Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Außenministerin Rice zu Besuch im irakischen Kurdengebiet.
Anhaltende Gewalt im Irak. US-Soldat nach Tötung eines Irakers zu
zehn Jahren Haft verurteilt
Sa.07.10.06 - Bei einem Besuch in der autonomen Kurdenregion im Irak hat
US-Außenministerin Condoleezza Rice der dortigen Führung
für deren Zusammenarbeit mit Washington gedankt. Außerdem
würdigte Rice am Freitag in Erbil den Beitrag der Kurden zum
Prozess der nationalen Versöhnung. In einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Rice sagte der kurdische Präsident Massud
Barsani, Kurdistan habe «wie jede andere Nation» das Recht
auf Selbstbestimmung.
Zugleich bekannte er sich zu einem föderalen, demokratischen und
pluralistischen Irak. Auf die Frage nach der künftigen Verteilung
der Einnahmen aus dem Ölgeschäft wiederholte Barsani
frühere Forderungen nicht, wonach der kurdische Norden allein
über neue Verträge und Geschäfte für das Öl aus
der Region bestimmen sollte. Er äußerte aber auch keine
Unterstützung für ein geplantes Gesetz, wonach die Einnahmen
dem gesamten Land zufließen sollen. Im Streit um das Öl hatte
die kurdische Regionalregierung im September mit der Abspaltung vom
Irak gedroht.
Die Gewalt hielt unterdessen an. Bei einem Bombenanschlag im Nordosten
Bagdads kam nach Polizeiangaben ein Mensch ums Leben, vier weitere
wurden verletzt. In einem überwiegend schiitischen Teil der
Hauptstadt entdeckte die Polizei die Leichen von fünf Männern,
offenbar Opfer von Todesschwadronen. Nach Angaben des
Verteidigungsministeriums in Kopenhagen vom Freitag kam ein
dänischer Soldat bei einem Gefecht mit mutmaßlichen
Aufständischen im Süden des Landes ums Leben.
Gut fünf Monate nach der Ermordung eines Irakers in der Stadt
Hamdania ist ein US-Soldat von einem Militärgericht zu zehn Jahren
Haft verurteilt worden. Die Strafe wurde am Freitag umgehend auf ein
Jahr reduziert, weil der Angeklagte sich bereit erklärt hatte,
gegen seine Kameraden auszusagen.
Der Hauptgefreite Melson Bacos schilderte vor Gericht, wie eine
US-Patrouille am 26. April den 52 Jahre alten Hashim Ibrahim Awad aus
seinem Haus holte, ihn in ein Loch warf und mit mindestens zehn
Schüssen in den Kopf tötete. Grund sei die wachsende
Frustration der Marineinfanteristen wegen ihrer vergeblichen Suche nach
einem Aufständischen gewesen.
Einer der Marineinfanteristen habe Fingerabdrücke des Opfers auf
ein Sturmgewehr und eine Schaufel hinterlassen, um ihn als
Aufständischen darzustellen. «Ich weiß, dass es falsch
war, was wir getan haben», sagte der 21 Jahre alte Bacos fast
flüsternd. «Ich versuchte etwas zu sagen, und dann beschloss
ich wegzusehen.» Nach der Erschießung habe der
Patrouillenführer in der Kommandozentrale angerufen und um
Erlaubnis gebeten, auf einen Mann zu schießen, der dabei sei, ein
Loch zu graben.
Bacos erklärte sich nach dem Abkommen mit der Staatsanwaltschaft
der Entführung und der Verschwörung für schuldig. Der
Vorwurf des Mordes wurde fallen gelassen. Es war der erste Schuldspruch
in diesem Fall. Den sieben Marineinfanteristen droht die Todesstrafe.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 07.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertsechsundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.07.10.05 - Blair und Bush warnen Iran und Syrien vor Einmischung im Irak +++ Bei
neuen Anschlägen sterben mindestens 16 Menschen +++ Prodi
kündigt bei Wahlsieg italienischen Truppenabzug aus Irak an +++
Nach dem Skandal von Abu Ghraib hat der US-Senat ein ausdrückliches
Verbot der Misshandlung von Gefangenen durch US-Soldaten beschlossen +++
Im Auftrag der Geschichte – oder Gottes? In seiner Apologie für
den globalen Krieg gegen den Terror warnt
US-Präsident Bush vor einem totalitären Weltreich des
Bösen und dem notwendigen totalen Endsieg im Kampf gegen die
Feinde der Menschheit...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510070.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Oberstes israelisches Gericht kritisiert Olmerts Untersuchung zum
Libanon-Krieg. Greenpeace: Kriegsfolgen belasten Gesundheit der
Libanesen
Sa.07.10.06 - Bei der Aufarbeitung der Versäumnisse des Libanon-Kriegs
verstärkt die israelische Justiz den Druck auf
Ministerpräsident Ehud Olmert. Das Oberste Gericht wies am
Donnerstag die Regierung an, ihre Entscheidung zur Einsetzung eines
Regierungsausschusses zu begründen. Olmert müsse innerhalb von
fünf Tagen klar stellen, warum er auf die Einrichtung eines
staatlichen Unterschuchungsausschusses verzichtete, hieß es in
einer Erklägung des Gerichts, dass von einer
Nichtregierungsorganisation angerufen worden war. Die Mitglieder eines
staatlichen Ausschusses werden vom Obersten Gericht bestimmt und nicht -
wie beim Regierungsausschuss der Fall - vom Kabinett. Kritiker
befürchten, dass das Gremium wegen seiner Regierungsnähe nicht
zu einer unabhängigen Beurteilung der Libanon-Offensive fähig
ist.
Die Gesundheit von rund zwei Millionen Libanesen ist nach Angaben von
Greenpeace von den Folgen des israelischen Militäreinsatzes in dem
Land bedroht. Die Hälfte der libanesischen Bevölkerung sei
möglicherweise den Spuren von Giftstoffen ausgesetzt, heißt
es in einem Bericht der Umweltschutzorganisation Greenpeace von
Donnerstag. "Spuren chemischer Produkte und von Staub aus bei
Bombenangriffen zerstörten Gebäuden haben die Luft und den
Boden stark verseucht", schreibt Greenpeace in dem Bericht. Darüber
hinaus seien bei Angriffen auf Fabriken chemische Ausdünstungen
entstanden, die bis zu zwei Millionen Einwohner des Libanon betreffen
könnten.
(Quelle: afp)
Außenministertreffen zu iranischem Atomprogramm: Sanktionen
rücken auf die Tagesordnung
Sa.07.10.06 - Nach den bislang ergebnislosen Verhandlungen zwischen der EU und dem
Iran ziehen die fünf UN-Veto-Mächte und Deutschland nun
Sanktionen gegen Teheran in Betracht. Die britische
Außenministerin Margaret Beckett sagte nach einem Treffen am
Freitagabend in London, als nächstes würden mögliche
Sanktionen erörtert. Ihr deutscher Kollege Frank-Walter Steinmeier
sagte im ZDF, man werde mit der Ausarbeitung eines Resolutionsentwurfs
beginnen.
Die Vertreter der sechs Staaten ließen sich vom EU-Chefdiplomaten
Javier Solana ausführlich über dessen Gespräche mit dem
iranischen Chefunterhändler Ali Laridschani unterrichten.
Anschließend bekundeten sie ihre «tiefe
Enttäuschung» über das mangelnde Einlenken Teherans im
Atomstreit, erklärten die Gespräche unter Federführung
der Europäischen Union aber nicht für gescheitert.
Teheran habe zwei Möglichkeiten gehabt, auf das Ultimatum des
Weltsicherheitsrats zum Verzicht auf eine eigene Urananreicherung zu
reagieren, sagte Beckett. «Wir bedauern, dass der Iran nicht die
positive Antwort gewählt hat», fügte die
Labour-Politikerin hinzu. Man werde nun «über
Maßnahmen unter Artikel 41 von Kapitel 7 der UN-Charta»
beraten. Artikel 41 erlaubt dem Sicherheitsrat, nichtmilitärische
Sanktionen zu verhängen.
Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy sagte,
die Diplomaten würden nun über «angemessene und
umkehrbare Sanktionen» sprechen. Die «Tür zum
Dialog» bleibe für Iran geöffnet, unterstrich
Douste-Blazy.
Die aus dem Irak kommende US-Außenministerin Condoleezza Rice
konnte wegen technischer Probleme ihres Flugzeugs nicht von Anfang an
dabei sein, und der russische Außenminister Sergej Lawrow konnte
nicht länger bleiben. US-Außenamtssprecher Sean McCormack
ging deshalb davon aus, dass am Montag oder Dienstag eine weitere
Telefonkonferenz stattfinden werden.
Solana erklärte am Freitagmorgen in Paris, er halte eine
Verhandlungslösung mit dem Iran weiterhin für möglich.
«Die Tür für Gespräche ist und bleibt
geöffnet», bekräftigte der EU-Außenbeauftragte.
Bislang habe man schon «endlose Stunden verhandelt», aber
beim zentralen Punkt, dem Stopp der Urananreicherung, keine Einigung
erzielt. Dennoch halte er eine diplomatische Lösung für den
einzig gangbaren Weg.
Diese Position bekräftigte auch Lawrow. Er schloss zwar
«zusätzliche Maßnahmen» gegen Teheran nicht aus,
rief aber zugleich zu noch intensiveren diplomatischen Bemühungen
auf. Lawrows Stellvertreter Alexander Alexejew sagte laut einem Bericht
von Interfax, Russland sowie China hielten es für völlig
unannehmbar, dem Iran mit Gewalt zu drohen.
(Quelle: ap)
UN-Sicherheitsrat einigt sich auf Erklärung zu Nordkorea
Sa.07.10.06 - Der UN-Sicherheitsrat hat sich nach zähen Verhandlungen auf den
Entwurf einer Erklärung zu den atomaren Drohungen Nordkoreas
geeinigt. Bei den Verhandlungen zwischen den Mitgliedsländern habe
es Fortschritte gegeben, "sehr wahrscheinlich" werde nun eine nicht
zwingende Erklärung verabschiedet, sagte der japanische
UN-Botschafter Kenzo Oshima in New York. Der jetzige Entwurf basiere im
Grundsatz auf einem von Japan vorgelegten Text. Darin werde Nordkorea im
Fall eines Atomtests mit Maßnahmen des Sicherheitsrats gedroht.
Bezüglich der Art möglicher Maßnahmen bleibt die
Erklärung demnach jedoch vage.
Zu der Forderung der USA, in der Erklärung auf Kapitel VII der
UN-Charta zu verweisen, sagte Oshima, er glaube nicht, dass dies von den
anderen Sicherheitsratsmitgliedern akzeptiert werde. Das Kapitel
schließt Sanktionen und auch ein militärisches Vorgehen nicht
aus. Am Dienstag hatte Nordkorea einen Atomtest angekündigt und
damit scharfe internationale Proteste ausgelöst.
Der wahrscheinliche Nachfolger Kofi Annans im Amt des
UN-Generalsekretärs, Ban Ki Moon, will im Fall seiner Wahl mit
Nordkorea über eine Beendigung der atomaren Aktivitäten des
Landes verhandeln. Als südkoreanischer Außenminister habe er
ein tieferes Verständnis der innerkoreanischen Beziehungen als
Annan, deshalb werde er in einer besseren Position sein, in der
Angelegenheit zu verhandeln, sagte Ban der in London erscheinenden
"Financial Times". Wenn es nötig sein solle, werde er selbst die
Initiative ergreifen und sowohl den Norden als auch den Süden des
geteilten Korea besuchen.
(Quelle: afp)
22 Tamilenrebellen bei Kämpfen in Sri Lanka getötet
Sa.07.10.06 - Die srilankische Armee hat nach eigenen Angaben bei Kämpfen im
Osten des Inselstaates mindestens 22 tamilische Rebellen getötet.
Die Truppen hätten eine Offensive der der Befreiungstiger von Tamil
Eelam (LTTE) gegen militärische Stellungen im Bezirk Batticaloa
zurückgeschlagen, teilte die Armee mit. Zuvor habe das
Militär Luftangriffe auf Positionen der Rebellen geflogen. Bei den
Kämpfen seien auch fünf srilankische Soldaten schwer verletzt
worden.
Die Kämpfe zwischen Colombo und den tamilischen Rebellen hatten
sich in den vergangenen Monaten verschärft, ein vor vier Jahren von
Norwegen vermittelter Waffenstillstand wurde damit faktisch
hinfällig. Der norwegische Unterhändler Jon Hanssen-Bauer
hatte in der vergangenen Woche mit Regierung und Rebellen vorbereitende
Gespräche für die Wiederaufnahme der in der Sackgasse
steckenden Friedensgespräche geführt. Die Konfliktparteien
sind offenbar einverstanden, am 28. Oktober an den Verhandlungstisch
zurückzukehren. Unklar ist aber noch der Ort der Gespräche. In
dem Konflikt starben seit 1972 insgesamt mehr als 60.000 Menschen.
(Quelle: afp)
Lula da Silva und Calderon beraten über Mercosur-Beitritt Mexikos
Sa.07.10.06 - Der künftige mexikanische Präsident Felipe Calderon und der
brasilianische Staatschef Luiz Inacio Lula da Silva haben am Freitag
über einen möglichen Beitritt Mexikos zur
südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur beraten. Nach
brasilianischen Angaben ist Mexiko aber derzeit nicht zu einem
Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten bereit. Dazu gehören
neben Brasilien auch Argentinien, Uruguay, Paraguay und Venezuela.
Calderon sprach außerdem mit dem brasilianischen Handels- sowie
dem Außenminister über eine Ausweitung des bilateralen
Handels. Er tritt Anfang Dezember die Nachfolger von Vicente Fox an.
(Quelle: ap)
Blutige Kämpfe zwischen bolivianischen Arbeitern
Sa.07.10.06 - Bei schweren Kämpfen zwischen bolivianischen Minenarbeitern aus
Kooperativen und staatlichen Unternehmen um Zinnlagerstätten sind
mindestens 9 Menschen getötet und etwa 50 verletzt worden.
Inoffizielle Berichte gingen sogar von 12 Toten und mehr als 60
Verletzten aus.
«Was ein Segen für das Land sein sollte, die wertvollen
Bodenschätze, hat sich heute in einen Fluch verwandelt, der Tod und
Trauer bringt», klagte Vize-Präsident Alvaro García
Linera am Donnerstag in einer Fernsehansprache. Einer
Vermittlungskommission unter Leitung des Friedensbeauftragten der
Regierung, Waldo Albarracín, gelang es am Abend, beide Seiten zu
Verhandlungen für diesen Freitag zu verpflichten.
Hintergrund der Auseinandersetzungen in der Provinz Oruro, bei denen
Schusswaffen und Dynamit eingesetzt wurden, sei ein Streit um
Schürfrechte in der Zinnmine in Huanuni knapp 300 Kilometer
südwestlich von La Paz, sagte der Minister für das
Präsidialamt, Juan Ramón Quintana. Die Kooperativen, die
sich in den 80er Jahren nach der Pleite privatisierter Minen gebildet
hatten, fordern einen größeren Teil der bisher gemeinsam mit
staatlichen Unternehmen ausgebeuteten Lagerstätten.
Die internationalen Zinnpreise haben sich seit 2002 fast verdoppelt,
und die wieder besseren Verdienstmöglichkeiten locken in einem der
ärmsten Länder Lateinamerikas immer mehr Arbeiter an. Für
die Regierung des linken Präsidenten Evo Morales kommt der
Konflikt inmitten einer ohnehin äußerst gespannten Lage
ungelegen. Er will die in Armut lebende Bevölkerung durch
Verstaatlichungen stärker an den Bodenschätzen beteiligen,
wird zugleich aber von den so genannten Cooperativistas
unterstützt. Die Regierungspartei MAS brachte nun einen
Gesetzentwurf im Parlament ein, der die Gründung einer gemeinsamen
Minengesellschaft aus Cooperativistas und staatlichen Arbeitern vorsieht.
(Quelle: dpa)
US-Behörden wird Austausch der Daten von EU- Passagieren
erleichtert
Sa.07.10.06 - US-Sicherheitsbehörden wie das FBI sollen Daten von
Flugpassagieren aus der EU künftig leichter untereinander
austauschen können. Dies ist Ergebnis eines neuen Abkommens
über die Weitergabe von Passagierdaten, das Vertreter der EU und
des US-Heimatschutzministeriums in der Nacht zum Freitag in einer
neunstündigen Videokonferenz aushandelten. Die EU-Kommission
versicherte, der Datenschutz bleibe gewahrt.
Im Vergleich zu der bisherigen Regelung sei der Datenaustausch zwischen
einzelnen US-Bundesbehörden, darunter das FBI, leichter geworden,
erklärte EU-Chefunterhändler Jonathan Faull.
Das US-Heimatschutzministerium habe in den Verhandlungen immer wieder
betont, dass es nach den amerikanischen Antiterrorgesetzen verpflichtet
sei, «mit allen zu teilen».
EU-Justiz- und Innenkommissar Franco Frattini betonte jedoch, nach dem
Abkommen dürfe das Heimatschutzministerium Passagierdaten nur an
diejenigen Behörden weiterleiten, «die vergleichbare
Standards beim Datenschutz haben».
Die Zahl der US-Behörden, die nach dem neuen Abkommen Zugriff auf
die Fluggastdaten erhalten können, ändere sich gegenüber
der bisherigen Regelung nicht, sagte Faull. Auch Art und Anzahl der
übermittelten Daten blieben unverändert. Seit 2004
übermitteln die Fluggesellschaften bis zu 34 Datensätze je
Passagier an das Heimatschutzministerium, darunter Name, Adresse,
Telefon- und Kreditkartennummer. Die genaue Anzahl der Daten hängt
davon ab, wie viele Informationen die Fluggesellschaft selbst speichert.
Justizkommissar Frattini betonte, nach dem neuen Abkommen sollten die
US-Behörden nicht mehr wie bislang direkt auf die
Registrierungssysteme der Fluggesellschaften zugreifen können.
Vielmehr müssten die USA künftig eine Anfrage an die Airlines
stellen. Zur Änderung des Verfahrens müssten allerdings
zunächst Filter in die Computersysteme eingebaut werden. Die neue
Vorgehensweise, die einzelne Fluggesellschaften bereits anwendeten,
solle noch vor Jahresende getestet werden.
Die neue Vereinbarung muss formal noch von den EU-Mitgliedstaaten
gebilligt werden, ein entsprechender Beschluss wird nächste Woche
erwartet. Sie gilt allerdings nur provisorisch, bis Ende Juli 2007 soll
ein endgültiges Abkommen ausgehandelt werden. Die
Übergangsregelung war notwendig geworden, weil der Europäische
Gerichtshof (EuGH) das Passagierdaten-Abkommen aus dem Jahr 2004 aus
formalen Gründen für nichtig erklärt hatte. Geklagt
hatte das EU-Parlament. Auf dessen datenschutzrechtliche Bedenken ging
der EuGH in seinem Urteil allerdings nicht ein.
EU-Unterhändler Faull erklärte, er hielte auch einen
Austausch von Passagierdaten innerhalb Europas für
wünschenswert. Es handele sich um eine sinnvolle Maßnahme im
Kampf gegen den Terrorismus.
(Quelle: ap)
Russland schiebt Georgier ab
Sa.07.10.06 - In dem andauernden Konflikt mit Georgien hat Russland am Freitag mehr
als 140 Bürger der Kaukasusrepublik wegen angeblicher
Visaverstöße in ihre Heimat abgeschoben. Außenminister
Sergej Lawrow warf der Führung in Tiflis erneut vor, sie
führe «seit Jahren eine anti-russische Politik».
In der Hauptstadt Moskau wie in Provinzstädten suchte die Polizei
weiter nach Georgiern, die gegen die Aufenthaltsbestimmungen
verstoßen hätten. Als Ausnahme von der bestehenden
Verkehrsblockade gegen den südlichen Nachbarn brachte ein Flugzeug
des russischen Katastrophenschutzes 143 georgische
Abschiebehäftlinge nach Tiflis. Dabei hätten die russischen
Behörden eine Reihe von Rechtsverstößen begangen,
erklärte der Konsul der georgischen Botschaft in Moskau, Surab
Pataradse. Das Flugzeug sollte am Freitagabend mit russischen
Bürgern zurückkehren, die sich aus Tiflis ausfliegen lassen
wollten.
Das ohnehin gespannte russisch-georgische Verhältnis hatte sich in
der vergangenen Woche rapide verschlechtert, als Georgien zeitweise
mehrere russische Offiziere als mutmaßliche Spione festnahm. Die
Sperrung aller Verkehrsverbindungen nach Georgien bleibe bis zu einer
Normalisierung des Verhältnisses in Kraft, sagte Verkehrsminister
Igor Lewitin. Außenminister Lawrow zeigte sich trotz seiner
Kritik an Georgien erstmals bereit, auch nach einer diplomatischen
Lösung für den Konflikt zu suchen. «Diplomatische Wege
sind immer offen, und wir geben ihnen den Vorzug», sagte er nach
Angaben der Agentur Interfax.
Nach den Kommunalwahlen in Georgien vom Donnerstag nahm Präsident
Michail Saakaschwili den Sieg für seine Partei in Anspruch. Mehr
als 70 Prozent hätten für die Nationale Bewegung gestimmt,
sagte er. Die Opposition warf ihm massive Wahlrechtsverstöße
vor. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (OSZE) sprachen von vereinzelten
Unregelmäßigkeiten, vor allem bei fehlerhaften
Wählerlisten.
Die russischen Sicherheitsbehörden durchkämmten die
Schülerlisten Moskauer Schulen nach georgischen Namen, um
eventuelle illegale Migranten zu finden, berichtete die Zeitung
«Kommersant». Steuerüberprüfungen trafen auch
prominente Georgier in Moskau wie den Bildhauer Surab Zereteli und den
Schriftsteller Grigori Tschchartischwili, der unter dem Pseudonym Boris
Akunin millionenfach gelesene Krimis schreibt.
(Quelle: dpa)
Erneut Massendemo gegen Ungarns Regierungschef
Sa.07.10.06 - Bei der bisher größten Protestkundgebung gegen den im so
genannten «Lügenskandal» unter Druck geratenen
ungarischen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsany sind am
Freitagabend Hunderttausende in Budapest auf die Straße gegangen.
Nach Angaben der ungarischen Nachrichtenagentur MTI versammelten sich
100 000 Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude und forderten
Gyurcsanys Rücktritt; nach Angaben der Organisatoren nahmen 350
000 Menschen an der Kundgebung teil. Zuvor hatte der sozialistische
Regierungschef im Parlament die Vertrauensfrage gestellt und war bei
der Abstimmung mit 207 zu 165 Stimmen erwartungsgemäß im Amt
bestätigt worden.
Vor der Abstimmung im Parlament hatte Gyurcsany sich dafür
entschuldigt, dass er den Wählern im Wahlkampf verschwiegen habe,
dass die Staatsfinanzen aus dem «Gleichgewicht» geraten
seien. Er wies zugleich Anschuldigungen zurück, denen zufolge er
die Wähler mit falschen Angaben zu den Haushaltszahlen bewusst
betrogen habe.
Erstmals sprach am Freitagabend auch Oppositionsführer Viktor
Orban zu den Demonstranten, die in zuletzt nur noch geringer Zahl seit
drei Wochen vor dem Parlament protestieren. Orban verlangte erneut eine
Übergansregierung aus Experten, die er «nationale
Einheitsregierung» nannte. Er eröffnete unter dem Titel
«Ungarn- Charta» eine Unterschriftenliste. Die
«Charta» enthält fünf Punkte, darunter ein
«Ja zur «Verteidigung des Staatseigentums» sowie ein
Bekenntnis zum gewaltfreien Protest. Man müsse «die
moralische Ordnung» wiederherstellen, heißt es darin weiter.
Orban sagte, Gyurcsany sei nunmehr «von der Geschichte
überholt worden». Diese Regierung habe sich «an
Lügen gebunden«. Durch das Vertrauensvotum im Parlament habe
man Ungarn «in eine Falle gelockt» und «das Land
für einen gefallenen Politiker geopfert». Die Demonstranten
seien «fähig, Steine zu bewegen». Er forderte die
Menschen auf, von nun an täglich abends zahlreich zum Protest vor
dem Parlament zu erscheinen. Bei der Debatte vor der
Vertrauensabstimmung im Parlament war Orban zwar anwesend gewesen,
hatte aber nicht das Wort ergriffen.
Die Proteste hatten begonnen, nachdem vor drei Wochen publik geworden
war, dass Gyurcsany parteiintern eingeräumt hatte, vor der
Parlamentswahl im April das Volk belogen zu haben.
(Quelle: dpa)
Merkel und Erdogan rufen zu Dialog der Religionen auf -
Türkischer Ministerpräsident bittet erneut um deutsche
Unterstützung im EU-Beitrittsprozess
Sa.07.10.06 - Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der türkische
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan haben am Freitag in
Istanbul zu einem stärkeren Dialog der Religionen aufgerufen.
Menschen verschiedenen Glaubens müssten «sehr viel mehr
Kontakt haben, um in einer globalen Welt eine friedliche Welt zu
gestalten», sagte Merkel nach einer Begegnung mit hohen
Würdenträgern der christlichen, jüdischen und
islamischen Gemeinschaften in der Türkei. «Wir waren uns
einig, dass Gewalt im Namen von Religionen niemals verursacht werden
darf.» Beide Regierungschefs sprachen sich für eine
Fortführung und Vertiefung des Dialogs aus.
Merkel ging zum Abschluss ihres zweitägigen Besuchs auch auf die
Probleme der christlichen Minderheiten in der Türkei ein. Sie
betonte, dass «da wo Probleme auftreten, diese auch angepackt
werden müssen.» Die Religionsvertreter hätten zum
Ausdruck gebracht, dass sie «darüber im Dialog mit der
Regierung» stünden.
Außer dem orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I., mit dem
die Kanzlerin zuvor ein Einzelgespräch geführt hatte, war bei
der Runde mit Erdogan der armenische Patriarch Mesrob II., Oberrabbiner
Isak Haleva und der Mufti von Istanbul, Mustafa Cagrici, zugegen.
Mangelnde Religionsfreiheit ist einer der Kritikpunkte der EU bei den
Beitrittsverhandlungen mit der Türkei.
Bei einem deutsch-türkischen Wirtschaftsforum hatte Erdogan zuvor
erneut um deutsche Unterstützung im EU-Beitrittsprozess seines
Landes gebeten. «Deutschland hat bis heute unsere
Beitrittsbemühungen unterstützt. Wir hoffen auf
Fortsetzung», sagte Erdogan. Merkel bezeichnete die
Gespräche als «sehr konstruktiv». Sie hätten
«das gegenseitige Vertrauen gestärkt».
Die Kanzlerin erinnerte daran, dass sie als CDU-Vorsitzende für
eine privilegierte Partnerschaft der Türkei unterhalb der
Vollmitgliedschaft sei. «Wir wollen der Türkei aber nicht
zusätzliche Steine in den Weg legen», fügte sie zum
Streit um die Zypern- Anerkennung durch Ankara hinzu. Die vor einem
Jahr begonnen Beitrittsverhandlungen mit der Türkei sind ins
Stocken geraten wegen der türkischen Weigerung, die Häfen des
Landes für zyprische Schiffe zu öffnen.
In Berlin kritisierten die Grünen Merkels Politik als
«heuchlerisch». Die Forderung der Kanzlerin nach einer
privilegierten Partnerschaft sei ein «Bärendienst für
die Demokratisierung» der Türkei und unterstütze dort
nur die Kräfte, die eine europäische Perspektive nicht
wollten, sagte Grünen-Chefin Claudia Roth der dpa.
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn forderte Merkel auf, ein
deutliches Zeichen für einen EU-Beitritt zu geben. Das
«Gerede» über eine privilegierte Partnerschaft
könne er nur «als äußerst gefährlich und
brisant erachten». Die Frage, ob die Türkei als islamisch
geprägtes Land den Weg zur europäischen Wertegemeinschaft
finde, sei entscheidend für die Sicherheit in Europa und auch in
Deutschland.
Erdogan und die türkischen Wirtschaftsvertreter warben bei dem
Wirtschaftsforum massiv für einen Ausbau der Handelsbeziehungen
mit Deutschland und der EU. Das Handelsvolumen mit Deutschland von
derzeit jährlich etwa 21 Milliarden Euro könne gut
verdreifacht werden, sagte der türkische Unternehmerpräsident
Ömer Sabanci. Auch der Präsident des Bundesverbandes der
Deutschen Industrie, Jürgen Thumann, plädierte für eine
europäische Zukunft für die Türkei: «Wir leben die
europäische Perspektive für die Türkei in der Wirtschaft
bereits.»
(Quelle: dpa)
Deutschland
Verfassungsrechtler hat Bedenken gegen Gesundheitskompromiss
Sa.07.10.06 - Gegen den Gesundheitskompromiss der großen Koalition sind
verfassungsrechtliche Bedenken laut geworden. "Ich bin der
Überzeugung, dass zentrale Punkte nicht mit dem Grundgesetz
vereinbar sind", sagte der Präsident des Berliner
Verfassungsgerichtshofes, Helge Sodan. Derweil wird auch innerhalb der
CDU zunehmend Kritik laut: Nach der CSU behält sich auch die
nordrhein-westfälische CDU vor, den Kompromiss doch noch
abzulehnen. Derweil werden in der SPD Forderungen nach Korrekturen laut.
Präsidiumsmitglied Andrea Nahles sagte, die Vereinbarung enthalte
Ungereimtheiten und soziale Schieflagen.
Sodan sagte der in Erfurt erscheinenden "Thüringer Allgemeinen",
zu den Punkten, die aus seiner Sicht nicht mit dem Grundgesetz vereinbar
seien, zähle der Basistarif, den die privaten
Krankenversicherungen anbieten müssen, sowie die Beschränkung
der teilweise steuerfinanzierten Versicherung für Kinder auf die
gesetzlich Versicherten. "Ich halte es in keiner Weise für
verfassungsgemäß, dass die Kinder von Privatversicherten hier
nicht berücksichtigt werden."
Wenn der Gesetzgeber in die Steuerfinanzierung der
Kinder-Krankenversicherung einsteige, dürfe der Nachwuchs
Privatversicherter nicht als "Kinder zweiter Klasse" behandelt werden,
sagte Sodan. Der Kontrahierungszwang beim Basistarif führe indes
dazu, dass die Versichertengemeinschaft der jeweiligen PKV
geschädigt werde. Er gehe fest davon aus, "dass eine oder mehrere
Privatversicherungen vor dem Bundesverfassungsgericht klagen, sollten
diese Eckpunkte zum Gesetz werden".
Der Generalsekretär der NRW-CDU, Hendrik Wüst, sagte der
"Berliner Zeitung" mit Blick auf den Kompromiss : "Wir werden
prüfen, was das für unsere Krankenhauslandschaft bedeutet.
Wenn sich das negativ auswirkt, behalten wir uns die Zustimmung vor."
Das SPD-Präsidiumsmitglied Andrea Nahles sagte im RBB, im
Kompromiss fehle sozialdemokratisches Profil. Die Union habe es
über den Druck ihrer Ministerpräsidenten geschafft, ihre
Positionen durchzusetzen. Nahles kritisierte besonders die geplante
einkommensunabhängige Zusatzprämie für die Versicherten
von acht Euro. Durch diese "kleine Kopfpauschale" würden
Geringverdiener über die Ein-Prozent-Grenze hinaus belastet.
Auch der Chef der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK), Herbert
Rebscher, rechnet mit Nachbesserungen am Gesundheitskompromiss. Er
könne sich nicht vorstellen, dass der Entwurf "das Parlament
unverändert passieren wird", sagte er der "Berliner Zeitung".
(Quelle: afp)
SPD-Linke fordert Nachbesserungen bei Gesundheitsreform
Sa.07.10.06 - Die mehr als 100 Abgeordnete umfassende Parlamentarische Linke der
SPD-Bundestagsfraktion fordert Nachbesserungen am
Gesundheitskompromiss. Bei der Gesundheitsreform geht es «nicht
um die Rettung der großen Koalition, sondern um die optimale
medizinische Versorgung der Menschen», sagte der Sprecher der
Gruppe, Ernst Dieter Rossmann, der «Welt». Die
Grundsätze Vorbeugung von Krankheiten, Solidarität und
stärkere Effizienz müssten stärker als bisher beachtet
werden.
Rossmann kündigte kritische Debatten dazu in der
Bundestagsfraktion am 17. und 24. Oktober an. Dies könne die
Koalitionsspitze nicht damit verhindern, dass sie es «gern
gedeckelt haben möchte». Vor allem kritisierte er die
geplante einkommensunabhängige Zusatzprämie für die
Versicherten von acht Euro als unausgegoren. Dadurch würden
Geringverdiener belastet. Ein schlechtes Zeichen sei auch die
Verschiebung des Gesundheitsfonds auf 2009. «Es spricht schon
für das Zutrauen der CDU zum Merkel-Fonds, dass ihn die
Ministerpräsidenten Wulff, Koch und Stoiber erst nach den
Landtagswahlen in Niedersachsen, Hessen und Bayern haben wollen»,
sagte Rossmann. Im Bundestag müsse diskutiert werden, ob der Fonds
überhaupt handhabbar sei.
(Quelle: ap)
Union will Sanktionen für Arbeitsunwillige verschärfen
Sa.07.10.06 - Die Union will bei der geplanten Arbeitsmarktreform eine weitere
Verschärfung der Sanktionen gegen arbeitsunwillige
Hartz-IV-Empfänger. Die Financial Times Deutschland zitiert aus
einem internen Papier von CDU/CSU, ein Teil der Hilfebezieher erhalte
Leistungen zu Unrecht. «Das muss sich ändern.» Dazu
seien eine Verschärfung der Kontrollen und eine Ausweitung der
Sanktionen nötig.
Konkret schlägt die Union dem Bericht zufolge vor, dass für
Empfänger von Arbeitslosengeld II die Sozialleistungen halbiert
werden, wenn diese ein zumutbares Arbeitsangebot ablehnen. «Bei
Ablehnung eines zweiten Arbeitsangebotes muss das Arbeitslosengeld II
gänzlich gestrichen werden», zitiert die Zeitung aus dem
Papier. Zudem wolle die Union als Sanktion auch den Urlaubsanspruch
für Hartz-IV-Empfänger streichen. Bei Ablehnung von
Sprachförderkursen sollten staatliche Mittel für ein halbes
Jahr stillgelegt werden.
(Quelle: ap)
Arbeitsloseninitiativen erhalten Regine-Hildebrandt-Preis
Sa.07.10.06 - Für ihr Engagement gegen Arbeitslosigkeit und Armut sind zwei
Erwerbsloseninitiativen mit dem Regine-Hildebrandt-Preis 2006
ausgezeichnet worden. Der von der Stiftung Solidarität in
Bielefeld verliehene Preis ging an den Verein "Neue Arbeit Chemnitz"
und den Förderverein gewerkschaftlicher Arbeitslosenarbeit. Der
Chemnitzer Verein habe mit einfallsreichen Projektideen öffentlich
geförderte Beschäftigung geschaffen, befand das
Preiskuratorium. Der Förderverein gewerkschaftlicher
Arbeitslosenarbeit habe als Netzwerk für Erwerbsloseninitiativen
mit beispielhaftem Einsatz wichtige Verbindungen geknüpft und
Erwerbslose "zum gemeinsamen Handeln angestiftet".
Die DGB-Vizevorsitzende Ingrid Sehrbrock würdigte in ihrer
Laudatio die beiden Initiativen als "vorbildliche, nachahmenswerte und
eben preiswürdige Streiter für Solidarität im 21.
Jahrhundert". So engagiere sich die "Neue Arbeit Chemnitz" für
Menschen, "die sonst keine Lobby haben". Zudem habe der Verein mit
seinen Bürger- und Sozialberatungsbüros "Orte
gesellschaftlicher Integration" geschaffen. Mit Blick auf den zweiten
Preisträger erinnerte Sehrbrock an die Gründung der
Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen (KOS) in
den achtziger Jahren, die von dem in Bielefeld angesiedelten
Förderverein vorangetrieben wurde. Die heute in Berlin
ansässige KOS verstehe sich als "Scharnier zwischen Gewerkschaften
und Arbeitsloseninitiativen".
Der mit insgesamt 20.000 Euro dotierte Preis wurde 1997 unter der
Bezeichnung Solidaritätspreis erstmals verliehen.
Preisträgerin war damals die brandenburgische Sozialministerin
Regine Hildebrandt (SPD), nach deren Tod 2001 die Auszeichnung
umbenannt wurde. Im vergangenen Jahr hatten der CDU-Politiker Heiner
Geißler und der SPD-Sozialexperte Ottmar Schreiner den Preis
erhalten.
(Quelle: afp)
Umweltminister Gabriel warnt vor Einmischung in AKW-Entscheidung
Sa.07.10.06 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat vor Einmischung in seine
Entscheidung über längere Laufzeiten von AKWs sowie vor einer
«politischen Erpressung» durch die Stromkonzerne gewarnt.
Vor dem Energiegipfel am Montag wies der SPD-Politiker in der
«Frankfurter Rundschau» Forderungen von Wirtschaftsminister
Michael Glos (CSU) nach einem Mitspracherecht über einen
entsprechenden Antrag des Stromkonzerns RWE zurück: «Das
Atomgesetz ist eindeutig. Das Umweltministerium führt das
Verfahren allein.»
Der Stromwirtschaft warf Gabriel vor, sie wolle bei dem Energiegipfel
das Thema Atomkraft auf die Tagesordnung setzen, um von eigenen
Verpflichtungen abzulenken. «Es scheint inzwischen fast schon zur
Strategie zu gehören, möglichst nicht über das zu
verhandeln, wo man selbst in der Pflicht steht», kritisierte der
Minister. Die Energiewirtschaft dürfe nicht ständig
«auf den Nebenkriegsschauplatz Kernkraft flüchten».
Der Ausstieg sei politisch beschlossene Sache. «Das Atomgesetz
gilt und es gibt keine Mehrheit im Bundestag, es zu ändern.»
Gabriel erklärte, wenn es nicht gelinge, mehr Wettbewerb auf dem
Strommarkt zu schaffen, müsse die Regierung über «neue
Instrumente per Gesetz» nachdenken. Die Ankündigung der
Energiebranche, bei stärkerer staatlicher Regulierung versprochene
Investitionen in neue Kraftwerke zu verweigern, grenze an
«politische Erpressung».
(Quelle: ap)
Ursache für Häufung von Leukämiefällen unklar
Sa.07.10.06 - Die Ursache für die auffällige Häufung von
Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch ist nach Ansicht der
Bundesregierung weiterhin unklar. Es gebe keine Belege dafür, dass
das nahe gelegene Kernkraftwerk Krümmel etwas mit den Erkrankungen
zu tun habe, erklärte die Bundesregierung in einer am Freitag
veröffentlichten Antwort auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion.
Die Linksfraktion hatte eine natürliche Ursache für die
Häufung der Fälle in ihrer Anfrage als «extrem
unwahrscheinlich» bezeichnet. Die Fraktion berief sich dabei auf
Medienberichte, denen zufolge im September 1986 eine erhöhte
Strahlenbelastung in Geesthacht gemessen wurde. Nach Ansicht der
Bundesregierung seien die zugrunde liegenden Messdaten bis heute nicht
wissenschaftlich belegt. Eine zufällige Leukämiehäufung
sei zwar unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen.
Mehrere Expertenkommissionen hätten sich mit den
Krankheitsfällen in Geesthacht beschäftigt, aber keine Ursache
festgestellt, heißt es in der Antwort weiter. Auch dem
Bundesumweltministerium lägen keine Daten aus Niedersachsen oder
Schleswig-Holstein vor, die auf eine erhöhte Strahlung in
Geesthacht hinweisen.
Am Mittwoch war die Erkrankung eines zwölfjährigen
Mädchens aus Geesthacht im Kreis Herzogtum Lauenburg bekannt
geworden. Seit 1989 sind damit bereits 16 Kinder in der Umgebung des
Kernkraftwerkes Krümmel und der Kernforschungsanlage GKSS in
Geesthacht an der schweren Blutkrankheit erkrankt.
(Quelle: ddp)
Mehr zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0411030.htm#041103xa
Wissenschaft
Islamforscher Bassam Tibi will Deutschland verlassen
Sa.07.10.06 - Der Göttinger Islamforscher Bassam Tibi will in die Vereinigten
Staaten auswandern, weil er sich nach eigener Aussage auch nach
Jahrzehnten in der Bundesrepublik nicht zu Hause fühlt. «Auf
Dauer fühle ich mich fremd in diesem Land und werde entsprechend
behandelt», schrieb der gebürtige Syrer in einem vorab
veröffentlichten Gastbeitrag des «Tagesspiegel»
(Samstagausgabe). «Ich wandere aus, weil ich dieses Fremdsein
nach 44 Jahren nicht mehr ertrage.» Tibi will an die
amerikanische Cornell-Universität wechseln.
Mit seinem Gefühl stehe er nicht allein, erklärte der
62-Jährige: «Die Mehrheit der hier lebenden 'Ausländer'
ist als fremd einzuordnen; selbst ethnisch Deutsche aus Zentralasien,
die auf der Basis ihres angeblich deutschen Blutes hineingelassen
wurden, entdecken hier ihr Russischsein und fühlen sich genauso
wie ich», schrieb er. «Warum? Weil uns dieses Land keine
Identität gibt.»
Wenn die Deutschen nach Auschwitz keine Identität hätten, wie
könnten sie dann Fremden eine geben, fragte der Wissenschaftler.
Er glaube, Deutschland mehr zu lieben, als viele Deutsche es je getan
hätten. «Aber ich habe es satt, ein 'Syrer mit deutschem
Pass' zu sein, der seinem miesepetrigen Gastvolk dafür danken
soll, dass ihm die Erfüllung des 'deutschen Bürgertraums'
gewährt wurde.» Es sei das Zugehörigkeitsgefühl,
das den Fremden und vielen deutschen Weltbürgern in diesem Land
fehle.
«Wenn nach 40 Jahren des Schaffens an einem modernen Islam, an
Konzepten der Integration und an einem zivilgesellschaftlichen Konsens
meine Bücher als 'semi-wissenschaftlich' tituliert werden, wenn
der Bundestagspräsident die Leitkulturdebatte - ohne meinen Namen
als Schöpfer des Begriffs zu nennen - neu beleben will, die
Kanzlerin mich von ihrem Integrationsgipfel ausschließt und der
Innenminister einen verhunzten deutschen Islam dem europäischen
Islam vorzieht, dann frage ich mich, was ich hier noch soll.»
Dennoch wolle er Deutschland nicht ohne ein Liebesbekenntnis verlassen,
erklärte Tibi. Das Land bedeute ihm trotz aller Kränkungen
außerordentlich viel. Es sei jedoch eine Liebe, die ein
«kulturpsychologisch beschädigtes, also
liebesunfähiges» Volk nicht erwidern könne. Vor 1933
seien die Deutschen das Volk der Dichter und Denker gewesen. «Das
sehe ich heute nicht mehr.»
(Quelle: ap)
'Hubble' entdeckt 16 mögliche neue Planeten
Sa.07.10.06 - Das Weltraumteleskop «Hubble» hat 16 mögliche neue
Planeten ferner Sterne in der Milchstraße aufgespürt.
«Hubble» habe für die Entdeckungen so tief wie bislang
kein anderes Teleskop auf Planetenfahndung ins All gespäht, teilte
die US-Weltraumbehörde am Mittwoch (Ortszeit) mit.
Dazu habe es 180 000 Sterne im 26 000 Lichtjahre entfernten Zentrum der
Galaxie untersucht. Überrascht zeigten sich die Experten über
fünf Planetenkandidaten, die ihre Sonne in weniger als einem Tag
und damit sehr rasch umkreisen.
Die Entdeckung weckte unter Astronomen Hoffnungen, in Zukunft auf viele
weitere Planeten zu stoßen, darunter auch solche, die der Erde
ähnlich sind. «Es zeigt sich, dass die Galaxie voller
Planeten ist, und dass es irgendwo da draußen eine Chance gibt,
einen zu finden, auf dem Leben möglich ist», sagte Mario
Livio vom Space Telescope Science Institute in Baltimore, das die
«Hubble»-Operation überwacht, der «Washington
Post».
Den Angaben zufolge entdeckten Astronomen während der vergangenen
15 Jahre mehr als 200 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems.
Die nun 16 neu hinzu gekommenen Kandidaten befänden sich mehr als
zehn Mal so weit von der kosmischen Heimat der Erde entfernt wie die
bisher entdeckten Exoplaneten.
Livio und sein Forscherkollege Kailash Sahu vermuten mit Blick auf die
Zahl der identifizierten Planeten und die Anzahl der Sterne in der
Milchstraße bis zu sechs Milliarden Planeten von der
Größe Jupiters in der Galaxie. Bislang konnten nur zwei der
jetzt entdeckten 16 Himmelskörper zweifelsfrei als Planeten
identifiziert werden. Die Wissenschaftler zeigten sich jedoch
zuversichtlich, dass auch die anderen die Kriterien erfüllen.
(Quelle: dpa)
'Hubble' im Internet unter:
http://www.nasa.gov/hubble