Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Neue Gewaltwelle kostet binnen vier Tagen mehr als 90 Menschen das
Leben. Allein 20 Tote bei Anschlägen auf Beerdigungsgesellschaft
in Bagdad. Saddam Hussein ruft Landsleute zu Einigkeit auf. Bush: USA
planen keinen baldigen Abzug ihrer Truppen aus dem Irak
Di.17.10.06 - Die Racheakte zwischen Sunniten und Schiiten haben binnen vier Tagen im
Irak mehr als 90 Menschen das Leben gekostet. In Balad nördlich
von Bagdad wurden auch am Montag wieder sunnitische Einwohner ermordet,
wie ein Augenzeuge berichtete. Landesweit kosteten Anschläge und
Angriffe mindestens 60 weitere Menschen das Leben.
Allein 20 Menschen wurden bei zwei Autobombenanschlägen auf eine
Beerdigungsgesellschaft in Bagdad in den Tod gerissen, wie ein
Polizeisprecher mitteilte. Ein Selbstmordattentäter fuhr einen mit
Sprengstoff beladenen Wagen in das Zelt einer Trauergemeinschaft im
östlichen Stadtviertel Ur, wenig später detonierte in einem
in der Nähe geparkten Auto eine zweite Bombe.
Vor seinem Haus in der Hauptstadt erschossen Unbekannte den Bruder des
Generalstaatsanwalts im Prozess gegen den gestürzten irakischen
Präsidenten Saddam Hussein. In Suwajrah, 40 Kilometer südlich
von Bagdad, detonierte eine Autobombe auf einem Markt und tötete
mindestens neun Menschen, wie der Bürgermeister erklärte.
Zwei Bomben, die in einer Straße von Bagdad im Abstand von einer
Stunde explodierten, kosteten einen Polizisten das Leben. In Latifija
wurden acht Mitglieder einer schiitischen Familie von Bewaffneten in
Uniform erschossen, wie Behörden mitteilten. In den Straßen
von Bagdad entdeckte die Polizei abermals 15 Leichen.
Auslöser der religiös motivierten Gewalt in der Gegend um
Balad war die Ermordung von 17 schiitischen Arbeitern am Freitag.
Schiiten errichteten daraufhin Straßensperren und machten Jagd
auf Sunniten. Aus Polizeikreisen in der nahe gelegenen Stadt Duluijah
verlautete, Mitglieder der Mahdi-Miliz des Geistlichen Muktada al Sadr
töteten in der Region sunnitische Männer und Jungen. Sie
erhielten dabei häufig Hilfe von Polizisten.
Balad wird hauptsächlich von Schiiten bewohnt, während in den
umliegenden Ortschaften die Sunniten dominieren. Trotz dieser Berichte
beschrieb ein Sprecher des irakischen Innenministeriums die Lage als
ruhig.
Saddam Hussein rief seine Landsleute in einem offenen Brief zu
Einigkeit auf. Die Iraker müssten religiöse und ethnische
Differenzen ignorieren und sich gemeinsam auf die Vertreibung der
US-Truppen konzentrieren, erklärte der ehemalige Staatschef. Die
Iraker durchlebten derzeit die schwierigste Phase ihrer Geschichte,
«wegen Besatzung, Morden, Zerstörung und
Plünderung». Nach Angaben von Saddam Husseins Verteidiger
Chalil al Dulaimi diktierte ihm sein Mandant den Brief am Samstag im
Gefängnis. Sein Ziel sei «ein großartiger, vereinigter
Irak», erklärte Saddam Hussein demnach. Die
Aufständischen forderte er darüber hinaus auf, ihren Gegnern
zu vergeben.
Ein erstes Urteil gegen Saddam Hussein wird am 5. November bekannt
gegeben. Bei einer Verurteilung droht ihm die Todesstrafe. In dem
Prozess, der vor einem Jahr begann, ging es um die Verfolgung von
Schiiten in den 80er Jahren. Mindestens 150 Menschen aus der Ortschaft
Dudschail sollen damals ums Leben gekommen sein. Ursprünglich
sollte das Urteil bereits am Montag bekannt gegeben werden. Ein zweites
Verfahren gegen Saddam Hussein wegen Völkermordes an irakischen
Kurden ist noch nicht abgeschlossen.
US-Präsident George W. Bush erklärte, die USA planten keinen
baldigen Abzug ihrer Truppen aus dem Irak. Die Regierung in Bagdad habe
die volle Unterstützung Washingtons, versicherte Bush dem
irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki in einem Telefonat
am Montag, wie sein Sprecher Tony Snow mitteilte. Al-Maliki zeigte sich
besorgt über Gerüchte, Bush wolle seiner Regierung eine
zweimonatige Frist setzen, um politische Erfolge zu erzielen.
Die Zahl der so genannten eingebetteten Journalisten im Irak ist auf
den niedrigsten Stand seit Kriegsbeginn im März 2003 gesunken. Im
vergangenen Monat begleiteten lediglich elf Reporter Einheiten der
amerikanischen Streitkräfte, wie aus einer am Montag
veröffentlichten Statistik hervorgeht. Inzwischen sind es zwar
wieder etwas mehr, doch ist der Anstieg äußerst gering.
Einige Journalisten machen die Richtlinien des
Verteidigungsministeriums für die Entwicklung verantwortlich. Den
«Eingebetteten» würden bei ihrer Arbeit viele
Restriktionen auferlegt, und sie würden unter Druck gesetzt, im
Sinne der Streitkräfte zu berichten und negative Aspekte des
Irak-Einsatzes zu ignorieren. Hinzu kämen hohe Kosten - sowohl
finanzieller Natur als auch bezüglich der Gefahrenlage.
Schließlich sei das Interesse an kontinuierlicher
Berichterstattung aus dem Irak zurückgegangen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 17.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertsechsundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Drei Tote bei Anschlag auf NATO-Konvoi in Kandahar
Di.17.10.06 - Im Süden Afghanistans hat ein Selbstmordattentäter am Montag
einen Anschlag auf einen NATO-Konvoi verübt und mindestens drei
Menschen mit in den Tod gerissen. Der Mann lenkte seinen mit Sprengstoff
beladenen Wagen in einem Außenbezirk von Kandahar in den Konvoi,
wie ein NATO-Sprecher sagte. Die Explosion beschädigte ein
Militärfahrzeug. Soldaten kamen offenbar nicht zu Schaden. Bei den
Todesopfern handelt es sich laut Polizei um drei afghanische
Zivilpersonen, vier weitere wurden verletzt.
In der Hauptstadt Kabul sprengte sich am Montag ebenfalls ein
Selbstmordattentäter in seinem Auto in die Luft. Die Polizei hatte
den Mann nach eigenen Angaben verfolgt und in der Nähe des
internationalen Flughafens umstellt, woraufhin er den Sprengsatz
zündete. Ein Kind sei leicht verletzt worden, sagten Augenzeugen.
Dem am Samstag in Afghanistan entführten italienischen Fotografen
geht es nach Angaben des Außenministeriums in Rom offenbar den
Umständen entsprechend gut. Das sagte die Leiterin des Krisenstabs,
Elisabetta Belloni, am Montag dem Fernsehsender Sky TG24. Belloni
berief sich auf die Organisation Emergency, die ein Krankenhaus in
Laschkar Gah leitet. In der Nähe der südafghanischen Stadt
waren der Fotograf Gabriele Torsello und sein Dolmetscher am Samstag
entführt worden. Nach italienischen Medienberichten rief Torsello
Mitarbeiter von Emergency an, um seine Entführung zu melden.
Später sollen die Entführer selbst mit der Organisation in
Kontakt getreten sein
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Frankreich regt weitere Geberkonferenz für den Libanon an. Olmert
bezeichnet Abbas als 'legitimen Partner' für Friedensgespräche
Di.17.10.06 - Frankreich hat sich am Montag zur Ausrichtung einer weiteren
internationalen Geberkonferenz für den Libanon bereit
erklärt. Die Regierung wolle auf Bitten Beiruts im Januar ein
entsprechendes Treffen organisieren, teilte das Büro von
Staatspräsident Jacques Chirac in Paris mit. Auf einer ersten
Geberkonferenz Ende August in Stockholm waren fast eine Milliarde
US-Dollar für den Libanon zugesagt worden.
Das Geld ist für den Aufbau von Infrastruktur und die Räumung
nicht explodierter israelischer Sprengsätze vorgesehen. Die Kosten
für den langfristigen Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg
Israels gegen die Hisbollah-Miliz sollte auf einer zweiten Konferenz
gesammelt werden. Auch die Wirtschafts- und Finanzminister arabischer
Staaten sprachen sich am Montag während eines Treffens in Beirut
für mehr finanzielle Hilfe für den Libanon aus.
Während der 34 Tage dauernden Kämpfe zerstörten die
israelischen Streitkräfte zahlreiche Straßen und
Brücken, 130.000 Wohnungen wurden vollständig zerstört
oder beschädigt. Die Regierung in Beirut braucht nach eigenen
Angaben rund 3,5 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat den
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas am Montag als
«legitimen Partner» für Friedensgespräche
bezeichnet. In einer Rede zur Eröffnung der Wintersitzungsperiode
des israelischen Parlaments erklärte Olmert, er sei bereit, sich
umgehend mit Abbas zu treffen. Er bekräftigte jedoch, er werde
nicht mit Mitgliedern der regierenden palästinensischen Hamas
sprechen, solange diese nicht der Gewalt abschöre und das
Existenzrecht Israels anerkenne. Olmert lud außerdem den
libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora zu
Friedensgesprächen ein. Entsprechende Verhandlungen mit Syrien
lehnte er ab.
(Quelle: ap)
Menschenrechtsgruppe wirft UN schwere Versäumnisse in Darfur vor
Di.17.10.06 - Eine britische Menschenrechtsbewegung hat den Vereinten Nationen
schwere Versäumnisse im Dafur-Konflikt vorgeworfen. Die
Weltorganisation hätte das Drama in der westsudanesischen
Krisenregion verhindern können, hätte sie aus ihrer Erfahrung
mit Ruanda gelernt und rascher auf die Warnsignale reagiert, hieß
es in dem am Montag in London veröffentlichten Bericht der Minority
Rights Group (MRG). "Das ganze Ausmaß der Krise, die Morde,
Vergewaltigungen und Vertreibungen, waren vorhersehbar", erklärte
MRG-Direktor Mark Lattimer. Es habe genügend Anzeichen gegeben,
doch seien alle Warnungen ignoriert worden. Und trotz des
Völkermords in Ruanda, den die UN nicht verhindert habe, habe sie
auch dieses Mal wieder "zu spät reagiert und zu wenig getan".
(Quelle: afp)
Mögliche Vorbereitungen für weiteren Atomtest in Nordkorea
Di.17.10.06 - Südkorea hat Kenntnis von Zeichen für Vorbereitungen zu einem
möglichen weiteren Atomtest in Nordkorea. Es gebe mehrere
entsprechende Geheimdienstberichte, erklärte ein Regierungsbeamter
in Seoul, der nicht namentlich genannt werden wollte. Es sei aber nicht
klar, wie zuverlässig die Berichte seien. Südkorea sei
wachsam, sagte er.
Auch die japanische Regierung erklärte, ihr lägen
Informationen über Medienberichte vor, wonach Nordkorea einen
zweiten Atomtest vorbereiten könnte. Über die Inhalte dieser
Informationen könne er nicht sprechen, sagte Außenminister
Taro Aso.
US-Medien hatten zuvor berichtet, Spionagesatelliten hätten
Anzeichen ausgemacht, dass Nordkorea möglicherweise einen weiteren
Atomtest vorbereite. Dazu zählten verdächtige
Fahrzeugbewegungen. Die US-Regierung hatte am Montag offiziell
anerkannt, dass es sich bei einer Explosion in der vergangenen Woche in
Nordkorea um einen unterirdischen Atomtest handelte. Der Test
stieß international auf Ablehnung, der Weltsicherheitsrat
beschloss am Samstag Sanktionen gegen das Land.
(Quelle: ap)
Welternährungsprogramm warnt vor Hungersnot in Nordkorea
Di.17.10.06 - Millionen Nordkoreaner sind nach Ansicht des
Welternährungsprogramms (WFP) in diesem Winter von einer Hungersnot
bedroht. Schuld daran sei ein Rückgang der Lebensmittelhilfe aus
dem Ausland, erklärte WFP-Sprecher Mike Huggins am Montag in
Peking. Das größte Risiko, wegen Mangelernährung
Schaden zu nehmen, bestehe für junge Mütter und ihre Kinder
sowie für ältere und Kranke. Schon jetzt seien 37 Prozent
aller Kinder sowie 33 Prozent ihrer Mütter mangelernährt.
Huggins zufolge geht die Lebensmittelverknappung vor allem auf die
Entscheidung der nordkoreanischen Regierung zurück, vom WFP weniger
Direktlieferungen anzunehmen und stattdessen technische
Entwicklungshilfe zu erhalten. Daraufhin seien in diesem Jahr nur noch
Lebensmittel für 1,9 Millionen Nordkoreaner geliefert worden,
während in den Jahren davor rund 6,5 Millionen Menschen von der
Unterstützung profitiert hätten. Die Bemühungen
Pjöngjangs, selbst mehr Lebensmittel zu produzieren, könnten
diese Differenz nicht ausgleichen, zumal die Ernte schlecht ausgefallen
sei.
Die am Wochenende beschlossenen UN-Sanktionen gegen Nordkorea wegen des
mutmaßlichen Atomwaffentests könnten die Lage weiter
verschlechtern, wie Huggins bestätigte. Zwar sind humanitäre
Projekte nicht von den Strafmaßnahmen betroffen, doch hat
Südkorea seine Hilfen für den Norden schon im Sommer
zurückgefahren, nachdem Pjöngjang eine Reihe von Raketen
gezündet hatte. China hat laut Huggins in diesem Jahr nur noch ein
Drittel der Lebensmittelmenge des Vorjahres geliefert.
(Quelle: ap)
92 Soldaten bei Anschlag in Sri Lanka getötet
Di.17.10.06 - Beim schwersten Selbstmordanschlag seit dem Waffenstillstand zwischen
den Tamilen-Rebellen der LTTE und der Regierung Sri Lankas Anfang 2002
sind mehr als 100 Menschen getötet worden. Die Armee teilte am
Montag mit, 92 Marine-Soldaten, acht Zivilisten und der Attentäter
seien ums Leben gekommen. Mehr als 100 Menschen seien verletzt worden.
Das Militär machte die Befreiungstiger von Tamil-Eelam (LTTE)
für den Anschlag auf einen Konvoi mit Marine-Bussen
verantwortlich. Zu dem Anschlag kam es in einer auch von
ausländischen Touristen besuchten Region. Am Abend flog die
Luftwaffe Vergeltungsangriffe auf LTTE-Gebiete.
Die LTTE rechtfertigte Angriffe gegen Militäreinrichtungen,
übernahm aber nicht ausdrücklich die Verantwortung. Das
Verteidigungsministerium teilte mit, der Konvoi sei auf dem Weg zur
Marinebasis in der Stadt Trincomalee im Nordosten der Insel gewesen.
Rund 180 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Colombo habe ein
Selbstmordattentäter der LTTE einen mit Sprengstoff beladenen
Lastwagen in den Konvoi gesteuert und die Explosion ausgelöst.
Mehr als 340 unbewaffnete Marinesoldaten seien in den 24 Bussen des
gewesen, 13 der Fahrzeuge seien schwer beschädigt worden. Ein Teil
der Soldaten sei auf dem Weg in den Urlaub gewesen, andere hätten
sich zurück zum Dienst melden wollen.
Die Regierung warf der LTTE vor, den Friedensprozess sabotieren zu
wollen. Ende des Monats sind Friedensgespräche zwischen den
Konfliktparteien in Genf geplant.
LTTE-«Militärsprecher» Irasiah Ilanthirayan sagte,
wenn die sri lankische Luftwaffe weiterhin Ziele im Tamilengebiet
angreife, könne man von der LTTE nicht erwarten,
Militäreinrichtungen nicht anzugreifen. Bei den Luftangriffen nach
dem Anschlag habe es zivile Opfer gegeben.
Die internationale Gemeinschaft setzte ihre Bemühungen für
eine friedliche Lösung des Konflikts fort. Experten gingen davon
aus, dass beide Seiten vor möglichen Gesprächen Stärke
demonstrieren wollen. Der Sprecher der nordischen Mission zur
Überwachung des Waffenstillstands (SLMM), Thorfinnur Omarsson,
sagte der britischen BBC, die Gewalt habe «bei weitem zu massive
Ausmaße» angenommen. «Es ist allerhöchste Zeit,
jede Gewalt zu beenden.» Beide Seiten müssten sich «in
einer positiven Atmosphäre zu Gesprächen treffen».
Am Sonntag hatte die Marine vor der Westküste Sri Lankas nach
eigenen Angaben ein LTTE-Schiff versenkt und dabei mindestens sechs
Rebellen getötet. Auf der nördlichen Halbinsel Jaffna war es
Ende vergangener Woche zu den schwersten Kämpfen seit dem von
beiden Seiten bislang nicht aufgekündigten Waffenstillstand
gekommen. Nach Armeeangaben wurden mindestens 129 Soldaten und mehr als
200 Tamilen- Rebellen getötet. Die Kämpfe eskalieren seit
Ende Juli. Friedensgespräche in Genf im Februar verliefen
ergebnislos, eine neue Runde in Oslo im Juni ließ die LTTE
platzen.
Die LTTE kämpft für die Unabhängigkeit der tamilisch
dominierten Region im Osten und Norden Sri Lankas. Die Regierung in
Colombo will eine Teilung des mehrheitlich singhalesischen Landes
verhindern. Tamilen sind vor allem Hindus und Christen, die meisten
Singhalesen hängen dem buddhistischen Glauben an. Vor dem von
Norwegen vermittelten Waffenstillstandsabkommen hatten zwei Jahrzehnte
Bürgerkrieg in Sri Lanka fast 70 000 Menschen das Leben gekostet.
(Quelle: dpa)
Boliviens Präsident kündigt Verstaatlichung der Bergwerke an
Di.17.10.06 - Nach den Erdöl- und Gasreserven will der bolivianische
Präsident Evo Morales nun auch die Bergwerke des Landes
verstaatlichen. Mineralien wie Zinn, Silber und Gold müssten unter
gesellschaftliche Kontrolle kommen, erklärte Morales am
Sonntagabend in der Stadt Challapata. Bergbauminister Guillermo Dalence
sagte, mit der Verstaatlichungsaktion werde am 31. Oktober begonnen.
Auslöser des Plans ist Beobachtern zufolge die Situation in einer
der wichtigsten Zinnminen Südamerikas in Huanuni, wo es Anfang
Oktober zu Kämpfen rivalisierender Bergleute mit 16 Toten kam. In
diesem Bergwerk arbeiten sowohl staatliche Bedienstete als auch privat
Angestellte. Die Mitglieder der unabhängigen Kooperativen
verlangten eine größere Beteiligung an den Einnahmen. Die
Staatsdiener starteten eine Gegendemonstration, woraufhin die
Auseinandersetzungen eskalierten. Mit seinem Verstaatlichungsprogramm
will Morales nun offensichtlich einheitliche Verhältnisse schaffen.
In der ersten Jahreshälfte exportierten bolivianische Minen nach
Angaben des Instituts für Außenhandel Mineralien im Wert von
483 Millionen Dollar (385 Millionen Euro). Diese Rohstoffe waren damit
nach Erdgas das wichtigste Exportprodukt des Landes. Die Öl- und
Gasreserven des Landes verstaatlichte Morales bereits am 1. Mai und
setzte ausländischen Firmen eine Frist von sechs Monaten, um die
Kontrolle über ihre bolivianischen Betriebe abzugeben oder das Land
zu verlassen.
(Quelle: ap)
Keine Einigung auf Sicherheitsrats-Mitglied aus Lateinamerika
Di.17.10.06 - Die UN-Vollversammlung hat sich bei der Wahl neuer nichtständiger
Mitglieder im Sicherheitsrat am Montag nicht auf einen Kandidaten aus
Lateinamerika einigen können. Nach zehn ergebnislosen
Abstimmungsrunden wurde die Wahl auf Mittwoch vertagt. In neun
Abstimmungsrunden lag Guatemala deutlich vor Venezuela, verfehlte aber
jeweils die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit. Im sechsten Wahlgang
lagen beide Staaten gleichauf. Die anderen vier frei werdenden Sitze
gehen an Südafrika, Indonesien, Italien und Belgien.
In späteren Abstimmungsrunden können sich auch weitere
Länder aus Lateinamerika für den freiwerdenden Sitz bewerben.
Als mögliche Kompromisskandidaten gelten unter anderem Costa Rica,
Panama und Uruguay. Weder Venezuela noch Guatemala schienen aber
bereit, ihre Kandidatur zurückzuziehen.
Der venezolanische UN-Botschafter Francisco Arias Cardenas beklagte in
New York, dass die USA Druck ausübten um zu verhindern, dass sein
Land gewählt werde. «Wir kämpfen bis zum
Schluss», sagte er. Selbst der guatemaltekische
Außenminister Gert Rosenthal äußerte Unbehagen
über die öffentliche Kampagne der USA gegen Venezuela. Im
Fall einer Wahl werde sein Land als unabhängige Stimme
entscheiden. «Wir ärgern uns ein wenig darüber zu
hören, dass wir uns nicht nur der Linie der USA, sondern jeder
anderen Macht unterwerfen werden. Wir treffen unsere eigenen
Entscheidungen», betonte er.
Die USA unterstützen Guatemala als Nachfolger Argentiniens. Der
venezolanische Präsident Hugo Chavez hatte bereits zuversichtlich
angekündigt, einen Platz im Weltsicherheitsrat als Gegengewicht zu
Washington zu nutzen. Aus Diplomatenkreisen verlautete, Chavez habe den
Chancen seines Landes empfindlich geschadet, als er US-Präsident
George W. Bush vor der UN-Vollversammlung im September als
«Teufel» bezeichnete.
Venezuela war bereits vier Mal im Sicherheit vertreten. Guatemala hatte
bislang noch keinen Sitz, hat aber zahlreiche Soldaten zu
UN-Friedensmissionen entsandt. Der Rekord für erfolglose
Abstimmungsrunden liegt bei 154 im Jahr 1979. Damals standen Kuba und
Kolumbien zur Wahl. Im 155. Wahlgang trat Mexiko als Kompromisskandidat
an und gewann.
Der UN-Sicherheitsrat besteht aus den fünf ständigen
Mitgliedern und Vetomächten USA, China, Frankreich,
Großbritannien und Russland sowie aus zehn nichtständigen
Mitgliedern, die jeweils für zwei Jahre berufen werden und kein
Vetorecht haben. Die Mandate der nichtständigen Mitglieder
beginnen am 1. Januar.
(Quelle: ap)
Schwedische Kulturministerin tritt zurück
Di.17.10.06 - Die schwedische Kulturministerin Cecilia Stegö Chilo hat am Montag
ihren Rücktritt angekündigt. Chilo war in die Kritik geraten,
nachdem sie eingeräumt hatte, 16 Jahre lang keine
Fernsehgebühren bezahlt zu haben. Sie ist bereits das zweite
Kabinettsmitglied innerhalb weniger Tage, das sein Amt niederlegt. Am
Samstag hatte Handelsministerin Maria Borelius ihren Rücktritt
eingereicht. Die neue schwedische Regierung unter Ministerpräsident
Reinfeldt ist erst seit 6. Oktober im Amt.
Als Kulturministerin ist Chilo auch für den
öffentlich-rechtlichen Rundfunk zuständig. Die Gebühren
zur Finanzierung der Radio- und Fernsehstationen belaufen sich auf 1.500
Kronen (160 Euro) im Jahr.
Borelius reagierte mit ihrem Rücktritt auf Vorwürfe der
Steuerhinterziehung. Sie beschäftigte in den 90er Jahren eine
Kinderfrau, ohne dies den Behörden zu melden. Medienberichten
zufolge soll außerdem das Sommerhaus der Ministerin einer
Gesellschaft auf der Insel Jersey gehören - damit würde keine
schwedische Grundsteuer fällig. In einem anderen Artikel hieß
es, Borelius drohe eine Geldstrafe, weil sie die Behörden nicht
ordnungsgemäß über einen Aktienverkauf informiert habe.
Mit Chilos Rücktritt gerät der erst seit zehn Tagen
regierende Reinfeldt weiter in die Defensive. Das Bündnis der
rechten Mitte unter Führung der Moderaten Sammlungspartei gewann
die Wahl Mitte September und löste damit nach zwölf Jahren die
sozialdemokratische Regierung ab.
(Quelle: ap)
Deutschland
Regierung und Wirtschaft sehen ausreichend Ausbildungsangebote
Di.17.10.06 - Regierung und Wirtschaft haben an die 50.000 Schulabgänger ohne
Lehrstelle appelliert, sich weiter intensiv um einen Ausbildungsplatz zu
bemühen. Nach Beratungen des Lenkungsausschusses für den
Ausbildungspakt erklärten Bundeswirtschaftsminister Michael Glos
und DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun am Montag, ihnen allen
könne noch ein Ausbildungangebot gemacht werden. «Es gibt in
der Summe mehr offene Ausbildungsplätze als noch nicht vermittelte
Jugendliche», sagte Braun. Trotzdem wurden erneut Rufe nach einer
gesetzlichen Lehrstellenabgabe laut.
Der Präsident des Deutschen Industrie-und Handelskammertages
(DIHK), Ludwig Georg Braun, verwies vor allem auf die 40.000 staatlich
geförderten Stellen zum Erwerb von Einstiegsqualifikationen in
Betrieben, die erfahrungsgemäß bis zu 60 Prozent in
Lehrstellen einmünden werden. Außerdem gebe es derzeit noch
15.000 unbesetzte Lehrstellen und 17.000 freie Plätze in
außerbetrieblichen Ausbildungen, davon 5.000 für
Schulabgänger aus Zuwandererfamilien. Um die Stellen zu besetzen,
seien in diesen Tagen deutschlandweit 288 gemeinsame
Nachvermittlungsaktionen von Kammern und Agenturen vorgesehen.
Auch Glos erklärte, den 50.000 noch nicht vermittelten Bewerbern
stünden 60.000 Möglichkeiten gegenüber. Diese Dinge
müssten zueinander gebracht werden. Arbeitgeberpräsident
Dieter Hundt warnte allerdings vor der Illusion, dass jeder Jugendliche
vermittelt werden könne. «Eine Nullquote für
Unvermittelte gibt es nicht», sagte er. Auch in Jahren mit einer
großen Zahl unbesetzt gebliebener Lehrstellen habe es immer nicht
vermittelte Bewerber gegeben.
Bei den Beratungen waren sich Politik und Wirtschaft einig, den
Ausbildungspakt in neu verhandelter Form fortzusetzen. In einer
gemeinsamen Erklärung kündigten sie an, künftig die
berufliche Integration von Jugendlichen aus Ausländer- und
Zuwanderungsfamilien zu einem Schwerpunkt zu machen. Dies sei auch
unabdingbar zur Sicherung des Fachkräftebedarfs der Wirtschaft.
In der Erklärung wird darauf verwiesen, dass in der für das
Bildungssystem wichtigen Altersgruppe der unter 25-Jährigen bereits
27,2 Prozent aus Ausländer- oder Zuwanderungsfamilien kommen.
Besorgniserregend sei, dass 41 Prozent der 25- bis unter
35-Jährigen in der Bevölkerung mit Migrationshintergrund
keinen beruflichen Bildungsabschluss haben, während es bei Personen
ohne diesen Hintergrund nur 15 Prozent seien. Maßnahmen zur
Änderung dieser Situation müssen nach Überzeugung des
Partner des Ausbildungspaktes vor allem in Kindergarten und Schule
ansetzen.
Die Linksfraktion im Bundestag erklärte den Ausbildungspakt
für gescheitert. Arbeitgeber und Bundesregierung müssten dies
endlich anerkennen und eine gesetzliche Lehrstellenumlage
einführen, erklärte die bildungspolitische Sprecherin Nele
Hirsch. Auch SPD-Vorstandsmitglied Ursula Engelen-Kefer forderte im
Deutschlandfunk eine Umfinanzierung der Ausbildung. Ein finanzieller
Ausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben
müsste auf breiter Basis eingeführt werden.
Glos lehnte das strikt ab. «Das bringt keinen neuen
Ausbildungsplatz», sagte er im ARD-Morgenmagazin. Auch der
stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle nannte
eine Umlagefinanzierung den falschen Weg. Jährlich gingen 30.000
Mittelstandsbetriebe durch eine falsche Politik Konkurs, sagte er auf
N24. Wenn die stattdessen überleben würden, wäre das
Problem gelöst.
(Quelle: ap)
DGB-Chef wirft Regierung und Wirtschaft Zynismus bei Lehrstellen vor
Di.17.10.06 - In der Debatte um fehlende Lehrstellen hat der DGB-Vorsitzende Michael
Sommer Wirtschaft und Politik Zynismus vorgeworfen. In einem Interview
der «Neuen Presse» in Hannover bekräftigte Sommer die
Gewerkschaftsforderung nach einer Ausbildungsplatzumlage. «Die
Politik muss endlich den Schmusekurs mit der Wirtschaft aufgeben. Wenn
die Wirtschaft nicht ausbildet, dann muss sie zur Rechenschaft gezogen
werden, zum Beispiel durch eine Umlage», sagte der DGB-Chef.
Es sei «politischer Zynismus», wenn Regierung und
Wirtschaft den Ausbildungspakt feierten, obwohl es für 50.000
nicht zur Lehrstelle gereicht habe. Der Pakt sei vor drei Jahren
erdacht worden, um die gewerkschaftliche Forderung nach einer Umlage zu
unterlaufen. «Das ist Politik und Wirtschaft gelungen, nur den
Jugendlichen hat das nicht geholfen», sagte Sommer. Die
Gewerkschaften hätten gefordert, dass aus den
Überschüssen der Bundesagentur für Arbeit 50.000
überbetriebliche Ausbildungsplätze geschaffen würden.
12.500 seien durchgesetzt worden. Dies sei ein Erfolg, aber viel zu
wenig, sagte Sommer.
(Quelle: ap)
Unterschichten-Studie löst Kontroverse aus
Di.17.10.06 - Die Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zur neuen
gesellschaftlichen Unterschicht hat eine kontroverse Debatte über
die Ursachen ausgelöst. SPD-Fraktionsvize Joachim Poß
widersprach dem SPD-Linken Ottmar Schreiner, Armut und soziale
Ausgrenzung seien Ergebnisse der Politik von Ex-Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD). Die zentrale Thematik der Arbeitsmarktreformen, das
Fördern und Fordern, sei richtig gewesen, sagte Poß. Der
Politikwissenschaftler Tobias Dürr betonte, wenn schon Schulkinder
sagten: «Ich werde ´Hartz IV´ wie meine Eltern. Das
reicht mir», sei das verheerend. FDP-Generalsekretär Dirk
Niebel und der frühere CDU-Generalsekretär Heiner
Geißler sehen die SPD ebenfalls in der Mitverantwortung für
die sozialen Probleme.
Laut Studie gehören der gesellschaftlichen Unterschicht acht
Prozent der Bevölkerung oder 6,5 Millionen Menschen an. Ihr sind
den Wissenschaftlern zufolge 20 Prozent der Ost- und 4 Prozent der
Westdeutschen zuzurechnen.
Wie Poß ging auch der Sprecher der Parlamentarischen Linken,
Ernst Dieter Rossmann, zu Schreiner auf Distanz. «Es gab ein
gemischtes Bild in der rot-grünen Regierungszeit», sagte er.
Die Schröder-Regierung habe sich schließlich mit dem ersten
Armutsbericht diesem Thema gestellt. Die Bildungsförderung etwa
durch das Ganztagsschulprogramm habe die Chancengleichheit verbessert.
Auch seien die «Hartz»-Reformen besser als ihr Ruf.
Dagegen sieht Dürr auch die Sozialdemokraten in der Verantwortung
für das Entstehen der neuen Unterschicht. «Die Politik muss
sich eingestehen, dass sie in dieser Frage versagt hat«, sagte er.
Während Wissenschaft und Publizistik sich schon lange mit dem
Thema Unterschicht beschäftigten, nähere sich die
Mainstream-Politik erst langsam dem Problem. Immer weniger Menschen
erlebten, dass Arbeitsleistung sozialen Aufstieg ermögliche.
«Bleibt dies so, droht eine Negativspirale nach unten»,
sagte Dürr, der auch Chefredakteur der Zeitschrift «Berliner
Republik» ist, dem Sprachrohr des reformorientierten SPD-Netzwerks.
Unterdessen werden erste Forderungen nach Konsequenzen der Studie laut.
Saarlands SPD-Chef Heiko Maas sagte: «Gerade in den sozialen
Randbezirken der Städte muss der Staat mit Ganztagsschulen,
Nachhilfeangeboten und Kinderbetreuung ein kostenloses Angebot schaffen,
das vom Elternhaus offenkundig nicht mehr gewährleistet werden
kann». Ziel müsse es sein, keinen Jugendlichen mehr ohne
Abschluss aus der Schule zu entlassen.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) setzte sich ebenfalls für
«konkrete Hilfen» besonders für Kinder, Jugendliche und
Arbeitslose ein. Kauder betonte, das Phänomen gebe es seit etwa
zehn Jahren als Folge der Massenarbeitslosigkeit, die Politik habe es
jedoch unzureichend wahrgenommen.
Auch der Präsident des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, forderte mehr Bildung. In den
vergangenen Jahren seien viele Fehler gemacht worden, die zu einer
»vererbten Bildungsarmut« geführt hätten.
Für FDP-Generalsekretär Niebel ist die Angst vor Verarmung
breiter Schichten ebenfalls ein Ergebnis der »Hartz"-Reformen.
Zugleich fordert er, Sanktionsmöglichkeiten gegen Arbeitsunwillige
konsequenter als bisher auszuschöpfen. Eine generelle Kürzung
der Leistungen aber lehne er ab.
Der frühere CDU-Generalsekretär Geißler forderte seine
Partei auf, sich «zum Anwalt der Abgehängten und Resignierten
zu machen». Die weit verbreitete Hoffnungslosigkeit sei
«die Folge von ´Agenda 2010´ - einer SPD-Politik, mit
der die Seele der Partei verraten wurde».
(Quelle: ddp)
Hintergrund: 'Abgehängtes Prekariat'
Sie fühlen sich auf der Verliererseite und im gesellschaftlichen
Abseits. Ihre Distanz zu Parteien und Politikern ist enorm. Sie
fühlen sich von den bisherigen Reformen am stärksten
benachteiligt. Die Demokratie halten sie nicht für die beste
Regierungsform. Eher stehen sie der Idee des Sozialismus positiv
gegenüber.
Auf acht Prozent der Bevölkerung in Deutschland wird inzwischen
die Zahl derjenigen veranschlagt, die so oder ähnlich denken.
Gesellschaftsforscher bezeichnen diese wachsende Gruppe als neue
Unterschicht oder als «abgehängtes Prekariat». Unter
Prekarisierung (von prekär gleich unsicher, schwierig) versteht man
die wachsende Zahl der bislang atypischen
Beschäftigungsverhältnisse in der Erwerbsarbeit (geringe
Sicherheit, niedriger Lohn, Teilzeit, wenig Kündigungsschutz) und
die daraus resultierenden ökonomischen, sozialen und
psychologischen Folgen.
«Viele erleben den gesellschaftlichen Abstieg», heißt
es in einer Untersuchung der Wahlforscherin Rita Müller-Hilmer von
TNS/Infratest über die «Gesellschaft im Reformprozess».
Die Gruppe werde von Männern dominiert und sei vor allem im
ländlichen Raum in Ostdeutschland stark verankert, wird in der
Studie im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung festgestellt.
Zwei Drittel seien bereits einmal arbeitslos gewesen. Von allen
untersuchten Gruppen gebe es bei dem «abgehängten
Prekariat» die größte finanzielle Unsicherheit mit
einem geringen Nettoeinkommen, Schulden und wenig familiärem
Rückhalt. «Sie empfinden ihre gesamte Lebenssituation als
ausgesprochen prekär», heißt es in der Untersuchung.
Ihr favorisiertes Gesellschaftsmodell sei ein stark regulierender
Staat, der soziale Absicherung garantiere. Der gewerkschaftliche
Organisationsgrad in dieser Gruppe sei überdurchschnittlich hoch.
Bei der letzten Bundestagswahl sei dort der Nichtwähler-Anteil am
höchsten gewesen. Von denen, die zur Wahl gegangen seien,
hätten 26 Prozent für die Linkspartei und 6 Prozent für
rechtsradikale Parteien votiert. Für die Rechten sei diese Gruppe
inzwischen das größte Potenzial. Die SPD erzielte danach bei
dieser Gruppe 32 Prozent und die Union 26 Prozent.
Quelle: dpa, 16.10.2006
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Bezüge des Bahn-Vorstandes um 400 Prozent gestiegen
Di.17.10.06 - Nach der jüngsten Preiserhöhung sind die üppigen
Steigerungen bei den Vorstandsgehältern der Deutschen Bahn der
vergangenen Jahre in die Kritik geraten. Wie «Bild am
Sonntag» berichtet, sind seit dem Amtsantritt von Bahn-Chef
Hartmut Mehdorn die Bezüge für die acht Vorstandsmitglieder
um 400 Prozent gestiegen. Laut Geschäftsbericht hätten sie
sich in den Jahren 1999 bis 2005 von 3,679 Millionen Euro auf 14,693
Millionen Euro erhöht.
Der Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland, Michael Gehrmann, sagte
dazu: «Ich bin fassungslos. Die Kunden zahlen jedes Jahr
höhere Preise, nur damit die Bahn-Chefs ein schönes Leben
haben.« Es hätte die letzten Jahre gar keine
Gehaltserhöhung geben dürfen, denn die Leistung stimme nicht.
Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende von Pro Bahn,
Karl-Peter Naumann. «Wenn es super läuft, kann man die
Bezüge der Spitzenmanager erhöhen - aber es läuft nicht
super», sagte er. Die Züge seien nicht pünktlich, und
die Preispolitik sei nicht ambitioniert. "Man erhöht einfach
dauernd die Tarife.»
Der Bahnkonzern wies die Kritik dem Bericht zufolge zurück.
«Im Vergleich zu anderen Unternehmen dieser
Größenordnung bewegen sich die Vorstandsgehälter im
unteren Bereich», sagte ein Unternehmenssprecher.
Wie das Blatt schreibt, nimmt die Pünktlichkeit der Bahn weiter
ab. Nach Informationen aus dem Bundesverkehrsministerium seien im
ersten Halbjahr nur 82 Prozent der Züge weniger als fünf
Minuten zu spät ans Ziel gekommen. Im August und September sei die
Quote bis auf 68 Prozent abgesackt.
(Quelle: ddp)
Studie: Deutschland erreicht nur Platz 21 beim Sozialranking in der EU
Di.17.10.06 - 2007 ist das Jahr der europäischen Chancengerechtigkeit. Europa
kennt zwar nicht ein einziges Sozialmodell. Dennoch erklärt die
Lissabon Agenda den sozialen Zusammenhalt und eine erfolgreiche
Sozialpolitik zum Ziel der inzwischen erweiterten EU.
Eine neue Studie des Think Tanks berlinpolis, die von der
Hans-Böckler-Stiftung unterstützt wurde, hat anhand von 35
Indikatoren die Politikfelder Arbeit, Bildung,
Geschlechtergleichstellung und Generationenverhältnis untersucht.
Das Ergebnis ist für Deutschland ernüchternd: Insgesamt kommt
Deutschland nur auf Platz 21 von 24. Nur Italien, die Slowakei und
Griechenland schneiden schlechter ab. Einen der ersten Ränge, den
9., erreicht Deutschland lediglich bei den Dimensionen der
Einkommensverteilung
und sozialen Sicherung.
Dabei gibt Deutschland fast so viel Geld aus für soziale Ziele wie
die beiden erfolgreichsten Länder Dänemark und Schweden.
Deutschland liegt, gemessen an den Ausgaben für Soziales in der
Spitzengruppe, gemessen an den Wirkungen jedoch im unteren Drittel der
OECD.
Der Vorsitzende der Berliner Denkfabrik Dr. Daniel Dettling fordert
für den weiteren europäischen Integrationsprozess eine
stärkere Verbindlichkeit, was die Erreichung sozialer Ziele
betrifft. Ohne einen effektiven und erfolgreichen Sozialstaat sei das
europäische Modell auf Dauer gegenüber dem amerikanischen oder
asiatischen Modell nicht haltbar.
(Quelle: ots)
Links zur vollständigen Studie:
http://www.berlinpolis.de
http://www.boeckler.de
Zahl rechtsextremer Delikte steigt dramatisch
Di.17.10.06 - Die Zahl rechtsextremer Straftaten ist weiter steigend: Das
Bundeskriminalamt registrierte von Januar bis Ende August schon fast
8000 rechte Straftaten. Das seien über 20 Prozent mehr als in den
ersten acht Monaten des Jahres 2005, berichtet der Berliner
"Tagesspiegel". Damals habe die Polizei 6605 einschlägige Delikte
gezählt. Im Vergleich zu diesem Zeitraum 2004 (5127 Straftaten)
zeichne sich sogar ein Anstieg um 50 Prozent ab.
Die Zahlen entstammen dem Bericht zufolge den Antworten des
Bundesinnenministeriums auf monatliche Anfragen der Linksfraktion zu
rechtsextremer Kriminalität in der Bundesrepublik. Gleichzeitig
nimmt demnach auch die Brutalität der Szene weiter zu. Von Januar
bis August habe die Polizei bundesweit 452 rechte Gewalttaten
gezählt, bei denen 325 Menschen verletzt wurden. In den ersten
acht Monaten 2005 seien es 363 Gewaltdelikte und 302 Verletzte gewesen.
Die Summe der Gewalttaten ist Teil der Gesamtzahl aller rechten
Delikte. Die vom Ministerium genannten Zahlen werden sich laut
"Tagesspiegel" wahrscheinlich noch deutlich erhöhen, da die
Polizei in der Regel viele Fälle nachmeldet.
Das Innenministerium und Politiker aller Parteien zeigten sich
beunruhigt. Im Ministerium wurde vor allem mit Sorge registriert, dass
die Zahl der rechten Gewalttaten im August gegenüber Juli "nicht
unerheblich gestiegen" sei, wie es dem Bericht zufolge in einer
Stellungnahme heißt. Im August hatte die Polizei demnach 67
rechte Gewaltdelikte festgestellt, 27 mehr als im Juli. Im Juni und
Juli zählte die Polizei jeweils mehr als 1000 rechte Delikte,
außerdem war die Zahl der Gewalttaten im Juni mit 67 genauso hoch
wie im August.
In SPD und Linkspartei wurden Stimmen laut, die einen
"Demokratiegipfel" fordern. Nach dem Vorbild des Integrationsgipfels
sollten demokratische Parteien, Glaubensgemeinschaften, Gewerkschaften,
Verbände und Sportvereine auch eine Strategie gegen den
Rechtsextremismus überlegen, forderte Sebastian Edathy (SPD),
Vorsitzender des Innenausschusses. Bundestagsvizepräsidentin Petra
Pau (Linkspartei) regte zudem die Bildung einer "unabhängigen
Beobachtungsstelle Rechtsextremismus" an.
(Quelle: afp)
Zentralratspräsidentin Knobloch schlägt Alarm
Di.17.10.06 - Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland,
Charlotte Knobloch, hat die Bundesbürger und die Politik zu
entschlossenerem Vorgehen gegen zunehmende antisemitische Angriffe
aufgefordert. Immer mehr Vorfälle «zeigen, dass
Antisemitismus und Rechtsextremismus in einigen Gesellschaftsschichten
fest verankert sind», sagte Knobloch am Montag in München.
Die Angriffe seien so aggressiv geworden, dass sie an die Zeit nach 1933
erinnerten.
Wer immer noch von bedauerlichen Einzelfällen spreche, verharmlose
die Gefahr für die gesamte Gesellschaft, sagte Knobloch. Sie
forderte, schon in Kindergärten und Grundschulen aufzuklären
und das Demokratiebewusstsein zu stärken. «Empörung
reicht längst nicht mehr», sagte Knobloch.
Der antisemitische Vorfall in einer Schule in Sachsen-Anhalt, das nach
antisemitischen Parolen abgebrochene Berliner Kreisligaspiel TuS Makkabi
gegen VSG Altglienicke, der Einzug der NPD in den Landtag
Mecklenburg-Vorpommern und der Ausbau der NPD-Netzwerke zeigten eine
bedrohliche Entwicklung besonders in Ostdeutschland. Die
NPD-Aufmärsche in Hamburg und Nürnberg am Wochenende zeigten
aber, dass auch der Westen betroffen sei. «Hier wird massiv
versucht, menschenverachtende Verbrechen zur gesellschaftlichen
Selbstverständlichkeit zu machen», warnte die
Zentralratspräsidentin.
(Quelle: ap)
Bundesverfassungsgericht beanstandet lange Untersuchungshaft
Di.17.10.06 - Das Bundesverfassungsgericht hat die Justiz erneut zu Entscheidungen
bei Strafverfahren in angemessener Zeit ermahnt. Die Richter in
Karlsruhe beanstandeten in einer am Montag veröffentlichten
Entscheidung eine zu lange Untersuchungshaft wegen Verzögerung des
Prozessbeginns und gaben der Verfassungsbeschwerde eines wegen
mehrfachen Betrugs und Steuerhinterziehung Angeklagten statt. Dieser
sitzt auf Grund eines Haftbefehls seit September 2005 in
Untersuchungshaft.
Der ursprünglich für Mai 2006 terminierte Prozessbeginn war
wegen eines Wechsels des Vorsitzenden Richters und Versetzung des
Berichterstatters aufgehoben und auf Oktober bis Dezember dieses Jahres
festgelegt worden. Trotz der Verzögerung hatte das
Oberlandesgericht Bamberg die Fortdauer der Untersuchungshaft
angeordnet. Die Personaländerungen hätten zwar zu einer
Verfahrensverzögerung geführt, diese sei aber nicht zu
beseitigen gewesen, hieß es.
Die hiergegen eingelegte Verfassungsbeschwerde des Angeschuldigten
hatte Erfolg. Eine Kammer des Zweiten Senats entschied einstimmig, dass
das Präsidium eines Gerichts bei Änderungen der
Geschäftsverteilung auf Entscheidung der Strafverfahren in
angemessener Zeit achten müsse. Auch die Versetzung des
Berichterstatters zur Staatsanwaltschaft könne nicht als
unvermeidbare Verfahrensverzögerung beurteilt werden. Es sei in der
Praxis durchaus üblich, dass Versetzungen zurückgestellt
würden, um den Abschluss einer Hauptverhandlung zu ermöglichen.
Im März hatte das Gericht der Verfassungsbeschwerde eines
mutmaßlichen Vergewaltigers gegen die Fortdauer seiner
Untersuchungshaft stattgegeben. Der Angeklagte war im Dezember 2004
wegen vielfacher Vergewaltigung seiner Ehefrau zu vier Jahren
Gefängnis verurteilt worden. Im Revisionsverfahren war es im so
genannten Schreib- und Zustelldienst zu Verzögerungen von mehr als
drei Monaten gekommen, so dass die Untersuchungshaft des noch nicht
rechtskräftig Verurteilten 21 Monate dauerte. Das beurteilten die
Verfassungsrichter als zu lange. Der Mann war daraufhin vorläufig
auf freien Fuß gesetzt worden. (Aktenzeichen:
Bundesverfassungsgericht 2 BvR 1815/06)
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Geringerer Kerosinverbrauch beim Flugzeug durch neue Technik
Di.17.10.06 - Wissenschaftler der Universität Stuttgart haben ein Verfahren
entwickelt, dass den Treibstoffverbrauch von Flugzeugen erheblich
verringern könnte. Wie viel Kerosin ein Flugzeug verbrauche,
hänge maßgeblich vom Reibungswiderstand ab, den Luftwirbel an
der Oberfläche verursachten. Mit Hilfe der neuen Technik
könnte der Widerstand wirkungsvoll reduziert werden, teilte die
Universität am Montag mit.
Um dies zu erreichen, setzten die Stuttgarter Wissenschaftler den
Angaben zufolge an der Grenzschicht an, die nahe an einem Körper
entsteht, wenn ein Gas ihn überströmt. Mit Hilfe von
Computersimulationen konnten die Experten eine spezielle Anordnung der
winzigen Absaugöffnungen an den Flügeln entwickeln, die die
Effektivität der Absaugung drastisch erhöht. Dabei werden
gezielt gutartige, eng nebeneinander liegende Längswirbel erzeugt,
die schädliche Wirbel unterdrücken und so Turbulenzen
verhindern oder verzögern, berichtete die Universität.
Die Wissenschaftler des Instituts für Aerodynamik und Gasdynamik
erwarten eine Senkung des Kerosinverbrauchs von bis zu 15 Prozent.
Allein die Lufthansa gebe jährlich drei Milliarden Euro für
Treibstoff aus. Mit der neuen Technologie könnte die Rechnung bald
um einen dreistelligen Millionenbetrag geringer ausfallen. Weltweit
ließen sich jährlich bei einem Ölpreis von 70 Dollar pro
Barrel Kerosin im Wert bis zu 18 Milliarden Euro einsparen, teilten die
Forscher mit.
(Quelle: ap)
Umfrage: Die wenigsten Studenten wollen Karriere machen
Di.17.10.06 - An Karriere liegt den meisten Studenten nach einer Umfrage wenig. Hohes
Einkommen, berufliches Prestige oder eine leitende Funktion, all das ist
ihnen danach weniger wichtig als Familie, Freunde, Partnerschaft und
Freizeit.
Nur jeder vierte Student will auf alle Fälle Karriere machen,
berichtet das Studentenmagazin «ZEIT CAMPUS» in seiner am
18. Oktober erscheinenden ersten Ausgabe. Im Auftrag des neuen Magazins
der Wochenzeitung «Die Zeit» hatte das
Hochschul-Informations-System (HIS) 3000 Studenten befragt.
Zwar wünschen sich der Umfrage zufolge fast alle Studenten einen
Job, der ihnen Spaß macht (96 Prozent), gleich danach aber ist
Sicherheit das wichtigste Kriterium (77 Prozent). Der schlechten
Arbeitsmarktlage zum Trotz schätzen 65 Prozent der Studenten ihre
persönlichen Berufsaussichten als sehr gut ein. 88 Prozent sind
sich sogar sicher, dass sie trotz aller Widrigkeiten ihren Weg gehen
werden. Gleichzeitig spüren 88 Prozent auf ihrer Generation einen
hohen Leistungsdruck lasten. Schon im Studium stehen 42 Prozent unter
hohem Druck und haben das Gefühl, sich ständig beweisen zu
müssen. Lediglich 20 Prozent sehen das Studium als unbeschwerte
Zeit an.
(Quelle: dpa)