Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertdreiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Wieder viele Tote bei Anschlägen. Irakische Sunniten drohen mit
Verlassen der Einheitsregierung
Do.09.11.06 - Bei Anschlägen sind am Mittwoch im Irak mindestens 52 Menschen
getötet worden. US-Soldaten nahmen bei mehreren Razzien 48
Aufständische fest und töteten 14, teilten die amerikanischen
Streitkräfte in Bagdad mit. US-Botschafter Zalmay Khalilzad
sicherte der irakischen Regierung Unterstützung auch nach der
Veränderung der politischen Mehrheitsverhältnisse in
Washington durch die Zwischenwahlen zum Kongress zu.
Zum Gewinn der Mehrheit für die oppositionellen Demokraten im
Repräsentantenhaus sagte Khalilzad, für Bush liege ein Erfolg
im Irak weiterhin zwingend im Interesse des amerikanischen Volkes.
«Die Amerikaner sind darauf vorbereitet, den Irak weiter zu
unterstützen, während die Iraker die nächsten Schritte
machen», sagte er.
Der wichtigste sunnitische Block im irakischen Parlament hat angedroht,
der Regierung der nationalen Einheit unter Ministerpräsident Nuri
el Maliki die Unterstützung zu entziehen. Wenn die Forderungen nach
der Entwaffnung der Milizen nicht erfüllt werden, werde die
Irakische Einheitsfront sich aus der Regierung zurückziehen und "zu
den Waffen greifen", sagte der Sprecher des Blocks, Salim Abdullah el
Dschuburi, der Nachrichtenagentur AFP. Bereits vor drei Wochen habe die
Einheitsfront in einem Schreiben an die übrigen Parlamentsgruppen
ihre Forderung zur Entwaffnung der Milizen bekräftigt. Die
Irakische Einheitsfront hält 44 Sitze im Parlament.
Unterdessen wurde der Völkermordprozess gegen den gestürzten
Präsidenten Saddam Hussein wegen Giftgasmassakern an irakischen
Kurden fortgesetzt, bei denen 1987-88 rund 180.000 Menschen getötet
wurden. Sein Anwalt Badi Issat Aref forderte das Gericht auf,
Ermittlungen über einen Einbruch in ein Büro der Verteidigung
in der streng abgeschirmten Grünen Zone Bagdads aufnehmen zu
lassen. Der Diebstahl von Dokumenten im vergangenen Jahren behindere
die Arbeit der Verteidigung.
Saddam Hussein, der wegen eines Massakers an Schiiten am Sonntag zum
Tode verurteilt wurde, rief die Iraker vom Gerichtssaal aus erneut zur
nationalen Einheit auf. «Ich appelliere an alle Iraker, Araber und
Kurden, sich zu vergeben, zu versöhnen und die Hand zu
reichen», sagte er am Dienstag.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 09.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am vierhundertneunundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.09.11.05 - Sicherheitsrat verlängert Mandat für Irak-Truppen +++ US-Armee
setzte im Irak angeblich Chemiewaffen ein +++ Amerikanische
Streitkräfte bringen Stadt an syrischer Grenze unter Kontrolle +++
US-Armee meldet Festnahme von sechs El-Kaida-Mitgliedern im Irak +++ Erneut
Anwalt im Saddam-Hussein-Prozess erschossen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511090.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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US-Kongresswahl: Bushs Republikaner erleiden Schlappe - Demokraten
gewinnen auch Mehrheit im Senat
Do.09.11.06 - Die Wähler in den USA haben Präsident George W. Bush bei den
Kongresswahlen einen empfindlichen Denkzettel verpasst. Bushs
Republikaner büßten nach zwölf Jahren ihre Mehrheit im
Repräsentantenhaus an die oppositionellen Demokraten ein. Nach dem
Auszählungsstand vom Mittwochabend gewannen sie mindestens 228
(bisher 202) der 435 Sitze, die Republikaner verloren stark und kamen
zunächst auf nur noch 196 (bisher 232) Mandate.
Nach ihrem Sieg im Repräsentantenhaus haben die US-Demokraten auch
die Mehrheit im Senat gewonnen. Die Entscheidung fiel in der Nacht zu
heute mit dem Sieg des demokratischen Kandidaten Jim Webb in Virginia
über den Republikaner George Allen. Damit übernimmt die
Partei erstmals seit 1994 die Kontrolle in beiden Parlamentskammern.
Die Demokraten werden den politischen Spielraum Bushs in den letzten
beiden Jahren seiner Amtszeit nun deutlich einschränken
können.
Webb sicherte den Demokraten nach einer Zitterpartie den 49. von
insgesamt 100 Senatssitzen. Da zwei weitere Mandate von
unabhängigen Kandidaten besetzt sind, die den Demokraten nahe
stehen, ist die Mehrheit gewahrt. Hätten die Republikaner den Sitz
in Virginia gewonnen, wäre es zu einem Patt gekommen und
Vizepräsident Dick Cheney hätte nach dem Gesetz die
entscheidende Stimme gehabt.
Im Repräsentantenhaus wurden alle Abgeordneten neu gewählt,
im Senat standen 33 der 100 Sitze zur Wahl. Auch bei den
Gouverneurswahlen siegten die Demokraten auf breiter Front und stellen
künftig 28 der 50 Regierungschefs in den Einzelstaaten.
Bush äußerte sich enttäuscht über das Wahlergebnis
und gratulierte den Demokraten. Er wolle mit den Demokraten
zusammenarbeiten, um Lösungen für die anstehenden
Herausforderungen zu finden. Außerdem wolle er die Empfehlung
einer überparteilichen Kommission zum Irak-Krieg anhören.
Auch die Fraktionsvorsitzende der Demokraten im
Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, bot Bush Zusammenarbeit an.
Die Fraktionsvorsitzende der Demokraten, Pelosi, sagte: «Das
amerikanische Volk hat - von Küste zu Küste - den Wechsel
gewählt. Heute haben wir Geschichte geschrieben.» Sie
forderte Bush auf, auf die Stimme des Volkes zu hören.
Zukünftige Schwerpunkte der Demokraten seien die Anhebung des
Mindestlohns, die Umsetzung der Empfehlungen der Kommission zu den
Terroranschlägen vom 11. September 2001 sowie niedrigere Preise
für verschreibungspflichtige Medikamente. Pelosi wird die erste
Präsidentin des Repräsentantenhauses in der Geschichte der
USA.
In New York wurde die demokratische Senatorin Hillary Clinton mit rund
70 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit
wiedergewählt. Die frühere First Lady der USA gilt als
mögliche Anwärterin auf die demokratische
Präsidentschafskandidatur bei der Wahl in zwei Jahren. In
Kalifornien wurde Arnold Schwarzenegger als Gouverneur bestätigt.
(Quellen: ap, afp)
US-Verteidigungsminister Rumsfeld tritt nach Wahldebakel der
Republikaner zurück
Do.09.11.06 - Angesichts der herben Verluste seiner Republikanischen Partei bei der
Kongresswahl hat US-Präsident George W. Bush den Rücktritt
von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bekannt gegeben. Nachfolger
solle der frühere CIA-Direktor Robert Gates werden, teilte Bush am
Mittwoch mit. Die Republikaner hatten zuvor die Mehrheit im
Repräsentantenhaus verloren und standen auch vor dem Verlust der
Macht im Senat.
Er erkenne an, dass viele Amerikaner bei der Stimmabgabe ihre
Unzufriedenheit mit den mangelnden Fortschritten im Irak Ausdruck
verliehen hätten, erklärte der US-Präsident. Doch glaube
er weiter, dass die meisten Amerikaner eine Niederlage dort nicht
akzeptieren würden. Rumsfeld, einer der Architekten des
Irak-Kriegs, war von den siegreichen Demokraten zum Rücktritt
aufgefordert worden. Der 74-Jährige stand sechs Jahre an der
Spitze des Pentagons.
Sein designierter Nachfolger Gates war unter dem Vater des heutigen
Präsidenten, George Bush, von November 1991 bis Januar 1993
CIA-Chef. Der 63-Jährige, der als enger Freund der Familie Bush
gilt, muss vom Senat bestätigt werden. Der US-Präsident
versicherte zugleich, er wolle an seinem ebenfalls umstrittenen
Stellvertreter Dick Cheney festhalten.
(Quelle: ap)
35 Tote bei Selbstmordanschlag auf Kaserne in Pakistan
Do.09.11.06 - Ein Selbstmordattentäter hat in Pakistan einen Anschlag auf eine
Kaserne verübt und mindestens 35 Soldaten getötet. Der mit
einem weiten Umhang bekleidete Täter drang am Mittwoch auf einen
Platz vor, auf dem sich die Soldaten zum Morgensport versammelt hatten
und sprengte sich in die Luft, wie die Streitkräfte mitteilten.
Bewohner der Stadt Dargai, 100 Kilometer nördlich von Peshawar,
berichteten von einer schweren Erschütterung. Ein
mutmaßlicher Komplize des Täters wurde in einem nahegelegenen
Dorf gefasst, wie aus Geheimdienstkreisen verlautete. Nach weiteren
möglichen Mittätern wurde gefahndet.
Die Kaserne ist der zentrale Ausbildungsstützpunkt der
pakistanischen Streitkräfte. Dargai gilt aber auch als Hochburg der
islamisch-fundamentalistischen Bewegung für die Erzwingung des
Islamischen Rechts (Tehrik e Nifaz e Shariat Mohammadi). Diese
Organisation hat nach der Militäraktion gegen eine islamische
Schule in der Region Bajur, bei der am 30. Oktober 80 Menschen
getötet wurden, mit Selbstmordanschlägen gegen die Armee
gedroht. Die Schule diente nach Regierungsangaben als verdecktes
Trainingslager für Extremisten. Nach Angaben von Anwohnern handelte
es sich bei den Toten aber überwiegend um Kinder und Jugendliche.
Innenminister Aftab Khan Sherpao verurteilte die Tat vom Mittwoch und
erklärte, sie stehe im Zusammenhang mit dem Angriff in Bajur.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Mindestens 18 Zivilisten bei israelischem Angriff auf Wohnhäuser
im Gazastreifen getötet. EU-Kommission äußert sich
entsetzt. Hamas erklärt Waffenruhe mit Israel für beendet
Do.09.11.06 - Bei einem israelischen Panzerangriff auf Wohnhäuser im
Gazastreifen sind am Mittwoch mindestens 18 Menschen im Schlaf
getötet und 40 verletzt worden. Unter den Opfern sind nach
Klinikangaben auch acht Kinder.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte den
Angriff in der Nähe von Beit Hanun als «schreckliches
Massaker der Besatzungsmacht an unseren Kindern, Frauen und
Alten». Die Regierung rief eine dreitägige Trauerzeit aus, in
der die Schulen geschlossen bleiben.
Der israelische Verteidigungsminister Amir Perez ordnete an, bis zum
Abschluss einer Untersuchung alle Artillerieangriffe auf den
Gazastreifen einzustellen. Regierungssprecherin Miri Eisin
erklärte, dass sich Israel seiner Verantwortung stellen werde,
falls Fehler gemacht worden seien. Die Offensive gegen
palästinensische Extremisten und Raketenangriffe im Gazastreifen
werde aber weiter fortgeführt. Beit Hanun stand in den vergangenen
Tagen im Mittelpunkt einer israelischen Offensive, bei der in einer
Woche etwa 50 Palästinenser getötet wurden, zumeist Mitglieder
militanter Organisationen.
Fünf Panzergranaten schlugen am Morgen innerhalb von 15 Minuten in
einem Wohngebiet nördlich der Stadt Beit Hanun ein, wie
palästinensische Polizisten mitteilten. Die getroffenen Häuser
gehörten der Großfamilie Alathamna, zu der 13 der 18 Toten
gehören. Der 75-jährige Rahwi Hamad sagte, er sei von
schweren Explosionen aus dem Schlaf gerissen worden. Als er aus dem
Haus getreten sei, habe er blutende und schreiende Menschen gesehen. In
den Häusern seien Bewohner zerstümmelt worden. «Wir
sahen Beine, Hände, an die Wand geschleuderte Kopfteile».
Vor der Kamal-Adwan-Klinik im nördlichen Gazastreifen versammelten
sich am Morgen mehrere tausend Palästinenser und riefen nach Rache.
Der örtliche Hamas-Führer Nisar Rajan kündigte weitere
Raketenangriffe und Selbstmordanschläge auf Israel an und sagte:
«Alle unsere Märtyrer warten, die Rache wird kommen.»
Auch der Islamische Dschihad drohte Israel mit Vergeltung.
In der Stadt Gaza versuchten Schüler, eine leere Vertretung der EU
zu stürmen. Sie warfen mit Steinen und Flaschen.
Palästinensische Polizisten hinderten sie daran, in das
Gebäude einzudringen.
Nach einer Krisensitzung erklärte der Ministerpräsident
Ismail Hanija die Gespräche über die Bildung einer Regierung
der nationalen Einheit für ausgesetzt. Dies sei ein Zeichen des
«Protestes gegen dieses schreckliche Massaker», sagte
Hanija. Die Verhandlungen über eine gemeinsame Regierung von
radikaler Hamas und der gemäßigten Fatah des Präsidenten
Abbas waren in den vergangenen Wochen kaum vorangegangen. «Wir
haben das Recht auf Selbstverteidigung», sagte der
Ministerpräsident.
Die EU-Kommission hat sich am Mittwoch entsetzt über den
israelischen Panzerangriff auf das Wohngebiet im Gazastreifen
geäußert. Der Tod so vieler Menschen und so vieler Kinder
unter ihnen sei «ein zutiefst schockierendes Ereignis»,
sagte die EU-Kommissarin für Außenpolitik, Benita
Ferrero-Waldner.
Die palästinensische Hamas-Bewegung hat unterdessen die Waffenruhe
für beendet erklärt. Der bewaffnete Kampf könne wieder
aufgenommen worden, sagte der politische Führer der
islamisch-fundamentalistischen Organisation, Chaled Maschaal, am
Mittwoch in Damaskus. Seine Organisation werde nicht mit Worten, sondern
mit Taten auf den Tod von 18 Menschen in der Nähe von Beit Hanun
reagieren.
Die Waffenruhe wurde am 8. Februar vergangenen Jahres bei einem
israelisch-palästinensischen Gipfeltreffen in Scharm el Scheich
vereinbart. Neben der Hamas hatten sich auch andere militante
Organisationen wie der Islamische Dschihad der Vereinbarung
angeschlossen. Das Abkommen war zunächst bis Ende 2005 befristet,
wurde danach aber nicht offiziell aufgekündigt. Maschaal sagte nun,
der Waffenstillstand mit Israel sei beendet. Die Art des bewaffneten
Widerstands werde sich nach den örtlichen Bedingungen richten.
(Quelle: ap)
Maoisten wollen sich in Nepal an Übergangsregierung beteiligen
Do.09.11.06 - Nach zehn Jahren bewaffnetem Kampf haben sich die maoistischen Rebellen
und die regierende Sieben-Parteien-Allianz auf einen 15-Punkte-Plan zur
Bildung einer Übergangsregierung in Nepal geeinigt.
Wie der nepalische Innenminister Krishna Prasad Sitaula am frühen
Mittwochmorgen mitteilte, soll die Interimsregierung Anfang Dezember die
Arbeit aufnehmen. Das Abkommen sei von Ministerpräsident Girija
Prasad Koirala und Maoistenchef Prachanda sowie Führern der
regierenden Sieben-Parteien-Allianz SPA unterzeichnet worden. Ein
umfassendes Friedensabkommen soll Mitte des Monats unterzeichnet werden.
Nepalesische Politiker erklärten, Erfolgschancen des Abkommens
würden sich in der Praxis erweisen müssen.
Die Waffen der Rebellen sollen weggeschlossen werden. Die
Schlüssel zu den Depots sollen die Führer der Maoisten
behalten. Die Lagerung der Waffen soll von den Vereinten Nationen
überwacht werden. Die nepalesischen Streitkräfte sollen ein
gleichgroßes Arsenal ebenfalls unter UN-Aufsicht unter Verschluss
halten.
Über einen der Hauptstreitpunkte, die Zukunft der Monarchie, soll
die verfassunggebenden Versammlung entscheiden. Dieses Gremium solle im
nächsten Jahr gewählt werden.
In einem Übergangsparlament mit 330 Sitzen werden die nepalesische
Kongresspartei mit 75, die Maoisten mit 73, die kommunistische Partei
Vereinigte-Marxisten-Leninisten mit 73 Abgeordneten vertreten sein. Die
kleineren Partei würden ihre bisherige Stärke beibehalten.
Ende April hatte König Gyanendra nach wochenlangen Protesten der
Demokratiebewegung die Regierungsmacht abgegeben und das Jahre zuvor
aufgelöste Parlament wieder zusammengerufen. Die Maoisten, die seit
1996 für die Abschaffung der Monarchie kämpfen, hatten
anschließend einen Waffenstillstand verkündet. Zuvor hatte
der Konflikt mehr als 13 000 Menschen das Leben gekostet. Das Parlament
hat den König inzwischen weitgehend entmachtet.
(Quelle: dpa)
EU-Kommission wirft Türkei indirekt Vertragsbruch vor
Do.09.11.06 - Die EU-Kommission hat der Türkei am Mittwoch mit Konsequenzen
für die Beitrittsverhandlungen gedroht, falls Ankara bis zum
Jahresende nicht einlenkt. In ihrem Fortschrittsbericht über den
Beitrittskandidaten wirft die Brüsseler Behörde Ankara
indirekt Vertragsbruch vor. Kommissionspräsident José Manuel
Barroso erklärte in einer Pressemitteilung, wenn die Türkei
ihrer vertraglichen Verpflichtung zur Ausweitung der Zollunion auf
Zypern nicht nachkomme, werde die Kommission vom EU-Gipfel im Dezember
Konsequenzen fordern.
Zunächst aber habe man «entschieden, den diplomatischen
Bemühungen, eine Lösung zu finden, eine Chance zu
geben», heißt es in der nach der Sitzung des
Kommissionskollegiums veröffentlichten Erklärung. Die
Kommission werde aber «vor dem Europäischen Rat im Dezember
entsprechende Empfehlungen abgeben, falls die Türkei ihre
Verpflichtungen nicht erfüllt hat».
In ihrem zunächst nur auf Englisch veröffentlichten
Fortschrittsbericht stellt die Kommission fest, die Türkei habe die
Zollunion mit der EU noch immer nicht vollständig auf die Republik
Zypern ausgedehnt, obwohl sie im Juli 2005 ein entsprechendes Protokoll
unterzeichnet und damit erst «den Beginn der
Beitrittsverhandlungen ermöglicht» habe.
Forderungen der Türkei, die EU müsse zunächst die
Handelsbeschränkungen gegen den türkischsprachigen Nordteil
Zyperns aufheben, weist die Kommission zurück: «Vertreter der
EU haben die türkische Regierung wiederholt daran erinnert, dass
die Umsetzung des Protokolls eine rechtliche Verpflichtung an sich ist,
die mit der Situation der türkisch-zyprischen Gemeinschaft nicht
in Verbindung gebracht werden darf.»
Die Türkei erhält ungeachtet des Abkommens über die
Zollunion eine Blockade ihrer Häfen für griechisch-zyprische
Schiffe aufrecht sowie für Schiffe anderer Nationalitäten, die
zuletzt in Zypern angelegt haben. «Ähnliche
Beschränkungen gelten weiterhin für den Bereich des
Lufttransports», stellt die EU-Kommission fest.
(Quelle: ap)
Großbritannien: Muslimische Anwältin mit
Ganzkörperschleier löst Kontroverse aus
Do.09.11.06 - Eine muslimische Rechtsanwältin hat in Großbritannien eine
Debatte über das Tragen von Ganzkörperschleiern vor Gericht
ausgelöst. Shabnam Mughal weigerte sich während einer
Anhörung zwei Mal, einer Aufforderung des Richters Folge zu leisten
und den Schleier abzulegen. Richter George Glossop vertagte die
Anhörung daraufhin. Der Präsident des Tribunals wurde gebeten,
eine Entscheidung über das weitere Vorgehen zu treffen. Sie stand
am Mittwoch noch aus.
Die 27-jährige Anwältin erklärte, sie habe das Recht,
den Schleier zu tragen, der ihren gesamten Körper außer den
Augen bedeckt. Der Richter sagte dagegen, er könne ihre
Ausführungen so nicht verstehen. Wie der Pressedienst des Tribunals
für Asyl- und Einwanderungsfragen erklärte, wurde die
Anhörung in Stoke-on-Trent nach Mughals erster Weigerung am Montag
um einige Stunden vertagt. Als das Gericht später erneut
zusammentrat, weigerte sie sich wieder, den Schleier abzulegen.
«Sie kennen meine Haltung aufgrund meines Glaubens»,
zitierte die Zeitung «Daily Express» die Anwältin am
Mittwoch. Dies sei ein Präzedenzfall, erklärte eine Sprecherin
des Tribunals.
Wie in anderen europäischen Ländern ist die Verschleierung
muslimischer Frauen auch in Großbritannien heftig umstritten. Der
frühere Außenminister Jack Straw löste im Oktober mit
einem Zeitungsartikel eine Kontroverse aus, in dem er schrieb, dass er
Besucherinnen seines Büros auffordere, den Schleier abzulegen.
Wenig später wurde eine muslimische Aushilfslehrerin in Nordengland
vom Dienst suspendiert, weil sie auf dem Tragen ihres
Ganzkörperschleiers bestand.
(Quelle: ap)
Deutschland
Unternehmen weitgehend skeptisch bei paritätischer Mitbestimmung
Do.09.11.06 - Die paritätische Mitbestimmung wird in den Unternehmen
überwiegend skeptisch beurteilt. Zu diesem Ergebnis kommt eine
Befragung des Institutes der deutschen Wirtschaft Köln, die am
Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Auf Kritik stieß vor allem
die Größe der Aufsichtsräte, die eine effektive
Entscheidungsfindung behindere. Viele Unternehmen befürchteten
deshalb Nachteile im internationalen Wettbewerb.
Eine Studie der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung kommt
allerdings zu dem Ergebnis, dass vor allem das kooperative Klima in den
Aufsichtsräten geschätzt wird und keine Nachteile für
Firmen entstehen.
Der Umfrage des IW Köln zufolge beklagen fünf von zehn
belegschaftsstarken Kapitalgesellschaften, dass die
Arbeitnehmervertreter Entscheidungen verzögerten. Vor allem die
Funktion von betriebsfremden Gewerkschaftsvertretern in
Aufsichtsräten wurde negativ beurteilt.
Angezweifelt wurde von den Firmen auch die Qualifikation der
Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten. 41 Prozent der
Kapitalgesellschaften halten sie der Umfrage zufolge für kaum oder
gar nicht kompetent. Auch aus diesem Grund hätten 67 Prozent der
Unternehmen gelegentlich oder oft Bedenken, sensible Informationen
weiterzugeben. Insgesamt schlossen Firmen mit paritätisch besetzen
Aufsichtsräten in der Befragung schlechter ab, als Unternehmen, in
denen nur ein Drittel der Aufsichtsratsmandate von Arbeitnehmern
eingenommen wurde.
Die Hans-Böckler-Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass sich die
Mitbestimmung weitgehend positiv auf die Produktivität und den
Standort auswirke. Nach einer aktuellen Umfrage gaben über 50
Prozent der befragten Aufsichtsratsmitglieder an, dass bei der
Konfliktlösung auf Konsens gesetzt werde.
Das Mitbestimmungsgesetz wurde 1976 auf den Weg gebracht. Es sieht vor,
dass Kapitalgesellschaften mit mehr als 2.000 Beschäftigten die
Hälfte ihrer Aufsichtsratsposten für Arbeitnehmervertreter
reservieren müssen. Der Aufsichtsratsvorsitzende, der von der
Arbeitgeberseite gestellt wird, kann allerdings ein Doppelstimmrecht
wahrnehmen.
(Quelle: ap)
Institut der deutschen Wirtschaft Köln:
http://www.iwkoeln.de/
Hans-Böckler-Stiftung:
http://www.boeckler.de/
Massive Kritik der SPD an Arbeitsmarktpolitik der CDU
Do.09.11.06 - Die Vorstöße der CDU zu arbeitsmarktpolitischen Themen
stoßen in der SPD auf massive Kritik: SPD-Generalsekretär
Hubertus Heil kritisierte den nordrhein-westfälischen
Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) als
"Störenfried" und "schlechte Norbert-Blüm-Kopie". Dessen
Vorschlag zur Verlängerung der Arbeitslosengeld-I-Zahlungen an
Ältere, sei "purer Populismus", sagte Heil der "Westdeutschen
Zeitung". Heil warf Rüttgers vor, "aus Gründen der
persönlichen Profilierung mit den Ängsten und Hoffnungen der
Menschen" zu spielen. Rüttgers Vorschläge gingen vielmehr zu
Lasten der Jüngeren und der Familienangehörigen.
Heil verwies weiter darauf, dass die Arbeitslosenversicherung anders
als die Rentenversicherung keine Anwarts- sondern eine
Risikoversicherung sei. Wichtiger als mehr Arbeitslosengeld für
Ältere sei es, sich darauf zu konzentrieren, älteren
Arbeitslosen wieder eine Berufsperspektive zu eröffnen. Dafür
müsse auch der in einigen Unternehmen verbreitete "Jugendwahn"
gestoppt werden.
Kritik der Sozialdemokraten gab es auch am Nein von Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU) zu einem flächendeckenden Mindestlohn.
SPD-Präsidiumsmitglied Christoph Matschie sagte in der "Leipziger
Volkszeitung": "Die SPD darf das Nein von Frau Merkel zu
Mindestlöhnen nicht einfach akzeptieren." Matschie forderte die
SPD-Spitze auf, das Thema in den nächsten
Koalitionsgesprächen anzuschneiden. Gerade im Osten seien
gesetzliche Mindestlöhne "dringend" nötig. Merkel hatte am
Dienstag beim Arbeitgebertag gesagt, einen flächendeckenden
Mindestlohn werde es mit der großen Koalition nicht geben.
(Quelle: afp)
Jahrestag des NS-Novemberpogroms: Münchner Synagoge wird eingeweiht
Do.09.11.06 - Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, und
Bundespräsident Horst Köhler werden heute die neue
Hauptsynagoge in München einweihen. Das in dreijähriger
Bauzeit errichtete Gotteshaus nahe dem Marienplatz soll zusammen mit
dem neuen Gemeindezentrum und dem Jüdischen Museum neuer
Mittelpunkt für die mit 9.000 Mitgliedern zweitgrößte
jüdische Gemeinde Deutschlands sein.
Die Eröffnung am Jahrestag des NS-Novemberpogroms findet unter
strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Vor der Grundsteinlegung der
Synagoge 2003 hatten Neonazis einen Bombenanschlag geplant. Eine zur
Eröffnung angemeldete Demonstration von Rechtsextremisten wurde
von der Stadt und den Gerichten verboten.
Die Jüdische Gemeinde will in einer Prozession durch die Stadt die
Thora-Rollen zur neuen Hauptsynagoge tragen (13.30 Uhr). Ab 15.00 Uhr
wollen Knobloch, Köhler und der bayerische Ministerpräsident
Edmund Stoiber bei der festlichen Eröffnung der Synagoge sprechen.
Nach der Zerstörung der alten Hauptsynagoge durch die Nazis 1938
kehrt die Jüdische Gemeinde damit wieder in die Stadtmitte
zurück.
(Quelle: ap)
Reichspogromnacht 9./10.November 1938
Mord, Brandstiftung, Plünderung, Raub und Vertreibung: Die
Ereignisse während der sogenannten "Reichskristallnacht" waren
eine konsequente Fortführung und Radikalisierung einer bereits
1933 begonnenen NS-"Judenpolitik" die die zunehmende Ausgrenzung,
Entrechtung und Demütigung jüdischer Bürger sowie
ihrer Aus- bzw. Vertreibung aus Deutschland betrieb...
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/novpogr1.htm
Studie: Rechtsextremismus ist in Mitte der Gesellschaft verwurzelt
Do.09.11.06 - Rechtsextreme Einstellungen sind kein Randphänomen, sondern in der
Mitte der Gesellschaft verwurzelt. Dies ergab eine bundesweite Studie
im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung. Ausländerfeindlichkeit
ist demnach die am weitesten verbreitete rechtsextreme Einstellung -
26,7 Prozent der Befragten aus allen Schichten, Bundesländern und
Wählergruppen stimmten entsprechenden Thesen zu. Ein geschlossenes
rechtsextremes Weltbild haben der Studie zufolge 8,6 Prozent der
Deutschen.
Dabei begünstigt ein Gefühl politischer Einflusslosigkeit
rechtsextreme Einstellungen stärker als das Gefühl
wirtschaftlicher Benachteiligung, fanden die Autoren Elmar Brähler
und Oliver Decker von der Uni Leipzig heraus. Auch zeigte sich, dass
gerade ältere Menschen rechtsextrem eingestellt sind. Angesichts
der meist auf Jugendliche zugeschnittenen
Anti-Rechtsextremismus-Programme seien daher "neue Strategien"
nötig.
Für die Studie wurden im Frühjahr mehr als 5000 Deutsche
befragt. Dabei gaben neun Prozent an, sie betrachteten die Diktatur als
die unter Umständen bessere Staatsform. 15,2 Prozent sehnten sich
nach einem "Führer" mit starker Hand, 26 Prozent nach einer
einzigen Partei, von der die "Volksgemeinschaft" verkörpert werde.
Fast 15 Prozent zeigten sich überzeugt, dass die Deutschen anderen
Völkern "von Natur aus überlegen" seien; mehr als zehn
Prozent stimmten der These zu, es gebe "wertvolles und unwertes Leben".
Bei Fragen zu Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus
stießen die Forscher auf deutliche Unterschiede in Ost und West.
So stimmten 43,8 Prozent der Ostdeutschen der Aussage zu,
Ausländer kämen nur nach Deutschland, um den Sozialsstaat
auszunutzen. In Westen lag die Zustimmung zu dieser These bei 35,2
Prozent. Antisemitische Äußerungen wie "Juden arbeiten mehr
als andere Menschen mit üblen Tricks" fanden Zustimmung bei 6,1
Prozent der Ostdeutschen, aber 15,8 Prozent der Westdeutschen.
Der Studie zufolge stimmen Befragte mit hohem Bildungsabschluss
rechtsextremen Aussagen seltener zu als die anderen Teilnehmer; auch
unterstützen Frauen solche Thesen seltener als Männer. Die
größte Zustimmung zu rechtsextremen Einstellungen
verzeichneten die Meinungsforscher bei Arbeitslosen, gefolgt von
Ruheständlern. Die Untersuchung ergab zudem Anhaltspunkte, dass
rechtsextreme Auffassungen auch durch soziale und psychische Faktoren
begünstigt werden können - beispielsweise einen "kalten
Umgang in der Familie", Angst und das Gefühl der
Überforderung.
«Die Ergebnisse machen deutlich, dass Rechtsextremismus kein
Problem ist, das alleine durch Ermittlungen des Verfassungsschutzes oder
ordnungsrechtliche Regelungen zu lösen ist», erklärte
Oliver Decker, der die Studie zusammen mit Elmar Brähler leitete.
Besondere Aufmerksamkeit muss nach Auffassung der Autoren der
Ausländerfeindlichkeit gelten. «Wir brauchen ein
'Migrations-Mainstreaming', damit endlich ins Bewusstsein kommt, dass
Deutschland ein Einwanderungsland ist», sagte Decker.
Im Vergleich zu zwei Vorgängerstudien in den Jahren 2002 und 2004
stellten die Autoren keine wesentlichen Veränderungen fest. Die
Zahlen blieben in allen Bereichen relativ konstant. Für die
Untersuchung wurden rund 4.900 Personen ab 14 Jahren befragt.
(Quellen: afp, ap)
Friedrich-Ebert-Stiftung:
http://www.fes.de/
Wissenschaft
Australisches Oberhaus erlaubt therapeutisches Klonen
Do.09.11.06 - Das australische Oberhaus will das Klonen von menschlichen Embryos zu
therapeutischen Zwecken erlauben. Der Senat stimmte mit einer knappen
Mehrheit für eine umstrittene Gesetzesvorlage, die das
künstliche Erzeugen menschlicher Embryos zu Forschungszwecken
zulässt. Wissenschaftler hoffen darauf, mit Stammzellen aus
geklonten Embryos neue Therapien gegen bislang unheilbare Krankheiten -
wie Alzheimer, Diabetes und Krebs - entwickeln zu können.
Laut dem australischen Gesetz dürften die künstlich erzeugten
Embryos aber keiner Frau eingepflanzt werden, und sie müssten
binnen 14 Tagen wieder vernichtet werden. Beobachter schätzen, dass
das Gesetz auch bei der anstehenden Wahl im Unterhaus gebilligt wird.
(Quelle: afp)