Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Saddam Hussein zum Tod durch den Strang verurteilt - Geheimdienste
sehen wachsende Anschlagsgefahr. US-Präsident Bush nennt
Saddam-Urteil 'Meilenstein' für den Irak. Weltweit Kritik an
Todesurteil. UN-Menschenrechtskommissarin für Aussetzen der
Todesstrafe im Irak
Mo.06.11.06 - Der frühere irakische Staatschef Saddam Hussein ist zum Tode
verurteilt worden. Ein Sondertribunal in der irakischen Hauptstadt
Bagdad befand den 69-Jährigen am Sonntag wegen eines Massakers an
Schiiten im Jahr 1982 für schuldig und entschied, dass er gehenkt
werden solle. Saddam Hussein nahm den Urteilsspruch sichtlich
erschüttert entgegen. Auch sein Halbbruder Barsan Ibrahim el
Tikriti und der frühere Vorsitzende des Revolutionsrates, Awad
Ahmed el Bandar, wurden zum Tode verurteilt.
Der irakische Ministerpräsident Nuri el Maliki nahm das
Todesurteil gegen Ex-Präsident Saddam Hussein mit Genugtuung auf.
Mit dem Richterspruch ende eine "finstere Ära in der Geschichte des
Landes", sagte Maliki im irakischen Fernsehen. "Das heutige Urteil
lässt den Familien von Dudschail und allen anderen, die unter dem
Diktator gelitten haben, Gerechtigkeit widerfahren", sagte der
schiitische Politiker weiter. Der Irak stehe nun vor einer neuen
Ära der "Demokratie und Freiheit".
Der Strafvollzug könnte sich um mehrere Monate hinauszögern,
da das Gericht nach einem Todesurteil automatisch ein Berufungsverfahren
einleitet. Das Berufungsverfahren beginnt am Montag.
Saddam Hussein weigerte sich zu Beginn der Sitzung, vor dem
Vorsitzenden Richter, Rauf Raschid Abdel Rahman, aufzustehen und musste
von Wachleuten dazu gezwungen werden. Während der Sitzung versuchte
der frühere Präsident unentwegt, den Richter mit
Zwischenrufen zu unterbrechen. Auch als Rahman die Todesstrafe gegen
Saddam Hussein, dessen Halbbruder und Bandar aussprach, schrie der
69-Jährige: "Lang lebe der Irak, Gott ist größer als der
Besatzer!" Mehrere Wachleute führten ihn aus dem Saal.
Einem weiteren der insgesamt acht Angeklagten, dem früheren
irakischen Vize-Präsidenten Taha Jassin Ramadan, erlegte das
Gericht eine lebenslange Gefängnisstrafe auf. Drei Angeklagte
verurteilte das Gericht zu 15 Jahren Haft, ein einziger wurde
freigesprochen. Die Angeklagten hatten sich wegen der Ermordung von 148
Schiiten aus dem Dorf Dudschail im Jahr 1982 verantworten müssen.
Mit dem Urteil ging ein Verfahren zu Ende, das vor gut einem Jahr
begonnen hatte. Saddam Hussein hatte den Irak von 1979 bis zum Sturz
durch die US-geführte Koalition im April 2003 regiert.
US-Präsident George W. Bush hat das Urteil gegen Saddam Hussein am
Sonntag als bedeutende Errungenschaft für die Demokratie im Irak
gewürdigt. Die Verurteilung sei «ein Meilenstein für
das Bestreben des irakischen Volks, die Herrschaft eines Tyrannen durch
die Herrschaft des Rechts zu ersetzen».
Das Urteil sei eine bedeutende Leistung für die junge Demokratie
des Iraks und seine verfassungsmäßige Regierung, sagte Bush
auf dem Flughafen von Waco in Texas, von wo aus er nach einem
Wochenende auf seiner Ranch zu einer Wahlkampftour aufbrach.
Bei einem Wahlkampfauftritt im Staat Nebraska erklärte Bush:
«Meine Entscheidung, Saddam Hussein zu entfernen, war richtig,
denn die Welt ist deshalb in einem besseren Zustand», sagte er
unter dem lauten Applaus seiner Anhänger.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, wies unterdessen
jegliche Spekulation als «absolut verrückt»
zurück, dass die Urteilsverkündung absichtlich zwei Tage vor
der US-Kongresswahl angesetzt worden sei, um Bush Republikanern einen
Vorteil zu verschaffen. Allerdings sollten sich die Wähler in den
USA ermutigt von dem Urteil fühlen. Die USA haben stets
bestritten, direkt an dem Prozess gegen Saddam Hussein beteiligt zu
sein.
Der Irakkrieg, der bislang das Leben von mehr als 2.800 amerikanischen
Soldaten gefordert hat, ist in den USA in den letzten Monaten immer
unpopulärer geworden und wurde zu einem wesentlichen Thema im
Wahlkampf.
Die Verurteilung des früheren irakischen Präsidenten Saddam
Hussein wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist weltweit
weitgehend begrüßt worden. Auf Kritik vor allem in Europa
und bei Menschenrechtsorganisationen stieß jedoch das
verhängte Todesurteil. Die finnische EU-Ratspräsidentschaft
forderte, auf eine Hinrichtung Saddam Husseins zu verzichten. Auch
Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich
skeptisch über die Todesstrafe.
Sie erklärte am Sonntagabend in Berlin aber gleichzeitig, es sei
richtig, dass Gerichte die Verbrechen Saddam Husseins aufarbeiteten.
Merkel bezog sich ausdrücklich auf die EU-Erklärung zu dem
Urteil. Auch die finnische Ratspräsidentschaft in Helsinki hatte
erklärt, die Union lehne die Todesstrafe «in allen
Fällen und unter allen Umständen ab», und sie
«sollte auch in diesem Fall nicht vollstreckt werden».
Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Louise Arbour, forderte
für Saddam Hussein ein faires Berufungsverfahren. Auch sie sprach
sich dafür aus, das Todesurteil nicht zu vollstrecken, auch wenn
es im Berufungsverfahren bestätigt werden sollte. Der Europarat
erklärte, es sei «nutzlos und falsch», den irakischen
Expräsidenten hinzurichten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty
International zweifelte, dass Saddam Hussein ein fairer Prozess zuteil
wurde.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat das
Todesurteil gegen Iraks Ex-Diktator Saddam Hussein und zwei seiner
Mitangeklagten kritisiert. Der Prozess gegen Saddam sei
«fehlerhaft» und «unfair» gewesen, hieß
es in einer am Sonntag in London verbreiteten Mitteilung.
Die Schweiz hält die Todesstrafe auch im Fall Saddam Husseins
nicht für vertretbar. Begrüßt wurde vom
Außenministerium in Bern in einer Stellungnahme, dass der Prozess
in erster Instanz trotz der Schwierigkeiten geführt und
abgeschlossen werden konnte. Der ehemalige irakische Präsident
Saddam Hussein habe für seine schweren Taten eine harte Strafe
verdient, aber eben nicht die Todesstrafe.
Das russische Außenministerium bezeichnete den Prozess gegen
Saddam Hussein und das Urteil als Angelegenheit der Iraker, die von
außen nicht kommentiert werden sollte.
Als politisches Verfahren, bei dem das Urteil von Anfang an
festgestanden habe, kritisierte Saddam Husseins ehemaliger Verteidiger
Siad al Chasauneh den Prozess. Damit solle die US-Besatzung legitimiert
werden, protestierte er.
Gerade der Richterspruch könne für die Amerikaner aber nun
zum Problem werden, warnte der angesehene muslimische Geistliche Vitaya
Wisethrat in Thailand. «Die Amerikaner stehen vor Zwischenwahlen,
also könnte Bush diesen Fall nutzen, um den Wählern zu sagen,
dass Saddam so gut wie tot ist und die Amerikaner sicher sind»,
sagte Wisethrat. Eine Hinrichtung bringe das amerikanische Volk jedoch
stärker in Gefahr, mahnte er. «Das Hängen von Saddam
Hussein wird für die Amerikaner zur Hölle werden.»
Das Todesurteil gegen den früheren irakischen Diktator Saddam
Hussein könnte nach Einschätzung der Geheimdienste auch
für Deutschland eine wachsende Anschlagsgefahr bedeuten. «In
erster Linie sind natürlich jetzt die Amerikaner wegen ihres immer
schlimmer ausufernden Krieges im Irak in Gefahr», sagte ein
Vertreter eines deutschen Nachrichtendienstes am Sonntag.
Aus Deutschland rekrutierten sich zahlreiche «Kämpfer»
für den Krieg gegen die US-Truppen im Irak. Aus dieser
«Gemengelage» heraus könnten sich mögliche
Attentäter wegen des Todesurteils gegen einen früheren
Führer eines Landes im arabischen Raum zu Attentaten auf deutsche
Ziele unter dem Motto «Rache für Hussein»
entschließen, war aus Sicherheitskreisen zu erfahren.
Erschwerend wird von den Geheimdiensten bewertet, dass Saddam zum Tod
durch Erhängen verurteilt wurde. Diese Hinrichtungsart gelte gerade
bei Arabern als «besonders ehrabschneidend». Auch dies
werde möglicherweise zu «Racheakten» nicht nur im Irak
und den Vereinigten Staaten, sondern auch in europäischen
Ländern führen. Saddam hatte erklärt, er wolle «in
Ehren und ohne Furcht durch Erschießen sterben, nicht wie ein
Krimineller durch Erhängen».
Der Ex-Diktator hatte aus seinem Gefängnis heraus seine Landsleute
ermahnt, den Krieg gegen Amerikaner, Briten und die jetzige Regierung
weiter zu verstärken. Gegen Saddam läuft noch ein zweiter
Prozess wegen Völkermordes an den Kurden. Nach der
Urteilsverkündung rief Saddam aus: «Es lebe das Volk»
und «Allahu akbar», «Gott ist groß» und
begann aus dem Koran zu rezitieren.
In Saddams Heimatstadt Tikrit demonstrierten laut Medienberichten trotz
der Ausgangssperre am Sonntag Hunderte seiner Anhänger gegen das
Todesurteil. In Bagdad seien dagegen nach der Verkündung des
Urteils Freudenschüsse zu hören gewesen.
Die Befürchtungen vor «Rache-Anschlägen» nicht
nur im Irak werden nach Ansicht der Geheimdienste auch aus der Tatsache
genährt, dass die Terrororganisation von Osama Bin Laden schon
lange im Irak «mitmischt». Der im Juni von der US-Luftwaffe
getötete irakische «Statthalter» von Bin Laden, Abu
Mussab al-Sarkawi, war im Zweistromland als «Osama Bin Laden
II.» tituliert worden.
Sarkawi hatte wie sein Vorbild Bin Laden dem Westen und insbesondere
den USA vorgeworfen, einen Kreuzzug gegen den Islam zu führen. Die
«heiligen islamischen Krieger werden die Ungläubigen
vernichten», war das Credo Sarkawis. «Auch hieraus
könnten den Deutschen als den engen Verbündeten der Amerikaner
erhebliche Gefahren entstehen», erläuterte ein
Geheimdienstler der Nachrichtenagentur ddp.
Aus Geheimdienstkreisen wurden darüber hinaus Befürchtungen
über das Schicksal der deutschen Soldaten in Afghanistan
geäußert. Seit geraumer Zeit würden «zunehmende
Verlagerungen» des Irak-Terrors an den Hindukusch registriert.
Durch den Irakkrieg sei eine neue Generation von extremistischen
Muslimen herangewachsen, die vom Irak nach Afghanistan
übergewechselt seien. Auch von diesen Kämpfern, die sich mit
den Taliban zusammengetan haben, könnten gegen die
Bundeswehrsoldaten «Racheakte für Saddam Hussein»
vorgenommen werden, hieß es in Geheimdiensten.
(Quellen: afp, ap, ddp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 06.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertsechsundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.06.11.05 - UN fordert USA zu Millionen-Rückzahlung an Irak auf +++ US-Truppen im
Irak starten Großoffensive nahe der Grenze zu Syrien +++ Bei
Angriffen von Aufständischen zwei US-Soldaten getötet. Seit
Kriegsbeginn verloren mindestens 2044 amerikanische Soldaten im Irak ihr
Leben +++ Sarkawi-Gruppe verkündet Hinrichtung von 15 irakischen
Soldaten +++ Britischer Ex-Botschafter: Irak-Krieg gab dem Terrorismus
Nahrung...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511060.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
|
Nahost-Konflikt
EU bedauert wachsende Zahl ziviler Opfer im Gazastreifen.
Palästinenser einigen sich prinzipiell auf Einheitsregierung
Mo.06.11.06 - Die Europäische Union ist durch die wachsenden Unruhen im
Gazastreifen "hochgradig beunruhigt". In einer Erklärung vom
Samstag hieß es, die finnische EU-Ratspräsidentschaft
bedauere die wachsende Zahl ziviler Opfer, die durch militärische
Operationen Israels verursacht würden. Das Recht aller Staaten zur
Selbstverteidigung rechtfertige nicht einen
unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt oder Aktionen,
die im Gegensatz zu internationalem Menschenrecht stünden. Zugleich
rief die EU die palästinensische Führung auf, die
terroristischen Aktivitäten zu einem Ende zu bringen. Dies
schließe Raketenbeschüsse des israelischen Territoriums ein.
Nach langem Ringen haben sich die radikalislamische Hamas-Bewegung von
Ministerpräsident Ismail Hanija und die Fatah von Präsident
Mahmud Abbas prinzipiell auf die Bildung einer palästinensischen
Einheitsregierung geeinigt. Wie ein Sprecher der Hamas in Gaza weiter
sagte, soll die neue Regierung nach einem Treffen zwischen Abbas und
Hanija in Gaza nominiert werden. Über die Haltung der Regierung
zur strittigen Frage der Anerkennung Israels, ist nichts bekannt. Die
Hamas lehnt dies ab, die Fatah ist dafür.
(Quellen: afp, dpa)
USA sprechen von 'Alternativen' für UN-Einsatz in Darfur
Mo.06.11.06 - Die USA halten ihre Forderung nach einem umgehenden UN-Einsatz in der
sudanesischen Krisenregion Darfur nicht mehr aufrecht. Washington und
andere westliche Regierungen würden nach "alternativen Wegen"
Ausschau halten, um der Gewalt in der Provinz zu begegnen, sagte der von
US-Präsident George W. Bush eingesetzte Sonderbeauftragte für
den Sudan, Andrew Natsios, am Freitag in Washington. Die Regierung
bestätigte damit erstmals, dass sie ihre bislang
unterstützende Haltung für die Darfur-Entschließung des
UN-Sicherheitsrat vom 31. Juli in Frage stellt.
(Quelle: afp)
Kabila nach Stichwahl zum Präsidentenamt im Kongo in Führung
Mo.06.11.06 - Amtsinhaber Joseph Kabila liegt nach der Stichwahl zum
Präsidentenamt im Kongo in Führung. Dies geht aus den ersten
Teilergebnissen hervor, die die Wahlkommission am Sonntag
veröffentlichte. Den Teilergebnissen liegt die Auszählung von
weniger als einer Million Stimmen der 25 Millionen registrierten
Wähler zugrunde. Demnach führte Kabila mit 68,5 Prozent vor
seinem Herausforderer, Vizepräsident Jean-Pierre Bemba, der auf
31,5 Prozent kam.
Sowohl Kabila als auch Bemba haben angekündigt, das Ergebnis der
ersten freien Wahl seit mehr als 40 Jahren in dem kriegszerstörten
zentralafrikanischen Land von der Größe Westeuropas zu
akzeptieren. Kabila ging als Favorit in die Stichwahl, die von einer
17.600 Soldaten starken UN-Truppe gesichert wurde. Deutschland ist im
Rahmen der EU-Einheit EUFOR mit 750 Mann vertreten. Kabila erhielt in
der ersten Runde am 30. Juli 45 Prozent der Stimmen. Bemba kam auf 20
Prozent. Das Endergebnis wird nicht vor dem 19. November erwartet.
(Quelle: ap)
China schließt Afrika-Verträge über 1,9 Milliarden
Dollar
Mo.06.11.06 - Chinesische Unternehmen haben am Sonntag Abkommen mit afrikanischen
Regierung und Firmen im Wert von rund 1,9 Milliarden Dollar (1,49
Milliarden Euro) vereinbart. Die 16 Verträge wurden zum Abschluss
einer Konferenz chinesischer und afrikanischer Unternehmer
unterzeichnet, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Die
Konferenz fand am Rande eines chinesischen Forums zur Verbesserung der
Beziehungen zu Afrika statt. An dem zweitägigen Forum nahmen die
Staatschefs von 35 der 53 Länder Afrikas sowie ranghohe Vertreter
von 13 weiteren Staaten teil.
China hat die am stärksten wachsende Wirtschaft der Welt und sucht
einen verstärkten Zugang zum afrikanischen Markt und auch den
Ölvorkommen in Afrika. Von 2000 bis 2005 hat sich der Handel
zwischen China und Afrika vervierfacht.
Die Führung in Peking sagte am Samstag mehrere Milliarden Dollar
an Krediten und Hilfsgeldern für Afrika zu. Staatspräsident Hu
Jintao versprach, die chinesische Hilfe für Afrika von 2006 bis
2009 zu verdoppeln. Hu kündigte zudem drei Milliarden Dollar (2,4
Milliarden Euro) in Krediten, zwei Milliarden Dollar (1,6 Milliarden
Euro) als Exportkredite und einen Fonds über fünf Milliarden
Dollar (3,9 Milliarden Euro) für chinesische Investitionen in
Afrika an.
(Quelle: ap)
Fast 3300 Menschen in elf Monaten in Sri Lanka getötet
Mo.06.11.06 - Im Unabhängigkeitskonflikt in Sri Lanka sind in den vergangenen
Monaten fast 3300 Menschen getötet worden. Seit dem Amtsantritt der
Regierung von Präsident Mahinda Rajapakse im November vergangenen
Jahres seien 860 Sicherheitskräfte und 549 Zivilisten ums Leben
gekommen, erklärte das Verteidigungsministerium in Colombo. Zudem
seien 1880 Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE)
getötet und 1303 weitere verletzt worden.
Für Sri Lanka war eigentlich vor vier Jahren ein Waffenstillstand
ausgehandelt worden; seit geraumer Zeit besteht dieser jedoch nur noch
auf dem Papier. In dem Konflikt um die Unabhängigkeit der
Tamilengebiete im Nordosten von Sri Lanka kamen seit 1972 mehr als
60.000 Menschen ums Leben.
(Quelle: afp)
Kampf gegen Massenmigration - Iberoamerikanischer Gipfel will
'Verpflichtung von Montevideo'
Mo.06.11.06 - Im Kampf gegen Massenmigration wollen sich 20 lateinamerikanische
Länder sowie Spanien und Portugal in einer «Verpflichtung von
Montevideo» auf eine entwicklungspolitische Strategie festlegen.
«Wir wollen Vereinbarungen, Verpflichtungen, politische
Koordination in einer Frage, die alle betrifft», sagte der
uruguayische Präsident Tabare Vazquez am Samstag. Kuba warf den
USA und der EU vor, weltweit die restriktivste Einwanderungspolitik zu
betreiben.
Der kubanische Vizepräsident Carlos Lage bezeichnete den von den
USA geplanten Ausbau ihrer Grenzsicherungsanlagen an der
mexikanischenGrenze als Beweis dafür, «dass die
Mächtigen diejenigen gering schätzen, die das nicht
sind». Der Exodus aus den Entwicklungsländern werde solange
andauern, wie eine neoliberale Wirtschaftspolitik vorherrsche, sagte
Lage.
Der mexikanische Präsident Vicente Fox bezeichnete den
US-Grenzzaun als eine Schande und verglich ihn mit der Berliner Mauer.
Die Barriere werde das Problem nicht lösen, sagte Fox. Der
bolivianische Präsident Evo Morales verwies darauf, dass es bei der
Kolonialisierung Südamerikas keine Barrieren gegeben habe.
«Früher, als die Migration von Norden nach Süden
verlief, gab es keine Mauern und Deportationen. Aber jetzt, wo sie von
Süden nach Norden geht, gibt es Mauern und Ausweisungen.»
Vazquez verwies darauf, dass 25 Millionen Südamerikaner
ausgewandert seien. «Das sind 13 Prozent der Weltbewegung von
Migranten und schätzungsweise 1,5 Millionen sind allein nach
Spanien gegangen», sagte er. Die «Verpflichtung von
Montevideo», mit einer Bekämpfung der Armut sowohl die legale
als auch illegale Massenauswanderung zu verringern, soll zum Abschluss
des iberoamerikanischen Gipfels am Sonntag verabschiedet werden.
UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte bei der Eröffnung der
Konferenz: «Die internationale Migration ist eines der
größten Themen unseres Jahrhunderts». «Es ist
eine neue Ära.» Der UN-Generalsekretär forderte die
Delegierten auf, über neue Wege zur Bekämpfung der Armut zu
sprechen, von der in Lateinamerika rund 230 Millionen Menschen betroffen
seien.
Ein Thema des zweitägigen Gipfels in Montevideo dürfte der
Bau eines umstrittenen Grenzzauns zwischen Mexiko und den USA sein.
Während eines Vorbereitungstreffens hatten sich die
Außenminister der Region tiefbesorgt über entsprechende
Pläne der amerikanischen Regierung geäußert. Ein solcher
Zaun fördere Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit,
erklärten sie. Die USA nehmen den größten Teil der
lateinamerikanischen Migranten auf.
(Quelle: ap)
Gigantischer Stromausfall in Kontinentaleuropa
Mo.06.11.06 - Ein gigantischer Stromausfall nach einer Störung im deutschen Netz
hat Millionen Menschen in Europa am Samstagabend im Dunkeln sitzen
lassen. Aus ungeklärter Ursache kam es nach 22.10 Uhr für eine
halbe Stunde zu Störungen in Teilen des
kontinentaleuropäischen Netzes, wie E.ON am Sonntag mitteilte.
Womöglich sei die planmäßige Abschaltung einer
Höchstspannungsleitung in Niedersachsen die Ursache. Allein in
Deutschland gingen bei Millionen Menschen die Lichter aus, auch
Frankreich, Österreich, Belgien, Italien und Spanien waren
betroffen.
Laut dem Energieunternehmen E.ON lösten Überlastungen im
nordwestdeutschen Netz die europäische Kettenreaktion aus. E.ON
Netz habe eine halbe Stunde vor dem Blackout planmäßig eine
Leitung über die Ems abgeschaltet, um die gefahrlose Durchfahrt
eines Schiffes zu ermöglichen. «Solche Abschaltungen sind in
der Vergangenheit bereits mehrfach problemlos erfolgt», hieß
es. Bislang sei unklar, wo und wodurch nach dieser Abschaltung die
akute Störung ausgelöst worden sei.
Durch die schnelle Zusammenarbeit der Netzbetreiber sei es gelungen,
das europäische Netz schon nach rund einer halben Stunde wieder zu
stabilisieren, erklärte E.ON. Der Sprecher des Kraftwerksbetreibers
RWE, Theo Horstmann, sagte der Nachrichtenagentur AP, nach seinen
Informationen seien in Deutschland lediglich Berlin, Brandenburg und
Mecklenburg-Vorpommern nicht von dem Stromausfall betroffen gewesen.
Die übrigen Regionen seien allerdings nicht flächendeckend
dunkel gewesen, sondern nur in bestimmten Bereichen. Allein im Bereich
von RWE Rhein-Ruhr seien rund eine Million Menschen ohne Strom gewesen.
Feuerwehr und Polizei berichteten von Tausenden Anrufen besorgter
Menschen, die fast die Einsatzleitstellen lahm legten. Der Stromausfall
bescherte auch Hunderten Zügen teils stundenlange
Verspätungen. Der Schwerpunkt der Störungen habe in der Nacht
in Berlin und Brandenburg gelegen, aber auch in Nordrhein-Westfalen und
Hessen seien Züge stehen geblieben, sagte Bahnsprecher Achim
Stauß. Im Nahverkehr habe es spürbare Auswirkungen mit
Verspätungen bei deutlich mehr als 100 Zügen gegeben. Im
Fernverkehr waren weniger Züge betroffen, aber die unfreiwilligen
Aufenthalte dauerten bis zu zwei Stunden.
RWE-Sprecher Horstmann machte eine Unterfrequenzstörung im
europäischen Verbundnetz verantwortlich, durch die verschiedene
Umspannstationen zum Schutz automatisch vom Netz gefallen seien.
«Gestern ist eine enorme Menge an Kraftwerksleistung
ausgefallen», erklärte er. Normalerweise sei die
Störungsquote im leistungsstarken europäischen Stromnetz
außerordentlich gering. Eigentlich könne das Netz ohne
größere Auswirkung den Ausfall von drei bis vier
Atomkraftwerken verkraften.
In Frankreich waren nach Angaben des Energieunternehmens RTE neben
insgesamt 15 Regionen auch Teile von Paris kurzzeitig ohne
Elektrizität, betroffen waren fünf Millionen Menschen. Ein
Sprecher des italienischen Stromversorgers Enel teilte mit, von dem
Ausfall seien die Regionen Piemont einschließlich Turins, Ligurien
einschließlich Genuas und Lecce in Pulien betroffen gewesen. In
Belgien blieb vor allem die Region um Antwerpen dunkel. Auch in
Österreich hatte die Panne Auswirkungen. Die Schweiz blieb dagegen
verschont.
Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi sprach sich als
Konsequenz für eine europäische Energie-Aufsichtsbehörde
aus. «Mein erster Eindruck ist, dass ein Widerspruch darin
besteht, europäische Stromverbindungen und keine europäische
Strombehörde zu haben», sagte Prodi am Sonntag.
(Quelle: ap)
Deutschland
Umweltminister Gabriel fordert Milliarden-Investitionen gegen
Klimawandel
Mo.06.11.06 - Mit Milliarden-Investitionen will Bundesumweltminister Sigmar Gabriel
den Kampf gegen den Klimawandel vorantreiben. «Wir müssen
mittelfristig ein Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts für
Klimaschutz ausgeben», sagte der SPD-Politiker vor dem am Montag
in Nairobi beginnenden Weltklimagipfel. Auch Kanzlerin Angela Merkel
sprach von einer der großen Herausforderungen des 21.
Jahrhunderts und kündigte ein verstärktes internationales
Engagement an.
Bei einem Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair sagte
die CDU-Vorsitzende in London, beide Länder wollten bei der
Entwicklung eines neuen Klimaschutzabkommens eng zusammenarbeiten. Das
Thema werde 2007 bei der deutschen Doppelpräsidentschaft in der EU
und G-8 eine wichtige Rolle spielen. Blair sagte, unter Merkels
Führung gebe es eine «wirkliche Gelegenheit, im kommenden
Jahr Fortschritte zu machen». Er sei zuversichtlich, dass auch
die USA sich vermehrt im Kampf gegen den Ausstoß von
Treibhausgasen engagierten.
Gabriel sieht in Deutschland allerdings noch einen enormen
Nachholbedarf in der öffentlichen Wahrnehmung des Problems: Viele
betrachteten den Klimaschutz nach wie vor als Gutmenschendiskussion.
Bis zum Jahr 2050 müsse der weltweite Ausstoß von
Treibhausgasen gegenüber 1990 mindestens halbiert werden, betonte
Gabriel. Für die Industrieländer bedeute das eine Reduktion
um 60 bis 80 Prozent. Dies müsse von der Staatengemeinschaft
verbindlich festgeschrieben werden.
Außerdem sprach sich Gabriel dafür aus, die so genannten
Verschmutzungsrechte für Energie erzeugende Konzerne künftig
zu versteigern statt zu verschenken. Der Erlös solle für
klimafreundliche Projekte genutzt werden, sagte der SPD-Politiker laut
Vorabmeldung in der ARD-Fernsehsendung «Bericht aus
Berlin». Die Unternehmenden dürften die entstehenden
Mehrkosten allerdings nicht den Stromkunden in Rechnung stellen, sagte
der Minister.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan verwies auf die wachsende
Bedeutung der Forschung, um den Klimawandel zu bremsen und die Folgen
von unvermeidbaren Klimaänderungen abzumildern. Dabei würden
die Leistungen von Wissenschaftlern aus Deutschland immer wichtiger,
erklärte die CDU-Politikerin. Klimaforschung sei eine Investition
in einen Zukunftsmarkt, der die Spitzenposition Deutschlands im Export
von Umwelttechnik stärke.
Auch der Chef des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, erwartet von der
Bundesregierung, dass sie die Klimapolitik vor allem in Europa intensiv
vorantreibt. «Denn wenn Europa nicht die bescheidenen Ziele
erreicht, die 1997 in Kyoto festgelegt wurden, dann sendet das ein
falsches Signal an die Entwicklungsländer», sagte Steiner
der «Berliner Zeitung».
Er erinnerte daran, dass es gelungen sei, die ozonschädlichen
Flurchlorkohlenwasserstoffe innerhalb von 20 Jahren zu 90 Prozent aus
der Welt zu schaffen. Das Bemühen um die Minimierung der
Kohlendioxid-Emissionen sei alternativlos, betonte Steiner: Der
CO2-Ausstoß zerstöre letztlich die Grundlagen für Leben
auf der Erde.
Die Grünen forderten einen europäischen Öko-Pakt nach
dem Vorbild des Stabilitäts- und Wachstumspaktes der
Europäischen Union. «In der Klimapolitik ist es bereits
12.00 Uhr. Die Trendwende schaffen wir nur, wenn wir uns verbindliche
Ziele setzen und Sanktionen bei Nichteinhaltung vereinbaren»,
sagte die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate
Künast, dem «Handelsblatt». Mit Freiwilligkeit dauere
es zu lange.
(Quelle: ap)
Gewerkschaften wollen Kampf gegen Sozialabbau in die Betriebe tragen
Mo.06.11.06 - Die Gewerkschaften wollen die Auseinandersetzung mit der
Bundesregierung um Sozialabbau jetzt in die Betriebe tragen. Das
kündigte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske am Wochenende in
Frankfurt am Main an. Am Dienstag soll darüber im
DGB-Bundesvorstand mit den anderen Einzelgewerkschaften beraten werden.
Bsirske warnte erneut vor der geplanten Mehrwertsteuererhöhung, die
zusammen mit der Entlastung der Wirtschaft bei der
Unternehmenssteuerreform auf eine Umverteilung zu Lasten von
Arbeitnehmern und sozial Schwachen hinauslaufe.
Mit den Protestaktionen in mehreren deutschen Städten vom 21.
Oktober sei es nicht getan, sagte er. Die Gewerkschaften wollten ihre
Proteste gegen die neoliberale Politik der Bundesregierung fortsetzen.
Sie richteten sich gegen die Rente mit 67, die Gesundheitsreform, die
Steuerpolitik der großen Koalition und gegen Armutslöhne.
Über konkrete Aktionsformen solle noch vor Ort sowie mit den
anderen DGB-Gewerkschaften beraten werden. Klar sei aber, dass der
Protest in die Betriebe getragen werde. Dafür seien vor allem
Betriebsversammlungen vorgesehen, aber auch das Aufsuchen von
Betriebsräten während der Arbeitszeit und die Befragung von
Beschäftigten.
Auch sollten Bundestagsabgeordnete in die Betriebe eingeladen werden,
um sich konkret über Niedriglöhne und absehbare
Rentenkürzungen zu informieren. Wer unter dem durchschnittlichen
Lohnniveau liege, müsse in Zukunft 40 Jahre arbeiten, um bei der
Rente den Sozialhilfesatz zu überschreiten, warnte der
Gewerkschafter. Und bei der Gesundheitsreform seien mit dem
eingeschlagenen Weg zur Kopfpauschale Leistungskürzungen absehbar.
Berechtigt seien auch die Warnungen vieler Experten vor schädlichen
Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung auf die Konjunktur. Die
gleichzeitige Entlastung der Unternehmen um 5 bis zu 16 Milliarden Euro
entspreche allein zwei der geplanten drei Prozentpunkte
Mehrwertsteuererhöhung.
Schließlich wollten die Gewerkschaften mit den Aktionen auch
ihren Kampf gegen Armutslöhne verstärken. Es sei nicht
einzusehen, dass sich Deutschland hier weiter von der EU abkopple, wo es
gesetzliche Mindestlöhne zwischen 7,01 Euro im eher armen Irland
und 8,63 Euro in Luxemburg gebe. Auch in Großbritannien
hätten die 1999 eingeführten Mindestlöhne von derzeit
7,83 Euro nicht zum vielfach befürchteten Abbau von
Arbeitsplätzen geführt. Die Hartz-IV-Regelung, wonach auch
Arbeitsstellen mit Einkommen von 30 Prozent unter dem ortsüblichen
Lohnniveau zumutbar seien, verschärfe das Problem noch. Derzeit
würden in Westdeutschland 20 und im Osten sogar 80 Prozent der
Arbeitnehmer mit unterdurchschnittlichen Löhnen abgespeist.
In der Diskussion über eine längere Bezugsdauer des
Arbeitslosengelds I für langjährige Beitragszahler ließ
Bsirske Sympathie für den entsprechenden Vorstoß des
nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen
Rüttgers (CDU) erkennen. Auch die Gewerkschaften seien in der
Diskussion über Hartz IV für eine längere Bezugsdauer
eingetreten, sagte er. Allerdings dürfe dies auf keinen Fall, wie
von einigen Unionspolitikern gefordert, mit einer Verkürzung der
Zahlung an jüngere Arbeitnehmer finanziert werden. Kein
Verständnis habe er für das strikte Nein der SPD zu der
längeren Bezugsdauer. Diese Haltung sei Ausdruck von
Desorientierung, offenbar sei die SPD da Opfer ihrer eigenen Ideologie,
sagte Bsirske.
(Quelle: ap)
Merkel und Müntefering wollen Sprachtests für alle Kinder
Mo.06.11.06 - Bei der Sprachförderung für Kinder sind sich die Spitzen der
großen Koalition einig: Nach Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach
sich nun auch der Bundesarbeitsminister und Vizekanzler Franz
Müntefering (SPD) für die Einführung von Sprachtests und
Pflichtkursen für deutsche und ausländische Kinder aus. Denn
zu viele Kinder kämen mit unzureichenden Deutschkenntnissen in die
Schule.
«Wir müssen den Kindern das Rückgrat für das ganze
Leben stärken, ihnen Wissen vermitteln», sagte
Müntefering der «Bild am Sonntag». «Ich bin
deshalb für die Einführung einer bundesweiten
Sprachprüfung für Kinder im Alter von vier bis fünf
Jahren. Wer noch nicht so weit ist, wird zum Förderkurs
verpflichtet.»
Ähnlich hatte sich Merkel vor einer Woche geäußert:
«Alle Kinder, ausländische wie deutsche, sollten nach meiner
Ansicht vor der Einschulung einen Sprachtest machen.» Wenn in
zweiter Generation - nicht nur in ausländischen Familien - Kinder
keine solide Ausbildung mehr machten, «bleiben sie doch von jeder
Entwicklung ausgeschlossen», sagte die Kanzlerin.
(Quelle: dpa)