Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertneunundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Ausgangssperre in Bagdad wegen Saddam-Hussein-Urteils. Irakische
Sicherheitskrafte töten 53 'Terroristen'. Neokonservative werfen
Bush- Regierung Versagen im Irak vor
So.05.11.06 - Aus Furcht vor Unruhen wegen des erwarteten Urteils gegen den
ehemaligen irakischen Staatschef Saddam Hussein hat die Regierung
für heute eine Ausgangssperre in Bagdad und zwei Provinzen
verhängt. Neben der Hauptstadt seien die Provinzen Dijala und
Salaheddin betroffen, sagte der nationale Sicherheitsberater Muaffak el
Rubai.
Die irakischen Behörden befürchten vor dem für den
heutigen Sonntag erwarteten Urteil gegen Saddam Hussein massive
Unruhen. Das Verteidigungsministerium verhängte bereits am Freitag
für die Armee eine Urlaubssperre. Der Anwalt des einstigen
Machthabers, Chalil el Dulaimi, hatte am vergangenen Wochenende
gewarnt, ein Todesurteil gegen den 69-Jährigen würde den Irak
"in Feuer und Blut versenken und die Region in eine ungewisse Zukunft
stürzen". Saddam Hussein muss sich seit Oktober 2005 wegen der
Ermordung von 148 Schiiten aus dem Dorf Dudschail vor Gericht
verantworten. Ihm droht die Todesstrafe.
Bei Auseinandersetzungen mit irakischen Sicherheitskräften sind im
Süden Bagdads angeblich 53 "Terroristen" getötet worden.
Dabei handele es sich um Mitglieder des Terror-Netzwerks El Kaida,
teilte das Innenministerium in der irakischen Hauptstadt mit.
Die Behörden hätten am Samstagnachmittag Informationen
erhalten, wonach "Bewaffnete" die Sicherheit in Thuwaitha bedrohten,
sagte ein Sprecher des irakischen Innneministeriums. Die daraufhin
entsandten irakischen Polizisten hätten sich heftige Kämpfe
mit den mutmaßlichen El-Kaida-Anhängern geliefert. Dabei
seien 40 Autos in Flammen aufgegangen. Den Angaben zufolge wurden 16
mutmaßliche Terroristen festgenommen. Auch zahlreiche Waffen
seien beschlagnahmt worden.
Irakische Spezieleinheiten durchkämmten gemeinsam mit US-Soldaten
indes das Bagdader Wohnviertel Sadr City, eine Hochburg der radikalen
Schiiten, wie die US-Armee mitteilte. Die Truppen seien beschossen
worden, es habe aber keine Verletzten gegeben. In Bagdad wurden nach
Angaben mehrerer Sicherheitskräfte binnen 48 Stunden die Leichen
von 83 Menschen gefunden. Allein zwischen Donnerstag und Freitagmorgen
seien 56 Tote entdeckt worden. In der irakischen Hauptstadt verfolgen
Todesschwadrone radikaler Schiiten und Sunniten Bewohner der jeweils
anderen Religionsgruppe. Jeden Tag werden im Irak dutzende Menschen
erschossen oder zu Tode gefoltert aufgefunden.
Der Raketenangriff auf das Elektrizitätswerk nahe Basra rund 550
Kilometer südlich von Bagdad habe eigentlich der benachbarten
Militärbasis der internationalen Truppen gegolten, sagte ein
Sprecher der britischen Armee.
Nach Angaben des Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen
(UNHCR) treibt die tägliche Gewalt immer mehr Iraker in die Flucht.
Zurzeit träfen Tag für Tag etwa 2000 Iraker in Syrien und
etwa 1000 in Jordanien ein, sagte UNHCR-Sprecher Ron Redmond am Freitag
in Genf. Nach Schätzungen des UNHCR sind im Innern des Landes
mindestens 1,6 Millionen Iraker auf der Flucht; ins Ausland
dürften demnach weitere 1,8 Millionen Menschen geflüchtet sein.
Wenige Tage vor der Kongresswahl in den USA haben einstige Verfechter
des Irak-Kriegs der US-Regierung von Präsident George W. Bush
Unfähigkeit vorgeworfen. Der ehemalige Sicherheitsberater Richard
Perle, der frühere Redenschreiber für Bush, David Frum, und
der Neokonservative und Ex-Unterhändler Kenneth Adelman
bezeichneten in Einzelinterviews mit dem US-Magazin "Vanity Fair"
(Dezemberausgabe) die Führung des Irak-Einsatzes unter Bush und
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als "inkompetent".
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 05.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertfünfundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.05.11.05 - El Kaida fordert Diplomaten im Irak zum Verlassen des Landes auf +++ Bei
Anschlägen und Angriffen von Aufständischen sterben
mindestens elf irakische Polizisten +++ Sieben Sicherheitsbeamte des
Innenministeriums im Irak getötet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511050.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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USA wollen Gefangene zum Schweigen über Verhörmethoden zwingen
So.05.11.06 - Die US-Regierung will es gefangenen mutmaßlichen Terroristen
verbieten, über ihre Behandlung bei Verhören zu sprechen.
Die in geheimen CIA-Gefängnissen angewendeten Methoden bei
Vernehmungen gehörten zu den wichtigsten zu schützenden
Geheimnissen auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit, heißt es
in einer gerichtlichen Eingabe des Justizministeriums, über die
die «Washington Post» am Samstag berichtete.
Danach argumentiert die Regierung im Einzelnen, dass eine
Enthüllung der Methoden «extrem schweren Schaden»
anrichten könne. So könnten Terroristen
«Gegentechniken» zu den Methoden lernen und dadurch die
Bemühungen der Regierung vereiteln, Informationen von ihnen zu
erhalten. Vor diesem Hintergrund müssten die Gefangenen auch daran
gehindert werden, mit ihren Anwälten über ihre Behandlung zu
sprechen.
Dem Zeitungsbericht zufolge stammt die Eingabe vom 26. Oktober und
wurde bei einem Bundesgericht in Washington eingereicht. Danach
reagierte die Regierung damit auf den Dringlichkeitsantrag eines
Anwalts, ihm Zugang zu seinem Mandanten Majid Khan zu gewähren.
Khan gehört zu den 14 mutmaßlichen Terroristen, die vor
kurzem aus geheimen CIA-Gefängnissen in das US-Lager
Guantánamo Bay (Kuba) verlegt wurden und von der Regierung als
besonders gefährlich eingestuft werden.
Nach Angaben des «Zentrums für Verfassungsrechte», das
den Anwalt mit Khans Vertretung beauftragt hat, wurde der Gefangene
während seines dreijährigen CIA-Gewahrsams Folter-Praktiken
ausgesetzt. Danach sollen Khan und Mithäftlinge unter anderem
gezwungen worden, verseuchtes Wasser zu trinken, das zu heftigem
Erbrechen geführt habe.
Wie die «Washington Post» weiter berichtet, argumentiert
die Regierung in ihrer Eingabe auch, dass die ehemaligen CIA-Gefangenen
kein automatisches Recht auf Kontakte zu Anwälten hätten.
Dabei wird auf ein kürzlich vom US-Kongress verabschiedetes Gesetz
verwiesen, dass den Häftlingen den Zugang zu US-Gerichten
verwehrt. Ein Bundesberufungsgericht prüft zur Zeit, ob diese
Maßnahme rechtens ist. Das Gesetz enthält auch Regelungen zu
den Verhörpraktiken. Danach ist Folter verboten, aber «harte
Methoden» sind zulässig. Was darunter zu verstehen ist, wird
in dem Gesetz nicht gesagt.
(Quelle: dpa)
UN-Beauftragter warnt vor Niederlage der NATO in Afghanistan
So.05.11.06 - Der Sonderbeauftragte der UN für Afghanistan, der Deutsche Tom
Koenigs, hat eindringlich vor einer militärischen Niederlage der
NATO in Afghanistan gewarnt. Man müsse in Deutschland unbedingt
bedenken, dass der Konflikt zwar nicht allein militärisch zu
gewinnen sei, dass die NATO aber auch nicht verlieren dürfe, sagte
Koenigs der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».
«Es muss eine gewaltige militärische Anstrengung gemacht
werden, um eine Niederlage zu verhindern», forderte Koenigs und
sprach sich dafür aus, dass deutsche Soldaten sich auch an der
bewaffneten ISAF-Truppe im Süden des Landes beteiligten.
Diplomatische und humanitäre Mittel allein reichten nicht aus. Der
Terror müsse auch militärisch gestoppt werden, denn sonst sei
das gesamte NATO-Bündnis absurd und für Friedenseinsätze
in der Dritten Welt nicht nutzbar.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Zuspitzung im Gazastreifen - 42 Palästinenser getötet
So.05.11.06 - Israelische Soldaten haben bei ihrem Einsatz gegen militante
Palästinenser im Norden des Gazastreifens nach Regierungsangaben
aus Gaza bisher 42 Menschen getötet. Mehr als 150
Palästinenser seien verletzt, teilte das palästinensische
Gesundheitsministerium am Samstag mit.
Die israelische Armee geht seit Mittwoch mit Luftangriffen und
Vorstößen von Bodentruppen verstärkt gegen militante
Gruppen vor, die Israel mit selbst gebauten Raketen beschießen.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas rief den
UN-Sicherheitsrat zum sofortigen Eingreifen auf.
Am Samstag hätten Soldaten sieben Palästinenser getötet,
darunter zwei ranghohe Milizenführer und mehrere Kämpfer der
radikal-islamischen Regierungspartei Hamas, verlautete aus
Polizeikreisen in Gaza. Die beiden Milizenführer seien für
die Produktion von Waffen zuständig gewesen. Zwei
Hamas-Kämpfer wurden am Samstag tödlich getroffen,
während sie eine Rakete auf Israel abschießen wollten. Bei
dem Militäreinsatz gab es seit Mittwoch aber auch mehrfach zivile
Opfer.
Die israelische Luftwaffe hatte am Vorabend eine Serie von
Luftangriffen begonnen. Nach palästinensischen Angaben wurden
dabei bis zum Samstagmittag mindestens 16 Angriffe geflogen. Sie
konzentrierten sich auf den Norden des Gazastreifens. Von dort feuern
bewaffnete Gruppen mehrerer palästinensischer Organisationen immer
wieder selbst gebaute Raketen vom Typ Kassam auf Israel ab. Seit
Mittwoch wurde das Feuer sogar noch verstärkt.
Wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa am Freitagabend
berichtete, forderte Abbas den Sicherheitsrat auf, die
«israelische Aggression» zu beenden. Das israelische
Verhalten könne zu einer weiteren Destabilisierung der gesamten
Nahostregion führen, sagte Abbas. Besorgt hatte sich auch
UN-Generalsekretär Kofi Annan geäußert.
Insgesamt waren bei den Militäroperationen in den
Palästinensergebieten allein am Freitag mindestens 18
Palästinenser getötet worden. Die heftigsten
Schießereien gab es am in Bet Hanun im Norden des Gazastreifens,
wo sich etwa 60 bewaffnete Palästinenser in einer Moschee
verschanzt hatten.
Die Eskalation gefährde Verhandlungen über einen
israelisch-palästinensischen Gefangenenaustausch, berichteten
palästinensische Medien am Samstag. Beteiligte wurden mit dem
Worten zitiert, die Verhandlungen könnten noch mindestens ein
halbes Jahr dauern. Militante Palästinenser unter Führung der
Hamas hatten im Juni den israelischen Soldaten Gilad Schalit in den
Gazastreifen verschleppt. Sie verlangen einen Austausch im Gegenzug
für die Freilassung hunderter Palästinenser.
(Quelle: dpa)
Panama vertritt Lateinamerika-Gruppe im UN-Sicherheitsrat
So.05.11.06 - Die Gruppe der lateinamerikanischen und Karibik-Staaten (GRULAC) hat
Panama als ihren künftigen Vertreter im UN-Sicherheitsrat bestimmt.
Das gab der brasilianische UN-Botschafter Ronaldo Mota Sardenberg nach
einem Treffen der 33 Staaten umfassenden Gruppe bekannt. Der Beschluss
sei einmütig gefasst worden und habe keiner Abstimmung bedurft,
berichtete Panamas Vertreter Ricardo Alberto Arias nach dem Treffen.
Der offizielle Beschluss soll in der UN-Generalversammlung am kommenden
Dienstag gefasst werden.
Panama wird Argentinien als GRULAC-Vertreter im Sicherheitsrat für
die Jahre 2007 und 2008 ablösen. Venezuela und Guatemala hatten am
Mittwoch nach 47 ergebnislosen Abstimmungen in der UN-Vollversammlung
ihre Kandidaturen für den Sitz Lateinamerikas im Sicherheitsrat
aufgegeben und sich auf Panama als Kompromisskandidat geeinigt. Die
beiden Staaten hatten wochenlang um den Sitz gerungen, aber keiner von
beiden hatte die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht. Vor allem
die USA hatten eine Mitgliedschaft des von ihrem Erzfeind Hugo
Chávez regierten Venezuela verhindern wollen und hatten deshalb
Guatemala unterstützt.
(Quelle: afp)
Tausende Türken demonstrieren für weltliche Staatsordnung
So.05.11.06 - Zur Verteidigung der weltlichen Staatsordnung in der Türkei sind
am Samstag in Ankara rund 12.000 Menschen auf die Straße
gegangen. «Die Türkei ist und bleibt säkular»,
riefen sie auf ihrem Marsch zum Mausoleum von Staatsgründer
Mustafa Kemal Atatürk. Der Demonstration schlossen sich mehr als
100 Gruppen und Verbände an, die sich gegen eine Islamisierung der
Politik stark machen oder nationalistische Ziele verfolgen.
Der ehemalige Chef der türkischen paramilitärischen Truppen,
General Sener Eruygur, warnte Ministerpräsident Recep Tayyip
Erdogan vor einer Nachfolge des 2007 aus dem Amt scheidenden
Staatschefs Ahmed Necdet Sezer. Erdogan steht einer islamisch
geprägten Regierung vor, der Staatspräsident gilt als Symbol
der strikten Trennung zwischen Staat und Kirche. Mit Blick auf die
EU-Forderungen an den Beitrittsbewerber Türkei, Minderheiten
größere kulturelle Rechte einzuräumen, rief Erugygur
die Demonstranten auf, sich gegen zu große Zugeständnisse zu
wehren.
(Quelle: ap)
Proteste zum 50. Jahrestag der Niederschlagung des Ungarn-Aufstands
So.05.11.06 - Zehntausende Ungarn haben am Samstagabend friedlich mit einem Marsch im
Kerzenschein in Budapest an die Niederschlagung des ungarischen
Volksaufstands durch sowjetische Truppen vor 50 Jahren erinnert. Die
Demonstration, zu der der oppositionelle Bürgerbund (Fidesz) des
früheren Regierungschefs Viktor Orban aufgerufen hatte, war
zugleich eine Protestkundgebung gegen die Regierung des sozialistischen
Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsany.
Die Opposition fordert den Rücktritt Gyurcsanys, nachdem dieser im
September eingestanden hatte, die Menschen vor der Parlamentswahl im
April über die wirtschaftliche Lage des Landes belogen zu haben.
Die Demonstrationen gegen die Regierung dauern seit dem 17. September
an. Die Regierungskritiker wollen an ihren Aktionen bis zu einem
Rücktritt des Ministerpräsidenten festhalten.
Die offiziellen Gedenkfeiern zum Jahrestag der Niederschlagung des
Volksaufstands endeten am Abend mit einer Kranzniederlegung der Staats-
und Regierungsspitze am Grabmal des unbekannten Soldaten. Anders als am
23. Oktober, als an den Beginn des Volksaufstands von 1956 erinnert
wurde, verliefen die Feiern am Samstag ohne Zwischenfälle. Vor
knapp zwei Wochen hatten hunderte Demonstranten die Feierlichkeiten
gestört. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein,
um die Menschen auseinanderzutreiben.
(Quelle: ap)
Demonstranten in London fordern Maßnahmen zum Klimaschutz
So.05.11.06 - Rund 20.000 Umweltaktivisten haben am Samstag bei Protestaktionen in
London von der britischen Regierung Maßnahmen zum Klimaschutz
gefordert. Anlass der Demonstrationen war der am Montag in Nairobi
beginnende Weltklimagipfel. Organisiert wurden die Proteste von einem
Aktionsbündnis mit dem Namen «Stoppt das Klimachaos».
Bei einer Kundgebung auf dem Trafalgar Square forderten die
Umweltschützer ein neues internationales Klimaabkommen, das an die
Stelle des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls treten soll.
(Quelle: ap)
Kohlendioxid-Konzentration erreichte 2005 Rekordwert
So.05.11.06 - Die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid hat im Jahr 2005
einen Rekordwert erreicht. Das berichtete die Weltwetterorganisation
(WMO) in Genf. Wenige Tage vor Beginn des Weltklimagipfels in Nairobi
teilten die Wetterforscher mit, dass die Konzentration des
klimaschädlichen Gases von 2004 auf 2005 erneut um ein halbes
Prozent gestiegen sei.
«Das geltende Kyoto-Protokoll wird nicht ausreichen, um diese
Konzentrationen zu stabilisieren, vielleicht wird es die Zunahme
bremsen», warnte der WMO-Chefwissenschaftler, Geir Braathen.
Gestiegen ist dem Report zufolge auch der Gehalt von Lachgas, dem so
genannten Distickstoff-Oxid (N2O), das ein weiteres sehr wirksames
Treibhausgas ist. Die Konzentration von Methan (CH4) blieb hingegen auf
hohem Niveau gleich.
Gemessen an den Werten, wie sie um das Jahr 1750 und damit vor der
Industrialisierung herrschten, ergeben sich demnach folgende
Steigerungen: Kohlendioxid (CO2) plus 35,4 Prozent, Lachgas plus 18,2
Prozent und Methan plus 154,7 Prozent. Gemeinsam sind diese drei Gase
für 88 Prozent des Treibhauseffektes verantwortlich, hieß es
bei der WMO weiter. Die Gase werden zum großen Teil beim
Verbrennen von Öl, Gas und Kohle frei.
Dem Bericht zufolge betrug die durchschnittlichen Konzentration von CO2
im Vorjahr 379,1 ppm (Teile pro Millionen Teile). Bei Methan waren es
1783 ppm, bei Lachgas 319,2. CO2 ist alleine für 62 Prozent der vom
Menschen verursachten Erderwärmung verantwortlich. Um das
Kohlendioxid wirklich zu reduzieren, müssten viel drastischere
Mittel ergriffen werden als bislang, ergänzte Braathen.
Unter anderem darüber wird vom 6. bis zum 17. November auf dem
Klima-Gipfel in Nairobi beraten. Dort sollen auch die Weichen gestellt
werden für die Zeit nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls im Jahr
2012. Laut Klimarat der Vereinten Nationen (IPCC, Intergovernmental
Panel on Climate Change) ist der größte Teil der
Erderwärmung in den vergangenen 50 Jahren auf von Menschen
gemachte Treibhausgase zurückzuführen. Die Substanzen halten
zunehmend die Sonnenenergie in der Atmosphäre - und damit auf der
Erde - zurück.
(Quelle: dpa)
Blair und Merkel wollen Allianz im Kampf gegen Klimawandel
So.05.11.06 - Deutschland und Großbritannien wollen eng beim Aufbau einer
internationalen Allianz im Kampf gegen Klimawandel und Erderwärmung
zusammenarbeiten.
Der britische Premierminister Tony Blair sagte nach einem Treffen mit
Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitagabend in London, er sehe eine
reale Chance auf einen Fortschritt bei dem Thema, wenn Deutschland 2007
die Präsidentschaft in der EU und der G8-Gruppe führender
Industrieländer übernehme. "Wir werden dabei jede uns
mögliche Unterstützung leisten." Merkel betonte, der Kampf
gegen den Klimawandel gehöre zu den wichtigsten Punkten der
deutschen Doppel-Präsidentschaft 2007.
Blair hofft, dass ein neuer Bericht die Weltgemeinschaft zum Handeln
anspornt. Darin hatte es geheißen, ohne Gegenmaßnahmen
könnte der Klimawandel eine Weltwirtschaftskrise auslösen, die
mit der in den 1930er Jahren vergleichbar wäre. Das
Kyoto-Protokoll, dass den Ausstoß von Treibhaus-Gasen
beschränken soll, läuft 2012 aus. Eine Nachfolgeregelung ist
nicht in Sicht. Blair sagte, jedes Nachfolge-Papier müsse die USA
einbeziehen, die das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet haben. Auch
müssten Schwellenländer wie Indien und China einbezogen werden.
US-Präsident George W. Bush war mit der Begründung aus dem
Kyoto-Prozess ausgestiegen, der Plan gefährde Arbeitsplätze in
den Vereinigten Staaten und nehme Entwicklungsländer nicht
ausreichend in die Pflicht.
Blair und Merkel hatten sich bereits zuletzt für ein Umsteuern in
der Klimapolitik ausgesprochen. Blair mahnt ein schnelles Handeln gegen
den Treibhauseffekt und verstärkte Anstrengungen gegen den
Ausstoß von Klimagasen an, die unter anderem aus Kohle- und
Ölkraftwerken sowie Autos kommen. Er setzt dabei auf eine
Kyoto-Nachfolgevereinbarung, über die ab kommender Woche auf einer
UN-Konferenz in Nairobi beraten wird. Teilnehmer halten einen Durchbruch
aber für unwahrscheinlich. Ein Zeitplan zur Ausarbeitung einer
Folgevereinbarung für das Kyoto-Protokoll wird nicht erwartet.
Nach Ansicht der UN sind Fortschritte aber dringend erforderlich. Das
gilt sowohl für die Verhandlungen zum weltweiten Klimaschutz als
auch bei der Hilfe für Entwicklungsländer, die mit mehr
Trockenperioden, Sturmfluten und steigenden Meeresspiegeln rechnen
müssen.
Der frühere Weltbank-Ökonom Nicholas Stern hatte jüngst
einen Bericht vorgelegt, in dem es hieß, Untätigkeit beim
Klima werde zu Katastrophen führen und die Erde könne sich in
den nächsten 100 Jahren um bis zu fünf Grad erwärmen.
Folgen wären verheerende Sturmfluten und extreme Dürren.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Merkel fordert Schaffung neuer Arbeitsplätze
So.05.11.06 - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Bürger und Unternehmer
aufgefordert, die positive Wirtschaftsentwicklung zu unterstützen.
Die Bundesregierung setze auf hoch qualifizierte Arbeitsplätze,
sagte die Kanzlerin am Samstag in ihrer wöchentlichen
Video-Botschaft. "Und wir fordern alle auf, die dazu einen Beitrag
leisten können, diesen Beitrag zu leisten." Sie werde am Dienstag
mit den Arbeitgebern auf deren Jahrestagung genau darüber sprechen.
"Wenn wir alle anpacken, wenn wir uns alle anstrengen, wenn wir alle an
die Zukunft denken und diesen Weg fortführen, dann kann
Deutschland wieder besser dastehen und auch eine Lokomotive für
Europa sein", sagte die Kanzlerin.
Die Arbeitslosigkeit war im Oktober auf den niedrigsten Stand seit vier
Jahren gesunken. Die gute Konjunktur sorgt zudem für deutlich
höhere Einnahmen an Steuern und Sozialbeiträgen. In diesem und
im kommenden Jahr können Bund, Länder und Gemeinden der
jüngsten Steuerschätzung zufolge mit knapp 40 Milliarden Euro
mehr Steuern rechnen als noch in der Mai-Schätzung vorhergesagt.
(Quelle: rtr)
Deutsche Bank will tausende Jobs nach Indien verlagern
So.05.11.06 - Die Deutsche Bank will einem Magazinbericht zufolge tausende
Arbeitsplätze nach Indien verlagern.
Wie der "Spiegel" am Samstag vorab unter Berufung auf interne
Bankunterlagen berichtete, sollen in den drei indischen
Tochtergesellschaften DNETS, DBOI und GMC bis 2007 mehr als 4000
Menschen arbeiten. Bereits in diesem Jahr solle die Zahl der Mitarbeiter
im Controlling und in der Wertpapierabwicklung in Bombay und Bangalore
auf 2200 von 350 steigen. Über ein Drittel aller Stellen in der
Abwicklung von Wertpapiergeschäften sollen dem Bericht zufolge
mittelfristig in Billiglohnländer ausgelagert werden.
Deutschlands größtes Geldhaus plant dem Magazin zufolge
außerdem, in China und der Türkei ins
Privatkundengeschäft einzusteigen. Die Deutsche Bank wollte den
Bericht am Samstag nicht kommentieren.
(Quelle: rtr)
Bundesregierung plant Steuer auf Jobverlagerung
So.05.11.06 - Die Bundesregierung plant im Zuge der Unternehmenssteuerreform eine
Steuer auf Jobverlagerungen und Know-how-Transfer ins Ausland. Das gehe
aus einem vertraulichen Entwurf für ein Verwaltungsschreiben des
Bundesfinanzministeriums an die Finanzbehörden der Länder
hervor, berichtete das Nachrichtenmagazin «Spiegel» am
Samstag vorab. Danach soll ein Unternehmen künftig «bei
Verlagerung der gesamten Produktion ins Ausland» Steuern zahlen.
Als weitere steuerrelevante Tatbestände listet das Schreiben unter
anderem die Ausleihe deutschen Personals in Niedrigsteuergebiete auf,
aber auch die Übertragung von Patenten und Produktionsverfahren an
Auslandstöchter, deren Kosten in Deutschland geltend gemacht
wurden, deren Erträge aber im Ausland günstiger versteuert
werden sollen.
Eine Sprecherin des Finanzministeriums bestätigte die Pläne
im Grundsatz, wandte sich aber gegen die Bezeichnung
«Strafsteuer». Es gehe um Anreize, dass Erlöse in
Deutschland versteuert würden. Es sei zudem «misslich»,
wenn für Patente Kosten in Deutschland geltend gemacht
würden, Erträge aber im Ausland versteuert würden.
«Dem muss der deutsche Fiskus entgegenwirken», sagte die
Sprecherin.<
(Quelle: ddp)
Wirtschaftsminister Glos will Kündigungsschutz deutlich reduzieren
So.05.11.06 - Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will das
Kündigungsrecht in Deutschland radikal umbauen, um die
Bereitschaft sowohl der Betriebe zu Einstellungen wie der Arbeitslosen
zur Arbeitsaufnahme zu erhöhen. Eine "deutliche Reduzierung des
Kündigungsschutzes" solle mit einer "zunächst guten, aber
dann deutlich degressiven finanziellen Absicherung bei
Arbeitslosigkeit" sowie sofortigen und nachhaltigen Anstrengungen zur
Reintegration verbunden werden, schrieb Glos in der "Welt am Sonntag".
Nachbarland Dänemark mache mit einem solchen Modell sehr gute
Erfahrungen.
Glos werde bei seinen Forderungen von Unionspolitikern
unterstützt, schrieb die Zeitung. "Das dänische Modell ist
überlegenwert", sagte der Vorsitzende des Parlamentskreises
Mittelstand, Michael Fuchs (CDU), der WamS: "Das Modell führt zu
weniger Arbeitslosigkeit als wir sie haben." Der jetzige
Kündigungsschutz sei zu starr. Es müsse erreicht werden, dass
sich weniger Menschen kurz arbeitslos meldeten, obwohl sie schon eine
neue Arbeit in Aussicht hätten. "Es wäre vorteilhaft im
ersten Monat der Arbeitslosigkeit kein Geld auszuzahlen, sagte Fuchs.
In Dänemark sind die Kündigungsfristen kurz, Abfindungen gibt
es nicht in dem Umfang wie in Deutschland, so die Zeitung. Arbeitslose
erhalten demnach bis zu vier Jahre lang maximal 90 Prozent ihres
zuletzt erhaltenen Lohns, müssen aber jede zugewiesene Arbeit oder
Ausbildungsangebote annehmen. Anderenfalls droht der Entzug des
Arbeitslosengeldes.
Der schleswig-holsteinische Arbeitsminister Uwe Döring (SPD)
dagegen kritisierte den Vorschlag als "Rosinenpickerei": Man müsse
das gesamte dänische System betrachten. Döring verwies auf
die dänische Philosophie nach dem Motto "Fördern statt
fordern". Eine Unternehmensteuerreform, Dialog und Konsens statt Kampf
zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften sowie ein großes Angebot
an Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen seien wichtige
Bausteine für das dänische Jobwunder, sagte Döring.
Für dänische Arbeitgeber sei es außerdem
"selbstverständlich, soziale Verantwortung in der Gesellschaft zu
übernehmen".
(Quelle: afp)
Grünes Licht für Personenkennziffer im Bundesrat
So.05.11.06 - Der Bundesrat hat dem Verordnungsentwurf der Bundesregierung zur
Einführung einer eindeutigen und dauerhaften Identifikationsnummer
für Besteuerungsverfahren mit einer kleinen formalen Änderung
zum Inkrafttreten der Regelung erwartungsgemäß zugestimmt.
Alle Bundesbürger vom Baby bis zum Greis erhalten demnach vom Juli
2007 an vom Bundeszentralamt für Steuern eine Personenkennziffer
zugeteilt. Die bislang dezentral geführten Datenbestände der
ungefähr 80 Millionen in Deutschland gemeldeten Personen aus rund
5500 Meldestellen werden demnach erstmals zentral bei der dem
Bundesfinanzministerium angegliederten Behörde
zusammengeführt. Ersetzt werden sollen gleichzeitig die noch von
Land zu Land verschieden angelegten bisherigen Steuernummern.
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Die neue Identifikationsnummer umfasst persönliche Daten wie Name,
Künstlername, Geschlecht, Geburtstagsdatum, Adresse oder
Doktorgrad. Der vorgesehene Probelauf für die Einrichtung der
dahinter stehenden umfassenden Datenbank kann mit dem Plazet der
Länderkammer nun in Bälde beginnen. Da erstmals alle
Meldedateien Deutschlands miteinander abgeglichen werden sollen,
erwartet die Bundesregierung einige Schwierigkeiten bei der
Zusammenführung der Datenbestände. Die Meldebehörden sind
angehalten, gemeinsam mit dem zentralen Steueramt sämtliche
"Unrichtigkeiten" in ihren Datenbeständen in Form von "Dubletten"
oder "Karteileichen" im Rahmen des Aufbaus des neuen Systems
aufzuklären.
Datenschützer sehen die Personenkennziffer, die dem Betroffenen
anders als die Personalausweisnummer lebenslang und noch über sein
Ableben hinaus angehaftet sowie mit umfangreicheren Datenbeständen
verknüpft werden soll, seit langem kritisch. Sie fürchten
einen Einstieg in die Totalerfassung der Bevölkerung. Private
Kommunikationspartner der Finanzbehörden wie Arbeitgeber oder
Auftraggeber der Steuerpflichtigen etwa könnten die ID zur
eindeutigen Zuordnung von Daten zu Steuervorgängen verwenden. Der
Gesetzgeber habe sich keine Gedanken darüber gemacht, wie die
Nutzung dieser Informationen im Wirtschaftsleben aufgehalten werden
soll.
(Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/80509)
Bundestagspräsident besorgt über Zweifel an der Demokratie
So.05.11.06 - Bundestagspräsident Norbert Lammert hat sich besorgt über die
wachsenden Zweifel der Deutschen an der Demokratie geäußert.
«Nehmt die Sache ernst», sagte er der «Welt am
Sonntag». In einer Umfrage hatte kürzlich erstmals eine
Mehrheit an der Demokratie als Staatsform gezweifelt. Der Befund sei
keineswegs eine bloße Momentaufnahme, sondern verdeutliche eine
Krise, die sich seit Jahren in rückläufigen Wahlbeteiligungen
und einem dramatischen Verlust der Bindungskraft der Volksparteien
zeige.
(Quelle: dpa)
Friedlicher Protest von Atomkraftgegnern in Biblis
So.05.11.06 - 300 bis 350 Atomkraftgegner haben sich am Samstag zu einer friedlichen
Demonstration gegen die geplante Laufzeitverlängerung des
Atomkraftwerks Biblis versammelt. Aus Sicht der Polizei verlief die
Veranstaltung «sehr ruhig und ohne besondere Vorkommnisse»,
wie eine Sprecherin mitteilte. Nach einem Zug von der katholischen
Kirche in Biblis zum Atomkraftwerk fand eine Abschlusskundgebung auf
einem nahe gelegenen Parkplatz statt. Die Behörde hatte die
Kundgebung am Werkstor aus Furcht vor Ausschreitungen abgelehnt. Die
Demonstranten beschränkten sich daher auf eine kurze Ansprache am
Tor und zogen danach auf Bitten der Polizei zum vorgesehenen
Versammlungspunkt weiter.
Der Vizepräsident des Trinationalen Atomschutzverbandes, Axel
Mayer, forderte bei der Kundgebung von Ministerpräsident Roland
Koch (CDU), die Laufzeitverlängerung doch nicht zu genehmigen.
Eine Laufzeitverlängerung bedeute ein großes atomares Risiko
für das ganze Land und einen Teil Zentraleuropas, zudem sei die
Lagerung des Atommülls zu unsicher.
Gleichzeitig appellierte Mayer an die Demonstranten, ihren eigenen
Energiebedarf zu drosseln. «Stromwechsel zu echten
Ökostromanbietern könnte unsere schärfste Waffe gegen
die Atomkonzerne sein», fügte er hinzu.
(Quelle: ddp)
Rund 3.500 Menschen protestieren in Bremen gegen NPD-Aufmarsch
So.05.11.06 - Bei Ausschreitungen im Zusammenhang mit einem Aufmarsch der
rechtsextremistischen NPD hat die Polizei in Bremen rund 200 Personen
vorübergehend in Gewahrsam genommen. Sieben Personen wurden wegen
Straftaten festgenommen. Fünf Polizisten sowie mehrere
Demonstranten wurden verletzt.
Rund 4.000 Menschen protestierten gegen einen Aufmarsch von etwa 100
Anhängern; nachdem etwa 400 gewaltbereite Gegendemonstranten eine
Absperrung der Polizei überrannt hatten, kam es zu den Festnahmen,
wie Polizeisprecher Heiner Melloh sagte. Der überwiegende Teil der
friedlich teilnehmenden Bürger habe sich deutlich von den
gewalttätigen Demonstranten abgesetzt.
Das Oberverwaltungsgericht Bremen hatte am Freitag entschieden, dass
der NPD-Aufmarsch eingeschränkt stattfinden dürfe. Zuvor
hatten die Stadt Bremen und die Polizei die Veranstaltung mit der
Begründung verboten, dass die Lage von der Polizei schwierig zu
kontrollieren sei. Schließlich setzte die Polizei laut Melloh
rund 2.500 Polizisten ein, darunter ein Dutzend Hundertschaften aus
anderen Bundesländern.
Zu der Gegendemonstration hatten zahlreiche Gruppen aufgerufen,
darunter DGB, SPD sowie verschiedene Bürger- und
Jugendinitiativen. Der Zug startete kurz nach 11.00 Uhr. Etwa 200 bis
300 gewaltbereite Autonome überrannten nach Mellohs Angabe eine
erste Polizeikette, dabei sei es auch zu Straftaten und
Körperverletzungen und infolge dessen zu Festnahmen gekommen. Vier
Polizisten wurden leicht verletzt. Spätere Absperrungen seien dann
mit Wasserwerfern verstärkt worden, die aber nicht zum Einsatz
gekommen seien. Der NPD-Aufmarsch setzte sich erst verspätet gegen
15.30 Uhr in Bewegung und durfte nur eine verkürzte Strecke
laufen. Gegen 16.30 Uhr lösten sich beide Demonstrationszüge
laut Melloh auf.
(Quelle: ap)
Bundestagsabgeordnete Akgün kritisiert muslimische Verbände
So.05.11.06 - Schwere Vorwürfe gegen Verbandsvertreter der Muslime in
Deutschland hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün gehoben.
Die Reaktionen auf die von der Grünen-Abgeordneten Ekin
Deligöz angestoßene Kopftuchdebatte hätten «uns
einen erschütternden Blick hinter die schöne Fassade der
islamischen Verbände gewährt», schreibt die
türkischstämmige Parlamentarierin in einem Beitrag für
die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung». Die Debatte
habe gezeigt, «wes Geistes Kind manche der Verbandsvertreter
sind, die noch vor kurzem geschniegelt und gestriegelt am Tisch der
Islamkonferenz des Innenministers saßen».
Die antidemokratischen Tendenzen sollten jetzt nicht aus lauter
Goodwill zum Dialog vergessen werden, betonte Akgün. «Dialog
der Politik mit dem Islam - ja», schreibt die SPD-Politikerin
weiter. Es müsse aber eine klare Grundlage geben. Denn
demokratische Werte seien nicht verhandelbar, auch nicht durch Druck
oder Einschüchterung.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Fundamentalismus befriedigt Allwissenheits-Wünsche
So.05.11.06 - Fundamentalismus befriedigt nach Ansicht des renommierten britischen
Psychoanalytikers Ronald Britton Wünsche nach Allwissenheit.
«Wer sich dem Fundamentalismus anschließt, darf sich im
Besitz des gesamten potenziellen Wissens und der Fähigkeit
wähnen, alles tun zu können, was getan werden muss»,
sagte Britton zur Eröffnung einer Internationalen Tagung zum 150.
Geburtstag von Sigmund Freud in der Frankfurt Universität.
«Nicht das, was jemand glaubt, entscheidet darüber, ob er
destruktiv wird oder nicht, sondern wie er glaubt», ergänzte
Britton. So werde das Geglaubte zu Wissen und das Gedachte zur Tatsache.
Der Fundamentalismus vertrete «immer ein absolutistisches
Glaubenssystem, legt die religiösen Texte wörtlich aus,
vertraut unerschütterlich auf ein Weiterleben nach dem Tode und
ist ein Feind der Körperlichkeit des diesseitigen Lebens».
Bei der Tagung mit dem Titel «Die Stimme des Intellekts ist
leise...» diskutieren rund 300 Wissenschaftler bis
einschließlich Sonntag über verschiedene Aspekte der
Psychoanalyse. Es solle demonstriert werden, «wie lebendig und
vielfältig die Psychoanalyse ist» und die Aktualität und
Zukunft Freuds auf dem gegenwärtigen Stand dokumentiert werden,
sagten die Organisatoren - neben dem Sigmund-Freud-Institut noch
mehrere andere psychoanalytische Institute und Stiftungen - vor der
Eröffnung.
In den Foren geht es unter anderem um von ihren Eltern misshandelte und
traumatisierte Kinder, um die Bedeutung des Vaters für Kinder sowie
um Psychoanalyse und Politik.
(Quelle: dpa)
Computer
Microsoft einigt sich mit Erzrivalen Novell auf Linux-Pakt
So.05.11.06 - In einem überraschenden Strategiewechsel hat der weltweit
größte Softwarekonzern Microsoft die Marktmacht des freien
Computer-Betriebssystems Linux akzeptiert. Microsoft-Chef Steve Ballmer
kündigte am Donnerstag (Ortszeit) in San Francisco eine umfassende
Vereinbarung mit dem einstigen Erzrivalen Novell an.
Novell ist einer der größten Anbieter von Linux. Im Rahmen
der Partnerschaft solle eine Technologie entwickelt werden, mit der die
konkurrierenden Computer-Betriebssysteme Linux und Windows gemeinsam auf
einem Rechner betrieben werden können.
«Ich erkenne zweifellos an, dass Linux eine wichtige Rolle im
Technologie-Mix unserer Kunden spielt», sagte Ballmer auf einer
Pressekonferenz. Microsoft werde allerdings weiterhin das eigene
Betriebssystem Windows im Vertrieb bevorzugen und die Integration von
Linux nur dann vornehmen, wenn der Kunde darauf bestehe. «Wir
bleiben Wettbewerber», sagte Ballmer.
Bislang war Microsoft Anbietern des freien Betriebssystems Linux
konsequent entgegen getreten und hatte in der Öffentlichkeit das
Linux-Prinzip der «Open Source Software» kritisiert. So
hatte Ballmer im Juni 2001 von Linux als
«Krebsgeschwür» gesprochen. Richard Sherlund, Analyst
von Goldman Sachs , sagte nach der aktuellen Ankündigung von
Ballmer: «Microsoft muss Linux nicht unbedingt lieben. Die
Technikchefs (der Microsoft-Kunden) wollen aber, dass Windows sich gut
mit Linux verträgt.»
Novell konkurriert als Hersteller von Computer-Betriebssystemen,
Anwender-Software und Netzwerklösungen seit den 80er Jahren mit
Microsoft. Im November 2003 übernahm Novell die Nürnberger
SuSE Linux AG, einen weltweit führenden Linux-Spezialisten, zum
Preis von 210 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2004 zahlte Microsoft 536
Millionen Dollar an Novell, um einen Kartellstreit beizulegen. Beide
Firmen streiten außerdem um Vorwürfe von Novell, Microsoft
habe in den neunziger Jahren die Vermarktung der Novell-Software
«WordPerfect» mit illegalen Mitteln behindert. Die
Novell-Aktie legte am Donnerstag um knapp 16 Prozent auf 6,79 Dollar zu.
Die Papiere von Microsoft gaben dagegen leicht um 4 Cent auf 28,77
Dollar nach.
In den Linux-Markt war Ende Oktober auch Microsoft-Wettbewerber Oracle
eingestiegen. Der zweitgrößte Softwarekonzern der Welt hatte
angekündigt, auf der technischen Basis von Red Hat Linux eigene
Linux-Dienstleistungen anzubieten.
(Quelle: dpa)