Aktuelle Nachrichten
Irak am achthunderteinunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
14 Tote bei Autobombenanschlag in Tal Afar. Landesweit kommen
mindestens 25 Menschen durch Gewalt ums Leben. Bereits 4000 irakische
Polizisten im Dienst getötet
So.08.10.06 - Bei einem Selbstmordanschlag sind am Samstag im Nordirak mehr als ein
Dutzend Menschen getötet worden. Der Täter raste in der Stadt
Tal Afar mit seinem mit Sprengstoff beladenen Wagen in einen
Kontrollpunkt der Polizei hinein, wie die Behörden mitteilten.
Vier Polizisten und zehn Zivilpersonen kamen dabei ums Leben, 13
weitere Menschen erlitten Verletzungen. Landesweit kostete die Gewalt
mindesten 25 Menschen das Leben.
In Mossul wurde eine Frau erschossen, die zu Fuß mit ihrem
fünfjährigen Sohn unterwegs war. Der Junge blieb unversehrt,
wie ein Polizeisprecher sagte. Nahe Sindschar, rund 150 Kilometer
nordwestlich von Mossul, kamen zwei Menschen bei einem Angriff auf ihr
Auto ums Leben, eine dritte Person erlitt nach Polizeiangaben
Verletzungen. Beim Einschlag einer Mörsergranate auf ihr Haus in
Iskandarija, rund 50 Kilometer südlich von Bagdad, wurden zwei
Menschen getötet und vier verletzt.
In einer von Schiiten geführten Bäckerei in Bagdad erschossen
Bewaffnete zwei Mitarbeiter. Ein dritter Mann wurde laut Polizei
verletzt, die Angreifer flüchteten in einem Auto. Im Westen der
Hauptstadt wurde am Freitagabend auch ein früherer irakischer
Volleyball-Nationalspieler getötet. Er wurde in seinem
Geschäft erschossen. In Bagdad wurden zudem auch weitere Tote
entdeckt, die zuvor gefoltert wurden. Sie wurden offenbar Opfer der
Gewalt zwischen den Milizen der Sunniten und Schiiten.
Bei Razzien in der Provinz Dijala töteten irakische
Sicherheitskräfte nach Regierungsangaben zwei mutmaßliche
Al-Kaida-Mitglieder. Rund 40 Verdächtige wurden festgenommen.
Bei Kämpfen im Nordirak wurde erneut ein US-Soldat getötet,
wie die Streitkräfte am Samstag mitteilten. Der Soldat starb
demnach am Freitag in der Nähe von Beidschi.
Im Irak sind in den vergangenen zwei Jahren nach US-Angaben etwa 4000
Polizisten im Dienst getötet worden. Weitere 8000 Polizisten seien
bei der Ausübung ihrer Pflichten verletzt worden.
Der Leiter des US-Trainingsteams für die irakische Polizei,
Generalmajor Joseph Peterson, lobte die wachsende Einsatzstärke der
irakischen Polizisten. Noch vor einem Jahr hätten Polizisten bei
Angriffen ihre Wachen fluchtartig verlassen. "Das passiert nicht mehr.
Unsere Polizisten sind selbstsicherer."
Peterson verwies zugleich auf das Problem der Infiltration durch
Extremisten. Erst am Mittwoch wurde eine Brigade von etwa 700 Polizisten
außer Dienst gestellt, weil sie der Komplizenschaft mit
Todesschwadronen verdächtigt wurden.
Peterson sagte, es sei nicht bekannt, wie viele Milizionäre die
irakische Polizei infiltriert hätten. Wer identifiziert werde,
werde verhaftet oder zumindest vom Dienst suspendiert. Die Sunniten
werfen den überwiegend schiitischen Polizisten vor, die
sektiererische Gewalt zu schüren und nicht entschlossen genug gegen
Todesschwadronen vorzugehen, die Sunniten entführen und töten.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 08.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertsiebenundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.08.10.05 - Sechs US-Soldaten und 29 Aufständische bei Offensive im Westen des
Iraks getötet +++ Ex-US-Soldat: USA tragen Mitschuld an
Selbstmordanschlägen im Irak +++ Bush hatte zu Irak-Einmarsch angeblich göttlichen Befehl -
Weißes Haus dementiert +++ US-Senat verabschiedet 445 Milliarden Dollar-Verteidigungshaushalt -
50 Milliarden Dollar für den Irak-Krieg und die Einsätze in
Afghanistan bewilligt +++ USA wollen aktive Heereskampftruppen aufstocken...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510080.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Zwei Journalisten der Deutschen Welle in Afghanistan erschossen
So.08.10.06 - Unbekannte Täter haben im Norden Afghanistans zwei Mitarbeiter der
Deutschen Welle (DW) erschossen. Bei den Opfern handelt es sich um eine
30 Jahre alte Journalistin und einen 38 Jahre alten Techniker, wie der
Intendant des Senders, Erik Bettermann, am Samstag bestätigte. der
deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte die
Bluttat scharf und forderte die Bestrafung der Täter. Es ist das
erste Mal seit Ende 2001, dass ausländische Journalisten in
Afghanistan gewaltsam ums Leben kamen.
Der Mann und die Frau reisten auf eigene Faust durch die Provinz
Baghlan, wie ein Sprecher
des Innenministeriums in Kabul mitteilte. Der Polizeichef der Provinz,
Mohammad Asim Haschami, sagte, die beiden seien in einem
Geländewagen unterwegs gewesen und hätten ihr Nachtlager
außerhalb des Dorfs Abtotak im Bezirk Tala Wa Barfak
aufgeschlagen. Sie seien am frühen Samstagmorgen von Schüssen
aus einem Sturmgewehr AK-47 getötet worden, sagte er weiter. Die
Schüsse seien von Dorfbewohnern gehört worden, die daraufhin
zu der Stelle geeilt seien und die beiden Deutschen tot aufgefunden
hätten. Persönliche Dinge oder das Auto der beiden seien
nicht gestohlen worden.
Die deutsche Regierung verurteile den Mord «auf das
Schärfste», erklärte Außenminister Steinmeier in
Berlin. «Dieses schreckliche Verbrechen muss aufgeklärt, die
Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden.»
Steinmeier erklärte weiter: «Der grausame und sinnlose Tod
unserer Landsleute bestärkt uns in unserer Verpflichtung, die
afghanische Regierung in ihrem Einsatz für Sicherheit und
Rechtsstaatlichkeit in Afghanistan umso nachdrücklicher zu
unterstützen.» Der Minister sprach den Angehörigen,
Freunden und Kollegen der Opfer im Namen der Regierung sein
Mitgefühl aus.
«Wir sind sehr betroffen vom Tod unserer Kollegen»,
erklärte auch der DW-Intendant Bettermann. Die beiden Opfer
hätten Pionierleistungen beim Wiederaufbau eines funktionierenden
Mediensystems in Afghanistan vollbracht. Sie hätten sich auf einer
privaten Reise durch das Land befunden. Beide seien durch mehrere
längere Aufenthalte mit den Verhältnissen in Afghanistan gut
vertraut gewesen.
Bei der getöteten Journalistin handelt es sich demnach um die 30
Jahre alte Karen Fischer, die zuletzt als freie Mitarbeiterin für
das deutsche und englische Programm von DW-RADIO gearbeitet hatte. Der
getötete Techniker Christian Struwe hatte bei dem von der
Deutschen Welle unterstützten Aufbau einer Internationalen
Nachrichtenredaktion beim staatlichen Sender Radio Television
Afghanistan mitgewirkt.
«Es ist tragisch, dass Karen Fischer und Christian Struwe in dem
Land sterben mussten, das sie in den vergangenen Jahren mit hohem
persönlichen Einsatz unterstützt haben», sagte
Bettermann. Trotzdem werde die Deutsche Welle ihre Bemühungen um
den Dialog der Kulturen fortsetzen.
Wie das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) auf seiner Website
schreibt, kamen zuletzt Ende 2001 während der Invasion zum Sturz
der Taliban acht ausländische Journalisten in Afghanistan ums
Leben. Im November 2001 war der damals 40 Jahre alte
«Stern»-Reporter Volker Handloik in einen Hinterhalt der
Taliban geraten und zusammen mit zwei französische
Rundfunkjournalisten erschossen worden. Es waren die ersten
Journalisten, die nach der Invasion der alliierten Truppen in
Afghanistan ihr Leben verloren.
(Quelle: ap)
Ermittlungen in Deutschland wegen angeblicher US-Gefangener in Mannheim
So.08.10.06 - Die deutsche Generalbundesanwältin Monika Harms ermittelt wegen
des Vorwurfs, dass die US-Armee in einem Militärgefängnis in
Mannheim Terrorverdächtige illegal festgehalten und womöglich
misshandelt haben soll. Seit dem 21. September werde wegen einer
entsprechenden Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt,
am 27. September sei der Erstatter der Anzeige vernommen worden, sagte
ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Derzeit werde der
Tatsachengehalt der Aussage geprüft. Es handle sich bei dem Zeugen
aber nur um einen Zeugen vom Hörensagen.
Zum Sachverhalt wollte der Sprecher der Bundesanwaltschaft keine
Angaben machen. Nach einem Online-Bericht des Magazins "Stern" will der
Zeuge von einem US-Soldaten namens John Pierce gehört haben, dass
von April bis Anfang September drei arabisch sprechende Männer in
dem US-Militärgefängnis in den "Coleman Barracks" in
Mannheim-Sandhofen festgehalten worden seien. Eine Sprecherin der
US-Armee dementierte die Vorwürfe gegenüber dem
Online-Dienst. Es gebe keinen John Pierce in dieser Einheit, sagte sie.
In dem US-Gefängnis seien auch keine Terrorverdächtigen
festgehalten worden.
Unterdessen dementiert die deutsche Regierung nach einem Bericht des
"Spiegel" den Vorwurf des ehemaligen Guantánamo-Häftlings
Murat Kurnaz aus Bremen, im Jahr 2004 vom deutschen Verfassungsschutz
in dem Lager vernommen worden zu sein. Ein von Kurnaz beschriebener
mutmaßlicher Verfassungsschützer habe in einer dienstlichen
Erklärung versichert, nur 2002 in Guantánamo gewesen zu
sein. Auch der deutsche Bundesnachrichtendienst schließe eine
Befragung von Kurnaz im Jahr 2004 aus.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Libanons Ministerpräsident fordert bei Annan Stopp der
israelischen Überflüge. Hisbollah besitzt angeblich jetzt
Raketen mit Reichweite bis Kreta. Hamas will Israel auch künftig
nicht anerkennen. Palästinenser feuern Rakete auf israelische Stadt
So.08.10.06 - Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora hat
UN-Generalsekretär Kofi Annan aufgefordert, Israel zur Beendigung
seiner Flüge über libanesischem Hoheitsgebeit zu bewegen.
Siniora habe in einem Telefonat mit Annan am Freitagabend auch
gefordert, dass Israel nicht weiter die "blaue Linie" zwischen beiden
Staaten verletze, teilte Sinioras Büro am Samstag in Beirut mit.
Siniora habe dabei die Tatsache angesprochen, dass in dem Grenzort
Ghadschar nach wie vor israelische Soldaten stationiert sind. Die
israelische Armee hatte sich am 1. Oktober gemäß der
UN-Resolution 1701 aus dem Südlibanon zurückgezogen, aber
einige Soldaten noch in Ghadschar nahe der zwischen Israel und Syrien
umstrittenen Golanhöhen belassen.
Die schiitische Hisbollah-Miliz verfügt nach Informationen des
deutschen Nachrichtenmagazins "Focus" offenbar neuerdings über
Mittelstrecken-Raketen, die eine Reichweite von knapp tausend Kilometern
haben und somit leicht Ziele in der Türkei und auf Kreta treffen
könnten. Das Magazin beruft sich in seiner neuen Ausgabe auf einen
streng vertraulichen Bericht des deutschen Bundesnachrichtendienstes
(BND), wonach Raketen aus iranischer Produktion auf Veranlassung
Teherans via Syrien in den Libanon gebracht worden seien.
Zusätzlich seien tonnenweise Mörser, Munition und Gewehre an
die Hisbollah übergeben worden.
Die radikalislamische Hamas-Regierung will Israel auch künftig
nicht anerkennen. "Wir werden Israel nicht anerkennen", rief der
palästinensische Regierungschef Ismail Hanija bei einer Kundgebung
in Gaza am Freitag dreimal hintereinander. Die Hamas wolle einen
unabhängigen Palästinenserstaat in den von Israel besetzten
Gebieten und sei dafür auch zu einer langfristigen Waffenruhe mit
Israel bereit, nicht aber zur Anerkennung des jüdischen Staates.
Die Hamas werde "die Rechtmäßigkeit der Besatzung" niemals
anerkennen, sagte Hanija.
Militante Palästinenser haben am Samstag wieder vom Gazastreifen
aus eine Rakete auf die nahe gelegene südisraelische Stadt Sderot
abgefeuert. Es entstanden aber keine Schäden, wie die israelischen
Streitkräfte mitteilten. Generalstabschef Dan Halutz warnte in
dieser Woche, die Armee erwäge eine neue Offensive im
Gazastreifen, um die militanten Palästinenser daran zu hindern,
weiter Raketen auf Israel abzufeuern.
(Quellen: afp, ap)
Kämpfe im Nordosten des Kongos
So.08.10.06 - Kongolesische Regierungstruppen sind am Samstag mit Unterstützung
durch Kampfhubschrauber der UN-Truppen im Nordosten des Landes gegen
Rebellen vorgegangen. Bei den Kämpfen wurden zwei UN-Soldaten
verwundetet und mindestens ein Dutzend Rebellen der Patriotischen
Widerstandsfront Uturi getötet. Der Nordosten entzieht sich noch
weitgehend der Kontrolle der Regierung, während sich andere Teile
des Landes allmählich mit den ersten freien Parlaments- und
Präsidentenwahlen seit Jahrzehnten in Richtung Frieden und
Demokratie bewegen. 17.500 UN-Soldaten sind im Kongo stationiert.
(Quelle: ap)
100 000 Argentinier fordern Bestrafung von Diktaturverbrechern
So.08.10.06 - Etwa 100 000 Argentinier haben in der Hauptstadt Buenos Aires für
eine schonungslose Aufarbeitung der Diktaturvergangenheit demonstriert.
Sie forderten die Aburteilung aller Täter. Zugleich verlangten sie
Aufklärung über das Schicksal eines wichtigen Zeugen für
Folter und Mord unter der Militärdiktatur. Der 77-Jährige
hatte durch seine Aussage maßgeblich zur Verurteilung eines
Ex-Polizeioffiziers zu einer lebenslangen Haftstrafe beigetragen. Am Tag
der Urteilsverkündung verschwand er aber spurlos.
(Quelle: dpa)
Russland: Journalistin und Tschetschenien-Expertin Politkowskaja
getötet
So.08.10.06 - Die prominente russische Kolumnistin und Tschetschenien-Expertin Anna
Politkowskaja ist am Samstag in Moskau getötet worden. Ihre Leiche
wurde in einem Aufzug in einem Wohngebäude entdeckt, erklärte
ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AP. Die Staatsanwaltschaft
nahm nach Angaben einer Sprecherin Ermittlungen wegen Mordes auf.
Politkowskaja berichtete kritisch über den von Moskau
geführten Krieg in der abtrünnigen Kaukasusrepublik
Tschetschenien.
In dem Aufzug wurden eine Pistole und vier Kugeln gefunden, wie die
Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Polizeikreise berichtete.
Der Chefredakteur der Zeitung «Nowaja Gaseta», bei der
Politkowskaja arbeitete, sagte, das Verbrechen sei am Nachmittag in dem
Gebäude verübt worden, in dem die Journalistin wohnte.
Politkowskaja zählte zu den prominentesten russischen
Journalisten. Sie berichtete seit 1999 über den Konflikt in
Tschetschenien. Unter anderem schrieb sie ein Buch über
Präsident Wladimir Putin und dessen Vorgehen in der
Kaukasusrepublik. Dabei dokumentierte sie zahlreiche Fälle von
Misshandlung der Zivilbevölkerung durch Regierungssoldaten.
Im Oktober 2002 war sie eine von wenigen Personen, die während der
Geiselnahme in einem Moskauer Theater das Gebäude betrat und
versuchte, mit den tschetschenischen Extremisten zu verhandeln.
Nach einem Flug von Moskau nach Südrussland während der
Geiselnahme in einer Schule in Beslan 2004 erkrankte sie schwer an
Vergiftungssymptomen. An Bord hatte sie Tee getrunken. Kollegen
vermuteten damals, dass sie umgebracht werden sollte.
Im Januar 2005 wurde sie in Schweden gemeinsam mit zwei weiteren
russischen Menschenrechtsaktivisten für ihren Einsatz zur
Förderung der Demokratie in Tschetschenien mit dem
Olof-Palme-Preis ausgezeichnet.
«Wann immer die Frage aufkam, ob es in Russland ehrlichen
Journalismus gibt, wurde fast jedes Mal zuerst der Name Politkowskaja
genannt», sagte Oleg Panfilow, Direktor des Zentrums für
Journalismus in Extremsituationen mit Sitz in Moskau. Politkowskaja
habe häufig Drohungen erhalten. Vor einigen Monaten hätten
unbekannte Angreifer erfolglos versucht, in ein Auto einzudringen, in
dem ihre Tochter Vera am Steuer saß. 2001 flüchtete
Politkowskaja für mehrere Monate nach Wien, weil sie per E-Mail
Drohungen erhalten hatte, wonach ein russischer Polizist sich an ihr
rächen wolle. Sie hatte ihn beschuldigt, Gräueltaten gegen
Zivilpersonen begangen zu haben. Der Polizist wurde 2002 festgenommen,
ein Jahr darauf wurde der Fall eingestellt.
(Quelle: ap)
Tausende demonstrieren für Neuwahlen in Polen
So.08.10.06 - Rund 10.000 Anhänger der Opposition haben am Samstag mit einem
Protestmarsch durch Warschau für Neuwahlen und einen
Rücktritt von Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski
demonstriert. «Wir wollen ein besseres Leben, wir wollen ein
gutes Polen», rief der Vorsitzende der rechtsliberalen
Bürgerplattform (PO), Donald Tusk, den Demonstranten zu. Die
Menschen wollten einen Wechsel, erklärte Tusk.
Vor dem Kulturpalast in der Hauptstadt versammelten sich 4.000
Unterstützer von Kaczynskis Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS)
zu einer Gegendemonstration. Auch Anhänger der katholischen Liga
der Polnischen Familien, einem kleineren Koalitionspartner,
marschierten durch die Straßen.
Kaczynski hatte die Koalitionsregierung vor drei Wochen mit der
Entlassung seines Stellvertreters in eine Krise gestürzt und den
Verlust der Mehrheit im Parlament riskiert. Während der
Gespräche für ein neues Regierungsbündnis kamen Berichte
über Stimmenkauf und Korruption auf. Abgeordnete der Opposition
brachten im Parlament einen Antrag auf Selbstauflösung ein, was zu
Neuwahlen führen würde. Die Sitzungsperiode des Sejm beginnt
am Dienstag.
(Quelle: ap)
EU-Kommissionsvize Verheugen kritisiert Umgang der EU mit der
Türkei
So.08.10.06 - Der Vizepräsident der EU-Kommission, Günter Verheugen, hat
das Verhalten der Europäischen Union (EU) gegenüber der
Türkei kritisiert.
"Europa sendet in Richtung Türkei fast nur noch negative Signale",
sagte Verheugen der Zeitung "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht vom
Samstag. "Wir konzentrieren uns auf die Schwächen des Landes, ohne
Mut zur Veränderung zu machen. Das verursacht in der Türkei
wachsende Unlust, die von uns geforderten Reformen voranzutreiben." Dies
wiederum führe in Europa zu der Feststellung "die Türken
schafften es nicht. Das ist eine gefährliche Spirale, die in ein
weltpolitisches Versagen allererster Ordnung zu münden droht",
sagte Verheugen.
Der Politiker betonte, Ziel der Verhandlungen sei die
Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU. "Ich warne davor, ein
Scheitern dieser Verhandlungen herbeizureden."
Zuvor hatte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Besuch
in der Türkei erklärt, sie stehe zu den von der
rot-grünen Vorgängerregierung und anderen EU-Staaten
beschlossenen EU-Beitrittsverhandlungen mit dem Land. Auch wenn sie
persönlich und ihre Partei eine Annäherung in Form einer
privilegierten Partnerschaft bevorzugten, werde sie sich an geschlossene
Verträge halten und "faire und ergebnisoffene" Gespräche
führen. Die Türkei habe noch einen Weg vor sich. Über
einen Beitritt könne und werde erst an dessen Ende entschieden,
sagte Merkel.
(Quelle: rtr)
Merkel will Europa den Bürgern wieder näher bringen
So.08.10.06 - Mit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft will Kanzlerin Angela
Merkel den Bürgern Europa wieder näher bringen.
Viele Bürger hätten skeptische Fragen an die Europäische
Union (EU), sagte Merkel am Samstag in ihrer wöchentlichen
Internet-Botschaft. "Wir wollen als deutsche Präsidentschaft auf
diese Fragen versuchen, Antworten zu geben." Viele Menschen hätten
Angst, dass alles von Europa aus geregelt werde, sagte die Kanzlerin
auch mit Blick auf Vorbehalte gegen die geplante Verfassung. "Das darf
es nicht sein! Und deshalb müssen wir uns Mühe geben,
während unserer Präsidentschaft einen Fahrplan aufzuzeigen,
wie ein Verfassungsvertrag in Europa Realität werden kann", sagte
Merkel.
Europa müsse zudem sagen, wo seine Grenzen lägen, sagte die
Kanzlerin weiter. "Wir haben Beitrittsverhandlungen mit Kroatien und
auch mit der Türkei, aber wir wissen auch: Wir werden auf absehbare
Zeit keine weiteren Mitgliedstaaten aufnehmen können." Auch die
Beitrittsverhandlungen mit der Türkei müssten ergebnisoffen
geführt werden, betonte Merkel, die dieses Bekenntnis auch bei
ihrem Antrittsbesuch in der Türkei in den vergangenen Tagen
mehrfach wiederholt hatte. Zugleich hatte die Kanzlerin bei dem Besuch
aber darauf hingewiesen, dass sie persönlich und ihre Partei eine
privilegierte Partnerschaft einer Mitgliedschaft der Türkei in der
EU vorzögen.
Auch müsse sich Europa wieder stärker zu seinen gemeinsamen
Werten wie Freiheit und Menschenwürde bekennen. Der 50. Jahrestag
der Römischen Verträge am 25. März 2007 sei ein guter
Anlass, genau darüber zu reden. Ein gemeinsames Verständnis
der gemeinsamen Werte sei auch die Voraussetzung, mit anderen Kulturen
und Religionen in einen ernsthaften und ehrlichen Dialog einzutreten.
Deutschland übernimmt am 1. Januar 2007 für ein halbes Jahr
den Ratsvorsitz in der EU. Am kommenden Mittwoch berät das
Bundeskabinett über die Schwerpunkte für die deutsche
Ratspräsidentschaft. An der Sitzung nimmt auch
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso teil.
(Quelle: rtr)
SPD-Fraktionschef Struck löst mit neuer Merkel-Kritik
Koalitionskrach aus
So.08.10.06 - SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Struck hat mit neuer Kritik an der
Führung von Kanzlerin Angela Merkel offenen Streit zwischen den
Koalitionspartnern ausgelöst.
Merkel bezeichnete die wiederholten Attacken als Zumutung und forderte
SPD-Chef Kurt Beck auf, dem ein Ende zu bereiten. "Es reicht jetzt mit
den unaufhörlichen Angriffen von Herrn Struck auf die
Ministerpräsidenten der Union", sagte Merkel der Zeitung "Bild am
Sonntag". Sie habe den Eindruck, Struck wolle von den
Auseinandersetzungen in den eigenen Reihen ablenken.
Struck hatte in einem Interview angesichts der anstehende Steuer- und
Arbeitsmarktreformen vor neuen Konflikten mit den
Unions-Ministerpräsidenten gewarnt. "Angela Merkel hat in den
vergangenen Wochen erfahren müssen, dass sie noch einen schweren
Weg vor sich hat, die Ministerpräsidenten immer mit sich zu
nehmen", sagte Struck der Zeitung "Welt am Sonntag".
Bei den Verhandlungen über die Gesundheitsreform haben nach
Strucks Worten einige Ministerpräsidenten der Union Schwierigkeiten
bereitet. "Ich hoffe, dass die Bundeskanzlerin die
Ministerpräsidenten der Union überzeugen kann, diese
Vereinbarungen jetzt auch wirklich einzuhalten", sagte Struck. Unter
anderem CSU-Chef Edmund Stoiber und die von der CDU angeführte
Landesregierung von Nordrhein-Westfalen haben Vorbehalte zu dem
Kompromiss und eine gründliche Prüfung angekündigt.
Bei den nun anstehenden Vorhaben der großen Koalition werde sich
zeigen, ob Merkel ausreichend Durchsetzungskraft habe, sagte Struck.
Etwa bei der Steuerreform, durch die die Einnahmen der Länder
unmittelbar betroffen sind, werde "die Kanzlerin erneut vor der Aufgabe
stehen, dass sie Zusagen an die Koalition auch bei den Ländern
einfordern muss".
Auch der SPD-Vorsitzende Beck kritisierte das Verhalten Stoibers und
warnte vor einer Wiederholung. "Herr Stoiber wird nicht noch einmal das
gemeinsam Verhandelte zu gefährden versuchen. Er würde sich
selbst lächerlich machen", sagte Beck der "Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung".
Merkel sagte der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht: "CDU und CSU
empfinden die täglich wiederholten Attacken als Zumutung." Hier sei
SPD-Chef Beck gefordert. "Die Koalition kann nur gelingen, wenn die SPD
Respekt vor der gesamten Union hat, ebenso wie das die SPD
selbstverständlich auch umgekehrt gegenüber der Union für
sich in Anspruch nehmen kann."
Auch CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla kritisierte Struck scharf.
"Herr Struck hätte besser jetzt einmal geschwiegen", sagte er
Reuters. Statt ständig die Union zu kritisieren, solle er die
eigene Fraktion bei der Gesundheitsreform auf Linie bringen, sagte
Pofalla mit Blick auf heftige Kritik des linken SPD-Flügels am
Gesundheitskompromiss.
Struck hatte erst Ende September mit Kritik an der Regierungsarbeit der
Union für Unmut beim Koalitionspartner gesorgt. Damals hatte er
gesagt, er habe Verständnis dafür, dass es in der Union wegen
schlechter Umfragen und Wahlergebnisse Unsicherheit gebe. Es sei eben
leichter, in der Opposition zu sein, als in der Regierung unbequeme
Reformen und Steuererhöhungen durchzusetzen. In mehreren Umfragen
war die Union in den vergangenen Wochen hinter die SPD
zurückgefallen.
Schon im Juli hatte es einen Koalitionskrach gegeben, nachdem Struck
der Bundeskanzlerin vorgehalten hatte, sie habe sich bei den Beratungen
zur Gesundheitsreform nicht an Absprachen gehalten.
(Quelle: rtr)
Streit um Gesundheitsreform geht in Koalition weiter
So.08.10.06 - Trotz des von den Koalitionsspitzen ausgehandelten Kompromisses
hält der Streit um die Gesundheitsreform in Union und SPD an.
Für neuen Zündstoff sorgte CSU-Landesgruppenchef Peter
Ramsauer mit seiner Lesart der beschlossenen Belastungsgrenzen für
Geringverdiener. Die Parteilinke der SPD sowie der
Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU),
forderten Veränderungen des Kompromisses. Die Privatkassen drohten
mit Verfassungsklage.
Unterschiedlich gedeutet wird in der Koalition der Zusatzbeitrag, den
finanzschwache Krankenkassen von ihren Mitgliedern erheben können,
wenn sie mit dem Einheitsbeitrag aus dem geplanten Gesundheitsfonds
nicht auskommen. Dieser Zusatzbeitrag soll zwar einerseits ein Prozent
des Bruttoeinkommens nicht übersteigen. Zugleich wurde aber auch
festgelegt, dass von Geringverdienern ein Beitrag von bis zu acht Euro
monatlich verlangt werden kann. Ramsauer nannte die acht Euro nun in
der "Berliner Zeitung" eine "Art Sockelbetrag". Dies heiße, dass
auch wer weniger als 800 Euro brutto im Monat verdiene, bis zu acht
Euro zahlen müsse - und damit mehr als ein Prozent seines
Bruttoeinkommens.
Die SPD wies diese Lesart zurück. Generalsekretär Hubertus
Heil erklärte in Berlin, die acht Euro seien kein pauschaler
Sockelbetrag, die Vereinbarungen seien eindeutig. Die SPD-Parteispitze
wehrt sich vor allem gegen die Deutung, dass die acht Euro generell von
jedem Versicherten erhoben werden können, weil dies aus ihrer
Sicht der Einstieg in die von ihr abgelehnte Kopfpauschale wäre.
Ein SPD-Sprecher ergänzte allerdings, dem Kompromiss zufolge sei
zwar nicht generell, aber unter bestimmten Bedingungen durchaus
möglich, dass die Kassen von Versicherten mit weniger als 800 Euro
brutto bis zu acht Euro verlangen.
Nach Darstellung des SPD-Sprechers können die Kassen den
Zusatzbeitrag in grundsätzlich zwei Formen veranschlagen: indem
sie einen bestimmten Prozentsatz des Bruttoeinkommens ansetzen oder
einen pauschalen Einheitsbetrag erheben. Bei der prozentualen Variante
gelte, dass der Betrag in keinem Falle ein Prozent des Bruttoeinkommens
übersteigen dürfe. Insofern habe Ramsauer mit seiner Deutung
Unrecht. Erhebe die Kasse allerdings einen Pauschalbetrag, könne
sie von jedem Versicherten bis zu acht Euro verlangen, also auch von
solchen mit weniger als 800 Euro Bruttoeinkommen.
Die SPD-Linke im Bundestag kündigte unterdessen an, sie wolle bei
den parlamentarischen Beratungen noch Veränderungen erreichen.
Besonders die Grundsätze Vorbeugung von Krankheiten,
Solidarität und stärkere Effizienz müssten stärker
zum Tragen kommen, sagte der Sprecher der Gruppe, Ernst Dieter
Rossmann, der Zeitung "Die Welt". Auch Sachsens-Anhalts
Ministerpräsident Böhmer zweifelte an, dass die Reform
bereits unter Dach und Fach ist. Die Reform sei "durchaus
verbesserungsfähig", sagte er der "Bild am Sonntag".
CSU-Chef Edmund Stoiber verteidigte dagegen die Vereinbarungen. Er
vertrete die Einigung, sagte er bei einer Landesversammlung der Jungen
Union Bayern. Auch Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU)
begrüßte den Kompromiss: "Wir haben soziale Quälereien
gegenüber Kranken vollständig vermieden", sagte er dem
Magazin "Focus". DGB-Chef Michael Sommer nannte die Vereinbarung im
RBB-Inforadio dagegen einen "Krüppel". Die Reform werde
spätestens nach der nächsten Bundestagswahl verändert
werden müssen.
Der Direktor des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV),
Volker Leienbach, drohte unterdessen, wenn sich bei Umsetzung der
Pläne bestätige, dass rechtliche Hürden ignoriert worden
seien, "wird eine verfassungsrechtliche Klärung unausweichlich
sein". Leienbach nannte in der "Frankfurter Rundschau" den geforderten
Basistarif bei den privaten Krankenversicherungen einen "Eingriff in
bestehende Verträge".
(Quelle: afp)
Überraschendes Auftragshoch für Industrie im August
So.08.10.06 - Überraschend volle Auftragsbücher der deutschen Industrie im
August haben die Hoffnung auf eine anhaltende Erholung des Sektors in
der zweiten Jahreshälfte genährt.
Die Unternehmen verzeichneten saisonbereinigt 3,7 Prozent mehr Orders
als im Juli, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte.
"Ich denke, wir sind mitten im konjunkturellen Höhepunkt", sagte
Gerd Haßel von der BHF-Bank. Die deutsche Wirtschaft sei besser in
Schwung als viele annähmen, ergänzte Bernd Weidensteiner von
der DZ Bank. Der kräftige Anstieg übertraf selbst die
kühnsten Marktprognosen von plus 1,0 Prozent deutlich.
Im Schnitt hatten 47 von Reuters befragte Analysten für August
sogar ein Minus von 0,5 Prozent erwartet. Der HVB/Reuters-Indikator auf
Grundlage der Daten aus Bayern und Nordrhein-Westfalen hatte ein Plus
von 0,9 Prozent vorhergesagt. Maßgebliche Impulse für die
Zunahme der Bestellungen kamen dem Ministerium zufolge wie im Vormonat
aus dem Bereich der Investitionsgüter. "Die zuvor schon sehr starke
Nachfrage nach Kapitalgütern machte mit plus 5,9 Prozent sogar
nochmals einen riesigen Satz nach oben", sagte Postbank-Analyst
Heinrich Bauer. Auch das Ordervolumen bei den Konsumgüter- und
Vorleistungsgüterproduzenten stieg - mit jeweils 1,4 Prozent
allerdings moderater als die Investitionsgüter.
Wie bereits im Vormonat gingen bei den deutschen Industriebetrieben
überdurchschnittlich viele Bestellungen mit hohen Volumina ein.
"Großaufträge dürften jetzt wieder die wesentliche Rolle
gespielt haben", sagte Haßel. Zudem sähe es aus, als ob nun
viele Investitionen nachgeholt werden, die lange Zeit aufgeschoben
worden seien, sagte Thomas Amend von HSBC Trinkaus & Burkhardt:
"Produkte 'Made in Germany' sind gefragt." Eine kräftige Nachfrage
kam sowohl aus dem Inland mit einem Plus von 3,3 Prozent als auch
erneut etwas stärker aus dem Ausland mit einem Plus von 4,0
Prozent. Ein positives Zeichen ist Weidensteiner zufolge, dass wieder
mehr Aufträge aus der Eurozone kämen.
Der Auftragseingang ist neben der Produktion der wichtigste
realwirtschaftliche Konjunkturindikator. Wegen Großaufträgen
kann er von Monat zu Monat stark schwanken. Im stabileren
Zweimonatsvergleich August/Juli zu Juni/Mai legten die Bestellungen 4,3
Prozent zu. Die für das Wirtschaftsgeschehen besonders wichtigen
Hersteller von Investitionsgütern verzeichneten dem Ministerium
zufolge mit einem Plus von 7,3 Prozent den weitaus stärksten
Zuwachs in dem Zweimonatszeitraum.
Für die deutsche Konjunktur insgesamt sieht es Weidensteiner
zufolge auch in der zweiten Jahreshälfte ganz gut aus: "Die
Auftragsdaten dürften sich besonders im vierten Quartal und auch zu
Jahresbeginn 2007 positiv bemerkbar machen, da die Aufträge dann
abgearbeitet werden." Commerzbank-Experte Matthias Rubisch sieht die
Industrie für das kommende Jahr robuster aufgestellt als andere
Sektoren: "Sie dürfte besser laufen als der Rest der Wirtschaft,
weil sie von der Mehrwertsteuererhöhung nicht so stark betroffen
ist." Die gute Auftragslage der Industrie könnte Weidensteiner
zufolge über das Schlagloch Anfang nächsten Jahres
hinweghelfen, das die Erhöhung der Mehrwertsteuer zu reißen
drohe.
(Quelle: rtr)
Beschäftigte in deutschen Industriebetrieben verdienen mehr
So.08.10.06 - Die Verdienste von Arbeitern und Angestellten in deutschen
Industriebetrieben sind im Juli etwas stärker gestiegen als die
Verbraucherpreise.
Mit einem durchschnittlichen Monatsverdienst von brutto rund 3100 Euro
verdienten Arbeitnehmer im Produzierenden Gewerbe 2,1 Prozent mehr als
im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt auf Basis
vorläufiger Berechnungen am Freitag mitteilte. Die
Verbraucherpreise stiegen im gleichen Zeitraum mit 1,9 Prozent etwas
langsamer. Die Gehälter von Angestellten legten den Statistikern
zufolge um 1,6 Prozent auf durchschnittlich 3950 Euro zu, während
die Löhne von Arbeitern um 2,1 Prozent auf rund 2600 Euro stiegen.
In der Dienstleistungsbranche - dort sind nur Angestellte erfasst -
seien die Bruttogehälter im Juli wie in den Vormonaten geringer
geblieben als bei den Angestellten im Produzierenden Gewerbe: Im Handel
verdienten sie mit durchschnittlich 2.800 Euro insgesamt 1,3 Prozent
mehr als im Vorjahresmonat, bei den Banken und Versicherungen stiegen
ihre Verdienste um rund 2,1 Prozent auf rund 3500 Euro.
(Quelle: rtr)
Widerstand gegen CDU/CSU-Pläne bei Hartz-IV
So.08.10.06 - Nach dem Streit über die Gesundheitsreform stehen der Koalition
bei der Überarbeitung der Hartz-IV-Arbeitsmarktgesetze neue
Konflikte ins Haus.
SPD-Fraktionschef Peter Struck lehnte in der «Welt am
Sonntag» Unions-Forderungen nach schärferen Sanktionen gegen
Langzeitarbeitslose ab, die angebotene Jobs oder
Fördermaßnahmen verweigern. DGB-Chef Michael Sommer wandte
sich in der «Bild am Sonntag» dagegen, den Druck auf
Hartz-IV-Empfänger noch weiter zu verschärfen. Die Leistungen
lägen heute bereits am Rande dessen, was die Menschen zum Leben
benötigten.
Nach Unions-Vorstellungen sollen Kürzungen bei arbeitsunwilligen
Hartz-IV-Empfängern künftig «unmittelbar kraft Gesetzes
wirksam werden» und zugleich auch so lange bestehen bleiben, bis
der Langzeitarbeitslose den angebotenen Job oder die
Fördermaßnahme annimmt. Dies berichtet der
«Spiegel» unter Berufung auf ein internes Papier der
CDU/CSU-Arbeitsmarktpolitiker. Bisher entscheiden die Fallmanager in
der Arbeitsverwaltung, ob die Ablehnung eine Kürzung von bis zu
drei Monaten rechtfertigt. Wie die «Financial Times
Deutschland» (Montag) schreibt, will die Union auch den
Urlaubsanspruch für Hartz-IV-Empfänger streichen. Bei
Ablehnung von Sprachförderkursen sollen staatliche Mittel für
ein halbes Jahr gesperrt werden.
Struck sagte, die Vorschläge der CDU/CSU-Arbeitsgruppe würden
im Arbeitsministerium und in seiner Fraktion «sorgsam
geprüft». Struck: «Aber was mir bisher aus der
Arbeitsgruppe bekannt geworden ist, kann die SPD-Fraktion so nicht
mittragen.»
Dagegen rechtfertigte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla die von
seiner Partei geplanten Kürzungen. «Wenn zumutbare Arbeit
abgelehnt wird, müssen wir zu schärferen Kürzungen
kommen, das halte ich für absolut notwendig», sagte Pofalla
beim Landesparteitag der Sachsen- CDU in Pirna.
DGB-Chef Sommer kritisierte den Unions-Vorschlag, wonach Hartz-IV-
Empfänger künftig nur noch ein Auto im Wert von weniger als
10 000 Euro besitzen dürfen. Dies stimme ihn
«traurig», sagte Sommer. «Ich weiß nicht, was
Politiker treibt, eine solche Form von Sozialneid zu schüren. Die
meisten Arbeitslosen sind froh, wenn sie sich ein Bahn- oder Bus-Ticket
leisten können und sind keine professionellen Faulenzer.»
Zugleich bekräftigte Sommer die Forderung nach einem Mindestlohn
in Deutschland. «Wir brauchen endlich Mindestlöhne von
mindestens 7,50 Euro die Stunde. Es darf nicht sein, dass eine
Friseurin in Thüringen oder ein Landarbeiter in
Nordrhein-Westfalen für Elendslöhne von 4 Euro die Stunde
oder weniger schuften muss.» In Großbritannien und
Frankreich habe der Mindestlohn keine Jobs vernichtet.
Struck erwartet bei dem Thema harte Diskussionen in der Koalition. Die
Kombilohn-Vorstellungen von CDU/CSU und Arbeitgebern seien nicht
finanzierbar. «Wir wollen sie aus inhaltlichen Grünen
nicht», sagte der SPD-Fraktionschef. Er hoffe, dass «die
Union einsehen wird, dass es unzumutbar ist, wenn Menschen, die
arbeiten, dabei weniger Geld verdienen, als jemand zur Verfügung
hat, der von Arbeitslosengeld II lebt».
Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte
Pothmer, warf der Union vor, «aus der Arbeitsmarktpolitik
zunehmend eine Strafvollzugspolitik» zu machen. «Noch nie
in der Geschichte der Bundesrepublik haben sich Regierungsparteien
derart abfällig, denunzierend und drangsalierend gegenüber
denjenigen verhalten, die ohnehin schon durch Langzeitarbeitslosigkeit
und fehlenden schulischen- und beruflichen Qualifikationen ausgegrenzt
sind.»
(Quelle: dpa)
Wohnungswirtschaft: Jedes dritte Kind in Sachsen-Anhalt lebt in
ALG-II-Haushalt
So.08.10.06 - Jedes dritte Kind in Sachsen-Anhalt lebt in einem Haushalt eines
«Hartz IV»-Empfängers. Das monierten die
Wohnungswirtschaftliche Verbände des Bundeslandes. Es sei
bedenklich, dass diese Mädchen und Jungen in einem familiären
Umfeld aufwüchsen, in dem es keinen Kontakt mehr zur Arbeitswelt
gebe. Die Familien seien allein auf staatliche
Unterstützungsleistungen angewiesen, sagte der Direktor des
Verbandes der Wohnungswirtschaft, Jost Riecke, in einem Interview mit
der Nachrichtenagentur ddp in Magdeburg. Er befürchte nachhaltige
Auswirkungen auf das soziale Gefüge im Bundesland. Die Kinder
müssten schon jetzt vielfach mit Zukunftsängsten umgehen.
Riecke nannte das Thema Arbeitslosengeld II auch für die
Wohnungswirtschaft «ein immenses Problem». Mehr als 25
Prozent aller Bestandsmieter in kommunalen und genossenschaftlichen
Wohnungen Sachsen-Anhalts lebten in so genannten Bedarfsgemeinschaften.
Die Politik habe die Situation noch nicht in vollem Maße erkannt.
Der Verbandsdirektor befürchtet mittelfristig ein Ansteigen der
Mietschulden. In den vergangenen 18 Monaten seien zwar eine Umzugswelle
ebenso wie Mietrückstände ausgeblieben. Die Lage insgesamt
zeige sich jedoch instabil, «wenn die Kommunen nicht mit den
nötigen Finanzmitteln für die Absicherung der Kosten zur
Unterkunft» ausgestattet würden. Die Aufwendungen dafür
könnten allein in Sachsen-Anhalt von rund 560 Millionen Euro im
vergangenen Jahr auf voraussichtlich 630 Millionen Euro 2006 ansteigen.
Riecke nannte es dringend notwendig, die Mittel aufzustocken.
Explodierende Betriebskosten ließen erhebliche Nachforderungen von
den Mietern erwarten. Mit einer Deckelung der Zuweisungen für die
Kosten zur Unterkunft blieben die Vermieter sonst «auf den
zusätzlichen Ausgaben sitzen», die von den betroffenen
ALG-II-Empfängern nicht aufzubringen seien. Außerdem
appellierte er an die Politik, Anreize für ein kostenbewusstes
Wohnen zu schaffen.
(Quelle: ddp)
SPD-Chef Beck: Deutschland droht 'Unterschichten-Problem'
So.08.10.06 - Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sieht eine wachsende Unterschicht als
drohendes Problem für Deutschland. In weiten Teilen der
Bevölkerung lasse das Streben nach, sich um sozialen Aufstieg zu
bemühen, sagte Beck der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung». Deutschland habe ein «zunehmendes
Problem», manche würden es ein
«Unterschichten-Problem» nennen. Hier müsse der Staat
«unterstützend eingreifen, fördern und fordern».
«Für den Teil der Gesellschaft, der uns zu entgleiten droht,
ist der vorsorgende Sozialstaat gefragt, den meine SPD will», hob
der Parteichef hervor. So müsse in Kinderbetreuungseinrichtungen
die Sprachfähigkeit und der Leistungswille gefördert werden,
damit Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern die Chance und den
Ehrgeiz hätten, aufzusteigen.
Beck betonte, es gebe viel zu viele Menschen in Deutschland, die
keinerlei Hoffnung mehr haben, den Aufstieg zu schaffen. «Sie
finden sich mit ihrer Situation ab. Sie haben sich materiell oft
arrangiert und ebenso auch kulturell.» Es gebe Fernsehsender, bei
denen regelrecht von «Unterschichten-Programmen» gesprochen
wird. Diese Entwicklung sei «Besorgnis erregend».
(Quelle: ddp)
Rheinland-Pfalz will gebührenfreies Erststudium mit Tricks retten
So.08.10.06 - Rheinland-Pfalz will seinen Landeskindern notfalls mit der
Rückerstattung von Studiengebühren über Stipendien ein
gebührenfreies Erststudium ermöglichen. Der Sprecher des
Wissenschaftsministeriums, Michael Au, sagte der Nachrichtenagentur AP
am Samstag zu einem Bericht des «Spiegel», es gebe derartige
Überlegungen als eine Art «Plan C». Dieser solle aber
nur dann greifen, falls der vom Land gewünschte Systemwechsel in
der Hochschulfinanzierung nicht zu Stande komme und auch die als
Alternative geplante Landeskinderreglung juristisch zu Fall gebracht
werde.
Die Rheinland-Pfalz umgebenden CDU-regierten Bundesländer Hessen,
Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Saarland führen
allgemeine Studiengebühren ab dem ersten Semester ein, was das
SPD-regierte Rheinland-Pfalz ablehnt. Das Land befürchtet nun einen
Ansturm von Studierenden aus anderen Bundesländern, die den
Gebühren entgehen wollen. Deshalb plädiert
Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner innerhalb der
Kultusministerkonferenz für einen Systemwechsel in der
Hochschulfinanzierung: Mit der Einführung eines
«Vorteilsausgleichs» sollen zwischen den Bundesländern
Ausgleichszahlungen für landesfremde Studierende erfolgen.
«Damit hätte man faire Wettbewerbsbedingungen», sagte
Au.
Falls es zu keiner Einigung auf einen solchen Ausgleich kommt, bereitet
Rheinland-Pfalz eine Novellierung des Hochschulgesetzes mit dem Ziel
einer Landeskinderreglung vor: Damit sollen ab Sommersemester 2007 nur
noch diejenigen gebührenfrei studieren können, die ihren
Erstwohnsitz im Land haben, für alle anderen werden 500 Euro pro
Semester fällig.
Allerdings hat das Bremer Verwaltungsgericht im August in einer
Eilentscheidung zu einer ähnlichen Regelung erklärt, dass
diese gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoße. Au erklärte,
man gehe davon aus, dass die rheinland-pfälzischen Vorstellungen
verfassungskonform seien, garantieren könne man dies aber nicht.
«Insofern gibt es natürlich strategische Überlegungen,
falls gegen eine solche Regelung geklagt würde, um weiterhin am
politischen Ziel eines gebührenfreien Erststudiums festhalten zu
können.»
Der «Spiegel» berichtete, das Ministerium prüfe
Modelle, nach denen etwa pro forma Studiengebühren eingeführt
würden, alle in Rheinland-Pfalz lebenden Studenten diese aber in
Form von Stipendien oder freiwilligen Sozialleistungen erstattet
bekämen. «Es ist korrekt, dass es solche Überlegungen
gibt», sagte Au. Die Mainzer Universität plant bereits
Zulassungsbeschränkungen für alle Fächer, um eine
befürchtete Wanderung von Studierenden aus Hessen abzuwehren.
(Quelle: ap)
'Magier der Sprache' - Georg-Büchner-Preisträger Oskar
Pastior gestorben
So.08.10.06 - Der Schriftsteller und diesjährige Träger des
Georg-Büchner-Preises, Oskar Pastior, ist tot. Er starb in der
Nacht zum Donnerstag in Frankfurt am Main, wenige Tage vor seinem 79.
Geburtstag und der Verleihung des Büchner-Preises, der
bedeutendsten Literaturauszeichnung in Deutschland. Die Deutsche
Akademie für Sprache und Dichtung, die den Preis nun posthum
verleihen will, und Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU)
würdigten das Werk des Verstorbenen.
Neumann hob hervor, Pastior sei einer der bedeutendsten Schriftsteller
der Gegenwart und in der deutschen Literatur eine «besonders
eindrückliche, unverwechselbare Stimme» gewesen. «Ganze
Kontinente unserer Sprache» habe Pastior neu entdeckt. Die
«virtuose Sprachkunst» Pastiors sei für den Leser
Genuss, aber auch Herausforderung.
Einen «unvergleichlichen Magier der Sprache» nannte die
Deutsche Akademie den verstorbenen 78-Jährigen. Pastior habe mit
Phantasie und Witz ein Werk geschaffen, «dessen poetische
Sprachwelten, fernab von Klischee und Kommerz, die lautsinnliche
Materialität des Wortes zu schönsten Entfaltung bringen».
Pastior, der in Berlin lebte, war nach Frankfurt wegen der Buchmesse
gekommen. Gebürtig stammt er aus Hermannstadt in Siebenbürgen.
Dort war er am 20. Oktober 1927 zur Welt gekommen. Als Angehöriger
der deutschen Minderheit in Rumänien wurde Pastior 1945 zur
Zwangsarbeit in die Ukraine deportiert. Nach der Rückkehr 1949
schlug er sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten durch, bis er
1955 ein Germanistik-Studium in Bukarest beginnen konnte.
Anschließend arbeitete er als Redakteur beim Rumänischen
Rundfunk.
1968 kehrte er von einem Aufenthalt in der Bundesrepublik nicht mehr in
seine Heimat zurück. Sein literarisches Debüt in Deutschland
gab Pastior 1969 mit dem Band «Vom Sichersten ins
Tausendste». Als freier Autor verfasste er vor allem
Gedichtbände und Hörspiele, er war aber auch als
Übersetzer, Herausgeber und Filmemacher tätig. Pastiors Werk
wurde mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt erhielt er 2001 den
Peter-Huchel-Preis und 2002 den Erich-Fried-Preis.
(Quelle: ddp)
Mit 'Merz' Netzwerke schaffen
So.08.10.06 - Das Werk Kurt Schwitters´ steht ab heute im Mittelpunkt einer
Ausstellung im Sprengel-Museum Hannover. Nicht nur der Künstler,
sondern vor allem die Netzwerke, die er geschaffen habe, würden
gezeigt, sagte Kuratorin Karin Schulz am Freitag. Die Schau
«Merzgebiete. Kurt Schwitters und seine Freunde» stelle den
aus Hannover stammenden Schwitters (1887-1948) als einen der
wichtigsten Vertreter der internationalen Avantgarde vor und
veranschauliche seine Beziehungen zu den künstlerischen
Strömungen seiner Zeit. Schwitters wurde unter anderem durch seine
«Merz»-Bilder berühmt.
Mit «Merz» bezeichnete der Künstler eine Technik, aus
Zeitungsausschnitten, Reklame und Abfall Collagen zu erstellen. Der
Begriff «Merz» entstand den Angaben zufolge bei der Arbeit
an einer Collage aus dem Wort «Commerzbank» und weckt unter
anderem Assoziationen zu «Kommerz»,
«ausmerzen», «Scherz» und «Herz».
Als Gegenprojekt zu dem eher destruktiven Dadaismus sollten die Bilder
und Skulpturen für einen Wiederaufbau stehen. Schwitters selbst
schrieb 1924, «Merz bedeutet Beziehungen schaffen, am liebsten
zwischen allen Dingen der Welt».
Unter diesem Aspekt sei auch die Ausstellung angelegt, erläuterte
Schulz. Schwitters´ ständiger künstlerischer Austausch
mit seinen Freunden aus aller Welt spiegele sich in der Struktur der
Schau wider. Die gezeigten Adressbücher, die er nach so genannten
«Merzgebieten» ordnete, enthielten eine Vielzahl bekannter
Namen von Künstlern, Galeristen, Verlegern und Sammlern. Sie
verwiesen auf sein internationales Netzwerk, das sich von Hannover
über Basel nach Rom und von Prag nach Berlin, Paris und Rotterdam
bis nach New York erstreckte. Offenbar hätten diese
wechselseitigen Einflüsse die Entwicklung und das Erscheinungsbild
der Werke von Schwitters und seinen Freunden geprägt.
Bis zum 4. Februar 2007 werden über 300 Gemälde, Assemblagen,
Collagen, Reliefs und Skulpturen sowie Dokumente präsentiert.
Neben Werken von Kurt Schwitters sind auch Arbeiten von Hans Arp, El
Lissitzky, Wassily Kandinsky, Piet Mondrian und Paul Klee zu sehen.
Leihgaben unter anderem aus Museen in New York und Paris ergänzen
die Hannoveraner Bestände.
Der deutsche Maler, Dichter und Werbegrafiker Kurt Schwitters gab
unregelmäßig eine Zeitschrift mit dem Titel
«Merz» heraus und arbeitete als Werbe- und
Gebrauchsgrafiker unter anderem für die Stadt Hannover und den
Schreibwarenhersteller Pelikan. Als Lyriker und Schriftsteller wurde
Schwitters mit dem 1919 verfassten Gedicht «An Anna Blume»
bekannt. Eine Version des Gedichtes verbreitete er 1920 als Werbung
für seinen neuen Gedichtband an den Litfasssäulen in
Hannover. 1935 emigrierte Schwitters nach Norwegen, 1940 nach
Großbritannien, wo er 1948 auch verstarb.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
NASA begeistert über Panoramabilder vom Mars
So.08.10.06 - Der kleine Mars-Rover «Opportunity» hat erste
Panorama-Bilder in Farbe von einem großen Mars-Krater zur Erde
geschickt - und die NASA ist völlig begeistert.
«Es ist, als stünde man am Grand Canyon und hat die
Gelegenheit, von verschiedenen Seiten herunterzublicken, bevor man dann
herabsteigt», schwärmte Wissenschaftler James Bell auf einer
Pressekonferenz am Freitag im Washingtoner Hauptquartier der
US-Weltraumbehörde.
Die Bilder wurden vom Rande des Victoria-Kraters aufgenommen, den
«Opportunity» am 28. September erreicht hatte. Mit einer
Breite von etwa 800 und einer Tiefe von 60 Metern ist es bei weitem der
größte Krater, den der Roboter und sein
«Zwilling», der Rover «Spirit», seit ihrer
Ankunft auf dem Roten Planeten im Frühjahr 2004 besucht haben.
Vor allem die Tiefe hat die Wissenschaftler in Aufregung versetzt.
Nachdem die Rover bereits in der Vergangenheit Beweise für die
frühere Existenz von Wasser auf dem Mars gefunden haben,
versprechen sich die Experten nun von der Untersuchung der vielen
verschiedenen freigelegten Krater-Gesteinsschichten detailliertere
Erkenntnisse. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob es
ständig Wasser auf dem Planeten gab oder nur ab und zu. Vor diesem
Hintergrund nannte die NASA die Fotos am Freitag auch den Beginn einer
der wahrscheinlich «fruchtbarsten» Phasen bei der
Erforschung des Roten Planeten.
«Opportunitys» Bilder zeigen den Wissenschaftlern zufolge
bisher noch nie gesehene «Muster» in den Gesteinsschichten.
Sie wichen deutlich voneinander ab - ein Zeichen dafür, dass die
Umweltbedingungen nicht konstant waren, wie Steven Squyres von der
Cornell University auf der Pressekonferenz sagte.
Um die Freude der Wissenschaftler voll zu machen, konnten der Welt am
Freitag auch neue Aufnahmen gezeigt werden, die der Mars Reconnaissance
Orbiter gemacht hat, eine Sonde, die den Mars umkreist. Die Fotos zeigen
unter anderem auch den Victoria-Krater - und «Opportunity»
am Rande des Schlunds.
Der kleine Rover hat bisher von einer Ebene aus «geknipst»,
die «Entenbucht» genannt wird. Demnächst soll sich der
Roboter auf einen in den Krater reichenden Gesteinsvorsprung vorwagen,
und dann werden die Wissenschaftler allerdings auf eine Geduldsprobe
gestellt. Weil sich die Sonne jetzt zwischen Erde und Mars befindet,
wird die NASA mehrere Wochen lang nicht mit «Opportunity»
kommunizieren können.
Ursprünglich hatte die Weltraumbehörde den Mars-Rovern nur
eine Lebensdauer von je etwa drei Monaten eingeräumt. Mit
mittlerweile mehr als 900 Tagen hat «Opportunity» auch die
kühnsten Hoffnungen weit übertroffen. Und es gibt immer noch
keine Anzeichen dafür, dass ihm die Puste ausgeht. «Er zeigt
einige Alterserscheinungen, aber ist in guter Form, um den
Victoria-Krater zu erforschen, sagte Rover- Projektmanager John Callas
am Freitag.
(Quelle: dpa)
Raumfähre 'Atlantis' kehrte mit winzigem Loch aus dem All
zurück
So.08.10.06 - Weltraummüll hat beim jüngsten Einsatz der
«Atlantis» ein winzig kleines Loch in die US-Raumfähre
geschlagen. Der dabei entstandene Schaden habe die Besatzung aber nicht
gefährdet, zitierte die Zeitung «The New York Times» am
Freitag NASA-Sprecher James Hartsfield. Der Mikrometeorid sei in der
Nähe der Türen zum Frachtraum in ein Kühlelement
eingeschlagen. Das für die sichere Landung der Raumfähre
wichtige Hitzeschild habe er nicht getroffen. Am Punkt des Einschlags
sei das Loch 2,5 Millimeter groß, im Inneren des Elements, wo das
Teilchen zerschellte, wurde ein Schaden von 2,5 Zentimeter mal 1,25
Zentimeter Ausmaß gemessen.
(Quelle: ap)