinem Dorf Hable auf dem Weg
zur Moschee, als die Angreifer aus einem Auto heraus das Feuer auf ihn
eröffneten. In den vergangenen Tagen hatte sich der Machtkampf
zwischen der regierenden Hamas und der Fatah von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zugespitzt. Am Dienstag
drohten die der Fatah nahestehenden bewaffneten El-Aksa (Frankfurt:
897307 - Nachrichten) -Brigaden drei führenden
Hamas-Funktionären mit dem Tod, darunter Exil-Chef Chaled
Meschaal. Sie machten die Politiker für die jüngsten
gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Hamas- und
Fatah-Anhängern verantwortlich, bei denen seit Sonntag mindestens
zehn Menschen im Gazastreifen starben und 150 verletzt wurden.
Israels Vize-Ministerpräsident Schimon Peres nannte die
Zusammenstöße zwischen Palästinensern
"gefährlich". Er rechne aber trotzdem nicht mit einem
Bürgerkrieg zwischen Hamas und Fatah.
Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen sind in der Nacht zu
heutigen Donnerstag zwei palästinensische Extremisten getötet
worden, wie Sicherheitskräfte und Krankenhausmitarbeiter
mitteilten. Sie gehörten dem Islamischen Dschihad an. Das Flugzeug
griff einen Wagen im südlichen Gazastreifen an. Die israelischen
Streitkräfte erklärten, die Extremisten hätten einen
Terrorangriff geplant.
Israel und die Hisbollah-Miliz haben sich laut einer UN-Studie im
jüngsten Libanon-Krieg beide der Menschenrechtsverletzungen
schuldig gemacht. Deshalb sollte gegen beide Seiten ermittelt werden,
erklärten vier unabhängige Experten, die im Auftrag des
UN-Menschenrechtsrats die Region besucht haben und am Mittwoch in Genf
ihren Bericht vorlegten. Arabische und muslimische Länder wiesen
die Ergebnisse als einseitig zurück. Die USA und Israel warfen den
Autoren ebenfalls Parteilichkeit vor.
Die vier Experten bereisten Israel und den Libanon im September, um die
Auswirkungen des fünfwöchigen Konflikts auf die
Zivilbevölkerung zu untersuchen. In ihrem 40-seitigen Bericht wird
Israel unangemessenes Verhalten bei der Kriegsführung vorgeworfen.
So sei die Trennlinie zwischen militärischen Zielen und zivilen
Erfordernissen häufig verwischt worden. Auch habe es keine
ausreichenden Maßnahmen gegeben, um den Schaden für die
Zivilbevölkerung auf dem Minimum zu halten.
Die Hisbollah wiederum wird beschuldigt, gezielte Angriffe auf die
israelische Zivilbevölkerung verübt zu haben. Auch hier sei
nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen unterschieden
worden. Die schiitische Miliz wird aufgefordert, ihre Kämpfer zur
Beachtung internationaler Menschenrechte anzuhalten. Genau an diesem
Punkt setzte die Kritik des israelischen UN-Botschafters in Genf,
Itschak Levanon, an. Er kritisierte, dass der Hisbollah mit diesem
Bericht indirekt Legitimität verliehen werde, weil sie nicht zur
Entwaffnung und Auflösung aufgerufen werde.
Der amerikanische Botschafter Warren Tichenor wiederum erklärte,
die Experten äußerten sich zu den Konventionen über
bewaffnete Konflikte in einer Art und Weise, die nicht in ihr Mandat
falle. Stellvertretend für die Organisation der Islamischen
Konferenz (OIC) erklärte dagegen der pakistanische Botschafter
Masood Khan, der Bericht spiele Israel in die Hände, während
der Libanon herabgewürdigt und die Hisbollah offen angeklagt werde.
Dem UN-Menschenrechtsrat wurden am Mittwoch ferner zwei konträre
Resolutionen zur Lage in der sudanesischen Krisenregion Darfur
vorgelegt. Der Antrag der Europäischen Union äußerte
scharfe Kritik an der Regierung in Khartum. Ein Antrag Algeriens
dagegen rief alle Seiten in Darfur zur sofortigen Beendigung der
Gräueltaten auf und lobte die Kooperation der sudanesischen
Regierung mit dem Gesandten des Menschenrechtsrats.
Da der algerische Resolutionsentwurf zuerst eingebracht wurde, besteht
Beobachtern zufolge die Gefahr, dass er angenommen wird, ohne dass die
europäische Vorlage überhaupt noch erörtert wird. Mit
den Abstimmungen über eine ganze Serie von Resolutionen soll am
Donnerstag begonnen werden. Entscheidungen des UN-Menschenrechtsrats
können keine Sanktionen nach sich ziehen.
Wegen Kritik an der Kriegsführung im jüngsten Konflikt mit
der Hisbollah und der Regierungspolitik ist ein hochrangiger
israelischer General entlassen worden. Generalmajor Iftah Ron Tal hatte
am Mittwoch in mehreren Interviews gefordert, Generalstabschef Dan
Halutz müsse die Verantwortung für die Fehler in dem 34 Tage
währenden Konflikt übernehmen, und ihm damit den
Rücktritt nahe gelegt.
Ron Tal, der die israelischen Bodenstreitkräfte befehligte, wurde
am Abend von Halutz entlassen. Seine Äußerungen seien nicht
akzeptabel. Ein Soldat dürfe nicht öffentlich die Regierung
kritisieren. Der Generalmajor befand sich bereits in Erwartung seines
bevorstehenden Ausscheidens im Dezember im Urlaub. In den Interviews
hatte er auch den Abzug Israels aus dem Gazastreifen im vergangenen
Jahr kritisiert und damit nach Einschätzung von Beobachtern die
Grenze zur Politik überschritten.
(Quellen: ap, afp)
Türkei lädt Delegation des EU-Parlaments aus
Do.05.10.06 - Einen Tag vor dem Türkei-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel
hat Ankara im EU-Parlament für Verstimmung gesorgt. Die
türkische EU-Botschaft in Brüssel sagte am späten
Dienstagabend eine für Mittwoch geplante Reise von
Europa-Abgeordneten in die Türkei ab, wie der Vorsitzende des
Umweltausschusses, Karl-Heinz-Florenz, mitteilte. Grund sei seine
Weigerung gewesen, den zyprischen Abgeordneten Marios Matsakis aus der
Delegation auszuschließen, erklärte der CDU-Politiker in
einer Pressemitteilung.
Ein türkischer Diplomat erklärte dazu, Matsakis habe bei
früheren Kontakten gezielt provoziert. So habe er einmal bei einem
Türkei-Besuch eine zyprische Flagge gehisst, ein anderes Mal im
Nordteil Zyperns eine türkische Flagge gestohlen. Die
türkische Regierung befürchte neuerliche Provokationen
«zu einem sensiblen Zeitpunkt», sagte der Diplomat unter
Verweis auf den für November erwarteten Fortschrittsbericht der
EU-Kommission über die Türkei. Man habe daher gebeten, die
Reise auf die Zeit nach der Vorlage des Berichts zu verschieben oder
Matsakis aus der Delegation auszuschließen.
Die EU-Abgeordneten planten nach Angaben Florenz' Gespräche mit
vier türkischen Ministern zu den Bereichen Umwelt, Gesundheit,
Landwirtschaft und Energie.
(Quelle: ap)
Verheugen beklagt große Macht von EU-Beamten
Do.05.10.06 - In der EU-Kommission haben nach Einschätzung von
Vizepräsident Günter Verheugen hohe Beamte zu viele
Kompetenzen an sich gerissen. «Es gibt einen ständigen
Machtkampf zwischen Kommissaren und hohen Beamten», sagte
Verheugen der «Süddeutschen Zeitung». Die Spitze der
Brüsseler Behörde müsse «höllisch
aufpassen», dass die Beamten, die ohne demokratische Legitimation
seien, nicht wichtige Fragen unter sich ausmachten. Es komme leider
vor, dass sie gegenüber den Mitgliedstaaten oder dem EU-Parlament
ihre persönliche Sichtweise als Haltung der Kommission darstellten.
Um die Macht der Beamten in den Generaldirektionen einzudämmen,
forderte Verheugen einschneidende Veränderungen in der
EU-Zentrale. So sollten die Kommissare nach dem Vorbild deutscher
Minister hohe Beamte auswechseln dürfen. Auch sollen die
Kommissare die Hoheit über die Geldverwendung in den
Generaldirektionen bekommen. «Alles, was in Deutschland
selbstverständlich ist, geht in der Kommission nicht.»
(Quelle: ap)
Britischer Minister - IRA hat Terrorismus abgeschworen
Do.05.10.06 - Die frühere nordirische Untergrundorganisation IRA hat sich nach
offizieller britischer Einschätzung grundlegend gewandelt und sich
von ihrer terroristischen Vergangenheit verabschiedet.
Sie stelle derzeit keine Sicherheitsbedrohung mehr dar, sagte
Nordirlandminister Peter Hain am Mittwoch im Rundfunksender BBC. Er
äußerte sich kurz vor der Veröffentlichung eines
Berichts der Unabhängigen Beobachterkommission (IMC), die der IRA
ein Ende ihrer kriminellen und paramilitärischen Aktivität
bescheinigt.
Es habe eine historische und seiner Ansicht nach unumkehrbare
Verschiebung bei der IRA gegeben - weg vom Terror und der
Kriminalität der Vergangenheit hin zu einer demokratischen Zukunft,
sagte Hain.
Die Einschätzung der Kommission wird eine Grundlage des
Gipfeltreffens der Regierungschefs Großbritanniens und Irlands,
Tony Blair und Bertie Ahern, mit Vertretern der nordirischen Parteien
sein, das vom 11. bis 13. Oktober in Schottland stattfinden soll. Dabei
wird es auch um die Wiedereinsetzung der Selbstverwaltung Nordirlands
gehen. Dazu sollen die Differenzen über eine gemeinsame Regierung
aus pro-britischen und pro-irischen Kräften ausgeräumt werden.
Es habe erstaunliche Veränderungen in Nordirland gegeben, das
einen mehr als 30 Jahre währenden Konflikt zwischen der
protestantischen Bevölkerungsmehrheit und der katholischen
Minderheit erlebt habe, sagte Hain. Rund 3600 Menschen wurden in den
Auseinandersetzungen getötet. Im Karfreitagsabkommen von 1998 hatte
Großbritannien der Provinz eine größere Autonomie
zugestanden. Im Streit über die pro-irische IRA wurde die darin
vereinbarte Selbstverwaltung jedoch 2002 ausgesetzt.
Bei aller positiven Einschätzung warnte Hain jedoch, dass
Nordirland noch immer instabil sei. Er mahnte die Politiker, ihrer
Verantwortung gerecht zu werden und der Wiedereinsetzung einer
gemeinsamen Regierung zuzustimmen.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Politiker warnen Airbus-Mutterkonzern EADS vor Produktionsverlagerungen
Do.05.10.06 - Führende Wirtschaftspolitiker haben den Airbus-Mutterkonzern EADS
davor gewarnt, im Rahmen des neu aufgelegten Sparprogramms
Produktionskapazitäten für den A380 von Deutschland nach
Frankreich zu verlagern.
«Eine solche Verlegung könnte die deutsche Politik nicht
widerstandslos hinnehmen», sagte der wirtschaftspolitische
Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Laurenz Meyer der
«Bild»-Zeitung. Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend
erklärte: «Wir müssen Airbus sehr offensiv klarmachen,
wie es von Deutschland profitiert - und dass das nicht gottgegeben
ist.»
Airbus muss die Auslieferung des weltgrößten
Passagierflugzeugs A380 um ein weiteres Jahr nach hinten verschieben und
deshalb Milliardeneinbußen hinnehmen. Wegen der Probleme wird
Airbus-Chef Christian Streiff am Donnerstag bei
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erwartet.
Der Grünen-Wirtschaftsexperte Matthias Berninger drohe sogar mit
der Rückforderung staatlicher Finanzierungshilfen, die allein im
Falle Hamburgs bei 667 Millionen Euro liegen würden. «Das
Unternehmen sollte bei fairer Arbeitsteilung bleiben, statt Probleme
durch Missmanagement beim A380 auf Hamburg abzuwälzen. Ansonsten
sollte die Stadt prüfen, ob sie EADS ihre erheblichen Vorleistungen
in Rechnung stellen kann», sagte Berninger dem Blatt.
Nach französischen Medienberichten gibt es derzeit interne
Überlegungen bei EADS, die Auslieferung des Superjets A380 von
Hamburg komplett nach Toulouse zu verlegen, Teile der Montage aber in
Hamburg zu belassen.
Angesichts der Airbus-Krise wird der Hamburger Bürgermeister Ole
von Beust (CDU) von der Landesopposition angegriffen. Der Hamburger
SPD-Landeschef Mathias Petersen warf Beust Untätigkeit vorgeworfen.
«Was tut eigentlich der Bürgermeister?», fragte
Petersen und verwies darauf, dass «in der größten
Krise für den Luftfahrtstandort Hamburg» mehrere hundert
Arbeitsplätze bedroht seien. «Es reicht nicht, dass
Bürgermeister von Beust seinen Wirtschaftssenator vorschickt, der
sich darauf beschränkt, seiner Hoffnung für einen guten
Ausgang Ausdruck zu verleihen.»
(Quelle: dpa)
Hessen will mit neuem Gesetz Macht der Stromkonzerne brechen
Do.05.10.06 - Hessen will mit einem neuen Gesetz die Macht der großen
Stromkonzerne auf dem deutschen Markt brechen. Die Landesregierung in
Wiesbaden will das Bundeskartellamt ermächtigen, die großen
Versorger notfalls zum Verkauf von Kraftwerken zu zwingen, wie der
hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) erklärte. Es
bestünden "erhebliche Zweifel daran, dass sich Wettbewerb in der
Stromerzeugung von alleine entwickelt", erklärte Rhiel seinen
Vorstoß. Die Verbraucherschützer begrüßten die
Initiative zur Reform des Wettbewerbsrechts. Der Verband der
Elektrizitätswirtschaft (VDEW) sprach von einem staatlichen
Eingriff, der die Konkurrenz behindern statt fördern würde.
Hessen will mit dem Schritt mehr Wettbewerb und letztendlich niedrigere
Strompreise erreichen. Derzeit beherrschen die vier Konzerne Eon, RWE,
EnBW und Vattenfall die Stromerzeugung in Deutschland. Nach Ansicht der
hessischen Landesregierung werde es neuen Anbietern fast unmöglich
gemacht, auf den Markt zu kommen. Der fehlende Wettbewerb sei die
Hauptursache für die überhöhten Strom- und Gaspreise.
Damit Wettbewerb entstehe, müsse die Zahl der Kraftwerksbetreiber
erhöht werden, "im Extremfall durch einen einmaligen
Marktstruktureingriff des Staates", forderte Rhiel. Dazu will der
Minister das Bundeskartellamt mit neuen Befugnissen ausstatten.
In einem Brief an die Wirtschaftsminister von Bund und Ländern
habe er den hessischen Vorschlag vorgestellt, erklärte Rhiel. Auf
der nächsten Konferenz der Länderwirtschaftsminister im
Dezember in Dessau soll darüber beraten werden. Rhiel hält
eine Umsetzung seines Vorschlags noch im kommenden Jahr für
möglich.
"Die fatalen volkswirtschaftlichen Folgen viel zu hoher Strom- und
Gaspreise sind endlich in der obersten Etage der Politik angekommen",
erklärte die Chefin des Dachverbandes der
Verbraucherorganisationen (vzbv), Edda Müller. Für einen
funktionierenden Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt sei eine
Zerschlagung der Marktmacht der großen Energiekonzerne
unausweichlich. Der Energiesektor brauche "ein klar abgegrenztes
Spielfeld für die einzelnen Akteure, eindeutige Spielregeln und
ein machtvolles Schiedsrichterteam, dass diese Regeln durchsetzt",
erklärte Müller.
"Staatliche Eingriffe in die Marktstruktur würden den Wettbewerb
im Strommarkt nicht fördern, sondern behindern", meinte hingegen
der stellvertretende VDEW-Hauptgeschäftsführer Roger
Kohlmann. Staatliche Preiskontrolle oder Begrenzungen der
Produktionskapazitäten seien die vollkommen falschen Instrumente,
um den Wettbewerb anzuregen. "Im Gegenteil: Neue Anbieter würden
geradezu abgeschreckt, in Kraftwerke zu investieren."
(Quelle: afp)
Koalition legt Streit um Gesundheitsreform bei
Do.05.10.06 - Unter massivem Erwartungsdruck haben sich die Spitzen von Union und SPD
auf einen Kompromiss im Streit über die Gesundheitsreform
verständigt. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel am frühen
Morgen nach einer Koalitionsrunde in Berlin mitteilte, wird die
Einführung des Gesundheitsfonds um ein Jahr auf den 1. Januar 2009
verschoben. Ursprünglich sollte der Fonds, der die Finanzierung
des Gesundheitswesens neu regeln soll und damit als Herzstück der
Reform gilt, bereits Anfang 2008 eingeführt werden.
Die umstrittene Ein-Prozent-Obergrenze für den Zusatzbeitrag soll
beibehalten werden. Zuschläge bis zu acht Euro dürften die
Kassen künftig aber ohne Einkommenprüfung erheben, sagte
Merkel nach siebenstündigen Verhandlungen im Kanzleramt.
Beim Finanzausgleich unter den Kassen wird - während einer so
genannten Konvergenzphase - eine Obergrenze von 100 Millionen Euro pro
Jahr eingezogen, um reichere Länder nicht über Gebühr zu
belasten. Damit kam die Koalition Forderungen vor allem aus Bayern und
Baden-Württemberg entgegen. Die privaten Krankenversicherungen
sollen ehemalige Mitglieder sowie alle freiwillig Versicherten
künftig unabhängig von deren Krankheitsrisiko zu einem
Basistarif aufnehmen.
Merkel erklärte, die Koalition sei «ein gutes Stück
weiter in einer wirklich komplizierten Materie» gekommen. Der
Kompromiss sei ein vertretbares und gutes Ergebnis, das eine
Verfeinerung im Vergleich zu den bisherigen Eckpunkten darstelle. Die
Kanzlerin räumte aber ein, dass es auch jetzt sicher noch
Diskussionsbedarf geben werde.
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sprach von einem guten Kompromiss.
Für die Sozialdemokraten sei wichtig gewesen, dass die
Versicherten nicht zusätzlich belastet würden und das
Solidarprinzip beibehalten werde. Beck betonte, 2011 werde
überprüft, welche sozialen Folgen die Ein-Prozent-Obergrenze
für den Zusatzbeitrag auf die Versicherten und die Krankenkassen
habe.
Beck räumte ein, die SPD hätte sich von der privaten
Krankenversicherung mehr Risikovorsorge im Gesamtsystem gewünscht.
Alle in der großen Koalition seien sich aber einig gewesen, dass
die Reform jetzt geschafft werden müsse. Die Gespräche seien
vom Willen zur Einigung geprägt gewesen.
Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber sprach von einer «politischen
Einigung». Er hatte schon vorher eine Zustimmung nur «unter
Vorbehalt» angekündigt, weil er zunächst einen
verlässlichen Gesetzestext haben wolle. Dafür habe er auch in
der Koalitionsrunde keinen Widerspruch hinnehmen müssen, sagte
Stoiber. Spitzenmedizin für jedermann sei eben nur durch
Strukturveränderung möglich. Die Systemumstellung sei
möglicherweise die größte in den vergangenen Jahren im
Sozialbereich.
Besonders betonte der bayerische Ministerpräsident die Einigung
beim Risikostrukturausgleich, die «eine ganz große
Befriedung» bringe. Die Länderklausel greife erst dann, wenn
die Zusatzbelastung einzelner Länder mehr als 100 Millionen Euro
betrage. «Wenn Frau Schmidt Recht hat, dann braucht's die Klausel
nicht.» Die Gesundheitsministerin geht davon aus, dass zum
Beispiel Bayern durch den neuen Finanzausgleich nur um rund 36
Millionen Euro mehr belastet wird als bisher, Stoiber dagegen von 1,7
Milliarden Euro.
(Quelle: ap)
Bundestagspräsident Lammert fordert neue Leitkultur- und
Patriotismus-Debatte
Do.05.10.06 - Bundestagspräsident Norbert Lammert hat zu einer erneuten Debatte
über Leitkultur und Patriotismus aufgerufen. «Der viel
geforderte Dialog zwischen den Kulturen setzt zuerst den eigenen
Standpunkt voraus - und den müssen wir wieder vertreten»,
sagte der CDU-Politiker der «Leipziger Volkszeitung».
Grünen-Chefin Claudia Roth hingegen warf der Bundesregierung vor,
nur halbherzig gegen Neonazis vorzugehen. SPD-Generalsekretär
Hubertus Heil unterstrich am Mittwoch, Rechtsextremismus sei kein
spezifisch ostdeutsches Phänomen.
Es wäre leichtsinnig, Identifikationsbedürfnisse der Menschen
den Rechtsextremisten zu überlassen, sagte Lammert. Zudem sei der
Respekt vor dem christlichen Abendland in der islamischen Welt wegen des
bisherigen Wegduckens beim Bekennen eigener Werte erkennbar gemindert
worden, betonte er. Jede Gesellschaft brauche einen Mindestbestand an
Überzeugungen und Orientierungen, auf denen ihre Verfassungs- und
Rechtsordnung beruhe.
In Deutschland und Europa seien diese wesentlich vom Christentum
geprägt, erklärte Lammert. Es müsse deshalb endlich
wieder der Zusammenhang hergestellt werden zwischen den Grundlagen
dieser Gesellschaft und ihren Gesetzen. Als Indiz für das
zunehmende Bedürfnis, sich mit dem eigenen Land zu identifizieren,
nannte Lammert den «fröhlichen Patriotismus» zur
Fußball-Weltmeisterschaft.
Die Grünen-Vorsitzende Roth forderte die Bundesregierung auf,
Bundesmittel für Programme gegen Rechtsextremismus auch langfristig
zu sichern. Die Strategie des Bundesfamilienministeriums, Gelder
künftig nicht mehr von Projekt-Trägern selbst, sondern
ausschließlich von den zuständigen Kommunen beantragen zu
lassen, bezeichnete Roth als falsch. Hier werde der Bock zum
Gärtner gemacht, weil in manchen Städten, Gemeinden und
Landkreisen von den Verantwortlichen geleugnet werde, dass es ein
Problem mit Rechtsextremismus gebe, betonte Roth in der «Neuen
Osnabrücker Zeitung».
SPD-Generalsekretär Heil betonte nach dem Neonazi-Aufmarsch in
Leipzig am Einheitsfeiertag, dass Rechtsextremismus kein spezifisch
ostdeutsches Problem sei. «Es gibt auch in Westdeutschland
Neonazis, die sich in bestimmten Regionen festzusetzen versuchen»,
sagte Heil dem Sender MDR Info. Wichtig sei deshalb, keine Region mit
diesem Problem alleine zu lassen. Alle demokratischen Parteien
müssten sich dort bewusst verstärken und Präsenz zeigen.
«Wir brauchen Mittel gegen die schleichende
Gewöhnung», betonte Heil.
(Quelle: ap)
Vermittlungsstelle soll bei Integrationskonflikten helfen
Do.05.10.06 - Bei Konflikten zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen soll künftig
eine Vermittlungsstelle des Interkulturellen Rates helfen. Das
überwiegend vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
finanzierte Projekt soll bundesweit über Vorurteile aufklären
und bei Integrationsproblemen helfen, wie Ratsvorsitzender Jürgen
Micksch am Mittwoch in Frankfurt am Main erklärte. Das Projekt sei
ein wichtiges Signal an die Muslime in Deutschland, betonte der
künftige Vermittlungsbeauftragte, Torsten Jäger: «Dieser
Staat, diese Gesellschaft ist eure Gesellschaft.»
Bekir Alboga von der Türkisch-islamischen Union der Anstalt
für Religion (DITIB) in Köln betonte, die Clearingstelle mit
Sitz in Darmstadt wolle nicht nur Beschwerden von Muslimen, sondern auch
von Nicht-Muslimen hören. «Auch die Muslime müssen sich
Kritik gefallen lassen, wenn es etwas zu verbessern gibt», sagte
Alboga, der mit dem Interkulturellen Rat bei der Umsetzung des
Integrationsprojektes zusammen arbeitet. «Muslime sind ein Teil
Deutschlands.»
Das zunächst auf drei Jahre angelegte Projekt wird mit
jährlich rund 80.000 Euro vom Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge sowie der Groeben-Stiftung gefördert.
(Quelle: ap)
Ex-Guantánamo-Häftling Kurnaz erhebt schwere Vorwürfe
gegen Bundeswehr
Do.05.10.06 - Der nach mehr als vierjähriger Haft aus dem US- Gefangenenlager
Guantánamo entlassene Bremer Türke Murat Kurnaz hat schwere
Vorwürfe gegen in Afghanistan stationierte deutsche Soldaten
erhoben.
Im Magazin «Stern» sagte der 24-jährigen Kurnaz, er
sei nach seiner Festnahme im Dezember 2001 in einem US-Gefängnis
in Kandahar von deutschen Soldaten misshandelt worden. Zwei Soldaten
mit der deutschen Flagge an der Uniform hätten ihn an den Haaren
gezogen und mit dem Kopf auf den Boden geschlagen, sagte Kurnaz. Das
Verteidigungsministerium kündigte eine Untersuchung an.
«Ich musste mich hinlegen, die Hände auf dem Rücken
gefesselt. Der eine zog mich an den Haaren hoch. "Weißt du wer
wir sind? (...) Wir sind die deutsche Kraft"», zitierte der Stern
den im August frei gelassenen und heute wieder in Bremen bei seiner
Mutter lebenden Türken.
Dem Ministerium liegen bisher keine Anhaltspunkte vor, dass sich
deutsche Soldaten an Verhören von Kurnaz in Kandahar beteiligt
hätten, sagte am Mittwoch ein Sprecher in Berlin. Er wurde so
verstanden, dass dies auch Angehörige des «Kommandos
Spezialkräfte» (KSK) der Bundeswehr einschließt,
über deren Aktivitäten die Bundesregierung generell keine
Erläuterungen gibt.
Es werde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die dem Verteidigungsausschuss
auf seiner nächsten Sitzung berichten solle, sagte der Sprecher.
Überdies würden alle damals in Kandahar anwesenden deutschen
Soldaten zur Abgabe dienstlicher Erklärungen aufgefordert.
Generell wird der rot-grünen Bundesregierung vorgeworfen, nicht
genug für eine vorzeitige Freilassung des Türken getan zu
haben. Der «Fall Kurnaz» wird in den kommenden Wochen auch
auf der Tagesordnung des so genannten BND-Untersuchungsausschusses
stehen, der die Aktivitäten deutschen Nachrichtendienste
während des Irak-Krieges untersucht. Dieses Ausschuss
beschäftigt sich aber auch mit anderen Tätigkeiten deutscher
Geheimdienste.
Die Opposition forderte eine lückenlose Aufklärung der von
Kurnaz erhobenen Vorwürfe - auch über seine Behauptung, er
sei in Guantánamo zwei Mal und nicht nur ein Mal von
Angehörigen deutscher Nachrichtendienste vernommen worden.
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, über die Aktivitäten
deutscher Nachrichtendienste in dieser Sache sei das geheim tagende
Parlamentarische Kontrollgremium (PKG) informiert worden. Die deutschen
Geheimdienste hätten ihn als Informanten anwerben wollen, sagte
Kurnaz. «Und natürlich habe ich zugesagt.» Den
gleichen Fehler habe er beim zweiten Besuch noch einmal gemacht.
«Ich habe sowieso bereut, denen bei den Verhören geantwortet
zu haben», ergänzte er.
Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, verlangte
ebenfalls eine lückenlose Aufklärung der Vorwürfe.
«Ich halte es für unabdingbar, dass man das minutiös
prüft», sagte er dem «Kölner
Stadt-Anzeiger» (Donnerstag). «Ich glaube nicht, dass das
stimmt. Ich kann es aber auch nicht ausschließen.»
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei und Mitglied
im BND-Ausschuss, Petra Pau, sagte, das Kurnaz-Interview widerspreche
allen Beschwichtigungen der Bundesregierung. Sollten die Aussagen von
Kurnaz zutreffen, dann hätten Zeugen wie der ehemalige BND-Chef
August Hanning und Heinz Fromm, Präsident des Bundesamtes für
Verfassungsschutz, den Bundestag belogen, sagte sie. Der FDP- Politiker
Max Stadler forderte die Bundesregierung auf, unverzüglich und
öffentlich Stellung zu beziehen. «Es reicht nicht aus,
Erklärungen dazu nur im geheim tagenden Parlamentarischen
Kontrollgremium abzugeben», sagte er. Auf Antrag der FDP habe der
Untersuchungsausschuss bereits die Vernehmung von Kurnaz als Zeugen
beschlossen.
(Quelle: dpa)
Studie: Deutsche Lehrer verzichten auf Computer im Unterricht
Do.05.10.06 - Deutsche Lehrer setzen in ihren Unterrichtsstunden im internationalen
Vergleich offenbar nur sehr selten Computer ein. Das berichten die
«Ruhr Nachrichten» (Mittwochausgabe) unter Berufung auf eine
Studie der Europäischen Kommission. Demnach hat fast jeder vierte
Lehrer im vergangenen Jahr kein einziges Mal einen Computer im
Unterricht verwendet. Von den übrigen 78 Prozent nutzten deutlich
mehr als die Hälfte die Rechner nur sehr selten: in höchstens
einer von zehn Stunden. Mit diesen Zahlen liegt Deutschland im EU-weiten
Vergleich gerade im Mittelfeld.
Dabei sei die Ausstattung nicht das Problem: Immerhin 99,6 Prozent der
deutschen Schulen haben laut Untersuchung Lehr-Computer. Damit sind sie
überdurchschnittlich gut ausgerüstet. Das Problem ist
offensichtlich ein anderes. Fast die Hälfte der
computerverweigernden Lehrer verfügt nach eigener Aussage nicht
über die nötigen Kenntnisse, um einen Rechner im Unterricht
sinnvoll einzusetzen. «Verglichen mit dem EU-Durchschnitt ist das
ein deutlicher Unterschied», zitiert das Blatt die EU-Kommission.
In den übrigen 26 untersuchten Ländern war die Zahl der
Computermuffel-Lehrer durchschnittlich nur halb so hoch wie in
Deutschland.
(Quelle: ddp)
Deutschland
Nobelpreis für Chemie geht an US-Amerikaner Roger D.Kornberg
Do.05.10.06 - Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an den US-Amerikaner
Roger D. Kornberg. Wie die Königlich Schwedische Akademie der
Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mitteilte, erhält der
Chemiker die mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotierte Auszeichnung
für seine Arbeit zur Transkription in der Zelle. Dabei geht es
darum, wie Gene in Proteine übersetzt werden. Der Forscher habe
damit genau so eine wichtige chemische Entdeckung vorgelegt, wie Alfred
Nobel sie in seinem Testament umschrieben habe, hieß es bei der
Schwedischen Akademie.
Im vergangenen Jahr hatten den Chemie-Nobelpreis die US-Amerikaner
Robert H. Grubbs und Richard R. Schrock sowie der Franzose Yves Chauvin
für ihre Entwicklung eines Katalyseverfahrens im Bereich der
organischen Synthese, das so genannte Metathese-Verfahren, bekommen.
Der Nobelpreis für Wirtschaft wird am Montag bekannt gegeben, der
Friedensnobelpreis am 13. Oktober. Offiziell überreicht werden die
Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.
Der Chemiker und Industrielle (1833-1896) hatte in seinem Testament
festgelegt, dass alljährlich fünf Preise an
Persönlichkeiten verliehen werden, «die im vergangenen Jahr
der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben».
(Quelle: ddp)
ESA meldet Rekord Ozon-Verlust über dem Südpol in diesem Jahr
Do.05.10.06 - Über dem Südpol geht in diesem Jahr so viel schützendes
Ozon verloren wie nie zuvor seit Beginn der Messungen. Das teilte die
Europäische Weltraumorganisation (ESA) am Montag in Frascati bei
Rom mit.
Die ESA misst sowohl die Größe des Ozonlochs als auch seine
Tiefe in der Ozonschicht. Aus der Kombination beider Werte ergibt sich
für dieses Jahr ein Verlust um 40 Millionen Tonnen Ozon. Das sind
eine Million Tonnen mehr als im bisherigen Rekordjahr 2000.
Das Ozonloch ist der ESA zufolge derzeit mit 28 Millionen
Quadratkilometern etwa so groß wie die USA und Russland zusammen
und hat damit fast die Ausmaße des Rekordlochs vor sechs Jahren
erreicht, teilte die ESA mit. Die Tiefe des Lochs in der Ozonschicht
erreiche Werte aus dem Jahr 1998. «Eine solch signifikanter
Ozonverlust setzt sehr tiefe Temperaturen in der Stratosphäre
kombiniert mit Sonnenlicht voraus», sagte der ESA-Experte Claus
Zehner «Der extreme Ozonverlust in diesem Jahr lässt sich mit
den Temperaturen über der Antarktis erklären, die so niedrig
sind wie seit 1979 nicht mehr.»
Die Ozonschicht filtert einen Großteil der ultravioletten
Strahlung aus, die beim Menschen unter anderem Hautkrebs verursachen
kann. Die Ausdünnung der Schicht führen Experten unter anderem
auf den Einsatz von Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) zurück.
Auf Grund des Montréal-Protokolls zum Schutz der Ozonschicht von
1987 hat die weltweite FCKW-Produktion stark abgenommen. Amerikanische
Klimaforscher hatten kürzlich festgestellt, dass sich die
Ozonschicht über dem Südpol erholt, aber nur langsam und vor
allem in niedrigeren Lagen der Atmosphäre. Sie gehen davon aus,
dass das Ozonloch über der Antarktis nicht vor 2065 verschwinden
wird.
(Quelle: dpa)