Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertzweiunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Gewalt im Irak kostet erneut Dutzende Menschen das Leben. 51 Leichen in
Iraks Hauptstadt Badgad entdeckt. Gefechte mit Schiitenmiliz im Irak:
30 Aufständische getötet. Australier für Truppenabzug
aus dem Irak
Mo.09.10.06 - Bei Anschlägen und Schießereien sind am Wochenende im Irak
erneut Dutzende Menschen getötet worden. Irakische und US-Soldaten
erschossen bei einem Gefecht in Diwanija am Sonntag nach eigenen
Angaben 30 Aufständische. Ein Selbstmordattentäter riss am
Samstag im Norden des Landes 14 Menschen mit in den Tod. Sunnitische
Rebellen und schiitische Milizen überziehen Bagdad seit Monaten
mit einer Welle der Gewalt. Auch der Einsatz von fast 50.000
amerikanischen und irakischen Soldaten konnte dem bislang keinen
Einhalt gebieten. Die Polizei in Bagdad entdeckte binnen 24 Stunden
mehr als 50 Leichen, wie ein Sprecher am Sonntag mitteilte. Etliche der
Opfer wurden vor ihrem Tod offenbar gefoltert.
Das mehrstündige Feuergefecht in Diwanija, 130 Kilometer
südlich von Bagdad, entbrannte nach einer Razzia kurz nach
Mitternacht, wie die US-Streitkräfte mitteilten. Die Truppen waren
demnach auf der Suche nach einem Kommandeur der schiitischen
Mahdi-Miliz, der die Ermordung von Sunniten vorgeworfen wird. Vier
Verdächtige seien festgenommen worden. Ein Sprecher der Miliz
erklärte, die Aufständischen hätten keine Verluste
erlitten. Nach dem Gefecht verhängten die Behörden eine
Ausgehsperre.
Der Selbstmordattentäter im nordirakischen Tal Afar raste mit
seinem mit Sprengstoff beladenen Wagen in einen Kontrollpunkt der
Polizei, wie die Behörden mitteilten. Unter den 14 Todesopfern
waren vier Polizisten, 13 Menschen wurden verletzt. Bei der Explosion
einer am Straßenrand versteckten Bombe wurden am Sonntag in der
Nähe von Tikrit vier Menschen getötet, wie ein
Polizeisprecher mitteilte. In Bakuba beschossen Bewaffnete einen
Minibus, in dem eine schiitische Familie unterwegs war. Eine Frau, ihre
sechsjährige Tochter und der Fahrer wurden getötet.
In Mossul wurde am Samstag eine Frau erschossen, die zu Fuß mit
ihrem fünfjährigen Sohn unterwegs war. Der Junge blieb nach
Polizeiangaben unversehrt. Beim Einschlag einer Mörsergranate auf
ihr Haus in Iskandarija, rund 50 Kilometer südlich von Bagdad,
wurden zwei Menschen getötet und vier verletzt. Landesweit kamen
am Wochenende mindestens 36 Menschen ums Leben.
Bei einer Großrazzia in der nordirakischen Stadt Kirkuk nahmen
rund 2.000 Polizisten und irakische Soldaten 150 mutmaßliche
Aufständische fest und beschlagnahmten mehrere hundert Gewehre und
Pistolen. Die Behörden hatten zuvor eine Ausgangssperre
verhängt. Der Schritt diene der Sicherheit der Stadt und solle
verhindern, dass sich Terroristen neu organisieren und Anschläge
verüben könnten, erklärte ein Polizeisprecher am
Samstag. In Kirkuk war es in den vergangenen Wochen zu einer Welle der
Gewalt gekommen.
In der Provinz Dijala töteten irakische Sicherheitskräfte
nach Regierungsangaben bei Razzien am Samstag zwei mutmaßliche
Al-Kaida-Mitglieder. Rund 40 Verdächtige wurden festgenommen.
Die US-Streitkräfte gaben den Tod von drei weiteren Soldaten
bekannt. Ein Soldat starb demnach bei einem Angriff am Samstag
nordwestlich von Bagdad, ein weiterer wurde ebenfalls am Samstag bei
einer Bombenexplosion getötet. Der dritte wurde am Freitag bei
Kämpfen in der Nähe von Beidschi im Nordirak getötet.
Der Einsatz australischer Soldaten im Irak stößt bei der
Bevölkerung des Landes immer mehr auf Ablehnung. Bei einer am
Montag veröffentlichten Umfrage plädierten 59 Prozent
für einen Truppenabzug und nur 36 Prozent für einen Verbleib.
Bei der Erhebung von AC Nielsen für die Zeitung «Sydney
Morning Herald» zeigte sich auch, dass die oppositionelle Labour
Party nicht zuletzt wegen ihrer Ablehnung des Irak-Engagements um zwei
Prozentpunkte auf 54 Prozent zulegen konnte.
Die Mitte-rechts-Koalition von Ministerpräsident John Howard kann
demnach nur mit der Zustimmung von 46 Prozent der 1.408 Befragten
rechnen. Howard ist in der Irak-Politik einer der engsten
Verbündeten von US-Präsident George W. Bush. Zurzeit sind
noch 1.300 australische Soldaten im Irak stationiert, zu Beginn des
Krieges im März 2003 waren es 2.000. In Australien finden Ende
kommenden Jahres Parlamentswahlen statt.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 09.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertachtundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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NATO-Kommandeur warnt vor wachsender Unterstützung für Taliban
Mo.09.10.06 - Der oberste NATO-Kommandeur in Afghanistan hat vor einer wachsenden
Unterstützung für die Taliban gewarnt, sollten sich die
Lebensbedingungen im Land nicht rasch verbessern. Afghanistan befinde
sich an einem Scheideweg, sagte ISAF-Kommandeur Generalleutnant David
Richards am Sonntag in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Wenn
die Menschen in den kommenden sechs Monaten keine Verbesserungen
vorfänden, könnte ein Großteil der Bevölkerung die
Seiten wechseln.
Viele wollten eher die Taliban unterstützen als weitere fünf
Jahre Kämpfe und Gewalt in Kauf zu nehmen, sagte Richards.
Vor allem im Süden und Osten Afghanistans sind die Taliban wieder
erstarkt. Mit der Tötung von mehr als 500 Extremisten in den
südlichen Provinzen Kandahar und Helmand hätten die
NATO-Truppen zwar deutliche Erfolge erzielt, betonte Richards. Wenn die
Streitkräfte darauf aber nicht aufbauen könnten, sei auch die
Stationierung tausender weiterer Soldaten sinnlos, «weil wir dann
die Zustimmung der Bevölkerung verloren haben».
Nach Angaben der NATO haben Aufständische in Afghanistan in diesem
Jahr bislang 78 Selbstmordanschläge verübt. Dabei seien fast
200 Menschen ums Leben gekommen - 142 afghanische Zivilpersonen, 40
afghanische Sicherheitskräfte und 13 Soldaten der internationalen
Koalition. Den Angaben zufolge nahm das Militärbündnis zehn
potenzielle Selbstmordattentäter fest. Der afghanische
Geheimdienst hatte kürzlich die Festnahme von weiteren 17
potenziellen Attentätern bekanntgegeben. Die Kämpfe im
Süden des Landes seien seit August und September abgeflaut, sagte
NATO-Sprecher Mark Laity.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hanija bekräftigt Verweigerung der Anerkennung Israel
Mo.09.10.06 - Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija hat die
Weigerung seiner Hamas-Regierung zur Anerkennung Israels
bekräftigt. Aus diesem Grund habe er auch Probleme mit den
vorliegenden Friedensplänen, sagte Hanija am Sonntag bei einer
religiösen Zeremonie am Ende des Fastentages in Gaza. Er stellte
sich damit selbst gegen den Friedensplan Saudi-Arabiens und der
Arabischen Liga aus dem Jahre 2002. Dieser sieht eine Anerkennung
Israels vor, falls die seit 1967 besetzten Gebiete vollständig
geräumt werden.
Ferner setzte sich Hanija mit seinen Äußerungen einer
Fortsetzung des internationalen Finanzboykotts gegen seine Regierung
aus. Auch die Bildung einer palästinensischen Regierung der
nationalen Einheit ist daran gescheitert, dass die
gemäßigtere Fatah von Präsident Mahmud Abbas auf der
Anerkennung Israels sowie der bisherigen Friedensvereinbarungen
zwischen Israelis und Palästinensern besteht. Gleichwohl sprach
sich Hanija abermals für eine solche Koalitionsregierung aus.
(Quelle: ap)
Nordkorea vermeldet ersten erfolgreichen Atomwaffentest
Mo.09.10.06 - Nordkorea hat laut einer Meldung seiner amtlichen Nachrichtenagentur
einen erfolgreichen Atomwaffentest durchgeführt. Dabei sei keine
Radioaktivität ausgetreten, berichtete KCNA am Montag. «Der
Atomwaffentest ist ein historisches Ereignis, das unser Militär
und unser Volk glücklich macht», hieß es bei KCNA.
Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter
Berufung auf Verteidigungsexperten, der Test habe um 10.36 Uhr Ortszeit
(03.36 Uhr MESZ) in Hwaderi nahe der Stadt Kilju stattgefunden. Zuvor
hatte Yonhap bereits gemeldet, der südkoreanische Präsident
Roh Moo Hyan habe eine Dringlichkeitssitzung seiner Sicherheitsberater
einberufen.
Nordkorea hat in der vergangenen Woche angekündigt, es werde zur
Abschreckung einer möglichen Invasion der Vereinigten Staaten
erstmals eine Atomwaffe testen. Die Ankündigung hatte weltweit
Besorgnis ausgelöst. Neben zahlreichen Staats- und Regierungschefs
appellierte auch der UN-Sicherheitsrat an die Regierung in
Pjöngjang, auf den Test zu verzichten.
Beim Besuch des japanischen Ministerpräsident Shinzo Abe in Peking
hatten Japan und China am Wochenende diesen Appell noch einmal
bekräftigt. Abe traf inzwischen in der südkoreanischen
Hauptstadt Seoul ein.
(Quelle: ap)
China und Japan wollen 'strategische Beziehung
Mo.09.10.06 - Zwischen China und Japan gibt es erste Zeichen einer Annäherung.
Bei einem Besuch des neuen japanischen Premiers Shinzo Abe in Peking
sprachen sowohl Abe als auch Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao
von einem «Wendepunkt» in den bilateralen Beziehungen.
Diese hatten sich unter Abes Vorgänger Junichiro Koizumi drastisch
verschlechtert. In einem gemeinsamen Kommuniqué sprachen sich
beide Länder für die Schaffung einer «strategischen
Beziehung zum gegenseitigen Nutzen» aus.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Regierung und Soldaten weisen Vorwürfe von Kurnaz zurück
Mo.09.10.06 - Bundesregierung und Bundeswehrsoldaten haben die massiven Vorwürfe
des früheren Bremer Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz
zurückgewiesen. Wie der "Spiegel" und die "Süddeutsche
Zeitung" berichten, dementierte die Regierung die Anschuldigung des
heute 24-Jährigen, in dem Lager auf Kuba nicht nur 2002, sondern
auch 2004 von deutschen Beamten vernommen worden zu sein. Zudem
bestritten laut "Bild am Sonntag" deutsche Soldaten, die nach eigenen
Angaben 2002 im afghanischen Kandahar mit dem
türkischstämmigen Bremer vor seiner Verlegung nach
Guantánamo sprachen, diesen misshandelt zu haben.
Kurnaz war im Dezember 2001 während einer Pakistanreise verhaftet
und von dort nach eigenen Angaben in das US-Lager am Flughafen von
Kandahar gebracht worden. Dort seien nach rund zwei Wochen zwei Deutsche
in Uniformen mit deutschen Flaggen am Ärmel aufgetaucht, sagte er
kürzlich dem Magazin "Stern". Einer habe ihn an den Haaren
hochgezogen und seinen "Kopf auf den Boden geschlagen, und die
Amerikaner fanden das lustig".
Wie die "BamS" unter Berufung auf "zuverlässige deutsche
Geheimdienstquellen" berichtete, waren Elitesoldaten des Kommandos
Spezialkräfte (KSK) 2002 aus Oman nach Afghanistan eingeflogen
worden, um US- und kanadische Truppen im Kampf um Kandahar zu
unterstützen. In Befragungen hätten deutsche Soldaten
ausgesagt, dort Kontakt zu Kurnaz gehabt zu haben. Sie hätten den
Mann aber in keiner Weise misshandelt.
Nach Darstellung des Bundeskanzleramts wurde Kurnaz zudem später
in Guantánamo nur einmal, und zwar im September 2002, von Beamten
des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) sowie des
Bundesnachrichtendienstes (BND) vernommen. Eine entsprechende
Information hat das Kanzleramt laut "SZ" dem Vorsitzenden des für
die Überwachung der Geheimdienste zuständigen
Parlamentarischen Kontrollgremiums, Norbert Röttgen (CDU),
übermittelt. Laut "Spiegel" versicherte ein von Kurnaz
beschriebener mutmaßlicher Verfassungsschützer in einer
dienstlichen Erklärung, nur 2002 in Guantánamo gewesen zu
sein. Auch der BND schließe eine Befragung von Kurnaz im Jahr 2004
aus.
Der Bremer war fast fünf Jahre von den USA als "feindlicher
Kämpfer" in dem Lager auf Kuba festgehalten worden und kam erst im
August frei.
(Quelle: afp)
BUND: Energiegipfel darf nicht nur Absichtserklärungen bringen
Mo.09.10.06 - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die
Bundesregierung aufgefordert, auf dem Energiegipfel am heutigen Montag
im Kanzleramt «konkrete Signale für mehr
Energieeffizienz» zu geben.
«Bei diesem Treffen darf es nicht bei vagen
Absichtserklärungen, möglichen Selbstverpflichtungen und ein
paar Pilotprojekten bleiben», sagte BUND-Geschäftsführer
Gerhard Timm am Samstag in einem dpa-Gespräch. «Wir fordern
vom Energiegipfel eine klare Priorität für Erneuerbare
Energien und Energieeffizienz.» Kohle- und Atomkraft seien nicht
zukunftsfähig.
Seine Organisation habe zu diesen zentralen Energie- und Umweltfragen
ein Stromsparpaket vorgelegt, sagte Timm. Es umfasse eine bessere
Kennzeichnung des Stromverbrauchs von Elektrogeräten, einen
Effizienzfonds samt Markteinführungsprogramm für
verbrauchsarme Geräte und strengere Mindeststandards. Damit
könne bis 2012 ein gewaltiges Sparpotenzial von 47 Millionen Tonnen
Kohlendioxid erschlossen werden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will beim zweiten Energiegipfel vor
allem internationale Energiefragen sowie einen wirkungsvolleren
Energieeinsatz (Effizienz) diskutieren - sei es über
Stromeinsparung bei Geräten oder die Verringerung des
Spritverbrauchs. Geladen sind 21 Gäste aus der Energie- und
Autoindustrie sowie Energieexperten.
Außerdem müsse der Gipfel den Startschuss zu zwei wichtigen
Gesetzesvorhaben geben, forderte Timm. «Wir brauchen schnell ein
neues Gesetz zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung. Diese
intelligente Art, Strom und Wärme zu erzeugen, wird in Deutschland
bisher sträflich vernachlässigt.» Ferner fordern die
Umweltschützer ein Gesetz zur Förderung im Wärmebereich,
«das den Erfolg der Erneuerbaren Energien im Strombereich auf das
Heizen ausdehnt».
Einen «Konstruktionsfehler» für den Gipfel sieht Timm
in der Einladung der Chefs der vier großen Energiekonzerne E.ON,
RWE, Vattenfall und EnBW und ihres damit verbundenen Gewichts in der
Runde. Sie hätten kein Interesse daran, den Stromverbrauch in
Deutschland zu verringern. Die Macht dieser «vier
Großen» müsse daher «zerschlagen werden, denn nur
eine dezentrale Energieversorgung kann auch eine sparsame und
nachhaltige Energieversorgung sein». Dies sei offensichtlich nicht
mit ihnen, sondern nur gegen sie durchsetzbar. Timm:
«Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte sich ihre Berater
sorgfältiger aussuchen.»
(Quelle: dpa)
Vier Energieriesen haben den Strommarkt im Griff
Mit vier großen Versorgern ist der deutsche Strommarkt praktisch
ein Oligopol, ein von nur wenigen Anbietern beherrschter Markt. Vor
allem die beiden Riesen RWE und E.ON bestimmen das Marktgeschehen.
Gemeinsam mit Vattenfall Europe und EnBW kommen sie nach Berechnungen
des Verbandes der industriellen Energie- und Kraftwerkswirtschaft (VIK)
auf einen Marktanteil von 80 Prozent bei der Stromerzeugung. Daran hat
sich auch nach der Liberalisierung des Strommarktes 1998 nichts
Wesentliches geändert.
Zwar sind in der Versorgerbranche inzwischen zahlreiche kleine und
mittlere Unternehmen aktiv. Aber sie sind - weil sie über keine
eigenen Netze verfügen - den großen Marktspielern
ausgeliefert. Erst seit dem vergangenen Jahr überwacht die
Bundesnetzagentur den Netzzugang und damit die Durchleitungsentgelte.
Damit soll die Marktabschottung gegen neue Anbieter durch
überhöhte Zugangsgebühren geknackt werden und die
Strompreise für die Endverbraucher sinken.
Tätig sind die Stromriesen nicht bundesweit, sondern haben
regionale Schwerpunkte, die in etwa den vier Regelzonen entsprechen.
Wegen mangelnder Konkurrenz können sie damit zusätzlich ihre
Stärken ausspielen. So hat der RWE-Konzern in Nordrhein-Westfalen,
Rheinland- Pfalz, dem Saarland und in Teilen von Bayern seinen
Schwerpunkt. Dagegen besitzt E.ON in Schleswig-Holstein, Niedersachsen,
Hessen und Bayern Versorgungshoheit. Die EnBW hat ihre Stärken in
Baden- Württemberg und Vattenfall in den neuen Bundesländern.
Quelle: dpa, 08.10.2006
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Schavan will mehr Mittel für Kernfusions-Forschung
Mo.09.10.06 - Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat sich dafür
ausgesprochen, aus der rot-grünen Regierungszeit stammende
Einschränkungen für die Kernfusions-Forschung aufzuheben.
Dem Nachrichtenmagazin «Focus» sagte sie: «Wir
brauchen eine wirklich konsequente Weiterentwicklung der
Fusionsforschung. Wir dürfen hier nicht denselben Fehler machen wie
bei der Atomenergie und leichtfertig einmal erworbene Kompetenz
aufgeben.» Die noch nicht kommerziell nutzbare Fusionstechnik, bei
der Atomkerne nicht gespalten, sondern verschmolzen werden, sei eine
«hochinteressante Zukunftstechnologie». Deshalb gelte:
«Wir müssen die Deckelung der Mittel für die
Fusionsforschung aufheben.» Sie sind derzeit auf 115 Millionen
Euro pro Jahr begrenzt.
Der SPD-Forschungspolitiker Renè Röspel widersprach der
Ministerin. Die Fusionstechnik sei zwar «forschungspolitisch
interessant». Man dürfe jedoch keine «Unsummen»
in eine Technik stecken, die «energiepolitisch der falsche
Weg» sei. Der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren, Jürgen Mlynek, beklagte, dass Deutschland in der
Forschungskompetenz für die Kerntechnik zurückgefallen sei:
«Wir hätten weder das Personal noch das Know-how, innerhalb
weniger Jahre wieder eine bedeutende Rolle zu spielen.» Er sprach
sich dafür aus, «tabufrei über alle zukünftigen
Energieoptionen zu diskutieren».
(Quelle: dpa)
DGB plant Massenkundgebungen gegen Politik der großen Koalition
Mo.09.10.06 - Mit mehreren Massenkundgebungen will der Deutsche Gewerkschaftsbund
(DGB) in zwei Wochen mit der großen Koalition abrechnen und
für eine andere Politik werben. «Bei unseren
Großdemonstrationen am 21. Oktober in fünf Städten
werden wir mit der unverfrorenen Politik mancher Manager und mit der
falschen Politik der schwarz-roten Regierung abrechnen», sagte
DGB-Chef Michael Sommer laut «Bild am Sonntag». «Wir
brauchen eine andere Politik», wird Sommer zitiert.
Das gelte insbesondere für die Themen Gesundheit, Rente und
Steuern. Die Gewerkschaften lehnten Einschnitte bei kleinen Leuten, die
Rente mit 67 und eine Milliarden-Entlastung der Konzerne durch die
Unternehmenssteuerreform ab. «Die Regierung hat dank steigender
Steuereinnahmen doch Spielräume, um ihre Fehler zu
korrigieren», sagte Sommer der Zeitung zufolge. Eine
«Basta-Politik» wie unter Ex-Kanzler Gerhard Schröder
werde auch unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler
Franz Müntefering (SPD) nicht weiterführen. Die Kundgebungen
sind in Berlin, Dortmund, Frankfurt am Main, Stuttgart und München
geplant.
(Quelle: ap)
Kongress zu Armut und Gesundheit in Berlin
Mo.09.10.06 - Über das Thema «Armut und Gesundheit» beraten
Wissenschaftler, Politiker und Mediziner im Dezember auf einem
bundesweiten Kongress in Berlin. Zu der Tagung am 1. und 2. Dezember
haben sich nach Veranstalterangaben mehr als 1500 Teilnehmer
angekündigt. Der Kongress, der bereits zum zwölften Mal in der
Hauptstadt ausgerichtet wird, soll Wege aufzeigen, wie die
Gesundheitschancen von sozial benachteiligten Menschen verbessert werden
können. Die Schirmherrschaft haben Berlins Regierender
Bürgermeister Klaus Wowereit und Bundesgesundheitsministerin Ulla
Schmidt (beide SPD) übernommen.
Die Veranstaltung ist eine Gemeinschaftsinitiative unter anderem von
der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der
Berliner Ärztekammer und verschiedenen Krankenkassen. Getagt wird
im Rathaus Schöneberg.
(Quelle: ddp)
Mehr unter:
http://www.armut-und-gesundheit.de