Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertachtunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Wieder zahlreiche Tote bei Gewalttaten. Irakischer Fernsehjournalist in
Bagdad erschossen. Sieben enthauptete Leichen nördlich von Bagdad
entdeckt
So.15.10.06 - Neue Gewalt hat am Samstag im Irak mindestens 13 Menschen das Leben
gekostet. Unter den Toten war eine vierköpfige schiitische Familie
in Mahmudija, deren Wohnhaus am frühen Morgen von unbekannten
Uniformierten gestürmt wurde, wie ein Sprecher der irakischen
Streitkräfte mitteilte. Sieben weitere Menschen kamen nach
Polizeiangaben bei einem Granatenangriff auf ein Dorf nahe Bakuba ums
Leben, fünf wurden verletzt.
Im Raschid-Viertel von Bagdad detonierten gegen Mittag auf einem
Parkplatz zwei Bomben. Ein Mensch wurde getötet, vier weitere
wurden verletzt, wie ein Polizeisprecher sagte. Autos und ein nahe
gelegenes Gebäude gingen in Flammen auf. In Diwanija erschossen
Bewaffnete nach Polizeiangaben einen Lehrer.
Im Süden Bagdads wurde ein irakischer Fernsehmitarbeiter am
Freitagabend aus einem fahrenden Auto heraus erschossen. Nach
Polizeiangaben unterhielt sich der Mann in der Nähe seines Hauses
im Stadtviertel Dora mit einem Freund, als die Schüsse fielen. Raed
Kais al Schammari arbeitete als Techniker für den Sender Al
Irakija. Erst am Donnerstag waren in den Büros eines anderen
Fernsehsenders in Bagdad elf Menschen getötet worden.
Nördlich von Bagdad entdeckte die Polizei sieben enthauptete
Leichen. Nach Polizeiangaben handelte es sich bei dem Verbrechen in
Duluija offenbar um einen Racheakt für die Entführung von drei
Sunniten durch eine schiitische Miliz am vergangenen Mittwoch. Diese
drei Männer wurden getötet, ihre Leichen verbrannt.
Unter den am Freitagabend entdeckten sieben Leichen waren auch die von
drei Bauarbeitern, die am Donnerstag gemeinsam mit 14 Kollegen auf dem
Heimweg in die überwiegend von Schiiten bewohnte Stadt Balad
entführt worden waren. Die ebenfalls enthaupteten Leichen der
anderen 14 Männer waren bereits zuvor gefunden worden.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 15.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertvierundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.15.10.05 - Iraker stimmen über neue Verfassung ab +++ Aufständische legen
Strom- und Wasserversorgung in Bagdad lahm +++ Zahlreiche Opfer bei
Bombenanschlägen +++ UN werfen Truppen im Irak Aushungerung von
Zivilisten vor +++ Referendum im besetzten Irak: Wie auch immer die Volksabstimmung
ausgeht, das von den USA diktierte Grundgesetz hat keine
völkerrechtliche Legitimität...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510150.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Zwei NATO-Soldaten im Süden Afghanistans getötet
So.15.10.06 - Zwei NATO-Soldaten sind am Samstag bei einem Angriff
Aufständischer in der südafghanischen Provinz Kandahar
getötet worden. Weitere drei Soldaten wurden verletzt, wie die
NATO mitteilte. Die Nationalität der Soldaten war zunächst
nicht bekannt. In der Provinz sind vorwiegend kanadische Truppen im
Einsatz.
In der Stadt Kandahar sprengte sich ebenfalls am Samstag ein
Selbstmordattentäter in einem Auto in der Nähe eines Konvois
der afghanischen Streitkräfte in die Luft. Dabei wurden nach
Angaben eines Regierungssprechers drei Soldaten verletzt. Am
Freitagabend griffen mutmaßliche Taliban-Rebellen in der Provinz
Sabul eine Polizeipatrouille an. Bei der anschließenden
Schießerei kamen nach Polizeiangaben zwei Polizisten und drei
Angreifer ums Leben.
Bei einem Anschlag auf den Gouverneur der afghanischen Provinz Laghman
wurde am Samstag ein Regierungsbeamter getötet. Der Gouverneur
blieb nach Polizeiangaben unverletzt. Die in einem Abwassergraben
versteckte Bombe wurde in dem Moment ferngezündet, als der
Gouverneur in seinem Wagen vor dem Regierungssitz eintraf. Rund ein
Dutzend Verdächtige wurden festgenommen.
Es war der dritte Anschlag auf einen Provinzgouverneur in Afghanistan
binnen fünf Wochen. Anfang September tötete ein
Selbstmordattentäter den Regierungschef der Provinz Paktia, Ende
September sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor dem Amtssitz
des Gouverneurs von Helmand in die Luft. 18 Menschen wurden
getötet, der Gouverneur kam nicht zu Schaden.
(Quelle: ap)
UN-Sicherheitsrat beschließt eistimmig Sanktionen gegen Nordkorea
- Pjöngjang droht mit Gegenmaßnahmen
So.15.10.06 - Der UN-Sicherheitsrat hat sechs Tage nach dem nordkoreanischen Atomtest
einstimmig harte Sanktionen gegen das Regime in Pjöngjang
verhängt. Am Samstag verurteilten alle 15 Mitglieder des Gremiums
den Atomtest scharf und beschlossen empfindliche Handels- und
Reisebeschränkungen.
Der Vertreter Nordkoreas, Pak Gil Yon, der als Gast an der Sitzung
teilnahm, wies die Resolution umgehend zurück und warf dem
Sicherheitsrat vor, mit zweierlei Maß zu messen.
Unmittelbar nach Verlesen eines kurzen Statements verließ Pak den
Raum. Vor Journalisten drohte er «Gegenmaßnahmen»
Nordkoreas an. Sollte der Sicherheitsrat an diesem Kurs festhalten,
werde sein Land das als «Kriegserklärung» verstehen,
sagte er. Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton protestierte
gegen Paks Benehmen.
Die Einigung im Sicherheitsrat war erst möglich geworden, nachdem
die USA auf Forderungen von Russland und China eingegangen waren und
ihren bereits dreifach entschärften Resolutionsentwurf nochmals
abgeändert hatten. Der Einsatz von Gewalt zur Durchsetzung der
Sanktionen ist nicht vorgesehen.
Bolton forderte die kommunistischen Machthaber in Pjöngjang auf,
die Resolution zu befolgen, andernfalls hätten sie mit
«ernsten Konsequenzen» zu rechnen. «Heute senden wir
eine klare und harte Botschaft an Nordkorea», sagte er.
Der chinesische UN-Vertreter Wang Guangya sagte, es müsse alles
getan werde, um eine Eskalation der Situation zu vermeiden. «Wenn
die Demokratische Volksrepublik Korea sich an die Resolution hält,
sollten die Sanktionen wieder aufgehoben werden.»
Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin nannte den einstimmigen
Beschluss einen «wichtigen Moment» für den
Sicherheitsrat. Nordkorea sei klar aufgefordert worden, auf die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verzichten.
Die in tagelangen harten Verhandlungen erarbeitete Resolution
verhängt ein Handelsembargo für alle Waren, die mit dem
nordkoreanischen Raketen- und Nuklearprogramm zu tun haben
könnten. Auch schwere konventionelle Waffen und Luxusgüter
dürfen nicht mehr ein- und ausgeführt werden. Diese Vorgaben
sollen durch Kontrollen des Warenverkehrs mit Nordkorea
überprüft werden.
Zudem soll Vertretern des Regimes, die mit den Waffenprogrammen zu tun
haben, die Einreise in UN-Mitgliedsländer untersagt werden.
«Der Sicherheitsrat ... beschließt, dass Nordkorea seine
Atomwaffen und Atomprogramme vollständig, überprüfbar
und unumkehrbar aufgibt», heißt es in der Resolution. Zudem
müsse das Land sofort und ohne Vorbedingungen zu den
Sechs-Parteien-Gesprächen zurückkehren.
China und Russland, die die engsten Handelspartner Nordkoreas sind,
hatten bis zuletzt vor einer zu scharfen Resolution gewarnt. Das Papier
nimmt deshalb zwar auf Kapitel 7 der UN-Charta Bezug, nennt aber
ausdrücklich nur «friedliche
Sanktionsmaßnahmen». Die in dem Kapitel ebenfalls
vorgesehenen «militärischen Sanktionsmaßnahmen»
sind nicht erwähnt.
Auf Drängen Chinas wurde ein Passus eingefügt, nach dem
mögliche weitere Maßnahmen gegen Pjöngjang einer neuen
Entscheidung des Sicherheitsrats bedürften. US-Botschafter Bolton
sprach gleichwohl von einer guten und klaren Resolution. «Der
Text ist nicht völlig zufrieden stellend für die USA. Aber er
erfüllt alle Hauptziele, die in wir den Diskussionsprozess
einbringen wollten.»
US-Präsident George W. Bush hat die UN-Resolution gegen Nordkorea
begrüßt. Der Weltsicherheitsrat habe Nordkorea «eine
starke Botschaft» wegen dessen Atomwaffenprogramm gesandt, sagte
Bush am Samstag in Washington vor Journalisten.
(Quellen: dpa, ap)
Nahost-Konflikt
Sieben militante Palästinenser bei Luftangriffen getötet
So.15.10.06 - Israelische Soldaten haben mit Luftangriffen im Gazastreifen am Samstag
mindestens sieben militante Palästinenser getötet. Sechs der
Palästinenser seien tödlich verletzt worden, als israelische
Kampfhubschrauber nordöstlich von Gaza drei Raketen auf
Anhänger der radikal-islamischen Hamas-Bewegung feuerten.
Das berichteten Augenzeugen. Ein weiterer Mann starb bei einem
Raketenangriff auf ein palästinensisches Auto in Gaza. Insgesamt
wurden mehr als zehn Menschen verletzt.
Israelische Panzerbesatzungen seien in der Nacht unterstützt von
Apache-Kampfhubschraubern nach Dschabalia in den Norden des
Gazastreifens vorgerückt, teilten palästinensische
Polizeistellen mit. Zwischen israelischen Soldaten und
palästinensischen Extremisten sei es zu Feuergefechten gekommen.
Vorher war in Sderot ein Israeli beim Einschlag einer
palästinensischen Kassam-Rakete getötet worden. Nach
israelischen Medienberichten sollte der Militäreinsatz die
palästinensische Raketenangriffe stoppen.
Die von der Hamas geführte palästinensische Regierung
verurteilte die israelischen Militäreinsätze am Samstag
scharf, nachdem in den vergangenen Tagen mindestens zehn
Palästinenser getötet worden seien. Regierungssprecher Ghasi
Hamad sprach in Gaza von «terroristischen Taten» gegen das
Volk, Gebäude und die zivile Infrastruktur. Ziel der Israelis sei
es, möglichst viel Schaden anzurichten, sagte er.
Am Samstag habe ein israelischer Kampfjet vom Typ F-16 ein Haus eines
Palästinensers im südlichen Gazastreifen mit einer Rakete
zerstört, teilten Palästinenser mit. Dabei sei niemand
verletzt worden. Die israelische Armee habe den Hausbesitzer über
den bevorstehenden Angriff informiert. Eine Militärsprecherin in
Tel Aviv sagte, Ziel sei es gewesen, den Eingang zu einem
Schmugglertunnel im Grenzgebiet zu Ägypten zu zerstören.
(Quelle: dpa)
USA weiten Wirtschaftssanktionen gegen den Sudan aus
So.15.10.06 - Wegen andauernder Menschenrechtsverletzungen und der humanitären
Krise in der Region Darfur haben die USA ihre Wirtschaftssanktionen
gegen den Sudan ausgeweitet. US-Präsident George W. Bush
unterzeichnete am Freitag (Ortszeit) eine Anordnung, derzufolge die von
seinem Vorgänger Bill Clinton beschlossenen Maßnahmen
beibehalten und erweitert werden sollen. Clinton hatte 1997 unter
anderem das Vermögen sudanesischer Regierungsmitglieder in den USA
eingefroren und den Import von Waren und Dienstleistungen aus dem
afrikanischen Land verboten. Der von Bush unterzeichnete Erlass sieht
zusätzlich ein Verbot aller Handelstätigkeit in der Öl-
und der petrochemischen Industrie vor. Washington beschuldigt die
Regierung in Khartum der Unterstützung des internationalen
Terrorismus und der gezielten Destabilisierung von Nachbarstaaten.
(Quelle: afp)
Ivorische Behörden melden zehn Tote im Giftmüllskandal
So.15.10.06 - In der Elfenbeinküste hat sich die Zahl der Todesopfer im
Giftmüllskandal weiter erhöht. Das ivorische
Gesundheitsministerium sprach am Freitag von zehn Menschen, die nach der
illegalen Ablagerung der Abfälle auf Deponien der
westafrikanischen Wirtschaftsmetropole Abidjan ums Leben gekommen seien.
Zuletzt war von acht Toten die Rede gewesen. Ministeriumssprecher
Simeon N'Da sagte, die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen,
doch sei die Todesursache vermutlich der Giftmüll. Zudem
hätten seit Mitte August 102.806 Menschen deswegen den Arzt
aufgesucht, viele mit Übelkeit, Kopfschmerzen und Atembeschwerden.
Weitere 69 Patienten seien in Krankenhäusern behandelt worden,
teilte N'Da weiter mit. Das niederländische Schiff «Probo
Koala» hatte hunderte Tonnen Giftmüll in Abidjan entsorgt.
Sieben Personen sitzen derzeit in Haft.
(Quelle: ap)
Tausende Bangladescher feiern Friedensnobelpreisträger Yunus
So.15.10.06 - Tausende Bangladescher sind zum Haus des diesjährigen
Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus in Dhaka gezogen, um ihrem
Landsmann zu der Ehrung zu gratulieren. Der 66-jährige
Preisträger begrüßte die begeisterte Menge gemeinsam mit
Frau und einer seiner Töchter. Er sei geehrt, für Bangladesch
gewonnen zu haben, sagte Yunus.
Bangladeschs Ministerpräsidentin Khaleda Zia betonte in einer
Erklärung, die ganze Nation mit ihrern 144 Millionen Bürgern
sei stolz auf die Auszeichnung für den Bankier. Sein Programm zur
Vergabe von Mikrokrediten habe Millionen von Armen in dem Land geholfen.
Der Friedensnobelpreis für Yunus und die von ihm gegründete
Grameen-Bank war am Freitag verkündet worden. Der
Wirtschaftsprofessor und die Bank wurden für ihre Vorreiterrolle
bei der Vergabe von so genannten Mikrokrediten zur Armutsbekämpfung
ausgezeichnet. Vor allem an arme Bauern vergibt die Grameen Bank
Kleinstkredite, um ihnen den Weg in die Selbständigkeit zu
ermöglichen. Derzeit hat sie 6,6 Millionen Kunden, davon 96
Prozent Frauen. Das Konzept wird mittlerweile in mehr als 40
Ländern kopiert. Der mit 1,1 Millionen Euro dotierte Nobelpreis
wird am 10. Dezember in Oslo feierlich verliehen.
(Quelle: afp)
Ecuador steht vor einem kräftigen Rutsch nach Links
So.15.10.06 - Nach zehn Jahren mit Staatspräsidenten aus der Mitte oder der
Rechten des Parteienspektrums bahnt sich in Ecuador ein deutlicher
politischer Schwenk nach Links an. Laut Umfragen geht der frühere
Wirtschaftsminister Rafael Correa am Sonntag als klarer Favorit in die
Präsidentschaftswahl des südamerikanischen Landes. Der
43-Jährige ist ein Freund des Linksnationalisten und für seine
Ausfälle gegen die USA bekannten venezolanischen Präsidenten
Hugo Chávez. Im Wahlkampf präsentierte er sich als
Verfechter eines radikalen Umschwungs mit deutlicher Opposition zur
Politik Washingtons.
(Quelle: afp)
Wal-Mart: Millionenstrafe wegen Verstoß gegen Arbeitsgesetze in
den USA
So.15.10.06 - Wegen Verstößen gegen die Arbeitsgesetze ist der
US-Einzelhandelsriese Wal-Mart in den USA zur Zahlung einer
Geldbuße von 78 Millionen Dollar (62 Millionen Euro) verurteilt
worden. Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Pennsylvania gab einer
Sammelklage von ehemaligen Angestellten statt. Demnach waren auf
Stundenlohnbasis beschäftigte Arbeiter zwischen 1998 und 2001
regelmäßig zum Verzicht auf Pausen gezwungen worden, weil
ihre Vorgesetzten die Arbeitskosten senken wollten.
Der Klage zufolge wurden auf diese Weise wurden mehr als 33 Millionen
Pausen eingespart. Von dem Erfolg der Sammelklage profitieren nach
Angaben der Verteidiger etwa 187.000 damalige Mitarbeiter des Konzerns.
Es ist nicht das erste Mal, dass Wal-Mart wegen seiner schlechten
Arbeitsbedingungen verurteilt wird. Im Dezember vergangenen Jahres hatte
ein Gericht in Oakland (US-Bundesstaat Kalifornien) das Unternehmen
bereits zur Zahlung einer Strafe von 172 Millionen Dollar verurteilt.
(Quelle: afp)
Deutschland
Nur 109 Abgeordnete legen freiwillig Nebeneinkünfte offen
So.15.10.06 - Ungeachtet aller Forderungen nach mehr Transparenz macht die
große Mehrheit der Bundestagsabgeordneten aus Nebeneinkünften
immer noch ein Geheimnis. Nur 109 von 614 Parlamentariern
präsentieren laut "Spiegel" ihr Einkünfte freiwillig auf
ihren Internetseiten. Am offenherzigsten sind dabei die Abgeordneten
der Linksfraktion: 50 von 53 haben ihre Einnahmen publiziert.
Gemäß einer zum Jahresbeginn in Kraft getretenen Regelung
teilen zwar alle Parlamentarier ihre Nebeneinkünfte an
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) mit, doch der verweigere
bislang die gesetzlich vorgeschriebene Veröffentlichung mit Blick
auf eine dagegen gerichtete Klage, die derzeit vom
Bundesverfassungsgericht geprüft wird.
Während bei der SPD dem "Spiegel"-Bericht zufolge 47
Parlamentarier per Internet Auskunft geben, weigert sich die FDP
generell, Nebenverdienste zu offenbaren. Bei der Union machen demnach
nur sechs Abgeordnete Angaben zu ihren Finanzen.
Bei den Grünen seien es ebenso wenig, obwohl gerade sie
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) besonders energisch
aufgefordert hätten, sich für die Bekanntgabe aller
Einkünfte einzusetzen: Die Bürger hätten "ein Recht auf
die Offenlegung der Angaben", zitiert der "Spiegel" aus dem Entwurf
eines Schreibens der Grünen an den Parlamentspräsidenten. "Das
ist schon eine gewisse Doppelzüngigkeit", kritisiert der
SPD-Abgeordnete Christian Lange, ein entschiedener
Transparenzbefürworter.
Derzeit prüft das Bundesverfassungsgericht die Klage von neun
Abgeordneten gegen die Veröffentlichung ihrer Nebeneinkünfte.
Die Kläger von Union, SPD und FDP sind der Ansicht, dass die
Regelung ihr Ziel nach mehr Transparenz und Aufdeckung von
Abhängigkeiten verfehle. Zudem werde das Abgeordnetenmandat
für Unternehmer oder sonstige Selbstständige "unattraktiv".
Das Gericht verwies bei der mündlichen Verhandlung am Mittwoch in
Karlsruhe in diesem Zusammenhang auf die politische Dimension des
Verfahrens. Dazu gehöre auch die Frage, wie sich der Bundestag in
zehn Jahren zusammensetzt und die Möglichkeit, dass er dann nur
noch aus Beamten und Richtern besteht, wenn sich Selbständige wegen
der Offenlegungspflicht ihrer Einkünfte zurückziehen.
(Quelle: afp)
Koalition im Kreuzfeuer der Kritik
So.15.10.06 - Die große Koalition steht im Kreuzfeuer der Kritik. Während
SPD-Linke und Gewerkschaften mehr Unterstützung für
Arbeitslose und Arme anmahnen, rügt die Junge Union unzureichende
Problemlösungen. Junge Union wie auch Jusos denken bereits
über Koalitionsalternativen nach. Derweil ging CSU-Chef Edmund
Stoiber auf dem CSU-Parteitag in Augsburg mit SPD-Chef Kurt Beck hart
ins Gericht, stellte die Koalition aber nicht in Frage.
Stoiber warf der SPD am Samstag eine Blockadehaltung vor. So stehe die
SPD bei der Arbeitsmarktpolitik und der Unternehmenssteuerreform
«auf der Bremse». Die SPD habe das Land nach sieben Jahren
Regierung «in einer depressiven und desolaten Stimmung
hinterlassen». Angesichts dieser «Erblast»
hätten es die Unions-Parteien und Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) «nicht nötig, sich von Herrn Beck rügen zu
lassen». Beck täusche sich, wenn er meine, dass er einen
Keil zwischen die Unions-Ministerpräsidenten und Merkel treiben
könne. Klar sei: «Wir gehören als Union zusammen und
halten zusammen.»
Wie Stoiber verteidigte auch CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer die
Mitarbeit in der Koalition. Das Regierungsbündnis mit der SPD sei
«ohne Alternative» gewesen, sagte Ramsauer und versicherte
zugleich: «Ohne die CSU geht in Berlin nichts.»
Der Vorsitzende der bayerischen SPD-Landesgruppe im Bundestag, Florian
Pronold, hielt seinerseits der CSU und vor allem Stoiber vor, die
Koalition zu belasten. Er betonte: «Auch in Zukunft werden wir
erleben, dass Stoiber das größte Sicherheitsrisiko der
großen Koalition ist.»
Kritik an der großen Koalition kam derweil auch von Seiten der
Jugendverbände von CDU und SPD. Der Vorsitzende der Jungen Union,
Philipp Mißfelder, rügte, bei den wichtigen Themen wie
Arbeitsmarkt, Rente oder Gesundheit komme derzeit «oft nur der
kleinste gemeinsame Nenner raus». Sollte die große
Koalition beendet werden, sprach sich Mißfelder für ein
Bündnis aus Union, FDP und Grünen aus.
Auch die Jusos suchen nach Bündnisalternativen. Juso-Chef
Björn Böhning sagte, die SPD sei nach 2009 «für
alle demokratischen Seiten offen». Er rechne mit einer
Dreierkonstellation. «Und das muss bei der SPD die Linkspartei
mit einschließen, wenn die ihre Altlast Oskar Lafontaine
entsorgt.» Böhning kritisierte den Führungsstil der
Bundeskanzlerin. Merkel müsse «zusehen, wie sie ihren Laden
besser in den Griff bekommt».
Enttäuscht sind auch die Gewerkschaften. Der DGB-Vorsitzende
Michael Sommer sagte, die Gewerkschaften hätten geglaubt, dass
sich Union und SPD nach dem Wählervotum richteten, mit dem eine
neoliberale Politik klar abgelehnt worden sei. Inzwischen müssten
sie aber feststellen, «dass bei allen großen Reformen die
kleinen Leute abkassiert und die Großen geschont werden - genau
wie vorher».
IG-Metall-Chef Jürgen Peters sagte, die Koalition glaube offenbar,
auf bestimmte Gruppen in der Gesellschaft keine Rücksicht mehr
nehmen zu müssen, «zum Beispiel auf die Arbeitnehmer und
ihre Gewerkschaften». Peters forderte öffentlich
geförderte Beschäftigung «in großem Stil».
Dies werde zumindest «für die Problemgruppen der über
55-Jährigen und der unter 25-Jährigen» gebraucht.
(Quelle: ddp)
40 Prozent der jungen Migranten ohne Ausbildung
So.15.10.06 - Immer weniger junge Menschen mit ausländischen Wurzeln bekommen in
Deutschland einen Ausbildungsplatz. 40 Prozent von ihnen erhielten
keinerlei berufliche Qualifizierung, sagte die Integrationsbeauftragte
der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), in einem
vorab verbreiteten Bericht der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung» («FAS»). Die Situation für
junge Menschen mit Migrationshintergrund habe sich auf dem
Ausbildungsmarkt dramatisch verschlechtert.
Die Staatsministerin betonte, die Zahl von Jugendlichen aus
Migrationsfamilien, die einen Ausbildungsplatz hätten, sei in den
vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. 1994 seien es
noch 126 000, 2005 nur noch 67 000 Jugendliche gewesen. Damit habe sich
der Anteil ausländischer Ausbildungsplatzinhaber halbiert.
«Das ist alarmierend», sagte Böhmer.
Am Montag treffen sich Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD),
Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) und Wirtschaftsminister
Michael Glos (CSU) mit dem Präsidenten des Deutschen Industrie-
und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Braun, und Verbandsvertretern, um
darüber zu beraten, um die Lage von Migranten auf dem
Ausbildungsmarkt zu erörtern.
(Quelle: ddp)