Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertneununddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Dutzende Tote bei Racheakten zwischen Sunniten und Schiiten - Bis zu 46
Leichen geborgen. Irakische Regierung sagt Versöhnungskonferenz
ab. Fünf US-Soldaten im Irak getötet. Ehemaliger Armeechef
Australiens kritisiert Irak-Einsatz. Republikanische Senatoren fordern
neue Irak-Strategie der USA
Mo.16.10.06 - Inmitten anhaltender Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten hat die
irakische Regierung am Sonntag eine Versöhnungskonferenz abgesagt.
Das von vielen Irakern mit Hoffnungen erwartete Treffen sei aus
dringenden Gründen um unbestimmte Zeit verschoben worden, teilte
das Kabinett von Ministerpräsident Nuri al-Maliki mit. Die Absage
ist ein Rückschlag für die seit vier Monaten amtierende
Regierung, die einen 24-Punkte-Plan zur Nationalen Versöhnung
umsetzen will.
Die Konferenz sollte am kommenden Samstag stattfinden. Die gewaltsamen
Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen sowie Anschläge von
Aufständischen kosten im Irak jede Woche hunderte Menschen das
Leben. Dem Schiiten Al-Maliki ist es bisher nicht gelungen, eine breite
politische Koalition zu schmieden. Auch am Wochenende hielt die Gewalt
an: Vergeltungsschläge zwischen Sunniten und Schiiten rissen
wieder Dutzende Menschen in den Tod.
Auslöser war die Entführung und Enthauptung von 17
Bauarbeitern schiitischen Glaubens aus Balad. Mutmaßliche
schiitische Milizen gingen daraufhin gezielt gegen die sunnitischen
Einwohner vor. Bis Sonntagmittag wurden 46 Leichen geborgen, was die
Gesamtzahl der Toten in diesem Konflikt binnen drei Tagen auf 63
brachte. In anderen Landesteilen fielen zahlreiche weitere Menschen der
anhaltenden Gewalt zum Opfer.
Das Innenministerium erklärte, die Behörde gehe gezielt gegen
Mitarbeiter vor, die der Mitgliedschaft in gewalttätigen
schiitischen Milizen verdächtigt würden. Es seien schon 3.000
Angestellte wegen Menschenrechtsverletzungen oder Korruption entlassen
worden, und mehrere Polizeikommandeure würden in Kürze
ausgetauscht. Der Polizeitruppe des schiitisch dominierten
Innenministeriums ist wiederholt vorgeworfen worden, der Gewalt von
Schiiten tatenlos zuzusehen, während sunnitische
Aufständische gnadenlos verfolgt würden.
Eine Staatssekretärin im Innenministerium, Hala Schakir, entging
am Sonntagmorgen knapp einem Anschlag mit einer am Straßenrand
versteckten Bombe. Sieben andere Menschen wurden jedoch getötet -
drei Leibwächter und vier Passanten, wie die Polizei mitteilte.
Der Anschlag ereignete sich im östlichen Bagdader Stadtteil
Mustansirija. Die US-Streitkräfte meldeten derweil den Tod von
fünf ihrer Soldaten bei Kämpfen mit Aufständischen oder
Bombenexplosionen.
In der nordirakischen Stadt Mossul wurden ein Ehepaar und seine beiden
Söhne von Bewaffneten getötet, die am Sonntagmorgen in ihr
Haus eindrangen. Das gleiche Schicksal hatte zuvor bereits eine
vierköpfige schiitische Familie in Mahmudija südlich von
Bagdad erlitten. Zehn Menschen fielen am Sonntag mehreren
Selbstmordanschlägen in Kirkuk zum Opfer, darunter auch zwei
Mädchen, vor deren Schule sich ein Attentäter in die Luft
sprengte. Sieben Menschen kamen bei einem Granatenangriff auf ein Dorf
nahe Bakuba ums Leben. Im Süden Bagdads wurde ein irakischer
Fernsehmitarbeiter am Freitagabend aus einem fahrenden Auto heraus
erschossen.
Aufständische haben im Irak innerhalb von 24 Stunden fünf
amerikanische Soldaten getötet. Das teilte das US-
Militärkommando in Bagdad mit. Südlich der irakischen
Hauptstadt starben drei Soldaten bei einem Sprengstoffangriff auf ihr
Fahrzeug. Ein weiterer Amerikaner wurde in der westirakischen
Unruheprovinz Anbar getötet. Bereits am Freitagabend sei ein Soldat
in Bagdad durch einen Sprengsatz ums Leben gekommen, hieß
es.Derweil äußerte sich ein ranghoher australischer
Militär kritisch über den US-geführten Armee-Einsatz im
Irak.
Es sei mittlerweile "ziemlich offensichtlich", dass der
US-geführte Einmarsch in den Irak der militanten islamischen
Dschihad-Bewegung einen Schub verliehen habe, sagte der ehemalige
Armeechef Peter Cosgrove der Zeitung "Sunday Telegraph". Der inzwischen
pensionierte General war zum Zeitpunkt der Invasion im Irak
Oberbefehlshaber der australischen Armee und hatte den Einmarsch stets
unterstützt.
Die Opposition im australischen Parlament bekräftigte nach den
Äußerungen Cosgroves ihre Forderung nach einem Abzug der
australischen Truppen. Der Krieg im Irak habe Australien im Kampf gegen
den fundamentalistischen Terror "weniger sicher" gemacht, sagte der Chef
der Labor-Partei Kim Beazley. Australien hat derzeit rund 1300 Soldaten
im Irak stationiert.
Angesichts der wachsenden Gewalt im Irak haben zwei führende
Senatoren von US-Präsident George W. Bushs Republikanischer Partei
am Sonntag eine neue Strategie der USA gefordert. Es sei Zeit für
einen Kurswechsel in der Irak-Politik, sagte Senator Chuck Hagel aus
Nebraska im Nachrichtensender CNN. Und sein Kollege John Warner sagte
im CBS-Fernsehen, die USA müssten über alle Optionen neu
nachdenken. Ein überstürzter Rückzug komme allerdings
nicht in Frage. Ein solcher Schritt würde den Irak in den
Bürgerkrieg stürzten und alle Nachbarländer
destabilisieren, meinte Warner. Der Senator aus Virginia ist
Vorsitzender des Streitkräfteausschusses des Senats. Er hatte
kürzlich den Irak besucht und danach erklärt, die USA sollten
einen Kurswechsel in Erwägung ziehen, falls die irakische
Regierung nicht in den nächsten zwei oder drei Monaten die Ordnung
im Land herstellen könne. Angesichts immer mehr toter US-Soldaten
im Irak haben schon andere Politiker aus den Reihen der Republikaner
die Irak-Politik Bushs kritisiert. Die oppositionellen Demokraten
fordern schon seit langem eine Änderung der Strategie.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 16.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertfünfundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Olmert erklärt Bemühungen um Treffen mit Abbas für
gescheitert. Deutsche Marine übernimmt Kommando vor der
libanesischen Küste
Mo.16.10.06 - Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat am Sonntag die
Bemühungen um ein Treffen mit dem palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas für gescheitert erklärt. Aus
Olmerts Büro verlautete, Abbas habe als Vorbedingung für ein
Treffen die Freilassung palästinensischer Gefangener gefordert.
Dies komme jedoch nicht in Frage, solange der im Juni entführte
israelische Soldat Gilad Schalit nicht freikomme. «Wir haben Abu
Masen (Abbas) ein Treffen angeboten, aber offensichtlich ist er nicht
interessiert», wurde Olmert zitiert.
Mit einer Zeremonie an Bord des italienischen Flugzeugträgers
«Garibaldi» hat die deutsche Marine am Sonntag das Kommando
über den internationalen Flottenverband vor der libanesischen
Küste übernommen. Aufgabe der Kriegsschiffe ist es, den
Waffenschmuggel an die schiitische Hisbollah-Miliz zu unterbinden,
notfalls mit Waffengewalt.
Flottillenadmiral Andreas Krause sagte bei dem Appell im Hafen von
Beirut, die Aufgabe bestehe darin, im Rahmen der UN-Resolution 1701 die
libanesische Regierung zu unterstützen und die Seegrenze gegen den
illegalen Zustrom von Waffen zu sichern. Für die Übergabe des
Kommandos hatte die deutsche Fregatte
«Mecklenburg-Vorpommern» unter Kommandant Ulrich Reinecke
500 Meter neben der «Garibaldi» im Beiruter Hafen
festgemacht, während die übrigen Schiffe und Boote des
Verbandes aus Sicherheitsgründen vor der Küste kreuzten.
An der Zeremonie nahm auch der Kommandeur der UN-Friedensmission
für den Libanon (UNIFIL) teil, der französische General Alain
Pellegrini. Krause übernahm das Kommando vom italienischen
Konteradmiral Giuseppe de Giorgi.
Die «Mecklenburg-Vorpommern» ist das Flaggschiff des
gesamten Verbandes und damit Krauses Kommandostand. Insgesamt werden
bis zu 2.400 deutsche Soldaten, darunter 1.500 Marinesoldaten, an dem
Einsatz teilnehmen. Der UNIFIL-Einsatz ist zunächst bis 31. August
2007 befristet. Mit der Übergabe des Kommandos wurde der Verband
formell der UNIFIL-Mission unterstellt.
Italienische Kriegsschiffe hatten zusammen mit französischen
Einheiten die Zeit zwischen dem Abzug der israelischen Einheiten und
dem Eintreffen des Flottenverbandes überbrückt. Der aus zwei
Fregatten, zwei Versorgern und vier Schnellbooten bestehende deutsche
Teil des Verbandes war am 4. Oktober zusammen mit zwei dänischen
Schnellbooten nach 13-tägiger Fahrt in Zypern eingetroffen. Der
dortige Hafen Limassol, rund 250 Kilometer von der libanesischen
Küste entfernt, soll dem Verband auch weiter als logistische Basis
dienen.
Wann der Verband seine endgültige Stärke erreicht, war auch
am Sonntag unklar. Schiffe und Boote angeboten haben unter anderen die
Niederlande, Norwegen, Bulgarien, Griechenland und die Türkei.
(Quelle: ap)
Friedensvertrag für Sudan in Asmara unterzeichnet
Mo.16.10.06 - Die Regierung des Sudan und die Aufständischen im Osten des Landes
haben am Samstag einen Friedensvertrag unterzeichnet. Der staatliche
Rundfunk Sudans berichtete, das Abkommen, das mit Hilfe Eritreas
ausgearbeitet wurde, sei in der eritreischen Hauptstadt Asmara
unterzeichnet worden. Der Friedensvertrag soll einen seit zwölf
Jahren währenden bewaffneten Konflikt beenden. Er wurde vom
Unterhändler der Regierung in Khartum, Mostafa Osman Ismail, und
Rebellenchef Mussa Mohammed Ahmed unterzeichnet. An der Zeremonie im
eritreischen Präsidentenpalast nahm auch der Generalsekretär
der Arabischen Liga, Amr Mussa, teil.
(Quelle: afp)
UN mahnen zum Kampf gegen Hunger
Mo.16.10.06 - Die Vereinten Nationen haben die Staatengemeinschaft anlässlich
des Welternährungstages am 16. Oktober zum Kampf gegen den Hunger
vor allem bei Kindern aufgerufen. Es sei möglich, das
Millenniums-Ziel zu erreichen und die Zahl der Hungernden bis 2015 zu
halbieren.
«Das ist ein langer Weg, aber es ist machbar», sagte der
Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen
(WFP), James Morris, in einem dpa-Gespräch. «Dazu bedarf es
aber einer enormen Anstrengung.»
Derzeit gibt es nach WFP-Angaben 850 Millionen hungernde Menschen auf
der Welt, davon 400 Millionen Kinder. Drei Viertel aller
unterernährten Kinder lebten in nur zehn Länder der Erde.
«18 000 Kinder sterben jeden Tag an Unterernährung. Das
heißt: Alle fünf Sekunden ein Kind. Im Jahr 2006 muss das
nicht sein», sagte Morris. Nach Berechnungen der Experten des
Welternährungsprogramms könnten bereits mit 80 US-Dollar
für jede Familie im Jahr entscheidende Verbesserungen erzielt
werden.
Morris betonte: «Jede Regierung akzeptiert die Voraussetzung,
dass Menschen nicht hungern sollten und dass Frauen und Kinder nicht
verhungern sollten.» Es sei im Interesse aller Länder, dass
Kinder ausreichend zu essen hätten. «Das macht sie produktiv,
lässt sie zu Konsumenten werden, verringert die Gesundheitskosten
und lässt die Staatseinnahmen auf längere Sicht
steigen.»
(Quelle: dpa)
Japanischer Politiker fordert Debatte über eigene Atomwaffen
Mo.16.10.06 - Nach dem von Nordkorea verkündeten Atomtest hat in Japan ein
führender Vertreter der Regierungspartei eine Debatte über
eine eigene Nuklearbewaffnung gefordert.
"Wir müssen einen Weg finden, um einen Angriff auf Japan zu
verhindern", sagte der Vorsitzende des Strategierats der
Liberaldemokratischen Partei (LDP), Shoichi Nakagawa, am Sonntag im
Fernsehen. Es gebe die Ansicht, dass eigene Atomwaffen eine
Möglichkeit dafür wären. Er selbst vertrete diese
Auffassung zwar nicht und Japan halte sich an seinen
grundsätzlichen Verzicht auf Atomwaffen, betonte der Politiker.
"Aber wir müssen eine lebhafte Diskussion darüber führen."
Ministerpräsident Shinzo Abe hat die Möglichkeit rundweg
abgelehnt, mit einer eigenen Nuklearrüstung auf den angeblichen
Atomtest Nordkoreas zu reagieren. Japan ist das einzige Land der Welt,
das unter einem Abwurf von Atombomben zu leiden hatte. Bisher haben sich
japanische Politiker an das selbst auferlegte Verbot gehalten,
Nuklearwaffen herzustellen, zu besitzen oder zu importieren.
LDP-Politiker Nakagawa sagte weiter, die Verfassung verbiete aber nicht
den Besitz von Atomwaffen. Ein eigenes Nukleararsenal könne das
Risiko eines Angriffs mindern oder ausräumen.
Bisher galten Diskussionen über eine atomare Rüstung in Japan
als Tabu. Politiker, die den Verzicht nur in Frage stellten, wurden
heftig kritisiert. 1999 trat ein Vize-Verteidigungsminister zurück,
nachdem er in einem Zeitschrifteninterview eine Parlamentsdebatte
über Atomwaffen angeregt hatte. Doch seit Nordkorea am vergangenen
Montag einen Atomtest verkündet hat, bröckelt das Tabu in der
Öffentlichkeit.
(Quelle: rtr)
Japanerin bringt als Leihmutter eigene Enkeltochter zur Welt
Mo.16.10.06 - Eine Frau hat in Japan das Kind ihrer eigenen Tochter zur Welt
gebracht. Die etwa fünfzigjährige Frau habe die Enkelin
ausgetragen und im vergangenen Jahr geboren, weil der Tochter nach einer
Krebserkrankung die Gebärmutter entfernt worden war, teilte der
Chef einer Geburtsklinik im Zentrum Japans, Yahiro Netsu, mit. Es ist
das erste Mal in Japan, dass eine Frau sich für ihre eigene
Tochter als Leihmutter zur Verfügung stellte. In Japan sind
Leihmutterschaften zwar gesetzlich nicht verboten, werden jedoch von
Gynäkologen-Verbänden abgelehnt.
Der Frau sei eine Eizelle der Tochter eingepflanzt worden, die von
deren Ehemann befruchtet worden war. Die Frau habe ihrer Tochter helfen
wollen, sagte Netsu. Das Neugeborene habe zwar rechtlich zunächst
als Kind der Großmutter gegolten, sei jedoch dann von den
biologischen Eltern adoptiert worden.
Doktor Netsu hatte bereits im Jahr 2001 einer Leihmutter zur Geburt
verholfen. In Japan könnte die Diskussion um das Thema nun wieder
aufleben, da dort Unfruchtbarkeit zunehmend zum Problem wird.
(Quelle: afp)
Milliardär Noboa gewinnt Ecuador-Wahl
Mo.16.10.06 - Der Milliardär Alvaro Noboa hat auch nach offiziellen
Teilergebnissen die erste Runde der Präsidentenwahl in Ecuador mit
26,84 Prozent gewonnen. Er muss sich jedoch Ende November in einer
Stichwahl dem zweitplatzierten Linkspopulisten Rafael Correa stellen,
der schwere Vorwürfe über Wahlbetrug und Stimmendiebstahl
erhob. Correa, der nach Auszählung von gut 40 Prozent der Stimmen
auf 22,56 Prozent kam, erklärte sich dennoch zum Sieger der Wahl.
(Quelle: dpa)
Schwedens neue Regierung bröckelt schon nach einer Woche
Mo.16.10.06 - Nur eine Woche nach dem Amtsantritt der neuen Mitte-Rechts-Regierung in
Schweden hat Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt (41) am Wochenende
den ersten Rücktritt aus seinem Kabinett mitgeteilt.
Handelsministerin Maria Borelius (46) habe wegen des «enormen
Drucks auf ihre Familie» ihr Amt wieder abgegeben, teilte
Reinfeldt am Samstag in Stockholm mit. Borelius hatte seit ihrem Antritt
in den Schlagzeilen gestanden, weil sie jahrelang Kindermädchen
und andere Hausangestellte «schwarz» beschäftigt, ihre
TV-Gebühren nicht bezahlt, Aktienverkäufe nicht rechtzeitig
mitgeteilt und steuerrechtlich zweifelhafte Hauskäufe über
eine Briefkastenfirma im «Steuerparadies» Jersey
getätigt hatte.
Seit der Ablösung der bisherigen sozialdemokratischen Regierung
unter Ex-Ministerpräsident Göran Persson durch Reinfeldts
Vier-Parteien-Koalitionen hatte es täglich neue Enthüllungen
über frühere Gesetzesübertretungen von mehreren Ministern
aus der Partei des Regierungschefs gegeben. So musste auch die neue
Kulturministerin und Verantwortliche für das
öffentlich-rechtliche Fernsehen, Cecilia Stegö Chilò,
zugeben, dass sie 16 Jahre lang keine TV-Gebühren entrichtet hatte.
Der neue Migrationsminister Tobias Billström (33) hat zehn Jahre
keine Fernsehgebühren entrichtet.
Die staatliche Gebühreneinzugszentrale erstattete gegen alle drei
Politiker Strafanzeige. Aus der konservativen Partei verlangten mehrere
einflussreiche Politiker auch den Rücktritt von Stegö
Chilò, weil diese als politisch Verantwortliche für das
öffentlich-rechtliche Fernsehen ihre Glaubwürdigkeit verspielt
habe.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Union drängt SPD zu Einschnitten bei 'Hartz IV
Mo.16.10.06 - Im Streit um eine Verschärfung der «Hartz IV»-Regeln
drängt die Union die SPD dazu, Einschnitte mitzutragen.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla forderte den Koalitionspartner
am Wochenende auf, weiteren Kürzungen beim Arbeitslosengeld II
(ALG II) zuzustimmen.
Pofalla verlangte am Sonntag von der SPD eine Entscheidung, ob sie bei
einer Korrektur von «Hartz IV» weiter Fundamentalkritik
üben oder daran mitwirken wolle, die Hilfe auf die wirklich
Bedürftigen zu konzentrieren. Der wirtschaftspolitische Sprecher
der Unions-Fraktion, Laurenz Meyer (CDU), konkretisierte die
Pläne. «Es gibt falsche Anreize, die wir korrigieren
müssen», betonte er.
So müsse man zu einer neuen Lösung bei den Zuschlägen
für Kinder kommen. Ein «Hartz IV»-Empfänger
erhalte für seine Kinder etwa doppelt so viel wie ein
Werktätiger, der Kindergeld bekomme. Vor allem diese
Zuschläge hielten davon ab, Arbeit anzunehmen. Der CDU-Politiker
monierte weiter, die Kombination aus ALG II und einem Minijob, zum Teil
verbunden mit Schwarzarbeit, sei nicht selten attraktiver als ein
regulärer Job. «Wir schlagen deshalb vor, Minijobs in der
freien Wirtschaft künftig voll aufs ALG II anzurechnen.»
Härteren Sanktionen für arbeitsunwillige «Hartz
IV»-Empfänger schiebt indessen das Kanzleramt einen Riegel
vor. «Ab 1. Januar kann ´Hartz IV´-Empfängern
das Arbeitslosengeld drastisch gekürzt werden, wenn sie eine
zumutbare Arbeit ablehnen. Wir sollten diesen Mechanismus erst mal
wirken lassen», sagte Kanzleramtschef Thomas de Maizière
(CDU).
SPD-Fraktionsvize Stefan Hilsberg wertete die Arbeitsmarktpolitik der
rot-grünen Vorgängerregierung derweil als
«Lebenslüge». «Wir haben den Menschen
vorgegaukelt, dass mit Fordern und Fördern jeder den ersten
Arbeitsmarkt erreichen kann.» Für Millionen Menschen sei das
jedoch nicht die Realität.
Die Linkspartei.PDS forderte, stärker an den Ursachen der
Arbeitslosigkeit anzusetzen. Stattdessen dächten CDU und CSU seit
Wochen laut darüber nach, wie «Hartz IV»-Bezieher
«weiter drangsaliert und diffamiert» werden können,
kritisierte Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch.
Unterdessen diskutiert eine Koalitions-Arbeitsgruppe über eine
Belebung des Niedriglohnsektors. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil
bekräftigte am Wochenende die Forderung seiner Partei nach
Einführung gesetzlicher Mindestlöhne, falls tarifvertragliche
Lösungen nicht ausreichen. «Wenn im Sicherheitsgewerbe in
Thüringen 3,50 Euro Stundenlohn gezahlt wird, dann ist das
schlicht und ergreifend Ausbeutung». Gesetzliche Lohnschranken
seien notwendig, da viele Menschen resignierten.
(Quelle: ddp)
Acht Prozent der Deutschen gehören laut Studie zur neuen
Unterschicht - SPD-Politiker Ottmar Schreiner: Schröders Politik
förderte Unterschicht-Entstehung
Mo.16.10.06 - Acht Prozent der Bundesbürger gehören einer Studie zufolge zu
einer neuen gesellschaftlichen Unterschicht. Der Bildungsgrad dieser
Menschen sei überwiegend einfach, ihre berufliche Mobilität
gering und ihr Aufstiegswillen nur wenig ausgeprägt, berichtete die
«Bild am Sonntag» unter Berufung auf eine Umfrage von TNS
Infratest für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung. Im Osten
zählen demnach 20 Prozent zu dieser Schicht, im Westen sind es vier
Prozent.
Dem Bericht zufolge sind zwei Drittel dieser Menschen arbeitslos, die
Übrigen empfinden ihren Arbeitsplatz häufig als unsicher.
Die Unterschicht verfüge über ein sehr niedriges
Haushaltseinkommen, kaum Wohneigentum, finanzielle Rücklagen und
nur wenig Rückhalt in der Familie. Schulden seien ein weiteres
Problem. Sie sähen sich außerdem als Verlierer und
fühlten sich vom Staat allein gelassen.
Laut «BamS» soll die Studie in die Debatte über das
SPD-Grundsatzprogramm einfließen. SPD-Chef Kurt Beck wolle einen
«Bildungsaufbruch» organisieren, um den Kindern der
Unterschicht einen Aufstieg zu ermöglichen. Beitragsfreie
Kindergärten und der Ausbau von Ganztagsschulen seien Teil der
Pläne. Beck hatte die Diskussion vor einer Woche angestoßen.
Er äußerte sich besorgt über eine wachsende Unterschicht
ohne Aufstiegswillen in Deutschland.
Der SPD-Politiker Ottmar Schreiner warf an diesem Wochenende der
eigenen Partei vor, schuld am Entstehen der Unterschicht zu sein.
«Armut und soziale Ausgrenzung sind nicht über uns
gekommen», sagte der Parteilinke dem «Tagesspiegel am
Sonntag». Sie seien das Ergebnis der Politik des damaligen
Kanzlers Gerhard Schröder. Besonders die Arbeitsmarktreform Hartz
IV habe dazu geführt, dass Millionen keine Chance mehr hätten,
"aus dem Niedriglohnsektor mit seinen Hunderlöhnen herauszufinden"
(Quellen: ap, rtr)
Angeblich zehn bis 25 Prozent der Jugendlichen unterprivilegiert
Mo.16.10.06 - In der neuen Unterschicht-Diskussion hält der
niedersächsische Soziologe Christian Pfeiffer die Jugendlichen
für überproportional unterprivilegiert. Dem Berliner
«Tagesspiegel» (Montagausgabe) sagte Pfeiffer unter
Berufung auf eine bundesweite Schülerbefragung, dass zehn bis 15
Prozent der unter 18-Jährigen in diese Kategorie gehörten, in
manchen Regionen des Landes seien es sogar 20 Prozent der Jugendlichen,
die über zu wenig Bildung verfügen und keine Aufstiegschancen
für sich sehen.
Laut Pfeiffer ist das Problem in Ostdeutschland besonders groß.
So verharre dort rund ein Viertel aller ostdeutschen Jugendlichen in
dieser Ausweglosigkeit, wobei besonders Jungen betroffen seien.
Für die Misere mitverantwortlich machte der Soziologe das
gegenwärtige Schulsystem in Deutschland: «Unterschichten hat
unser Schulsystem systematisch produziert», vor allem durch zu
frühe Aussonderung Schwächerer und zu wenig Angebote am
Nachmittag.
(Quelle: ap)
Familienministerin von der Leyen will Kinderrechte in Verfassung
verankern
Mo.16.10.06 - Nach dem tragischen Tod des zweieinhalb Jahre alten Kevin aus Bremen
hat Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) gefordert,
Kinderrechte in der Verfassung zu verankern. Die Verfassung sei ein
grundlegendes Werk auch zum Schutz der Menschenrechte, das Kinder
einschließe, sagte von der Leyen der "Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung". Sie enthalte zum Beispiel das Grundrecht auf freie
Entfaltung der Persönlichkeit.
Menschen brauchten dazu als Vorbedingung in der Kindheit gewaltfreie
Erziehung und frühe Bildung. Nun müsse man überlegen, "ob
solche spezifischen Kinderrechte verankert werden müssen". Sie
habe deshalb Gespräche mit namhaften Verfassungsrechtlern begonnen,
sagte die Ministerin weiter.
Nach den Worten von der Leyens soll ihr Vorstoß in erster Linie
dazu dienen, Kinder und Eltern auch in ihrer Beziehung zueinander zu
schützen und zu stärken. Doch auch die besondere Schutz- und
Förderfunktion des Staats müsse klargestellt werden.
(Quelle: afp)
Verbesserungen für Rentner im Gespräch
Mo.16.10.06 - Union und SPD wollen Rentner künftig vor mehreren Nullrunden in
Folge bei ihren Altersbezügen bewahren. Darauf soll sich die
Koalition nach Informationen der «Financial Times
Deutschland» (Montagausgabe) bei ihren Gesprächen zur
Einführung der Rente mit 67 im Grundsatz verständigt haben.
Dazu soll der so genannte Nachholfaktor, der künftig die
jährlichen Zuwächse bei den gesetzlichen Renten
zusätzlich dämpfen soll, abgemildert werden. «Wir
wollen Konflikte mit dem Grundgesetz vermeiden», hieß es
nach Angaben des Blattes zur Begründung.
In den vergangenen Jahren haben die knapp 20 Millionen Rentner in
Deutschland gleich mehrere Nullrunden hinnehmen müssen. 2004, 2005
und auch in diesem Jahr blieben ihre Bezüge unverändert zum
einen, weil Löhne und Gehälter kaum zulegten, zum anderen,
weil die Anpassungsformel mehrfach verändert wurde. Der
Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier,
hatte die Regierung daher vor einem Bruch der Verfassung gewarnt. Wenn
Rentner dauerhaft von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt
würden und die Rente an Wert verliere, gerate das ganze System der
gesetzlichen Altersvorsorge in einen Verfassungskonflikt, so Papier.
(Quelle: ap)
CDU und SPD verzeichnen Mitgliederschwund
Mo.16.10.06 - Die Mitgliederzahlen der beiden deutschen Volksparteien sind nach einem
Bericht der «Süddeutschen Zeitung» (Montagausgabe) in
den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Danach
verzeichneten die Sozialdemokraten am 1. Oktober nur noch 567.925
Mitglieder. Das sind 40 Prozent weniger als 1990. Bei der CDU nahm die
Zahl der Parteimitglieder nach Angaben des Blattes im selben Zeitraum
um 25 Prozent auf 561.070 ab. Damit steht die CDU zum ersten Mal in der
Geschichte der Bundesrepublik kurz davor, die Sozialdemokraten bei der
Mitgliederzahl zu überholen.
(Quelle: ap)
Türkischstämmige Politiker rufen Musliminnen zum Verzicht auf
Kopftuch auf
Mo.16.10.06 - Musliminnen in Deutschland sollten nach Ansicht einiger
türkischstämmiger Politiker als Zeichen ihrer Bereitschaft zur
Integration auf das Kopftuch verzichten. Die
Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz sagte der
«Bild am Sonntag»: «Ich appelliere an die muslimischen
Frauen: Kommt im Heute an, kommt in Deutschland an. Ihr lebt hier, also
legt das Kopftuch ab.» Nach ihrer Einschätzung ist das
Kopftuch Symbol der Frauenunterdrückung.
Ähnlich äußerte sich Mehmet Daimagüler,
früheres Mitglied im FDP-Bundesvorstand und Ehrenvorsitzender der
Liberalen Türkisch-Deutschen Vereinigung: «Wir Muslime
müssen uns ohne Wenn und Aber zu Deutschland, unserer Heimat,
bekennen. Dieses Bekenntnis muss mehr sein als ein Ja zum
Grundgesetz.» Es gehe auch um die Anerkennung hiesiger Traditionen
und Sitten. Jede Frau sollte sich überlegen, ob sie sich davon
bewusst abgrenzen wolle, wenn sie sich verschleiere oder ein Kopftuch
trage.
Nach Worten der SPD-Politikerin Lale Akgün sehen moderne
islamische Theologen das Tragen des Kopftuchs nicht als Vorschrift.
Ebenso wenig sei es eine Sünde, ohne Kopftuch über die
Straße zu gehen. «Männer und Frauen haben die gleichen
Rechte. Es geht nicht an, dass der türkische Mann im modischen
Anzug auf die Straße geht. Und seine Frau neben ihm muss einen
unscheinbaren, bodenlangen Mantel und ein Kopftuch tragen»,
betonte Akgün. Das Tragen von Kopftüchern verhindere das
Aufeinanderzugehen und werde als politisches Instrument missbraucht,
betonte auch die Berliner Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin
Seyran Ates.
(Quelle: ap)