Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertzweiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Neun US-Soldaten getötet. Irak rückt ins Zentrum des
amerikanischen Wahlkampfs. Bush sieht erstmals Parallelen zwischen
Vietnam- und Irakkrieg. USA erwägen zweiten Irak-Einsatz von
Marineinfanteristen. Blair will britische Truppen schrittweise aus Irak
abziehen. 48 getötete Journalisten im Irak seit Januar.
Militärprozesse gegen elf US-Soldaten wegen Morden im Irak
Do.19.10.06 - Bombenanschläge und Überfälle haben im Irak erneut neun
amerikanische Soldaten das Leben gekostet. Die US-Streitkräfte
erklärten am Mittwoch, vier Soldaten seien getötet worden, als
ihr Fahrzeug am Dienstagmorgen von einem Sprengsatz getroffen worden
sei. Drei Soldaten seien bei Gefechten in der Provinz Dijala
östlich von Bagdad ums Leben gekommen. Ein anderer Soldat wurde den
Angaben zufolge getötet, als seine Patrouille in Nordbagdad von
Aufständischen angegriffen wurde. Ein Marineinfanterist erlag am
Dienstag seinen Verletzungen, die er bei Gefechten in der Provinz Anbar
erlitten hatte. Die Zahl der getöteten US-Soldaten im Irak seit
Anfang Oktober stieg damit auf 67.
Angesichts der steigenden Zahl getöteter US-Soldaten im Irak
rückt die Außenpolitik verstärkt ins Zentrum des
amerikanischen Wahlkampfs. Drei Wochen vor der Erneuerung beider Kammern
des US-Kongresses übte der demokratische Senator John Kerry
scharfe Kritik an der Politik von Präsident George W. Bush.
Es sei «ein gigantischer Fehler» gewesen, der irakischen
Regierung zu versichern, dass die amerikanischen Truppen so lange wie
nötig im Land blieben, sagte Kerry am Dienstag in Iowa. Bush
hätte die irakische Führung drängen müssen, mehr
Eigenverantwortung für die Sicherheit zu übernehmen, sagte
Kerry.
US-Präsident George W. Bush hat unterdessen erstmals Parallelen
zwischen dem Vietnam- und dem Irakkrieg gezogen. In einem Interview von
ABC News wurde Bush am Mittwoch gefragt, was er von der Meinung eines
Kolumnisten der "New York Times" halte, wonach die anhaltende Gewalt
der Aufständischen im Irak die "dschihadistische Entsprechung" der
Tet-Offensive im Vietnam-Krieg 1968 sei. Bush antwortete darauf, der
Journalist könne Recht haben. Es gebe sicherlich ein
"erhöhtes Gewaltniveau" im Irak. Die von vietnamesichen
Widerstandskämpfern im Januar 1968 gestartete Tet-Offensive auf
Städte und US-Stützpunkte im ganzen Land führte
seinerzeit zu einer massiven Intensivierung des Krieges. Zugleich gilt
sie als Wendepunkt des Vietnamkriegs. Der damalige US-Präsident
Lyndon B. Johnson stellte sich im gleichen Jahr nicht mehr seiner
Wiederwahl. Sein Nachfolger wurde Richard Nixon.
Die USA wollen möglicherweise mehrere Reserveeinheiten der
Marineinfanteristen zu einem zweiten Einsatz im Irak heranziehen.
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld habe der Erstellung eines
entsprechenden Plans zugestimmt, erklärte ein Militärsprecher
am Mittwoch in Washington. Zunächst hatte es geheißen,
Rumsfeld habe dem Plan bereits zugestimmt, dies korrigierte der
Sprecher jedoch später. Es wäre das erste Mal, dass
Kampfbataillone der Reserveeinheiten - jeweils mehrere hundert Soldaten
- ein weiteres Mal in den Irak geschickt werden. Andere Einheiten haben
bereits mehrere Einsätze hinter sich.
Großbritannien will seine im Irak stationierten Truppen
schrittweise abziehen. Premierminister Tony Blair sagte am Mittwoch in
London, seine Regierung wolle die Soldaten nach und nach abziehen, wenn
die irakischen Truppen die Sicherheitsaufgaben selbst erfüllen
könnten. Es dürfe nicht die Gefahr bestehen, vom Helfer zum
Hindernis zu werden.
In Balad, wo es am Wochenende zu bürgerkriegsähnlichen
Zusammenstößen zwischen Sunniten und Schiiten kam, trafen
örtliche Führer beider Religionsgruppen zusammen, um das
Schicksal von mehr als 40 entführten Personen zu klären. Diese
wurden nach Polizeiangaben bei einer Straßenkontrolle gestoppt
und in die überwiegend von Schiiten bewohnte Vorstadt Al Nebaiji
verschleppt.
Seit Januar sind im Irak nach Berechnungen der Organisation Reporter
ohne Grenzen bereits 48 Journalisten und andere Medienmitarbeitern
getötet worden. Damit habe die Presse 2006 im Irak einen
höheren Blutzoll gezahlt als je zuvor, berichtete der Verband in
Paris. Journalisten würden öfter angegriffen als irakische
Politiker. Erst vor fünf Tagen waren beim Angriff auf Mitarbeiter
eines neuen irakischen TV-Senders elf Menschen getötet worden.
Elf US-Soldaten müssen sich wegen Morden im Irak vor
Militärgerichten verantworten. Das teilte die Armee mit. Zwei von
ihnen droht die Todesstrafe. Vier der Soldaten wird vorgeworfen, ein
14-jähriges Mädchen vergewaltigt und erschossen zu haben. Sie
sollen auch die Eltern und die sechsjährige Schwester ihres Opfers
erschossen haben. Vier weitere GIs sollen drei Gefangene freigelassen
haben, um sie dann hinterrücks zu erschießen. Drei Marines
müssen sich wegen Mordes an einem Zivilisten verantworten.
(Quellen: dpa, ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 19.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertachtundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.19.10.05 - Ergebnis des Referendums im Irak verzögert sich +++ Irakischer
Regierungsberater erschossen +++ Zwei US-Soldaten und vier
Aufständische bei Gefecht getötet. Seit Kriegsbeginn
ließen mindestens 1.978 amerikanische Soldaten ihr Leben im Irak +++
Fünfköpfiges Tribunal richtet über Saddam Hussein und
seine Männer...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510190.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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13 afghanische Zivilpersonen bei Gefechten getötet
Do.19.10.06 - Heftige Gefechte zwischen Taliban-Kämpfern und
Sicherheitskräften haben in Afghanistan 13 Zivilpersonen das Leben
gekostet. Bewohner eines Dorfes im Süden des Landes erklärten
am Mittwoch, eine Rakete habe in der Nacht ein Wohnhaus getroffen. Die
Polizei bestätigte, dass es Opfer gegeben habe, nannte aber keine
Zahlen. Die Gefechte in der Provinz Helmand kosteten
Behördenangaben zufolge auch einen Taliban-Kämpfer das Leben.
Drei Polizisten wurden verletzt.
«Ein Haus wurde von einer Rakete getroffen, aber es ist unklar,
welche Seite sie abfeuerte», sagte der Polizeichef der Region,
Ghulam Nabi Malachel. «Es hat zivile Opfer gegeben.» Die
Polizei habe am Dienstagabend Luftunterstützung der NATO
angefordert. Die Gefechte hätten bis in die Nacht gedauert. Ein
Bewohner des Dorfes Tadschikai, Abdul Rehman, erklärte, bei den
Getöteten handele es sich um fünf Frauen, fünf Kinder und
drei Männer. Die Leichen seien bereits aus den Trümmern des
Hauses geborgen worden. In Tadschikai leben rund 100 Familien.
NATO-Sprecher Jason Chalk erklärte, Kampfflugzeuge und
Hubschrauber hätten in der Region Raketen und Bomben auf Stellungen
der Taliban abgefeuert. Man könne jedoch nicht bestätigen,
dass ein Haus von Zivilpersonen getroffen worden sei.
(Quelle: ap)
Bush warnt Nordkorea vor Weitergabe von Atomwaffen
Do.19.10.06 - Der internationale Druck auf Nordkorea wächst. US-Präsident
George W. Bush drohte mit schwerwiegenden Konsequenzen, falls das
kommunistische Land Atomwaffen an den Iran oder das Terrornetzwerk Al
Kaida weiter verkaufen wolle. Ein solcher Versuch würde als ernste
Bedrohung für die Sicherheit der USA verstanden, sagte Bush am
Mittwoch dem Fernsehsender ABC News. Der künftige
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Nordkorea auf, keinen zweiten
Atomtest durchzuführen.
Ein solcher Schritt werde eine «sehr viel ernstere»
Reaktion der internationalen Gemeinschaft auslösen, sagte Ban am
Donnerstag in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Er rief die
Regierung in Pjöngjang zur Einhaltung der UN-Resolution auf.
Nordkorea hatte mit seinem ersten Atomtest am 9. Oktober weltweit
Empörung ausgelöst. Der UN-Sicherheitsrat verhängte am
Samstag Sanktionen gegen Nordkorea, das die Resolution als
Kriegserklärung bezeichnete.
Ban wollte am Laufe des (heutigen) Donnerstag in Seoul mit
US-Außenministerin Condoleezza Rice über den Konflikt
beraten. Der Südkoreaner tritt am 1. Januar die Nachfolge von
UN-Generalsekretär Kofi Annan an. Rice traf am Donnerstag in Tokio
mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe zusammen. Beide
einigen sich dabei laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo auf
weitere Gespräche über gemeinsame Inspektionen
nordkoreanischer Schiffe, wie sie die UN-Resolution vorsieht.
Ebenfalls in Einklang mit der Resolution kündigte Südkorea
eine Verschärfung seiner Kontrollen von Schiffslieferungen nach
Nordkorea an. Die Regierung wolle auch ihre Liste von Produkten
überarbeiten, die in den Norden geliefert werden dürften,
meldete die Nachrichtenagentur Yonhap am Donnerstag. Außerdem
werde Seoul seine Subventionen für ein gemeinsames
Tourismusprojekt mit Pjöngjang einstellen, das seit 1998 laufe.
Die südkoreanischen Behörden wollten den Bericht
zunächst nicht bestätigen.
(Quelle: ap)
Amerikaner besorgt über Zustand der US-Außenpolitik
Do.19.10.06 - In der amerikanischen Öffentlichkeit wächst offenbar die
Besorgnis über den Zustand der Außenpolitik. Nach einer
Umfrage des Instituts Public Agenda fürchten die Amerikaner, dass
sie bei Auslandsreisen zunehmend gefährdet sind.
Das Forschungsinstitut veröffentlichte aufgrund der Erhebung am
Mittwoch erstmals einen «Angstindikator», der so
wörtlich «the level of angst in America» zum Ausdruck
bringen soll. Auf einer Skala von 0 bis 200 wurde anhand der Ergebnisse
zu fünf Fragen ein Wert von 130 ermittelt. Dies bedeute, dass die
Unsicherheit hinsichtlich der internationalen Stellung des Landes einen
ziemlich hohen Wert erreicht habe, sagte der Vorsitzende des Instituts,
Daniel Yankelovich. Dies dürfe auch die Regierung nicht
gleichgültig lassen, fügte der Wissenschaftler hinzu.
«Es ist nicht einfach ein bestimmtes Ereignis oder eine bestimmte
Politik, die die Leute beunruhigt», erklärte Yankelovich.
«Es ist der Irak, es ist die Gefahr eines Terroranschlags, es ist
die Abhängigkeit bei der Energieversorgung, es ist unser
verringertes Ansehen in der Welt, es ist die Zunahme des islamischen
Extremismus'.».
Im Einzelnen waren 87 Prozent der Befragten der Auffassung, dass die
Bedrohungen der nationalen Sicherheit übertrieben dargestellt
würden. 78 Prozent äußerten die Ansicht, dass die USA im
Ausland als arrogant betrachtet würden. Und 64 Prozent
erklärten, dass keinem Land ein demokratisches System aufgezwungen
werden könne, wenn es noch nicht dazu bereit sei. Nach dem
amerikanischen Schulnotensystem von A bis F wollte weniger als ein
Drittel der Befragten der Irak- und Afghanistan-Politik der Regierung
die Noten A und B geben. Befragt wurde eine Stichprobe von 1.001
Personen; die statistische Fehlerquote wurde mit plus/minus 3,5
Prozentpunkten angegeben.
(Quelle: ap)
USA wollen Interessen im All mit neuer Weltraumpolitik sichern
Do.19.10.06 - Die USA wollen ihre Vormachtstellung bei der Raumfahrt aktiv
verteidigen. Washington werde keine Abkommen zulassen, die das
amerikanische Raumfahrtprogramm einschränken, heißt es in
einem von US-Präsident George W. Bush unterzeichneten Gesetz. Dies
sei notwendig für wirtschaftlichen Wohlstand und die nationale
Sicherheit. Bush hat die Regelung bereits vor gut einem Monat
gebilligt, ohne dass sie öffentlich gemacht wurde. Passagen, die
nicht als geheim eingestuft wurden, sind auf der Web-Site des Office of
Science and Technology Policy (OSTP) veröffentlicht.
Die Änderung der US-Weltraumpolitik ist die erste seit fast zehn
Jahren. Die USA sehen demnach «jede absichtliche
Beeinträchtigung» ihrer Aktivitäten im All als
Verletzung ihrer Rechte an. Washington werde seine Rechte, Ressourcen
und die Freiheit, im All zu agieren, wahren, heißt es in dem
Text. Wer versuche, die Möglichkeiten der USA einzuschränken,
werde «davon abgehalten». Die Regierung werde «die
notwendigen Maßnehmen ergreifen», um ihre Ressourcen in der
Raumfahrt zu verteidigen und wenn notwendig auch Kontrahenten die
Nutzung dieser Ressourcen verweigern, wenn diese entgegen der
amerikanischen Interessen handelten.
Das Weiße Haus erklärte, die neue Politik sehe keine
Entwicklung von Waffen für den Weltraum vor. Die USA behaupteten
lediglich das Recht auf Selbstverteidigung und die Wahrung ihrer
Interessen im All, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats,
Frederick Jones.
(Quelle: ap)
Web-Site des Office of Science and Technology Policy (OSTP):
http://www.ostp.gov/
Weiter Tauziehen zwischen Guatemala und Venezuela bei UNO
Do.19.10.06 - Das heftige Tauziehen um den künftigen Vertreter Lateinamerikas im
UN-Sicherheitsrat ist weiter ohne Ergebnis geblieben. Nach dem 22.
Wahlgang unterbrach die Ratsvorsitzende Haya Rashed El Khalifa die Serie
der Kampfabstimmungen zwischen Guatemala und Venezuela und
kündigte eine Fortsetzung für den heutigen Donnerstag an. Das
von den USA unterstützte Guatemala kam zuletzt auf 102 Stimmen,
verfehlte aber die Zwei-Drittel-Mehrheit von 120 Stimmen. Auf Venezuela
entfielen 77 Stimmen. Der venezolanische Präsident Hugo
Chávez warf den USA vor, sie wollten "die Welt dominieren".
Nach den Statuten der UNO kann die Abstimmung beliebig oft wiederholt
werden. Am Jahreswechsel 1979/1980 dauerte es zweineinhalb Monate, bis
die damalige Hängepartie zwischen Kuba und Kolumbien damit endete,
dass beide Länder ihre Kandidatur zurückzogen und Mexiko das
Rennen machte.
Chávez zeigte jedoch wenig Neigung, die Kandidatur Venezuelas
aufzugeben. "Der einzige Ausweg besteht darin, dass das
nordamerikanische Imperium seine grobe Aggression und Erpressung
einstellt", sagte Chavez. "Wir führen vor, dass es dem Imperium
jeden Tag schwerer wird, die Welt zu beherrschen." Er erklärte,
China stehe "fest" hinter der Kandidatur Venezuelas.
"Venezuela wird nicht gewinnen", sagte der US-Botschafter bei der UNO,
John Bolton. "Wir werden Guatemala so lange unterstützen, wie es im
Rennen ist." Der Außenminister von Guatemala, Gert Rosenthal,
verwies auf den "deutlichen Vorsprung" seines Landes bei den
Abstimmungen. Es sei "normalerweise" an Venezuela, sich "aus freien
Stücken" zurückzuziehen.
Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet schlug vor, einen
Kompromisskandidaten zu suchen. Sie appellierte an beide Seiten, den Weg
für eine "einvernehmliche Lösung" freizumachen. Die Vertreter
Chiles, Brasiliens und Mexikos erklärten, ihre Länder
stünden nicht als Kompromisskandidaten zur Verfügung. Ein
Diplomat aus Uruguay sagte, seine Regierung würde sich einer
Kompromisskandidatur nicht verschließen.
Die Nachfolger der ausscheidenden Sicherheitsratsmitglieder
Dänemark, Griechenland, Tansania und Japan wurden bereits
gewählt. Es sind Belgien, Italien, Südafrika und Indonesien.
Der Sicherheitsrat hat 15 Mitglieder, unter ihnen fünf
ständige mit Vetorecht: Großbritannien, Frankreich, die USA,
Russland und China. Die übrigen zehn Mitglieder werden alle zwei
Jahre ausgetauscht.
(Quelle: afp)
Ureinwohner in Brasilien besetzen Bergwerksunternehmen
Do.19.10.06 - Offenbar um höhere Hilfszahlungen zu fordern, haben Ureinwohner in
Brasilien ein Bergwerksunternehmen besetzt. Wie der
weltgrößte Eisenerz-Produzent CVRD am Mittwoch mitteilte,
überfielen rund 200 unter anderem mit Pfeil und Bogen bewaffnete
Xikrin-Indianer am Dienstagabend das Gelände des Unternehmens in
der Stadt Carajas. Sie hinderten mehrere hundert Arbeiter am
Nachhauseweg und brachten die Produktion zum Stillstand. Berichte
über Verletzte lagen zunächst nicht vor.
Die Indianer hielten das Gelände laut CVRD auch am Mittwoch noch
besetzt, rund 5.000 Beschäftigte konnten ihre Arbeitsplätze
nicht erreichen. Carajas liegt im Bundesstaat Para, rund 2.000
Kilometer von Sao Paulo entfernt. Die Xikrin leben in zwei entfernten
Dörfern und werden dem Konzern zufolge mit monatlich rund neun
Millionen Real (3,4 Millionen Euro) unterstützt. Anfang des Jahres
hatten Indianer eine Eisenbahnverbindung nach Carajas blockiert, um
gegen ihre ärztliche Versorgung zu protestieren.
(Quelle: ap)
Fast 300 Festnahmen bei Schülerprotesten in Chile
Do.19.10.06 - Bei Schülerprotesten für eine raschere Umsetzung der
Bildungsreform in Chile sind landesweit fast 300 Demonstranten
festgenommen worden. Die meisten Festnahmen - 237 - gab es in der
Hauptstadt Santiago, wo die Polizei am Mittwoch mit Wasserwerfern gegen
rund 2.000 Schüler vorging. Die Demonstranten warfen Steine und
beschädigten mehrere Autos. Auch in einigen weiteren Städten
kam es zu Zusammenstößen zwischen Schülern und der
Polizei; 54 Demonstranten wurden festgenommen.
Die Oberstufenschüler hatten zu einem landesweiten Streik
aufgerufen. An den Protesten nahmen allerdings deutlich weniger
Menschen teil als im Sommer, als bis zu 700.000 Schüler auf die
Straße gegangen waren. Die sozialistische Präsidentin
Michelle Bachelet hatte daraufhin angekündigt, sie werde den
meisten Forderungen nachkommen.
(Quelle: ap)
Kinder in Osteuropa leben in extremer Armut
Do.19.10.06 - Jedes vierte Kind in Südosteuropa und der ehemaligen Sowjetunion
lebt in extremer Armut. Dies geht aus dem am Mittwoch
veröffentlichten Osteuropa-Bericht des Kinderhilfswerks Unicef
hervor. Besonders akut ist das Armutsproblem laut Studie in
kinderreichen Familien. So liege die Armutsrate für Familien mit
einem Kind in Russland bei neun Prozent, bei Familien mit drei oder mehr
Kindern steige sie auf 34 Prozent.
Obwohl sich die wirtschaftliche Lage in den osteuropäischen
Regionen insgesamt verbessert habe, lebten zum Beispiel in Kirgisien
noch bis zu 80 Prozent der unter 15-Jährigen in Haushalten, die mit
weniger als 1,70 Euro pro Tag auskommen müssten, teilte das
Hilfswerk der Vereinten Nationen in Köln mit. Armut sei auch der
Hauptgrund dafür, dass eine große Zahl von Kindern in
Bulgarien und Rumänien eben nicht in ihren Familien, sondern in
Heimen aufwachse.
Im Vergleich zu den 90er Jahren ist die Zahl der Kinder, die in Armut
aufwachsen, laut Unicef-Bericht zwar von 32 auf 18 Millionen gesunken.
Das liege aber weniger an verbesserten Lebensumständen als an einer
drastisch gesunkenen Geburtenrate. Diese hat Unicef zufolge in den
untersuchten 20 Staaten Südosteuropas und der ehemaligen
Sowjetunion von 1998 bis 2003 um elf Millionen abgenommen. In Fragen der
Gesundheitsversorgung, bei sanitären Einrichtungen und der
sozialen Infrastruktur zeichne sich statt Fortschritten vielfach nur
Stagnation ab, hieß es.
(Quelle: ap)
Verdeckte Armut: In Deutschland verzichten Millionen auf staatliche
Unterstützung
Do.19.10.06 - Neben den Empfängern staatlicher Hilfeleistungen leben in
Deutschland zusätzlich mehrere Millionen Menschen in verdeckter
Armut. Sie nehmen ihren Anspruch auf staatliche Unterstützung nicht
wahr, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der
Hans-Böckler-Stiftung ergab. Darunter sind auch knapp zwei
Millionen Berufstätige, die ihren geringen Verdienst nicht
aufstocken lassen. Sie - und mit ihnen Millionen von Kindern - leben in
verdeckter Armut.
Von den insgesamt rund zehn Millionen Menschen, die einen gesetzlichen
Anspruch auf Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld haben, erhielten
derzeit lediglich 7,4 Millionen Hartz-IV-Leistungen, berichtet die
Stiftung. Allein die Zahl der offiziell gemeldeten 900.000
bedürftigen Erwerbstätigen sei tatsächlich drei Mal so
hoch.
Betroffen sind laut Studie vor allem gering Qualifizierte,
Teilzeitbeschäftigte sowie Familien mit drei oder mehr Kindern.
Rund 1,5 Millionen Haushalte lebten auch trotz Vollzeiteinkommen an der
Grenze der Bedürftigkeit.
Die Frankfurter Verteilungsforscherin Irene Becker hat auf der Basis
des Sozio-Ökonomischen Panels kurz vor der Hartz-IV-Reform 2004 das
Ausmaß der Bedürftigkeit geschätzt und mit den
aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit verglichen.
(Quelle: ap)
Studentenwerk kritisiert fehlendes Stipendiensystem
Do.19.10.06 - Das Deutsche Studentenwerk hat das Fehlen eines Stipendiensystems zur
Flankierung von Studiengebühren als Skandal bezeichnet.
Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde sagte der
Nachrichtenagentur AP, trotz der Ankündigung, ein solches in
anderen Ländern übliches System aufzubauen, habe sich seit dem
Urteil des Bundesverfassungsgerichts vor knapp zwei Jahren «im
Grunde nichts getan». Zudem zeige ein aktuelles Gutachten, dass
die Vorgaben aus Karlsruhe zur Sozialverträglichkeit von
Gebühren von den Ländern nicht erfüllt würden.
Im Januar 2005 hatte das Bundesverfassungsgericht das
Gebührenverbot im Hochschulrahmengesetz für nichtig
erklärt, so dass die Bundesländer nun Gebühren
einführen können. Die ersten Länder haben zum gerade
beginnenden Wintersemester mit Gebühren für
Studienanfänger begonnen, andere Länder führen zum
Sommersemester 2007 Gebühren für alle ein. Das Gericht hat den
Ländern allerdings auferlegt, die Chancengerechtigkeit
sicherzustellen. Befürworter von Studiengebühren hatten
argumentiert, dass Gebühren gerecht seien, wenn zugleich wie in den
USA ein breites Stipendiensystem aufgebaut werde.
Meyer auf der Heyde erklärte, bei den Stipendien habe sich nichts
getan, dies sei «ein ziemlicher Skandal». Zudem hätten
die Länder die in Aussicht gestellte Sozialverträglichkeit der
Gebühren mit der Einrichtung von Ausfallfonds und Darlehen auf die
Hochschulen und die Studierenden verlagert. Viele Hochschulgesetze
sehen vor, dass ein Teil der Gebühren als Ausfallbürgschaften
hinterlegt wird, auf die die Banken zurückgreifen können, wenn
Absolventen die Darlehen nicht zurückzahlen können.
Der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks verwies auf ein
aktuelles Gutachten des früheren Kanzlers der TU München,
Ludwig Kronthaler. Der Richter am Bundesfinanzhof und
Gebührenbefürworter kritisiert darin die Ausfallfonds und die
einheitliche Erhebung von Studiengebühren, die er für
rechtswidrig hält. «Eine Sicherung der
Sozialverträglichkeit ist dadurch nicht gegeben», betonte
Meyer auf der Heyde.
Das Studentenwerk, das regelmäßig eine Sozialerhebung bei
den Studierenden vornimmt, erwartet, dass sich mit den Gebühren
«die soziale Schieflage im Bildungsbereich potenziell
verschärft». Schon jetzt nähmen von 100 Kindern aus
bildungsferneren und einkommensschwächeren Schichten nur elf ein
Studium auf. Auch Studienkredite könnten das Problem nicht
abmildern: «Wer beim Thema Studienfinanzierungssystem über
Darlehen auf andere Länder verweist, blendet gerne den Kontext
aus», kritisierte Meyer auf der Heyde. Die Bereitschaft zur
Verschuldung hänge auch davon ab, wie gut die Chancen nach dem
Studium seien, den angestrebten Beruf aufzunehmen und das Darlehen
zurückzuzahlen. In Deutschland seien aber etwa die
Einstiegsgehälter in der Regel nicht so hoch wie in anderen
Ländern.
Kritik übte Meyer auf der Heyde zudem an den unterschiedlichen
Härtefallregelungen. Positiv sei, dass Studierende mit Behinderung
oder chronischen Krankheiten von den Gebühren befreit seien.
Daneben müssten aber auch alle BAföG-Empfänger befreit
werden, zudem diejenigen Studierenden, die nachweislich nicht mehr Geld
zur Verfügung hätten als BAföG-Empfänger.
Außerdem sollten die Bedarfssätze erhöht werden. Meyer
auf der Heyde verwies darauf, dass in Österreich mit
Einführung von Studiengebühren auch die Beihilfen für
Studierende ausgeweitet worden seien.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
EU-Kommission legt Pläne für europäisches
Forschungsinstitut vor
Do.19.10.06 - Ein neues Institut für Spitzenforschung soll nach dem Willen der
EU-Kommission die Stellung Europas im weltweiten Wettbewerb
stärken. Kommissionspräsident José Manuel Barroso
stellte am Mittwoch seine lange vorbereiteten Pläne für ein
Europäisches Technologieinstitut (ETI) vor. Sein Ziel sei, dass
das Institut noch vor Ablauf seiner Amtszeit im Jahr 2009 die Arbeit
aufnehme, erklärte Barroso. Er hoffe, dass die EU-Staats- und
Regierungschefs bei ihrem Gipfeltreffen am Freitag «dieses
Flaggschiff der Innovation in Europa» unterstützten.
Der Name Europäisches Technologieinstitut, auf Englisch European
Institute for Technology, lehnt sich an das renommierte Massachusetts
Institute for Technology (MIT) in den USA an. Von ihrem einstigen
Vorhaben, eine vergleichbare Elite-Universität für die EU zu
schaffen, nahm die Kommission allerdings Abstand.
Das ETI soll nach dem jetzt vorgelegten Vorschlag nur rund 60
Mitarbeiter haben, die die Arbeit von dezentralen «Wissens- und
Innovationsgemeinschaften» koordinieren. «Unsere
Hochschulausbildung und Forschung sind fragmentiert»,
erklärte Forschungskommissar Jan Potocnik in einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Barroso. Das ETI soll nach den Vorstellungen der
Kommission die Erfolg versprechendsten Ansätze in Europa
zusammenführen.
Geplant ist dazu eine Ausschreibung, nach der sich ausgewählte
Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen zu
«Wissens- und Innovationsgemeinschaften»
zusammenschließen sollen. Das ETI würde die
Arbeitsschwerpunkte dieser Partnerorganisationen festlegen und
Standards für gemeinsame Abschlüsse ausarbeiten. Verliehen
würden diese ETI-Diplome aber durch die Partneruniversitäten.
Barroso erklärte, die EU müsse im Bereich Forschung und
Entwicklung ihren Rückstand gegenüber den USA verringern.
«Seien wir ehrlich: Können Länder wie Slowenien,
Portugal, Griechenland, aber auch Deutschland, Großbritannien
oder Frankreich allein den Wettbewerb mit den USA aufnehmen?
Nein!», sagte der Kommissionschef. Forschungskommissar Potocnik
ergänzte, Europa verfüge zwar über gute Wissenschaftler,
sei aber «zu oft nicht in der Lage, Forschungsergebnisse in
Produkte umzusetzen». Als Beispiel nannte er das Dateiformat MP3,
das in Europa entwickelt, aber erst in Japan und den USA kommerziell
zur Anwendung gebracht worden sei.
Die EU-Kommission hofft zudem, dass eine europäische Adresse
für Spitzenforschung für die beteiligten Forscher mehr Mittel
aus der Wirtschaft generieren werde als viele einzelne Institute. Man
habe bereits Kontakt mit zahlreichen Unternehmen und
Wirtschaftsverbänden aufgenommen, wie Siemens, Volkswagen, dem
Deutschen Industrie- und Handelskammertag, Unilever, Nokia, Ericsson
und Royal Dutch Shell, erklärte Bildungskommissar Jan Figel.
Die Kommission äußerte die Hoffnung, dass EU-Parlament und
Mitgliedstaaten ihren Plänen noch vor Ende des nächsten
Jahres zustimmen und das ETI schon 2008 geschaffen werden könnte.
Dafür wäre nach Berechnungen der Brüsseler Behörde
eine Anschubfinanzierung aus dem EU-Haushalt von rund 300 Millionen
Euro nötig. Die ersten Wissens- und Innovationsgemeinschaften
könnten dann 2010 gegründet werden. Für die Jahre 2008
bis 2013 veranschlagt Brüssel einen Finanzierungsbedarf von 2,4
Milliarden Euro, die jedoch zu einem erheblichen Teil von der
Wirtschaft kommen sollen.
(Quelle: ap)
Krebsrisiko deutscher Uranbergarbeiter langfristig erhöht
Do.19.10.06 - Das Lungenkrebsrisiko ehemaliger Bergarbeiter aus den Uranminen der DDR
ist bis heute deutlich erhöht. Das hat die weltweit
größte Studie zu diesem Thema mit rund 59 000 ehemaligen
Uran-Kumpeln der deutsch-sowjetischen Wismut AG ergeben.
Die Krebsgefahr nehme langsamer ab als angenommen, schreiben die
Forscher um Bernd Grosche vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in
ihrer Studie, die am Dienstag vom «British Journal of
Cancer» im Internet veröffentlicht wurde. Diese Ergebnisse
seien angesichts des Ausbaus des Uranerzbergbaus in Australien und
Afrika von besonderer Bedeutung.
Von den Studienteilnehmern, die zwischen 1946 und 1990 im Erzgebirge
und in Thüringen beschäftigt waren, starben während der
Untersuchungsdauer (1946 bis 1998) 2 388 an Lungenkrebs. Das
höchste Lungenkrebsrisiko stellten die BfS-Forscher in der Zeit
zwischen 15 und 24 Jahren nach der Belastung fest. Insgesamt rechnen sie
mit rund 7 000 Lungenkrebstoten unter den 59 000 Studienteilnehmern.
Deren Lungenkrebsrisiko sei verglichen mit Menschen, die unter
vergleichbaren Arbeitsbedingungen aber ohne Strahlenbelastung
gearbeitet haben, um durchschnittlich 50 Prozent erhöht. Bei
Arbeitern, die ausschließlich unter Tag beschäftigt waren,
erhöhte sich das Risiko sogar um etwa 70 Prozent.
Die Ergebnisse bestätigen frühere Studien, die ein
zunehmendes Krebsrisiko mit steigender Strahlenbelastung zeigen.
Allerdings bleibt dieses Risiko länger als bislang angenommen
bestehen. «Die bisherige Annahme, dass das Risiko mit zunehmender
Zeit nach Exposition deutlich abnimmt, muss korrigiert werden»,
betonte BfS- Präsident Wolfram König.
Lungenkrebs ist in Deutschland bei Uranbergarbeitern eine anerkannte
Berufskrankheit. Bis zum Jahr 1999 hatten über 7500 Arbeiter eine
entsprechende Rente erhalten, jährlich werden etwa 200 neue
Fälle registriert, berichten die BfS-Forscher. Insgesamt waren rund
500 000 Kumpel im Erzgebirge und in Thüringen im Uranabbau
beschäftigt, um Material für die Atomwaffenproduktion der
Sowjetunion zu beschaffen. Vor einigen Jahren hatten Wissenschaftler auf
der 32. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin
das Wismut-Werk als den «drittgrößten
Schadensfall» der Welt durch radioaktive Strahlung nach
Tschernobyl und Hiroschima bezeichnet.
(Quelle: dpa)
Kultur
Frei Otto mit Kunstpreis Praemium Imperiale geehrt
Do.19.10.06 - Der japanische Prinz Hitachi hat den deutschen Architekten Frei Otto am
Mittwoch in Tokio mit der weltweit höchsten Ehrung
zeitgenössischer Kunst, dem japanischen «Praemium
Imperiale» geehrt.
Der 81-Jährige ist einer von fünf Trägern der
internationalen Auszeichnung, die auch als «Nobelpreis der
Künste» angesehen und mit jeweils rund 100 000 Euro (15
Millionen Yen) dotiert ist. Die vier anderen Preisträger sind in
diesem Jahr die japanische Minimal-Art-Künstlerin Yayoi Kusama
(Malerei), der Franzose Christian Boltanski (Skulptur), der
amerikanische Musiker und Pionier der minimalistischen Musik Steve Reich
und die in Moskau geborene Balletttänzerin Maya Plisetskaya
(Theater/Film).
Der Bruder des japanischen Kaisers Akihito überreichte die im Jahr
1988 ins Leben gerufene Auszeichnung - gestiftet von der Japan Art
Association - in Anwesenheit zahlreicher Vertreter des öffentlichen
Lebens feierlich in der Meiji-Gedächtnishalle der japanischen
Hauptstadt. Otto habe vor allem mit seiner Entwicklung leichter
Flächentragwerke und seinem Architekturideal einer
umweltverträglichen Bauweise internationales Renommee erlangt,
hatte die Jury betont. Sein wohl bekanntestes Bauwerk ist die
Überdachung des Olympiastadions in München.
Der mit 34 000 Euro dotierte Nachwuchspreis ging in diesem Jahr an ein
venezolanisches Jugendorchesterwerk (Fundacion del Estado para el
Sistema Nacional de Orquestas Juveniles e Infantiles de Venezuela), das
seit Jahren auch prominente Unterstützer wie Plácido
Domingo, Simon Rattle und Claudia Abbado hat.
(Quelle: dpa)
Internet
Wikipedia bekommt Konkurrenz durch eigenen Mitbegründer
Do.19.10.06 - Die kostenlose Online-Enzyklopädie Wikipedia bekommt Konkurrenz
von einem ihrer Mitbegründer. Das neue Internet-Nachschlagewerk
soll in einigen Monaten unter dem Namen Citizendium an den Start gehen
und im Unterschied zu Wikipedia aus Artikeln bestehen, die von Experten
geprüft wurden, wie Projektchef Larry Sanger am Dienstag bekannt
gab. Damit zielt Sanger auf die Schwachstelle der von ihm
mitbegründeten Wikipedia-Enzyklopädie: Dort kann jeder
Internet-Nutzer im Alleingang Artikel veröffentlichen oder
bestehende Artikel ändern. Wikipedia vertraut darauf, dass
versehentliche oder absichtliche Falschinformationen in den Artikeln
durch die Nutzer nach kurzer Zeit geändert werden.
Citizendium ist nach Sangers Angaben ebenfalls für Texte von
interessierten Laien offen, allerdings werden die Informationen von
einem Expertenbeirat gegengecheckt. Damit solle sichergestellt werden,
dass für jeden Artikel eine "persönliche Verantwortlichkeit"
besteht, erklärte Sanger. Dies schließe den "echten Namen"
des Verfassers ein. Bei Wikipedia würden Einträge von Experten
oft von Laientexten "verdrängt", kritisierte er. Zudem gebe es
besonders bei Artikeln zu aktuellen politischen Fragen
Meinungsverschiedenheiten unter den Autoren.
Sanger ließ offen, ob die Citizendium-Experten für ihre
Arbeit bezahlt werden. Er hatte Wikipedia im Jahr 2001 gemeinsam mit
Jimmy Wales gestartet, war aber im Jahr 2002 ausgestiegen. Als Grund
nannte er unter anderem seine Enttäuschung über die
mangelhafte Qualität mancher Artikel. Wales lehnt eine Bearbeitung
der Wikipedia-Artikel durch Experten ab. Er sieht darin einen Angriff
auf die Freiheit des Wortes, die für Wikipedia oberste
Priorität habe.
(Quelle: afp)