Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertdreiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mehr als 40 Tote bei Anschlägen. US-Militär nennt Zuspitzung
der Gewalt im Irak entmutigend
Fr.20.10.06 - Bei einer neuen Welle von Anschlägen im Irak sind mehr als 40
Menschen getötet worden. Mindestens 17 Menschen wurden bei der
Explosion einer Bombe in der Schiitenstadt Chalis bei Baakuba
getötet. Bei zwei Selbstmordattentaten in den nordirakischen
Städten Mossul und Kirkuk kamen insgesamt 23 Menschen ums Leben.
Die Bombe sei auf einem belebten Marktplatz in Chalis, rund 25
Kilometer nördlich von Baakuba, explodiert. Viele Menschen
hätten zum Zeitpunkt des Anschlags auf dem Markt vor allem
Kleidung eingekauft. Unter den Verletzten waren viele Frauen und
Kinder. Die überwiegend von Schiiten bewohnte Stadt Chalis liegt
in der Unruhe-Provinz Dijala, in der es häufig zu Angriffen von
Schiiten auf Sunniten kommt.
Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeiwache in der
nordirakischen Stadt Mossul kamen mindestens elf Menschen ums Leben; 26
weitere Menschen wurden verletzt. Im nordirakischen Kirkuk starben bei
einem Selbstmordanschlag mindestens zwölf Menschen; 68 weitere
wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Der Attentäter
hatte sein Auto am Eingang einer Bank in die Luft gesprengt, als
zahlreiche irakische Soldaten gerade ihren Sold abholten. Bei einem
weiteren Selbstmordanschlag in der Nähe von Kirkuk starben
fünf Menschen.
Das US-Militär im Irak hat die Zuspitzung der Gewalt im Irak als
entmutigend bezeichnet. Allein in Bagdad habe es während der
ersten drei Wochen des islamischen Fastenmonats Ramadan im Vergleich zu
den drei Wochen davor einen Anstieg der Attacken um etwa ein
Fünftel gegeben, sagte Sprecher William Caldwell. Er räumte
auch ein, dass der Erfolg der seit zwei Monaten andauernden
Militäroperation zur Eindämmung der Gewalt in der irakischen
Hauptstadt hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei.
Die US-Streitkräfte meldeten am Donnerstag erneut den Tod eines
Soldaten. Er kam bei Kämpfen in der westlich von Bagdad gelegenen
Provinz Anbar ums Leben. Danut stieg die Zahl der seit Monatsbeginn
getöteten US-Soldaten auf 71. US-Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld erwägt unterdessen nach Angaben eines Sprechers, mehrere
Reserveeinheiten der Marineinfanteristen zu einem zweiten Einsatz in den
Irak zu schicken. Es wäre das erste Mal, dass Kampfbataillone der
Reserveeinheiten ein weiteres Mal in den Irak geschickt werden.
(Quellen: ap, rtr, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 20.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertneunundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.20.10.05 - US-Außenministerin schließt lange Präsenz von
amerikanischen Truppen im Irak nicht aus +++ Saddam Hussein bekennt sich
nicht schuldig. Völkerrechtler kritisiert mögliche
Todesstrafe für den ehemaligen irakischen Machthaber.
Geheimdienst-Dokumente über Saddam in USA veröffentlicht +++
Zwei US-Soldaten im Irak getötet +++ Korrespondent der britischen
Zeitung 'Guardian' im Irak entführt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510200.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Zwei Kinder bei Anschlag in Afghanistan getötet
Fr.20.10.06 - Bei einem Selbstmordanschlag auf britische Truppen in
Südafghanistan sind am Donnerstag zwei Kinder getötet worden.
Sieben Passanten und einige Soldaten wurden verletzt, wie ein Sprecher
der internationalen Afghanistan-truppe ISAF mitteilte. Der Anschlag
ereignete sich in der Provinzhauptstadt Laschkar Gah. Der Täter
näherte sich dem Fahrzeug zu Fuß.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer forderte die
Mitgliedsstaaten des Bündnisses am Donnerstag dazu auf, weitere
Truppen nach Afghanistan zu schicken. Vor allem müsse die NATO der
afghanischen Regierung dabei helfen, den Lebensstandard der
Bevölkerung zu verbessern, sagte De Hoop Scheffer dem
Rundfunksender BBC.
Nach dem Tod von 22 Dorfbewohnern am Mittwoch rief der afghanische
Präsident Hamid Karsai die NATO auf, bei ihren militärischen
Aktionen mehr auf den Schutz der Zivilbevölkerung zu achten. Den
Angehörigen übermittelte Karsai sein Mitgefühl.
(Quelle: ap)
Frankreich erwägt Abzug von Elitesoldaten aus Afghanistan
Fr.20.10.06 - Frankreich erwägt einen Abzug seiner rund 200 Mann starken
Sondereinheit aus Afghanistan. Das bestätigte
Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie am Donnerstag nach
einem Treffen mit ihrem US-Kollegen Donald Rumsfeld in Washington. Die
Ausweitung des NATO-Einsatzes in Afghanistan sei eine gute Gelegenheit,
um den Verbleib der französischen Elitesoldaten auf den
Prüfstand zu stellen. Die Entscheidung solle zu einem
späteren Zeitpunkt fallen.
Französische Medien hatten bereits am Wochenende berichtet, die
Sondereinheit solle bis Anfang 2007 zurückgezogen werden. Die
Elitesoldaten sind im Südosten Afghanistans im Kampf gegen das
Terrornetzwerk Al Kaida sowie bei der Suche nach dem Al-Kaida-Chef
Osama bin Laden im Einsatz. Frankreich ist außerdem mit 1.700
Soldaten an der von der NATO geführten ISAF-Mission beteiligt.
Alliot-Marie beendet ihre USA-Reise nach vier Tagen am (heutigen)
Freitag nach einem Treffen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan in
New York.
(Quelle: ap)
IKRK besorgt wegen neuem Anti-Terror-Gesetz in USA
Fr.20.10.06 - Das umstrittene Gesetz zum Umgang mit Terrorverdächtigen in den
USA verstößt nach Einschätzung des Roten Kreuzes
möglicherweise gegen die Genfer Konvention. Es gebe
«bestimmte Bedenken und Fragen», sagte der Präsident
des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Jakob
Kellenberger, am Donnerstag in Genf. Sorge bereitete unter anderem die
weit gefasste Definition von feindlichen Kämpfern. Außerdem
untersage das Gesetz nicht ausdrücklich die Verwertung von
Beweisen, die unter Zwang gewonnen wurden.
Das IKRK werde seine Bedenken mit der US-Regierung besprechen,
kündigte Kellenberger an. Das Anfang der Woche von Präsident
George W. Bush unterzeichnete Gesetz erlaubt es der Regierung,
mutmaßliche Terroristen vor Militärtribunale anstatt vor
ordentliche Gerichte zu stellen. Folter wie Verstümmelung oder
Vergewaltigung werden verboten, allerdings wird es Bush freigestellt,
Methoden zuzulassen, die in der regulären Justiz unüblich
sind.
Vor den Militärtribunalen könnten auch Beweise lediglich vom
Hörensagen vorgebracht werden, sofern das Gericht sie als
verlässlich einstufe, kritisierte Kellenberger. Dies ist vor
ordentlichen Gerichten nicht möglich. Außerdem gelte den
Genfer Konventionen zufolge die Unschuldsvermutung, betonte der
IKRK-Präsident.
Bush hatte das neue Gesetz als wichtiges Werkzeug im Kampf gegen den
Terrorismus gewürdigt. Eine Neuregelung wurde erforderlich,
nachdem der Oberste Gerichtshof im Juni den Umgang mit den
Häftlingen in Guantanamo wegen mangelnder Rechtsgrundlage als
illegal bezeichnet hatte.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Auch Hisbollah setzte laut Human Rights Watch Streubomben ein
Fr.20.10.06 - Auch die Hisbollah-Miliz hat laut einem Bericht der
Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch während des
Libanon-Krieges im Sommer Streubomben eingesetzt. Beim Beschuss eines
Wohngebiets in der nordisraelischen Ortschaft Maghar mit dieser
Munition seien am 25. Juli drei Zivilpersonen verletzt worden,
heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der
Organisation.
Human Rights Watch und die Vereinten Nationen hatten bisher nur Israel
vorgeworfen, Streubomben eingesetzt zu haben. Die Israelis sollen
während des einmonatigen Kriegs bis zu vier Millionen Streubomben
auf Ziele im Libanon abgeschossen haben. Bis zu eine Million davon sind
nach Schätzungen nicht explodiert und bedrohen heute die
Bevölkerung. Seit dem Waffenstillstand am 14. August sind 20
Libanesen bei der Explosion der Blindgänger getötet worden.
Die Vereinten Nationen haben den Einsatz von Streubomben kritisiert.
(Quelle: ap)
Nigerianischer Präsident ruft im Südwesten den Notstand aus
Fr.20.10.06 - Der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo hat im
Südwesten des afrikanischen Landes den Notstand ausgerufen. Die
dort erfolgte Absetzung des Gouverneurs durch das Parlament habe gegen
die Verfassung verstoßen, erklärte der Präsident am
Donnerstag in einer Fernsehansprache. Die Abgeordneten in dem Staat
Ekiti hatten Gouverneur Ayo Fayose am Montag wegen Veruntreuung
öffentlicher Mittel und Bestechlichkeit abgesetzt.
Es war bereits die dritte Entlassung eines Gouverneurs der
Regierungspartei in diesem Jahr. Derzeit wird gegen 31 der 36
Gouverneure in Nigeria wegen Korruption ermittelt, wie die Behörden
erklärten. Die Antikorruptions-Organisation Transparency
International stuft Nigeria regelmäßig als eines der
korruptesten Länder der Erde ein.
(Quelle: ap)
Reitermilizen werden offenbar von Sudans Regierung geführt
Fr.20.10.06 - Die für schwere Gewalttaten in der Provinz Darfur verantwortlich
gemachten arabischen Reitermilizen werden laut einem Bericht der
britischen BBC von Sudans Zentralregierung ausgebildet und geführt.
Der Sender zitierte am Dienstag ein ehemaliges Mitglied der
Dschandschawid-Milizen, wonach deren Ausbilder "aus dem Norden, von der
Regierung" kommen und entsprechende Uniformen tragen. Der als "Ali"
bezeichnete Ex-Milizionär berichtete, dass diese Männer die
Befehle gegeben und die Ausstattung mit Waffen und Munition
angekündigt hätten. Die Milizen würden niemals selber
entscheiden, sondern nur die Befehle der Regierung ausführen.
(Quelle: afp)
Nordkorea laut Bericht unter Bedingungen zu neuen Gesprächen bereit
Fr.20.10.06 - Nordkorea hat sich einem Bericht zufolge unter bestimmten Bedingungen
zu einer Wiederaufnahme der internationalen Gespräche über
sein Atomprogramm bereit erklärt. Das habe der nordkoreanische
Staatschef Kim Jong Il einer chinesischen Delegation gesagt, berichtete
die südkoreanische Tageszeitung «Chosun Ilbo» am
Freitag unter Berufung auf chinesische Diplomatenkreise. Bedingung
für eine Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche sei
allerdings eine Aufhebung der amerikanischen Sanktionen gegen Nordkorea.
Kim habe sich im Gespräch mit den chinesischen Gesandten auch
für den Atomtest Nordkoreas vom 9. Oktober entschuldigt,
hieß es weiter. Die Delegation unter Leitung von Tang Jiaxuan war
am Donnerstag mit Kim zusammengetroffen und anschließend nach
Peking zurückgekehrt. Dort traf am Freitag auch
US-Außenministerin Condoleezza Rice zu Gesprächen über
den Atomstreit ein.
Nordkorea hat seit Ende November 2005 eine Fortsetzung der
internationalen Verhandlungen abgelehnt, an denen neben Nordkorea und
den USA auch China, Japan, Russland sowie Südkorea beteiligt sind.
(Quelle: ap)
Neue Kämpfe im Norden Sri Lankas
Fr.20.10.06 - Nach dem Angriff der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) auf die
Marinebasis in der Touristenhochburg Galle sind im Norden Sri Lankas
erneut schwere Kämpfe ausgebrochen. Der LTTE-nahe Internetdienst
Tamilnet meldete am Donnerstag, in der Nacht zuvor sei es bei
vorgelagerten Inseln nahe der Halbinsel Jaffna zu heftigen Gefechten
zwischen Rebellen und der Marine gekommen.
Einzelheiten zu Opfern wurden nicht bekannt. Tamilnet berichtete
weiter, bei einem Artillerieangriff der Armee auf der Halbinsel sei ein
Zivilist getötet worden. Unterdessen wurde die nach dem Angriff in
Galle verhängte Ausgangssperre wieder aufgehoben.
Das Verteidigungsministerium teilte mit, im Norden Sri Lankas seien am
Donnerstag zwei Soldaten ums Leben gekommen, als eine von der LTTE
gelegte Mine explodiert sei. Ein «LTTE-Terrorist» sei
erschossen worden, als er eine Handgranate auf eine Armeepatrouille
geworfen habe. Ein Soldat sei verletzt worden.
Am Rande der Hauptstadt Colombo verhinderte die Polizei nach
offiziellen Angaben am Donnerstag einen LTTE-Anschlag. Das
Verteidigungsministerium teilte mit, an der auch von ausländischen
Touristen genutzten Ausfallstraße nach Kandy im Landesinneren sei
ein Sprengsatz gefunden und entschärft worden. Das Ministerium
sprach von einem «weiteren feigen Versuch der LTTE-Terroristen,
Massenmord an Zivilisten zu begehen». Die LTTE äußerte
sich zunächst nicht.
Derzeit hält sich der norwegische Sondervermittler Jon
Hanssen-Bauer zu Gesprächen in Sri Lanka auf, um die
Konfliktparteien zurück an den Verhandlungstisch zu bringen. Ende
des Monats sind Friedensgespräche in Genf geplant.
(Quelle: dpa)
Blair und Balkenende fordern von EU-Gipfel Schritte gegen Klimawandel
Fr.20.10.06 - Am Vorabend des EU-Gipfels in Finnland haben die Regierungschefs von
Großbritannien und den Niederlanden sofortige Schritte gegen den
Klimawandel angemahnt. «Wir haben ein Zeitfenster von nur zehn
bis 15 Jahren, um die Schritte zu ergreifen, die wir brauchen, um ein
Umkippen in eine Katastrophe zu vermeiden», schrieben der
britische Premierminister Tony Blair und der niederländische
Ministerpräsident Jan Peter Balkenende am Donnerstag in einem
offenen Brief an ihre Kollegen.
Die Themen Energiesicherheit, eines der Schwerpunkte des Gipfeltreffens
im finnischen Lahti, und Klimasicherheit müssten als «zwei
Seiten einer Medaille» betrachtet werden, erklärten die
beiden Regierungschefs. Klimafreundliche Technologien seien bereits
«verfügbar oder in Reichweite», und die
europäische Industrie könnte bei ihrer Entwicklung eine
Führungsposition einnehmen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Berlin scheitert mit Verfassungsklage auf Sanierungshilfen
Fr.20.10.06 - Berlin hat trotz seiner hohen Schulden keinen Anspruch auf
Sanierungshilfen des Bundes und der Länder. Das hat das
Bundesverfassungsgericht am Donnerstag entschieden. Das Land Berlin
befinde sich «nicht in einer extremen Haushaltsnotlage»,
hieß es zur Begründung. Zu erkennen sei «lediglich eine
angespannte Haushaltslage», die Berlin «mit großer
Wahrscheinlichkeit aus eigener Kraft überwinden» könne.
Zu vermuten seien «noch nicht ausgeschöpfte
Einsparpotenziale in erheblichem Umfang». Ein
«bundesstaatlicher Notstand» im Sinne einer
«Existenzbedrohung des Landes» lasse sich für Berlin
derzeit nicht feststellen, erklärte das Gericht.
Die Karlsruher Richter verwarfen damit eine Normenkontrollklage des
Landes Berlin. Zugleich riefen sie die Hauptstadt zu verstärkten
Sparanstrengungen auf und verschärften generell die
Maßstäbe für die Gewährung der von Berlin
geforderten Bundesergänzungszuweisungen. Die Entscheidung des
Zweiten Senats erging einstimmig.
Die mit mehr als 60 Milliarden Euro verschuldete Hauptstadt hatte auf
die Anerkennung einer extremen Haushaltsnotlage und eine damit
einhergehende erhebliche Entlastung gehofft. Der Bund und zahlreiche
Länder hatten zusätzliche Hilfen abgelehnt.
Es sei dem Berliner Senat «nicht gelungen, die
Alternativlosigkeit von Sanierungshilfen hinreichend plausibel zu
begründen», heißt es. Das Gericht bemängelte die
«hohen Ausgaben» Berlins. Die Haushaltsprobleme Berlins
lägen «im Schwerpunkt nicht auf der Einnahmenseite, sondern
auf der Ausgabenseite», heißt es in dem 109 Seiten
umfassenden Urteil. Ein Stadtstaatenvergleich mit Hamburg für
einzelne Ausgabenblöcke zeige «Mehrausgaben Berlins
gegenüber Hamburg in eindrucksvollen Ausmaßen».
Aus Sicht des Verfassungsgerichts sind auch Verbesserungen der
Einnahmesituation Berlins möglich, etwa durch die Erhöhung des
Gewerbesteuerhebesatzes und weitere Privatisierungserlöse. Es
bestünden «relevante Möglichkeiten der
Vermögensveräußerung», wobei auch der landeseigene
Wohnungsbestand in den Blick zu nehmen sei. Dessen möglicher
Erlös werde mit etwa fünf Milliarden Euro angesetzt.
Eine bundesstaatliche Hilfeleistung durch Mittel zur Sanierung sei nur
«als Ultima Ratio (letztes Mittel) erlaubt», wenn die
Haushaltsnotlage eines Landes im Verhältnis zu den übrigen
Ländern als extrem zu werten sei, heißt es in dem Urteil.
Das Verfassungsgericht hält «grundsätzliche Reformen
der Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern» für
«dringend erörterungsbedürftig». Dabei müsse
es auch um die nähere Prüfung «grundlegend neuer
Lösungskonzepte zur Vorbeugung von Haushaltskrisen und deren
Bewältigung gehen».
1992 hatten Bremen und das Saarland in Karlsruhe erfolgreich auf
Sanierungshilfen geklagt. Trotz Beträgen in Milliardenhöhe
bekamen sie ihre Probleme aber nicht in den Griff. Im Herbst 2005 zog
das Saarland zum zweiten Mal vor das Bundesverfassungsgericht. Bremen
folgte im Frühjahr 2006. Über diese beiden Klagen wird das
Verfassungsgericht zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Die
Chancen der beiden Länder dürften nach dem jetzigen Urteil
gesunken sein. (AZ: 2 BvF 3/03 - Urteil vom 19. Oktober 2006)
(Quelle: ddp)
Union und SPD beschließen Untersuchungsausschuss im Fall Kurnaz
Fr.20.10.06 - Die Misshandlungsvorwürfe des Ex-Guantanamo-Häftlings Murat
Kurnaz gegen Bundeswehrsoldaten sollen nun doch in einem
Untersuchungsausschuss aufgeklärt werden. Union und SPD beschlossen
am Donnerstag, zu diesem Zweck die Befugnisse des
Bundestagsverteidigungsausschusses zu erweitern. Wie die Wehrexperten
Bernd Siebert (CDU) und Rainer Arnold (SPD) erklärten, soll der
Ausschuss das Verteidigungsministerium bei der Aufklärung des Falls
unterstützen.
Der Deutsch-Türke Kurnaz hatte nach seiner Freilassung aus
Guantanamo den Vorwurf erhoben, in einem US-Gefangenenlager in
Südafghanistan Anfang 2002 von zwei deutschen Soldaten misshandelt
worden zu sein. Nach Befragung von Bundeswehrsoldaten, die zur
fraglichen Zeit in Kandahar gewesen sein könnten, hatte das
Verteidigungsministerium am Mittwoch einen Zwischenbericht vorgelegt,
nach dem es bislang keine Anhaltspunkte für den Wahrheitsgehalt der
Anschuldigung gibt.
Gleichwohl räumte das Ministerium ein, dass Bundeswehrsoldaten
Kurnaz im Januar 2002 in Kandahar gesehen haben und die Nachricht von
der Gefangennahme eines Deutschen an das Einsatzführungskommando
der Bundeswehr in Potsdam weitergeleitet haben. Im Süden
Afghanistans sind Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) unter
dem Antiterrormandat Enduring Freedom im Einsatz.
Abgeordnete von Koalition und Opposition hatten dem Ministerium am
Mittwoch für die bisherige Aufklärungsarbeit hohe Anerkennung
gezollt. Die Umwandlung des Verteidigungsausschusses in einen
Untersuchungsausschuss hatten sie sich jedoch vorbehalten.
Oppositionspolitiker sprachen sich allerdings dafür aus, den Fall
Kurnaz - insbesondere die Frage, warum die Bundesregierung sich nicht
schneller für eine Freilassung eingesetzt habe - im laufenden
BND-Untersuchungsausschuss zu untersuchen.
Siebert und Arnold erklärten: «Selbstverständlich
konnten in der Kürze der Zeit nicht alle Fragen erschöpfend
und umfassend beantwortet werden.» Deshalb hätten sich Union
und SPD zu dem Schritt entschlossen, das Gremium in einen
Untersuchungsausschuss umzuwandeln, «um gemeinsam mit dem
Bundesministerium der Verteidigung zur Aufklärung
beizutragen». Zuvor hatte der ehemalige Verteidigungsminister und
jetzige SPD-Fraktionschef Peter Struck in der «Sächsischen
Zeitung» gefordert: «Ich will, dass den Vorwürfen von
Herrn Kurnaz gegen das KSK nachgegangen wird.»
Oppositionspolitiker forderten unterdessen grundsätzlich eine
bessere Unterrichtung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung
über den Einsatz des KSK. Es reiche nicht aus, wenn nur die Obleute
des Verteidigungsausschusses unter dem Siegel der Verschwiegenheit
über die KSK-Einsätze unterrichtet würden, sagte der
FDP-Politiker Reiner Stinner der «Frankfurter Allgemeinen
Zeitung». Der Parlamentarische Geschäftsführer der
Linksfraktion, Ulrich Maurer, sprach im der selben Zeitung von einer
«Entmündigung des Parlaments». Maurer sagte:
«Der Fall Kurnaz zeigt einmal mehr: Das Parlament wird
völlig unzureichend über den KSK-Einsatz informiert.»
Obwohl die Bundeswehr eine Parlamentsarmee sei, tappten die
Abgeordneten dabei im Dunkeln.
Auch Arnold kritisierte in der «FAZ», man sei bei der
Kontrolle auf den guten Willen des Ministers angewiesen. «Es gibt
keinen Mechanismus und keinen Anspruch». Auch der
Grünen-Wehrexperte Winfried Nachtwei sagte, man müsse
über zusätzliche Kontrollmöglichkeiten nachdenken.
(Quelle: ap)
BenQ Mobile will 1900 Stellen streichen
Fr.20.10.06 - Der insolvente Handyhersteller BenQ Mobile will rund 1900 der insgesamt
3000 Stellen streichen. Das wurde am Donnerstag aus dem Unternehmen
bekannt. Die ehemalige defizitäre Siemens-Handysparte war im
vergangenen Jahr an den taiwanesischen BenQ-Konzern abgegeben worden und
hatte vor wenigen Wochen Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen hat
Standorte in München sowie Kamp-Lintfort und Bocholt in
Nordrhein-Westfalen.
(Quelle: ddp)
Ministerpräsidenten einigen sich auf Gebühr für
Internet-PC
Fr.20.10.06 - Die Gebühr für internetfähige Computer kommt: Ab 1.
Januar werden für Internet-PCs Rundfunkgebühren in Höhe
von 5,52 Euro monatlich fällig. Darauf haben sich die
Ministerpräsidenten auf ihrer Jahreskonferenz in Bad Pyrmont
geeinigt, wie der niedersächsische Regierungschef Christian Wulff
am Donnerstag mitteilte. Den Betrag müssten aber nur PC-Besitzer
oder Betriebe bezahlen, die bislang überhaupt keine Geräte
angemeldet hätten. «Das ist eine ganz kleine Gruppe»,
betonte der CDU-Politiker.
Außerdem wollten die Ministerpräsidenten laut Wulff
innerhalb eines Jahres generell eine Neuregelung der Gebühren
erreichen. Eine entsprechende Arbeitsgruppe der Länder solle
«innerhalb eines Jahres einen neuen Vorschlag erarbeiten, der
nicht mehr so sehr an die Geräte anknüpft, sondern an andere
Kriterien».
Die ursprünglich vorgesehene Gebühr von 17 Euro für
Internet-PCs wird den Angaben zufolge auf 5,52 gesenkt. Damit
scheiterte das Vorhaben des schleswig-holsteinischen Regierungschefs
Peter Harry Carstensen (CDU), ein Aussetzen der PC-Gebühr zu
erreichen. Bis 1. Januar sind so genannte neuartige
Rundfunkempfangsgeräte, darunter neben Computern auch
internetfähige Mobiltelefone, von der Gebührenpflicht
ausgenommen. Die PC-Gebühr soll nur pro Betrieb und nicht pro
Gerät bezahlt werden. «Wenn ein Unternehmen 1.000 PCs hat
werden nur einmal 5,52 Euro fällig», sagte der Bremer
Bürgermeister Jens Böhrnsen.
Als Ausweg aus dem Streit hatte unter anderem Gastgeber Wulff
vorgeschlagen, die Rundfunkgebühren grundsätzlich neu zu
regeln und statt der Gebühren auf Geräte künftig eine
pro Haushalts oder pro Kopf zu erheben.
Die FDP-Bundestagsfraktion begrüßte zwar die Entscheidung
für eine grundsätzliche Neuregelung der
Rundfunkgebühren, kritisierte aber die Einführung der
Gebühr für internetfähige Computer. Der Beschluss,
Internet-Computer nicht auch weiterhin von der Gebührenpflicht zu
befreien, werde ab 1. Januar 2007 zu einem Gebührenchaos
führen. «Klagen beim Bundesverfassungsgericht gegen diese
verfehlte Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz sind
vorprogrammiert», erklärten die Medienpolitiker Hans-Joachim
Otto und Christoph Waitz.
Kritik kam auch vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV). Die neue
Gebühr treffe insbesondere Selbstständige. «Was zu
befürchten war, ist eingetreten. Durch diese Entscheidung droht
eine zusätzliche finanzielle Belastung der freien
Journalisten», sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken.
Als richtige Weichenstellung bezeichnete der
Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, die Entscheidung, ein
neues Gebührenmodell zu entwickeln. «Die Wirtschaft erwartet
jetzt, dass die Länder ihr Versprechen einlösen, innerhalb
eines Jahres konkrete Vorschläge vorzulegen», erklärte
Wansleben. Bei klarem politischen Willen könnte dann ab 2009 ein
transparentes und für jedermann nachvollziehbares System der
Rundfunkfinanzierung in Kraft treten.
Konsequent wäre es aber gewesen, die Freistellung von PCs und
Handys von der Gebührenpflicht zu verlängern, bis ein neues
System in Kraft trete, betonte der DIHK-Hauptgeschäftsführer.
Nun müssten die Unternehmen vorerst mit einer komplizierten
Kompromisslösung leben.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Forscher entdecken Treibhausgas fressende Tiefsee-Bakterien
Fr.20.10.06 - In der arktischen Tiefsee sind deutsche Forscher auf bislang unbekannte
Arten Treibhausgas fressender Bakterien gestoßen. Die
Mikroorganismen leben von Methan, das ein rund 25 Mal stärkerer
Klimakiller ist als Kohlendioxid.
Ihren Fund stellt die Forschergruppe um Antje Boetius vom Bremer
Max-Planck- Institut für marine Mikrobiologie im britischen
Fachjournal «Nature» (Bd. 442, S. 854) von diesem Donnerstag
vor. Zuvor waren bereits andere Methan fressende Mikroorganismen
bekannt.
Die neu entdeckten «Methanfresser» tragen zur Verringerung
des Treibhauseffekts bei, allerdings in deutlich geringerem Ausmaß
als bisher angenommen. Sie bewohnen den Schlammvulkan Haakon Mosby, der
große Mengen Wasser, Schlamm und Gas aus mehreren Tausend Metern
unterhalb des Meeresbodens ausstößt. Die Mikroorganismen
benutzen zur Umsetzung des Methans Sauerstoff und Sulfat aus dem
Meerwasser. Weil das Methan aber mit vergleichsweise hoher
Geschwindigkeit aus dem Meeresboden austritt, kann im Gegenzug nur
wenig Sauerstoff und Sulfat in den Boden eindringen. Das
beschränkt die Mikroorganismen, die so nur etwa 40 Prozent des
ausströmenden Methans umsetzen können, berichten die Forscher.
Über Methanquellen am Meeresboden ist bis heute wenig bekannt.
Fraglich ist vor allem der Anteil an Methan, der aus dem Ozean in die
Atmosphäre gelangt und damit den Treibhauseffekt beeinflusst. An
manchen Methanquellen im Ozean wird das gesamte austretende Gas von
Mikroorganismen umgewandelt, berichtet Eberhard Sauter vom Alfred-
Wegener-Institut in Bremerhaven. Am Schlammvulkan Haakon Mosby ist das
allerdings nicht der Fall. Die nun vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass
in Abhängigkeit der Ausströmgeschwindigkeit erhebliche Mengen
Methan aus untermeerischen Quellen in die Atmosphäre gelangen
können.
(Quelle: dpa)