Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertdreiunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Ex-US-Außenminister Baker für Alternativen zu Bushs
Irak-Politik. Bruder von irakischem Vizepräsidenten ermordet. Elf
irakische Soldaten entführt
Di.10.10.06 - Der frühere republikanische US-Außenminister James Baker
arbeitet gemeinsam mit Demokraten an Alternativen zur Irak-Politik von
Präsident George W. Bush. Das Komitee prüfe verschiedene
andere Optionen, sagte Baker am Sonntagabend dem Fernsehsender ABC. Die
Ergebnisse würden jedoch nicht vor den Kongresswahlen am 7.
November veröffentlicht. Immer mehr führende republikanische
Politiker sind mit Bushs Kurs im Irak unzufrieden.
Bush solle seine strikte Haltung in dem Konflikt überdenken,
erklärte Baker. Er stimme mit dem Präsidenten jedoch darin
überein, dass ein rascher Abzug der US-Truppen dem Irak schaden
würde. Ohne die Stationierung amerikanischer Soldaten werde der
Irak in den schlimmsten Bürgerkrieg abstürzen, den man sich
vorstellen könne, sagte der ehemalige Außenminister. In die
Auseinandersetzungen würden darüber hinaus die Türkei,
der Iran und Syrien sowie weitere Länder verwickelt. Sein Komitee
sei der Ansicht, dass es zwischen der derzeitigen Politik Bushs und
einem überstürzten Truppenabzug weitere Möglichkeiten
gebe.
In Bagdad ist am Montag der Bruder des irakischen Vizepräsidenten
Tarik al Hashimi in seinem Haus ermordet worden. Unbekannte Männer
in Militäruniformen hätten auf General Amir al Hashimi
geschossen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, für
das der Getötete als Berater arbeitete. Amir al Hashimi ist bereits
das dritte Familienmitglied, das innerhalb der letzten zwölf
Monate ermordet wurde. Zuvor fielen bereits seine Schwester und ein
weiterer Bruder Attentaten zum Opfer.
Rund 400 irakische Polizisten mussten am Sonntagabend nach einer
gemeinsamen Mahlzeit wegen Vergiftungserscheinungen behandelt werden.
Meldungen, wonach elf Polizisten starben, dementierte der Sprecher des
Verteidigungsministeriums, Kassim al Mussawi, am Montag. Es werde
untersucht, ob es sich um einen Anschlag handelte.
Die Polizisten hatten in der südirakischen Stadt Numanija
gemeinsam eine Mahlzeit eingenommen, um nach Sonnenuntergang das
tägliche Fasten im Monat Ramadan vorübergehend zu beenden.
Einem Beamten des Innenministeriums zufolge äußerten
örtliche Behörden die Vermutung, das Trinkwasser sei schuld an
der Erkrankung der Polizisten. Dies könnte auf eine absichtliche
Vergiftung hindeuten, zumal die Symptome sehr schnell und sehr heftig
aufgetreten seien.
In Tal Afar, 420 Kilometer nordwestlich von Bagdad, rammte ein
Selbstmordattentäter mit seinem Auto einen Kontrollpunkt der
irakischen Polizei. Ein Polizist wurde getötet, zwölf weitere
wurden verletzt, wie ein Polizeisprecher sagte. Bereits am Samstag waren
bei einem Selbstmordanschlag in Tal Afar 14 Menschen getötet und
viele weitere verletzt worden.
In Bagdad überfielen Bewaffnete einen Militärkontrollpunkt
und entführten alle elf diensthabenden Soldaten. Der Zwischenfall
ereignete sich im Stadtteil Sadr City, einer Hochburg der Miliz des
radikalen schiitischen Geistlichen Muktada al Sadr.
Unterdessen ging der Prozess gegen den ehemaligen irakischen
Präsidenten Saddam Hussein und sechs Mitangeklagte weiter. Die
Verteidiger setzten ihren Boykott jedoch fort und erschienen am Montag
nicht zur Verhandlung. Sie protestieren gegen die Auswechslung des
Vorsitzenden Richters und fordern mehr Zeit zur Prüfung der
umfangreichen Unterlagen. In dem Prozess geht es um die Ermordung
zehntausender Kurden in den 80er Jahren.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 10.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertneunundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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US-Heer senkt Rekrutierungsstandards
Di.10.10.06 - Dank reduzierter Aufnahmevoraussetzungen hat das US-Heer in diesem Jahr
mehr als 2.600 zusätzliche Soldaten verpflichtet. Nur dadurch sei
das Ziel von insgesamt 80.000 Rekruten erreicht worden, heißt es
in einer Statistik, die der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Angesichts
der abschreckenden Meldungen über den Irak-Krieg verpasste das
Heer im vergangenen Jahr sein gestecktes Ziel um so viele Mann wie noch
nie seit 1979. In der Folge wurden die Zahl der Anwerber und die
Bonusleistungen deutlich aufgestockt sowie die Rekrutierungsstandards
gesenkt.
Seit Jahresbeginn wurden den Unterlagen zufolge 80.635 Soldaten
angeworben, rund 7.000 mehr als im vorigen Jahr. 70.000 von ihnen
verpflichteten sich zum ersten Mal zum Militärdienst. 3,8 Prozent
der Neuankömmlinge lagen mit ihrer Qualifikation demnach unter
bestimmten Eignungsvoraussetzungen. In den vergangenen Jahren hatte das
Heer ein Limit von zwei Prozent gesetzt, inzwischen wurde es auf vier
Prozent heraufgesetzt.
Ausnahmslos alle Rekruten hätten einen Highschool-Abschluss,
betonten die Streitkräfte. Gute Testergebnisse garantierten aber
nicht zwangsläufig die für einen guten Soldaten
erforderlichen Eigenschaften wie Loyalität, Pflichtbewusstsein,
Ehrgefühl oder Mut, hieß. Rund 17 Prozent oder 13.600 der
erstmals eingestellten Rekruten waren den Angaben zufolge unter anderem
polizeilich aufgefallen.
(Quelle: ap)
ISAF-Truppen töten 52 afghanische Rebellen
Di.10.10.06 - Bei schweren Kämpfen in der südafghanischen Provinz Urusgan
sind nach Angaben der Internationalen Schutztruppe ISAF mindestens 52
radikal-islamische Rebellen getötet worden.
Die ISAF teilte am Montag mit, das mehrstündige Feuergefecht sei
am Vortag von einem Angriff Aufständischer auf Soldaten der ISAF
und der afghanischen Armee ausgelöst worden. ISAF-Truppen seien
nicht zu Schaden gekommen. Zu möglichen Opfern unter den
afghanischen Soldaten machte die ISAF keine Angaben. In Urusgan sind
vornehmlich niederländische ISAF-Truppen stationiert.
Bei einem Bombenanschlag in der ostafghanischen Provinz Nangarhar
wurden der Gouverneur, der Polizeichef und der Geheimdienstchef des
Distrikts Chogyani getötet. Auch zwei Leibwächter seien bei
der Explosion am Montag ums Leben gekommen, sagte der Sprecher des
afghanischen Innenministeriums, Semarai Baschari. Die führenden
Distriktbeamten seien auf dem Weg zu einem Ort gewesen, wo Extremisten
in der Nacht zu Montag eine Schule niedergebrannt hatten, als der
Sprengsatz neben ihrem Fahrzeug ferngezündet wurde. Zunächst
bekannte sich niemand zu der Tat.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Syrien schließt einen Krieg mit Israel nicht aus. Libanon: Seit
Ende der israelischen Militäroffensive mehr als 20 Tote durch
Streubomben
Di.10.10.06 - Syrien schließt einen Krieg mit Israel nicht aus und bereitet
sich nach eigenen Angaben auf diese Situation vor. "Wir rechnen mit
einer israelischen Aggression", sagte der syrische Staatschef Baschar el
Assad in einem am Samstag von einer kuwaitischen Zeitung
veröffentlichten Interview, das syrische Zeitungen am Sonntag
aufgriffen. "Alle wissen, dass Israel militärisch stark ist und
direkt von den Vereinigten Staaten unterstützt wird." Jeder
würde sein Land verteidigen, wenn ihm ein Angriff drohe, sagte
Assad. "Man muss immer bereit sein."
Seit dem Ende der israelischen Militäroffensive im Libanon sind
dort 21 Menschen durch herumliegende Munition ums Leben gekommen. Wie
die libanesische Polizei mitteilte, wurden seit dem 14. August 16
Zivilisten und fünf Sprengstoffexperten der Armee durch die
Sprengsätze getötet. Mehr als hundert weitere Menschen wurden
verletzt, wie das UN-Büro für humanitäre
Hilfseinsätze (OCHA) in Beirut mitteilte. Die meisten Opfer habe es
durch Streumunition gegeben.
(Quelle: afp)
UN-Organisation: Darfur größtes humanitäres Problem der
Welt
Di.10.10.06 - Die Situation im sudanesischen Darfur ist nach Einschätzung einer
UN-Organisation das größte humanitäre Probleme der
Welt. "Die bereits unsichere Versorgung mit Lebensmitteln in Darfur
könnte sich weiter verschlimmern, wenn die sich verschlechternde
Sicherheitslage die in den kommenden Wochen beginnende Ernte
stört", schreibt die UN-Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation (FAO) in einem in Rom veröffentlichten
Bericht. Nach Angaben des UN-Welternährungsprogramms (WFP) sind in
der Sahel-Region mindestens 1,4 Millionen Kinder unter fünf Jahren
von Mangelernährung betroffen.
In 40 Staaten weltweit gibt es laut FAO derzeit Lebensmittelkrisen. Dem
Bericht zufolge führten Dürreperioden vor allem in
ländlichen Regionen Ostafrikas zu Lebensmittelknappheit und der
Migration tausender Menschen auf der Suche nach Wasser und
Lebensmitteln. Militärische Auseinandersetzungen führten
unter anderem in Somalia und in der Zentralafrikanischen Republik zu
Lebensmittelnot. Im südlichen Afrika fehlten wegen der durch die
große Zahl der Aids-Erkrankten fehlenden Arbeitskräfte rund
542.000 Tonnen Getreide. Bedrohlich sei die Lage zudem im Irak, in
Afghanistan, Indien, Pakistan und Osttimor.
Das Welternährungsprogramm teilte mit, die Sahel-Region
südlich der Sahara habe "eine der höchsten
Kindersterblichkeitsraten in der Welt". Insgesamt leiden dort 1,4
Millionen Kinder unter fünf Jahren an Unterernährung - das
sind 37 Prozent aller Kinder in dem Alter. Das
Welternährungsprogramm beklagte einen Mangel an Finanzmitteln:
Trotz Spenden aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Staaten fehlen der
UN-Organisation zur Zeit 47 Millionen US-Dollar (37,3 Millionen Euro)
für den Aufbau von Ernährungszentren in der Sahel-Region.
Durch ähnliche Zentren konnte den Angaben zufolge die
Unterernährungsrate im Niger von 17,3 Prozent im Jahr 2000 auf
11,8 Prozent gesenkt werden.
(Quelle: afp)
Atomwaffentest in Nordkorea - Wettlauf um Atomwaffen in Ostasien
befürchtet
Di.10.10.06 - Nach dem ersten Atomwaffentest in Nordkorea wächst die Besorgnis
weiter, dass in der Region nun auch andere Länder nach
Nuklearwaffen streben könnten. Dies wird nicht heute oder morgen
gestehen, längerfristig besteht die Gefahr aber durchaus. Neu
wären derartige Ambitionen nicht, nur haben sie mit der
Erklärung Nordkoreas, dass es jetzt auch zu den Atommächten
gehört, einen konkreten Anlass bekommen. Ganz oben auf der Liste
der Staaten, die nach Nuklearwaffen streben könnten, steht Japan.
Der stellvertretende südkoreanische Außenminister Yu Myung
Hwan äußerte schon die Befürchtung, dass die Regierung
in Tokio den nordkoreanischen Test als Vorwand nutzen könnte. Was
natürlich zu entsprechenden Reaktionen der Nachbarn Südkorea
und China führen würde. «Es gibt nichts Vergleichbares
zur (Atom-)Bombe», sagt Peter Beck vom Forschungsinstitut
International Crisis Group in Seoul. «Es ist sicher, dass es zu
einem Wettrüsten kommen wird; alle Regierungen in der Region werden
ihre Militärausgaben erhöhen.»
Die Atombombe in der Hand Nordkoreas könnte aber nicht nur Folgen
in der Region, sondern auch darüber hinaus haben. Die USA, China
und auch Indien könnten ihre Atomwaffentest wieder aufnehmen, was
nach Ansicht von Experten auch die Gefahr vergrößern
würde, dass Atomwaffen noch mehr verbreitet werden.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld warnte schon in der
vergangenen Woche vor weit reichenden Konsequenzen, falls Nordkorea eine
Atomwaffe testen sollte. Damit werde die Schwelle für andere
Länder gesenkt, was sie in ihren eigenen Plänen ermutigen
würde.
In Japan ist die Abscheu vor Atomwaffen mit Blick auf die eigenen
leidvollen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg, als die USA zwei Atombomben
auf die Städte Hiroshima und Nagasaki abwarfen, besonders
groß. Andererseits schlug erst im vergangenen Monat ein vom
früheren Ministerpräsidenten Yasuhiro Nakasone geleitetes
Institut vor, dass Japan «die nukleare Option» erwägen
sollte.
Mit solchen Überlegungen beschäftigte sich die Regierung in
Tokio schon 1995 als Reaktion auf die bekannt gewordenen Forschungen
Nordkoreas. Damals wurde dies aber noch entschieden verworfen. Untersagt
wird eine atomare Bewaffnung auch von der strikt pazifistischen
Verfassung Japans. Der neue Ministerpräsident Shinzo Abe hat aber
schon angekündigt, dass er die Verfassung ändern und den
Streitkräften mehr Möglichkeiten geben will. Angesichts der
großen Menge an Plutonium, die Japan inzwischen schon aus seinen
Atomreaktoren angehäuft hat, würde es sicher nicht lange
dauern, bis das Land über eine Nuklearwaffe verfügt.
Das wiederum würde zweifellos die Regieungen in China und
Südkorea auf den Plan rufen, die Japan seit der Invasionen und
brutalen Besetzung ihrer Länder zu Beginn des vergangenen
Jahrhunderts sehr kritisch sehen. Südkorea hat sich bislang auf den
atomaren Schutzschild der USA verlassen. Diese haben 1991 im Rahmen von
Vereinbarungen nach dem Ende des Kalten Kriegs ihre letzten taktischen
Atomwaffen aus Südkorea abgezogen. Damals vereinbarten die beiden
koreanischen Staaten, keine Atomwaffen zu entwickeln und zu
stationieren. Südkorea verfolgte in den 70er Jahren schon einmal
ein eigenes Atomprogramm, damals konnten die USA das Land aber davon
abhalten.
Der chinesische Experte Shen Dingli vom Institut für
internationale Studien an der Universität von Fudan glaubt aber,
dass auch heute noch Südkorea und Japan mit Blick auf ihre
Beziehungen zu den USA auf die Entwicklung von Atomwaffen verzichten
werden. «Das würde ihre Allianz mit den USA
zerstören.»
(Quelle: ap)
Atomwaffensperrvertrag:
http://disarmament2.un.org/wmd/npt/npttext.html
Sicherheitsrat berät über mögliche Sanktionen gegen
Nordkorea
Di.10.10.06 - Nach dem nordkoreanischen Atomtest hat der Weltsicherheitsrat am
Montagabend weiter über eine angemessene Reaktion beraten. Zuvor
hatte das Gremium das Nuklearexperiment bereits einstimmig verurteilt.
Später brachten die USA dann einen Resolutionsentwurf in Umlauf,
in dem harte Sanktionen gegen die kommunistische Regierung in
Pjöngjang vorgesehen sind.
Geplant ist unter anderem ein Handelsverbot für militärische
Güter und Luxuswaren. Inspektoren sollen die Befugnis erhalten,
alle Fracht nach Nordkorea zu kontrollieren. Darüber hinaus sollen
alle Guthaben eingefroren werden, die im Zusammenhang mit dem
nordkoreanischen Atomwaffenprogramm stehen könnten.
Auf Drängen Japans wurde der ursprüngliche Entwurf der USA
noch ergänzt um den Passus, dass kein Land der Welt mehr
nordkoreanische Schiffe in seine Häfen lassen oder
nordkoreanischen Flugzeugen eine Lande- und Starterlaubnis erteilen
darf. Ferner werden ranghohen nordkoreanischen Beamten
Reisebeschränkungen auferlegt.
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier
äußerte die Befürchtung, dass nach dem nordkoreanischen
Test der Atomwaffensperrvertrag ausgehöhlt werden könnte.
Zudem könnte die Autorität des Vertrage insgesamt in Zweifel
gezogen werden, sagte der SPD-Politiker am Montagabend im
ZDF-heute-journal. «Man fühlt natürlich etwas Ohnmacht,
wenn man sieht, dass die nordkoreanische Führung gezielt
internationales Recht verletzt», fügte er hinzu.
Von den «schlechten Nachrichten» aus Pjöngjang sei
nicht nur die Weltgemeinschaft, sondern auch die nordkoreanische
Bevölkerung betroffen: «Hungersnöte hat es immer wieder
gegeben in den letzten Jahren, und das nur, um den Ehrgeiz der
nordkoreanischen Führung zu befriedigen, an diesem
Atomwaffenprogramm festzuhalten und die internationale
Staatengemeinschaft zu provozieren.»
Steinmeier zog eine Parallele zum Atomstreit mit dem Iran. In beiden
Fällen gehe es darum, «die jeweilige Führung von einem
verhängnisvollen Kurs abzubringen». Er räumte ein, dass
er keine Lösung parat habe, aber Alternativen zum derzeitigen
Vorgehen sehe er auch nicht. Im Falle Nordkoreas sei es wichtig, dass
die Verhandlungen im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche wieder
aufgenommen würden, betonte der Außenminister.
(Quelle: ap)
Asiens Börsen nach Atomtest in Nordkorea auf Talfahrt
Di.10.10.06 - Der nordkoreanische Atomtest hat die meisten asiatischen Börsen
auf Talfahrt geschickt. In Seoul schloss der Kospi-Aktienindex am
Montag mit einem Minus von 2,41 Prozent bei 1319,40 Punkten. Er blieb
damit aber noch knapp über der symbolisch bedeutsamen Schwelle von
1300 Punkten. Auch die Börsen in Hongkong und Singapur rutschten
ins Minus, wenn auch weniger stark. In Tokio war die Börse wegen
eines Feiertags geschlossen.
Zwar brach keine Panik an den asiatischen Handelsplätzen aus.
Besonders Analysten in Südkorea zeigten sich jedoch tief
beunruhigt über den mutmaßlichen ersten Atomtest in der
Geschichte Nordkoreas. "Wir sind jetzt mit etwas Unabschätzbarem
konfroniert," sagte Kim Hak-Gyun von Korea Investment Securities. Die
Politik werde nun bis auf Weiteres "den Rhythmus des Marktes
diktieren". Oh Hyun-Seok von Samsung Securities sagte voraus, dass die
Kurse in Seoul auf spektakuläre Weise abstürzen würden,
falls es die geringsten Anzeichen für eine militärische
Reaktion der Vereinigten Staaten gebe.
In Hongkong verlor der Hang-Seng-Index bis zum Handelsschluss 1,27
Prozent und landete bei 17.675,24 Punkten. In Singapur wurde ein Minus
von 1,05 Prozent, in Kuala Lumpur von 0,87 Prozent und in Manila von
0,32 Prozent verzeichnet. Dagegen legten die chinesischen Börsen
zu: Schanghai schloss mit einem Plus von 1,88 Prozent und Schenzhen mit
einem Plus von 1,94 Prozent. Analysten erklärten dies damit, dass
die chinesischen Märkte wegen der noch starken staatlichen
Kontrolle generell weniger empfindlich für internationale
Entwicklungen seien.
(Quelle: afp)
OPEC-Chef schlägt Reduzierung der Förderquote vor
Di.10.10.06 - Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) berät
über eine Reduzierung ihrer Förderquote, um dem Rückgang
der Ölpreise zu begegnen. Wie ein OPEC-Sprecher in London sagte,
schlägt der Vorsitzende der Organisation, der nigerianische
Ölminister Edmund Daukoru, eine Reduzierung der täglichen
Fördermenge um eine Million auf 27 Millionen Barrel vor, da der
Markt "stark überversorgt" sei. Eine Einigung der elf
Mitgliedstaaten über den Vorschlag gebe es aber nocht nicht. Die
Förderquote der OPEC ist seit Juni vergangenen Jahres
unverändert.
In den vergangenen Wochen waren die Ölpreise um rund 20 Prozent
gesunken. Dies hatte bereits Spekulationen genährt, dass die OPEC
die Förderung drosseln könnte, um die Preise zu stützen.
Daukoru unterbreitete seinen Vorschlag nun in einem Brief an die anderen
zehn OPEC-Mitgliedstaaten. Nach Angaben des Sprechers war zunächst
noch unklar, ob es eine Sondersitzung der OPEC zur Beratung über
die künftige Fördermenge geben soll.
Der Iran, Saudi-Arabien und Venezuela hatten darauf gedrungen, ein
solches Treffen für die kommende Woche in Wien anzusetzen, um die
Geschlossenheit der Organisation zu demonstrieren. Wie die "Financial
Times" berichtete, halten aber andere Mitgliedsstaaten, darunter auch
Nigeria, ein solches Treffen für überflüssig. Es bestehe
auch die Möglichkeit einer Einigung, ohne dass die Minister zu
einer gemeinsamen Sitzung anreisen müssten, sagte dazu der
OPEC-Sprecher. Die elf Mitgliedstaaten der Organisation stehen für
etwa ein Drittel des weltweit produzierten Rohöls.
Die Nachricht von Daukorus Vorschlag ließ die Ölpreise
bereits wieder leicht steigen. In London kletterte der Preis für
ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent um 0,53 Dollar auf 60,36
Dollar (47,66 Euro). In New York ging der Preis für das Barrel der
Referenzsorte Light Sweet Crude im elektronischen Handel um 0,42 Dollar
auf 60,18 Dollar nach oben.
(Quelle: afp)
UN-Vermittler Ahtisaari glaubt nicht an Verhandlungslösung
für Kosovo
Di.10.10.06 - Der Sondergesandte der Vereinten Nationen für das Kosovo, Martti
Ahtisaari, zweifelt an einer Verhandlungslösung für das
südserbische Gebiet. Die Haltungen der Kosovo-Albaner und der
Serben zum künftigen Status des Kosovo seien immer noch "diametral
entgegengesetzt", sagte Ahtisaari in Helsinki. "Ich sehe nicht, dass die
Parteien sich in der Statusfrage bewegen." Deshalb glaube er nicht
daran, dass es eine Verhandlungslösung geben werde, sagte Ahtisaari
bei einer Tagung zum Kosovo im finnischen Parlament.
Das serbische Parlament hatte Ende September eine neue Verfassung
erlassen, über die im Oktober per Volksentscheid entschieden werden
soll. Der Text sieht vor, dass die unter UN-Aufsicht stehende
südserbische Provinz Bestandteil der Republik bleibt Die
UN-Übergangsverwaltung im Kosovo (UNMIK) hatte Anfang September
mitgeteilt, die Statusfrage werde voraussichtlich bis Ende des Jahres
gelöst sein.
Das Kosovo gehört völkerrechtlich bis heute zu Serbien, steht
aber seit 1999 unter UN-Verwaltung. Die mehrheitlich
albanischstämmige Bevölkerung will die Unabhängigkeit.
(Quelle: afp)
Georgien verbietet Landung russischer Frachtmaschinen
Di.10.10.06 - In der georgischen Hauptstadt Tiflis dürfen keine Frachtflugzeuge
mehr landen, mit denen Russland Georgier in ihr Heimatland deportieren
will. Das ordnete der georgische Präsident Michail Saakaschwili an.
«Wir tun alles, damit die Rechte unserer Bürger nicht
verletzt werden», sagte Saakaschwili dem Fernsehsender Rustawi-2.
Die Deportierten sollten in Passagierflugzeugen transportiert werden,
fügte er hinzu.
Moskau hatte in der vergangenen Woche alle Flüge von Russland nach
Georgien untersagt. Eine Ausnahme besteht für Regierungsmaschinen,
die ausgewiesene Georgier in ihre Heimat bringen oder Russen aus
Georgien ausfliegen. Mit der Blockade reagierte die russische Regierung
auf die Festnahme von vier russischen Offizieren in Georgien, denen
Spionage vorgeworfen wurde. Seit dem Vorfall Ende September sind die
Beziehungen zwischen Georgien und Russland sehr angespannt. Auch die
Ausweisung von Georgiern, die keine Aufenthaltsgenehmigung besitzen, ist
Teil der russischen Vergeltungsmaßnahmen. Allein am Montag
sollten 150 Georgier nach Tiflis geflogen werden.
Saakaschwili sagte, er erwäge, Russland vor dem Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte zu verklagen. Zugleich zeigte er
sich in einem Interview der Fernsehnachrichtenagentur APTN jedoch
gesprächsbereit. «Wir sind immer offen für einen
Dialog», sagte der georgische Präsident. «Ich bin
bereit, meinen russischen Kollegen zu treffen, wann immer er es
will.»
(Quelle: ap)
Starkes Produktionsplus untermauert deutschen Aufschwung
Di.10.10.06 - Die deutsche Industrie hat ihre Produktion im August deutlich nach oben
gefahren und damit die Erwartungen eines anhaltenden Aufschwungs weiter
untermauert.
Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums vom Montag stellte die
Industrie 2,3 Prozent mehr her als im Juli. Das gesamte Produzierende
Gewerbe - Industrie, Bau und Energie - erzeugte 1,9 Prozent mehr,
Banken-Experten hatten nur 0,2 Prozent erwartet. Da die Nachfrage nach
Industriegütern zuletzt hoch war, erwartet das Ministerium in den
nächsten Monaten eine Fortsetzung der lebhaften
Industriekonjunktur. Die Exporte liefen im August dagegen etwas
schwächer als im Juli.
In den Industriesparten schnitten vor allem die Hersteller von
Vorleistungsgütern besser ab als im Juli: Sie produzierten 4,6
Prozent mehr. Investitionsgüterproduzenten stellten 0,4 Prozent,
Konsumgüterhersteller 1,8 Prozent mehr her. Der Bau vermeldete ein
Plus von 1,2 Prozent. Nur die Energiewirtschaft drosselte ihren
Ausstoß zum Juli - um 1,9 Prozent. An den Finanzmärkten
spielten die Daten keine unmittelbare Rolle.
Banken-Analysten äußerten sich ähnlich optimistisch wie
das Ministerium. "Die kurzfristigen Aussichten bleiben damit positiv",
sagte Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort. Zwar rechnen viele
Experten damit, dass das Wachstum im kommenden Jahr wegen der
Mehrwertsteuererhöhung und einer kühleren Weltkonjunktur
schwächer ausfallen wird. Guntermann sagte aber, dabei deute
mittlerweile vieles auf eine weiche Landung hin, und nicht auf einen
scharfen Wachstumseinbruch: "Aber die große Frage ist, wie stark
wird der Abschwung in den USA?"
Alexander Koch von der HypoVereinsbank ergänzte, die starke
Dynamik in der Industrie habe aufrechterhalten werden können. "Es
könnte auch noch ein bisschen so weiter gehen." Allerdings deute
sich in der wichtigen Auslandsnachfrage nach Kapitalgütern wie
Maschinen und Anlagen zwar eine weiter robuste, aber abnehmende Dynamik
an: "Einen Einbruch zu negativen Wachstumsraten wird es nicht geben,
aber die Rekordraten dürften wir nicht weiterführen
können", zeigte er sich gewiss.
Für Überraschung hatte bereits vergangene Woche gesorgt, dass
die Industrie im August 3,7 Prozent mehr Bestellungen erhalten hatte als
im Juli - erwartet worden war ein Rückgang um 0,5 Prozent. Andreas
Scheuerle von der DekaBank sagte, danach seien starke Produktionsdaten
zu erwarten gewesen. Bemerkenswert sei das erneut starke Plus bei der
Gebrauchsgütern, die wegen der Mehrwertsteuererhöhung
stärker nachgefragt werden dürften. Heinrich Bayer von der
Postbank sprach von einer boomartigen Entwicklung: "Der Handel nimmt
wohl massiv Güter auf Lager." Das derzeitige Tempo sei aber auf
Dauer nicht zu halten.
Während die Binnennachfrage in den vergangenen Monaten immer
stärker geworden war, verlor der Export im August etwas Schwung. Er
werde den Experten zufolge aber auch in den kommenden Monaten auf einem
hohen Niveau bleiben. Die Ausfuhren sanken um 0,1 Prozent zum Vormonat.
Der Außenhandelsverband BGA rechnet derzeit für dieses Jahr
mit einem Exportwachstum von elf Prozent, womit Deutschland
Exportweltmeister bleiben würde.
Dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge hat
die Auslandsnachfrage die Investitionen mittlerweile stark genug
angeschoben, dass sich das deutsche Wachstum selber trage kann. Die
Unternehmen würden in diesem Jahr knapp sieben Prozent mehr in
Produktionsanlagen investieren, im kommenden Jahr sechs Prozent.
Insgesamt rechnet das IW für 2006 mit einem Plus beim
Bruttoinlandsprodukt um 2,4 Prozent, es liegt damit eher am oberen Rand
der Schätzungen der meisten Institute. Im kommenden Jahr sei mit
einem Plus von 1,5 Prozent zu rechnen. Die Ursache für die
schwächere Dynamik sei die Steuererhöhung.
(Quelle: rtr)
Energiegipfel: Keine Annäherung im Streit über Atomausstieg
Di.10.10.06 - Der Energiegipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im Streit
über den Atomausstieg keine Annäherung gebracht. Die
bekannten unterschiedlichen Meinungen bestünden fort, sagte die
CDU-Chefin am Montagabend nach dem dreistündigen Treffen mit
Managern der Energiebranche und der Industrie. Auch beim Thema
Energiepreise gab es Merkel zufolge zwar lange Debatten, aber keine
Beschlüsse. Als Konsenspunkte nannte sie, dass Energie
künftig sparsamer verwendet und der Klimaschutz vorangebracht
werden soll.
Der Streit zwischen Union und SPD über den im Jahr 2000
vereinbarten Atomausstieg hatte das Treffen überschattet, bei dem
es hauptsächlich um Energiesparen und internationale
Energiepolitik gehen sollte. Zahlreiche führende Unionspolitiker
und Wirtschaftsverbände hatten erneut für längere
Atomlaufzeiten plädiert. Der niedersächsische
Ministerpräsident Christian Wulff betonte, vor 2009 müsse
kein Atomkraftwerk vom Netz, solange die Meiler sicher seien.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil forderte die Union hingegen auf,
nicht am Atomausstieg zu rütteln. Eine Verlängerung der
Laufzeiten sei mit der SPD nicht zu machen.
Merkel sagte zu der Atomdebatte, man habe beim Gipfel darüber
gesprochen, dass die Kernenergie international wieder eine zunehmende
Rolle spiele. Außerdem solle die Forschung an Kerntechnologie
Teil einer «Roadmap» zur Energieforschung werden. Im
übrigen bekenne man sich zum Koalitionsvertrag und werde auch
über den RWE-Antrag zur Laufzeitverlängerung bei Biblis A
«nach Recht und Gesetz» entscheiden.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch sprach sich für eine
längere Laufzeit des Meilers aus, der eigentlich 2007 vom Netz
gehen soll. Das ließe sich «innerhalb des bestehenden
Koalitionsvertrags» machen, sagte der CDU-Politiker. Die SPD
sieht das anders. Neben Biblis A sollen bis zum Ende der
Legislaturperiode auch Biblis B (2009), Neckarwestheim 1 (2008) und
Brunsbüttel (2009) vom Netz gehen. Laut Gesetz ist es
möglich, Strommengen von jüngeren auf ältere Kraftwerke
zu übertragen, allerdings nur mit Zustimmung des
Bundesumweltministeriums.
Merkel sagte zum Energiegipfel insgesamt: «Ich habe das Treffen
als sehr konstruktiv erlebt.» Die Themen Energieeffizienz und
internationale Energiepolitik hätten wie geplant im Mittelpunkt
gestanden. Man sei sich einig gewesen, dass die
Energieproduktivität bis 2020 verdoppelt werden kann - das
heißt, dass 2020 je Einheit Bruttoinlandsprodukt nur noch halb so
viel Energie verbraucht wird wie 1990.
Wie das erreicht werden soll, steht aber nach Darstellung von
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel noch nicht fest. So gebe es auch
weiter keine Einigung in der Regierung über den Energiepass
für Gebäude, der Hausbesitzern und Mietern beim Energiesparen
helfen soll.
Merkel sagte zum Thema Klimaschutz, auch in der Wirtschaft werde es als
«ganz notwendig deklariert», dass für die Zeit nach
Ende des Kyoto-Protokolls 2012 die Senkung des
Kohlendioxid-Ausstoßes vorangetrieben werde.
Erste Reaktionen auf den Gipfel waren geteilt. Die Ökostrombranche
vermerkte positiv, dass die Bundesregierung die wachsende Bedeutung der
erneuerbaren Energien anerkannt habe. Die Umweltgruppe BUND zeigte sich
hingegen enttäuscht. Es seien nur vage Aussagen herausgekommen.
Auch die Linksfraktion beklagte: «Die Koalition gipfelt vor sich
hin, die Stromkunden zahlen weiter.»
(Quelle: ap)
Energiegipfel verfehlte laut BUND die Erfordernisse des Klimaschutzes
Di.10.10.06 - Der zweite Energiegipfel im Kanzleramt ist aus Sicht des Bunds für
Umwelt und Naturschutz (BUND) den Erfordernissen des Klimaschutzes
nicht gerecht geworden. «Weder wurde ein verbindliches Konzept
zum Stromsparen verabschiedet, noch ein gut ausgestatteter
Effizienzfonds auf den Weg gebracht», bemängelte der Verband
am Montagabend in Berlin. Stattdessen habe der Gipfel nur vage Aussagen
hervorgebracht und wichtige klimapolitische Entscheidungen seien weiter
verschoben worden.
BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt erklärte, der Gipfel habe
gezeigt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sich die falschen Berater
ins Haus geholt habe. «E.ON, Vattenfall, EnBW und RWE sind auf
eine Maximierung ihrer Profite durch einen möglichst hohen
Stromabsatz ausgerichtet. Sie haben kein Interesse daran, den
Stromverbrauch in Deutschland zu verringern.»
Weiter monierte sie, die dringend erforderliche Novelle des Gesetzes
zur Förderung der effizienten Kraft-Wärme-Kopplung komme
nicht voran. Ein Signal für ein Gesetz zur Förderung der
Erneuerbaren Energien für Heizwärme fehle ebenfalls.
Der BUND beurteilte die Chance, dass weitere Gipfeltreffen noch zu
sinnvollen Ergebnissen führen werden, sehr skeptisch. «Die
hier geführten Diskussionen dauern angesichts des
voranschreitenden Klimawandels viel zu lange. Was wir brauchen, sind
sofortige Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase.»
(Quelle: ap)
Seehofer hat Bedenken gegen Gentechnik
Di.10.10.06 - Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) hat weiter große
Bedenken gegen eine kommerzielle Anwendung der Gentechnik in der
Landwirtschaft. «Was die wirtschaftliche Anwendung betrifft, bin
ich sehr zurückhaltend», sagte Seehofer der Zeitschrift
«Hörzu». «Bei Lebensmitteln glaube ich nicht,
dass die Nützlichkeit bereits ausreichend begründet ist.»
Er setze zunächst auf die Forschung, um zum Beispiel Wirkstoffe
aus Pflanzen für die Energieproduktion oder für nachwachsende
Rohstoffe zu gewinnen. Dabei müssten aber die Sicherheitsstandards
eingehalten werden. Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer
Novelle des Gentechnikgesetzes.
Auch angesichts von Bedenken in der Bevölkerung hatte Seehofer im
Sommer die Eckpunkte für das neue Gesetz auf den Herbst verschoben.
Der Entwurf «ist gerade in der Ressortabstimmung», sagte
eine Ministeriumssprecherin am Montag der dpa. Es sei noch unklar, wann
genau sich das Bundeskabinett damit befassen werde. Nach früheren
Angaben war dies für Oktober vorgesehen.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) und andere
Unionspolitiker wollen die Rahmenbedingungen für die
«grüne Gentechnik» verbessern. Im Koalitionsvertrag
hatten Union und SPD vereinbart, Forschung und auch Anwendung zu
fördern. Bundesweit sind derzeit knapp 1000 Hektar gentechnisch
veränderter Mais ausgesät.
(Quelle: dpa)
Union und SPD über schärfere Hartz-Regeln zerstritten
Di.10.10.06 - Der Streit über neue Einschnitte für arbeitsunwillige
Hartz-IV-Empfänger entzweit weiter die große Koalition.
Derweil legte der Deutsche Landkreistag (DLT) erstmals konkrete Zahlen
vor. Danach wurden im ersten Halbjahr 2006 bei nur einem Prozent der
als erwerbsfähig eingestuften ALG-II-Empfänger die Leistungen
eingeschränkt.
Während CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla ein resoluteres
Durchgreifen forderte, lehnte das SPD-Präsidium am Montag
schärfere Sanktionen gegen jene ab, die Fördermaßnahmen
oder Jobangebote verweigern. Auch in der Union regte sich Widerstand
gegen zusätzlichen Druck auf die Empfänger von
Arbeitslosengeld II.
«Wenn ein Arbeitslosengeld-II-Bezieher ein zumutbares Angebot
ablehnt, muss es die gesetzliche Sanktion auf Kürzung geben.
Darauf haben wir uns in der Fraktion und in den beiden Parteien
verständigt», sagte Pofalla nach einer
Präsidiumssitzung in Berlin. Der Union gehe es nicht unbedingt um
Gesetzesänderungen, sondern darum, die Möglichkeiten
bestehender Gesetze stärker auszuschöpfen. In 6 von 10
Fällen, in denen Hinweise auf Missbrauch vorlägen, werde
diesen nicht nachgegangen.
Die Koalitionsparteien haben sich darauf verständigt, in diesem
Herbst eine Revision der Hartz-IV-Arbeitsmarktgesetze vorzunehmen.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sprach sich gegen weitere
Sanktionen gegen Langzeitarbeitslose aus. Forderungen, wie sie derzeit
aus der Union kämen, seien für die SPD «völlig
unakzeptabel». Die Koalition habe bereits im laufenden Jahr
Leistungsbeschränkungen bei Hartz-IV-Empfängern durchgesetzt,
die Angebote zurückweisen. Nun müsse zunächst die
Wirkung dieser Maßnahmen untersucht werden. Wer glaube, das
Problem der Arbeitslosigkeit allein durch Druck auf Arbeitslose
lösen zu können, liege daneben, meinte Heil.
Einwände kamen auch aus den CDU-Reihen: «Wir lehnen jegliche
Diskussionen, die mit einer Leistungskürzung verbunden sind,
ab», sagte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff
(CDU) der «Mitteldeutschen Zeitung» (Montag). Es mangele
nicht am Wollen der Leute, sondern an Job-Angeboten.
Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Kornelia
Möller, warf der Union vor, mit ihren Vorschlägen
«Erwerbslose unter den Generalverdacht der
Arbeitsunwilligkeit» zu stellen. Es sei aber erwiesen, dass es
keinen massenhaften Missbrauch bei Hartz IV gibt. Die
arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer,
kritisierte, die Union habe sich «in eine unverantwortliche
Sanktionshysterie» gesteigert.
Nach einer Übersicht des Deutschen Landkreistages (DLT) wurden im
ersten Halbjahr 2006 bei nur einem Prozent der als erwerbsfähig
eingestuften Empfänger von Arbeitslosengeld II die Leistungen
eingeschränkt. Bei den unter 25-Jährigen waren es 1,3
Prozent. Der Landkreistag legte Kennzahlen zur Hartz-IV-Reform in den
69 so genannten Optionskommunen vor, die Langzeitarbeitslose in
Eigenregie betreuen.
(Quelle: dpa)
SPD-Fraktionsgeschäftsführerin zweifelt an Merkels
Führungsstärke
Di.10.10.06 - In der SPD-Bundestagsfraktion herrscht weiterhin Verärgerung
über den Führungsstil von Bundeskanzlerin Angela Merkels
gegenüber den Unions-Ministerpräsidenten. Die
Parlamentarische Geschäftsführerin Iris Gleicke sagte der
Chemnitzer «Freien Presse», die SPD-Fraktion stehe zwar zum
Regierungsbündnis mit der Union. Merkel müsse aber
klarstellen, dass Deutschland nicht von München, sondern von
Berlin aus regiert werde, fügte Gleicke in Anspielung auf die
Kritik von CSU-Chef Edmund Stoiber an der Gesundheitsreform hinzu.
Es sei ein Unding, sich von den Ministerpräsidenten der Union
unentwegt auf der Nase herumtanzen zu lassen. Wenn sich die Kanzlerin
nicht dagegen zur Wehr setzen könne, müsse eben die Hilfe aus
der SPD kommen. Offensichtlich müsse Frau Merkel das mit dem Basta
noch lernen, wurde Gleicke zitiert.
Dagegen lobte SPD-Fraktionschef Peter Struck Merkel ausdrücklich
dafür, dass sie die Gesundheitsreform in den eigenen Reihen
durchgesetzt habe. «Ich freue mich, dass es Frau Merkel gelungen
ist, die Skepsis einiger Unions-Ministerpräsidenten zu
überwinden», sagte Struck den «Lübecker
Nachrichten». Struck hatte am Wochenende mit der Aussage, einige
Unions-Ministerpräsidenten hätten bei der Gesundheitsreform
Schwierigkeiten gemacht, einen Koalitionskrach ausgelöst. Merkel
hatte daraufhin von einer Zumutung gesprochen und SPD-Chef Kurt Beck
zum Eingreifen aufgerufen.
Gleicke betonte, Struck habe sich noch zurückhaltend
geäußert. In der SPD-Bundestagsfraktion gebe es
«erheblichen Unmut» über das von der Union verursachte
Gesundheitschaos. Viele Kollegen aus der Unionsfraktion täten ihr
fast leid, denn auch sie würden wie Merkel von
Ministerpräsident Stoiber und «anderen Provinzfürsten
der Union permanent lächerlich gemacht».
(Quelle: ap)
Republikaner müssen sich wegen Wählertäuschung
verantworten
Di.10.10.06 - Drei Mitglieder der Düsseldorfer Republikaner müssen sich ab
Dienstag vor Gericht verantworten. Wie ein Sprecher des
Düsseldorfer Landgerichts mitteilte, hat die Staatsanwaltschaft
Anklage wegen Wählertäuschung und Urkundenfälschung in
mehr als 250 Fällen erhoben. So sollen die drei Angeklagten im
Alter zwischen 33 und 54 Jahren unter anderem in zahlreichen Fällen
Unterschriften gefälscht haben, um die nötige Anzahl für
die Zulassung zur Landtagswahl 2005 zu erreichen.
Die Republikaner hatten in Düsseldorf Unterschriften gesammelt,
mit denen angeblich härtere Strafen gegen Sexualtäter
befürwortet werden sollten. In Wirklichkeit handelte es sich den
Angaben zufolge um Unterstützungslisten der Republikaner. In
anderen Fällen sollen die Angeklagten Unterschriften sogar
eigenhändig auf Wahlformulare kopiert haben.
Bislang hat das Gericht rund ein Dutzend Verhandlungstage vorgesehen,
die Staatsanwaltschaft hat 263 Zeugen benannt. Zu den drei Beschuldigten
gehört auch ein Republikaner, der im Düsseldorfer Stadtrat
sitzt. Wie es weiter hieß, bestreiten die Angeklagten die
Vorwürfe.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Wirtschafts-Nobelpreis an US-Forscher Phelps
Di.10.10.06 - Alle diesjährigen Nobelpreise für wissenschaftliche Arbeit
sind in diesem Jahr in die USA gegangen. Nachdem die schwedische
Akademie am Montag die Vergabe des Wirtschaftspreises an den New Yorker
Ökonomen Edmund S. Phelps (73) bekannt gab, haben insgesamt sechs
Forscher aus den Vereinigten Staaten sich die die mit jeweils zehn
Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierten Auszeichnungen für
Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft geteilt.
Der seit vielen Jahren als Nobelpreis-Anwärter geltende Phelps
erhielt die Auszeichnung für seine Analyse vom Verhältnis
kurz- und langfristiger Effekte in der Wirtschaftspolitik. Die Arbeit
des an der Columbia University lehrenden Ökonomen habe
entscheidende Impulse sowohl für andere Forscher wie für die
Wirtschaftspolitik gegeben, hieß es zur Begründung.
Auch bei dem generell stark umstrittenen Wirtschaftspreis konnten die
USA ihre Vormachtstellung weiter ausbauen. Von allen 58 bisherigen
Preisträgern des Wirtschaftspreises seit der ersten Vergabe 1969
haben 44 in den Vereinigten Staaten gearbeitet. Der Preis hat innerhalb
der Nobelstiftung nicht denselben Status wie die anderen Preise, die
seit 1901 nach dem Testament des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896)
vergeben werden.
(Quelle: dpa)