Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertneunundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Präsident Bush 'sehr besorgt' über Lage im Irak.
Ehemaliger UN-Waffeninspekteur Hans Blix bezeichnet US-Vorgehen im Irak
als 'reines Versagen'. Irakischer Regierungschef Maliki: Werden das
staatliche Gewaltmonopol durchsetzen. Gegner des Irak-Kriegs wollen
US-Soldaten mobilisieren
Do.26.10.06 - US-Präsident George W. Bush hat die Lage im Irak angesichts der
jüngsten Welle der Gewalt als sehr Besorgnis erregend bezeichnet.
«Die Geduld der USA im Irak sei «nicht grenzenlos»,
sagte Bush am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Washington.
«Amerikaner haben nicht die Absicht,. ..ins Kreuzfeuer der
rivalisierenden Fraktionen zu geraten», betonte er.
Bush vertraut nach seinen Worten nach voll dem irakischen
Ministerpräsident Nuri al-Maliki, solange dieser weiter die
notwendigen «harte Entscheidungen» treffe, um die
Aufständischen und den Terror zu besiegen. Al-Malikis Aufgabe sei
besonders schwer, so Bush. Das irakische Volk sei von Jahrzehnten der
Tyrannei verunsichert und traumatisiert. «Wir treiben ihn an,
aber wir treiben ihn nicht soweit, dass er seine Ziele nicht erreichen
kann», sagte Bush. Es sei aber notwendig, «bis zu einem
Sieg über die Terroristen zu kämpfen».
Die Sicherheit der USA hänge auch davon ab, dass ein freies Irak
ein Verbündeter im Kampf gegen den Terrorismus werde. «Wir
gewinnen und wir werden gewinnen, außer wir gehen, bevor der Job
erledigt ist», sagte der US-Präsident knapp zwei Wochen vor
den US- Kongresswahlen. Seine republikanischen Parteifreunde
fürchten insbesondere wegen der Irak-Politik Bushs, ihre
Mehrheiten im Senat und Repräsentantenhaus zu verlieren.
Er sei nicht zufrieden mit der Lage im Irak, sagte Bush. Allein im
Oktober seien 93 US-Soldaten und 300 irakische Sicherheitskräfte
getötet worden. Er habe zeitweise gehofft, schon bald US-Truppen
abziehen zu können. Diese Hoffnung habe sich zunächst
zerschlagen. Im Irak stehen laut Bush noch «harte
Kämpfe» bevor. Eine einfache Lösung werde es nicht
geben. Der Sieg gegen den Terrorismus sei aber «die
Herausforderung unserer Zeit», sagte Bush.
Bush hob hervor, dass die USA in ihrem Kampf gegen den Feind im Irak
«flexibel» seien und ständig die Taktik an die
Entwicklung anpassten.
Mit ungewöhnlich scharfen Worten hat derweil der frühere
UN-Waffeninspekteur Hans Blix die amerikanische Irak-Politik kritisiert.
Das Vorgehen Washingtons komme einem «reinen Versagen»
gleich, sagte Blix am Mittwoch der dänischen Tageszeitung
«Politiken». Dem Land gehe es nun schlechter als unter der
Diktatur Saddam Husseins.
Die Situation im Irak wäre besser, wenn es nie zum Krieg gekommen
sei, sagte Blix weiter. «Saddam wäre noch im Amt. OK, das ist
negativ, und es wäre für das irakische Volk keine Freude
gewesen. Aber was wir bekommen haben, ist ohne Zweifel
schlechter.» Weder ein Rückzug der US-Truppen noch ihr
Verbleib im Irak wären derzeit gute Optionen, erklärte der
frühere UN-Chefinspekteur. «Wenn die Amerikaner abziehen,
besteht das Risiko, dass sie ein Land im Bürgerkrieg
zurücklassen. Gleichzeitig sieht es aber nicht danach aus, als
könnten die USA zur Stabilisierung der Lage beitragen, indem sie
dort bleiben.» Blix leitete vor Beginn des US-geführten
Kriegs 2003 die UN-Waffeninspektionen im Irak.
Der wegen anhaltender religiöser Gewalt unter US-Druck stehende
irakische Regierungschef Nuri al-Maliki hat ein entschlossenes Vorgehen
zum Durchsetzen des staatlichen Gewaltmonopols angekündigt.
"Nur der Staat hat das Recht auf Bewaffnung", sagte Maliki vor
Journalisten am Mittwoch in Bagdad. "Wir werden gegen jeden vorgehen,
der sich gegen das Gesetz stellt", ergänzte der
Ministerpräsident mit Blick auf die Milizen, die das Land an den
Rand eines Bürgerkriegs gebracht haben. Die Regierung hat nach den
Worten von US-Botschafter Zalmay Khalizad einem Zeitplan zugestimmt, die
religiös motivierten Auseinandersetzungen binnen Jahresfrist
einzudämmen.
Sechs Monate nach seinem Amtsantritt hat der Schiite Maliki trotz
Unterstützung durch den einflussreichen schiitischen Geistlichen
Moktada Al-Sadr wenig Fortschritte beim Zurückdrängen der
Milizen erzielt. Khalizad hatte am Dienstag beispielhaft Al-Sadrs
Mehdi-Miliz genannt, die unter Kontrolle gebracht werden müsse.
Amerikanische und irakische Soldaten suchten am Mittwoch im Bagdader
Stadtteil Sadr City nach einem Milizenführer. Der Gesuchte stehe im
Verdacht, schiitische Todesschwadronen angeführt zu haben,
erklärten die Streitkräfte. Die Soldaten seien während
der Razzia angegriffen wurden und hätten aus der Luft
Unterstützung von einem US-Kampfflugzeug erhalten. Nach Angaben der
Polizei wurden dabei mindestens vier Menschen getötet und 18
weitere verletzt. Ob der Gesuchte festgenommen werden konnte, wurde
nicht mitgeteilt.
Zwei Wochen vor der Kongresswahl in den Vereinigten Staaten
bemühen sich Antikriegsgruppen, Kritik am Irak-Krieg aus den Reihen
der Streitkräfte öffentlich zu machen. Eine Gruppe von
Kriegsgegnern im aktiven Dienst stellte sogar eine Seite ins Internet [http://www.appealforredress.org],
auf der sie die Unterschriften von Soldaten gegen den Krieg sammelt.
Diese werden dann dem Kongress übergeben, wie es auf der Seite
heißt. «Im Irak zu bleiben wird nicht funktionieren und es
ist den Preis nicht wert», heißt es weiter. «Es ist
Zeit, dass die US-Truppen nach Hause kommen.»
Der Obergefreite der Marine Jonathan Hutton organisierte die
Unterschriftensammlung und verzeichnete bisher 118 Namen auf seiner
Web-Site. Derzeit befinden sich 1,4 Millionen US-Soldaten im aktiven
Dienst, einschließlich der Mitglieder der Nationalgarde und der
Reserve. Dabei hört man von ihnen nur selten öffentliche
Kritik. Die Vorschriften der Streitkräfte verbieten es den
Soldaten, den Präsidenten und andere Mitglieder der US-Regierung zu
kritisieren oder sich während ihrer Zeit in Uniform für
bestimmte Themen zu engagieren. Rechtsexperten hielten die
Unterschriftensammlung im Internet jedoch für unproblematisch, weil
die Soldaten dort keine Regierungsmitglieder persönlich angreifen.
Zwei amerikanische Senatoren äußerten sich dennoch besorgt
über die Aktion. «Wir erwarten, dass unsere Soldaten die
legitimen Anweisungen ihrer Kommandeure befolgen», sagte der
demokratische Senator Jack Reed, einer der schärfsten Kritiker des
Irak-Kriegs. Wer der Meinung sei, die Streitkräfte hätten den
falschen Kurs eingeschlagen, der müsse die Truppe eben verlassen
und als Zivilist seine Kritik äußern. Die republikanische
Senatorin Lindsey Graham bezeichnete Kommentare von Soldaten im aktiven
Dienst als «verstörenden Trend», der den Zusammenhalt
der Streitkräfte auszuhöhlen drohe. «Wir blicken auf
eine lange Tradition zurück, nach der die Streitkräfte sich
nicht in die politische Debatte einmischen», sagte Graham.
«Wir brauchen nicht ein Heer der Demokraten und ein Heer der
Republikaner.»
Hutton sieht kein Problem damit, dass sich Soldaten öffentlich zur
Politik äußern. «Wir machen das in unserer
Freizeit», erklärte er. Die Soldaten sprächen «als
amerikanische Bürger» und nicht als Mitglieder der
Streitkräfte.
(Quellen: dpa, ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 26.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertfünfundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.26.10.05 - Irakische Verfassung angenommen +++ Bei Anschlag auf kurdische
Provinzregierung im Nordirak sterben mindestens neun Menschen +++ CNN: 2000
US-Soldaten im Irak-Einsatz getötet +++ Umfrage: Mehrheit der
US-Bürger hält Irak-Krieg jetzt für Fehler +++
US-Regierung will für die CIA eine Ausnahme vom drohenden
Folterverbot – Bis heute hat das Pentagon noch Zeit, einem
Gerichtsurteil nach Freigabe weiterer Folterbilder von Abu Ghraib
nachzukommen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510260.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Afghanistan: NATO-Truppen töten 38 Taliban-Rebellen
Do.26.10.06 - Bei einer Offensive der NATO-Truppen gegen Taliban-Rebellen in
Südafghanistan sind am Dienstag mindestens 38 Aufständische
getötet worden. Die Soldaten seien gezielt gegen Rebellen
vorgegangen, die versucht hätten, in die Bezirke Schari und
Pandschwaji vorzudringen, sagte ein NATO-Sprecher. In der Region, die
als Hochburg der radikalislamischen Taliban gilt, hatten die
NATO-Truppen im September eine Großoffensive gegen die Rebellen
begonnen.
(Quelle: afp)
Deutsche Soldaten schändeten angeblich Toten in Afghanistan
Do.26.10.06 - Mit Bestürzung und Abscheu haben in Deutschland Politiker aller
Parteien und die Bundeswehr am Mittwoch auf makabere Fotos deutscher
Soldaten in Afghanistan reagiert. Die in der «Bild»-Zeitung
abgedruckten Bilder zeigen Soldaten, die mit einem Totenschädel
posieren. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe,
sagte am Mittwochmorgen derNachrichtenagentur AP: «Wir nehmen die
Vorwürfe ernst.» Minister Franz Josef Jung habe angeordnet,
die Vorwürfe unverzüglich aufzuklären. Der Vorsitzende
des Deutschen Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, bezeichnete die Bilder
als «abstoßend und Ekel erregend».
Die «Bild»-Zeitung berichtete, die Fotos stammten aus dem
Frühjahr 2003. Das auf der Titelseite abgedruckte Foto zeigt einen
Bundeswehrsoldaten, der einen Totenschädel hochhält. Auf
anderen Fotos ist ein Schädel auf einem Panzer des Typs
«Wiesel» und an einem Geländewagen zu sehen. Ein Bild
zeigt einen Soldaten mit entblößtem Penis und
Totenschädel. Die Aufnahmen sollen nach dem Bericht der
«Bild»-Zeitung während einer Patrouillenfahrt unter dem
Kommando eines Feldwebels entstanden sein. Auch zwei Stabsunteroffiziere
seien beteiligt gewesen.
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, gab
bekannt, dass inzwischen zwei der beteiligten Soldaten identifiziert
worden seien. Einer davon sei noch bei der Bundeswehr und werde derzeit
von seinem Disziplinarvorgesetzten vernommen. Der andere Soldat sei aus
der Bundeswehr ausgeschieden. «Die Sache ist der
Staatsanwaltschaft übergeben worden», sagte Schneiderhan. Bei
der Bundeswehr habe sich zudem ein Zeuge gemeldet, der etwas von den
Vorgängen gewusst, aber selbst nicht dabei gewesen sei.
Das Ministerium wurde am Dienstag von der Existenz der Fotos
unterrichtet, hat das Bildmaterial nach Angaben des Sprechers bislang
aber noch nicht erhalten. Jung sagte, es sei «klar und
unmissverständlich, dass ein derartiges Verhalten von deutschen
Soldaten keinesfalls geduldet wird». Sollten sich die
Vorwürfe bestätigen, würden die «erforderlichen
dienstrechtlichen, disziplinarrechtlichen und gegebenenfalls auch
strafrechtlichen Konsequenzen mit allem Nachdruck gezogen».
Gertz betonte, die Vorfälle müssten ganz schnell
aufgeklärt werden. «Solche Leute können wir in unserer
Armee nicht gebrauchen», sagte der Oberst. Auch er Wehrbeauftragte
des Bundestags, Reinhold Robbe, erklärte, es könne nur eine
Reaktion geben: «sofortige und schonungslose Aufklärung mit
allen zu Gebote stehenden Mitteln».
Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Walter Kolbow verlangte
dienstrechtliche und strafrechtliche Konsequenzen. Der CDU-Politiker
Ruprecht Polenz und der SPD-Politiker Rainer Arnold äußerten
Sorge um den Ruf der Bundeswehr. Grünen-Fraktionschefin Renate
Künast nannte die Fotos entsetzlich.
Kolbow, in dessen Zeit als Staatssekretär im
Verteidigungsministerium die Aufnahmen fallen, sagte, das Verhalten
stehe im diametralen Verhältnis zu dem, was den Soldaten an Werten
und Verhaltensweisen in Ausbildung und Erziehung mitgegeben werde.
Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Polenz, zeigte sich
überzeugt, dass es sich um Einzelfälle handele.
Grundsätzlich seien die deutschen Soldaten gut ausgebildet und
könnten dem psychischen Druck eines solchen Einsatzes standhalten.
Der SPD-Obmann im Verteidigungsausschuss, Rainer Arnold, sagte
ebenfalls: «Das sind Versäumnisse einzelner Soldaten.»
Das Verhalten sei aber schlecht für das Ansehen der Bundeswehr.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
EU-Außenbeauftragter Solana will Nahost-Friedensprozess neue
Impulse geben
Do.26.10.06 - Zum Auftakt seiner Nahost-Reise ist der EU-Außenbeauftragte
Javier Solana in Jerusalem mit Vertretern der israelischen Regierung
zusammengetroffen. Ein wichtiger Aspekt der Gespräche war die
Aufnahme der nationalistischen Partei Israel Beitenu in die Regierung
von Ministerpräsident Ehud Olmert. Solana sagte, Olmert habe ihm
versichert, dass die neue Regierungskonstellation nichts an seinem Kurs
gegenüber den Palästinensern ändere.
Auf Solanas Programm stand auch eine Unterredung mit dem Vorsitzenden
von Israel Beitenu, Avigdor Lieberman, den Olmert erst Anfang der Woche
ins Kabinett geholt hatte.
Der Hardliner Lieberman ist wegen seiner Haltung gegenüber den
Palästinensern umstritten. Der Vorsitzende der Partei Israel
Beitenu hatte im Frühjahr die Todesstrafe für israelische
Abgeordnete gefordert, die mit Führern der Hamas zusammengetroffen
sind. Außerdem stellte er bestehende Friedensvereinbarungen mit
den Palästinensern in Frage.
Die 30-minütige Unterredung mit Lieberman bezeichnete Solana als
Gedankenaustausch. «Ich habe ihm erklärt, dass ich praktisch
zu allem, was er sagt, eine andere Meinung habe, aber dass wir mit
jedem sprechen müssen», sagte der EU-Außenbeauftragte.
Am Donnerstag will Solana nach Ramallah reisen, um den
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas zu treffen.
Weitere Stationen seines Besuchs sind der Libanon, Jordanien und
Ägypten. Die Reise soll dem dem Nahost-Friedensprozess neue
Impulse geben.
(Quelle: ap)
USA wollen Resolutionsentwurf zum Iran verschärfen
Do.26.10.06 - Der von Deutschland, Frankreich und Großbritannien vorgelegte
Entwurf für eine Iran-Resolution der Vereinten Nationen geht den
USA offenbar nicht weit genug. Der Sprecher der US-Botschaft bei den
Vereinten Nationen, Richard Grenell, kündigte am Mittwoch
Änderungsvorschläge seiner Regierung an. Dazu sollen dem
Vernehmen nach auch härtere Sanktionen gehören als von den
drei europäischen Staaten vorgesehen.
Dem Entwurf zufolge soll der Sicherheitsrat mit einem Exportverbot
für Raketen- und Nukleartechnologie auf die Weigerung des Irans
reagieren, sein Programm zur Urananreicherung einzustellen.
Angereichertes Uran wird für die Herstellung von
Kernbrennstäben zur Stromerzeugung benötigt. Bei einem hohen
Grad der Anreicherung kann das spaltbare Material aber auch für
den Bau von Atomwaffen eingesetzt werden.
Der französische UN-Botschafter Jean-Marc de La Sablière
sagte am Mittwochabend in New York, der Entwurf für die
Iran-Resolution sei eine erste entschlossene Antwort auf die Haltung
der Teheraner Regierung und konzentriere sich auf die nuklearen
Aktivitäten des Landes. Europäische Diplomaten
erklärten, dass nur begrenzte Sanktionen vorgesehen seien, um so
die Zustimmung der Veto-Mächte Russland und China für die
Resolution zu erlangen. Neben dem spezifischen Exportverbot für
rüstungsrelevantes Material soll dem Vernehmen nach auch ein
Reiseverbot für Personen verhängt werden, die am iranischen
Atom- und Raketenprogramm mitwirken. Ferner ist offenbar geplant, die
Vermögenswerte dieser Personen im Ausland einzufrieren.
(Quelle: ap)
'Klagemarsch' gegen Lage in französischen Vorstädten
Do.26.10.06 - Mehrere Hunderte Jugendliche haben sich am Mittwoch an einem
«Klagemarsch» in Paris beteiligt, um gegen Diskriminierung
und Wohnungsnot in den französischen Vorstädten zu
protestieren. Gegen 15.00 Uhr startete der Protestmarsch am Platz
Denfert-Rochereau in Richtung Nationalversammlung. Dort übergaben
Demonstranten 20.000 «Klagen aus den Quartieren» an die
Abgeordneten.
Der Demonstrationszug wurde allerdings noch vor der Nationalversammlung
von Polizisten und Absperrgittern gestoppt. Deshalb übergaben
kleine Abordnungen der Demonstranten die «Klagen», die sich
auch an Staatspräsident Jacques Chirac richteten.
Die Organisation AC LE FEU sammelte die Zeugnisse und Vorschläge
in den vergangenen Monaten. Anlass der Aktion am Mittwoch war der
Jahrestag der Vorstadtunruhen am Freitag. Am Kopf des Zuges trugen die
Jugendlichen Spruchbänder mit der Aufschrift: «Für eine
Politik der Wahl und nicht der Erduldung» und «Die
größte Partei ist das Volk». Einer der Initiatoren,
AC-LE-FEU-Mitbegründer Samir Mihi, erklärte, man wolle die
Wut der Jugendlichen aus den Problemvierteln in politische Bahnen
lenken, um Verbesserungen zu erreichen.
Nach dem Tod zweier junger Erwachsener, die am 27. Oktober vergangenen
Jahres auf der Flucht vor der Polizei in Clichy-sous-Bois in einem
Umspannwerk ums Leben gekommen waren, waren schwere Krawalle
ausgebrochen. Sie weiteten sich auf hunderte Gemeinden aus.
Während der dreiwöchigen Unruhen wurden 10.000 Autos
angezündet und mehr als hundert Polizisten verletzt.
(Quelle: ap)
Deutschland
Ifo-Index steigt überraschend: Aufschwung geht weiter
Do.26.10.06 - Die deutschen Unternehmen lassen sich von der
Mehrwertsteuererhöhung kaum beeindrucken und setzen auch im
kommenden Jahr auf einen kräftigen Aufschwung.
Das monatlich vom Ifo-Institut ermittelte Geschäftsklima stieg am
Mittwoch überraschend auf 105,3 von 104,9 Punkten. Die rund 7000
befragten Firmen bewerteten ihre gegenwärtige Lage so gut wie
zuletzt vor mehr als 15 Jahren. Und erstmals seit drei Monaten stiegen
auch ihre Geschäftserwartungen wieder an. "Es ist kein Pessimismus
in der Wirtschaft erkennbar", sagte Klaus Abberger vom Münchner
Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo). Auch beim wichtigsten
Handelspartner Frankreich verbesserte sich die Stimmung. In Italien
liegt das Geschäftsklima trotz eines leichten Rückgangs im
Oktober weiter nahe eines Rekords.
"Die Party geht weiter", kommentierte die HypoVereinsbank den
überraschenden Ifo-Index. In einer Reuters-Umfrage hatten 48
Experten im Schnitt mit einem Rückgang des wichtigsten deutschen
Konjunkturbarometers gerechnet. Verblüfft reagierten die Analysten
vor allem auf den Anstieg der Ifo-Erwartungen auf 99,2 von 98,9 Punkten.
"Das ist ein Kracher", sagte Heinrich Bayer von der Postbank. Von einer
nachhaltigen Dämpfung der Konjunktur in Folge der
Mehrwertsteuererhöhung schienen die Unternehmen fast nichts zu
spüren. Der Anstieg der Ifo-Lagebeurteilung auf den höchsten
Stand seit April 1991 stützte zudem die Erwartungen eines starkes
Wirtschaftswachstum in der zweiten Hälfte 2006.
"Wenn sich die Industrie robust entwickelt, dann sollte die Delle nicht
zu tief werden", sagte Ifo-Experte Abberger Reuters mit Blick auf die
Mehrwertsteuererhöhung am 1. Januar 2007: "Die Wirtschaft ist sehr
gut in Schwung." So stieg der Geschäftsklimaindex im verarbeitenden
Gewerbe. Auch ihre Möglichkeiten im Auslandsgeschäft
bewerteten die Firmen besser als im September. Im Bauhauptgewerbe
verbesserte sich das Geschäftsklima minimal, die Antworten der
Großhändler fielen merklich positiver aus. Von einer
günstigeren Geschäftslage berichteten auch die
Einzelhändler, deren Aussichten sich aber verschlechterten. Damit
gab das Geschäftsklima in dieser Branche insgesamt nach.
Die Konjunktur laufe weiter auf hohen Touren, erklärte die
Commerzbank. Da der private Verbrauch aber immer noch nicht in Schwung
komme, hänge sie noch immer stark von der Auslandsnachfrage ab.
Dirk Schumacher von Goldman Sachs ergänzte, das dritte Quartal 2006
sei wohl stark gewesen und auch im vierten Quartal habe die Konjunktur
ihre Dynamik behalten: "Mal wieder eine Überraschung, man
fühlt sich langsam als Analyst etwas dumm." Die Unternehmen
glaubten, dass die Steuererhöhung zwar wehtue, aber nicht so
schlimm sei. Auch Jürgen Michels von der Citigroup geht davon aus,
dass die Abkühlung Anfang 2007 nur temporär sein wird.
Der Anstieg des Ifo-Index könnte Folgen für die Zinspolitik
der EZB haben. "Jetzt sollte endgültig sicher sein, dass die
Europäische Zentralbank (EZB) im Dezember die Zinsen anhebt." Zudem
werde unsicherer, ob die EZB dann auf einem Niveau von 3,5 Prozent 2007
eine Zinspause einlegen werde.
Dies bleibt auch deshalb fraglich, weil sich die Stimmung der
Unternehmen nicht nur in Deutschland, sondern auch in den beiden
nächst größeren Volkswirtschaften des
Währungsgebietes als stabil erwies. In Frankreich stieg der
Geschäftsklimaindex auf 108 von revidiert 106 Punkten und damit
über die Erwartungen. In Italien trübte es sich zwar leicht
auf 97,1 von 97,3 Zählern ein, lag damit aber noch immer über
den Prognosen und nahe seines bisherigen Höchststandes im aktuellen
Konjunkturzyklus.
Bundesbank-Präsident Axel Weber sagte, der Wachstumstrend in
Deutschland bleibe trotz der Steuererhöhung intakt. "Die Konjunktur
steht zunehmend auf eigenen Beinen", sagte er dem "Tagesspiegel". Man
müsse sich daher fragen, ob die Geldpolitik der EZB die Konjunktur
im kommenden Jahr noch stützen müsse.
(Quelle: rtr)
Über 2000 Verfahren gegen Lohndumping seit 2005
Do.26.10.06 - Im Kampf gegen Lohndumping und Schwarzarbeit aus
EU-Beitrittsländern hat es seit 2005 mehr als 2000 Strafverfahren
und Ordnungswidrigkeitenverfahren gegeben. Das geht nach Angaben der
«Ruhr Nachrichten» (Mittwochausgabe) aus dem «Bericht
zu den Aktivitäten der Task Force zur Bekämpfung des
Missbrauchs der Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit»
hervor. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) stellt den Bericht
am Mittwoch dem Bundeskabinett vor.
Ein Ende des Missbrauchs ist offenbar nicht absehbar. «Trotz der
schon starken Intensivierung der Kontrollen der Finanzkontrolle
Schwarzarbeit» sei «auch weiterhin mit einer teilweise
missbräuchlichen Wahrnehmung der Dienstleistungs- und
Niederlassungsfreiheit durch Unternehmen und Arbeitnehmer aus den neuen
Mitgliedsstaaten zu rechnen», zitiert das Blatt aus dem Bericht.
Die Kontrollen würden deshalb «unvermindert»
fortgesetzt, um «Schwarze Schafe» aus dem Verkehr zu ziehen.
Die Task Force war eingerichtet worden, nachdem es nach dem Beitritt
Polens, Tschechiens und anderer Staaten im Mai 2004 Hinweise auf
Missbrauch gegeben hatte.
(Quelle: ddp)
Kabinett beschließt Gesundheitsreform
Do.26.10.06 - Nach monatelangem Streit hat das Bundeskabinett unter Leitung von
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Gesetzentwurf für die
Gesundheitsreform beschlossen. Sie sei «sehr erleichtert»,
dass der Entwurf jetzt in die parlamentarische Beratungen komme, sagte
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Mittwoch in Berlin. Es
sei «ein gutes Gesetz« und ein »großer
Fortschritt für das deutsche Gesundheitswesen». Der Entwurf
wird bereits am Freitag im Bundestag erstmals beraten.
Schmidt hob den Kompromisscharakter des Gesetzentwurfs hervor.
«Der Kompromiss ist der Kern der Demokratie», betonte die
Ministerin und fügte hinzu: « Es mag sein, dass nicht alle
alles verwirklichen konnten, was sie wollten.» Politik finde aber
nicht am Reißbrett statt.
Die Gesundheitsreform streiche die Bedeutung der Krankenversicherung
«als Herz der Sozialsysteme» heraus. Hinter dem Ziel,
für 82 Millionen Menschen eine gute und bezahlbare
Gesundheitsversorgung zu organisieren, müssten Einzelinteressen
zurückstehen. «Gesundheit darf kein Luxusgut werden»,
betonte Schmidt.
«Das, was wir auf den Weg gebracht haben, wird den Menschen
nutzen», sagte die Ministerin. Für den Gesetzentwurf
hätten sich die monatelangen Anstrengungen gelohnt. Nur in einer
großen Koalition seien die durchgreifenden und vielfältigen
Strukturveränderungen möglich gewesen.
Zur Kritik von Ärzten und Krankenkassen, sie könnten mit der
Gesundheitsreform nicht leben, sagte Schmidt: «Nie kann einer mit
irgendetwas leben. Aber das System lebt immer noch und es leben viele
sehr gut in diesem System.» Die Reform ermögliche eine
gerechtere Verteilung der Mittel und biete eine gute Grundlage für
fairen Wettbewerb. Das Gesetz gebe den Kassen viele Instrumente an die
Hand, das Geld der Versicherten besser einzusetzen.
«Unser Ziel ist, dass die Beratungen im Bundestag in diesem Jahr
abgeschlossen werden», sagte Schmidt. Sie hoffe, auch die Kritiker
in den eigenen Reihen im Zuge der Umsetzung der Gesundheitsreform
überzeugen zu können. Die grundsätzlichen Entscheidungen
seien aber getroffen. «Da gehe ich davon aus, dass das genauso
verabschiedet wird», sagte die Ministerin.
(Quelle: ddp)
Hintergrund: Zentrale Punkte der Reform
Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Gesetzentwurf für eine
grundlegende Reform des Gesundheitssystems beschlossen. Hier die
zentralen Punkte:
REFORM-ZIELE: Für alle soll die notwendige medizinische Versorgung
entsprechend den aktuellen Standards gesichert werden. Auch die mehr
als 200 000 Menschen ohne Krankenversicherung sollen sich wieder
versichern und in eine gesetzliche oder private Krankenkasse
zurückkehren können.
GESUNDHEITSFONDS: Ab 2009 sollen die Beiträge von Arbeitgebern und
Arbeitnehmern in einen Fonds fließen. Außerdem soll der
Staat Steuergelder in
Anzeige
Milliardenhöhe beisteuern. Die Kassen erhalten dann für jeden
Versicherten einen einheitlichen Betrag. Der Fonds soll den Wettbewerb
zwischen den Kassen anheizen und das Geld gerechter verteilen. So
sollen Kassen mit vielen Kranken Geld von Kassen mit weniger Kranken
erhalten.
ZUSATZBEITRAG: Kommt eine gesetzliche Krankenkasse mit dem Geld aus dem
Fonds nicht aus, kann sie einen Zusatz-Beitrag von ihren Mitgliedern
erheben. Er darf maximal ein Prozent des Einkommens des jeweiligen
Mitglieds betragen. Bei einem Beitrag von bis zu 8 Euro wird auf die
Einkommensberechnung verzichtet. Versicherte sollen die Versicherung
sofort wechseln können, wenn sie Zusatzbeiträge erhebt.
PRIVATE KRANKENVERSICHERUNG: Nach einer fünfjährigen
Übergangsphase sollen alle Privatversicherten die für sie
angesparte Altersrückstellung mitnehmen und dadurch zwischen den
Privatkassen wechseln können. Dies gilt bis zur Höhe eines
neuen Basistarifs mit den gleichen Leistungen wie in der gesetzlichen
Versicherung. Für gut verdienende Arbeitnehmer wird ein Wechsel
aus der gesetzlichen in die private Versicherung erschwert, da deren
Einkommen dafür künftig drei Jahre lang über der
Pflichtversicherungsgrenze liegen muss. Die privaten Krankenkassen
sollen gezwungen werden, ehemalige Versicherte wieder zum Basistarif
ohne Prüfung von Vorerkrankungen aufzunehmen.
EIGENVERANTWORTUNG UND LEISTUNGEN: Wer Vorsorgeuntersuchungen
versäumt und später schwer krank wird, muss höhere
Zuzahlungen leisten. Komplikationen nach Tätowierungen oder
Piercings sollen nicht mehr auf Kassenkosten behandelt werden. An
anderer Stelle werden die Leistungen der Kassen ausgeweitet: bei
empfohlenen Impfungen, Eltern-Kind-Kuren sowie der Betreuung
Schwerstkranker und Sterbender in den eigenen vier Wänden.
EINSPARUNGEN: Die Kliniken sollen einen Beitrag von etwa 500 Millionen
Euro erbringen, um bei ihnen anfallende Kostensteigerungen zu
begrenzen. Arzneimittel sollen stärker auf ihren
tatsächlichen Nutzen hin geprüft werden. Apotheker sollen
niedrigere Preise vereinbaren können und so 500 Millionen Euro
sparen. Das komplexe Geflecht von Ärzten, Kliniken und Kassen soll
vereinfacht werden.
Quelle: dpa, 25.10.2006
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Internet
Bahn frei für Firefox 2
Do.26.10.06 - Nach rund 36 Stunden der heillosen Verwirrung hat Mozilla [http://www.mozilla-europe.org/de]
in der Nacht auf Mittwoch die mit Spannung erwartete Version 2 von
Firefox offiziell zum Download freigegeben. Die verfrühten
Meldungen über den Start des Finalprodukts sowie das fleißige
Verlinken diverser Medien und Anwender auf Mozillas FTP-Server, wo die
neue Version zwischengelagert war, hatten vorübergehend sogar zum
Zusammenbruch der Mozilla-Seite geführt. Mit dem offiziellen
Freischalten auf den Mozilla-eigenen Webseiten sollten diese Probleme
nun aber der Vergangenheit angehören.
Das enorme mediale Interesse am turbulenten Frühstart hat für
Mozilla einen angenehmen, wenn auch kaum beabsichtigten Nebeneffekt. Die
Meldungen über den nur wenige Tage zuvor erschienenen Internet
Explorer 7 hat der Open-Source-Herausforderer mit einem Schlag
verdrängt. Dabei betont Mozilla stets, den Direktvergleich nicht zu
scheuen - im Gegenteil. "Mit Version 2 haben wir ein ohnehin schon gutes
Produkt noch einmal weiter verbessert", meint
Mozilla-Europe-Präsident Tristan Nitot im pressetext-Interview. Im
Gegensatz zum Internet Explorer wird Firefox 2 zudem in 38 Sprachen
gleichzeitig neben einer Windows-Version auch für Apple- und
Linux-Anwender angeboten.
Ähnlich wie beim Update von Version 1 auf 1.5 fallen die visuellen
Veränderungen sehr subtil aus. Bei der Gestaltung der Bedienleiste
ist mit Ausnahme eines neuen Leuchteffektes und geringen Änderungen
im Symboldesign alles beim Alten geblieben. Beibehalten wurden
allerdings auch die sehr flexiblen individuellen
Gestaltungsmöglichkeiten. So lassen sich neben dem Herunterladen
von Alternativdesigns weiterhin sämtliche Befehls-Icons und
Funktionsschaltflächen beliebig anordnen, dazufügen oder auch
entfernen.
Startklar zeigt man sich bei Mozilla auch für das vielzitierte
Web-2.0. So wurde die RSS-Funktion noch einmal ausgebaut und erlaubt
jetzt eine Voransicht und diverse Abonnieroptionen. Erstmals
unterstützt Firefox sogenannte Live Titles, die als dynamische
Bookmarks ständig aktualisiert den Inhalt einer Webseite
zusammenfassen. Ganz im Sinne einer aktiveren Webnutzung hat Mozilla
auch eine Rechtschreibprüfung in Firefox 2 integriert, die für
Online-Einträge in Blogs und Foren zweckdienlich sein dürfte.
"Darüber hinaus sind viele der unter der Oberfläche
eingeführten Neuerungen für Anwender noch gar nicht
ersichtlich. Das ändert sich erst, wenn Webprogrammierer die neu
geschaffenen Möglichkeiten nutzen und entsprechende Applikationen
entwickeln", wagt Nitot bereits einen Blick in die Zukunft.
In den Bereichen Sicherheit und Tabbed-Browsing, die Microsoft bei
seinem aktuellen Browser-Release prominent in den Vordergrund gestellt
hat, ist Mozilla ebenfalls nicht untätig geblieben. So ist auch die
neue Firefox-Version mit einem Anti-Phishing-Filter ausgestattet, der
besuchte Seiten mit einer Blacklist von bekannten Phishing-Seiten
abgleicht. Zusätzlich können auch andere
Online-Sicherheitsanbieter dazwischengeschaltet werden, um die Echtheit
von Webseiten zu verifizieren. Beim Tabbed-Browsing wiederum bietet das
Firefox-Menü eine Wiederherstellmöglichkeit von kürzlich
geschlossenen Tabs an. Erstmals neu ist auch, dass sich der Browser bei
einem unerwarteten Beenden die geöffneten Seiten merkt und nach
einem Neustart zu diesen zurückkehrt.
(Quelle: pte)