Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsechsundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Militär denkt über neue Wege im Irak nach. Bei
Anschlägen mindestens 62 Menschen getötet
So.12.11.06 - Die US-Militärführung denkt über mögliche
Änderungen am Vorgehen im Irak nach. Zwei Tage nach dem
Rücktritt von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte
Generalstabschef Peter Pace dem US-Sender CBS, dass er derzeit zusammen
mit anderen führenden Generälen überprüfe, welche
Änderungen am Irak-Einsatz möglicherweise nötig werden.
Details nannte er aber nicht, da eine öffentliche Debatte nur den
Feinden Amerikas nutzen würde.
Zunächst müsse man sich über die wirklichen Ziele im
Irak klar werden und feststellen, «was funktioniert, was nicht
funktioniert (...) und was wir an unserer Vorgehensweise ändern
sollten», sagte Pace. Er glaube aber nicht, dass schon die
Ablösung Rumsfelds allein zu einer Änderung in der Irakpolitik
der US-Regierung führen werde.
Sunnitische Aufständische haben im Irak bei einer
Massenentführung zehn Schiiten erschossen und 50 weitere
verschleppt. Insgesamt wurden am Samstag mindestens 62 Menschen
getötet.
Der Überfall auf die Busreisenden wurde nach Angaben der
irakischen Polizei am Samstag auf einer berüchtigten
Fernstraße südlich von Bagdad verübt, die durch
mehrheitlich von Sunniten bewohntes Gebiet nach Nadschaf führt, wo
sich das wichtigste Heiligtum der Schiiten befindet. Nach
Polizeiangaben täuschten die Täter bei Latifija einen
Kontrollpunkt vor und stoppten mehrere Kleinbusse.
In anderen Teilen Iraks wurden unterdessen mindestens 52 Menschen bei
Angriffen und Anschlägen getötet. Bei einem
Sprengstoffanschlag wurden in der Nacht zum Samstag ein polnischer und
ein slowakischer Soldat getötet.
Die US-Armee setzte eine Belohnung von bis zu 50.000 Dollar für
Hinweise auf den Verbleib eines entführten Soldaten aus. Der aus
dem Irak stammende Mann hatte als Übersetzer für die Armee
gearbeitet. Er war am 23. Oktober nach dem Verlassen der streng
bewachten "Grünen Zone" Bagdads verschleppt worden. Seitdem fehlt
von dem 41-Jährigen jede Spur, obwohl die Armee in einem
Großeinsatz nach ihm suchte und hunderten Hinweisen aus der
Bevölkerung nachging.
(Quellen: dpa, ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 12.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertundzweiten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.12.11.05 - US-Präsident Bush weist Vorwürfe wegen der Begründung
des Irakkriegs zurück +++ Baath-Partei: Saddam Husseins Ex-Vize Duri
gestorben +++ Schüsse auf Botschaft von Oman in Bagdad +++ Independent
würdigt im Irak gefallene britische Soldaten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511120.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Anforderung für Bundeswehr-Einsatz in Südafghanistan erwartet
So.12.11.06 - Die deutsche Regierung rechnet nach einem Bericht des
«Spiegels» mit Druck aus den USA, Bundeswehrsoldaten auch im
gefährlichen Süden Afghanistans einzusetzen. In diesem Sinne
habe sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer vertraulichen Sitzung
des Verteidigungsausschusses im Bundestag am Mittwoch
geäußert, meldete das Hamburger Nachrichtenmagazin am Samstag
vorab.
Zwar habe Merkel die Auffassung vertreten, es gebe für Afghanistan
keine militärische Lösung. Statt mehr Soldaten seien
verstärkte Anstrengungen beim zivilen Wiederaufbau nötig. Aber
schon diese Woche bei der NATO-Parlamentarierversammlung in Quebec
erwarte Berlin neues Drängen der USA, Kanadas,
Großbritanniens und der Niederlande, die Last breiter zu verteilen.
US-Gesprächspartner hätten dieses Anliegen bereits
gegenüber dem Koordinator für die deutsch-amerikanischen
Beziehungen, Karsten Voigt, vertreten. Die Bundeswehr könne ihren
Einsatz nicht auf den ruhigen Norden beschränken. Die
Bundesregierung wolle den Partnern stattdessen Einsätze von
Transportfliegern oder Fernmeldekräften anbieten.
In internen Planspielen werde aber nicht ausgeschlossen, bis zu zwei
Kampf-Bataillone mit mehr als 1.000 Soldaten in den afghanischen
Süden zu schicken. Einer förmlichen Forderung der Allianz, die
30.000 Mann starke ISAF-Truppe erneut aufzustocken, könne
Deutschland sich kaum entziehen, heiße es im Kanzleramt.
(Quelle: ap)
Fünf Jahre nach dem Sturz der Taliban: Im Süden dind sie
zurück
Den internationalen Truppen in Afghanistan ist es nicht gelungen, die
Taliban zu entmachten. Vor allem im paschtunischen Süden sind die
Gotteskrieger stark: Die Fortschritte anderer Landesteile spürt man
dort kaum. Die Afghanen betrachten die Fremden immer mehr als
Besatzer... Mehr in der taz vom 11.11.06:
http://www.taz.de/pt/2006/11/11/a0129.1/text
Groß war die Hoffnung auf den demokratischen Aufbau Afghanistans
Eine Ratsversammlung in Kabul sollte ihn anschieben. Doch niemand
wollte an der Macht der Kriegsfürsten im Norden des Landes
rühren. Heute steckt die Regierung von Hamid Karsai in einer tiefen
Vertrauenskrise... Mehr in der taz vom 11.11.06:
http://www.taz.de/pt/2006/11/11/a0123.1/text
Die Lage der Frauen in Afghanistan ist schlecht
Die von den USA 2001 als Kriegsargument angekündigte Befreiung der
afghanischen Frauen hat nicht stattgefunden.... Mehr in der taz vom
11.11.06:
http://www.taz.de/pt/2006/11/11/a0136.1/text
Nahost-Konflikt
Schiitische Ministerrücktritte lösen Regierungskrise im
Libanon aus. USA verhindern Verurteilung Israels im Sicherheitsrat.
Hamas einigt sich auf neuen palästinensischen Regierungschef.
Palästinenserpräsident Abbas: Sicherheit und Frieden unter
Israels Besatzung unmöglich
So.12.11.06 - Mit Rücktritten der fünf schiitischen Minister hat sich am
Samstag eine Regierungskrise im Libanon vertieft.
Ministerpräsident Fuad Siniora nahm die Rücktritte der
Minister der Parteien von Hisbollah und Amal nicht an. Technisch blieb
sein 24 Mitglieder zählendes Kabinett damit vorerst im Amt. Erst
nach Rücktritt von mindestens acht Ministern gilt eine Regierung
als aufgelöst.
Auslöser der schiitischen Rücktritte war die Weigerung der
anderen Parteien, der Hisbollah-Forderung nach Bildung einer Regierung
der nationalen Einheit nachzukommen, in der die Hisbollah ein Vetorecht
beanspruchte.
Sinioras Weigerung, die Minister zu entlassen, manövriert seine
Regierung nach Einschätzung von Beobachtern in eine Sackgasse:
Sein Kabinett kann zwar weiterhin arbeiten, die schiitischen Minister
werden die Sitzungen aber boykottieren. Siniora werden in Beirut kaum
Chancen eingeräumt, andere Minister an der Hisbollah vorbei zu
ernennen. Fraglich war aber auch, ob Amal und Hisbollah wirklich ihre
Minister zurückziehen oder dies eher als Druckmittel benutzen
wollen, schiitische Forderungen durchzusetzen.
Der Widerstand der Hisbollah im 34-tägigen Krieg gegen Israel in
diesem Sommer hat der schiitischen Organisation großen
Rückhalt in der größten Bevölkerungsgruppe des
Libanons gebracht. Die Hisbollah gilt mit ihrer Guerillatruppe schon
länger als Staat im Staate.
Die USA haben mit ihrem Veto eine Verurteilung Israels wegen eines
tödlichen Artillerieangriffs auf eine palästinensische Stadt
im Gazastreifen verhindert. Zehn Sicherheitsratsmitglieder stimmten am
Samstag in New York für die von Katar eingebrachte Resolution,
vier - Großbritannien, Dänemark, Japan und die Slowakei -
enthielten sich der Stimme.
Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton sagte, die USA seien
darüber beunruhigt, dass die von arabischen Staaten eingebrachte
Resolution einseitig und politisch motiviert sei. «Diese
Resolution zeigt keine ausgewogene Darstellung der Vorfälle im
Gazastreifen und bringt auch nicht die Sache des
israelisch-palästinensischen Friedens voran, den wir
anstreben», sagte er im Sicherheitsrat. Es war das zweite Veto
der USA in diesem Jahr gegen eine Resolution, mit der eine israelische
Militäraktion im Gazastreifen verurteilt werden sollte.
Der katarische Resolutionsentwurf hatte die palästinensische
Autonomiebehörde aufgefordert, sofortige Maßnahmen zur
Beendigung der Gewalt zu ergreifen. Kern des Textes war aber die
Aufforderung an den UN-Generalsekretär, den israelischen
Artillerieangriff vom vergangenen Mittwoch in Beit Hanun von einer
Kommission untersuchen zu lassen, bei dem 19 Palästinenser
getötet wurden.
Israel hat die Toten in der palästinensischen
Zivilbevölkerung bedauert, sich aber weiter militärisches
Vorgehen in den Autonomiegebieten vorbehalten. Die vielen Toten am
Mittwoch seien ersten Ermittlungen zufolge auf ein technisches Versagen
im Feuerleitsystem einer Artilleriebatterie zurückzuführen.
Für die Palästinenser kann es nach den Worten ihres
Präsidenten Mahmud Abbas unter israelischer Besatzung weder
Sicherheit noch Frieden geben. Beides sei angesichts der "israelischen
Besatzung, Besiedlung und der Annexion Jerusalems" unmöglich, sagte
Abbas am Samstag bei einer Rede anlässlich des zweiten Todestages
seines Vorgängers Jassir Arafat. Wenn Israel Frieden wolle,
müsse es sich an die internationalen Beschlüsse halten, sich
hinter die so genannte Grüne Linie aus den palästinensischen
und arabischen Territorien zurückziehen und die "nationalen
Rechte" der Palästinenser anerkennen. Mit dem Rückzug aus den
Friedensverhandlungen gebe Israel eine "wichtige Gelegenheit" verloren,
kritisierte Abbas.
Die Bildung einer palästinensischen Regierung der nationalen
Einheit ist nach Angaben der Hamas einen weiteren Schritt näher
gerückt. Man habe sich bereits auf den künftigen
Ministerpräsidenten geeinigt, sagte der Vizechef des
Hamas-Büros ins Damaskus, Mussa Abu Marsuk, am Samstag der
Nachrichtenagentur AP. Der Name werde allerdings erst nach weiteren
Verhandlungen mit der Fatah in den nächsten Tagen bekannt gegeben.
Zunächst müssten noch ein paar wichtige Details geklärt
werden.
Regierungschef Ismail Hanija hatte sich am Freitag zum Amtsverzicht
bereit erklärt, um die Finanzhilfen aus dem Ausland wieder ins
Rollen zu bringen. Er wolle zur Seite treten, damit der Westen seine
Überweisungen an die Autonomiegebiete fortsetze, sagte Hanija in
Gaza. Die radikalislamische Hamas-Bewegung verhandelt seit mehreren
Monaten mit der gemäßigteren Fatah von Präsident Mahmud
Abbas über die Bildung einer gemeinsamen Regierung.
Abbas äußerte sich am Samstag optimistisch bezüglich
einer baldigen Einigung. Es seien große Fortschritte erzielt
worden, sagte der Präsident während einer Rede in Ramallah zum
zweiten Todestag seines Amtsvorgängers Jassir Arafat. Dabei
versprach er, das politische Vermächtnis Arafats zu ehren. Dazu
gehöre das Streben nach einem palästinensischen Staat im
Gazastreifen und Westjordanland mit Ostjerusalem als Hauptstadt.
Anlässlich des Todestags versammelten sich in Ramallah tausende
Menschen. Sie trugen Bilder des Verstorbenen mit sich und schwenkten
palästinensische Flaggen, während sie zur Mukata zogen, dem
früheren Amtssitz Arafats im Westjordanland. Mehrere
palästinensische Politiker legten dort Kränze nieder und
verlasen Verse aus dem Koran. Arafat starb am 11. November 2004 in Paris.
Ägyptische Sicherheitskräfte entdeckten am Freitagabend einen
Tunnel unter der Grenze zum Gazastreifen, durch den offenbar Waffen in
die palästinensischen Gebiete geschmuggelt wurden. Der 700 Meter
lange Tunnel habe im Schlafzimmer eines Mannes im Sinai begonnen und im
Haus von dessen Verwandten im Gazastreifen geendet, hieß es. Der
Mann habe im Verhör den Schmuggel von Waffen und Sprengstoff
gestanden.
(Quellen: ap, afp)
Gefechte im Kongo zwischen Anhängern der
Präsidentschaftskandidaten
So.12.11.06 - In der kongolesischen Hauptstadt sind am Samstag wieder Schüsse
und Explosionen zu hören gewesen. Wie Augenzeugen und UN-Soldaten
berichteten, gab es Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der
beiden Kandidaten der Präsidentenwahl, die immer noch
ausgezählt wird. Im August hatten sich beide Seiten schon tagelange
Gefechte in Kinshasa geliefert, bei denen 23 Menschen getötet
wurden. Nähere Einzelheiten zu den jüngsten Gefechten lagen
zunächst nicht vor. Es war auch unklar, ob es Opfer gab. In der
Stichwahl der Präsidentenwahl standen sich Präsident Joseph
Kabila und der ehemalige Rebellenführer Vizepräsident
Jean-Pierre Bemba gegenüber. Nach Auszählung von fast zwei
Dritteln der Stimmen führte am Freitag mit zuletzt 61 Prozent
Kabila vor Bemba, der auf 39 Prozent kam.
(Quelle: ap)
Hälfte aller vermeidbaren Todesfälle kranker Kinder in Afrika
So.12.11.06 - Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF hat sich alarmiert über die hohe
Kindersterblichkeit in Afrika gezeigt. Etwa die Hälfte der weltweit
zehn Millionen Kinder, die pro Jahr an vermeidbaren Krankheiten
stürben, seien afrikanische Kinder, sagte UNICEF-Direktorin Ann
Veneman am Freitag in Dakar zum Abschluss eines einwöchigen
Besuchs im Senegal. Die Hauptursache für die Todesfälle sei
auf der ganzen Welt Krankheit und Mangelernährung. Im Senegal ging
die Kindersterblichkeit laut einer Studie des Landes seit 2002 um 15
Prozent zurück; in den von UNICEF betreuten Gebieten sogar um 20
Prozent, wie der UNICEF-Vertreter in dem westafrikanischen Land, Ian
Hopwood, sagte.
(Quelle: afp)
USA und Russland über WTO-Abkommen einig
So.12.11.06 - Russland hat die entscheidende Einigung mit den Vereinigten Staaten
erreicht, um in die Welthandelsorganisation (WTO) aufgenommen zu werden.
"Wir haben eine Grundsatzeinigung und schließen jetzt noch
Einzelheiten ab", erklärte die US-Handelsbeauftragte Susan Schwab.
Sie hoffe, die Einigung kommende Woche mit dem russischen
Handelsminister German Gref beim Asien-Pazifik-Forum in Vietnam
unterzeichnen zu können. Die Einigung werde "ein wichtiger Schritt"
für Russlands Beitritt zur WTO sein.
Die USA hatte unter anderem wegen der Film- und Musikpiraterie sowie
anderer Urheberrechtsverstöße in Russland Bedenken vor der
WTO-Aufnahme gehabt. Zu den anderen Streitfragen zählten die
Forderung der USA nach einer weiteren Öffnung des russischen
Banken- und Versicherungsmarkts sowie die Importzölle auf
Agrarprodukte.
Moskau hatte den Beitritt zu der 149 Mitglieder zählenden WTO
bereits 1993 beantragt. Für den Beitritt fehlt Russland inzwischen
nur noch ein bilaterales Abkommen mit den USA. Beim G-8-Gipfel im Juli
in St. Petersburg war ein solches Abkommen wider Erwarten nicht zustande
gekommen. Danach hatten sich die USA und Russland zuversichtlich
gezeigt, im Herbst eine Einigung erzielen zu können.
(Quelle: afp)
Russland verlängert Einsatzzeit von Atomraketen
So.12.11.06 - Russland hat die Einsatzzeit seiner größten Atomraketen um
zehn Jahre verlängert. Der Kommandeur der russischen
Raketenstreitkräfte, Generaloberst Nikolai Solowzew, erklärte
laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax am Samstag, die
Interkontinentalraketen des Typs RS-20V sollten statt der früher
geplanten 15 Jahre bis zu 25 Jahre in Dienst bleiben. Auch die
Einsatzzeit der anderen Raketen werde verlängert.
Die RS-20V, die im Westen die Bezeichnung SS-18 Satan bekam, kann bis
zu zehn einzelne Atomsprengköpfe tragen. Sie ist seit ihrer
Stationierung Ende der 80er Jahre noch zu Zeiten der Sowjetunion die
größte Rakete im Arsenal der russischen Streitkräfte.
Von Zeit zu Zeit werden auch Atomraketen getestet, um ihre
Einsatzbereitschaft zu überprüfen. Russland hat derzeit nicht
genug Geld, um die Raketen zu erneuern, auch wenn der Verteidigungsetat
in den vergangenen Jahren erhöht wurde.
(Quelle: ap)
Proteste gegen türkische Regierung bei Beerdigung Ecevits -
Hunderttausend säumen Trauerzug
So.12.11.06 - Mehr als hunderttausend Menschen haben in Ankara Abschied vom
ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit
genommen. In einem langen Trauerzug wurde der in eine türkische
Flagge gehüllte Sarg mit dem am vergangenen Sonntag im Alter von
81 Jahren Verstorbenen zum Nationalfriedhof gebracht. Zuvor erwiesen
die höchsten Würdenträger des Staates Ecevit im
Parlament die letzte Ehre, darunter Staatschef Ahmet Necdet Sezer und
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.
Die Beerdigung des früheren türkischen
Ministerpräsidenten ist am Samstag von tausenden Teilnehmern zu
einem Protest gegen die islamisch orientierte Regierung gemacht
geworden. «Die Türkei ist weltlich und wird weltlich
bleiben», riefen sie, als Ministerpräsident Recep Tayyip
Erdogan an der Kocatepe-Moschee in Ankara eintraf. Beim Verlassen der
Moschee wurde er sogar von der Menge ausgebuht.
Erdogan reagierte später auf einem Parteitag seiner Partei
für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) verärgert auf den
Vorfall. Er kämpfe für den Säkularismus in der
Türkei, ihm das Gegenteil zu unterstellen sei «nicht
nett». Seit seinem Regierungsantritt 2002 hat sich Erdogan
allerdings für eine Lockerung des Kopftuchverbots in Behörden
und Schulen eingesetzt. Unter anderem wegen der anhaltenden
Beschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei
und der Gerichtsverfahren gegen Journalisten und Schriftsteller hat
sich seine Regierung zudem harsche Kritik von Seiten der
Europäischen Union eingehandelt.
Viele säkular orientierte Türken fürchten, dass Erdogan
nach dem Ende der Amtszeit von Ahmed Necdet Sezer im Mai neuer
Staatspräsident werden könnte. Sezers Nachfolger wird vom
Parlament gewählt, in dem Erdogans Partei die Mehrheit stellt.
Sezer hat zahlreiche Gesetze mit seinem Veto blockiert, die seiner
Ansicht nach gegen die säkulare Verfassung verstoßen, und
die von Erdogans Regierung angestrebte Ernennung hunderter
mutmaßlich islamisch geprägter Beamter für wichtige
Posten verweigert.
Mitglieder von Ecevits Demokratischer Linkspartei ließen
während des Trauerzugs am Samstag weiße Tauben in den Himmel
steigen. Parteichef Zeki Sezer würdigte den ehemaligen
Regierungschef als «Mann des Friedens». «Wir werden
dich immer lieben, wir werden dich immer vermissen», sagte er.
«Wir werden dich nicht vergessen», war auf einem Plakat mit
einem Bild des Verstorbenen zu lesen.
Mehr als 10.000 Polizisten und Soldaten riegelten Straßen
für den Trauerzug ab. Auf Dächern und Balkonen waren
Scharfschützen postiert, aus Sicherheitsgründen wurden
Flüge über die Stadt verboten. Das Begräbnis war
ursprünglich für Mittwoch geplant, auf Wunsch von Ecevits
Witwe Rahsan aber auf Samstag verschoben worden, um möglichst
vielen Trauergästen die Teilnahme zu ermöglichen. Sein
Leichnam wurde nach einer insgesamt neunstündigen Prozession in
das Grab hinab gelassen.
Ecevit hatte im Mai einen Schlaganfall erlitten und lag seitdem im
Koma. Der sozialistische Politiker war fast 50 Jahre lang eine der
bestimmenden Persönlichkeiten in der türkischen Politik und
war fünf Mal Regierungschef, zuletzt von 1999 bis 2002.
Für die Arbeitnehmer setzte Ecevit das Streikrecht und
Landreformen durch. 1974 befahl er die Invasion in Nordzypern, die zur
Teilung der Insel bis heute führte. In Ecevits Regierungszeit fiel
die Gefangennahme des kurdischen Rebellenführers Abdullah
Öcalan 1999 und die Zulassung der Türkei als Kandidat
für die EU-Mitgliedschaft. Im Juli 2004 legte er den Vorsitz
seiner Demokratischen Linkspartei nieder und beendete seine politische
Laufbahn.
(Quellen: afp, ap)
Deutschland
Künast wirbt für Annäherung der Grünen an CDU
So.12.11.06 - Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hat für eine
Annäherung ihrer Partei an die Christdemokraten geworben.
Gegenwärtig bestehe die beste Gelegenheit, «das
unüberwindlich Trennende wegzuhauen», zitierte die
«Leipziger Volkszeitung» Künast am Samstag. Man
müsse sich jetzt verstehen lernen. Die CDU sollte «in der
Phase des gemeinsamen Mittagessens aus ihrer eigenen Verstrickung in den
Kampf gegen uns befreit werden».
Der Zeitung zufolge haben Künast und Unions-Fraktionschef Volker
Kauder bei einem gemeinsamen Essen vor zwei Wochen über eine
«denkbare Arbeitsagenda» einer schwarz-grünen Koalition
gesprochen.
Auch die jüngeren Unionsabgeordneten im Bundestag sind für
eine Annäherung an die Grünen. Der Vorsitzender der jungen
Gruppe in der CDU/CSU-Fraktion, Marco Wanderwitz, sagte der Zeitung
«BZ am Sonntag», für die Zeit nach 2009 sei
Schwarz-Gelb zwar die erste Wahl, man müsse aber auch jenseits
davon und großer Koalition weitere Optionen haben. «Dazu
können schwarz-grün oder Jamaika gehören, denn wir
müssen ja auf das Wahlergebnis reagieren», wurde der
CDU-Politiker zitiert. Wichtig sei, Trennendes zu sondieren und zu
sehen, wie weit das überwunden werden könne, «damit es
zu solchen neuen Koalitionen kommen kann», sagte Wanderwitz.
Die Grünen sehen unterdessen gute Chancen, auch enttäuschte
Unionswähler zu gewinnen. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete
Matthias Berninger sagte der «Wirtschaftswoche», man wolle
mit dem neuen Wirtschaftsprogramm enttäuschte Unionswähler
ansprechen. Auch neue Koalitionen seien möglich: Das neue Programm
sei sicherlich kein Programm für Rot-Rot-Grün. Vielmehr werde
es automatisch einen Austausch und eine Diskussion zwischen dem
grünen und dem Unions-Lager geben.
Das Programm «Mehr Wert - Grüne Marktwirtschaft!»
haben unter anderem Fraktionschef Fritz Kuhn und Berninger verfasst. Der
Entwurf soll am kommenden Freitag und Samstag auf einem
Wirtschaftskongress der Fraktion in Berlin diskutiert werden.
(Quelle: ap)
Koch fordert Lockerung des Kündigungsschutzes
So.12.11.06 - Der hessische Ministerpräsident Roland Koch will
Zugeständnisse beim Arbeitslosengeld mit einer Lockerung des
Kündigungsschutzes verknüpfen. «Wenn die Gewerkschaften
zu einer Flexibilisierung des Arbeitsrechts und einer Lockerung des
Kündigungsschutzes bereit wären, könnten wir auch
über Zugeständnisse bei der Höhe des Arbeitslosengeldes
sprechen», sagte der CDU-Politiker dem Magazin «Focus»
laut einer Vorabmeldung.
Man könne sich dabei am Vorbild Dänemark orientieren, bei dem
das Arbeitslosengeld bei 90 Prozent des letzten Lohns liegt.
«Natürlich könnten wir das dänische Modell auch mit
den Sozialdemokraten regeln, aber die haben eben zu viel Angst vor den
Gewerkschaften», erklärte Koch. Künftig würden
Firmen schneller gegründet und schneller wieder aufgelöst.
«Die Frage ist nur: Geschieht das auch bei uns und bringt mehr
Menschen in Arbeit - oder geschieht das nur um uns herum?» Deshalb
müssten die deutschen regelungen attraktiver werden.
Koch warnte seine Partei CDU, den politischen Kurs zu ändern.
«Die Leipziger Beschlüsse bleiben der Leitstrahl für
unsere Reformpolitik - ganz unabhängig davon, was wir in einer
großen Koalition durchsetzen können.» Es gehe lediglich
darum, die Kommunikation zu verbessern, denn es sei der CDU im
Wahlkampf nicht ausreichend gelungen zu zeigen, dass ökonomische
Freiheit zu mehr Wohlstand und mehr Gerechtigkeit führe.
«Wer die programmatischen Konzepte ändern will, geht zu
weit. Die Ideen der Union klug zu vertreten ist keine
Richtungskorrektur. Dresden wird keine Korrektur von Leipzig.»
Deshalb hält Koch die Diskussion über den Vorstoß
seines Parteikollegen Jürgen Rüttgers zu einer längeren
Auszahlung des ALG I für ältere Arbeitnehmer für
überbewertet. Diese Debatte über einen Parteitags-Antrag eigne
sich nicht für Richtungsfragen. «Ob in der
Arbeitslosenversicherung die Privilegierung älterer Arbeitnehmer
anhand des Alters - wie bisher - oder anhand der Beitragsjahre erfolgen
soll, ist eine technische Frage, die keinen Bundesparteitag prägen
sollte», sagte der hessische Ministerpräsident.
(Quelle: ap)
DGB plant laut 'Spiegel' Lohnkürzungen
So.12.11.06 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund plant nach einem Bericht des
«Spiegels» Lohnkürzungen bei den Mitarbeitern seines
Bildungswerks, zu dem auch Hotel- und Veranstaltungsbetriebe
gehören. Dort sollen die Löhne binnen drei Jahren um 18
Prozent gesenkt werden, meldete das Hamburger Magazin am Samstag vorab.
Der Mantel- und der Lohntarifvertrag seien bereits im November 2004
gekündigt worden, bislang ohne Einigung auf neue Tarife. Betroffen
wären die gewerblichen Mitarbeiter. Setze sich der DGB durch,
gingen ihnen umgerechnet rund zwei Monatslöhne pro Jahr verloren,
hieß es weiter.
(Quelle: ap)
Nur geduldete Ausländer mit Arbeit sollen Bleiberecht erhalten
So.12.11.06 - Nur geduldete Ausländer mit Arbeit sollen künftig ein
Bleiberecht erhalten. Auf diese Regelung für die etwa 190.000
geduldeten Ausländer in Deutschland will sich die
Innenministerkonferenz nach Angaben des bayerischen Ressortchefs
Günther Beckstein (CSU) in der kommenden Woche einigen.
«Grundsätzlich gilt: Jemand muss Arbeit haben, dann erst kann
er eine Aufenthaltserlaubnis bekommen», sagte Beckstein der
«Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».
Stichtag sei der 30. September 2007. «Wer bis dahin Arbeit hat,
kann bleiben. Wer keine Arbeit hat, bekommt jedenfalls kein Recht auf
einen Daueraufenthalt», sagte Beckstein. Zudem müssten
Deutschkenntnisse vorhanden sein, die eine Verständigung im Alltag
erlaubten.
Zur Frage, was mit der Familie eines geduldeten Ausländers
geschehe, der straffällig geworden ist, sagte Beckstein:
«Wenn jemand eine schwere Straftat begangen hat, dann kann man
nicht nur ihn abschieben. Das muss von der Familie zusammen erlitten
werden.» Es werde aber Spielräume geben, wenn es um das
Schicksal von Kindern gehe.
Zu den etwa 10.000 Irakern in der Bundesrepublik sagte Beckstein:
«Was die Iraker in Deutschland angeht, so sollten wir keine
Altfallregelung treffen. Das wird erst dann möglich sein, wenn wir
wissen, wie die Krise in Irak gelöst wird.»
(Quelle: ap)
Rechtsextremistische Straftaten laut Bericht rasant gestiegen
So.12.11.06 - Die Zahl der rechtsextremistischen Straftaten steigt offenbar rasant.
Bis Ende September registrierte das Bundeskriminalamt nach
Informationen des «Tagesspiegels» insgesamt 9.013
Verbrechen und Delikte von Rechtsextremisten und damit etwa 20 Prozent
mehr als in den ersten neun Monaten 2005. Darunter waren 522
Gewalttaten, 85 mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres,
was ebenfalls einer Zunahme um ungefähr 20 Prozent entspricht. 375
Menschen wurden verletzt.
Dies berichtete die Bundesregierung laut «Tagesspiegel» auf
eine Kleine Anfrage der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau und
ihrer Fraktion der Linkspartei.
Bereits im Oktober hatte der bis Ende August festgestellte starke
Anstieg der rechten Kriminalität auf damals 8.000 Straftaten
große öffentliche Empörung ausgelöst. Politiker
von SPD und Linkspartei forderten einen Demokratiegipfel, der
Grünen-Politiker Omid Nouripour rief zur Bildung einer
demokratischen Bürgerwehr auf.
Pau erklärte, nach den vorliegenden Zahlen seien im September im
Durchschnitt stündlich 1,5 Straftaten und täglich 2,5
Gewalttaten mit rechtsextremistischem Hintergrund registriert worden.
«Die reale Zahl liegt weit höher und damit auch die Zahl der
Opfer», meinte sie. Vor diesem Hintergrund sei es geradezu
abenteuerlich, wenn der bayerische Innenminister Günther Beckstein
die Gleichung «Links gleich Rechts, PDS gleich NPD»
aufmache. «So etwas verharmlost die neofaschistische Gefahr, es
behindert wirksame Gegenstrategien und spielt mithin dem
Rechtsextremismus in die Hände», betonte Pau in einer
Stellungnahme.
In der Regel meldet die Polizei viele rechte Straftaten nach.
Sicherheitsexperten befürchten nun laut
«Tagesspiegel», dass am Ende des Jahres bei rechten
Delikten der höchste Stand seit 2002 erreicht wird.
Nach der antisemitischen Randale von Neonazis in Frankfurt (Oder) legte
der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) am
Gedenkstein für die ehemalige Synagoge ein Blumengebinde nieder.
Schönbohm wurde begleitet von Wirtschaftsminister Ulrich
Junghanns, Oberbürgermeister Martin Patzelt, Polizeipräsident
Klaus Kandt und dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Yosif
Vaysblatt.
Der Innenminister nannte die Schändung des Gedenksteins
«eine beschämende Provokation, die am Gedenktag für die
verbrecherischen Nazi-Pogrome vor 68 Jahren viele Menschen zutiefst
verletzt hat». Schönbohm forderte, dass sich die
Gesellschaft noch wirkungsvoller mit dem rechtsextremistischen
Gedankengut auseinandersetzt. Er appellierte an die Bürger, gegen
Rechtsextremismus Zeichen zu setzen. Dazu biete sich in einer Woche
beim «Tag der Demokraten» in Halbe Gelegenheit.
In der niedersächsischen Stadt Celle griffen rund 20
Rechtsextremisten in der Nacht zum Samstag zwei Kurden vor einem Lokal
an. Mit der Drohung «Euch machen wir kalt, haut hier ab»
seien sie gegen 02.00 Uhr überfallartig auf sie zu gerannt,
berichtete die Polizei. Die Kurden konnten sich in eine Gaststätte
retten. Die Angreifer liefen hinterher und schlugen unter Drohungen und
rassistischen Äußerungen gegen Fenster und Türen.
Danach traten sie den zu Hilfe gekommenen Polizisten aggressiv
entgegen; es kam zu Handgreiflichkeiten. Mit Unterstützung einer
Einsatzgruppe der Bundespolizei aus Düsseldorf sei die Lage
schnell unter Kontrolle gebracht worden, hieß es. Dabei wurden
Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt. Vier alkoholisierte
Rechtsextremisten kamen in Polizeigewahrsam.
(Quelle: ap)
Protest gegen NPD-Bundesparteitag fällt schwach aus
So.12.11.06 - Die Proteste gegen den Bundesparteitag der rechtsextremen NPD in Berlin
sind deutlich geringer ausgefallen als erwartet. In der Spitze
hätten 400 Menschen an der Demonstration teilgenommen, sagte ein
Polizeisprecher. Von den Veranstaltern erwartet worden waren mehrere
tausend Menschen. Alle im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien hatten
zur Teilnahme aufgerufen. An dem laut Polizei absolut friedlichen
Protest nahmen der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses,
Walter Momper (SPD), und CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger teil.
Die Teilnehmer des NPD-Treffens wurden mit Pfiffen und Buhrufen
begrüßt.
Nach einem juristischen Streit hatte die NPD kurzfristig ihren
Tagungsort verlegt. Der Verein der Trabrennbahn Mariendorf, wo der
Parteitag stattfinden sollte, erwirkte am Freitag eine einstweilige
Verfügung gegen den Pächter der Gastronomie und die NPD. In
letzter Minute verpflichtete das Oberverwaltungsgericht Berlin
schließlich das Bezirksamt Reinickendorf, der NPD einen Saal im
Fontane-Haus im Märkischen Viertel zur Verfügung zu stellen.
Dort hatte die NPD bereits zuvor die Ausrichtung ihres Parteitages
geplant gehabt, während die Trabrennbahn als Ausweichstandort
vorgesehen war.
Unterdessen droht der NPD nach einem Bericht des "Spiegel" ein
finanzielles Fiasko. Wegen illegal verbuchter Parteispenden müsse
sie für 1998 und 1999 voraussichtlich 870.000 Euro an den Staat
zurückzahlen. Dies habe NPD-Schatzmeister Erwin Kemna
bestätigt.
Die evangelische Landesbischöfin von Hannover, Margot
Käßmann, drängte angesichts des Bundesparteitags
derweil die Politik, erneut ein NPD-Verbotsverfahren zu erwägen.
Ein solches Verbot sollte dringend noch einmal geprüft werden,
damit "rechtes Gedankengut nicht auch noch unter dem Deckmantel einer
offiziellen wählbaren Partei verbreitet wird", sagte
Käßmann der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
(Quelle: afp)
Tausende demonstrieren gegen Castor-Transport
So.12.11.06 - Tausende Atomkraftgegner haben am Samstagnachmittag in Gorleben gegen
den zehnten Castor-Transport in das dortige Zwischenlager demonstriert.
Nach Angaben der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg
beteiligten sich 5.000 Atomkraftgegner, darunter 200 Bauern, mit
Traktoren an einem Protestmarsch von Gorleben zum
Zwischenlagergelände. Die Polizei sprach von 2.000 Teilnehmern bei
der Abschlusskundgebung, die aber noch Zulauf hätten.
Unterdessen kam es in Frankreich beim Transport der für Gorleben
bestimmten zwölf Atommüllbehälter zu weiteren
Verzögerungen. Der Atommüllzug, der um 14.30 Uhr die
deutsch-französische Grenze erreichen sollte, hat nach Angaben der
französischen Atomkraftgegner etwa zwei Stunden Verspätung.
Die Verzögerung entstand durch mehrere Blockaden in der Nacht und
den Feiertagsverkehr in Frankreich, wie ein Sprecher der
südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen berichtete. Man rechne nun
mit einem Eintreffen des Zuges an der Grenze um 17.00 Uhr.
Die Protestdemonstration am Zwischenlager Gorleben richtete sich nach
Angaben der Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg vor allem
gegen die geplante Endlagerung von Atommüll im Salzstock Gorleben.
Das Endlagerbergwerk müsse sofort geschlossen werden, da der
Salzstock direkten Kontakt zum Grundwasser habe, sagte der Sprecher der
BI, Francis Althoff.
«Jede weitere Lieferung von Castor-Behältern in das
benachbarte Zwischenlager Gorleben zementiert die Vorfestlegung auf den
für die Endlagerung ungeeigneten Salzstock», sagte Althoff.
Sehr enttäuscht sei man darüber, dass Umweltminister Sigmar
Gabriel die Ausbauarbeiten im Gorlebener Salzbergwerk wieder aufnehmen
wolle.
Der zehnte Castor-Transport zum Zwischenlager Gorleben war am
Freitagabend planmäßig am Bahnhof Valognes unweit der
französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague gestartet. Nach
Angaben der Organisation «Sortir du Nucleaire» besetzten
Freitagnacht bei Serqeux in den Ardennen Demonstranten die Gleise. Die
Polizei habe die Blockade nach einer Stunde geräumt. Ein Sprecher
der französischen Polizei berichtete von zwei friedliche
Blockadeaktionen. Dadurch habe sich der Zug um eineinhalb Stunden
verspätet.
In Dannenberg, wo die Atommüllbehälter auf
Straßentieflader umgesetzt werden, soll der Zug am (heutigen)
Sonntag ankommen. Der Straßentransport der Behälter von
Dannenberg zum Zwischenlager Gorleben wird am Montag erwartet.
Im Zwischenlager Gorleben befinden sich zur Zeit 68
Castor-Behälter, davon 63 mit Abfällen aus der
Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Frankreich und fünf
mit abgebrannten Brennelement, die direkt aus deutschen Atomkraftwerken
angeliefert wurden.
Mit den zehnten Transport steigt die Gesamtzahl der
Castor-Behälter in Gorleben auf 80. Vorgesehen sind noch sieben
weitere Transporte in das Zwischenlager. In den Jahren 2008 bis 2010
sollen jeweils zwölf Behälter mit Abfällen aus der
Wiederaufarbeitung in Frankreich angeliefert werden, in den Jahren 2012
bis 2015 jeweils sechs aus der Wideraufarbeitung in England. Die
Lagerung weiterer abgebrannter Brennelemente ist in Gorleben nicht mehr
vorgesehen. Insgesamt soll das Zwischenlager knapp 140 Behälter
aufnehmen.
(Quelle: ap)
Forscher kritisiert Tagesordnung der Weltklimakonferenz
So.12.11.06 - Der Hamburger Klima-Ökonom Richard Tol hat die Agenda der
Weltklimakonferenz in Nairobi kritisiert. Tol forderte in einem
Interview der «Wirtschaftswoche», die Delegierten sollten
sich mit dem internationalen Zertifikate-Handel und der koordinierten
Einführung klimafreundlicher Techniken beschäftigen. Beides
stehe leider nicht auf der Tagesordnung. Dabei könnten die
weltweiten Treibhausgas-Emissionen auf einen Schlag halbiert werden,
würden weltweit die besten verfügbaren Technologien
eingesetzt.
Tol, der eine Professur der Otto-Stiftung für Umweltschutz an der
Universität Hamburg innehat, sagte, nicht alle Länder
müssten sich an solchen Vereinbarungen beteiligen, wodurch die
Blockade Chinas und der USA aufgelöst werden könne. Vielfach
genüge es, wenn wenige marktdominierende Länder
voranschritten. Würden sich etwa die zehn Pkw-produzierenden
Länder einigen, den Schadstoffausstoß je PS in zehn Jahren
zu halbieren, hätte der Rest der Welt keine andere Wahl, als
mitzuziehen. Ähnliches gelte für Kraftwerkstechnologie.
«Ein Großteil der Probleme wäre gelöst, wenn es
gelänge, Energieverbrauch und Schadstoffausstoß mit Hilfe
moderner Techniken zu entkoppeln», wurde Tol zitiert.
(Quelle: ap)