Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertfünfundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
London und Washington erörtern angeblich acht Irak-Optionen. Bei
neuem Anschlag im Irak mindestens 30 Menschen getötet. Sunnitische
und schiitische Geistliche unterzeichnen Friedensappell. Mehrheit der
US-Bürger mit Bushs Irak-Politik unzufrieden
So.22.10.06 - Angesichts der Eskalation der Gewalt im Irak erörtern die USA und
Großbritannien angeblich mehrere Möglichkeiten für
einen Ausweg. Wie die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtet,
ist ein stufenweiser Abzug der ausländischen Truppen am
wahrscheinlichsten. US-Präsident George W. Bush erörterte
derweil mit führenden US-Militärs die Lage im Irak. Einen
vorzeitigen Abzug der US-Truppen aus dem Irak schloss Bush in seiner
Radioansprache aber erneut aus.
USA und Großbritannien sprächen über acht
Möglichkeiten, berichtete "The Guardian". Der Irak könne in
Bundesstaaten aufgeteilt oder es könnten kurzzeitig weitere
Truppen im Zweistromland zu stationiert werden, um die Gewalt
einzudämmen. Unwahrscheinlich sei das ebenfalls diskutierte
Szenario, die ausländischen Soldaten sofort aus dem Irak
abzuziehen. "Wir könnten uns jetzt zurückziehen und sie (die
Iraker) ihrem Schicksal überlassen, aber dann würde das Land
implodieren", sagte ein britischer Diplomat dem Blatt.
"Immer noch die wahrscheinlichste Möglichkeit" sei der stufenweise
Abzug, berichtete der "Guardian". Dafür müssten aber
zunächst die irakischen Sicherheitskräfte ordentlich
ausgebildet sein. Erörtert werde auch, die Nachbarländer Iran
und Syrien einzubeziehen, um zu einer Lösung zu gelangen.
Bush beriet mit Generälen der US-Armee mögliche
Änderungen der Militärstrategie im Irak. Einzelheiten wurden
zunächst nicht bekannt. Nach Angaben des Weißen Hauses war
das Treffen seit Wochen geplant und geht nicht auf die zuletzt
ausufernde Gewalt im Irak zurück.
Die vergangenen Wochen seien für die US-Truppe im Irak und
für die Iraker selbst "hart" gewesen, sagte Bush in seiner
wöchentlichen Radioansprache. Die Gewalt habe so zugenommen, weil
die US-Armee ihre Einsätze verstärkt habe und weil die
Aufständischen "eine kluge Propaganda-Strategie" hätten.
Allerdings versicherte Bush, "wir werden unsere Soldaten nicht vom
Schlachtfeld abziehen, ehe der Einsatz vollendet ist."
Unterdessen wurden bei einem Anschlag auf einen Markt mindestens 30
Menschen getötet und 60 weitere verletzt. Mehrere
Mörsergranaten seien auf dem belebten Platz in der Stadt
Mahmudijah eingeschlagen, verlautete aus irakischen Sicherheitskreisen.
Bei den Opfern handele es sich um Zivilisten. Mahmudijah liegt im so
gennannten Todesdreieck etwa 30 Kilometer südlich der irakischen
Hauptstadt Bagdad. Dort waren zuvor sieben Menschen bei zwei
Selbstmordanschlägen ums Leben gekommen.
Im Irak sind am Samstag erneut drei US-Soldaten getötet worden,
wie die Streitkräfte mitteilten. Damit kamen allein seit Anfang
Oktober 78 Amerikaner ums Leben. Das sind in diesem Jahr die
höchsten amerikanischen Verluste in einem Monat. Die bislang
höchste Zahl gab es im April mit 76 Toten US-Soldaten. Bei den am
Samstag Getöteten handelt es sich den Angaben zufolge mit
Marineinfanteristen. Sie seien bei Kämpfen in der Provinz Anbar
ums Leben gekommen.
Sunnitische und schiitische Geistliche aus dem Irak haben bei einem
Treffen in Mekka einen Friedensappell unterzeichnet. Das
"Vergießen muslimischen Blutes" sei verboten, heißt es in
dem Papier, wie der Fernsehsender El Arabija am Freitagabend berichtete.
"Mit Blick auf die Unabhängigkeit des Iraks und seine territoriale
Integrität" müssten Sunniten und Schiiten zusammenarbeiten.
Gefordert wird unter anderem die Freilassung aller "unschuldig
Festgehaltenen" und der Respekt vor den jeweiligen Heiligtümern.
In dem "Dokument von Mekka", das insgesamt zehn Punkte enthält,
werden Koran-Verse und Aussprüche des Propheten Mohammed zitiert.
Eine Mehrheit der US-Bürger hält den 2003 erfolgten Einmarsch
im Irak für einen Fehler. In einer am Samstag vom Magazin
"Newsweek" veröffentlichten Umfrage gaben dies 54 Prozent der
Befragten an, nur 39 Prozent bewerten die Entscheidung von
US-Präsident George W. Bush als richtig. Fast zwei Drittel der
US-Bürger (65 Prozent) glauben, dass die Vereinigten Staaten ihren
Kampf für Sicherheit und Demokratie im Irak verlieren.
(Quellen: dpa, ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 22.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhunderteinundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.22.10.05 - Beteiligung am Verfassungsreferendum im Irak bei 63 Prozent +++
EU-Kommission gibt 30 Millionen Euro für Wahl im Irak frei +++ Anwalt
aus Saddam-Prozess ermordet aufgefunden +++ Polizei entdeckt Leichen von
sechs Zivilisten +++ Vier US-Soldaten im Westirak getötet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510220.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Hamas-Regierung macht Israel wegen entführten Soldaten
Vorwürfe. BND-Agent vermittelt angeblich zwischen Israel und
Hisbollah. Palästinenserpräsident Abbas will
Massenrekrutierung der Hamas verhindern
So.22.10.06 - Die radikale Palästinenserorganisation Hamas gibt Israel die
Schuld daran, dass es noch nicht zu einem Austausch des entführten
israelischen Soldaten Gilad Schalit gegen palästinensische
Gefangene gekommen ist. "Es ist der israelische Premierminister (Ehud)
Olmert, der ein Abkommen verhindert", sagte der Außenminister der
Hamas-Regierung, Mahmud Sahar, dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in
seiner jüngsten Ausgabe. "Ich appelliere an die Familie des
entführten Soldaten, ihre Regierung dazu zu bringen, alles für
die Freilassung ihres Sohnes zu tun", sagte er.
UN-Generalsekretär Kofi Annan setzt angeblich einen Agenten des
Bundesnachrichtendienstes (BND) als Vermittler im Nahost-Konflikt ein.
Der Nachrichtendienstler aus Berlin sondiere seit September zwischen
Israel und der Schiitenmiliz Hisbollah in geheimer Mission die
Bedingungen für einen möglichen Austausch zweier verschleppter
israelischer Soldaten, berichtet der "Spiegel". Hisbollah-Kämpfer
hatten die Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev im Juli
entführt.
Der BND-Agent, der schon bei früheren Gefangenenaustauschen
zwischen der Miliz und Israel vermittel habe, gelte als exzellenter
Kenner der Hisbollah und sei mit deren Chef Hassan Nasrallah
persönlich bekannt, hieß es in dem Bericht. Er habe
außerdem einer deutschen Gesandtschaft angehört, die 2002 in
Syriens Hauptstadt Damaskus den deutsch-syrischen Islamisten Mohammed
Haydar Zammar befragt hatte. Annan habe den BND-Mann Anfang September in
der spanischen Hauptstadt Madrid getroffen und ihn anschließend
beauftragt.
Trotz mehrerer Verhandlungsrunden lägen die Vorstellungen der
beiden Seiten bislang allerdings noch weit auseinander, berichtete das
Magazin. Die Hisbollah fordere die Freilassung mehrerer hundert
inhaftierter Araber, darunter auch die des seit 27 Jahren in Haft
sitzenden Libanesen Samir Kuntar. Dazu ist die israelische Regierung
bislang nicht bereit. Bei den Vereinten Nationen gelte der Ausgang der
Vermittlungsmission deshalb als offen.
Um eine angekündigte Aufstockung der Hamas-Miliz im Westjordanland
zu verhindern, will der palästinensische Präsident Mahmud
Abbas fast alle Sicherheitskräfte einem ehemaligen Kommandeur
unterstellen. Bis auf die drei Abteilungen, die vom Innenministerium
geleitet werden, sollten die Sicherheitskräfte von Ismail Dschaber
kontrolliert werden, hieß es am Samstag in Ramallah. Die Hamas
will nach Angaben eines Sprechers im Westjordanland rund 1.500 neue
Mitglieder anwerben.
Im Gazastreifen verfügt die radikalislamische Organisation bereits
über fast 6.000 Mann. Aus Hamas-Kreisen verlautete zudem, der Iran
wolle die Ausbildung der Kämpfer unterstützen.
Dschaber war im April vergangenen Jahres zusammen mit weiteren
ranghohen Mitarbeitern in Rente geschickt worden. Abbas ging damals
gegen Korruption in den Reihen der Sicherheitskräfte vor.
Im Gazastreifen forderten am Samstag dutzende palästinensische
Sicherheitskräfte bei einer Demonstration die Auszahlung ihrer
ausstehenden Gehälter. Die Männer setzten Autoreifen in Brand
und blockierten die Zufahrtswege zu Abbas' Amtssitz in Gaza.
Auslöser der Unruhen waren Berichte, wonach nur Beamte der
untersten Gehaltsgruppen zu Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan
ein volles Monatsgehalt bekommen sollen.
Die rund 165.000 Beamten der palästinensischen
Autonomiebehörde werden seit dem Regierungsantritt der Hamas im
März nur noch unregelmäßig bezahlt. Grund ist die
Einstellung der internationalen Finanzhilfen an die Regierung, die das
Existenzrecht Israels nicht anerkennen will. Die jüngsten Proteste
erhöhten die ohnehin angespannte Lage im Gazastreifen. Am Freitag
schossen bewaffnete Anhänger der Fatah von Abbas auf eine
Fahrzeugkolonne des Hamas-Ministerpräsidenten Ismail Hanija. Ein
Auto ging in Flammen auf, verletzt wurde niemand.
Bei einem Einsatz israelischer Soldaten im Süden des Gazastreifens
wurde ein 50-jähriger Palästinenser erschossen. Bei dem Mann
habe es sich um eine Zivilperson gehandelt, hieß es aus
palästinensischen Sicherheitskreisen. Die Streitkräfte
bestätigten den Zwischenfall nahe des Grenzübergangs Sufa.
Sie erklärten jedoch, der Getötete sei bewaffnet gewesen. Am
Freitag wurden vom südlichen Gazastreifen aus fünf Raketen
nach Israel abgefeuert. Dabei wurden zwei Israelis leicht verletzt.
(Quellen: ap, afp)
Iran fordert Westen im Atomstreit zur Rückkehr zu Verhandlungen auf
So.22.10.06 - Der Iran will mit Vertretern des Westens Gespräche darüber
führen, warum das Land an der Anreicherung von Uran festhält.
Teheran sehe keine Logik darin, die Anreicherung auszusetzen, sagte
Außenminister Manutschehr Mottaki am Samstag. Es handele sich um
eine legale Tätigkeit, die sich aus der Mitgliedschaft im
Atomwaffensperrvertrag ergebe, erklärte Mottaki vor Reportern.
«Aber wir sind bereit, Gespräche über die Gründe
für die Anreicherung zu führen.»
Die französische Verteidigungsministerin Michèle
Alliot-Marie hatte am Freitag erklärt, Frankreich könne auf
die Forderung nach UN-Sanktionen verzichten, sollte die Regierung in
Teheran doch noch einlenken. Verhandlungen mit dem Iran seien allerdings
äußerst schwierig, räumte Alliot-Marie ein. Mottaki
sagte am Samstag, Dialog sei der beste Weg zu einer Einigung.
«Wir empfehlen, dass der Westen zu Gesprächen
zurückkehrt.» Die Zeit für Drohungen sei vorüber.
(Quelle: ap)
UNO will Diamanten-Embargo gegen Liberia weiter aufrechterhalten
So.22.10.06 - Der UN-Sicherheitsrat will das Diamanten-Embargo gegen Liberia vorerst
aufrechterhalten. Das afrikanische Land müsse die Herkunft der
Diamanten mit entsprechenden Zertifikaten belegen, forderte der
UN-Sicherheitsrat am Freitag (Ortszeit) in New York. Dazu seien weitere
Überprüfungsmechanismen notwendig. Die UNO hatte das Embargo
gegen Liberia im Jahr 2000 verhängt, um einen Handel mit so
genannten Blutdiamanten zu verhindern, mit denen häufig Kriege in
Afrika finanziert werden. Die Maßnahme gilt zunächst bis 20.
Dezember weiter. Dann soll erneut über eine Verlängerung
beraten werden.
(Quelle: afp)
Regierungstruppen erobern Stadt im Süden Somalias zurück
So.22.10.06 - Soldaten der somalischen Übergangsregierung haben mit
Unterstützung äthiopischer Truppen die Kontrolle über die
Stadt Bur Haqaba zurückerobert. In einem 20-minütigen Gefecht
mit islamischen Milizen hätten die Soldaten die Stadt eingenommen,
erklärten Anwohner. Sprecher der islamischen Milizen
bestätigten die Angaben und kündigten Widerstand an. Bur
Haqaba liegt im Süden Somalias zwischen der Hauptstadt Mogadischu
und dem Sitz der Regierung in Baidoa.
Die Stadt wurde am 19. Juli von islamischen Milizen eingenommen. Am 9.
Oktober wurden die Milizen von Regierungstruppen und äthiopischen
Soldaten vertrieben. Die Regierungstruppen zogen sich später
ebenfalls wieder zurück.
Das Land am Horn von Afrika versank nach dem Sturz des
langjährigen Machthabers Mohammed Siad Barre 1991 in Anarchie. Die
mit Hilfe der Vereinten Nationen installierte Übergangsregierung
kontrolliert lediglich noch die Stadt Baidoa und wird von dem
Bündnis islamischer Milizen zunehmend unter Druck gesetzt. Dieses
hat in den vergangenen Monaten die Kontrolle über weite Teile
Südsomalias übernommen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Neue Diskussion über Länderfusionen
So.22.10.06 - Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts gegen finanzielle Nothilfen
für Berlin hat auch die Diskussion über eine Neugliederung der
Bundesländer neu belebt. Der hessische Ministerpräsident
Roland Koch (CDU) sprach sich im "Focus" dafür aus, die Fusion von
Bundesländern generell zu erleichtern. "Dazu gehört die Frage,
ob es 'Heiratsprämien' für Länder gibt, die sich
zusammenschließen", sagte Koch. Denn bisher stünden sie
hinterher finanziell oft schlechter da als vorher.
Auch Baden-Württembergs Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU)
kann sich eine finanzielle Unterstützung für den
Zusammenschluss von Ländern vorstellen: "Einmalig könnte es
eine Finanzspritze für die Fusion von Ländern geben. Auch wenn
das nur bedingt vergleichbar ist, aber wir haben in
Baden-Württemberg so auch das Zusammengehen von Kommunen
befördert", sagte Stratthaus. Er hoffe, dass bei weniger als 16
Ländern auch das Taktieren im Bundesrat nachlasse.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen
Rüttgers (CDU) sagte dem "Focus" dagegen, die ohne Zweifel
möglichen Kosteneinsparungen ließen sich an vielen Stellen
auch ohne Fusionen erzielen, etwa durch verstärkte
länderübergreifende Kooperationen. "Da müssen wir
Fortschritte machen, dann steht das Fusionsthema auch weniger im
Vordergrund", sagte Rüttgers. Er wünsche sich, "dass es auch
künftig große und kleine Länder gibt."
(Quelle: afp)
Bund plant trotz Länder-Kritik Gesetz gegen
übermäßige Schulden
So.22.10.06 - Das Bundesfinanzministerium plant trotz Kritik aus den Ländern ein
Bundesgesetz mit Vorkehrungen gegen übermäßige
Staatsschulden. Dies sagte die Parlamentarische Staatssekretärin
des Bundesfinanzministeriums, Barbara Hendricks (SPD), der
«Rheinischen Post» vom Samstag. «Natürlich geht
es nur per Bundesgesetz, wie denn sonst?», fragte sie.
Schließlich beruhe der ganze Finanzausgleich auf Bundesgesetzen.
Die Ministerpräsidenten dagegen hatten bei ihrer Konferenz in Bad
Pyrmont eine bundesgesetzliche Regelung der Länderfinanzen als
«schlicht verfassungswidrig» abgelehnt. Hendricks
entgegnete, das Verfassungsgericht habe die Schuldenvorkehrung
ausdrücklich beim Bundesgesetzgeber angemahnt. «Und das
Gericht wird ja wohl wissen, was verfassungsrechtlich zwischen Bund und
Ländern möglich ist.»
Sie verwies zugleich darauf, ein entsprechendes Gesetz könne
ohnehin nur mit Zustimmung der Länder im Bundesrat in Kraft treten.
Die Staatssekretärin kündigte an, ihr Ministerium wolle in
der Debatte über die Föderalismusreform II Vorschläge
präsentieren, wie übermäßige Verschuldung
verhindert werden könne. Dabei könne man sich Bonus- und
Malus-Regelungen vorstellen. «Das müssen wir
gemeinschaftlich erörtern. Die Finanzautonomie der Länder und
des Bundes muss natürlich gewahrt bleiben», betonte Hendricks.
Am Donnerstag war das Land Berlin mit einer Klage auf milliardenschwere
Finanzhilfen vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert. Die Richter
urteilten, eine extreme Haushaltsnotlage der mit 60 Milliarden Euro
verschuldeten Hauptstadt liege nicht vor, und Berlin könne die
Krise mit großer Wahrscheinlichkeit aus eigener Kraft
überwinden.
Laut einem «Spiegel»-Vorabbericht arbeiten Experten der
Bundesregierung an einem Frühwarnsystem für die Finanzen von
Bund und Ländern, um Schieflagen wie in Berlin von vornherein zu
verhindern. Nach dem Vorbild des Maastricht-Vertrages sollen demnach
jedem einzelnen Land und dem Bund eine Schuldenobergrenze zugeteilt
werden. Auf mittlere Sicht sollen Bund und Länder auf ausgeglichene
Haushalte verpflichtet werden, hieß es.
Den Überlegungen zufolge soll der Finanzplanungsrat, bislang ein
unverbindliches Abstimmungsgremium von Bund und Ländern, zu einer
mächtigen Kontrollinstanz aufgewertet werden. Er könnte
Haushaltssündern strenge Sparauflagen verordnen und gegen
Wiederholungstäter auch Geldstrafen verhängen, wie das Magazin
berichtete.
(Quelle: ap)
Rund 200 000 Menschen demonstrieren gegen Sozialpolitik der Regierung
So.22.10.06 - Mit Großkundgebungen in fünf Städten hat der Deutsche
Gewerkschaftsbund (DGB) am Samstag die Bundesregierung zu einem
Kurswechsel aufgerufen. DGB-Chef Michael Sommer geißelte bei der
Hauptveranstaltung in Stuttgart die Reformpolitik der großen
Koalition und kündigte eine andauernde Protestwelle an.
IG-Metall-Chef Jürgen Peters sagte in Dortmund, die Regierung habe
die Verschärfung der sozialen Lage bewirkt. Ver.di-Chef Frank
Bsirske forderte in Berlin einen gesetzlichen Mindestlohn von 7,50 Euro.
An den Massendemonstrationen nahmen nach DGB-Angaben insgesamt mehr als
200.000 Menschen teil. Die meisten Teilnehmer wurden demnach mit 80.000
in Berlin gezählt, in Stuttgart versammelten sich nach
Polizeiangaben 22.000 Demonstranten, nach Mitteilung des DGB sogar
45.000.
Sommer sagte, er könne der großen Koalition nur raten, den
Warnruf aus der Mitte der Gesellschaft nicht zu ignorieren. Niemand
könne erwarten, dass man tatenlos zusehe, wie die Interessen der
kleinen Leute missachtet würden. Die Kundgebungen seien der
Auftakt zu weiteren politischen Aktionen der Gewerkschaften und nicht
ihr Ende.
Der DGB-Chef kritisierte die Gesundheitsreform als Angriff auf das
letzte solidarisch finanzierte Sozialsystem und die Rente mit 67 als
zynisches Rentenkürzungsprogramm. Er bekräftigte seine
Forderung nach einer Ausbildungsplatzabgabe und Mindestlöhnen und
warnte vor Steuersenkungen für Unternehmen. Die Debatte über
die so genannte Unterschicht nannte Sommer scheinheilig angesichts der
Forderung der Union nach Einschnitten beim Arbeitslosengeld II.
Peters sagte vor mehr als 30.000 Zuhörern in Dortmund:
«Jetzt reden einige in der Politik über 'Unterschichten',
als hätten nicht auch sie dazu beigetragen, dass sich viele
Menschen in dieser Lage befinden.» Offenbar wüssten einige
Politiker nicht, wie die Wirklichkeit aussehe: «Sie predigen
Wasser und saufen selbst den Wein», schimpfte der IG-Metall-Chef.
Bsirske erklärte am Brandenburger Tor in Berlin: «Der freie
Fall der Löhne im unteren Bereich muss gestoppt werden.» Der
ver.di-Chef prangerte an, dass in Deutschland teilweise
Brutto-Stundenlöhne von weniger als vier Euro bezahlt würden.
«Arbeit darf aber nicht arm machen und darf nicht
entwürdigen», forderte er. Deutschland sei das einzige
Industrieland, in dem die Reallöhne innerhalb der vergangenen zehn
Jahre gefallen seien.
Weitere Demonstrationen unter dem Motto «Das geht besser. Aber
nicht von allein!» gab es in München und Frankfurt am Main.
In der bayerischen Landeshauptstadt zählte die Polizei 20.000
Teilnehmer, am Main rund 15.000. Alle Kundgebungen verliefen bis zum
Nachmittag weitgehend friedlich.
Zahlreiche Teilnehmer machten ihren Unmut mit Pfiffen deutlich. Auf
Transparenten waren zu lesen: «Angie und Co. machen die Konzerne
froh - und die Banken ebenso», «Bildungsblockaden
einreißen» oder «Gammeln gegen
Studiengebühren». Zur Debatte über eine neue Armut in
Deutschland hieß es: «Hoch die Unterschicht!»,
«Her mit dem schönen Leben für alle» und
«Euer privater Reichtum beglückt uns mit öffentlicher
Armut».
(Quelle: ap)
'Armut ist kein Schichtenproblem - Armut verdichtet sich'
In jedem siebten Kinderzimmer herrscht Armut. Kindern, die arm sind,
bleiben zukunftssichernde Bildungswege verschlossen. Dreieinhalb Mal so
viele arme Kinder wie nicht-arme Kinder wiederholten bereits in der
Grundschule eine Klasse. Kinder mit Migrationshintergrund sind davon
weitaus häufiger betroffen als solche ohne Migrationshintergrund.
Kinder in Ein-Eltern-Familien ereilt dieses gleiche Schicksal etwa
doppelt so oft wie Kinder in Zwei-Eltern-Familien.
Die Wahrscheinlichkeit eines irregulären Schulverlaufs der Kinder
steigt außerdem mit der Armutshäufigkeit und Armutsdauer.
Mehr als jedes dritte Kind (37,5 Prozent), das 1999 und 2003 arm war,
«blieb sitzen». Demgegenüber nur 8,5 Prozent der seit
1999 permanent nicht-armen Kinder. Überdies sind die
Durchschnittsnoten von armen Kindern, mit Ausnahme von Sport,
signifikant schlechter als bei Kindern aus nicht armen Haushalten
Die Wege der betroffenen Schüler nach der Grundschulzeit sind
demnach vorgezeichnet. Ihre Aussichten auf eine Lehrstelle oder einen
höheren Schulabschluss gering.
Bildung muss von Anfang an und für alle gewährleistet werden.
Die AWO spricht sich unter anderem dafür aus, den Besuch von
Kindertagesstätten beitragsfrei zu gestalten. Kleinkarierter
Bildungsföderalismus ist da eine Zukunftsbremse.
Ausreichend Ausbildungsplätze müssen zur Verfügung
stehen. Hier sind auch und vor allem Unternehmen in die Pflicht zu
nehmen. Seit 1996 ist das Angebot an Ausbildungsplätzen geringer
als die Nachfrage. Es ist eine Art Sockelarbeitslosigkeit unter
Jugendlichen entstanden, die es zu beheben gilt.
Zweifellos ist Bildung eine notwendige Investition in die Zukunft.
Ebenso dringlich benötigen wir in Deutschland aber auch ausreichend
Arbeitsplätze, die den Menschen eine materielle Absicherung
gewährleisten, ohne auf zusätzliche staatliche
Unterstützungen oder Zweitjobs angewiesen zu sein. Denn:
Letztendlich sind ´entlohnte´ Arbeitsplätze, die
ausreichendes Einkommen und soziale Teilhabe garantieren besser als
aufstockende Transferleistungen.
Wilhelm Schmidt, Vorsitzender des Bundesverbandes Arbeiterwohlfahrt
(AWO))
Quelle: ddp, 21.10.2006
|
Scharfe Kritik an Gewerkschaftsprotesten von CDU und CSU
So.22.10.06 - Die von den Gewerkschaften initiierten Massenproteste sind bei der
Union auf deutliche Ablehnung gestoßen. CDU-Generalsekretär
Ronald Pofalla sagte am Samstagabend in der ARD-Tagesschau, die Kritik
des Deutsche Gewerkschaftsbundes sei zu kurz gegriffen. «Der DGB
hat keinen einzigen Vorschlag gemacht, um die Reformvorhaben der
vergangenen zwölf Monate gerechter zu gestalten.» Er erwarte
von den Gewerkschaften konstruktive Vorschläge, betonte Pofalla.
Am Samstag waren mehr als 200.000 Menschen in fünf Städten
einem Aufruf des DGB gefolgt und hatten gegen die Sozialpolitik der
Bundesregierung demonstriert.
CSU-Generalsekretär Markus Söder bezeichnete die
Gewerkschaften als «das eigentliche Standorthindernis für
Deutschland». Eigentlich müssten sie über die deutliche
Senkung der Arbeitslosigkeit jubeln, fügte Söder im ZDF-heute
journal hinzu. Dagegen höre man nur «Gemaule und
Blockade» von ihnen. Er glaube, dass die Gewerkschaften von der
Spitze her strukturkonservativ seien. Mit ihnen sei «kein Staat
zu machen» und sie hätten sich als «ernsthafter
Gesprächspartner verabschiedet», kritisierte er. Söder
äußerte sich am Rande des Deutschlandtags der Jungen Union
in Wiesbaden.
Dagegen verteidigten die Oppositionsparteien FDP und Grüne die
Proteste. Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer sagte in
der ARD: «Ich glaube, es haben heute deswegen so viele Menschen
protestiert, weil sie den Eindruck haben, diese Regierung hört
ihnen nicht mehr zu, aber sie kann auch nicht erklären was sie
macht.»
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte, wichtig an der Kritik an
Schwarz-Rot sei, dass die Regierung sich konsequent weigere, die
Probleme des Landes zu lösen. FDP-Chef Guido Westerwelle
bezeichnete den Protest der Gewerkschaften als richtig, hält den
vorgeschlagenen Weg zu politischen Korrekturen aber für falsch.
«Die Bürger brauchen mehr Geld», sagte Westerwelle der
«Frankfurter Rundschau». Sie sollten es aber nicht durch
staatliche Umverteilung, sondern durch niedrigere Steuern erhalten.
(Quelle: ap)
Schäuble will Grundgesetzänderung für Bundeswehreinsatz
im Inneren
So.22.10.06 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) verfolgt einem
Zeitungsbericht zufolge bislang nicht bekannte Pläne zum Einsatz
der Bundeswehr im Inneren. In einem Thesenpapier fordere er eine
entsprechende Änderung des Grundgesetzes, meldete die Mainzer
«Allgemeine Zeitung» am Samstag. Danach könnte die
Bundeswehr in einer «Extremsituation» auch dann
militärisch handeln, «wenn Tatunbeteiligte mitbetroffen
wären».
Ein Sprecher des Innenministeriums sagte der Nachrichtenagentur AP:
«Es gibt Gespräche innerhalb der Regierung, wie eine
Grundgesetzänderung in Bezug auf ein Luftsicherheits- und ein
Seesicherheitsgesetz aussehen könnte.» An den
Gesprächen seien Innen-, Justiz-, Verkehrs- und
Verteidigungsministerium sowie das Kanzleramt beteiligt. Zum Zeitplan
könne er momentan keine Aussagen machen.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung hatte bereits vor anderthalb
Wochen angekündigt, in eng umrissenen Grenzen solle ein Einsatz
der Bundeswehr im Inneren erlaubt werden.
Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar das 2005 erlassene
Luftsicherheitsgesetz gekippt, das den Abschuss einer entführten
Maschine erlauben wollte. Mit einer Grundgesetzänderung ist das
Innenministerium laut Zeitungsbericht nun offenbar bestrebt, eine
solche militärische Option doch noch zu eröffnen.
Darüber hinaus sähen die Schäuble-Pläne auch eine
Art Generalklausel für den Bundeswehreinsatz im Inneren vor, wenn
«ein besonders schwerer Unglücksfall» vorliegt und
«polizeiliche Mittel nicht ausreichen».
Der «Spiegel» berichtete, der Koalitionskonflikt um
Bundeswehreinsätze im Innern spitze sich zu. Die SPD sei fest
entschlossen, an der Trennung zwischen äußerer und innerer
Sicherheit festzuhalten und die Aufgaben der Bundeswehr nicht auf das
Inland zu erweitern. Bundesinnenminister Schäuble und
Verteidigungsminister Jung (beide CDU) wollten aber darauf beharren,
die Bundeswehr auch für Sicherungsaufgaben innerhalb Deutschlands
einzusetzen.
Für neuen Zündstoff würden Vorschläge aus dem
Innenressort für eine Änderung des Grundgesetzes sorgen.
Unter anderem werde darin eine Neufassung von Artikel 87a
vorgeschlagen, nach welcher der Bundestag künftig mit einem
Beschluss der Mehrheit seiner Mitglieder und mit Zustimmung des
Bundesrates die Bundeswehr auch im Inland zum Schutz ziviler Objekte
einsetzen könnte.
(Quelle: ap)
Koalition will Ausländerrecht verschärfen
So.22.10.06 - Als Konsequenz aus den versuchten Kofferbombenanschlägen im August
will die große Koalition das Zuwanderungsrecht verschärfen.
Besonders ausländische Studenten sollen vor der Einreise nach
Deutschland besser kontrolliert werden können. Der
stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag Wolfgang
Bosbach sagte am Samstagabend in der ARD-Tagesschau, man wolle
rechtliche Möglichkeiten für Sicherheitsabfragen auch bei
einladenden oder bürgenden Personen schaffen.
Bei den Kofferbombenattentaten habe sich herausgestellt, dass die
Einreise der mutmaßlichen Täter wohl nicht hätte
erlaubt werden müssen, wenn es diese Möglichkeiten gegeben
hätte, fügte der CDU-Politiker hinzu. Der SPD-Innenexperte
Dieter Wiefelspütz sagte in derselben Sendung, man wolle auch
schärfere Bestimmungen bei der Einreise von
Familienangehörigen erreichen: «Wenn wir Veranlassung haben,
dass es Sicherheitsprobleme gibt, wird eben auch an dieser Stelle
nachgeschaut», sagte er.
Zuvor hatte das Bundesinnenministerium entsprechende Medienberichte
bestätigt. Einem Sprecher zufolge wird geprüft, wie die
Visums- und Einreisekontrollen bei Studenten verlaufen. Die
Gespräche auf Koalitions- und Bund-Länder-Ebene seien sehr
konstruktiv und weit vorangeschritten.
Im Kofferbombenfall hatten zwei polizeibekannte Männer, die aber
nicht überprüft worden waren, für die Einreise
gebürgt. In den kommenden Wochen werde dem Kabinett ein
Gesetzentwurf vorgelegt, der zudem eine EU-Richtlinie im Asyl-und
Aufenthaltsrecht umsetze sowie eine Evaluierung des Anfang 2005 in
Kraft getretenen Zuwanderungsgesetzes einbeziehe, sagte der
Ministeriumssprecher. Die EU-Richtlinie müsse bald umgesetzt
werden. Ansonsten drohten aus Brüssel Verzugsstrafen.
Der «Spiegel» berichtete, über Eckpunkte hätten
sich SPD und Union vergangene Woche verständigt. Die
Aufenthaltserlaubnis solle «auf mindestens ein Jahr»
halbiert werden; Ausländer müssten sich so häufiger bei
den Behörden melden. Außerdem wolle das Innenressort die
Ausländerbehörden der Länder drängen,
verstärkt auf Ungereimtheiten in Lebensläufen Studierender zu
achten, die bereits in Deutschland sind.
Die «Welt» berichtete, nach den Plänen des
Innenministeriums solle die Aufenthaltserlaubnis für
Ausländer, die in Deutschland studieren, auf mindestens ein und
maximal zwei Jahre begrenzt werden. Bislang sei eine zweijährige
Regelerlaubnis vorgesehen gewesen.
(Quelle: ap)
Sex mit Zwangsprostituierten soll strafbar werden
So.22.10.06 - Sexuelle Kontakte mit Zwangprostituierten könnte noch in diesem
Jahr strafbar werden. «Ich erwarte einen Beschluss von Bundestag
und Bundesrat noch im Dezember», sagte der CDU-Politiker
Siegfried Kauder der «Welt am Sonntag». Einen
entsprechenden Gesetzentwurf habe die Unionsfraktion bereits vorgelegt,
auch das Bundesjustizministerium arbeite an einem Entwurf, berichtete
die Zeitung. Bei wissentlichem Sex mit Zwangsprostituierten soll
demnach künftig eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren
drohen.
Wer als Freier leichtfertig nicht erkenne, dass eine Prostituierte
Opfer von Menschenhandel sei, müsse dem Entwurf zufolge mit zwei
Jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe rechnen, berichtete das
Blatt. Bislang ist Geschlechtsverkehr mit Zwangprostituierten in
Deutschland straffrei.
Zeitgleich arbeiteten Referenten des Bundesinnenministeriums an einer
Änderung des Aufenthaltsrechts für Zwangsprostituierte,
berichtete die Zeitung. Wenn illegal in Deutschland lebende
Zwangprostituierte in einem Gerichtsverfahren gegen
Menschenhändler aussagen, sollen sie demnach ein Bleiberecht
erhalten. «Ich halte das für ein faires Angebot an die Opfer
von Zwangsprostitution und Menschenhandel», sagte Kauder.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Forscher basteln Tarnkappe aus Mikrowellen
So.22.10.06 - Amerikanische Forscher sind der Entwicklung einer
Unsichtbarkeits-Tarnkappe wieder ein Stück näher gekommen. So
wurde dem Fachmagazin Science zufolge an der Duke University im
US-Bundesstaat North Caroline erstmals ein entsprechender
Geräte-Prototyp fertig gestellt, der in der Lage ist, ein Objekt
verschwinden zu lassen. Die praktische Umsetzung geht auf ein
theoretisches Modell zurück, das erst im August dieses Jahres der
Öffentlichkeit präsentiert wurde
"Die Übersetzung des Modells in die Praxis hatte ich mir
eigentlich bedeutend schwerer vorgestellt", zeigt sich einer der
Väter der Theorie, Professor Ulf Leonhardt von der St. Andrews
University in Schottland, im pressetext-Interview überrascht. Das
Tarnkappengerät macht sich die besonderen Eigenschaften von
flexiblen Metamaterialien zunutze, die in der Lage sind,
elektromagnetische Strahlen um das zu tarnende Objekt herumzuleiten.
Eine gewichtige Einschränkung besteht derzeit allerdings darin,
dass der vorgestellte Prototyp nur im Mikrowellenbereich funktioniert
und auch dort nur eine bestimmte Frequenz abdeckt.
"Von einer echten Unsichtbarkeits-Tarnkappe, die den optischen Bereich
abdeckt, sind wir vorläufig immer noch weit entfernt. Dazu
müsste das Prinzip auf das breite Frequenzspektrum des sichtbaren
Lichtes übertragen werden", meint Leonhardt. Gegenüber
pressetext (pte) zeigte er sich dennoch von der Protoyp-Entwicklung
begeistert. Die Arbeit mit neuartigen Metamaterialien, die mithilfe
winziger Nanostrukturen mit elektromagnetischer Strahlung in
Wechselwirkung treten können, bezeichnete er als äußerst
spannendes Forschungsfeld der Zukunft. So hält der Wissenschafter
die Entwicklung einer "echten" Tarnkappe für den sichtbaren
spektralen Bereich weiterhin für möglich. Dazu müssten
die nun verwendeten Materialstrukturen mittels Nanotechnologie aber
noch viel kleiner gemacht werden, so Leonhardt abschließend.
(Quelle: pte)