Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertvierunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mehr als 300.000 Iraker seit dem Sturz Saddam Husseins geflohen. Erneut
60 Leichen in Bagdad gefunden. Bei Anschlägen mindestens acht
Menschen getötet
Mi.11.10.06 - Seit dem Sturz des irakischen Machthabers Saddam Hussein 2003 sind mehr
als 300.000 Iraker aus ihren Häusern vor der Gewalt in andere
Teile des Landes geflohen. Die Flucht habe dabei in den vergangenen
sechs Monate mit der ausufernden Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten
noch zugenommen, teilte die Regierung am Dienstag mit. Zudem seien
890.000 Iraker in dieser Zeit ins Ausland, nach Jordanien, Syrien oder
in den Iran geflohen, sagte Einwanderungsminister Abdul Samad Sultan.
Die Fluchtbewegung habe die Trennung zwischen den verschiedenen
Glaubensrichtungen noch verstärkt, sagte Sultan. Diejenigen, die
geflohen seien, seien in Gebiete gegangen, in denen vor allem
Angehörige ihres eigenen Glaubens lebten. «Das ist das Ziel
der Terroristen», sagte Sultan. «Sie wollen getrennte
Gebiete von Sunniten und Schiiten schaffen und so die demographische
Landschaft des Iraks verändern.»
Der anhaltenden Gewalt im Irak sind fünf weitere amerikanische
Soldaten zum Opfer gefallen. Dabei handelte es sich um drei
Marineinfanteristen sowie zwei weitere Soldaten, wie die
US-Streitkräfte am frühen Mittwochmorgen mitteilten. Die
Marineinfanteristen seien bereits am Montag bei Kämpfen mit
Aufständischen in der Provinz Anbar westlich von Bagdad ums Leben
gekommen. Die beiden anderen Soldaten seien in Bagdad und in Tikrit
getötet worden.
Die Polizei in Bagdad hat innerhalb von 24 Stunden erneut 60 Leichen
geborgen. Die Opfer wurden vor ihrem Tod offenbar gefoltert, wie ein
Polizeisprecher am Dienstag mitteilte. Die Männer im Alter zwischen
20 und 50 Jahren waren an Händen und Füßen gefesselt
und wiesen zahlreiche Einschüsse auf. Übergriffe von
Todesschwadronen haben in den vergangenen Monaten im Irak bereits
tausende Menschen das Leben gekostet.
In Amara südöstlich der Hauptstadt wurde nach Polizeiangaben
am Dienstag ein ehemaliges Mitglied der Baath-Partei des gestürzten
Präsidenten Saddam Hussein getötet. In Mossul erschossen
Bewaffnete aus einem fahrenden Auto heraus einen irakischen Polizisten,
bei einem weiteren Angriff kam eine Zivilperson ums Leben. Landesweit
wurden mindestens acht Menschen bei Anschlägen getötet.
In Bagdad entführten Unbekannte einen
Fußball-Schiedsrichter. Hasim Hussein habe am Montagabend das
Schaab-Stadion im Nordosten der Hauptstadt verlassen, als er verschleppt
wurde, wie ein Polizeisprecher erklärte. Die Kidnapper hätten
umgerechnet 160.000 Euro Lösegeld gefordert, sagte der Leiter der
irakischen Schiedsrichtervereinigung, Tarik Ahmed, der Zeitung
«Aschark al Ausat». Ende September war ein bekannter
irakischer Fußballspieler entführt worden, über sein
Schicksal ist seitdem nichts bekannt. Im Juli war der irakische
Fußball-Nationaltrainer wegen Todesdrohungen gegen seine Familie
zurückgetreten. Am Freitag hatten Bewaffnete einen ehemaligen
Volleyball-Nationalspieler getötet.
Im Prozess gegen Saddam Hussein schnitt der Vorsitzende Richter
Mohammed Oreibi al Chalifa dem Angeklagten am Dienstag das Wort ab und
ließ ihn aus dem Gerichtssaal führen. Saddam Hussein muss
sich wegen der Ermordung zehntausender Kurden in den 80er Jahren vor
Gericht verantworten. Seine Anwälte boykottieren den Prozess.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 11.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.11.10.05 - Führende Sunniten veröffentlichen Erklärung gegen
Verfassung +++ Mindestens 13 Tote bei Anschlägen +++ Delegation der
Arabischen Liga im Irak beschossen +++ London verringert Truppe im Irak um
500 Mann...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510110.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Syriens Außenminister ruft Deutschland zu Vermittlung in Nahost
auf. Italiens Ministerpräsident Prodi zu Gesprächen über
Friedensmission im Libanon eingetroffen. Ruf nach
palästinensischen Neuwahlen. Israelische Luftangriffe auf
Extremisten im Gazastreifen
Mi.11.10.06 - Der syrische Außenminister Walid Muallem hat die Bundesregierung
zu stärkeren Vermittlungsbemühungen im Nahen Osten
aufgerufen. "Deutschland sollte eine größere Rolle bei der
Regelung der Probleme in der Region spielen", sagte Muallem am Dienstag
nach einem Treffen mit einer Delegation des deutschen Parlaments in
Damaskus, die von Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn geleitet wurde.
Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Das
Gespräch habe sich um die "Notwendigkeit zur Wiederbelebung des
israelisch-arabischen Friedensprozesses" gedreht.
Der italienische Ministerpräsident Romani Prodi ist zu
Gesprächen über die Friedensmission im südlichen Libanon
in Beirut eingetroffen. Er wurde am Dienstagabend am Flughafen vom
libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora und anderen
Regierungsmitgliedern begrüßt. Für (heutigen) Mittwoch
war ein Besuch des Einsatzgebiets der UN-Friedenstruppe UNIFIL
vorgesehen. Italien wird künftig mit 2.500 Soldaten das
größte Kontingent dieser Truppe bilden, die gemäß
der UN-Resolution nach dem jüngsten Libanon-Krieg von gut 5.000
auf 15.000 Mann aufgestockt werden soll. Im kommenden Februar wird
Italien dann auch von Frankreich das Kommando über die
UNIFIL-Einheit übernehmen.
Bei den Palästinensern werden angesichts der gescheiterten
Bemühungen um eine Einheitsregierung von Hamas und Fatah Rufe nach
Neuwahlen laut.
Ein Berater von Präsident Mahmud Abbas (Fatah) sagte am Dienstag,
eine von der radikal-islamischen Hamas abgelehnte Initiative Katars sei
«der letzte Versuch» einer Einigung gewesen. Er sehe nun
die Notwendigkeit vorgezogener Wahlen, sagte Jassir Abed Rabbo.
Die Hamas lehnt nach Angaben eines Sprechers sowohl eine
Zwei-Staaten-Lösung mit Israel als auch einen Gewaltverzicht
weiter ab. Damit wies die Organisation zwei von insgesamt sechs Punkten
eines Kompromissvorschlags zurück, den Katars Außenminister
Hamad bin Jassim bin Jaber al-Thani vorgelegt hatte. Al-Thani reiste
nach Gesprächen mit Abbas und Ministerpräsident Ismail Hanija
in Gaza am Dienstag wieder ab.
Abbas hatte vergangene Woche nach blutiger innerpalästinensischer
Gewalt gesagt, er sehe derzeit kaum Chancen für die Bildung einer
gemeinsamen Regierung mit Hamas. Er setzte eine Frist von zwei Wochen
für eine Einigung. Hamas hatte zu Jahresbeginn mit großer
Mehrheit die palästinensischen Parlamentswahlen gewonnen.
Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht zum Mittwoch zwei
Einsätze im Gazastreifen geflogen. Ein Angriff galt dem Haus eines
Abgeordneten der Hamas in der Stadt Gaza, wie palästinensische
Sicherheitskreise berichteten. Das Haus habe jedoch leer gestanden, so
dass niemand verletzt worden sei. Die israelischen Streitkräfte
erklärten, die Luftwaffe habe ein unbewohntes Gebäude
angegriffen, in dem Waffen gelagert worden seien.
Zuvor wurde aus einem israelischen Kampfflugzeug auf ein Fahrzeug
geschossen, wobei nach palästinensischen Angaben ein Bewaffneter
verletzt wurde. Der Angriff habe sich nahe des Flüchtlingslagers
Nusseirat in der Mitte des Gazastreifens ereignet. Israel
bestätigte lediglich, dass ein Extremist getroffen worden sei. Am
Dienstag wurde im Norden des Autonomiegebiets ein bewaffneter
Palästinenser erschossen, der sich nach Militärangaben dem
Grenzzaun genähert hatte.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Nigeria: Jugendliche nehmen 60 Shell-Mitarbeiter als Geiseln
Mi.11.10.06 - Bewaffnete Jugendliche haben in Nigeria eine Anlage des Ölkonzerns
Shell gestürmt und rund 60 Angestellte als Geiseln genommen. Die
Angreifer aus der Gemeinde Oporoma hätten die Sicherheitsposten
der Anlage am Fluss Nun im südlichen Niger-Delta
überwältigt, erklärte das britisch-niederländische
Unternehmen in Lagos. Die Regierung habe Verhandlungsführer
entsandt.
Ein Sprecher der nigerianischen Marine sagte, Hintergrund seien
offenbar "Missverständnisse" über Vereinbarungen des
Shell-Konzerns mit der Gemeinde. Seit Jahresbeginn häufen sich die
Angriffe auf Ölanlagen im Niger-Delta. Die Anwohner werfen den
Konzernen vor, Versprechen von mehr Arbeitsplätzen und
Sozialleistungen zu brechen.
Der Shell-Konzern erklärte, bislang sei durch die Geiselnahme
niemand verletzt worden. Die Produktion sei zwangsläufig
eingestellt worden. Der Ausfall belaufe sich auf rund 12.000 Barrel
Öl am Tag.
Seit Beginn des Jahres verstärken sich die Unruhen im Niger-Delta,
in dem die Öl- und Gasindustrie Milliardenumsätze generiert.
Die dort ansässige Bevölkerung muss im Durchschnitt mit
weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. In den vergangenen neun
Monaten wurden zahlreiche Sicherheitskräfte in Ölanlagen
getötet und dutzende Mitarbeiter entführt. Bei den
Tätern handelt es sich teils um Aufständische, die unter
anderem eine stärkere Beteiligung der Einheimischen an den
Gewinnen aus der Ölförderung verlangen; zum Teil gehören
sie dem organisierten Verbrechen an.
Allein im Oktober wurden bereits 14 Soldaten getötet und mehr als
30 Mitarbeiter der Ölindustrie verschleppt. Die meisten Geiseln
kamen wieder frei. Sieben Ausländer werden jedoch noch vermisst.
Nigeria ist weltweit der sechstgrößte Ölexporteur. Mehr
als 95 Prozent seiner Devisen bezieht das westafrikanische Land aus dem
Ölverkauf. Durch die Angriffe reduzierte sich die Produktion seit
Jahresbeginn jedoch bereits um ein Viertel. Der Shell-Konzern musste
bereits dutzende Bohr- und Förderanlagen schließen. Die
Produktion des Konzerns in Nigeria sank insgesamt um rund 477.000
Barrel Öl pro Tag.
(Quelle: afp)
Nordkorea muss mit harten Sanktionen rechnen - Pjöngjang droht mit
Abschuss von Atomrakete - USA planen keine Militäraktion gegen das
kommunistische Land
Mi.11.10.06 - Trotz drohender Sanktionen bietet Nordkorea der internationalen
Gemeinschaft weiter die Stirn. Einen Tag nach dem ersten Atomwaffentest
drohte der kommunistische Staat mit der Zündung einer atomar
bestückten Rakete.
Die USA haben derweil ihre Haltung bekräftigt, keine
Militäraktionen gegen das kommunistische Land zu planen. Zugleich
warnte Außenministerin Condoleezza Rice das Regime in
Pjöngjang jedoch vor einem nuklearen Angriff auf ein anderes Land.
Der Sicherheitsrat beriet unterdessen über Strafmaßnahmen.
Selbst China, traditionell ein enger Verbündeter des Regimes in
Pjöngjang, schien seinen Widerstand gegen Sanktionen aufzugeben.
Einen Militärschlag lehnt China aber kategorisch ab.
Der Atomtest belaste die Beziehungen zwischen Nordkorea und China,
sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Dienstag in Peking.
Ein militärisches Vorgehen sei dennoch unvorstellbar. Auch die
südkoreanische Ministerpräsidentin Han Myung Sook
kündigte an, ihre Regierung sei gegen jegliche UN-Resolution, die
Nordkorea mit dem Einsatz von Gewalt drohe. Auf der koreanischen
Halbinsel dürfe es nie mehr Krieg geben, sagte Han im Parlament.
Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap zitierte einen
nordkoreanischen Regierungsvertreter mit den Worten, die weitere
Entwicklung hänge vom Verhalten der USA ab. «Wir hoffen, dass
die Situation gelöst wird, bevor es zu dem bedauerlichen Vorfall
kommt, dass wir eine atomar bestückte Rakete zünden»,
sagte der nicht namentlich genannte Beamte. Nordkorea strebe nach
Sicherheit. Der Atomwaffentest sei Ausdruck der Absicht, die USA zu
bilateralen Verhandlungen zu bewegen. Dies lehnt Washington bislang ab.
Wenn die USA «entsprechende Maßnahmen» ergriffen, sei
Nordkorea bereit, auf sein Atomwaffenprogramm zu verzichten und wieder
an den Sechs-Parteien-Gesprächen teilzunehmen, sagte der von
Yonhap zitierte Gewährsmann weiter. Sanktionen seien keine
Lösung.
Am Sitz der Vereinten Nationen in New York brachten die USA am
Montagabend einen Resolutionsentwurf in Umlauf, der harte Sanktionen
gegen Nordkorea vorsieht. Das Dokument wirft Nordkorea eine eklatante
Missachtung der internationalen Gemeinschaft vor, die zum Verzicht auf
den Atomwaffentest aufgerufen hatte. Vorgesehen sind unter anderem ein
Waffenembargo und ein Handelsverbot für alle anderen
militärischen Güter sowie für Luxuswaren. Darüber
hinaus sollen alle Guthaben eingefroren werden, die im Zusammenhang mit
dem nordkoreanischen Atomwaffenprogramm stehen könnten.
Auf Drängen Japans wurde der vom Sicherheitsrat geplante
Handelsboykott noch dahingehend ausgeweitet, dass kein Land mehr
nordkoreanische Schiffe in seine Häfen oder nordkoreanische
Flugzeuge landen lassen darf, wenn diese Güter transportieren, die
vom Embargo betroffen sind. Ferner werden ranghohen nordkoreanischen
Beamten Reisebeschränkungen auferlegt. Der japanische
Kabinettssekretär Yasuhisa Shiozaki erklärte, Tokio
schließe auch militärische Sanktionen gegen Nordkorea nicht
aus.
Der südkoreanische Minister für Wiedervereinigung, Lee Jong
Seok, sagte am Dienstag vor dem Parlament in Seoul, es sei davon
auszugehen, dass Nordkorea am Montag tatsächlich einen atomaren
Sprengsatz gezündet habe. Es werde aber etwa zwei Wochen dauern,
bis man herausgefunden habe, ob der Test erfolgreich war.
(Quellen: ap, dpa)
Japan will frei von Atomwaffen bleiben
Mi.11.10.06 - Japan hält auch nach dem von Nordkorea gemeldeten Atombombentest
an seiner Politik fest, selbst keine Atomwaffen zu besitzen. Das machte
der neue Ministerpräsident Shinzo Abe am Dienstag Medienberichten
zufolge vor einem Parlamentsausschuss klar.
Es gebe keine Änderung an Japans drei Prinzipien, keine Atomwaffen
zu bauen, keine zu besitzen und auch die Stationierung solcher Waffen
auf dem eigenem Boden nicht zu erlauben. Der Regierungschef reagierte
damit auf die von einem Abgeordneten geäußerte Besorgnis,
dass Nordkoreas Atomtest in Japan eine Debatte entfachen könnte, ob
sich das Land nicht selbst eines Tages mit Atomwaffen schützen
sollte.
Japan ist das einzige Land der Welt, das Opfer eines Angriffes mit
Atombomben wurde - 1945 auf die Städte Hiroschima und Nagasaki.
(Quelle: dpa)
Mehr als 950 Kinder durch chinesische Fabrik vergiftet
Mi.11.10.06 - Durch den Rauch eines Schmelzwerks haben im Nordwesten Chinas mehr als
950 Kinder eine Bleivergiftung erlitten. Die Fabrik in der Provinz Gansu
sei vor einiger Zeit als Ursache der gehäuften Bleivergiftungen in
der Region identifiziert und geschlossen worden, berichtete die
staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag. Dennoch habe das Werk
die Produktion den Sommer über fortgesetzt. Insgesamt sei bislang
bei 954 Kindern aus der Umgebung der Anlage eine Bleivergiftung
identifiziert worden. Die Zahl könne noch weiter steigen, weil
noch nicht alle Blutproben ausgewertet seien.
(Quelle: afp)
Etappensieg für Umweltschützer in EU-Chemikalienstreit
Mi.11.10.06 - Im Streit über die künftige Chemikaliengesetzgebung in der
Europäischen Union haben Umweltschützer einen Etappensieg
gegen die Industrie errungen.
Der Umweltausschuss des EU-Parlaments sprach sich am Dienstag in
Brüssel für ein Verbot besonders gefährlicher Chemikalien
aus, wenn diese auch mit harmloseren Stoffen ersetzt werden
können. Damit seien die Weichen für mehr Gesundheits- und
Umweltschutz gestellt, sagte die Grünen-Abgeordnete Hiltrud Breyer.
Die Entscheidung stieß auf Widerstand bei der Industrie und
dürfte auch zu neuem Streit mit den EU-Regierungen führen. Das
Ausschussvotum muss noch vom gesamten Parlament bestätigt werden.
In dem Streit geht es um die letzten entscheidenden Passagen der
"REACH" genannten Chemikalien-Regelung. Reach schreibt Tests, eine
Registrierung und Genehmigungsverfahren für Zehntausende
Chemikalien vor.
Während das Registrierungsverfahren weitgehend geklärt ist,
geht es nun noch um die Regeln für die Zulassung gefährlicher
Stoffe, die etwa Krebs erregen. Der Ausschuss sprach sich dafür
aus, dass Unternehmen nachweisen sollen, dass die sozialen oder
wirtschaftlichen Vorteile besonders gefährlicher Chemikalien
schwerer wiegen als die Risiken für die Gesundheit von Menschen
oder die Umwelt, sagte der federführende Abgeordnete Guido Sacconi.
Der europäische Unternehmerverband Unice kritisierte das
Ausschuss-Votum. Die Pflicht zum Ersetzen gefährlicher Stoffe
stelle die Industrie vor ernsthafte Probleme. Es müsse darauf
ankommen, ob sich das Risiko angemessen kontrollieren lasse. Sonst werde
nur nutzlose Bürokratie geschaffen, ohne Umwelt und Gesundheit
mehr zu schützen.
Auch die deutsche chemische Industrie übte scharfe Kritik. Ihr
Branchenverband VCI erklärte, vor allem mittelständischen
Unternehmen drohten Schwierigkeiten. "Wenn es nach den Vorstellungen des
Umweltausschuss geht, wird REACH das teure und bürokratische
Verordnungsmonster, vor dem wir seit Jahren warnen", erklärte
VCI-Geschäftsführer Gerd Romanowski. Die Forderungen des
Umweltausschusses behinderten Investitionen dar.
(Quelle: rtr)
Deutschland und Russland wollen enger kooperieren
Mi.11.10.06 - Deutschland und Russland wollen ihre Zusammenarbeit in Politik,
Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft weiter ausbauen. Russlands
Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
unterstrichen am Dienstag in Dresden den Willen zur engen Kooperation.
Putin sagte Merkel zugleich Aufklärung im Fall der ermordeten
regierungskritischen russischen Journalistin Anna Politkowskaja zu.
«Wir werden alles dafür tun», sagte Putin. Die
unakzeptable «Gräueltat» schade Russland mehr als die
Veröffentlichungen Politkowskajas, die nur in den Kreisen der
Regimekritiker bekannt gewesen seien. Die Täter müssten
ausfindig gemacht, verhaftet und bestraft werden.
Merkel betonte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin, sie
gehe davon aus, dass alle Anstrengungen unternommen würden, um die
Täter zu fassen. «Ich habe das zur Kenntnis genommen und
glaube, dass so verfahren wird», betonte die Kanzlerin, die sich
erneut »sehr bestürzt« über den Mord zeigte. Es
sei »selbstverständlich, dass die Pressefreiheit zu einer
demokratischen Entwicklung gehört», mahnte sie.
In der Energiepolitik versicherte Putin, Russland sei für
Deutschland und Europa ein verlässlicher Partner. Mit
Fertigstellung der geplanten deutsch-russischen Erdgas-Pipeline durch
die Ostsee werde Deutschland zu einem «europäischen
Verteilerzentrum». Voraussichtlicher Baubeginn für das
umstrittene Projekt ist 2008.
Gleichzeitig verteidigte Putin das jüngste, fünfprozentige
Engagement der russischen Staatsbank beim europäischen Luft- und
Raumfahrtkonzern EADS. Dabei handle es sich um eine «normale
Investition» in einer wachsenden Branche. Es gebe
«keinerlei Pläne für eine feindliche
Übernahme».
Vertreter Deutschlands und Russlands unterzeichneten in Anwesenheit von
Putin und Merkel bilaterale Abkommen über eine Zusammenarbeit im
Gesundheitsbereich, im Finanzwesen sowie bei der
Rohstofferschließung. Vorgesehen ist unter anderem die
Gründung eines gemeinsamen Kompetenzzentrums für
Rohstofferkundung, -entwicklung und -verwertung. Zudem sollen deutsche
und russische Mediziner in den kommenden zehn Jahren bei der
Bekämpfung von Infektionskrankheiten kooperieren.
Am Abend nahmen Merkel und Putin an der Enthüllung eines Denkmals
des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewskij (1821-1881) teil,
der zeitweise in Dresden gelebt hatte. Danach beteiligten sich beide
Politiker an der Abschlusssitzung des «Petersburger
Dialogs». Im Rahmen der deutsch-russischen Fachveranstaltung
berieten sieben Arbeitsgruppen mit rund 180 Teilnehmern unter anderem
über die Beziehungen zwischen der EU und Russland sowie über
Pressefreiheit und Energiepolitik.
Der «Petersburger Dialog» findet seit 2001 abwechselnd in
Deutschland und Petersburg statt. Das Treffen geht auf eine Initiative
von Putin und Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zurück.
(Quelle: ddp)
Neuer Airbus-Chef kündigt schmerzhaften Stellenabbau an
Mi.11.10.06 - Der neue Chef des Flugzeugherstellers Airbus, Louis Gallois, hat die
Beschäftigten des deutsch-französischen Unternehmens auf einen
schmerzhaften Stellenabbau vorbereitet.
"Es wird einen Abbau von Arbeitsplätzen geben", sagte der
62-jährige Gallois am Dienstag dem französischen Radiosender
"Europe 1". Die Einsparungen müssten gleichmäßig auf
Frankreich und Deutschland verteilt werden und würden vor allem
Verwaltungs- und Managementposten betreffen. Dagegen benötige die
Tochter des EADS-Konzerns ihre Mitarbeiter in der Fertigung, um den
hohen Auftragsbestand an Flugzeugen zu produzieren und auszuliefern. Die
komplexe, zwischen Deutschland und Frankreich austarierte
Managementstruktur bezeichnete Gallois als "ein wenig barock".
Entscheidungen über die künftige Struktur sollten aber erst in
einigen Monaten getroffen werden.
Gallois soll in Personalunion Co-Vorstandschef des Mutterkonzern EADS
bleiben und als Airbus-Chef den kriselnden Flugzeughersteller sanieren.
Sein Vorgänger an der Spitze von Airbus, Christian Streiff, hatte
nach nur drei Monaten im Amt das Handtuch geworfen. Er hatte ein
Sparprogramm im Volumen von zwei Milliarden Euro vorgelegt, hatte Airbus
aber relativ unabhängig vom Mutterkonzern steuern wollen. Die
EADS-Führung bestand nach den Verzögerungen beim
doppelstöckigen Airbus A380, die den Konzern bis 2010 fast
fünf Milliarden Euro kosten werden, aber auf eine strikte Anbindung.
Zudem war Streiff mit Ideen für Veränderungen in der
politisch sorgsam austarierten Produktionsstruktur vorgeprescht, was
für Kritik von Politikern und Gewerkschaftern vor allem in
Deutschland sorgte. Allein am Standort Hamburg, wo Beschäftigte den
Abzug des Fertigungsanteils am A380 fürchten, beschäftigt
Airbus mehr als 11.000 Mitarbeiter. Insgesamt hat Airbus rund 55.000
Mitarbeiter.
An der Börse legte die EADS-Aktie nach dem Führungswechsel
bei Airbus zu. In Paris wurde die Aktie, die in Deutschland im
Nebenwerteindex MDax notiert ist, am Vormittag für 20,86 Euro
gehandelt, sie lag damit um 3,5 Prozent über dem Vortagesschluss.
(Quelle: rtr)
Sozialversicherungen erzielen 8,5 Milliarden Euro Überschuss
Mi.11.10.06 - Die gesetzlichen Sozialversicherungen in Deutschland haben im ersten
Halbjahr 2006 einen deutlichen Überschuss erzielt. Wie das
Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, verzeichneten die
gesetzliche Kranken-, Pflege-, Unfall- und Rentenversicherung, die
Alterssicherung für Landwirte sowie die Bundesagentur für
Arbeit nach vorläufigen Ergebnissen einen
Finanzierungsüberschuss von 8,5 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr
2005 sei dagegen noch ein Finanzierungsdefizit von 7,1 Milliarden Euro
verbucht worden.
Für die positive Entwicklung sei in erster Linie der Zuwachs bei
den Einnahmen verantwortlich: Nach Angaben des Bundesamtes stiegen sie
im ersten Halbjahr 2006 um 6,2 Prozent auf 242,4 Milliarden Euro recht
kräftig. Die Ausgaben beliefen sich auf 233,9 Milliarden Euro. Sie
blieben damit um 0,7 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresniveau.
Den größten Einzelüberschuss in den ersten sechs
Monaten dieses Jahres erzielten die gesetzliche Rentenversicherung mit
5,0 Milliarden Euro (Defizit im vergleichbaren Vorjahreszeitraum: 4,3
Milliarden Euro) und die Bundesagentur für Arbeit (Überschuss
in den ersten sechs Monaten 2006: 3,3 Milliarden Euro, Defizit im
Zeitraum Januar bis Ende Juni 2005: 3,4 Milliarden Euro).
Wegen der starken Schwankungen der Ausgaben und Einnahmen könnten
anhand der Daten des ersten Halbjahres jedoch noch keine
Rückschlüsse auf das Jahresergebnis gezogen werden, hieß
es weiter.
(Quelle: ddp)
Verfassungsgericht kritisiert wachsende Zahl unnötiger
Durchsuchungen
Mi.11.10.06 - Das Bundesverfassungsgericht hat die Zunahme unnötiger
Wohnungsdurchsuchungen scharf kritisiert. In drei in Karlsruhe
veröffentlichten exemplarischen Beschlüssen forderte Karlsruhe
die zuständigen Richter auf, sich an ihre verfassungsrechtlichen
Pflichten zu halten. Dazu zähle die Prüfung der
Verhältnismäßigkeit einer beantragten
Wohnungsdurchsuchung ebenso wie die Pflicht zur Erreichbarkeit des
Ermittlungsrichters tagsüber oder die gründliche Prüfung
der Begründetheit eines Durchsuchungsantrags.
In einem der Fälle war in Aachen eine Anwaltskanzlei wegen eines
Parkverstoßes durchsucht worden. Die Verfassungshüter
bezeichneten dies als "grob unverhältnismäßig und
willkürlich". Im Gericht hieß es, die Zahl solcher Fälle
werde immer häufiger und liege in der zuständigen Kammer bei
rund 20 Prozent aller aufhebenden Beschlüsse.
(Quelle: afp)
Mutmaßlicher Al-Kaida-Unterstützer festgenommen
Mi.11.10.06 - Weil er Gedankengut des Terror-Netzwerks Al Kaida weltweit im Internet
verbreitet haben soll, ist am Dienstag in Niedersachsen einen
36-jährigen Iraker festgenommen worden. Wie die Bundesanwaltschaft
mitteilte, wird der Mann der Unterstützung einer terroristischen
Vereinigung verdächtigt. Am Mittwoch soll er dem
Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgefürt werden, der
über eine mögliche Untersuchungshaft entscheidet.
Der Verdächtige soll nach den bisherigen Ermittlungen mindestens
seit dem 24. September 2005 Audio- und Videobotschaften von Osama bin
Laden, Ayman Al Sawahiri und Abu Musab Al Sarkawi von seiner Wohnung
aus über das Internet verbreitet haben. Die Bundesanwaltschaft
machte am Dienstag keine Angaben dazu, wie Ibrahim R. selbst in den
Besitz der Botschaften gelangte. Es hieß, der Mann sei mit Hilfe
des Niedersächsischen Amtes für Verfassungsschutz, des
Landeskriminalamts Niedersachsen und des Bundeskriminalamts
aufgespürt worden.
Mit den weiteren Ermittlungen ist das Landeskriminalamt Niedersachsen
beauftragt. Das LKA wollte sich nicht zu dem Fall äußern und
verwies lediglich auf die Zuständigkeit der
Generalbundesanwältin. Die Bundesanwaltschaft erklärte,
weitere Einzelheiten zu den Tatvorwürfen könnten aus
ermittlungstaktischen Gründen nicht mitgeteilt werden.
Am Morgen hatten Beamte des niedersächsischen LKAs die Wohnung von
Ibrahim R. in Georgsmarienhütte südlich von Osnabrück
durchsucht und dabei Beweismaterial sichergestellt. Der
niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann erklärte,
der Beschuldigte sei seit einen Jahr beobachtet worden, weil er an
einer anderen Straftat beteiligt gewesen sein soll. Der Mann habe eine
Aufenthaltsgenehmigung beantragt, das Papier sei aber bisher nicht
genehmigt worden.
Nach einem Bericht der «Neuen Osnabrücker Zeitung»
(Mittwochausgabe) wurde die Wohnung des 36-Jährigen bereits zwei
Mal vom niedersächsischen Staatsschutz durchsucht, unter anderem
im Februar 2005 im Rahmen einer bundesweiten Razzia. Wie das Blatt
weiter schreibt, ist Ibrahim R. nach arabischem Recht verheiratet, gilt
aber nach deutschem Recht als ledig. Mit seiner 23-jährigen
Lebensgefährtin habe er drei gemeinsame Kinder, von denen zwei in
den Kindergarten gingen. Ibrahim R. sei vor mehreren Jahren aus dem
Irak geflüchtet und als Asylbewerber nach Deutschland gekommen.
Allerdings sei ihm sein Flüchtlingsstatus vor einigen Monaten
aberkannt worden.
Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Fraktion im Bundestag,
Wolfgang Bosbach, forderte angesichts der Festnahme die schnelle
Einführung der geplanten Anti-Terror-Datei. «Gerade beim
Kampf gegen den Terrorismus ist eine ständige, reibungslose und
verantwortungsvolle Zusammenarbeit aller Sicherheitsbehörden
unerlässlich», sagte der CDU-Politiker der
«Netzeitung». Die jüngste Verhaftung zeige,
«dass wir leider davon ausgehen müssen, dass das
inländische Gefährdungspotenzial größer ist, als
von vielen vermutet».
(Quelle: ap)
Fahndung per Videoüberwachung: BKA startet automatische
Gesichtererkennung an Mainzer Hauptbahnhof
Mi.11.10.06 - Das Bundeskriminalamt testet neue Verfahren zur Gesichtererkennung in
Menschenmengen. Die Polizeibehörde stellte am Dienstag in Mainz
ein Projekt vor, mit dem in Echtzeit Gesichter erkannt werden
können. BKA-Vizepräsident Jürgen Stock sagte, die neuen
Systeme könnten gesuchte Straftäter und Terroristen finden
und im besten Fall neue Verbrechen verhindern.
Die Spezialkameras im Eingangsbereich des Mainzer Hauptbahnhofs filmen
nahezu alle Personen, die den Bahnhof verlassen. Den Bereich passieren
täglich bis zu 20.000 Menschen. Die Fahndungssysteme sollen daraus
200 Probanden heraus filtern, die sich verpflichtet haben, mindestens
einmal täglich den fraglichen Bereich zu passieren. Der rund
210.000 Euro teure Modellversuch soll bis zum 31. Januar 2007 laufen.
Stock sagte, der Einsatz solcher Systeme sei in Zukunft an
Hauptbahnhöfen und Flughäfen sowie an
Kriminalitätsschwerpunkten denkbar. Die Systeme könnten nicht
nur die Fahndung nach Terroristen erleichtern, sondern der Polizei auch
helfen, vermisste Personen zu finden sowie vor großen
Sportereignissen Hooligans zu identifizieren und anzusprechen.
Die in Mainz aufgenommenen Bilder werden dabei mit einer speziell
für das Projekt erstellten Datei verglichen, in der alle 200
Probanden gespeichert sind. Stock betonte, dass die Mainzer Bilddaten
weder mit dem Fahndungscomputer des Bundeskriminalamts abgeglichen noch
weitergegeben werden sollten. Die Daten der freiwilligen Teilnehmer
werden nach BKA-Angaben nach Ende des Tests gelöscht, die der
übrigen, unfreiwillig gefilmten Reisenden jeweils 48 Stunden,
nachdem die Aufnahmen gemacht wurden.
Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar,
äußerte sich zurückhaltend zu dem Modellversuch.
«Bei biometrischen Fahndungssystemen könnte eine sehr
vollständige Kontrolle einreißen», sagte Schaar im
ZDF. Er forderte eine klare Beschränkung der neuen Technik auf
Fahndungszwecke.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg,
begrüßte das Projekt dagegen: «Um Menschen vor
Terroranschlägen zu schützen, sollte modernste Technik zu
Hilfe genommen werden.» Sollte der Modellversuch erfolgreich
sein, müsse eine intensive Diskussion um die Nutzung der
biometrischen Gesichtserkennung in der Öffentlichkeit beginnen.
Unterdessen wurde bekannt, dass das Bundesinnenministerium ab November
2007 in den Funk-Chips der neuen Reisepässe auch digitalisierte
Fingerabdrücke speichern will. Bereits jetzt werden in zwölf
Ämtern bei Passanträgen testweise auch die
Fingerabdrücke von Bürgern erfasst, wie ein
Ministeriumssprecher auf AP-Anfrage bestätigte. Dies geschehe
jedoch nur nach Einwilligung der Betroffenen. Zudem würden die
Daten bislang nicht auf dem Pass gespeichert.
(Quelle: ap)
Justizministerin Zypries gegen eine GEZ-Gebühr für Computer
Mi.11.10.06 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat sich gegen Pläne
der Länder ausgesprochen, ab 2007 eine GEZ-Gebühr für
Computer einzuführen. «Ich halte es derzeit für keine
gute Idee, internetfähige PCs mit einer eigenen Gebühr zu
belegen», sagte Zypries der «Saarbrücker
Zeitung» (Mittwoch).
Die Verbraucher würden schon jetzt für die mediale
Grundversorgung durch die öffentlich- rechtlichen
Rundfunkanstalten eine nicht gerade niedrige Gebühr bezahlen. Zwar
sei es richtig bei neuen Empfangsmöglichkeiten daran zu denken,
sie ins Gebührensystem einzubinden. «Das geht aber meines
Erachtens erst, wenn es wirklich eine relevante Nutzung dieser
Geräte gibt.» Derzeit würden PCs für die
tägliche Arbeit gekauft und nicht zum Fernsehgucken, sagte die
Ministerin.
(Quelle: dpa)