Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertfünfundsechzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Irakische Streitkräfte melden Festnahme von Al-Kaida-Führer.
Angeblich 12.000 Al-Kaida-Kämpfer im Irak. Laut irakischem
Gesundheitsministerium mehr als 150.000 Tote seit Einmarsch von
US-Truppen
Sa.11.11.06 - Die irakischen Streitkräfte haben am Freitag die Verhaftung eines
örtlichen Al-Kaida-Führers gemeldet. Zusammen mit Abu Muhajjam
al Masri, genannt «der Ägypter», wurden elf weitere
Mitglieder der Zelle in der westirakischen Stadt Rawah, 275 Kilometer
nordwestlich von Bagdad, festgenommen, wie das Verteidigungsministerium
mitteilte.
Bei der Razzia wurden den Angaben zufolge große Mengen von Waffen
beschlagnahmt. Bei den festgenommenen Mitgliedern der Terrorzelle
handelt sich sich vermutlich um Ausländer. Rawah liegt tief in der
Provinz Anbar, die ein Zentrum des sunnitischen Aufstands gegen die
irakische Regierung und die US-Truppen ist.
Im Irak stehen nach Angaben des dortigen Al-Kaida-Ablegers rund 12.000
Kämpfer zum Einsatz bereit. Diese stünden dem selbsternannten
Emir des Islamischen Staates im Irak zur Verfügung, sagte der Chef
der irakischen Al Kaida, Abu Hamsa el Muhadscher, in einer im Internet
veröffentlichten Aufnahme. Scheich Abu Omar el Baghdadi hatte sich
Mitte Oktober zum Emir des so genannten Islamischen Staates
proklamiert. Muhadscher drohte weiter damit, das Weiße Haus
sprengen zu wollen. Die Echtheit der Aufnahme konnte zunächst
nicht ermittelt werden.
George W. Bush bezeichnete Muhadscher in seiner Ansprache als "den
dümmsten und schlechtesten US-Präsidenten". Die US-Truppen
seien kurz davor, davon zu laufen. Gleichzeitig begrüßte er
den Sieg der Demokraten bei den Kongresswahlen. Die US-Bürger
hätten den "ersten Schritt in die richtige Richtung" unternommen.
Nun beginne eine neue Phase des Heiligen Krieges, sagte Muhadscher
weiter. Ziel sei die Errichtung eines islamischen Staates und die
"Wiederherstellung des Ruhmes des Islam". "Wir schwören, wir
werden in unserem Dschihad nicht inne halten ... bis wir das dreckigste
Haus, genannt das Weiße Haus, in die Luft gesprengt haben."
Bei Anschlägen wurden unterdessen erneut drei amerikanische
US-Soldaten getötet, wie die US-Streitkräfte am Freitag in
Bagdad mitteilten. Damit stieg die Zahl der seit Anfang des Monats im
Irak getöteten US-Soldaten auf 23. Zwei Soldaten seien am
Donnerstag bei der Explosion einer am Straßenrand im Westen von
Bagdad versteckten Bombe getötet worden. Ein weiterer erlag am
selben Tag Verletzungen, die er bei Kämpfen in der Provinz Anbar
erlitten hatte. Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 kostete
die Gewalt nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP mindestens
2.843 Mitglieder der US-Streitkräfte das Leben.
Seit dem US-geführten Einmarsch im Irak vor mehr als drei Jahren
sind nach Angaben aus dem irakischen Gesundheitsministerium etwa 150.000
Menschen getötet worden. Die Menschen seien "terroristischen
Akten, Kämpfen und Morden" zum Opfer gefallen, sagte ein ranghoher
Mitarbeiter des Ministeriums unter Berufung auf jüngste
Statistiken. Im Durchschnitt würden täglich bis zu 80
Menschen getötet.
Die Schätzungen über die Opferzahlen im Irak gehen teils weit
auseinander. Im Oktober hatte ein Team von Medizinern aus den USA und
dem Irak in einer in der Fachzeitschrift "The Lancet"
veröffentlichten Studie die Zahl der zivilen Todesopfer zwischen
März 2003 und Juli diesen Jahres auf mehr als 650.000
geschätzt. Die USA, Großbritannien und die Regierung in
Bagdad hatten die Angaben als übertrieben und unglaubwürdig
kritisiert.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 11.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundersten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Italien verlangt Neuorientierung der Afghanistan-Politik
Sa.11.11.06 - Nach der Machtverschiebung in Washington hat der italienische
Außenminister Massimo D'Alema eine Neuausrichtung der
Afghanistan-Politik gefordert. Die Strategie der militärischen
Intervention habe sich als ineffektiv erwiesen, sagte D'Alema der
Zeitung «La Repubblica» vom Freitag. Italien wolle eine
internationale Afghanistan-Konferenz organisieren. «Wir
müssen uns an einen Tisch setzen und einen Plan für
politische, wirtschaftliche und humanitäre Unterstützung
beginnen.» Die Zeit sei reif für neue Ansätze in der
Weltpolitik, sagte D'Alema mit Blick auf den Wahlsieg der
Demokratischen Partei in den USA. In einem Interview mit der Zeitung
«L'Unita» rief er US-Präsident George W. Bush auf,
sich mehr um den israelisch-palästinensischen Konflikt zu
kümmern.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel bedauert 'technischen Fehler' in Bet Hanun.
Palästinensischer Ministerpräsident Hanija erklärt sich
zu Amtsverzicht bereit
Sa.11.11.06 - Ursache des tödlichen Artilleriefeuers auf ein
palästinensisches Wohnhaus im Gazastreifen war nach Angaben der
israelischen Regierung ein «technischer Fehler».
Der israelische Regierungschef Ehud Olmert sagte am Donnerstag:
«Wir versuchen, zivile Opfer zu vermeiden. Aber gelegentlich
passiert das, und wir bedauern jeden einzelnen Fall.»
Nach einer Untersuchung der israelischen Armee war eine Computerkarte
im Leitsystem des Geschützes Ursache der fehlgeleiteten Granaten.
Die Karte mit den falschen Koordinaten sei vor fünf Tagen
eingesetzt worden. Infolgedessen seien sieben Geschosse statt auf einem
freiem Feld, von dem aus Palästinenser Raketen abgefeuert
hätten, in palästinensische Häuser eingeschlagen. Diese
vorläufigen Ergebnisse der Untersuchung seien am Abend dem
Verteidigungsminister Amir Perez übergeben worden, berichteten
israelische Medien.
Auf einer Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrats forderte der
palästinensische Beobachter bei den UN, Rijad Mansur, die
internationale Gemeinschaft zum Eingreifen auf. «Wie viele
Palästinenser müssen noch sterben, bis der Sicherheitsrat
handelt? Genug ist genug», sagte Mansur in New York. Er verlangte
die «Einstellung der Aggressionen» durch Israel, eine
Untersuchung der jüngsten Artillerieangriffe auf Bet Hanun sowie
UN-Beobachter, die einen Waffenstillstand überwachen sollten.
Olmert erneuerte sein Angebot, sich mit
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu treffen, «zu
jeder Zeit und an jedem Ort». Abbas werde «überrascht
sein, wie weit wir zu gehen bereit sind». «Ich kann ihm eine
Menge anbieten.»
Militante Palästinenser feuerten weiter Kassam-Raketen auf
israelische Grenzorte. Der israelische Rundfunk meldete, ein Geschoss
sei unmittelbar neben einer Religionsschule eingeschlagen. Angesichts
zahlreicher Warnungen vor Anschlägen herrschte in ganz Israel
erhöhte Alarmbereitschaft.
Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija hat sich
zu einem Amtsverzicht bereit erklärt, um so die Finanzhilfe aus dem
Ausland wieder ins Rollen zu bringen. Er sei bereit, zur Seite zu
treten, wenn der Westen seine Überweisungen an die Autonomiegebiete
fortsetze, sagte Hanija am Freitag in der Stadt Gaza.
Die Finanzhilfe wurde nach der Regierungsübernahme von Hanijas
Hamas-Bewegung im März drastisch eingeschränkt. Die
Autonomiebehörde geriet dadurch an den Rand der
Zahlungsunfähigkeit. Die Hamas verhandelt seit mehreren Monaten mit
der gemäßigteren Fatah von Präsident Mahmud Abbas
über die Bildung einer gemeinsamen Regierung.
Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gab es zunächst noch
keine Abstimmung zu einem von Katar eingebrachten Resolutionsentwurf, in
dem der jüngste israelische Panzerangriff auf Wohnhäuser im
Gazastreifen verurteilt wird. Bei den Beratungen gab es dem Vernehmen
nach mehrere Änderungsvorschläge von Großbritannien.
Der palästinensische UN-Beobachter Rijad Mansur bezeichnete den
israelischen Angriff, bei dem 18 Menschen getötet wurden, als
Staatsterrorismus. Der stellvertretende israelische UN-Botschafter
Daniel Carmon brachte das Bedauern seiner Regierung zum Ausdruck.
Zugleich bekräftigte er das Recht Israels, sich gegen
Raketenangriffe militanter Palästinenser aus dem Gazastreifen zu
wehren.
(Quellen: dpa, ap)
Israelische Hochschule zieht Ehrendoktor-Angebot an Grass zurück
Sa.11.11.06 - Die Hochschule der israelischen Stadt Netanja hat ihr Angebot
zurückgezogen, dem Schriftsteller Günter Grass die
Ehrendoktorwürde zu verleihen. Die Zeitung «Haaretz»
veröffentlichte am Freitag einen offenen Brief des
Literaturnobelpreisträgers, in dem dieser auf einen entsprechenden
Brief des Universitätsvizepräsidenten David Altman antwortet.
Nur zwei Wochen vor der Enthüllung von Grass, bei Kriegsende
Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, sprach Altman mit dem
Schriftsteller über Einzelheiten der geplanten Verleihung der
Ehrendoktorwürde. Grass sprach nach Angaben Altmans damals offen
über seine Vergangenheit in der Hitler-Jugend, gab aber keinerlei
Hinweis zu seinem bevorstehenden Gang an die Öffentlichkeit. Als
Reaktion auf die Enthüllung schrieb die Hochschule Grass einen
Brief. «Wir wollten wissen, warum er das getan hat und warum er es
als Mann mit einem Gewissen so viele Jahre lang verborgen hat»,
sagte Altman.
In dem Antwortschreiben bat Grass darum, seine «Tätigkeit
als Schriftsteller, Künstler und engagierter Bürger in meinem
Land» zu berücksichtigen, wenn über seine Vergangenheit
als junger Mann geurteilt werde. Er fügte aber auch hinzu:
«Ich muss akzeptieren, dass die SS für mich ein Kainsmal sein
wird von nun an bis ans Ende meiner Tage.»
(Quelle: ap)
Islamisten in Somalia für Wiederaufnahme von
Friedensgesprächen
Sa.11.11.06 - Die islamistischen Milizen und der Parlamentspräsident von Somalia
haben am Freitagabend ein Abkommen zur Wiederaufnahme der
Friedensgespräche unterzeichnet. Parlamentspräsident Sharif
Hassan Sheik Aden verhandelte allerdings ohne Mandat der
Übergangsregierung, so dass die Einigung in Mogadischu nach
Angaben beider Seiten nur ein erster Schritt zur Beilegung des
Konflikts sein kann. Beide Parteien riefen die geschwächte
Übergangsregierung auf, das Abkommen anzuerkennen.
Die Einigung umfasst sieben Kernpunkte, darunter auch die Zusicherung
beider Seiten, keine ausländische Einmischung zuzulassen. Somalia
könnte nach Ansicht von Beobachtern zum Schauplatz des Konflikts
zwischen Äthiopien und Eritrea werden: Ein vertraulicher
UN-Bericht, der der Nachrichtenagentur AP vorliegt, geht von rund 2.000
eritreischen Soldaten in Somalia aus sowie von 6.000 bis 8.000
äthiopischen Soldaten entweder in dem Land oder an der Grenze.
Eritrea, das die islamischen Milizen unterstützt, hat die Berichte
zurückgewiesen. Äthiopien, das auf Seite der
Übergangsregierung steht, hat erklärt, lediglich einige
hundert Beobachter nach Somalia entsandt zu haben.
Das Land am Horn von Afrika versank nach dem Sturz des
langjährigen Machthabers Mohammed Siad Barre 1991 in Anarchie. Die
mit Hilfe der Vereinten Nationen installierte Übergangsregierung
ist nahezu machtlos und wird von dem Bündnis islamischer Milizen
zunehmend unter Druck gesetzt. Dieses hat in den vergangenen Monaten
die Kontrolle über weite Teile Südsomalias übernommen.
(Quelle: ap)
UNO verschiebt Entscheidung über endgültigen Kosovo-Status
Sa.11.11.06 - Die UNO will über die Zukunft des Kosovo erst nach den Wahlen in
Serbien entscheiden. Er werde seine Vorschläge nach der
Parlamentswahl am 21. Januar "unverzüglich" vorlegen, teilte der
UN-Sondergesandte Martti Ahtisaari in Wien nach einem Treffen der
Kosovo-Kontaktgruppe mit. Eigentlich hatte er die Pläne vor
Jahresende vorstellen wollen. Der serbische Präsident Boris Tadic
hatte zuvor offiziell den 21. Januar als Wahltermin angesetzt, auf den
sich die serbischen Parteien am Donnerstag geeinigt hatten.
An dem Treffen in Wien nahmen die politischen Direktoren der aus
Deutschland, den USA, Frankreich, Italien, Großbritannien und
Russland bestehenden Kosovo-Kontaktgruppe teil. Die Verhandlungen
über den endgültigen Status des Kosovo sind seit Monaten
festgefahren.
Das Kosovo gehört völkerrechtlich zu Serbien, steht aber seit
dem Kriegsende 1999 unter UN-Verwaltung. Die zu 90 Prozent
albanischstämmige Bevölkerung will die Unabhängigkeit.
Die Regierung in Belgrad und die serbische Minderheit im Kosovo lehnen
dies ab; sie wollen dem Gebiet lediglich weiter reichende
Autonomierechte innerhalb Serbiens zugestehen. Serbien sieht das Kosovo
als seine kulturelle Wiege an.
(Quelle: afp)
Türkisches Parlament stärkt Rechte religiöser
Minderheiten
Sa.11.11.06 - Das türkische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das die
Eigentumsrechte der nicht-muslimischen Religionsgruppen im Land
stärkt. Mit dem Gesetz erfüllt die Türkei eine der
Forderungen der Europäischen Union an den Beitrittskandidaten zur
Stärkung der Minderheitenrechte. Die Regelung, die noch vom
Staatspräsidenten unterzeichnet werden muss, ebnet den Weg vor
allem für christliche griechische und armenische Stiftungen sowie
für jüdische Stiftungen, ihr 1974 vom Staat beschlagnahmtes
Eigentum zurückzuverlangen.
Vertreter der betroffenen Gemeinschaften halten das Gesetz allerdings
für unzureichend, unter anderem, weil es keinen Rechtsbehelf
für die Rückgabe des mittlerweile an Dritte verkauften
Eigentums vorsieht. Damit drohten Ankara umfangreiche
Wiedergutmachungsprozesse vor dem Europäischen
Menschenrechtsgerichtshof, warnen die Kritiker. Das Gesetz ist eine
Überholung des Stiftungsrechts, das den staatlichen Einfluss auf
alle Stiftungen schwächt.
(Quelle: afp)
Deutschland
Anti-Terror-Einsatz der Bundeswehr verlängert
Sa.11.11.06 - Der Bundestag hat der weiteren deutschen Beteiligung am internationalen
Anti-Terror-Einsatz "Enduring Freedom" zugestimmt. Für eine
Verlängerung des Mandats votierten 436 Abgeordnete, 101 stimmten
mit Nein. Es gab 26 Enthaltungen. Während SPD, Union und FDP
für den Einsatz waren, wandten sich Grüne und Linkspartei
gegen eine weitere Beteiligung der Bundeswehr an "Enduring Freedom". In
der Debatte verteidigten Vertreter der Koalition den Anti-Terror-Einsatz
gegen die Kritik aus der Opposition.
In dem verlängerten Mandat wird die - bislang nie
ausgeschöpfte - Obergrenze für die Zahl der
Bundeswehr-Soldaten von 2800 auf 1800 abgesenkt. Derzeit sind 335
deutsche Soldaten für "Enduring Freedom" im Einsatz - und zwar bei
der Kontrolle der Seewege am Horn von Afrika. Das Mandat umfasst auch
die Einsätze der Eliteeinheit KSK in Afghanistan, die es aber seit
dem Regierungswechsel vor einem Jahr nicht mehr gegeben hat. Um den
Forderungen aus dem Parlament nach mehr Transparenz nachzukommen,
schreibt das Mandat nun die regelmäßige Information der
Abgeordneten fest.
In der Bundestagsdebatte räumte der SPD-Außenexperte
Hans-Ulrich Klose ein, dass die Lage in Afghanistan wieder schwieriger
geworden sei. Die Taliban seien "wieder erstarkt und besser bewaffnet
als zuvor", sagte Klose. Dennoch solle der Einsatz fortgesetzt werden,
weil ein Rückzug als "Zeichen westlicher Schwäche" gewertet
werde. "Das dürfen wir nicht zulassen."
(Quelle: afp)
Wieder einmal hat das deutsche Parlament einer partiellen
Selbstentmachtung zugestimmt
Das Mandat "Enduring Freedom", das gestern verlängert wurde,
erlaubt Militäraktionen in weiten Teilen der Welt, denen der
Bundestag nicht mehr gesondert zustimmen muss und über deren
Einzelheiten die Abgeordneten nicht informiert werden... Mehr in der taz
vom 11.11.06:
http://www.taz.de/pt/2006/11/11/a0033.1/text
Deutschland will strategische Partnerschaft zwischen EU und NATO
Sa.11.11.06 - Knapp drei Wochen vor dem NATO-Gipfel in Riga hat sich der Bundestag
für eine strategische Partnerschaft zwischen der Europäischen
Union und dem westlichen Verteidigungsbündnis ausgesprochen. Die
NATO müsse zudem als «zentrales Forum für strategische
sicherheitspolitische Fragen» gestärkt werden, heißt es
in einem am Freitag mit den Stimmen von Union und SPD verabschiedeten
Koalitionsantrag zum bevorstehenden Treffen der Allianz in Lettland.
Die FDP beklagte derweil ein fehlendes strategisches Konzept, und die
Linkspartei warnte vor einer neuen «Expansionsstrategie» des
Bündnisses.
Bislang kann die EU bei möglichen Militäreinsätzen auf
die Fähigkeiten der NATO zurückgreifen, doch besteht nach
Einschätzung von Militärexperten nach wie vor «keine
echte Partnerschaft». Zudem wird beklagt, dass sich die
Transformation der NATO mit ihrer Führungsmacht USA allein auf den
militärischen Bereich bezieht. Die «neue NATO» wird auf
ein breites Spektrum von Einsätzen ausgerichtet, die von Missionen
mit «hoher Intensität» zur Friedenserzwingung bis hin
humanitärer Hilfe reichen.
Auf dem kommenden NATO-Gipfel am 28./29. November steht eine Bilanz des
Afghanistan-Einsatzes im Vordergrund sowie die Feststellung der vollen
Einsatzbereitschaft der NATO Response Force (NRF). Zudem geht es um die
Lage im Kosovo sowie um die sudanesische Krisenregion Darfur, wo eine
Übernahme der Mission der Afrikanischen Union durch die UNO geplant
ist.
Ferner will sich die Allianz mit den Mitgliedsbestrebungen der Ukraine
und Georgiens befassen sowie Kroatien, Albanien und Mazedonien ein
«Ermunterungssignal» geben. Bei der vorerst letzten
Erweiterungsrunde waren 2004 sieben ost- und südosteuropäische
Länder der NATO beigetreten. Zusammen mit der Erweiterung um
Polen, Tschechien und Ungarn vom April 1999 zählt das Bündnis
26 Mitglieder.
(Quelle: ddp)
Koalition plant 2007 mehr Ausgaben und weniger neue Schulden
Sa.11.11.06 - Die große Koalition will 2007 mehr Geld ausgeben und zugleich
weniger neue Schulden aufnehmen als bislang geplant. Die entsprechenden
Korrekturen am Etatentwurf von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD)
gaben die Koalitions-Haushälter Steffen Kampeter (CDU) und Carsten
Schneider (SPD) in Berlin bekannt. Demnach sind für 2007 nun
Ausgaben des Bundes von 270,5 Milliarden Euro vorgesehen. Für die
Neuverschuldung sind 19,6 Milliarden Euro eingeplant und für die
Investitionen 24 Milliarden Euro.
Die Korrekturen am Etatentwurf sind das Ergebnis der so genannten
Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses. Kampeter und Schneider
wiesen darauf hin, dass die Neuverschuldung des Bundes im kommenden Jahr
erstmals seit der Wiedervereinigung knapp unter die 20-Milliarden-Euro
Grenze fallen soll. "Die große Koalition löst damit ihr
Versprechen ein, mit der Konsolidierung ernst zu machen", sagte
Kampeter. Die zusätzlichen Spielräume waren durch den
überplanmäßigen Anstieg der Steuereinnahmen auch
für den Bund entstanden.
Der Etatentwurf von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sah
bislang Ausgaben von 267,6 Milliarden Euro sowie eine
Nettokreditaufnahme von 22,0 Milliarden Euro vor. Die Investitionen
waren mit 23,5 Milliarden Euro veranschlagt. Finanziert wird das nun
beschlossene Ausgabenwachstum in erster Linie durch höhere
Steuereinnahmen.
Akzente setzt die Koalition unter anderem durch mehr Mittel für
den Bau von Autobahnen, im Kulturbereich sowie bei den Mitteln zum Kampf
gegen den Rechtsextremismus. Der Bundestag soll den Haushalt am 24.
November verabschieden. Zusätzliche Einsparungen soll es im
Personalbereich geben. Schneider und Kampeter lobten
übereinstimmend die gute Atmosphäre der Haushaltsberatungen in
der Koalition.
Im überarbeiteten Etatentwurf berücksichtigt wurde auch der
Koalitionsbeschluss, den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung im
kommenden Jahr von 6,5 Prozent auf 4,2 Prozent zu senken sowie der
Verzicht auf einen Teil der bislang vorgesehenen Kürzung des
Bundeszuschusses für die Krankenkassen. Diese Kürzung soll um
eine Milliarde Euro niedriger ausfallen als zunächst geplant. Die
Finanzierung erfolgt zur Hälfte durch Umschichtungen im Haushalt.
Eine halbe Milliarde Euro ist bislang durch eine globale Minderausgabe
abgedeckt, die noch im Haushaltsvollzug erwirtschaftet werden muss. Die
Finanzierung der Mehrkosten für die Krankenkassen in den
Folgejahren ist laut Kampeter noch offen.
(Quelle: afp)
Konzernumbau beschert Siemens kräftigen Gewinnsprung
Sa.11.11.06 - Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat dem Konzern mit seiner radikalen und
in Teilen der Belegschaft umstrittenen Neuausrichtung einen satten
Gewinnsprung verschafft. Im Ende September abgelaufenen
Geschäftsjahr verdiente Siemens unterm Strich rund 3,1 Milliarden
Euro und damit gut ein Drittel mehr als im Vorjahr, gab Kleinfeld
bekannt. Der Umsatz kletterte um 16 Prozent auf gut 87 Milliarden Euro,
der Auftragseingang um 15 Prozent auf über 96 Milliarden Euro.
Gleichzeitig verteidigte Kleinfeld den Verkauf der Mobilfunksparte an
den taiwanischen Konzern BenQ.
Kleinfeld verteidigte die Entscheidung für den Verkauf der
Mobilfunksparte an BenQ im Oktober vergangenen Jahres auch im
Nachhinein. "Vieles sprach für BenQ zum damaligen Zeitpunkt." Das
taiwanische Unternehmen habe eine erfahrene Führungsmannschaft
gehabt und sei zudem der einzige Interessent an der
Siemens-Mobilfunksparte gewesen, der die Verpflichtungen des mit der IG
Metall geschlossenen Ergänzungstarifvertrages voll übernehmen
wollte. Die Insolvenz des Deutschlandgeschäftes von BenQ Ende
September habe die Siemens-Führung "sehr überrascht" und "sehr
betroffen" gemacht.
Kleinfeld wies die Kritik am Siemens-Management in dem Zusammenhang mit
dem Verkauf als ungerechtfertigt zurück. Siemens habe deutlich mehr
für die Beschäftigten getan, als die Firma verpflichtet
gewesen sei. Dabei hob er besonders hervor, dass die
Siemens-Jobbörse mit ihren derzeit über 2000 freien Stellen
auch den BenQ-Beschäftigten zugänglich gemacht worden sei.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr verhinderten die
Telekommunikationssparte Com und der kriselnde IT-Bereich SBS ein noch
besseres Konzernergebnis. Sie rissen ein Loch von knapp 800 Millionen
Euro in die Kassen. Aufsichtsrat und Vorstand einigten sich darauf, die
Dividende für die Aktionäre um zehn Cent auf 1,45 Euro pro
Aktie zu erhöhen.
Laut Kleinfeld erwartet Siemens für 2007 ein Wachstum, das doppelt
so hoch ausfallen wird wie das durchschnittliche
Weltwirtschaftswachstum. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatten nur
fünf von elf Bereichen die Ziele erreicht. Die größten
Gewinne erwirtschaftete die Antriebssparte A&D, die ihre Gewinne um
ein Viertel auf 1,6 Milliarden Euro steigern konnte. Auch die
Medizintechnik baute ihr Plus aus und erwirtschaftete einen Gewinn von
mehr als einer Milliarde Euro.
(Quelle: afp)
Neonazis randalieren nach Gedenken an Pogromopfer von 1938
Sa.11.11.06 - Neonazis haben nach einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der
Reichspogromnacht vom 9. November 1938 in Frankfurt an der Oder
randaliert. Sie rissen am Donnerstagabend Blumengebinde, Kränze und
Kerzen auseinander, die zuvor auf einem Gedenkstein für eine
zerstörte Synagoge im Stadtzentrum abgelegt worden waren, wie ein
Polizeisprecher am Freitag sagte. Als Polizisten einschritten,
skandierten einige aus der Gruppe «Sieg Heil».
16 der teilweise betrunkenen Beteiligten zwischen 16 und 24 Jahren
wurden vorläufig festgenommen. Sie sind unterdessen wieder auf
freiem Fuß. Das Amtsgericht Franfurt (Oder) habe die gegen neuen
Jugendliche beantragten Haftbefehle abgelehnt, sagte ein Sprecher der
Staatsanwaltschaft am Abend. Einige der Festgenommenen waren der Polizei
bereits als Angehörige der rechtsextremistischen Szene bekannt.
Der antisemitische Vorfall begann nach einer Gedenkfeier für die
Opfer der Pogromnacht am Donnerstagabend. Etwa 120 Menschen hatten zuvor
dort, wo am 9. November 1938 die Frankfurter Synagoge in Flammen
aufgegangen war, an getöte und verfolgte Juden der Stadt erinnert
und an einem Gedenkstein Blumen, Kränze und Kerzen niedergelegt.
Augenzeugen zufolge lagen Blumengebinde und Lichter schon kurz nach der
von Kirchen, der jüdischen Gemeinde und der Stadt organisierten
Zeremonie gegen 19.45 Uhr zerstreut und zertreten in einem Umkreis von
etwa fünf Metern im Dreck. Ein Zeuge erklärte der Polizei,
einer der Neonazis haben auf den Gedenkstein uriniert. Dies habe von der
Spurensicherung bisher jedoch nicht bestätigt werden können,
sagte ein Sprecher.
Der Frankfurter Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) zeigte sich
schockiert über die «unsägliche, frevelhafte Tat».
Am Freitagvormittag legte er demonstrativ erneut Blumen am Gedenkstein
nieder und rief die Bürger auf, sich gegen die Randale zu
bekennen. «Gewalt gegen Blumen kann sonst ausarten in Gewalt
gegen Menschen», warnte er.
Der Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck
erklärte, er sei entsetzt. «Wer sich an Blumengebinden und
Kerzen zum Gedenken an die Millionen Opfer des Holocaust vergreift,
zeigt, dass er aus der größten Katastrophe in der deutschen
Geschichte nichts gelernt hat», sagte der SPD-Politiker. Der
Vorsitzende der Linkspartei.PDS, Lothar Bisky, forderte eine schnelle
und für die Täter spürbare Verurteilung. «Der Staat
muss zeigen, dass er sich nicht von Neonazis vorführen
lässt», erklärte Bisky, der für den Wahlkreis
Frankfurt (Oder) im Bundestag sitzt.
(Quelle: ap)
Richter erlauben NPD-Parteitag in Berlin
Sa.11.11.06 - Die rechtsextreme NPD darf ihren geplanten Bundesparteitag an diesem
Samstag im Fontane-Haus im Berliner Bezirk Reinickendorf veranstalten.
Das hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) am
Freitagabend entschieden (Aktenzeichen: OVG 3 S 72.06). Die NPD hatte
damit in der Berufungsinstanz Erfolg.
Zuvor hatte die Partei sowohl für das Fontane-Haus als auch
für einen alternativen Veranstaltungsort an der Trabrennbahn
Mariendorf gerichtliche Absagen kassiert.
Für heute hat ein breites Bündnis aller im Berliner
Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien zum Protest gegen die Extremisten
aufgerufen. Gleichzeitig drohen der Partei erhebliche
Rückforderungen. Wegen Unregelmäßigkeiten im
thüringischen NPD- Landesverband fordert der Bundestag 870 000
Euro aus der staatlichen Parteienfinanzierung zurück.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) rief angesichts neuer
rechter Übergriffe dazu auf, verstärkt gegen rechtsextremes
Gedankengut vorzugehen.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach sich
für ein NPD-Verbot aus. «Es darf nichts unversucht bleiben,
ein NPD- Verbot erneut gründlich und mit dem Ziel der
Gerichtsfestigkeit zu prüfen», sagte er der
Nachrichtenagentur dpa. Vor drei Jahren war ein Verbotsverfahren vor
dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gescheitert.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland warnte die Politik vor falschen
Reaktionen. «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in
Hysterie verfallen und auf Grund des Schockzustands die Grundwerte
unseres demokratischen Systems und Verfassungsstaats über Bord
werfen», sagte Generalsekretär Stephan Kramer der
«Netzeitung».
Der 3. OVG-Senat verpflichtete das Bezirksamt Reinickendorf, der NPD am
Samstag und Sonntag einen Saal zur Verfügung zu stellen, der etwa
700 Personen umfasst. Ein solcher Anspruch ergebe sich aus dem
gesetzlichen Gleichbehandlungsgebot für politische Parteien.
Anders als das Verwaltungsgericht sah das OVG kein unkalkulierbares
Sicherheitsrisiko durch den NPD-Parteitag. Die Polizei stellt sich
dennoch auf einen Großeinsatz ein. Rund 700 Beamte sollen am
Samstag Zusammenstöße von Rechtsextremisten und
Gegendemonstranten vermeiden.
Der Bundestag fordert von der NPD 870 000 Euro aus der staatlichen
Parteienfinanzierung zurück. Wegen Unregelmäßigkeiten
im thüringischen NPD-Landesverband sind nach Feststellungen der
zuständigen Staatsanwaltschaften Festsetzung und Auszahlung der
gesamten NPD-Parteienfinanzierung in den Jahren 1998 und 1999
rechtswidrig gewesen. Laut Bundestag bekommt die NPD deshalb die am 15.
November fällige Abschlagszahlung in Höhe von 277 000 Euro
nur gegen eine Sicherheitsleistung wie eine Bankbürgschaft oder
eine Grundschuldübertragung überwiesen.
(Quelle: dpa)
Forschungsgemeinschaft fordert Lockerung des Stammzellgesetzes
Sa.11.11.06 - Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fordert eine Lockerung des
Stammzellgesetzes. Die Rahmenbedingungen für deutsche Forscher
müssten verbessert werden, mahnte die Organisation am Freitag in
Berlin. Sie verwies darauf, dass die internationale Stammzellforschung
in den vergangenen Jahren wichtige neue Erkenntnisse hervorgebracht
habe. Dies gelte vor allem für die Forschung mit humanen
embryonalen Stammzellen.
Die Forschungsgemeinschaft fügte hinzu, das Wissen über die
Eigenschaften von Stammzellen etwa im Zusammenhang mit der Untersuchung
genetischer Krankheiten sei wesentlich erweitert worden. Durch die im
Stammzellgesetz von 2002 festgelegte Stichtagsregelung und die
Strafandrohung seien deutsche Forscher aber vom Zugriff auf neue
Zelllinien und von der Arbeit in internationalen Projekten weitgehend
ausgeschlossen.
Die DFG mahnte: «Diese neuen Zelllinien, die standardisiert in
ausländischen Stammzellbanken verfügbar sind, ermöglichen
Forschung auf internationalem Niveau und verhindern langfristig die
Herstellung weiterer Stammzelllinien.» Deshalb sollten die
Stichtagsregelung abgeschafft und der deutschen Forschung auch neuere,
im Ausland hergestellte und verwendete Stammzelllinien zugänglich
gemacht werden, sofern diese aus «überzähligen»
Embryonen entstanden sind.
Außerdem solle die Einfuhr von Zelllinien auch dann erlaubt sein,
wenn diese für diagnostische, präventive und therapeutische
Zwecke verwendet werden sollen. Ferner müsse die Strafandrohung
für deutsche Wissenschaftler aufgehoben werden.
(Quelle: ddp)