Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertachtundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Bagdad bittet um fortdauernde Stationierung ausländischer Truppen.
US-General: Iraker sollen in 18 Monaten selbst für Sicherheit
sorgen. Russland warnt vor Auseinanderbrechen des Iraks.
US-Streitkräfte im Irak melden Tod von vier ihrer Soldaten. Seit
Kriegsbeginn kamen mindestens 2.801 Mitglieder der US-Truppen im Irak
ums Leben. US-Präsident Bush gerät wegen seiner Irak-Politik
in eigener Partei unter Druck
Mi.25.10.06 - Der stellvertretende irakische Ministerpräsident Barham Saleh hat
angesichts der prekären Sicherheitslage um eine fortdauernde
Stationierung ausländischer Soldaten gebeten. Es gebe keinen Grund
für einen Abzug der Koalitionstruppen, sagte Saleh am Montag vor
einem Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair in London.
Die Diskussion über die Lage im Irak habe in den USA und in Europa
einen pessimistischen, «miesmachenden» Ton bekommen,
kritisierte der stellvertretende Regierungschef.
Bis zum Jahresende könnten irakische Sicherheitskräfte sieben
oder acht der 18 Provinzen kontrollieren, sagte Saleh. Bis sich die
Situation eingependelt habe, müssten jedoch weiterhin
ausländische Soldaten im Irak bleiben.
Die britische Regierung wies Berichte zurück, wonach Bagdad einen
Zeitplan für den Abzug der britischen Soldaten vorlegen soll. Die
Gespräche mit Saleh würden sich allerdings um die rasche
Übergabe der Kontrolle an einheimische Sicherheitskräfte
drehen. «Wir wollen, dass das so schnell wie möglich
passiert, aber werden bleiben, bis der Job erledigt ist», sagte
ein Sprecher.
Der Zeitplan für die Übergabe der Sicherheitsbefugnisse von
den US-Behörden an die irakische Regierung konkretisiert sich. Der
Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Irak, General George
Casey, erklärte am Dienstag, die Iraker sollten in 12 bis 18
Monaten in der Lage sein, mit nur geringer amerikanischer
Unterstützung selbst für Sicherheit zu sorgen. Die USA
sollten gleichzeitig die Anzahl ihrer Soldaten in dem Land weiter
reduzieren, sagte Casey auf einer Pressekonferenz mit US-Botschafter
Zalmay Khalilzad in Bagdad.
«Wir haben einen Drei-Stufen-Plan für den Aufbau der
irakischen Sicherheitskräfte schon zu 75 Prozent
erfüllt», sagte Casey. Falls nötig, würde er aber
auch nicht zögern, Truppenverstärkungen anzufordern.
Khalilzad sagte, die irakische Regierung habe zugestimmt, einen Plan
für anzustrebende Fortschritte bis Ende dieses Jahres
auszuarbeiten. Doch auch die USA müssten ihre Anstrengungen
für einen Erfolg im Irak verdoppeln.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte in Washington,
man arbeite derzeit an einem Zeitplan für die Übergabe von 16
Provinzen an die irakischen Streitkräfte. Der Regierung in Bagdad
werde jedoch nicht bestraft, wenn die Vorgaben nicht eingehalten werden
könnten. Der Nationale Sicherheitsberater Stephen Hadley betonte,
das Kabinett des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki
bemühe sich mehr denn je, die notwendigen harten Entscheidungen
zur Eindämmung der Gewalt im Lande zu treffen. Auch Al-Maliki sei
sich jedoch darüber im Klaren, dass noch mehr getan werden
müsse.
Russland hat vor einem Auseinanderbrechen des Iraks gewarnt. "Wenn sich
nicht schnell etwas ändert und wenn nichts getan wird, um die
Einheit zu stärken, könnte dieses Szenario eintreten", sagte
der russische Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag. Russland
hatte den Einmarsch der USA im Irak 2003 abgelehnt. In dem arabischen
Land ufert die Gewalt immer mehr aus. Vor allem die
Bevölkerungsgruppen der Schiiten und Sunniten bekämpfen sich
immer stärker. Fast jeden Tag werden Menschen bei
Bombenanschlägen getötet. Beobachter sehen das Land kurz vor
einem Bürgerkrieg.
In der südirakischen Stadt Amara wurden am Dienstag zwei
Polizisten getötet. Die beiden Männer wurden nahezu
zeitgleich von unbekannten Angreifern in ihren Wohnhäusern
erschossen, wie ein Krankenhaussprecher mitteilte. In Amara hatten sich
am Wochenende Anhänger der schiitische Mahdi-Miliz heftige
Gefechte mit den Sicherheitskräften geliefert. Dabei wurden
mindestens 25 Menschen getötet.
Die US-Streitkräfte im Irak meldeten den Tod von vier weiteren
ihrer Soldaten bei Bombenanschlägen oder Kämpfen mit
Aufständischen. Damit wurden seit Anfang Oktober 91 Amerikaner im
Irak getötet - so viele wie noch nie in einem einzigen Monat
dieses Jahres. Seit Beginn des Kriegs im März 2003 kamen laut
einer Zählung der Nachrichtenagentur AP mindestens 2.801
Mitglieder der US-Truppen im Irak ums Leben.
US-Truppen haben am Dienstag auf der Suche nach einem vermissten
Soldaten Teile der irakischen Hauptstadt Bagdad durchkämmt.
Die US-Armee befürchtet eine Entführung des Übersetzers.
Mit Unterstützung von gepanzerten Fahrzeugen und Hubschraubern
sperrte die US-Armee das Stadtviertel Karrada ab, das von Sunniten und
Schiiten bewohnt wird. Sie errichteten Straßenkontrollen und
durchsuchten Haus für Haus. "Wir nutzen alle zur Verfügung
stehenden Ressourcen", sagte ein Sprecher, "Bodentruppen und
Luftunterstützung".
Der Vorfall weckte Erinnerungen an die Entführung zweier
US-Soldaten im Juni bei Jussufija, einer Al-Kaida-Hochburg südlich
von Bagdad. Ihre Leichen wurden später verstümmelt
aufgefunden. Der Oktober ist in diesem Jahr jetzt schon der Monat mit
den höchsten Verlusten für die US-Armee, mindestens 86
Soldaten sind bislang getötet worden.
Gut zwei Wochen vor der Kongresswahl gerät US-Präsident
George W. Bush wegen seiner Irak-Politik auch aus den Reihen seiner
eigenen Partei zunehmend unter Druck. Eine bessere Strategie sollte
«eher früher als später» umgesetzt werden,
forderte der republikanische Senator Arlen Specter. Bush dürfe mit
einer Taktik-Änderung nicht bis nach der Wahl Anfang November
warten, sagte Specter am Sonntag dem Fernsehsender CNN. Abgeordnete
beider Parteien riefen Bush auf, mehr Druck auf die Regierung in Bagdad
auszuüben.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki müsse sich
verstärkt für eine politische Lösung der Kämpfe
zwischen Sunniten und Schiiten einsetzen, hieß es in Washington.
Der demokratische Senator John Kerry, der Bush bei der letzten
Präsidentschaftswahl 2004 unterlegen war, forderte im Fernsehsender
ABC eine eigenverantwortliche Lösung der politischen
Schwierigkeiten im Irak bis zum Jahresende. Al-Malikis Regierung
müsse zu mehr Kompromissen bereit sein, sagte der demokratische
Senator Carl Levin im Fernsehsender Fox. Sollte sie das nicht wollen,
«müssen wir ihnen sagen: 'Ihr macht das ohne uns'».
(Quellen: ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 25.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertvierundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Israelische Armee zieht sich aus südlichem Gazastreifen zurück
Mi.25.10.06 - Die israelische Armee hat sich am Dienstag aus dem Süden des
Gazastreifens zurückgezogen. Vor dem Abzug hätten die
Streitkräfte 15 unterirdische Tunnel entdeckt und gesprengt, die
zum Waffenschmuggel über die Grenze aus Ägypten benutzt worden
seien, teilte ein Armeesprecher in Jerusalem mit. Rund 1000 Soldaten
waren an der Operation nahe der ägyptischen Grenze beteiligt -
laut Armeeangaben die bedeutendste seit dem israelischen Rückzug
aus dem Gazastreifen im vergangenen September. Die israelischen
Soldaten im Norden des Gazastreifen bleiben dem Sprecher zufolge bis
auf weiteres im Einsatz.
(Quelle: afp)
USA verweigern Politikwissenschaftler aus Südafrika die Einreise
Mi.25.10.06 - Die USA haben einem südafrikanischen Politikwissenschaftler die
Einreise verweigert. Der Direktor des Forschungsrats für
Humanwissenschaften, Adam Habib, wurde am vergangenen Samstag nach der
Landung in New York mehrere Stunden lang festgehalten und
schließlich nach Johannesburg abgeschoben.
«Ich bin völlig verstört», sagte Habib am
Dienstag der Nachrichtenagentur AP in Kapstadt. Er wollte in New York
an mehreren Konferenzen unter anderem bei der Weltbank teilnehmen. Nach
der Landung sei er von amerikanischen Beamten wegen möglicher
Verbindungen zu terroristischen Organisationen befragt worden.
Schließlich sei er von bewaffneten Personen zu einem Flugzeug
nach Johannesburg gebracht worden. Bei früheren Reisen in die USA
habe er nie Probleme gehabt.
Habibs Institut forderte die US-Botschaft in Pretoria schriftlich zu
einer Erklärung auf und bat das südafrikanische
Außenministerium um Intervention. Habib war vor 1994 ein
Vorkämpfer gegen die Apartheid und hat sich zuletzt wiederholt
gegen Korruption, Intoleranz und Terrorismus ausgesprochen.
Sprecherinnen der Zoll- und Grenzschutzbehörde in New York und
Washington bestätigten, dass Habib die Einreise verweigert worden
sei. Das Außenministerium erklärte, das Visum Habibs
für die USA sei zurückgezogen worden. Einen Grund dafür
nannte das Ministerium nicht.
(Quelle: ap)
Liste zur Pressefreiheit: USA rutschen ab
Mi.25.10.06 - Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) sieht eine
alarmierende «Aushöhlung der Pressefreiheit» in den
USA, Frankreich und Japan. Deutschland fiel nach der
«Cicero»- und der BND-Affäre in der weltweiten
Rangliste zur Pressefreiheit vom 18. auf den 23. Platz zurück.
Am schwierigsten ist die Situation für Journalisten der Liste
zufolge in Nordkorea, Turkmenistan und dem Schlusslicht Eritrea. Dort
sei Pressefreiheit ein Fremdwort, erklärte die ROG in Berlin und
Paris. Russland belegt den 147. Platz unter den 166 Ländern. Der
Erfassungszeitraum endete im August, noch vor dem Mord an der kritischen
Journalistin Anna Politkowskaja.
Die USA rutschten gegenüber dem Vorjahr um neun Plätze ab und
belegten den 53. Rang. «Die Beziehungen zwischen den Medien und
der Bush-Administration haben sich massiv verschlechtert, seitdem dem
Präsidenten jeder Journalist verdächtig erscheint, der den
"Anti-Terror-Krieg" kritisch hinterfragt», urteilte ROG. In
mindestens 17 US-Bundesstaaten werde der Quellenschutz abgelehnt.
In Frankreich (Rang 35) hätten Redaktions- und Hausdurchsuchungen
zugenommen. In Japan bedrohten zunehmender Nationalismus und das System
der exklusiven Presseclubs die demokratischen Standards. Das Land fiel
um 14 Plätze auf Rang 51 der Liste, die zum fünften Mal
erstellt wurde.
In Deutschland war ans Licht gekommen, dass der Bundesnachrichtendienst
(BND) über Jahre hinweg Journalisten illegal überwachte. Beim
Magazin «Cicero» gab es Redaktions- und Hausdurchsuchungen,
ein Verfahren wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat wurde inzwischen
eingestellt. «Der Zugang zu Daten ist - trotz Verabschiedung des
Informationsfreiheitsgesetzes - zum Teil immer noch erschwert»,
heißt es zur Situation in Deutschland.
Bei den «größten Feinden der Pressefreiheit»
habe sich kaum etwas geändert, stellt Reporter ohne Grenzen fest.
«Journalisten in Nordkorea, Eritrea, Turkmenistan, Kuba, Myanmar
und China riskieren für unabhängige Recherchen und Berichte
noch immer massive Drohungen, Schikanen und langjährige
Haftstrafen, manchmal sogar ihr Leben.»
An der Spitze der Rangliste stehen nach wie vor nordeuropäische
Länder wie Finnland, Irland, Island und die Niederlande, die sich
den ersten Platz teilen. Dänemark verlor den Spitzenplatz nach der
Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen im Herbst 2005. Autoren
wie Journalisten wurden bedroht und mussten Polizeischutz beantragen -
«in einem Land, das für die Achtung von Bürgerrechten
bekannt ist». Positive Trends gab es auch: Haiti und Mauretanien
hätten etwas an Boden gewonnen. Bolivien und Bosnien-Herzegowina
konnten sich unter den ersten 20 Ländern platzieren. Bewertet
wurden Daten zu 50 Fragen aus den 166 Ländern.
(Quelle: dpa)
Arbeiter blockieren Coca-Cola-Abfüllung in Venezuela
Mi.25.10.06 - Ehemalige Arbeiter von Coca-Cola-Betrieben in Venezuela haben die
Abfüllung und den Vertrieb von Getränken des US-Konzerns
blockiert. Sie werfen dem Unternehmen vor, versprochene Abfindungen in
Höhe von insgesamt 2,8 Millionen dollar (2,2 Millionen Euro) nicht
gezahlt zu haben. Gespräche zur Beilegung des Konflikts wurden im
August aufgenommen, haben bislang aber nicht zu Ergebnissen
geführt.
Die Blockadeaktionen haben alle vier Abfüllbetriebe von Coca-Cola
sowie 23 von 32 Vertriebszentren in dem südamerikanischen Land
lahm gelegt, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Die Proteste
werden von Anhängern des linksgerichteten Präsidenten Hugo
Chavez unterstützt. Teilnehmer der Blockaden trugen T-Shirts, auf
denen zum Boykott von Coca-Cola aufgerufen wurde.
(Quelle: ap)
Arbeiter aus Rumänien und Bulgarien in Westeuropa nicht willkommen
Mi.25.10.06 - Bulgaren und Rumänen dürfen nach ihrem EU-Beitritt am 1.
Januar nur sehr eingeschränkt auf Zugang zum westeuropäischen
Arbeitsmarkt hoffen. Großbritannien und Irland, die bei der
letzten EU-Erweiterungsrunde im Jahr 2004 ihre Türen sofort
für Bürger der neuen Mitgliedstaaten geöffnet hatten,
kündigten am Dienstag eine restriktivere Praxis für das
kommende Jahr an. London und Dublin sind zwei von wenigen Regierungen
in Westeuropa, von denen überhaupt eine sofortige Öffnung des
Arbeitsmarktes erwartet wurde.
Die britische Regierung erklärte, sie werde ihren Arbeitsmarkt
frühestens 2008 für Bulgaren und Rumänen öffnen,
die irische Regierung sprach von einer zweijährigen
Übergangszeit. Das bulgarische Außenministerium kritisierte
die Entscheidung. Bulgarien erwäge, im Gegenzug die
Freizügigkeit von Arbeitnehmern aus allen Staaten zu
beschränken, die ihre Arbeitsmärkte abschotteten,
erklärte das Ministerium in Sofia.
Die EU-Kommission äußerte ihr Bedauern darüber, dass
mehrere Mitgliedstaaten, die sich im Jahr 2004 für die
EU-Neubürger geöffnet hätten, «sich nicht für
Bulgarien und Rumänien öffnen wollen». Neben
Großbritannien hatten vor zwei Jahren nur Schweden und Irland
ihre Arbeitsmärkte vollständig den Bürgern der neuen
Mitgliedstaaten zugänglich gemacht. Daraufhin gingen
Hunderttausende Osteuropäer, vor allem Polen, nach
Großbritannien und Irland.
Die EU-Kommission hat dies stets als Erfolgsgeschichte dargestellt. Auf
die Anmerkung eines Journalisten, die britische Regierung sehe dies
offenbar anders, erklärte Kommissionssprecherin Katharina von
Schnurbein: «Die Fakten sind unbestreitbar: Die Arbeitslosigkeit
ist gesunken.» Es sei aber möglich, dass die Regierungen
neben wirtschaftlichen Folgen «auch andere Fragen in Betracht
ziehen», räumte sie ein.
Im Falle Rumäniens und Bulgariens hat bislang nur Finnland
ausdrücklich erklärt, es werde seinen Arbeitsmarkt am 1.
Januar vollständig öffnen. Der deutsche Bundestag stimmt in
dieser Woche über den EU-Beitritt der beiden Länder ab und
wird gleichzeitig voraussichtlich auch Übergangsregeln für
eine allmähliche Öffnung des Arbeitsmarktes beschließen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Weißbuch zur Sicherheitspolitik bereitet Boden für
Bundeswehreinsatz im Innern
Mi.25.10.06 - Die Bundeswehr soll zur Abwehr terroristischer Gefahren verstärkt
auch im Innern eingesetzt werden können. Das geht aus dem
«Weißbuch zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur
Zukunft der Bundeswehr» hervor, das der Deutschen Presse-Agentur
(dpa) vorliegt und das an diesem Mittwoch im Kabinett verabschiedet
werden soll.
Der Einsatz der Bundeswehr im Inland ist nach wie vor zwischen den
Koalitionsparteien Union und SPD heftig umstritten.
Betont wird in dem gut 130 Seiten umfassenden Werk, dass
Sicherheitspolitik sich nicht nur auf militärische Mittel
beschränken darf. Neu ist in dem Konzept auch der Begriff einer
global vernetzten Sicherheit. Das Weißbuch kam unter
Federführung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zu
Stande.
«Die Abwehr terroristischer und anderer asymmetrischer
Bedrohungen innerhalb Deutschlands ist vorrangig eine Aufgabe der
für die Innere Sicherheit zuständigen Behörden von Bund
und Ländern», wird in dem Weißbuch betont.
«Jedoch kann die Bundeswehr zu ihrer Unterstützung mit den
von ihr bereit gehaltenen Kräften und Mitteln immer dann im Rahmen
geltenden Rechts zu Einsatz kommen, wenn nur mit ihrer Hilfe eine
derartige Lage bewältigt werden kann, insbesondere, wenn nur sie
über die erforderlichen Fähigkeiten verfügt oder wenn
die zuständigen Behörden erst zusammen mit Kräften der
Bundeswehr den Schutz der Bevölkerung und gefährdeter
Infrastrukturen sicherstellen können.»
Verwiesen wird in dem Weißbuch auf die bereits jetzt
verfassungsrechtlich abgesicherten Bundeswehrleistungen bei der Luft-
und Seeraumüberwachung sowie bei der Bewältigung von
Naturkatastrophen. Ein klares Bekenntnis wird zur Fortsetzung der
Wehrpflicht gegeben. Das neue Weißbuch soll die inzwischen 12
Jahre alte Fassung aktualisieren, die 1994 noch zu Zeiten der
christlich-liberalen Regierung entstanden ist. Noch vor der offiziellen
Verabschiedung im Kabinett, das aus diesem Grund im
Verteidigungsministerium tagt, kam heftige Kritik aus der Opposition
und von Verbänden.
Nach Meinung der FDP-Sicherheitspolitikerin Birgit Homburger ist der
Vorstoß von Jung und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(CDU) ein weiterer Beweis für «das sture Festhalten an alten
ideologischen Forderungen der Union». Die stellvertretende
Vorsitzende der Linksfraktion, Petra Pau, sagte, «nachdem der
Blitzkrieg gegen die Verfassung gescheitert ist, geht die
Bundesregierung zum Zermürbungskampf über». Der
Bundeswehrverband und die Polizeigewerkschaft sprachen sich gegen eine
Aufweichung der bisherigen Aufgabentrennung aus.
Jung sagte auf einem sicherheitspolitischen Forum der «Welt am
Sonntag» in Berlin, bei einer Terror-Bedrohung Deutschlands aus
der Luft oder von See aus reichten die polizeilichen Mittel
möglicherweise nicht aus. «Dafür brauche ich die Mittel
der Bundeswehr.»
In dem Weißbuch heißt es zu diesem brisanten Thema weiter:
«Die in der Vergangenheit bewährten Strategien zur Abwehr
äußerer Gefahren reichen gegen die neuen asymmetrischen
Bedrohungen nicht aus.» Bisher dürfen auf der Grundlage des
Grundgesetzes militärische Kampfmittel nicht eingesetzt werden.
«Deshalb sieht die Bundesregierung die Notwendigkeit einer
Erweiterung des verfassungsrechtlichen Rahmens für den Einsatz der
Streitkräfte vor», heißt es weiter.
Verwiesen wird darauf, dass die NATO auch künftig der
stärkste Anker der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik
sei. Bereits 200 000 deutsche Soldaten hätten inzwischen an
Einsätzen im Ausland teilgenommen. Skizziert wird eine potenzielle
Bedrohung durch die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Thema ist auch der Schutz der internationalen Transportwege für
einen ungehinderten Warenaustausch.
(Quelle: dpa)
BND und BKA angeblich seit 2001 über US-Gefängnisse im Bild
Mi.25.10.06 - Deutsche Behörden haben angeblich bereits deutlich früher als
bislang bekannt gewusst, dass die USA in Europa Gefängnisse
für Terrorverdächtige unterhielten und die Gefangenen dort
auch misshandelt worden seien. Bereits wenige Wochen nach den
Anschlägen vom 11.September 2001 seien das Bundeskriminalamt (BKA)
und der Bundesnachrichtendienst (BND) über mögliche
Kriegsverbrechen in einem US-Gefängnis im bosnischen Tuzla
informiert worden, berichtet der "Stern". Das Blatt beruft sich dabei
auf geheime BND-Unterlagen. BKA und BND wollten den Bericht nicht
kommentieren.
Dem "Stern"-Bericht zufolge erfuhren zwei BKA-Beamte und ein
BND-Dolmetscher bei einem Besuch auf dem US-Stützpunkt "Eagle Base"
in Tuzla von den Misshandlungen. Dort sei ein 70-jähriger
Terrorverdächtiger so schwer geschlagen worden, "dass die bei der
Verhaftung mit Gewehrkolben zugefügte Kopfwunde 20 Stiche
benötigte", zitiert das Blatt aus dem BND-Bericht.
Der verantwortliche US-Amerikaner sei auf sein gewalttätiges
Vorgehen "offensichtlich stolz" gewesen. Ein "Großteil" der damals
von US-Seite beschlagnahmten Dokumente sei "extrem blutbeschmiert"
gewesen. Einer der beiden BKA-Männer habe das Vorgehen der
US-Seite in dem Bericht mit serbischen Kriegsverbrechen gleichgesetzt.
Die drei Beamten von BND und BKA seien nach Rücksprache mit dem
Generalbundesanwalt umgehend aus Tuzla abgereist, berichtet der "Stern"
weiter. Über die Vorgänge seien neben dem BND und dem BKA auch
das Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr informiert worden.
(Quelle: afp)
Bundespräsident lehnt Privatisierung der Flugsicherung ab
Mi.25.10.06 - Bundespräsident Horst Köhler hat das Gesetz zur
Privatisierung der Flugsicherung abgelehnt. Zur Begründung
führte Köhler an, das am 7. April vom Bundestag verabschiedete
Vorhaben verstoße gegen das Grundgesetz, teilte das
Bundespräsidialamt in Berlin mit. Insbesondere kritisierte der
Bundespräsident, eine privatisierte Flugsicherung sei "mit dem
Erfordernis der bundeseigenen Verwaltung" nicht vereinbar sowie die
mangelnden Kontrollrechte des Bundes und die geringen
gesellschaftsrechtlichen Einflussmöglichkeiten.
Köhler betonte, die Entscheidung richte sich nicht gegen die
Privatisierung einer staatlichen Aufgabe an sich. Diese müsste
jedoch versfassungsgemäß sein. Köhler habe seine
Entscheidung der Bundeskanzlerin, dem Präsidenten des Deutschen
Bundestages und dem Präsidenten des Bundesrates mitgeteilt.
(Quelle: afp)
Fraktionen von SPD und Union stimmen für Gesundheitsreform
Mi.25.10.06 - Die Koalitionsfraktionen haben sich mit breiter Mehrheit hinter den
Gesetzentwurf zur Gesundheitsreform gestellt. SPD und Union beschlossen
mit großer Mehrheit die Einbringung der Vorlage ins Parlament.
Derweil hat die Ärzteschaft den Druck auf die Regierung weiter
erhöht: Auf einem außerordentlichen Ärztetag in Berlin
forderten die Spitzenverbände einen Stopp des Vorhabens. Es drohe
eine "Staatsmedizin mit Einheitsversicherung" und ein Ende der
flächendeckenden Versorgung, sagte der Präsident der
Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe.
Bei der Union gab es weniger als zehn Gegenstimmen, wie weiter
verlautete. Der Gesetzentwurf, der die Einführung eines
Gesundheitsfonds vorsieht, soll am Mittwoch vom Kabinett gebilligt
werden.
Die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen werde durch
Staatsbürokratie und Therapiefreiheit durch Zuteilungsmedizin
ersetzt, kritisierte Hoppe. Heftige Kritik übte er auch an der
geplanten Änderung der ärztlichen Vergütung. Mit Blick
auf die Einführung einer festen Euro-Gebührenordnung sprach
Hoppe von einem "Täuschungsmanöver". Die Budgetierung werde
nicht wie angekündigt abgeschafft, sondern de facto
fortgeschrieben. Zudem solle der Wettbewerb zwischen den
Krankenversicherungen aufgehoben werden, indem die private
Vollversicherung auf Dauer abgeschafft und in eine
Bürgerversicherung überführt werden solle.
Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery,
kritisierte die Reform als "Dokument des Starrsinns". Montgomery hielt
der großen Koalition vor, die Reform gegen den Rat aller
Fachleute durchdrücken zu wollen. "Dies ist ein Handeln wider den
Verstand." Die Regierungsparteien hätten ihre Wahlversprechen
gebrochen. Die Koalition sei angetreten, die Beitragssätze zu
senken und die Gesundheitskosten von den Lohnkosten abzukoppeln. "Das
Gegenteil geschieht nun."
(Quelle: afp)
VdK-Chef Hirrlinger kritisiert Rente mit 67
Mi.25.10.06 - VdK-Präsident Walter Hirrlinger hat deutliche Kritik am
Koalitionsbeschluss für eine Rente mit 67 geübt.
«Für mich führt das Vorhaben der schwarz-roten
Koalition zu einer absoluten Fehlentwicklung. Es ist nichts anderes als
ein Rentenkürzungsprogramm», sagte der Chef des
Sozialverbandes der «Passauer Neuen Presse»
(Mittwochausgabe). Bereits jetzt habe die Hälfte der Rentner in
Deutschland nur bis zu 1.000 Euro Rente im Monat. «Mit den
Rentenkürzungen durch Abschläge von 3,6 Prozent pro Jahr
vorzeitigen Rentenbezugs werden die Renten weiter sinken», sagte
Hirrlinger.
Der VdK-Chef wies zudem darauf hin, dass derzeit mehr als die
Hälfte der Betriebe niemanden mehr beschäftige, der
älter als 50 Jahre sei. «So lange das so ist, darf man
über die Rente mit 67 nicht nachdenken. Die Große Koalition
muss dringend ein ernstes Wort mit den Unternehmen reden, damit die
Beschäftigungschancen Älterer endlich verbessert
werden», sagte Hirrlinger. Die Rente mit 67 werde für die
meisten nur dazu führen, «dass sie länger arbeitslos
sind und wenn sie dann frustriert Rente beantragen, fällt die
wegen der Abschläge für vorzeitigen Rentenbezug noch
niedriger aus».
(Quelle: ap)
Unternehmer können Sozialversicherungspflicht umgehen -
Schlupfloch im EU-Recht
Mi.25.10.06 - Dank eines Schlupflochs im europäischen Recht können
Unternehmer in Deutschland die Sozialversicherungspflicht für
ausländische Arbeiter mit Hilfe von Scheinverträgen straflos
umgehen. Selbst wenn sie nur vorgetäuscht haben, dass die Arbeiter
bei einer Firma eines anderen EU-Staats angestellt sind, können
sie nicht bestraft werden, wenn die ausländische
Sozialbehörde die notwendige EU-Bescheinigung erteilt hat. Der
Bundesgerichtshof sprach daher am Dienstag einen Bauunternehmer und
einen ehemaligen Rechtsanwalt trotz erwiesenen Verstoßes gegen
das Arbeitnehmer-Entsendegesetz frei.
Zur Begründung verwies der BGH auf entsprechende Entscheidungen
des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), wonach diese so genannten
E-101-Bescheinigungen auch dann bindend sind, wenn sie erschlichen
wurden. Die beiden Angeklagten hatten für ihre in Deutschland
tätigen portugiesischen Bauarbeiter keine
Sozialversicherungsbeiträge abgeführt. Stattdessen hatten die
Beschäftigten Scheinverträge mit einer Firma in Portugal
abgeschlossen, die aber weder die Arbeiter selbst noch deren
Aufträge kannte.
Dennoch hatten die portugiesischen Behörden die so
EU-Bescheinigung ausgestellt, mit der - in diesem Fall fälschlich
- dokumentiert wurde, dass die Arbeiter nur vorübergehend nach
Deutschland entsendet werden und in ihrem Heimatland sozialversichert
sind. Auf diese Weise konnte das Unternehmen sich die hohen deutschen
Sozialversicherungsbeiträge sparen. Ermittler kamen den
Angeklagten aber auf die Spur: Da die Bescheinigungen in elf
Fällen nachweislich erschlichen und dadurch
Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von insgesamt 112.000
Euro nicht gezahlt worden waren, verurteilte das Landgericht
München die Männer zu Bewährungs- und Geldstrafen.
Der BGH hob diese Urteile nun auf und sprach die Angeklagten frei. Zur
Begründung verwiesen die Karlsruher Juristen auf den EuGH in
Luxemburg. Nach dessen Rechtsprechung bleibt dem Gastland in solchen
Fällen nur die Möglichkeit, bei der Sozialbehörde des
anderen EU-Staats oder aber über ein so genanntes
Vertragsverletzungsverfahren bei der Europäischen Union eine
Rücknahme der erschlichenen Bescheinigung zu erzwingen. Ob und wie
sich aber eine solche Rücknahme auf ein deutsches Strafverfahren
auswirken würde, bleibt weiterhin offen: Der BGH betonte am
Dienstag, dass er über diese Frage nicht zu entscheiden hatte.
(Aktenzeichen: Bundesgerichtshof 1 StR 44/06)
(Quelle: ap)
Atomkraftgegner hoffen auf mehr Teilnehmer bei Protesten
Mi.25.10.06 - Atomkraftgegner hoffen auf mehr Teilnehmer an den Protesten gegen den
bevorstehenden Castortransport nach Gorleben als in den Vorjahren. Ein
neuer Zeitplan eröffne der Anti-Atomkraftbewegung «ganz neue
Chancen», sagte der Sprecher der Initiative X-tausendmal quer,
Jochen Stay, am Dienstag in Dannenberg. Nach Informationen der
Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg startet der
Transport bereits am 10. November aus der französischen
Wiederaufbereitungsanlage La Hague. Ursprünglich sei der Start erst
für den 11. November geplant gewesen.
Nach Angaben von x-tausendmal quer wird der Transport bereits am 11.
November beim rheinland-pfälzischen Wörth die deutsche Grenze
passieren und einen Tag später im Wendland eintreffen. Auf Grund
des Wochenend-Termins setzen die Umweltschützer auf eine breite
Unterstützung der geplanten Proteste. «Sonntags haben
natürlich viel mehr Menschen Zeit sich an Demonstrationen und
Blockadeaktionen zu beteiligen», sagte Stay. Geplant sei unter
anderem eine gewaltfreie Sitzblockade auf der Straße vor dem
Castor-Verladekran in Dannenberg.
(Quelle: ddp)
Zentralratspräsidentin Knobloch warnt vor Verhältnissen wie
1933
Mi.25.10.06 - Die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland,
Charlotte Knobloch, warnt vor einem neuen Rechtsextremismus und
Antisemitismus in Deutschland. Unter Verweis auf die deutlich
gestiegenen Zahlen rechtsextremer Vorfälle in diesem Jahr sagte
Knobloch am Dienstag in Berlin, die Entwicklung erinnere sie an die Zeit
der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933. «Wer immer noch von
bedauernswerten Einzelfällen spricht, verharmlost die Gefahr
für die gesamte Gesellschaft», hob Knobloch hervor.
Der Rechtsextremismus sei in einigen Schichten der Bevölkerung
mittlerweile «fest verankert», mahnte die
Zentralrats-Präsidentin. Daher sei es an der Zeit, dass die
Bundesregierung zu einem «Demokratie-Gipfel» einlade, bei
dem sich alle relevanten gesellschaftlichen Vertreter auf ein
gemeinsames Vorgehen gegen Rechts verständigen müssten.
Knobloch wies darauf hin, dass neben einem gemäßigten
Auftreten der rechtsextremen NPD die rechte Szene zunehmend auf eine
«Strategie aus Einschüchterung und Gewalt» setze.
Nötig sei, dass Polizei und Justiz «eine harte Linie
gegenüber den Feinden der Demokratie verfolgen».
Schwere Versäumnisse sieht Knobloch bei der Bekämpfung des
Rechtsextremismus in Ostdeutschland. Eine Auseinandersetzung mit dem
Nationalsozialismus habe in der ehemaligen DDR «niemals
stattgefunden», sagte sie. Daher seien zusätzliche
Finanzhilfen für die neuen Länder notwendig.
Nach Angaben der Aktion «Gesicht zeigen» 2005 wurden in
Deutschland knapp 8000 Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund
erfasst, was einer Steigerung um rund 20 Prozent gegenüber dem
Vorjahreszeitraum entspreche.
(Quelle: ddp)