Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertneunundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Außenministerin Rice zu Überraschungsbesuch in Bagdad
eingetroffen. Seit Samstag kamen mindestens 21 US-Soldaten bei Kämpfen
und Anschlägen im Irak ums Leben. USA dementieren Tod von
irakischem Al-Kaida-Anführer. Saddam-Hussein-Anwalt rechnet nach
möglichem Todesurteil mit Welle der Gewalt. Saudi-Arabien
erwägt Bau von stark gesicherter Grenzanlage zum Irak
Fr.06.10.06 - US-Außenministerin Condoleezza Rice ist am Donnerstag
überraschend im Irak eingetroffen. Den politischen Führern
des Landes wolle sie deutlich machen, dass sie nicht endlos Zeit zur
Lösung der Probleme hätten, erklärte Rice an Bord ihres
Flugzeugs. Die Außenministerin kommt inmitten einer sich
verschlechternden Sicherheitslage, die auch Rice zu spüren bekam.
Ihre Maschine konnte wegen «indirekten Feuers» erst mit
einer 35-minütigen Verspätung landen.
Wie der Sprecher des Außenministeriums, Sean McCormack,
erklärte, wurden in der Nähe des Flughafens von Bagdad
offenbar Granaten oder Raketen abgefeuert. Rice wollte unter anderem
mit Ministerpräsident Nuri al-Maliki sprechen, wie dessen
Büro mitteilte. Bei dem Gespräch solle es um
Möglichkeiten zur Eindämmung der Gewalt zwischen Sunniten und
Schiiten gehen. Die gegenseitigen Racheakte von Milizen beider
Volksgruppen sind derzeit wohl das größte Problem im Irak.
Allein am Mittwoch waren wieder 34 Menschen ums Leben gekommen. Seit
Samstag sind zudem mindestens 21 US-Soldaten bei Kämpfen und
Anschlägen getötet worden.
Die US-Streitkräfte dementierten am Donnerstag Berichte, wonach
der Anführer der Terrorgruppe Al Kaida im Irak, Abu Ajjub al
Masri, getötet wurde. Es sei «höchst
unwahrscheinlich», dass Al Masri ums Leben gekommen sei, sagte
US-Militärsprecher Barry Johnson. Auch der Sprecher des irakischen
Verteidigungsministeriums erklärte, bei einer gefundenen Leiche
handele es sich nicht um die des Terroristenführers. Das
Innenministerium wollte mit Hilfe eines DNA-Tests Klarheit schaffen.
Johnson sagte, bei einer Razzia in der westlichen Provinz Anbar seien
kürzlich mehrere mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder
getötet worden. Zunächst sei vermutet worden, dass unter
ihnen möglicherweise Al Masri sei. Nach weiteren Abklärungen
habe sich dies aber als höchst unwahrscheinlich herausgestellt,
sagte Johnson der Nachrichtenagentur AP. Nach Angaben des
stellvertretenden Innenministers Hussein Kamal fand die Razzia vor zwei
Tagen statt. Weitere Angaben machten weder er noch Johnson.
Zwei arabische Fernsehsender hatten zuvor berichtet, dass die
Aufständischen von US-Truppen bei Haditha getötet worden
seien. Al Masri hatte die Führung der Al Kaida im Irak
übernommen, nachdem sein Vorgänger Abu Mussab al Sarkawi am
7. Juni bei amerikanischen Luftangriffen nordöstlich von Bagdad
getötet worden war.
Eine andere aufständische Gruppe veröffentlichte unterdessen
ein Video, das die Ermordung von zwei amerikanischen Soldaten durch
Scharfschützen zeigen soll. Im Internet war zu sehen, wie drei
Soldaten nahe einer Moschee die Straße entlanggehen. Schüsse
sind zu hören und ein Soldat im Hintergrund verschwindet,
möglicherweise nachdem er getroffen wurde. Dann fällt ein
weiterer Soldat zu Boden. Die Echtheit des Videos, das vom
Mudschahedin-Schura-Rat veröffentlicht wurde, konnte nicht
bestätigt werden.
Einer der Anwälte von Saddam Hussein rechnet nach einem
möglichen Todesurteil gegen den ehemaligen irakischen
Präsidenten mit einer neuen Welle der Gewalt. Die sunnitische
Minderheit würde eine Hinrichtung als Racheakt der schiitisch
dominierten und von den USA unterstützten Regierung sehen,
erklärte Ramsey Clark am Donnerstag in Washington.
Die Folge wäre «katastrophale Gewalt», sagte der
frühere US-Justizminister. Sie würde zu einem «Ende der
Zivilisation, wie wir sie kennen, am Geburtsort der Zivilisation in
Mesopotamien» führen: «Totales, vollkommenes
Chaos».
Das Gericht in Bagdad hat die Urteilsverkündung gegen Saddam
Hussein und seine Mitangeklagten im ersten Prozess verschoben.
Ursprünglich sollte es am 16. Oktober bekannt gegeben werden, ein
neuer Termin wurde bislang nicht genannt. Die Angeklagten mussten sich
wegen eines Massakers in der Stadt Dudschail nördlich von Bagdad
verantworteten, wo 1982 mehr als 140 Schiiten getötet wurden.
Zudem steht der Exmachthaber wegen Völkermords derzeit erneut vor
Gericht. Dabei geht es um die Ermordung zehntausender Kurden in den
80er Jahren.
Saudi-Arabien erwägt den Bau einer stark gesicherten Grenzanlage
zum Irak, um Grenzüberschreitungen von Extremisten ins Nachbarland
zu verhindern. Der Bau einer Anlage mit Stacheldrahtzäunen,
Wärmebildkameras und anderen Sicherheitsmaßnahmen werde
geprüft, sagte der stellvertretende saudiarabische Innenminister
Prinz Ahmed bin Abdel Asis. Es gehe nicht um eine "Trennmauer", betonte
der Vize-Innenminister. Es bestehe eine Übereinkunft mit dem
irakischen Innenministerium über den Schutz der gemeinsamen Grenzen.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 06.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertfünfundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Tausende protestieren in USA gegen Bush und Irak-Krieg
Fr.06.10.06 - Tausende Menschen haben am Donnerstag in den USA gegen die Politik von
Präsident George W. Bush demonstriert. Bei Protestaktionen in mehr
als 200 Städten habe es Kundgebungen zu einer weiten Spanne von
Themen - von der globalen Erwärmung bis zum Krieg im Irak -
gegeben, erklärten die Organisatoren. Die Gruppe «World
Can't Wait» (Die Welt kann nicht warten) rief unter anderem zu
Demonstrationen in New York, Los Angeles und Seattle auf. Vor dem
Weißen Haus in Washington versammelten sich rund 500 Bush-Gegner.
(Quelle: ap)
UNHCR: 90.000 Flüchtlinge nach Kämpfen im Süden
Afghansitans
Fr.06.10.06 - Wegen der Kämpfe zwischen der NATO-geführten Internationalen
Afghanistan-Truppe ISAF und Aufständischen haben im Süden des
Landes bis zu 90.000 Menschen die Flucht ergriffen. Rund 15.000 Familien
seien vor der Offensive gegen die radikalislamische Taliban auf der
Flucht, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Mittwoch mit.
Betroffen seien vor allem die Provinzen Kandahar, Urusgan und Helmand.
Zuvor seien bereits mehr als 115.000 Menschen auf der Flucht gewesen,
zum Teil auch wegen einer anhaltenden Dürre. Die Menschen
hätten alles verloren, ihre Schulen, Krankenhäuser,
Obstplantagen und Weingärten.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
USA und EU drohen Israel mit Abzug von Grenz-Beobachtern in Gaza.
Millionen-Unterstützung für palästinensischen
Präsidenten Abbas. Hamas ruft Abbas zu Wiederaufnahme des Dialogs
auf
Fr.06.10.06 - Die USA und die Europäische Union (EU) haben Israel mit dem Abzug
ihrer Beobachter am einzigen palästinensisch-ägyptischen
Grenzübergang im Gaza-Streifen gedroht. Die ständige
Schließung des Übergangs Rafah durch Israel stelle die Arbeit
der Beobachter ernsthaft in Frage, hieß es in einem Brief der
zuständigen Sicherheitskoordinatoren der USA und der EU an den
israelischen Verteidigungsminister Amir Perez. Der Brief lag der
Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vor.
"Die Tatsache, dass die Mitglieder des Beobachter-Einsatzes seit drei
Monaten daran gehindert werden, ihre Aufgabe zu erfüllen,
widerspricht der Idee der Vereinbarung", hieß es in dem Schreiben,
das von US-Generalleutnant Keith W. Dayton und dem EU-Chef des
Einsatzes, Pietro Pistolese, unterzeichnet wurde. "Der
Rafah-Übergang ist kein Sicherheitsrisiko."
Rafah ist für die Palästinenser im Gazastreifen das einzige
Tor zur Außenwelt, das nicht über israelischen Boden
führt. Seit der Entführung eines israelischen Soldaten durch
palästinensische Extremisten in das Küstengebiet am 25. Juni
hat Israel eine weitgehende Schließung des Übergangs
durchgesetzt.
Ein Abzug der Beobachter wäre ein diplomatischer Schlag für
Israel. Es hatte den Übergang bei seinem Abzug aus dem Gazastreifen
vor mehr als einem Jahr erst in palästinensische Kontrolle
übergeben, nachdem die USA den Beobachter-Einsatz vermittelt
hatten. Die Beobachter wachen darüber, dass keine Extremisten oder
Waffen die Grenze passieren.
Im Machtkampf zwischen Hamas und Fatah wollen die Vereinigten Staaten
den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas mit 20
Millionen Dollar unterstützen. Von dem Geld soll die
Präsidentengarde besser ausgebildet werden, wie am Donnerstag aus
US-Kreisen verlautete. Außerdem solle die Sicherheit am
Grenzübergang Karni zwischen dem Gazastreifen und Israel
verbessert werden, über den hauptsächlich Waren transportiert
werden. Auf diese Weise hoffen die USA, die wirtschaftliche Lage der
Palästinenser verbessern zu können.
Der Plan, den der amerikanische Sicherheitskoordinator in den
Autonomiegebieten, Keith Dayton, ausarbeitet, soll bis November
umgesetzt werden, rechtzeitig zur Erntezeit im Gazastreifen. Die
Präsidentengarde soll die palästinensische Seite des
Grenzübergangs kontrollieren und das Vertrauen der israelischen
Seiten in die Sicherheitskontrollen wiederherstellen. Der Plan wurde
während des Besuchs von US-Außenministerin Condoleezza Rice
im Westjordanland diskutiert. Die Hamas kritisierte den Plan als
versteckten Putschversuch.
Israel erklärte sich unterdessen bereit, den Grenzübergang
Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten während des
Fastenmonats Ramadan regelmäßig zu öffnen. Der Sprecher
des US-Außenministeriums, Sean McCormack, sprach in Jerusalem von
einem positiven Schritt. McCormack begleitete Rice in die Region. Der
Grenzübergang wurde am Mittwoch zum zweiten Mal seit Beginn des
Ramadans im vergangenen Monat geöffnet.
Die Hamas-Regierung rief Präsident Abbas zur Wiederaufnahme der
Koalitionsgespräche auf. Falls der Dialog nicht fortgesetzt werde,
könne die Hamas zu «anderen Optionen» greifen,
hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten
Erklärung der radikalislamischen Organisation. Abbas hatte die
Gespräche über die Bildung einer Regierung der nationalen
Einheit am Mittwoch für vorerst gescheitert erklärt. Die
Hamas machte Abbas für den Zusammenbruch der Verhandlungen
verantwortlich. Der Präsident habe neue Bedingungen
«diktiert», die eine Einigung unmöglich gemacht
hätten. Die Hamas sei jedoch nach wie vor an der Bildung einer
Regierung der nationalen Einheit interessiert.
Im Mittelpunkt des Streits steht die Weigerung der Hamas, das
Existenzrecht Israels anzuerkennen. Der ägyptische Präsident
Husni Mubarak schlug eine vorgezogene Neuwahl als einen Weg aus der
Krise vor. Derzeit halte sich eine ranghohe ägyptische Delegation
im Gazastreifen auf und bemühe sich, in Gesprächen mit den
palästinensischen Gruppen die Gewalt zu beenden, erklärte
Mubarak nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur MENA.
(Quellen: rtr, ap)
Deutsche Soldaten weitere sechs Monate im Sudan
Fr.06.10.06 - Das deutsche Regierung hat grünes Licht für eine weitere
Verlängerung des UNMIS-Einsatzes der Bundeswehr im Südsudan
gegeben. Danach sollen sich die deutschen Soldaten über den 8.
Oktober hinaus für weitere sechs Monate an der Mission beteiligen
können, sofern ein entsprechendes UN-Mandat und die Zustimmung des
Bundestages vorliegen, wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin
mitteilte.
Wilhelm verwies zugleich darauf, dass sich der UN-Sicherheitsrat am 8.
Oktober mit der Frage einer Mandatsverlängerung befassen wolle.
Dabei sei aber noch unklar, ob es erneut nur zu einer kurzfristigen
Verlängerung kommen oder das Mandat für einen längeren
Zeitraum gelten werde. Sollte der Sicherheitsrat vor Ablauf der sechs
Monate das Mandat inhaltlich so ändern, dass dies für den
Einsatzrahmen und die Aufgaben der betroffenen Bundeswehrsoldaten von
Bedeutung sei, werde die Bundesregierung den Bundestag erneut damit
befassen.
Deutschland entsendet seit April 2005 zur Überwachung des
Friedensabkommens im Südsudan bis zu 75 unbewaffnete
Militärbeobachter und Stabsoffiziere. Derzeit sind laut
Bundesregierung 36 deutsche Militärbeobachter im Einsatz.
(Quelle: ddp)
Der Krieg in Darfur droht Zentralafrika zu destabilisieren
Trotz zahlreicher internationaler Truppen in der Region ist es noch zu
keinem effektiven Einsatz gegen die Milizen gekommen. Im Gegenteil: Die
Lage wird immer bedrohlicher, warnt amnesty. Die deutsche
Grünen-Außenpolitikerin Kerstin Müller fordert
Eingreifen auch gegen den Willen des Sudan... Mehr in der taz vom
05.10.06:
http://www.taz.de/pt/2006/10/05/a0141.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/10/05/a0144.1/text
Südkoreaner Ban bei Wahl zum UN-Generalsekretär ohne
Gegenkandidaten
Fr.06.10.06 - Nach dem Rückzug aller Gegenkandidaten dürfte der Wahl des
südkoreanischen Außenministers Ban Ki Moon zum Nachfolger
von UN-Generalsekretär Kofi Annan nichts mehr im Wege stehen. Als
letzte zogen am Donnerstag die lettische Präsidentin Vaira
Vike-Freiberga und der Thailänder Surakiart Sathirathai ihre
Bewerbungen zurück.
Ban hatte bei einer Probeabstimmung im Sicherheitsrat als einziger
Kandidat die Stimmen aller fünf Veto-Mächte erhalten. Am
Montag will der UN-Sicherheitsrat formell über seinen Kandidaten
für das höchste Amt bei den Vereinten Nationen abstimmen.
Dieser Personalvorschlag wird dann in aller Regel ohne weitere
Aussprache von der UN-Vollversammlung bestätigt. Annans zweite
fünfjährige Amtszeit endet am 31. Dezember.
Insgesamt sieben Kandidaten hatten sich Hoffnungen auf seine Nachfolge
gemacht. Der Inder Sashi Tharoor zog sich unmittelbar nach der letzten
Probeabstimmung am Montag zurück, der jordanische UN-Botschafter
Seid al Hussein und der frühere afghanische Finanzminister Aschraf
Ghani gaben am Mittwoch auf. Jayantha Dhanapala aus Sri Lanka hatte
seine Bewerbung bereits nach einem schlechten Ergebnis in einer
früheren Probeabstimmung aufgegeben.
Am Donnerstag informierte Vike-Freiberga den japanischen Vorsitz des
UN-Sicherheitsrats von ihrem Rückzug und der amtierende
thailändische Ministerpräsident Surayud Chulanont gab in
Bangkok das Ausscheiden von Sathirathai bekannt.
(Quelle: ap)
Srilankische Regierung zu Verhandlungen mit Rebellen bereit
Fr.06.10.06 - Die srilankische Regierung hat sich zu Verhandlungen mit den
tamilischen Rebellen Ende Oktober bereit erklärt. Die Regierung
habe der Wiederaufnahme der Gespräche am 28. und 29. Oktober in der
Schweiz zugestimmt, sagte der Chefunterhändler der Regierung,
Nimal Siripala de Silva, am Donnerstag nach einem Gespräch mit dem
norwegischen Unterhändler Jon Hanssen-Bauer.
Am Dienstag hatten sich die tamilischen Rebellen zu Verhandlungen ohne
Vorbedingungen mit der Regierung bereit erklärt. Die
Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) drohten gleichzeitig, sie
würden einen 2002 vereinbarten Waffenstillstand aufkündigen,
wenn die Regierung an ihrer gegenwärtigen Offensive festhalte.
Norwegen versucht, in dem Konflikt zu vermitteln. Das Land hatte schon
2002 die Waffenruhe vermittelt, die aber immer weniger eingehalten wird.
Die LTTE fordert eine Autonomie für die tamilischen Gebiete im
Osten und Norden der Insel Ceylon. Der Bürgerkrieg kostete seit
1983 schon mehr als 66.000 Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Mexikanische Regierung will keine Gewalt gegen Rebellen in Oaxaca
Fr.06.10.06 - Die mexikanische Regierung hat den Rebellen in der Stadt Oaxaca nach
deren Angaben zugesichert, auf Gewalt zu verzichten. «Wir haben
Garantien vom Innenminister, dass es keinen militärischen
Einmarsch geben wird», sagte Enrique Rueda von der
Lehrergewerkschaft am Donnerstag.
Der Aufstand in der südmexikanischen Stadt begann im Mai nach
einem Streik von Lehrern. Ihnen schlossen sich mehrere tausend
Studenten und Anarchisten an, die die Behördengebäude und
Rundfunksender besetzten. Ihre Hauptforderung ist der Rücktritt
von Gouverneur Ulises Ruiz, dem sie Wahlbetrug und die
Einschüchterung von Dissidenten vorwerfen. Ruiz hat Truppen von
der Regierung angefordert.
Wegen seiner Gebäude aus der spanischen Kolonialzeit, der
nahegelegenen präkolumbianischen Ausgrabungsstätten und der
indianischen Kultur ist Oaxaca ein beliebtes Reiseziel für
ausländische Touristen.
(Quelle: ap)
Russland erhöht Druck auf Georgien
Fr.06.10.06 - Russland hat den Druck auf Georgien verstärkt und dabei die
Einwanderer aus der Kaukasus-Republik ins Visier genommen. Die russische
Einwanderungsbehörde erklärte am Donnerstag, man werde die
Quotenregelung abschaffen, nach der jedes Jahr eine gewisse Anzahl
Georgier eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erhielt. Künftig
dürfen sich Georgier mit ihren Visa nur noch 90 statt bisher 180
Tage in Russland aufhalten. In Russland arbeiten hunderttausende
Georgier, die mit dem verdienten Geld ihre Familien in der Heimat
unterstützen.
Der stellvertretende Leiter der russischen Einwanderungsbehörde,
Michail Tjurkin, sagte dem Fernsehsender NTV, mehr als die Hälfte
der Georgier in Russland halte sich illegal im Land auf. Er
kündigte an, Moskau werde Weißrussland auffordern, ebenfalls
Visa-Beschränkungen für Georgier zu erlassen. Andernfalls
könnten Georgier über Weißrussland nach Russland
gelangen, da die Grenzkontrollen zwischen den Ländern locker seien.
Auslöser des jüngsten Streits zwischen Russland und Georgien
war die Festnahme von vier russischen Offizieren in Georgien, die der
Spionage beschuldigt und am Montag über die Grenze abgeschoben
wurden. Als Reaktion hat die russische Regierung bereits sämtliche
Verkehrswege sowie den Postverkehr in die Kaukasus-Republik blockiert.
In georgischen Geschäftseinrichtungen in Moskau wurden Razzien
durchgeführt. Ferner wird ein Gesetz erwogen, das es in Russland
arbeitenden Georgiern verbieten würde, Geld nach Hause zu schicken.
Dies würde etwa eine Million Menschen betreffen und einen schweren
Rückschlag für die georgische Wirtschaft bedeuten.
(Quelle: ap)
Türkei knüpft Öffnung von Häfen für Zypern an
Bedingungen
Fr.06.10.06 - Im Streit mit der Europäischen Union um eine faktische Anerkennung
Zyperns schließt die Türkei eine Öffnung ihrer
Häfen für zyprische Waren nicht mehr grundsätzlich aus.
Sie pocht aber im Gegenzug auf eine Ende der «Isolation»
des türkischen Nordteils der Insel.
«Solange die Isolation (Nordzyperns) noch besteht, können
wir die Öffnung der Flughäfen und Häfen nicht
ermöglichen», sagte der türkische Regierungschef Recep
Tayyip Erdogan am Donnerstag nach einem Treffen mit der deutschen
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Ankara. «Das wäre nicht
gerecht.» Zugleich würdigten die beiden Politiker die
bilateralen Beziehungen und hoben vor allem die wirtschaftliche
Zusammenarbeit hervor.
Merkel sagte bei ihrem Antrittsbesuch in der Türkei, das Ankara-
Protokoll, das eine Öffnung der Häfen und damit faktisch eine
Anerkennung des EU-Mitglieds Zypern vorsieht, müsse erfüllt
werden. «Ich glaube, dass es selbstverständlich ist, dass,
wenn Mitgliedstaaten in der EU miteinander kooperieren wollen, dazu
auch freie Handelsbeziehungen, die Erreichbarkeit von Häfen und
Flughäfen gehören.» Vorsichtig optimistisch
äußerte sich Merkel über einen neuen finnischen
Vorschlag in dieser Frage.
In geheimen Verhandlungen mit Nikosia und Ankara bemüht sich die
finnische EU-Ratspräsidentschaft, ein mögliches zyprisches
Veto abzuwenden und damit ein «Entgleisen» des
EU-Beitrittsprozesses der Türkei zum Ende dieses Jahres
abzuwenden. Die EU-Kommission will am 8. November ihren Bericht zum
Verlauf der Türkei-Verhandlungen vorlegen. Der EU-Gipfel befasst
sich damit im Dezember.
Die Türkei setzt dabei weiterhin auf die Regierung in Berlin.
«Beim EU-Prozess der Türkei war Deutschland immer mit an der
Seite der Türkei», sagte Erdogan. Er glaube, dass die
Unterstützung auch dann weitergehe, wenn Deutschland kommendes
Jahr die EU- Ratspräsidentschaft übernehme. Merkel nannte es
bedeutsam, dass Deutschland und die Türkei innerhalb der
UN-Mission zur Sicherung des Friedens im Nahen Osten gemeinsam
Verantwortung übernommen hätten. Beide Politiker sprachen
auch über die Integration türkischer Bürger in
Deutschland.
Für einen konstruktiven Dialog zwischen verschiedenen Kulturen und
Religionen sprach sich Merkel am Abend in Istanbul aus, wo sie mit
Erdogan an einem traditionellen islamischen Fastenbrechen-Mahl
teilnahm. «Wir müssen uns Zeit nehmen, einander
zuzuhören und uns besser kennen zu lernen», sagte die
Kanzlerin. «Als Partner haben wir ein besonderes Interesse an der
Annäherung der Türkei an die Europäische Union»,
führte Merkel aus, ohne auf die Art der Anbindung einzugehen.
Erdogan betonte, dass eine EU-Mitgliedschaft der Türkei
«eine große Chance für beide Seiten und den
Weltfrieden» sei. Der Welt würde damit ein Beispiel gegeben,
dass verschiedene Religionen und Traditionen sehr wohl mit globalen
Werten und Grundsätzen in Einklang zu bringen seien.
Merkel, die an diesem Freitag in Istanbul an einem deutsch-
türkischen Wirtschaftsforum teilnimmt, hob die großen
Erwartungen der deutschen Wirtschaft an einem Ausbau der
wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Länder hervor. Laut
BDI-Präsident Jürgen R. Thumann fordert die deutsche
Industrie eine «nüchterne und sachliche Debatte»
über die europäische Perspektive der Türkei. «In
einem langfristig angelegten Projekt wie diesem sind oftmals
innenpolitisch motivierte Aufgeregtheiten wenig hilfreich.» Die
deutsche Ausfuhr in die Türkei hat sich laut BDI in den letzten 10
Jahren mehr als verdreifacht, der Warenaustausch in 2005 einen neuen
Höchstwert von über 21 Milliarden Euro erreicht.
Zum Abschluss ihres Türkei-Besuchs trifft sich Merkel mit
religiösen Führern, auch der nichtmuslimischen Minderheiten.
Defizite bei der Meinungs- und Religionsfreiheit gehören zu den
Hauptpunkten der EU- Kritik am nachgelassenen Reformeifer der
Türkei ein Jahr nach Aufnahme der Beitrittsverhandlungen.
(Quelle: dpa)
Osteuropäer kritisieren Verzögerung bei Öffnung der
EU-Binnengrenzen - Deutscher Innenminister: Kein Sicherheitsrabatt bei
Ausweitung des Schengenraums
Fr.06.10.06 - Die östlichen EU-Staaten haben die Verzögerung bei der
Öffnung der Grenzen zu Westeuropa am Donnerstag scharf kritisiert.
«Ganz offensichtlich hat es Fehler gegeben», sagte der
polnische Innenminister Ludwik Dorn bei einem Treffen mit seinen
EU-Kollegen in Luxemburg. Die Passkontrollen zwischen neuen und alten
Mitgliedstaaten sollten eigentlich schon im Oktober 2007 gelockert
werden, wegen technischer Probleme dürfte der Schengen-Raum nun
aber frühestens 2009 erweitert werden.
Deutschlands Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wies den von
mehreren osteuropäischen Staaten geäußerten Verdacht
zurück, die Verspätung habe politische Gründe.
«Deutschland hat nicht klammheimliche Freude an der
Verzögerung», betonte Schäuble. Zugleich machte er
allerdings deutlich, dass es bei der Ausweitung des Schengenraums
keinen Sicherheitsrabatt geben dürfe: «Die neuen
Mitgliedstaaten müssen die Voraussetzungen erfüllen, weil es
sonst in Europa nicht mehr, sondern weniger Sicherheit geben
würde.»
Voraussetzung für die Ausweitung des Schengensystems ist ein
Ausbau des so genannten Schengen-Informations-Systems, das dem
Austausch von Personendaten dient. Bei der Ausweitung auf die neuen
Mitgliedstaaten soll dieses System zugleich EU-weit erneuert werden, um
etwa biometrische Daten einbeziehen zu können. Die
ursprünglich für Oktober 2007 geplante Einführung dieses
Schengen-Informationssystems II (SIS II) stößt aber auf
erhebliche technische Probleme, selbst in den alten Mitgliedstaaten
dürfte es nach neuesten Schätzungen frühestens im Sommer
2008 funktionieren.
Als Kompromiss schlug Portugal nun vor, einfach das existierende
Schengen-Informationssystem auf die neuen Mitgliedstaaten auszuweiten.
Technisch wäre dies nach portugiesischen Angaben bis Herbst 2007
möglich. Schäuble erklärte, diesen Vorschlag gelte es zu
prüfen. «Uns ist aber wichtig, dass SIS II - das ja auch
mehr Sicherheit bedeutet - durch diese Initiative in keiner Weise
beeinflusst wird», betonte der Innenminister.
(Quelle: ap)
EU-weiter Informationsaustausch über Einwanderungspolitik
beschlossen
Fr.06.10.06 - Die EU-Justiz- und Innenminister haben am Donnerstag einen
verstärkten Informationsaustausch in der Einwanderungspolitik
vereinbart. Änderungen nationaler Asyl- und Einwanderungsgesetze,
die Legalisierung einer großen Zahl illegal eingereister
Flüchtlinge oder Rückführungsabkommen mit Drittstaaten
sollen künftig in ein EU-weites Computernetzwerk eingespeist werden.
Mit ihrem Beschluss zogen die Minister Konsequenzen aus der
umstrittenen Entscheidung der spanischen Regierung vom vergangenen Jahr,
700.000 illegal eingereisten Ausländern ein Bleiberecht zu
erteilen. Nach Ansicht vieler anderer Staaten hat dieser Schritt den
Anreiz gesteigert, illegal in die EU einzuwandern.
Ein Sprecher der EU-Kommission betonte, Vorhaben mit Folgen für
die gesamte EU sollten möglichst schon in der Planungsphase in das
Informationssystem eingespeist werden, das Ende Oktober stehen soll.
Verpflichtet seien die Mitgliedstaaten zur Weitergabe von Informationen
aber erst, wenn das fragliche Gesetz erlassen sei.
(Quelle: ap)
20 Flüchtlinge vor Kanaren ertrunken
Fr.06.10.06 - Etwa 20 afrikanische Flüchtlinge sind nach Angaben
Überlebender vor den Kanarischen Inseln ertrunken. Ihr Boot sei
auf hoher See gekentert, sagten Überlebende am Donnerstag der
spanischen Polizei. Vor dem Unfall 190 Kilometer südlich der
Kanaren hätten sich insgesamt 31 Insassen an Bord befunden. Sieben
Erwachsene und vier Kinder wurden von der Besatzung eines
südafrikanischen Schiffes gerettet und nach Gran Canaria gebracht.
Die Flüchtlinge stammten vermutlich aus Westafrika.
(Quelle: ap)
Einigung im französischen Flüchtlingsdrama
Fr.06.10.06 - Das Elend soll endlich ein Ende haben: Seit sechs Wochen kampieren fast
dreihundert Flüchtlinge unter erbärmlichsten Umständen in
einer Turnhalle am Stadtrand von Paris. Ihr baufälliges
Elendsquartier in Cachan, wo sie bislang wohnten, war Mitte August
evakuiert worden. Um ihrer Abschiebung zu entgehen weigerten sie sich,
getrennt in andere Unterkünfte auszuweichen. In der Nacht zum
Donnerstag einigten sich Flüchtlingsvertreter und das
Innenministerium schließlich auf eine Lösung.
Demnach werden die Einwanderer, überwiegend Afrikaner, zwar auf
vier Einrichtungen verteilt. Dort stehen sie jedoch unter dem Schutz der
Menschenrechtsorganisation France Terre d'Asil, und die Anträge
der Flüchtlinge ohne Papiere werden vom Innenministerium auf die
Möglichkeit einer Aufenthaltsgenehmigung hin geprüft. Noch an
diesem Wochenende könnte der Umzug beginnen. «Wir haben ein
unwiderrufliches Abkommen geschlossen», sagte der
Bürgermeister von Cachan, Jean-Yves Le Bouillonnec, am frühen
Donnerstagmorgen.
Die Lage in der Turnhalle hatte sich in den vergangenen Tagen und mit
Anbruch des kühlen Herbstes zugespitzt. Bei einem Kind wurde
Tuberkulose diagnostiziert, doch die Familie weigerte sich aus Furcht
vor einer Ausweisung, ein Krankenhaus aufzusuchen. Sechs
Flüchtlinge waren seit 44 Tagen im Hungerstreik und befanden sich
in kritischem Zustand.
Das Drama hatte zu einem erbitterten Streit zwischen Innenminister
Nicolas Sarkozy, Menschenrechtsgruppen und linken Parteien geführt.
Sarkozy warf dem sozialistischen Bürgermeister Le Bouillonnec vor,
die Lage der Flüchtlinge politisch ausnutzen zu wollen, da er
ihnen die Turnhalle in seiner Kommune bereitgestellt hatte. Die PS
bezeichnete den Innenminister daraufhin als «Lügner»,
da Le Bouillonnec lediglich die Vorgaben des Ministeriums umgesetzt
habe. Schließlich schaltete sich Premierminister Dominique de
Villepin am Mittwoch ein und forderte Sarkozy auf, rasch einen Ausweg
zu finden.
(Quelle: ap)
Bürgerrechtler fordern Förderprogramme für Roma
Fr.06.10.06 - Eine Bürgerrechtsgruppe hat sich am Donnerstag für spezielle
Förderprogramme für die Minderheit der Roma ausgesprochen.
Die Europäische Union verfüge derzeit nicht über die
Mittel, die Diskriminierung der Roma in vielen Ländern zu beenden,
hieß es zur Begründung. Auch müsse die Diskriminierung
dieser größten Minderheit Europas in den 25
EU-Mitgliedsstaaten und den beiden osteuropäischen
Beitrittsländern Bulgarien und Rumänien besser dokumentiert
werden, forderte Galina Kostadinova von der in London ansässigen
Organisation Minority Rights Group International.
«Durch die EU-Erweiterung haben sich die Lebensbedingungen der
Roma nicht verbessert», sagte Kostadinova. Ohne positive
Maßnahmen sei die tiefe Kluft zwischen den Roma und dem Rest der
Bevölkerung nicht zu überwinden. Rund zehn bis 15 Millionen
Roma leben in der EU. Ihr Anteil ist in der Slowakei, in Ungarn und
Tschechien besonders hoch, wo sie vielfach in Armut leben.
(Quelle: ap)
Deutschland
Gesundheits-Kompromiss stößt auf vernichtende Kritik
Fr.06.10.06 - Nachhaltige Zustimmung im Regierungslager und teilweise vernichtende
Kritik: Die Einigung von Union und SPD auf die Gesundheitsreform hat am
Donnerstag ein kontroverses und zumeist ablehnendes Echo von Kassen,
Verbänden und der Opposition ausgelöst.
Nach Meinung der Union hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ihren
Führungsanspruch deutlich gemacht. «Die Bundeskanzlerin hat
Führungsstärke bewiesen», sagte
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Zufrieden auch die SPD:
SPD-Fraktionschef Peter Struck sieht in der Reform «eine
revolutionäre Neuregelung», die mindestens fünf bis
zehn Jahre halten soll.
Die Opposition lehnte das Reformwerk dagegen vehement ab und sprach von
«Missgeburt» und einer «Verhohnepiepelung des
Wählers». FDP-Partei- und Fraktionschef Guido Westerwelle
meinte, nicht eine Verschiebung, sondern «die Beerdigung dieses
planwirtschaftlichen Gesundheitsfonds» sei notwendig. Für
die SPD-Linke Andrea Nahles, Präsidiumsmitglied ihrer Partei, ist
das Ergebnis schlechter als die im Sommer vereinbarten Eckpunkte, wie
sie der «Berliner Zeitung» sagte.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer nannte die Einigung eine
«Verhohnepiepelung» der Wähler. «Es hat mit
Handlungsfähigkeit überhaupt nichts zu tun, wenn man um jeden
Preis an einem faulen, vermurksten Kompromiss festhält»,
sagte er in der ARD. Die Grünen- Fraktionsvorsitzende Renate
Künast sagte: «Der Fonds ist tot und die Gesundheitsreform
gescheitert.»
Ähnlich deutlich auch Gregor Gysi, Vorsitzender der
Links-Fraktion: «Die große Blase Gesundheitsreform ist
geplatzt. Herausgekommen ist eine unsoziale Missgeburt.» Für
den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe, Peter Ramsauer, hat die
Koalition beim schwierigsten Reformvorhaben der Legislaturperiode
dagegen ihre politische Handlungsfähigkeit unter Beweis gestellt.
Der frühere Gesundheits- und jetzige Landwirtschaftsminister Horst
Seehofer (CSU) nannte den Kompromiss sozial gerecht und tragfähig.
Überwiegend vernichtend ist die Reaktion der gesetzlichen
Krankenkassen (GKV). Die Spitzenverbände kritisierten die Einigung
in einer gemeinsamen Presseerklärung als «politischen
Kompromiss zu Lasten der Versicherten und der Beitragszahler».
Dies werde zu einer radikalen Umgestaltung der gesetzlichen
Krankenversicherung mit fatalen Wirkungen führen. Die Chefin des
Verbands der Angestellten- Krankenkassen (VdAK), Doris Pfeiffer, sagte
in der ARD, durch die «Verstaatlichung des
Gesundheitssystems» werde es entgegen den Plänen von Union
und SPD keinen Wettbewerb geben.
Kritisch äußerten sich auch die Privaten
Krankenversicherungen (PKV). «Das ist eine Einigung, die einen
politischen Kompromiss beschreibt, der dazu dient, die Koalition
zunächst zu retten. Es ist kein Kompromiss, der die wahren
Probleme des Gesundheitswesens löst», sagte PKV-Direktor
Volker Leienbach dem Nachrichtensender n-tv.
Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer sieht in dem Kompromiss eine
Einigung auf den «kleinen Nenner». Im Deutschlandradio
sagte er, vor allem werde mit dem Zusatzbeitrag zur gesetzlichen
Krankenversicherung eine «kleine Kopfpauschale»
eingeführt und damit das Risiko von Kostensteigerungen auf die
Versicherten abgewälzt.
Überwiegend zustimmend äußerten sich die bisher eher
skeptischen Unionsministerpräsidenten. Hessens Roland Koch (CDU)
sagte: «Der vereinbarte Einstieg in ein prämienorientiertes
Gesundheitssystem ist ein großer Schritt in die richtige
Richtung, zugleich hat die Koalition Handlungsfähigkeit
bewiesen.» Sein thüringischer Kollege Dieter Althaus
hält die Einigung für akzeptabel. Ähnlich auch die
CDU-Ministerpräsidenten Christian Wulff (Niedersachsen) und Peter
Müller (Saarland).
Für die Mehrzahl der Wirtschaftsverbände geht der Kompromiss
nicht weit genug. «Die große Koalition hat mit ihrer
Einigung ihr Klassenziel verfehlt», sagte
Industrie-Präsident Jürgen Thumann. Auch
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt bemängelte, eine
Abkoppelung der Krankheitskosten vom Arbeitsverhältnis bleibe aus.
Als «mittelmäßigen Kompromiss» bezeichnete der
Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie die Verständigung.
Befürchtet wird eine Verstaatlichung des Gesundheitssystems.
«Von einer Sanierung des maroden Gesundheitssystems sind wir
weiter entfernt denn je», so der Präsident des
Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft, Mario Ohoven.
Handwerkspräsident Otto Kentzler betonte, die Beiträge
würden steigen und es bleibe bei der Belastung der Löhne mit
viel zu hohen Zusatzkosten.
(Quelle: dpa)
Sozialverband nennt Gesundheitskompromiss 'zutiefst unsozial'
Fr.06.10.06 - Als «zutiefst unsozial» hat der Sozialverband Deutschland
(SoVD) den Gesundheitskompromiss der großen Koalition am
Donnerstag kritisiert. Die Patienten würden doppelt zur Kasse
gebeten: Erst stiegen 2007 die Beiträge, und dann sollten an 2009
Zusatzbeiträge gezahlt werden, wenn ihre Krankenkasse mit dem
Einheitsbeitrag aus dem Gesundheitsfonds nicht auskomme. Die Grenze von
ein Prozent des Haushaltseinkommens für den Zusatzbeitrag sei ein
«Trostpflaster» für eine «vermurkste
Reform».
Als «soziale Schlagseite» prangerte der Verband die
Tatsache an, dass gerade für Arme die Ein-Prozent-Grenze nicht
gelten solle, sondern die Mindestgrenze von acht Euro. Das Ergebnis sei
ein Wettbewerb der Kassen um die Gesunden und Gutverdiener und nicht ein
Wettbewerb um die bestmögliche Versorgung. Verlierer seien die
Kranken und chronisch Kranken sowie die Behinderten. Der SoVD forderte
deutliche Nachbesserungen im Gesetzgebungsverfahren.
(Quelle: ap)
Kernpunkte der Gesundheitsreform
Die geplante Gesundheitsreform bedeutet für die Versicherten nicht
nur mögliche Zusatzbeiträge zur Krankenkasse, sondern auch
eine Reihe von Verbesserungen. Hier ein Überblick über
zentrale Punkte des Gesetzesvorhabens:
Jedermann soll künftig die Möglichkeit der
Krankenversicherung haben. Wer seinen VERSICHERUNGSSCHUTZ verloren hat,
erhält ein Rückkehrrecht in seine letzte Versicherung, gleich
ob gesetzliche oder private.
Die Versicherten erhalten mehr WAHLMÖGLICHKEITEN zwischen
verschiedenen Angeboten, etwa Hausarzt- oder Kostenerstattungstarifen.
Der BEITRAGSSATZ wird künftig einheitlich festgelegt. 2009 - ein
Jahr später als bisher geplant - wird ein GESUNDHEITSFONDS
eingerichtet, in den die Beiträge von Arbeitnehmern und
Arbeitgebern sowie die wachsenden Steuermittel für die
Krankenversicherung der Kinder fließen. Daraus erhalten die
Kassen zur Deckung ihrer Kosten bestimmte Beträge. Zuschläge
für überdurchschnittlich viele alte und kranke Versicherte
sollen dabei die unterschiedlichen RISIKOSTRUKTUREN der Kassen
ausgleichen.
Falls die Kassen mit der Zuweisung nicht auskommen, können sie von
den Versicherten einen ZUSATZBEITRAG verlangen. Dieser darf
höchstens ein Prozent des beitragspflichtigen Einkommens
ausmachen, wenn er höher ist als acht Euro. Diese
ÜBERFORDERUNGSKLAUSEL wird 2011 überprüft. Haben die
Kassen dagegen Geld übrig, sind RÜCKZAHLUNGEN möglich.
VERANTWORTUNGsbewusstes Verhalten der Patienten soll sich ebenfalls
finanziell bemerkbar machen. So sollen die Zuzahlungen für
chronisch Kranke nur noch dann auf ein Prozent des Einkommens begrenzt
sein, wenn sich die Patienten therapiegerecht verhalten und an
regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen oder speziellen
Programmen teilnehmen. Regelmäßige Teilnahme an
FRÜHERKENNUNG kann mit einem Bonus belohnt werden. Folgekosten von
TÄTOWIERUNGEN oder SCHÖNHEITSOPERATIONEN sind stärker
aus eigener Tasche zu zahlen.
Empfohlene IMPFUNGEN und ELTERN-KIND-KUREN werden zu Regelleistungen
und sind damit nicht mehr dem Ermessen der Kassen vorbehalten.
Ältere und Pflegebedürftige bekommen einen Rechtsanspruch auf
REHABILITATION. Schwerstkranke und Sterbende erhalten spezielle
Betreuung (PALLIATIVVERSORGUNG) in der vertrauten häuslichen
Umgebung. Heimbewohner mit besonderem Pflegebedarf wie
Wachkomapatienten behalten Anspruch auf häusliche Krankenpflege.
Auch Mitglieder von WOHNGEMEINSCHAFTEN und anderen neuen Wohnformen
erhalten einen Rechtsanspruch auf häusliche Krankenpflege wie
Patienten in normalen Privathaushalten.
Die ARZNEIMITTELversorgung soll wirtschaftlicher werden. So muss vor
der Verordnung neuer, teurer Spezialmedikamente die Meinung eines
zweiten Arztes eingeholt werden. Die Kassen erhalten bessere
Möglichkeiten, mit den Herstellern günstige Preise
auszuhandeln.
Für KASSENÄRZTE wird zum 1. Januar 2009 eine neue
Gebührenordnung mit festen Euro-Preisen eingeführt.
Zusätzliche finanzielle Anreize sollen Ärzte ermuntern, sich
in unterversorgten Gebieten niederzulassen.
Der Gemeinsame Bundesausschuss der SELBSTVERWALTUNG von Ärzten und
Kassen soll straffer organisiert werden und schneller und
nachvollziehbarer entscheiden, welche Untersuchungen und Behandlungen
die Kassen zahlen.
Straffer werden sollen auch die Verbandsstrukturen der KRANKENKASSEN.
Statt bislang sieben Spitzenverbänden soll es künftig nur
noch einen einzigen Verband auf Bundesebene geben. Fusionen auch
zwischen verschiedenen Kassenarten sollen erstmals möglich werden.
Die Kassen bleiben auch bei Einrichtung des Fonds für den
Beitragseinzug zuständig. Ihre Schulden müssen sie bis Ende
2007 abgebaut haben.
Die EINSPARUNGEN der Reform sollen alles in allem die gesetzliche
Krankenversicherung jährlich um 1,8 Milliarden Euro entlasten.
Für 2007 sind es, wenn das Gesetz am 1. April in Kraft tritt, 1,4
Milliarden.
Quelle: ap, 05.10.2006
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Hessischer Landtag befürwortet längere Laufzeit von Biblis A
Fr.06.10.06 - Der hessische Landtag hat sich mit breiter Mehrheit förmlich
hinter den Antrag auf eine längere Laufzeit für das
Atomkraftwerk (AKW) Biblis A gestellt. Das Parlament votierte am
Donnerstag in Wiesbaden in namentlicher Abstimmung mit 64 zu 43 Stimmen
für ein von der CDU eingebrachtes Papier, das den entsprechenden
Antrag der Betreiberfirma RWE Power auf Übertragung von
Reststrommengen auf Biblis A begrüßt. In der Debatte zuvor
sprachen sich CDU und FDP für einen Weiterbetrieb des AKW aus, SPD
und Grüne dagegen.
Mit dem Beschluss lehnte das Landesparlament auch den von der
rot-grünen Vorgänger-Bundesregierung mit der
Energiewirtschaft ausgehandelten Atomkonsens ab. Im Zusammenhang mit
den Zielen Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und
Umweltverträglichkeit heißt es in dem Parlamentsantrag:
«Der Landtag erkennt, dass das rot-grüne Ausstiegszenario
aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie die Erfüllung dieser
energiewirtschaftlichen Ziele ernsthaft gefährdet, da die
erneuerbaren Energien auf absehbare Zeit nicht imstande sein werden,
die wegfallenden Strommengen im Grundlastbereich auch nur
annähernd zu kompensieren.»
Unterdessen traten die Grünen-Landeschefs aus
Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz einer Forderung
ihrer FDP-Amtskollegen für eine Laufzeitverlängerung des AKW
Biblis und einem Ausstieg aus dem Atomausstieg entgegen, die diese zu
Wochenbeginn erhoben hatten. Die Grünen-Landesvorsitzenden Petra
Selg und Andreas Braun (Baden- Württemberg), Tabea
Rößner und Manfred Seibel (Rheinland-Pfalz) sowie Kordula
Schulze-Asche (Hessen) unterstrichen in einer gemeinsamen
Stellungnahme: «Der Ausstieg aus der Atomenergie ist für uns
nicht verhandelbar.»
Der Vorsitzende der Hessen-FDP, Jörg-Uwe Hahn, forderte in der
Debatte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) anstelle von
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) solle über den
RWE-Antrag für Biblis entscheiden. Gabriel habe sich mit seiner
politischen Festlegung für den Atomausstieg und gegen einen
Weiterbetrieb von Biblis als befangen erwiesen, bekräftigte Hahn
zuvor erhobene Kritik.
Dagegen legten Andrea Ypsilanti (SPD) und Ursula Hammann (Grüne)
in der Aussprache ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Atomkraft
und für erneuerbare Energien ab. Hammann erinnerte an «einen
hohen politischen und wirtschaftlichen Preis», den die
Stromkonzerne im Atomkonsens als Gegenleistung erhalten hätten.
Statt Stromkonzerne notfalls zu zerschlagen, um niedrigere Preise zu
erreichen, solle Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) eine
längere Laufzeit von Biblis stoppen, da das abgeschriebene AKW
für RWE satte Gewinne bedeute. Auch trat sie dem Argument
entgegen, Atomkraft sei für die Einhaltung der Klimaschutzziele
nötig.
(Quelle: ddp)
Verbraucherschützer warnen vor Kriminalisierung von Internetnutzern
Fr.06.10.06 - Verbraucherschützer haben angesichts der geplanten Reform des
Urheberrechts vor einer Kriminalisierung von Internetnutzern gewarnt.
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv), das Online-Netzwerk
Campact, die Kampagne fairsharing und das Netzwerk freies Wissen
forderten den Rechtsausschuss des Bundestages am Donnerstag auf, bei
den in den kommenden Wochen anstehenden Beratungen die Interessen der
Verbraucher zu berücksichtigen.
So soll etwa die Privatkopie künftig nicht mehr erlaubt sein, wenn
dafür ein wirksamer technischer Schutz umgangen werden müsse.
«Damit wird das Recht
auf Privatkopie faktisch abgeschafft», betonte
vzbv-Vorstandsmitglied Patrick von Braunmühl. Der Verbraucher habe
noch nicht einmal einen Anspruch auf eine Sicherungskopie. Brisant sei
auch der geplante «zivilrechtliche Auskunftsanspruch
gegenüber Dritten»: Medienkonzerne sollten das Recht
erhalten, von Internetprovidern persönliche Daten der Kunden zu
erzwingen, die dann mit Klagen überzogen werden könnten.
Die Organisationen starteten zugleich eine Kampagne mit einem
virtuellen Gefängnis. Auf der Seite
«wir-haben-privat-kopiert.de» können Internetnutzer
ein eigenes Bild hochladen, das dann hinter Gittern platziert wird.
«Die Kampagne will damit verdeutlichen, dass Millionen
Bürgern mit dem neuen Urheberrecht eine Kriminalisierung
droht», teilten die Verantwortlichen mit.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.wir-haben-privat-kopiert.de
Gesundheit
WHO stellt erstmals Richtlinien für Luftqualität vor
Fr.06.10.06 - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Donnerstag erstmals
Richtlinien für die weltweite Qualität der Atemluft
vorgestellt. Luftverschmutzung koste jedes Jahr zwei Millionen Menschen
das Leben, die meisten davon in den Entwicklungsländern, hieß
es in der Stellungnahme, die vom WHO-Regionalbüro in Manila
veröffentlicht wurde. Besonders die Reduzierung der
Feinstaub-Belastung könne bis zu 300.000 Menschen jährlich das
Leben retten.
Die WHO senkte ihre Richtwerte für Feinstaub weit unter die
existierenden Grenzwerte in der Europäischen Union und in den USA.
Bereits die aktuellen EU-Grenzwerte für Feinstaub werden nach
WHO-Angaben derzeit von 48 deutschen Städten zumeist weit
überschritten. Der Richtwert der WHO liegt für die kleineren
Partikel bei zehn Milligramm pro Kubikmeter im Jahresmittel und bei 25
Milligramm über einen Zeitraum von 24 Stunden. Für die
größeren Partikel liegt der Richtwert bei 20 Milligramm pro
Kubikmeter im Jahresmittel und bei 50 Milligramm pro Kubikmeter in 24
Stunden. Die EU erlaubt für die größeren Partikel ein
Jahresmittel von 40 Milligramm, für die kleineren Partikel gibt es
bislang keinen EU-Grenzwert.
Nach Erkenntnissen der WHO lässt sich nachweisen, dass jeder
Deutsche im Schnitt zehn Monate kürzer lebt, weil er dem Krebs
erregenden Feinstaub ausgesetzt ist. Am häufigsten verstießen
laut WHO in Deutschland Leipzig, München, Dortmund und Cottbus
gegen den EU-Tagesgrenzwert.
Aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse senkte die WHO zugleich
ihre Richtwerte für Ozon und Schwefeldioxid. Im Fall von
Schwefeldioxid wurde der Wert um 80 Prozent vermindert. Beide liegen wie
die Feinstaub-Werte deutlich unter den aktuellen EU-Richtlinien. Die
neuen WHO-Empfehlungen wurden nach weltweiten Konsultationen von mehr
als 80 Wissenschaftlern vom deutschen WHO-Büro entwickelt.
(Quelle: ap)
Kultur
Schuften statt Lesen - Armut steht dem Schulbesuch von Millionen
indischen Kindern im Weg - Frankfurter Buchmesse startet
Alphabetisierungs-Kampagne
Fr.06.10.06 - Mit einem Buch kann die elfjährige Sujata nichts anfangen. Die
Buchstaben formen sich im Kopf der Inderin nicht zu Wörtern und
Sätzen. Statt Lernen, Spielen und Schmökern steht bei Sujata
von morgens bis abends die Arbeit in einer Garnelenfabrik auf dem
Programm. «Den ganzen Tag sitze ich im Eis», berichtet sie
der Hilfsorganisation terre des hommes. «An den Händen und
Füßen habe ich Frostbeulen, und das ganze Jahr über bin
ich erkältet.»
Arbeit statt Schule ist nach Schätzungen von Hilfsorganisationen
Alltag für zig Millionen Kinder in Indien, dem Gastland der
diesjährigen Buchmesse. Sie schuften unter anderem in der
Textilindustrie, auf Feldern und in fremden Haushalten. Schon
Sechsjährige rackern sich nach Angaben von UNICEF oft unter
sklavenähnlichen Bedingungen auf Baumwollfarmen ab, fürs
Lernen bleibt weder Zeit noch Kraft. «Fast alle Kinder, die in der
Baumwollindustrie arbeiten, haben die Schule abgebrochen oder sind gar
nicht erst eingeschult worden», berichtet das UN-Kinderhilfswerk.
Viele von ihnen haben daher auch nie lesen gelernt.
Die Frage, warum sie nicht zur Schule gehen, quittieren die Kinder mit
einem traurigen Lachen: «Wir müssen doch Geld
verdienen.» Programme zur Alphabetisierung dürfen deshalb den
Überlebenskampf der Familien nie aus dem Blick verlieren. Neben
Bildung für die Kinder muss für ein ausreichendes Einkommen
der Familie gesorgt werden.
«Damit die Familien langfristig auf die Mitarbeit ihrer Kinder
verzichten können, müssen sie sich neue
Verdienstmöglichkeiten erschließen», betont UNICEF.
Dazu regt die Organisation beispielsweise die Gründung von
Dorfkomitees an. Mit Kleinkrediten und landwirtschaftlichen
Genossenschaften können die Familien so etwa ihre wirtschaftliche
Situation verbessern, mit einer gemeinsamen Vertretung ihre Position
gegenüber den Arbeitgebern stärken.
Parallel dazu werden Schulprogramme und Einschulung gefördert und
Hilfen für eine berufliche Ausbildung angeboten. Auch der
einheimische Projektpartner von terre des hommes setzt neben
Einschulungskampagnen auf Angebote zum Erlernen handwerklicher
Fähigkeiten sowie auf Abendschulen für die arbeitenden Kinder,
die ihnen den Anschluss an das staatliche Bildungssystem
ermöglichen sollen. In kleinen Bildungszentren bekommen die Kinder
abends die Grundlagen des Lesens, Schreibens und Rechnens vermittelt -
in einem Unterricht, der dem harten Tag und der Müdigkeit der
Arbeiter Rechnung trägt: Die Einheiten sind kurz und locker.
Die Zahl der Analphabeten in Indien gibt UNICEF mit fast 300 Millionen
an. Weltweit fehlen nach Angaben der UNESCO rund 781 Millionen
Erwachsenen die grundlegenden Kenntnisse des Lesens und Schreibens. 70
Prozent der Analphabeten leben in Entwicklungsländern. Doch auch
die Industrieländer sind betroffen.
In Deutschland gibt es nach Schätzungen des Bundesverbands
Alphabetisierung und Grundbildung mehr als vier Millionen Erwachsene,
die als «funktionale Analphabeten» gelten. Sie sind nicht in
der Lage, eine Zeitung zu lesen, ein Formular auszufüllen oder
eine Notiz zu schreiben.
Von dieser Situation sieht sich auch die Frankfurter Buchmesse
herausgefordert. Sie hat jetzt eine Bildungsoffensive gestartet, zu der
unter anderem der Schwerpunkt der weltweiten Alphabetisierung
gehört: die «LitCam» (Frankfurt Book Fair Literacy
Campaign). Die Frankfurter Buchmesse sehe sich «in der
Verantwortung, Lesen und Schreiben sowie die Medienkompetenz zu
fördern», betonen die Organisatoren.
Mit der ganzjährig angelegten Aktion - an der sich der
Bundesverband Alphabetisierung, der Volkshochschulverband, das
UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen, der Verein Schulen ans
Netz und die Maleki Group beteiligen - will die Buchmesse nicht nur
für das Thema sensibilisieren, sondern auch neue Netzwerke schaffen
und Möglichkeiten für den Austausch von Ideen und Konzepten
bieten. «Als Treffpunkt der Buchwelt und als die internationale
Plattform für Inhalte und kulturpolitische Diskussionen ist
Frankfurt dafür prädestiniert, sich intensiv dem
Zukunftsthema Bildung zu widmen», erklärt Buchmesse-Direktor
Juergen Boos.
Lesen und Schreiben gelten als wesentlicher Schlüssel zu einem
selbstbestimmten Leben. Wer nicht lesen und schreiben kann, werde leicht
betrogen und bekomme nur schlecht bezahlte Arbeit, sei von
demokratischer Teilhabe und vielen Bereichen des Kulturlebens
ausgeschlossen, listet die Hilfsorganisation World Vision auf.
Während die Lösung jeweils den regionalen Bedürfnissen
und der Lebenswirklichkeit der Menschen angepasst werden müsse, sei
ein wichtiger Knackpunkt die Vernetzung erfolgreicher Initiativen und
die Erschließung neuer Finanzierungsmöglichkeiten.
«Weltweit gilt nämlich: Den meisten Projekten zur
Alphabetisierung fehlt eine langfristige Finanzierung.»
(Quelle: ap)
Religion
Schweizer Gelehrter und Prediger Tariq Ramadan will die islamische
Reformation
Fr.06.10.06 - Kritikern ist er entweder zu muslimisch oder nicht muslimisch genug:
Der Schweizer Gelehrte und Prediger Tariq Ramadan will den Islam
verbinden mit dem modernen Leben. Er glaubt fest daran, dass die
islamischen Schriften flexibel genug sind, um auch in der Welt des 21.
Jahrhunderts Hilfestellungen für den Umgang mit Problemen zu
bieten, ohne zentrale Glaubensgrundsätze zu verletzen. Für
diese Haltung ist der charismatische Akademiker mit der sanften Stimme
schon oft als Martin Luther des Islams bezeichnet worden.
«Ich sage den Leuten immer, ich bin Schweizer durch meine
Nationalität, ich bin ein Muslim durch meine Religion, ich bin ein
Ägypter durch meine Erinnerung und ich bin ein Europäer durch
meine Kultur», erklärt Ramadan in einem Interview der
Nachrichtenagentur AP in London. «Das ist meine Identität,
ich habe mehr als eine.» Für seine Ansichten wird der
44-Jährige gefeiert und geschmäht. Zuletzt erregte er
Aufsehen, als er die gewaltsamen Reaktionen auf eine Rede von Papst
Benedikt XVI. zum Islam kritisierte. Nur ein Dialog sei die angemessene
Reaktion auf die Ansprache, erklärte er.
Auch im Westen löst Ramadan ganz unterschiedliche Reaktionen auf
beiden Seiten des Atlantiks aus. Die US-Regierung verhängte ein
Einreiseverbot gegen ihn mit der Begründung, er habe eine
terroristische Organisation finanziell unterstützt. Ramadan
erklärte, diese Anschuldigung gehe auf seine Spende von 600 Dollar
(760 Euro) an eine palästinensische Hilfsorganisation zurück.
In Großbritannien dagegen betrachtet Premierminister Tony Blair
Ramadan als eine Chance, die Kluft zwischen dem Islam und dem Westen zu
überbrücken. Er machte ihn sogar zum Mitglied einer
Arbeitsgruppe gegen Extremismus.
Ramadan ist der Enkel von Hassan al Banna, dem Gründer der
ägyptischen Muslimbruderschaft. Die Organisation ist heute die
mächtigste oppositionelle Gruppe im Land. Die verwandtschaftliche
Beziehung verschafft Ramadan große Glaubwürdigkeit. Junge
Muslime fühlen sich von ihm angesprochen, weil er ihre
Schwierigkeiten im Umgang mit den ganz unterschiedlichen Kulturen kennt.
«Er ist ein charismatischer, ausdrucksstarker und klarer
Verteidiger von etwas, das man als liberalen Islam beschreiben
kann», sagt der Professor für Internationale und
Vergleichende Politik, John Sidel. «Man könnte sagen, wenn es
ihn nicht geben würde, hätten wir ihn erfinden
müssen.»
Ganz und gar nicht dieser Ansicht ist Caroline Fourest. Die
französische Journalistin beschrieb Ramadan in ihrem Buch
«Frère Tariq» als einen gewieften Medienprofi, der in
der Öffentlichkeit religiöse Toleranz predige, im Stillen
aber eine fundamentalistischere Botschaft verbreite. Ramadan weist diese
Kritik zurück und erklärt, ihm gehe es darum, eine neue
Vision des Islams zu schaffen, die zur modernen Welt passe.
Dabei kritisiert der Gelehrte, dass Extremisten die Reaktionen auf die
Papst-Rede aus Eigennutz hochgespielt hätten. Einige Regime im
Nahen Osten hätten die Demonstrationen manipuliert, um von ihrer
eigenen Politik der Unterdrückung abzulenken. Ramadan fordert die
Welt auf, Benedikts Worten aufmerksam zuzuhören und dann eine
ruhige Argumentation zu führen.
Insgesamt fordert Ramadan die Muslime auf, selbstkritischer zu sein und
von einer Opfermentalität Abstand zu nehmen. Dabei macht er auch
vor den mächtigen Theologen nicht halt, die einfach nicht genug
weltliche Erfahrung hätten, um über gewisse Themen zu
entscheiden. Er verlangt eine Verlagerung des Schwerpunktes weg von den
Mullahs hin zu Experten auf den Gebieten von Wissenschaft, Wirtschaft
und Kunst.
Regimen wie dem in Saudi-Arabien wirft Ramadan vor, die Religion als
Geisel zu nehmen, um ihre eigenen Diktaturen zu schützen. Mit
solchen Ansichten machte er sich beim Verbündeten USA
natürlich nicht beliebt. «Indem ich Saudi-Arabien kritisiere,
mache ich die Vereinigten Staaten nicht glücklich, weil ich mit
dem Finger auf die Heuchelei zeige», sagt er. «Man spricht
über die Verbreitung der Demokratie in der islamischen Welt, und
gleichzeitig steht man an der Seite der am wenigsten fortschrittlichen
Muslime, solange es den eigenen Interessen dient.»
Ramadans Anhänger vermuten, dass der Gelehrte eine Stelle als
Professor in den USA nicht antreten konnte, weil Washington nicht mit
gut ausformulierter Kritik umgehen kann. «Sollte er in den
amerikanischen Medien auftreten, wäre er ein Paradebeispiel
für eine sehr ansprechende Seite des Islams, dem auch Nichtmuslime
Glaubwürdigkeit zuschreiben würden», sagt Professor
Sidel in London. «Egal, ob es um den Irak oder andere Themen geht,
würde er reden, würde das die Dinge für die
Bush-Regierung noch schwieriger machen.»
(Quelle: ap)