Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertzweiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Präsident Bush und Iraks Ministerpräsident Malaki um Klärung der
jüngsten Spannungen bemüht. Maliki: Ich bin nicht Amerikas Mann im Irak.
Fast 100 US-Soldaten im Oktober im Irak getötet. Elf irakische
Soldaten entführt
So.29.10.06 - US-Präsident George W. Bush und der irakische
Ministerpräsident Nuri al-Maliki haben sich am Samstag in einer
Video-Konferenz um eine Klärung der jüngsten Spannungen
bemüht. Bush habe Al-Maliki versichert, dass die USA ihn als
souveränen Führer des Iraks betrachteten, sagte
Präsidentensprecher Tony Snow nach dem 50-minütigen
Gespräch der beiden Politiker.
Der irakische Regierungschef hatte nach Angaben eines engen Beraters um
die Unterredung mit Bush nachgesucht. Zuvor hatte Al-Maliki dem Berater
zufolge bereits bei einem Treffen mit US-Botschafter Zalmay Khalilzad
in Bagdad deutliche Worte gefunden. «Ich bin ein Freund der
Vereinigten Staaten, aber ich bin nicht Amerikas Mann im Irak»,
zitierte Hassan al Suneid den Ministerpräsidenten.
Al-Maliki habe verlangt, dass sein Kabinett als gewählte Regierung
behandelt werde, die internationale Legitimität genieße.
Außerdem müssten sich die US-Truppen im Irak besser mit
seiner Regierung abstimmen. Al-Maliki hat in dieser Woche mehrfach
erklärt, dass die USA nicht das Recht hätten, dem Irak
«Zeitpläne» vorzugeben. Er widersprach damit einer
Erklärung Khalilzads vom Dienstag, wonach die irakische Regierung
zugestimmt habe, bis zum Jahresende einen Zeitplan für
Fortschritte auszuarbeiten.
Laut einer vom Weißen Haus verbreiteten Zusammenfassung des
Gesprächs zwischen Bush und Al-Maliki betonten beide die
amerikanisch-irakische Partnerschaft. Auch herrsche Einigkeit über
den weiteren Entwicklungsprozess. So soll die Ausbildung der irakischen
Soldaten beschleunigt werden. Ziel sei es, die Verantwortung für
die Sicherheit des Landes in die Hände der irakischen Regierung zu
legen.
Die Zahl der im Oktober im Irak getöteten US-Soldaten ist auf 98
gestiegen. Nur drei andere Monate seit Kriegsbeginn im März 2003
waren für die amerikanischen Streitkräfte verlustreicher.
Jüngstes Opfer der Kampfhandlungen war ein Marineinfanterist. Er
starb nach Militärangaben am Freitag an Verletzungen, die er sich
bei einem Einsatz in der Provinz Anbar westlich von Bagdad zugezogen
hatte.
Im Irak sind am Samstag elf irakische Soldaten verschleppt worden. Wie
ein Armeesprecher mitteilte, wurde ihr Bus an einer von Rebellen
errichteten Straßensperre gestoppt. Alle Insassen samt Fahrer
mussten den Angaben zufolge aussteigen. Seither fehle von ihnen jede
Spur. Die in Zivil gekleideten Soldaten hätten Urlaub gehabt und
seien auf dem Weg nach Kirkuk gewesen. Unter ihnen seien Kurden und
Turkmenen. Der Vorfall ereignete sich dem Sprecher zufolge bei Chalis
nahe der Rebellenhochburg Baakuba, etwa 80 Kilometer nördlich von
Bagdad. Kirkuk liegt noch rund 170 Kilometer nördlicher.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 29.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertachtundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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US-Vizepräsident Cheney nach Interview zu Verhörmethoden in
der Kritik
So.29.10.06 - Knapp zwei Wochen vor den Kongresswahlen in den USA hat
Vizepräsident Dick Cheney mit einem Interview zu
Verhörmethoden für Empörung gesorgt. Der Vize-Staatschef
hatte gesagt, für ihn sei es eine Selbstverständlichkeit,
Terrorverdächtige unter Wasser zu drücken, wenn dadurch
Informationen über bevorstehende Anschläge gewonnen werden
könnten. Menschenrechtsorganisationen protestierten gegen die
Äußerungen. Bush sagte, die USA folterten nicht und
würden dies auch in Zukunft nicht tun.
Der konservative Radiomoderator Scott Hennen hatte Cheney gefragt, ob
für ihn "das Untertauchen unter Wasser eine
Selbstverständlichkeit" sei, wenn ein Verhörter dadurch
Informationen über Anschläge preisgebe und somit Leben
gerettet werden könne. Cheney sagte daraufhin: "Das ist eine
Selbstverständlichkeit für mich." Er sei eine Zeitlang als
Vize-Präsident "für Folter" kritisiert worden. Die USA
folterten aber nicht. Das Land habe stattdessen "ein ziemlich robustes
Verhörprogramm ohne Folter".
Beim so genannten water boarding werden Gefangene so lange unter Wasser
getaucht, bis sie das Gefühl haben zu ertrinken. In den USA wurde
diese Foltertechnik vor einigen Monaten offiziell verboten.
Angesichts der heftigen Reaktionen versuchten US-Präsident George
W. Bush und das Weiße Haus, Cheneys Äußerungen zu
relativieren. Der Sprecher des Weißen Hauses sagte, Cheney habe
nie vom "water boarding" gesprochen. Die Frage des Interviewers sei
"vage formuliert" gewesen. Cheney habe lediglich vom "Untertauchen"
geredet. Bush sagte: "Dieses Land foltert nicht, wir werden nicht
foltern."
Der Geschäftsführer von Amnesty International USA, Larry Cox,
sagte, die aktuelle US-Regierung breche "radikal mit der Tradition der
Verteidigung der Menschenrechte, die der Stolz dieses Landes gewesen
ist". Ein Sprecher der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch sagte,
Cheney habe de facto dem Iran oder Syrien grünes Licht für das
"water boarding" bei US-Bürgern gegeben, falls diese Länder
das Gefühl hätten, dies könne Iranern oder Syrern das
Leben retten.
Die Debatte kommt für die Republikaner unter Bush zur Unzeit: Am
7. November stehen in den USA die Kongresswahlen an. Den Umfragen
zufolge können die Demokraten insbesondere in den 40
umkämpften Bundesstaaten mit einem Sieg rechnen.
(Quelle: afp)
Human Rights Watch kritisiert NATO-Einsatz in Afghanistan
So.29.10.06 - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat der NATO
vorgeworfen, nicht genug zum Schutz der Zivilbevölkerung in
Afghanistan zu tun. Die Taktik der Truppen gefährde zunehmend die
Menschen, die sie eigentlich schützen sollten, erklärte die in
New York ansässige Organisation.
«Die NATO-Truppen sollten versuchen, den Schaden für
Zivilpersonen möglichst klein zu halten, aber sie tun das nicht in
ausreichendem Maße», kritisierte Sam Zafiri, der bei Human
Rights Watch für Asien zuständig ist. Er rief die NATO auf,
den Einsatz der Luftwaffe gegen mutmaßliche Rebellen zu
überdenken, insbesondere in Gebieten, in denen man zivile Opfer
riskiere. Die Menschenrechtsorganisation forderte außerdem eine
Entschädigung für Opfer und Hinterbliebene. «Die NATO
wird das Vertrauen der Afghanen nicht gewinnen, wenn sie Leben und
Eigentum der Zivilbevölkerung gering schätzt»,
hieß es in der am Freitag veröffentlichten Erklärung.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer zeigte sich am Freitag
betroffen über den Tod von Zivilpersonen in Afghanistan. «Das
ist eine Tragödie», sagte er nach einem Treffen mit
US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus. Zugleich rief er
jedoch dazu auf, die Fortschritte im Land nicht aus dem Auge zu
verlieren. Die NATO sei weiter fest entschlossen, die Demokratie in
Afghanistan zu verteidigen.
Bei einer Explosion im Süden Afghanistans waren am Freitag
mindestens 14 Dorfbewohner getötet worden. Am Dienstag waren bei
NATO-Einsätzen in der Provinz Kandahar laut NATO zwölf
Zivilpersonen getötet worden. Die afghanischen Behörden
schätzten die Zahl der zivilen Todesopfer hingegen auf bis zu 80,
darunter zahlreiche Frauen und Kinder.
(Quelle: ap)
Afghanische Taliban lehnt Gesprächsangebot der Regierung ab
So.29.10.06 - Die radikal-islamische Taliban hat am Samstag ein Gesprächsangebot
der Regierung in Afghanistan ausgeschlagen und angekündigt, ihren
Kampf in dem Land fortzusetzen.
"Die Ungläubigen aus der gesamten Welt haben sich in Afghanistan
versammelt, es besetzt und die Afghanen als Geiseln genommen", sagte ein
Sprecher des flüchtigen Taliban-Anführers Mullah Omar per
Satellitentelefon von einem geheimen Ort aus. Es könne keine
Gespräche mit der afghanischen "Marionetten-Regierung" geben, so
lange ausländische Truppen in Afghanistan seien. "Ebenso wenig
werden die Mudschahedin ihre Waffen nieder legen", sagte er.
Präsident Hamid Karsai müsse sich zunächst selbst aus der
Sklaverei der ausländischen Truppen befreien, bevor es zu
Gesprächen mit den Taliban kommen könne.
Karsai hatte am Freitag sein Angebot an die Rebellen erneut,
Gespräche aufzunehmen, dies aber an mehrere Bedingungen
geknüpft. So sollen die Taliban ihre Unterstützung von
Kräften aus Pakistan aufgeben. Die Aufständischen lehnen dies
ab.
Die Gruppe hatte der Nato am Freitag nach dem Tod Dutzender Zivilisten
Völkermord vorgeworfen und noch mehr Selbstmordanschläge
angekündigt. In den vergangenen Tagen waren mindestens 50
Zivilisten bei Nato-Angriffen getötet worden. Es wird
befürchtet, dass derartige Vorfälle wie auch die Fotos von
Totenschändungen durch Bundeswehrsoldaten zu mehr
Unterstützung für die Taliban führen könnten.
Insgesamt sind die Gefechte in Afghanistan in diesem Jahr die
schlimmsten seit dem US-geführten Sturz der Taliban im Jahr 2001.
Seit Anfang dieses Jahres sind mindestens 3000 Menschen getötet
worden, die meisten davon Aufständische. Unter den Toten sind
jedoch auch hunderte Zivilisten und etwa 150 ausländische Soldaten.
Die Taliban sind insbesondere im Süden des Landes aktiv. Die
Bundeswehr ist im vergleichsweise ruhigen Norden und der Hauptstadt
Kabul stationiert.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Mittelmeeranrainer fordern internationale Nahost-Konferenz. Kommandeur
der UN-Friedenstruppe: EU-Außenbeauftragter Solana soll Israel zu
Verzicht auf Libanon-Flüge bewegen. Palästinenser-Gruppe:
Lösung der Gaza-Geiselkrise steht bevor. Bruttoinlandsprodukt der
Palästinenser um rund ein Drittel gefallen
So.29.10.06 - Elf Mittelmeeranrainer haben am Samstag zur Wiederbelebung des
Nahost-Friedensprozesses eine internationale Konferenz gefordert. Bei
einem Treffen im spanischen Alicante sprachen sich Vertreter der
Staaten zugleich für eine Überarbeitung des internationalen
Friedensplans der Roadmap aus. Die Zeit sei reif für eine neue
Anstrengung zur Lösung der Probleme, hieß es in einer von
den Konferenzteilnehmern vorgelegten «Erklärung von
Alicante». Der Nahe Osten durchlebe nach dem Krieg im Libanon und
angesichts der anhaltenden Gewalt in den besetzten Gebieten die
schlimmste Krise seit Jahren, hieß es weiter. Die bestehenden
internationalen Friedenspläne und Initiativen kämen nicht
voran, was weit reichende Konsequenzen für für Frieden und
Sicherheit in der Welt habe. An dem Treffen der so genannten
Foromed-Gruppe unter Vorsitz des spanischen Außenministers Miguel
Angel Moratinos nahmen neben Spanien Ägypten, Griechenland,
Italien, Malta, Marokko, Portugal, die Türkei, Algerien,
Frankreich und Tunesien teil. Libyen war als Gast geladen.
Der Kommandeur der UN-Friedenstruppe im Libanon (UNIFIL), Alain
Pellegrini, hat die EU am Samstag aufgefordert, Israel zum Verzicht auf
seine Aufklärungsflüge über dem Libanon zu bewegen.
Pellegrini habe sich bei einem Treffen mit dem
EU-Außenbeauftragten Javier Solana in Beirut über die
umstrittenen Flüge beschwert, sagte UNIFIL-Sprecher Daljeet Bagga.
Der Kommandeur habe Solana aufgefordert, Druck auf Israel
auszuüben, um die Flüge zu beenden. Solana hält sich
derzeit zu einer mehrtägigen Rundreise im Nahen Osten auf. Die
UNIFIL hatte sich bereits mehrfach darüber beschwert, dass die
israelischen Flüge ihren Einsatz im Libanon behinderten. Israel
hält die Flüge für notwendig, um den Waffenschmuggel
für die Hisbollah zu unterbinden.
Der vor rund vier Monaten im Gaza-Streifen von radikalen
Palästinensern entführte israelische Soldat Gilad Schalit
könnte nach palästinensischen Angaben bald frei kommen.
Eine der drei radikalen Gruppen, die den Soldaten festhält, teilte
am Samstag mit, man habe einem Vorschlag des Vermittlers Ägypten
zugestimmt. Demnach soll Schalit frei gelassen werden, wenn im Gegenzug
Israel eine nicht näher genannte Zahl palästinensischer
Häftlinge auf freien Fuß setze. Es komme nun auf die Reaktion
Israels an, erklärte das Volkswiderstandskomittee (PRC) weiter. Von
israelischer Seite lag zunächst keine Stellungnahme vor.
Details zu der vorgeschlagenen Lösung der Geisel-Krise nannte die
Gruppe nicht. "Wir erwarten binnen einiger Tage eine Lösung
für unsere Gefangenen", hieß es.
Palästinensische Extremisten hatten den Soldaten am 25. Juni
entführt und fordern als Gegenleistung für seine Freilassung,
dass bis zu 1400 in Israel inhaftierte Palästinenser freikommen.
Die Entführung des Soldaten hatte die israelische Armee dazu
veranlasst, fast ein Jahr nach dem Abzug aus dem palästinensischen
Küstengebiet wieder dort einzumarschieren. Bei der darauf folgenden
Offensive Israels wurden mehr als 260 Palästinenser getötet,
etwa die Hälfte davon Extremisten.
Das Bruttoinlandsprodukt in den palästinensischen Gebieten ist in
den ersten neun Monaten dieses Jahres um fast ein Drittel drastisch
gesunken. Mit Blick auf das Gesamtjahr dürfte es von 4,04
Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) im Jahr 2005 auf 2,9 Milliarden
Dollar (2,3 Milliarden Euro) fallen, wie der prominente Abgeordnete
Sajeb Erakat am Samstag in Ramallah mitteilte. Dies entspricht einem
Rückgang von 28 Prozent. Gleichzeitig sagte Erakat eine
Verringerung des Investitionsvolumens von einer Milliarde auf 400
Millionen Dollar voraus. Dies wäre ein Rückgang um 60 Prozent.
Als Hauptgrund für diese Entwicklung nannte Erakat die Einstellung
der internationalen Finanzhilfen nach dem Regierungsantritt der
radikalislamischen Hamas-Bewegung im März. Auch die Sperrung
wichtiger Grenzübergänge von Seiten Israels habe zur
dramatischen Verschlechterung der Wirtschaftslage beigetragen. Wenn
sich nicht bald etwas ändere, stünden die
palästinensischen Gebiete vor dem totalen Zusammenbruch, sagte
Erakat.
(Quellen: afp, rtr, ap)
Iran bestätigt Anreicherung von Uran in zweiter Kaskade
So.29.10.06 - Der Iran hat nach eigenen Angaben erfolgreich Uran angereichert. Wie
die Regierungszeitung "Iran" berichtet, wurde in einer zweiten Kaskade
in der Anlage Natans Uran angereichert. Seit zwei Wochen laufe das
Verfahren erfolgreich, zitierte das Blatt den Vizedirektor der
iranischen Atomenergiebehörde, Mohammad Ghannad. Damit sei der Weg
für die "Phase der industriellen Anreicherung" offen.
In der Anlage in Natans befinden sich den Angaben zufolge zwei Kaskaden
mit jeweils 164 Zentrifugen. Je nach Anreicherungsgrad kann mit solchen
Anlagen Kernmaterial für den Betrieb von Atomkraftwerken oder aber
zum Bau von Atomwaffen eingesetzt werden. Vor allem westliche Staaten
verdächtigen die Führung in Teheran, heimlich am Bau atomarer
Waffen zu arbeiten. Um Uran in industriellem Umfang anzureichern,
bräuchte das Land tausende weitere Zentrifugen.
(Quelle: afp)
Srilankische Regierung und Rebellen verhandeln in Genf
So.29.10.06 - Die Regierung Sri Lankas und die tamilischen Rebellen sind erstmals
seit acht Monaten wieder zu Friedensverhandlungen zusammengekommen. Zum
Auftakt der zweitägigen Gespräche in Genf betonte der
norwegische Vermittler Erik Solheim am Samstag, es sei an der Zeit,
Fortschritte zu erzielen, da sowohl der srilankischen Bevölkerung
als auch der internationalen Gemeinschaft langsam die Geduld ausgehe.
Bei neuen Anschlägen vor Ort waren kurz zuvor ein Soldat erschossen
und sechs Polizisten verwundet worden.
Solheim, der norwegische Minister für internationale Entwicklung,
appellierte an beide Seiten, sich intensiv um eine Einigung zu
bemühen. Andernfalls könnte sich das Interesse der
Weltgemeinschaft auf andere Krisenregionen verlagern. Sri Lanka
könnte dann völlig isoliert dastehen.
An einem Kontrollpunkt der Streitkräfte in Batticaloa im Osten Sri
Lankas wurde ein Soldat am Samstag von mutmaßlichen
Aufständischen erschossen. Die Angreifer seien geflohen, teilte das
Verteidigungsministerium mit. Zuvor waren bereits zwei
Bombenanschläge verübt worden, bei denen sechs Polizisten
verwundet wurden. Drei Verletzte gab es beim Angriff auf eine
Eliteeinheit der Sicherheitskräfte im Bezirk Batticaloa. Im weiter
nördlich gelegenen Bezirk Vavuniya traf ein Sprengsatz eine
Polizeipatrouille, wobei drei weitere Beamte Verletzungen erlitten.
Bei den Gesprächen in Genf sollte es darum gehen, den faktisch
zusammengebrochenen Waffenstillstand von 2002 zu retten. Die
Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) kämpfen seit 1983 für
einen eigenen tamilischen Staat im Norden und Osten der Insel Ceylon.
Seitdem wurden etwa 65.000 Menschen getötet. In diesem Jahr hat die
Gewalt schon rund 2.000 Menschen das Leben gekostet.
(Quelle: ap)
Mexikos Präsident Fox schickt Truppen in Bundesstaat Oaxaca
So.29.10.06 - Nach den Unruhen in dem südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca mit
mindestens drei Toten hat Präsident Vincente Fox die Entsendung
von Bundestruppen in die Region angeordnet. Bei den Unruhen wurden am
Freitag mindestens drei Menschen getötet, darunter ein Kameramann
aus den USA. Elf weitere Menschen seien bei Feuergefechten verletzt
worden, sagte ein Sprecher der Aktivisten der Volksversammlung der
Dörfer von Oaxaca (APPO).
Der US-Kameramann Brad Will vom globalisierungskritischen
Internetdienst Indymedia sei in der Bundeshauptstadt Oaxaca
tödlich in die Brust getroffen worden. Die Kugel sei vom Dach des
Rathauses abgefeuert worden, wo sich Polizisten und Sicherheitsleute
des Gouverneurs verschanzt hätten. Oaxaca ist seit dem Beginn
eines Lehrerstreiks im Mai im Ausnahmezustand.
Die von der mexikanischen Regierung in Marsch gesetzten Truppen sind
inzwischen in der Konfliktregion Oaxaca eingetroffen. Dort und in
anderen nahen Gemeinden haben die Widerstandsgruppierungen ihre
Blockaden und Absperrungen ausgebaut. Die Anführer der
«Versammlung der Völker von Oaxaca» wiesen eine
Aufforderung der Bundesregierung zurück, die Stadt umgehend zu
räumen
(Quellen: afp, dpa)
Brandanschläge auf Busse in Frankreich reißen nicht ab
So.29.10.06 - Die Serie von Brandanschlägen auf Busse in Frankreich reißt
nicht ab. Gestern Abend wurde eine 26-jährige Frau in Marseille
beim Brand eines Busses lebensgefährlich verletzt. Laut Polizei
wurde das Fahrzeug von Jugendlichen angegriffen und angezündet.
Krankenhausangaben zufolge sind fast 60 Prozent der Haut des Opfers
verbrannt. Drei Passagiere erlitten leichte Rauchvergiftungen. Seit
einer Woche sind in Vororten französischer Großstädte
mindestens sieben Busse in Flammen aufgegangen.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Geheime SPD-Studie bescheinigt Partei Auszehrung
So.29.10.06 - Die SPD leidet nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der
Spiegel» unter Auszehrung. Unter Berufung auf eine unter
Verschluss gehaltene SPD-Studie heißt es, die Partei habe den
Anschluss an breite Bevölkerungsschichten verloren. Sie verzeichne
kaum Eintritte, kaum noch Arbeiter stießen zu ihr und zu wenig
Frauen gehörten ihr an.
Parteivorsitzender Kurt Beck habe die Lage so beschrieben: Seit 1990
habe die Partei fast 37 Prozent ihrer Mitglieder verloren. Wenn bis zum
Bundesparteitag 2007 der alte Stand gehalten werden solle, dann
müssten bis dahin 57.000 neue Mitglieder geworben werden. Dieses
Ziel sei aber nicht erfüllbar, hieß es weiter.
Laut Studie entwickelt sich Partei vor allem im Osten Deutschlands
immer mehr zu einer Männerpartei. «Die Mitgliederentwicklung
der Arbeiter ist dramatisch,» heiße es weiter. Innerhalb
der vergangenen zehn Jahre habe sich ihr Anteil halbiert.
Auch die soziale Struktur der Partei ändere sich. Im Jahr 2005
seien nur 1.406 Arbeiter eingetreten, 6,94 Prozent der Neuzugänge.
Im statistischen Querschnitt sind in Deutschland jedoch 13,5 Prozent
der Bevölkerung Arbeiter. Frauen blieben ebenfalls eine
Minderheit. Ihr Anteil habe zuletzt bei 30 Prozent gelegen.
In desolatem Zustand befinde sich aus der größte
Landesverband Nordrhein-Westfalen. Von 1.575 Ortsvereinen
erfüllten nur zwei die Kriterien eines «vitalen
Ortsvereins», in denen seit 2001 jährlich mindestens zehn
Prozent Neumitglieder angeworben würden. Bundesweit gälten
nur noch 34 Ortsvereine als vital. Die SPD habe derzeit 570.000
Mitglieder.
(Quelle: ap)
EU-Kommissar kritisiert deutsche Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik
So.29.10.06 - Grundlegende Kritik an der deutschen Arbeitsmarktpolitik hat der
für Soziales zuständige EU-Kommissar Vladimir Spidla
geübt. Im Gespräch mit «Bild am Sonntag» warf der
Tscheche der Regierung in Berlin vor, die hierfür in reichlichem
Maß zur Verfügung stehenden Gelder zum Teil falsch zu
verwenden. «Wenn man die sehr hohen Sozialleistungen in
Deutschland sieht, muss man sich tatsächlich fragen, ob staatliche
Leistungen nicht zielgerichteter eingesetzt werden könnten, vor
allem in Bildung», sagte der Kommissar.
Spidla wies auf die mit 18,7 Prozent in Deutschland besonders hohe
Arbeitslosenquote von Geringqualifizierten hin, was ein Drittel mehr sei
als im EU-Durchschnitt. Vor allem Mangel an Ausbildungsplätzen und
die wachsende Zahl von Schulabbrechern führten dazu, dass viele
Menschen keine Perspektiven hätten. Als Besorgnis erregend
bezeichnete der EU-Kommissar auch die hohe Zahl von Langzeitarbeitslosen
in Deutschland. Hier müssten die Maßnahmen schneller greifen,
um den Menschen wieder einen Job zu verschaffen. In diesem Zusammenhang
sprach sich Spidla für die Einführung von Mindestlöhnen
aus, was beispielsweise in Großbritannien zu einer Erhöhung
der Beschäftigungsraten geführt habe.
(Quelle: ap)
Dauer der durchschnittlichen Arbeitslosigkeit steigt
So.29.10.06 - Trotz der Aufhellung am Arbeitsmarkt sind Langzeitarbeitslose einem
Magazinbericht zufolge derzeit so lange ohne Beschäftigung wie nie
zuvor.
Stellensuchende blieben zurzeit im Schnitt eineinhalb Jahre ohne Job,
berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Samstag vorab unter
Berufung auf Ergebnisse der Bundesagentur für Arbeit. Die
durchschnittliche Länge der Arbeitslosigkeit sei statistisch auf
den Rekordwert von 512 Tagen gestiegen, vor vier Jahren seien es nur 444
Tage gewesen. In dem jüngsten deutlichen Anstieg verberge sich
allerdings auch der konjunkturbedingte Aufschwung am Arbeitsmarkt.
Derzeit seien vergleichsweise wenig kurzzeitig Arbeitslose im Bestand
der Bundesagentur zu finden. In konjunkturell schlechten Zeiten gebe es
mehr von ihnen, was den Durchschnitt drücke, berichtete der
"Spiegel".
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland war im September auf 4,238
Millionen gesunken, für Oktober erwarten von Reuters befragte
Experten im Schnitt einen weiteren Rückgang auf 4,155 Millionen.
(Quelle: rtr)
SPD-Generalsekretär Heil nennt Bürgergeld leistungsfeindlich
und unsozial
So.29.10.06 - SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hat die Überlegungen in der
CDU zu einer sozialen Grundsicherung scharf kritisiert. Das so genannte
Bürgergeld sei eine «konservative
Stilllegungsprämie», sagte Heil der «Welt am
Sonntag». «Menschen werden einfach aufgegeben, als nutzlos
abgestempelt, in die Sackgasse geschoben und mit Geld
abgefunden.» Die SPD wolle aber niemanden aufgeben und setze
darauf, den Menschen immer wieder eine Chance zu geben. «Das so
genannte Bürgergeld aber ist ebenso leistungsfeindlich wie
unsozial», sagte Heil.
Das Bürgergeld wurde vom thüringischen
Ministerpräsidenten Dieter Althaus in die CDU-Programmdebatte
eingebracht. Grundgedanke ist, dass jedem Bürger ein bestimmtes
Einkommen gesichert wird. Die derzeit bestehenden Sozialleistungen wie
das Arbeitslosengeld II würden wegfallen.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla äußerte große
Sympathien für die Überlegungen. «Ich halte den
Gedanken, den Dieter Althaus in die Debatte über das neue
Grundsatzprogramm der CDU eingebracht hat, für
visionär», sagte er dem «Tagesspiegel am
Sonntag». Faszinierend sei, dass bei dieser Form von
Grundsicherung jede Form von Sozialbürokratie wegfalle. Pofalla
räumte jedoch ein, dass ein Bürgergeld auch dazu führen
könne, «dass Menschen, die in der zweiten oder dritten
Generation von Sozialtransfers leben, sich endgültig aus der
Arbeitsgesellschaft zurückziehen». Die
CDU-Programmkommission habe sich noch keine abschließende Meinung
gebildet.
(Quelle: ap)
Investitionen statt Alimenten
Das "Bürgergeld" ist der Abfindungsgroschen von Konservativen...
Mehr in der taz vom 26.10.06:
http://www.taz.de/pt/2006/10/26/a0157.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/10/26/a0154.1/text
Bundesbürger sparen trotz höherem Nettoeinkommen weniger
So.29.10.06 - Trotz gestiegener verfügbarer Einkommen haben die Deutschen im
ersten Halbjahr nicht mehr Geld zur Seite gelegt als im
Vorjahreszeitraum.
Jeder Bundesbürger sparte von Januar bis Juni des laufenden Jahres
im Schnitt 160 Euro im Monat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag
in Wiesbaden mitteilte. Insgesamt seien das 78 Milliarden Euro und damit
10,4 Prozent des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte
gewesen. "Jeder zehnte Euro landet im Sparschwein", schrieben die
Statistiker. Saisonbereinigt habe die Sparsumme auf der Höhe des
Vorjahres gelegen.
Die Sparquote hingegen - das ist der Anteil der Sparsumme am gesamten
verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte - sank leicht auf 10,4
von 10,6 Prozent. Als Grund gaben die Statistiker an, das nach Steuern
und Sozialabgaben verbleibende Einkommen der Bundesbürger habe
saisonbereinigt während des betrachteten Zeitraumes 2,2 Prozent
zugelegt. "Der Anstieg der Sparquote in den letzten Jahren seit ihrem
Tiefstand im Jahr 2000 (9,2 Prozent) hat sich damit nicht weiter
fortgesetzt", schrieben die Statistiker. In den Jahren 1991 bis 1995
habe die Sparquote im Schnitt bei zwölf Prozent gelegen.
Am geringsten war 2004 die Sparquote in Bremen mit 7,7 Prozent und in
Berlin mit 8,5 Prozent. Im Schnitt legten die Baden-Württemberger
und die Bayern am meisten auf die hohe Kante. In den beiden eher
wohlhabenderen Südländern lag die Sparquote bei 11,8
beziehungsweise 11,5 Prozent, wie aus den aktuellsten Daten hervorgeht.
(Quelle: rtr)
Bauindustrie rechnet auch 2007 mit anhaltendem Aufschwung
So.29.10.06 - Die deutsche Bauindustrie blickt ausgesprochen optimistisch in die nahe
Zukunft: «Wir glauben, dass dieser Aufschwung nachhaltig sein
wird und auch im nächsten Jahr trägt», sagte der
Präsident des Hauptverbandes, Hans-Peter Keitel, der «Welt
am Sonntag». Den wesentlichen Grund für die Erholung in
seiner Branche sieht er in den auch 2007 zu erwartenden
zusätzlichen Bauinvestitionen der Unternehmen. Für 2006
rechnet der Verband mit einem Plus beim Wirtschaftsbau von 3,5 Prozent.
Die Erholung am Bau hat laut Keitel inzwischen schon zu einem Mangel an
Bauingenieuren und in einzelnen Regionen auch an gewerblichem Personal
geführt. Ausgeglichen werden könne dies nur durch den Einsatz
ausländischer Arbeitskräfte. Doch die Zahl der
grenzüberschreitend eingesetzten Beschäftigten geht nach
Angaben des Verbandschefs in Deutschland zurück. Zur
Begründung verwies er auf das inzwischen auch in Osteuropa
gestiegene Lohnniveau. Außerdem gingen die Arbeiter lieber nach
Großbritannien und Irland.
Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee erklärte, die Bundesregierung
unterstütze den Aufschwung in der Bauindustrie mit dem
erfolgreichen CO2-Gebäudesanierungsprogramm. Regionale und lokale
Handwerker erhielten dadurch einen kräftigen Impuls. Wegen der
großen Nachfrage sei das Programm im September um 350 Millionen
Euro aufgestockt worden. «Damit wird das Dreifache der
Gesamtsumme bewegt», erklärte der SPD-Politiker.
Ab Januar werde ein Programm zur Sanierung öffentlicher
Gebäude wie Schulen, Turnhallen und Kindergärten mit 200
Millionen Euro aufgelegt. Auch hier sei eine rege Nachfrage zu erwarten.
(Quelle: ap)
Hilfe im Kopftuchstreit für türkischstämmige
Bundestagsabgeordnete
So.29.10.06 - Die türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten Ekin
Deligöz (Grüne) und Lale Akgün (SPD), die in einem
Kopftuchstreit massiv angefeindet wurden, haben Unterstützung der
Bundesregierung und aus dem Parlamentspräsidium erhalten.
Deligöz, die vor zwei Wochen muslimische Frauen in Deutschland zum
Ablegen des Kopftuchs aufgefordert hatte, steht nach einer Morddrohung
Medienberichten zufolge inzwischen unter Polizeischutz.
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer
(CDU), sagte dem «Tagesspiegel», sie sei sehr erschrocken,
wie der Aufruf von Deligöz aufgenommen worden sei. Die
Bundesregierung erwarte im Dialog mit islamischen Organisationen, dass
diese die Meinungsfreiheit und die Gleichberechtigung zwischen Mann und
Frau als wesentlichen Bestandteil der deutschen Verfassung mittragen
würden. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU)
erklärte, Einschränkungen des Grundrechts auf
Meinungsäußerungen seien nicht hinnehmbar.
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) bewertete die
Anfeindungen dem «Tagesspiegel» zufolge als Zeichen einer
regelrechten Integrationsfeindschaft und einer Ablehnung der
demokratischen Grundregeln.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte laut
«Spiegel» in einem Brief an den türkischen Botschafter
Mehmet Ali Irtemcelik eine öffentliche Distanzierung von
Medienhetze und Morddrohungen gegen Deligöz. Die Reaktionen auf
die Meinungsäußerung der Verwaltungswissenschaftlerin aus
Neu-Ulm seien völlig inakzeptabel und sie passten nicht zu den
EU-Beitrittswünschen der Türkei. Deligöz war laut
Bericht in türkischen Zeitungen als türkischer Nazi und als
Schande für die Menschheit bezeichnet worden.
"Freie Meinungsäußerung muss in rechtstaatlichen Demokratien
möglich sein", heißt es in dem Schreiben von Künast.
"Ich bitte Sie daher dringend, alles Ihnen Mögliche zu tun, um
eine öffentliche Klarstellung zu bewirken.". Eine Antwort blieb
dem "Spiegel"-Bericht zufolge bislang aus.
(Quellen: ap, afp)
Wissenschaft
Klimawandel bremst Golfstrom
So.29.10.06 - Europa droht wegen des Klimawandels keine neue Eiszeit. Der
wärmende Golfstrom im Nordatlantik werde nach neuen Erkenntnissen
zwar vom Klimawandel beeinträchtigt, dadurch aber nicht
zusammenbrechen.
Das sagte der wissenschaftliche Leiter des europäischen Programms
Eur-Océans, Paul Tréguer, am Freitag im bretonischen
Saint-Malo. Zudem ist der Einfluss des Meeresstroms auf das
europäische Klima den Angaben zufolge kleiner als allgemein
angenommen. An Eur-Océans sind 500 Wissenschaftler von 60
Instituten aus 20 Staaten beteiligt.
Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass der Golfstrom nur ein
Fünftel dazu beiträgt, dass es in Hamburg spürbar
wärmer ist als auf gleichem Breitengrad in Cartwright im
ostkanadischen Labrador. Vier Fünftel seien den Westwinden
zuzuschreiben. Die Abgabe der im Meerwasser gespeicherten Wärme im
Winter verstärke allerdings die Wirkung.
Der Golfstrom transportiert von der Oberfläche bis in maximal ein
Kilometer Tiefe warmes Wasser aus dem Golf von Mexiko bis an die
norwegische Küste. Mit 80 Millionen Kubikmetern pro Sekunde ist er
um ein Vielfaches ergiebiger als alle Flüsse der Welt zusammen.
Unter Klimaforschern wird diskutiert, ob eine Unterbrechung des
Golfstromes durch abschmelzendes Grönland-Eis Europa einen
Kälteschock versetzen könnte.
Für ihre Modellrechnungen setzten die
Eur-Océans-Wissenschaftler über Satellit verbunden
Messsonden und Tauchroboter ein. Das Ergebnis bestätigt die
Erwartung, dass der Golfstrom von der Erderwärmung
beeinträchtigt wird. «Es besteht Konsens, dass der Golfstrom
sich bis zum Jahre 2100 um 30 Prozent verlangsamen wird», sagte
Professor Martin Visbeck vom Kieler Leibniz-Institut für
Meereswissenschaften IFM-Geomar. Denn Schmelzwasser aus dem Polargebiet
und vermehrte Regenfälle werden den Salzgehalt des
Oberflächenwassers verringern. Dies bremst das Abtauchen des kalten
Wassers und damit den Golfstrom. Zusammenbrechen wird «Europas
Zentralheizung» demnach aber nicht.
Als Nebenwirkung dürfte den Forschern zufolge jedoch die Rolle des
Ozeans als Kohlendioxidgrab geschwächt werden. Die Meere nehmen
jährlich zwei Milliarden Tonnen dieses Treibhausgases auf. Dieser
Prozess wird gebremst.
(Quelle: dpa)
Eur-Océans:
http://www.eur-oceans.info
Computer
Virenscanner reichen nicht für gründliche Diagnose
aus
So.29.10.06 - Wer seinen Rechner sauber halten möchte, sollte sich nicht allein
auf den Einsatz eines Virenscanners beschränken. Zum Abfangen
eventueller Schädlinge sind Virenscanner unerlässlich,
für eine gründliche Diagnose des Systems reichen sie jedoch
nicht aus, wie das Computermagazin «c´t» (Ausgabe
21/06) berichtet. Bis die Virenscanner auf die neuesten Angreifer
eingestellt seien, vergingen manchmal Wochen. Außerdem würden
die Reinigungsfunktionen von Virenscannern Hinterlassenschaften wie
Registryeinträge oder gar neu eingerichtete Benutzerkonten oft
übersehen.
Hilfreich bei der Analyse auf einen möglichen Befall ist vielmehr
ein garantiert sauberes System wie beispielsweise Knoppicillin. Diese
Linux-Version wird von CD aus gestartet. Ratsam sei auch ein Blick in
den Autostart-Ordner, um ungewünschte Eindringlinge
aufzuspüren, berichtet das Magazin weiter. Nützlich seien
beispielsweise die Software Autoruns. Sie finde weitere Programme, die
ungefragt automatisch starten. Das Programm Process Explorer analysiere
laufende Prozesse und Programme.
Im Zweifelsfall können Nutzer verdächtige Dateien von
verschiedenen Diensten analysieren lassen wie beispielsweise von http://www.virustotal.com.
Zur Vorsorge empfiehlt es sich, Updates automatisch herunterladen zu
lassen, regelmäßig Backups und Images anzulegen und die
tägliche Arbeit am PC oder Notebook ohne Admin-Rechte
auszuführen.
(Quelle: ddp)