Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsechsunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Britischer Heereschef fordert Rückzug aus dem Irak. Acht Tote bei
Überfall auf sunnitischen Fernsehsender im Irak.
Irak-Kriegsdienstverweigerer in den USA verurteilt
Fr.13.10.06 - In ungewöhnlich offener Form ist der britische Heeres- und
Generalstabschef Richard Dannatt auf Distanz zur Irak-Politik von
Premierminister Tony Blair gegangen. Die britischen Truppen
müssten bald aus dem Irak zurückgezogen werden, sonst drohten
katastrophale Konsequenzen sowohl für den Irak als auch die
britische Gesellschaft, zitierte das Boulevardblatt «Daily
Mail» den General in einem Interview.
Ein Bericht über das Interview veröffentlichte «Daily
Mail» am Donnerstagabend auf seiner Webseite. Dannatt sagte
demnach, die Anwesenheit britischer Soldaten verschlimmere inzwischen
nur noch die Lage im Irak. «Was immer wir auch an Zustimmung am
Anfang hatten ist nun zum größten Teil in Ignoranz
umgeschlagen», sagte Dannatt. «Ich sage nicht, dass die
Probleme, mit denen wir in der Welt konfrontiert werden, von unserer
Anwesenheit im Irak verursacht wurden. Aber unsere Anwesenheit im Irak
verschlimmert sie.»
Sowohl die «Daily Mail» als auch der Rundfunksender BBC
stuften Dannatts Äußerungen als eine der bislang
ungewöhnlichste Stellungnahmen eines aktiven Generals zur
offiziellen Regierungspolitik ein. BBC-Politikchef Nick Robinson
erklärte auf der Webseite des Senders, der Heereschef widerspreche
direkt «so vielem, was die Regierung gesagt hat».
«Daily Mail» sprach von einer direkten Zurückweisung
der Politik Blairs durch den General.
Dannatt kritisierte insbesondere die Politik und Wiederaufbauplanung
nach dem erfolgreichen Feldzug 2003. «Ich denke, die Geschichte
wird zeigen, dass die Planung nach dem Anfangs erfolgreichen Krieg
schlecht war und womöglich mehr auf Optimismus denn auf
vernünftiger Planung beruhte», wurde er zitiert.
Ursprüngliches Ziel sei gewesen, eine für die Region
beispielhafte liberale Demokratie zu errichten, die prowestlich sein
und eine möglichst positive Wirkung auf das Gleichgewicht im Nahen
Osten haben sollte. «Das war die Hoffnung, ob nun vernünftig
oder naiv, das wird die Geschichte entscheiden. Ich denke nicht, dass
wir das erreichen. Wir sollten uns mit weniger Ehrgeiz
begnügen.»
Das britische Verteidigungsminister erklärte zu dem Interview, die
Regierung habe eine klare Irak-Strategie: «Wir sind dort mit
unseren internationalen Verbündeten zur Unterstützung der
demokratisch gewählten Regierung unter einem klaren Mandat der
Vereinten Nationen.» Blairs Büro teilte mit, es habe keinen
Kommentar.
Dannatt sagte, die britische Truppenpräsenz verschlechtere auch
die Sicherheitslage im eigenen Land. Blair hat bislang darauf
bestanden, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Lage im Irak und
der Bedrohung Großbritanniens durch Terroristen gebe. Dannatt
sagte: «Wir können die islamistische Herausforderung unserer
Gesellschaft nicht wegwünschen und ich glaube, dass die Truppen
sowohl im Irak als auch in Afghanistan und wo wir möglicherweise
als nächstes hingehen die ausländische Dimension der
Herausforderung bekämpfen, die der von uns akzeptierten Art zu
Leben gilt.» Der im August zum Heereschef berufene General
beklagte den Verlust christlicher Werte in der britischen Gesellschaft:
«Unsere Gesellschaft ist in christliche Werte eingebettet; wenn
man einmal den Anker hochzieht, gibt es die Gefahr, dass sich unsere
Gesellschaft nach dem vorherrschenden Wind richtet.»
Bewaffnete haben am Donnerstag die Räume eines sunnitischen
Fernsehsenders in Bagdad überfallen und acht Menschen getötet.
Bei den Opfern handelt es sich nach Polizeiangaben um vier Wachleute
und vier Techniker. Ein weiterer Angestellter wurde verletzt. Die
Täter seien in sechs Autos vorgefahren, schnell in das
Gebäude eingedrungen und hätten geschossen.
Anschließend seien sie geflüchtet. Der Satellitensender
Schaabija im Südosten der irakischen Hauptstadt nahm seinen Betrieb
erst in diesem Jahr auf.
In der Nähe einer schiitischen Moschee im Nordosten Bagdads
detonierte am Donnerstagmorgen eine Bombe, gefolgt von einer weiteren
zwei Minuten später. Nach Polizeiangaben wurden vier Menschen
verletzt, die sich am Ort der ersten Detonation versammelt hatten. In
Diwanija 130 Kilometer südlich der Hauptstadt drangen Bewaffnete in
eine Polizeistation ein, töteten einen Polizisten und befreiten
zehn Gefangene. Die Tat ereignete sich nach Polizeiangaben am
Mittwochabend.
Ein US-Fallschirmjäger, der aus Protest gegen den Irak-Krieg seine
Einheit verließ, ist zu drei Monaten Haft verurteilt worden. Der
24-jährige Feldwebel entging einer härteren Verurteilung
wegen Fahnenflucht, indem er sich am Donnerstag vor dem Kriegsgericht
in Fort Bragg des unerlaubten Entfernens von der Truppe für
schuldig bekannte. Ricky Clousing wird zudem degradiert und wegen
schlechter Führung aus dem Heer entlassen.
Clousings Anwalt David Miner sagte, sein Mandant bedauere seine
Entscheidung nicht, im Juni vergangenen Jahres nach einer
fünfmonatigen Stationierung im Irak seine Kaserne in North
Carolina verlassen zu haben. «Er hatte erkannt, dass der
Irak-Krieg unmoralisch und illegal war», erklärte Miner.
«Heute hat er seine Ansicht und Beweggründe
präsentieren können.» Rousing sagte aus, er sei
während seiner Stationierung im Irak als Vernehmungsbeamter
eingesetzt worden und habe gesehen, wie ein amerikanischer Soldat in
Mossul einen unschuldigen Iraker getötet habe. Sein Bericht an
Vorgesetzte sei mit der Begründung zurückgewiesen worden, er
sei ein unerfahrener Soldat.
Nach seiner Flucht stellte sich Clousing im August in Fort Lewis im
US-Staat Washington und wurde nach Fort Bragg für ein
Kriegsgerichtsverfahren zurückgebracht. Die 82. Luftlandedivision
leitete Ermittlungen wegen seiner Angaben über den Zwischenfall in
Mossul ein, veröffentlichte aber kein Ergebnis.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 13.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertzweiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.13.10.05 - Blutbad am Ende des Fastenmonats: Mehr als 30 Tote bei mehreren
Anschlägen im Irak +++ Sechs Tote nach US-Luftangriff +++
Vize-Regierungschef Chalabi verlässt Schiiten-Allianz +++ Seit Beginn
des Irak-Kriegs kamen mindestens 2.026 US-Soldaten ums Leben...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510130.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Hamas-Führer Maschaal will Israel nicht anerkennen. Fünf
Palästinenser bei Zwischenfall im Gazastreifen getötet
Fr.13.10.06 - Der im syrischen Exil lebende politische Hamas-Führer Chaled
Maschaal will Israel trotz internationalen Drucks im Friedensprozess
nicht anerkennen. «Hamas wird nicht kapitulieren und Israel
anerkennen», sagte Maschaal am Donnerstagabend vor Journalisten
in Damaskus. Er forderte stattdessen ein arabisches Gipfeltreffen, um
einen Zeitplan für die Gründung eines palästinensischen
Staats zu vereinbaren.
Maschaal setzte mit seiner Erklärung die Hamas weiter von den
Bemühungen des palästinensischen Präsidenten Mahmud
Abbas ab, einen eigenen Staat im Westjordanland und Gazastreifen
über die im Friedensplan von US-Präsident George W. Bush
vorgesehene Anerkennung Israels zu erreichen. An der Frage scheiterte
bislang auch die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit von
Hamas und Abbas' Fatah-Bewegung. «Eine Regierung der nationalen
Einheit sollte ihre Anordnungen von den Palästinensern und nicht
von Amerika oder Israel entgegennehmen», sagte Maschaal.
Vier militante Mitglieder der Hamas und ein 14-jähriger
Jugendlicher sind am Donnerstag im südlichen Gazastreifen von
israelischen Raketen getötet worden, wie aus palästinensischen
Sicherheitskreisen verlautete. Eine israelische Drohne habe im Dorf
Abasan bei Chan Juni zwei Raketen auf eine Gruppe Palästinenser
abgefeuert. Die Menge habe sich vor einem Gebäude versammelt, in
dem israelische Soldaten Stellung bezogen hatten. Bei den
Getöteten handele es sich um Mitglieder einer Familie.
Ein Sprecher der israelischen Streitkräfte wies die Darstellung
zurück, dass ein Flugzeug eine Menschenmenge beschossen habe.
Soldaten und Flugzeuge hätten auf sieben bewaffnete, militante
Palästinenser gezielt und getroffen.
(Quelle: ap)
OPEC-Staaten verständigen sich auf Reduzierung der
Ölförderung
Fr.13.10.06 - Um dem Preisverfall beim Öl zu begegnen haben sich die
Mitgliedsländer der Organisation Erdöl exportierender Staaten
(OPEC) auf eine Reduzierung der Förderquote verständigt. Die
tägliche Fördermenge solle um eine Million Barrel reduziert
werden, sagte der amtierende OPEC-Vorsitzende, der nigerianische
Ölminister Edmund Daukoru am Mittwoch AFP. "Alle
Mitgliedsländer haben dem zugestimmt", fügte er hinzu. Wie die
Reduzierung auf die elf OEC-Länder verteilt wird, sollte demnach
im Laufe des Mittwoch festgelegt werden.
(Quelle: afp)
USA schwächen Sanktionsforderungen gegen Nordkorea ab
Fr.13.10.06 - Im Ringen um eine Sicherheitsresolution gegen den von Nordkorea
gemeldeten Atomwaffentest haben die USA ihre Sanktionsforderungen gegen
das kommunistische Land abgeschwächt. In einem neuen
Resolutionsentwurf, der der Nachrichtenagentur AP am Donnerstagabend in
New York bekannt wurde, fordern sie nur noch nicht militärische
Maßnahmen wie Wirtschaftssanktionen, den Abbruch diplomatischer
Beziehungen und ein Verbot des Flugverkehrs mit Nordkorea.
Weitergehende Maßnahmen würden eine weitere Resolution
erfordern. Damit kommen die USA einer Forderung Chinas entgegen.
Strafmaßnahmen gegen Nordkorea sollten unter Kapitel sieben der
UN-Charta verhängt werden, das grundsätzlich auch
Militäraktionen und Seeblockaden vorsieht. Zunächst solle
aber nur Artikel 41 des Kapitels angewendet werden, der
ausschließlich nicht militärische Sanktionen vorsieht. Von
einem pauschalen Waffenembargo ist nicht mehr die Rede;
ausdrücklich untersagt werden soll der Rüstungshandel mit
Ausrüstung wie Panzern und Kampfflugzeugen. Nordkorea soll zudem
aufgefordert werden, seine Zusagen vom September 2005 rasch umzusetzen,
im Gegenzug für Hilfe und Sicherheitsgarantien sein Atomprogramm
zu beenden.
(Quelle: ap)
Südkorea rüstet angesichts atomarer Bedrohung auf
Fr.13.10.06 - Angesichts der atomaren Bedrohung aus Nordkorea will die
südkoreanische Armee weiter aufrüsten: Verteidigungsminister
Yoon Kwang Ung plädierte dafür, sein Land unter den
Atomabwehrschild der USA zu stellen. Darüber soll schon kommende
Woche beraten werden. Zudem werde Südkorea sein konventionelles
Abwehrsystem weiter entwickeln. Nordkorea warf den USA vor, unter dem
Deckmantel der Umorganisation seiner Truppen in Südkorea eine
Invasion zu planen.
"Beide Seiten werden das Thema des amerikanischen Atomschildes kommende
Woche eingehend besprechen und dazu eine gemeinsame Erklärung
abgeben", sagte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums, der die
jährlich stattfindenden Sicherheitsberatungen zwischen
Südkorea und den USA ab nächsten Freitag vorbereitet. Das
seit 1978 immer wieder in Aussicht gestellte Angebot der USA,
Südkorea unter den Atomschild zu nehmen, solle dabei konkretisiert
werden. Seoul wolle ebenso ausloten, ob die USA von Fall zu Fall
taktische Atomwaffen liefern könnten, verlautete aus
Sicherheitskreisen.
Die Nachrichtenagentur Yonhap meldete, die Armee wolle modernste Waffen
zur Abwehr atomar bestückter Raketen anschaffen. Seit dem am
Montag verkündeten Atomwaffentest bereitet sich die
Armeeführung in Seoul nach eigenen Angaben auf verschiedene
Szenarien vor.
Die nordkoreanische Führung beschuldigte die USA, sich mit der
Umstruktierung ihrer in Südkorea stationierten Truppen für
Angriffe in Stellung zu bringen. Wie die staatlich kontrollierte
Zeitung "Rodong Sinmun" berichtet, erhöhen die Truppenbewegungen
angeblich die Kriegsgefahr auf der koreanischen Halbinsel. Trotz dieser
ohnehin schon ernsten Lage rüste Südkorea militärisch
weiter auf. Der Bericht unterstellt Südkorea, sich an einer
Invasion der US-Truppen in Nordkorea beteiligen zu wollen.
Die USA wollen ihre derzeit knapp 30.000 Mann starke Truppe in
Südkorea im kommenden Jahr auf rund 25.000 Soldaten reduzieren.
Außerdem sollen die Einheiten flexibler auch in anderen Gegenden
der Region eingesetzt werden.
(Quelle: afp)
UNICEF beklagt Gewalt gegen Kinder in aller Welt
Fr.13.10.06 - Die Vereinten Nationen haben die Regierungen in aller Welt
aufgefordert, entschlossener Gewalt gegen Kinder zu bekämpfen. In
einer am Donnerstag vom Kinderhilfswerk UNICEF in New York
vorgestellten Studie wurde zudem gefordert, Kinder und Jugendliche
aktiv in diesen Kampf einzubinden. «Gewalt gegen Kinder passiert
in jeder Gesellschaft und in jedem Land und sie geht über soziale,
kulturelle, religiöse und ethnische Grenzen hinaus», sagte
UNICEF-Direktorin Ann Veneman auf einer Pressekonferenz. In vielen
Ländern gebe es keine ausreichenden rechtlichen Rahmen und
Prozeduren für das Erfassen von Übergriffen gegen Kinder -
die Dunkelziffer sei deswegen sehr hoch. Die Autoren der Studie
forderten, Kinder und Jugendliche besser in Strategien einzubinden, die
sie gegen Gewalt schützen sollen. «Aktive Beteiligung von
Kindern und Respekt vor ihren Ansichten in allen Aspekten der
Prävention, Reaktion und Überwachung von Gewalt gegen
sie» sei von entscheidender Bedeutung. Letztendlich seien die
Regierungen selbst für den Schutz der Kinder verantwortlich.
(Quelle: ap)
Status der Polizei im Zentrum der Nordirland-Gespräche
Fr.13.10.06 - Die Parteien im Nordirland-Konflikt haben bei Verhandlungen in
Schottland vor allem über den Status der Polizei in der britischen
Provinz gestritten. Die protestantische Partei der Unionisten machte
eine Erneuerung der Allparteien-Regierung in Belfast davon
abhängig, dass die katholische Sinn Fein vorher die nordirische
Polizeitruppe als rechtmäßigen Teil der Exekutive anerkennt.
Die Sinn Fein will dies jedoch erst nach der Einsetzung der geplanten
Regierung tun.
Die Regierungschefs von Großbritannien und der Republik Irland,
Tony Blair und Bill Ahern sahen sich somit am zweiten Tag der
Verhandlungen im schottischen St. Andrews mit einem Henne-Ei-Problem
konfrontiert. Ein Kompromiss könnte darin bestehen, dass die
Anerkennung der Polizei durch die Sinn Fein zeitgleich mit der
Einsetzung einer Allparteienregierung erfolgt.
«Wir bemühen uns um die Quadratur des Kreises», sagte
am Donnerstag der irische Ministerpräsident Bill Ahern. Die Sinn
Fein müsse sich zur Anerkennung der Polizei bereitfinden, und die
Democratic Unionist Party (DUP) von Ian Paisley müsse sich zu einer
gemeinsamen Regierung mit den Nationalisten verpflichten.
Die Verhandlungen begannen am Mittwochabend und sollen bis Freitag
fortgesetzt werden. Blair und Ahern haben den Konfliktparteien eine
Frist gesetzt, die 2002 zusammengebrochene gemeinsame Regierung bis zum
24. November zu erneuern. Andernfalls soll die Nordirland-Versammlung in
Belfast aufgelöst werden. Die Allparteienregierung in Belfast ist
ein Kernstück des Karfreitagsabkommens von 1998, ihr Zusammenbruch
hat den damals eingeleiteten Friedensprozess für Nordirland ins
Stocken gebracht.
(Quelle: ap)
Tausende Portugiesen protestieren gegen Reformkurs der Regierung
Fr.13.10.06 - In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon haben am Donnerstag
zehntausende Arbeiter gegen die Sozialreformen der Regierung
demonstriert. Die Polizei schätzte, dass sich rund 40.000 Menschen
an dem Protestmarsch zum Parlament beteiligten. Das Allgemeine
Bündnis der Portugiesischen Arbeiter, das die Demonstration
organisierte, bezeichnete die Reformen als fehlgeleitet und
schädlich für das Auskommen der Arbeiter.
Das Wirtschaftswachstum in Portugal ist seit fünf Jahren deutlich
niedriger als im Rest der Europäischen Union. Die
Mitte-links-Regierung kündigte daraufhin eine Modernisierung des
Landes an. Ministerpräsident José Socrates erklärte,
der Protest werde nichts an der Reformpolitik ändern. Die
Regierung hat Beförderungen im Öffentlichen Dienst ausgesetzt
und Gehaltserhöhungen unterhalb der Inflationsrate angeordnet, um
die Ausgaben zu drosseln. Außerdem wurden die Steuern
erhöht. Die Lehrer- und Beamten-Gewerkschaften planen für die
kommenden Wochen Streiks, um gegen die Regierungspolitik zu
protestieren.
(Quelle: ap)
Französische Nationalversammlung billigt umstrittenes
Armenier-Gesetz
Fr.13.10.06 - Trotz heftigen Widerstands der Türkei und Bedenken der eigenen
Regierung hat die französische Nationalversammlung einen
Gesetzentwurf zum Massenmord an den Armeniern zu Beginn des 20.
Jahrhunderts gebilligt. 106 Abgeordnete votierten am Donnerstag
dafür, die Leugnung des als Völkermord eingestuften Massakers
unter Strafe zu stellen, 19 waren dagegen. Die meisten Abgeordneten der
konservativen Regierungspartei UMP nahmen nicht an der Abstimmung teil.
Der von den Sozialisten eingebrachte Gesetzentwurf muss nun vom Senat
beraten werden. Doch die Regierung entscheidet, ob der Text
überhaupt
auf die Tagesordnung der zweiten Kammer gesetzt wird. Europaministerin
Catherine Colonna bekräftigte am Donnerstag ihre ablehnende
Haltung: Geschichtsschreibung sei nicht Sache der Gesetze.
Das französische Parlament hatte den Tod von annähernd 1,5
Millionen Armeniern im Osmanischen Reich in den Jahren 1915 bis 1923
bereits 2001 offiziell als Völkermord anerkannt, dem Gesetzentwurf
zufolge soll dessen Leugnung künftig mit bis zu fünf Jahren
Gefängnis und 45.000 Euro Strafe geahndet werden.
Die Europäische Union kritisierte am Donnerstag, das Gesetz
würde die Aussöhnung zwischen der Türkei und Armenien
erschweren. Die EU befürchtet, dass der Text auch Einfluss auf die
heiklen Beitrittsverhandlungen mit der Türkei haben könnte.
Der türkische Chef-Unterhändler Ali Babacan sagte, das Gesetz
verletze eines der wichtigsten Prinzipien der Europäischen Union:
die Meinungsfreiheit.
Türkische Abgeordnete planen als Reaktion ein Gesetz, das
Frankreich seinerseits Genozid in seiner ehemaligen Kolonie Algerien
vorwirft. Ankara hat überdies Wirtschaftssanktionen angedroht. Das
Thema ist von besonderer Brisanz in der Türkei: Der am Donnerstag
mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete Orhan Pamuk beispielsweise
hatte erklärt, die Türkei sei für den Mord an mehr als
einer Million Armenier und 30.000 Kurden verantwortlich. Er wurde
daraufhin wegen Verunglimpfung des Türkentums vor Gericht
gestellt. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt.
Auf der Zuschauertribüne der Nationalversammlung saßen eine
türkische Delegation sowie Vertreter der armenischen Gemeinde in
Frankreich, der etwa 400.000 Menschen angehören. Sie
applaudierten, als das Ergebnis bekannt gegeben wurde. Die Sender CNN
Turk und NTV berichteten live in die Türkei.
Einige UMP-Abgeordnete fühlten durch die scharfen Reaktionen aus
der Türkei provoziert. «Die Türkei hat uns keine
Lektionen zu erteilen», sagte der frühere Minister Patrick
Devedjian. Er verwies darauf, dass das neue türkische
Strafgesetzbuch einen Artikel enthalte, der die Anerkennung des
Geschehens als Völkermord unter Gefängnisstrafe stelle. Der
frühere sozialistische Kulturminister Jack Lang lehnt das Gesetz
ab, weil es gegen die Meinungsfreiheit verstoße.
Der Vorsitzende des Dachverbands der armenischen Organisationen in
Frankreich, Alexis Govciyan, sprach dagegen nach der Abstimmung von
einem «historischen Tag».
(Quelle: ap)
Frankreich will EU-Verfassung abspecken
Fr.13.10.06 - Der ehemalige französische Außenminister Michel Barnier
erhofft sich neuen Schub von der deutschen EU-Präsidentschaft
für die Ratifizierung der europäischen Verfassung. Barnier
sagte am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur, der deutsche Vorsitz
unter Bundeskanzlerin Angela Merkel im ersten Halbjahr 2007 komme zu
einem «für Europa neuralgischen Zeitpunkt». Barnier
sprach sich wie zuvor der französische Innenminister Nicolas
Sarkozy für einen abgespeckten Verfassungsvertrag aus.
Franzosen und Niederländer hatten sich in Referenden 2005 gegen
die Ratifizierung der EU-Verfassung ausgesprochen.
Barnier sagte, für die größten Probleme habe der dritte
Teil des Vertrages gesorgt, der die Politik behandele. Wenn man diesen
Teil wegließe, «könnte man sehr wohl einen
funktionierenden und vereinfachten Vertragstext zusammenstellen»,
sagte er dem Sender. Wichtig sei die Erhaltung des ersten Teils, der die
Institutionen, die Entscheidungsmechanismen und die Außen- und
Sicherheitspolitik betrifft. «Und man könnte auch die Charta
der Grundrechte übernehmen, der wir uns sehr verbunden
fühlen», fügte der ehemalige EU-Kommissar hinzu.
Als neuralgisch bezeichnete er die deutsche EU-Präsidentschaft
auch deshalb, weil beim Abschlussgipfel im Juni der neue
französische Präsident mit am Tisch sitze. Dann könne man
voraussichtlich die Reform der Institutionen neu starten. Auf Grundlage
eines vereinfachten Verfassungsvertrags könne man 2007 oder 2008
mit allen 27 EU-Mitgliedern dann vorankommen.
Die deutsche EU-Präsidentschaft und die EU-Verfassung sollten beim
deutsch-französischen Ministerrat gestern in Paris auf der
Tagesordnung stehen.
(Quelle: ap)
Airbus-Krise beherrscht deutsch-französischen Ministerrat
Fr.13.10.06 - Die Airbus-Krise hat am Donnerstag den deutsch-französischen
Ministerrat in Paris beherrscht. Bundeskanzlerin Angela Merkel und
Staatspräsident Jacques Chirac bekannten sich auf einer
Pressekonferenz zu dem kriselnden Flugzeugbauer und sicherten dem neuen
Chef Louis Gallois die Unterstützung für sein
Sanierungsprogramm zu. Merkel erklärte, über einen Einstieg
des Staates beim Airbus-Mutterkonzern EADS sei noch nicht entschieden.
Die Entwicklung einer gemeinsamen Energiepolitik sowie die Reform der
EU-Institutionen waren weitere Themen auf der Tagesordnung der mehr als
40 Minister. Auf Einlandung Merkels und Chiracs tagten auch 40
Jugendliche in Paris und legten Vorschläge für eine bessere
Integration vor.
Merkel machte deutlich, dass Berlin einen Einstieg bei EADS
erwägt. «Ich schließe nichts aus», sagte sie,
allerdings würde man privaten Investoren den Vorzug lassen. Ziel
sei es, langfristig berechenbare Investoren zu finden, die sich dem
Projekt verpflichtet fühlten. DaimlerChrysler hält derzeit
22,5 Prozent der EADS-Aktien, will diesen Anteil aber auf 15 Prozent
reduzieren. Der französische Staat hält gemeinsam mit der
Lagardère-Gruppe ebenfalls 22,5 Prozent.
Chirac sagte, er habe volles Vertrauen in Airbus. «Es gab ein
Problem in der Organisation, das ist gelöst.» Wegen
Lieferverzögerungen beim A380 muss der Flugzeugbauer bis 2010
einen Verlust von 4,8 Milliarden Euro verkraften. Am Dienstag
erklärte der neue Chef Gallois, im Rahmen der Sanierung werde es
zu schmerzhaften Jobverlusten kommen. Chirac äußerte
Verständnis für die deutschen Sorgen um den Airbus-Standort
Hamburg. Die Lasten des Sanierungsplans müssten zwischen den
Standorten Hamburg und Toulouse gerecht verteilt werden, sagte er.
Für die Sanierung von Airbus gebe es die Unterstützung der
Politik, erklärte Merkel. Zugleich werde die Regierung Sorge
tragen, dass die Mitarbeiter des Flugzeugbauers ein höchstes
Maß an Sicherheit hätten. Dies bedeute aber nicht, das
Entlassungen vom Tisch seien: «Die Strukturmaßnahmen sind
noch nicht ausgearbeitet.»
Beide Politiker bekräftigten zudem ihren Wunsch nach einer raschen
Reform der EU-Institutionen. Merkel kündigte an, unter deutscher
Ratspräsidentschaft in der ersten Hälfte 2007 einen
Reform-Fahrplan zu erstellen. In Frankreich, wo der Entwurf für
die EU-Verfassung in einem Referendum abgelehnt worden war, wird ein
Minivertrag favorisiert. Merkel fordert dagegen «ein Gebilde, das
das Wort Verfassungsvertrag verdient».
Auch bei einer europäischen Energiepolitik wollen Paris und Berlin
gemeinsam aufs Tempo drücken. In einer entsprechenden Vereinbarung
hieß es, Ziel sei die Versorgungssicherheit in Europa zu
erhöhen und die Preise stabil zu halten. In der Erklärung
fordern sie Moskau auf, die internationale Energiecharta zu
ratifizieren. Der Vertrag wurde bereits 1994 unterzeichnet. Der Kreml
hat die Ratifizierung indes bis heute hinausgezögert, weil dadurch
das Monopol des Staatskonzerns Gazprom beendet würde.
Die 40 Jugendlichen beider Länder, die aus schwierigen sozialen
Verhältnissen kommen oder einen Migrationshintergrund haben,
schlugen unter anderem verpflichtende Sprachkurse und eine
Erleichterung der Einbürgerung als Mittel zu einer bessere
Integration vor. Merkel zeigte sich von der Arbeit der Gruppe
überzeugt. «Das Thema Integration ist in Europa nicht
zufrieden stellend gelöst», sagte sie und kündigte an,
die Vorschläge der Jugendlichen aufzugreifen.
(Quelle: ap)
Brüssel rüttelt am Rentenalter
Fr.13.10.06 - Die EU-Kommission sucht nach neuen Regeln für eine
Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Außerdem müssten die
Deutschen und andere Europäer mehr Kinder kriegen, mahnte
EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla vor der Verabschiedung eines
Strategiepapiers zum Bevölkerungswandel amDonnerstag in
Brüssel.
«Es wäre besser, wenn in Deutschland mehr als 1,5 Kinder pro
Mutter zur Welt kämen», sagte Spidla vor Journalisten.
Beispiele für eine erfolgreiche Familienpolitik gebe es unter
anderem in Frankreich.
Die Kommission antwortet mit ihren Überlegungen auf die wachsende
Überalterung der europäischen Bevölkerung: Die Menschen
sterben immer später und bekommen weniger Kinder. «Es wird
uns an Arbeitskräften fehlen», warnte Spidla. Ihre Zahl werde
im Jahr 2030 EU-weit um 20 Millionen niedriger liegen als heute - eine
Zuwanderung von 1,8 Millionen Menschen pro Jahr schon eingerechnet. In
der Folge wird laut Kommissionspapier das Wirtschaftswachstum von 2,4
Prozent im Zeitraum 2004-2010 auf 1,2 Prozent zwischen 2030 und 2050
sinken.
Die neue Initiative soll Spidla zufolge dafür sorgen, den Wandel
in der Bevölkerungsstruktur bei allen politischen Vorhaben der EU
zu berücksichtigen. Konkret schlägt die Kommission vor, die
Teilnahme von Menschen über 65 Jahren am wirtschaftlichen Leben zu
stärken. «Ohne ein späteres Renteneintrittsalter wird
das nicht möglich sein», meinte Spidla.
Zu den niedrigen Geburtenraten in vielen EU-Staaten verwies der
Kommissar auf positive Beispiele aus Schweden, Dänemark, Frankreich
und Irland: Dort seien besonders viele Frauen berufstätig und
zugleich kämen überdurchschnittlich viele Kinder zur Welt.
Wichtig seien passende Angebote zur Kinderbetreuung: «Es ist
schön, wenn es Kindergärten gibt, aber sie sind nicht sehr
effizient, wenn sie um 13 Uhr schließen.»
Berufstätige Frauen, die ihre Kinder in Krippe oder Kindergarten
schicken, dürften nicht länger als Rabenmütter kritisiert
werden. «Raben sind sehr gute Eltern», meinte Spidla.
«Auch wenn ein Mann zu Hause bei den Kindern bleibt, steht er
unter gesellschaftlichem Druck.» Deshalb müsse sich die
gesellschaftliche Wahrnehmung im Sinne der Chancengleichheit
ändern: «Es lohnt sich, diese Vorurteile zu
attackieren.»
(Quelle: dpa)
Deutschland
Koalition uneins über Bundeswehreinsatz im Inland
Fr.13.10.06 - In der Regierungskoalition von Union und SPD herrscht offenbar noch
keine Klarheit darüber, welche Mittel der Bundeswehr bei
Antiterror-Einsätzen zur Unterstützung der Polizei im Inland
erlaubt werden sollen. Nach einem Bericht der «Frankfurter
Rundschau» enthält der Entwurf des Weißbuches zur
Sicherheitspolitik die Formulierung: «Die Streitkräfte sind
auf die Waffen beschränkt, die das jeweils einschlägige Recht
für Polizeikräfte zulässt.» Das würde
beispielsweise den Einsatz militärischer Abwehrraketen gegen Ziele
in der Luft oder auf See ausschließen.
Dem Zeitungsbericht zufolge hatte Verteidigungsminister Franz-Josef
Jung zunächst darauf bestanden, dass bei Bedrohungen des nationalen
Luftraums oder der Territorialgewässer auch der Einsatz
militärischer Kampfmittel möglich sein müsse. Dies sei am
Widerstand von Außenminister Frank-Walter Steinmeier und
Justizministerin Brigitte Zypries (beide SPD) gescheitert.
Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy hingegen schloss eine
Grundgesetzänderung nicht aus, die der Bundeswehr den Einsatz ihrer
Waffen im Inland erlauben würde. Es sei schließlich
unsinnig, wenn die Bundeswehr bei der Unterstützung der Polizei nur
polizeiliche Mittel einsetzen dürfe. «Über diese Frage,
ob man das in Artikel 35 dezidiert mit hineinschreibt, kann man sehr
wohl diskutieren», sagte Edathy im Deutschlandradio Kultur.
Zugleich unterstrich Edathy, dass die SPD mit den im Grundgesetz
festgelegten Ausnahmen auf einer Trennung von Polizei und Bundeswehr
beharre. Das stehe auch so im Koalitionsvertrag. Es sei auch eine etwas
realitätsferne Vorstellung zu glauben, man könne Terroristen
mit Soldaten bekämpfen. Der Kampf gegen den Terrorismus werde dann
erfolgreich sein können, wenn man möglichst gute
Informationsquellen habe.
(Quelle: ap)
Staatsanwaltschaft geht Versäumnissen im Fall Kevin nach
Fr.13.10.06 - Nach dem Tod des kleinen Kevin in Bremen prüft die
Staatsanwaltschaft, ob Informationen über die Ermittlungen gegen
den drogenabhängigen Vater an die Sozialbehörde weitergeleitet
wurden. «Wir haben die entsprechenden Akten und prüfen auch
dies», sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Frank Passade,
am Donnerstag.
Gegen den 41-jährigen Vater Kevins war nach dem Tod der ebenfalls
drogensüchtigen Mutter bereits vor fast einem Jahr ein Verfahren
wegen Körperverletzung mit Todesfolge eingeleitet worden. Die
Behörden der Hansestadt hatten angegeben, nichts von diesen
Ermittlungen gewusst zu haben.
Die Leiche der Frau war am 12. November in der Wohnung im Stadtteil
Gröpelingen entdeckt worden. In der selben Wohnung hatten Fahnder
am Dienstag im Kühlschrank die Leiche des zwei Jahre alten Kevin
entdeckt. Der tragische Tod und der Leidensweg des Jungen hatten am
Mittwoch zum Rücktritt der Bremer Sozialsenatorin Karin Röpke
geführt. Sie war wie auch Regierungschef Jens Böhrnsen (beide
SPD) seit Beginn des Jahres über das Schicksal des Kindes
informiert.
Die Hilfe für Kevin, der unter der Obhut des Jugendamtes stand,
kam jedoch Tage, wenn nicht Wochen zu spät. Als Polizei und
Jugendamt den Jungen am Dienstag acht Tage nach einem Gerichtsbeschluss
bei dem Vater abholen wollten, soll das Kind bereits mehrere Tage tot
gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch gegen die
Sozialbehörde des Bundeslandes wegen des Verdachts der Verletzung
der Fürsorgepflicht. Bislang werde noch nicht gegen konkrete
Personen ermittelt, sagte Passade.
In der Sozialbehörde wird indes auch intern geprüft, wer
für den Tod des kleinen Jungen mitverantwortlich sein könnte.
Die Staatssekretärin der Bremer Sozialbehörde, Birgit
Weihrauch, sagte dem Nachrichtensender N24: «Wir prüfen zur
Zeit auch, gegen wen und in welcher Form disziplinarische Verfahren
einzuleiten sein werden, und haben darüber hinaus auch
Sofortmaßnahmen unternommen.» Das Amt habe die Anordnung
erteilt, auch vergleichbare Fälle unter die Lupe zu nehmen.
«Ich habe heute die Innenrevision beauftragt, die gesamten
Abläufe, Prozesse, die Qualitätsanordnungen, die Fragen, wie
vor Ort gearbeitet wird, aufzuarbeiten», sagte Weihrauch. Man
müsse sich auch fragen, wie die Zusammenarbeit der Behörden
verändert werden könne.
Das endgültige Ergebnis der Obduktion der Kinderleiche steht
weiter aus. «Das kann noch Tage dauern», sagte Passade. Der
Todeszeitpunkt und die genaue Todesursache seien deswegen weiter unklar.
Fest steht, dass Kevin Brüche des linken Oberschenkels, des
rechten Schienbeins, des linken Unterarms sowie Blutungen auf dem
Schädel hatte. Schon vor Monaten waren am Körper des
Kleinkindes Spuren von Misshandlungen entdeckt worden.
(Quelle: dpa)
Kultur
Türkischer Autor Orhan Pamuk erhält Literatur-Nobelpreis
Fr.13.10.06 - Der türkische Autor Orhan Pamuk erhält in diesem Jahr den
Literatur-Nobelpreis. Der 54-Jährige habe "auf der Suche nach der
melancholischen Seele seiner Heimatstadt (Istanbul) neue spirituelle
Bilder für den Kampf und die Verflechtung der Kulturen" gefunden,
erklärte das schwedische Nobelpreiskomitee zur Begründung.
Wegen seines Einsatzes für die Meinungsfreiheit und der
Beschäftigung mit Kurden und Armeniern ist Pamuk in seiner Heimat
umstritten. Seine bekanntesten Bücher sind "Die weiße
Festung" (1990), "Rot ist mein Name" (2002) und "Schnee" (2005).
Pamuk wurde im vergangenen Jahr mit dem Friedenspreis des deutschen
Buchhandels ausgzeichnet. Seine Romane wurden in 34 Sprachen
übersetzt. Pamuk hielt sich nach Angaben seines türkischen
Verlegers am Donnerstag in den USA auf, eine Äußerung
seinerseits zu der Ehrung wurde zunächst nicht bekannt. Der
türkische Kulturstaatssekretär Mustafa Isen erklärte dem
türkischen Fernsehsender NTV in Ankara: "Ich bin sehr
glücklich und gratuliere ihm." Die Auszeichnung werde
internationale Aufmerksamkeit auf die türkische Literatur und
andere türkische Schriftsteller ziehen.
Pamuk hatte sich den Zorn türkischer Nationalisten zugezogen, weil
er in einem Interview mit Blick auf die Massaker an den Armeniern im
Ersten Weltkrieg und auf den Kurdenkrieg gesagt hatte, in der
Türkei seien eine Million Armenier und 30.000 Kurden ermordet
worden. Nach offizieller türkischer Lesart handelte es sich
dagegen bei der Vertreibung hunderttausender Armenier während der
Zeit des Osmanischen Reiches um eine Umsiedlung im Zuge des Ersten
Weltkriegs, nicht aber um einen geplanten Genozid. Im Januar war ein
Prozess gegen Pamuk wegen "Beleidigung des Türkentums" wegen
seiner Interview-Äußerungen von einem Istanbuler Gericht
eingestellt worden.
Der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck,
würdigte Pamuk in Berlin als einen "mutigen Autor, der seinen
Landsleuten unbequeme historische Erinnerungen nicht erspart". Mit ihm
werde ein "Garant des Antinationalismus" geehrt. Der Direktor des
Zentrums für Türkeistudien (ZfT), Faruk Sen, erklärte,
die Ehrung beweise, "dass der Dialog der Kulturen nicht nur lebendig
ist, sondern Literatur und Kunst ersten Ranges hervorbringt".
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Lebenserwartung liegt in Deutschland nur im Mittelfeld - Studie zeigt:
Japanische Frauen leben am Längsten
Fr.13.10.06 - Heute geborene japanische Mädchen können damit rechnen, fast
100 Jahre alt zu werden. Ihre Lebenserwartung liegt damit fast zehn
Jahre höher als die ihrer in Deutschland geborenen
Geschlechtsgenossinnen. Das geht aus einer am Donnerstag von der
Universität Köln vorgestellten Studie hervor. Die
Lebenserwartung eines in Deutschland geborenen Mädchens liegt
danach derzeit bei 90,4 Jahren. Bei Jungen sind es 83,3 Jahren. Die
Bundesrepublik liegt damit im Mittelfeld der 15 untersuchten
Industrieländer.
Der Untersuchung zufolge haben neugeborene Japanerinnen mit 99 Jahren
die höchste Lebenserwartung.
Der Jahrgang 2015 könnte sogar erstmals die 100-Jahres-Grenze
überschreiten, heißt es in der Studie. Für die
Berechnung hatten die Wissenschaftler Geburts- und Sterbedaten in ein
Rechenmodell eingefügt, das künftige Verbesserungen der
Lebensverhältnisse und medizinischen Fortschritt
berücksichtigt. Die Lebenserwartung wurde für Kinder
berechnet, die im Jahr 2005 geboren wurden. Nach Auskunft des
Kölner Professors Eckart Bomsdorf gilt sie aber auch für den
Jahrgang 2006, weil der Wert sich innerhalb eines Jahres nur wenig
verändere.
Der Studie zufolge haben die Japaner überall die Nase vorn. Denn
auch die männlichen Neugeborenen werden mit 90,8 Jahren im
Ländervergleich am ältesten. Die geringste Lebenserwartung
haben unter den Mädchen die US-Amerikanerinnen mit 86,9 Jahren. Bei
den Männern sind Belgier und Niederländer mit einer
Lebenserwartung von 79,5 Jahren das Schlusslicht.
Betrachtet man die Unterschiede in der Lebenserwartung von Frauen und
Männern, so sind auch sie 8,2 Jahren in Japan am
größten. Am geringsten fällt der Unterschied zwischen
den Geschlechtern in England und Wales aus: Mit 88,4 Jahren werden die
Frauen dort vier Jahre älter als die Männer.
(Quelle: ap)