Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsechsundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Diplomat spricht von Arroganz und Dummheit Amerikas im Irak. Bush
plant taktische Änderungen in seiner Irak-Politik. 15
Polizei-Anwärter bei Überfall im Irak erschossen. Falsche
Soldaten im Irak machen Jagd auf Informanten
Mo.23.10.06 - Ein ranghoher US-Diplomat hat den USA laut Al Dschasira Arroganz und
Dummheit im Umgang mit dem Irak vorgeworfen. Die US-Behörden
hätten zwar ihr Bestes versucht, doch gebe es erheblichen Anlass
zur Kritik, zitierte der arabische Sender am Samstagabend den
diplomatischen Leiter der Nahost-Abteilung im US-Außenministerium,
Alberto Fernandez. Dieser bekundete Bereitschaft zu Gesprächen mit
allen irakischen Gruppen außer Al Kaida. In Washington hieß
es später, die Äußerungen seien womöglich falsch
übersetzt worden.
«Wir sind für einen Dialog offen, weil wir alle wissen, dass
die Lösung für diese Hölle und die Morde im Irak
letztlich von einer effektiven Aussöhnung der irakischen
Volksgruppen abhängt», sagte Fernandez laut der englischen
Übersetzung seines auf Arabisch gegebenen Interviews. Es gelte
jetzt, die Fehler der Vergangenheit zu beheben und alte Arroganz und
Dummheit abzulegen. Aus Regierungskreisen in Washington hieß es,
die zitierten Bemerkungen stimmten nicht mit der amerikanischen Position
überein. Wahrscheinlich handele es sich um einen
Übersetzungsfehler. Die Nachrichtenagentur AP fand die
Übersetzung nach entsprechender Überprüfung jedoch
korrekt.
Zur Eindämmung der Gewalt im Irak wollen die US-Streitkräfte
laut Präsident George W. Bush ihre Taktik ändern. Ein
grundlegender Kurswechsel sei jedoch ausgeschlossen, sagte Bush in
seiner wöchentlichen Rundfunkansprache. Bei einem Treffen mit
Generälen und Sicherheitsberatern im Weißen Haus wurde am
Samstag die Strategie der Irak-Politik überprüft und
Manöverkritik geübt. Der «New York Times» zufolge
wollen die USA der irakischen Regierung konkrete Forderungen zur
Verbesserung der Sicherheitslage vorgelegen.
«Unser Ziel im Irak ist der Sieg», sagte Bush. «Was
wir ändern, ist die Taktik, um dieses Ziel zu erreichen.»
Der Präsident rief sein Sicherheitsteam zu einer 90-minütigen
Unterredung zusammen. Daran nahmen unter anderen der Befehlshaber des
US-Oberkommandos Mitte, General John Abizaid, der Oberbefehlshaber der
US-Streitkräfte im Irak, General George Casey, Generalstabschef
Peter Pace, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der Nationale
Sicherheitsberater Stephen Hadley und Vizepräsident Dick Cheney
teil. Cheney und General Casey waren nach Regierungsangaben per Video
zugeschaltet.
Einzelheiten der Unterredung wurden nicht mitgeteilt. Die «New
York Times» berichtete jedoch, Casey und der US-Botschafter in
Bagdad, Zalmay Khalizad, arbeiteten an einem konkreten Stufenplan, der
die irakische Regierung in ihrer Regierungsfähigkeit stärken
solle. Dabei gehe es sowohl um die Entwaffnung der Aufständischen
als auch um die Durchsetzung politischer und wirtschaftlicher Ziele.
Dem Zeitungsbericht zufolge soll der Plan dem irakischen
Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki bis zum Jahresende vorgelegt
werden. Demnach werden Änderungen in der amerikanischen
Militärstrategie angekündigt, falls der Irak die
Vorschläge nicht fristgerecht umsetze. Mit einem vorzeitigen
Truppenabzug werde aber nicht gedroht.
Präsident Bush steht vor der Kongresswahl im November zunehmend
unter Druck, seine Irak-Politik zu überdenken. Allein seit Anfang
Oktober kamen in dem Land 80 US-Soldaten ums Leben - die seit
Jahresbeginn höchste Zahl amerikanischer Verluste binnen eines
Monats. Iraker sind von der Gewalt noch weitaus stärker betroffen.
Laut einer Statistik der Bagdader Regierung kommen jeden Tag
durchschnittlich 100 Zivilpersonen ums Leben, wie aus einem Memo der
Vereinten Nationen hervorgeht.
Bewaffnete haben am Sonntag bei einem Überfall auf einen Buskonvoi
südlich der irakischen Stadt Bakuba 15 Polizei-Anwärter
erschossen worden. 25 weitere wurden nach Angaben der Polizei verletzt.
Dutzende weitere Polizei-Anwärter wurden möglicherweise von
den Tätern verschleppt. Der Überfall trug sich den Angaben
zufolge gegen Mittag außerhalb eines Anwerbebüros für
Polizisten zu.
Bei einem Granatenanschlag auf einen Markt in Mahmudija südlich
von Bagdad wurden am Samstag mindestens 19 Menschen getötet, mehr
als 50 weitere wurden nach Polizeiangaben zum Teil
lebensgefährlich verletzt.
Am Sonntag wurden bei weiteren Bombenexplosionen auf dem Schurja-Mark
in Bagdad mindestens drei Menschen in den Tod gerissen, 14 wurden
verletzt. Im Osten der Stadt zündete ein Selbstmordattentäter
seinen Sprengsatz auf einer belebten Einkaufsstraße und riss vier
Menschen mit in den Tod. Ein Autobombenanschlag auf einer Brücke
der Hauptstadt kostete mindestens vier Personen das Leben. Bei einem
weiteren Anschlag mit einer Autobombe kamen im Stadtteil New Baghdad
zwei Menschen ums Leben. Nordöstlich der Hauptstadt wurde ein
Rettungswagen von einer Bombe getroffen. Der Fahrer wurde getötet,
sechs Patienten erlitten Verletzungen.
Als Soldaten verkleidete Aufständische im Irak suchen nach Angaben
des Bagdader Verteidigungsministeriums ganz gezielt nach Informanten.
Sie verteilen Mobiltelefonnummern an die Bürger und bitten sie,
verdächtige Aktivitäten zu melden, wie es in einer am Sonntag
verbreiteten Warnung hieß. Wer sich dann tatsächlich an
diese Nummern wende, erweise sich den Rebellen gegenüber als
Gewährsmann der Regierung und habe mit Konsequenzen für Leib
und Leben zu rechnen. Das irakische Verteidigungs- und das
Innenministerium haben immer wieder auf ihre Hotlines zur Weitergabe
vertraulicher Informationen hingewiesen. Die Behörden riefen zur
erhöhten Wachsamkeit auf.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 23.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertzweiundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.23.10.05 - Iraks Verfassung in 12 Provinzen angenommen. Wahlkommission: Keine
groben Verstöße bei Referendum im Irak +++ US-Truppen
töten 20 Aufständische +++ Umfrage: 65 Prozent der Iraker
befürworten Anschläge auf Briten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510230.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Britischer Ex-Armeechef warnt vor Niederlage in Afghanistan
Mo.23.10.06 - Der frühere britische Armeechef Peter Inge hat laut einem
Zeitungsbericht vor einer Niederlage der Truppen seines Landes in
Afghanistan gewarnt. Eine "klare Strategie" fehle auch im Irak, sagte
Sir Peter der britischen Zeitung "The Observer" vom Sonntag zufolge
während einer Tagung der Open-Europe-Denkfabrik am Dienstag. Die
britischen Soldaten sollten demnach nach seinen Worten den Irak
"irgendwann bald" verlassen, da ihre Präsenz die dortigen
Sicherheitsprobleme verschärfe. Inge kritisierte mangelnde
Unterstützung der Streitkräfte mit Forschungs- und anderen
Mitteln. Inge war zwischen 1994 und 1997 Generalstabschef von
Großbritannien.
(Quelle: afp)
Zwölf Tote bei Kämpfen zweier Clans in Afghanistan
Mo.23.10.06 - Bei Kämpfen zwischen zwei Clans sind am Sonntag in der
westafghanischen Provinz Herat mindestens zwölf Menschen
getötet und viele verletzt worden. Hunderte Menschen waren nach
Angaben eines örtlichen Regierungsbeamten an den
Auseinandersetzungen in der Ortschaft Warjan beteiligt. Sie benutzten
schwere Maschinengewehre und Mörsergranaten. Die Gefechte dauerten
mehrere Stunden. Polizisten und afghanische Soldaten trennten die
Kämpfer schließlich voneinander, wie der Chef des Bezirks
Schindan, Mirwais Pajman, sagte. Der Grund für die
Auseinandersetzung war zunächst nicht bekannt. Beide Clans sind
Anhänger der Regierung von Präsident Hamid Karsai.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Abbas und Olmert weiter an Treffen interessiert. Israelischer
Verteidigungsminister kündigt Fortsetzung der umstrittenen
Überflüge des Libanons an. Israel gibt Einsatz von
Phosphorbomben gegen Hisbollah-Ziele zu
Mo.23.10.06 - Israels Premier Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud
Abbas sind weiter an einem Treffen interessiert. Das berichten
israelische Medien unter Berufung auf Olmerts Büro. Beide haben
demnach gestern miteinander telefoniert. Anlass für den Anruf
Olmerts sei das bevorstehende Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan
gewesen, hieß es. Ein seit langem erwartetes Treffen beider
Politiker ist bisher nicht zu Stande gekommen.
Israel wird nach den Worten von Verteidigungsminister Amir Perez die
umstrittenen Flüge über dem Libanon vorerst fortsetzen. Der
Waffenschmuggel von Syrien an die Hisbollah sei noch nicht gestoppt,
erklärte Perez am Sonntag in einer Kabinettssitzung zur
Begründung. Die libanesische Regierung sei dieser Verpflichtung aus
der UN-Waffenstillstandsresolution nicht nachgekommen. Nach
Geheimdienstberichten gebe es verstärkte Bemühungen, Waffen zu
transferieren. Damit steige auch die Legitimität der israelischen
Flüge über libanesischem Gebiet, sagte der Minister.
Israel hat einem Zeitungsbericht zufolge erstmals den Einsatz von
Phosphorbomben gegen Ziele der radikalen Hisbollah- Miliz während
des jüngsten Libanon-Kriegs eingestanden. Minister Jaakov Edri habe
nach einer entsprechenden Anfrage einer Abgeordneten den Einsatz
solcher Waffen bestätigt, schreibt die israelische Zeitung
«Haaretz». Phosphor ist hochgiftig und verursacht bei
Menschen schwere und oft tödliche Verbrennungen. Bislang hatte
Israel angegeben, solche Bomben nur zu Markierungszwecken zu benutzen.
(Quellen: ap, dpa)
Sudan ordnet Ausweisung von UN-Sondergesandtem an
Mo.23.10.06 - Die sudanesische Regierung hat die Ausweisung des UN-Sondergesandten
Jan Pronk angeordnet. Das Außenministerium habe Pronk 72 Stunden
gegeben, um das Land zu verlassen, berichtete die amtliche
Nachrichtenagentur SUNA. Am Freitag hatte die Regierung in Khartum Pronk
scharf wegen dessen Berichten über Rückschläge für
die sudanesische Armee in der Krisenregion Darfur im Westen des Landes
kritisiert.
Die Armee hatte die Regierung aufgefordert, Pronk zur
unerwünschten Person zu erklären. Der UN-Gesandte führe
einen "Psycho-Krieg" gegen die Truppen, indem er falsche Informationen
streue, hieß es.
Die UNO und die sudanesische Regierung ringen seit Monaten um den
Einsatz von UN-Soldaten in Darfur, wo sich seit Februar 2003
regierungsnahe Milizen und Rebellenorganisationen bekämpfen. Die
UNO will in der Region eine eigene Truppe stationieren, die an die
Stelle der derzeit eingesetzten Soldaten der Afrikanischen Union (AU)
treten soll. Die Regierung in Khartum lehnt das mit der Begründung
ab, der Westen wolle das Land besetzen.
(Quelle: afp)
Klares Votum für Ausbau des Panama-Kanals
Mo.23.10.06 - Der Panama-Kanal wird in den nächsten neun Jahren für die
größten Schiffe der Welt ausgebaut. Das ehrgeizige Projekt
fand bei einer Volksabstimmung am Sonntag die Zustimmung von mehr als
78 Prozent der Teilnehmer. Nach Auszählung von 90 Prozent der
Stimmen kamen die Gegner des Bauvorhabens nur auf etwa 22 Prozent.
Allerdings blieben nahezu 57 Prozent der Bürger dem Referendum
fern, dessen Ergebnis für die Regierung bindend ist.
Präsident Martin Torrijos sagte nach der Abstimmung, das
Referendum sei «wahrscheinlich die wichtigste Entscheidung dieser
Generation» gewesen.
Die Wasserstraße zwischen Pazifik und Atlantik soll für 4,15
Milliarden Euro eine zusätzliche Fahrrinne und größere
Schleusen erhalten. Die bislang umfassendste Modernisierung des vor 92
Jahren eröffneten Kanals soll diesen ab 2015 für moderne
Containerschiffe, Kreuzfahrtschiffe und Großtanker befahrbar
machen. Die derzeit bestehenden Schleusen erlauben nur Schiffen mit
einer Breite vön höchstens 33 Metern die Durchfahrt.
Der Panama-Kanal trägt umgerechnet 1,1 Milliarden Euro zum
Haushalt des mittelamerikanischen Staates bei. Die Kanal-Behörde
versichert, der Ausbau werde durch höhere Durchfahrtgebühren
finanziert und werde bis 2025 Einkünfte von 4,8 Milliarden Euro
bringen. Zudem sollen durch die Erweiterung 40.000 neue
Arbeitsplätze entstehen. In Panama leben 40 Prozent der Einwohner
unter der Armutsgrenze. Die Kritiker des Ausbaus befürchten, dass
dadurch die Schuldenlast des Landes weiter zunimmt. Auch machen sie
geltend, dass die Wasserstraße der großen Mehrheit der
Bevölkerung kaum einen Nutzen biete.
Der etwa 80 Kilometer lange Kanal wurde zunächst von den USA
verwaltet, erst Ende 1999 ging die Hoheit über die
Wasserstraße an Panama über. Genutzt wird der Kanal in
erster Linie von den USA, südamerikanischen Ländern und China.
(Quelle: ap)
Noch keine Entscheidung über Ende von Lehrerstreik in Mexiko
Mo.23.10.06 - Fünf Monate nach Beginn des Lehrerstreiks in der mexikanischen
Stadt Oaxaca haben radikale Kräfte den Versuch vereitelt, den
Konflikt zu beenden. Die Delegierten der Lehrergewerkschaft stimmten am
Sonntag zwar mehrheitlich für die Wiederaufnahme des Unterrichts.
Die Annänger einer Fortsetzung des Streiks erklärten die
Abstimmung aber für ungültig.
Linksgerichtete Demonstranten protestierten vor dem Tagungshotel in
Oaxaca gegen Gewerkschaftsführer Enrique Rueda, der für ein
Ende des Konflikts eintritt. Sie beschimpften ihn als Verräter und
bewarfen ihn mit Steinen, als er das Gebäude betrat. Nach dem
Scheitern der Versammlung kündigten Lehrer für die kommenden
Tage eine weitere Abstimmung an.
Der Lehrerstreik steht im Zentrum der Aufstandsbewegung, die den
Rücktritt von Gouverneur Ulises Ruiz fordert und deren
Anhänger die wichtigsten Regierungsgebäude in Oaxaca besetzt
haben. Bei Zwischenfällen kamen mindestens fünf Menschen ums
Leben.
(Quelle: ap)
Ungarn gedenkt des Volksaufstands vor 50 Jahren
Mo.23.10.06 - In Ungarn haben am Sonntag die Gedenkfeiern an den Volksaufstand vor 50
Jahren begonnen. Präsident Laszlo Solyom, Ministerpräsident
Ferenc Gyurcsany und Parlamentspräsidentin Katalin Szili verliehen
staatliche Auszeichnungen an fast 80 Menschen, unter ihnen zahlreiche
Veteranen. Einige der Geehrten schüttelten während der
Zeremonie allerdings nur dem Präsidenten die Hand. Gyurcsany steht
nach seinem Geständnis, die Bevölkerung im Wahlkampf belogen
zu haben, heftig unter Druck.
Szili gehört wie Gyurcsany den Sozialisten an. Bereits vor Beginn
der Gedenkfeiern hatten Oppositionsparteien und Veteranenverbände
die Frage aufgeworden, ob die Sozialisten und damit die Nachfolger der
Kommunisten überhaupt das Recht hätten, die offiziellen
Feierlichkeiten anzuführen. Opposition und Veteranen
kündigten an, an keiner Feier teilzunehmen, bei der der
Regierungschef vertreten ist.
Solyom erklärte, der Gedenktag sei noch nicht im Herzen der
Menschen angekommen. «Es reicht nicht, ein Gesetz zu
verabschieden», sagte der Präsident. «Wir müssen
zeigen, dass die Würde von 1956 stärker ist als alles
andere.» Zum Jahrestag am (morgigen) Montag wurden unter anderen
Bundespräsident Horst Köhler, EU-Kommissionspräsident
José Manuel Barroso, NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop
Scheffer und der spanische König Juan Carlos erwartet.
Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer
würdigte am Samstag die Rolle der burgenländischen
Bevölkerung nach dem Volksaufstand in Ungarn. Bei einer Zeremonie
an der «Brücke von Andau», wo 1956 insgesamt 70.000
Flüchtlinge aus Ungarn in das Burgenland nach Österreich
strömten, sagte Fischer, die Bevölkerung habe ein hohes
Maß an Hilfe geleistet. «Es ist schön, dass wir nicht
mit schlechtem Gewissen an diese Ereignisse zurückdenken
müssen, sondern sagen können, dass es einen Strom der
Hilfsbereitschaft, einen Sieg der Menschlichkeit gab»,
erklärte der Bundespräsident nach einer Meldung der
Nachrichtenagentur APA.
Der Aufstand begann mit einer vor allem von Studenten besuchten
Kundgebung in Budapest am 23. Oktober 1956 und endete im November mit
dem Einmarsch der Sowjetarmee. Wie viele Menschen ums Leben kamen, ist
noch immer nicht genau bekannt, wahrscheinlich waren es tausende. Mehr
als 200.000 Menschen flohen aus Ungarn.
(Quelle: ap)
Erneut über 400 Flüchtlinge in Lampedusa an Land gegangen
Mo.23.10.06 - Die italienische Küstenwache hat nahe der Insel Lampedusa erneut
zwei Boote mit fast 450 Flüchtlingen aufgegriffen. Mehr als 400
Menschen befanden sich auf einem Fischerboot, unter ihnen 21 Frauen, ein
Baby und mehrere Minderjährige, wie die italienische
Nachrichtenagentur Ansa meldete. Sie seien vermutlich von der libyschen
Küste aus losgefahren und hätten aufgrund des schlechten
Wetters einen Notruf per Handy an die Küstenwache geschickt.
Die Flüchtlinge kommen dem Bericht zufolge aus den
Maghreb-Staaten, aus Eritrea und aus Bangladesch. Ein weiteres Schiff
mit 36 Flüchtlingen legte aus eigener Kraft in Lampedusa an. Auf
der 200 Kilometer südlich von Sizilien und 300 Kilometer
nördlich von Libyen gelegenen süditalienischen Insel kommen
immer wieder Flüchtlinge an, die versuchen, über das
Mittelmeer von Afrika nach Europa zu gelangen. Seit Jahresbeginn wurden
an der italienischen Küste nach Angaben des Innenministeriums mehr
als 16.000 Flüchtlinge aufgegriffen.
(Quelle: afp)
Deutschland
Koalition will laut 'Spiegel' mehr Steuergelder für Parteien
Mo.23.10.06 - In der großen Koalition gibt es laut einem
«Spiegel»-Bericht Pläne, den Parteien mehr Steuergelder
zu verschaffen. Wie das Magazin am Wochenende berichtete, beraten
Finanzexperten aus den Schatzmeistereien von CDU und SPD derzeit
vertraulich unter anderem über eine Anhebung der so genannten
absoluten Obergrenze, bis zu der alle Parteien vom Staat bezuschusst
werden dürfen. Die Obergrenze ist im Parteiengesetz bei 133
Millionen Euro festgelegt, kann aber vom Bundestag verändert
werden.
Denkbar wäre eine Anhebung um drei bis fünf Prozent,
berichtete das Magazin. Ein SPD-Sprecher wollte den Bericht
zunächst nicht kommentieren und wollte Rücksprache mit der
Schatzmeisterei halten; die CDU-Pressestelle war nicht erreichbar.
Angedacht ist laut «Spiegel» zudem eine Novellierung der
Spendenregelungen im Parteiengesetz. Bislang ist dort vorgesehen, dass
die Parteien Unregelmäßigkeiten unverzüglich an die
Bundestagsverwaltung melden müssen. Können sie nicht plausibel
erklären, warum eine dubiose Zahlung erst später bemerkt
wurde, droht ihnen eine Strafzahlung in zweifacher Höhe. Genau
dies würden CDU und SPD nun gern ändern, hieß es. Sie
wollten Sanktionen ausschließen, selbst wenn
Unregelmäßigkeiten erst sehr viel später gemeldet
werden. Eine Selbstanzeige soll genügen, um einer Strafe zu
entgehen. Nur das unsaubere Geld müsste in diesem Fall an den
Bundestag abgeführt werden.
(Quelle: ap)
Regierung: Sind bei der Arbeitslosigkeit über den Berg
Mo.23.10.06 - Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognosen kräftig
erhöht und rechnet mit dem stärksten Rückgang der
Arbeitslosenzahl seit der Wiedervereinigung.
"Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem kräftigen
Aufschwung. Die Trendwende am Arbeitsmarkt ist geschafft", sagte
Wirtschaftsminister Michael Glos am Freitag in Berlin. Für 2006
rechne die Regierung inzwischen mit 2,3 Prozent Wachstum. 2007 werde es
auch wegen der Mehrwertsteuererhöhung dann noch 1,4 Prozent
betragen. Vor einem halben Jahr hatte die Regierung nur 1,6 Prozent in
diesem und ein Prozent im nächsten Jahr erwartet. "Wir sind nach
wie vor auf der vorsichtigen Seite", verteidigte Glos die jüngsten
Prognosen. Die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen werde in diesem
Jahr um 325.000 auf 4,54 Millionen sinken. "Das ist der kräftigste
Rückgang seit der deutschen Wiedervereinigung", sagte der Minister.
Im kommenden Jahr werde der Rückgang bei rund 200.000 liegen. Die
Marke von vier Millionen könnte im späten Jahresverlauf
unterschritten werden.
Glos äußerte die Hoffnung, dass die Europäische
Zentralbank (EZB) mit weiteren Leitzinserhöhungen
zurückhaltender bleibt als von manchen Experten erwartet. Gefahren
für die Preisstabilität sehe er in Deutschland nicht, sagte
er. So rechne er damit, dass er nach einer vorübergehenden
Beschleunigung des Preisauftriebs durch die Mehrwertsteuererhöhung
Anfang 2007 am Ende des Jahres wieder auf eine Preissteigerung von unter
zwei Prozent zurückschauen könne. Zur Frage von
EZB-Leitzinserhöhungen sagte er: "Aus deutscher Sicht ist es nicht
besonders eilig". Er habe volles Vertrauen, dass die EZB
stabilitätsgerecht handeln werde.
Mit ihrer neuen Wachstumsprognose liegt die Regierung auf dem Stand der
sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Die hatten am
Vortag ihr Herbstgutachten vorgelegt.
Die Mehrwertsteuererhöhung wird das Wachstum im nächsten Jahr
nur vorübergehend dämpfen, zeigte sich Glos überzeugt.
Längerfristig werde der deutsche Wachstumspfad in den kommenden
Jahren bei Zuwächsen von im Durchschnitt rund 1,75 Prozent liegen.
"Die Konjunktur gewinnt an Breite und steht zunehmend auf zwei Beinen",
erläuterte Glos die aktuelle Entwicklung. Die
binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte nähmen zu, während
die außenwirtschaftlichen Impulse bestehen blieben.
Angesichts des Aufschwungs seien die Maßnahmen der Regierung zur
Haushaltsgesundung gut verkraftbar, hieß es in der Prognose. Glos
bekannte sich als Anhänger der These, dass man im Aufschwung die
Haushalts in Ordnung bringen sollte. Zudem versicherte er, die Regierung
werde in ihren Reformbemühungen nicht nachlassen. Er selbst
würde sich dabei entschiedenere Reformschritte am Arbeitsmarkt
wünschen, sagte Glos. Für die Kritik der Institute an
mangelnden Verbesserungen der Arbeitsmarktbedingungen durch die
Regierung zeigte Glos Verständnis, deren Warnungen vor den
Unternehmenssteuerplänen der Regierung seien dagegen verfrüht
und unangemessen.
Für den privaten Konsum erwartet die Regierung in diesem Jahr ein
Wachstum von 0,8 Prozent, 2007 dann noch von 0,3 Prozent. Damit ist die
Regierung etwas optimistischer als die Institute. Der Anstieg der
Bruttolöhne werde in diesem Jahr bei rund einem und 2007 bei 1,4
Prozent liegen.
Nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums hat die Wirtschaft
in diesem Sommer das hohe Wachstumtempo des Frühjahrs halten
können. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft um 0,9 Prozent zum
Vorquartal gewachsen und damit so stark wie seit mehr als fünf
Jahren nicht mehr. Im dritten Quartal hätten sowohl die Binnen- als
auch die Auslandsnachfrage zugelegt, hieß es im Monatsbericht des
Ministeriums. Die leichte Abkühlung der Weltkonjunktur dürfte
die Exporteure wegen ihrer hohen preislichen Wettbewerbsfähigkeit
nur wenig belasten.
Die Industrieindikatoren signalisierten schon jetzt eine starke Zunahme
der inländischen Dynamik im dritten Quartal, schrieben die Beamten.
Und auch am Bau habe sich die positive Entwicklung fortgesetzt. Dagegen
neige der private Konsum weiter zur Schwäche: "Auch wenn er - im
Gegensatz zum zweiten Quartal - im vergangenen Vierteljahr wieder
zugenommen haben dürfte."
(Quelle: rtr)
Soziologe: Deutschland erinnert an alte Klassengesellschaft
Mo.23.10.06 - Der Soziologe und linke SPD-Vordenker Oskar Negt sieht Deutschland auf
dem Weg in eine Klassengesellschaft. Es gebe nicht nur ein
Unterschichtenproblem, sondern auch das Problem, «dass alte
Klassenstrukturen wieder Platz greifen».
In der «Thüringer Allgemeine» erklärte er:
«Die Schichten waren konzipiert gegen die Klassen. Die Schichten
waren durchlässig. Was jetzt passiert, erinnert strukturell eher an
die alte Klassengesellschaft.»
In der Unterschichten-Debatte erkennt Negt ein Fehlen
sozialdemokratischer Werte. Die Diskussion sei sogar Indiz für eine
Krise in der SPD. In der Armutsdebatte gehe es darum, «ob die SPD
noch ihren geschichtlichen sozialen Auftrag erfüllt.» Negt
kritisierte die Sprachlosigkeit der Sozialdemokratie, die sich in der
Armutsdebatte gezeigt habe: «Im Augenblick gibt es nicht so etwas
wie eine Ur-SPD in der sozialdemokratischen Partei. Es sind ganz im
Gegenteil Leute in der CDU die ihre Stimme erheben. Etwa Heiner
Geißler.»
(Quelle: dpa)
Warnung vor weniger Rechtsschutz für sozial Schwache
Mo.23.10.06 - Sozial Schwache müssen nach Ansicht von Rechtsexperten auch vor
Gericht mit gravierenden Nachteilen rechnen. Neue Gesetze der
Bundesländer könnten Bedürftigen den Rechtsweg verbauen,
befürchten laut einer Meldung des «Tagesspiegel am
Sonntag» Rechtspolitiker und Wohlfahrtsverbände. «Man
beschneidet die, die auf Unterstützung besonders angewiesen
sind», klagte Werner Hesse, Geschäftsführer des
Paritätischen Wohlfahrtsverbands.
Um Kosten zu sparen, wollen die Bundesländer dem Bericht zufolge
gleich drei Gesetze verschärfen. Die Prozesskostenhilfe, bei der
der Staat die Anwalts- und Gerichtsgebühren für
Bedürftige übernimmt, solle gekürzt werden. Bei den
bislang kostenlosen Verfahren vor den Sozialgerichten sollen
Gerichtsgebühren eingeführt werden. Und schließlich
wollten die Länder den Rechtsschutz beim privaten Insolvenzrecht
verkürzen, hieß es.
FDP und Grüne sind gegen diese Pläne. «Der Zugang zu
den Gerichten darf im Sozialstaat nicht vom Geldbeutel
abhängen», sagte der rechtspolitische Sprecher der
Grünen-Bundestagsfraktion, Jerzy Montag, dem Blatt. «Es geht
immer nur ums Geld», kritisierte auch die frühere
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP).
(Quelle: ap)
Linkspartei und WASG legen Grundstein für gemeinsame Partei
Mo.23.10.06 - Die Bundesvorstände von Linkspartei.PDS und Wahlalternative Arbeit
und soziale Gerechtigkeit (WASG) haben sich auf Entwürfe für
gemeinsame Vereinigungsdokumente verständigt. Demnach solle am 16.
Juni kommenden Jahres eine gemeinsame Partei unter dem Namen «Die
Linke» gegründet werden, sagte Linkspartei-Chef Lothar Bisky
am Sonntag in Erfurt. Ziel sei eine neue, gesamtdeutsche linke Partei.
Neben den Vereinigungsstatuten wurden auch ein Vereinigungsprogramm und
eine Bundesfinanzordnung erarbeitet.
Bisky betonte, dass die fusionierte Partei trotz deutlich höherer
Mitgliederzahlen in den neuen Ländern «Ost und West auf
gleicher Augenhöhe vereinigen» solle. Daher sollten die
westdeutschen Landesverbände bis 2016 privilegiert werden. Bei den
Bundesparteitagen sollten zunächst rund 40 Prozent der Delegierten
aus Westdeutschland kommen, mit jedem Parteitag werde dieser Anteil um
drei Prozent reduziert und dem tatsächlichen
Mitgliederverhältnis angenähert. WASG-Chef Klaus Ernst
räumte ein, dass die PDS in den neuen Ländern eine
Volkspartei sei, währen die WASG in den alten Ländern erst
noch auf die Beine kommen müsse.
Das Vereinigungsprogramm sieht laut Bisky unter anderem eine
solidarische Gesundheitsversorgung, Chancengleichheit und ein Leben
ohne Armut vor. Zugleich würden die Mitbestimmung aller
Bürger, eine gerechte Steuerpolitik und die friedliche Lösung
von Konflikten angestrebt.
WASG-Chef Ernst betonte, dass die neue Partei ein höheres
Renteneintrittsalter ablehnen werde. Die «Spaltung der
Gesellschaft» solle überwunden und die Arbeitslosigkeit
bekämpft werden. Er betonte zugleich, dass der von der PDS
geprägte Begriff des demokratischen Sozialismus die Ziele der
neuen Partei «sicher nicht falsch» wiedergebe.
Die Erfurter Papiere sollen jetzt diskutiert und auf einer zweiten
gemeinsamen Tagung am 10. Dezember in Berlin beschlossen werden. Am 24.
und 25. März 2007 sollen parallel tagende Parteitage in Dortmund
die Dokumente endgültig verabschieden und den Weg für die
Vereinigung der beiden Parteien ebnen.
(Quelle: ddp)
Arbeitgeber fordern volle Umsetzung der Rente mit 67
Mo.23.10.06 - Die Arbeitgeber haben die Bundesregierung aufgefordert, auf offenbar
geplante Ausnahmen bei der Rente mit 67 zu verzichten.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte der «Neuen
Osnabrücker Zeitung», dies sei nötig, um den
Beitragssatz bis 2020 - wie vom Gesetzgeber vorgesehen - unter 20
Prozent zu halten. Hundt forderte auch den rentenmindernden
Nachholfaktor sofort einzuführen.
Die Rente mit 67 müsse ohne Ausnahmen umgesetzt werden, weil sonst
ein steigender Beitragssatz die Arbeitskosten weiter in die Höhe
treiben sowie die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft
und damit den Standort Deutschland schwächen würde,
argumentierte der Präsident der Bundesvereinigung der
Arbeitgeberverbände.
Gewerkschaftführer hatten bei den Massenprotesten gegen die
Reformpolitik der Bundesregierung am Wochenende die Rente mit 67 als
zynische Rentenkürzung gegeißelt.
Hundt kritisierte jetzt, die Regierung wolle offenbar die im
Koalitionsvertrag vorgesehene Ausnahme nach 45 Pflichtbeitragsjahren
noch erweitern. Dadurch aber werde die Rente mit 67 verwässert und
ihre beitragsentlastende Wirkung reduziert. Die Anhebung der
Altersgrenze müsse zudem durch eine Anpassung der
Erwerbsminderungsrenten flankiert werden. Sie sollten sich künftig
am 65. und nicht mehr am 63. Lebensjahr bemessen, forderte der
Arbeitgeberpräsident. So könnten Ausweichreaktionen in die
Erwerbsminderungsrente unattraktiv gemacht werden, durch die
Rentenabschläge von 3,6 Prozent jährlich verhindert oder
verringert würden.
Zudem müsse der Nachholfaktor, der ab 2009 vorher unterbliebene
Rentenkürzungen nachholen soll, umgehend in die
Rentenanpassungsformel eingefügt und wirksam werden, verlangte
Hundt. Denn die im Rentenversicherungs-Nachhaltigkeitsgesetz von 2005
vorgesehene schrittweise Senkung des Rentenniveaus sei in der Praxis
bisher ausgeblieben.
(Quelle: ap)
ReUse: Computer-Recycling schont Umwelt und Ressourcen
Mo.23.10.06 - Der Verein ReUse-Computer hat sich dem Ziel verschrieben,
Nachhaltigkeit in die EDV-Branche zu bringen. Der Verein leistet
Beiträge zum Umweltschutz, zur Ressourcenschonung und nachhaltigen
Wirtschaftsentwicklung, indem er die Wieder- und Weiterverwendung
gebrauchter EDV- und IT-Hardware fördert, so die Eigenbeschreibung.
"Die Herstellung eines PCs verbraucht Energie, die dem Spritverbrauch
einer Autofahrt von Berlin nach München vergleichbar ist",
erläutert der Wissenschaftler Karsten Schischke vom
Forschungsschwerpunkt "Technologien der Mikroperipherik" der TU Berlin
ReUse-Computer ist auch ein eingetragenes Warenzeichen. Hardware, die
strengen Qualitätsanforderungen genügt, darf das Siegel
tragen. Die Geräte sind kein Zusammenbau von Einzelteilen
ausrangierter Rechner, wird von Seiten des Vereins betont. Vielmehr
arbeiten Berliner Computerfachunternehmen Markengeräte auf. Dies
war neben dem Umweltgedanken auch ein überzeugendes Argument
für den BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V., der
seine Bundesgeschäftsstelle mit 16 ReUse-Computern ausstattet.
"Für uns ist es wichtig, nicht nur über Maßnahmen gegen
den Treibhauseffekt zu reden, wir wollen praktische Beispiele geben.
Wenn wir mit jedem Computer von ReUse 100 Kilogramm CO2 einsparen
können, dann ist das für uns ein wichtiges Argument bei der
Entscheidung über die Beschaffung von PC-Technik", meint Angelika
Zahrnt, Vorsitzende des BUND. Gemäß der Wieder- und
Weiterverwendungsphilosophie von ReUse wurden acht ausgemusterte
Computer von ReUse wieder entgegen genommen.
Schischke hat im Rahmen des ReUse-Projekts zum ökologischen
Rucksack der PC-Herstellung geforscht. Die Herstellung eines
Standard-PCs verbrauchte 1999 etwa 535 Kilowattstunden Energie.
Hochrechnungen zufolge wechselten 2002 mindestens zwei Mio. gebrauchte
PCs in Deutschland den Besitzer, die "stille Reserve" von Rechnern im
Alter zwischen drei und sechs Jahren wird mit 16 Mio. PCs beziffert.
Wenn durch die Wiederverwendung dieser gebrauchten Rechner der Neukauf
eines Computers um ein Jahr herauszögert werden kann, so
ließe sich dadurch rein rechnerisch der energetische Gegenwert
eines 500 MW Kohlekraftwerkes einsparen, rechnen die Forscher vor.
Die komplexe und aufwändige Herstellung eines PCs (ein Pentium II
Rechner ohne Peripheriegeräte) verursacht 100 Kilogramm
CO2-Emissionen - von der Rohstoffgewinnung bis zur Endmontage. Für
Transporte der Komponenten rund um den Globus und zum Händler
kommen zu den Emissionen der Herstellungsprozesse noch einmal etwas mehr
als 12 Kilogramm hinzu. Allein für die Herstellung der Mikrochips
eines PCs werden zirka 550 Liter Wasser benötigt. Beachtet man,
dass 2004 weltweit rund 160 Millionen PCs verkauft wurden, ergibt das
rund 90 Mio. Kubikmeter Wasser pro Jahr, die allein für die
Herstellung der Prozessoren benötigt werden.
(Quelle: pte)
ReUse-Computer:
http://www.reuse-computer.org