Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsiebenundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Heckenschützen und Bomben - Sechs US-Soldaten getötet. Blair:
Briten behalten im Irak die Nerven. Iraker schildert Misshandlungen
durch britische Soldaten. Exminister berichtet von Regierungskorruption
im Irak
Di.24.10.06 - Aufständische haben im Irak innerhalb eines Tages sechs
amerikanische Soldaten getötet. Wie das US- Militärkommando am
Montag mitteilte, wurden die Soldaten am Sonntag alle im Großraum
Bagdad von Heckenschützen erschossen oder mit selbst gebauten
Bomben getötet.
Der Oktober ist mit mindestens 86 getöteten US-Soldaten seit
Jahresbeginn der verlustreichste Monat für die amerikanischen
Truppen im Irak. Die meisten Angriffe der Aufständischen wurden in
der Hauptstadt Bagdad sowie in der westlichen Provinz Anbar verübt.
Saleh Hassan, ein Mitglied der Schiiten-Allianz, zu der auch
Ministerpräsident Nuri al-Maliki gehört, rief nach dem Mord an
15 schiitischen Polizeischülern dazu auf, endlich etwas gegen die
ausufernde Gewalt zu unternehmen. Bewaffnete hatten die
Polizeischüler am Sonntagabend in der Nähe der Stadt Bakuba
überfallen, als sie mit Bussen nach Hause gefahren wurden. 25
weitere Polizisten wurden bei der Attacke verletzt.
In der südirakischen Kleinstadt al-Kahla fanden Polizisten am
Montag mitten auf der Straße die enthauptete Leiche des Bruders
eines schiitischen Milizenkommandeurs. Mohammed al-Bahalidi war
vergangene Woche von der Polizei in der nahe gelegenen
Provinzhauptstadt Amara festgenommen worden, weil er verdächtigt
wurde, an der Planung eines Attentates auf einen Polizeioffizier
beteiligt gewesen zu sein. Laut Polizei wurde er anschließend bei
Gefechten zwischen der Polizei und Milizionären des radikalen
Schiitenführers Muktada al-Sadr von einer bewaffneten Gruppe aus
einer Polizeiwache in Amara verschleppt.
Der britische Premierminister Tony Blair hat die bisherige Strategie
beim Militäreinsatz im Irak abermals verteidigt.
Großbritannien werde in dem Konflikt die «Nerven
behalten», sagte er nach Angaben eines Regierungssprechers bei
einem Treffen mit dem stellvertretenden irakischen
Ministerpräsidenten Barham Salih am Montag in London.
Downing Street widersprach zugleich Berichten, wonach Blair darauf
dränge, dass die irakischen Sicherheitskräfte innerhalb eines
Jahres von den Briten die Verantwortung im Süden des Landes
übernehmen.
Ein Iraker hat vor einem Militärgericht Misshandlungen durch
britische Soldaten geschildert. Muhanned Thaher Abdullah al Mansuri
sagte aus, er sei im September 2003 als mutmaßlicher
Aufständischer in Basra festgenommen worden. Soldaten hätten
ihn wiederholt geschlagen und ihn gezwungen, Urin zu trinken. Vor dem
Gericht müssen sich sieben Soldaten wegen Kriegsverbrechen
verantworten.
«Ich bat um Wasser, da urinierte er (der Soldat) in eine Flasche
und drückte sie an meinen Mund», sagte Abdullah am Montag.
«Er hat mich gezwungen, es zu trinken.» Als er ausgespuckt
habe, hätten ihn die Soldaten 20 Minuten lang geschlagen.
Außerdem hätten sie seinen Kopf in eine Toilette
gedrückt. Abdullah beschuldigte auch einen Arzt der Misshandlung.
Er habe dem Arzt gesagt, dass er an Asthma leide. Dieser habe
erklärt, er werde ihm Sauerstoff bringen, stattdessen habe er ihm
jedoch ein Insektenspray ins Gesicht gesprüht und gelacht.
Die Soldaten sollen weitere Häftlinge misshandelt haben, von denen
einer nicht überlebte. Sechs der Angeklagten haben sich für
unschuldig erklärt. Der siebte gab zu, irakische Häftlinge
unmenschlich behandelt zu haben. Vorwürfe des Totschlags und der
Behinderung der Justiz wies er jedoch zurück. Mit einem Urteil des
Gerichts in Bulford, 135 Kilometer südwestlich von London, wird in
einigen Wochen gerechnet.
Korruption und Unterschlagung haben die irakische Staatskasse nach
Angaben eines ehemaligen Finanzministers um mehrere hundert Millionen
Dollar geschädigt. Die Mittel waren dafür bestimmt, die
irakischen Streitkräfte mit Waffen auszurüsten. Dabei sei es
zu massivem Diebstahl gekommen, sagte Exminister Ali Allawi dem
US-Fernsehsender CBS.
Insgesamt seien bis zu 800 Millionen Dollar (634 Millionen Euro)
verloren gegangen, sagte Allawi. Das Finanzministerium habe dem
Verteidigungsministerium 1,2 Milliarden Dollar für den Kauf neuer
Waffen angewiesen. Davon seien 400 Millionen für die Anschaffung
veralteter Ausrüstung ausgegeben worden. Das übrige Geld sei
einfach unterschlagen worden, erklärte Allawi in einem am Sonntag
ausgestrahlten Interview für die Sendung «60 Minutes».
Der größte Teil des Betrugs fällt dem Exminister
zufolge in die Amtszeit des Übergangspräsidenten Ajad Allawi
von June 2004 bis Mai 2005. Danach sei eine Untersuchung eingeleitet
worden, sagte Allawi, der ein Cousin des ehemaligen Regierungschefs ist.
(Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 24.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertdreiundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.24.10.05 - Mehr als 20 Menschen sterben bei Anschlägen +++ Acht von zehn Irakern
lehnen die Anwesenheit ausländischer Truppen stark ab +++ Angeblich
keine gravierende Unregelmäßigkeiten bei
Verfassungsreferendum...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510240.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Sieben Palästinenser im Gazastreifen getötet
Di.24.10.06 - Israelische Soldaten haben im nördlichen Gazastreifen am Montag
sieben Palästinenser erschossen. Wie aus palästinensischen
Krankenhauskreisen verlautete, waren unter den Toten drei Brüder
und ihr Cousin. 14 weitere Menschen wurden bei dem Angriff am ersten Tag
des Fests Eid al Fitr zum Ende des Ramadans verletzt. Die israelischen
Streitkräfte erklärten, bei dem Einsatz seien zehn militante
Palästinenser getroffen worden, die Raketen auf den Süden
Israels abfeuern wollten.
Palästinensische Sicherheitskräfte sagten, die Soldaten
hätten auf eine Gruppe Palästinenser geschossen.
Die Volkswiderstandskomitees, eine Dachorganisation militanter Gruppen,
erklärten, Ziel der Aktion sei offenbar Ata Schindari gewesen, der
in der Organisation für den Raketenbeschuss zuständig war.
Schindari und einer seiner Brüder seien getötet worden, sagte
ein Sprecher.
Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija sprach
den Palästinensern zum Beginn des Eid-al-Fitr-Festes Mut zu. Vor
mehr als 40.000 Menschen in Gaza erklärte Hanija, jedes andere Volk
hätte angesichts der Schwierigkeiten, die die Palästinenser
erleiden müssten, schon klein beigegeben. Nach dem Wahlsieg der
radikalislamischen Hamas haben internationale Geldgeber ihre
Unterstützung für die Autonomiebehörde eingefroren,
seitdem warten rund 165.000 Angestellte auf ihr Gehalt.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert bemüht sich
unterdessen um die Aufnahme des Hardliners Avigdor Lieberman in sein
Regierungsbündnis. Lieberman würde elf Abgeordnete seiner
Partei Israel Beitenu mit in die Koalition bringen, damit könnte
Olmert auf 78 der 120 Mandate im Parlament zählen. Olmert wollte am
Montag Gespräche mit Lieberman führen. Nach Angaben eines
Sprechers soll baldmöglichst eine Einigung getroffen werden.
Lieberman hat die Todesstrafe für israelische Abgeordnete
gefordert, die mit Führern der Hamas zusammengetroffen sind. Mit
seiner Partei in der Regierung dürften weitere territoriale
Zugeständnisse an die Palästinenser unmöglich werden. Die
Arbeitspartei hat ursprünglich ein Bündnis mit Israel Beitenu
ausgeschlossen. Mehrere Minister haben sich inzwischen allerdings
dafür ausgesprochen, bei einer Aufnahme der Partei die Regierung
nicht zu verlassen.
(Quelle: ap)
IAEA-Chef mahnt Dialog mit dem Iran und Nordkorea an
Di.24.10.06 - Der Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohamed
ElBaradei, hat einen Dialog mit Nordkorea und dem Iran angemahnt. Es
sei wichtig, mit Nordkorea, mit der iranischen Führung und "mit
allen anderen Gegnern" zu sprechen, "denn ohne Dialog kommen wir nicht
voran", sagte ElBaradei am Montag (Ortszeit) nach einem Gespräch
mit US-Außenministerin Condoleezza Rice in Washington. Er halte
einen Dialog für unerlässlich. "Ich glaube, wir müssen
von der Vorstellung abrücken, dass der Dialog eine Belohnung ist",
sagte ElBaradei. "Der Dialog ist ein wesentliches Werkzeug, um
Verhalten zu ändern."
(Quelle: afp)
Mexiko will Grenzzaun der USA vor UN-Menschenrechtsrat bringen
Di.24.10.06 - Mexiko will den geplanten Bau eines neuen Grenzzauns der USA vor den
Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen bringen. Der neue
Hochsicherheitszaun verstoße gegen die Menschenrechte, sagte am
Montag der mexikanische Botschafter Luis Alfonso de Alba, der zurzeit
den Vorsitz des Gremiums inne hat. Die USA sind nur als Beobachter im
Menschenrechtsrat vertreten, der in diesem Jahr die bisherige
UN-Menschenrechtskommission abgelöst hat.
Der US-Senat hat im September den Bau von neuen Grenzanlagen auf einer
Länge von 1.100 Kilometern gebilligt. Der mexikanische
Präsident Vicente Fox bezeichnete das Vorhaben als schändlich
und verglich es mit der Berliner Mauer. In den USA leben
schätzungsweise elf Millionen Mexikaner, von denen etwa die
Hälfte keine Aufenthaltserlaubnis hat.
(Quelle: ap)
Ungarn - Ein gespaltenes Volk gedenkt des Volksaufstands
Di.24.10.06 - Überschattet von innenpolitischen Konflikten und neuen Krawallen
hat Ungarn des Volksaufstands vor 50 Jahren gegen das von Moskau
kontrollierte kommunistische Regime gedacht. Die Polizei in Budapest
setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Menschen
auseinanderzutreiben. Zuvor würdigte EU-Kommissionspräsident
José Manuel Barroso den Volksaufstand von 1956 als Wegbereiter
der europäischen Einigung.
Die amtliche Nachrichtenagentur MTI berichtete, einige Demonstranten
seien geschlagen worden, unter ihnen ältere Menschen und Frauen.
Aus Kreisen der Sanitäter verlautete, mindestens 27 Menschen seien
verletzt worden, darunter auch Beamte. Die rund 150 Polizisten setzten
auch Gummigeschosse ein, um die Demonstranten von dem Platz vor dem
Parlament zu vertreiben. Diese trugen riesige Plakate mit Buchstaben,
die zusammen das Wort Freiheit ergaben. An mehreren Stellen nahe der
Innenstadt errichteten Regierungsgegner mit Mülleimern Blockaden
und bewarfen Polizisten mit Steinen.
Zur selben Zeit veranstaltete der oppositionelle Bürgerbund
(Fidesz) eine eigene Kundgebung zum 50. Jahrestag des Volksaufstands.
Daran nahmen laut MTI mehr als 100.000 Menschen teil. Der
Fidesz-Vorsitzende und frühere Ministerpräsident Viktor Orban
erklärte, seine Partei werde ein bindendes Referendum über
ein von der Regierung geplantes Reformpaket vorschlagen.
Am Abend sagte Präsident Laszlo Solyom seine Teilnahme an der
Enthüllung einer Statue zum Gedenken an die Revolution aus
Sicherheitsgründen ab. Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany
wollte jedoch teilnehmen.
Beim Festakt im Parlament sagte Barroso, der Mut der oft anonym
gebliebenen Helden von 1956 habe die Grundlagen der neuen Demokratien
gelegt. Der Aufstand habe «eine Fackel der Freiheit»
entzündet. Gyurcsany unterstrich die Bedeutung des Aufstandes
für die Gegenwart Ungarns. Die Diskussion drehe sich im Grunde
darum, «wer wir sind, welche Welt wir wollen», sagte der
Regierungschef vor zahlreichen ausländischen Staatsgästen,
darunter Bundespräsident Horst Köhler.
Die Demonstranten vor dem Parlament wollten sich nicht den
Sicherheitskontrollen unterziehen, die wegen der Anwesenheit der
Staatsgäste angeordnet worden waren. Die Polizei vertrieb zwar die
Demonstranten, ließ aber ihre Zelte stehen, was darauf
hindeutete, dass sie nach den Feierlichkeiten ihren Protest fortsetzen
dürfen. Die Regierungskritiker wollen an ihren Aktionen bis zu
einem Rücktritt Gyurcsanys festhalten. Der Regierungschef hatte im
September eingestanden, die Menschen vor der Wahl über die
wirtschaftliche Lage des Landes belogen zu haben.
Der österreichische Präsident Heinz Fischer erklärte,
die Revolution sei nicht umsonst gewesen, und verwies auf die
EU-Mitgliedschaft Ungarns. Papst Benedikt XVI. würdigte den
Aufstand als grundlegend für die Geschichte Ungarns und Europas.
Der Aufstand begann mit einer vor allem von Studenten besuchten
Kundgebung in Budapest am 23. Oktober 1956 und endete im November mit
dem Einmarsch der Sowjetarmee. Wie viele Menschen ums Leben kamen, ist
noch immer nicht genau bekannt, wahrscheinlich waren es Tausende. Mehr
als 200.000 Menschen flohen aus Ungarn.
(Quelle: ap)
Stichwort: Der Ungarnaufstand 1956
Der ungarische Volksaufstand im Jahr 1956 gehört zu den Unruhen,
die nach dem Tod Stalins 1953 den sowjetischen Machtbereich in Osteuropa
erschütterten. Andere Ereignisse waren etwa der 17. Juni 1953 in
der DDR und der antikommunistische Posener Aufstand in Polen 1956.
In Ungarn manifestierte sich der wachsende Unmut über die
stalinistische Regierung am 23. Oktober 1956 in einer Kundgebung, in
deren Anschluss der Reformkommunist und frühere
Ministerpräsident Imre Nagy zurück an die Macht kam. Er
kündigte einen «neuen Kurs» an. Im Land bildeten sich
Revolutionskomitees und Arbeiterräte. Nagy versprach freie Wahlen
und ein neutrales Ungarn. Anfang November kündigte er die
Mitgliedschaft im Warschauer Pakt auf.
Nach anfänglichen Zugeständnissen bildeten die
prosowjetischen Kräfte eine Gegenregierung unter dem
kommunistischen Parteichef János Kádár und schlugen
den Aufstand mit Hilfe sowjetischer Truppen ab dem 4. November nieder.
Ende des Monats zerschlugen Kampfflugzeuge den letzten Widerstand. Bei
den mehrtägigen Schlachten um die Hauptstadt Budapest gab es
zahlreiche Tote.
Der «Brockhaus» gibt die Zahl der Toten bei dem Aufstand
mit mehr als 2.600 an. Zehntausende wurden verhaftet, mindestens 225
Aufständische hingerichtet. Darunter war der frühere
Regierungschef Nagy, dem ein Schauprozess gemacht wurde. 200.000 Ungarn
flohen in den Westen. Die westlichen Mächte beschränkten sich
in Ungarn wie bei den Unruhen in der DDR, Polen und später in der
Tschechoslowakei darauf, die Unterdrückung zu verurteilen. Doch
kamen sie den Aufständischen nicht zur Hilfe.
Quelle: ap, 23.10.2006
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EU-Umweltminister für Änderung der Feinstaub-Richtlinie
Di.24.10.06 - Die EU-Umweltminister haben sich am Montag für eine Änderung
der Feinstaub-Richtlinie ausgesprochen, die in vielen
Großstädten eine Debatte über Fahrverbote und
Rußfilter für Dieselfahrzeuge ausgelöst hatte. Nach dem
Willen der Minister sollen die EU-Staaten nach In-Kraft-Treten der
geänderten Richtlinie eine Übergangsfrist von drei Jahren
erhalten, um die eigentlich schon seit 1. Januar 2005 geltenden
Grenzwerte für Feinstaub einzuhalten. Dies dürfte für
Streit mit dem EU-Parlament sorgen, das noch längere
Übergangsfristen fordert.
Das Parlament verlangt zudem weitere Erleichterungen für
Städte mit geographischen und meteorologischen Besonderheiten wie
etwa Kessellagen: Dort soll es laut Parlamentsbeschluss künftig
zulässig sein, die Tagesobergrenze von 50 Mikrogramm Feinstaub pro
Kubikmeter an 55 Tagen pro Jahr zu überschreiten. Bislang sind
höchstens 35 Überschreitungen pro Jahr gestattet.
Die Umweltminister wollen mehrheitlich bei der 35-Tage-Regelung
bleiben. Dies sei die Anzahl von Tagen, an denen nach
wissenschaftlichen Erkenntnissen mit wetterbedingten Problemen bei der
Einhaltung des Feinstaub-Grenzwerts zu rechnen sei, verlautete aus
Diplomatenkreisen. Eine weitere Lockerung sei sachlich nicht zu
rechtfertigen. Allein in Deutschland verstießen 2006 mehr als 20
Städte gegen die 35-Tage-Regelung.
Einigkeit besteht zwischen Ministerrat und Parlament darüber, im
Jahr 2015 einen ganz neuen Grenzwert einzuführen: Während
bislang nur die Konzentration von Staubpartikeln mit einem Durchmesser
von zehn Mikrometern (PM10) gemessen wird, soll ab 2015 auch eine
Obergrenze für Kleinstpartikel mit einem Durchmesser von nur 2,5
Mikrometern (PM 2,5) gelten. Die Konzentration dieser als besonders
gesundheitsschädlich geltenden Kleinstpartikel darf dann im
Jahresmittel höchstens 25 Mikrogramm pro Kubikmeter erreichen.
Schon ab 2010 soll diese Grenze als - allerdings unverbindlicher -
Zielwert gelten.
Die Stellungnahme des Rates wird jetzt erneut dem Parlament zugeleitet.
Eine endgültige Entscheidung wird frühestens 2007 erwartet.
(Quelle: ap)
Deutschland
Verteidigungs-Weißbuch geht von umfassendem Sicherheitsbegriff aus
Di.24.10.06 - Das neue Weißbuch zur Verteidigungspolitik wird von einem
umfassenden, nicht auf das Militärische beschränkten
Sicherheitsbegriff ausgehen. Wie Verteidigungssprecher Thomas Raabe am
Montag berichtete, wird das Militär nur als ein Element der
Sicherheitspolitik definiert. Weitere Elemente seien beispielsweise die
Außen- und die Entwicklungspolitik. Die entsprechenden Ministerien
seien folglich an dem Entwurf des Weißbuches beteiligt gewesen.
Verteidigungsminister Franz-Josef Jung hat bereits angekündigt,
einen solchen mehrschichtigen Sicherheitsbegriff auch auf die
Tagesordnung des NATO-Gipfels Ende November in Riga zu setzen. Er
würde beispielsweise bedeuten, dass das Bündnis bei der
Konfliktbewältigung nicht allein auf militärische
Lösungen setzen, sondern Friedenslösungen auch durch Hilfe
beim zivilen Wiederaufbau unterstützen würde. Das ist
allerdings innerhalb der NATO umstritten.
Beschlossen werden soll das Weißbuch als erste verbindliche
sicherheitspolitische Standortbestimmung seit zwölf Jahren am
Mittwoch vom Kabinett. Die Sitzung soll dem Thema entsprechend im
Bendler-Block, dem Berliner Amtssitz von Verteidigungsminister
Franz-Josef Jung, stattfinden.
Raabe wies darauf hin, dass nach zwölf Jahren eine neue
Standortbestimmung fällig sei. Das Weißbuch werde unter
anderem die neue, auf Auslandseinsätze zugeschnittene Struktur der
Bundeswehr sowie die neue Bedrohungslage durch den Terrorismus
beschreiben.
(Quelle: ap)
Spekulationen über weiteren massiven Stellenabbau bei der Telekom
Di.24.10.06 - Die Deutsche Telekom plant nach Medienberichten weitere drastische
Stellenstreichungen. Zusätzlich zum bereits beschlossenen Abbau von
32 000 Jobs bis 2008 sollten in den folgenden zwei Jahren weitere 23
000 Stellen gestrichen werden.
Das berichtete die «Bild»-Zeitung unter Berufung auf ein
internes Vorstandspapier. Damit würden bis 2010 insgesamt 55 000
Arbeitsplätze bei der Telekom wegfallen, schreibt das Blatt.
Grundsätzlich gehe der Vorstand davon aus, dass der Konzern nur
noch rund 93 000 Menschen in Deutschland «wettbewerbsfähig
beschäftigen» könne. Von den derzeit 167 000
Vollzeitstellen müssten demnach 74 000 abgebaut werden.
Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkhammer wies die Berichte
zurück. «Ich kann definitiv sagen, dass solche Pläne auf
Vorstandsebene nicht angedacht sind», sagte Klinkhammer in Bonn.
Das genannte Vorstandspapier gebe es nicht. Grundsätzlich
hält Klinkhammer einen weiteren Stellenabbau nach 2008 aber
für möglich. «Es kann niemand im Ernst sagen, dass es
keinen Personalabbau mehr geben wird.» Der Manager verwies dabei
auf das regulatorische Umfeld und den harten Wettbewerb, der vor allem
der Festnetzsparte T-Com zusetzt.
Der Personalvorstand zeigte sich offen für einen Ausschluss von
betriebsbedingten Kündigungen über das Jahr 2008 hinaus.
«Ich werde nur für einen sozialverträglichen
Personalabbau stehen», sagte Klinkhammer, der seit elf Jahren im
Vorstand der Telekom sitzt. Er rechne damit, dass Verhandlungen mit der
Gewerkschaft ver.di über eine Verlängerung der Vereinbarung
Ende 2007 oder Anfang 2008 stattfinden werden. «Einer
Verlängerung würden wir bei Gegenleistungen zustimmen - die
müssten aber erheblich sein.»
Die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» berichtete,
die Stellenstreichungen seien Teil der Maßnahmen von Telekom-Chef
Kai-Uwe Ricke, mit denen er eine «nachhaltige
Effizienzsteigerung» im Konzern erreichen wolle. Dabei stehe Ricke
von Seiten der Aktionäre unter Druck, letztlich gehe es auch um
seinen Posten. Die Zeitung bezog sich ebenfalls auf das Vorstandspapier
und nannte die Informationen daraus trotz des Telekom-Dementis
«zuverlässig». Laut «Bild»-Zeitung werden
in dem Papier Probleme deutlich benannt. Der Konzern liege bei den
Kosten «noch deutlich hinter dem Wettbewerb». Ein Grund
seien die Produktivitätsnachteile von 50 bis 70 Prozent
gegenüber dem Markt.
Die Gewerkschaft ver.di warnte die Unternehmensspitze vor einem
weitergehenden Stellenabbau. Sollten sich die Pläne
bestätigen, würde das Management ungebremst in eine
wirtschaftliche Sackgasse rasen mit fatalen Folgen für das
Personal, sagte Bundesvorstand Lothar Schröder in Berlin. Bereits
die schon geplanten Stellenstreichungen hätten schwerwiegende
Folgen. So fehlten in vielen kundennahen Bereichen ausreichend
Fachleute. Das führe auch dazu, dass immer mehr Kunden der Telekom
den Rücken kehrten.
Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Fritz Kuhn,
sagte: «Stellenabbau-Zahlen dieser Dimension fallen nicht einfach
vom Himmel, sondern sind vielfach das Ergebnis grober Management-Fehler
und falscher Unternehmensstrategie.» Ricke habe sich offenbar zu
lange auf einer starken Marktposition ausgeruht und den Wettbewerbsdruck
im Mobilfunk und die Veränderungen bei der Computer-Telefonie
missachtet.
Massive Stellenstreichungen gab es immer wieder bei Europas
führendem Telekomkonzern. Etwa 100 000 Menschen mussten seit der
Privatisierung 1995 das Unternehmen verlassen. Zugleich wurden in den
vergangenen Jahren zahlreiche neue Arbeitsplätze bei den T-Punkten
und in Bereichen wie der Glasfasertechnologie geschaffen.
Im August hatte die Telekom schlechte Zahlen für das erste
Halbjahr vorgelegt und musste die Prognose für Umsatz und Gewinn im
Gesamtjahr 2006 senken. Zwar verdiente der Konzern in den ersten sechs
Monaten gut zwei Milliarden Euro, das waren allerdings 6,5 Prozent
weniger als im Vorjahreszeitraum. Nach dieser Bilanz war darüber
spekuliert worden, ob Rickes bis Herbst 2007 laufender Vertrag als
Telekom-Chef verlängert wird.
(Quelle: dpa)
Wirtschaft beklagt Auswanderung qualifizierter Arbeitskräfte
Di.24.10.06 - Die Wirtschaft befürchtet den Verlust hoch qualifizierter
Arbeitskräfte durch die zunehmende Auswanderung von Deutschen ins
Ausland. Weit mehr als die Hälfte der Emigranten sei jünger
als 35 Jahre.
«Darunter sind viele qualifizierte und hoch motivierte
Köpfe. Das ist ein Alarmzeichen», sagte der Präsident
des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg
Braun, der Zeitung «Die Welt» (Montag). Der bildungs- und
forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg
Tauss, bezeichnete die Warnung als «schlichte Frechheit».
Anfang Juli hatte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitgeteilt,
dass im vergangenen Jahr rund 145 000 Deutsche ihrer Heimat den
Rücken gekehrt haben. Das war nach Angaben der Statistiker die
höchste registrierte Abwanderung von Deutschen seit 1950.
Eine zentrale Ursache dieses Phänomens ist aus Sicht von Braun,
dass andere Länder oft bessere Standortbedingungen als Deutschland
haben. Die hohen Steuern und Sozialabgaben, ein nahezu
undurchlässiger Arbeitsmarkt und Defizite in der Bildungs- und
Betreuungs-Infrastruktur stellten erhebliche Standortnachteile dar.
«Deutschland muss deshalb endlich seine Strukturprobleme anpacken
und so für qualifizierte Fachleute ein möglichst attraktiver
Standort sein.»
Der SPD-Bildungspolitiker Tauss reagierte mit Unverständnis auf
Brauns Kritik: «Eine Wirtschaft, die qualifizierten Menschen keine
Jobs anbieten kann, sie monatelang mit unbezahlten Praktika
beschäftigt, keinerlei Konzept hat, bereits ausgewanderten
Fachkräften im Ausland freiwerdende Jobs in Deutschland anzubieten,
hat keinerlei Berechtigung, sich über die Folgen der eigenen
Politik zu beklagen», sagte er.
Mit Empörung haben die Nachwuchsorganisationen der großen
Parteien auf die Kritik aus der Wirtschaft an der Abwanderung hoch
qualifizierter junger Arbeitskräfte ins Ausland reagiert. So
bezeichnete der Vorsitzende der Jungsozialisten, Björn
Böhning, die mangelnde Bereitschaft der Unternehmen, junge Leute
einzustellen, als Skandal. Auch die Ausbildungszusagen würden seit
Jahren nicht eingehalten, sagte Böhning der «Thüringer
Allgemeinen» (Dienstagausgabe).
Der Vorsitzende der Jungen Union von CDU/CSU, Philipp Mißfelder,
sagte derselben Zeitung, den Begriff «Generation Praktikum»
gebe es ja schon. So seien viele Unternehmen offenbar der Auffassung,
dass es sich rechne, wenn man Leute unbezahlt arbeiten lasse.
Stattdessen sei auch die Wirtschaft gefordert, Innovationen in
Deutschland stattfinden zu lassen und nicht ins Ausland zu verlagern.
(Quellen: dpa, ap)
SPD beklagt zunehmende Konzentration des Reichtums
Di.24.10.06 - Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Stöckel hat eine zunehmende
Konzentration des Reichtums in Deutschland beklagt. 1993 hätten
sich auf zehn Prozent der Haushalte 44,7 Prozent der Vermögenswerte
konzentriert, bis 2003 sei dieser Anteil auf 46,8 Prozent der
Vermögenswerte gestiegen, sagte Stöckel am Montag im
Deutschlandradio Kultur. Für Montagmittag hatte die
SPD-Bundestagsfraktion eine Konferenz zum Thema «Reichtum in
Deutschland» angesetzt.
Konzentration und Vererbung von Vermögenswerten verfestigten die
Lebenschancen der Menschen, erklärte Stöckel, der auch
Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Verteilungsgerechtigkeit ist. Eliten
kämen in Deutschland fast nur aus dem reichen Teil der
Gesellschaft, während aus dem unteren Teil kaum Aufstieg
möglich sei. Nur im mittleren Bereich gebe es eine gewisse Chance,
auf- oder abzusteigen, sagte der SPD-Politiker.
Die Integration und die Sicherung von Teilhabe weniger qualifizierter
Menschen sei eine Daueraufgabe der Gesellschaft. Dabei gehe es nicht nur
um eine finanzielle Grundsicherung, sondern auch um Zugang zu Bildung,
Gesundheitswesen und Verkehrsmitteln. Außerdem sei der in den
Hartz-IV-Gesetzen festgeschriebene Anspruch des Förderns von
Arbeitssuchenden und gering qualifizierten noch nicht umgesetzt, sagte
Stöckel.
(Quelle: ap)
Bundesweit uneinheitliche Sanktionsquoten für
Hartz-IV-Empfänger
Di.24.10.06 - Hartz-IV-Empfänger werden je nach Bundesland unterschiedlich
häufig mit Sanktionen belegt. Hauptgrund hierfür ist die
jeweilige Lage am Arbeitsmarkt, wie die Sprecherin der Nürnberger
Bundesagentur für Arbeit (BA), Ilona Mirtschin, am Montag auf
AP-Anfrage erklärte. Das ARD-Magazin «Fakt» hatte zuvor
vorab berichtet, dass es trotz bundeseinheitlicher Gesetze Defizite bei
den Sanktionen gebe.
In Bundesländern mit hoher Arbeitslosigkeit werden laut Mirtschin
weniger Strafen verhängt, weil dort den Hartz-IV-Empfängern
auch weniger Jobangebote unterbreitet werden könnten. Umgekehrt
wiesen Bundesländer mit gutem Arbeitsmarkt eine entsprechend
höhere Bestrafungsquote auf. «Guter Arbeitsmarkt, hohe
Sanktionsquote, schlechter Arbeitsmarkt, schlechte Quote», fasste
die BA-Sprecherin zusammen. Dass in jedem Bundesland eine annähernd
gleich hohe Quote erreicht werde, sei weder angestrebt noch
realistisch, betonte sie.
In Rheinland-Pfalz, das im September eine Arbeitslosenquote von 7,4
Prozent erreicht hatte, war mit 3,7 Prozent die höchste Zahl an
Arbeitslosen mit Sanktionen belegt worden. In Bayern waren es 3,2
Prozent. In den Bundesländern Brandenburg, Sachsen und
Sachsen-Anhalt, die Arbeitslosenquoten zwischen 15,9 und 17,5 Prozent
hatten, waren es nur jeweils 1,6 Prozent.
Sanktionen werden in erster Linie dann verhängt, wenn Jobsuchende
eine zumutbare Arbeit oder Maßnahme ablehnen oder abbrechen. Auch
Arbeitslose, die vereinbarte Termine nicht wahrnehmen, müssen mit
Strafmaßnahmen rechnen.
Als weitere Gründe für die verschiedenen Quoten führte
Mirtschin eine möglicherweise unterschiedliche Herangehensweise der
jeweiligen Fallmanager in den Arbeitsagenturen an. Darüber hinaus
würden in den Statistiken nur jene Sanktionen erfasst, die
über die Software «A2LL» bearbeitet würden.
Derzeit sei aber nicht sichergestellt, dass alle Mitarbeiter damit
arbeiteten.
Auch der Forschungsdirektor beim Institut der Zukunft der Arbeit (IZA)
in Bonn, Richard Schneider, erklärte laut «Fakt», es
müsse noch andere Gründe für die «erstaunliche
Schwankungsbreite» geben. «Das ist nicht alleine durch
regional unterschiedlich gut funktionierende Arbeitsmärkte zu
erklären, sondern das muss auch noch damit etwas zu tun haben, dass
in den (...) entsprechenden Sozialbehörden doch sehr
unterschiedlich mit dem Instrument umgegangen wird», wird
Schneider in der Vorabmeldung zitiert. Die Sendung sollwurde am
Montagabend in der ARD ausgestrahlt werden.
(Quelle: ap)
Städtetag sieht Kinderbetreuung gefährdet
Di.24.10.06 - Der Deutsche Städtetag befürchtet einen Rückschlag beim
Ausbau der Kinderbetreuung, falls der Bund die Unterkunftskosten
für die Langzeitarbeitslosen nicht deutlich erhöht. Für
die im «Hartz IV»-Gesetz zugesicherte Entlastung der
Kommunen seien im kommenden Jahr rund 5,8 Milliarden Euro erforderlich,
sagte Hauptgeschäftsführer Stephan Articus der Chemnitzer
«Freien Presse» (Montagausgabe) laut Vorabbericht. Insofern
wäre der von den Ländern vorgeschlagene Kompromiss von 4,7
Milliarden Euro für die Städte außerordentlich
schmerzlich, da die volle Entlastung der Kommunen nicht erreicht werde.
Articus forderte die Bundesregierung auf, sich einen
«großen Ruck» zu geben und die ihre Zusage
einzuhalten. Er verwies darauf, dass die Städte bereits in die
Betreuungsplätze für unter Dreijährige investierten,
obwohl die gesicherte Finanzierungsgrundlage bei «Hartz IV»
nach wie vor fehle. Es passe nicht zusammen, wenn der Bund mehr
Kindergartenplätze von den Kommunen verlange, «aber
gleichzeitig die Taschen zuhält». Der Städtetag hoffe
auf Einsicht der Bundesregierung in den Verhandlungen mit den
Ländern über die Höhe der Unterkunftskosten für
«Hartz IV»-Empfänger.
(Quelle: ddp)
Überschuss der Bundesagentur angeblich 12 Milliarden Euro
Di.24.10.06 - Der Überschuss der Bundesagentur für Arbeit (BA) wird in
diesem Jahr möglicherweise noch höher sein als die knapp zehn
Milliarden Euro, die von der Behörde bereits genannt wurden. Die
Tageszeitung «Die Welt» (Dienstagausgabe) berichtete unter
Berufung auf «Kreise, die der BA nahe stehen», die Agentur
steuere «auf ein Plus von zwölf Milliarden zu».
Die Bundesagentur wollte dies nicht bestätigen. Ein Sprecher der
BA sagte am Montagabend auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP, nach wie
vor werde mit einem Überschuss zwischen 8,8 Milliarden und 9,6
Milliarden Euro gerechnet. Allenfalls, «wenn es günstig
läuft», werde für das ganze Jahr «ein leicht
zweistelliger Milliardenbetrag» erreicht. Zwölf Milliarden
sei aber eindeutig zu hoch gegriffen.
Die ungewöhnlich gute Finanzsituation der BA hatte zahlreiche
Politiker schon vor Wochen veranlasst, eine Senkung des
Arbeitslosenversicherungsbeitrages über die bereits beschlossene
Reduzierung von 6,5 auf 4,5 Prozent hinaus zu fordern.
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hatte daraufhin
erklärt, eine stärkere Senkung werde «wohlwollend
geprüft».
(Quelle: ap)
Streit um Sozialkürzungen für Flüchtlinge
Di.24.10.06 - In der Debatte über ein Bleiberecht für Ausländer hat
die Union drastische Sozialkürzungen für Flüchtlinge
gefordert. Wie die «Frankfurter Rundschau»
(Dienstagausgabe) berichtete, planen CDU und CSU, dass Asylbewerber und
Flüchtlinge, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten,
auf Dauer rund ein Drittel weniger Geld vom Staat bekommen als
Sozialhilfeempfänger. Bisher ist diese Leistungskürzung auf
einen Übergangszeitraum von maximal drei Jahren befristet.
Im Gegenzug will die Union nach Angaben der Zeitung Ausländern
ohne sicheren Aufenthaltsstatus eine
«Schnupperarbeitserlaubnis» erteilen. «Sie sollen
sich als nützlich erweisen, indem sie die Sozialkassen durch
Arbeit entlasten», sagte CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl dem
Blatt. Aus SPD-Regierungskreisen hieß es laut «Frankfurter
Rundschau», eine dauerhafte Leistungskürzung für
Flüchtlinge sei «inakzeptabel» und
«verfassungsrechtlich bedenklich». Die von der Union
geforderte «Entfristung» der reduzierten Asylbewerberhilfen
sei für seine Fraktion «nicht verhandelbar», sagte der
SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz.
(Quelle: ap)
Türkisch-islamische Union will Kirchen an Islamkonferenz beteiligen
Di.24.10.06 - Die türkisch-islamischen Union der Anstalt für Religion
(DITIB) möchte die Kirchen an der Islamkonferenz beteiligen. Der
DITIB-Dialogbeauftragte Bekir Alboga sagte der «Neuen
Osnabrücker Zeitung» (Montagausgabe) laut Vorabbericht, in
der Islamkonferenz habe er die konstruktive Stimme der Kirche vermisst.
Bisher seien auf deutscher Seite nur staatliche Vertreter beteiligt.
Alboga hatte für die DITIB an der Konferenz teilgenommen.
Alboga betonte, gerade die Kirchen träten gegen die
Diskriminierung der Muslime in Deutschland ein und unterstützten
den Wunsch nach einem islamischen Religionsunterricht und den
interreligiösen Dialog.
Kritisch bewertete Alboga Forderungen, in den Moscheen müsse in
deutscher Sprache gepredigt werden. Er sei keineswegs grundsätzlich
dagegen, aber eine solche Praxis werde nur von Muslimen verlangt,
obwohl beispielsweise in Kirchen mit vielen italienischen und
spanischen Katholiken in Italienisch und Spanisch, aber auch in
Englisch und Griechisch gepredigt werde. «Nicht umsonst entsteht
das Gefühl, als türkischsprachiger Muslim benachteiligt, ja
diskriminiert zu werden», kritisierte Alboga. So werde der
falsche Eindruck erweckt, als würde in vielen Moscheen in
Deutschland Hass gepredigt. Dies sei jedoch nur selten der Fall.
«Wenn in einer deutschen Familie ein Kind verhungert, kann man
auch nicht sagen, alle deutschen Familien wären Kindsmörder,
oder?», fragte Alboga.
Die erste Islamkonferenz wertete er als einen Gewinn für die
deutsche Gesellschaft. Wenn Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(CDU) den Islam als Teil Deutschlands bezeichne, müssten den Worten
aber nun Taten folgen. Dazu gehöre die Anerkennung der islamischen
Gemeinschaft als eine Körperschaft öffentlichen Rechts.
Muslimische Gemeinden müssten mit den christlichen und
freikirchlichen Gemeinden, zumindest jedoch mit den Zeugen Jehovas und
jüdischen Gemeinden gleichgestellt werden. Erfreut zeigte sich
Alboga über die Äußerung Schäubles, mit dem
«C» im Namen seiner Partei verbinde sich kein
Monopolanspruch für eine einzige Religion. Dies stärke die
Hoffnung auf eine baldige Gleichstellung der Muslime in Deutschland.
(Quelle: ddp)