Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsechsundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Armee warnt vor wachsendem Chaos. Blutiger Monatsbeginn - Gewalt
kostet im Irak erneut mindestens 27 Menschen das Leben. US-Luftwaffe
bombardiert 'Bombenfabrik'
Do.02.11.06 - Die US-Armeeführung fürchtet ein immer stärkeres
Abdriften des Irak in Gewalt und Chaos. Wie die Zeitung "New York Times
am Mittwoch berichtete, sehen US-Geheimdienste den Irak auf dem Weg in
einen Bürgerkrieg. Bei einem geheimen Treffen mit Militärs am
18. Oktober sei von einer ständigen Verschlechterung der Lage seit
dem Bombenanschlag auf die Goldene Moschee in Samarra, einem der
bedeutendsten schiitischen Heiligtümer, im Februar die Rede
gewesen. Die Zeitung bildete ein Diagramm ab, das bei den Treffen der
Anschauung diente: es zeige eine deutliche Bewegung vom Zustand
"Frieden" hin zu "Chaos". In einer begleitenden Zusammenfassung
heiße es, dass es in städtischen Gebieten "ethnische
Säuberungen" gebe und die Gewalt einen "Höchststand" erreicht
habe. Das Treffen fand wenige Tage vor der Lagebesprechung von
US-Präsident George W. Bush mit führenden Militärs und
Sicherheitsberatern zum Thema Irak statt.
Nach einem Monat mit verheerender Bilanz hat die Gewalt im Irak am
Mittwoch erneut mindestens 27 Menschen das Leben gekostet. Sie wurden
bei Bombenanschlägen und Angriffen im Großraum Bagdad und
nördlich der Hauptstadt getötet. Der Welle der Gewalt fielen
allein im Oktober nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP
rund 1.200 Zivilpersonen zum Opfer. Damit war der vergangene Monat der
blutigste seit Beginn der Zählung im Mai 2005.
Ziel der Anschläge am Mittwoch waren vor allem
Sicherheitskräfte und Mitarbeiter der Behörden. Zudem wurden
erneut acht gefesselte Leichen im Raum Bagdad gefunden. Die Zahl der
Opfer nach einem Selbstmordanschlag auf eine Hochzeitsfeier am Dienstag
stieg unterdessen auf 23, unter den Toten waren auch neun Kinder.
Von Dutzenden Schiiten, die am Dienstag auf einer Schnellstraße
nördlich von Bagdad gestoppt und vermutlich von sunnitischen
Extremisten verschleppt wurden, fehlte weiter jede Spur. Die
Behörden bestätigten am Mittwoch, dass mehr als 40 Schiiten
vermisst würden. Die Entführer hatten nach Berichten von
Augenzeugen eine Straßensperre errichtet, die Wagen angehalten
und die Pässe der Reisenden kontrolliert. Personen, bei denen es
sich offenbar um Sunniten handelte, konnten passieren.
Bei Kämpfen in der Unruheprovinz Anbar wurde am Dienstag ein
weiterer US-Soldat getötet. Damit stieg die Zahl der im Oktober
getöteten US-Soldaten auf 104. Nur drei Mal seit dem Einmarsch im
März 2003 kamen in einem Monat mehr US-Soldaten im Irak ums Leben.
Die amerikanische Luftwaffe hat im Irak am Mittwoch eine angebliche
«Bombenfabrik von El-Kaida Terroristen» bombardiert. Das
US-Militärkommando in Bagdad berichtete, auf dem Gelände im
Süden der irakischen Hauptstadt hätten sich Sprengstoff sowie
80 Fässer mit «unbekannten Chemikalien» befunden.
Zu möglichen Opfern machte die Armee keine Angaben. In Balad
hätten US-Soldaten am Vortag einen mutmaßlichen
Angehörigen der Terrorgruppe «El Kaida im
Zweistromland» getötet und einen zweiten festgenommen,
hieß es.
Die amerikanischen Truppen hatten am Mittwoch auf Anordnung des
irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki ihre Blockade des
Schiitenviertels Sadr-City im Osten Bagdads beendet. Dieser hatte sich
bei der US-Armee beschwert, nachdem ein Teil der Hauptstadt durch die
Blockade völlig lahm gelegt worden war. Die US-Truppen suchen in
Sadr-City seit vergangener Woche nach einem entführten
amerikanischen Soldaten irakischer Herkunft.
Die schwache Beteiligung an den Sitzungen des irakischen Parlaments
führte am Mittwoch bei einer im Fernsehen übertragenen
Pressekonferenz zu einem heftigen Wortgefecht zwischen
Parlamentspräsident Mahmud al Maschhadani und einem sunnitischen
Abgeordneten. Al Maschhadani warf Abdel Karim al Samarie vor, korrupt
zu sein, und nannte ihn einen «Hund», was in der arabischen
Welt eine schwere Beleidigung ist. Al Samarie konterte seinerseits mit
einer Beleidigung, und der Parlamentspräsident musste von einem
tätlichen Angriff auf den Abgeordneten abgehalten werden.
Al Maschhadani war offenbar verärgert darüber, dass das
Parlament wegen des Fehlens zahlreicher Abgeordneter schon wiederholt
nicht beschlussfähig war. So fehlten oft auch die Vertreter des
größten sunnitischen Blocks im Parlament. Einige schon
vereinbarte Beschlüsse konnten deshalb nicht endgültig
beschlossen werden.
(Quellen: afp, dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 02.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertzweiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.02.11.05 - Irak bittet UN um Mandatsverlängerung für internationale
Truppen +++ Irakisches Kind begeht Selbstmordanschlag in Kirkuk +++ 500
Häftlinge aus Abu Ghraib entlassen +++ USA: Demokraten im Senat
erzwingen nicht öffentliche Debatte - Geheimdienstinformationen vor
dem Irak-Krieg auf dem Prüfstand...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511020.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nato will mehr Truppen für Afghanistan
Do.02.11.06 - Die Nato hat eigenen Angaben zufolge zu wenig Truppen, um die Lage in
Afghanistan in absehbarer Zeit in den Griff zu bekommen.
"Ich habe nicht genug, um, sagen wir mal, in sechs Monaten gewinnen zu
können", sagte der Nato-Kommandeur General David Richards der
"Financial Times" vom Mittwoch. Es seien jedoch ausreichend Fortschritte
möglich, um das Vertrauen der Bevölkerung in den Einsatz und
in die afghanische Regierung zu erhalten.
Die Nato geführte internationale Friedenstruppe Isaf hat
mittlerweile das Kommando über ganz Afghanistan und dafür rund
31.000 Soldaten zur Verfügung. Die Kämpfe gegen die
radikal-islamischen Taliban konzentrieren sich derzeit auf den
Süden und Osten des Landes. Allein in diesem Jahr sind bislang 150
ausländische Soldaten ums Leben gekommen. Die Bundeswehr ist im
vergleichsweise ruhigen Norden Afghanistans im Einsatz.
Richards wies darauf hin, dass das Isaf-Kontingent im kommenden Jahr um
1000 polnische Soldaten aufgestockt werden soll. Er sei zuversichtlich,
dass weitere Staaten der Aufforderung der Nato nachkämen und mehr
Soldaten nach Afghanistan abkommandierten. Die Bundesregierung hat
Anfragen dieser Art bislang mit Verweis auf das deutsche Engagement im
Norden abgelehnt.
Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer betonte, dass in
Afghanistan die Voraussetzungen für einen zivilen Wiederaufbau
geschaffen werden müssten. Im Süden müsse dafür
derzeit gekämpft werden, sagte De Hoop Scheffer in einem Interview
mit dem "Tagesspiegel". Er betonte aber: "Letzten Endes kann die Antwort
in Afghanistan keine militärische sein." Mittelfristig müsse
der Schwerpunkt auf den Wiederaufbau des Landes gelegt werden, und "da
spielen die Deutschen eine wichtige Rolle im Norden".
Nach Auffassung des Koordinators der deutschem Regierung für
transatlantische Beziehungen, Karsten Voigt, werden die USA von
Deutschland mehr Unterstützung in Krisenregionen wie Afghanistan
fordern, falls es nach den Kongresswahlen am Dienstag kommender Woche zu
einem Machtwechsel kommt. Auch die Demokraten würden wie
Präsident George W. Bush vor allem US-Interessen vertreten, sagte
Voigt der Nachrichtenagentur Reuters. "Und deshalb werden die gleichen
Demokraten, die kritisch zu Bush sind, sagen: Ihr müsst uns helfen,
indem ihr noch mehr tut."
Anfang kommenden Jahres wollen die USA mit der afghanischen Regierung
einen Dialog über die künftige Strategie zur Sicherung des
Landes aufnehmen. Der Unterstaatssekretär im
US-Außenminister, Nicholas Burns, kündigte an, er werde dazu
im Januar Gespräche mit dem afghanischen Präsidenten Hamid
Karsai aufnehmen. Die anhaltenden Kämpfe im Süden und Osten
des Landes seien derzeit aber noch keine zentrale Gefahr für die
afghanische Regierung, betonte Burns.
(Quelle: rtr)
Menschenrechtler fordern Untersuchung von Angriff auf Koranschule
Do.02.11.06 - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat am Mittwoch eine
unabhängige Untersuchung des Angriffs auf eine Koranschule in
Pakistan gefordert, bei dem 80 Menschen getötet wurden. In einer
Erklärung der in New York ansässigen Organisation hieß
es, es müsse geklärt werden, wer den Angriff ausgeführt
habe und wie er geplant und ausgeführt worden sei.
Der Befehl zum Angriff basierte offenbar auf Geheimdienstinformationen
der von den USA geführten Truppen in Afghanistan. Die
US-Streitkräfte seien an dem Angriff aber nicht beteiligt gewesen,
betonte am Dienstag der pakistanische Heeressprecher Generalmajor
Shaukat Sultan.
Staatspräsident General Pervez Musharraf betonte, es seien
«keine unschuldigen Menschen» in dem zerstörten
Gebäude gewesen. Dort seien militante Kämpfer ausgebildet
worden, außerdem habe auch der stellvertretende
Al-Kaida-Führer Ajman al Sawahri die Koranschule in Chingai an der
Grenze zu Afghanistan besucht.
In der Region demonstrierten am Dienstag rund 20.000 Menschen, darunter
auch bewaffnete Kämpfer, gegen die pakistanische Regierung und die
USA. Einige den radikalislamischen Taliban nahe stehende Extremisten
kündigten an, mit Selbstmordanschlägen die Streitkräfte
angreifen zu wollen. Wer mit dem Militär oder den USA
zusammenarbeite, werde gesteinigt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Weißes Haus warnt vor Umsturz im Libanon. Israel weitet Offensive
im Gazastreifen nicht aus. Elf Tote bei israelischen
Militäreinsätzen im Gazastreifen
Do.02.11.06 - Angesichts der schweren innenpolitischen Krise im Libanon hat die
US-Regierung vor der Gefahr eines Umsturzes gewarnt.
Die Beweise häuften sich, dass Syrien und der Iran sowie die
radikalislamische Schiitenmiliz Hisbollah und andere Verbündete im
Libanon Pläne zum Sturz der demokratisch gewählten Regierung
von Ministerpräsident Fuad Siniora vorbereiteten, hieß es in
einer Erklärung des Weißen Hauses vom Mittwoch.
Im Libanon überschattet eine der schwersten innenpolitischen
Krisen seit dem Ende des Bürgerkrieges 1990 auch den
bevorstehenden Besuch des deutschen Verteidigungsministers Franz Josef
Jung (CDU). Jung reist an diesem Donnerstag erstmals seit
Übernahme des Kommandos über die UN-Marineeinheiten im
Libanon in den Nahen Osten. Der CDU- Politiker will am Freitag in
Beirut Gespräche mit Regierungschef Siniora und dem libanesischen
Verteidigungsminister Elias Murr führen.
In der libanesischen Regierung ist der Ton zwischen Regierungschef Fuad
Siniora und Gegnern im schiitischen und christlichen Lager seit Tagen
schärfer geworden. Der Generalsekretär der Schiitenmiliz
Hisbollah, Hassan Nasrallah, drohte der Regierung zuletzt mit
Massenprotesten. Diese Demonstrationen könnten einen Sturz des
Kabinetts herbeiführen, falls Siniora nicht der Bildung einer
Regierung der Nationalen Einheit zustimme, sagte er. Die Hisbollah
begründet ihre Forderung damit, dass die Mehrheit der
Bevölkerung angeblich nicht mehr hinter der Regierung stehe. Die
von Syrien und dem Iran unterstützte Miliz wirft der Regierung
vor, sie benutze den Krieg gegen Israel sowie die Stationierung der
UN-Truppen dazu, um die Hisbollah zu schwächen.
In der Erklärung des Weißen Hauses werden die Hisbollah
sowie Syrien und der Iran ausdrücklich vor einer Machtprobe
gewarnt. Jeder Versuch, den Libanon durch künstlich
herbeigeführte Demonstrationen, Gewalt und Bedrohung der
Führung zu destabilisieren, sei ein Verstoß gegen
Resolutionen des UN-Sicherheitsrates sowie gegen die
Souveränität des Landes, heißt es.
Nach Darstellung der US-Regierung gibt es Hinweise darauf, dass Syrien
die libanesische Regierung davon abhalten wolle, einem internationalen
Tribunal gegen die Beschuldigten am Tod des früheren
Ministerpräsidenten Rafik Hariri zuzustimmen. Unabhängig von
den internen Vorgängen im Libanon würden die Vereinigten
Staaten mit ihren internationalen Partnern sicherstellen, dass das
Tribunal so schnell wie möglich einberufen und die Schuldigen am
Tod Hariris verurteilt würden, hieß es weiter.
Hariri war am 14. Februar 2005 bei der Explosion einer Autobombe in
Beirut ums Leben gekommen. Syrien bestreitet, in den Anschlag auf
Hariri verwickelt gewesen zu sein.
Unterdessen bestätigte die Hisbollah-Miliz Verhandlungen mit
Israel über einen Gefangenenaustausch. Ein Unterhändler der
Vereinten Nationen habe sich mit einer Delegation der Hisbollah und mit
der israelischen Seite getroffen. Das sagte Generalsekretär Hassan
Nasrallah dem Hisbollah-Sender Al-Manar. «Wir haben den Punkt
erreicht, an dem wir Ansichten austauschen und Bedingungen
stellen», sagte Nasrallah weiter. Einzelheiten nannte er nicht.
Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» hatte vor zehn Tagen
berichtet, ein Beamter des Bundesnachrichtendienstes (BND) sondiere im
Auftrag der Vereinten Nationen seit September zwischen Israel und der
libanesischen Hisbollah in geheimer Mission die Bedingungen für
einen möglichen Austausch der beiden am 12. Juli verschleppten
israelischen Soldaten. Ihre Entführung durch Kämpfer der
Schiitenmiliz hatte im Sommer den Krieg im Libanon ausgelöst. Die
Hisbollah fordert die Freilassung mehrerer hundert inhaftierter Araber.
Dazu ist die israelische Regierung bislang nicht bereit.
Israel wird die seit vier Monaten andauernde Offensive im Gazastreifen
vorerst nicht ausweiten. Dies verlautete am Mittwoch aus
Kabinettskreisen. Dessen ungeachtet lief im Gazastreifen weiter die
größte Militäraktion seit Beginn der Operationen im
Juni. Bei Gefechten wurden mindestens sechs Palästinenser
getötet. Die israelischen Streitkräfte versuchen vor allem,
den Abschuss von Raketen auf Israel zu verhindern und den
Waffenschmuggel zu unterbinden.
An der Sitzung des engeren Kabinetts nahm erstmals auch Avigdor
Lieberman von der nationalistischen Partei Israel Beitenu teil, die
jegliche territorialen Zugeständnisse an die Palästinenser
ablehnt. Nach Angaben von Ministern, die namentlich nicht genannt werden
wollten, sagte Lieberman dabei: «Israel sollte im Gazastreifen
wie Russland in Tschetschenien agieren.»
Bei neuen israelischen Militäroperationen im Gazastreifen sind
binnen zwei Tagen elf Menschen getötet worden. Mit Beginn der
Operation «Herbstwolken» kamen im nördlichen
Gazastreifen mindestens sieben Palästinenser und ein israelischer
Soldat ums Leben. Zuvor hatte die Armee im Süden des
Autonomiegebiets drei Palästinenser erschossen. Der
palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte den
israelischen Einsatz in Bet Hanun, bei dem auch 50 Menschen verletzt
wurden, als «Massaker».
(Quellen: ap, dpa)
Mandat der Übergangsregierung in der Elfenbeinküste
verlängert
Do.02.11.06 - Der Weltsicherheitsrat hat am Mittwoch einstimmig das Mandat der
Übergangsregierung in der Elfenbeinküste um ein Jahr
verlängert. Mit der von Frankreich eingebrachten Resolution wird
die Entscheidung der Afrikanischen Union (AU) unterstützt, dem
ivorischen Ministerpräsidenten Charles Konan Banny die Kontrolle
über die Sicherheitskräfte zu übertragen und bis
November 2007 Wahlen zu organisieren.
In der Entschließung hieß es weiter, Banny solle sein Amt
genauso wie Präsident Laurent Gagbo weitere zwölf Monate
behalten. Die Abstimmung im Sicherheitsrat war wegen eines Streits
über die Machtbefugnisse des Ministerpräsidenten um einen Tag
verschoben worden. Frankreich strich daraufhin eine Passage im Text,
nach der der Ministerpräsident zivile und militärische
Regierungsmitarbeiter ernennen sollte und alle Anordnungen hätte
gegenzeichnen müssen. Danach erklärten sich auch China,
Russland, die USA und Tansania mit dem Entwurf einverstanden.
Die Elfenbeinküste ist seit dem Kämpfen von 2002 in einen von
der Regierung kontrollierten Süden und den Rebellengebieten im
Norden geteilt. Etwa 10.000 Soldaten der Vereinten Nationen und
Frankreichs sollen den Frieden im Land sichern.
(Quelle: ap)
Rotes Kreuz braucht 300 Millionen Dollar für Aids-Programm in
Afrika
Do.02.11.06 - Das Rote Kreuz braucht für die geplante Ausweitung seines
Aids-Programms im Süden Afrikas 300 Millionen Dollar (240 Millionen
Euro). Die Internationale Föderation der Rotkreuz und Roter
Halbmond Gesellschaften erklärte am Mittwoch, in einem
Fünfjahresprogramm sollten zur Verhinderung neuer Infektionen die
Aufklärung ausgeweitet, aber auch die Behandlung Betroffener
verbessert werden.
Mukesh Kapila, der Sonderbeauftragte der Föderation für Aids
und HIV, wies daraufhin, dass der Süden Afrikas mit rund 12,3
Millionen Infizierten die am schwersten von Aids betroffene Region auf
der Welt sei. Mit dem Virus, das die Immunschwächekrankheit Aids
auslöst, seien dort auch 860.000 Kinder unter 14 Jahren infiziert.
Im Süden Afrika lebt fast ein Drittel der HIV-Kranken auf der Welt.
Das Rote Kreuz will mit dem Geld auch 460.000 Kindern helfen, die durch
Aids zu Waisen wurden. Das Aids-Programm betrifft die Länder
Angola, Botswana, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Südafrika,
Swasiland, Sambia and Simbabwe.
(Quelle: ap)
Nordkorea nennt Bedingungen für Verhandlungen im Atomstreit
Do.02.11.06 - Nordkorea hat seine Bereitschaft zur Rückkehr an den
Verhandlungstisch bestätigt, jedoch Bedingungen für die
Wiederaufnahme der Sechs-Nationen-Gespräche zum Atomstreit
gestellt. Pjöngjang sei unter der Voraussetzung bereit zu neuen
Verhandlungen, dass auch über eine Aufhebung der
US-Finanzsanktionen gesprochen werde, erklärte das nordkoreanische
Außenministerium. US-Unterhändler Christopher Hill
erklärte die Bereitschaft der USA, das Thema auf die Tagesordnung
zu heben. Zugleich mahnte er Fortschritte bei der nächsten
Gesprächsrunde an.
In der von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA
verbreiteten Erklärung bezeichnete Pjöngjang den
Atomwaffentest von Anfang Oktober als "Maßnahme zur
Selbstverteidigung" gegen die "nukleare und finanzielle Bedrohung durch
die USA". Der offiziellen Ankündigung der Rückkehr zu
Verhandlungen war am Dienstag ein siebenstündiges Treffen Hills
mit dem chinesischen Verhandlungsführer Wu Dawei und dem
Nordkoreaner Kim Kye Gwan vorangegangen. Im Anschluss hatten China und
die USA erklärt, Nordkorea sei zur Wiederaufnahme der
Gespräche bereit.
Die nächste Gesprächsrunde müsse sorgfältig
vorbereitet werden, "weil wir in diesen Sitzungen Fortschritte erzielen
müssen", sagte Hill in Peking. Es werde aber "sehr schwierig"
werden", "und wir haben einen langen Weg vor uns".
US-Präsident George W. Bush äußerte sich "sehr erfreut"
über die Verhandlungsbereitschaft Nordkoreas. Südkorea
begrüßte die Ankündigung des Nachbarlandes als "Anfang
für eine gründliche Lösung der atomaren Frage" auf der
koreanischen Halbinsel. Die nach dem nordkoreanischen Atomwaffentest
vor rund drei Wochen vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen Sanktionen
sollen jedoch vorerst in Kraft bleiben, wie Bush versicherte.
Ähnlich äußerte sich der südkoreanische
Vize-Außenminister Yu Myung Hwan. Japans Regierungschef Shinzo
Abe betonte, solange Nordkorea seine Nuklearaktivitäten nicht
einstelle, werde Tokio auch seine einseitig verhängten Sanktionen
nicht aufheben.
Einen genauen Termin für die Wiederaufnahme der Verhandlungen gibt
es noch nicht. Die Sechser-Gespräche sollen laut
US-Außenministerin Condoleezza Rice aber nicht vor Ende des
APEC-Gipfels in Hanoi am 19. November beginnen.
Nordkorea hatte am 9. Oktober nach eigenen Angaben erstmals eine
Atomwaffe getestet. Daraufhin unterstützten sogar die engsten
Verbündeten China und Russland UN-Sanktionen gegen das verarmte
Land.
(Quelle: afp)
Internationaler Gewerkschaftsbund in Wien gegründet
Do.02.11.06 - Delegierte von mehr als 300 Gewerkschaften aus 154 Ländern haben
in Österreich den Internationalen Gewerkschaftsbund gegründet.
Mit dem Gründungsakt in Wien schließen sich im wesentlichen
der reformorientierte, weltliche Internationale Bund Freier
Gewerkschaften (IBFG) mit rund 155 Millionen Mitgliedern und der
christliche Weltverband der Arbeitnehmer (WVA) mit rund 26 Millionen
Mitgliedern zusammen. Diese hatten sich am Vorabend aufgelöst, um
den Weg für den IGB freizumachen.
Ziel des neuen Weltgewerkschaftbundes mit insgesamt etwa 190 Millionen
Mitgliedern ist es, für eine sozialere Gestaltung der
Globalisierung einzutreten.
Die International Trade Union Confederation (IUTC) soll modernere
Strukturen erhalten und damit wirksamer arbeiten als die beiden
Vorgängerorganisation ICTFU (International Confederation of Free
Trade Unions) und WCL (World Confederation of Labor).
«Die starke Tradition der Solidarität wird
weitergeführt», sagte der bisherige
ICTFU-Generalsekretär Guy Ryder, der am Mittwoch auf dem
ITUC-Gründungskongress in Wien auch zum Vorsitzenden des neuen
Verbands bestimmt wurde. «Die gewerkschaftliche Einheit auf
internationaler Ebene ist wesentlich, um eine wirksamere Vertretung der
Rechte und Interessen von Arbeitern in der globalen Wirtschaft
sicherzustellen.» Der ehemalige Vorsitzende des Europäischen
Gewerkschaftsbundes, Emilio Gabaglio, rief die neue ITUC auf, «in
die Offensive zu gehen» und insbesondere die Arbeitsbedingungen
in den Entwicklungsländern zu verbessern.
In einer Grußadresse an die etwa 1.600 in Wien versammelten
Delegierten sagte der österreichische Bundespräsident Heinz
Fischer, die Vertretung der Beschäftigteninteressen sei ein
«unverzichtbarer Bestandteil einer demokratischen
Gesellschaft». Dem neuen Dachverband gehören mehr als 150
Gewerkschaftsmitglieder aus 241 Organisationen in 156 Ländern an.
Die WCL wird ebenso aufgelöst wie die 1949 gegründete ICTFU,
die ihren Sitz in Brüssel hatte. Zu den Mitgliedsorganisationen
gehören unter anderem der DGB, die CGT in Frankreich, der
britische TUC und die AFL-CIO in den USA.
Die am Mittwoch beschlossene Charta spricht von einem universellen
Streikrecht als Kampfmittel für höhere Löhne und bessere
Arbeitsbedingungen. «Konfrontiert mit einer ungezügelten
kapitalistischen Globalisierung ist ein wirksamer Internationalismus
mehr denn je in der Geschichte von wesentlicher Bedeutung für die
künftige Stärke der Gewerkschaftsbewegung», heißt
es in der Charta.
(Quellen: ap, afp)
Deutschland
Steuer-Mehreinnahmen sollen Lohnnebenkosten senken
Do.02.11.06 - Die Bundesregierung will Wirtschaft und Verbraucher bei den
Sozialabgaben entlasten und dazu einen Teil der
Milliarden-Mehreinnahmen nutzen. Das zeichnet sich vor dem
Spitzengespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit
Vertretern der Koalition an diesem Freitag ab.
Es sei Konsens in der Bundesregierung und den Koalitionsparteien, neben
der Konsolidierung der Haushalte die Lohnzusatzkosten zu senken,
erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Mittwoch in Berlin.
«In allen Koalitionsparteien hat dieses Thema eine ganz hohe
Aufmerksamkeit». Wo immer sich Spielraum biete, sollte dieser
sich bei den Lohnzusatzkosten niederschlagen.
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) dämpfte erneut
Erwartungen, es gebe weiteren größeren Spielraum. Er will
den «Löwenanteil» der Steuermehreinnahmen nutzen, um
die Neuverschuldung deutlich zu senken. Zudem müssten noch
erhebliche Haushaltsrisiken aufgefangen werden. Auch SPD-Chef Kurt Beck
warnte davor, auf Steuereinnahmen mit höheren Ausgaben zu
reagieren. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sprach
sich dafür aus, möglichst eine stärkere Senkung von
Sozialbeiträgen zu beschließen. Die Zeit drängt, da der
Etat 2007 am 9. November im Haushaltsausschuss endgültig
vereinbart und bis Ende November vom Bundestag beschlossen werden soll.
Unmittelbar nach Bekanntgabe der Ergebnisse der Steuerschätzung am
Freitag will Merkel mit Vizekanzler Franz Müntefering (SPD), mit
Steinbrück und mit Vertretern der Koalitionsfraktionen über
die Verteilung der erwarteten Steuer- und Beitragsmehreinnahmen
beraten. Erwartet wird ein deutliches Steuerplus für Bund,
Länder und Kommunen. Im Vergleich zur Mai-Schätzung soll es
rund 20 Milliarden Euro für dieses Jahr betragen und bis zu 15
Milliarden Euro für nächstes Jahr. Hinzu kommt, dass die
Bundesagentur für Arbeit (BA) in diesem Jahr voraussichtlich elf
Milliarden Euro Überschuss erzielt.
In Regierungskreisen wird davon ausgegangen, dass es bei der
Spitzenrunde am Freitag ein Signal in Richtung Senkung der
Lohnzusatzkosten gibt. Im Gespräch ist vor allem eine
stärkere Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung
als die geplante Reduzierung von 6,5 auf 4,5 Prozent. Dafür hatte
sich zuletzt auch Steinbrück offen gezeigt. «Wenn es
ehrlichen und seriösen Spielraum gibt, kann man sich eine Senkung
hier vorstellen», sagte Wilhelm. Diskutiert wird auch, den
Steuerzuschuss für Krankenkassen weniger stark zu kürzen als
geplant, um den Beitragsanstieg zu dämpfen. Dies wird in der
Koalition allerdings weit skeptischer beurteilt.
Der Sprecher des Finanzministeriums, Torsten Albig, erklärte,
Steinbrück werde die «erfreulichen und unerfreulichen»
Entwicklungen im Haushalt darlegen. Das deutliche Steuerplus reiche
nach jetzigem Stand gerade einmal, um die Risiken für 2007
abzufedern. Allein bei den Unterkunftskosten für
Langzeitarbeitslose drohten Kosten von bis zu vier Milliarden Euro.
Zudem könne ein Steuerrechtsurteil des Europäischen
Gerichtshofes (EuGH) zu einer höheren Milliarden-Belastung
führen. Sollten beide Risiken Wirklichkeit werden, sei die Summe
höher als das erwartete Steuerplus. «Das heißt, die
Auswirkungen auf Spielräume ergeben sich bereits aus diesen
Zahlen.»
Beck sagte der «Financial Times Deutschland», er wehre sich
«gegen die Sehnsucht, wenn mögliche Mehreinnahmen am
Horizont erscheinen, dass wir uns dann gleich mit Vorschlägen
für dauerhafte Ausgaben überschlagen». Zunächst
müssten zusätzliche Ausgaben berücksichtigt werden, etwa
für Bundeswehreinsätze im Ausland oder steigende Zinsen. Dann
müsse die Neuverschuldung gesenkt werden. «Erst dann kann
man mit uns darüber reden, ob man bei der Gesundheitsreform noch
ein Stück durch Steuern abfedert.»
Stoiber sagte der Zeitung «Die Welt»: «Wenn es
Spielräume im Bundeshaushalt gibt, sollten damit neben der
Haushaltskonsolidierung auch die Beiträge zur
Arbeitslosenversicherung stärker gesenkt und soweit möglich
Beitragserhöhungen bei den Krankenkassen vermieden werden.»
(Quelle: dpa)
Streit über Hartz-IV-Wohnkosten geht in weitere Runde
Do.02.11.06 - Im Streit um die Wohnungskosten der Bezieher von Arbeitslosengeld II
will die Regierung den Bundesanteil für 2007 auf knapp vier
Milliarden Euro begrenzen.
Einen entsprechenden Gesetzentwurf von Arbeitsminister Franz
Müntefering will das Kabinett am Donnerstag beschließen.
Streit mit den Ländern und den Kommunen ist damit programmiert, da
diese bis zu 5,8 Milliarden Euro vom Bund fordern. Der Bundesrat muss
dem Gesetz zustimmen. Vom Jahr 2008 an will Müntefering dem seit
den Anfängen der Hartz-IV-Reform währenden Streit einen Riegel
vorschieben. Der SPD-Politiker will den Bundeszuschuss dann per
Rechtsverordnung festlegen. Er wäre dann nicht mehr auf die
Zustimmung der Länder angewiesen. Die Spitzenverbände von
Städten und Gemeinden protestierten. "Das Angebot des Bundes reicht
bei weitem nicht aus", erklärte der Deutsche Städtetag.
Aus dem der Nachrichtenaghenthur Reuters vorliegenden Gesetzentwurf
geht hervor, dass sich der Bund 2007 wie bereits 2006 mit 29,1 Prozent
an den Miet- und Heizkosten der Hartz-IV-Bezieher beteiligen will. Dies
seien bei erwarteten Gesamtkosten von rund 13,5 Milliarden rund 3,9
Milliarden Euro für den Bund. Dies sind zwar zwei Milliarden Euro
mehr als ursprünglich von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD)
geplant. Die Kommunen fordern aber 5,8 Milliarden Euro.
Mit seinem Gesetzentwurf geht Müntefering nicht über sein
Kompromissangebot bei der Ministerpräsidentenkonferenz im Oktober
hinaus. Die Länder hatten dort auf einem Bundeszuschuss von
mindestens 4,7 Milliarden Euro beharrt.
Der Streit über die Unterkunftskosten währt seit dem Start
der Hartz-IV-Reform im Jahr 2005. Der Bund trägt die Kosten
für Leistungszahlungen, Förderprogramme und Verwaltung,
während die Kommunen für die Wohnungskosten aufkommen. Um
sicherzustellen, dass Städte und Gemeinden unterm Strich um 2,5
Milliarden Euro entlastet werden, beteiligt sich der Bund aber auch an
den Unterkunftskosten. Allerdings streiten sich die Beteiligten
darüber, wie hoch die tatsächliche Entlastung der Kommunen ist.
Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages,
Stephan Articus, warf Müntefering vor, mit dem Angebot des Bundes
werde die versprochene Entlastung der Kommunen in Höhe von
bundesweit 2,5 Milliarden Euro deutlich verfehlt. "Obwohl die Zahl der
Leistungsbezieher und die Höhe der Unterkunftskosten seit dem
vergangenen Jahr gestiegen ist, will der Bund seinen Zuschuss für
das kommende Jahr nicht erhöhen", erklärte Articus. "Das darf
nicht das letzte Wort bleiben." Nach Berechnungen von Ländern und
Kommunen seien 5,8 Milliarden Euro Bundesbeteiligung an den
Unterkunftskosten erforderlich.
Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und
Gemeindebundes, Gerd Landsberg, nannte die Summe von knapp vier
Milliarden Euro kaum akzeptabel. Der "Passauer Neuen Presse" sagte
Landsberg: "Ein Mehr an Kürzungen ist weder für die Kommunen
tragbar noch gegenüber den Bürgern vertretbar."
(Quelle: rtr)
Armutsforscher befürchtet Ausschreitungen wie in Paris
Do.02.11.06 - Zustände wie in Pariser Vororten wegen der wachsenden Armut
befürchtet der Kölner Armutsforscher Christoph Butterwegge
auch in Deutschland. Die Politik treibe bewusst eine Polarisierung
voran, sagte der Forscher der in Erfurt herausgegebenen
«Thüringer Allgemeinen». Angesichts der
Mehrwertsteuererhöhung vertiefe sich die Kluft zwischen Arm und
Reich erheblich.
«Ich befürchte, dass sich auch unsere Städte immer
stärker spalten. Damit wächst die Gefahr sozialer Unruhen,
wie man sie in Frankreich erlebt», sagte er. Die soziale
Polarisierung trieben CDU, CSU und SPD mit ihrer Politik bewusst voran.
Wirtschaftslobbyisten seien immer mächtiger in Deutschland
geworden und hätten zu einer Verbreitung neoliberaler Positionen
in der Politik geführt.
(Quelle: ap)
Protest gegen Studiengebühren - Studenten blockieren Frankfurter
Hauptbahnhof
Do.02.11.06 - Aus Protest gegen Studiengebühren haben am Mittwochabend mehrere
Dutzend Studenten während des Berufsverkehrs den Frankfurter
Hauptbahnhof lahm gelegt. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben sieben
Personen vorübergehend fest. Sie stehen unter anderem unter dem
Verdacht des Landfriedensbruchs und des gefährlichen Eingriffs in
den Bahnverkehr.
Ab 15 Uhr hatten im Frankfurter Stadtgebiet rund 500 Studenten gegen
die Einführung von Studiengebühren demonstriert. Eine
Kleingruppe drang den Angaben zufolge gegen 17.45 Uhr durch ein nicht
ganz herabgelassenes Rollgitter in den Bahnhof ein und überquerte
von der Polizei verfolgt die Bahngleise. Um die Demonstranten aus dem
Bahnhof abzudrängen, riegelten Beamte das Gebäude für
eine knappe halbe Stunde ab, Gleise wurden gesperrt, der Bahnverkehr
teilweise ausgesetzt. Verletzt wurde niemand, auch zu
Sachbeschädigungen kam es nach ersten Erkenntnissen der Polizei
nicht.
Wegen der Demonstration war es zuvor schon im Berufsverkehr auf den
Straßen zu massiven Behinderungen gekommen. Die Aktion am Bahnhof
verursachte vor allem im Regional- und Fernverkehr Verspätungen.
Der S-Bahn-Verkehr war dagegen nach Angaben der Bahn nicht betroffen.
(Quelle: ap)
Tausende Apotheker demonstrieren gegen Gesundheitsreform
Do.02.11.06 - Tausende Apotheker haben am Mittwoch in Leipzig gegen die
Gesundheitsreform demonstriert. An einer Kundgebung in der Innenstadt
beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter rund 10.000 Apotheker
und Apothekenangestellte aus ganz Ostdeutschland. Ihr Protest richtet
sich gegen die von der großen Koalition geplanten Regelungen
für mehr Wettbewerb in der Arzneimittelversorgung.
Durch die Reform sollen durch Preisverhandlungen zwischen Apotheken und
Krankenkassen innerhalb eines Jahres 500 Millionen Euro bei
Arzneimitteln eingespart werden. Gelingt dies nicht, sollen die
Apotheker den Differenzbetrag zahlen. Die Apotheker wehren sich
allerdings gegen die aus ihrer Sicht drohenden "Zwangsrabatte".
"Dieses Reformpaket lehnen wir ab", erklärte der Präsident
der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA),
Heinz-Günter Wolf. Es dürfe kein "Vergütungs- und
Zuzahlungsdumping" geben. Anderenfalls könnten vor allem Apotheken
auf dem Land und am Stadtrand nicht überleben. Dies würde die
wohnortnahe, flächendeckende Arzneimittelversorgung gefährden.
Die Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbandes, Monika Koch,
kritisierte, bei den drei vorangegangenen Gesundheitsreformen seien die
Apotheker jedes Mal zu Kasse gebeten worden. Jetzt sei "das Ende der
Fahnenstange" erreicht.
Apotheker müssen sich mit der Gesundheitsreform auf weitere
Änderungen einstellen. So soll die Arzneimittelabgabe, die bisher
nach vorgegebenen Festpreisen erfolgt, künftig auf
Höchstpreise umgestellt werden. Apotheken könnten dann mit
Herstellern niedrigere Preise vereinbaren und den Patienten besonders
bei teuren Medikamenten Zuzahlungen erlassen.
Die Demonstration in Leipzig war der Auftakt für weitere
Protestveranstaltungen, die in den kommenden drei Wochen in
München, Düsseldorf und Hamburg folgen sollen. Die Teilnehmer
folgten einem gemeinsamen Aufruf der Apotheker-Landesverbände und
der Apothekengewerkschaft ADEXA. Nach Angaben des Apothekerverbands
mussten Patienten während der Protestaktion mit Wartezeiten
rechnen.
(Quelle: afp)
Widerstand in der Union gegen Heroinabgabe an Schwerstabhängige
Do.02.11.06 - Das Projekt Heroinabgabe an Schwerstabhängige ist gefährdet.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD),
sagte der «Frankfurter Rundschau», die Union weigere sich
bislang, dem hochgelobten Modellprojekt zuzustimmen. Um dieses auf
einer klaren Grundlage fortsetzen zu können, sei aber ein Gesetz
nötig. CDU und CSU hätten sich jedoch «bislang noch
nicht einmal positioniert».
An dem bundesweiten Großversuch hatten sich das
Bundesgesundheitsministerium, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und
Hessen sowie Hamburg, Hannover, Frankfurt am Main, Köln, Bonn,
Karlsruhe und München beteiligt. Anschließend berichtete das
Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung der Uni Hamburg
von einer eindeutigen Überlegenheit der heroingestützten
gegenüber einer Methadonbehandlung. Sie abzubrechen, wäre
unethisch, sagte Studienkoordinator Peter Degkwitz der Zeitung.
SPD, FDP, Linkspartei und Grüne haben sich bereits für eine
gesetzliche Regelung ausgesprochen, die Union ist dagegen uneins: Die
CDU-regierten Länder Hamburg und Hessen wollen weitermachen,
andere sind strikt dagegen. Die Gegner argumentieren, der Staat werde
zum Dealer, zudem sei die Heroinabgabe mit rund 10.000 Euro pro Patient
und Jahr kostspieliger als Methadon und damit zu teuer.
«Wenn die Behandlung wirksamer ist, dann ist das keine Frage des
Preises», betonte dagegen Degkwitz im Gespräch mit der
Nachrichtenagentur AP. «Wenn Sie ein besseres Medikament gegen
HIV haben, und das kostet fünf mal so viel, dann muss dieses
Medikament trotzdem eingeführt werden.»
Das Argument, der Staat werde durch die Abgabe von Heroin zum Dealer,
hält Degkwitz für irreführend: «Das ist nicht
Heroin auf Krankenschein für ein lustiges Leben, sondern eine sehr
belastende Behandlung für eine Gruppe schwer kranker
Personen.» Es sei deshalb keinesfalls so, dass die
Abhängigen für die Teilnahme an dem Drogenprojekt Schlange
gestanden hätten. Bundesweit gehe es seiner Einschätzung nach
um nicht mehr als 1.500 bis 2.000 Schwerstabhängige, die in Frage
kämen.
Auch Bätzing verwies auf die begrenzte Zahl der Betroffenen:
«Die Union hat bislang nicht erkannt, dass es sich nur um einen
kleinen Personenkreis handelt.» Sie wolle niemanden
bedrängen, aber: «Wir müssen bald wissen, wie es
weitergeht.»
Die Drogenbeauftragte der Union im Bundestag, Maria Eichhorn (CSU)
sagte dagegen: «Wir lassen uns nicht unter Druck setzen.»
Es gebe Fachleute, «die Zweifel daran haben, dass die Ergebnisse
des Modellprojekts zur Heroinsubstitution so viel besser sind als die
Behandlung mit Methadon». Außerdem gehe es auch um eine
Kosten-Nutzen-Analyse, sagte Eichhorn. Die Fraktion werde daher
«in Ruhe eine Entscheidung treffen».
Doch die Zeit ist knapp: Wenn die Lenkungsgruppe der beteiligten
Länder, Kommunen und des Bundesgesundheitsministeriums das Projekt
nicht verlängere, sei bereits am 31. Dezember Schluss, sagte
Degkwitz der AP. «Da muss eine Lösung gefunden werden, wie
es weitergeht.» Auch Wilfried Köhler, leitender Arzt der
Studienambulanz in Frankfurt am Main, warnte vor einem Ende des
Projekts: «Es ist ethisch für mich als Arzt nicht
vertretbar, einem Patienten, der mit einer Behandlungsmethode
nachweisbar besser lebt, diese Behandlungsmethode zu entziehen.»
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Do. 28.02.02 - Drogenhilfe - Bundesweites
Modellprojekt zur Heroinabgabe beginnt. Experten zufolge kommt das
Hilfsprogramm viel zu spät... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/n0202280.htm
Bundesregierung: Treibhausgase werden weltweit weiter ansteigen
Do.02.11.06 - Ungeachtet der nationalen und internationalen Anstrengungen beim
Klimaschutz rechnet die Bundesregierung mit einem weiteren Anstieg
klimaschädlicher Emissionen weltweit. «Der Ausstoß von
Treibhausgasen wird in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahre
noch zunehmen», sagte Umwelt-Staatssekretär Michael
Müller (SPD) der «Berliner Zeitung». Deswegen
dürfe die Staatengemeinschaft im Kampf gegen den Klimawandel keine
weitere Zeit mehr verlieren.
Wie es im Ministerium weiter hieß, sei die zu erwartende weitere
Zunahme der Klimagase in den nächsten Jahren vor allem auf die
schnell wachsenden Schwellenländer wie China und Indien, die
osteuropäischen Staaten und die USA zurückzuführen. Erst
in zehn bis 15 Jahren sei der Höhepunkt erreicht, von dem aus der
Ausstoß wieder sinken könne. Voraussetzung sei aber, dass
sich die Weltgemeinschaft auf ehrgeizige Klimaschutzziele für die
Zeit nach 2012 einigen könne. Müller erklärte, nunmehr
beginne die zweite Phase der internationalen Klimaschutzpolitik. Beim
Abbau von Treibhausgasen müssten auch nach 2012 die
Industrieländer vorangehen.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Gen-Variante erhöht BSE-Risiko bei Kühen
Do.02.11.06 - Eine Gen-Variante macht Rinder einer Studie zufolge anfälliger
für BSE. Die Veränderung auf Chromosom 13 im Kuh- Erbgut
erhöhe das Risiko für die Tiere, an Rinderwahnsinn zu
erkranken erheblich, sagte Katrin Juling von der Technischen
Universität München am Dienstag.
Konkret bedeute dies statistischen Berechnungen zufolge, dass in
Großbritannien mehr als die Hälfte der Erkrankungen bei
Holstein Frisian-Kühen - und damit mehr als 100 000 BSE-Fälle
- auf diese Gen-Veränderung zurückgehen, berichtet die
Forschergruppe im Online-Journal «BMC Biology».
In Deutschland könnten den Berechnungen zufolge 48 der 138
BSE-Erkrankungen bei Tieren der gleichen Rasse mit dieser Gen-Abweichung
erklärt werden, heißt es. «Das bedeutet jedoch nicht,
dass Tiere, die die schützende Variante haben, nicht an BSE
erkranken», sagte Juling.
«Die Ergebnisse sind gut», sagte Tosso Leeb von der
Universität in Bern, der nach eigenen Angaben die jetzt untersuchte
Variation 2004 erstmals entdeckt hatte. «Aber es wird nun nicht
möglich sein, BSE-resistente Rinder zu züchten.»
Insgesamt gebe es im Rindererbgut etwa zehn Orte, an denen
Veränderungen zu finden sind, die die BSE-Empfänglichkeit der
Tiere beeinflussten. «Beim Menschen ist das anders, da hat eine
einzige Veränderung einen dramatischen Einfluss auf die Entstehung
der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob- Krankheit.» Biologen
versuchen derzeit, Schafe zu züchten, die gegen die
BSE-ähnliche Gehirnkrankheit Scrapie (Traberkrankheit) resistent
sind.
Bei BSE-kranken Rinder verändern sich bestimmte Eiweiße, im
Gehirn, so genannte Prionen. Sie lagern sich in Massen ab und
führen zur schwammigen Aufweichung des Rinderhirns.
Die nun gefundene Abweichung im Erbgut finde sich in einem Bereich kurz
vor jenem Gen, das die Bauanleitung für das Prionen-Eiweiß
liefert. Über verschiedene Mechanismen könnte diese Genregion
beeinflussen, wie viel Prionprotein der Körper tatsächlich
bildet. Und hier vermuten die Forscher den entscheidenden Mechanismus,
sagte Juling: «Es könnte sein, dass Tiere mit der
Gen-Variante einfach mehr Prionprotein ausprägen.» Dann
könnten die veränderten BSE-Prionen mehr gesunde Prionen
anstecken - das Tier würde schneller krank oder könnte sich
schon mit weniger BSE-Material, etwa krankem Nervengewebe, infizieren.
Die Münchner Forscher untersuchten Proben von insgesamt 640 BSE-
positiven und rund 850 gesunde Kontrolltieren verschiedener Rinderrassen
aus Deutschland und Großbritannien, sagte Juling.
(Quelle: dpa)
Nasa will Weltraumteleskop 'Hubble' retten
Do.02.11.06 - Die US-Raumfahrtbehörde will das alternde Weltraumteleskop
«Hubble» aufmöbeln und seine Lebensdauer damit um
mindestens fünf Jahre bis 2013 verlängern. Die NASA werde
sieben Astronauten zur Reparatur von «Hubble» in den
Weltraum schicken, sagte NASA-Direktor Michael Griffin im
Goddard-Flugzentrum bei Washington.
Frühestens im Mai 2008 würden die Astronauten an Bord der
Raumfähre «Discovery» zu dem elftägigen
Weltraumeinsatz starten. Dieser Entscheidung war eine lange Diskussion
um die Sicherheit von Shuttle-Flügen vorausgegangen. Nach dem
Unglück der Raumfähre «Columbia» im Jahr 2003, bei
dem alle sieben Astronauten ums Leben kamen, hatte die NASA den
Reparaturflug zu «Hubble» abgesagt.
Der Wartungsflug war ursprünglich schon für 2005 vorgesehen.
Die Entscheidung der NASA folgt auf die jüngsten erfolgreichen
Shuttle- Flüge. Dabei waren unter anderem Sicherheitsinspektionen
und kleine Notreparaturen an den Shuttles im All erfolgreich verlaufen.
«Hubble» kreist seit 1990 in einer Umlaufbahn rund 600
Kilometer über der Erde. Bei dem Gerät müssen dringend
die sechs Batterien und Kreiselstabilisatoren ausgetauscht werden. Ohne
den nun beschlossenen Einsatz könnte das Teleskop den
wissenschaftlichen Betrieb nach Ende 2008 nicht mehr fortsetzen. Die
Reparatur wird Griffin zufolge die Lebenszeit des Weltraumteleskops
mindestens bis zum Jahr 2013, möglicherweise gar bis 2018
verlängern.
In seinen bislang mehr als 16 Dienstjahren funkte das Teleskop mehr als
750 000 oft spektakuläre Bilder zur Erde. An deren Auswertung
arbeiten rund 7000 Forscher. Nach ersten unscharfen Bildern und einer
Notreparatur 1992 sind die mit Hilfe des Weltraumteleskops gewonnenen
Erkenntnisse mittlerweile in zahlreiche Lehrbücher der Astronomie
eingeflossen. So half «Hubble» unter anderem bei der
Bestätigung der Existenz so genannter Schwarzer Löcher -
kollabierter Reste ausgebrannter Sterne, deren Dichte so groß ist,
dass nicht einmal Licht von ihnen entweichen kann.
Die Europäische Raumfahrtbehörde ESA begrüßte die
Entscheidung der NASA. «Hubble» habe mit seinen scharfen
Aufnahmen und erstaunlichen Entdeckungen eine beispiellose
wissenschaftliche Auswirkung auf das Verständnis des Universums,
heißt es in einer Erklärung.
Die geplante Reparatur wird der fünfte und letzte Wartungsflug
einer Raumfähre zu «Hubble», bevor die
Space-Shuttle-Flotte 2010 ausgemustert wird. Das Kommando über die
siebenköpfige Besatzung soll wie beim letzten Wartungsflug im Jahr
2002 der heute 47 Jahre alte Scott Altman übernehmen.
Dabei wird das Weltraumteleskop nicht nur repariert, sondern auch mit
zwei wissenschaftlichen Instrumenten aufgemöbelt. Neue Sensoren
sollen «Hubble» die Suche und Fixierung von Zielobjekten im
Weltall erleichtern. Mit Hilfe der neuen Wide Field Camera 3 (WFC3)
wollen Wissenschaftler beispielsweise weit entfernte junge Galaxien aus
der Frühzeit des Universums studieren. Zudem sollen nahe
Sternensysteme und Objekte in unserem eigenen Sonnensystem näher
untersucht werden.
Großräumige Strukturen im Weltall soll der so genannte
Cosmic Origins Spectrograph (COS) analysieren. Damit wollen Forscher der
Frage nach der Entstehung von Galaxien, Sternen und Planeten nachgehen.
Der Ursprung der für die Entwicklung des Lebens wichtigen
chemischen Elemente - wie Kohlenstoff und Eisen - soll beleuchtet
werden. Darüber hinaus erwarten Kosmologen weiteren Aufschluss
über die Natur der so genannten dunklen Energie. Diese soll
für die zunehmende Expansion des Universum verantwortlich sein.
Im Jahr 2013 soll das Nachfolgemodell von «Hubble», das
«James Webb Space Telescope», auf eine Umlaufbahn um die
Erde gebracht werden.
(Quelle: dpa)