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Irak am achthundertvierundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Neue Welle von Anschlägen - Fast 60 Tote. Sunnitischer Wissenschaftler in Bagdad ermordet. Britische Organisation fordert Maßnahmen gegen Irak-Söldner

Di.31.10.06 - Bei einer neuen Welle von Anschlägen auf Polizeikräfte und Zivilisten sind im Irak am Montag fast 60 Menschen ums Leben gekommen. Der folgenschwerste Terroranschlag ereignete sich in der vorwiegend von Schiiten bewohnten Bagdader Vorstadt Sadr-City, wo eine Bombe 32 Tagelöhner tötete.

Ein Selbstmordanschlag nahe der syrischen Grenze kostete am Montag sechs Polizisten das Leben. Wie der TV-Sender Al-Irakija außerdem berichtete, erschossen Unbekannte ein prominentes Mitglied des sunnitischen Rates der Religionsgelehrten, Essam al-Raui. Nach Angaben von Augenzeugen starben bei einem Autobombenanschlag im Bagdader Stadtteil Al-Beija fünf Menschen. In Bakuba fand die Polizei vier Leichen von Mordopfern. Zwei Arbeiter starben, als ihr Bus bei Chalis von Extremisten beschossen wurde.

Ein irakischer Wissenschaftler ist am Montag einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Drei Männer erschossen Essam el Rawi vor seinem Haus in Bagdad, wie ein Polizeisprecher mitteilte. El Rawi war Mitglied der Vereinigung Muslimischer Gelehrter im Irak, einer einflussreichen sunnitischen Organisation, die Kontakte zu Aufständischen haben soll. Der Geologieprofessor war auf dem Weg zur Universität, als die Attentäter auf ihn schossen. Dabei kam auch ein Leibwächter ums Leben, ein zweiter wurde verletzt.

Das US-Militär teilte mit, Aufständische hätten am Sonntag in der westlichen Anbar-Provinz einen amerikanischen Soldaten getötet. Im Irak sind im Oktober bereits mehr als 100 US-Soldaten getötet worden. Derweil traf sich erstmals die Arbeitsgruppe für Sicherheitsfragen, die US-Präsident Bush und Iraks Regierungschef Nuri al-Maliki am Wochenende ins Leben gerufen hatten.

Mit der Anhörung weiterer Zeugen wurde derweil der Prozess gegen den irakischen Ex-Machthaber Saddam Hussein wegen Völkermordes an den Kurden fortgesetzt. Die Zeitung «Al-Sharq Al-Awsat» berichtete, Saddam habe in einem Brief an das Sondertribunal darum gebeten, die für den kommenden Sonntag angekündigte Urteilsverkündung im ersten Prozess gegen ihn wegen der Hinrichtung von 148 Schiiten zu verschieben. Die Urteilsverkündung könnte den Republikanern in den USA bei den Kongresswahlen mehr Stimmen verschaffen, schrieb Saddam nach Angaben der Zeitung. Er wolle aber nicht indirekt als Wahlhelfer für die Partei von Präsident George W. Bush fungieren.

Prozessbeobachter erwarten ohnehin nicht, dass am Sonntag wirklich das Urteil in dem Prozess gefällt wird. Denn da Saddam in diesem Verfahren die Todesstrafe droht, die innerhalb eines Monats vollstreckt werden müsste, könnte der zweite Prozess wegen der Angriffe auf kurdische Dörfer in den Jahren 1987 und 1988 nicht zu Ende gebracht werden.

Die britische Organisation War on Want hat die Regierung von Tony Blair zu Maßnahmen gegen im Irak tätige private Sicherheitsfirmen und Söldner aufgefordert. John Hilary, zuständig für Kampagnen bei der linksgerichteten Organisation, erklärte am Montag, die Regierung müsse gegen die Menschenrechtsverstöße der "vollständig außerhalb des Gesetzes" operierenden Söldnerarmeen vorgehen. Dazu gehöre auch das Schießen auf irakische Zivilisten. Außerdem müsse untersagt werden, dass sich Söldner an Kampfhandlungen der regulären Truppen beteiligen oder diese unterstützen. In einem Konflikt wie dem im Irak habe die Unterscheidung zwischen Kampfbeteiligung oder Kampfunterstützung keinen Sinn, heißt es in einem von War on Want am Montag vorgelegten Bericht. Vor allem in Kampfsituationen gebe es häufig keinen "erkennbaren Unterschied" zwischen Soldaten und Söldnern.

(Quellen: dpa, afp, ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Chronologie des Irak-Kriegs:

Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05. 2005 bis 31.10.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
 
 

Vor einem Jahr:
 
Irak am vierhundertneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Mo.31.10.05 - Pentagon schätzt Zahl irakischer Opfer auf 26.000 +++ Massengrab im Norden des Iraks gefunden +++ Body Count: Erstmals hat das Pentagon Zahlen über die Opfer der Gewalt im Irak vorgelegt, allerdings nur die von Aufständischen getöteten Iraker – Die Zahlen zeigen dennoch die prekäre Sicherheitslage +++ Rund zweieinhalb Jahre nach Beginn des Irak-Kriegs steht die britsche Armee vor einer ihrer schlimmsten Rekrutierungskrisen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0510310.htm#news

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801 Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.

Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine verlässlichen Angaben. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 

 


 


 

Nahost-Konflikt

Israelisches Militär will enger mit UNIFIL zusammenarbeiten. Hamas will in Kairo über Freilassung von Gilad Schalit verhandeln. Israel plant Ausweitung der Offensive im Gazastreifen

Di.31.10.06 - Mit der Einrichtung einer Verbindungsstelle zwischen dem israelischen Militär und der UN-Truppe im Libanon (UNIFIL) sollen weitere Zwischenfälle vor der libanesischen Küste verhindert werden. «Die Verbindungsstelle wird die Kommunikation garantieren», zeigte sich der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des deutschen Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), am Montag im Bayerischen Rundfunk überzeugt. Auch der israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, versicherte, die Probleme zwischen israelischer Luftwaffe und der deutschen Marine vor der libanesischen Küste würden sich nicht mehr wiederholen.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Sonntag mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert telefoniert und sich dabei besorgt über die Vorfälle geäußert. Olmert sagte nach Angaben des Bundespresseamtes zu, die israelische Luftwaffe werde sich künftig besser mit UNIFIL abstimmen, um solche Vorfälle in Zukunft auszuschließen.

Stein sagte, es sei aufgrund von «Missverständnissen» zu den Zwischenfällen gekommen. Doch sollte man die Lage nicht dramatisieren: «Es ist nicht geschossen worden. Das steht definitiv fest.»

Vor diesem Hintergrund wandte sich der Deutsche Bundeswehrverband gegen einen Rückzug der deutschen Truppen. Wenn Israel für einen Verbleib der Deutschen in dem UN-Einsatz plädiere, dann sei eine Fortführung der Mission richtig, sagte Verbandschef Bernhard Gertz im ARD-«Morgenmagazin».

Der multinationale Marineverband unter deutschem Kommando hat die Aufgabe, den Waffenschmuggel für die radikal-islamische Hisbollah von Seeseite her zu verhindern und damit die Gefahr für Israel zu reduzieren. Deutschland beteiligt sich mit acht Schiffen und rund 1000 Soldaten an diesem Einsatz.

Vertreter der palästinensischen Hamas sind am Montagabend zu Verhandlungen über eine Freilassung des entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit in Kairo eingetroffen. Die Gespräche mit dem ägyptischen Geheimdienstchef Omar Suleiman sollten sich auf die Freilassung von 1.400 in Israel inhaftierten Palästinensern im Austausch für Schalit konzentrieren, sagte Hamas-Sprecher Mussa Abu Marsuk. Unter den Häftlingen seien 400 Frauen und Kinder.

Schalit wurde am 25. Juni verschleppt und wird vermutlich im Gazastreifen festgehalten. Israel reagierte auf seine Entführung mit einer Militäroffensive in dem Autonomiegebiet, die bislang mehr als 200 Palästinenser das Leben gekostet hat. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat Abgeordneten zufolge am Montag die Entlassung palästinensischer Gefangener ausgeschlossen, bis Schalit wieder zuhause ist.

Israel will seinen Militäreinsatz im Gazastreifen ausweiten. In den kommenden Tagen solle über das weitere Vorgehen entschieden werden, sagte Ministerpräsident Ehud Olmert nach Angaben eines Abgeordneten. Der Parlamentarier Limor Livnat zitierte am Montag Äußerungen Olmerts vor dem Verteidigungsausschuss. Die israelische Offensive im Gazastreifen begann Ende Juni, nachdem palästinensische Extremisten einen israelischen Soldaten entführt hatten.

(Quellen: ddp, ap)
 


 

Ausschreitungen nach Stichwahl im Kongo - 43 Wahllokale in nordöstlicher Stadt verwüstet - Soldat erschießt zwei Wahlhelfer - Ergebnis Mitte November erwartet

Di.31.10.06 - Nach der weitgehend friedlichen Präsidentenstichwahl in Kongo hat es am Montag schwere Ausschreitungen in einer nordöstlichen Stadt gegeben. Ein Soldat erschoss zwei Wahlhelfer in Fataki nahe der ugandischen Grenze, teilte UN-Sprecher Leocadio Salmeron mit. Daraufhin habe eine aufgebrachte Menge 43 Wahllokale in dem Ort verwüstet. Der Soldat sei festgenommen worden. Er habe die tödlichen Schüsse offenbar in betrunkenem Zustand abgegeben, sagte Salmeron.

Unterdessen begann die Stimmenauszählung unter Mithilfe der Vereinten Nationen. Hunderte UN-Fahrzeuge waren im Einsatz, um allein die Stimmzettel aus den Wahllokalen in der Hauptstadt Kinshasa einzusammeln. Erste landesweite Trends werden erst in einigen Tagen erwartet, die Wahlkommission hat vorläufige amtliche Ergebnisse für den 19. November angekündigt.

Sowohl Amtsinhaber Joseph Kabila als auch sein Herausforderer, Vizepräsident Jean-Pierre Bemba, haben angekündigt, das Ergebnis der ersten freien Wahl seit mehr als 40 Jahren zu akzeptieren. Jedes Anzeichen von Wahlbetrug könnte den Demokratisierungsprozess in dem kriegszerstörten zentralafrikanischen Land von der Größe Westeuropas jedoch aus der Bahn werfen.

Bereits nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 30. Juli war es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Anhängern des Präsidenten und des ehemaligen Rebellenführers Bemba gekommen. Den Kämpfen fielen nach amtlichen Angaben mindestens 23 Menschen zum Opfer. Bei der Stichwahl am Sonntag wurden gewaltsame Proteste mit mindestens einem Toten aus dem Norden des Landes gemeldet. Bis zum Nachmittag entspannte sich die Lage in Bumba aber wieder.

Kabila ging als Favorit in die Stichwahl. Er erhielt in der ersten Runde 45 Prozent der Stimmen. Bemba kam auf 20 Prozent. Zur Wahl aufgerufen waren etwa 25 Millionen registrierte Wähler, die in rund 50.000 Wahllokalen ihre Stimme abgeben konnten.

(Quelle: ap)
 


 

Weltbank-Entwicklungsbericht mit Lob und Mahnung für Afrika

Di.31.10.06 - In ihrem jüngsten Entwicklungsbericht für Afrika hat die Weltbank Fortschritte im Kampf gegen die Armut gewürdigt und zugleich zu weiteren Anstrengungen aufgerufen. Bei den Bemühungen, die Millenniumsziele zu erreichen, gebe es große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern, heißt es in dem am Montag vorgestellten Bericht, der Entwicklungsindikatoren von 1980 bis 2004 erfasst. Die Weltgemeinschaft hat sich in ihren Millenniumszielen vor allem die Halbierung der Armut bis 2015 zur Aufgabe gemacht.

Im Vergleich zur vergangenen Dekade seien die Konflikte in Afrika zurückgegangen. Die wirtschaftliche Leistung habe sich gesteigert, und es zeichneten sich einige besonders leistungsstarke Länder ab, lobt die Weltbank. Eine Reihe von Staaten, darunter Kamerun, Ghana, der Senegal oder Uganda, hätten es geschafft, einen bedeutenden Teil der Bevölkerung über die Armutsschwelle zu heben. «Trotz dieses Fortschritts bleibt aber noch viel zu tun», betont die Studie. Afrika sei die einzige Region der Erde, in der die Zahl der Armen insgesamt noch immer steige.

Das Wirtschaftswachstum müsse nachhaltig und widerstandsfähig sein, mahnt die Weltbank. Die Aids-Pandemie, Malaria und Tuberkulose sowie Korruption, steigende Zölle, sinkende Auslandshilfen oder Auslandsinvestitionen nennt der Bericht als konkrete Bedrohungen für Fortschritte im Kampf gegen die Armut.

Beim Wachstum der Wirtschaft registrierte der Bericht eine starke Differenz zwischen den einzelnen Ländern. Während Äquatorial-Guinea dank seiner Ölproduktion 2004 eine Quote von 20,9 Prozent verzeichnete, war Simbabwe mit minus 2,4 Prozent das Schlusslicht.

(Quelle: ap)
 


 

UNO zieht negative Bilanz beim Kampf gegen den Hunger

Di.31.10.06 - Die UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) hat ihr Ziel im Kampf gegen den Hunger nicht erreicht. 854 Millionen Menschen sind weltweit unterernährt, davon rund 820 Millionen in den Entwicklungsländern. Auf dem Welternährungsgipfel 1996 hatten sich die Mitgliedstaaten zum Ziel gesetzt, die Zahl der Hungernden bis zum Jahr 2015 zu halbieren. "Zehn Jahre später sind wir mit der traurigen Tatsache konfrontiert, dass auf unser Ziel bezogen praktisch kein Fortschritt gemacht wurde", sagte FAO-Chef Jacques Diouf.

Es sei "praktisch kein Fortschritt" erreicht worden, zog die FAO Zwischenbilanz. Die Abnahme der Zahl der Hungernden in Entwicklungsländern von 823 Millionen auf 820 Millionen sei so gering, dass sie im Rahmen der statistischen Fehlerquote liege, heißt es in einem UN-Bericht. Die aktuellen Trends gäben Anlass zur Sorge, besonders vor dem Hintergrund, dass die Welt reicher als vor zehn Jahren sei. "Es gibt mehr Nahrungsmittel", sagte Diouf. Doch es fehle ein ausreichender politischer Wille, die Ressourcen gegen den Hunger einzusetzen. Bei der FAO-Sondersitzung in Rom beraten noch bis zum 4. November Vertreter von rund 120 Ländern über Fortschritte und Fehlentwicklungen beim Kampf gegen Hunger und Armut.

Die Abnahme der unterernährten Menschen sei vor allem auf ein Agrarwachstum in China und Vietnam zurückzuführen. Im Afrika südlich der Sahara behinderten jedoch Kriege, Aids und Naturkatastrophen den Kampf gegen den Hunger, besonders in Burundi, Eritrea, Liberia, Sierra Leone und der Demokratischen Republik Kongo. Es gebe eine "Hunger-Armut-Falle", beklagte die FAO. Hunger sei nicht nur eine Konsequenz von Armut, sondern auch eine ihrer Ursachen, weil er die Gesundheit und Produktivität der Menschen beeinträchtige.

Deutsche Entwicklungshilfeorganisationen stellten der Staatengemeinschaft anlässlich des FAO-Berichts ein schlechtes Zeugnis für ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Hunger aus. "Es hat keine Fortschritte gegeben", sagte Bernhard Walter, Ernährungsexperte bei "Brot-für-die-Welt". Stattdessen sei die Zahl der Hungernden auf über 850 Millionen gestiegen. Die Organisationen forderten die deutsche Regierung auf, ihre Entwicklungshilfepolitik zu ändern. Die Entwicklungszusammenarbeit müssen klar auf ländliche Armutsgruppen und kleinbäuerliche Landwirtschaft ausgerichtet sein.

(Quelle: afp)
 


 

China will Freihandelszone mit Südostasien voranbringen

Di.31.10.06 - China will das Projekt einer gemeinsamen Freihandelszone mit Südostasien beschleunigt vorantreiben. Das kündigte der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao am Montag bei einem eintägigen Gipfeltreffen mit Spitzenpolitikern aus den zehn Staaten der so genannten ASEAN-Gruppe im südchinesischen Nanning an. China und die ASEAN-Staaten hatten bereits vor vier Jahren beschlossen, bis 2010 eine gemeinsame Freihandelszone zu schaffen. Sie würde rund zwei Milliarden Menschen und damit ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung umfassen und es zusammen auf ein Bruttoinlandsprodukt von drei Billionen Dollar (knapp 2,4 Billionen Euro) bringen.

(Quelle: afp)
 


 

Mexiko:Hunderte Demonstranten erneut auf den Straßen von Oaxaca

Di.31.10.06 - Trotz des massiven Einsatzes der mexikanischen Bundespolizei sind am Montag abermals hunderte Demonstranten durch die Straßen von Oaxaca gezogen. Wütend schworen sie, die Provinzhauptstadt zurückzuerobern. Andere Einwohner zeigten sich indessen deutlich erleichtert darüber, dass die Polizei die Stadt am Sonntagabend wieder unter ihre Kontrolle gebracht hatte. Die Aufständischen kündigten an, ihren Protest gegen Gouverneur Ulises Ruiz trotz des Großaufgebots der Sicherheitskräfte fortzusetzen. Den Auseinandersetzungen, die mit einem Streik der Lehrer im Mai begannen, sind schon mindestens acht Menschen zum Opfer gefallen. Die Lehrer hatten sich bereit erklärt, am Montag die Arbeit wieder aufzunehmen: Ein Gewerkschaftsführer erklärte allerdings, der Unterricht sei in keiner Schule der Stadt Oaxaca wieder aufgenommen worden und auch nur in wenigen Schulen der umliegenden Orte.

(Quelle: ap)
 


 

Obdachlose besetzen Baustellen für soziale Projekte in Brasilien

Di.31.10.06 - Aus Protest gegen Verzögerungen bei den Bauarbeiten haben mehrere hundert Obdachlose im brasilianischen Sao Paolo zwei Projekte für sozialen Wohnungsbau besetzt. Die rund 170 Appartements hätten bereits vor drei Jahren fertig gestellt sein sollen, kritisierte eine Sprecherin der Demonstranten, Felicia Mendes Dias. Augenzeugen zufolge waren an der Aktion am Montag mehr als 300 Familien beteiligt, die Polizei sprach von 170. Die Obdachlosen wurden nach mehreren Stunden von der Polizei vertrieben.

(Quelle: ap)
 


 

Oberster islamischer Geistlicher Australiens lässt sich beurlauben

Di.31.10.06 - Der oberste islamische Geistliche Australiens, der mit umstrittenen Äußerungen über Frauen in der vergangenen Woche einen Proteststurm auslöste, hat sich auf unbestimmte Zeit beurlauben lassen. Sheik Taj Aldin al Hilali hatte in einer Predigt nahegelegt, leicht bekleidete Frauen forderten eine Vergewaltigung heraus. Der Druck der vergangenen Tage habe seine Gesundheit beeinträchtigt, erklärte Al Hilali am Montag.

Der 65-Jährige brach während eines Gesprächs mit Mitgliedern der muslimischen Gemeinschaft in Sydney zusammen und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Bei dem Gespräch ging es um die künftige Rolle des Geistlichen angesichts der Kontroverse um seine Äußerungen. Zu gegebener Zeit werde er die nötige Entscheidung treffen, die den Druck von der muslimischen Gemeinde Australiens nehmen werde, ließ der Mufti aus dem Krankenhaus erklären. In Medien wurden daraufhin Spekulationen laut, dass er zurücktreten werde. Der gebürtige Ägypter ist seit 1989 Mufti von Australien.

Einem Bericht der Zeitung «The Australian» vom Donnerstag zufolge hatte Al Hilali während einer Predigt im Fastenmonat Ramadan spärlich bekleidete Frauen mit rohem Fleisch verglichen. «Wenn man unbedecktes Fleisch nimmt und legt es ohne Abdeckung auf die Straße oder in den Garten oder in den Park oder in den Hof, und die Katzen kommen und fressen es, ... wessen Fehler ist das, der der Katzen oder der des unbedeckten Fleisches?» Die Äußerungen stießen bei Politikern und Frauenrechtlern, aber auch in der muslimischen Gemeinde Australiens auf scharfen Protest.

Am Montag räumte Al Hilali ein, dass der Vergleich ein Fehler gewesen sei. «Ich gestehe, dass diese Analogie für die australische Gesellschaft und die westliche Gesellschaft generell unangemessen und inakzeptabel ist», sagte er. Bereits in der vergangenen Woche hatte er sich für die Äußerungen entschuldigt und zugestimmt, drei Monate lang nicht zu predigen.

Die Zeitung «The Australian» schrieb am Montag, Al Hilali habe in einem Radiointerview vor zwei Wochen Extremisten im Irak, Afghanistan und den palästinensischen Gebieten verbal unterstützt. Ministerpräsident John Howard sagte daraufhin, möglicherweise habe Al Hilali damit gegen Antiterrorgesetze verstoßen. «Wenn man Menschen dazu anstachelt, unseren Soldaten zu schaden, könnte das ein Verstoß sein», sagte Howard im Rundfunksender SCB. Die 300.000 Muslime im Land sollten prüfen, ob Al Hilali der Richtige sei, um sie zu vertreten. Er befürchte, dass die Äußerungen dem Verhältnis zwischen den Muslimen und dem Rest der australischen Gesellschaft schaden könnten.

(Quelle: ap)
 


 

EU stellt Türkei schlechtes Zeugnis aus

Di.31.10.06 - Die EU stellt der Türkei in dem kommende Woche erwarteten Fortschrittsbericht ein schlechtes Zeugnis aus. Nach Angaben der «Financial Times Deutschland» listet die EU- Kommission in dem Bericht Mängel bei der Abschaffung der Folter, dem Versuch, Kontrolle über die Armee zu gewinnen, und der Chance auf freie Meinungsäußerung auf. Zudem kritisiert der Report, dass Ankara seine Häfen und Flughäfen nicht für zyprische Schiffe öffnet. Dazu ist es nach Ansicht der EU verpflichtet.

(Quelle: dpa)
 


 

Deutscher Verteidigungsminister kündigt Teilabzug der Bundeswehr aus Bosnien an

Di.31.10.06 - Angesichts der zahlreichen Auslandseinsätze der Bundeswehr hat der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) einen schrittweisen Abzug aus Bosnien-Herzegowina angekündigt. Schon im Dezember diesen Jahres soll mit einem stufenweisen Rückzug begonnen werden, sagte Jung im ZDF. "In Bosnien-Herzegowina sieht es so aus, dass wir nach den Wahlen, die jetzt stattgefunden haben, die sehr gut verlaufen sind, dort in einer weiteren Stabilisierung sind", sagte Jung zur Begründung.

In Bosnien-Herzegowina sind derzeit rund 850 Bundeswehrsoldaten im Einsatz. Insgesamt sind rund 9000 deutsche Soldaten im Ausland. Anfang Oktober fanden in Bosnien Wahlen für eine Zentralregierung statt. Demnach kam die national-muslimische Partei der Demokratischen Aktion (SDA) auf neun Sitze und erhielt die meisten der 42 Mandate des Zentralparlaments. Da keine der angetretenen Parteien die absolute Mehrheit erreichte, muss nun eine Koalitionsregierung gebildet werden.

(Quelle: afp)
 


 

EU fordert Zugang zu russischen Erdgasleitungen

Di.31.10.06 - Die Europäische Union dringt weiter auf verlässliche Investitionsbedingungen im russischen Energiesektor. EU-Energiekommissar Andris Piebalgs wiederholte am Montag in Moskau die seit langem bestehende Forderung, privaten Investoren die russischen Erdgasleitungen zu öffnen. Bislang stehen diese völlig unter der Kontrolle des staatlichen Konzerns OAO Gazprom, der so sämtliche unabhängige Gasprojekte blockieren kann.

Russland liefert derzeit ein Viertel des Öl- und Gasbedarfs der EU. Präsident Wladimir Putin lehnt es ab, eine internationale Energie-Charta von 1994 ratifizieren zu lassen, die marktwirtschaftlichen Wettbewerb zwischen in- und ausländischen Firmen ermöglichen würde. Stattdessen wurde unter seiner Regierung die staatliche Kontrolle im Energiesektor ausgeweitet. Jüngstes Beispiel sind die Pläne der Gazprom, das riesige Schtokman-Gasfeld ohne ausländische Partner erschließen zu wollen.

Piebalgs warb für vertrauensbildende Maßnahmen auch durch einen regelmäßigen Informationsfluss über die russische Energiepolitik. «Russland muss ein sicheres Investitionsklima ermöglichen, das so weit wie möglich den Grad wirtschaftlicher und nicht-wirtschaftlicher Risiken reduziert», sagte er.

(Quelle: ap)
 


 

Deutschland und Polen in zentralen Fragen weiter uneins

Di.31.10.06 - Deutschland und Polen sind auch nach dem Antrittsbesuch von Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski in zentralen Fragen uneins. Vor allem beim deutsch-russischen Pipeline-Projekt durch die Ostsee und bei den Entschädigungsforderungen von Vertriebenen sehen Kaczynski und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aber auch Chancen für eine Verständigung.

Merkel bekräftigte am Montag beim Besuch des polnischen Ministerpräsidenten in Berlin die bisherige deutsche Position, dass die Bundesregierung weiterhin keine Entschädigungsansprüche deutscher Vertriebener in Polen unterstützen werde. Kaczynski gab sich damit nicht zufrieden. «Aus polnischer Sicht ist diese Angelegenheit noch nicht abgeschlossen.» Auch bei der polnischen Ablehnung des deutsch-russischen Pipeline-Projekts durch die Ostsee gab es kaum Bewegung. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe soll technische Einzelheiten klären.

Merkel und Kaczynski bekräftigten ihr Ziel, zu freundschaftlichen Beziehungen zu kommen. Das Gespräch mit ihrem Gast sei «sehr konstruktiv, sehr offen und sehr ehrlich» gewesen. Das deutsch- polnische Verhältnis gilt seit der Übernahme der höchsten Staats- und Regierungsämter durch die Zwillingsbrüder Kaczynski als angespannt.

Begleitet wird der erste Deutschland-Besuch des polnischen Ministerpräsidenten von scharfer Kritik deutscher Politiker an der Warschauer Außenpolitik. So sprach Bundestagsvize-Präsident Wolfgang Thierse (SPD) am Montag davon, dass von polnischer Seite «Zwiste geradezu organisiert worden sind oder sie aufgebauscht worden sind»». Er habe den Eindruck, dass sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren der Ton auf polnischer Seite verändert habe, fügte Thierse im Deutschlandfunk hinzu.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe, Georg Schirmbeck (CDU), ging mit der Regierung in Warschau hart ins Gericht. Die Aussagen von Jaroslaw Kaczynski und seines Bruders Lech, des polnischen Staatspräsidenten, nährten Zweifel an der Zuverlässigkeit des Nachbarlandes, sagte Schirmbeck im Radio Eins des RBB. «Wenn die Kaczynski-Brüder politisch überleben wollen, können sie das nicht nur mit inländischem Populismus, sondern sie müssen irgendwann in Europa Erfolge erreichen und die zu Hause ihren Bürgern präsentieren.»

Merkel hatte am Mpntagvormittag in Berlin Polens Ministerpräsidenten Kaczynski mit militärischen Ehren empfangen. Bei den anschließenden Unterredungen wollten beide Regierungschefs versuchen, die jüngsten Irritationen abzubauen. Merkel hatte vor der Begegnung den Wunsch nach einem guten Verhältnis zu Polen unterstrichen.

Kaczynski bestritt in einem Interview der «Bild»-Zeitung, dass sich die polnisch-deutschen Beziehungen seit seinem Amtsantritt verschlechtert hätten. Andererseits verlangte er von der Bundesregierung mit deutlichen Worten ein Abkommen, das Klagen Deutscher auf Grundstücksrückgaben in Polen ausschließt.

Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) warb für mehr gegenseitiges Verständnis in den deutsch-polnischen Beziehungen. Die polnische Regierung habe in der jüngsten Vergangenheit «Töne angeschlagen, die uns sehr zu schaffen machen» und die zu negativen Reaktionen in Deutschland führen könnten, sagte Süssmuth im RBB- Inforadio. Beide Seiten müssten aber nun wieder aufeinander zu gehen.

(Quelle: dpa)
 


 

Klimawandel könnte zu Weltwirtschafts-Krise führen - Flammender Appell der britischen Regierung für den Klimaschutz - UN-Klimasekretariat warnt vor neuer Tendenz zu mehr Treibhausgasen

Di.31.10.06 - Wenn ein dramatisches Schrumpfen der Weltwirtschaft mit verheerenden sozialen Folgen noch verhindert werden soll, muss der Kampf gegen die Erderwärmung nach einer neuen Studie international höchste Priorität bekommen. Durch den Klimawandel droht der internationalen Wirtschaft ein Rückgang um rund 20 Prozent.

Diese Aussagen macht die am Montag in London vorgelegten Studie. Die Welt könne in eine Depression schwerer als jene Anfang der 30er Jahre abgleiten. Mehr als 200 Millionen Menschen könnten auf der Flucht vor Überschwemmungen oder Dürren Aufnahme in fremden Ländern suchen.

Der britische Premierminister Tony Blair und Schatzkanzler Gordon Brown appellierten an die internationale Gemeinschaft, gemeinsame Abwehrmaßnahmen gegen die drohende Gefahr nicht mehr länger hinauszuzögern. Die Folge weiterer Inaktivität wäre «im wahrsten Sinne des Wortes katastrophal», sagte Blair. «Und dieses Desaster droht nicht in einer fernen Science-Fiction-Zukunft, sondern in unserer Lebenszeit.» «Wir haben aber noch die Zeit und wir haben das Wissen zu reagieren», erklärte der Leiter der von der britischen Regierung im Sommer 2005 in Auftrag gegebenen Untersuchung, der Wirtschaftswissenschaftler Sir Nicholas Stern. «Aber nur, wenn wir weltweit entschlossen und rasch handeln.»

In den Industrieländern hat der Ausstoß von Treibhausgasen ungeachtet der Klimaschutzziele von Kyoto erneut zugenommen. In den Jahren 2000 bis 2004 stiegen die Emissionen in den ost- und mitteleuropäischen Ländern um 4,1 Prozent, in den westlichen Industrieländern um 2 Prozent, wie das UN-Klimasekretariat am Montag in Bonn mitteilte. Exekutivsekretär Yvo de Boer forderte die Staaten auf, ihre Anstrengungen zur Umsetzung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen zu verstärken.

Besonders im Transportwesen seien Verringerungen der Treibhausgase dringend notwendig, sagte de Boer. In diesem Sektor hätten die Emissionen zwischen 1990 und 2004 um 23,9 Prozent zugenommen. Die Gesamtemissionen der Industrieländer sind den Zahlen zufolge zwischen 1990 und 2004 zwar um 3,3 Prozent gesunken. Das sei aber in erster Linie auf eine Absenkung der Emissionen um 36,8 Prozent in den mittel- und osteuropäischen Staaten durch den Zusammenbruch vieler Industrien zurückzuführen.

Seit Beginn dieses Jahrhunderts habe sich der Trend in diesen Ländern jedoch umgekehrt. In den übrigen Industriestaaten seien die Treibhausgasemissionen von 1990 bis 2004 um insgesamt 11,0 Prozent gestiegen. Das Kyoto-Protokoll verpflichtet gegenwärtig 35 Industriestaaten und die Europäische Gemeinschaft, die Treibhausgasemissionen im ersten Verpflichtungszeitraum zwischen 2008 und 2012 um durchschnittlich 12 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken.

Deutschlands Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht die in London vorgelegte Studie als Bestätigung für die heraufziehende Bedrohung. «Wir müssen jetzt handeln - auf nationaler und internationaler Ebene. Die nächsten 10 bis 15 Jahre entscheiden darüber, ob wir die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels noch verhindern können oder sie unseren Kindern und Enkeln einfach zumuten.»

Blair vermied es in seinem Appell an die internationale Gemeinschaft, direkt die USA und deren Weigerung anzusprechen, sich wieder dem Kyoto-Umweltschutzabkommen anzuschließen. Jedoch macht der der 700 Seiten umfassende Stern-Bericht deutlich, dass nach Auffassung seiner Autoren entschlossene internationale Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase im Gegensatz zur Argumentation der US- Regierung am Ende mehr Geld einbringen als kosten würden. Zu den dringend erforderlichen Aktionen zur Gefahrenabwehr muss laut Stern gehören, dass die Ziele der Schadstoffreduzierung deutlich erhöht werden und dass sich Länder wie die USA, China und Indien an deren Einhaltung beteiligen.

(Quelle: dpa)
 


 

Deutschland

Gabriel will Umweltschutz zum Geschäft der Zukunft machen

Di.31.10.06 - Neue Techniken im Kampf gegen Klimawandel und Umweltverschmutzung sollen nach dem Willen von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zum zentralen Standbein der deutschen Wirtschaft werden. "Es geht hier um viele tausend Milliarden Euro und um die ökonomischen Leitmärkte, die das 21. Jahrhundert bestimmen", sagte Gabriel bei der Vorstellung eines Strategiepapiers. Spritsparende Autos, saubere Kraftwerke oder Recycling-Technik müssten als boomende Zukunftsmärkte erkannt und von deutschen Firmen besetzt werden, forderte Gabriel. Der Minister schlug ein "grünes Industriekabinett" vor.

"Die Probleme der Industriegesellschaft werden wir nur mit den Instrumenten der Industriegesellschaft begrenzen können", sagte Gabriel bei der Vorstellung des Papiers. So könne eine "doppelte Dividende" erreicht werden: Zum einen werde die Umwelt geschützt, zum anderen könne die deutsche Wirtschaft auf den milliardenschweren Märkten verdienen. Laut Ministerium beträgt der Anteil der Umwelttechnik bisher vier Prozent am Gesamtumsatz der deutschen Wirtschaft. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil nach dem Willen Gabriels auf 16 Prozent steigen.

Eine wichtige Branche der Zukunft könne für Deutschland etwa der Bau neuartiger Kraftwerke werden, die wenig oder gar kein klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen, heißt es in dem Papier. Auch die Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien wie Sonne, Wasser und Wind, die Isolierung von Häusern zum Energiesparen sowie die Herstellung von energiesparenden Haushaltsgeräten werden als zentrale Wachstumsmärkte der Zukunft genannt.

In einem "grünen Industriekabinett" sollten die Ministerien ihre Initiativen zur Förderung der betroffenen Technologien abstimmen, sagte Gabriel. Die Runde solle auch die Förderung des Exports von Umwelttechnik koordinieren. Bei einem solchen Kabinett wären laut Umweltministerium in erster Linie die Ressorts Wirtschaft, Finanzen und Bildung und Forschung angesprochen.

Gabriel sagte weiter, "statt Märkte und ihr Wachstum zu behindern, müssen wir die Märkte ökologisch und nachhaltig ausgestalten". Es gehe nicht darum, "dass nur noch das umweltpolitisch wertvoll ist, was sich vermarkten lässt". Artenschutz oder Biotopschutz dürften sich auch weiter nicht gegenüber marktwirtschaftlichen Interessen rechtfertigen müssen.

(Quelle: afp)
 


 

Wärmegesetz auf unbestimmte Zeit verschoben

Di.31.10.06 - Die Bundesregierung hat das im Koalitionsvertrag vereinbarte Gesetz zur Förderung von erneuerbaren Energien zum Heizen auf unbestimmte Zeit verschoben. Es sei derzeit nicht vertretbar, weil es Heizenergie weiter verteuern würde, sagte Umweltminister Sigmar Gabriel am Montag in Berlin. Die Regierung könne nach Erhöhung der Mehrwertsteuer und dem Aufpreis auf Benzin zur Förderung von Biokraftstoffen zum 01. Januar nicht auch noch die Wärme verteuern.

Er wolle keinen Anlass zur «Diffamierung» von erneuerbaren Energien liefern, weil man ihnen die nächste Energiepreiserhöhung «in die Schuhe schieben» könne, sagte der SPD-Politiker. Stattdessen solle das bereits bestehende Marktanreizprogramm für erneuerbare Heizenergie gezielter genutzt und verstetigt werden, erklärte Gabriel. Durch Ausgliederung einzelner Förderfelder stünden seit diesem Jahr rund 30 Millionen Euro mehr für das Programm zur Verfügung. Die Nutzung des Programms «explodiert».

Erneuerbare Energien zum Heizen sind zum Beispiel Erdwärmepumpen, aber auch Heizungen mit Holzpellets oder anderen nachwachsenden Brennstoffen. Das Wärmenutzungsgesetz sollte die schnellere Einführung dieser Technologien per Umlage auf alle Arten Heizenergie fördern, ähnlich dem Erneuerbare-Energien-Gesetz für Strom. Dieses hat unter anderem zum rasanten Ausbau der Windenergie geführt.

(Quelle: ap)
 


 

DGB wirft Arbeitsagentur Statistik-Trickserei vor

Di.31.10.06 - Der DGB hat der Bundesagentur für Arbeit vorgeworfen, die Zahl der Lehrstellenbewerber zu niedrig auszuweisen. Stattdessen würden Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchten, aber derzeit eine Weiterbildungsmaßnahme machen, als vermittelt gezählt, wie die «Financial Times Deutschland» (Dienstagausgabe) berichtet. In einem Brief an den BA-Chef Frank-Jürgen Weise verlange der DGB jetzt mehr Transparenz.

Offiziell suchen noch 50.000 Jugendliche eine Lehrstelle. Der DGB geht aber von rund 150.000 Bewerbern aus. Die stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Ingrid Sehrbrock forderte eine «vollständige Erfassung und Dokumentation» der Lehrstellenbewerber. Die bisherige Statistik gebe das unzureichend wieder. Das neue IT-System «verbis» sei hier näher an der Realität, heißt es in dem Schreiben an Weise. Der DGB sei besorgt über Bestrebungen, diese neuen Möglichkeiten des neuen Datensystems nicht zu nutzen.

(Quelle: ap)
 


 

OLG lehnt Verfahren gegen Betreiber muslimischer Internetseite ab

Di.31.10.06 - Der Mitbetreiber eines muslimischen Internetforums aus Delmenhorst muss sich wegen angeblicher Morddrohungen gegen den Islamwissenschaftler Hans-Peter Raddatz nicht vor Gericht verantworten. Das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg bestätigte jetzt eine Entscheidung des Landgerichts Oldenburg, das zuvor die Eröffnung eines strafrechtlichen Hauptverfahrens gegen einen der Betreiber des Internetforums muslim-markt wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten abgelehnt hatte.

Der Strafsenat habe sich wie schon das Landgericht auf eine von Islamwissenschaftlern verfasste Stellungnahme des Bundeskriminalamtes gestützt, teilte das OLG am Montag mit. Danach handelte es sich bei den umstrittenen Äußerungen des 47-Jährigen aus Delmenhorst nicht um eine Morddrohung oder Anstiftung zum Mord, sondern lediglich um eine im arabischen Kulturkreis verbreitete Verwünschungsformel in Form einer so genannten Mubahala.

Raddatz hatte Anzeige erstattet, nachdem ihn der Forums-Betreiber, der sich selbst als fundamentalistischen Islamisten bezeichnete, scharf angegriffen hatte. Der Mitbetreiber der Internetseite soll versucht haben, Raddatz massiv einzuschüchtern und für alle Islamgläubigen als «Verfluchten» und als «Feind des Islam» zu stigmatisieren. Dabei soll er auch billigend in Kauf genommen haben, dass Raddatz zum Objekt von Bestrafungsaktionen durch «Rechtgläubige» werden könnte.

(Quelle: ddp)
 


 

Greenpeace entdeckt Genreis im Hamburger Hafen

Di.31.10.06 - Im Hamburger Hafen wird nach Angaben von Greenpeace gentechnisch veränderter Reis gelagert. Das Reishandelsunternehmen Euryza habe dies bestätigt und angegeben, dass der Genreis LL601 des Pharma- und Agrarkonzerns Bayer womöglich zur weiteren Verwendung als Nahrungsmittel exportiert werden solle, teilte die Umweltorganisation am Montag mit. Die Umweltschützer forderten, die betroffenen Lagerbestände umgehend zu vernichten.

In den vergangenen Wochen waren bundesweit aus Supermärkten Euryza-Reisprodukte entfernt worden, nachdem Spuren der zum Handel nicht zugelassenen Genreis-Sorte festgestellt worden waren. Nach einem anonymen Hinweis auf eine Lagerhalle im Hamburger Hafen hatte Greenpeace nach eigenen Angaben auf dem Parkplatz des Geländes Reiskörner gefunden. Eine Laboranalyse habe bestätigt, dass es sich um Genreis handelt. "Es droht eine globale illegale Kreislaufwirtschaft mit Genreis", erklärte der Greenpeace-Experte Christoph Then. Exportierter Genreis könne erneut mit konventionellem Reis vermischt und mit neuer Verpackung wieder auf den Markt gebracht werden. Die Umwelschutzorganisation forderte, die Firma Bayer für die entstandenen Schäden in Haftung zu nehmen.

Schon jetzt habe Genreis erhebliche wirtschaftliche Schäden allein auf dem deutschen Markt verursacht, teilte Greenpeace mit. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen gehe hervor, dass der Bundesverband der Hersteller von Nährmitteln aus Getreide und Reis den durch Rückrufaktionen und Lagerungen entstandenen Schaden für die Lebensmittelbranche auf rund zehn Millionen Euro schätzt. Rund 10.000 Tonnen Reis seien den Schätzungen zufolge in Rückrufaktionen vom deutschen Markt genommen worden.

(Quelle: afp)
 


 

Wissenschaft

Rückgang der Insekten gefährdet Ernährung der Menschen

Di.31.10.06 - Der Rückgang der Insekten gefährdet nach Ansicht von Forschern die Ernährung der Menschen. Ohne die Bestäubung der Pflanzen gäbe es weniger und eintönigere Nahrung, sagte die Göttinger Agrarökologin Alexandra-Maria Klein am Sonntag zum Abschluss einer internationalen Studie.

87 der 115 wichtigsten Obst-, Gemüse-, Gewürz- und Ölpflanzen bräuchten Bienen, Hummeln und andere Insekten zum Bestäuben. Durch die weltweite Intensivierung der Landwirtschaft werde den Tieren aber ihre Lebensgrundlage immer weiter entzogen. Klein hatte zusammen mit Forschern aus Frankreich, Australien und den USA den Zusammenhang zwischen Bestäuben und Erträgen von Kulturpflanzen aus über 200 Ländern analysiert.

«Bei den meisten Nutzpflanzen führt die Tierbestäubung zu Produktionssteigerungen von bis zu 50 Prozent, berichtete Klein. In Brasilien müssten beispielsweise Tagelöhner und Familienmitglieder inzwischen wichtige Nahrungspflanzen mit der Hand bestäuben, weil die Insekten fehlten. Grundnahrungsmittel wie Weizen, Reis und Mais seien von der Insekten-Bestäubung aber nicht abhängig, sagte sie. Diese Pflanzen werden durch Wind bestäubt.

Nach Auffassung der Forscher ist der einzige Ausweg aus dieser Misere die Rückkehr zu naturnaher Gestaltung von Kultur- und Agrarlandschaften. Der Leiter der Abteilung Agrarökologie an der Universität Göttingen, Prof. Teja Tscharntke, sagte: «Nur auf diese Weise lassen sich die für den Menschen wichtigen Dienstleistungen des Ökosystems, zu der auch die biologische Schädlingskontrolle gehört, nachhaltig sichern.»

(Quelle: dpa)
 


 

Menschen reagieren gereizt auf virtuelle Wesen

Di.31.10.06 - Mit teilweise heftigen Emotionen reagieren PC-Nutzer auf das Verhalten virtueller Wesen am PC. Sie regen sich auf, wenn die am Computer generierten, sogenannten Avatare nicht das tun, was sie tun sollen. Wenn die "echten" Menschen vor dem PC im Laufe der Kommunikation jedoch merken, dass es ihrer Sache dient, fangen sie an, mit den künstlichen Menschen im PC zu reden und diplomatisch zu werden. Und im Laufe der Zeit gewöhnen sie sich gar an die Kommunikation mit dem Avatar und empfinden sie als positiv. Das ist das Fazit eines Experiments, das Wissenschaftler an der Universität Duisburg/Essen jetzt durchgeführt haben.

Die Forscher um die Kognitionspsychologin Heike Ollesch wollte herausfinden, wie sich Mitarbeiter einer Firma in schwierigen Situationen des Arbeitsalltags verhalten. Dabei mussten die Probanden am PC-Bildschirm ein Unternehmen aufbauen und leiten - mit den Avataren als ihren Abteilungsleitern. Sie mussten also mit ihren künstlichen Mitarbeitern geschickt umgehen, damit das Unternehmen reibungslos funktioniert.

Die virtuellen Wesen waren dabei optisch ziemlich schlicht sowie mit wenigen, jedoch zentralen menschlichen Charaktereigenschaften programmiert worden. Damit sollten die Avatare auf die Verhaltensweisen der "echten" Akteure reagieren - und umgekehrt. Frei nach dem Motto: Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es auch wieder heraus. Und so gaben die Avatare mal patzige, mal freundliche, mal impulsive, aber auch mal jammernde Antworten - und lösten bei den Menschen vor dem PC große Emotionen wie etwa Wut, Ärger, Gereiztheit oder auch Freude und Zufriedenheit aus.

Für Forschungsleiterin Heike Ollesch eine durchaus überraschende Erkenntnis: "Man glaubt gar nicht, wie wenig Modellierung und Programmierung für einen Avatar nötig ist, um bei den Menschen vor dem PC derart heftige Emotionen auszulösen."

(Quelle: yahoo-Nachrichten)
 


 

Kultur

Frankfurter Schirn Kunsthalle gibt sich 'Anonym'

Di.31.10.06 - Zeitgenössische Kunst, die im Anonymen bleibt, ist das Thema einer neuen Ausstellung in der Frankfurter Schirn. Zu sehen sind in der Kunsthalle bis 14. Januar kommenden Jahres eigens für die Schau entwickelte Werke von elf internationalen Künstlern, deren Namen ebenso die wie die der zuständigen Kuratorin oder des zuständigen Kurators nicht genannt werden.

Besucher der Ausstellung «Anonym - In the Future No One Will Be Famous» - der Titel ist eine Anspielung auf den berühmten Andy-Warhol-Slogan von 1968 «In the future everyone will be world-famous for 15 minutes» - sind dadurch weitgehend auf sich allein gestellt. Nicht nur die Namen der Künstler bleiben im Verborgenen, die Betrachter der labyrinthisch angelegten Schau erhalten zu den gezeigten Installationen und Performances auch keine zusätzlichen Hinweise.

Die Ausstellung sei »ein Experiment«, sagte Schirn-Direktor Max Hollein am Montag bei einer Vorbesichtigung. Man wolle die Frage aufwerfen, was geschieht, »wenn Kunstwerke die Autorschaft verweigern oder sich davon befreien«. Die Schau sei vor dem Hintergrund von zunehmender Kritik daran zu sehen, dass Künstler zur Marke werden und ihr Werk in den Hintergrund tritt.

Ohne zusätzliche Hinweise müssten in «Anonym» die Arbeiten nach werkimmanenten Kriterien beurteilt werden. Eine Einordnung innerhalb eines bekannten künstlerischen Oeuvres oder mit den Informationen des Künstlernamens und seiner Vita sei für den Betrachter nicht möglich. Mit der Ausstellung habe sich die Schirn auch einen »Virus« ins Haus geholt, schließlich zeige die Kunsthalle derzeit parallel eine Ausstellung mit Arbeiten des «großen Markennamens» Picasso.

(Quelle: ddp)
 


 

Internet

Schnelle DSL-Anschlüsse halten ihr Versprechen nicht - Bezahlte Leistung wird von Anbietern nicht erbracht

Di.31.10.06 - Laut einem Test der Zeitschrift Computerbild, sind schnelle DSL-Internetanschlüsse in Wirklichkeit viel langsamer als versprochen. DSL-Anbieter liefern sich einen Kampf, um ihre Top-Produkte DSL-6.000 und DSL-16.000 an den Mann zu bringen, doch gerade diese Anschlüsse sind oft um einiges langsamer als der Name vermuten lässt. Internetuser mit einer DSL-16.000 Verbindung surfen in Wirklichkeit oft nur mit der Geschwindigkeit einer 6.000-Kilobit Verbindung. Jene Benutzer mit einer DSL-6.000 Verbindung haben hingegen oft nur die Geschwindigkeit einer 4.000-Kilobit Verbindung zur Verfügung.

Der Geschwindigkeitstest, der innerhalb Deutschland durchgeführt wurde, zeigte zudem große regionale Unterschiede. Mit DSL-6.000 Verbindungen sollte im Idealfall die Übertragung von 6.000 Kilobit pro Sekunde möglich sein. In keinem einzigen Gebiet wurde jedoch eine durchschnittliche Geschwindigkeit von mehr als 4.400 Kilobit pro Sekunde erreicht. In einigen Postleitzahlgebieten lag die Geschwindigkeit sogar unter 3.000 Kilobit pro Sekunde. Internetnutzer, die die Geschäftsbedingungen ihrer Provider aufmerksam gelesen haben, werden durch diese Zahlen nicht überrascht sein. Die Anbieter sind sich der Problematik bewusst und geben deshalb auch keine Garantie auf die bestellte Geschwindigkeit. Diese Tatsache sprechen sie jedoch nur in den Geschäftsbedingungen an.

Für die Durchführung des Geschwindigkeitstests mietete die Zeitschrift sogar spezielle Server an, um sicherzustellen, dass die Testergebnisse verlässlich sind. Durch die ausreichenden Serverkapazitäten konnten die Test-Daten so schnell verschickt werden, wie der Anschluss des Benutzers sie theoretisch empfangen könnte. Um zu erfahren, wie schnell die Internetverbindung, mit der man durchs Netz surft, wirklich ist, muss man nur alle Anwendungen wie Outlook-Express oder MSN-Messenger schließen und eine Minute warten. Nach einem Aufruf an die Leser wurden über 370.000 Messungen durchgeführt, allerdings wurden davon nur 210.000 auch bei der Auswertung berücksichtigt, denn Messfehler und Daten von Nutzern drahtloser Netzwerke wurden aussortiert.

(Quelle: pte)
 
 
 
 

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