Aktuelle Nachrichten
Irak am achthundertsiebenundsechzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Präsident Bush stellt neue Irak-Strategie in Aussicht.
Mindestens 35 Tote bei Selbstmordanschlag in Bagdad. Drei amerikanische
und vier britische Soldaten im Irak getötet
Mo.13.11.06 - Wenige Tage nach der Niederlage der Republikaner bei den Kongresswahlen
hat US-Präsident George W. Bush eine Strategieänderung im Irak
signalisiert.
Bei seiner wöchentlichen Radioansprache bezeichnete Bush am
Samstag den designierten neuen Verteidigungsminister Robert Gates als
"Träger des Wandels" ("agent of change"). Derweil berichtete die
"New York Times", ein Team unter US-Generalstabschef Peter Pace arbeite
derzeit an einer Strategie für den Irak und überprüfe
auch das Vorgehen in anderen Ländern. Die Gewalt im Irak hielt
unterdessen an. Allein am Sonntag wurden bei einem Selbstmordanschlag
auf ein Rekrutierungsbüro der Polizei in Bagdad mindestens 35
Menschen getötet.
Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler forderte in einem
Gespräch mit der "Frankfurter Rundschau" vom Samstag auch die
Europäer zu mehr Engagement im Irak auf. Die Folgen des Irakkriegs
seien nicht nur ein Problem der Amerikaner, betonte Köhler. Die
Europäer könnten aus eigenem Interesse nicht zulassen, "dass
die Region im Chaos versinkt". Er sprach sich für ein massives
ökonomisches und soziales Aufbauprogramm aus.
Bush betonte, der designierte Minister Gates habe Erfahrungen damit,
große und komplexe Organisationen zu führen. Als
Verteidigungsminister werde er einen unverbrauchten Blick auf den Irak
werfen und herausarbeiten, was für einen Sieg nötig ist. Bush
stellte klar, dass es keinen schnellen Abzug der US-Soldaten aus dem
Irak geben werde.
Das Team um Generalstabschef Pace will laut "New York Times" bis
Dezember Lösungsvorschläge erarbeiten. So sollen künftig
möglicherweise mehr örtliche, von den USA ausgestattete und
ausgebildete Sicherheitskräfte eingesetzt werden. Auch eine
Anpassung der Zahl der US-Soldaten sei im Gespräch. Pace betonte,
die Bestandsaufnahme hänge nicht mit dem Wechsel an der Spitze des
Verteidigungsministeriums zusammen.
Der ehemalige CIA-Direktor Gates soll Nachfolger von Donald Rumsfeld
auf dem Posten werden. Die Regierung will Gates noch in diesem Jahr vom
Kongress bestätigen lassen, bevor der neue Kongress mit der
demokratischen Mehrheit zusammentritt. Als Hauptgrund für die
Stimmenverluste der Republikaner gilt der unpopuläre Irak-Krieg.
Gates größte Herausforderung dürfte sein, ein Abgleiten
des Irak in einen Bürgerkrieg zu vermeiden. Derzeit sind etwa
150.000 US-Soldaten in dem Land stationiert, in dem Anschläge seit
Monaten an der Tagesordnung sind.
Drei amerikanische und vier britische Soldaten sind nach offiziellen
Angaben vom Sonntag im Irak getötet worden. Die US-Soldaten kamen
am Samstag bei einem Gefecht in der westirakischen Provinz Anbar ums
Leben, die britischen bei einem Angriff auf ihr Boot bei einer
Patrouille am Schatt el Arab, teilten US-Streitkräfte und
britisches Verteidigungsministerium mit.
Drei weitere britische Soldaten wurden bei der Explosion eines
improvisierten Sprengsatzes schwer verwundet, berichtete der britische
Rundfunksender BBC. Die Zahl der im Irak seit Kriegsbeginn im März
2003 getöteten britischen Soldaten stieg damit auf 124. Die Zahl
der seitdem getöteten US-Militärangehörigen stieg auf
2.848. Allein in diesem Monat wurden bisher 29 US-Soldaten getötet.
Am Sonntagmorgen sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einer
Polizei-Rekrutierungsstelle im Westen Bagdads in die Luft. Dabei wurden
mindestens 35 Menschen getötet. Weitere 58 wurden verletzt, wie ein
Mitarbeiter des Innenministeriums sagte. Seit Monaten wurden bei einem
Anschlag auf Rekruten nicht mehr so viele Menschen getötet.
Zuvor starben am Samstag bei der Explosion zweier Autobomben acht
Menschen, mindestens 38 weitere wurden verletzt. Die Sprengsätze
detonierten Vertretern des Innenministeriums zufolge kurz nacheinander
auf einem gut besuchten Markt in der Innenstadt. Ebenfalls am Samstag
hielten nach Angaben der örtlichen Polizei bewaffnete Angreifer
südlich von Bagdad drei Kleinbusse an, erschossen neun Insassen und
entführten mindestens 13 weitere.
(Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05. 2005 bis 13.11.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am fünfhundertunddritten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.13.11.05 - UN-Generalsekretär Annan weist auf Bedeutung der Versöhnung
im Irak hin +++ Mindestens vier Tote bei Anschlag auf Markt +++ Italiens
Kommunisten planen Sitzblockade wegen Einsatzes von Phosphor im Irak +++
Streit um Gründe für Irakkrieg in USA erneut voll entbrannt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511130.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mi.25.07.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.801
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Gewalt in Afghanistan vervierfacht
Mo.13.11.06 - Angriffe und Anschläge von Aufständischen und Taliban in
Afghanistan haben sich in den vergangenen Monaten vervierfacht. Die
Zunahme der Gewalt in einigen Regionen drohe Entwicklungsfortschritte
zunichte zu machen, teilte das Gemeinsame Koordinations- und
Aufsichtsgremium in einem am Sonntag in Kabul vorgelegten Bericht mit.
Dem Gremium gehören Vertreter der afghanischen Regierung und
internationaler Organisationen an. Nach seinen Feststellungen hat sich
die Zahl der Sicherheitszwischenfälle bis Ende September auf mehr
als 600 monatlich erhöht. Ende März seien es noch 300 und im
vergangenen Jahr rund 130 im Monat gewesen. In diesem Jahr seien
bereits mehr als 3.700 Menschen getötet worden.
«Der Kampf gegen die gesteigerte Aktivität der
Aufständischen beansprucht einen großen Teil der
Aufmerksamkeit und Ressourcen der Regierung», hieß es in
dem Bericht. «Damit droht eine Umkehrung der bisher erreichten
Fortschritte in der jüngsten Vergangenheit. Entwicklungsprojekte
in verschiedenen Regionen wurden besonders hart getroffen, was den
teilweisen oder völligen Rückzug internationaler
Hilfsorganisationen in den am schwersten betroffenen Provinzen zur
Folge hatte.»
Bei Gefechten im Osten wurden nach Angaben der Streitkräfte in den
vergangenen Tagen mindestens 20 Taliban-Kämpfer getötet.
Möglicherweise seien bis zu 60 Extremisten ums Leben gekommen,
erklärte der stellvertretende Kommandeur in der Provinz Paktika,
General Murad Ali, am Sonntag.
Bislang wurden den Angaben zufolge 20 Tote geborgen, darunter acht
Ausländer. Deren Leichen seien nach Pakistan zurückgebracht
worden, hieß es. Zudem seien zwei Lastwagen mit
Taliban-Kämpfern bei Luftangriffen oder durch Artilleriebeschuss
im Bezirk Bermel zerstört worden. Bei den fünftägigen
Kämpfen seien auch vier NATO-Soldaten und drei afghanische
Soldaten verletzt worden. Ein ISAF-Sprecher erklärte, er wisse
nichts davon, dass NATO-Soldaten ernsthaft verletzt worden seien.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Schbeir wird neuer palästinensischer Regierungschef. Hamas
erstmals zu Friedenskonferenz mit Israel bereit. Israelischer General
tritt wegen Libanonkriegs zurück
Mo.13.11.06 - Der frühere Präsident der islamischen Universität von
Gaza, Mohammad el Schbeir, soll offenbar palästinensischer
Regierungschef werden. Schbeir solle ein mögliches Kabinett der
nationalen Einheit führen, teilten Verantwortliche der Hamas und
Vertreter aus dem Umfeld von Palästinenserpräsident Mahmud
Abbas der Nachrichtenagentur AFP mit. Der Vorschlag zur Ernennung
Schbeirs kam den Angaben zufolge von der Hamas, Abbas habe ihm
zugestimmt. Hamas und die Fatah-Bewegung von Präsident Abbas
hatten zuvor bei einem Treffen über die Zusammensetzung einer
möglichen gemeinsamen Regierung beraten.
Der derzeitige palästinensische Ministerpräsident Ismail
Hanija von der Hamas-Bewegung hatte seine Bereitschaft zum
Rücktritt zuvor bereits angekündigt, um die internationale
Isolierung der Palästinensergebiete zu überwinden. Mit der
Bildung einer neuen Regierung wird Ende November gerechnet.
Die radikalislamische Hamas-Bewegung hat sich erstmals zur Teilnahme an
einer internationalen Friedenskonferenz mit Israel bereit erklärt.
Bei einem Außenministertreffen der Arabischen Liga am Sonntag in
Kairo unterstützte auch der palästinensische Ressortchef
Mahmud Sahar diesen Vorschlag, mit dem die Liga auf das US-Veto gegen
eine Verurteilung Israels im Weltsicherheitsrat reagierte. Ferner
beschlossen die arabischen Staaten ein Ende der Finanzblockade gegen
die palästinensische Hamas-Regierung.
An der Friedenskonferenz sollen dem Vorschlag zufolge arabische
Länder, Israel und die ständigen Mitglieder des
UN-Sicherheitsrats teilnehmen. Ziel sei eine gerechte und umfassende
Lösung des Nahost-Konflikts, erklärte Sahar. Die Hamas habe
angesichts des amerikanischen Vetos selbst um eine solche Konferenz
gebeten. Die USA verhinderten am Samstag eine Verurteilung Israels
wegen des tödlichen Angriffs auf die Stadt Beit Hanun im
Gazastreifen. Dort waren am Mittwoch 19 Palästinenser getötet
worden.
Bisher hatte die palästinensische Regierung eine Friedenskonferenz
mit Israel stets abgelehnt. Der israelische Außenamtssprecher
Mark Regev sagte, ihm sei ein solcher Vorschlag nicht bekannt. Die
Hamas könne aber nicht an Verhandlungen mit Israel teilnehmen,
solange sie nicht den jüdischen Staat anerkenne, auf Gewalt
verzichte und geltende Abkommen akzeptiere.
Es war das erste Mal, dass Sahar an einem Außenministertreffen
der Arabischen Liga teilnahm. Diese hatte bislang gefordert, dass die
Hamas zunächst eine arabische Friedensinitiative aus dem Jahr 2002
annehmen müsse. Zugleich hatten die arabischen Länder wie
zahlreiche andere Geldgeber auch die Finanzhilfen an die
Palästinenser eingestellt. Diese Blockade wurde nunmehr
aufgehoben. Kuwait kündigte an, umgehend 30 Millionen Dollar (23
Millionen Euro) an die Palästinenser überweisen zu wollen.
Ein am Krieg gegen die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon
beteiligter israelischer General hat am Sonntag seinen Rücktritt
eingereicht. Dies teilten die Streitkräfte mit. Brigadegeneral Gal
Hirsch befehligte eine Heeresdivision an der Grenze zum Libanon. Hirsch
war besonders in die Kritik geraten, weil unter seinem Kommando jene
Einheit stand, deren Soldaten am 12. Juli bei einer Patrouille in einen
Hinterhalt der Hisbollah geraten waren. Dabei wurden drei israelische
Soldaten getötet und zwei entführt.
Dieser Vorfall führte dann zur Offensive gegen die Hisbollah im
Südlibanon, die in Israel weitgehend als Fehlschlag betrachtet
wird, da die erklärten Kriegsziele nicht erreicht wurden. Weder
wurde die schiitische Miliz entscheiden geschlagen, noch konnten die
Soldaten befreit werden.
Hirsch wurde von einer Untersuchungskommission vorgeworfen, seine
Einheit nicht genügend auf mögliche Überfälle und
Entführungsversuche der Hisbollah vorbereitet zu haben. Die
Kommission wollte seine Entlassung empfehlen. Mit seinem Rücktritt
kam Hirsch dem zuvor. Er ist bereits der zweite ranghohe Offizier, der
seinen Posten wegen des Libanonkriegs verliert. General Udi Adam, der
Befehlshaber des Nordkommandos, war schon während des Krieges
abgesetzt worden, er trat dann im September, einen Monat nach Ende der
Kampfhandlungen, zurück.
(Quellen: ap, afp)
Schwere Kämpfe in Somalia nach Ablehnung von Friedensabkommen
Mo.13.11.06 - Nach dem Scheitern eines Abkommens zur Wiederaufnahme von
Friedensgesprächen ist es in Somalia zu neuen heftigen
Kämpfen gekommen. Die islamistischen Milizen eroberten am Sonntag
die zentral gelegene Stadt Bandiradley, nachdem sie eigenen Angaben
zufolge von regierungstreuen Milizen und deren Helfern aus
Äthiopien angegriffen worden waren. Dabei seien zwei Kämpfer
der Islamisten getötet worden, hieß es. Laut
unbestätigten Berichten kamen auch drei Zivilpersonen ums Leben.
Zuvor hatte die Übergangsregierung von Somalia ein Abkommen
über neue Friedensgespräche abgelehnt. Das Dokument war von
den islamistischen Milizen und dem somalischen
Parlamentspräsidenten Sharif Hassan Sheik Aden unterzeichnet
worden. Aden verhandelte allerdings ohne ein Mandat der nahezu
machtlosen Übergangsregierung. Diese wird von den Vereinten
Nationen sowie vom Nachbarland Äthiopien unterstützt.
Gleichwohl hat das Bündnis islamischer Milizen in den vergangenen
Monaten die Kontrolle über weite Teile Südsomalias
übernommen.
(Quelle: ap)
Südkorea lehnt weitere Sanktionen gegen den nördlichen
Nachbarn ab
Mo.13.11.06 - Südkorea tut sich weiterhin schwer mit der Durchführung von
Strafmaßnahmen gegen seinen nördlichen Nachbarn.
Medienartikeln zufolge heißt es in einem Regierungsbericht an den
Sanktionsausschuss der Vereinten Nationen, man erfülle bereits die
Auflagen der jüngsten UN-Resolution zum nordkoreanischen
Atomprogramm und habe dem nichts mehr hinzuzufügen. Ein Sprecher
des Außenministeriums in Seoul sprach von reinen Spekulationen
und kündigte für den Verlauf des (heutigen) Montags eine
formelle Stellungnahme an.
Südkorea hat sich bislang zurückgehalten, zur Umsetzung der
beschlossenen Sanktionen Kontrollen nordkoreanischer Schiffe auf
offener See durchzuführen. Außerdem will die Regierung in
Seoul zwei Joint Ventures mit dem Norden auf dem Gebiet des Tourismus
und der Industrieproduktion nicht aufgeben.
Die nach dem nordkoreanischen Atomtest vom 9. Oktober verabschiedete
UN-Resolution sieht ein Export- und Importverbot von schwerem
Kriegsgerät vor. Ebenfalls verboten sind Ausfuhr und Einfuhr von
Gütern sowie Technologien, die für Massenvernichtungswaffen-
und Trägerraketenprogramme verwendet werden könnten. Ferner
wurden ein Embargo für Luxusgüter, Reisebeschränkungen
für nordkoreanische Regierungsvertreter sowie finanzielle
Sanktionen verhängt.
(Quelle: ap)
30.000 Südkoreaner protestieren gegen Arbeitsmarktreform
Mo.13.11.06 - In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul haben rund 30.000 Arbeiter
gegen eine geplante Arbeitsmarktreform und die Freihandelsgespräche
ihrer Regierung mit den USA demonstriert. "Wir wollen den
Generalstreik", skandierte die Menge auf ihrem Weg durch die Stadt.
Rund 9000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz; die Proteste
verliefen zunächst ruhig. Der koreanische Gewerkschaftsverband
KCTU kündigte weitere Protestaktionen in den kommenden Wochen an,
sollte die Regierung nicht eine Gesetzesvorlage zurückziehen, die
den Unternehmen mehr Freiheiten bei befristeten oder
Teilzeit-Arbeitsverhältnissen gewährt.
Die Gewerkschaft fordert einen besseren Schutz der Rechte von
Tagelöhnern und anderen Teilzeitbeschäftigten. Diese machen
nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) in
Südkorea einen ungewöhnlich hohen Anteil von 37 Prozent aus.
Die Proteste richten sich auch gegen ein geplantes Freihandelsabkommen
mit den USA, das nach Ansicht der Gewerkschaften das Land mit billigen
Importen überfluten und Bauern sowie Arbeiter ihre Jobs kosten
könnte.
(Quelle: afp)
Jüdischer Weltkongress berät über Antisemitismus in
Europa
Mo.13.11.06 - Das Führungsgremium des Jüdischen Weltkongresses (WJC) hat
bei einem Treffen in Paris über Themen wie das Wiedererstarken des
Antisemitismus in Europa und die Bedrohung für Israel durch den
Iran debattiert. Am Rande der Tagung, die hinter verschlossenen
Türen stattfand, sagte der Präsident des Europäischen
Jüdischen Kongresses, Pierre Besnaidou, die wichtigsten
jüdischen Themen lägen derzeit in Europa. Dazu gehöre das
Problem des Antisemitismus, vor allem in Osteuropa.
Zudem spiele Europa erstmals eine entscheidende Rolle im Nahen Osten
und in den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Die rund
einhundert im Exekutivrat vertretenen jüdischen
Führungspersönlichkeiten wollten auch über die Gefahren
durch den weltweiten Terrorismus sprechen.
Geplant war ferner ein interreligöser Dialog, an dem der
Präsident des Muslim-Rates in Frankreich, Dalil Boubakeur, der
französische Großrabbiner Joseph Sitruk und der Pariser
Erzbischof André Vingt-Trois teilnehmen sollten.
In Frankreich lebt die weltweit viertgrößte jüdische
Gemeinde mit geschätzten 600.000 Mitgliedern. Die
größten jüdischen Gemeinden gibt es mit jeweils mehr als
fünf Millionen Menschen in Israel und den USA. In Russland leben
rund 700.000 Juden, in Argentinien 400.000, in Kanada 370.000 und in
Großbritannien rund 300.000.
(Quelle: afp)
Frankreichs Wirtschaftswachstum bricht unerwartet ein
Mo.13.11.06 - Die französische Wirtschaft ist im Sommer völlig
überraschend nicht mehr gewachsen, nachdem sie im Frühjahr
noch kräftig zugelegt hatte.
Den Aufschwung in Deutschland gefährdet dies nach Ansicht von
Experten jedoch nicht, da vor allem die französische Industrie
unter hausgemachten Problemen leide.
Die vom Statistikamt Insee am Freitag vermeldete Stagnation zum
Frühlingsquartal erwischte die Statistiker ebenso wie die Notenbank
und Bankenexperten auf dem völlig falschen Fuß: Alle hatten
damit gerechnet, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der
Euro-Zone um etwa einen halben Prozent zulegt. "Das ist ein Blitz aus
heiterem Himmel", sagte Volkswirt Nicolas Bouzou von der Beratungsfirma
Asteres in Paris.
Kurz vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr ist die
Stagnation auch ein Rückschlag für die Regierung von
Ministerpräsident Dominique de Villepin. Sie prognostiziert
für das Gesamtjahr ein Wachstum von knapp zweieinhalb Prozent.
Volkswirte sagten, dass die Rate nun wohl eher bei zwei Prozent liegen
wird.
Im Frühjahr hatte die Wirtschaft noch um 1,2 Prozent zum
Jahresanfang zugelegt. Für die konjunkturelle Erlahmung im Sommer
machte der Frankreich-Experte der DekaBank in Frankfurt, Sebastian
Wanke, vor allem die Industrie verantwortlich: "Die Industrie leidet
unter hausgemachten Problemen und war im Sommer sehr schwach. Der
französischen Automobilbranche geht es nicht gut. Dann sind noch
die Probleme bei Airbus dazugekommen."
Auch im September sank die Produktion der französischen Industrie
wider erwarten, wie die Statistiker ebenfalls am Freitag meldeten. Ohne
den Bau lag sie 0,9 Prozent unter dem September. Die Experten
vermuteten, dass die Firmen im Sommer auf Kosten der Produktion ihre
Lager abgebaut haben und so zum Einbruch des Wachstums beigetragen haben.
"Gerade im Vergleich zu Deutschland hat die französische Industrie
in den vergangenen Jahren an Wettbewerbsfähigkeit verloren", sagte
Wanke. Dieser Einschätzung stimmte Emmanuel Ferry von BNP Paribas
zu: "Jeden Monat sehen wir neue Belege dafür, dass Frankreichs
Wirtschaft immer weniger eine Exportwirtschaft ist, besonders im
Vergleich zu Deutschland. Frankreich wird eine
Dienstleistungswirtschaft."
Das Wachstum in Deutschland wird am kommenden Dienstag
veröffentlicht. Experten rechnen im Schnitt mit einem Plus von 0,7
Prozent im Vergleich zum Frühjahr. Dazu dürfte hierzulande
besonders ein starker Anstieg der Industrieproduktion beigetragen haben.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Sorge über starken Anstieg rechtsextremistischer Straftaten
Mo.13.11.06 - Ein rasanter Anstieg rechtsextremistischer Straftaten hat Politik und
Verfassungsschutz alarmiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die
Bevölkerung am Wochenende zu Wachsamkeit auf. Allein in den ersten
neun Monaten lag die Zahl von rechtsextremistischen Delikten offenbar
um 20 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Die rechtsextreme
NPD sorgte mit ihrem ersten Bundesparteitag in Berlin für Proteste
und neue Forderungen nach einem Parteienverbot.
Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Heinz
Fromm, sagte der «Bild»-Zeitung: «Nach den bisher
vorliegenden Meldungen müssen wir auch in diesem Jahr mit einer
sehr hohen Zahl von Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund
rechnen.» Bis Ende September registrierte das BKA laut
«Tagesspiegel» insgesamt 9.013 Verbrechen und Delikte von
Rechtsextremisten und damit etwa 20 Prozent mehr als in den ersten neun
Monaten 2005. Darunter waren 522 Gewalttaten, 85 mehr als im gleichen
Zeitraum 2005.
Kanzlerin Merkel forderte in einer Internetbotschaft auch angesichts
des Rechtsextremismus mehr Aufmerksamkeit der Bürger. «Wir
brauchen wachsame Bürgerinnen und Bürger, und wir brauchen
die richtigen Mittel zur Bekämpfung von Kriminalität»,
erklärte sie. Auch am Wochenende gab es wieder mehrere
Vorfälle, bei denen ein rechtsextremistischer Hintergrund vermutet
wird.
Die rechtsextreme NPD hielt erstmals einen zweitägigen
Bundesparteitag in Berlin ab, nachdem ihr das Oberverwaltungsgericht
das Recht auf einen Saal in Reinickendorf zugesprochen hatte.
Sämtliche Parteien im Abgeordnetenhaus hatten zum Protest
aufgerufen. Bis zu 400 Gegendemonstranten empfingen die Delegierten mit
«Nazis-raus»-Rufen und gellenden Pfiffen.
Die Polizei nahm drei Parteitags-Teilnehmer fest, weil sie
verfassungswidrige NS-Abzeichen trugen. Zudem sorgte ein
sächsischer NPD-Politiker mit einem Interview für Wirbel, in
dem er sich zu Adolf Hitler bekannte. Nach Ende des Parteitags forderte
Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) einen neuen Anlauf zum
Verbot der Partei. Er stieß allerdings überwiegend auf
Skepsis.
NPD-Chef Udo Voigt, der auf dem Parteitag wiedergewählt wurde,
bestätigte unterdessen finanzielle Schwierigkeiten der Partei
wegen falscher Rechenschaftsberichte für die Jahre 1998 und 1999.
Der Bundestag will deshalb nach eigenen Angaben rund 870.000 Euro an
öffentlichen Mitteln aus der Parteienfinanzierung von der NPD
zurückfordern.
(Quelle: ap)
Linkspartei und WASG diskutieren Gründungsdokumente der neuen
Partei
Mo.13.11.06 - Auf zwei Regionalkonferenzen in Lübeck und Mannheim haben mehrere
Landesverbände der Linkspartei.PDS und der WASG am Wochenende die
Entwürfe der Gründungsdokumente der neuen gemeinsamen Partei
diskutiert. Im Mittelpunkt standen programmatische Eckpunkte, die
Bundessatzung und die Bundesfinanzordnung, wie die Linkspartei.PDS
mitteilte. Deren Parteivorsitzender Lothar Bisky warb in Lübeck um
Verständnis dafür, dass die Vorarbeit für die geplante
Fusion viel Kraft koste.
Dazu gehöre die Einberufung eines Sonderparteitags der Linkspartei
zur Umwandlung der Partei in einen rechtsfähigen Verein. «Wir
wollen eine erfolgreiche linke Partei werden, die immer mehr Menschen
als ihre Adresse für politische Veränderungen ansehen»,
betonte Bisky. Der Parteichef warb zudem für den neuen Parteinamen
«Die Linke.»: Es gehe um einen wirksamen parteipolitischen
Ausdruck, um eine plurale, demokratische Partei. Die beiden Konferenzen
bildeten den Auftakt für weitere Zusammenkünfte von
Landesverbänden beider Parteien in den kommenden Wochen.
(Quelle: ap)
Tausende protestieren gegen Castor-Transport
Mo.13.11.06 - Der zehnte Castor-Transport in das Zwischenlager Gorleben hat am
Sonntag begleitet von zahlreichen Protestaktionen Dannenberg erreicht.
Dort wurden bis zum Abend bereits acht der zwölf
Atommüllbehälter auf Tieflader umgesetzt. Der Weitertransport
der Behälter auf der Straße wird am (heutigen) Montagmorgen
erwartet. Bis zur Dannenberger Umladestation war der am Freitag in
Frankreich gestartete Zug mit Abfällen aus der Wiederaufarbeitung
deutscher Brennelemente insgesamt 44 Stunden unterwegs.
Für die letzten 50 Kilometer von Lüneburg bis Dannenberg
benötigte er allein viereinhalb Stunden. Vor allem westlich von
Dannenberg gelang es immer wieder kleineren Gruppen von
Atomkraftgegnern, Gleise zu besetzen und den Transport zu
verzögern. In der Nähe der Ortschaft Leitstade ketteten sich
zudem zwei Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood an Seilen fest,
die in zehn Meter Höhe zwischen zwei Bäumen über die
Bahnstrecke gespannt waren. Die Polizei beendete die Blockadeaktion
nach zwei Stunden.
Die Polizei setzte nach eigenen Angaben gegen eine Gruppe von 150
Demonstranten, die mit Steinen und anderen Gegenständen geworfen
hätten, Schlagstöcke und einen Wasserwerfer ein. An den
überwiegend friedlichen Protesten an der Bahnstrecke zwischen
Lüneburg und Dannenberg hätten sich rund 1.500 Castor-Gegner
beteiligt, sagte ein Polizeisprecher. Der Protest werde hoffentlich
auch weiterhin von der großen Zahl friedlicher Bürger
getragen, sagte Einsatzleiter Friedrich Niehörster.
Der Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, Francis
Althoff sagte, bei den Aktionen hätten sich am Sonntag 3.000
Castor-Gegner beteiligt. Es gehe nicht in erster Linie um eine
Verzögerung des Transports, man protestieren vor allem gegen die
Absicht von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, den Salzstock Gorleben
weiter erkunden zu lassen. Gabriel wolle an ungeeigneter Stelle bei der
Atommüllentsorgung eine Billiglösung durchsetzen.
Auch der Sprecher der Aktion «x-tausendmal quer», Jochen
Stay, betonte, dass es vor allem um politische Ziele gehe. Während
der knapp zweitägigen Reise des Atommüllzuges von der
französischen Wideraufarbeitungsanlage La Hague bis Dannenberg
hätten die Lokführer wegen der Blockaden und Mahnwachen viele
Male auf die Bremse treten müssen. Stay rief zu weiteren
gewaltfreien Straßenblockaden an der Umladestation auf. Am
Sonntagnachmittag starteten dort mehrere hundert AKW-Gegner
Sitzblockaden auf den zwei nach Gorleben führenden Straßen.
Der Zug mit den Atommüllbehältern hatte am Samstagabend die
deutsch-französischen Grenze passiert und nach weitgehend
störungsfreier Fahrt durch Deutschland am Sonntagmorgen
Lüneburg erreicht. Kleinere Blockadeaktion gab es lediglich bei
Oftersheim im Rhein-Neckar-Kreis und in Darmstadt-Kranichstein. Am
Zwischenlager Gorleben protestierten am Samstag rund 5.000
Atomkraftgegner gegen den Transport, gegen ein Endlager in Gorleben und
für den sofortigen Atomausstieg. An der Demonstration beteiligten
sich auch 200 Landwirte mit Traktoren.
(Quelle: ap)
Umweltminister Gabriel bekräftigt Bereitschaft zu Ende des Gorleben-Moratoriums
Mo.13.11.06 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat seine Bereitschaft
bekräftigt, das Gorleben-Moratorium zu beenden und
unverzüglich mit der Erkundung des niedersächsischen
Salzstocks fortzufahren. Voraussetzung für ein Ende des bis 2010
dauernden Moratoriums sei ein Standort-Vergleich, sagte Gabriel der
Zeitung «Die Welt» (Montagausgabe). Dem versperre sich
bisher die Union. Der SPD-Politiker widersprach nachdrücklich dem
Vorwurf, eine Lösung der Frage durch einen neuen
Standort-Vergleich weiter hinauszögern zu wollen.
«Wenn wir uns in der Koalition darauf verständigen,
zeitgleich mit einer alternativen Standortsuche, und zwar nach
internationalen Kriterien, zu beginnen, kann auch Gorleben weiter
erkundet werden», wurde der Minister zitiert.
Die rot-grüne Bundesregierung hatte im Zuge der
Atomausstiegsverhandlungen im Jahr 2000 beschlossen, die Erkundung des
Salzstocks Gorleben als mögliches Endlager für
hochradioaktive Stoffe für drei bis längstens zehn Jahre zu
unterbrechen. In dieser Zeit sollten wissenschaftliche Zweifelsfragen
abgearbeitet werden. Gabriel hatte im Oktober im Bundestag
erklärt, dass er das Moratorium aufheben und Gorleben in Betrieb
nehmen will, sobald bei einem Standort-Vergleich nur gleich gute
Endlager an anderer Stelle gefunden werden.
(Quelle: ap)
Bürgerentscheid: Freiburger stimmen gegen Verkauf von 7.900
städtischer Wohnungen
Mo.13.11.06 - Der Verkauf von von 7.900 städtischen Wohnungen in Freiburg ist
zunächst vom Tisch: Ein Bürgerentscheid gegen das Vorhaben
von Oberbürgermeister Dieter Salomon war am Sonntag erfolgreich,
wie die Stadt am Abend mitteilte. Demnach stimmten 41.579
Wahlberechtigte oder 70,5 Prozent gegen einen Verkauf. Dafür waren
nur 17.419 Bürger, was 29,5 Prozent entspricht. Die
Wahlbeteiligung wurde mit 39,9 Prozent angegeben. Das Quorum, dass
mindestens 25 Prozent der etwa 150.000 Wahlberechtigten (rund 37.000
Bürger) mit «Ja» stimmen, wurde erfüllt.
OB Salomon äußerte sich überrascht, betonte aber, dass
er das Ergebnis respektiere. Freiburg stehe vor schwierigen Zeiten,
fügte der Grünen-Politiker hinzu. Die schwarz-grüne
Mehrheit im Gemeinderat sieht in dem Verkauf einen notwendigen
Befreiungsschlag zur Sanierung der städtischen Finanzen. Die
Gegner werfen Salomon Wortbruch vor und befürchten unter anderem
Mieterhöhungen.
In dem Bürgerentscheid mussten die Wähler die Frage
beantworten, ob sie dafür sind, dass die Stadt Eigentümerin
der Wohnungen bleibt. Die Stadt darf die Wohnungen nun drei Jahr lang
nicht verkaufen.
(Quelle: ap)
Bildung
Pisa-Studie soll auf Erwachsene und Studenten ausgedehnt werden
Mo.13.11.06 - Der Pisa-Bildungstest soll einem Zeitungsbericht zufolge von
Schulkindern auf Erwachsene und Studenten ausgedehnt werden. Die
Industrieländerorganisation OECD plane derzeit zwei neue
Pisa-Tests, berichtete die «Financial Times Deutschland»
(Montagausgabe). Der zuständige OECD-Koordinator Andreas
Schleicher sagte dem Blatt, ab 2009 sollten zunächst Erwachsene
mit einfacheren Aufgaben getestet werden. In einigen Jahren sei zudem
ein Vergleichstest für Studenten geplant.
Die Erwachsenentests würden vor allem Aufschluss geben, wie gut
die Risikogruppen international abschnitten, wurde Schleicher zitiert.
Mit der Umsetzung der Piaac (Programme for the International Assessment
of Adult Competencies) genannten Untersuchungen wolle man in rund einem
Jahr beginnen. Die Teilnahme daran ist dem Bericht zufolge freiwillig.
Ein Sprecher des Bundesbildungsministeriums sagte der Zeitung, noch sei
keine Entscheidung über eine deutsche Beteiligung bei Piaac oder
beim Studenten-Pisa gefallen.
(Quelle: ap)
Klimawandel
Treibhausgase wachsen vier Mal schneller
Mo.13.11.06 - Trotz der Bemühungen gegen den Klimawandel wächst der
Ausstoß von Kohlendioxid heute vier Mal schneller als noch in den
90er Jahren. Mit dieser alarmierenden Erkenntnis ist am Sonntag in
Peking eine Umweltkonferenz mit mehr als 1000 Wissenschaftlern aus aller
Welt zu Ende gegangen.
Als zweitgrößter Kohlendioxidproduzent der Welt ist allein
das aufstrebende China heute mit 40 Prozent an dem Anstieg beteiligt.
Zum Abschluss der Konferenz der Earth System Science Partnership (ESSP)
forderten die Teilnehmer in einer Pekinger Erklärung
«sofortiges, gemeinschaftliches Handeln der Regierungen».
Die beispiellosen Umweltveränderungen seien eine «ernste
Bedrohung».
Der weltweite Zuwachs von Kohlendioxid lag zwischen 2000 und 2005 bei
3,2 Prozent jährlich, während er von 1990 bis 1999 nur 0,8
Prozent erreicht hatte, wie Mike Raupach, der Vorsitzende der
Kohlendioxid-Arbeitsgruppe innerhalb der ESSP berichtete. «Das ist
ein sehr beunruhigendes Zeichen», sagte der australische
Wissenschaftler. «Es zeigt, dass die jüngsten Bemühungen
zur Verringerung des Ausstoßes praktisch keine Auswirkungen auf
den Zuwachs haben und wirksamere Grenzwerte dringend nötig
sind.»
Der Co-Vorsitzende der Konferenz, Gordon McBean, sagte der dpa:
«Die Kurve geht viel schneller nach oben als bisher.» Der
Zuwachs der Treibhausgase laufe der angestrebten Stabilisierung
entgegen. «Die Ergebnisse machen klar, dass besser früher als
später gehandelt werden muss.» Der kanadische Professor
zeigte sich beunruhigt: «Die Mehrheit der wissenschaftlichen
Berichte in den vergangenen fünf Jahren machen mir mehr Sorgen als
zuvor.» Das Polar-Eis schmelze schneller als erwartet. Wärmer
werdende Ozeane und eine gestörte Pflanzenwelt nähmen weniger
Kohlendioxid auf als bisher gedacht.
Dauerfrostböden tauten schneller auf. Wie viel Kohlendioxid
dadurch freigegeben werde, wisse niemand, sagte McBean. «Hier
lauert eine Katastrophe.» Wissenschaftler berichteten
außerdem, dass der Meeresspiegel durch die Erderwärmung schon
1,5 bis 2 Millimeter pro Jahr angewachsen sei. Damit liege er im oberen
Bereich bisheriger Schätzungen des internationalen
Expertengremiums für Klimawandel (IPCC), die von 1 bis 2 Millimeter
ausgegangen waren. Da die Mechanismen des Klimawandels heute besser
bekannt sind, rechnen die Wissenschaftler damit, dass der 2007
erwartete neue IPCC-Bericht deutlichere Worte als bisher finden wird.
McBean zeigte aber Verständnis, dass China und Indien als
Entwicklungsländer nicht in die Verantwortung genommen werden
wollen. Immerhin stammten 80 Prozent der heute angesammelten
Treibhausgase in der Atmosphäre aus den entwickelten
Industrienationen, sagte er. Vergangene Woche hatte die Internationale
Energiebehörde berichtet, dass China, heute viertgrößte
Wirtschaftsnation, schon 2009 und damit fast ein Jahrzehnt früher
als bisher erwartet die USA als größter Kohlendioxidproduzent
überholen wird.
(Quelle: dpa)