Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertzweiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Hunderte US-Militärs setzen sich für Rückzug aus Irak
ein. Mindestens 17 Tote bei Selbstmordanschlag auf Café in
Bagdad. Saddam Hussein wieder wegen Kriegs gegen Kurden vor Gericht.
UN-Berichterstatter übt Kritik am Prozess gegen Saddam Hussein
Mi.08.11.06 - Mehrere hundert US-Militärs haben sich durch Unterzeichnung einer
Petition an den US-Kongress für einen Rückzug aus dem Irak
eingesetzt. Die Organisatoren wiesen darauf hin, dass sie die Petition
im Januar dem Kongress vorlegen wollen. Zugleich riefen sie dazu auf,
bis dahin weitere Unterschriften zu sammeln. Der Aufruf wird von
mehreren Anti-Kriegs-Organisationen mitgetragen.
"Als ein patriotischer Amerikaner, der stolz ist, seinem Land in
Uniform zu dienen, rufe ich meine politischen Vertreter im Kongress auf,
den unverzüglichen Rückzug aller amerikanischen Militärs
und Stützpunkte aus dem Irak zu unterstützen", heißt es
in dem Appell. "Im Irak zu bleiben, bringt nichts, es ist Zeit für
die US-Truppen, heimzukehren."
Bei einem Selbstmordanschlag in einem Café in Bagdad sind
mindestens 17 Menschen getötet worden. Wie Sicherheitskräfte
und Ärzte mitteilten, erlitten mindestens 20 Menschen
Verletzungen. Der Attentäter betrat das Kaffeehaus im
nördlichen Schiitenviertel Grejaat und sprengte sich inmitten der
Menschen in die Luft. Die Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht.
Es handelte sich um den ersten derartigen Bombenanschlag, seit ein
irakisches Sondergericht den früheren Staatschef Saddam Hussein am
Sonntag wegen der Tötung von 148 Schiiten aus dem Dorf Dudschail
in den 80er Jahren zum Tode durch den Strang verurteilt hatte. Die
Behörden hatten die vor der Urteilsverkündung verhängte
Ausgangssperre in Bagdad am Dienstagmorgen wieder aufgehoben.
Nach dem Sturz Saddams Husseins im Frühjahr 2003 durch
US-geführte Truppen ist das Land gespaltener als je zuvor.
Besonders Schiiten und Sunniten bekämpfen sich. Auch die
Regierungsbildung hatte sich monatelang hingezogen, unter anderem weil
sich Schiiten, Sunniten und Kurden nicht auf die Besetzung wichtiger
Posten einigen konnten.
Saddam Hussein hatte die verschiedenen Volksgruppen im Irak
während seines Prozesses wegen Völkermordes an den
nordirakischen Kurden am Dienstag zur Versöhnung aufgerufen. "Ich
appelliere an die Araber und Kurden im Irak, sich zu vergeben, zu
versöhnen und die Hände zu reichen", sagte er vor dem
Sondertribunal in Bagdad.
Zwei Tage nach dem Todesurteil gegen Saddam Hussein hat sich dieser am
Dienstag wieder wegen des Kriegs gegen die Kurden vor Gericht
verantworten müssen. Die Anklage lautet dabei auf Völkermord.
Bei der so genannten «Operation Anfal» wurden 1987/88 rund
180.000 Kurden getötet, die meisten waren Zivilisten. Am Sonntag
wurden Saddam Hussein und zwei Mitangeklagte wegen eines Massakers an
Schiiten 1982 zum Tod durch Erhängen verurteilt.
Der Prozess um die «Operation Anfal» wird so lange
weitergeführt, bis das Urteil im ersten Verfahren
rechtskräftig ist. Saddam Husseins Anwälte haben Berufung
gegen das Todesurteil angekündigt, das auch automatisch von einem
Gericht überprüft wird. Dessen Spruch wird Mitte Januar
erwartet.
Vollstreckt werden kann das Urteil aber erst, wenn es auch von
Staatspräsident Dschalal Talabani und seinen Stellvertretern
unterzeichnet wurde. Dies gilt als sicher, da auch der sunnitische
Vizepräsident Tarik al Haschmi sein Wort gegeben hat, einem
Todesurteil gegen Saddam Hussein zuzustimmen. Dies war Teil der
Abmachungen, nach denen er zum Vizepräsidenten gewählt wurde,
wie Zeugen der Verhandlungen damals berichteten.
Die iranische Regierung sprach sich am Montag nachdrücklich
für die Vollstreckung des «fairen, korrekten und rechtlichen
Urteils» gegen Saddam Hussein aus. «Er ist ein krimineller
Diktator», sagte Regierungssprecher Gholam Hossein Elham. Er hoffe
aber auch, dass Saddam Hussein weiter für seine anderen Verbrechen
zur Rechenschaft gezogen werde, so den Krieg gegen den Iran von 1980
bis 1988. Mehr als eine Million Menschen starben dabei auf beiden
Seiten. Der iranische Rundfunk hatte am Sonntag sein Programm wegen des
Todesurteils unterbrochen.
Der UN-Berichterstatter für die Unabhängigkeit von Richtern,
Leandro Despouy, hat den mit einem Todesurteil abgeschlossenen Prozess
gegen den früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein
kritisiert. Der Prozess habe "nicht den internationalen Prinzipien der
Menschenrechte, insbesondere hinsichtlich des Rechts auf ein
unabhängiges und unparteiisches Gericht" entsprochen, erklärte
Despouy am Montag in Genf. Saddam Hussein müsse vor ein
internationales Gericht gestellt werden, das ihm alle Garantien
entsprechend den Grundsätzen der Vereinten Nationen gewähre.
Offenbar als Zugeständnis an die Sunniten will die irakische
Regierung ehemaligen Funktionären der inzwischen verbotenen
Baath-Partei von Saddam Hussein die Rückkehr in ihre alten Berufe
erleichtern. Die so genannte Nationale Kommission zur Entbaathifizierung
hat nach Angaben ihres Direktors Ali al Lami vom Montag einen
entsprechenden Gesetzentwurf ausgearbeitet, der demnächst dem
Parlament vorgelegt werden soll.
Der Schritt, von dem mehrere tausend Funktionäre der ehemaligen
Regierungspartei betroffen sein könnten, gilt als wichtiges
Zugeständnis der neuen, von Schiiten dominierten Regierung an die
meist sunnitischen früheren Gefolgsleute Saddams. Die USA hatten
die Baath-Partei im Mai 2003, einen Monat nach dem Sturz Saddam
Husseins, aufgelöst. Später hatten die US-Truppen aber ihre
Haltung gelockert und ehemalige ranghohe Offiziere der aufgelösten
Streitkräfte in die neu gebildeten Sicherheitskräfte
aufgenommen. Auch mehreren tausend Lehrern, die der Baath-Partei
angehört hatten, wurde die Rückkehr an ihre Arbeitsplätze
gestattet.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 08.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertachtundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.08.11.05 - USA planen Umgruppierung ihrer Truppen +++ El-Kaida stellt US-Armee
Ultimatium und droht mit Chaos +++ Neun Tote bei Selbstmordanschlag in
Bagdad +++ Vier US-Soldaten getötet +++ Bush-Regierung verhindert
Strafverfolgung von Folterern...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511080.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost-Konflikt
Israelische Truppen beenden Offensive im nördlichen Gazastreifen
Mi.08.11.06 - Die israelische Armee hat ihre Militäroffensive im nördlichen
Gazastreifen, bei der seit Anfang November 56 Palästinenser und ein
israelischer Soldat getötet wurden, beendet. In der Nacht zogen
sich die gepanzerten Verbände aus der grenznahen Stadt Beit Hanun
zurück. Die Einheiten hätten ihren "Auftrag erledigt", sagte
ein Militärsprecher. Mehrere Dutzend Palästinenser, die
für Raketenangriffe auf den Norden Israels verantwortlich gemacht
wurden, wurden von der israelischen Armee festgenommen.
Während der knapp einwöchigen Offensive wurden nach Angaben
eines Militärsprechers mehrere Dutzend Palästinenser bei
Feuergefechten und Luftangriffen getötet. "Unsere Einheiten haben
neun Kommandos angegriffen, die Raketen auf israelisches Gebiet abfeuern
wollten." Im Laufe des Tages waren fünf Palästinenser durch
israelischen Beschuss aus der Luft und am Boden getötet worden,
eine palästinensische Selbstmordattentäterin hatte sich in
Beit Hanun in die Luft gesprengt und dabei einen israelischen Soldaten
verletzt.
Nach einem Gespräch mit dem derzeitigen Vorsitzenden des
UN-Sicherheitsrats, dem Peruaner Jorge Voto-Bernales, forderte der
Palästinenservertreter Riad Mansur die Stationierung von
UN-Beobachtern an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel. Die
UN-Beobachter könnten eine Waffenpause kontrollieren, sagte Mansur.
Der Raketenbeschuss auf israelisches Gebiet kam auch während der
Offensive der israelischen Streitkräfte nicht vollständig zum
Erliegen.
Das Weiße Haus kündigte an, US-Präsident George W. Bush
werde am 13. November den israelischen Ministerpräsidenten Ehud
Olmert empfangen, der sich zuletzt am 23. Mai in Washington aufhielt.
Bei dem Treffen werde es um die "starken bilateralen Beziehungen" sowie
um zahlreiche aktuelle Fragen der internationalen Politik gehen,
kündigte Bushs Sprecher Tony Snow an.
(Quelle: afp)
US-Kongresswahl: Demokraten jagen Republikanern 15 Mandate im
Repräsentantenhaus ab
Mi.08.11.06 - 05:27 Uhr - Die Demokraten haben bei der US-Kongresswahl den
Republikanern die für eine Mehrheit im Repräsentantenhaus
theoretisch notwendige Zahl von 15 Mandaten abgejagt. Dieser Zugewinn
würde für eine Mehrheit in der Abgeordnetenkammer ausreichen,
falls die Demokraten alle ihre bisherigen Sitze behalten oder die Zahl
der Mandate weiter ausbauen könnten. Damit würde die seit
zwölf Jahren andauernde Mehrheit der Republikaner im
Repräsentantenhaus gebrochen. Die Fraktionsvorsitzende der
Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, würde damit
zur ersten Präsidentin der Kammer in der Geschichte der USA.
«Wir stehen an der Schwelle zu einem großen Sieg der
Demokraten», sagte die Kalifornierin.
(Quelle: ap)
Der US-Kongress und seine Aufgaben
Im Mittelpunkt der Wahlen stand der Kongress. Der für die
Gesetzgebung und die Kontrolle von Präsident und Regierung
zuständige Kongress besteht aus zwei Kammern: dem
Repräsentantenhaus (Abgeordnetenhaus) und dem Senat.
In jedem der 50 US-Bundesstaaten werden jeweils zwei Senatoren für
sechs Jahre gewählt - alle zwei Jahre muss sich jeweils ein Drittel
der Senatoren den Wählern stellen. Der Senat mit seinen 100
Mitgliedern muss - neben seinen gesetzgeberischen Aufgaben - auch bei
der Besetzung von Regierungs- und anderen Bundesämtern die vom
Präsidenten vorgeschlagenen Kandidaten genehmigen.
Im Abgeordnetenhaus mit seinen 435 Sitzen sind die verschiedenen
US-Bundesstaaten gemäß ihrer Bevölkerungszahl
repräsentiert. Die Abgeordneten werden jeweils für zwei Jahre
gewählt. Bundesgesetze müssen von beiden Häusern
gebilligt werden. Im Fall gegensätzlicher Auffassungen wird
häufig ein Kompromiss im Vermittlungsausschuss der beiden Kammern
gefunden.
Quelle: dpa, 07.11.2006
Die Republikanische Partei
Die republikanische Partei ist eine konservative Partei, die aber von
verschiedenen, teilweise kontroversen Strömungen geprägt wird.
Unter US-Präsident George W. Bush wurde sie lange vom
neokonservativen Flügel geprägt, der für eine offensive
US-Außenpolitik und Regimewechsel in Diktaturen sowie niedrigere
Steuern steht.
Die Republikanische Partei wurde 1854 von Gegnern der Sklaverei
gegründet. Schon sechs Jahre später zog ihr Kandidat Abraham
Lincoln ins Weiße Haus ein. Mit Lincoln, der während des
Bürgerkriegs regierte, begann eine Glanzzeit für die
Republikaner. Als Partei mit patriotischem Image stellte sie zwischen
1860 und 1932 insgesamt 56 Jahre lang den Präsidenten.
Umso tiefer und traumatischer war der Fall. Als 1929 die
Weltwirtschaftskrise begann, wurden die Republikaner für die Misere
verantwortlich gemacht. Bei den Wahlen 1936 gewann der Republikaner
Alfred Landon in nur zwei US-Staaten. Der Partei gelang erst langsam
ein Comeback. Sie erreichte zwischen 1932 und 2004 bei 19 Wahlen
immerhin neun Mal den Einzug ins Weiße Haus.
Republikanische Präsidenten wurden häufig mit großen
Mehrheiten gewählt. So gelang 1952 dem Kriegshelden Dwight D.
Eisenhower ein überwältigender Sieg, und auch Richard M. Nixon
schlug bei seiner Wiederwahl 1972 seinen Gegner um Längen. Nach
dem Watergate-Desaster und einer vierjährigen Präsidentschaft
des Demokraten Jimmy Carter sorgte der Republikaner Ronald Reagan 1980
und 1984 wieder für zwei spektakuläre Wahlerfolge.
Symbol der Republikaner ist der Elefant. Es geht auf eine Zeichnung des
Cartoonisten Thomas Nast von 1874 in der Zeitschrift «Harpers
Weekly» zurück. Sie zeigt einen Dickhäuter, der die
Aufschrift «Das republikanische Votum» trägt und dabei
ist, in einen Sumpf aus Inflation und Chaos zu stürzen. Für
die Republikaner symbolisiert er Stärke und Intelligenz.
Quelle: dpa, 07.11.2006
Die Demokratische Partei der USA
Die demokratische Partei in den USA ist traditionell von liberalen und
sozialdemokratischen Ideen geprägt, gibt sich aber auch betont
patriotisch. Die Demokraten unterscheiden sich von den Republikanern vor
allem in ihrer Auffassung von Rolle des Staates.
Dieser soll aus demokratischer Sicht stärker für eine soziale
Grundversorgung einstehen, toleranter mit Minderheiten umgehen und sich
außenpolitisch stärker multilateral ausrichten.
Die Partei wurde vor über 200 Jahren gegründet und ist damit
die älteste politische Organisation der USA. Ihre Ursprünge
gehen auf Thomas Jeffersons «Democratic Republican Party»
von 1792 zurück. 1854 kam es im Streit um die Sklaverei zur
Spaltung, der 1860 die Wahl des Republikaners Abraham Lincoln folgte.
Der Esel als Parteisymbol geht auf das Jahr 1828 zurück, als der
spätere Präsident Andrew Jackson von seinen Gegnern als
«Esel» beschimpft wurde. 1837 erschien die erste Karikatur,
die das Tier als Parteisymbol führte. Die Farbe der Demokraten ist
Blau.
Zu den bekanntesten Vertretern der Partei gehörte Franklin D.
Roosevelt, der von 1933 bis zu seinem Tod 1945 als Präsident
regierte. Mit seinem Namen ist die moderne Sozialgesetzgebung des Landes
verknüpft. Weitere Präsidenten der Partei seit 1960: John F.
Kennedy, Lyndon B. Johnson, Jimmy Carter und Bill Clinton.
Quelle: dpa, 07.11.2006
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Sandinist Ortega gewinnt Präsidentenwahl in Nicaragua
Mi.08.11.06 - Der frühere Marxist Daniel Ortega hat die Präsidentenwahl in
Nicaragua gewonnen. Er lag nach Auszählung von 91 Prozent der
Stimmen mit 38 Prozent klar vor dem liberalen Kandidaten Eduardo
Montealegre in Führung, der auf 29 Prozent kam. Montealegre
räumte am Dienstag (Ortszeit) seine Niederlage ein. Ortega
kündigte an, die Armut in dem mittelamerikanischen Land
bekämpfen und das Vertrauen von Investoren gewinnen zu wollen.
Ortegas Anhänger strömten auf die Straßen und feierten
seinen Wahlsieg.
Die USA hatten in den 80er Jahren die Contra-Rebellen in dem
mittelamerikanischen Land und damit den Kampf gegen die Sandisten
unterstützt. Washington befürchtet, dass Ortega nach seinem
Wahlsieg eine enge Partnerschaft mit dem linksgerichteten
venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez eingehen könnte.
Chavez begrüßte den Wahlsieg Ortegas. «Lateinamerika
hört ein für alle Mal auf, der Hinterhof des US-Imperialismus
zu sein», sagte er am Dienstag in Venezuela.
(Quelle: ap)
150.000 Flüchtlinge sitzen auf Weg nach Europa in Afrika fest
Mi.08.11.06 - Erstmals hat eine internationale Hilfsorganisation eine Schätzung
über die Zahl schwarzafrikanischer Flüchtlinge
veröffentlicht, die auf dem Weg nach Europa festsitzen und auch den
Weg zurück in die Heimat nicht mehr aus eigenen Mitteln
bewältigen können. Wie die italienische
Nichtregierungsorganisation Comitato Internazionale per lo Sviluppo dei
Popoli (CISP) am Montag in Bamako mitteilte, befinden sich mehr als
150.000 Flüchtlinge aus Staaten südlich der Sahara in Niger,
Mali, Mauretanien, Algerien und Marokko in dieser Notsituation. "Sie
haben praktisch keine Chance mehr, ihren europäischen Traum zu
verwirklichen", sagte die CISP-Koordinatorin Evelyne Tifrit der
Nachrichtenagentur AFP. "Aber sie haben auch keine Mittel, um in ihre
Herkunftsländer zurückzukehren."
(Quelle: afp)
Türkei-Frage sorgt in Deutschland für neuen Koalitionsstreit
Mi.08.11.06 - Kurz vor Veröffentlichung des Türkei-Berichts der EU ist in
der großen Koalition ein neuer Streit über die
Beitrittsverhandlungen der Europäischen Union mit Ankara
ausgebrochen.
Vor allem die CSU verlangt ein Einfrieren der Gespräche wegen der
fehlenden türkischen Anerkennung Zyperns und der Mängel im
Reformprozess des Landes. Für den SPD-Vorsitzenden Kurt Beck
wäre ein solcher Schritt ein «schwerwiegender Fehler».
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der amtierende EU-
Ratspräsident Matti Vanhanen vereinbarten am Dienstag in Berlin
einen neuen Anlauf, um die Türkei bis Ende Dezember zur
Ratifizierung des Ankara-Abkommens doch noch für eine Zollunion
auch mit dem EU- Mitglied Zypern zu bewegen. Ankara erkennt Zypern
bislang nicht an. Die EU-Kommission veröffentlicht an diesem
Mittwoch ihre Empfehlungen für den Fortgang der
Türkei-Gespräche, die sehr kritisch ausfallen werden.
Abschließend wird darüber der EU-Dezember-Gipfel entscheiden.
Merkel sagte: «Wir wollen eine Lösung. Wir wollen nicht,
dass es hier zu einem Konflikt kommt.» Die finnischen
Kompromissvorschläge zum Zypern-Problem seien ein
«wirkliches Fenster». Vanhanen äußerte sich
vorsichtig optimistisch zu den Chancen, die Türkei im Streit um
die De-facto-Anerkennung des EU-Mitglieds Zypern bis zum Dezember doch
noch zum Einlenken zu bewegen. «Wir haben genug Zeit, um eine
Lösung zu finden», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Die
EU werde «hart» an einer Beilegung des Streits arbeiten.
Der finnische Vorschlag sieht vor, dass die türkischen Truppen aus
der ostzyprischen Stadt Famagusta abziehen und diese den UN
übergeben wird.
In dem «Fortschrittsbericht» der EU über die seit 13
Monaten laufenden und auf bis zu 15 Jahre angelegten
Türkei-Verhandlungen kritisiert EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn
ein Nachlassen der Reformbemühungen der türkischen Regierung.
Ankara müsse erhebliche Anstrengungen unternehmen, um sich den
demokratischen und rechtstaatlichen EU-Standards anzunähern.
Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber sprach in
München von einem «eklatanten Vertragsbruch» der
Türkei gegenüber dem EU-Mitglied Zypern. Es gehe nicht an,
dass man weiter mit einem Land verhandele, das ein Mitglied der
EU-Familie völkerrechtlich nicht anerkenne. In dieser Frage gebe
es einen «klaren Auffassungsunterschied» zur SPD.
Der SPD-Vorsitzende Beck sagte der dpa: «Wir sind in den
Verhandlungen am Anfang und nicht am Ende eines Weges, der darüber
entscheiden wird, ob die Türkei Mitglied werden kann.» Beck:
«Wir reden über Etappen, und wenn die nicht erreicht sind,
muss man sich weiter bemühen, sie zu erreichen.» Von
Sanktionen gegen die Türkei hält Beck nichts: «Wir sind
in einer Phase des Redens und nicht des Sanktionierens.» Auch
SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte: «Für die SPD ist klar,
dass die Türkei in 10 bis 15 Jahren EU-Mitglied sein wird.»
Zum Streit in der Koalition betonte Merkel, die gegen eine
Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU ist, der Koalitionsvertrag
mit der SPD werde eingehalten. Er sehe im Ergebnis offene
Beitrittsverhandlungen mit Ankara vor. Der Zypern-Streit sei keine
Frage, «an der wir die Konflikte eskalieren lassen sollten».
Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) versuchte, den
Streit zu dämpfen. Er sagte der «Bild»-Zeitung:
«Die Botschaft lautet: Trotz Fortschritte sind in der Türkei
noch erhebliche Reformanstrengungen nötig. Klar ist aber auch: Wir
wollen den Erfolg der Verhandlungen.»
(Quelle: dpa)
Koalition bei Top-Managern unten durch
Mi.08.11.06 - Die große Koalition ist bei den Top-Managern unten durch, und
auch das Ansehen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat schwer
gelitten. Nach dem am Dienstag in Berlin vorgestellten aktuellen
«Capital-Elite-Panel» zeigten sich 77 Prozent der Bosse aus
Wirtschaft und Politik von der Arbeit der Koalition enttäuscht, das
sind zehn Prozentpunkte mehr als im Juli und 49 Punkte mehr als im
März 2006. Nur noch 38 Prozent der Führungsspitzen insgesamt
und ein Drittel der Wirtschaftskapitäne halten Merkel für eine
starke Kanzlerin, vor vier Monaten waren es noch 57 Prozent.
84 Prozent der Top-Entscheider konnten in der schwarz-roten Politik
keine klare Linie erkennen, 65 Prozent vertraten die Auffassung, dass
die Politik derzeit «ratlos» ist. Dabei gilt für die
Elite inzwischen die SPD als die bestimmende Kraft in der großen
Koalition (56 Prozent), ganze 13 Prozent sahen die Union am Drücker.
«Die Wirtschaft hat von einer CDU-geführten Regierung sehr
viel erwartet», erläuterte Allensbach-Chefin Renate
Köcher die Ergebnisse der Umfrage unter 637 repräsentativ
ausgewählten Führungsspitzen. Nun sei eine «Phase der
Ernüchterung» eingetreten. Ausdruck dafür sei auch die
wachsende Entfremdung zwischen Wirtschaft und Politik. Während sich
50 Prozent der Politik-Elite mit der Wirtschaftspolitik der
großen Koalition «im Großen und Ganzen
zufrieden» zeigten, waren dies bei den Unternehmenslenkern nur 22
Prozent.
In der Umfrage für die Zeitschrift «Capital» erhielt
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die besten Noten aller
Minister im Kabinett Merkel. 95 Prozent der Befragten meinten,
Steinmeier mache eine gute Arbeit, ein neuer Spitzenwert im
«Elite-Panel». Mit einem Plus von 16 Punkten auf 88 Prozent
kam Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) auf Platz zwei.
«Für einen Finanzminister eine ganz ungewöhnliche
Bewertung», betonte Köcher. Deutliche Zuwächse gab es
auch für Innenminister Wolfgang Schäuble und
Familienministerin Ursula von der Leyen (beide CDU), Vizekanzler Franz
Müntefering (SPD) musste dagegen Einbußen hinnehmen.
(Quelle: ddp)
Entschiedene Merkel-Absage an Mindestlohn
Mi.08.11.06 - Knapp ein Jahr nach der Regierungsübernahme wollen SPD und Union
den Reformkurs entschlossen fortsetzen und die Staatsfinanzen sanieren.
«Wir werden vor dem Lobbyismus in Deutschland nicht
einknicken», sagte SPD-Chef Kurt Beck am Dienstag auf dem
Arbeitgebertag in Berlin.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte vor mehr als 1000
Unternehmern, dass die Koalition die sprudelnden Steuermilliarden in
erster Linie zur Haushaltssanierung nutzen werde. Einem von
Gewerkschaften und Teilen der SPD geforderten bundeseinheitlichen
Mindestlohn erteilte die Kanzlerin eine klare Absage.
«Es wird keinen flächendeckenden, einheitlichen Mindestlohn
geben», sagte Merkel. Die Diskussion könne in dieser
Legislaturperiode «zu den Akten gelegt werden».
Gewerkschaften und Teile der SPD wollen in allen Branchen einen
Mindestlohn. Der DGB fordet dafür 7,50 Euro je Arbeitsstunde.
SPD-Chef Beck lehnte die von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU)
vorgeschlagene Aufweichung des Kündigungsschutzes ab. Dies sei bei
älteren Arbeitnehmern schon heute möglich, habe aber keine
zusätzlichen Jobs gebracht. Beck wandte sich auch gegen die vom
nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen
Rüttgers (CDU) angeregte längere Bezugsdauer beim
Arbeitslosengeld. «Wenn wir dieses Schleusentor öffnen, wer
kriegt das wieder zu?», fragte der SPD-Chef.
Nach Ansicht von Merkel ist die Koalition bei der Finanz- und
Wirtschaftspolitik auf dem richtigen Weg. 2006 werde erstmals seit
fünf Jahren der europäische Stabilitätspakt eingehalten.
2007 werde die Schuldengrenze des Grundgesetzes (Artikel 115)
erfüllt, wonach die Schulden die Investitionen des Bundes nicht
überschreiten dürfen. Beck sagte, Deutschland müsse
seine öffentlichen Finanzen in Ordnung bringen und seine
ökonomische Leitfunktion in Europa wahrnehmen. Er warnte davor,
angesichts der Steuermehreinnahmen bei den Bürgern
unerfüllbare Wunschvorstellungen zu wecken.
Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, lobte die jüngsten
Koalitionsentscheidungen zur Unternehmen- und Erbschaftsteuerreform.
Jetzt müsse die Regierung auch den Mut aufbringen, die
Gewerbesteuer komplett abzuschaffen. Dies wies Merkel als nicht
durchsetzbar zurück. Hundt forderte Bund und Länder auf,
dringend mehr Geld in Kindergärten, Schulen und Unis zu
investieren. Es sei ein sozialpolitischer Skandal, dass ein Drittel der
Kinder bei der Einschulung kaum Deutsch könne und 20 Prozent aller
Schulabgänger nicht ausbildungsreif seien.
(Quelle: dpa)
Bundesrichter stärken Rechte von Hartz-IV-Beziehern
Mi.08.11.06 - Knapp zwei Jahre nach Inkrafttreten von Hartz IV sind Einzelheiten der
Arbeitsmarktreform am Dienstag erstmals vor dem Bundessozialgericht
verhandelt worden. Dabei haben die Kasseler Richter die Rechte der
Bezieher von Arbeitslosengeld in entscheidenden Punkten gestärkt.
Das Gericht hatte über sechs Fälle zu entscheiden, vier
wurden mündlich verhandelt. So hat das Bundessozialgericht
Wohnungsgrößen festgelegt, bis zu denen
Hartz-IV-Empfänger Wohneigentum selbst nutzen dürfen. Die
Richter nannten 120 Quadratmeter als Standardgröße für
eine vierköpfige Familie. Ist die Wohnung größer, seien
ein Umzug in eine kleinere sowie eine Verwertung der Wohnung - also
Verkauf oder Vermietung - zumutbar.
Unterhalb dieser Größen gelte die Eigentumswohnung als so
genanntes Schonvermögen. Sei der Haushalt kleiner als vier
Personen, reduziere sich der Wert um je 20 Quadratmeter pro Kopf,
mindestens jedoch auf 80 Quadratmeter. (Az.: B 7b AS 2/05 R)
Im konkreten Fall hatte eine 25-Jährige aus der Nähe von
Augsburg Arbeitslosengeld II bezogen, obwohl sie allein in ihrer 75
Quadratmeter großen Eigentumswohnung lebte. Die
Sozialbehörde forderte die junge Frau zum Umzug und zur Verwertung
der Wohnung auf. Wie schon zuvor das Augsburger Sozialgericht schlossen
sich auch die Bundesrichter dem nicht an.
Ohne konkrete Gewichtung urteilten die Richter zudem, dass einem
geschiedenen Hartz-IV-Empfänger Geld für die Betreuung seiner
Kinder zusteht, selbst wenn die Ex-Frau das alleinige Sorgerecht hat.
(Az.: B 7b AS 14/06 R). Ein Duisburger hatte auf zusätzliche
Zahlung von Unterstützung geklagt. Dessen Töchter besuchen
den Vater regelmäßig für zwei Tage, die jüngere
jedes zweite Wochenende, die ältere einmal im Vierteljahr.
Zusätzliche Zahlungen lehnte die Behörde jedoch ab, weil
Vater und Töchter keine so genannte Bedarfsgemeinschaft bildeten.
Die Kasseler Richter urteilten dagegen, dass sich die öffentliche
Hand «aus verfassungsrechtlichen Gründen» an den
Kosten beteiligen müsse. Die Unterhaltskosten müssten zum
Teil von der Arbeitsgemeinschaft Duisburg als Verwalterin der
Hartz-Gelder abgedeckt werden. Auch bei den Reisekosten müsse die
öffentliche Hand mit eintreten, hier sei der
Sozialhilfeträger gefragt.
In einem weiteren Fall machte das Bundessozialgericht zugleich klar,
dass Hartz-IV-Empfänger nicht zum Umzug in einen anderen Ort
gedrängt werden dürften, weil dort die Miete billiger sei.
Zudem dürften sich Behörden nicht auf bundesweit einheitliche
Wohngeldtabellen stützen. Entscheidend sei nur die am Ort
geltenden Preise. Dabei könnten Arbeitslose auch variieren und
größere Wohnungen nehmen, deren Standard niedriger sei oder
umgekehrt (Az.: B 7b AS 18/06 R und B 7b AS 10/06 R).
(Quelle: dpa)
Bevölkerung Deutschlands schrumpft und altert dramatisch
Mi.08.11.06 - Die Bevölkerung Deutschlands wird in den kommenden Jahrzehnten
dramatisch schrumpfen und altern. Nach einer neuen Studie des
Statistischen Bundesamts geht die Einwohnerzahl bis 2050 von derzeit
82,4 Millionen auf 69 bis 74 Millionen zurück. Das
Durchschnittsalter wird im gleichen Zeitraum von 42 auf 50 Jahre
steigen.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wertete die Zahlen am
Dienstag als Bestätigung dafür, dass die bereits eingeleitete
Verlängerung der Lebensarbeitszeit richtig ist: «Immer
länger leben ohne länger zu arbeiten - diese Rechnung geht
nicht auf.»
Nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamts wird die
Geburtenzahl bis 2050 von 685.000 auf rund 500.000 im Jahr sinken.
Gleichzeitig kann sich ein dann 65-Jähriger auf ein 4,5 Jahre
längeres Leben freuen als ein Gleichaltriger heute.
Zur Bevölkerung im Erwerbsalter von 20 bis 64 Jahren gehören
heute etwa 50 Millionen Menschen in Deutschland. Im Jahr 2050 werden es
den Schätzungen zufolge nur noch 39 Millionen sein. Die Zahl der
Menschen ab 80 Jahre wird sich dagegen von vier auf zehn Millionen mehr
als verdoppeln. Heute bilden die 42-Jährigen noch den
stärksten Jahrgang, 2050 wird das häufigste Alter zwischen 60
und 62 Jahren liegen.
Auf 100 Personen im Erwerbsalter kommen derzeit 32 Personen, die 65
Jahre oder älter sind. Im Jahr 2050 wird das Verhältnis 100
zu 60 sein. Auch die geplante Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67
Jahre kann diese Entwicklung nur leicht abfedern. 100
Erwerbsfähigen werden laut Studie im Jahr 2050 trotzdem noch 51
Menschen im Rentenalter gegenüber stehen.
Den Berechnungen liegt die Annahme zu Grunde, dass die Geburtenrate wie
auch in den vergangenen 30 Jahren konstant bei etwa 1,4 Kindern pro
Frau bleibt. Zudem werden Neugeborene des Jahres 2050 eine um sieben
Jahre längere Lebenserwartung haben als die Babys, die jetzt
geboren werden. Jungen werden dann im Durchschnitt 83,5 Jahre leben,
Mädchen 88 Jahre. Bei der Zuwanderung wurden zwei Varianten zu
Grunde gelegt: Bei der einen lag der positive Saldo bei 100.000, bei
der anderen bei 200.000 Zuwanderern.
Schäuble sagte, man sollte sich über die Erhöhung der
Lebenserwartung freuen. «Die damit verbundene Alterung der
Gesellschaft zwingt uns aber auch zu grundlegenden Anpassungen in
Wirtschaft und Gesellschaft», fügte er hinzu. «Die
Bundesregierung sieht daher die Bewältigung des demographischen
Wandels als einen Politikschwerpunkt an, der als Querschnittsaufgabe
weite Teile des Regierungsprogramms prägt.» Die bereits
beschlossene Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre
bezeichnete Schäuble als logische Folge der gestiegenen
Lebenserwartung.
(Quelle: ap)
Umweltminister Gabriel lehnt weltweiten Ausbau der Atomenergie ab
Mi.08.11.06 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel lehnt den Rat der Internationalen
Energieagentur zum weltweiten Ausbau der Kernkraft ab. Statt auf
Kernkraft müsse man stärker auf erneuerbare Energien setzen,
sagte der SPD-Politiker der «Berliner Zeitung».
«Atomkraftwerke haben eine Restlaufzeit von wenigen Jahren. Die
Restlaufzeit der Sonne währt vier Milliarden Jahre.» Der
Minister warnte auch davor, Atomkraft und Klimaschutz gegeneinander
auszuspielen. Die Wahl zwischen dem Risiko der Atomkraft und den
Gefahren des Klimawandels sei wie die Wahl zwischen Pest und Cholera.
«Wir wollen aber nicht zwischen Krankheiten wählen, sondern
gesund werden», sagte Gabriel.
(Quelle: ap)
Auf dem Weg zum Ankündigungsminister
Klimapolitik in Nairobi und Berlin: Umweltverbände reagieren
zunehmend gereizt auf die Ankündigungen von Bundesumweltminister
Sigmar Gabriel (SPD). Sie werfen ihm vor, er habe in seiner Amtszeit
nichts erreicht... Mehr in der taz vom 07.11.06:
http://www.taz.de/pt/2006/11/07/a0118.1/text
Journalistenverband sieht Pressefreiheit in Deutschland bedroht
Mi.08.11.06 - Mehr Engagement für journalistische Qualität hat der
Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), Michael
Konken, am Dienstag in Mannheim gefordert. Besonders die Arbeits- und
Auftraggeber, aber auch die Journalisten selbst dürften bei ihrer
Arbeit die journalistische Qualität nicht aus den Augen verlieren,
betonte Konken laut DJV-Mitteilung auf dem Verbandstag.
«Qualitätsjournalismus hat seinen Preis - einen Preis, der in
sicheren Arbeitsplätzen, angemessener Bezahlung und angemessenen
Honoraren besteht.»
Außerdem kritisierte Konken die Missachtung der Pressefreiheit
seitens staatlicher Stellen: Bis heute sei die Bespitzelung von
Journalisten durch den Bundesnachrichtendienst (BND) nicht
vollständig aufgeklärt. Zugleich werde der Informantenschutz
weiter ausgehebelt. «Die Cicero-Durchsuchung, die BND-Affäre
und die Überwachung der 'Wolfsburger Allgemeinen' haben gezeigt,
dass die Pressefreiheit in Deutschland bedroht ist», warnte der
DJV-Vorsitzende. Journalisten und ihre Arbeit müssten so effektiv
geschützt werden, dass die Pressefreiheit in Deutschland ihrem
Namen wieder Ehre mache.
(Quelle: ap)
Schäuble und Künast kritisieren Mediengewalt
Mi.08.11.06 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast haben den hohen
Gewaltanteil in deutschen Medien kritisiert. «Wenn Sie den
Fernseher einschalten oder Computer spielen, gibt es ein
Wahnsinns-Angebot an Gewalt», sagte Künast am Dienstag im
Nachrichtensender «Phoenix». Reale Wege der
Konfliktlösung würden Kinder und Jugendliche deshalb kaum noch
lernen. Schäuble forderte, alle Institutionen zu stärken, die
auf Kommunikation statt auf Konsum setzten und ein gewaltfreies
Miteinander ermöglichten.
Zudem kritisierte der Bundesinnenminister die häufige Ausstrahlung
von brutalen Boxkämpfen: «Warum kann man jeden zweiten
Samstag in einer ziemlich guten Sendezeit in ARD und ZDF einen Boxkampf
sehen - im Zweifel von Boxern, von denen man noch nie gehört
hat?», fragte Schäuble. Offenbar gebe es dafür eine
Nachfrage. Solche Probleme könnten deshalb nicht alleine durch den
Gesetzgeber gelöst werden. Künast betonte, die Frage sei, was
die Medien den Menschen vermitteln wollten.
(Quelle: ap)
Internetprovider dürfen IP-Adressen nicht mehr speichern
Mi.08.11.06 - Internetprovider dürfen nur die für ihre Rechnung
erforderlichen Verbindungsdaten ihrer Kunden speichern. Das geht aus
einem Urteil des Landgerichts Darmstadt vom Anfang des Jahres hervor,
das nach einem Beschluss des Bundesgerichtshof (BGH) nun
rechtskräftig geworden ist.
Auf Klage eines Kunden muss der Anbieter T-Online danach die bei jeder
Einwahl neu vergebene Internetadresse (IP-Adresse) sofort nach dem Ende
der Verbindung löschen. Mit dieser vorübergehenden Kennung
lässt sich nachvollziehen, welche Seiten der Nutzer besucht hat.
Das Karlsruher Gericht bestätigte am Dienstag, dass eine
Beschwerde gegen das Urteil verworfen worden sei. Zum Inhalt hat der
BGH allerdings nicht Stellung genommen. Nach einem Bericht von
«Spiegel Online» hatte ein 33-Jähriger aus
Münster gegen die Datenspeicherung geklagt, der wegen angeblicher
Billigung einer Straftat in einem Internetforum angeklagt, aber
später freigesprochen worden war. (Az: III ZR 40/06 vom 26.
Oktober 2006)
Das Urteil stieß auf Zustimmung aus den Reihen der
FDP-Bundestagsfraktion. Damit sei klargestellt, dass die
Vorratsdatenspeicherung unter den gegebenen rechtlichen Voraussetzungen
nicht rechtmäßig sei, sagte Ex-Justizministerin Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries
(SPD) begebe sich in einen Verfassungskonflikt, weil sie einer
EU-Richtlinie zugestimmt habe, «die genau diese vom BGH für
unzulässig erklärte Speicherung von Verbindungsdaten
vorsieht», heißt es in einer Mitteilung der FDP-Politikerin
und ihrer Fraktionskollegin Gisela Piltz.
Laut «Spiegel Online» macht die Entscheidung die Umsetzung
der EU-Richtlinie, die eine vorsorgliche Speicherung von
Internetverbindungsdaten vorsieht, allerdings nicht unmöglich,
weil das Telekommunikationsgesetz entsprechend geändert werden
könne. FDP-Medienexperte Hans-Joachim Otto forderte die
Internetprovider aber auf, nach diesem Urteil die unnötige
Speicherung von Verbindungsdaten zu unterlassen.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Britische Forscher wollen Erbgut von Mensch und Rind vermengen
Mi.08.11.06 - Britische Gentechniker wollen Erbmaterial von Menschen und Rindern
vermengen. Wie die Nachrichtenagentur Press Association berichtete,
beantragte ein Forscherteam des North-East England Stem Cell Institute,
das von den Universitäten in Durham und Newcastle betrieben wird,
bei der zuständigen Aufsichtsbehörde Human Fertilisation and
Embryology Authority die Genehmigung, Genmaterial aus menschlichen
embryonalen Stemmzellen in Eizellen von Kühen einpflanzen zu
dürfen. Zur Begründung führten die Gentechniker an, sie
wollten damit die Forschung zur Behandlung von Krankheiten wie Parkinson
und Alzheimer vorantreiben.
Das von dem Team um Lyle Armstrong von der Universität Newcastle
vorgeschlagene Verfahren zielt darauf ab, eine Vielzahl embryonaler
Stammzellen zu produzieren, aus denen zerstörtes Zellmaterial
nachwachsen kann. Embryonale Stammzellen werden in der Gentechnik aus so
genannten überzähligen Embryonen gewonnen - ein Verfahren,
das ethisch umstritten ist. Durch das Einpflanzen menschlichen
Erbmaterials in Eizellen von Kühen könne "die
Stammzellenforschung in das nächste Stadium eintreten", sagte
Armstrong.
Bedenken äußerte Calum MacKellar vom Schottischen Rat
für Bioethik. "Bei diesem Verfahren werden tierische Eizellen und
menschliche Chromosomen auf sehr direkte Art vermischt", sagte MacKellar
dem Online-Dienst der Rundfunkgesellschaft BBC. "Damit könnte man
beginnen, die Unterscheidung zwischen Tieren und Menschen zu
untergraben."
(Quelle: afp)
Paviane und Tauben haben 'Elefantengedächtnis'
Mi.08.11.06 - Paviane und Tauben haben einer Untersuchung zufolge ein regelrechtes
"Elefantengedächtnis". Dies ergab eine von der US-Akademie der
Wissenschaften veröffentlichte Studie von Forschern aus den
Vereinigten Staaten und Frankreich. Demnach können sich die Tiere
noch Monate später an gesehene Bilder erinnern. Dazu wurden die
Affen und Vögel Tests an Computerbildschirmen unterzogen. Dort
zeigten die Wissenschaftler Bilder, gefolgt entweder von einem Kreis
oder einem Kreuz. Später wurde abgefragt, ob die Tiere die
Kombinationen behalten hatten. Die Affen konnten dies beim Erscheinen
der Fotos mit einem Joystick anzeigen, die Tauben über Klopfen mit
ihrem Schnabel.
In fünf Jahren lernten die Vögel 800 bis 1200 Kombinationen,
die Paviane zwischen 3500 und 5000, wie es in der Studie heißt.
Die Tauben schafften es, 3000 Bilder richtig zuzuordnen, die Affen 6000.
Joël Fagot vom nationalen französischen Wissenschaftszentrum
(CNRS) in Marseille sagte der Nachrichtenagentur AFP, bei den Tauben
sei damit offenbar die Aufnahmegrenze erreicht. Die Affen könnten
sich aber vermutlich noch mehr Bilder merken. Er kommt gemeinsam mit
seinem Kollegen Robert Cook von der Tufts-Universität in Boston
(US-Bundesstaat Massachusetts) zu dem Schluss, dass die schrittweise
Entwicklung des Langzeitgedächtnisses eine bedeutende Rolle in der
Evolution gespielt hat. Sie habe möglicherweise erst die
Voraussetzung für menschliche Intelligenz und komplexe
Verhaltensweisen geschaffen.
(Quelle: afp)