Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsiebenunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mindestens 15 Tote bei Anschlägen Erneut 14 Leichen im Irak
gefunden. Iraks Innenministerium verliert durch Gewalt täglich 25
Polizisten. Wirbel um Kritik des britischen Heereschefs an Irak-Politik
Blairs. Britische Justiz macht USA für Tod eines Reporters
verantwortlich
Sa.14.10.06 - Der anhaltenden Gewalt im Irak sind am Freitag mindestens 15 Menschen
zum Opfer gefallen, darunter sechs Frauen und zwei Mädchen. Sie
wurden in Suwajra südlich von Bagdad von Bewaffneten erschossen,
wie die Polizei mitteilte. In Hilla, knapp 100 Kilometer südlich
der irakischen Hauptstadt, tötete die Explosion einer Bombe im
Polizeihauptquartier einen ranghohen Polizeioffizier und verletzte
sieben weitere Beamte, wie ein Polizeisprecher sagte. In Bakuba
erschossen Unbekannte einen Vater und zwei seiner Söhne, in einem
östlichen Vorort der Stadt wurden zwei weitere Menschen erschossen.
Im Irak sind am Freitag erneut 14 enthauptete Leichen gefunden worden.
Bei den Toten handelte es sich offenbar um Arbeiter, die am Vortag von
Bewaffneten verschleppt worden waren. Die Leichen wurden nach Angaben
der Polizei in der nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Duluija
entdeckt. Übergriffe von Todesschwadronen haben in den vergangenen
Monaten im Irak bereits tausende Menschen das Leben gekostet.
Wegen der zahlreichen Anschläge rechnet das irakische
Innenministerium derzeit den Verlust von 25 Polizisten pro Tag in seine
Planungen ein. In diesem Jahr werde davon ausgegangen, dass
durchschnittlich jeden Tag zehn Polizisten getötet und 15 weitere
so schwer verletzt würden, dass sie nicht mehr arbeiten
könnten, sagte ein US-Sicherheitsberater für das
Innenministerium in Bagdad, Gerald Burke, am Donnerstag vor einem
Ausschuss demokratischer Senatoren in Washington. Ein großer Teil
des heutigen Ausmaßes der Gewalt im Irak liege darin
begründet, dass unmittelbar nach dem US-Einmarsch im März 2003
zu wenig für die Durchsetzung von Recht und Ordnung getan worden
sei.
Mit kritischen Äußerungen zur Irak-Politik von
Premierminister Tony Blair hat der britische Heereschef Richard Dannatt
für Wirbel gesorgt. Die «Daily Mail» zitierte ihn mit
der Forderung, die britischen Soldaten müssten bald aus dem Irak
zurückgezogen werden, sonst drohten katastrophale Konsequenzen
sowohl für den Irak als auch die britische Gesellschaft. Die
Nachkriegsplanung sei schlecht gewesen, und das Ziel einer
prowestlichen Demokratie werde nicht erreicht.
Dannatt bemühte sich am Freitag in mehreren Interviews um
Schadensbegrenzung. Er habe die Regierungspolitik nicht angegriffen.
Großbritannien stehe im Irak Schulter an Schulter mit den USA,
versicherte der General. «Wir werden unsere Truppen
wahrscheinlich im Laufe des nächsten oder der nächsten zwei
oder drei Jahre reduzieren, lasst uns abwarten. Das meine ich mit
bald», sagte er dem Sender Sky. «Wir geben nicht
auf», unterstrich er in der BBC. Er habe mit der «Daily
Mail» ein allgemeines Hintergrundinterview geführt, aus dem
die Zeitung nun eine Kluft zwischen ihm und Blair andeuten wolle.
Ein Sprecher des Premierministers versicherte, der Generalstabschef
habe weiter die volle Unterstützung Blairs. Dem Blatt zufolge
sagte Dannatt, die Anwesenheit britischer Soldaten verschlimmere
inzwischen die Lage im Irak. «Was immer wir auch an Zustimmung am
Anfang hatten ist nun zum größten Teil in Ignoranz
umgeschlagen», sagte er. Ein Sprecher von Blairs Büro
erklärte daraufhin: «Wir sind auf ausdrücklichen Wunsch
der demokratisch gewählten irakischen Regierung im Irak.»
Dannatt kritisierte laut Zeitung insbesondere die Politik und
Wiederaufbauplanung nach dem erfolgreichen Feldzug 2003. «Ich
denke, die Geschichte wird zeigen, dass die Planung nach dem anfangs
erfolgreichen Krieg schlecht war und womöglich mehr auf Optimismus
denn auf vernünftiger Planung beruhte», wurde er zitiert.
Ursprüngliches Ziel sei gewesen, eine für die Region
beispielhafte liberale Demokratie zu errichten, die prowestlich sein
und eine möglichst positive Wirkung auf das Gleichgewicht im Nahen
Osten haben sollte. «Das war die Hoffnung, ob nun vernünftig
oder naiv, das wird die Geschichte entscheiden. Ich denke nicht, dass
wir das erreichen. Wir sollten uns mit weniger Ehrgeiz
begnügen.»
In der BBC bekräftigte er, Großbritannien werde im Irak bis
zum Ende durchhalten. Doch «die Zeit ist gegen uns». Man
könne nicht für immer so weitermachen. Seit März 2003
sind 119 britische Soldaten im Irak getötet worden. Der im August
zum Heereschef berufene General sagte laut «Mail», die
britische Truppenpräsenz verschlechtere auch die Sicherheitslage
im eigenen Land.
Der Antikriegs-Aktivist John Rees erklärte: «Der Chef des
britischen Heeres sagt, was wir seit Jahren sagen: dass die Invasion
ein Fehler war, dass wir die Lage verschlimmern und dass wir (aus dem
Irak) rausgehen sollten.» Rees ist Mitbegründer des
Bündnisses «Stop the War», die vor Beginn des Kriegs
Massenkundgebungen organisierte. Der Vorsitzende der oppositionellen
Liberaldemokraten, Menzies Campbell, sagte, Dannatts Position laufe der
der Regierung diametral zuwider.
Ein britischer Untersuchungsrichter hat US-Soldaten für den Tod
eines Fernsehreporters zu Beginn des Irak-Kriegs verantwortlich
gemacht. Zum Abschluss einer gerichtlichen Untersuchung in Oxford
kündigte Richter Andrew Walker am Freitag an, er werde den
Generalstaatsanwalt bitten, die mutmaßlichen Täter vor
Gericht zu stellen. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, die
Soldaten hätten die Regeln für den Einsatz befolgt.
In dem Verfahren ging es um den Tod des 50-jährigen Briten Terry
Lloyd, der für den Sender ITN über den Beginn der
Irak-Invasion berichtete. Er kam am 22. März 2003 im Südirak
ums Leben, nachdem sein Kamerateam ins Kreuzfeuer zwischen
amerikanischen und irakischen Truppen geraten war. Ein
Ballistik-Experte sagte in Oxford aus, dass Lloyd von einer irakischen
Kugel getroffen und verletzt worden sei.
Als er bereits in einem Minibus, der als Krankenwagen gebraucht wurde,
gelegen habe, sei er noch von der Kugel aus einer amerikanischen Waffe
im Kopf getroffen worden. Dieser zweite Schuss sei tödlich
gewesen. «Die Beweise, dass diese Kugel von Amerikanern
abgefeuert wurde, sind erdrückend», erklärte Richter
Walker. Das Fahrzeug habe keine Bedrohung für die US-Truppen
dargestellt.
Das Pentagon erklärte, eine eigene Untersuchung sei zu dem
Ergebnis gekommen, dass die US-Truppen die Einsatzregeln befolgt
hätten. Zivilpersonen wie Journalisten seien niemals wissentlich
Ziele gewesen. Man habe stets «extreme Maßnahmen»
ergriffen, um zivile Opfer und Kollateralschäden zu vermeiden.
Lloyds Witwe Lynn ließ von ihrem Anwalt eine Erklärung
verlesen, in der sie den US-Truppen ein Kriegsverbrechen vorwarf. Die
US-Streitkräfte hätten zugelassen, dass sich ihre Soldaten
«wie Cowboys in einer Gegend verhalten, in der Zivilpersonen
unterwegs waren». Von den Kollegen Lloyds wurde auch der
libanesische Übersetzer Hussein Osman getötet. Der
französische Kameramann Fred Nérac gilt offiziell als
vermisst. Nur der belgische Kameramann Daniel Demoustier überlebte.
Er sprach sich nach dem Urteil in Oxford dafür aus, dass die
US-Streitkräfte ein Verfahren wegen Kriegsverbrechen einleiten
sollten. Es sei weiter unklar, ob Lloyd von dem Geschoss eines
US-Panzers oder eines amerikanischen Hubschraubers getötet wurde.
Die Besatzung eines Panzers hätte gesehen, dass sie auf ein
ziviles Fahrzeug feuerten, sagte der Kameramann.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 14.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertdreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.14.10.05 - Sicherheitsvorkehrungen für Verfassungsreferendum im Irak
verstärkt +++ Razzien gegen mutmaßliche Rebellen +++ USA
begrüßen Kompromissvorschlag zum Verfassungsentwurf +++
Britischer Außenminister: Irak wird erst in fünf bis
zehn Jahren stabile Demokratie +++ Legitimierte Besatzung?:
Offener Brief an Amnesty International zur irakischen Verfassung...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510140.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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US-Militär prüft Vorwürfe über
Gefangenenmisshandlung in Guantanamo
Sa.14.10.06 - Die US-Streitkräfte gehen Vorwürfen über die
Misshandlung von Gefangenen im Lager Guantanamo auf Kuba nach. Das
teilte das Büro Generalinspekteurs im Verteidigungsministerium am
Freitag mit. Anlass der Untersuchung sind Aussagen eines weiblichen
Offiziers der Marineinfanterie. Sie hatte ausgesagt, einige Wachleute
hätten in einer Bar auf dem US-Militärstützpunkt
Guantanamo damit geprahlt, Gefangene geschlagen zu haben und dies als
gängige Praxis bezeichnet.
Das Rote Kreuz kündigte unterdessen nach dem Besuch von
Häftlingen in Guantanamo Empfehlungen an die US-Regierung zum
Umgang mit den Gefangenen an. Die Vorschläge würden aber
nicht öffentlich gemacht, sagte Simon Schorno vom Internationalen
Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Eine Delegation des IKRK traf am
Donnerstag mit 14 mutmaßlichen Al-Kaida-Mitgliedern zusammen,
darunter der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11.
September 2001, Khalid Sheihk Mohammed.
Nach Angaben des Pentagons werden zurzeit rund 440 Häftlinge in
Guantanamo festgehalten. Erst am Donnerstag waren 17 Gefangene aus dem
Lager auf Kuba freigelassen worden, die meisten von ihnen aus
Afghanistan.
(Quelle: ap)
Neun Tote bei Anschlag auf NATO-Konvoi in Afghanistan
Sa.14.10.06 - Ein Selbstmordattentäter hat am Freitag in Afghanistan neun
Menschen getötet, darunter einen NATO-Soldaten. Der Mann raste in
der südafghanischen Stadt Kandahar mit einem Auto in einen
NATO-Konvoi und brachte das Fahrzeug zur Explosion. Acht Passanten und
ein Soldat wurden verletzt. Ein Soldat, der zunächst in ein
Lazarett eingeliefert worden war, erlag dort später seinen
Verletzungen, wie ein NATO-Sprecher mitteilte.
Vier Fahrzeuge wurden beschädigt, darunter zwei
Militärfahrzeuge der NATO. In der Umgebung des Tatorts waren
überall Teile des explodierten Autos zu sehen. Die
Außenmauern einer Ladenzeile mit zwölf Geschäften wurden
beschädigt. Unter den acht verletzten Passanten waren nach Angaben
eines Arztes zwei Kinder und eine Frau.
Die Aufständischen aus dem Umkreis des vor fünf Jahren
gestürzten Taliban-Regimes haben ihre Angriffe in den vergangenen
Wochen und Monaten massiv verstärkt. Im Süden der Provinz
Kandahar kam es am Donnerstag zu Gefechten zwischen Rebellen mit
Soldaten der NATO und der afghanischen Streitkräfte. Dabei wurden
nach NATO-Angaben bis zu 20 Aufständische getötet. Im
Süden Afghanistans sind vor allem amerikanische Soldaten im
Einsatz. Das deutsche Kontingent der von der NATO geführten
Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) ist im Norden des Landes
stationiert.
(Quelle: ap)
UN-Vollversammlung bestätigt Ban Ki Moon als
Generalsekretär
Sa.14.10.06 - Der Südkoreaner Ban Ki Moon steht ab dem 1. Januar als
Generalsekretär an der Spitze der Vereinten Nationen. Die
UN-Vollversammlung bestätigte Ban am Freitag per Akklamation als
Nachfolger des scheidenden Generalsekretärs Kofi Annan. Der
Sicherheitsrat hatte den 62-Jährigen am Montag nominiert. Die
Amtszeit Annans läuft zum Jahresende aus.
In einer Rede vor mehreren hundert Diplomaten und UN-Mitarbeitern sagte
Ban, seine Amtszeit werde von unermüdlichen Anstrengungen
geprägt sein, «Brücken zu bauen und Klüfte zu
schließen». Sein Führungsstil der Harmonie habe ihm in
seiner 40-jährigen Karriere gute Dienste geleistet und er wolle
diesen Kurs als Generalsekretär fortsetzen. In seiner Laufbahn sei
er von Erfolgen der Vereinten Nationen begeistert worden, habe aber
auch zu oft ihr Scheitern miterlebt, wenn sie zu spät oder zu
wenig eingegriffen habe. «Ich bin entschlossen, diese
Desillusionierung zu beseitigen», sagte Ban. Er sei stolz darauf,
zweiter Asiate an der Spitze der UN seit dem Birmanen U Thant zu
werden, dessen Amtszeit von 1961 bis 1971 dauerte.
Ban ist seit mehr als zwei Jahren südkoreanischer
Außenminister und arbeitete für zwei Präsidenten als
Sicherheitsberater. Seit fast 40 Jahren ist er im diplomatischen
Dienst. Er sehe sich in erster Linie als Diplomat im Weltgeschehen und
wolle die Tagesgeschäfte der UN großenteils seinem
Stellvertreter übertragen, kündigte er an. Eine seiner ersten
Reisen werde ihn nach Nordkorea führen, erklärte er in der
vergangenen Woche. Außerdem will er sich wie Annan für eine
Reform der Vereinten Nationen einsetzen.
Kritiker hatten bemängelt, Ban fehle der nötige Biss für
das Amt des Generalsekretärs, und er werde eine schwache
Führungsfigur abgeben. Er möge zwar nicht wie eine starke
Persönlichkeit aussehen, konterte der Südkoreaner, aber er
habe «innere Stärke».
(Quelle: ap)
UN-Sicherheitsrat einigt sich auf Sanktionen gegen Nordkorea
Sa.14.10.06 - Vier Tage nach dem mutmaßlichen Atomwaffentest hat sich der
UN-Sicherheitsrat auf Sanktionen gegen Nordkorea verständigt. Die
Resolution soll am (heutigen) Samstag verabschiedet werden. Der
amerikanische UN-Botschafter John Bolton bezeichnete die Einigung als
ein «Zeichen der Entschlossenheit des Sicherheitsrats, angesichts
der Bedrohung rasch zu handeln».
Das UN-Gremium beriet am Freitag noch einmal kurz hinter verschlossenen
Türen. Es könne noch einige Änderungen geben, sagte
Bolton anschließend: «Aber wir haben eine einstimmige
Vereinbarung.» Der letzte bekannt gewordene Resolutionsentwurf
trägt den Bedenken Russlands und Chinas Rechnung und sieht nur
nicht-militärische Strafmaßnahmen wie Wirtschaftssanktionen
gegen das Regime in Pjöngjang vor. Von einem allgemeinen
Waffenembargo ist nicht mehr die Rede, doch soll der Handel mit
schwerem Rüstungsgerät wie Panzern und Kampfflugzeugen
untersagt werden.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte am
Freitag noch einmal den Widerstand Moskaus und Pekings gegen
«extreme Sanktionen». Man solle sich bei der Reaktion auf
die «provokative Herausforderung» nicht von Gefühlen
leiten lassen, sagte Lawrow laut Interfax.
Der derzeitige Präsident des Sicherheitsrats, der japanische
UN-Botschafter Kenzo Oshima, erklärte, er werde für Samstag
eine Abstimmung ansetzen. Zuvor hatte auch EU-Kommissionspräsident
José Manuel Barroso nochmals eine «klare Antwort»
auf den Atomwaffentest gefordert.
Japan verschärfte unterdessen seine einseitigen
Strafmaßnahmen gegen das kommunistische Regime. So werden alle
Häfen für nordkoreanische Schiffe gesperrt, der Import
nordkoreanischer Produkte wird ausgesetzt. Die Sanktionen sollten am
Freitag um Mitternacht in Kraft treten. Sie seien zunächst auf ein
halbes Jahr befristet, hieß es in Tokio. Bereits seit Mittwoch
verweigert Japan nordkoreanischen Bürgern die Einreise. Russland
entsandte den stellvertretenden Außenminister Alexander Alexejew
zu Gesprächen nach Pjöngjang. Dieser sagte, Nordkorea wolle
über die Frage einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel
verhandeln.
Zu Beratungen über den Konflikt wird US-Außenministerin
Condoleezza Rice in der kommenden Woche in Seoul erwartet, wie aus
südkoreanischen Regierungskreisen verlautete. Am Mittwoch wird sie
für zwei Tage in Japan erwartet, wie die Regierung in Tokio
mitteilte. Der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge ist auch ein Besuch in
China geplant.
In Seoul demonstrierten am Freitag tausende Menschen für eine
harte Haltung gegenüber Nordkorea. In Sprechchören forderten
die nach Polizeiangaben etwa 3.000 Menschen, die meisten
Kriegsveteranen und ältere Bürger - die Einstellung von
Hilfslieferungen und Investitionen.
(Quelle: ap)
US-Test bestätigt nukleare Explosion in Nordkorea
Sa.14.10.06 - Ein spezieller Test hat nach Angaben amerikanischer Regierungskreise
bestätigt, dass Nordkorea am vergangenen Montag tatsächlich
eine Atomexplosion auslöste. «Wir gehen davon aus, dass dies
der Versuch eines Atomtests war, der gescheitert ist», sagte ein
Gewährsmann in Washington. «Wir denken nicht, dass sie
versuchten, einen Atomtest vorzutäuschen. Wir denken, dass es ein
nukleares Zischen war - ein gescheiterter Versuch.» Festgestellt
worden sei das mit einem Test, bei dem ein bestimmtes Gas gemessen
worden sei. Andere Tests haben ergeben, dass in der Luft keine Partikel
nachzuweisen waren, die auf eine erfolgreiche Atomexplosion
hindeuteten. Diese Ergebnisse schließen aber nicht aus, dass
Nordkorea dennoch einen Atomwaffentest durchführte, verlautete aus
US-Geheimdienstkreisen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hamas-Führer ruft zu Gründung von Palästinenserstaat
auf. Tote bei israelischem Luftangriff im Gazastreifen
Sa.14.10.06 - Der Chef des Hamas-Politbüros, Chaled Meschaal, hat sich für
die rasche Gründung eines Palästinenserstaates in den Grenzen
von 1967 ausgesprochen. "Ich fordere die palästinensischen und
arabischen Führer auf, einen Gipfel zur Schaffung eines
palästinensischen Staates einzuberufen", sagte Meschaal am
Donnerstagabend während eines Treffens mit
Palästinenservertretern in seinem Exil in der syrischen Hauptstadt
Damaskus. Dieser Staat werde Jerusalem einschließen. Meschaal
bekräftigte seine Ablehnung einer Anerkennung des Staates Israel.
"Die Hamas wird Israel nicht anerkennen und den Widerstand (gegen die
israelische Besatzung) nicht aufgeben", erklärte er.
Bei einem israelischen Luftangriff im nördlichen Gazastreifen sind
am Freitag drei Palästinenser getötet worden. Unter den Opfern
ist nach Angaben der Hamas auch ein örtlicher Kommandeur der
radikalislamischen Organisation. Die israelischen Streitkräfte
erklärten, die Männer hätten Israel mit Raketen
beschießen wollen. Im Süden des Gazastreifens erschossen
israelische Soldaten eine 29-jährige Palästinenserin vor ihrem
Haus im Dorf Abassan, wie Klinikmitarbeiter mitteilten.
Aus israelischen Militärkreisen verlautete, in der gleichen Gegend
seien ein bewaffneter militanter Palästinenser getötet und ein
weiterer verletzt worden. Über den Tod einer jungen Frau sei
nichts bekannt.
Israel hat seine Ende Juni eingeleitete Offensive im Gazastreifen in
den vergangenen Tagen verstärkt; dabei wurden am Donnerstag und
Freitag insgesamt 13 Menschen getötet. Das israelische Vorgehen
steht in Zusammenhang mit der Entführung des Soldaten Gilad Schalit
am 25. Juni. Der junge Mann befindet sich weiter in der Gewalt
militanter Palästinenser.
Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija lehnt
eine Anerkennung des Existenzrechts Israels weiter ab. Die Hamas werde
dieser Forderung der internationalen Gemeinschaft niemals nachkommen und
auch ihren bewaffneten Kampf gegen Israel nicht aufgeben, sagte Hanija
nach dem Freitagsgebet in Chan Junis. Die Hamas habe ein Recht auf
Selbstverteidigung, erklärte der Regierungschef.
Im Westjordanland gerieten mehrere Palästinenser mit israelischen
Sicherheitskräften aneinander, als sie nach Jerusalem einreisen
wollten. Die Männer wollten am Freitags- und Ramadangebet in der
Al-Aksa-Moschee teilnehmen. Israel hat aus Sicherheitsgründen allen
Palästinensern unter 40 Jahren das Betreten Jerusalems
während des islamischen Fastenmonats verboten. Die
Palästinenser hätten an mehreren Kontrollpunkten Steine gegen
Polizisten und Soldaten geworfen, sagte ein Polizeisprecher.
(Quellen: afp, ap)
Muslimische Gelehrte akzeptieren Papst-Klarstellung
Sa.14.10.06 - Eine Gruppe von 38 muslimischen Gelehrten und Großmuftis hat die
Klarstellung von Papst Benedikt XVI. nach seiner umstrittenen
Regensburger Rede akzeptiert. Der Herausgeber der Zeitschrift
«Islamica», Sohail Nakhooda, sagte am Freitag, sie hofften,
nun in einen Dialog mit dem Papst eintreten zu können, um
Vorurteilen gegen den Islam in der westlichen Welt entgegenzutreten.
Die Gelehrten um Scheich Habib Ali vom Taba-Institut in Abu Dhabi und
Prinz Ghasi bin Muhammed, einem Berater des jordanischen Königs
Abdullah II., akzeptierten die Erklärung Benedikts, dass das
strittige Zitat in seiner Rede nicht seine eigene Meinung wiedergebe.
Am Sonntag soll dem Vertreter des Vatikans in Jordanien ein offener
Brief übergeben werden, der den Angaben zufolge unter anderem von
den Großmuftis von Ägypten, Russland, Bosnien, Kroatien, dem
Kosovo und der Türkei unterzeichnet ist.
Die Kritik in der muslimischen Welt hatte sich an einer Redepassage
entzündet, in der Benedikt aus einem Streitgespräch zwischen
dem byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaeologos und einem gelehrten
Perser über den Dschihad zitiert hatte. Dort hieß es, der
Prophet Mohammed habe mit einer Anordnung, seine Lehren auch mit Gewalt
zu verbreiten, der Welt nur Schlechtes und Inhumanes gebracht.
(Quelle: ap)
Zeitschrift 'Islamica' im Internet unter:
http://www.islamicamagazine.com/
Afrika und Südasien weiterhin am stärksten von Hunger
betroffen
Sa.14.10.06 - Afrika und Südasien sind weiterhin am stärksten von Hunger
betroffen. Am dramatischsten ist die Situation nach dem am Freitag in
Berlin veröffentlichten Welthunger-Index in zehn afrikanischen
Ländern südlich der Sahara. In fast allen diesen Staaten ist
es in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu Kriegen oder anderen
gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. In Asien ist
Unterernährung in Kambodscha, Tadschikistan und Bangladesch am
weitesten verbreitet.
Der Welthunger-Index wurde erstmals von der Welthungerhilfe und dem
Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungspolitik
erstellt.
Dabei wurde die Entwicklung in 119 Ländern zwischen 1981 und 2003
verglichen. Schlusslicht ist das zentralafrikanische Land Burundi, in
dem sich die Situation in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert
hat. Fortschritte wurden vor allem in der südamerikanischen
Andenregion, in afrikanischen Ländern wie Ghana und Tschad sowie
in weiten Teilen Asiens beobachtet. Die Situation in Ländern wie
Indien und Nepal, die 1981 noch zu den Staaten mit der
größten Hungersnot zählten, hat sich deutlich
verbessert.
(Quelle: ap)
Friedensnobelpreis geht an Vordenker der Armutsbekämpfung
Sa.14.10.06 - Der diesjährige Friedensnobelpreis geht völlig
überraschend an den Wirtschaftsfachmann Mohammed Junus aus
Bangladesch und die von ihm gegründete Grameen Bank. Das teilte das
Nobelkomitee in Oslo am Freitag mit.
Der 66-Jährige organisiert mit der Bank vor allem Kleinstkredite
für arme Menschen in dem südasiatischen Land.
Das fünfköpfige Nobelkomitee begründete seine
Entscheidung damit, dass es «dauerhaften Frieden nicht geben kann,
so lange große Bevölkerungsgruppen keine Wege aus der Armut
finden». Kleinstkredite, wie sie von Junus und seiner Bank
vergeben werden, seien solch ein Weg. «Junus hat sich als
Führungsgestalt gezeigt, der Visionen in praktische Handlung zum
Vorteil von Millionen Menschen umsetzen könne», hieß es
weiter. Allein in Bangladesch hätten zwei Millionen Menschen von
den zinsfreien Kleinstkrediten profitiert, die ohne Sicherheit und
überwiegend an Frauen vergeben werden.
Die von Junus und seiner Bank entwickelte Idee von
«Mikrokrediten» sei überall von Institutionen
übernommen worden und habe «den Weg in die ganze Welt
gefunden. Der norwegische Komiteechef Ole Danholt Mjøs sagte, mit
der Entscheidung für Junus habe man die Erweiterung des
Friedensbegriffes bei der Nobelpreisvergabe fortgesetzt. Das Komitee
hatte den berühmtesten Preis der Welt unter anderem 2004 an die
iranische Menschenrechtlerin Schirin Ebadi und im Jahr zuvor an die
Umweltschützerin Wangari Maathai vergeben.
Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10
Millionen Kronen) dotiert und wird am 10. Dezember überreicht. Als
Favoriten waren in diesem Jahr vor allem der finnische Ex-Präsident
Martti Ahtisaari und die chinesische Menschenrechtlerin Rebyia Kadeer
gehandelt worden.
(Quelle: dpa)
Porträt: Junus - bescheidener 'Bankier der Armen'
Als bescheidener «Bankier der Armen» aus Bangladesch hat
sich Mohammed Junus weltweit einen Namen gemacht.
Seit Jahren wurde Junus als möglicher Gewinner des
Wirtschaftsnobelpreises gehandelt, nun erhält er völlig
überraschend den Friedensnobelpreis. Das ambitionierte Ziel des
66-jährigen: die Armut auf der Welt zu besiegen. «Eines
Tages», sagte Junus vor einiger Zeit, «werden unsere Enkel
in Museen gehen, um zu sehen, was Armut war.»
Sein Rezept ist so einfach wie bestechend: Der Ex-Professor und seine
Grameen-Bank - die «Dorf-Bank» wird ebenfalls mit dem Preis
geehrt - verleihen Kleinkredite an Bedürftige, fast alle davon sind
Frauen. Sicherheiten verlangt die Bank nicht. Die Zinsen sind viel
niedriger als die der Wucherer, an die die Armen sich zuvor wenden
mussten, reguläre Bankkredite bekamen sie ohne Sicherheiten keine.
«Armut überdeckt die Menschen mit einer dicken Kruste und
lässt die Armen dumm und initiativlos erscheinen», sagte
Junus. «Wenn man ihnen aber Kredit gibt, dann erwachen sie langsam
zum Leben.»
Statt als «Guter Bankier» in seiner Heimat hätte Junus
auch eine typischere Karriere einschlagen und ein erfolgreicher
Geschäftsmann werden können. 1940 wurde Junus in Chittagong,
dem Handelzentrum Bangladeschs, als Sohn eines Goldschmiedes geboren.
Der Vater ermöglichte dem Sohn eine gute Ausbildung. Die Mutter
aber war es, die ihn besonders beeinflusste. «Mutter half jedem
Armen, der an unsere Tür klopfte», sagte Junus. Er bekam ein
Fulbright-Stipendium in den USA, nach Abschluss des Studiums wurde er
mit nur 33 Jahren Wirtschaftsprofessor an der Universität von
Chittagong.
Doch vor der immer schlimmeren Armut in seiner gerade unabhängig
gewordenen Heimat konnte Junus nicht die Augen verschließen.
«Während Menschen auf den Straßen vor Hunger starben,
lehrte ich elegante Wirtschaftstheorien», sagte Junus in einem
Interview vor einigen Jahren. «Ich begann, mich für die
Arroganz zu hassen, vorzugeben, ich hätte Antworten. Wir
Universitätsprofessoren waren alle so intelligent, aber wir wussten
absolut nichts über die Armut um uns herum.» Junus
beschloss: Die Armen sollten seine Lehrer sein.
Mitte der 70er Jahre reiste Junus mit Studenten mehrfach in ein
verarmtes Dorf, wo Wucherzinsen privater Kredithaie den Aufstieg der
Armen verhinderten. «Ihre Armut war kein persönliches Problem
wegen Faulheit oder Mangel an Intelligenz, sondern ein strukturelles:
Mangel an Kapital. Das existierende System stellte sicher, dass die
Armen keinen Pfennig sparen und nicht in die Verbesserung ihres Lebens
investieren konnten», sagte Junus. Die Idee seiner Bank mit ihren
Kleinkrediten zu fairen Konditionen war geboren.
Für sein Konzept wurde Junus zunächst ausgelacht. Bankiers
hielten die Armen für nicht kreditwürdig. Junus hielt dem
entgegen: «Wie könnt ihr wissen, ob die Armen nicht
kreditwürdig sind, wenn ihr es nie ausprobiert habt? Vielleicht
sind es die Banken, die der Menschen nicht würdig sind?» 1983
bekam seine «Dorf-Bank» die Lizenz. Bis Mitte vergangenen
Jahres hatte die Grameen-Bank mehr als vier Milliarden Euro an die
Armen verliehen. Die Spötter sind längst verstummt: 99
Prozent der Kredite werden zurückgezahlt.
In mehr als 60 Entwicklungsländern hat Junus' Konzept inzwischen
Nachahmer gefunden. «Ich lade jeden ein, meine Idee zu
klauen», sagte der Ex-Professor im vergangenen Jahr in einem
ARD-Hörfunkinterview. «Es ist eine tolle Idee, jeder sollte
das tun. Ich beschwere mich nur, dass sich nicht noch viel mehr Leute
dieser Idee annehmen und sie umsetzen.»
Quelle: dpa, 13.10.2006
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Deutsche Entwicklungshelfer haben gute Erfahrungen mit Mikrokrediten
Sa.14.10.06 - Auch für deutsche Entwicklungshelfer sind die von
Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus entwickelten Mikrokredite
ein häufig und gern eingesetztes Mittel. Die zur bundeseigenen KFW
Bankengruppe gehörende KFW Entwicklungsbank hat damit jahrelange
gute Erfahrungen gemacht, wie Vorstandsmitglied Wolfgang Kroh am Freitag
der Nachrichtenagentur AP sagte. Kroh freut sich sehr für Yunus,
den er persönlich kennt und mit dessen Grameen Bank die KFW seit
20 Jahren zusammenarbeitet.
«Es ist großartig, dass er den Friedensnobelpreis bekommen
hat, weil Armut eine der größten Bedrohungen für den
Weltfrieden ist», erklärte er. Yunus habe nachgewiesen, dass
auch Arme sparen könnten und dass sie auch gute Kreditnehmer seien.
Daraus sei ein Erfolgsmodell entstanden. «Arme zahlen ihre
Kredite wirklich pünktlich zurück, und ihre
Rückstandsquoten sind absolut gering», betont der
KFW-Vorstand.
Die KFW hat nach Krohs Worten derzeit weltweit insgesamt rund 580
Millionen Euro in Mikrofinanzprodukten eingesetzt. Darunter seien nicht
nur Bundesmittel, sondern auch eigene Gelder. «Wir gehen also auch
eigenes Risiko ein», sagte er. Insgesamt plane die Bank in diesem
Jahr Kredit-Neuzusagen von rund 200 Millionen Euro. Die
Größenordnung der Mikrokredite sei auch deshalb bedeutend,
weil die einzelnen Kredite sehr klein seien.
Kroh erwartet, dass sich die Mikrofinanzprodukte auch in Zukunft
dynamisch entwickeln, etwa in Osteuropa. Denn sie funktionierten auch
unter sehr schweren Bedingungen, etwa im Kosovo und in Zentralasien.
(Quelle: ap)
Deutsche haben kaum noch Vertrauen in Politiker
Sa.14.10.06 - Das Vertrauen der Deutschen in ihre Politiker ist verschwindend gering.
72 Prozent glauben, dass die Politik nicht in der Lage ist, die
wichtigsten Probleme in Deutschland zu lösen, wie das am Freitag
veröffentlichte ZDF-Politbarometer ergab. Besonders gering ist das
Vertrauen in die Gesundheitspolitik. Die vom Wähler als zerstritten
wahrgenommene Union stagniert weiter bei 33 Prozent, während sich
die vergleichsweise geschlossen wirkende SPD um einen Punkt auf 32
Prozent verbessern würde, wenn am nächsten Sonntag
Bundestagswahl wäre.
Damit liegt die Union in der Wählergunst weiter so tief wie seit
der Wiedervereinigung nicht mehr. Die FDP sank um zwei Prozentpunkte auf
elf Prozent, Grüne und Linkspartei.PDS stiegen um jeweils einen
Punkt auf 10 beziehungsweise 8 Prozent.
Ursache für das schlechte Abschneiden der Union könnte sein,
dass nur noch 24 Prozent glauben, dass die Partei geschlossen hinter
ihrer Chefin Angela Merkel steht, 69 Prozent glauben dies nicht. Im
August glaubten noch 30 Prozent an eine Geschlossenheit. Die
Sozialdemokraten werden dagegen zunehmend als einheitlicher
wahrgenommen: Nach 44 Prozent im August sind jetzt 54 Prozent der
Meinung, dass die Partei in wichtigen Fragen voll hinter ihrem
Vorsitzenden Kurt Beck steht.
Sehr unterschiedlich wird auch das Verhältnis der Vorsitzenden der
Koalitionspartei wahrgenommen: Nur 24 Prozent sehen ein gutes
Verhältnis zwischen Edmund Stoiber (CSU) und Merkel (CDU), 67
Prozent halten es für schlecht. Das Verhältnis zwischen Merkel
und Beck halten 43 Prozent für gut und nur 38 Prozent für
schlecht.
Nur noch 27 Prozent der Wähler haben die Hoffnung, dass die
Politik die wichtigsten Probleme in Deutschland löst. Juso-Chef
Björn Böhning äußerte im ZDF große Besorgnis
über diese Entwicklung: «Wer außer der Politik soll
denn demokratisch gestalten?
Bei der Gesundheitsreform glauben lediglich zehn Prozent an eine
langfristige Problemlösung. Nur 38 Prozent gehen davon aus, dass
die Reform so als Gesetz verabschiedet wird, 57 Prozent erwarten noch
grundlegende Änderungen. Große Skepsis herrscht auch zu den
Hartz IV-Regelungen, die 73 Prozent als erfolglos ansehen. Zudem
vermuten 67 Prozent einen großen Missbrauch bei Sozialleistungen.
Bei einer weiteren Überarbeitung halten es 71 Prozent für
richtig, dass das Arbeitslosengeld gekürzt wird, wenn jemand eine
angebotene Arbeit nicht annimmt, gleichzeitig wollen aber auch 80
Prozent für soziale Härtefälle eine größere
Unterstützung.
Bei der Atomenergie halten die Deutschen am Ausstieg fest: Während
45 Prozent finden, dass die Kernkraftwerke über das Jahr 2021
hinaus genutzt werden sollen, wollen 50 Prozent den Ausstieg. Allerdings
gibt es starke Unterschiede bei den Parteianhängern:
Unionsanhänger unterstützen deutlich (67 Prozent) eine
Verlängerung, während Grünen-Wähler dies mit 89
Prozent klar ablehnen. SPD-Anhänger sind überwiegend dagegen
(63 Prozent), ebenso die Wähler der Linkspartei.PDS (55 Prozent),
FDP-Anhänger überwiegend dafür (57 Prozent).
Bei der Bewertung der zehn wichtigsten Politiker führt weiterhin
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit einem
unveränderten Wert von 1,7. Ebenfalls unverändert bleibt mit
1,3 der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff
(CDU). Auf Platz drei und als einzige mit leichten Verbesserungen folgt
Angela Merkel mit 1,1, genauso viel wie der nach unten gerutschte Beck.
Am Schluss liegen mit nur noch minus 1,0 CSU-Chef Edmund Stoiber und
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD).
(Quelle: ap)
Entwurf zur Gesundheitsreform enthält Ungereimtheiten
Sa.14.10.06 - Der von Union und SPD abgestimmte Entwurf zur Gesundheitsreform
enthält noch gravierende Ungereimtheiten. Darauf wiesen Experten am
Freitag nach der Analyse des Textes hin. Demnach gibt es im Text
Widersprüche, von wem und wann der künftig bundesweit
einheitliche Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung
festgelegt wird.
So heißt es in Paragraf 241 des Regelwerks: «Die
Bundesregierung legt nach Auswertung der Ergebnisse eines beim
Bundesversicherungsamts zu bildenden Schätzerkreises durch
Rechtsverordnung ohne Zustimmung des Bundesrates erstmalig bis zum 1.
November 2008 mit Wirkung ab dem 1. Januar 2009 den allgemeinen
Beitragssatz in Hundertsteln der beitragspflichtigen Einnahmen
fest.»
In der Begründung des Gesetzes heißt es hingegen: «Der
allgemeine Beitragssatz, den das Bundesministerium für Gesundheit
zum 1. Juli 2008 festlegt, beinhaltet bereits den bisherigen
zusätzlichen Beitragssatz und ist einheitlich gültig.»
(Quelle: ap)
Sozialverbände ziehen gegen Gesundheitsreform 2004 nach Karlsruhe
Sa.14.10.06 - Die Sozialverbände SoVD und VdK haben gemeinsam
Verfassungsbeschwerde gegen eine Bestimmung der Gesundheitsreform 2004
eingelegt. Dabei geht es um die damals eingeführte Neuerung, dass
auf Betriebsrenten der volle Krankenversicherungsbeitrag fällig
wird. Dies sei «eine ungerechtfertigte Sonderbelastung der
Betriebsrentner», erklärten die Verbände am Freitag
gemeinsam in Berlin.
Begründet werde die Verfassungsbeschwerde mit einem Verstoß
gegen den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz. Zudem sei der
Vertrauensschutz verletzt, weil rückwirkend in Vereinbarungen
eingegriffen worden sei. Die Erhebung des vollen Krankenkassenbeitrags
auf die Betriebsrenten hatte zu einer Kürzung des Zahlbetrags um
durchschnittlich sieben Prozent geführt. Den Krankenkassen bringt
die Neuerung seit 2004 rund zwei Milliarden Euro jährlich.
(Quelle: ap)
DGB will mehr Schutz für Praktikanten
Sa.14.10.06 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Bundesregierung
aufgefordert, gesetzlich gegen die zunehmende Ausbeutung von
Praktikanten vorzugehen. «Immer mehr junge Menschen werden durch
unbezahlte oder unterbezahlte Praktika hingehalten und häufig auch
betrogen», erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende
Ingrid Sehrbrock am Freitag in Berlin. Nach den Vorstellungen des DGB
sollen Praktika per Gesetz auf drei Monate begrenzt sein und mit
monatlich 300 Euro vergütet werden.
Statt reguläre Arbeitsplätze einzurichten, bedienten sich die
Unternehmen häufig billiger Praktikanten, kritisierte Sehrbrock.
Der DGB fordert deshalb eine klare rechtliche Abgrenzung zwischen
Praktika als Lernverhältnis und regulären
Arbeitsverhältnissen. Für die Betreuung der Praktikanten
müsse außerdem ein fachlicher Berater zur Verfügung
stehen. Bei Berufseinsteigerprogrammen wie Volontariaten spricht sich
der DGB für einen Stundenlohn von mindestens 7,50 Euro aus.
Hintergrund der DGB-Initiative ist ein ständig wachsender
«Praktikanten-Arbeitsmarkt». Vor allem Hochschulabsolventen
nehmen schlecht- oder gar nicht bezahlte Praktika an, um den
Berufseinstieg zu schaffen. Jährlich verlassen rund 200.000 junge
Menschen die Hochschulen. Die meisten von ihnen absolvieren ein
Praktikum. Genaue Zahlen liegen dem DGB jedoch nicht vor. Nach einer
Statistik von 2003 gibt es jährlich 800.000 Praktikanten und
Aushilfen in Deutschland, zu denen aber nicht nur Akademiker zählen.
(Quelle: ap)
Integrationsbeauftragte will Arbeitserlaubnis für geduldete
Ausländer
Sa.14.10.06 - Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, ist
nach eigenen Worten zuversichtlich, dass sich die
Innenministerkonferenz von Bund und Ländern im November in
Nürnberg auf eine Bleiberechtsregelung für die rund 180.000
geduldeten Ausländer verständigen wird. «Die Zeit ist
reif», sagte die CDU-Politikerin der «Netzeitung».
Für die Menschen, die schon länger in Deutschland leben, sei
ein geregelter Aufenthalt notwendig. «Ein solches
Aufenthaltsrecht muss an die Voraussetzung geknüpft werden, dass
sich die Ausländer bestmöglich in unserem Land integriert
haben und insbesondere auch ohne Sozialtransfers für den
Lebensunterhalt ihrer Familie sorgen können», sagte
Böhmer.
Sie forderte, geduldeten Ausländern Zugang zum Arbeitsmarkt zu
gewähren. «Wer arbeiten soll, und das halte ich für
unabdingbar, muss es (...) in Zukunft auch dürfen.» Diese
Frage war in der Innenministerkonferenz offen geblieben.
(Quelle: ap)
Empörung über antisemitischen Vorfall in Sachsen-Anhalt
Sa.14.10.06 - Ein schwerer antisemitischer Vorfall an einer Schule hat in
Sachsen-Anhalt Empörung ausgelöst. Laut Polizei zwangen auf
einem Schulhof in Parey drei Schüler im Alter von 15 und 16 Jahren
einen 16-jährigen Mitschüler, um den Hals ein Schild mit
einem Spruch zu tragen, der im Nazi-Jargon auf Juden Bezug nimmt.
Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) und andere Politiker
verurteilten die Demütigung am Freitag als erschütternden und
widerlichen Vorgang. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen
Verdachts auf Volksverhetzung, Nötigung und Beleidigung auf.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Stendal erschien das der linken
Szene zugehörige Opfer am Donnerstag mit kahl geschorenem Kopf und
Springerstiefeln in der Schule. Die Tatverdächtigen, die mit der
rechten Szene sympathisieren, fühlten sich dadurch provoziert und
zwangen den Schüler mit Drohungen, sich das Schild
umzuhängen. Eine Lehrerin alarmierte die Polizei.
Böhmer sprach den drei Jugendlichen «moralische
Kritikfähigkeit» ab. SPD, Linkspartei, FDP und Grüne
sahen den Vorfall als Beleg, dass sich rechtsextremes Gedankengut in
der Gesellschaft und speziell bei Jugendlichen ausbreitet.
Rechtsextremistische und antisemitische Straftaten in Sachsen- Anhalt
hatten wiederholt bundesweit Schlagzeilen gemacht. Zuletzt hatte im
Juni die Verbrennung eines Anne-Frank-Tagebuchs bei einer
öffentlichen Sonnenwendfeier in Pretzien bundesweit für
Bestürzung gesorgt. Das jüdische Mädchen Anne Frank war
1945 im KZ Bergen-Belsen getötet worden.
(Quelle: dpa)
Erste deutsche Elite-Universitäten stehen fest
Sa.14.10.06 - Die beiden Münchner Universitäten und die Technische
Hochschule (TH) Karlsruhe sind die ersten deutschen
Elite-Universitäten. Nach Begutachtungen einer hochkarätigen
Wissenschaftsjury traf ein Bewilligungsausschuss am Freitag in Bonn
diese Entscheidung, gegen die es später allerdings auch schwere
Vorwürfe gab.
Hochschulen aus Bayern und dahinter aus Baden-Württemberg gingen
als deutliche Gewinner aus dieser ersten Entscheidungsrunde zur
Förderung von Spitzenuniversitäten hervor.
Die drei Unis werden in den nächsten Jahren insgesamt weit
über 100 Millionen Euro zusätzlich von Bund und Ländern
für den Ausbau ihrer Spitzenforschung und für die Entwicklung
zu einer international anerkannten Elitehochschule erhalten. Daneben
erhalten im Zuge der so genannten Exzellenzinitiative von Bund und
Ländern viele weitere Hochschulen Fördermittel - insgesamt
sollen 18 Graduiertenschulen und 17 Spitzenforschungszentren finanziert
werden.
Neben dem Geld für die beiden Münchner
Eliteuniversitäten erhält Bayern zudem Förderung
für vier Graduiertenkollegs und fünf neue
Spitzenforschungszentren. Baden-Württemberg bekommt vier solcher
Kollegs und drei Zentren finanziert. Das hochschulreichste Bundesland
Nordrhein-Westfalen liegt im Mittelfeld. Mit Abstand folgen Hessen und
Niedersachsen. Der Osten geht außer Sachsen leer aus, ebenso auch
der Norden außer Schleswig-Holstein. Ebenfalls ohne
Förderung blieben Hamburg wie auch der übrige Süden mit
dem Saarland und Rheinland-Pfalz.
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sprach von einem
«sensationellen Erfolg für Bayern».
Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte, dass einzig
wissenschaftliche Leistung das Kriterium für eine Förderung
sei und regionale Gesichtspunkte «keine Rolle» spielten.
Der schleswig-holsteinische Wissenschaftsminister Dietrich Austermann
(CDU) erhob nach dem Wettbewerb schwere Vorwürfe gegen die
Deutsche Forschungsgemeinschaft und ihren Präsidenten Ernst-Ludwig
Winnacker: Das Entscheidungsverfahren sei erst kurz vor der Sitzung des
Bewilligungsausschusses so verändert worden, dass die
Wissenschaftsminister praktisch keinen Einfluss mehr auf den Ausgang
gehabt hätten. «Wir konnten das nur noch abnicken»,
sagte Austermann am Freitag dem Online-Dienst «FAZ.NET».
Zum Konzept des Wettbewerbs gehöre, dass Bund und Länder am
Ende gemeinsam mit den 27 wissenschaftlichen Gutachtern die
Entscheidung fällen. Dagegen habe Winnacker jedoch
verstoßen. Austermann sagte weiter, es habe eine
«zweistündige erregte Diskussion» gegeben, in deren
Verlauf einige Minister beinahe den Rücktritt Winnackers vom
Vorsitz des Gremiums gefordert hätten. Auch Forschungsministerin
Schavan sei erzürnt gewesen.
Schavan selbst sagte, dass die «ausschließlich
eindeutige» Entscheidung der Wissenschaft zwar überraschend
gewesen sei, aber schließlich auch von der Politik einstimmig
mitgetragen worden sei.
Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider,
räumte im Bayerischen Rundfunk ein, es werde natürlich
Enttäuschung über die Auswahl geben. Er sei aber
zuversichtlich, dass es weitere Universitäten beim nächsten
Anlauf schaffen werden, «Enttäuschung in kreative Energie
umzusetzen und in der zweiten Runde mit noch mehr Power zum Erfolg zu
fahren».
Der Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes,
Christian Bode, sagte: «Ich wünschte mir, wir hätten
etwas Ähnliches auch für die Lehre.» Die
stellvertretende Vorsitzende Der Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, sagte: «International
konkurrenzfähige Leuchtturm-Unis stehen künftig schlecht
finanzierten Hochschulen für die Massenabfertigung von
Studierenden gegenüber.»
Die Vorsitzende des Bundestagsbildungsausschusses, Ulla Burchardt
(SPD), bezeichnete den Wettbewerb als «Gewinn für den
Wissenschaftsstandort Deutschland». Genauso wichtig wie die
Forschungsgelder seien jetzt «zusätzliche Mittel in der
Breite für mehr Studienplätze und eine bessere Lehre»,
sagte Burchardt.
Die Wahl für Graduiertenschulen und Spitzenforschungszentren
(Exzellenzcluster) fielen auf: RWTH Aachen (drei Mal), FU Berlin,
Humboldt Uni Berlin, TU Berlin, Ruhr Uni Bochum, Uni Bonn (zwei Mal),
Uni Bremen, TU Dresden (zwei Mal), Uni Erlangen/Nürnberg, Uni
Freiburg, Uni Gießen (zwei Mal), Uni Göttingen, Medizinische
Hochschule Hannover (zwei Mal), Uni Heidelberg (zwei Mal), Uni
Karlsruhe (TH/zwei Mal), Uni Kiel, Uni Konstanz, Uni Mannheim, Uni
München (vier Mal), die TU München (drei Mal) und Uni
Würzburg.
Mit den Entscheidungen endete die erste Runde in dem Programm zum
Ausbau der universitären Spitzenforschung. Das Programm ist mit
insgesamt 1,9 Milliarden Euro ausgestattet. Der Bund trägt 75
Prozent der Kosten und die Länder 25 Prozent.
(Quelle: dpa)
Internet
Intelligent suchen
Sa.14.10.06 - Wer kennt dieses Problem nicht: Suchmaschinen im Internet liefern auf
eine Anfrage zwar hunderte von Treffern. Doch ein wirklicher Volltreffer
ist meist nicht dabei. Ein deutsch-französisches Entwicklerteam
will das ändern. Mit dem Projekt Quaero entwickeln sie eine
effektivere, intuitiv zu bedienende Suchtechnologie. Die neue
Suchmaschine soll nicht nur Dokumente und Bücher, sondern auch
Musik, Bilder und Videos automatisch erkennen, indexieren und finden
können - und das in mehreren Sprachen. Und sie wird Antworten auf
frei formulierte Fragen liefern.
Im Krankenhaus werden Ärzte schneller auf medizinische Daten in
Text-, Audio- und Bildform zugreifen können und auch bei der
Digitalisierung der Bestände der Deutschen Bibliothek soll die neue
Suchtechnik eine wichtige Rolle spielen.
Für die Entwicklung der neuartigen Suche will Quaero von Nutzern
vergebene Stichwörter mit Standardvokabular verbinden. Nutzer von
erfolgreichen Internetdiensten wie der Fototauschplattform Flickr
verwenden selbst gewählte Stichwörter, mit denen sie Bilder
und Personen beschreiben. Damit entsteht ein individuelles
Stichwortregister, das das Suchen, Finden und Navigieren in großen
Informationsmengen vereinfacht.
Weil Menschen ihre eigenen Stichwörter entwickeln und individuell
zuordnen, entstehen aber auch viele unterschiedliche
Informationsräume. Sie überlappen sich nur teilweise, mitunter
können falsche Einordnungen für andere die Suche erschweren.
Deshalb wollen die Forscher diese Vorgehensweise mit dem strengeren
Ansatz des so genannten semantischen Web verknüpfen. Es beschreibt
Dokumente mit einem standardisierten Vokabular und beschreibt Inhalte
so, dass sie von Computern verstanden werden können. Hilfreich
sind etwa Daten, die bereits bei ihrer Entstehung erzeugt werden - wie
Datei- und Ordnernamen, Datum, Autor und Ort.
Die Suche nach Bildern soll künftig nicht nur über
Schlüsselwörter funktionieren, sondern auch Bildstrukturen
automatisch erkennen und auswerten. Das Bild einer roten Rose etwa
würde mit anderen Bildern mit ähnlichen Farb- und
Formstrukturen verglichen werden. Auf diese Weise könnten weitere
Bilder gefunden werden, die noch nicht beschrieben wurden. So soll die
Bildsuche wesentlich schneller werden.
Die Suche nach Tönen, Musik und gesprochener Sprache könnte
ähnlich funktionieren. Anwendungen dafür gibt es bereits: Der
vom Fraunhofer-Institut Intelligente Analyse- und Informationssysteme in
St. Augustin entwickelte iFinder kann Medieninhalte durchsuchen. Schon
jetzt wird er im Deutschen Bundestag für die Analyse von
Parlamentsdebatten eingesetzt. Das Programm erkennt Wörter und
Sätze in den auf Video aufgezeichneten Debatten und kombiniert sie
über einen Zeitstempel mit den schriftlichen Aufzeichnungen der
Debatten. So lässt sich nicht nur das Protokoll, sondern auch die
Videoaufzeichnung nach bestimmten Wörtern und Phrasen durchsuchen.
Quaero will aber Audioaufnahmen nicht nur in Text verwandeln, sondern
auch in andere Sprachen übersetzen - ideal wäre das etwa
für Parlamentsdebatten in Strassburg.
Eine europäische Alternative zu Google soll Quaero nicht werden,
obgleich der französische Präsident Jacques Chirac das Projekt
so angekündigt hatte. «Quaero ist keine Allianz gegen Google
und andere», betont Wolfgang Wahlster, der als Direktor des
Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz den
deutschen Projektantrag verantwortet. Das Gegenteil sei der Fall:
«Viele Quaero-Partner arbeiten mit Google und anderen Betreibern
von Suchmaschinen zusammen.» So werden die beteiligten
Unternehmen die von ihnen entwickelten Quaero-Produkte wohl an andere
Unternehmen lizenzieren - nicht aber eine Google-ähnliche
Suchplattform erschaffen.
(Quelle: ddp)