Aktuelle Nachrichten
Irak am achthunderteinundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Botschafter und Ministerpräsident Al-Maliki bekräftigen
'gute und starke Beziehungen'. Mehr als 40 Tote bei Gefechten mit
Rebellen
Sa.28.10.06 - Vor dem Hintergrund der jüngsten Spannungen zwischen den USA und
der irakischen Regierung haben beide Seiten am Freitag ihre
«guten und starken Beziehungen» bekräftigt. Der
US-Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, und der irakische
Ministerpräsident Nuri al-Maliki veröffentlichten in Bagdad
eine entsprechende gemeinsame Erklärung. Darin hieß es auch,
der Irak habe deutlich gemacht, dass «die Probleme mit Zeitachsen
gelöst werden müssten, um positive Schritte nach vorn»
zu erreichen.
Al-Maliki hat in dieser Woche mehrfach erklärt, dass die USA nicht
das Recht hätten, dem Irak «Zeitpläne»
vorzugeben. Er widersprach damit einer Erklärung Khalilzads vom
Dienstag, wonach die irakische Regierung zugestimmt habe, bis zum
Jahresende einen Zeitplan für Fortschritte auszuarbeiten.
Bei schweren Gefechten zwischen der irakischen Polizei und
Aufständischen sind in Bakuba nördlich von Bagdad nach
US-Militärangaben vom Freitag mindestens 43 Menschen getötet
worden. Unter den Toten seien 24 irakische Polizisten. Auch US-Truppen
griffen später in die Kämpfe ein. Es waren die heftigsten
Gefechte zwischen Rebellen und irakischen Sicherheitskräften seit
Tagen.
Die Aufständischen, offenbar Anhänger des gestürzten
Staatschefs Saddam Hussein, griffen den Angaben zufolge bereits am
Donnerstagmorgen eine in Bakuba stationierte Polizeieinheit an. Die
Polizisten hätten die Schüsse erwidert und seien dabei von
US-Truppen unterstützt worden. Neben den 24 Polizisten seien auch
18 Aufständische und eine irakische Zivilperson getötet
worden, teilten die US-Streitkräfte mit. 27 der Angreifer seien
gefangen genommen worden.
Das irakische Innenministerium schilderte den Sachverhalt etwas anders
als die US-Streitkräfte. Demnach wurden zwölf Polizisten und
19 Aufständische getötet. Auch sei die Polizei von den
Rebellen nicht überrascht worden, sondern habe selbst angegriffen.
Ein Sprecher des Bagdader Innenministeriums, Brigadegeneral Abdel Karim
Chalaf, machte die Aufständischen auch für einen
Überfall auf Polizeirekruten am Montag verantwortlich, bei dem
mindestens 15 Menschen getötet und 25 verletzt worden waren.
Bei einem Angriff auf einen mit Schiiten besetzten Lieferwagen wurden
am Freitag laut Polizeiangaben rund 20 Kilometer östlich von
Bakuba vier Menschen getötet und fünf weitere verletzt. Die
Schiiten befanden sich auf der Rückfahrt von einer Beerdigung.
Vor einem Militärgericht in Kalifornien gestand unterdessen ein
zweiter von sieben angeklagten US-Soldaten seine Beteiligung an der
Ermordung eines Irakers. Im Gegenzug kann der 20-jährige Gefreite
John Jodka mit einem Strafnachlass rechnen.
Der junge Mann schilderte dem Gericht den Hergang der Ereignisse, die
im April dieses Jahres zum Tod des 52-jährigen Haschim Ibrahim
Awad in der Stadt Hamdania führten. Der Kommandeur seiner Einheit,
Feldwebel Lawrence Hutchins, habe ihn und andere Marineinfanteristen
aufgefordert, sich seinem Plan anzuschließen, einen ihm bekannten
Aufständischen zu entführen und zu töten. Als es so weit
gewesen sei, seien sie in die Dunkelheit gelaufen und hätten auf
eine Person geschossen, die kaum zu erkennen gewesen sei. Dann habe
sich herausgestellt, dass sie den Falschen getötet hätten.
Nach einem ersten Geständnis in dem Fall wurde am Freitag
vergangener Woche der Hauptgefreite Melson Bacos zu zehn Jahren Haft
verurteilt. Die Strafe wurde auf ein Jahr reduziert, weil der 21 Jahre
alte Angeklagte sich bereit erklärt hatte, gegen Mitangeklagte
auszusagen. Das Urteil gegen Jodka soll am 15. November gesprochen
werden.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 28.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertsiebenundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.28.10.05 - US-Botschafter in Bagdad räumt Probleme ein +++ Vier Männer im
Irak entführt und getötet +++ Saddam Husseins Anwälte
brechen Kontakt zu Gericht ab +++ 2200 Firmen an
Öl-für-Lebensmittel-Skandal beteiligt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510280.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Afghanistan: ISAF bestätigt zivile Opfer bei Einsatz gegen Taliban
Sa.28.10.06 - Die NATO-geführte Internationale Afghanistan-Truppe (ISAF) hat
eingeräumt, bei ihren Luftangriffen auf mutmaßliche
Taliban-Kämpfer am Dienstag zwölf afghanische Zivilisten
getötet zu haben. Soldaten hätten nach den Angriffen in der
südafghanischen Provinz Kandahar zwölf Leichen von Zivilisten
identifiziert, sagte ein ISAF-Sprecher in Kabul. Die Zahl der zivilen
Opfer könnte nach seinen Worten noch höher liegen. Ein
Vertreter des Innenministeriums in Kabul sprach von mindestens 25
getöteten Dorfbewohnern. In der Unruheprovinz Urusgan wurden indes
14 Zivilisten bei einem Bombenanschlag getötet.
ISAF-Sprecher André Salloum bedauerte den Tod der Zivilisten.
Die Schutztruppe beteilige sich an Ermittlungen des afghanischen
Verteidigungsministeriums zu den Hintergründen. Nach NATO-Angaben
hatten rund 40 mutmaßliche Taliban-Kämpfer am Dienstag einen
Armeestützpunkt in der Region Pandschwaji etwa 35 Kilometer
westlich der Provinzhauptstadt Kandahar angegriffen. Bei drei
anschließenden Militäraktionen gegen Taliban seien 48
Rebellen getötet worden. Der Vertreter des Innenministeriums
sprach von mindestens 60 Toten, darunter 25 Zivilisten.
Die UN-Mission äußerte sich besorgt über die
neuerlichen Opfer unter der Zivilbevölkerung. "Die Vereinten
Nationen haben immer verdeutlicht, dass die Sicherheit der
Bevölkerung an erster Stelle stehen muss und zivile Opfer in
keinem Fall hingenommen werden dürfen", hieß es in einer
Erklärung. Ein NATO-Sprecher warf den Taliban vor, Zivilisten als
menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.
Derweil kamen 14 Zivilisten bei der Explosion eines Sprengsatzes in der
Provinz Urusgan ums Leben; drei weitere wurden verletzt. Nach Angaben
der Behörden fuhr ihr Kleinbus auf dem Weg in die
Provinzhauptstadt Tirin Kot auf den Sprengsatz. Wer den
Sprengkörper dort deponiert hatte, war zunächst unklar. Ein
Taliban-Sprecher wies jede Verantwortung für den Vorfall
zurück.
(Quelle: afp)
Taliban werfen Nato Völkermord vor - Wollen Anschläge
ausweiten
Sa.28.10.06 - Nach dem Tod Dutzender Zivilisten in Afghanistan hat die
radikalislamische Taliban der Nato Völkermord vorgeworfen.
Als Reaktion darauf kündigte die vor fünf Jahren
gestürzte Gruppierung am Freitag an, die Zahl der ohnehin
gestiegenen Selbstmordanschläge weiter zu erhöhen.
Taliban-Militärkommandant Mullah Dadullah wies Vorwürfe der
Nato zurück, Zivilisten als menschliche Schutzschilde gegen
Angriffe der internationalen Schutztruppe Isaf zu missbrauchen. "Wir
wollen die ausländischen Truppen und ihre Sklaven wissen lassen,
dass ihre Niederlage in Afghanistan unausweichlich ist", sagte Dadullah
Reuters über ein Satelliten-Telefon. Die Taliban kämpften "bis
zum Tod und werden Selbstmordangriffe in den kommenden Tagen
verstärken".
Am Freitagmorgen waren bei der Explosion einer Bombe in der
südlichen Provinz Urusgan mindestens 14 Zivilisten getötet
worden. In den vergangenen Tagen starben bei Nato-Angriffen im
Süden des Landes nach Angaben von Augenzeugen und Behörden
mindestens 50 Zivilisten.
Solche Vorfälle wie die Schändung von Toten durch deutsche
Soldaten stärken nach Einschätzung unabhängiger
Beobachter die Taliban, die in Afghanistan bis 2001 einen
radikal-islamischen Staat führten. "Solche Taten können als
Katalysator für die Taliban dienen, um ihr Profil zu stärken
und weitere Anhänger zu gewinnen", sagte Nadir Nadiry von der
unabhängigen Organisation Menschenrechtskommission.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Libanon-Mandat der deutschen Bundesmarine wurde nachträglich
eingeschränkt. Abbas kündigt Auflösung von
Hamas-Regierung in zwei Wochen an. Drei Palästinenser im
Westjordanland getötet
Sa.28.10.06 - Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im deutschen
Bundestag, Rainer Arnold, hat bestätigt, dass das Mandat für
den unter deutscher Führung stehenden UN-Marine-Einsatz vor der
Küste des Libanons nachträglich eingeschränkt wurde.
Die deutsche Marine dürfe innerhalb der sechs Seemeilen bis zur
Küste nur dann fahren, wenn die Libanesen dies anforderten, sagte
er am Freitag in Berlin in einem Interview. Das Verteidigungsministerium
hatte dies am Donnerstag noch zurückgewiesen. Die FDP sprach von
«vorsätzlicher Täuschung des Parlaments» und
kündigte Konsequenzen an.
Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg sagte, das Vorgehen
der FDP sei «an Absurdität nicht zu überbieten».
Das Mandat sei wirksam, die Marine könne ihre Aufgaben
erfüllen. Der Einsatz habe zwei Ziele: Waffenschmuggel an die
radikal-islamische Hisbollah im Libanon zu verhindern und die
Souveränität des Landes zu stärken. Das sei gegeben.
Allerdings hatte die Bundesregierung vor der Zustimmung des Bundestags
erklärt: «Es gibt keine Zone, die ausgeschlossen ist.»
Die FDP bezweifelt, dass Waffenlieferungen unterbunden werden
können, wenn die Marine nicht selbstständig unmittelbar vor
der Küste eingreifen kann.
Nach einem der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden vertraulichen Papier
des Verteidigungsausschusses des Bundestags wurden die internationalen
Verhandlungen über das Mandat erst am 12. Oktober abgeschlossen.
Der Bundestag hatte dem Einsatz von bis zu 2400 deutschen Soldaten aber
bereits am 20. September zugestimmt.
In dem Papier heißt es: «Die Abstimmungsgespräche zur
Umsetzung des Mandats für die Mission UNIFIL zwischen den Vereinten
Nationen - unter deutscher Beteiligung - und der libanesischen Seite
wurden am 12.10.06 mit einem Protokoll abgeschlossen. Die wesentlichen
Inhalte sind: Volle Zuständigkeit der Maritime Task Force
außerhalb der territorialen Gewässer (TTW) des Libanon,
gemeinsame Operationen mit Libanon in den TTW, Erlaubnis zu Operationen
in den TTW zwischen sechs und zwölf Seemeilen, Operationen auf
Anforderung Libanons in den TTW zwischen null und sechs Seemeilen sowie
Boarding/Beschlagnahme durch libanesische Kräfte oder in deren
Beisein.»
Arnold sagte im RBB-Inforadio: «Ich glaube, da gab es wirklich
ein ernsthaftes Problem, das hing aber auch mit dem zeitlichen Ablauf
zusammen. Zum Zeitpunkt, als wir das Mandat diskutiert und dann im
Bundestag verabschiedet haben, waren die Regelungen in New York noch gar
nicht ausverhandelt. Es war ein paralleler Prozess, ... es war für
die Bundesregierung schwierig, Auskunft zu geben zu diesem Zeitpunkt."
Nun gebe es ein abgestuftes Operationskonzept. «Die deutsche
Marine darf auch innerhalb der sechs Meilen fahren, allerdings unter
bestimmten Bedingungen. Sie darf dann fahren, wenn sie die Libanesen
abfordern, man muss ja noch einmal daran erinnern, es geht ja nicht um
ein Protektorat im Libanon, sondern es ist ein souveräner Staat,
und die Aufgabe der Deutschen vor der Küste ist, den Libanesen zu
helfen.»
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte in Berlin, die Regierung
habe sich das Mandat «erschlichen». Bei der Erteilung des
Mandats für den Truppeneinsatz im Nahen Osten seien die von der FDP
geäußerten Befürchtungen über unzulängliche
Handlungsmöglichkeiten der Bundeswehr vor der libanesischen
Küste zurückgewiesen worden. Die damaligen Erklärungen
der Bundesregierung hätten viele Bundestagsabgeordnete dazu
bewogen, dem Libanon-Einsatz zuzustimmen. Niebel: «Das wird ein
parlamentarisches Nachspiel haben.» Die stellvertretende
Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger sagte, ihre Fraktion habe eine
sofortige Unterrichtung des Verteidigungsausschusses in einer
Sondersitzung beantragt.
Ramallah/Nablus - Der palästinensische Präsident Mahmud
Abbas will innerhalb von zwei Wochen die Hamas-Regierung auflösen,
falls diese sich nicht zur Bildung einer Koalition mit seiner Fatah
bereit erklärt. Das kündigte Abbas am Freitag bei einem
Treffen mit dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana an, wie aus
palästinensischen Kreisen verlautete. Solana rief die
Palästinenser erneut zu einer raschen Neubildung der Regierung auf.
Abbas habe Solana gesagt, dass er die Hamas-Regierung durch ein
Expertenkabinett ersetzen werde, hieß es in Ramallah weiter.
Diesen Vorschlag hat der Präsident bereits mehrfach gemacht,
bislang jedoch stets erklärt, ihn nicht gegen den Willen der Hamas
umsetzen zu wollen. Ein Hamas-Sprecher im Gazastreifen sagte, der
Organisation sei Abbas' Zwei-Wochen-Frist bislang nicht bekannt. Er sei
unklug vom Präsidenten, auf diese Weise die Krise zu
verschärfen. Die Hamas wolle sich weiter um die Bildung einer
Regierung der Nationalen Einheit bemühen.
Solana sagte während eines Besuchs im Flüchtlingslager Askar
im Westjordanland, mit Hilfe einer raschen Neubildung der Regierung
lasse sich die Not der Bevölkerung lindern, die zunehmend unter
den internationalen Sanktionen leide. Nach der Übernahme der
Regierung durch die radikale Hamas im März stellten die
Europäische Union, die USA und andere Geberländer die direkte
Hilfe für die Palästinenser ein. Grund ist die Weigerung der
Hamas, der Gewalt abzuschwören und das Existenzrecht Israels
anzuerkennen. Um die Isolation zu überwinden, bemüht sich
Abbas von der gemäßigteren Fatah bislang erfolglos um die
Bildung einer Koalitionsregierung zwischen den beiden Organisationen.
Bei einer israelischen Militäraktion im Westjordanland sind drei
Palästinenser getötet worden. Zwei Palästinenser kamen
nach Angaben aus Sicherheitskreisen in einem Flüchtlingslager in
Fara'a ums Leben, als israelische Soldaten das Feuer auf Männer und
Jugendliche eröffneten, die Armeefahrzeuge mit Steinen bewarfen.
Zwei weitere Palästinenser seien verletzt worden, hieß es
weiter. In einem Dorf in der Nähe wurde ein Palästinenser
erschossen, der von einem Dach aus die Militäraktion beobachtete.
(Quellen: dpa, ap)
Gespannte Lage vor Stichwahl im Kongo
Sa.28.10.06 - Wenige Tage vor der Stichwahl um die Präsidentschaft im Kongo hat
neue Gewalt den Wahlkampf überschattet. Rivalisierende
Anhänger der Kandidaten Joseph Kabila und Jean-Pierre Bemba
lieferten sich in der nordkongolesischen Stadt Gbadolite eine
Schießerei, bei der mindestens vier Menschen ums Leben kamen.
Beobachter werteten den Zwischenfall vom Donnerstag als neuen Beleg
dafür, dass die Demokratie in dem zentralafrikanischen Riesenland
nur auf äußerst schwachen Füßen steht.
Unter den Todesopfern war einem Radiobericht zufolge auch ein
Kämpfer des Oppositionskandidaten Bemba. Dessen Anhänger
stießen in Gbadolite mit Leibwächtern von Nzanga Mobutu
zusammen. Letzterer ist ein Sohn des ehemaligen Machthabers Mobutu Sese
Seko und unterstützt jetzt den amtierenden Präsidenten Kabila.
In der ersten Runde der unter anderem von deutschen Truppen gesicherten
Wahl am 30. Juli erhielt kein Kandidat die notwendige absolute
Mehrheit. Der 35 Jahre alte Kabila kam auf 45 Prozent, der
44-jährige Bemba auf 20 Prozent.
Der Ausgang der Abstimmung war seinerzeit von gewaltsamen
Zusammenstößen gekennzeichnet. Drei Tage lang lieferten sich
die Anhänger von Kabila und Bemba blutige Gefechte, denen nach
amtlichen Angaben mindestens 23 Menschen zum Opfer fielen. Seitdem haben
die politischen Parteien versucht, sich wieder auf den Wahlkampf zu
konzentrieren, und dabei Frieden und Wohlstand für die
Bevölkerung versprochen.
Doch noch immer patrouillieren die Leibwächter der beiden
Kandidaten die Straßen von Kinshasa. Rund 6.000 Mann werden zum
Lager Kabilas gerechnet, rund 1.500 schützen Bemba. Wie immer die
Wahl am Sonntag ausgeht - sowohl ein von Bemba angefochtener Sieg des
Favoriten Kabila als auch ein Überraschungssieg von Bemba
könnte neue Gewalt auslösen.
Die Wahlen im Kongo wurden von Anfang an von einer UN-Truppe aus 17.500
Soldaten gesichert. Deutschland ist an der Mission im Rahmen der
EU-Einheit EUFOR mit 750 Mann vertreten. Nicht nur in der Hauptstadt
Kinshasa drohen Unruhen. Vor allem im Osten des Landes ist immer hoch
kein Frieden eingekehrt, Milizen und Regierungseinheiten liefern sich
immer wieder neue Gefechte.
Im Osten des Kongos hat Kabila seine größte Basis. Sein
Vater Laurent Kabila ergriff von dort aus mit der Hilfe ruandischer
Soldaten die Macht und stürzte 1997 den seit 32 Jahren herrschenden
Diktator Mobutu. Von 1998 bis 2002 folgte jedoch ein Bürgerkrieg.
Laurent Kabila wurde 2001 von einem seiner Leibwächter ermordet,
woraufhin sein Sohn Joseph die Führung übernahm und einen
Frieden mit den Rebellen aushandelte. Seitdem stand Joseph Kabila einer
Übergangsregierung vor, in der der ehemalige Rebellenführer
Bemba den Posten eines Vizepräsidenten einnahm.
Beobachtern zufolge zeigt allein das hohe Interesse an der
Präsidentenwahl, dass sich die Kongolesen nach einer stabilen
Regierung sehnen. In der ersten Runde beteiligten sich 70 Prozent der
rund 25 Millionen registrierten Wähler an der Abstimmung. Doch
schon wegen der schier überwältigenden logistischen Probleme
könnte es auch bei der Stichwahl wieder
Unregelmäßigkeiten geben. Diese waren nach Ansicht
internationaler Wahlbeobachter in der ersten Runde zwar nicht gravierend
genug, um die Abstimmung anzufechten. Doch eine Garantie für einen
friedlichen Verlauf ist das nicht.
(Quelle: ap)
Indien und Pakistan wollen gemeinsame Seeverbindungen einrichten
Sa.28.10.06 - Erstmals seit 35 Jahren sollen wieder Frachtschiffe zwischen Häfen
in Indien und Pakistan verkehren dürfen. Der Plan gilt allerdings
nur für Schiffe im Besitz von Drittländern, wie indische
Regierungsbeamte am Freitag in Neu-Delhi mitteilten. Schiffe unter
indischer oder pakistanischer Flagge könnten jedoch in den
Häfen des jeweils anderen Staates Waren aus Drittländern
absetzen. Analysten versprachen sich von der neuen Regelung eine
bedeutende Ausweitung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den
beiden verfeindeten Atommächten. Bislang musste der Seehandel
zwischen Indien und Pakistan immer über andere Häfen wie
Singapur oder Dubai abgewickelt werden. Ob die neuen Bestimmungen auch
für Passagier- oder Kreuzfahrtsschiffe gelten sollen, blieb
zunächst unklar.
(Quelle: ap)
Chile: Pinochet wegen Folter und Entführung angeklagt
Sa.28.10.06 - Der ehemalige chilenische Militärmachthaber Augusto Pinochet ist
am Freitag wegen Folter und Entführung angeklagt worden. Das
teilte ein Anwalt der Opfer in Santiago mit. Der zuständige
Richter Alejandro Solis kündigte für Montag eine offizielle
Erklärung an. An diesem Tag solle auch Pinochet rechtsgültig
über die Anklage informiert werden. Darin geht es um Folter und
Entführungen in der Villa Grimaldi, einem berüchtigten
Zentrum der chilenischen Geheimpolizei im Anschluss an den
Pinochet-Putsch von 1973.
In Medienberichten hieß es, Pinochet werde in einem Fall des
Mordes, in 36 Fällen der Entführung und in 23 Fällen der
Folter angeklagt. Der Anklageschrift zufolge werde der frühere
Machthaber weiter unter Hausarrest gestellt. Solis hatte Pinochet im
September verhört und anschließend erklärt, dieser
erinnere sich nach eigenen Angaben nicht an die Vorfälle in der
Villa Grimaldi.
In dem Geheimgefängnis wurden den Ermittlungsakten zufolge auch
die amtierende chilenische Präsidentin Michelle Bachelet und ihre
Mutter gefoltert. Bachelet war damals eine 22-jährige
Medizinstudentin. Beide haben von ihrer Folter berichtet, ihre
Fälle sind aber nicht Teil des anhängigen Verfahrens. Heute
ist die Villa Grimaldi im Südosten von Santiago eine
Gedenkstätte für die Opfer der Militärdiktatur.
Pinochet ist bereits wegen anderer Verstöße gegen die
Menschenrechte sowie wegen Steuerbetrugs angeklagt. Bisher sind aber
alle Versuche, einen Prozess zu Ende zu führen, an
Gesundheitsgründen gescheitert.
(Quelle: ap)
Zehn Prozent aller Kinder besuchen laut UN nicht die Grundschule
Sa.28.10.06 - Jedes zehnte Kind weltweit besucht nie eine Grundschule. Zu diesem
Ergebnis kommt die UNESCO in einem am Freitag in New York
veröffentlichten Bericht. Zwar sei die Zahl der
Grundschulanmeldungen in den meisten Entwicklungsländern zwischen
1999 und 2004 gestiegen. Noch immer erhielten jedoch 77 Millionen
Kinder auf der ganzen Welt keine Grundschulausbildung. Um das UN-Ziel,
dies bis 2015 allen Kindern zu ermöglichen, zu erreichen,
müsse noch viel getan werden. Derzeit liege der Anteil weltweit
bei 86 Prozent. Die UNESCO rief zugleich zu einer besseren Betreuung
von Kindern im Vorschulalter aus.
(Quelle: ap)
Greenpeace kritisiert Vermüllung der Weltmeere
Sa.28.10.06 - Die Umweltorganisation Greenpeace hat die deutsche Regierung
aufgefordert, sich während der deutschen
EU-Ratspräsidentschaft 2007 für einen besseren Schutz der
Meere einzusetzen. «Die Vermüllung ist eines der vielen
Probleme, die dringend gelöst werden müssen»,
erklärte Greenpeace-Meeresexpertin Stefanie Werner am Donnerstag in
Hamburg. Die Europäische Union arbeite derzeit an einer Richtlinie
für die künftige Nutzung der Meere, die deutliche
Fortschritte bringen könne. Diese Chance müsse die
Bundesregierung nutzen.
«Das Schicksal der Seevögel, die auf dem offenen Meer
tödliche Mengen an Plastikmüll fressen, steht für den
respektlosen Umgang mit dem in großen Teilen noch unbekannten
Lebensraum Ozean», betonte Werner. Nach Angaben der
Umweltorganisation sterben jedes Jahr mehr als eine Million
Seevögel sowie 100.000 Meeressäugetiere und Schildkröten
an Kunststoffresten, die im Ozean treiben. Die Tiere erstickten in
Sechserpackträgern, strangulierten sich mit treibenden Netzresten
oder verhungerten, weil ihre Mägen mit Plastikteilen verstopft
seien.
Hauptverursacher des Mülls ist laut Greenpeace die internationale
Schifffahrt, aber auch Haushalts- und Industrieabfälle gelangten
über die Flüsse in die Ozeane. Einer Studie von
Meereswissenschaftlern der Nordsee-Anrainerstaaten zufolge flössen
jedes Jahr 20.000 Tonnen Müll in die Nordsee, erklärte die
Umweltorganisation. Besonders viel Müll sammelt sich demnach in den
pazifischen Gewässern vor Hawai: Die Meeresströmungen trieben
dort einen «Müllstrudel» von der Größe
Mitteleuropas voran, warnten die Umweltschützer. Auf einer
«SOS Weltmeer»-Tour soll das Greenpeace-Schiff
«Esperanza» jetzt auf das Phänomen aufmerksam machen.
(Quelle: ap)
Frankreich: Schweigemarsch und neue Gewalt am Jahrestag der Unruhen in
Paris
Sa.28.10.06 - Mit einem Schweigemarsch haben am Freitag im Pariser Vorort Clichy rund
600 Menschen an zwei Jugendliche erinnert, deren Tod vor genau einem
Jahr die wochenlangen Krawalle in den Problemvierteln der
französischen Hauptstadt ausgelöst hatte.
Die 15 und 17 Jahre alten Schüler Zyed und Bouna waren auf der
Flucht vor der Polizei in einem Transformatorenhäuschen ums Leben
gekommen. Dies hatte Unruhen in 300 Vorstädten ausgelöst, in
deren Verlauf mehr als 10 000 Fahrzeuge sowie 300 Schulen, Bibliotheken
und andere öffentliche Gebäude angezündet worden waren.
Angeführt wurde der Trauermarsch von Angehörigen der toten
Jugendlichen und dem Bürgermeister von Clichy. Viele Teilnehmer
trugen weiße T-Shirts mit der Aufschrift «Tod für
nichts». Vor dem Transformatorenhäuschen, in dem Zyed und
Bouna durch Stromschläge ums Leben gekommen waren, hielten die
Menschen inne. Ein dritter Jugendlicher, der bei dem Unfall vor einem
Jahr schwere Verbrennungen erlitten hatte, nahm an dem Marsch ebenfalls
teil. Vor der Schule wurde eine Stele zur Erinnerung an die Toten
enthüllt.
Trotz massiver Polizeipräsenz ist es in den Pariser
Vorstädten am ersten Jahrestag der Unruhen zu mehreren gewaltsamen
Zwischenfällen gekommen. In Blanc Mesnil überfielen
Jugendliche zwei Busse und setzten sie Brand. Der öffentliche
Nahverkehr im Département Seine-Saint-Denis wurde daraufhin bis
zum Samstagmorgen eingestellt.
Der erste Bus wurde von zwei Vermummten gestoppt, der zweite kurze Zeit
später von vier vermummten Männern. Ein Busfahrer wurde einem
Augenzeugen zufolge an seiner Krawatte aus dem Fahrzeug gezogen. Ein
Fahrgast wurde geschlagen und die Stufen hinabgestoßen. Die
beiden Fahrzeuge brannten völlig aus.
In der Vorstadt Montfermeil gab es am späten Freitagabend eine
Razzia in einer Wohnsiedlung, an der zahlreiche Bereitschaftspolizisten
beteiligt waren. Ein Beamter sagte, der Polizeieinsatz richte sich
gegen Jugendliche, die Straßenlampen zerstört und Autos in
Brand gesetzt hätten. Bereits in der Nacht zum Freitag wurden im
ganzen Land 100 Autos in Brand gesetzt, davon etwa die Hälfte im
Großraum Paris.
Blanc Mesnil liegt ebenso wie Montfermeil in der Nähe von
Clichy-sous-Bois im Norden von Paris. Dort kamen vor einem Jahr zwei
Jugendliche auf der Flucht vor der Polizei ums Leben. Danach begannen
wochenlange Unruhen, die auch auf andere französische
Großstädte übergriffen. Dabei gingen in jeder Nacht bis
zu 1.400 Autos in Flammen auf.
Am ersten Jahrestag der Vorstadtunruhen waren im ganzen Land 4.000
zusätzliche Polizisten im Einsatz. Allein im Großraum Paris
wurden 500 zusätzliche Bereitschaftspolizisten aufgeboten.
(Quellen: dpa, ap)
Deutschland
Laut ZDF vertuschte der BND das Verschwinden eines Deutsch-Ägypters
Sa.28.10.06 - Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat nach Darstellung des ZDF-Magazins
«Frontal 21» die Suche nach einem verschwundenen
Deutsch-Ägypter behindert. Der damals 69-jährige Abdel-Halim
K. sei von Maskierten aus einem Hotel in Sarajevo (Bosnien-Herzegowina)
nach Tuzla in ein US-Militärgefängnis verschleppt worden.
Nach seinem plötzlichen Verschwinden ließ die Familie nach
dem Mann suchen, der seit längerem in München lebte. Sein
Rechtsanwalt versuchte bei deutschen Behörden erfolglos, etwas
über den Verbleib seines Mandanten zu erfahren. Der Anwalt sagte
dem Magazin: «Es wurde gemauert.»
Aus BND-Unterlagen, die «Frontal 21» vorliegen, geht
hervor, dass der Rechtsanwalt auch einen Mitarbeiter des deutschen
Auslandsgeheimdienstes in Sarajevo anrief. Dieser habe jedoch
geleugnet, dass er BND-Mitarbeiter sei und Kenntnis von einer
Verhaftung habe. Über den Anruf des Anwalts und seine Reaktion
habe der BND-Mitarbeiter auch seine Dienststelle informiert.
Dabei habe er schon zuvor von zwei Kollegen vom Bundeskriminalamt (BKA)
während einer gemeinsamen Autofahrt persönlich erfahren, dass
Abdel-Halim K. und sein Begleiter in Tuzla gefangen gehalten und
offensichtlich misshandelt würden. Einer der beiden BKA-Beamten
habe dabei seine Einschätzung widergegeben, «... dass die
Amerikaner in Tuzla das machen würden, wofür in Den Haag
Serben vor dem ITCY (Internationaler Strafgerichtshof für das
ehemalige Jugoslawien) landen», hieß es.
Dieser BKA-Beamte berichtete dem BND-Untersuchungsausschuss, dass er
nach seiner Rückkehr aus Bosnien unverzüglich einen
dreiseitigen Bericht über die Lage des Deutsch-Ägypters in
Tuzla für die Nachrichtendienst-Lage im Kanzleramt geschrieben
habe. Anfang Oktober 2001 müssen demnach im Kanzleramt
Erkenntnisse über die Haftumstände Abdel-Halim K.s im
Geheimgefängnis der USA in Tuzla vorgelegen haben, berichtet
«Frontal 21».
(Quelle: dpa)
Angestellte müssen reale Einkommensverluste hinnehmen
Sa.28.10.06 - Die deutschen Angestellten haben auch im Juli reale Einkommensverluste
hinnehmen müssen.
Die tariflichen Monatsgehälter seien um 1,3 Prozent zum
Vorjahresmonat gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag
mit. Die Lebenshaltung verteuerte sich im gleichen Zeitraum um 1,9
Prozent. Bei Arbeitern führten überdurchschnittliche
Tarifabschlüsse im produzierenden Gewerbe zu einem Zuwachs der
Stundenlöhne in Höhe der Jahresteuerungsrate.
Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief sehr unterschiedlich.
Überdurchschnittlich stiegen etwa die Monatsgehälter der
Angestellten im Schienenfahrzeugbau mit einem Plus von knapp vier
Prozent und in der Tabakverarbeitung mit plus 3,6 Prozent. Für die
Angestellten in der Luftfahrt sowie bei Bund, Ländern und Gemeinden
gab es dagegen keine Lohnerhöhungen. Bei den Arbeitern gab es im
Maschinenbau mit plus 4,2 Prozent und im Fahrzeugbau mit plus 3,6
Prozent die kräftigsten Lohnsteigerungen. Bei Bund, Ländern
und Gemeinden sowie im Baugewerbe sanken die Stundenlöhne hingegen
durch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich.
(Quelle: rtr)
Nettoausgaben für Sozialhilfe auf 17,7 Milliarden gesunken
Sa.28.10.06 - Die Netto-Ausgaben für Sozialhilfe sind nach Inkrafttreten der
Arbeitsmarktreform Hartz IV im vergangenen Jahr um mehr als fünf
Milliarden Euro auf 17,7 Milliarden Euro gesunken. Damit wurden 2005 je
Einwohner für die Sozialhilfe rein rechnerisch 214 Euro ausgegeben,
wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
Die Zahlen sind jedoch nur bedingt mit dem Vorjahr vergleichbar: Seit
Umsetzung der Hartz-IV-Reform tauchen arbeitsfähige bisherige
Empfänger von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt und deren
Angehörige nicht mehr in der Sozialhilfestatistik auf - sie
erhalten nun eine "Grundsicherung für Arbeitsuchende" nach dem
Sozialgesetzbuch II. Erstmals in der Sozialhilfestatistik erfasst sind
dagegen die Ausgaben für Empfänger von Grundsicherung im Alter
und bei Erwerbsminderung.
Die mit Abstand höchsten Sozialhilfeausgaben je Einwohner hatten
den Statistikern zufolge im vergangenen Jahr die Stadtstaaten Bremen mit
383 Euro, Hamburg mit 367 Euro und Berlin mit 325 Euro. Die geringsten
Ausgaben je Einwohner in Westdeutschland wurden in
Baden-Württemberg und Bayern mit 177 beziehungsweise 188 Euro
verzeichnet. Die niedrigsten Pro-Kopf-Ausgaben in Ostdeutschland wiesen
Sachsen mit 112 Euro und Thüringen mit 144 Euro auf.
(Quelle: afp)
Türkische Muslime in Deutschland laut Experte immer religiöser
Sa.28.10.06 - Die Religiosität türkischer Muslime in Deutschland wird nach
Erkenntnissen des Essener Instituts für Türkeistudien
stärker. Vor allem die Arbeitslosigkeit und Armut vieler Muslime
in Deutschland führe zu einer Hinwendung zur Religion, sagte
Institutschef Faruk Sen im Südwestrundfunk laut Vorabmeldung vom
Freitag. Jeder dritte türkische Muslim lebe hier zu Lande unter
der Armutsgrenze, schätzte Sen. Zudem würden die deutschen
Muslime immer älter, und mit zunehmendem Alter wachse in allen
Religionen die Frömmigkeit.
Sen sprach sich deshalb für zusätzliche Maßnahmen zur
Integration und beruflichen Eingliederung aus. «Wenn
Arbeitslosigkeit und Armut besonders bei jugendlichen Migranten
zunimmt, kann man Unruhen nicht ausschließen», warnte er.
Zudem sei das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in
Deutschland von einer immer stärkeren Islamophobie geprägt.
Gleichzeitig nehme das Vertrauen der Muslime gegenüber der
deutschen Gesellschaft ab. «Alle Muslime hier leiden unter dem
Feindbild Islam, das einige wenige islamistische Fanatiker geprägt
haben», erklärte er. Ein besseres Zusammenleben erfordere
die Einführung von islamischem Religionsunterricht und die
Ausbildung muslimischer Imame in deutscher Sprache.
(Quelle: ap)
Neonazis dürfen nicht demonstrieren
Sa.28.10.06 - Das Verwaltungsgericht München hat ein von der Stadt München
verfügtes Verbot einer Neonazi-Demonstration während der
Eröffnung der neuen Synagoge am 9. November bestätigt. Das
sagte ein Gerichtssprecher am Freitag in München. Zur feierlichen
Eröffnung der neuen Hauptsynagoge der Israelitischen Kultusgemeinde
München und Oberbayern am Jakobsplatz werden zahlreiche
Ehrengäste erwartet, darunter Bundespräsident Horst
Köhler.
Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle begrüßte die
Gerichtsentscheidung. Neonaziversammlungen in München seien
politisch immer unerwünscht, aber «juristisch leider nicht
immer zu verhindern». Eine Neonazi-Demo während der
Eröffnung der jüdischen Synagoge am 9. November
«wäre eine unerträgliche Provokation mit unabsehbarer
Reaktion und einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung», sagte Blume-Beyerle.
(Quelle: ddp)
Demonstrationsverbot im Raum Gorleben wegen Castor-Transports
Sa.28.10.06 - Die niedersächsische Polizei hat wegen des bevorstehenden
Castor-Transports in das Zwischenlager Gorleben ein Versammlungsverbot
verhängt. Wie die Polizeidirektion in Lüneburg am Freitag
mitteilte, sind ab dem zweiten Novemberwochenende in einem 100 Meter
breiten Korridor um die Bahnstrecke von Lüneburg nach Dannenberg
und um zwei Straßen von Dannenberg zum Zwischenlager Gorleben
alle Demonstrationen oder Kundgebungen untersagt.
Nach Angaben der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg soll der
Transport von zwölf Castor-Behältern am 10. November nahe der
französischen Wideraufarbeitungsanlage La Hague starten und zwei
Tage später Lüneburg erreichen. Das Demonstrationsverbot gilt
von 11. November 0.00 Uhr bis zur Ankunft der Behälter im
Zwischenlager.
(Quelle: ap)
Laut Berichten Atom-Transport per Flugzeug geplant
Sa.28.10.06 - Bis zu 200 Kilogramm radioaktiven Atommülls aus einem ehemaligen
DDR-Forschungsreaktor sollen Medienberichten zufolge per Flugzeug nach
Russland gebracht werden. Der brisante Lufttransport soll noch in
diesem Jahr stattfinden, wie mehrere Zeitungen am Samstag
übereinstimmend berichteten. Beim Bundesamt für
Strahlenschutz (BfS) liegt demnach ein entsprechender Antrag auf
Erteilung einer atomrechtlichen Genehmigung vor.
Das Uran mit einer Anreicherung von 36 Prozent stammt demnach aus dem
einstigen DDR-Kernforschungszentrum Rossendorf bei Dresden. Der
Direktor des mit dem Rückbau der Anlage betrauten Vereins für
Kernverfahrenstechnik und Analytik, Udo Helwig, sagte der
«Berliner Zeitung», der Transport sei sicher. Mit dem
Flugzeug könne weniger passieren als auf der Straße oder
Schiene, wurde er zitiert. Zudem handele es sich um unbestrahltes
Restmaterial, weshalb auch kein Transport in Castor-Behältern
vorgesehen sei.
Die «Welt» und die «Berliner Morgenpost»
berichteten, Sicherheitsexperten der Polizei sowie die
Umweltorganisation Greenpeace sähen hohe Risiken wegen
möglicher Unfälle oder Angriffen von Terroristen.
Die alten Brennelemente, Brennstäbe und Brennstoffscheiben sollen
den Berichten zufolge in einem Kernforschungszentrum bei Moskau wieder
nutzbar gemacht werden. Zuvor sollen sie von Rossendorf per Lkw zum
Flughafen Dresden transportiert und dort in ein Flugzeug verladen
werden. Laut «Berliner Zeitung» hat die mit dem Transport
beauftragte Firma als Termin den 1. Dezember vorgesehen. Das in
Salzgitter beheimatete Bundesamt habe den Antrag noch nicht
abschließend geprüft, weshalb offen sei, ob der Transport
schon Anfang Dezember stattfinden könne.
Hintergrund der Rückführung ist ein internationales Abkommen,
atomare Hinterlassenschaften des Kalten Krieges in ihre
Ursprungsländer zurückzubringen. Aus dem 1991 still gelegten
Forschungsreaktor Rossendorf sowjetischer Bauart waren bereits im
vergangenen Jahr 951 Brennstäbe ins westfälische
Zwischenlager Ahaus gebracht worden. Am 10. Oktober war ein Transport
mit schwach angereichertem Uran per Lkw und Schiff nach Kasachstan
gestartet. In Deutschland wurde nach Angaben des BfS seit 2003 bereits
vier Mal Uran auf dem Luftweg transportiert.
(Quelle: ap)