Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsiebenundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mehr als 100 Polizisten im Oktober im Irak Opfer tödlicher Gewalt.
Talabani: US-Truppen im Irak noch 'zwei oder drei Jahre' nötig
Fr.03.11.06 - Mindestens 119 irakische Polizisten sind im Oktober bei
Schießereien, Entführungen und Bombenanschlägen ums
Leben gekommen. 185 Polizisten wurden darüber hinaus verletzt, wie
am Donnerstag aus dem Innenministerium in Bagdad verlautete. Dies deutet
nach Ansicht von Beobachtern auf eine extrem geringe
Überlebensrate von Verletzten unter den Polizeikräften hin.
Ihnen stehen kaum Panzerwagen, Schutzwesten und gesicherte Polizeiwachen
zur Verfügung.
Die US-Streitkräfte gaben am Donnerstag den Tod eines weiteren
Soldaten bekannt. Er kam am Mittwoch ums Leben, als sein Fahrzeug von
einer Bombe getroffen wurde. Seit Beginn der Kämpfe im März
2003 kamen damit mindestens 2.818 Mitglieder der US-Streitkräfte
ums Leben. Allein im Oktober wurden 105 Soldaten getötet.
Bei einem Luftangriff in Ramadi kamen nach US-Militärangaben ein
örtlicher Führer von Al Kaida im Irak und sein Fahrer ums
Leben. Das Fahrzeug von Rafa al Ithawi sei am Mittwoch von Lenkwaffen
zerstört worden. Al Ithawi, auch als Abu Taha bekannt, war den
Angaben zufolge ein Al-Kaida-Kommandeur in der Provinz Anbar. Er habe
häufig Extremisten Unterschlupf gewährt.
Die US-Truppen und ihre Verbündeten im Irak sollten nach
Einschätzung des irakischen Staatschefs Dschalal Talabani noch
"zwei oder drei Jahre" bleiben. Dieser Zeitraum müsse reichen, "um
unsere Streitkräfte wieder aufzubauen und unseren Freunden zu
sagen: Auf Wiedersehen und Danke", sagte Talabani am Rande eines Besuchs
in Paris am Donnerstag. Damit die heimische Armee die Sicherheit im
Lande gewährleisten könne, seien "einige Jahre, nicht 30
Jahre" erforderlich. Derzeit sind allein 150.000 US-Soldaten im Irak
stationiert. Der Kommandeur der multinationalen Truppen im Irak,
US-General George W. Casey, hatte vergangene Woche gesagt, die
irakische Armee werde in zwölf bis 18 Monaten ihre Rolle wahrnehmen
können.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 03.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertdreiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.03.11.05 - Blutbad am Ende des Fastenmonats: Mehr als 30 Tote bei mehreren
Anschlägen im Irak +++ Sechs Tote nach US-Luftangriff +++
Vize-Regierungschef Chalabi verlässt Schiiten-Allianz +++ Seit Beginn
des Irak-Kriegs kamen mindestens 2.026 US-Soldaten ums Leben...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511030.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Human Rights Watch wirft Großbritannien Duldung von Folter vor
Fr.03.11.06 - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft der britischen
Regierung die Duldung von Folter im Kampf gegen den Terror vor. In
mindestens einem Fall habe sie nach den Anschlägen in den USA vom
11. September 2001 versucht, in einem Strafverfahren unter Folter
gewonnene Aussagen zu verwenden, heißt es in einem am Donnerstag
in London veröffentlichten Bericht.
Ferner kritisiert Human Rights Watch Abkommen zur Abschiebung von
Gefangenen in Länder wie Libyen oder Jordanien, in denen die
Abgeschobenen von Folter bedroht seien. Des weiteren wirft die
Organisation der Regierung von Premierminister Tony Blair vor, die
Misshandlung von Terrorverdächtigen in den USA oder deren
heimlichen Transport in Länder, in denen sie möglicherweise
gefoltert würden, stillschweigend hinzunehmen.
«Großbritannien wird nicht dadurch sicherer, indem das Tor
für Folter geöffnet wird», erklärte einer der
Direktoren von Human Rights Watch, Benjamin Ward. «Die wirksamste
Antwort auf den Terrorismus ist eine gute Polizei- und
Geheimdienstarbeit, und nicht die Aufgabe von grundlegenden
Werten.»
Die Regierung wies die Vorwürfe zurück. Großbritannien
lehne Folter ab und praktiziere und dulde sie auch nicht, sagte ein
Sprecher des Außenministeriums. Er verwies auch darauf, dass
Premierminister Blair in einer Pressekonferenz im Dezember 2005 die
Unterbringung Terrorverdächtiger im US-Lager Guantanamo auf Kuba
kritisiert habe.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt:
Lage im Libanon weiter angespannt. Rundfunk: Israel setzt
Tiefflüge international als Druckmittel ein. Syrien weist Vorwurf
von Umsturzplänen gegenüber Libanon zurück. Israelische
Soldaten töten im Gazastreifen acht Palästinenser
Fr.03.11.06 - Die Lage im Libanon ist weiter angespannt: Nachdem am Mittwochabend zum
zweiten Mal binnen eines Monats eine Granate auf eine Polizeiwache in
Beirut abgefeuert wurde, sagte Innenminister Ahmed Fatfat am Donnerstag,
Sicherheitsfragen seien im Libanon direkt mit der Politik
verknüpft.
Die «Terrorgruppen», die derzeit versuchten, das Land zu
destabilisieren, hätten es offensichtlich darauf abgesehen, den
nationalen Dialog zwischen Regierung und Opposition zu stören.
Außerdem wollten sie die von den Vereinten Nationen geplante
Einrichtung eines Sondertribunals verhindern, das die Schuldigen
für das Attentat auf den libanesischen Ex-Regierungschef Rafik
Hariri zu finden. In dem Verfahren stehen auch mehrere syrische
Geheimdienstoffiziere unter Verdacht.
Das Weiße Haus hatte am Mittwoch erklärt, die schiitische
Hisbollah, der Iran und Syrien schmiedeten Pläne für einen
Sturz der demokratisch gewählten Regierung von
Ministerpräsident Fuad Siniora. Ein Beamter des syrischen
Innenministeriums erklärte dazu am Donnerstag auf Anfrage:
«Die US-Regierung will verbreiten, dass Syrien, der Iran und die
Hisbollah versuchen, den Libanon zu destabilisieren, aber das stimmt
nicht.»
Der Weltsicherheitsrat hatte am Mittwoch auf eine schnelle Einrichtung
des Hariri-Tribunals gedrungen. Fest steht bereits, dass der Prozess aus
Sicherheitsgründen nicht im Libanon stattfinden soll.
Der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung will heute
Regierungschef Siniora und Verteidigungsminister Elias Murr treffen.
Geplant ist außerdem ein Truppenbesuch. Die Deutsche Marine hatte
im Oktober das Kommando für die Seestreitkräfte
übernommen, die als Teil der UN-Friedenstruppe UNIFIL
Waffenschmuggel für die Hisbollah verhindern und die
Souveränität der libanesischen Regierung in den
Küstengewässern sichern sollen.
Bei dem Angriff auf die Polizeiwache in Beirut war niemand verletzt
worden. Am 15. Oktober hatten in Beirut sechs Besucher einer Bar leichte
Verletzungen erlitten, als eine Granate auf ein Haus in der Nähe
des UN-Gebäudes abgefeuert wurde.
Mit seinen Tiefflügen über dem Libanon will Israel nach
Armeeangaben Druck auf die internationale Gemeinschaft ausüben. Aus
einem internen Papier der Armeeführung gehe hervor, dass die
Flüge als "Druckmittel" eingesetzt würden, damit sich die
internationale Gemeinschaft verstärkt für die Freilassung der
beiden am 12. Juli von der libanesischen Hisbollah-Miliz verschleppten
israelischen Soldaten einsetze und den Waffenschmuggel aus Syrien und
dem Iran an die Miliz verhindern helfe, berichtete der Armeerundfunk am
Donnerstag. Das Papier sei vom Planungsstab im Generalstab verfasst und
von Generalstabschef Dan Halutz abgesegnet worden. Vor allem im
Außenministerium sei der Ärger groß, dass es bekannt
geworden sei.
Israelische Soldaten haben sich im Norden des Gazastreifens heftige
Gefechte mit Palästinensern geliefert und dabei fünf Menschen
getötet. Zentrum der Kämpfe war erneut Beit Hanun. Die
israelischen Truppen waren am Mittwoch mit Panzern und
Hubschrauberunterstützung in die 50.000 Einwohner zählende
Stadt eingerückt. Von Beit Hanun aus wurden nach israelischen
Angaben 300 der 800 Raketen abgefeuert, mit denen Israel seit
Jahresbeginn angegriffen wurde.
In Gaza griff die israelische Luftwaffe ein Auto an und tötete
drei Hamas-Mitglieder im Inneren. Eine Militärsprecherin
erklärte, ein Fahrzeug mit Terroristen sei getroffen worden.
(Quellen: afp, dpa, ap)
Streubomben treffen zu 98 Prozent die Zivilbevölkerung
Fr.03.11.06 - Beim Einsatz von Streubomben kommt zu 98 Prozent die
Zivilbevölkerung zu Schaden. Ein Drittel der Opfer sind Kinder.
Dies geht aus einer am Donnerstag am UN-Sitz in Genf
veröffentlichten Studie der Aktionsgruppe Handicap International
hervor. Streubomben setzten tödliche Munition frei, die
unterschiedslos militärische und zivile Ziele treffe. Rund 3.800
Menschen in 24 Ländern seien von Streubomben getötet worden,
5.500 weitere seien verletzt worden, heißt es in dem 56-seitigen
Bericht der Organisation mit Sitz in Belgien.
Nach inoffiziellen Schätzungen liegt die tatsächliche Zahl
der Opfer jedoch bei 100.000. Handicap International forderte ein
Moratorium für den Einsatz von Streu- und Cluster-Bomben und ihr
Verbot gemäß der UN-Konvention für konventionelle
Waffen. Doch gebe es dafür wenig Hoffnung, erklärte der
Direktor der Gruppe, Angelo Simonazzi, der Nachrichtenagentur AP.
Staaten wie die USA und Russland seien der Auffassung, diese Waffen
für Verteidigungszwecke zu benötigen. «Davon sind so
viele auf Lager, dass sie einfach zu benutzen sind.»
In ehemaligen Krisengebieten liegen dem Bericht zufolge
schätzungsweise 33 Millionen Reste von Streubomben, die bei der
geringsten Berührung detonieren können. Vier Milliarden
Streubomben lagerten weltweit in Militärdepots. Zehn bis 15
Prozent, in manchen Fällen sogar bis zu 80 Prozent der einzelnen
«Bomblets» explodieren zunächst nicht. Besonders
gefährdet sind Jungen unter 18 Jahre, die 95 Prozent der Opfer
unter Kindern ausmachen. Als Grund dafür nennt die Studie, dass
Jungen in vielen Ländern für das Hüten von Tieren oder
das Sammeln von Holz oder Wasser verantwortlich seien und auf freier
Fläche auf die Bomben träten.
Im Irak wurden dem Bericht zufolge mindestens 2.060 Menschen von
Streubomben getötet, die von den US-geführten
Koalitionstruppen abgeworfen wurden. Die Hisbollah-Miliz habe
Streubomben in Nordisrael eingesetzt, Israel habe bei den Kämpfen
im Sommer im Libanon Streubomben abgeworfen.
(Quelle: ap)
Friedensverhandlungen für Somalia gescheitert
Fr.03.11.06 - Die Friedensverhandlungen zwischen den Islamisten und der
Übergangsregierung von Somalia sind am Mittwoch gescheitert. Nach
einem letzten diplomatischen Versuch, die Regierung zu einer von den
Islamisten vorgeschlagenen Verschiebung zu bewegen, seien die
Gespräche in der sudanesischen Hauptstadt Khartum auf unbestimmte
Zeit verschoben worden, sagten Vermittler. Alle seien sich einig
gewesen, dass es weiterhin Verhandlungsbedarf gebe. Die Vermittler und
internationalen Beobachter hätten sich verpflichtet, die
Konfliktparteien so bald wie möglich zur Fortsetzung der
Gespräche zu bewegen. Die Gespräche waren nicht in Gang
gekommen, weil die Islamisten ein Treffen mit der Regierung
verweigerten, solange angeblich in Somalia eingesetzte äthiopische
Truppen nicht zurückgezogen würden.
(Quelle: afp)
Mexiko: Polizei rückt gegen Universität von Oaxaca vor
Fr.03.11.06 - Mexikanische Bundespolizisten sind am Donnerstag in Oaxaca gegen das
Gebäude der Universität vorgerückt, die als Zentrum der
Aufstandsbewegung gilt. Sie räumten Barrikaden weg und
zündeten Tränengasgranaten. Die im
Universitätsgebäude versammelten Aufständischen warfen
Brandsätze auf die Polizisten. Augenzeugen berichteten, dass
mindestens zwei Personen festgenommen worden seien. Nach mexikanischem
Recht darf die Polizei nur dann auf das Universitätsgelände,
wenn der Rektor seine Zustimmung dazu gegeben hat.
Die mexikanische Regierung hat am vergangenen Wochenende mehr als 3.000
Bundespolizisten nach Oaxaca geschickt, um den Aufstand unter Kontrolle
zu bringen. Im Anschluss an einen Lehrerstreik besetzten im Mai
Anarchisten, Anhänger linksgerichteter Gruppen und indianische
Aktivisten Behördengebäude und Rundfunksender in Oaxaca. Ihre
Hauptforderung ist der Rücktritt des Gouverneurs Ulises Ruiz. Bei
Zusammenstößen und Anschlägen kamen bislang mindestens
acht Menschen ums Leben.
(Quelle: ap)
30.000 fordern den Rücktritt des kirgisischen
Staatspräsidenten
Fr.03.11.06 - Rund 30.000 wütende Demonstranten haben am Donnerstag in der
kirgisischen Hauptstadt Bischkek den Rücktritt von
Staatspräsident Kurmanbek Bakijew gefordert. Die große
Oppositionskundgebung weckte Erinnerungen an die so genannte
Tulpenrevolution vor eineinhalb Jahren, als Bakijews Vorgänger
Askar Akajew im März 2005 durch Straßenproteste gestürzt
wurde. Die meisten Läden und Märkte blieben geschlossen,
Bereitschaftspolizei bezog mit Schäferhunden Stellung vor dem
Präsidentenpalast.
Die Demonstranten zogen zum Präsidentenpalast, am Nachmittag
schwand ihre Zahl aber auf rund 10.000 Menschen. Die Opposition
kritisiert, dass gut ein Jahr nach dem Sturz der alten Regierung
wichtige Versprechen immer noch nicht erfüllt sind. Bakijew
versprach damals demokratische Reformen, die Eindämmung der Macht
des Präsidenten, mehr Befugnisse für Parlament und Kabinett
und ein entschlossenes Vorgehen gegen Verbrechen und Korruption. Kurz
vor der Kundgebung hatte Bakijew vor dem Parlament angekündigt,
dass er die geplante Verfassungsreform verschieben werde. Er betonte, er
werde sich nicht unter Druck setzen lassen. Die Reformen dürften
nicht überstürzt werden. Die Opposition hält deshalb an
ihrer Forderung nach dem Rücktritt von Bakijew fest.
Kirgisien gehört zu den Ländern, die der deutsche
Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Rahmen seiner Reise durch
mehrere mittelasiatische Länder besuchen will.
(Quelle: ap)
Staatlicher russischer Konzern verdoppelt Gaspreis für Georgien
Fr.03.11.06 - Der staatliche russische Monopolist OAO Gazprom erhöht den Preis
für Gaslieferungen ins Nachbarland Georgien um mehr als das
Doppelte. Tiflis müsse künftig 230 Dollar (180 Euro) für
1.000 Kubikmeter Gas bezahlen, erklärte das Unternehmen am
Donnerstag. Der Preis lag bisher bei 110 Dollar. Der georgische
Außenminister Gela Beschuaschwili, der sich zu Gesprächen in
Moskau aufhielt, bezeichnete den Schritt als Preis für den
prowestlichen Kurs seines Landes.
Gazprom hat in der Vergangenheit stets erklärt, bei der Anhebung
der Preise für ehemalige Sowjetrepubliken handele es sich um eine
Anpassung an den Markt. Beobachter im Westen sehen darin aber einen
Versuch des Kremls, Druck auszuüben.
Beschuaschwili sagte, die Ankündigung überrasche ihn nicht.
Der Gaspreis sei das einzige Druckmittel, das Russland geblieben sei.
«Wir lassen uns aber nicht unter Druck setzen.» Georgien sei
bemüht, auch andere Energielieferanten zu gewinnen und setze auf
Verhandlungen mit Aserbaidschan, der Türkei und dem Iran. Moskau
habe ihm indes versichert, dass die Gas- und Stromversorgung Georgiens
nicht unterbrochen werde.
Die Beziehungen zwischen Moskau und Tiflis haben sich seit dem
Amtsantritt des westlich orientierten georgischen Präsidenten
Michail Saakaschwili 2004 spürbar verschlechtert. Auf die Festnahme
von vier russischen Soldaten in Georgien, die als Spione beschuldigt
wurden, reagierte Moskau im September mit einer Blockade und der
Ausweisung von georgischen Einwanderern. Ein Treffen von
Außenminister Beschuaschwili mit seinem russischen Kollegen Sergej
Lawrow am Mittwoch in Moskau brachte keine erkennbaren Fortschritte.
Die Anhebung des Gaspreises für Georgien erinnerte an den Streit
zwischen der Ukraine und Russland. Dort war zum Jahreswechsel ein
heftiger Streit entbrannt, nachdem Gazprom seine Preise drastisch
erhöht hatte. Die prowestliche Regierung der Ukraine verweigerte
die Zahlung, Gazprom stellte vorübergehend die Lieferungen ein.
Davon waren auch einige Länder Ost- und Mitteleuropas betroffen.
Nach dem Amtsantritt des Kreml-freundlichen Ministerpräsidenten
Viktor Janukowitsch handelte die Ukraine für 2007 einen deutlich
schwächeren Preisanstieg aus.
Sollte es zwischen Russland und Georgien zu einem ähnlichen Streit
kommen, könnte dies die georgische Wirtschaft im Fall einer
Einstellung der Gaslieferungen hart treffen. Nach der Explosion einer
Pipeline im Süden Russlands waren Millionen Georgier bereits im
Januar eine Woche lang ohne Heizung. Betroffen war auch Armenien, das
sein Gas aus Russland über Georgien bezieht.
(Quelle: ap)
EU sagt Treffen mit Türkei und Zypern ab
Fr.03.11.06 - Die Europäische Union hat am Donnerstag ein geplantes Treffen mit
den Außenministern der Türkei und Zyperns abgesagt. Ein
Sprecher der finnischen Regierung, die gegenwärtig die
EU-Ratspräsidentschaft innehat, erklärte, es sei nicht
möglich gewesen, alle Teilnehmer rechtzeitig an einen Tisch zu
bekommen. Die Gespräche am Sonntag und Montag in Helsinki sollten
verhindern, dass die ohnehin schwierigen Beitrittsverhandlungen mit der
Türkei wegen des Streits um Zypern völlig zum Erliegen kommen.
Der Konflikt um die geteilte Mittelmeerinsel hat die Verhandlungen
zwischen der Türkei und
der EU inzwischen nachhaltig beeinträchtigt. Zypern ist seit dem
Einmarsch türkischer Truppen 1974 geteilt. Der türkische
Norden wird nur von der Türkei als Staat anerkannt. Die
griechischsprachige Republik im Süden der Insel ist seit 2004
Mitglied der EU, wird aber von Ankara faktisch nicht anerkannt. Die EU
dringt darauf, dass die Türkei ihre Häfen und Flughäfen
für Schiffe und Flugzeuge des EU-Mitglieds Zypern öffnet.
Zypern hat eine Blockade der Verhandlungen angedroht. Die finnische
Ratspräsidentschaft hat vorgeschlagen, die Isolation des
türkischen Nordteils der Insel zu verringern, wenn die Türkei
ihre Häfen für Verkehr aus Zypern öffnet. Dies sollte in
Helsinki besprochen werden. Der finnische Außenminister Erkki
Tuomioja will aber ungeachtet der Absage der Gespräche am Freitag
in Brüssel mit dem Führer der türkischen Zyprer, Mehmet
Ali Talat, sprechen.
(Quelle: ap)
Deutschland
BGH weist Schadenersatzklage wegen NATO-Angriffs zurück
Fr.03.11.06 - Siebeneinhalb Jahre nach dem NATO-Angriff auf die serbische Kleinstadt
Varvarin hat der Bundesgerichtshof (BGH) eine finanzielle
Entschädigung für die Opfer abgelehnt. Die Karlsruher Richter
wiesen die Revision der Kläger zurück, die bereits in den
beiden ersten Instanzen gescheitert waren. In dem Verfahren ging es um
den Luftangriff auf die Brücke von Varvarin vom 30. Mai 1999. Dabei
waren zehn Zivilisten getötet und 17 schwer verletzt wurden. 35
serbische Opfer und Hinterbliebene hatten gegen den Bund auf
Schadenersatz geklagt.
Es handelte sich dabei um die erste Klage gegen die Bundesrepublik
wegen Beteiligung an einem Krieg. Der BGH begründete seine
Ablehnung unter anderem damit, dass ein Schadenersatzanspruch gegen
Deutschland auf Grundlage des Völkerrechts schon deshalb
ausscheide, weil etwaige Wiedergutmachungsansprüche dann nicht
einzelnen Personen, sondern nur deren Heimatstaat zuständen. Auch
einen Anspruch aufgrund des deutschen Rechts verneinten die Richter. Im
Zusammenhang mit dem Angriff lägen keine Amtspflichtverletzungen
deutscher Soldaten oder Dienststellen im Sinne konkreter
Verstöße gegen Regeln des Völkerrechts zum Schutz der
Zivilbevölkerung vor. (Az.: III ZR 190/05)
(Quelle: afp)
Deutsche wollen weniger Auslandseinsätze der Bundeswehr
Fr.03.11.06 - Eine große Mehrheit der Deutschen will die Auslandseinsätze
der Bundeswehr verringern. 73 Prozent der Befragten sprachen sich in
einer N-tv-Forsa-Umfrage für eine Reduzierung der Einsätze
deutscher Soldaten im Ausland aus. Lediglich 23 Prozent waren demnach
der Meinung, die Bundeswehr solle ihre Auslandsaktivitäten nicht
reduzieren.
Vor allem die Ostdeutschen sind für ein geringeres
militärisches Engagement Deutschlands (84 Prozent), aber auch im
Westen unterstützen 71 Prozent diese Meinung. Für die Umfrage
wurden am 30. und 31. Oktober 1005 Menschen befragt.
(Quelle: afp)
Union und SPD einig über Reform der Unternehmensteuer
Fr.03.11.06 - Union und SPD haben sich nach langem Ringen auf ein Konzept zur Reform
der Unternehmensteuern geeinigt, das Firmen in Deutschland deutlich
entlasten soll. Für Unternehmen soll ab 2008 statt bisher im
Schnitt 38,7 Prozent nur noch eine Gesamt-Steuerbelastung von knapp
unter 30 Prozent gelten, wie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück
(SPD) und der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) nach
Abschluss der Beratungen mitteilten. Mit den Beschlüssen werde der
Steuerstandort Deutschland gestärkt, sagte Steinbrück. Koch
nannte die Reform einen "Paradigmenwechsel".
Die Körperschaftsteuer soll künftig statt bei bisher 25
Prozent nur noch bei 15 Prozent liegen. Außerdem sollen auch die
Grundlagen für die Berechnung der Gewerbesteuer geändert
werden. Somit sinkt die Belastung für Unternehmen auf rund 29,2
Prozent. Laut Zahlen des Finanzministeriums hatte sie 2005 noch bei
rund 38,7 Prozent gelegen. Die Arbeitsgruppe einigten sich
außerdem auf eine Abgeltungssteuer, mit der ab 2009
Kapitaleinkünfte, etwa Gewinne aus Aktien, einheitlich mit einem
Steuersatz von 25 Prozent versteuert werden sollen.
Steinbrück sagte nach dem Ende der Beratungen der Finanzexperten
der Bund-Länder-Gruppe in Berlin, mit der geplanten Reform solle
"ein Prozess in Gang gesetzt werden", an dessen Ende die Einnahmen des
Fiskus die anfänglichen Einnahmeausfälle wieder ausgleichen
sollten. Koch sagte, mit den Plänen werde die Besteuerung "anders
gehandhabt als in den Jahrzehnten zuvor". Die Reform sei außerdem
ein "gewaltiger Schritt" für kleinere und mittelständische
Unternehmen, die durch die Regelungen besonders entlastet werden
sollen. Nun sollen die Spitzen von Union und SPD zunächst
über die Reform beraten. Das Gesetzgebungsverfahren soll im
kommenden Sommer abgeschlossen werden, damit die Reform ab dem Januar
2008 in Kraft treten kann.
Die Koalition geht davon aus, dass die Reform zu Steuerausfällen
von rund 30 Milliarden Euro führen wird. Etwa 25 Milliarden Euro
davon sollen unter anderem damit wieder hereingeholt werden, dass
künftig die Bemessungsgrundlage - also der Anteil der Gewinne,
für die die Unternehmen Steuern bezahlen müssen - verbreitert
wird. Außerdem sollen dadurch Mehreinnahmen erzielt werden, dass
Firmen wegen der niedrigeren Steuersätze ihre Gewinne nicht mehr
so stark wie bisher ins Ausland transferieren werden.
(Quelle: afp)
Ungerechtigkeit mit System
Die große Koalition senkt die Steuerlast um mindestens 5
Milliarden Euro, obwohl die deutschen Firmen bereits Rekordgewinne
einfahren... Mehr in der taz vom 02.11.06:
http://www.taz.de/pt/2006/11/02/a0076.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/11/02/a0090.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/11/02/a0094.1/text
Eckpunkte der Unternehmenssteuerreform
Die Arbeitsgruppe von Union und SPD zur Unternehmenssteuerreform unter
Leitung von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Hessens
Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat sich am Donnerstagabend
geeinigt. Wichtige Eckpunkte sind:
- Ab Januar 2008 sinkt die Steuerlast für Kapitalgesellschaften,
also die Summe aus Körperschaft- und Gewerbesteuer, von aktuell
38,6 Prozent auf knapp unter 30 Prozent.
- Wie im Juli vom Bundeskabinett beschlossen betragen die
jährlichen Einnahmeverluste für Bund und Länder im
ersten Jahr höchstens fünf Milliarden Euro. Das Minus soll
stetig schrumpfen und laut Steinbrück «eines Tages» in
Überschüsse umschlagen.
- Ab 2009 wird eine pauschale Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge
wie Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne in Höhe
von 25 Prozent eingeführt. Die neue Steuer soll anonym erhoben und
direkt von den Banken an den Fiskus abgeführt werden.
- Personengesellschaften wie etwa GmbHs, die 84 Prozent aller deutschen
Unternehmen stellen, werden wie Kapitalgesellschaften ebenfalls
höchstens mit 29 Prozent besteuert, soweit und solange sie ihre
Gewinne einbehalten. Bei späterer Entnahme aus dem
Betriebsvermögen wird nachbesteuert.
- Die den Kommunen zustehende Gewerbesteuer bleibt bestehen. Bei der
Bemessungsgrundlage wird die Hinzurechnung geändert. Künftig
werden alle Zinsen und Finanzierungsanteile von Mieten, Pachten,
Leasingraten und Lizenzen mit einem Faktor von 25 Prozent eingerechnet.
Der Freibetrag soll bei annähernd 100.000 Euro liegen.
- Der Satz für die Körperschaftssteuer sinkt deutlich.
Für Kapitalgesellschaften gilt eine «modifizierte
Zinsschranke». Das heißt, sie können Zinsen nur
steuerlich absetzen, wenn dem ein angemessen großer Gewinn
gegenüber steht.
- Der erste Gesetzentwurf von Finanzminister Steinbrück soll im
Januar vorliegen. Das Gesetzgebungsverfahren soll bis zur Sommerpause
beendet sein.
Quelle: ap, 02.11.2006
|
Arbeitslosenzahl fällt auf Vier-Jahres-Tief
Fr.03.11.06 - Im Schlepptau der guten Konjunktur ist die Arbeitslosenzahl in
Deutschland auf den niedrigsten Stand seit fast vier Jahren gefallen.
Im Oktober waren 4,085 Millionen Arbeitslose registriert, wie die
Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg
mitteilte. Dies waren 153.000 weniger als im September und 471.000
weniger als im Oktober vorigen Jahres. Weniger Arbeitslose hatte es
zuletzt im November 2002 gegeben. Die Arbeitslosenquote fiel um 0,3
Punkte auf 9,8 Prozent. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen
Schwankungen ging die Erwerbslosenzahl um 67.000 zurück. Den
für die Jahreszeit ungewöhnlich starken Rückgang
begründete BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise mit der guten
Konjunktur. Davon profitieren zusehends auch Langzeitarbeitslose im
Arbeitslosengeld II.
"Der Durchbruch am Arbeitsmarkt ist da", erklärte Arbeitsminister
Franz Müntefering in einer ersten Reaktion in Berlin. Weise
dämpfte aber die Aussichten für 2007. Er verwies auf eine
Prognose des BA-Forschungsinstituts IAB, nach der der Rückgang der
Arbeitslosigkeit Ende 2007 bereits enden könnte. Der
BA-Vorstandschef warnte zudem davor, den Beitragssatz zur
Arbeitslosenversicherung zu stark zu senken. Der Überschuss der BA
stieg bis Ende Oktober noch einmal kräftig auf 7,93 Milliarden
Euro. Zum Ende des Jahres könnte das Plus nach Weises Worten knapp
über zehn Milliarden Euro betragen.
Entscheidende Kraft hinter der positiven Entwicklung ist laut
BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt die gute Konjunktur. Zwar sei die Zahl
der gemeinnützigen Ein-Euro-Jobs von knapp 300.000 auf 314.000
gestiegen. Unterm Strich hätten sich neue und beendete
Fördermaßnahmen aber die Waage gehalten. "Die
Arbeitsmarktpolitik war nicht der Grund, sondern in erster Linie die
Konjunktur", sagte Alt.
Arbeitslosenzahl und -Quote fielen auf ein Vier-Jahres-Tief. Niedriger
waren sie zuletzt im November 2002 mit 4,027 Millionen Arbeitslosen bei
einer Quote von 9,7 Prozent.
Der Aufbau von Arbeitsplätzen legte weiter zu. Weise verwies
darauf, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nun
seit einem halben Jahr steige. Nach ersten Berechnungen der BA habe es
im August 26,56 Millionen voll beitragspflichtige Beschäftigte
gegeben - rund 258.000 mehr als vor einem Jahr. Die
Erwerbstätigenzahl - die auch Selbstständige und Mini-Jobber
einbezieht - lag im September laut Statistischem Bundesamt mit 39,5
Millionen um 334.000 über dem Vorjahr.
"Die Herbstbelebung hat den Arbeitsmarkt im Oktober weiter
angekurbelt", sagte Weise. Dies komme zunehmend auch Beziehern von
Arbeitslosengeld II zugute. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten
Hartz-IV-Empfänger sei im Oktober um 88.000 auf rund 2,67 Millionen
gesunken. Dies sei der stärkste Rückgang in einem Monat seit
Beginn der Hartz-IV-Reform Anfang 2005.
Saisonbereinigt sank die Erwerbslosenzahl um 67.000 auf 4,348 Millionen
bei einer Quote von 10,4 Prozent. Experten hatten einen Rückgang um
20.000 erwartet. Alt rechnete mit einem weiteren Rückgang der
bereinigten Zahl bis Jahresende. "Bei einer normalen Witterung,
würde ich sagen ist ein Rückgang von jeweils 30.000 im
November und im Dezember möglich", sagte Alt. Unbereinigt werde die
Zahl in beiden Monaten ansteigen: "Normal wäre ein Plus von 30.000
für November."
Weise warnte, dass der Rückgang der Arbeitslosigkeit bereits Ende
2007 wieder gestoppt sein könnte. "In dem IAB-Bericht nimmt der
Abbau von Arbeitslosigkeit Ende 2007 ab, kommt zum Ende", verwies Weise
auf eine Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung (IAB). Für das Gesamtjahr 2007 geht das IAB dennoch
von einem Rückgang der Arbeitslosenzahl um 170.000 im
Jahresdurchschnitt im Vergleich zu 2006 aus.
Trotz des kräftig gestiegenen Finanzüberschusses sieht die BA
Weise zufolge keinen Anlass, ihre Prognose eines Überschusses von
bis zu 9,6 Milliarden Euro zum Jahresende zu ändern. Wenn das
Weihnachtsgeld üppig und die letzte Rate der BA für
Strafzahlungen an den Bund geringer ausfalle, könne der
Überschuss auf "knapp über zehn Milliarden Euro" steigen.
Vor der für Freitag erwarteten Entscheidung der Koalition
über eine weiter gehende Senkung des Beitragssatzes zur
Arbeitslosenversicherung warnte Weise, den Beitrag zu stark zu senken.
"Bis 2010 würde das ein Risiko bedeuten, ob der Beitragssatz die
Ausgaben finanziert", sagte Weise. In der Koalition wird erwogen,
über die für 2007 vereinbarte Senkung um zwei Punkte auf 4,5
Prozentpunkte hinaus zu gehen. Im Gespräch ist eine Senkung um
weitere 0,3 Prozentpunkte.
(Quelle: rtr)
Wissenschaft
Soziale Kontrolle erzwingt Selbstlosigkeit bei Bienen
Fr.03.11.06 - Strenge soziale Kontrolle und nicht Selbstlosigkeit der Arbeiterinnen
sorgen bei Bienen und Wespen dafür, dass sich nur die Königin
vermehrt. Nach einem strengen Regiment zerstören Arbeiterinnen oder
die Königin selbst alle fremden Eier.
In der Folge stellen Arbeiterinnen die Eiablage gänzlich ein,
obwohl ihre Eierstöcke funktionstüchtig bleiben. Zu diesem
Schluss kommen Tom Wenseleers und Francis Ratnieks vom
Wissenschaftskolleg zu Berlin, nachdem sie zahlreiche Bienen- und
Wespenstaaten untersucht hatten. Ihre Resultate präsentieren sie im
Journal «Nature».
Die Arbeiterinnen von Bienen- und Wespenvölkern verzichten damit
nicht - wie vielfach angenommen - aus Selbstlosigkeit auf eigenen
Nachwuchs, schreiben die Wissenschaftler. Vielmehr sei diese
Selbstlosigkeit (Altruismus) erzwungen. Wo die soziale Kontrolle
besonders gut funktioniere, vermehrten sich weniger als drei Prozent der
Arbeiterinnen. Ist die Umsetzung der Selbstkontrolle hingegen nur zu 30
Prozent effektiv, setzten mehr Arbeiterinnen die Eiablage fort.
Schließlich übertragen die Forscher ihre Erkenntnisse auf
den Menschen. Dass moderne Insektengesellschaften per Sanktionen die
Zahl egoistisch handelnder Mitglieder verringere, zeige, was beim
Menschen nur schwer zu demonstrieren sei: Eine rigide Durchsetzung der
Gesetze reduziere das unsoziale Verhalten Einzelner.
(Quelle: dpa)
Freie Liebe bringt gesündere Babys hervor
Fr.03.11.06 - Weibchen mit wechselnden Sexualpartnern haben laut einer australischen
Studie bessere Chancen, gesunde Babys zur Welt zu bringen als ihre
monogamen Artgenossinnen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der
Australian National University nach einer zweijährigen
gründlichen Untersuchung des Liebeslebens der Beutelmaus, eines im
Südosten Australiens lebenden fleischfressenden Beuteltiers. Dabei
durfte sich eine Gruppe von Beutelmausweibchen jeweils nur mit einem
Partner paaren, während die Weibchen einer Vergleichsgruppe mehrere
Partner hatten. Das Ergebnis war, dass die Jungen der promisken
Weibchen eine dreimal so hohe Überlebensrate hatten wie aus der
monogamen Gruppe.
Es sei das erste Mal, dass eine Studie nachweisen konnte, dass
häufiger Sex mit vielen verschiedenen Partnern bei einer Tierart
die Überlebensrate des Nachwuchses steigert, sagte Studienleiterin
Diana Fisher am Donnerstag. Die Promiskuität der Weibchen
erhöhe ihre Chancen, sich mit Männchen mit gutem Sperma zu
paaren.
Gleichzeitig ergab die Studie, dass die Männchen der Beutelmaus
normalerweise nach einer kurzen und intensiven Paarungssaison an
Erschöpfung oder den Folgen von Auseinandersetzungen mit
Geschlechtsgenossen sterben. Die Weibchen dagegen überlebten mit
Leichtigkeit zwei bis drei Paarungszeiten.
(Quelle: afp)
Klimawandel - Alpengletscher könnten bis Ende des Jahrhunderts
verschwunden sein
Fr.03.11.06 - Wegen des Klimawandels schmelzen die Gletscher der Erde nach Recherchen
von Greenpeace immer schneller ab. In den Alpen werde inzwischen mit dem
fast vollständigen Verschwinden sämtlicher Gletscher noch in
diesem Jahrhundert gerechnet, erklärte die Umweltorganisation am
Donnerstag in Berlin. Schon für die nächsten Jahre seien als
Folge mehr Erdrutsche, Murenabgänge und Überschwemmungen
absehbar. Langfristig drohten Trinkwassermangel und Verkarstung der
Landschaft.
Anlass des Reports ist der UN-Klimagipfel in Nairobi, der kommende
Woche beginnt. Dort soll darüber verhandelt werden, ob 2007 ein
neues Klimaabkommen für die Zeit nach 2012 in Angriff genommen
werden könnte. «Uns schmelzen die Gletscher vor den Augen
weg, doch die Politiker halten Sonntagsreden», erklärte
Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. Stattdessen müssten alle
Staaten - und vor allem die Industrieländer - ihr
Äußerstes versuchen, den Ausstoß von Klimagasen unter
Kontrolle zu bekommen. Die nächsten zehn Jahre seien entscheidend.
Smid nannte die Ergebnisse des Gletscher-Reports alarmierend.
Vergleiche der Gletschermassen zeigten, dass die Abschmelzrate in den
letzten Jahren dramatisch zugenommen habe. Zwar gebe es innerhalb der
Gletscherregionen Unterschiede. Doch gelte im Durchschnitt, dass in den
13 Jahren von 1991 bis 2004 doppelt so viel Gletschermasse abgeschmolzen
sei wie in den 29 Jahren von 1961 bis 1990. Von 2001 bis 2004 habe sich
das Abschmelzen der Gletscher noch einmal kräftig beschleunigt.
Grönland verliere inzwischen mit 240 Kubikkilometer pro Jahr drei
Mal so viel Eis wie in den Jahren vor 2003.
Zu den Alpengletschern gebe es Fotovergleiche der «Gesellschaft
für ökologische Forschung». So schrumpfte zum Beispiel
der Triftgletscher im Berner Oberland in der Schweiz im Jahr 2005 um 216
Meter. «Es geht viel schneller, als wir uns das jemals
vorgestellt haben», betonte Sylvia Hamberger von der
«Gesellschaft für ökologische Forschung».
«Wenn wir im August und September in den Gletscherregionen
unterwegs sind, können wir das Schmelzen der Gletscher
hören.»
Wissenschaftler prognostizieren laut Greenpeace, dass kleinere
Alpengletscher bereits bis 2050 verschwunden sein werden, alle anderen
fast komplett bis Ende des Jahrhunderts. Weltweit fürchteten
Wissenschaftler vor allem das Abschmelzen der Polkappen.
Überschwemmungen infolge steigender Meeresspiegel könnten bis
zu 100 Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen machen.
(Quelle: ap)